Episode 19: I’m not there, Oldboy
Wir werfen einen Blick auf einen der ungewöhnlichsten Biopics der Filmgeschichte, I’m not there, der sich mit dem künstlerischen Wirken von Bob Dylan auseinandersetzt, und wir reden über den koreanischen Revengethriller-Klassiker Oldboy. Zwei große Filme aus den 2000er Jahren, von denen jeder auf seine eigene Art und Weise ungewöhnlich ist. Der eine als obskure Rachegeschichte zwischen Thriller, Action und Drama, der andere als diversifizierte Künstlerbiografie, die die Realität weit hinter sich lässt oder in symbolische Bilder kleidet.
Da die Schauspielleistung vor allem von Cate Blanchett als Verkörperung der Rock N Roll Seiten Dylans so unverschämt gut ist, schauen wir in unserer ersten Topliste darauf, welche Schauspielleistungen uns sonst noch besonders begeistern konnten. In der zweiten Topliste beschäftigen wir uns mit Rache im Film in den verschiedensten Formen.
Und am Ende des Podcasts gibt es noch eine kleine Überraschung. Unser Studio wird nämlich gekapert und wir werden uns nächste Woche wohl oder übel mit einem Filmgenre auseinandersetzen müssen, von dem wir beide so überhaupt keine Ahnung haben…
Oldboy [Park Chan-wook]
(Südkorea 2003)
Das koreanische Actionthrillerdrama Oldboy aus dem Jahr 2003 ist der zweite Teil von Park Chan-wooks Rachetrilogie, und der einzige Film aus dieser Reihe, der auch bei einem westlichen Publikum für großes Aufsehen sorgte. Und sieht man diesen Film zum ersten Mal, sollte einem auch ziemlich schnell klar werden wieso: Park erzählt einen stringenten Revengethriller im coolen tarantinoesken Stil, würzt diesen mit viel Noir, einer Menge Pathos, einigen düsteren Myteryelementen und einem finalen Plottwist, der dem Publikum den Boden unter den Füßen wegreißt. Dennoch ist Oldboy kein gefälliger Film. Er ist brutal, nicht nur in seinen Gewalt- und Actionsequenzen, sondern auch in seiner Logik, die einem radikalen Symbolismus folgt, in seiner Geschichte, die schwere Themen wie Inzest, obszessive Rache und Entkopplung von der zivilisierten Gesellschaft behandelt; und er ist brutal in seinen Bildern, die mal grotesk physisch daherkommen, mal traumwandlerisch, fast schon surreal.
Oldboy ist ein Brocken, ein Monstrum von seinem Film und zugleich die beste Werbung für das postmoderne koreanische Kino… Oder, Johannes?
I’m not there [Todd Haynes]
(USA 2007)
Sechs Schauspieler spielen Bob Dylan. Was für ein genialer Move. Bob Dylan scheint sich einer allgemein gültigen Charakterisierung zu entziehen. Immer wenn man glaubt, jetzt habe man ihn verstanden, entgleitet er einem, wie ein glitschiger Fisch.
Entsprechend entgleitet einem der Film „I’m not there“ aus dem Jahre 2007 immer wieder. Wo sind wir gerade? Hat er das wirklich eben gesagt? Wie tot? Bob Dylan lebt doch! Typische Gedanken beim Anschauen dieses Films, der sich nicht streng an biographische Wahrheiten hält, sondern sich an das Gefühl seiner Musik, seiner Zeit, den Protest, die Religion, den Drogenrausch und das undurchsichtige Ego Bob Dylans heranrobbt.
Aber haben wir Bob Dylan am Ende verstanden? Was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 19: I’m not there, Oldboy Publishing Date: 2021-05-12T18:05:49+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/12/episode-19-im-not-there-oldboy/
Johannes Franke: It ain't no use in calling out my name, gal, like you never heard. I once loved a woman, a child I'm told I gave her my heart, but she wanted my soul So don't think twice, it's alright
Florian Bayer: Vielen Dank für dieses tolle musikalische Intro, Johannes. Passend zu dieser Episode.
Johannes Franke: Ja, ich habe mir ganz viel Mühe gegeben. Bob Stillen ist einfach schon lang genug in meinem Oeuvre. Aus einem Demoreal geschnitten. nicht verraten. Ich habe das extra für diese Episode gemacht.
Florian Bayer: Und hast gedacht, ausnahmsweise, wenn wir schon Dylan machen, verzichte ich mal auf die Ukulele. Ja. Und hau einen mit Gitarre raus.
Johannes Franke: Wer weiß, vielleicht mache ich im Nachhinein doch noch einen mit Ukulele und schneide den dann rein.
Florian Bayer: Damit ich besonders dumm klinge in diesem Intro jetzt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Sehr gut. Und damit wären wir auch gleich schon beim ersten Film, den wir heute haben.
Johannes Franke: Herzlich willkommen erstmal zum Muss-Man-Sehen-Podcast. Hallo Ploa, schön, dass du wieder... da bist.
Florian Bayer: Hallo Johannes, schön, dass du da bist. Liebes Stammpublikum, schön, dass ihr da seid. Ihr braucht mittlerweile wahrscheinlich keine große Einführung, deswegen werden wir da komplett drauf verzichten. Wir haben zwei Filme für euch. Zwei Filme, über die wir reden werden. Film Nummer 1, Johannes.
Johannes Franke: Film Nummer 1, von dir für mich, Oldboy.
Florian Bayer: Film Nummer zwei von dir für mich. I'm not there. Einmal ein südkoreanisches Rachedrama aus dem Jahr 2003.
Johannes Franke: Einmal ein Biopic, eine Art Biopic. Artist Pick aus dem Jahr 2007 über Bob Dylan. Ja, wir werden als erstes allerdings nicht zu Bob Dylan, auch wenn das Intro das nahelegt. Wir werden als erstes... Erstmal über einen Oldboy reden, weil das letzte Mal, wir müssen das ja einhalten, mal meiner als erstes, mal deiner als erstes.
Florian Bayer: Besser als Schnick-Schnack-Schnuck spielen. Du erinnerst dich an die Rage-Mails von enttäuschten Fans, die gesagt haben, das könnt ihr uns nicht antun. Ihr könnt nicht am Anfang fünf Minuten über Schnick, Schnack, Schnuck debattieren. Und euch Taktiken und Strategien anschauen und über Autoren lästern, die darüber geschrieben haben.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil es ja doch ein visuelles Medium ist, was wir hier vor uns haben und das Schnickschnack schon besonders geeignet.
Florian Bayer: Ja. Wir können irgendwann mal ein Schnickschnack-Schnuck probieren, wo wir es einfach reinrufen.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Heißt du so Schnick, Schnack, Schnuck und dann gleichzeitig, Achtung, wir versuchen das mal. Ich sag Schnick, Schnack, Schnuck an und dann nach dem Schnuck. Orientier dich an meinem Rhythmus, rufen wir beide gleichzeitig eine Sache rein. Schnick, Schnack, Schnuck, Prone. Schere.
Johannes Franke: Ach, ohne Brunnen. Mann, nur. Okay.
Florian Bayer: Es gab doch auch diese wunderbare Variante von Big Bang Theory, wo sie noch Spock... Spock?
Johannes Franke: Was war das noch? Ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Sie machen es auf jeden Fall so, dass es nach wie vor Sinn ergibt, dass alles, was hat, was es schlägt und wovon es geschlagen wird. Ich kann mich nur an Spock erinnern.
Johannes Franke: Lass uns bitte noch fünf Minuten über Schnickschnack sprechen. Um unseren Autoren der Hass-Mails noch ein bisschen zu ärgern.
Florian Bayer: Mögen die nächsten Hass-Mails kommen. Ich lege los mit Oldboy.
Johannes Franke: Mit Oldboy. Dann führ doch mal in den Film ein und dann lass uns vortrefflich darüber diskutieren.
Florian Bayer: Ich hab festgestellt, meine Einleitung erzählt überhaupt nichts über die Handlung des Films.
Johannes Franke: Hast du jetzt festgestellt?
Florian Bayer: Das hab ich jetzt festgestellt, als ich drauf geguckt habe. Aber mal schauen.
Johannes Franke: dir das nicht aufgefallen? Nein, nein.
Florian Bayer: Ich habe das so schnell runtergeschrieben. Wir einigen uns dann gemeinsam auf die Handlungszusammenfassung.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt.
Florian Bayer: Das koreanische Action-Thriller-Drama Oldboy aus dem Jahr 2003 ist der zweite Teil von Park Chan-Wooks Rache-Triologie. Und der einzige Film aus dieser Reihe, der auch bei einem westlichen Publikum für großes Aufsehen sorgte. Und sieht man diesen Film zum ersten Mal, sollte einem auch ziemlich schnell klar werden wieso. Park erzählt einen stringenten Revenge-Thriller im coolen, tarantinoesken Stil, würzt diesen mit viel Noir, einer Menge Pathos, einigen düsteren Mystery-Elementen und einem finalen Plot-Twist, der dem Publikum den Boden unter den Füßen wegreißt. Dennoch ist Oldboy kein gefälliger Film. Er ist brutal. Nicht nur in seinen Gewalt- und Actionsequenzen, sondern auch in seiner Logik. die einem radikalen Symbolismus folgt, in seiner Geschichte, die schwere Themen wie Inzest, obsessive Rache und Entkopplung von der zivilisierten Gesellschaft behandelt Und er ist nicht zuletzt brutal in seinen Bildern, die mal grotesk physisch daherkommen, mal traumwandlerisch fast schon surreal. Oldboy ist ein Brocken, ein Monstrum von einem Film und zugleich die beste Werbung für das postmoderne koreanische Kino. Oder, Johannes?
Johannes Franke: Es ist eine verdammt gute Werbung für das neue postmoderne Kino, wie auch immer du das sagst. einsortierst. Ich könnte es nicht so einsortieren. Ich wüsste überhaupt nichts über koreanische Filme zu sagen. Aber dank dir werde ich jetzt... Ich saß wirklich davor und dachte, jetzt kommt bestimmt irgendwie und es wird ganz viele... grisselige Schwarz-Weiß-Sequenzen geben mit Untertiteln, die ich nicht verstehe. Weißt du, das Bild, was ich davon habe, wenn du mir einen koreanischen Film gibst. Weil du überhaupt einen Film gibst, egal was für einen. Oh nein, Asiate, ich helfe. Aber nein, es war unglaublich europäisch in der Rezeption für mich irgendwie. Und das ... Das klingt jetzt ganz böse eurozentristisch, aber ich mochte es glaube ich genau deswegen. Ja. Also es ist ein bisschen, ich schäme mich ein kleines wenig dafür, aber nicht genug, als dass ich es nicht für dich auch sagen würde. Es ist so. Mein Filmgeschmack ist irgendwie europäisch geprägt oder amerikanisch geprägt.
Florian Bayer: Wir haben alle unsere filmische Sozialisation und da kommen wir nicht so ganz raus.
Johannes Franke: Ja, und deswegen hat der Film es eben auch geschafft, mich sehr schnell abzuholen und mich einfach an die Hand zu nehmen und zu sagen... Komm mit, Pigeldi. Wir erleben jetzt ein Abenteuer.
Florian Bayer: Was hast du eigentlich immer mit Pigeli und Frederik? Ich weiß es nicht. Es gibt ein ursprüngliches Intro zu unserem Podcast.
Johannes Franke: Ja, was wir nie benutzt haben.
Florian Bayer: Weil ich gesagt habe, ich finde es schrecklich. Wo Johannes am Ende unseres Intros sagt, na gut, auf geht's, Piggeldi. Und dann nochmal mit einer schönen, sonoren Erzählerstimme.
Johannes Franke: Die ging mit Frederik nach Hause.
Florian Bayer: Und du weißt, es ist noch A genau, 1 zu 1 genauso klang. Also wenn euch unser Intro zu kurz ist, nehmt jetzt einfach dieses Piece, das Johannes gerade eingesprochen hat und schneidet es am Schluss nochmal rein. Dann habt ihr das ursprüngliche Intro.
Johannes Franke: Ja. Nein, aber es ist schön, dass Pickel, die mich da so...
Florian Bayer: Frederik nimmt dich mit.
Johannes Franke: Ach nein, Frederik nimmt mich mit. Ja, diese ganzen Koreaner, die bringen mich durcheinander. Da kann man Pickel die von Frederik nicht unterscheiden. Oh Gott, das war noch. Das war fast rassistisch gemeint.
Florian Bayer: Oh nein, das habe ich gar nicht reingelesen.
Johannes Franke: Okay, danke. Fuck. Okay, nein, lass uns über diesen Film reden.
Florian Bayer: Oldboy ist tatsächlich krass westlich geprägt und man merkt einfach, dass Can Wook Park hat... Unzählige Inspirationsquellen aus dem amerikanischen Kino vor allem.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Tarantino zu nennen, gerade was so der Style-Faktor betrifft.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Die Coolness des Helden, der zwar oft auch abgefuckt ist, Aber eben so ein abgefuckter Antiheld, der irgendwie cool aussieht, auch mal mit Fluppe im Mund und mit schräger Sonnenbrille auf und trotzdem cool aussehen kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Dialoge haben teilweise zumindest so ein bisschen eine Tarantino-Schlagseite, auch wenn nicht viele Trivialitäten ausgetauscht werden.
Johannes Franke: Nee, ganz wenig. Aber Tarantino-esk war das erste, was mir eingefallen ist. Also es ist schon wirklich sehr, sehr stark so. Und ich habe auch gelesen, dass Tarantino diesen Film... in irgendeiner Jury sitzend sehr gepriesen hat.
Florian Bayer: Ja, klar. Also es ist ein Film, der für Tarantino und auch für Tarantino Fans gemacht ist. Er hat auch diesen schwarzen Humor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er hat dieses Spiel mit der Brutalität. Es gibt nicht viele brutale Szenen, aber wenn er brutal wird ... Dann gibt es teilweise wirklich Szenen, die an die Schmerzgrenze gehen. Zahnziehzähne, die einfach mal drastisch ist und einfach mal in Erinnerung bleibt.
Johannes Franke: Und auch am Ende. Lass uns gleich das Schlimmste vorwegnehmen. Das Schlimmste für mich war der Oktopus. Ah ja, also ich habe gleich noch während des Films habe ich gegoogelt. Für den Zuhörer, der den Film nicht kennt, die Hauptfigur ist in einem Restaurant ein Oktopus. der sich erstaunlich lebendig wehrt dagegen.
Florian Bayer: Weil er lebendig ist.
Johannes Franke: Weil er lebendig ist und er hat das Ganze viermal gedreht, also vier Oktober. Pi, Pussy, Pussy, was, was? Moment.
Florian Bayer: Also lateinisch würde ich sagen, Octopie.
Johannes Franke: Octopoten. wirklich bei lebendigem Leib verspeist. Und der Typ ist eigentlich Vegetarier und Buddhist. Und das ist schon...
Florian Bayer: Oh, nee. Er hat für jeden Einzelnen ein Gebet gesprochen, weil es ihm leid getan hat, die zu essen. Jetzt muss man dazu sagen, es gibt tatsächlich, Oktopus gilt auch in der sehr frischen Variante als ... Kulinarische Köstlichkeit in Korea. In Südkorea wird tatsächlich gegessen. Allerdings ist es meistens so, also eigentlich ist die Regel, dass die Tiere getötet werden, bevor sie gegessen werden. eben weil, wenn man die bei lebendigem Leib essen würde, dann würde genau das passieren, was in dieser Szene passiert. Der Oktopus klammert sich an das Gesicht. Klammert sich an den Mund, an die Lippen und wehrt sich verzweifelt gegen das Gegessenwerden. Jetzt folgt diese Szene natürlich... Wie fast jede Szene in dem Film, einem gewissen Symbolismus. Ja. sie ergibt sich natürlich total logisch aus dem, was davor geschehen ist. Also sie verdeutlicht ja auch was und Deswegen würde ich ganz kurz nochmal zurückspringen in die Story, die ich jetzt komplett ausgespart habe. um einmal das Publikum abzuholen, wo wir stehen.
Johannes Franke: Ach, das wird völlig überbewertet. Jetzt muss doch keiner wissen, worum es geht. Hör mal, Flor.
Florian Bayer: Im Mittelpunkt von Oldboy steht Odessu, der ein ... ziemlich heruntergekommener Lebemann ist, könnte man sagen. Mittleres Alter, dick, kümmert sich wenig um seine Familie.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und den lernen wir auch tatsächlich so als zündlichen Versager kennen, der auf der Polizeistation ist, weil er betrunken halt irgendwo offensichtlich Randale und Chaos gemacht hat. Und er wird auf dieser Polizeistation festgehalten, aber er will eigentlich los, weil er noch ein Geschenk für seine Tochter hat und weil er seine Familie sehen will. Und der wird dann von seinem besten Freund abgeholt. Und der beste Freund verschwindet noch mal kurz in der Telefonzelle, um bei Otessus Frau anzurufen und zu sagen, hey, ist alles in Ordnung, wir kommen gleich. Und dann verschwindet dieser Autosur einfach. Und das Nächste, was wir sehen, ist, dass er in einer kleinen Zelle wach wird. wo er gefangen gehalten wird. Und zwar für eine wirklich, wirklich lange Zeit. Der Film startet im Jahr 1988. Mhm. Und spielt im Jahr 2003. Das heißt, dieser Odesu wird 15 Jahre lang in einer Art Hotelzimmer gefangen gehalten, wo er nichts hat außer dem Fernseher. Und einem Bett und einer Kommode und täglich wird ihm Essen reingeschoben und zwar immer dieselben Teigtaschen, die er auch irgendwann zu hassen lernt. Und er wird da 15 Jahre gefangen gehalten. Und versucht sich noch, versucht sich einmal umzubringen, versucht sich einen Weg in die Freiheit zu erkämpfen, indem er sich durch die Mauer gräbt und dann schließlich feststellt, dass er irgendwo ... weit oben ist in der Stadt und es regnet und denkt dann auch sogar drüber nach, zur Not springe ich halt einfach, dann ist das Elend wenigstens vorbei. Und dann wird er hypnotisiert und ganz abrupt freigelassen. Und er sind natürlich auf Rache. Also zum einen will er verstehen, warum er gefangen gehalten wurde. Aber noch viel wichtiger ist ihm, er will sich an der Person, die ihm das angetan hat, rächen. Und er stolpert dann, kurz nachdem er freigelassen wurde, in dieses Sushi-Restaurant. wo er Mido kennenlernt, die da arbeitet. Und er will von ihr was Lebendes haben. Sie fragt, was er gerne essen würde. Und er sagt, was Lebendes. Und er will diesen Oktopus haben. Und dann stopft er diesen Oktopus in sich hinein. Und jeder einzelne Bissen, den er macht, ist eine Symbolisierung seiner... seiner schieren Wut, seines schieren Zorns, den er einfach mit sich rumträgt, weil ihm so etwas angetan wurde. Und damit sind wir auch schon beim wesentlichen Element, einem der ganz zentralen Themen dieses Films. Und das ist eben Rache. Es geht um Rache. Und zwar denkt der Zuschauer lange, es geht um die Rache von Odesu, der sich für seine Gefangenschaft rächen will. Aber in Wirklichkeit ist eigentlich das, was drüber gebaut ist, die Rache seines Widersachers, der auch ziemlich schnell dann in der Erscheinung tritt, Li Wu Qin. der ihn eingesperrt hat.
Johannes Franke: So schnell auch nicht. Also ich sitze schon lange da und denke, erzähl mal, erzähl mal, worum geht es denn jetzt eigentlich wirklich?
Florian Bayer: Er telefoniert ja schon mit ihm in dem Sushi-Restaurant, als er nach seiner frei, nachdem er befreit wurde, aus dem Sushi-Restaurant kommt. Sehen wir diesen Li Wujin zum ersten Mal und sagt, ja, ich habe mir ein Spiel ausgedacht und ich will dich jetzt beobachten und du wirst nicht herausfinden, warum ich das Ganze mit dir mache. Und der Überbau der Handlung ist eigentlich, dass dieser Lee Wood chin sich an Odessu rächt. Und das ist einer der wirklich absurdesten und krankesten Racheplots, den man sich überhaupt vorstellen kann.
Johannes Franke: Aber er kommt gut damit um die Ecke. Also ich muss schon sagen, ich habe das nicht viel hinterfragt. Nach dem Film habe ich dann ein bisschen mehr gedacht. Also irgendwie, ich weiß ja nicht. eigentlich schafft der Film das kurzweilig genug zu sein, um nicht die Möglichkeit zu geben, zu lange darüber nachzudenken, was das jetzt eigentlich... Du hast zu viel damit zu tun, die Bilder anzuschauen und der Story zu folgen und dich immer wieder zu fragen, hey, was jetzt?
Florian Bayer: Es gibt viele Mystery-Elemente und die halten den Film auch am Laufen. Man hat eigentlich die ganze Zeit so ... Sachen zu fragen, die einem im Kopf rumspuken. Was passiert als nächstes? Wo treibt es ihn jetzt hin? Es gibt diesen... der so sehr klassischen noir-Detektiv-Geschichten folgt. Einfach, wo er wirklich seinen Peinigern hinterher recherchiert. Aber das Ganze wird mit so einem unglaublichen Tempo erzählt, dass es kaum eine Atempause gibt.
Johannes Franke: Du verstehst auch nicht so alles, was passiert, weil da einfach von einem schon ins nächste geworfen wird und das nicht so auserzählt wird. Ich bin am Ende, wenn er dann irgendwie es geschafft hat, zu diesem Haus zu kommen, frage ich mich schon kurz. Hä? Moment. Wie hat er es jetzt geschafft?
Florian Bayer: Zu welchem Haus?
Johannes Franke: Wo er gefangen halten wurde.
Florian Bayer: Ach so, ja. Er recherchiert bei den Teigtaschen. Genau, die Teigtaschen.
Johannes Franke: ausprobiert. Fantastische Montage. Ich finde es super, eine ganz tolle Idee, aber ich habe echt... Dann nochmal kurz nachdenken müssen und habe bestimmt wieder was verpasst, weil ich dann gedacht habe, Moment, wie hat er das jetzt geschafft? Ach ja, da war das mit dem Essen. Und dann ist er echt übers Essen darauf gekommen, wo er gefangen halten wurde? Meine Güte.
Florian Bayer: Ja, unterstützt von Mido recherchiert er dann diesen Teigtaschen hinterher und das ist was, also das habe ich mich tatsächlich beim ersten Mal, als ich den Film gesehen habe, total gefragt als Zuschauer, was soll. Warum nimmt sie ihn so schnell bei sich auf? Warum kommen die so schnell zusammen? Warum ist er so scharf auf sie? Und es ist total absurd. Es gibt auch fast so eine Vergewaltigungsszene. Wo sie dann relativ nonchalant drauf reagiert.
Johannes Franke: Da müssen wir drüber reden.
Florian Bayer: Ich will ja auch Sex haben, aber noch nicht. Und das ist...
Johannes Franke: Ja, also okay, da müssen wir aber, wollen wir da jetzt drüber reden?
Florian Bayer: Auf jeden Fall, die Szene kommt.
Johannes Franke: Okay, okay, plur. Also, das eine war der Oktopus, das andere war das jetzt. Er ist ja wieder draußen und er lernt sie kennen und sie nimmt ihn tatsächlich sehr überraschend irgendwie... auf. Man versteht die Motive nicht. Ich finde, am Ende des Films wird das nochmal erklärt, sodass es okay ist. Fragst dich halt während des Films, was es soll, aber gut. Und dann hat er halt 15 Jahre lang keinen Sex gehabt. Ja, okay. Aber dann überfällt er sie so halb. Vielen Dank. Sie sagt, nee, nein, Hilfe, nein, tu es nicht.
Florian Bayer: Mit Messer, mit Zustimmmesser.
Johannes Franke: Und dann nutzt sie das Messer aber nicht wirklich, sondern macht einfach mit dem Griff Bonk auf den Kopf. Und dann rennt er halt wieder weg. Und sie kommt hinterher und sagt, oh Entschuldigung. Entschuldige, mein Verhalten, was ich gemacht habe. Ich will halt irgendwie eigentlich, aber eigentlich auch noch nicht. Und wenn es dann soweit ist, dann werde ich mich wehren, aber du soll dich nicht stören, mach trotzdem. Und ich denke, what the fuck? Alter, erzähl mir nix, was soll das denn?
Florian Bayer: Allein schon ihr Verhalten, auch dass sie ganz am Anfang dann sagt, naja, ich bin ja auch selbst schuld, ich hab dich ja immerhin zu mir nach...
Johannes Franke: nach Hause gelassen.
Florian Bayer: Und das ist wirklich übel. Das ist einfach mal... Das, was man wunderbar unter dem Begriff Rape-Culture subsumieren kann, diese klassische Altherren-Fantasie von einem jungen Mädchen, das den älteren Mann betrifft. nach Hause nimmt.
Johannes Franke: Sie will es ja nicht anders.
Florian Bayer: Sie will es nicht anders und sie sagt dann sogar noch, ich werde mich wehren, aber du musst dann trotzdem ran und ich Du wirst schon bemerken, wenn ich es will.
Johannes Franke: Furchtbar, furchtbar. Nicht entschuldig.
Florian Bayer: Kultpaar eigentlich.
Johannes Franke: Und es wird auch nicht richtig aufgeklärt oder sonst irgendwas. Es ist einfach, diese Szene ist da und es wird behauptet und es gibt keinen... Keinen Haltungswechsel oder keine moralische Instanz, die nochmal sagt, nee, aber... die mir das erklärt. Also das finde ich nicht, das fand ich, nee. Nicht cool, not cool.
Florian Bayer: Chan-Buk, nicht cool. Es wird ja nachher, ihre ganze Beziehung ist ja total... absurd überzeichnet. Es gibt einfach für den Zuschauer keine Erklärung, warum sie sich so mit ihm einlässt, warum er so scharf auf sie ist. Und dafür gibt es am Schluss eine Erklärung. Und der Film verlässt öfter mal ... den realen Boden und diese Erklärung ist dann auch eine und zwar geht es im Prinzip darum, ihre Beziehung ist eine forcierte Beziehung und zwar wurde er hypnotisiert, sie wurde hypnotisiert und Und ich bin die ganze Zeit so geneigt, den Plottwist auszusparen, aber wir reden... Nein, wir machen immer... Der Film ist fast 20 Jahre alt. Sie ist seine Tochter. Ja. Es ist ein erzwungener Inzest, der hier passiert. Und das ist einer der, das ist der große Racheplan von Li Wu Jin. der damals Sex mit seiner Schwester hatte.
Johannes Franke: Was er als Liebe bezeichnet und als einvernehmliche Beziehung.
Florian Bayer: Ja, es wird auch tatsächlich... Es wird auch schwierig inszeniert in dieser einen Szene, aber es wird tatsächlich als einvernehmliche Liebe gezeigt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Odessu hat das mitgekriegt und hat darüber geredet. Und deswegen hat ... Sie wiederum, die Schwester von Li Wujin, hat gedacht, sie wäre schwanger und hat sich dann umgebracht. Und das ist der Groll, den Li Wu Jin jahrzehntelang mit sich herumgetragen hat. Und zur Rache... zwingt der Odessou quasi in den Inzest, damit er dasselbe durchmacht, was er durchgemacht hat. Er nimmt Odessou gefangen, 15 Jahre lang. Tötet dessen Frau, entführt dessen Tochter und zieht sie groß. Oder lässt sie irgendwo außerhalb groß ziehen, dass sie nicht mehr weiß, dass sie die Tochter von Odessu ist. Und dann bringt er sie wieder zusammen, damit sie sich ineinander verlieben, miteinander Sex haben. Und das ist der große Plottwist, der wirklich einen voll mit Karacho am Ende trifft. Und es ist wirklich krass, weil es ist auch mit ... derartig innervierender Spannung inszeniert, wenn dann Odaesu am Schluss im Apartment ist von Li Wujin und dieses Buch durchblättert mit den Fotos von seiner Tochter und dann Dann sieht er, wie sie älter wird und dann sieht er plötzlich, oh mein Gott, das ist Mido geworden. Und dann begreift er den ganzen Ausmaß dieser Rache, was hier geschehen ist, wie er die ganze Zeit wirklich wie so eine Puppe an den Fäden gezogen wurde. durch die Hypnose. Das ist einfach krass und das haut dich einfach mal um.
Johannes Franke: Ja, und das ist auch wirklich... Es ist wirklich gut hergeleitet. Also ich bin dem Film gern dahin gefolgt, auch wenn ich immer wieder... Zwischendurch gedacht habe, ich kriege gleich Kopfschmerzen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo ich gerade bin und wo es hin soll eigentlich. Aber eigentlich gibt es nur eine, ich glaube, es gab eine Stelle, wo ich ein bisschen gehangen habe, wo ich gedacht habe ... Ich komme nicht mehr in die Story rein, aber dann bin ich wieder, war ich wieder drin. Ähm... Man muss halt so ein bisschen damit leben, dass diese ganzen Symbole, du kriegst dann vielleicht so 20% davon einsortiert und der Rest passiert halt einfach.
Florian Bayer: Es ist auch tatsächlich die Detektivgeschichte, die ja doch relativ zentral im Film drin steht, nimmt... wenig Raum ein, weil die einzelnen Stationen unglaublich schnell abgehandelt werden. Sie ist auch gar nicht so wichtig, diese Detektivarbeit. Und teilweise fliegen eben die Infos auch eher so durch Zufall Also, sein Freund findet heraus, dass er an derselben ... Nee, er findet heraus, dass er an derselben Schule war wie dieser Li Wu-Chin. Als er endlich den Namen hat, sein Freund findet heraus, dass der eine Schwester hatte, die sich umgebracht hat. Und er blättert dann auch mal durch das Jahrbuch und besucht eine Freundin von damals, um mit ihr drüber zu reden. Dann hört er ein Klingeln und dann kommt plötzlich diese Erinnerung wieder. Und es ist alles, es ist tatsächlich... Keine langwierige Detektivarbeit und keine wirklich schlüssige, ich geh jetzt von, ich setz die Puzzlestücke zusammen Detektivarbeit, sondern es wird eher so nebenbei erzählt.
Johannes Franke: ein bisschen fragmentarisch.
Florian Bayer: Fragmentarisch, ja, das trifft es ganz gut. Liegt aber natürlich auch daran, dass der Film sich so viel Zeit nimmt für alles drumherum, für diese krassen Bilder und ich glaube, wir müssen, es gibt einfach so ein paar Bilder, über die wir reden müssen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Also als ganz allgemein mal gesprochen, die Kameraarbeit ist wirklich toll. Also. Unfassbar. Wirklich toll, muss man schon sagen. Und die haben wirklich einen guten... guten Mittelweg zwischen Stilisierung, aber nicht zu dramatisch, sodass man nicht mehr erkennt, was es soll. Es gibt es ja im asiatischen Kino dann schon die Tendenz, so weit zu stilisieren und zu ikonografieren. Wie heißt das? Ja. dass man irgendwie nicht mehr erkennt am Ende, was für ein Bild es sein sollte. Und in dem Fall, er schaffte diese Balance zwischen europäischer Sinngewonenheit und... dieser Stilisierung. Und das finde ich toll. Wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Und er ist krass verspielt dabei. Also zum Beispiel diese erste Szene, wenn Odessu im auf dem Polizeirevier ist und wir haben diese Jump Cuts und dann plötzlich auch diese Tonbildschere, wo Ton aus dem einen Bild in das andere Bild reingeht und Wo wirklich so ein schneller Ablauf von Szenen ist. Und wir lernen diesen Charakter innerhalb von ein paar Minuten, in diesen wenigen Szenen lernen wir ihn total gut kennen. Das stimmt. Frausendes Temperament, seine Trunksucht, seine Wehleidigkeit, die er auch die ganze Zeit mit sich trägt, die auch später immer wieder rauskommt. Das Spiel mit den Bildern macht der Film auch ganz toll, um wirklich die Charaktere zu erzählen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt eine größere, surreale 10, die auch relativ kurz ist, beziehungsweise zwei, die aufeinander referieren und zwar mit den Ameisen. Odessu sieht in der Gefangenschaft irgendwann die Ameisen, die über ihnen drüber klettern. Und dann redet er später mit Milo noch mal drüber und sie sagt so, ja, Ameisen, wahrscheinlich sieht man Ameisen, wenn man einsam ist, weil die in Gruppen aufkommen. Und dann gibt es diese Transparenz. Traumartige Sequenz, wo Mido weinend in der U-Bahn sitzt und eine riesige Ameise neben sich sieht. Einfach so als Flashback, die auch nicht näher erklärt wird. Nein.
Johannes Franke: Nein, die sitzt da halt einfach da. Sie könnte auch rauchen, weißt du, so ganz nebenbei sitzt die halt da und fährt mit ihr zusammen U-Bahn. Also tolle Bilder, finde ich schon auch gute Ideen und ich fand diese Ameisenanalogie ziemlich geil. Hast du noch Bilder, wo du sagst, die sind irgendwie besonders ... Also die krasseste Szene und ...
Florian Bayer: Die hat mich auch inspiriert für eine Idee, die wir hatten mal bei einem Film, den wir zusammen gemacht haben, war die Kampfszene in dem zweidimensionalen Korridor.
Johannes Franke: Da ist das her.
Florian Bayer: Eine der großartigsten Kampfszenen. Kampfziele der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Aber wirklich.
Florian Bayer: Odezou geht zu dem Ort, an dem er gepeinigt wurde. Er findet das heraus, dank der Teigtaschen und geht da hinein mit einem Hammer bewaffnet. Und das ist einfach so ein langer Korridor, wo dann diese ganzen einzelnen Zimmer sind, wo die Leute gefangen gehalten werden. Das ist halt wirklich eine Organisation, die dafür bezahlt wird, Menschen gefangen zu halten. Und er foltert dann zuerst den Typen, der das Ganze leitet, um herauszufinden, was ... Wer ihn beauftragt hat, und das ist diese wirklich nicht schöne Zahnziehtszene, die wirklich brutal ist. Und dann kommt er raus aus dem Büro und dann sind die ganzen Schläger da. Und dann kämpft er gegen die. Und diese Szene...
Johannes Franke: Das lässt der Film aber den Realismus ganz schön weit.
Florian Bayer: Ein Panorama ohne Schnitt. Ein zweidimensionaler Fur. Wir gucken drauf wie in einem zweidimensionalen Videospiel. Und er kämpft sich durch diese Horde von Schlägern. Und die Kamera ... bleibt die ganze Zeit da drauf. Wir haben einfach keinen Schnitt und wir haben diese wunderbare Szene durch diesen Flur und Kämpfe einer gegen viele sind meistens dumm und albern, weil es so klar ist, dass die Bösewichte einer nach dem anderen angreifen und sich total dumm verhalten. Und diese Szene schafft es, logisch zu erzählen und der Held, der macht sie auch nicht alle fertig, sondern der kriegt die ganze Zeit auf die Fresse dabei. Er kriegt ein Messer im Rücken. Und er stolpert dadurch und die bleiben auch nicht am Boden liegen, sondern stehen wieder auf, gehen auch mit mehreren auf ihn los. Allein durch diesen engen Gang. Und das vermittelt die Kamera ganz toll. sind sie begrenzt in ihren Möglichkeiten? Sie können ihn nicht einfach so übermannen. Fantastische Kampfszenen, einer der besten Kampfs... der Filmgeschichte tatsächlich für mich.
Johannes Franke: Also ich finde auch wirklich eine ganz, ganz tolle Choreografie, die man auch erst mal durchziehen muss als Crew und Cast. Weißt du, der Typ, der sich da... Ich weiß nicht, wie oft die das gedreht haben.
Florian Bayer: 17 Takes.
Johannes Franke: Drei Tage. Oh mein Gott. Aber das ist krass und wirklich sehr, sehr beeindruckend. Vor allem das Ende ist dann auch nochmal, setzt dem Ganzen nochmal die Krone auf, weil er ja am Ende bei dem Fahrstuhl ankommt, dann geht der Fahrstuhl auf. Und da steht noch eine Horde von Schlägern, die er auch noch, obwohl er schon fix und fertig ist.
Florian Bayer: Und dann grinst er so gehässig.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und wir sehen einfach nur, wie die Fahrschule unten aufgeht und er kommt raus und sie liegen alle K.O. drin.
Johannes Franke: Es ist aber, also ich glaube dem Film natürlich dann kein Wort mehr, aber irgendwie ist es sehr schön, dem zuzugucken.
Florian Bayer: Das ist auch so ein Tarantino-Moment. Einmal dieses sarkastische Grinsen auch nicht im Publikum. Was ganz Spannendes ist, tatsächlich, der Bodycount ist gar nicht so hoch. Er tötet da ... Nicht direkt jemand, der verprügelt die Leute.
Johannes Franke: Genau, die liegen da halt K.O. in der Gegend rum.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich... Ich dachte, ich hätte es mir aufgeschrieben. Es gibt tatsächlich nicht so viele Tote in diesem Film. Es ist relativ überschaubar. Und sein Racheweg ist auch nicht von Leichen gesät, sondern ... von tatsächlich verprügelnden Leuten. Und er wird dabei auch die ganze Zeit verprügelt. Und diese Typen kommen ja auch immer wieder. Es gibt dann auch diese ... Alles andere als schöne Szene, wo sie Milo gefangen nehmen und ihr halt das Gleit runterreißen, das ist natürlich ... Krass, Exploitation, ne?
Johannes Franke: Ne, das war auch nicht schön anzusehen, aber ja... Aber es macht natürlich den Film umso abgefuckter insgesamt und die Abgefucktheit des Films Macht natürlich sehr viel aus und zieht das auch echt bis zum Ende durch. Und spätestens... Am Ende hat mich der Hauptdarsteller auch vollkommen überzeugt in seiner Performance. Ja. Der hat schon zwischendurch immer mal so, wo ich denke, wow, toll gespielt, gut gemacht. Aber am Ende, wenn er da so vollkommen ausrastet mit seinem Gegenspieler, da in diesem Hochhaus da oben, in diesem Stockwerk, in dem Penthouse ist,
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war eine krasse Performance, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Also auch ein bisschen Overacting dabei, ne? Also wenn er so passtvoll und flehen und betteln und dann schneidet er sich noch die Zunge ab. Das ist total krass.
Johannes Franke: Aber wie die geschrieben ist, die hättest du kaum kleiner spielen können.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Oder? Also vor allem nicht in diesem Film. Ich finde die wirklich, er hat das wirklich gut umgesetzt, finde ich.
Florian Bayer: Ich liebe dieses Wechselhafte, was er da drin hat, dass er dann so zuerst wütend ist und schreit, ich werde dich zermalmen, ich werde dich umbringen. Und dann direkt danach sagt er, oh, sag bitte Milo nicht, dass sie meine Tochter ist. Sag es ihr nicht. Bitte, bitte, bitte. Ah, ich bring dich um. Und dann wieder, bitte, bitte, tu es nicht. Eine absolut radikale Mischung aus Verzweiflung, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht. Bis zu dem Punkt, wo er dann sich die Zunge aus dem Mund zieht und abschneidet, weil darum ging es natürlich bei der Rache, dass er zu viel geredet hat. Der Antagonist sagt auch an einem gewissen Punkt ... nicht mein Penis hat meine Schwester geschwängert, sondern deine Zunge war's. Und darum geht es die ganze Zeit. Er redet zu viel, er hat zu viel Geheimnisse ausgeplaudert. Und dann schneidet er sich sinnbildlich, um zu zeigen, dass er dafür büßt, schneidet er sich die Zunge ab. Also dieses ganze Revenge-Thema ... dreht sich dann einfach einmal um 180 Grad und er ist der, der das Schlimme gemacht hat, er ist der, an dem sich gerecht wird und er akzeptiert diese Rache in gewissem Sinne dann auch. Und büßt dafür. Und zwar wirklich, indem er sich selbst geiselt. Da haben wir übrigens diesen sehr schönen Oedipus-Moment. Also Odessu ist natürlich, der Name ist so, Oedipus, fast ... Aber auch ein bisschen Odysseus. Odysseus, stimmt. Oh, das ist spannend. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht, weil Oedipus natürlich durch die Inzest-Geschichte so angehandelt. Und Oedipus ist der, der die ganze Zeit ermittelt im klassischen Drama. gegen sich selbst ermittelt. Das macht er im Prinzip auch. Er findet heraus, warum er die Rache verdient hat. Oedipus ist auch der, der sich am Schluss die Augen aussticht, der sich selbst körperlich geißelt, als er dann die Wahrheit erfährt. Und Odessu schneidet sich das Hunger heraus. weil er erfährt, dass er mit seiner Tochter geschlafen hat.
Johannes Franke: Mhm. Mhm. Aber ich fand diesen Odysseus-Gedanken auch wirklich spannend, weil er wirklich einmal so eine... krasse Reise einmal durchmacht, durch alle Emotionen und allen möglichen Kram, finde ich schon, ja...
Florian Bayer: Ja, man könnte es natürlich so interpretieren, dass seine Gefangenschaft so eine Art Krieg war. Und dann irrt er ja wirklich durch Südkorea auf der Suche nach Rache. Er erlebt wirklich so eine Irrfahrt, wo er ja auch gegen Monstren kämpft. das kommen kommen die antagonisten teilweise wie monster daher und wo er viel durchleiden muss, bis er schließlich im Schoß seiner Familie landet. Und tatsächlich ist es am Schluss ja auch so, dass er diese ... diese Liebe zu seiner Tochter akzeptiert, indem er sich hypnotisieren lässt und die Wahrheit weghypnotisieren lässt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also das Ende hat einen absurden Twist von Optimismus, weil er lässt sich dann von dieser Frau, die ihn davor... hypnotisiert hat, damit er diese Liebe macht und so weiter. Dass er sich verliebt. Die hypnotisiert ihn nochmal. Er gibt dir auch Geld dafür. Und hypnotisiert ihn so, dass er vergisst, dass Mido seine Tochter ist. Mido erfährt das auch nicht. Und er sitzt da am Schluss ohne Zunge. wirklich zermatert wie ein beschlagener Hund.
Johannes Franke: Ja, richtig krass.
Florian Bayer: Aber irgendwie hat ihre Liebe vielleicht eine Chance. Und das ist ein so absurdes Ende. Aber es ist am Schluss wird, dass dieses Bild offenbart, dass sie zusammensitzen und dass sie ...
Johannes Franke: Dass sie ihre Liebe gesteht.
Florian Bayer: Ja, sie bleiben zusammen. Sie gucken gemeinsam in den Sonnenuntergang quasi.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: In einer märchenhaften Schneelandschaft. Und das ist so schräg, wenn man sich die ganze Geschichte betrachtet. Weil diese forcierte Liebe, sie haben sich ja nicht freiwillig ineinander verliebt, sondern das... Der ganze Plot von Li Wujin hat darauf hingearbeitet, dass Odessu sich in Mido verliebt, in seine Tochter. Und Mido sich in Odessu verliebt. Dass sie eben dieses Inzest ... Mhm. diese inzestiöse Beziehung durchmachen müssen. Ja. Und Li Wu Chen erschießt sich übrigens dann am Schluss, wenn sein... Ja.
Johannes Franke: Er hat einmal seine Rache bekommen und gibt es nochmal so ein Flashback. So ist sie also gestorben. Und dann lässt er sie quasi nochmal los und erschießt sich selbst.
Florian Bayer: Ja, und davor quält ja noch einmal Odesu auf ganz brutale Weise. Er hat Odesu erzählt, er hätte einen Herzschrittmacher, der sich mit einer Fernbedienung spielen lässt. Und die Fernbedienung gibt der Odesu am Schluss in die Hand, bevor er zu seinem Selbstmord geht. Und Odesu drückt natürlich auf diesen Knopf, um ihn umzubringen. Aber die Fernbedienung, die er in der Hand hat, steuert die Soundanlage in der Wohnung von Lee Woo Jin. Und da ertönt dann noch einmal die Tonbandaufnahme von dem Sext, den ...
Johannes Franke: Vater und Tochter hatten.
Florian Bayer: Der ziemlich laut war. Ziemlich pathetisch, wie so sehr vieles an dem Film. Also der Film steckt voll von Pathos neben der Verspieltheit.
Johannes Franke: War aber eine gute Sexszene, muss ich sagen. Ich fand sie nicht schlecht.
Florian Bayer: Ich fand die krass, weil die so überzeichnet ist, so auch fast schon grotesk, wenn sie beide so laut sind, wie Tiere auch übereinander herfallen.
Johannes Franke: Ja, ich fand die nicht schlecht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Fand die schon, die hatte Kraft.
Florian Bayer: Es hat dieses Animalische natürlich. Der Film und seine Charaktere haben grundsätzlich dieses Animalische. Oder so... Ja, er wird mehr und mehr zum Tier eigentlich, während er auf der Suche nach Rache ist. Und es gibt ja auch diesen Spruch, den er...
Johannes Franke: Ich bin zu einem Ungeheuer geworden, sagt er.
Florian Bayer: Ja, er sagt, ich bin zu einem Ungeheuer geworden und ganz am Anfang sagt ihm der Selbstmörder, dem er auf dem Dach begegnet. Auch wenn ich schlimmer bin als jedes Tier, habe ich es nicht wenigstens verdient zu leben.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Das ist die Szene, mit der wir einsteigen. Odezu steht am Dach und hält einen Selbstmörder fest, dass der Orternehmer wach geworden ist. Dieser Selbstmörder spielt keine große Rolle mehr in dem Film.
Johannes Franke: Nö, nö, nö. Ja, der Film wirft einen von einem in einer Sache in die nächste, lässt einen oft ratlos eine Weile, bevor man dann irgendwann ganz am Schluss tatsächlich einmal so ein Aufklär, so einen Aha-Effekt hat, ohne dass es dazu kommt, dass man diesen typischen, der Bond-Willen steht... vor James Bond und sagt ihm nochmal, was sein ganzer Plan war. So ist es irgendwie nicht, sondern es ist irgendwie cleverer.
Florian Bayer: Er schafft es wirklich, wenig zu erzählen und viel zu zeigen. Er verlässt sich auf seine Bilder ... Und seine Bilder sind halt echt stark. Seine Bilder erzählen so viel Geschichte, auch in vielen einzelnen kleinen Shots. steckt so viel Geschichte drin. Angefangen von dem Oktopus, der gegessen wird, der einfach mal eine Wutzszene ist. Und ich kann mir vorstellen, dass man als Vegetarier da total leidet. Ich finde es auch krass.
Johannes Franke: Vor allem bei lebendigem Leib. Das ist wirklich übel.
Florian Bayer: Bis hin eben zu dieser Schlussszene, wenn er als sich selbst geißelndes Tier... da sitzt, ohne Zunge nicht mehr richtig reden kann. Die Haare sind total erkrauten. Er ist eigentlich komplett abgefuckt durch das, was da geschehen ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Lache und die Welt lacht mit dir, weine und du weinst allein.
Johannes Franke: Das ist ein Spruch, den ich ja auch nicht mehr hören kann. Das ist wie das Carpe Diem bei dir.
Florian Bayer: Ja, er wird ein, zwei Mal in dem Film aufgeworfen. Ja. Wollen wir zu unseren Top 3 springen?
Johannes Franke: Ja, wir hätten die organisch unterbringen können, vorhin ganz am Anfang, aber da habe ich gedacht, nee, wir müssen erst mal über den Film reden.
Florian Bayer: Lassen Sie uns jetzt ganz unorganisch am Ende unterbringen. Top 3. Johannes, Jingle. Jingle.
Johannes Franke: Unsere Liste. Ja, eine Top 3. Wie hast du sie benannt?
Florian Bayer: Top 3 Rache.
Johannes Franke: Top 3 Rache. Revenge-Filme.
Florian Bayer: Genau, wo vieles reinfallen kann. Also es gibt auch Filme, wo Rache gar nicht das zentrale Element ist, aber Rache ganz toll gezeigt wird. Es kann eine kreative, super Idee sein. Es kann eine besonders brutale Form der Rache sein. Es kann einfach eine extrem gerechtfertigt scheinende Rache sein. Ich bin gespannt, was du zu bieten hast.
Johannes Franke: Ich auch. Ich habe mich mit dieser Liste schwer getan ein bisschen, weil so viele... Filme, in denen es tatsächlich um Rache geht, gibt es gar nicht mehr. beziehungsweise es gibt eine ganz bestimmte Richtung, die sich eigentlich zusammenfassen lässt. Ähm, Und sonst müsste man halt wirklich alle Filme nochmal abklopfen auf so kleine Rache-Momente. Und das habe ich irgendwie nicht geschafft.
Florian Bayer: Thriller sind auch nicht so wirklich dein Genre, weil es gibt ja wirklich diesen Genre, das Revenge-Thriller.
Johannes Franke: Ja, aber das gucke ich nicht.
Florian Bayer: Und gerade so 70er, 80er... Ja, also es ist tatsächlich auch nicht so mein Genre, aber es gab eine Zeit, wo das unglaublich viel stattgefunden hat im Action-Kino und im Thriller-Kino vor allem. amerikanischer Machart und meistens sehr selbstjustizglorifizierend.
Johannes Franke: Also so kommandomäßig.
Florian Bayer: Ja, genau, so kommandomäßig. Noch schlimmer, weil diese Revenge-Stula sich meistens halt nicht als trashige Actionfilme verstehen. sondern wirklich als ernstes Thriller-Dramen. Und dann Charles Bronson. Jeder zweite Film mit Charles Bronson ist ein Film, wo ihm ein großes Unrecht geschieht. Und das kann nur ausgeglichen werden, indem er tausende Leute umbringt. Und wir folgen ihm und fiebern mit ihm mit und Es ist ein eigenes Genre und es ist auch tatsächlich ein langlebiges Genre, das bis in unsere Zeit eigentlich immer mal wieder... Action-Thriller hervorgebracht hat, die meistens durchschnittlich sind. In den neuen Filmen spielt meistens Liam Neeson mit. Oder ...
Johannes Franke: Taken.
Florian Bayer: Genau, Taken. Oder Nicolas Cage. Nicolas Cage hat auch sehr viele so Rachefilme gespielt. Ja. Es sind meistens B-Movies. Also es ist schwer, glaube ich, gute Rachefilme zu finden.
Johannes Franke: Ja. Ja. Ja, ich hab dann zum Beispiel auf The Godfellas verzichtet ein bisschen.
Florian Bayer: Ah, könnte man auch nehmen, ne? Ja,
Johannes Franke: Passt irgendwie rein, habe ich aber irgendwie, weiß ich nicht, war ich nicht so überzeugt, dass das so in die Liste gehört. Muss ich anfangen oder fängst du an? Du musst anfangen. Ich muss anfangen.
Florian Bayer: Mein Film, deine Liste. Okay.
Johannes Franke: Also, ich würde sagen, Platz drei ist jeder Film von Quentin Tarantino. Okay, vor allem Kill Bill nehme ich mal an. Ja, Kill Bill. Aber auch, man muss schon sagen, in Glorious Bustards absolut
Florian Bayer: Total, ja, natürlich. Historische Rache.
Johannes Franke: Ja, ich finde es großartig.
Florian Bayer: Zwei Rachgeschichten im Prinzip. Einmal, wie sich das Judentum gegen die Nationalsozialisten recht.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann zum Zweiten ihre Geschichte natürlich.
Johannes Franke: Die hat mich gar nicht interessiert. Ich finde diese... Der Rache-Moment war mir, das Kino wird in die Luft gesprengt mit Hitler. Das ist das, was ich dachte an Bangalore.
Florian Bayer: Tarantinos Rache am Nationalsozialismus und zwar ganz monumental, indem einfach mal Hitler zerschossen wird. Super. Fantastisch.
Johannes Franke: Ja, das ist mein Platz drei.
Florian Bayer: Ich habe eine Honorable Mention. Oh. Und zwar einen quasi-Superhelden-Film, der eine Rache-Geschichte erzählt, Darkman aus dem Jahr 1990 von Sam Raimi, der später dann auch Spider-Man gemacht hat.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Darkman ist so eine Mischung aus Phantom der Oper und ... Verrückter Wissenschaftler.
Johannes Franke: Das ist ein sehr abstruses Bild in meinem Kopf gerade.
Florian Bayer: Liam Neeson. Hey, wir haben gerade gesagt, Liam Neeson spielte einen Rachefilm mit, aber das war vor seiner Rachefilmzeit. Das war bevor er Oskar Schindler war. Liam Neeson spielt diesen Darkman, dessen Gesicht bei einem Brand in einem Labor zerstört wurde von bösen Buben. Und er sich dann, weil er Wissenschaftler ist, Gesichtsmasken macht, die er anziehen kann. Und dann kann er in die Haut von seinen Widersachern schlüpfen und die infiltrieren. Und bringt dann einen nach dem anderen um. Eine ganz tolle Mischung aus Trash. Und Superheldenfilm und so Horror-Action-Komödie. Sehr spaßig, einer der besten Superheldenfilme der 90er Jahre und total geschmacklos. Ja. Okay. Mein Platz 3 dagegen ist ein sehr geschmackvoller Film, sehr gehaltvoller Film, ähm, Cape Fear, Cap der Angst. Und zwar das Remake aus dem Jahr 1991. Von Martin Scorsese mit Robert De Niro als der große Rächer, der lange im Gefängnis saß und sich an seinem ehemaligen Anwalt rächen will. Weil dieser tatsächlich mit dafür verantwortlich ist, dass er eingebuchtet wurde und der das macht zwischen Gewalt und Intelligenz. der, als er gefangen wurde, Analphabet war und überhaupt nicht verstanden hat, was da vorgeht und mittlerweile aber im Gefängnis einfach mal die Zeit genutzt hat, sich zu bilden und sich vorzubereiten auf die Rache. Und dann eiskalt einen Racheplan verfolgt, mit dem er die Familie dieses Anwalts zerstört und dabei auch... die dunklen Seiten dieses Anwalts nach vorne bringt. Toller Film, düsterer Film. Martin Scorsese, da kann man sowieso nichts falsch machen damit. Auf jeden Fall sehenswert. Es gibt ein Original dazu, der durchschnittlich ist.
Johannes Franke: Okay, aber es ist wie in diesem Film sozusagen. Der Typ, der in Gefangenschaft längere Zeit sich vorbereitet auf die Rache, die dann folgt. Ja.
Florian Bayer: Wir folgen aber dem Opfer, an dem sich gerecht wird. Also Robert De Niro ist unser Protagonist. Quatsch, Nick Nolte ist unser Protagonist. Und Robert De Niro ist der Antagonist, ganz klar. Aber man entwickelt... Aber einen gewissen Punkt auf eine schräge Art merkwürdige Sympathien für den Antagonisten oder zumindest Antipathien für den Protagonisten. Robert De Niro wird in diesem Film nicht sympathisch. Er ist wirklich ein Schwerverbrecher, ein wirklich ein böser Und gefährlicher Mann. Aber der Anwalt mit seiner sauberen Familie, der wird halt immer unsympathischer, weil man einfach merkt, der hat verdammt viel Dreck am Stecken.
Johannes Franke: Okay. Cool, okay. Mein Platz zwei wäre The Princess Bride.
Florian Bayer: Sehr schön. Und da haben wir ja schon einen Film, wo Rache gar nicht so im Mittelpunkt steht, sondern vor allem eigentlich eine andere Geschichte. Aber die Rache ist das Beste daran.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich. My name is Niguo Montoya. You killed my father. Prepare to die.
Florian Bayer: Großartig.
Johannes Franke: Ich habe ihn eigentlich nicht reingenommen wegen des Films, sondern wegen des Buches, muss ich sagen. Ich liebe das Buch. Unglaublich. Ich glaube sogar, dass es von dir kam damals. Ich glaube, du hast es damals Maya ausgeliehen und Maya hat es mir übergeholfen und irgendwie sind wir große Fans davon geworden.
Florian Bayer: Das ist so witzig, weil meine Erinnerung daran ist, dass ich das Bevor ich das Buch gelesen habe, habe ich das Hörspiel gehört, das Hörbuch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich dachte, das wäre von Maria gekommen.
Johannes Franke: Ach so, ja. Ich weiß es auch nicht mehr sicher.
Florian Bayer: Und das Hörbuch, das deutsche Hörbuch wurde gemerkt. Also das Buch ist toll und das ist ein Buch, wo aber das Hörbuch noch mehr Spaß macht, als das Buch zu lesen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Weil es ist Bela B, ne?
Johannes Franke: Ja, Bela B. und ist Jochen Malmsheimer daran beteiligt?
Florian Bayer: Das weiß ich nicht mehr genau. Ich weiß, vor allem Bela B. habe ich so in Erinnerung.
Johannes Franke: Aber es ist ganz, ganz toll gelesen. Großartig.
Florian Bayer: Tolle Satire auf Fantasy-Geschichten und Fantasy-Klischees. Und das Ganze getarnt als Gute-Nacht-Geschichte und drumherum gibt es noch diese merkwürdige Hollywood-Story von dem Typen, der an Pools liegt und von irgendwelchen Schauspielerinnen fantasiert. Ja. Es ist super, man weiß nicht, ob es für Kinder oder für Erwachsene ist.
Johannes Franke: Vor allem das grundsätzliche Konzept zu sagen... Ich erfinde einen Autoren, der ein Buch... dass es schon gibt, einmal in der gekürzten Fassung rausgibt. Natürlich existiert überhaupt kein Buch, was er irgendwie kürzen könnte. Aber er erzählt, dass er seinem Kind ein Buch vorlesen möchte... beziehungsweise anempfehlen möchte, was er als Kind geliebt hat. Und dann stellt sich raus, dass dieses Buch... viel länger war, als er es als Kind in Erinnerung hat. Weil sein Vater, als er ihm das vorgelesen hat, die ganzen... unspannenden Teile halt rausgelassen hat, sondern nur die spannenden Teile einmal zusammengefasst eben vorgelesen
Florian Bayer: Und das ist so geil, wenn er dann auf die unspannenden Teile referiert und sagt, okay, und jetzt kommt es seitenweise, wird erklärt, wie sie sich anzieht. Und das ist eine großartige Parodie. Satire offensichtlich auf... Die Hofsitten der damaligen Zeit. Aber das war so langweilig. Ja.
Johannes Franke: Wirklich toll. William Goldman oder wie heißt er?
Florian Bayer: Ja, ich glaube auch. Muss ich einmal kurz gucken.
Johannes Franke: Ich glaube, lohnt sich auf jeden Fall. Das Hörbuch lohnt sich. William Golding. Das Hörbuch lohnt sich, das Buch lohnt sich und der Film, den muss man eigentlich schon der Vollständigkeit gesehen haben.
Florian Bayer: Das ist kein schlechter Film, das ist ein guter Film. Auch tatsächlich toll besetzt teilweise. Eine ganz bekannte Schauspielerin ist dabei, die ich jetzt trotzdem... schnell googeln muss. Der Film ist von 1987 und Hauptdarstellerin ist eine Sehr junge Robin Wright, die man heutzutage vor allem aus Haus auf Karts kennt.
Johannes Franke: Krass, die ist das?
Florian Bayer: Und aus Forrest Gump kennt man sie auch. Da war sie auch noch relativ jung, als sie Forrest Gump gespielt hat. Aber das war ja 1995.
Johannes Franke: Das muss ich gleich nochmal nachschauen.
Florian Bayer: Super Schauspielerin.
Johannes Franke: Tolle Schauspielerin, wirklich. Großartig.
Florian Bayer: Und Cary Elvis, Ulis, ich weiß nicht genau, als der Held. Und den kennt man vor allem aus Robin Hood-Hellen in Strumpfhosen. Als Robin Hood. Okay. Aber der eigentliche Star des Films ist natürlich... Der, der die Rache macht, und zwar Inigo Montoya, der gespielt wird von ... Mandy Patinkin, den man übrigens, glaube ich... Gar nicht kennt. Von wegen. Den man heute kennt. als Darsteller, und ich habe ihn nicht erkannt, als ich das damals geguckt habe, ich sehe das jetzt zum ersten Mal live eine Bildung schließen, Homeland.
Johannes Franke: Homeland?
Florian Bayer: Hast du Homeland gesehen?
Johannes Franke: Ein bisschen.
Florian Bayer: Da gibt es diesen alten, ihren Mentor.
Johannes Franke: Okay. Also bei mir klingelt es nicht wirklich, aber...
Florian Bayer: Die Protagonistin ist eine FBI-Agentin und ihr Mentor ist so ein bärtiger FBI-Direktor, der eigentlich immer im Hintergrund steht und irgendwas macht. in seinen Bart reinuscht. Ich habe den nicht erkannt, als ich den in Homeland gesehen habe. Saul heißt der in Homeland.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, Princess Pride. Danke, dass du mich nochmal erinnert hast. Der Film ist nicht ganz so gut wie das Buch, aber auch der Film ist sehenswert.
Johannes Franke: Auch der Film ist sehenswert, schon, durchaus.
Florian Bayer: Meine Nummer zwei ist ein Teil zwischen zwei Filmen, die sich aufeinander beziehen und zwar nicht wirklich Original und Remake, aber zumindest verwandt. Und zwar die Jungfrauenquelle von Ingmar Bergmann aus dem Jahr 1960. Und The Last House on the Left von Wes Craven aus dem Jahr 1972. Gleiche Geschichte, die auf einer alten Legende beruht. Ein Mädchen wird von Verbrechern vergewaltigt und getötet. Die Verbrecher landen im Haus der Familie. Die Familie, also Vater und Mutter, finden heraus, dass sie ihre Tochter getötet haben und rächen sich. Ingmar Bergmann erzählt das Ganze als... sensibles, minimalistisches Drama, das ziemlich realistisch inszeniert ist und irgendwie trotzdem immer so ein bisschen den Hauch des Märchenhaften hat. Und Wes Craven macht daraus einen Exploitation-Horror-Schocker. Und es ist total spannend, diese beiden Filme parallel zu sehen, weil sie sehr unterschiedlich an das gleiche Thema rangehen und beide in ihrem Genre total sehenswerte Filme sind. Also die Jungfrauenquelle ist bestimmt nicht der beste Film von Bergmann, aber auf jeden Fall, wie alles von ihm, total sehenswert. Und es ist einfach spannend in diesem historischen Kontext, dass zwölf Jahre später, Jungfrau und Qualis von 1960, Last House on the Left von 1972, zwölf Jahre später das Ganze noch mal als der aber dreckiger Horror-Thriller ohne irgendwelchen philosophischen, psychologischen Ballast erzählt wurde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Tolle Filme.
Johannes Franke: Cool. Mir fällt jetzt gerade eine Frage an dich. Wäre Parasite auch Ein Rachefilm der Unterschicht gegen die Oberschicht.
Florian Bayer: Auf jeden Fall kann man so interpretieren. Habe ich noch nicht dran gedacht, aber ja.
Johannes Franke: Fällt mir gerade so ein bisschen so auf.
Florian Bayer: Definitiv, ja. Also es ist so universell, weil wir sehen nicht, was die Oberschicht getan hat, um die Sache zu verdienen, aber sehen später dann, wie die Oberschicht sich gegenüber der Unterschicht abwertend verhält.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und ganz witzig, dass du den nennst, weil es ist natürlich auch ein koreanischer Film.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Ich glaube, deswegen komme ich drauf. Spannend, okay. Okay, das Feld ist weiter, als ich dachte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist Dead Man.
Florian Bayer: Oh, rächt es nicht? Verdammt, das ist so lange her.
Johannes Franke: Ja, die Rache ist eigentlich gar nicht zentral groß, weil das zentrale Thema ist einfach nur... Johnny Depp, wie er einen ganzen Film lang stirbt. Von der ersten Minute ist klar, der wird einfach dahin siechen. Aber warum er dann in der Wildnis rumgeistert, ist eine Rache an ihm, weil er... mit einer Frau schläft. Er kommt ja in diesem Dorf an, will seine Stelle ansteigen. antreten, die ihm versprochen wurde. Die ist aber schon besetzt und er hat sein ganzes Geld dafür ausgegeben. Das heißt, er ist in dieser Stadt und Weiß erstmal überhaupt nicht, was er machen soll und trifft auf diese eine Frau, mit der er dann irgendwie eine Nacht verbringt. Und... Dann kommt es zu irgendeinem Handgemenge und zu einem Schuss und er ist plötzlich ein Outlaw. Und der Typ, der ihn fangen will, das ist ein typisches Rache-Ding, so an Johnny Depp, der jemanden umgebracht hat, glaube ich. ich und mit seiner frau geschlafen hat oder so ich weiß nicht mehr genau welche verhältnisse untereinander geherrscht haben ich da auch nicht mehr
Florian Bayer: 100% drin änderst, solange ich den gesehen habe. Aber es ist ein total großartiger Film. Ich glaube, du hattest den auch schon mal in der Liste?
Johannes Franke: Es kann sein, ja.
Florian Bayer: Bei den Western hattest du den genannt, bei den Top 3 Western.
Johannes Franke: Bei den Top 3 Rache-Western mit Johnny Depp.
Florian Bayer: Ja, cooler Film. Jim Chamosch.
Johannes Franke: Also unglaublich toller Score, unglaublich tolle Bilder, unglaublich toll gespielt. Also toller Film.
Florian Bayer: Ich bin total gespannt, ob du meine Nummer 1 gesehen hast. Weil es ist durch und durch einen Johannes-Film.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Und ich habe tatsächlich einen Rache-Film gefunden, der nicht brutal ist und nicht düster ist. Wow, okay, damit. wo die Rache nicht in krasser Gewalt stattfindet. Und zwar einer meiner absoluten Lieblingsfilme überhaupt. Das Ding, der Clou aus dem Jahr 1973. Robert Redford?
Johannes Franke: Ja, ich habe den auch kurz überlegt, aber dann habe ich mich nicht richtig erinnert, ob das jetzt wirklich so ein Rache-Ding war.
Florian Bayer: Es geht die ganze Zeit darum, dass sie sich rächen, aber sie rächen sich halt, sie sind halt kleine Ganoven, sie sind keine Mörder und das heißt sie rächen sich auf die Art, wie sich kleine Ganoven rächen, sie machen einen Heist. Sie tricksen den, der ihren Freund umgebracht hat, den tricksen sie aus und erleichtern ihn um mehrere Millionen. Und das ist ein ganz klassischer Heistfilm eigentlich. Und der lebt so von dem Zusammenspiel von Paul Newman und Robert Redford. als die Rächer, als die kleinen Ganoven, die ein wirklich großes Ding drehen. Gerade Robert Redford ist auch so ein ... noch grün hinter den Ohren in diesem Film und lernt dann bei Paul Newman auch ganz viel und sie machen wirklich eine große Nummer-Drash mit ganz vielen Schauspielern und der Film Nimmt sich ganz viel Zeit, die Vorbereitung dieses Crews zu zeigen und die Zuschauer auch teilweise auf eine falsche Fährte zu führen, wie das eben solche heißen Filme gerne machen. Fantastisch von vorn.
Johannes Franke: Wirklich toller Film. Ich muss ihn einfach nochmal sehen. Ich habe den Soundtrack hier auf Platte.
Florian Bayer: Ach, wie geil.
Johannes Franke: Ja, als ich mir einen Plattenspieler gekauft habe, noch gar nicht so lange her, habe ich gedacht... Was brauche ich alles für Musiken auf Platte? Und da ist Bob Dylan dabei natürlich. Und da ist dieser Soundtrack dabei gewesen, dass ich gedacht habe, den muss ich auf Platte haben.
Florian Bayer: Oh, wie cool. Kann man machen. Schön, dass du ihn kennst und schön, dass du den Soundtrack hast, weil ich finde, wenn du ihn jetzt nicht gekannt hättest, hätte ich gesagt, den musst du unbedingt sehen. Das ist so ein Film, der
Johannes Franke: Ja, ja, auf jeden Fall. Ich muss ihn auf jeden Fall auch wiedersehen, weil ich glaube, der gehört zu den Filmen, die einfach... nach ein paar Jahren nochmal was Neues bei mir auszulösen. Weil er einfach so gut ist. Und so viele, auch ich als Filmemacher und ich als Schauspieler, glaube ich, Wenn man sich eine Weile entwickelt hat, einen Film nochmal zu sehen, macht nochmal neue Sachen mit einem, finde ich.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und der Film schafft das garantiert. Ja, schön.
Johannes Franke: Okay, das war die Liste, wa?
Florian Bayer: Das war die Liste und ich glaube, wir sind auch bei Oldboy.
Johannes Franke: Wir haben nicht über dich auf Stimme geredet. Das wäre die ganze Zeit.
Florian Bayer: Der sehr, sehr geschwätzig ist und in sehr vielen inneren Monologen seine Befindlichkeiten und seine Gedanken mitteilt.
Johannes Franke: Der hält so ein bisschen den Film zusammen. Manchmal hat man ja so das Gefühl, dass man nicht so richtig weiß, wo man gerade ist. Und dann kommt die Off-Stimme und man kriegt wieder so ein bisschen so einen roten Faden in die Hand, wo man dann weiß, ah, okay. Ich kann mich darauf verlassen, dass der mal wieder kommt und mich da ein bisschen durchführt.
Florian Bayer: Das Tolle ist ja tatsächlich, auch wenn man mal verloren ist in diesem Film ... Man kommt ziemlich schnell wieder rein, einfach weil der unglaublich immersiv ist, weil die Action einen einfach mitreißt, weil die Spannung einen einfach mitreißt und weil die Emotionen einen mitreißen. Es sind große Emotionen, es ist große Action, es ist große Spannung, es ist halt wirklich, es ist eigentlich so, eigentlich ist es ein koreanischer Blockbuster.
Johannes Franke: Krass, ne? Meine Güte. Ich hab so wenig von koreanischem Zeug. Das ist keine Aufforderung, Plot. Ich habe so wenig von koreanischem Kino. Und wenn ich das jetzt sehe und denke, okay, dann... lauern bestimmt ein paar Perlen, die ich unbedingt sehen sollte. Die aber irgendwie so an mir vorbeigehen, weil es einfach nicht mein... Parasite war jetzt wegen den Oscars.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber sonst?
Florian Bayer: Tatsächlich habe ich, was koreanische Filme betrifft, auch riesige Bildungslücken. Und wenn ich sagen würde, was ist koreanisches Kino? Dann würde mir auch als erstes Chan-Wook Park einfallen, den ich hier mit abgeklappert habe. Also die anderen Filme von ihm sind auch sehenswert, aber das ist definitiv der... leichteste Film von ihm. Also die anderen beiden Filme der Rache-Trilogie, es gab ja einen Film davor, Sympathy for Mr. Wangans. Und danach Lady Vangance, die sind beide auch sehenswert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber die sind anders, die sind zäher, die sind weniger experimentierfreudig, weniger mit so Spaß dabei. Das sind nicht unbedingt die Filme, die man guckt, um zu sagen, ach krass, da ist mir eine ganze Welt entgangen. Weil wenn man Oldboy gesehen hat, dann hat man einfach den besten von diesen drei gesehen. Nicht nur, weil er stärkere westliche Ausrichtung hat, sondern einfach, weil er ... Weil er der beste ist, weil er der stringenteste ist von der Geschichte, weil er der experimentierfreudigste ist von den Bildern.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Genau, Bong Joon-ho heißt der Regisseur von Parasite. Und der hat davor auch einige gute Filme gemacht, also Snowpiercer. Aber halt auch westlich orientierte Filme. PSA ist eigentlich ein amerikanischer Film. Und Sonst würde ich sagen, ist mein koreanisches Filmwissen, ich bin gerade so ein bisschen am durchscrollen. Ach ja, einzelne Filme halt, aber jetzt auch nichts, wo ich sagen würde, oh, ich kenne die drei großen koreanischen Regisseure oder Regisseurinnen, die ich jetzt empfehlen würde. Hm. Das ist so ein bisschen schade.
Johannes Franke: Ich bin enttäuscht.
Florian Bayer: Ja, ich bin auch von mir total enttäuscht gerade. So Genre-Filme tatsächlich. Train to Busan, das ist ein Zombie-Film, der war super. Der Host, der ist auch von dem Parasite-Regisseur. Wenn ich mir die erfolgreichsten koreanischen Filme angucke, dann kenne ich da drei, vier Filme davon. Und das sind die, über die wir gerade geredet haben. Das ist schade. Also, Bildungslücken schließen. mehr mit koreanischem Kino auseinandersetzen. Das könnte vielleicht so ein bisschen eine Konklusion dieser Folge sein.
Johannes Franke: Spannend auf jeden Fall. Also guckt euch an, bildet euch selbst euer Urteil, wie weit... er in die europäischen Sehgewohnheiten hineinkommt und euch überzeugen kann oder ob er doch noch zu sehr im Koreanischen hängt oder ob er euch zu wenig im Koreanischen hängt, weil er denkt, wenn ihr schon einen koreanischen Film guckt, dann aber bitte richtig. Ich weiß nicht, ob dieser Regisseur irgendwie in Kritik gerät im eigenen Land, weil er sich zu sehr von der eigenen Kultur und Tradition entfernt, keine Ahnung. Ich kenne mich damit natürlich noch weniger aus als sowieso schon.
Florian Bayer: Also die südkoreanische Gesellschaft ist natürlich sehr stark westlich geprägt. Wahrscheinlich nehmen Japan das Land, was am stärksten von... vom westlicher Kultur beeinflusst ist, würde ich behaupten. Ich habe jetzt doch noch einen Regisseur gefunden. Okay. Kim Kieduk.
Johannes Franke: Ach, der.
Florian Bayer: Und das ist wirklich hartes Kino. Also das ist auch schwer zu konsumieren, das Kino, weil sein Twist ist, er macht immer so sehr langsame Filme.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wo 80 Minuten gar nichts passiert.
Johannes Franke: Ui.
Florian Bayer: Und dann ist es 5 Minuten reiner Schmerz. Oh. Also Seom, die Insel zum Beispiel aus dem Jahr 2000 ist von ihm. Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Frühling. Und war es das schon? Der hat ganz viel gedreht, aber das sind die zwei Filme, die ich kenne von ihm. Das ist ein spannender Regisseur, aber das ist dann tatsächlich ... Schwierig. Ich habe auch nicht mehr so gute Erinnerungen gerade an den Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Frühling. Ich weiß nur, dass die unglaublich langsam waren, die Filme. Und dass das eine Langsamkeit war, mit der ich mich auch schwer getan habe.
Johannes Franke: Selbst du, ja. Nun gut, wollen wir dann diesen Teil des Podcasts beerdigen und uns in den nächsten Teil...
Florian Bayer: So, wir gehen jetzt raus aus Korea und wir werden jetzt sehr amerikanisch. Also amerikanischer geht's eigentlich nicht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt fast. Obwohl nicht Amerika im Sinne von Blockbuster-Amerika, weil dafür ist der Film zu... Anders.
Florian Bayer: Nicht der Film, sondern sein Protagonist.
Johannes Franke: Bob Dylan.
Florian Bayer: Bob Dylan gehört zu Amerika wie Burger und Pancakes.
Johannes Franke: Ja, dann lass uns eine Pause machen und dann in Bob Dylan einsteigen.
Florian Bayer: Ja, vielen Dank, dass du den Film geschaut hast und schön, dass er dich auch bewegt.
Johannes Franke: für den Vorschlag. Es war wirklich ein kurzweiliges Erlebnis, auch wenn man nicht immer mitgekommen ist. Aber es war... wirklich gut und gut erklärt am Ende und dadurch auch sehr rund. Vielen Dank. Bis gleich. Bis gleich. Ich habe das Gefühl, wir haben uns was zugemutet. Floor, ich habe uns in die Scheiße geritten. Wir sind ganz schön... Willkommen zurück, liebe Zuhörer. Wir haben gerade eine Pause hinter uns, in der wir nochmal versucht haben, unsere Top-Tie zu konzentrieren. und auch festgestellt haben, dass wir mit diesem Film Echt einen riesen Berg vor uns haben. Brace yourself, schnallt euch an, wir werden einen Berg besteigen und durchgehen.
Florian Bayer: Es gibt so einen Gag bei Gilmore Girls, daran muss ich eigentlich immer denken, wenn ich mich mit Bob Dylan auseinandersetze. Egal, die Protagonistin trifft einen jungen Mann, der offensichtlich Bob Dylan-Fan ist, weil er überall Bob Dylan-Poster hängen hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Sie sagt so, oh, Bob Dylan. Und er sagt so, oh, wow, ja, Bob Dylan, ich mag den total. Und wie findest du ihn? Und sie so, ja, wahrscheinlich besser, auch wenn ich ihn mag. Und dann erzählt er so, ja, ich habe mich total viel mit Bob Dylan beschäftigt. Ich höre den rauf und runter und das ist total toll. Und sie fragt so, und hast du ihn verstanden? Und er sagt, witzig.
Johannes Franke: Sehr gut, sehr gut. Es geht um den Film I'm Not There aus dem Jahre 2007. Und dieser Film... Ist eine Art Biopic, aber wenn man einen Biopic erwartet, dann hat man nicht den Film, den man möchte. Ich werde einfach mal in diesen Film einführen mit einem meinem kleinen Text, der wirklich auch relativ klein bleibt, weil der Rest muss sich im Gespräch ergeben. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, vielleicht ist es fast besser, wenn ihr einmal pausiert diesen Film guckt. um dann mit einzusteigen. Das wäre, glaube ich, bei dem Film besonders los.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, das gilt generell bei unseren Filmen. Guckt euch die Filme vorher an.
Johannes Franke: Ja. Also ich meine, es ist natürlich auch schön, einfach durch unsere Gespräche darauf einzusetzen, aufmerksam gemacht werden und irgendwie zu sagen, okay, der klingt spannend, den will ich mal sehen, aber bei diesem Film, gerade bei diesem Film, vorher gucken.
Florian Bayer: Ja. Filmempfehlung, schaut euch I'm Not There an.
Johannes Franke: Genau. Und ich führe einmal in den Film ein. 6 Schauspieler spielen Bob Dylan. Was für ein genialer Move. Bob Dylan scheint sich einer allgemeingültigen Charakterisierung einfach zu entziehen. Immer wenn man glaubt, jetzt habe ich ihn verstanden, entgleitet er einem wie ein glitschiger Fisch. Entsprechend entgleitet einem dieser Film immer wieder. Wo sind wir gerade? Hat er das eben gerade wirklich gesagt? Wie tot. Bob Dylan lebt doch. Typische Gedanken beim Gucken dieses Films, der sich nicht streng an biografische Wahrheiten hält. Sondern sich an das Gefühl seiner Musik, seiner Zeit, den Protest, die Religion, den Drogenrausch. undurchsichtige Ego Bob Dillans heranrobbt. Aber haben wir Bob Dylan am Ende verstanden? Was meinst du bloß? Witzig.
Florian Bayer: Ja. Kurz was zu meiner Historie mit diesem Film.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich hab den... Wahrscheinlich so 2009, 2010 zum ersten Mal geguckt. Also definitiv nicht im Kino gesehen, aber dann irgendwie als DVD-Veröffentlichung. Also es ist noch sowas wie Videothek.
Johannes Franke: Das könnte auch mit meinem übereinstimmen ungefähr.
Florian Bayer: Und ich... Ich war damals kein Bob Dylan-Fan. Also kein großer Bob Dylan-Fan. Natürlich wusste ich, es gibt diese Figur Bob Dylan. Ich kannte Lieder von ihm und ich mochte auch Lieder von ihm. Aber es war jetzt nicht so, dass ich war, wow, Bob Dylan, Godfather of, was eigentlich? Songwriter, Rock'n'Roll, Country. Ähm ... Und dann habe ich diesen Film gesehen und ich saß da die ganze Zeit so ein bisschen wie Homer Simpson vor Twin Peaks.
Johannes Franke: Ich verstehe nicht, was da passiert, aber es ist toll.
Florian Bayer: Schön. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damals dann auch einmal das gemacht habe, was ich jetzt wieder gemacht habe, Wikipedia aufzurufen. Und zu sagen, okay, Film, was willst du mir eigentlich über Bob Dylan sagen? Und wenn man sich mit Bob Dylan nicht auseinandergesetzt hat ... Wenn man den Film verstehen will, geht es nicht ohne Anleitung. Diese sechs Persona von Dylan.
Johannes Franke: Soll ich dir einmal vorstellen, einmal die Figuren?
Florian Bayer: Hau raus, willst du sie auch gleich einordnen?
Johannes Franke: Oh, spannend. Also wir hätten da sechs Schauspieler. Das erste wäre, es gibt ja keine Reihenfolge. Christian Bale. Bob Dylan bekommt in diesem Film mehrere Namen. Also verschiedene Figuren, die seine Phasen im Leben oder Teile seines Charakters oder Teile seiner Musik symbolisieren sollen. Und Christian Bale spielt Jack Rowlands, Schrägstrich Pastor John, weil Bob Dylan ja irgendwann zur Religion gekommen ist. Und diese Phase soll sozusagen Jack Rollins einmal um... Ja, einmal um... Weiß ich, was soll es? Aber sehr spannend, weil durch Christian Bale dieser Übergang von einem ... Bob Dylan, der eigentlich als Jude geboren ist, dann ins Christentum wechselt. Was der Film nicht besonders deskriptiv erzählt, ne? Also... Sondern es passiert halt irgendwie und du bist plötzlich da reingeworfen, dass er religiöse Züge an sich hat.
Florian Bayer: Aber dann ist es auch voll auf die Fresse. Er taucht unter, er verschwindet nach einem Unfall. Bob Dylan hatte übrigens auch einen Unfall in den 60ern. Ja, genau. Und dann ist er halt einfach weg. Das war bei Bob Dylan nicht so der Fall. Der hat dann halt weiter Musik gemacht, aber halt so mit Pause. Und dann ist er plötzlich Priester. Bob Dylan hatte tatsächlich eine Phase, die religiöse Phase genannt wird.
Johannes Franke: Die war fast nicht ertragen, muss ich sagen, für meine Begriffe.
Florian Bayer: Wir müssen gleich auch kurz zu Bob Dylan kommen. Ich finde es sau witzig, was dieser Film mit Bob Dylan macht. Aber stell erst mal die Charaktere vor.
Johannes Franke: Genau. Genau, das ist Nummer eins. Nummer zwei wäre dann ... Markus Karl Franklin als Woody wird Woody genannt. Woody ist referiert auf Woody Guthrie, wie auch immer der ausgesprochen wird. ist einfach ein Folk-Singer, den Bob Dylan verehrt hat.
Florian Bayer: Er wird The Fake genannt, ne?
Johannes Franke: The Fake?
Florian Bayer: Ja, weil er quasi vorgibt, Woody zu sein, obwohl er nicht Woody ist. Und das war so der frühe Bob Dylan halt, der sich total inspirieren ließ von klassischem Folk. Sein erstes Album waren nur Traditionals, einfach nur Cover-Version.
Johannes Franke: Und in dem Film wird das schön einmal symbolisiert, indem man von einer Frau wo er gerade zu Besuch ist bei der Familie, wo die Frau, die Mutter der Familie, dann einmal ihm den Kopf fäscht und sagt, mach deine eigene Mutter. Rede bitte über deine eigene Zeit und nicht irgendwie längst vergangene Sachen, die nicht deine Generation sind. Ein toller Einfall. Das ist so garantiert nicht passiert in der Form, aber einfach ein toller Einfall. Und was ich eben toll finde, Markus Karl Franklin ist, also der Schauspieler ist wahrscheinlich ein bisschen älter, aber die Figur soll elf sein oder vielleicht ein bisschen älter. Es ist ein Kind. Es ist einfach ein Kind, der einfach den jungen Bob Dylan, wahrscheinlich nicht den elfjährigen Bob Dylan, aber zumindest den frühen Bob Dylan einmal darstellen soll.
Florian Bayer: Den Bob Dylan, der noch dabei ist, sich selbst zu finden. Und der das macht, indem er halt seine Vorbilder kopiert. Also gerade dieses Ding auch mit der Gitarre, auf der steht ... jetzt brauche ich das Zitat, sonst zitiere ich es falsch, diese This Machine Kills Fascists. Und das war tatsächlich der Bob Dylan, der späten 50er und frühen 60er Jahre als Folk ganz groß wurde und Folk so langsam auch angefangen hat. politische Themen aufzugreifen.
Johannes Franke: Ja, und da ist er voll mit rein in diese Phase. Nummer drei wäre dann, sagen wir mal Heath Ledger. Der als Robbie Clark einen Schauspieler spielt, der Jack Rollins wiederum spielen soll. Genau, den Pastor, den ja wiederum Christian Bale spielt. Wenn ich das richtig verstanden habe, das habe ich nämlich nicht nochmal recherchiert, hat Bob Dylan tatsächlich in einem Film irgendwo... gespielt. Hat er das?
Florian Bayer: Ich glaube, in diesem Pat Garrett und Billy Will Kitt Film, da hat er zumindest die Musik gemacht.
Johannes Franke: Ah, da hat er noch eine Rolle gespielt. Doch, doch, da hat er eine Rolle gespielt.
Florian Bayer: Aber ich, also, der Schauspieler referiert ... Wohl vor allem, ich gebe hier auch übrigens nur Rechercheergebnisse wieder, mein Bob-Dillen-Wissen hat sich in den letzten Tagen sehr vergrößert.
Johannes Franke: Ums tausendfach.
Florian Bayer: Diese introspektive Phase von Bob Dylan, weil tatsächlich wird die Geschichte des Schauspielers beschäftigt sich vor allem mit seiner gescheiterten Ehe und mit seiner Beziehung zu seinen Kindern. Und es gab von Bob Dylan in den 70ern eine Phase, in der er sehr introspektive Songs... geschrieben hat und sich sehr mit der Beziehung zu seiner Frau und zu seiner besten Freundin in seinen Liedern auseinandergesetzt hat. Und offensichtlich ist das die Phase, auf die diese Figur referieren soll. Das ist tatsächlich die einzige Figur, in der es weniger um die Kunst geht und mehr um das persönliche Leben. Es geht eigentlich nur um das persönliche Leben von diesem Menschen.
Johannes Franke: Was ich sehr schön finde, weil zum Beispiel es diese Szene gibt, wo er mit seiner Freundin in der Stadt rumläuft, so ein bisschen rumalbert. Und das so ein bisschen auf das Album-Cover referiert von Free Willen.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Three-wheeling Bob Dylan.
Florian Bayer: Genau, Sue Srotolo war die Frau, mit der er da auf dem Cover abgebildet war, die seine beste Freundin war. Mhm. mit der er sich aber wohl teilweise entfremdet hat und sie war auch seine Freundin tatsächlich, aber sie war nicht seine Frau, seine Frau war nochmal eine andere.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und ich glaube, es gibt eine ganze Ecke an Musikkritikerinnen, die sich damit beschäftigen. zu entschlüsseln, wen Bob Dylan in Songs wie Idiot Wind meint, auf wen er da referiert. Referierte der auf seine Freundin, referierte der auf seine Frau und die beiden Rollen werden in dem Film... Film einfach mal zusammengeworfen.
Johannes Franke: Ja, es gibt kein hier und dort mehr, sondern es ist halt alles eins.
Florian Bayer: Bob Dillans Ärger mit den Frauen, also Vor allem mit Susan Rotolo und mit Sarah Dillon wird einfach mal in eine Geschichte gepackt. Es gibt diese eine Frau.
Johannes Franke: Ich find's sehr wunderschön dargestellt. Aber lass uns das mal weiter aufschlüsseln. Wir haben Heath Ledger jetzt gehabt. Dann gibt es eine ganz ... von außen aufgestülpte Interview-Reihe mit Ben Whishaw, der Arthur Rimbud. Arthur Rimbaud. Arthur Rimbaud.
Florian Bayer: Ein ganz toller übrigens, einer der großen Symbolisten und Surrealisten des 19. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Genau, das hätte ich jetzt nicht besser sagen können. Ich wusste das natürlich nicht.
Florian Bayer: Ein Wegbereiter der Moderne, der hat wirklich tolle Gedichte geschrieben.
Johannes Franke: Also er scheint ein großer Fan von Arthur Rimbaud gewesen sein.
Florian Bayer: Lest Rimbaud.
Johannes Franke: Okay. Lest, lest. Hauptsache, lest. Dann hätten wir noch Richard Gere. der als Billy the Kid? Billy the fucking Kid. Irgendwie, ja, da in der Gegend rumläuft, als älterer Bob Dylan.
Florian Bayer: Das ist definitiv das Spätwerk, was da verkörpert wird.
Johannes Franke: Der da im zurückgezogen Nirgendwo lebt.
Florian Bayer: Ende der 90er hatte Bob Dylan, Mitte der 90er hatte Bob Dylan ein großes Comeback so im Zuge von so einem kleinen Folk- und Songwriter-Revival zusammen mit Johnny Cash eigentlich, da haben die plötzlich Alterswerke vorgelegt, wo sie wieder so ein bisschen Rückgriff hatten auf das, was sie früher gemacht haben und gleichzeitig so ganz in sich gekehrt ein bisschen auch die alten Zeiten besungen haben und in der Zeit sind wirklich starke Bob Dylan Alben nochmal entstanden, auch Anfang der 2000er. Offensichtlich soll das darauf referieren, auf diese Zeit
Johannes Franke: Und dann hätten wir, ich habe es mir zu dem Schluss aufgehoben, Cate Blanchett. Cate fucking Blanchett. Als... Bob Dylan, wie krass ist das denn? Die Figur heißt hier Jude Quinn. Äh... Das absolute Highlight dieses Films.
Florian Bayer: Tim Gwynn, der in der geilsten Szene des ganzen Films ein traditionelles Folkpublikum zusammen mit seiner Band mit Maschinen. Schienengewehren niedermäht.
Johannes Franke: Es ist unglaublich geil. Oh mein Gott. Das ist
Florian Bayer: eigentlich die eindeutigste Referenz auf die Zeit, als Bob Dylan angefangen hat, zu sagen, so, ich habe jetzt eine Band und ich mache jetzt Rock'n'Roll und ich drehe jetzt die Verstärker auf.
Johannes Franke: Ihr könnt mich mal pippeltuten.
Florian Bayer: die Falk-Fans ausgerastet sind und gesagt haben, das geht nicht, das ist keine Musik mehr.
Johannes Franke: Vor allem, weil das ja auch nicht mit Ankündigung, sondern einfach so. Und jetzt mach ich mal die E-Gitarre.
Florian Bayer: Turn it down! Und er schmettert Maggies Farm da runter. Und es ist einfach nur grandios. Ja, okay. sagen das einfach mal rundheraus, Cate Blanchett ist der Star des Films. Absolut. Was für eine geile Bob Dylan Verkaffung.
Johannes Franke: Wahnsinn, oder? Überhaupt die Idee, eine Frau diesen Teil spielen zu lassen, war natürlich... Genial und du könntest dann jede Schauspielerin hinstellen und man würde sagen, oh, ah, aber bei Cate Blanchett. sagst du nicht nur O, A, sondern du sagst, oh my fucking God, das war die Offenbarung schlechthin.
Florian Bayer: Und sowas von. Sie ist einfach, sie... Also was Dylans Bühnenattitüde betrifft, nicht nur zu der Zeit, sondern eigentlich so die gesamten 60er und 70er Jahre. Diese Mischung aus Arroganz, Punk-Attitüde, Rotzigkeit. Ihr könnt mich alle malen. Und ich habe jetzt hier einfach meinen Spaß.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie trifft es perfekt.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ich war so, also mit offenem Mund sitzt man davor und denkt sich, what the fuck, wie macht die das? Krass.
Florian Bayer: Und jetzt ganz kurz noch mal zu der Dillen-Referenz zu kommen. Zwei Punkte muss ich unbedingt sagen. Also eins ist, ich... Liebe den Film dafür, dass er ein Künstler-Biopic erzählt. Dass es ihm scheißegal ist, wie den Film... Gelebt hat oder dass es nur zweitrangig ist. Er will erzählen, wie er sich künstlerisch wie er sich künstlerisch ausgedrückt hat, wie seine Person auf der Bühne war, wie er in der Öffentlichkeit stand. Es geht nicht um den Menschen dahinter, sondern es geht wirklich um die Kunst. Es ist kein Gossip, es ist nicht so ... Hier wird das Leben eines Menschen ausgebreitet für die Öffentlichkeit, sondern das ist der Mensch in der Kunst. Das ist die Kunst, das ist die Kunstfigur. Und das gelingt ihm perfekt, indem er diese krass überzeichnenden Charaktere auch hat, die immer so ein bisschen ... ein bisschen einen Griff auf das Leben von Dylan haben, aber eigentlich ein eigenes Leben haben. So wie seine Alben, die natürlich Persönliches drin hatten, aber gleichzeitig eben Kunstwerke waren.
Johannes Franke: und der Regisseur hatte wirklich Der war abhängig davon, dass Bob Dylan selbst natürlich das Okay gibt, ne? Ja. Und dann hat er ihm so eine Seite geschickt mit seinem Konzept, so seiner Idee davon, wie es sein soll. Und hat ihm schon von vornherein sozusagen gesagt, ich will keine stringente Handlung erzählen, ich will einfach alles mögliche da reinhauen, was so... Ich lese mal ganz kurz einen Satz. The structure of such a film would have to be a fracture. Ja. Ja. Old men, young men, women, children, each standing in for spaces in a single life. Und ich glaube, das hat einfach Bob Dylan... Da hat jemand so ein kleines bisschen Bob Dylan verstanden und verstanden, wie man auf Bob Dylan zugehen muss, damit der das okay gibt.
Florian Bayer: Und Dylan hat nicht nur sein Okay gegeben, der mochte den Film auch, ne?
Johannes Franke: Das war toll. Das kann ich auch nochmal vorlesen. Er wurde gefragt... Wie er den Film denn eigentlich fand am Ende.
Florian Bayer: 2012, ne? Vom Rolling Stone. Ja, genau.
Johannes Franke: Und er sagt, yeah, I thought it was all right. Do you think that the director was worried that people would understand it or not? I don't think he cared one bit. I just think he wanted to make a good movie. I thought it looked good. And those actors were incredible. Perfekt, ja. Und viel besser kannst du von Bob Dylan, also mehr Price kriegst du nicht von Bob Dylan.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Geil. Kommen wir zum zweiten Punkt, zu dem ich noch was sagen wollte, zur Struktur. künstlerischen Werke ein. Er zeigt eine künstlerische Struktur und zwar behandelt er die Folkphase, indem er mit Woody, das heißt so die frühen 60er, Dylan macht Traditionals und Folks fängt dann an, seine eigenen Songs zu schreiben. Mhm. Dann kommt er mit Jude auf die Rockphase. Das ist die mittleren 60er. Bring it all home, Highway 61 ... Und dann kommt schon dieser Übergang. Mhm. zur Country-Phase, den er am ehesten wahrscheinlich so ein bisschen mit dem Pastor trifft, aber dann wird es schon schwierig. Dann wird es schwierig, ja. Machen wir einen kurzen Cut, dann kommen wir ganz... zu dieser introspektiven Rockphase, die er hatte mit Blood on the Tracks und Planet Waves zu seinem Motorradunfall. Das wird verkörpert durch den Schauspieler.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese christliche Periode durch Vater John. Jetzt sind wir in den 70ern, Ende der 70er, Street Legal. Gospel und Spiritual fließen ein in die Musik. Und dann dachte ich, okay, aber ... Dann sind wir plötzlich in den End-90ern und 2000ern. Und wir haben den alten Dylan. Dazwischen gab es doch Musik. Lass uns mal da drauf gucken. Warum kommen die 80er nicht? Ich kenn mich mit den 80ern überhaupt nicht aus. Ich weiß, ich hab Oh Mercy ein bisschen gehört und fand's ganz nett. Lass uns doch mal reinhören. Und dann habe ich mal Empire Burlesque angemacht aus dem Jahr 1985. das am schlechtesten bewertete Album von Bob Dylan. Und dann habe ich das gehört und dachte... Ah, deswegen verzichten sie da drauf. Hier findet ganz klar, ganz eindeutig eine Biografiereinigung statt. Weil die sagen so, okay. Das Country-Nudel aus den 60ern, ich sag's jetzt mal so ein bisschen hart, das nicht so schlecht ist. Ja. Aber, oh ja, weg damit, brauchen wir nicht. Sagt nicht viel über Bob Dylan aus. Da hat er halt mit Johnny Cash ein bisschen was zusammen gemacht. Er war vom Nashville Sound beeinflusst. Er hat halt mal Country gemacht. Interessiert uns nicht. 80er. Okay, da hat er plötzlich ein bisschen Pop und ein bisschen Funk und New Wave und oh Gott, ist das schrecklich. Das interessiert uns auch nicht. Lass uns einfach diese Phasen überspringen. Wir wollen uns an den Bob Dylan halten, der tatsächlich gelobt ist. Und wenn man die Alben hört. dann, ja, wie du sagtest, dann weiß man auch warum. Heute Morgen habe ich zum Frühstück Empire Bullets gehört. Oder gestern Morgen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ich war wirklich geschockt, wie schlecht das ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Wow.
Johannes Franke: Ich hab's auch extra nochmal reingehört und hab gedacht, oh mein Gott, nein.
Florian Bayer: Bob Dylan hat echt schlechte Alben gemacht. Und der Film sagt halt... Nee, keine Lust.
Johannes Franke: Lass uns darauf verzichten. Aber es gibt, es gab ja noch eine Figur, die wollten noch eine Figur machen, die hieß Charlie.
Florian Bayer: Und was sollte das sein?
Johannes Franke: Und die war angelegt an Charlie Chaplin. Aber ich weiß nicht, welche Phase das darstellen sollte.
Florian Bayer: Ich hätte tatsächlich so ein Retrospektiv. Ich hätte eigentlich gerne was aus der Phase gesehen. Ich habe es total spannend gefunden und sich dann auch tatsächlich damit auseinanderzusetzen. Wo hat es denn ein bisschen gehapert? Weil Bob Dylan ist oft gestolpert. Es wird ja auch Bob Dylan oft nachgesagt, dass er der... der Musiker ist, der die meisten Comebacks hatte. Phasen hatte, wo die Kritiker gesagt haben, was ist denn das für ein Scheiß? Und ich hätte es total spannend gefunden, ihn auch mal stolpernd zu sehen. Ja. Diesen Bob Dylan, der halt Irgendwie versucht nochmal sich neu zu erfinden. Der sagt, okay, ich bin jetzt durch mit dem Christlichen. Ich mache jetzt einfach mal ein bisschen 80er-Funk und ein bisschen Party. Und wo alle sagen, das stinkt. Ja. Hätte ich gerne. Ich hätte gerne eine Episode. Ich muss die Alben nicht noch mal hören. Empire Burlesque habe ich wahrscheinlich zum ... Habe ich zweimal gehört, zum ersten und letzten Mal. Aber ich hätte es interessant gefunden, dass der Film sich damit auch auseinandersetzt. Aber irgendwie war er dann doch zu sehr...
Johannes Franke: Er ist zu sehr Fan von Bob Dylan.
Florian Bayer: Fan zu sein, genau. Es ist ein Fan-Movie und es ist auch ganz klar ein Film von einem Fan für Fans. Und deswegen nochmal, um auf den Anfang zurückzukommen, Wenn man kein Bob Dylan Fan ist, braucht man eigentlich eine Anleitung für diesen Film, weil man weiß nicht, Welche Phasen da besprochen werden, worauf referiert wird, man verpasst es eigentlich.
Johannes Franke: Du hast es jetzt so einsortiert, du hast jetzt gesagt das und dann das und dann kommt der Schauspieler, aber das stimmt ja gar nicht.
Florian Bayer: Nein, es geht kreuz und quer.
Johannes Franke: Es geht kreuz und quer und dann hast du den Schauspieler wieder und den Schauspieler wieder und es ist nicht nur so, dass die Schauspieler untereinander wechseln und du im Film in den Zeitnebenen hinterspringst, sondern es ist auch noch so, Dass der Motorradunfall sowohl mit Heath Ledger, glaube ich, als auch mit Jude Quinn, also mit Cate Blanchett besprochen wird. Cate Blanchett liegt ja dann tot da. Das ist ja der Motorradunfall. Und das wird aber auch nicht genau so erzählt. Das muss man sich dann auch durch Wikipedia nochmal erschließen. Aber Das heißt, mehrere Figuren behandeln auch noch ungefähr das gleiche Thema, bloß eben aus einer anderen Perspektive von Bob Dylan.
Florian Bayer: Das Witzige ist, am Anfang kriegt es der Film eigentlich noch ganz gut hin, wirklich eine stringente Struktur zu haben. Ja, genau. Er stellt uns eine Person vor und zeigt von dieser Person einen längeren Abschnitt. Sagen wir so 10 Minuten.
Johannes Franke: Ja, Woody zum Beispiel.
Florian Bayer: Springt zur nächsten Person, zeigt von dieser, genau, mit Woody fängt der Film an, springt zur nächsten Person, zeigt uns von dieser Film, von dieser 10 Minuten und springt wieder kurz zurück zu Woody. bringt die nächste Person, die kriegt wieder zehn Minuten und dann wird zu den anderen beiden wieder zurückgesprungen. Also quasi, er setzt immer wieder so zwei... Frühere Geschichten drauf. Man könnte ein Schaubild zeichnen und es würde irgendwie Sinn machen. Aber dann, das hat er halt durch nach 60 Minuten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann fällt die Struktur komplett in sich zusammen, spätestens wenn wir den Outlaw-Believer-Kid von Richard Gier gespielt sehen. Ja, ja. Und dann wird einfach nur noch zwischen den Zeiten rumgesprungen und wir sehen unglaublich viele Einzelmomente zwischen den Zeiten. die sich teilweise auch aufeinander beziehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist dann einfach nur noch eine Achterbahnfahrt durch das künstlerische Oeuvre von Bob Dylan.
Johannes Franke: Genau. Und es macht so viel Spaß. Es macht wahnsinnig Spaß.
Florian Bayer: Es ist so ein unterhaltsamer Film. Das Krasse ist ja, dass der wirklich experimentell erzählt ist und trotzdem sau unterhaltsam ist.
Johannes Franke: Das ist spannend. Ich muss dazu sagen, ich glaube, Cate Blanchett hat so einen großen Anteil daran. Ich weiß nicht ganz genau, wie der Film geworden wäre, wenn es nicht Cate Blanchett gewesen wäre. Weil Cate Blanchett immer wieder auftaucht. Sobald sie das erste Mal auftaucht ... Kann man sich immer wieder an ihr festhalten, wenn sie wieder auftaucht und hat so ein Gefühl für Bob Dylan, dass... Ja, ich weiß nicht, sie macht das so wahnsinnig gut.
Florian Bayer: Sie hat so wundervolle Szenen, wenn sie mit den Beatles spielt. Das ist so witzig. Wir sind an diesem Filmset und dann sehen wir wie ein Kindergarten. Ja, genau. wie sie auf dem Boden rumtoben und sie machen sogar so Kindergeräusche.
Johannes Franke: Genau so. Das ist halt beschleunigtes Audio, genauso wie der Film beschleunigt ist und die da einfach in der Gegend rumrennen. Aber es ist so geil und es passt so. Das ist eine Referenz auf irgendeine Doku, die sie mal gedreht haben.
Florian Bayer: Ja, die haben sich ja auch verstanden, die haben sich ja auch gegenseitig beeinflusst, also die Beatles haben. immer mal wieder gesagt, dass sie von Bob Dylan beeinflusst sind und Bob Dylan war dann auch von Beatles beeinflusst und so ein Hin und Her. Und es ist aber so eine geile Szene, weil Und das so witzig ist, wie sie da rumtollen und rumspielt.
Johannes Franke: Wie so alberne Kinder. Das ist so super gemacht. Und es ist nur ganz kurz, aber das bleibt so hängen. Und das Geile ist, dann geht Bob Dylan nach vorne mit einem Interview und im Hintergrund rennen nochmal so... Scharen von Mädchen hinter den Beatles her und kreischen. Ah, ah. Ganz tolle Szene, wirklich toll.
Florian Bayer: Und ich liebe einfach, also wenn Jude Gwynn, wenn Cate Blanchett zum ersten Mal auftritt, sie rockt es einfach so weg und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie tritt auf die Bühne. Sie ballern das Publikum nieder und dann läuft Maggies Farm an, was sowieso einer der geilsten Bob Dylan Songs überhaupt ist. Und verstärkt und man sieht, was wohl tatsächlich wirklich passiert ist, dass Leute Bob Dylan ausgebuht haben, dass sie versucht haben, die Soundanlage kaputt zu machen, dass sie geschrien haben, er soll es runterdrehen, das ist zu... zu sehr verstärkt. Und es ist so eine fantastische Szene, wie ... Kate Blanchett auf der Bühne steht und dem Publikum einfach mal Rock'n'Roll entgegen spielt.
Johannes Franke: Ja, und auch wirklich mit dieser rotzigen Haltung. Wahnsinn. Wahnsinnig gut. Und ich freue mich darüber, dass der Film diese Szene... nicht so im Studio aufgenommen klingen lässt, wie das oft so Filme machen, die dann irgendwie Musik aus dem Album irgendwie drüberlegen. Und es klingt echt rotzig in dem Moment. Es klingt halt echt wie über Boxen ganz schlecht in die Masse gebracht. Und da versteht man ein kleines bisschen, dass die Leute erstmal ein bisschen... Aber es ist so schön, es ist so geil. Man hat so das Gefühl von, das ist so der Ursprung von Rock'n'Roll, so das, was ich will, das, was ich will. davon haben will, dieses Rotzige und dieses Dreckige. Es ist tatsächlich auch so geil, weil ich
Florian Bayer: wie gesagt, ich bin spät zu Bob Dylan gekommen.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Aber für mich ist so ein ganz wesentlicher Moment, warum ich Bob Dylan angefangen habe, wirklich zu lieben. Ich habe das immer mal wieder gemacht, so Alben durchgehört und so das und das und dann, als ich zum ersten Mal Bringing It All Back Home gehört habe, wo der Eröffnungssong Maggie's Farm ist. Ja. Und wenn du davor irgendwie so die anderen Sachen gehört hast, die so ein bisschen folkiger sind. Ich habe davor auch andere rockige Sachen von ihm gehört. Aber dieses Album beginnt noch mal so als ein Schlag in die Fresse. Weil es einfach wirklich mit diesen Rock-Tunes anfängt und das bläst dich weg. Weil du rechnest nicht damit. Du rechnest damit, dass... Selbst bei seinen rockigeren Sachen fängt Dylan immer schon so ein bisschen gediegen an und wir haben die Akustikgitarre irgendwie und die ist auch rauszuhören. Aber das ist einfach mal so, das fetzt. Das ist einer der Momente, die mich dazu gebracht haben, wirklich mich in Dylan auch zu verlieben. Dieser Anfang. Und sie haben es so perfekt auf die Bühne gesetzt. Es ist sowas Persönliches jetzt, weil es wirklich... Dieses Gefühl, wie sie die Leute erschießen, ich hab mich nicht erschossen gefühlt. Ich hab Metal gehört und sowas, aber es war trotzdem so ein Gefühl, da kriegst du was in die Fresse rein und es funktioniert so gut.
Johannes Franke: Aber das hat was mit dem Kontext zu tun, oder? Mit dem Kontext der Zeit und dem Kontext von Bob Dylan. Weil du hast ja nur Metal und ich auch und man hat... Man kennt viel Musik, die viel mehr auf der Fresse ist, aber irgendwie bringt der das mit, dass man sofort den Kontext mit versteht.
Florian Bayer: Und ich finde, gerade bei diesem Song und bei diesem Album spürt man es auch heute noch, selbst wenn man viel härtere Sachen gehört hat, wenn man das zum ersten Mal hört, man merkt hier einfach, hier geht jemand... mit so einer Attitüde ran, ey, jetzt kriegt ihr es voll ab. Und Der Film hat das nochmal perfekt umgesetzt, dieses Gefühl. Und ja, natürlich im zeitlichen Kontext ist das nochmal krasser. Es gab einfach diese extreme... Folk-Szene und wir wissen alle, wie toxisch Fankultur sein kann. Das war offensichtlich damals genauso
Johannes Franke: Ich meine, die haben den ja nun wirklich in diese Protest-Folk-Sache so reingedrückt und der... Ich glaube, Bob Dylan brauchte dringend diesen Befreiungsschlag. Und das merkt man halt dem Album an. Und das ist so geil, weil das so viel Energie hat einfach.
Florian Bayer: Ja. Das Witzige ist ja, was Fankultur betrifft, das ist heute genauso wie damals. Heute regen sich die Star Wars Fans drüber auf, weil ihre Kindheit kaputt gemacht wird, weil ein schwarzer Stormtrooper da ist. Oder die Ghostbuster-Fans regen sich drüber auf, dass plötzlich Frauen Ghostbuster sind. Und damals war es anscheinend genauso. Da regen sich die Fork-Fans drüber auf, dass plötzlich E-Gitarren benutzt werden.
Johannes Franke: Bescheuert. Hast du Lieblingsalben von ihm? Das klingt so nach einem Lieblingsalbum von dir.
Florian Bayer: Bring it all back home ist... Zünde ist sicher mein Lieblingsalbum von Bob Dylan.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es kämpft immer um den ersten Platz mit einem aus... den Rocksachen aus den 70ern und das ist tatsächlich Platt on the Tracks.
Johannes Franke: Den finde ich auch super Album. Ganz tolles Album. Ich finde Blond & Blond ganz, ganz toll. Aber ich muss sagen, dass ich... mit Bob Dylan, auch die ganz frühen Sachen, das erste Album, das zweite Album, das dritte Album, die sind für mich Immer noch die krassen Bob-Dillen-Bob-Dillen-Sachen. Also bis eben The Free Will In, Bob Dylan aus 1963. Das sind die drei Alben, die für mich immer Bob Dylan sein werden.
Florian Bayer: Ich bin tatsächlich kein Bob Dylan-Folk-Fan, ich liebe am ehesten seine rockige Phase. Und das sind halt wirklich die drei Alben aus den 60ern, Bringing It All Back Home. Highway 61 und Blond on Blond. Wobei eigentlich noch mehr die dann aus den 70ern, weil die... moderner klingen.
Johannes Franke: Ja, ich habe heute Morgen New Morning noch mal gehört. Das fand ich eigentlich auch wirklich toll. Was? New Morning aus 1970. Also 1970. Ich habe das Album gar nicht auf dem Schirm gehabt.
Florian Bayer: Ja, das habe ich noch gar nicht.
Johannes Franke: Aber das ist toll.
Florian Bayer: Ich muss nämlich dazu sagen, ich habe Lücken. Wenn du jetzt sagst New Morning, das ist wahrscheinlich ein Album, das ich noch gar nicht gehört habe.
Johannes Franke: Ich habe das heute Morgen nochmal gehört. Passend. New Morning. Und war ganz... Ah, geil, ja, 70er, warum denn nicht nochmal die 70er alle durchhören, weil das habe ich nämlich selten, dass die 70er von Bob Dylan höre, weil ich eben die frühen Sachen so sehr mag und die... Blood on the Tracks habe ich dann nochmal gehört. Genau, das war großartig.
Florian Bayer: Ich freue mich tatsächlich. Ich habe mich an dem Film halt auch immer gefreut, wenn dann Songs kamen, die ich kannte. Und zum Beispiel dieses Idiot Wind ist eines meiner Lieblings. Songs von Boppel und dann, wenn er mit seiner Frau so eine halbe Versöhnung hat und dann wird Idiot Wind angespielt und zwar gar nicht so lang, aber es passt so gut, weil es In dem Lied geht es ja auch darum, dass er zuerst seine Frau oder seine Freundin dumm nennt, weil sie ihn nicht richtig versteht, weil sie genau wie die anderen ist und er ist total enttäuscht von ihr. Und dann aber am Schluss kommt er irgendwie zu der Konklusion, dass sie beide Idioten sind und sagt, it's a wonder that we still can feed ourselves oder so. Es ist so ... Ja, und wir sind Idioten und wir sind einfach dumm und das hat so gut dazu gepasst, weil das so diese kaputte Beziehung, die trotzdem irgendwie so ein Hoffnungsschimmer hat, weil eben beide dumm sind. sind und einfach ein breites Grinsen.
Johannes Franke: Jetzt sind wir zum Musikpodcast geworden. Okay, wir haben beide unsere Lieblingsphasen von Bob Dylan anscheinend.
Florian Bayer: Wie lange hörst du denn schon Bob Dylan? Lass uns ganz kurz noch bei Bob Dylan bleiben, hast du?
Johannes Franke: Ich glaube, ich höre Bob Dylan, seit ich Musik bewusst selber aussuche. Also wirklich immer schon. Ich weiß nicht warum, aber Bob Dylan hat irgendwie, das hat bei mir damit zu tun, glaube ich, dass ich sowieso auch von meinem Filmgeschmack, ja. immer in der Vergangenheit gesucht habe. Und dann kommt man an Bob Dylan nicht vorbei, wenn man guckt, was gab es denn in den 60ern, 70ern. Und dann ist klar. Ja. Und ich glaube auch, es hat etwas damit zu tun, dass mein Stiefvater, der spielt Gitarre und da gab es früher... immer Musik und ich glaube, er hat ein paar Bob Dylan Songs dabei, die ich einfach auch toll fand.
Florian Bayer: Ah, er hat die selbst gespielt dann auch?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ah, cool. Ja. Gerade diese klassischen Folk-Songs von Bob Dylan eignen sich ja total.
Johannes Franke: Ja, Blown in the Wind und Not in the Heaven's Door und sowas.
Florian Bayer: Ja, ich kenne sich total Lagerfeuer-Romantik aus, aber tolle Songs.
Johannes Franke: Genau, ja. Ja, darüber bin ich reingekommen und dann eben, ich mag eben, wie du auch diese rockigeren Sachen und die rotzigen Ich habe jetzt die neuesten Alben nochmal kurz reingehört und kann mit seiner Stimme nicht mehr so richtig was anfangen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Interessant, ja.
Johannes Franke: Weil er nie richtig singen konnte, muss ich mal sagen. So richtig guter Sänger ist er halt.
Florian Bayer: Nee, er ist halt ein charismatischer Sänger und er hat so ein sehr spezifisches Temper.
Johannes Franke: Ja, und er ist einfach nicht umsonst mit einem Literatur-Nobelpreis. ausgezeichnet worden, weißt du? Und nicht für Musik. Er ist auch für Musik, hat er gerade auch Preise bekommen, aber es geht vor allem um seine Texte. Und seiner jungen Stimme konnte ich es verzeihen und mochte das auch, aber seiner alten Stimme Dann komme ich nicht mehr hinterher irgendwie. Die ist so rasselig und so gelebt und bei Johnny Cash funktioniert das, bei ihm funktioniert es nicht.
Florian Bayer: Ich fand die 2000er des Modern Times zum Beispiel, finde ich das ein super Album, das mag ich sehr gerne. Aber ich sehe total, was du meinst mit der Stimme. Und Bob Dillans Stimme ist auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Karin hat auch ... Also ich habe viel die Woche Bob Dylan gehört.
Johannes Franke: Ja, ich auch.
Florian Bayer: Und Karin hat auch irgendwann mal gesagt, müssen wir das Gnöle jetzt schon wieder hören. Karan ist, glaube ich, nicht so der größte Bob Dylan-Fan.
Johannes Franke: Aber das Genöle ist schon ein treffender Begriff. Wenn man Bob Dylan nicht so mag, dann ist das ein...
Florian Bayer: Bob Dylan kann halt einfach unglaublich gute Songs schreiben und Geschichten erzählen in den Songs und auch so Also ich mag ja von Bob Dylan vor allem die Songs, in denen er wirklich gespielt hat. Geschichten zum Besten gibt. Da wird so ein Universum aufgebaut. Jetzt zum Beispiel Platon und Tracks haben wir jetzt ja schon ein, zweimal erwähnt. Also eigentlich Wahrscheinlich mein Lieblingslied von Bob Dylan ist dieses Lily, Rosemary and the Jack of Hearts, wo er zehn Minuten von einer Pokerpartie slash einem Mord erzählt. die ganze Zeit so mit dem Mord auf das Pokern referiert.
Johannes Franke: Was ich gerade nicht genau...
Florian Bayer: Einfach ein ziemlich langer Song, wo gar nicht viel passiert, aber wo er einfach nur eine Geschichte erzählt, die total cool ist. Bei Bob Dylan lohnt sich's Immer, da wirst du mir zustimmen, auf die Lyriks zu gucken.
Johannes Franke: Ja, immer, immer, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Womit setzt er sich jetzt gerade auseinander? Wovon...
Johannes Franke: Ich finde seine musikalischen, also weg von der Lyrik, von den Lyrics, Seine musikalischen Größen, seine Qualität offenbart sich meistens erst, wenn jemand anders Bob Dylan spielt. weil seine Stimme und seine Art und Weise, das zu singen und zu erzählen, immer... übermächtig über den Liedern drüber steht und seine Art und Weise, das zu spielen mit der Gitarre oder, ne, weißt du? Und die Mundharmonika. Und wenn du mal ein kleines bisschen anderes Arrangement hast, von jemandem, der die Instrumentierung vielleicht ein bisschen variiert, aber den grundsätzlichen Geist des Liedes beibehält, dann merkst du erst, was für ein großartiger musikalischer Unterbau dahinter steckt. der wirklich musikalisch großartig ist. Ganz toll. Aber bei Bob Dylan, wenn der das singt ... Du hast irgendwie immer den gleichen, weiß ich nicht, da steckt immer Bob Dylan drin.
Florian Bayer: Bob Dylan Songs erkennt man immer. Es gibt einige Bands und einige Musikerinnen, wo man das Gefühl hat, Man erkennt sie nicht tatsächlich, also wenn es mal so ein exotischer Song von ihnen ist, dass man tatsächlich nicht direkt raushört, dass sie es sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Zum Beispiel bei den Beatles geht es mir durchaus so. Die Beatles haben auch viel variiert und die Beatles haben auch schon viele unverkennbare Songs. Aber es gibt Songs von den Beatles, die hörst du. Und dann denkst du, Moment, was höre ich denn da gerade? Weil die halt wirklich einmal so diese Bandbreite haben von ... tanzbaren Party-Rock'n'Roll aus den 60ern, bis hin zu sehr experimentellen Stücken.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Obwohl Bob Dylan auch eine sehr große Palette hat an Sachen, eben vom Folk über Rock'n'Roll über Country und Gospel. Trotzdem erkennt man ihn immer direkt. Sobald man diese Stimme hört und auch diese Art zu singen und den Text rauszuholen. Was macht er da? Was ist das Besondere am Gesang von Dylan? Warum klingt er so einzigartig und auch eigenartig manchmal?
Johannes Franke: Da müsste man Leute fragen, die sich damit auskennen, nochmal genauer mit so vielleicht sogar Logopäden. Autsch.
Florian Bayer: Okay. Aber wir sind uns offensichtlich einig, dass die 80er ... Nein.
Johannes Franke: die sind katastrophal. Die kann man nicht wirklich hören.
Florian Bayer: Das ist krass. Und er ist ein guter Gesellschaft. Es gibt so viele Bands, die in den 80ern einfach schlimmes Zeug verbrochen haben. Die in den 60ern, 70ern und danach wieder in den 90ern bei ihren Comebacks echt gut waren. Krass.
Johannes Franke: Na gut, wollen wir in den Film zurückkehren?
Florian Bayer: Wir gehen zurück zum Film.
Johannes Franke: Zu Cate Blanchett. Dieses Interview im Auto.
Florian Bayer: Ja, mit dem Journalisten, der so auf den Sack geht.
Johannes Franke: Das ist der Wahnsinn. Sie ist einfach... So eine großartige schauspielerische Leistung, das kriegst du nicht wieder. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Das ist sowieso geil, wie sie immer auf die Fragen von außen aufgeht. Sie haben bewusst offensichtlich diesen Shoot-Charakter genommen, der ständig genervt wird von Nerds.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: die ihn auf Generation Dungeon ansprechen und sagen, was bedeutet das und das und das. Und er gibt dann immer diese kryptischen Antworten. Und die Presse will, dass er irgendwas zu Shakespeare sagt. Und er sagt halt auch irgendwas, was kein Mensch versteht. Einfach ein Wort. Turtle oder so. Ich weiß gar nicht mehr genau.
Johannes Franke: Ich auch nicht mehr.
Florian Bayer: Und dann hat er diesen Journalisten, das ist ja eine relativ lange Geschichte sogar, dieser Journalist, der ihm folgt und ihm wirklich, wirklich auf die Nerven geht.
Johannes Franke: Mhm. Und er versucht aus ihm was rauszuholen und ihm versucht Sachen zu entlocken, die nichts mit Dylan zu tun haben. Irgendwie der... Ich glaube, er hat einfach ein... Es ist so eine Hassliebe bei ihm. Mit den, so eine Obsession. Und ich glaube, dass es nicht abwegig dass es damals tatsächlich so ein, zwei Journalisten gab, die sich so drauf gestürzt haben. Es sind ja auch viele Sachen davon wirklich aus Interviews genommen. Es ist ja viel zusammengestückelt aus verschiedenen Aussagen von Bob Dylan.
Florian Bayer: Dylan hat sich anscheinend eine Zeit lang einen Spaß draus gemacht, mit totalem Nonsens auf komplexe Fragen zu antworten. Und wirklich so diese One-Liner. Um dann einen verdutzten Fragesteller da stehen zu lassen.
Johannes Franke: Schön. Was die Erzählweise des Films betrifft, muss ich noch dazu sagen, dass ich eine ganz tolle Entscheidung finde. einzusteigen mit so mockumentarischen Anleihen. Also die haben die... Julian Moore sitzt da einfach nur in ihrem Sessel zu Hause und hat so ein typisches amerikanisches Doku-Style-Bild und sie bezeichnet. philosophiert vor sich hin und sagt nach Worten und so. Das ist ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Dieser ganze Jack Rowlands Vater John Part ist einfach ein einziger Mockumentary.
Johannes Franke: Ja. Wirklich schön gemacht, gut gemacht.
Florian Bayer: Ich mag auch, er springt ja auch tatsächlich zwischen den Filmgenres so ein bisschen her. Also was von Woody erzählt wird, ist eigentlich so eine klassische Hobo-Geschichte, so der Randstreicher, der unterwegs ist. Ja. immer wieder auf der Flucht ist. Viel mehr passiert da eigentlich nicht bis zu dem Schluss, wo er dann den tatsächlichen Woody im Krankenhaus besucht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dann haben wir den Mock, die Dokumentation über Jack Rollins. Dann die Geschichte von Heath Ledger, von dem Schauspieler Robbie Clark. So ein bisschen klassisches Traum.
Johannes Franke: Arme eigentlich am nächsten.
Florian Bayer: Jude ist konsequent in schwarz-weiß. Und was ist das eigentlich? Das ist einfach nur so Rock'n'Roll-Alltag. Wir sehen ja auch ganz viele Szenen hinter der Bühne dann, wie er so arrogant und...
Johannes Franke: Ein einziger Dronentrip.
Florian Bayer: Genau, und die Lage hinter der Bühne. Und dann haben wir ein Western. mit Billy the Kid, in dem trotzdem auch irgendwann Autos vorkommen. Es geht in dem Western auch darum, dass eine Autobahn gebaut werden soll und Billy the Kid wird am Schluss mit Autos abgeholt. Und dann haben wir diese Verhörprotokolle mit Rimbaud, der verhört wird offensichtlich. dass so die ganze Zeit die Atmosphäre, die für mich rüberkam, dass er befragt wird und wirklich auch sehr dicht im Licht der Öffentlichkeit steht. Ja, verhört, habe ich da geschrieben.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das macht ja toll, diese Genres und diese Stimmung zu mischen.
Johannes Franke: Und der Wechsel funktioniert jedes Mal.
Florian Bayer: Super.
Johannes Franke: Das ist wirklich toll.
Florian Bayer: Ich habe mich auch nie verloren gefühlt. Also am Schluss ist er ja wirklich so all over the place, was die Handlung betrifft. Tempo zieht ja nochmal an und die Sprünge werden nochmal krasser. Aber man ist einfach drin, weil es so viel Spaß macht, weil die Musik gut ist, weil die Schauspielleistungen toll sind.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also ich meine, wir haben jetzt sehr viel Sean Cate Blanchett gelobt, aber ich finde Richard Gere ist auch super.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Ich finde auch, dass Christian Bale, dieses ... Diesen Duktus, den Bob Dylan, dieses Zögern und Nahworten suchen und dann vielleicht noch was raus... Hauen. Das finde ich super. Christian Bale macht das großartig.
Florian Bayer: Und gleichzeitig so ein bisschen dieses Selbstverliebt-Prophetische. Ja, ja, ja. Der dann am Schluss der Priester wird und der jetzt die Wahrheit. über Gott verkündet.
Johannes Franke: Der auch so ein bisschen ekelhaft aussieht. Am Ende da, wenn er da als Pastor in der Kirche vorne steht und da irgendwie ein bisschen. Und ich habe ja immer Schwierigkeiten, wenn so Musiker oder Schauspieler oder sowas, eben einfach Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, Dann zum Christentum wechseln und eine große, oder zu irgendeiner Religion, weiß ich nicht, Cat Stevens. Und dann einen großen prophetischen... Schlag bekommen, den sie irgendwie, ich weiß nicht, das ist so merkwürdig. Das hat so einen ganz komischen Beigeschmack, den ich nicht abkann so richtig.
Florian Bayer: Vielleicht, weil du selbst auch nicht religiös bist.
Johannes Franke: bin ich religiös, nee, aber selbst, ich weiß nicht, keine Ahnung, aber ich kann mit diesem Missionarischen einfach überhaupt nichts anfangen und das macht mir immer Gänsehaut, eine ganz schlechte Gänsehaut.
Florian Bayer: Finde ich auch schwierig. Also finde ich auch problematisch. Bob Dylan hat ja irgendwie noch mal so ein bisschen die Kurve gekriegt, weil er irgendwann ja so ein bisschen erinnern wurde, aber er hat das Christliche nie ganz abgelegt. Er war dann, es war einfach so, er hatte diese krasse Phase so Ende der 70er und das hat er dann wirklich durchgezogene Zeit lang auf Alben, dass er wirklich als christlicher Sänger aufgetreten ist.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Und dann, als es so in die 80er ging, hat er jetzt diese komischen Alben gemacht. Diese Popalben. Ja. Nichts gegen Pop. Pop kann ganz toll sein. Er hat einfach schlechte Alpen gemacht. Und da war das Christliche einfach nicht mehr so präsent. Aber er hatte dann diesen Duktus immer noch so ein bisschen. Und den hat er sich auch bis ... bis zum Schluss bewahrt. Bis zum Schluss, das blöd gesagt, weil er noch lebt und auch noch Alben rausgebracht hat. Modern Times ist von 2006 und ich glaube, er hat danach auch noch
Johannes Franke: Ja, 2020 ist noch eins rausgekommen. Also es ist schon, ja, ja, da kommt noch. Der tut ja auch noch, oder? Also ich meine jetzt zu Corona nicht, aber...
Florian Bayer: Ja, mal kurz gucken, wie alt Bob Dylan ist. Das ist eine gute Frage.
Johannes Franke: Bald 80, oder? 41 geboren, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, dann wird er dieses Jahr 80. Ja, im Mai wird er 80. Krass. Und zwar ziemlich genau, wenn wir diese Episode veröffentlichen werden.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Wahrscheinlich.
Johannes Franke: Happy Birthday, Bob Dylan. Melde dich mal wieder, alter Junge. Mensch, schau mal, lange nicht gehört. begeistert von den verschiedenen filmischen Mitteln, die dir der Film einfach aufeinander clashen lässt und auf eine gekonnte Art und Weise, die man sich gar nicht vorstellen kann? Wenn man das vorher alles einmal auflisten würde, was der Film alles reinwirft, würde ein einziges Chaos im Kopf entstehen. Und es ist auch ein chaotischer Film. Ja.
Florian Bayer: Aber es funktioniert. Auch ein Suchspiel, ne? Also gerade für Bob Dylan-Fans, denke ich. Und ich bin zu wenig Bob Dylan-Fan. Ich bin zu wenig mit seiner Biografie und seinem künstlerischen Werdegang vertraut. Ich kann mir jetzt nochmal ein bisschen was anlesen und ich kenne halt ein paar Alben, aber ich werde ganz viele Sachen verpasst haben.
Johannes Franke: viele Zitate dabei.
Florian Bayer: Ja, genau das allein. Interviewfetzen, Songschnipsel.
Johannes Franke: Was ist alles? I was a pawn in the game. Weißt du, so einfach nur einen Satz rausgenommen und in den entsprechenden Kontext gepackt. Solche Sachen.
Florian Bayer: Und ich habe auch nicht alle Songs erkannt, die angespielt wurden. Die Musik war die ganze Zeit toll, aber es wurden einfach auch Songs angespielt, die ich nicht kenne.
Johannes Franke: Ja gut, okay, das ist mir nicht passiert. Ich konnte wirklich fast jeden Song mitsingen. Was?
Florian Bayer: Dillens Diskografie ist so schrecklich langer. Ich habe die ganze Woche Bob Dylan gehört und ich habe das Gefühl, ich habe trotzdem jetzt vielleicht... Bin ich bei 50%? Wahrscheinlich eher nicht. Ja. Und ich hab mich sogar teilweise durch die 80er-Sachen gequält. Was wirklich überflüssig war. Zum Beispiel diese christliche Periode, davon habe ich fast gar nichts gehört. Da kenne ich auch nur einzelne Songs.
Johannes Franke: Nee, ich auch nicht.
Florian Bayer: So als er angefangen hat, wirklich Gospel und so einfließen zu lassen.
Johannes Franke: Ich meine, ich habe zwei Songs davon gehört und habe gedacht, okay, ich nehme das nächste Album.
Florian Bayer: So geht es mir ein bisschen bei seiner Country-Phase auch. Heute Morgen habe ich Nashville Skyline ein bisschen reingehört.
Johannes Franke: Von wann ist das? 1969.
Florian Bayer: Ah, okay. Da hat er wirklich so krass mit dem Country geflirtet, da hat er auch geheiratet und ... Das ist auch die Zeit, in der er dann bei dem Film mitgemacht hat und für den Film die Musik aufgenommen hat. Das ist so eine Phase, mit der ich mich bisher noch nie auseinandergesetzt habe, weil ich einfach die rockigen Sachen gehört habe. Und wahrscheinlich auch so ein bisschen kanonisch, weil alle sagen, wenn du Bob Dylan hören willst, musst du Blond on Blond hören und halb 16 Und Blood on the Tracks. Und damit haben auch alle recht.
Johannes Franke: Ja, ja, das stimmt schon.
Florian Bayer: Wir sagen so oft, wie dumm Kritiker sind. Aber bei Bob Dylan darf man ruhig auf die Kritiker hören. Es ist tatsächlich, die Grundgeschichten kommen ja alle irgendwie zu so einem Ende ein bisschen. Also wo die... Sieht den Original-Woodie. Ja, okay.
Johannes Franke: So eine Kondolenz-Szene. Stimmt. Ähm ...
Florian Bayer: Jude stirbt.
Johannes Franke: Ja. Motorrottenfall.
Florian Bayer: Jack Rollins wird Pastor und Ende. Ja. Und Richard Gere wird festgenommen, der Outlaw.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ah, und dann flieht er mit dem Zug nochmal. Er kann nochmal entkommen. Und Robby versöhnt sich irgendwie so mit seiner Frau und darf seine Kinder wiedersehen und darf mit seinen Kindern Zeit verpassen. bringen und verreist mit seinen Kindern.
Johannes Franke: Was auch cool ist, ja.
Florian Bayer: Haben wir das Gefühl, Bob Dylan verstanden zu haben in diesem Film? Haben wir das Gefühl, den Film verstanden zu haben?
Johannes Franke: Ich habe nichts davon verstanden, aber es ist ein großartiger Trip. Es gibt einem einfach keinen intellektuellen Ansatz zu verstehen, aber einen emotionalen Ansatz zu verstehen. Und das finde ich toll, dass der Film das irgendwie schafft.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Auf jeden Fall, er schafft es tatsächlich, Lust auf die Kunst zu machen, um das nochmal stark zu machen. Es ist kein... im herkömmlichen Sinne. Nicht nur, weil es verschiedene Personen sind, die in die Bob-Dillen-Rolle schlüpfen, sondern auch ... weil er sich wenig mit dem Privaten und mehr mit dem Künstlerischen beschäftigt. Und das ist toll. Das findet man sonst nicht, weil Biopics... sind oft so Stationenfirme, die das Leben durchgehen und im schlimmsten Fall sind sie schrecklich öde, weil sie von Punkt A zu Punkt B kommen.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Er schafft es einfach, das, was die Kunst so besonders gemacht hat, in verschiedenen Phasen hervorzuheben. Dadurch macht er unglaublich Lust zu sagen, hey, ich muss unbedingt mal wieder den folkigen Dillen hören, ich muss unbedingt mal wieder den rockigen Dillen hören. Ich muss unbedingt mal wieder den Introspektiven oder im schlimmsten Fall auch Prophetchen-Dillen hören. Ja.
Johannes Franke: Ich kann nicht genug Kate Blanchard. nach vorne stellen. Auch der, was wir öfter mal feststellen, dass wir diesen den Bruch mit der vierten Wand mögen und Cate Blanchett hat diesen einen Blick. sie sitzt im Auto, aber nicht das lange Interview, sondern sie sitzt nochmal später im Auto, gegen Ende des Films. Und dann hat sie einen langen Blick in die Kamera.
Florian Bayer: Ach krass, ja.
Johannes Franke: Und der ist so unglaublich... Also... Da steht so viel drin. Er lächelt so ein kleines bisschen und... da ist so diese ganze Ironie und dieser ganze, ich weiß nicht, und es ist auch so sexy.
Florian Bayer: Hätten wir unsere Top 3 Crossdressing, später gemacht und ich hätte diesen Film nochmal gesehen, wäre Kate Blanchett ganz vorne gelandet wahrscheinlich in diesem Film.
Johannes Franke: Das stimmt, du hast recht. Jetzt sprichst du die Top 3 an. Wo wir sowieso gerade bei Cate Blanchett sind. Weil ich habe mir diesen Film angeschaut und habe die Top 3 überlegt zu machen... die Top-3-Performances überhaupt von Schauspielern in Filmen. Weil sie gehört einfach ... ganz nach vorne in solchen Performances von Schauspielern, die einfach outstanding sind. Wollen wir unser Top 3 machen? Ja. Okay, dann Jingle, Jingle. Liste.
Florian Bayer: Wir haben tatsächlich über diese Top 3, um das nochmal zu sagen, ein bisschen drüber diskutiert, beziehungsweise nicht diskutiert, wir machen es einfach immer so, dass der, der den Film aussucht, darf auch sagen, wie die Top 3 aussieht. Aber ich hatte als Vorschläge noch Top-3-Dillen-Album, Top-3-Dillen-Songs, Top-3-Biopics. Hattest du, glaub ich, noch in den Raum geworfen? Wir haben uns tatsächlich ein bisschen schwer getan, überhaupt die Liste zu finden, die wir damit machen wollen. Und dann sind wir bei den Schauspielleistungen hängen geblieben und damit hast du es mir echt schwer gemacht.
Johannes Franke: Und ich hab auch, ich hab gedacht, ja, ich bin Schauspieler, ich krieg das hin, ist kein Problem. Und ich hab gestruggelt, ich krieg's nicht hin. Weil das Problem ist, es gibt wirklich tolle Schauspieler, es gibt ganz, ganz tolle Schauspielleistungen. Aber welche willst du denn jetzt nach vorne stellen?
Florian Bayer: Welche stellst du nach vorne genau? Ich hatte dann zu viele dastehen und jetzt habe ich das Gefühl, habe ich zu wenige dastehen.
Johannes Franke: Ich habe viel zu wenig dastehen. Ich habe fast gar nichts dastehen, weil es einfach... Weil wenn ich das eine auswähle, kann ich das nicht mehr rechtfertigen gegenüber dem anderen. Wieso kann das dann nach vorne? Und am Ende habe ich jetzt eben Sachen, die so ein bisschen ein Stand-in sind für andere mit ... Ich nehme dann einfach alle guten Schauspieler mit rein.
Florian Bayer: Ich versuche jetzt mal stark zu bleiben und werde auf Honorable Mentions verzichten, aber ich muss dann einmal noch mal auf meine Liste gucken, weil ich die nicht durchnummeriert habe, was ich immer mache, wenn ich nicht ... weiter weiß, aber ich gebe den jetzt einfach erstens.
Johannes Franke: Wir machen folgendes.
Florian Bayer: Zweitens.
Johannes Franke: Wir machen Honorable Mentions danach, weil wir dann sowieso da reinkommen, dass man darüber redet, ah, Ach, und dann gibt es noch den Schauspieler und dann gibt es ja noch das und das sind dann die honorable mentions. Okay, dann fang doch mal an.
Florian Bayer: Okay, meine Nummer drei ist, ich bin immer noch nicht zufrieden mit der Liste. Aber jetzt steht er auf Rang 3, jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Denzel Washington in The Hurricane aus dem Jahr. Lass mich nichts Falsches sagen. 1999 und zwar spielt Denzel Washington einen... Profiboxer, der für einen vermeintlichen Mordländer gemacht haben soll, angeklagt wird und im Gefängnis landet. Und in dieser Gefangenschaft mit sich selbst kämpft. Und Themen sind natürlich so Rassismus in der Rechtsprechung. Aber Themen sind halt auch vor allem, wie kann man es schaffen, stark zu bleiben, wenn man so ungerecht behandelt wurde. Beruht auf einem wahren Fall, Ruben Carter. Und diese Zeit im Gefängnis spielt Denzel Washington So fantastisch. Der Film ist sowieso gut. Aber tatsächlich ist es so ein Film, wo ich sagen will, der ... wird eigentlich vor allem gut durch das Spiel von Washington. Und es ist Unfassbar stark, wie er diese Zerrissenheit spielt und diese Wut. und dann immer kurz vorm Aufgehen und dann sich nochmal zusammenreißen. Es gibt so ein paar halbe Gollum-Momente, also dieses... Mit Jump Cuts versuchen eine Person, die zwiegespalten ist, zu erzählen. Aber es ist nicht so draufgedrückt, sondern es bleibt glaubwürdig, wie der kämpferische und wütende Hurricane gegen den Verzweifelten anredet. Mhm. Und Denzel Washington war in dem Jahr auch für einen Oscar nominiert. Ich glaube, ich muss ihn allein deswegen nennen, weil das so eine Ungerechtigkeit ist. Er hat nicht gewonnen, weil ... In dem Jahr ging der Oscar an The Gladiator, wenn ich mich richtig erinnere. Was? Und das war so ungerecht. Russell Crowe. Russell Crowe, genau. Und wenn man diese beiden Performances nebeneinander hält ... Das ist so schrecklich. Traurig. So gut. Ja.
Johannes Franke: Na gut. Okay. Okay. Mein Platz 3. Malcolm McDowell in A Clockwork Orange. Oh, hart. Das, also, wohoho, was der da durch den Film... Film an Brutalität mitbringt und in jeder Szene eine Präsenz hat. Ich weiß nicht, ob du den Film so gut vor Augen hast, aber es ist unglaublich.
Florian Bayer: Er macht einem einfach mal Angst.
Johannes Franke: Aber so richtig. Und das ist nicht nur die Inszenierung, sondern es ist wirklich sein Spiel, dass er immer präsent und immer da ist und immer 100% da irgendwie wegkommt. an dem dran ist, was er da, also ich denke nur an diese eine Szene, wo sie da in dieses Haus einbrechen und diesen Typen da verprügeln mit dem Baseballschläger. Und die Frau vergewaltigt?
Florian Bayer: Vergewaltigen auch?
Johannes Franke: Ja, oder ist das die Frau?
Florian Bayer: Sie verprügeln ihn und vergewaltigen sie?
Johannes Franke: Und dann...
Florian Bayer: Und dann dieser krasse Wechsel, er ist am Anfang dieser Bösewicht, dieser Düstere und dann wird er der Geschlagene, der keine Gewalt mehr ausüben kann, weil er so gefoltert wurde. Und der dann die ganze Zeit so ängstlich und eingeschüchtert durch die Welt läuft und überhaupt nichts mehr zeigen kann von dieser Bösartigkeit.
Johannes Franke: Und das eben so in einem Film zu vereinen und das irgendwie hinzukriegen, fand ich wirklich beeindruckend.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also das lohnt sich allein wegen der Schauspielleistung schon zu sehen, aber auch einfach, weil der Film krass ist.
Florian Bayer: Ja, krasser Film, Meisterwerk. Kubrick.
Johannes Franke: Ja, Kubrick.
Florian Bayer: Johannes, ich habe was ganz Schreckliches gemacht.
Johannes Franke: Du hast was ganz Schreckliches gemacht.
Florian Bayer: Ich wollte kurz noch mal gucken, gegen wen Denzel Washington 1999 verloren hat. Und deswegen habe ich die Seite aufgemacht mit den Best Actors. Academy Awards. Ich habe jetzt eine riesige Liste vor mir bei Wikipedia mit Schauspielern, die für Oscar nominiert waren und dann hab ich natürlich gedacht, okay, dann muss ich auch schnell die mit den Schauspielerinnen aufmachen. Das heißt, ich hab jetzt zwei Listen vor mir mit ganz vielen.
Johannes Franke: Das heißt, deine Liste ist wieder völlig anders.
Florian Bayer: Nee, das ist Gott sei Dank nicht so richtig passiert. Ich habe bis jetzt nur zwei Tabs geöffnet. Übrigens, um das noch klarzustellen, Denzel Washington hat nicht gegen Russell Crowe verloren. Der hat erst im nächsten Jahr gewonnen.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Dancer Washington hat gegen Kevin Spacey aus American Beauty verloren, was aber immer noch ungerecht ist. Kevin Spacey hat in American Beauty... toll gespielt.
Johannes Franke: Ja, war gut.
Florian Bayer: War gut, aber nein, nichts gegen Denzel Washington in Hurricane.
Johannes Franke: Okay, na gut.
Florian Bayer: Dein Platz 2. Mein Platz 2 ist ein relativ neuer Film. Nee, ist auch nicht neuer. Ist auch schon 15 Jahre alt. Und zwar Laura Dern in Inland Empire von David Lynch. Inland Empire ist ein Film, der... viel gescholten wurde, ist so der letzte große, surreale Film von David Lynch. Und wahrscheinlich auch der krasseste in dieser Reihe, Lost Highway, Mulholland Drive, In the Empire. Und Und ist gerne auch untertitelt mit A Woman in Trouble, weil er sich voll und ganz auf ... Laura Dern konzentriert, die in der Rolle einer Schauspielerin und einer Prostituierten und einer Killerin und noch drei anderen Rollen durch dieses filmische Labyrinth irt. und ist ein bisschen hässlich inszeniert, so mit Early Digital Cinema. Und er hat sie so oft im Fokus und sie macht einfach alles, was man mit einer Figur machen kann. Wahnsinn, Zorn, Freude, Leid, Angst. Und der Film ist eine riesige Studie, Von Laura Derns Gesicht in verschiedensten emotionalen Zuständen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: großartige Schauspielleistung, sehr verwirrender Film, sehr anstrengender Film, aber allein schon wegen Laura Derns Spiel total sehenswert und Eventuell ein Film, den ich dir demnächst mal aufs Auge drücken werde.
Johannes Franke: Ich glaube, ich kenne den Film, aber das ist lange her. Also ich bin mir sicher, dass ich ihn gesehen habe, aber es ist einfach zu lange her, glaube ich. Mein Platz zwei. Mein Platz zwei ist Christoph Walz. In Glorious Bastards.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der war einfach ... Er kommt das erste Mal in dieses Häuschen rein. Von diesem, sucht den Juden oder die Juden oder die Familie, die dann unten unter dem Boden, ne?
Florian Bayer: Und ich... Das Problem ist...
Johannes Franke: Wenn du Deutsche in amerikanischen Filmen hast, die Amis spielen anders, als die Deutschen in der Tradition das haben. Das ist einfach so.
Florian Bayer: Er ist Österreicher.
Johannes Franke: Und er ist, ja, genau, er ist Österreicher, aber, aber, wenn du dir die Österreicher anschaust, die Schauspieler, ist auch nicht besser. Ja. Die haben ein bisschen mehr... Spielfreude in eine bestimmte Richtung, habe ich das Gefühl, die Österreicher, aber also so ein bisschen quirky, so ein bisschen verrückt zu spielen, Aber nicht so wie die Amis. Und deswegen erwartet man erstmal nichts von... Von so einer Figur, die auch nicht irgendwie als der große Gehypte irgendwas erstmal daherkommt, sondern also ich habe ihn wirklich gesehen, ohne dass ich wusste, was aufgefallen ist. mich zukommt. Den Hype gab es noch nicht. Und es hat mich ganz unerwartet getroffen, wo ich gedacht habe, What the fuck spielt er da? Wie krass ist das denn? Oh mein Gott, der hat genau verstanden, was Tarantino will. Der hat genau verstanden, was diese Figur will. Der hat sich nicht nur Gedanken gemacht... wie schaffe ich es, den Nazi zu spielen, sondern er hat sich Gedanken gemacht, wie schaffe ich es, den Nazi zu spielen, der... Der so eine Agenda hat, der so einen eigenen krassen, so eine Backstory für sich hat, die einfach ihm so eine Lust gibt. So eine Lust, das zu spielen und zu machen und zu suchen und rauszuquetschen alles aus den Leuten. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Offensichtlich stehst du auf Fieslinge.
Johannes Franke: Ja, na ja, als Schauspieler will man sowas spielen, weißt du, was ich meine? Man will ja keinen... Man will eigentlich nicht den jugendlichen Liebhaber spielen, sondern man will eigentlich Christoph Waltz' Rolle in diesem Film spielen. die Abgründe einmal komplett rausholen.
Florian Bayer: Die Filmgeschichte ist auch voll von Schauspielern, die ganz lange so als komödiantische, nette Rollen unterwegs waren, wo dann alle Oho und Aha sagen, wenn sie einmal eine böse Rolle spielen dürfen. Das ist immer ein großes Ereignis. zu Robin Williams in diesem One-Hour-Foto, wo er zum ersten Mal einen wirklichen Psychopathen gespielt hat oder Tom Hanks hat bestimmt auch mal einen Bösewicht gespielt. Kann Tom Hanks einen Bösewicht spielen?
Johannes Franke: Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Es gibt diesen Cone-Film, da war er aber nicht gut. Lady Killers. Okay. Aber das war eine Komödie, das zählt nicht. Da war ja auch kein richtiger Fiesling.
Johannes Franke: Nee, Tom Hanks ist so der... Der Darling von... Also der ist einfach zu...
Florian Bayer: Ja, aber genau solche Schauspieler sind es, die dann diese Oha-Momente auslösen, wenn sie plötzlich fies sind und irgendwas Böses spielen.
Johannes Franke: Ja. Und Christoph Walz hat schon vorher ganz lange gesagt, dass er total gelangweilt ist von dem deutschsprachigen... Fernsehen und Kino, was er so angeboten bekommen hat und hat in London gelebt schon länger. Weil er sich eben da so ein bisschen, ich glaube, er hat sich einfach erhofft, dass genau dieser Sprung kommt, der dann kam.
Florian Bayer: Der ist auch echt gut angekommen in Amerika. Ja. Auch so. Er hat es auch geschafft, das Ganze, was zum amerikanischen Filmbusiness dazugehört, mitzumachen, so als Dauergast in Late-Night-Shows.
Johannes Franke: Ja, genau, genau alles das. Der hat das auch irgendwie mit Bravour geschafft. Ich glaube, das ist schon lange vorbereitet in seinem Kopf, weil er das unbedingt... Er wollte aus diesem deutschen Mief raus, um mal mit seinen Worten zu sprechen. Und da hat diese Performance einfach wahnsinnig reingehauen.
Florian Bayer: Und so sehr, dass Tarantino ihn gleich danach noch mal besetzt hat und Django eine richtig große Rolle gegeben hat. Eine Rolle, die ja leider auch so ein bisschen den Protagonisten in den Schatten stellt, ganz oft.
Johannes Franke: Ganz toll, ganz tolle Leistung. Also Christoph Walz, cooler Typ. Cooler Typ, ja. Ja, dein Platz 2?
Florian Bayer: Nee, mein Platz 1.
Johannes Franke: Wir sind schon bei Platz 1.
Florian Bayer: Oh, wow. Ein deutscher Schauspieler. Tatsächlich.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1970. Kurt Raab in Warum läuft Herr Amok? Von Michael Fengler und Rainer Werner Fassbinder war so ein bisschen dran beteiligt, aber nicht so richtig.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Film, der einfach den Alltag eines Spießbürgers zeigt, der am Ende des Films Amok läuft und seine Frau und sein Kind tötet. Okay. Und Kurt Raab spielt diesen Spießbürger in ganz normalen alltäglichen Szenen, wie er auf der Arbeit ist. Wie er mit seinen Eltern spazieren geht, wie er sich mit seiner Frau streitet, wie er gelangweilt ist vom Leben. Und er spielt den permanent mit so einer krassen inneren Spannung und Zerrissenheit. Ja. Und zwar in ganz feinen, subtilen Noten. Die Kamera ist oft aufwiegend. Wir sehen, wie Alltag geschieht, der unfassbar zäh ist. Und ... Schmerzhaft zähl wirklich schon und wir sehen einfach sein Gesicht, wie es versteinert ist und gleichzeitig unglaublich viel Schmerz und Wut in sich trägt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Eine ganz subtile Leistung. Unfassbar gute Leistung.
Johannes Franke: Cool. Und das in den 70ern? So ein subtiles Spiel?
Florian Bayer: Anfang 70er, 1970. Der ganze Film ist fast schon dokumentarisch, naturalistisch, weil es passiert nichts in diesem Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ja, es sind einfach so kleine Szenen. Ganz am Anfang sehen wir, wie sie aus dem Büro rausgehen mit seinen Kollegen und sie erzählen sich gegenseitig Witze. Und er ist der Stille, der so nebenbei hergeht. Und dann erzählt jemand einen Witz, wo jemand seine Frau umbringt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Hängen die ganz albernen, geschmacklosen Witz, der nicht besonders witzig ist. Aber wenn er dann so sagt, dann bringt er seine Frau um, dann merkt man kurz, wie bei ihm so ein Zucken stattfindet. Und das sind so ganz leichte Sachen, in denen man Vorahnungen hatte. großartige Schauspielleistung, die auch diesen Film trägt und schmerzhafte Schauspielleistung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wow. Okay, mein Platz 1. Der Joker von Heath Ledger in The Dark Knight. Ach. Ach ja, den habe ich gar nicht gedacht. Das wird auf ewig auf Platz 1 bleiben, glaube ich.
Florian Bayer: Hat der den Oscar gewonnen damals dann auch?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht mehr. Kannst du das mal googeln?
Florian Bayer: Ja, muss ich mal schnell gucken. Weil ich bin mir ziemlich sicher, dass er nominiert war, aber es ist ja so allgemein bekannt, die Academy mag keine Superheldenfilme. Aber ich glaube, er hat ihn gewonnen, weil das war dann schon Posthum, ne? Und dann hieß es auch so, so Awards. Ähm... Picture. Ja. Nee, Quatsch.
Johannes Franke: Nee, ich war nicht einfach bei Heath Ledger.
Florian Bayer: Ja doch, ich hatte ein kurzes Gefühl, ich bin bei den falschen Nomads. Aber ich bin bei den Academy Awards. Heath Ledger hat ihn gewonnen als bester Nebendarsteller.
Johannes Franke: Toll. Also voll, vollkommen zu Recht. Ich habe im Kino gesessen. Ich habe ihn im Kino gesehen, mit Maya zusammen. Maya ist auch Schauspielerin. Wir saßen nebeneinander und dann kommt dieser Auftritt von einem Joker raus. Und wir gucken das eine Weile an und gucken uns dann gleichzeitig, drehen wir den Kopf drüber, völlig fassungslos und sagen, was spielt der da? Weil man halt als Schauspieler ja normalerweise so ein Gefühl für, ah ja, da hat der Schauspieler sich dann nochmal das genommen aus so... Das ist ein Szenenziel, das ist ein Ziel der Figur innerhalb des Films. Der hat die und die Ängste oder der spielt irgendwie bestimmte Sachen so. Dann guckst du dir diesen Joker an und hast nicht die geringste Ahnung, wo dir das herholt. Das fand ich wahnsinnig beeindruckend. Und das passt natürlich zum Joker. Der Joker will einfach nur die Welt brennend sehen. Der hat keine... Der hat keine... Erklärbare Motivation. Auch wenn der Film, der Joker... neulich das schon versucht hat, dem Joker eine Motivation zu geben oder eine Geschichte zu geben. Aber nein ... Der Joker von Heath Ledger will die Welt einfach nur brennen sehen und hat einfach nur... seinen Spaß und macht es einfach von Grund auf völlig uneinsortierbar. Und wie will man das spielen? Woher willst du das nehmen? Du hast keine Anknüpfungspunkte in deinem eigenen Leben. Und Hitler hat das so wahnsinnig gut gemacht. Ich war einfach weggeblasen von dieser Wucht dieses Jokers.
Florian Bayer: Ja. Hast du den Rock Queen Phoenix Joker gesehen?
Johannes Franke: Ja, ich habe ihn gesehen.
Florian Bayer: Und wie fandst du da die Schauspielleistung?
Johannes Franke: Fand ich schon ganz gut, aber... Irgendwie hat es mich nicht nachhaltig beeindruckt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du kannst so einen Film nicht machen, ohne einen Schauspieler zu haben, der es einigermaßen kann. Du nimmst ihm einiges ab. Aber ich glaube, ich bin mit dem Film nicht ganz einverstanden gewesen, weswegen mir die Schauspielleistungen nicht so den... Kick gegeben hat.
Florian Bayer: Das Tolle an Dark Knight ist natürlich, dass der Joker wirklich motivlos gezeigt wird. Und dass kein Trauma erklärt wird und dass er eigentlich das macht, was Bob Dylan macht. Es gibt immer eine neue Geschichte.
Johannes Franke: Ja, ganz genau das.
Florian Bayer: Warum er diese Wunden hat und am Schluss bleibt einfach nur die Konklusion, wir haben hier das Chaos, das personifizierte Chaos vor uns.
Johannes Franke: Das ist so krass. Und das finde ich eine tolle, tolle Interpretation, tollen Spielansatz, das wirklich... dem Zuschauer einfach alles wegzunehmen, was er an Anknüpfungspunkte hat. Und trotzdem als Figur so interessant zu bleiben, das ist einfach wahnsinnig spannend, wahnsinnig beeindruckend. Ja.
Florian Bayer: Ja, es war sowieso ein großer Film und Heath Ledger hat diesen Film nochmal eine ganze Nummer größer gemacht.
Johannes Franke: Umso tragischer, wie er dann gestorben ist und das irgendwie... Da ranken sich viele Mythen drum rum, aber am Ende will man eigentlich gar nicht.
Florian Bayer: War es nicht einfach eine Überdosis?
Johannes Franke: Also es war eine Überdosis, aber natürlich wird dann immer gesagt, ja und er hat sich zu sehr in seine Rolle reinbegeben und so.
Florian Bayer: Quatsch, Bullshit, das war ein Schauspieler, der... Also ich meine, Hollywood ist halt auch ein Drogensumpf.
Johannes Franke: Ja, ist es. Aber... Eigentlich hätte ich Heath Ledger ein bisschen mehr zugetraut, als jetzt einfach nur so einer Überdosis zu sterben. Ich weiß nicht. Es ist jedenfalls sehr traurig um ihn. Ja. Ah ja, genau.
Florian Bayer: Willst du noch ein paar On-Number-Mansions raushauen? Ich glaube, ich bin zufrieden mit meiner Liste jetzt.
Johannes Franke: Ähm, ich hätte nur sonst Emma Thompson, die immer großartig spielt. Ich hätte eine Frances McDormand, die bei Three Billboards... Die hab ich auch. Ebbing, Missouri. Eine unglaubliche Schauspielleistung, ganz toll. Es gibt unglaublich tolle Schauspieler irgendwie, die es schaffen, einer Figur so viel Tiefe und so viel... mitzugeben, dass man in einem Blick die ganze Welt dieser Figur versteht.
Florian Bayer: Ganz knapp rausgeflogen ist bei mir noch Natalie Portman in Black Swan.
Johannes Franke: Ja, auch toll. Da habe ich auch gedacht, darüber nachgedacht, sie da reinzuhauen.
Florian Bayer: Robert De Niro in Taxi Driver. Philip Seymour Hoffmann überall.
Johannes Franke: Also ja, genau. Philipp Sieber Hoffmann, dafür habe ich leider keinen richtigen Film gefunden. Sonst hätte ich ihn auf jeden Fall recht.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Der ist einfach toll. So sensibel immer gespielt und so gut entfühlsam. Ja, Wahnsinn. Ja, und so ist halt Cate Blanchett eigentlich die Nummer eins dieser Liste, aber... Da wir diesen Film gerade besprechen, ist sie leider nicht drin. Haben wir über diesen Film noch etwas zu sagen, Plur? Möchten wir noch etwas anfügen? Irgendwas, was uns besonders beeindruckt hat in dem Film, was wir irgendwie noch nach vorne stellen möchten?
Florian Bayer: Lass mich einmal kurz in meine Notizen gehen. Ich mochte die Geschwindigkeit beim Ende. Ich fand es toll, dass er am Anfang eine relativ klare Struktur Ich gebe euch immer eine etwas längere Geschichte, um den Charakter einzuführen. Und greife dann noch mal zurück auf die anderen. Und ich finde es cool, dass er das irgendwann über Bord wirft. und sie einfach nur noch treiben lässt, die Geschichte einfach nur noch fließen lässt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Tatsächlich habe ich mit dieser Rambo-Rolle am meisten Probleme gehabt, weil ich die überhaupt nicht einordnen konnte und ich hatte das Gefühl, die war auch teilweise nur da, um Stichwortgeber zu sein für die für die anderen Rollen, dass der halt mal reinwirft, zum Beispiel akzeptiere das Chaos, wenn wir gerade Jude sehen, die total am Rad dreht.
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Und ansonsten konnte ich, die Figur habe ich nicht so richtig zu greifen gekriegt. Offensichtlich so. soll die drauf referieren, auf den Dylan, der seine Autobiografie geschrieben hat, so als Bekenntnis, Literatur.
Johannes Franke: Aber ...
Florian Bayer: Es ist nicht so wichtig, weil es war tatsächlich, die Rolle hat keine Geschichte, sondern kommentiert eigentlich den Film und ist so ein bisschen so ein tragendes Element im Film.
Johannes Franke: Ich hätte noch ein Zitat von Bob Dylan selbst. Bob Dylan, also als kleines Abschluss... Zitat für diese Folge von Bob Dylan. I'm one person and when I go to sleep I know for certain I'm somebody else. I don't know who I am most of the time. It doesn't even matter to me.
Florian Bayer: Könnte auch eine Songzeile sein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Toll.
Johannes Franke: Das ist Bob Dylan.
Florian Bayer: Und das fasst auch ganz gut den Film zusammen.
Johannes Franke: Ja. Vielen Dank, Flor, dass wir diesen Film nochmal geschaut haben.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du ihn empfohlen hast. Ich hatte den gar nicht mehr auf dem Schirm. Es ist so lange, dass ich ihn gesehen habe. Ich bin froh, dass ich ihn nochmal gesehen habe und einmal mein Bob-Dillen-Wissen auffrischen konnte.
Johannes Franke: Ja, der macht nochmal eine ganze Welt auf. Also nicht nur eine Welt, sondern sechs Welten. Und es lohnt sich. Schaut ihn euch an.
Florian Bayer: 7 oder 8, wenn man die Stolperphasen mit reinrächt. Ja.
Johannes Franke: Und der Chaplin, den sie nicht mit reingenommen haben, den Charlie, der eigentlich auch noch rein sollte. Ja.
Florian Bayer: Ja, toller Film. Vielen Dank.
Johannes Franke: Gerne. Und ich bin gespannt, was wir nächste Woche machen.
Florian Bayer: Ich auch. Bis dann.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Sublor, wir haben doch aber auch noch was zu klären.
Florian Bayer: Wir brauchen einen Film fürs nächste Mal.
Johannes Franke: Wir brauchen einen Film. Hast du denn schon was für nächste Woche geplant?
Florian Bayer: Also ich glaube... Du magst Lars von Trier auch, oder?
Johannes Franke: Ja, mir wurde bei Antichrist sehr schlecht.
Florian Bayer: Kennst du den Nachfolger von Antichrist?
Johannes Franke: Ich kenne den Nachfolger von Antichrist. Kolia. das ist der Film gewesen, wo er beim Festival dann saß und gesagt hat, ich bin ein Nazi. Ähm, Maja. Hallo Maja. Wie kommst du in meine Küche?
Florian Bayer: Wie kommst du an dein Mikrofon? Magie.
Johannes Franke: Als ob ich es vorher aufgebaut hätte.
Florian Bayer: Achtung, Spoilerwarnung. Wir haben nächste Woche einen Gast zu Besuch.
Johannes Franke: Ja, wir haben uns jetzt für Melancholia entschieden.
Florian Bayer: Unser Gast muss auch einen Film aussuchen. Oh mein Gott. Drei Stunden lang ein Mann verliebt sich in eine reiche Frau und dann tanzen sie. Okay, was hast du für uns? Was mir jetzt überhaupt... Stille im Raum. Oh nein, dieser Happy New Year.
Johannes Franke: In Bollywood. Also Gauner, die tanzen und singen.
Florian Bayer: Großartig. Ich bin voll dabei. Wir sehen uns nächste Woche in einer vergnüglichen Dreierrunde.
Johannes Franke: Mit Maya, unserer langjährigen Freundin, mit der wir dieses Konzept schon damals durchgezogen haben. dass jeder dem anderen einen Film aufdrücken darf.
Florian Bayer: Und sie hat alle meine Filme gehasst. Melancholia und Happy New Year. Wir sehen uns beim nächsten Mal.
Johannes Franke: Sehr schön. Bis dann. Bis nächste Woche. Ciao.

