Episode 58: Moonlight
Moonlight von Barry Jenkins aus dem Jahr 2016 ist ein Triptychon, das aus drei Episoden aus dem Leben des schwarzen Homosexuellen Chiron in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erzählt. Ein Triptychon, bestehend aus drei Episoden, die allerdings von einem zentralen Handlungspunkt zusammengehalten werden: Dem Strand Miamis.
Drei Schlüsselszenen sind es, die an diesem Strand spielen und dem Leben Chirons, dem Protagonisten dieses ebenso fantastischen wie zersplitterten Films eine klare Kontur geben. Am Strand lernt „Little“ Chiron (Alex R. Hibbert) von seinem Ersatzvater, dem Drogenhändler Juan als Zehnjähriger das Schwimmen. Am Strand macht der sechzehnjährige Chiron (Ashton Sanders) seine ersten sexuellen Erfahrungen. Und ein Strand ist es, den wir auch in der letzten Szene noch einmal sehen, noch einmal im Blick des erwachsenen Chiron (Trevante Rhodes), durch die Augen des Kindes, hinaus ins Meer und schließlich zu uns Zuschauern. Der Strand ist in Moonlight immer Sehnsuchtsfläche und Hoffnungsschimmer, in einem Film der sonst schweren emotionalen Ballast mit sich herumträgt: Es geht um eine zerbrochene Kindheit, um Außenseitertum, um frühen Kontakt mit dem was Drogen mit Menschen machen können. Es geht um Gewalterfahrung, Mobbing, darum keinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Und so scheint sich der Film im ständigen Zwiespalt zu befinden: Poesie oder Realismus? Hoffnungsloses Gesellschaftsporträt oder magische Coming of Age Geschichte? Selbstverlust, Selbstbehauptung, Selbstfindung? Pessimismus oder Optimismus?
Was hat bei dir denn überwogen, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 58: Moonlight Publishing Date: 2022-02-09T13:28:26+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/02/09/episode-58-moonlight/
Johannes Franke: Guten Tag, Johannes. Lass uns ein klassisches Intro machen mal wieder. So ein richtig klassisches Intro. Der ganz neue Zuhörer. Wie soll sich dieser uns vorstellen? Was mit der ganz neuen Zuhörerin? Die braucht sich uns nicht vorstellen. Ich glaube, das geht nur nach hinten los. Nein, okay. Also, liebe ZuhörerInnen, wir sind ein Podcast namens Muss man sehen Podcast und der Name ist Programm. Wir machen, wir gucken uns Filme an, die man sehen muss.
Florian Bayer: Wobei meistens sind es Filme, von denen zumindest einer denkt, dass sie gesehen werden müssten, weil wir wechseln uns natürlich ab mit den Filmvorschlägen.
Johannes Franke: Ja, und des Öfteren sagt Plur, dass man einen Film gesehen haben muss, den man getrost in die Tonne kloppen kann.
Florian Bayer: Dazu muss man sagen, dass Johannes kein Gespür hat für die Nuancen der Filmgeschichte. Dazu muss man sagen, dass Plur ziemlich Kunstwichse abfeiert.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Wie kann man Kunstwichse auch nicht abfeiern, ganz ehrlich, oder? Oh Gott. Okay, schauen wir, was wir dieses Mal machen. Ob wir Kunstwichse haben?
Florian Bayer: Also, liebe neue ZuhörerInnen, um es nochmal auf den Punkt zu bringen, wir lieben Filme und wir haben einen unterschiedlichen Filmgeschmack, wie ihr vielleicht in diesem Anfangsdialog schon festgestellt habt. Und wir werfen uns gegenseitig Filme zu. Jede Woche gibt es einen Film, den einer dem anderen als Hausaufgabe aufgegeben hat. Und dann diskutieren wir darüber und hoffen natürlich immer, dass wir den anderen nicht nur mit den Filmvorschlägen quälen, sondern auch seinen Horizont erweitern und ihm im besten Fall einen Film geben, der ihm einfach gefällt. Und wo er glücklich ist, zu sagen, ja, Gott sei Dank, dass ich den gesehen habe.
Johannes Franke: Ich versuche diese Maßgabe des Horizonterweiterns durchaus umzusetzen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass du mich vor allem versuchst zu ärgern. Aber wir gehen einfach mal in unsere jetzige Episode rein und schauen mal, was hast du mir gegeben und ist das nur Quälerei?
Florian Bayer: Okay, genau. Was ich Johannes aufgegeben habe für diese Woche war Moonlight von Barry Jenkins aus dem Jahr 2016. Und wie jedes Mal werde ich kurz einen Einleitungstext vorlesen und dann steigen wir gleich ein in die Debatte, ob dieser Film ein sehenswerter Film ist. Moonlight von Barry Jenkins aus dem Jahr 2016 ist ein Triptychon, das aus drei Episoden aus dem Leben des schwarzen Homosexuellen Chiron in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erzählt. Ein Triptychon bestehend aus drei Episoden, die allerdings von einem zentralen Handlungspunkt zusammengehalten werden, dem Strand Miamis. Drei Schlüsselszenen sind es, die an diesem Strand spielen und dem Leben Chirons, dem Protagonisten dieses ebenso fantastischen wie zersplitterten Films, eine klare Kontur geben. Am Strand lernt Little Chiron von seinem Ersatzvater, dem Drogenhändler Juan, als Zehnjähriger das Schwimmen. Am Strand macht der 16-jährige Chiron seine ersten sexuellen Erfahrungen. Und ein Strand ist es, den wir auch in der letzten Szene noch einmal sehen. Noch einmal im Blick des Erwachsenen Chiron durch die Augen des Kindes hinaus ins Meer und schließlich zu uns Zuschauern. Der Strand ist in Moonlight immer Sehnsuchtsfläche und Hoffnungsschimmer. In einem Film, der sonst schweren emotionalen Ballast mit sich herumträgt. Es geht um eine zerbrochene Kindheit, um Außenseitertum, um frühen Kontakt mit dem, was Drogen mit Menschen machen können. Es geht um Gewalterfahrung, Mobbing. Darum keinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und so scheint sich der Film im ständigen Zwiespalt zu befinden. Poesie oder Realismus? Hoffnungsloses Gesellschaftsporträt oder magische Coming-of-Age-Geschichte? Selbstverlust, Selbstbehauptung, Selbstfindung? Pessimismus, Optimismus? Was hat bei dir denn überwogen, Johannes?
Johannes Franke: Oh, was hat bei... Oh. Welche Stichworte hast du genannt? Pessimismus, Optimismus?
Florian Bayer: Was war noch dabei? Bleiben wir beim letzten. Das finde ich ist tatsächlich eine ganz spannende Frage. Und da habe ich auch durchaus unterschiedliche Meinungen gehört. Ob das jetzt ein optimistischer Film ist, ob es ein pessimistischer Film ist, ob es ein tragischer Film ist oder ein hoffnungsvoller?
Johannes Franke: Das ist kein... Der Film macht die Kategorien pessimistisch und optimistisch gar nicht so sehr auf, wie man meinen möchte bei dem Thema. Also natürlich ist das irgendwie, schwingt das immer mit, dass das ein tragisches Milieu ist, in dem das Ganze spielt. Wo man nicht genau weiß, Menschen, die so aufwachsen, kommen die über einen bestimmten Punkt hinaus, schaffen die es da raus, schafft unser Hauptcharakter es irgendwie seine Sexualität anzunehmen und damit ordentlich klar zu kommen und zu leben. Auch innerhalb der Community und nicht da ausbrechen zu müssen und so. Das erzählt der Film ja alles gar nicht dann am Ende. Aber ich habe irgendwie nicht das Gefühl, dass der Kommentar pessimistisch oder optimistisch sein will. Ich glaube, er will einfach nur erstmal beobachten und schauen und überlässt es vollkommen dem Zuschauer. Ich glaube, dass der Zuschauer, der in dem Milieu groß geworden ist, den Film ganz anders schaut als wir.
Florian Bayer: Mit Sicherheit. Tatsächlich hat es ja eine autobiografische Komponente. Der Film basiert auf dem Theaterstück von Terrell Alvin McCraney, der als homosexueller Schwarzer im Miami der 80er Jahre groß geworden ist und seine Eindrücke von damals in einem Theaterstück verarbeitet hat, dessen Name war etwas erweitert in Moonlight Black Boys Look Blue. Auf dieses Zitat kommen wir später nochmal zurück, weil das ein ganz wesentliches Zitat ist, das von Ruhe an relativ früh im Film eigentlich gebracht wird. Und dieses Theaterstück wurde aber nie aufgeführt und es gibt wohl auch nicht wirklich die Möglichkeit, den Text dazu zu finden. Er unterscheidet sich auch von der Struktur deutlich vom Film, weil McCraney hat im Gegensatz zu dem Film, der sehr streng konzipiert ist und zwar chronologisch die drei Etappen im Leben von Chiron erzählt. Im Gegensatz dazu hat McCraney den ganzen Film ehandern lassen und hat Zeiten durcheinander geworfen. Das heißt, es gibt eine episodische Struktur und wir wechseln vom jungen Little zum pubertierenden Chiron zum jungen erwachsenen Black und wieder zurück und hin und her.
Johannes Franke: Und man weiß auch ganz lange nicht, du weißt ja als Zuschauer im Theater dann wahrscheinlich ganz lange nicht und auch absichtlich vom Drehbuchautor und vom Skriptautoren, dass man lange nicht weiß, dass das die gleiche Figur ist. Was ich übrigens einen sehr guten Kniff finde und fast besser als das, was der Film macht.
Florian Bayer: Was natürlich ein interessanter Ansatz ist, die der Film zumindest im gewissen Sinne aufgreift. Zum einen, indem er natürlich drei unterschiedliche Darsteller nimmt. Es ist auch eine große Zeitspanne, es wäre gar nicht anders zu machen, es sei denn, man macht es wie ein Boyhood und dreht über zehn Jahre. Ja. Ja. Er hat auch nicht optisch gecastet. Es war nicht so, dass er gezielt drei Schauspieler gesucht hat, die sich sehr ähnlich aussehen. Er meinte selbst, er hätte vor allem auf die Augen geguckt. Er hätte was Spezifisches in den Augen gesucht, was er in allen dreien gefunden hat. Das sieht man auch. Das sieht man und das ist total krass, weil es sind wirklich drei unterschiedliche Darsteller, die auch von der Physiognomie wirklich unterschiedlich sind. Um noch einmal die Namen in den Raum zu werfen, wir haben einmal Alex R. Hibbert, der zu den Dreharbeiten ungefähr zehn war oder elf. Der spielt den Little, also das Kind Chiron. Dann haben wir echten Senders, der in der Mitte den pubertierenden Chiron spielt. Der übrigens, der Schauspieler ist deutlich älter gewesen als die Rolle. Der war schon über 20, als der Film gedreht wurde. Was man ihm allerdings nicht ansieht, weil er sehr mächtig ist und auch relativ klein. Und dann haben wir im krassen Kontrast dazu Triwanta Rhodes, der den jungen Erwachsenen, 25-jährigen Chiron als alias Plec spielt. Und der einfach mal muskelbepackt ist. Ein unglaubliches Tier. Und ein Tier von einem Mann. Und trotzdem hat er in den Augen diese Sensibilität, die die beiden anderen auch haben. Und das funktioniert wirklich hervorragend, meiner Meinung nach.
Johannes Franke: Ja, ja, also die Transition ist total seamless für mich. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich da einem so einen sehr episodischen, schlecht zusammengestückelten Ding folge. Sondern das ist wirklich, du kommst da problemlos rein, dass das jetzt der Neue ist. Ohne dass man jetzt sagt, der hat aber andere Haarfarbe oder der hat andere Physikonomie. Das passt gar nicht. Sondern es interessiert einen auch nicht wirklich, weil das so inszeniert ist, dass es einfach nicht die Bedeutung hat.
Florian Bayer: Tatsächlich beim ersten Sehen fand ich die Transition vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen krass. Und dachte erst mal so, wow, den wollen die uns jetzt geben? Das ist er jetzt? Ich hatte es gar nicht irritiert. Und dann war dieser verlorene Blick, aber auch ganz schnell dieser Blick in die Augen. Und wir haben, also Chirons Merkmal ist halt tatsächlich oft, er ist ein sehr verschlossener Mensch. Und er hat aber oft diesen sehnsuchtsvollen Blick. Und wir merkten immer, dass er irgendwie in seinem Blick versucht, irgendeinen Platz in der Welt, in der Gesellschaft, im Leben zu finden. Und diesen Blick hatte er dann halt auch. Und das war es, was mich dann auch gecatcht hat. Und dann war es auch gut. Dann war es in Ordnung. Aber tatsächlich, mein erster Blick so auf die Füße ist, war so, wow, krass. Wir hatten jetzt wirklich zwei sehr schlagsige vom Körperbau, einfach sehr sensibel wirkende junge Menschen gesehen. Und jetzt kriegen wir diesen Gangster vorgesetzt, der ja wirklich ist im dritten Teil.
Johannes Franke: Und ich finde, dass es so ein starkes Bild ist, ihm so einen Muskelbepackten hinzusetzen. Zu sagen, wenn du, und da müssen wir gleich natürlich das alles mal aufrollen, die Geschichte von dem Ganzen. Aber es geht ja darum, dass der Junge in einem Milieu aufwächst, in dem du gefühlt keine Rechte hast. In dem du gefühlt oder tatsächlich einfach niemals zur Polizei gehst, wenn irgendwas ist. Sondern du gehst ja als schwarzer Mensch in Amerika anscheinend einfach zu irgendwelchen Leuten, die dir irgendwie halbkriminell oder ganz kriminell helfen, aber niemals zur Polizei. Weil das keine Option zu sein scheint. Von den 80ern natürlich nicht bis heute irgendwie zieht sich das durch, dass man einfach seine eigene Community gebaut hat, die sich gegenseitig hilft. Und wo wollte ich hin? Ich wollte irgendwo hin. Es war sehr wichtig und ich habe was sehr Gutes gesagt.
Florian Bayer: Was tatsächlich Spannendes an diesem Film ist ja, dass er diesen Konflikt zwischen Weißen und Schwarzen in Amerika gar nicht thematisiert, weil er einfach keine Weißen hat. Das heißt, dieses außerhalb von der Community wird überhaupt nicht dargestellt. Es gibt zwar so hin und wieder kleine Referenzen zum Rassismus, die sind aber so sehr schwach und sehr subtil und sind natürlich auch nur die Innensicht dieser Community, die sich einfach ihre Bubble errichtet hat, um sich auch zu schützen vor einer rassistischen, feindlichen Außenwelt. Was halt ein Selbstverständnis des Films mit sich bringt.
Johannes Franke: Du musst nicht dem Zuschauer erklären, also der Regisseur setzt einfach voraus, dass der Zuschauer, der davor sitzt und sich anschaut, genau weiß, warum sind die Leute in der Lage, in der sie sind. Was ist das? Wir haben diese Opioid-Crisis in den 80ern. Da spielt das Ganze. Du musst keine große Vorbildung darüber haben, was mit der Opioid-Crisis war und so weiter. Du weißt einfach, das ist ein Drogendealer und das ist relativ natürlich, dass man in diesem Bereich irgendwann mal in die Verlegenheit kommt, Drogendealer werden zu können, wenn man das dann annimmt, wenn man dann diesen Pfad nimmt. Das ist keine große Hürde. Die Application-Form ist nicht sehr groß. Und so spielt auch sehr folgerichtig alles in dieser schwarzen Community ohne den Weißen, ohne dieses Spannungsfeld wirklich visuell und tatsächlich aufmachen zu müssen. Was einfach da ist.
Florian Bayer: Es ist in jedem Kopf da, wer es zuschaut. Was es tatsächlich natürlich auch spannend macht, weil dadurch ein anderes Spannungsfeld aufgemacht werden kann, eben wie diese minorisierte Community in sich auch wieder ein gewisses Verhalten entwickelt, das dazu führt, dass in ihr nochmal minorisierte Gruppen existieren. Das ist ja dieses krasse Thema, was wir einfach in diesem Film haben, dass der Chiron eine Minorität in einer Minorität ist. Also er ist am Rande der Gesellschaft, am Rande der Gesellschaft, weil er als Homosexueller eben in diesem Milieu das so sehr krasse Vorstellungen von Männlichkeitsidealen hat, das sehr maskulinistisch ist, sehr machoistisch ist, egal ob die Hip-Hop-Kultur oder die Gangster-Kultur, dass er in diesem als junger, sensibler, nachdenklicher Mensch, der zudem noch homosexuell ist, eben nicht so wirklich einen Platz findet.
Johannes Franke: Und da schließt sich der Bogen, den ich eigentlich machen wollte. Nämlich, dass wenn du eine minorisierte Gruppe bist und schon sowieso schon keine Rechte und keine Kraft, dann ist nicht verwunderlich, dass du, um dich zu wehren, um dir ein Gefühl von Macht über dein eigenes Leben zu geben und dann auch noch vorgelebt bekommst, dass du eine gewisse Maskulinität haben musst als Mann, dann ist es kein Wunder, dass du dir deinen Körper wenigstens so stellst, dass du das Gefühl hast, du kannst Situationen bewältigen. Ja, definitiv. Das ist einfach eine Überkombination von Problemfällen.
Florian Bayer: Ja, dass der Körper auch als Tempel begriffen wird und auch als Bollwerk nach außen hin, aber auch eben als Tempel und fast mit so einer Sakralität der eigene Körperkult betrieben wird. Ja, genau. Ich würde gerne noch zwei Sachen zur Struktur sagen, bevor wir in die Geschichte reinspringen. Und zwar zum einen, habe ich ja schon gesagt, es sind diese drei großen Akte, die wir haben. Und die sind immer mit dem Namen des Protagonisten übertitelt. Wir haben drei unterschiedliche Namen. Wir haben einmal den Lidl, so wie er genannt wird von vielen, als er als kleiner Junge ist, weil er tatsächlich klein und schmächtig ist. Ja. Dann haben wir im zentralen Teil haben wir Chiron. Das einzige Mal, dass sein tatsächlicher Name benutzt wird. Und dann im dritten Teil nennt er sich selbst Black und der ist auch mit Black übertitelt. Interessant, dass er dieses Black, diesen Namen Black nimmt, um eben diesen maskulinistischen Idealen zu entsprechen. Und gleichzeitig ist dieser Name Black allerdings der Nickname, der ihm seine einzige große Romanze im Mittelteil gegeben hat.
Johannes Franke: Ja. Wobei große Romanze schon fast übertrieben ist. Also es ist für ihn die große Romanze, aber für die Romanze war es, weiß ich nicht ganz genau. Im Nachhinein ja, im Moment eher schwierig.
Florian Bayer: Lass uns darüber diskutieren nachher, weil ich habe tatsächlich das Gefühl, wir haben hier auch in dieser Geschichte, die vor allem eine Coming-of-Age-Geschichte ist, haben wir auch eine sehr, sehr wesentliche Liebesgeschichte. Und auch eine Liebesgeschichte, die sich über diese Jahrzehnte zieht und stark bleibt, weil den beiden Protagonisten, die hier miteinander liiert sind im Mittelteil, Chiron und Kevin, denen begegnen wir in jedem einzelnen Kapitel. Also seine Liebe, Kevin, ist schon in seiner Kindheit vorhanden und ist in seiner Kindheit auch schon ein Haltepunkt für ihn. Zwar nicht der stärkste Haltepunkt, nicht der wichtigste Haltepunkt, aber jemand, der ihn so akzeptiert, wie er ist. Und das ist ja das, womit er die ganze Zeit konfrontiert ist, dass er nicht so akzeptiert wird, wie er ist. Springen wir mal rein. Springen wir mal rein. Riddle. Unser Chiron, der Neunjährige, gespielt von Alex R. Hibbert. Ja, ist gut gespielt. Also die Schauspieler sind alle durchweg gut, würde ich sagen. Großartiges Spiel. Also natürlich ist es auch immer so ein bisschen eine dankbare Rolle zu spielen, die sehr, sehr still ist. Ja. Er muss nicht viel reden. Sein Markenzeichen ist eigentlich, dass er die ganze Zeit still und verschlossen ist und gleichzeitig, dass natürlich viel ihm vorgeht. Und da kann man als ZuschauerInnen, kann man natürlich auch sehr viel drauf projizieren, was passiert jetzt in ihm, welche Konflikte sind da am Werk.
Johannes Franke: Und wir haben natürlich die Hilfe von dem Hilfsvater, der dann auftaucht. Genau, Juan.
Florian Bayer: Juan, genau. Er spielt von Mahershala Ali, der wirklich ein wirklich guter Schauspieler ist. Also ich mag den total und der spielt so viel gerade. Der hat, ich könnte es gar nicht aufzählen, der hat gefühlt in jedem zweiten Blockbuster der letzten zehn Jahre hat er zumindest eine Nebenrolle gespielt. Ja. Bei mir ist er tatsächlich vor allem aus House of Cards in Erinnerung geblieben, wo er einen Lobbyisten spielt. Ja. Einen so sehr versnobbten Lobbyisten, der die ganze Zeit um die Hauptfigur so rum schlawinert, weil er halt versucht, seine wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Ja. Und der hat sein Antagonist und gleichzeitig Freund oder was auch immer versucht, seine politischen Interessen durchzusetzen. Ja. Dieser Juan ist ein Dealer und der hilft eher so ein bisschen durch den Zufall Sharon, als er mal wieder von einigen Halbstarken gejagt wird. Er ist halt ein Außenseiter wegen seiner Sensibilität und wegen seiner Schwäche und er versteckt sich dann in so einem abgerissenen Haus, was offensichtlich ein Drogenumschlagplatz ist oder ein Drogenkonsumierplatz. Und Juan sieht das und geht dann zu ihm hin und sagt, ey, du kannst hier nicht bleiben, komm mit. Und Sharon will zuerst gar nichts zu ihm sagen und sagt auch nichts zu ihm und deswegen nimmt Juan ihn mit zu seiner Freundin Theresa, Janelle Monnet und sie kriegt ihn dann tatsächlich dazu, so ein, zwei Sachen zu sagen. Und diese beiden, Theresa und Juan, werden dann für Sharon zu einer Ersatzfamilie, weil seine eigene Familie ist ziemlich im Arsch, ne?
Johannes Franke: Ja, er hat eine Mutter, die Drogen nimmt, also auf der anderen Seite, Zieheltern sind die Drogendealer, die Mutter ist diejenige, die es konsumiert, ist irgendwie auch nicht wirklich der bessere Platz. Nur menschlich ist er halt wirklich der bessere, ne, von den beiden. Beziehungsweise weiß ich nicht genau, weil die Mama ja eigentlich auch immer noch die Mama ist und es immer noch versucht. Aber sie ist halt einfach verloren in diesem Leben.
Florian Bayer: Ja, es gibt immer wieder diese Momente, wo man einfach sieht, sie ist auf Crack und sie ist krass aggressiv und paranoid. Und es gibt dazwischen immer diese Versuche, wo man merkt, sie will eine Mutter für ihn sein. Aber gleichzeitig gibt es auch so viele Momente, wo sie so krass herablassend zu ihm ist und so krass über ihn redet. Und als sie einmal Huan damit konfrontiert, dass er jetzt Steady für ihn spielt, sagt sie, und hast du gesehen, wie er rumläuft, der Junge? Hast du dir mal angeguckt? Also es wird schon sehr früh auf die mögliche Homosexualität referiert. Und Huan im Gegensatz dazu, obwohl er eigentlich wirklich so, zumindest vom Äußeren, diesem klassischen Bild des harten Macho Gangsters entspricht, ist, hat sehr viel Akzeptanz für Huan. Huan fragt ihn, was ist das F-Wort, weil er so genannt wird. Und dann sagt Huan, naja, das ist ein Wort, dass andere Leute benutzen, damit Homosexuelle sich schlecht fühlen. Aber das ist okay, du kannst homosexuell sein, wenn du willst. Du musst dich von niemandem so nennen lassen, aber du kannst homosexuell sein, wenn du willst.
Johannes Franke: Ja, das ist eine sehr gut inszenierte und sehr gute Wortwahl, die er da hat. Also das ist sowieso schwierig, so ein Gespräch ist einfach wahnsinnig schwierig. Und ich finde, er hat echt eine gute Wortwahl gefunden.
Florian Bayer: Das Krasse ist tatsächlich, es wirkt nicht forciert vom Drehbuch. Man könnte dann ja meinen, wenn er so redet, so aufgeklärt, dass das Drehbuch hier einem Gangster aus der Unterschicht die Worte eines Intellektuellen in den Mund legt. Aber das ist nicht so. Ist nicht so. Es ist total authentisch. Man kauft es ihm in dem Moment ab. Das ist einfach ein Mensch, der keine Homophobie hat. Und das ist einfach ein Mensch, der bereit ist, Ruhe anzuakzeptieren. Und dann kommen wir auch schon zu diesem berühmten Zitat, was eben das Theaterstück betitelt, wo er ihm dann eine Geschichte erzählt, wo er sagt, er ist im Mondlicht herumgelaufen. Und eine Frau, eine alte Lady hat ihn angesprochen und hat zu ihm gerufen. Ja, was rennst du da rum? Running around, catching up all the light. In moonlight, black boys look blue. You are blue. That's what I'm gonna call you. Blue. Und dann fragt ihn Chiron, so ganz unmittelbar, das heißt, blue ist dein Spitzname. Und dann sagt er so, na. Und dann, ein sehr wichtiger Satz. Irgendwann, aber an einem bestimmten Punkt, musst du für dich selbst entscheiden, wer du sein wirst, wer du sein willst. Und du kannst niemanden diese Entscheidung abnehmen lassen. Can't let nobody make that decision for you.
Johannes Franke: Ja, das ist das große Thema für mich, also es gibt viele Themen in diesem Film, deswegen ist es auch wahnsinnig schwierig, finde ich, zu sagen, worum es im Film geht. Aber das große, einer der großen Themen ist einfach, wer will ich sein im Leben?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wer bin ich und wer will ich sein? Das sind ja auch Sachen, die unter Umständen auseinander gehen.
Florian Bayer: Und wie kann ich mich in einem gesellschaftlichen Kontext behaupten? Wie kann ich mich überhaupt in einem gesellschaftlichen Kontext finden? Und dieses Nickname-Thema spielt eine ganz große Rolle in dem Film. Ständig werden irgendwelche Nicknames vergeben. Dieses Blue zum einen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann ist ja Tyrell, nicht Tyrell, Kevin, der ihn dann irgendwann Black nennt. Ja. Und dann gibt er sich selbst diesen Nickname Black, dann wird er Little genannt. Also es gibt immer wieder diesen Bezug auf die Spitznamen, auf diese Zuschreibung von außen.
Johannes Franke: Ich finde die Situation interessant, wo er das erste Mal fragt, warum nennst du mich eigentlich Black? Was soll das? Chiron hat aber sehr ängstlich gefragt. Ja. Es war ihm nicht bewusst, ob das jetzt eine Beleidigung sein soll oder ob es was Gutes sein soll. Und es war sehr, sehr, sehr gut inszeniert einfach, weil man auch als Zuschauer so unsicher ist, was wie mit ihm mitfiebert. Ist das jetzt was Gutes oder ist das was Schlechtes? Ich weiß es nicht. Und es ist aber was Gutes eigentlich.
Florian Bayer: Es ist auch süß, weil Kevin dann auch nochmal fragt, und gefällt dir der Name? Ja. Also er fragt natürlich, Kevin ist nicht, Kevin ist eigentlich ein kompletter Gegenentwurf zu Chiron. Kevin ist selbstbewusst. Kevin begegnet ihm ja schon als Kind und da sagt er, ey, du darfst dich nicht die ganze Zeit von den Leuten rumschubsen lassen. Du bist doch kein Weichei, komm, zeig mal, du kannst doch bestimmt kämpfen. Und dann kämpfen sie miteinander, was eine wirklich süße Rangelei auch ist. Dieser Kevin ist im Gegensatz zum verschlossenen, ruhigen Chiron jemand, der sehr expressiv ist. Und der sich nach außen darstellen kann und der kein Problem hat, seine Unsicherheiten darüber, wer er ist, zu verstecken, indem er eben dieser, einfach dieser extrovertierte Typ ist. Und er versteckt sich auch. Er versteckt sich nicht weniger als Chiron. Das wird später auch nochmal thematisiert. Genau. Er mimt halt den coolen Bulli, der tausend Frauen flachlegt und der sich behaupten kann in der Welt. Und das macht er sehr geschickt, sodass er sogar in der Peergroup, auf die es offensichtlich ankommt leider, akzeptiert wird.
Johannes Franke: Ja. Ja, was aber zu der blöden Situation führt, dass er Chiron einmal vermöbeln muss.
Florian Bayer: Dazu kommen wir im Mittelteil, wenn Chiron 16 ist. Also eine wichtige Sache aus dem ersten Teil ist noch die berühmte Szene des Films, die oft als Taufszene bezeichnet wird, wenn Juan Chiron das Schwimmen beibringt und in dem Wasser hält. Und das ist auch einfach ein Moment. Natürlich kann man sagen, ja, wir interpretieren da jetzt rein, dass Juan irgendwie mit seinem Namen verwandt ist, mit Johannes dem Täufer und dass die eine Baptism-Szene haben. Für mich ist tatsächlich der wesentliche Punkt, dass die ein ganz großer Moment poetischer Schönheit ist, wo Chiron in diesem Moment, wo er im Wasser ist und loslassen kann und Juan wirklich vertraut, so ein Stück Frieden findet. Und ich glaube, sowohl Wasser als auch Strand spielen immer eine ganz große Rolle dabei, dass Chiron Momente hat, wo er sich komplett abkapseln kann von dem ganzen schlimmen Außen und einfach nur, naja, Floating. Er selbst sein kann. Einfach mal sich einfach fallen lassen und gehen lassen. Und ich liebe diese Szene dafür, weil es ist wirklich hart, was da passiert. Es ist eine schreckliche Kindheit, die er hat. Seine Mutter ist wirklich schlimm. Er wird gemobbt, er wird verprügelt. Und dann gibt es aber plötzlich diesen Moment des Innerhaltens, wenn er mit diesem Juan im Wasser ist. Und es ist halt auch schön inszeniert. Das kommt noch dazu. Ja, ja, genau. Diese poetische Inszenierung zwischen den sonst oft auch realistischen Bildern und etwas raueren Bildern. Ich liebe diese Szene. Ich finde, sie ist tatsächlich wunderschön. Ich kann auch verstehen, dass sie immer als so eine Schlüsselszene hervorgehoben wird aus dem Film, weil sie einfach gut tut.
Johannes Franke: Es ist, also Wasser ist ja auch im ganzen restlichen Film immer mal wieder so ein Ding. Und ich glaube, dass es auch darum geht, dass Wasser nun, dass man mit Wasser etwas wegwaschen kann, was einen gerade belastet. Also, er wirft sich wahnsinnig oft Wasser ins Gesicht oder macht irgendwelche anderen. Er taucht seinen ganzen Kopf ins Eiswasser. Genau, solche Sachen. Und dann bleibt es halt bei dem Versuch, Sachen wegzuwischen, die sich nicht wegwischen lassen. Aber es geht immer um dieses Grundthema. Aber für mich die wichtigste Szene im ersten Teil ist eigentlich die, wo der Junge am Tisch seiner neu gewonnenen Zweite Eltern sitzt und fragt, meine Mama uses drugs. Und er sagt ja. Und dann fragt er, und du verkaufst Drogen? Und er sagt ja. Und dann bleiben wir ganz lange bei diesem Typen, der gerade ja sagen musste. Und der feststellt, wahrscheinlich nicht zum ersten Mal, aber besonders intensiv jetzt, dass er ein ganz großer Teil des Problems ist.
Florian Bayer: Ja, ist auch krass. Sie bleiben dann ganz lange ruhig sitzen. Dann steht Chiron wortlos auf und geht aus der Tür raus und macht die Tür zu.
Johannes Franke: Genau. Und wir sehen gar nicht, wie er rausgeht, sondern wir hören das nur. Und wir bleiben die ganze Zeit auf diesem Typen, dessen Welt gerade einmal zerrüttelt wurde. Ja.
Florian Bayer: Das ist wirklich ein sehr starker Moment. Tatsächlich hat der Film, also eine Stärke des Films ist, dass er sich traut, Konflikte auszuhalten. Und das ist natürlich auch so ein bisschen, er geht schon in diese Slow-Pace-Cinema-Richtung. Er macht das sehr langsam. Er lässt Szenen stehen. Ja. Aber er lässt sich halt auch im richtigen Moment stehen, damit wir auch den Konflikt ertragen müssen, der da gerade aufgemacht wurde.
Johannes Franke: Ja, er benutzt halt den Kniff, dass die Sachen, die existieren, dass die nicht so laut und so explosiv erzählt werden, sondern eben slow. Wow. Du hast halt, wie im wahren Leben oft auch, einfach nur eine schleichende Entwicklung eines Konflikts, der dann irgendwann quälend wird, wo du dann echt, wo einfach, was sich nicht entladen kann. Wo du nicht als Mensch einfach mal ausrasten kannst und dann ist wieder gut, sondern Dinge stauen sich so auf und kommen so zusammen, dass du in traumatische Situationen gerätst, weil du nicht weißt, wo soll ich jetzt noch, wo ist meine Abfahrt, wo komme ich hier wieder raus. Und das macht natürlich den Film streckenweise quälend.
Florian Bayer: Ja. Es gibt viele, viele Momente, wo einfach, wo das, genau, wo der Konflikt, wo das unangenehm gehalten wird. Und es wird ja auch nicht besser. Wir kommen zur zweiten großen Episode. Chiron ist der Titel und wir begegnen jetzt dem 16-jährigen Chiron wieder, also gut sieben Jahre nach dem ersten Teil. Und sein Leben hat sich nicht verbessert. Er wird nach wie vor gemobbt und das ist an der Highschool, auf der er jetzt ist, ist das nochmal eine ganz andere Geschichte als als Kind. Zwar gibt es so einen, der es besonders auf ihn abgesehen hat, Tyrell. Er weiß immer noch nicht, wo er steht. Er ist immer noch der her schüchterne kleine Junge, sehr in sich verschlossen. Aber sehr früh begegnet er Kevin wieder, der immer noch freundschaftlich zu ihm steht und der ihm dann von einer sexuellen Eroberung erzählt und davon so ein bisschen prahlt. Die dann wiederum zu einem sehr sexuell aufgeladenen Traum führt, wo Chiron in den Garten geht und Kevin in dem Sex sieht, von dem er davor geprahlt hat. Und es ist eigentlich so, als es wird so als feuchter Traum auch inszeniert. Er wird dann so wach und man hat dann das Gefühl, es war eigentlich ein feuchter Traum und es war schon klar, dass hier eine sexuelle Anziehung da ist. Und sein Leben ist nach wie vor kaputt. Seine Mutter ist schlimmer Droge als vorher. Ruan ist gestorben offensichtlich. Das wird aber gar nicht so richtig erzählt. Ich finde es großartig, dass es nur ganz kurz angesprochen wird, weil es ist einfach so eine bittere Konsequenz aus dem Leben, das er hatte. Als Gangster wärst du nicht alt.
Johannes Franke: Aber ich habe es richtig verpasst. Ich wusste plötzlich irgendwie nicht mehr, wo war er jetzt. Also ich habe nicht mitbekommen, wie gesagt, wurde der jetzt gestorben oder sowas.
Florian Bayer: Ja, es wird auch nicht viel gesagt. Theresa sagt einmal zu ihm, naja, du weißt, du bist hier immer willkommen und auch ohne Ruan, wenn sie das überhaupt sagt. Und dann sagt sie, einmal begegnet Theresa nochmal Sharons Mutter und dann sagt sie, ja, wir haben uns seit der Beerdigung nicht mehr gesehen. Ach, das, okay. Und das war es eigentlich schon. Ja, okay. Und wir wissen, er ist gestorben offensichtlich und wir können davon ausgehen, dass er halt auf der Straße gestorben ist. Wahrscheinlich. Er war eher ein größerer Fisch oder ein mittelgroßer Fisch. Also er hat, man sieht, dass er Dealer unter sich hat am Anfang, weil er da zu einem geht und sagt, naja, hast du die Straße im Blick und achtest du drauf, dass das hier keine Leute Crack rauchen. Und es ist halt einfach so die bittere Konsequenz aus diesem Leben. Und damit, es gehört einfach zum Alltag dazu. Vielleicht ist auch das ein bisschen das, was wir daraus mitnehmen können.
Johannes Franke: Ja, also da kommen wir mal zum großen Thema, wie erzählt der Film was, was mir ein bisschen Probleme bereitet mit dem Film. Weswegen ich nicht 100 Prozent überzeugt bin vom Film, ehrlich gesagt. Obwohl der ganz viele wichtige Themen, der Film ist unglaublich wichtig und die Themen sind wichtig und die Erzählweise finde ich nicht per se problematisch. Aber er umschifft alles, was tatsächlich Aktion zeigt. Er zeigt im Grunde immer nur die Konsequenzen, zeigt im Grunde immer nur die Gefühle, die damit einhergehen. Das macht am Anfang ein ganz tolles Filmerlebnis, weil du am Anfang ganz stark im Gefühl des Jungen bist. Aber irgendwann möchtest du auch gern was erzählt bekommen, was wirklich passiert. Aber die wichtigen Sachen, wie zum Beispiel der Tod von diesem geliebten Ziehvater, wird nicht erzählt. Die ganzen großen, wichtigen Sachen werden nicht erzählt. Auch in der Übergang von dem 16-Jährigen zum Anfang 20-Jährigen, Mitte 20-Jährigen, keine Ahnung, wie er so trainiert vielleicht. Man könnte das ganz filmisch erzählen, aber das macht der Film nicht. Er umschifft alles, was passiert. Oh Gott sei Dank, keine 80s-Montage, wo er trainiert. Nein, um Gottes Willen, das nicht. Aber man könnte Dinge erzählen. Man könnte nicht nur die Ergebnisse von Dingen präsentieren.
Florian Bayer: Was für mich ein ganz wesentlicher Punkt ist, ist, dass Chiron immer als Figur gezeigt wird, die wenig Eigeninitiative zeigt. Er wird so ein bisschen auch rumgeschubst von der Handlung des Films. Das nervt mich auch ein kleines bisschen. Das ist aber auch total in der Geschichte gegeben, finde ich. Weil es ist jemand, der gefangen ist in diesem gesellschaftlichen Rahmen, in dem er aufwächst. Und er kann, er hat es nicht geschafft, sich selbst zu finden. Er sucht sich irgendwie selbst, aber er kann auch nur reagieren, weil er gar nicht weiß, wie er agieren soll. Wir sehen auch ganz oft diese Unbeholfenheit, gerade beim 16-jährigen Chiron, am echten Senders, der das übrigens auch wirklich gut spielt. Er ist jemand, der sich versteckt, in dem er halt wirklich nicht agiert. Und weil er vielleicht Angst hat, zu sehr erfordert zu wirken. Weil er vielleicht Angst hat, zu wenig den männlichen Idealen zu entsprechen, die halt in dieser Gesellschaft bevorzugt werden. Und dadurch wirkt er immer in sich verkapselt. Und dann passt es natürlich, dass er ja als jemand, der nicht agiert, irgendwie nur reagieren kann. Und nur damit konfrontiert werden kann, wie die Welt um ihn herum ist. Es gibt so ein, zwei Momente, wo er handelt. Die kommen aber meiner Meinung nach erst später. Und ich finde, es gibt so ein, zwei unglaublich kathartische Momente.
Johannes Franke: Gerade weil er so selten handelt. Natürlich verdient der Film sich dadurch, dass er so wenig handelt, die handelnden Momente. Wie zum Beispiel das mit dem Stuhl. Genau. Wo er eben einmal den Stuhl seinem Peiniger über die rüberzieht, mitten in der Klasse. Ja.
Florian Bayer: Ist das nicht krass, dass so ein wirklich düsterer Gewaltakt, für den er dann ja auch ins Gefängnis kommt, so ein kathartischer Moment ist? Ich sitze in diesem Moment da und denke, ja, gibt's eben.
Johannes Franke: Aber natürlich sitzt man da und hat genau diesen Gedanken und freut sich und findet es, also freut es fast so viel gesagt, aber man hat wirklich eine Erleichterung. Aber es ist, ja, dadurch verdient sich der Film das, weil er eben so wahnsinnig wenig Aktion vorher ihm gibt. Aber es nervt mich zwischendurch schon auch und später macht er ja auch nicht viel. Es ist so, der Stuhl ist ein Moment, was würdest du als anderen Moment noch nehmen?
Florian Bayer: Gleich im dritten Teil. Okay. Merkt euch kurz bitte. Weil ich würde gerne nochmal im dritten, im zweiten Teil, wir müssen natürlich auf die Romanze mit Kevin eingehen. Ja. Sie begegnen sich dann eher so durch Zufall am Strand. Kevin ist da, um zu kiffen. Und Chiron ist einfach nur da, weil er halt irgendwie Ruhe braucht. Das mehr gibt ihm Ruhe. Und dann führen sie dieses sehr intime Gespräch, das sich aber auch um gar nicht so viel dreht. Kevin zieht zuerst so sein normales Ding ab, dass er so ein bisschen rumpost und sich über ihn lustig macht. Und dann zieht Chiron auch einmal am Joint. Und Kevin macht sich so ein bisschen lustig über ihn. Und dann gibt es aber diesen romantischen Bruch, wo er sagt, ja, you're getting smart with me, sagt er, glaube ich, zu ihm und wiederholt das dann nochmal. Und dann gucken sie sich in die Augen. Und dann ist so ein krasser Moment der Anspannung, weil man auch tatsächlich vorher nie so hundertprozentig sicher sein könnte, wie dieser Kevin tickt, weil der natürlich auch diese Bulli-Komponente hat. Aber dann küssen sie sich und dann haben sie, sie haben nicht Sex. Ganz so weit kommt es nicht, aber weil... Es kommt zur Masturbation. Ja, genau. Und eigentlich, was man auch so als missglücktes Sexual Encounter inszenieren könnte, weil Chiron dann einfach direkt einen Orgasmus hat. Ja. Aber es wird so wunderbar intim inszeniert. Es ist wirklich schön. Es ist so eine schöne Szene. Ja. Und Kevin ist auch voll cool, ne? Also er sagt dann, hey, Chiron entschuldigt sich. Und Kevin sagt, du musst dich nicht entschuldigen. Und wir sehen dann auch die Hand, wie sie das Sperma so auf dem Sand abwichtelt. Es ist wirklich eine wunderschöne, intime Szene. Ganz, ganz tolle Szene, ja. Und sie hat auch eine gewisse Erotik, aber nicht so viel, ne? Es ist keine krass, krass sexuell aufgeladene Szene. Das stimmt, ja.
Johannes Franke: Sondern es ist wirklich primär eine romantische Szene. Es ist, ja, es ist vor allem mit sehr viel Selbstverständnis inszeniert, was ich sehr schön finde. Es ist nicht so auf, nicht so inszeniert inszeniert. Wir haben hier irgendwie der, der ist der große Macho, der den Kleinen einführt in die Welt der Homosexualität oder so, ne? Sondern, obwohl das drin steckt. Aber es ist nicht so inszeniert, sondern es ist sehr selbstverständlich inszeniert und mit Spannung. Das finde ich sehr schön.
Florian Bayer: Und Chiron agiert auch in dieser Szene. Er reagiert nicht nur, ne? Das stimmt. Ja, klar, von Kevin geht die Initiative irgendwie aus mit dem Kuss.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber Chiron agiert dann auch und geht auch sehr gezielt darauf ein. Ja, ja, das auf jeden Fall. Und es ist, ah, ich finde es eine unglaublich schöne Szene. Es ist halt auch wieder diese, das, was wir im ersten Teil auch am Strand hatten, es ist so diese Befreiungsszene, dass Chiron sich einfach fallen lassen kann in diesem Kuss, der sehr lange dauert, der sehr leidenschaftlich ist, der dann noch, natürlich noch ergänzt wird durch Handwork. Aber es ist vor allem, es ist wirklich einfach so ein Kuss, in den er sich fallen lassen kann. Ja. Und es ist einfach eine unglaublich, unglaublich schöne Szene.
Johannes Franke: Also für mich gehört das tatsächlich zu den besten sexuell aufgeladenen Szenen, die ich überhaupt gesehen habe in Filmen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das muss ich schon, aber das möchte ich dem Film gerne einmal als Stempel mitgeben. Ja. So, das funktioniert super. Hat er sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Ja, sehr, ich bin so ein bisschen hin und her gerissen, weil natürlich, sie hat eine gewisse Erotik. Es ist ein sehr leidenschaftlicher Kuss. Es ist nicht einfach nur ein romantischer Kuss. Es ist, und es ist klar, es wird halt auch mehr. Es ist halt nicht nur ein Kuss. Aber trotzdem finde ich, und ich finde deswegen auch diese Liebesgeschichte zwischen den beiden ist wirklich wichtig. Und ich will die nicht abtun als so, er hat eine kleine Romanze und das spielt keine große Rolle in seinem Leben. Das stimmt für mich nicht. Wir kriegen es nicht erzählt, aber es ist natürlich eine Liebe, die sich über zehn Jahre hingezogen hat. Ja, ja. Er war als Kind schon irgendwie in Kevin verliebt oder es war zumindest so ein romantisches Gefühl zwischen den beiden. Und wir haben hier eine Romanze, die wahrscheinlich sehr lange angedauert hat und dann haben wir ihre Erfüllung. Also ich glaube, das kann man schon nochmal hervorheben, dass es auch eine Liebesgeschichte ist.
Johannes Franke: Wo ich gar nicht so richtig gesehen habe im Film, dass das vorher so lange schon schwelt. Und das habe ich nicht so gelesen. Wir kriegen ja nicht so viele Zähne gezeigt zwischen den beiden.
Florian Bayer: Ja, aber wir kriegen diese Zähne, wie sie sich am Fußballplatz begegnen. Ja, genau. Und dann raufen sie, aber das hat ja auch schon so eine romantische Komponente.
Johannes Franke: Das stimmt, so ein kleines bisschen, ja. Aber das habe ich nicht so richtig reinge... Ich habe eher dann, dass danach das so lange schwelt. Ich habe eher das Gefühl, dass ich in den beiden später im dritten Teil sehen kann, dass die beiden seit dieser Begegnung aneinander hängen. Also die zehn Jahre sind eher hinten dran für mich als vorne dran. Ja.
Florian Bayer: Dann sind es 20 Jahre. Ich nehme sowohl die zehn Jahre davor, als auch die zehn Jahre danach. Ja. Aber diese Liebesgeschichte hat dann natürlich eine sehr tragische Entwicklung, weil Kevin, als der coole Typ, der seiner Peergroup gefallen will, von Terrell angestachelt wird. Terrell sagt ihm, also der Peiniger von Chiron sagt zu Kevin, hey, weißt du noch, wir haben doch früher immer dieses Spiel gespielt. Ich habe auf jemanden gezeigt, du hast ihn verkloppt. Und machst du das immer noch? Hast du das immer noch drauf? Und Kevin, der sich behaupten will, sagt, na klar, habe ich es immer noch drauf. Los, so geht's, du zeigst auf jemanden und ich haue ihn, bis er unten liegt. Und dann zeigt Terrell natürlich auf Chiron und dann prügelt Kevin auf Chiron ein. Man merkt sein Zögern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er sagt auch immer wieder zu ihm, jetzt bleib bitte unten. Und Chiron steht halt immer wieder auf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was auch eine ziemlich krasse Szene ist. Was Starkes.
Johannes Franke: Ja. Was wirklich gut gemacht ist. Das ist eine gute Szene.
Florian Bayer: Und genau, und er wird dann halt von Kevin aber so lange geprügelt, bis er am Boden liegt. Und dann treten die nochmal auf ihn ein, die Bullis. Ja.
Johannes Franke: Und das löst sich nicht positiv auf.
Florian Bayer: Nee, es löst sich nicht positiv auf. Es ist, wie du schon gesagt hast, es ist nicht die Welt, in der man dann zur Polizei geht. Er wird von der Rektorin befragt, was passiert ist. Und er sagt einfach nichts. Ja. Und dann rächt er sich am nächsten Tag, indem er Tyrell den Stuhl über den Kopf zieht und ihn offensichtlich schwer verletzt, weil er wird dann in Handschellen abgeführt. Ja. Damit endet dieses Kapitel. Ja.
Johannes Franke: Boah. Und ich bin dann in einem Schnitt zum großen muskelbepackten Typen, bin ich vor allem von seinen Zähnen schockiert. Gott. Was muss einen dazu bewegen? Warum macht man sich so eine blöde Spange drüber, die so golden oder silber oder was auch immer war?
Florian Bayer: Oder auch Fronts genannt. Was hast du gegoogelt? Natürlich. Das ist tatsächlich ein großer kultureller Fetisch in der amerikanischen Hip-Hop-Kultur. Vor allem diese Bling-Bling-Kultur, die irgendwie so in der Mitte der 90er entstanden ist. Furchtbar. Wo es darum ging, dass nach der politischen Selbstbehauptung, Hip-Hop war ja ganz lange ein politisches Genre und dann kam irgendwann dieser Gangster-Rap. Und dann ging es darum, irgendwie zu zeigen, wir haben mit unserem Stolz unseren eigenen Reichtum geschaffen. Die großen Gangster, die die dicken Autos fahren und diese Krills oder Fronts werden sie auch im Film genannt, werden sie auch da genannt. Krills ist eigentlich der Name, den ich kenne. Die sind mit eines der Statussymbole für Reichtum. Und zwar auch einfach deswegen, nicht nur, weil die aus echt teurem Material gemacht werden können, nämlich aus Gold, aus Platin, aus Diamanten, die vorne drauf sind. Sondern auch, weil wenn du gute Krills brauchst, dann kannst du die dir nicht einfach so einsetzen. Das ist nicht so ein Halloween-Gebiss, was du dir überstülpst, sondern damit die nicht schlecht für die Zähne sind, müssen die am Gebiss orientiert werden. Das heißt, du kriegst individuelle Krills hergestellt. Und dafür muss ein Zahntechniker einen Abdruck machen. So wie wenn du Plomben kriegst. Und dann müssen die gegossen werden. Und das ist wohl, wenn es richtig gemacht wird, ein teures Verfahren. Dann allerdings sind die offensichtlich gar nicht schädlich für die Zähne. Nö. Gibt es Studien dazu? Kann man tragen. Mach die Zähne nicht kaputt, wenn du welche trägst, die nicht individualisiert sind. Dann besteht die Gefahr, dass die Zähne darunter leiden. Genau. Ja, ja. Und ja, ich finde es auch furchtbar hässlich. Aber es war eine Zeit lang wirklich ein Teil dieser Hip-Hop-Kultur. Und viele große Hip-Hop-Artists und gerade so Street-Gangster-Rapper haben diese Dinger getragen. Auch einfach, weil die Teil ihrer Selbstinszenierung waren. Und zwar bis heute. Zum Beispiel Rihanna. Also Pop. Diese Kultur ist natürlich auch irgendwann Pop geworden. Rihanna trägt sowas manchmal. Echt? Ja.
Johannes Franke: Das wusste ich nicht. Gut, das ist überhaupt nicht meine Ziel. Also ich bin nicht Zielgruppe von Rihanna. Ich habe keine Ahnung von sowas. Ich finde es ganz schrecklich.
Florian Bayer: Es sieht für mich immer aus nach ungesunden, kaputten Zähnen. Ja, genau. So auf den ersten Blick. Ich meine, es blinkt im Mund, aber es sieht nicht gesund aus. Nein. Und genau, er trägt diese Dinger, er trägt die halt im Mund mit Stolz. Trivante Rodas spielt den Black, den 25-jährigen Chiron.
Johannes Franke: Und guck ihn in die Augen, was du vorhin gesagt hast. Die Augen, es ist ja der Wahnsinn. So einen Schauspieler musst du erst mal finden.
Florian Bayer: Ja, er hat diesen Blick drin. Unter diesem Muskelpaket ist genau dieser sensible, verlorene Blick. Wahnsinn. Und es ist nicht in seinem Handeln gezeigt, weil er ist... Er ist ein harter Hund. Er ist jetzt Drogendealer. Wir erfahren später in dem Gespräch, dass er im Gefängnis war, dass er in der Jugendhaft war, wegen diesem Angriff, wegen dieser Stuhlattacke. Und dass er da einen Drogendealer kennengelernt hat und der hat ihm gezeigt, wie es geht und so weiter. Er ist rausgekommen und er gehört zu den größeren Drogendealern. Es gibt eine wirklich hässliche Szene, wo er mit einem seiner Untergebenen, Travis, wo er dessen Geld zählt und den dann fertig macht, weil der vermeintlich zu wenig Geld abgeliefert hat, ihn dabei aber nur verarscht. Er sagt, du hast mir zu wenig Geld gegeben. Und Travis sagt, nee, es hat doch gestimmt. Und dann sagt er, was? Sagst du etwa, ich werde ein Lügner? Und provoziert ihn wirklich und macht ihn wirklich Angst, um das dann aufzulösen mit, naja, war nur ein Spaß, alles gut. Und du musst sowas abkönnen, wenn du auf der Straße bestehen willst. Oh Gott. Und er ist wirklich einfach ein harter Kerl. Er ist genau das geworden, was ihm vorher Angst gemacht hat und was diese maskulinistische Gesellschaft von ihm erwartet. Und wir sehen trotzdem immer wieder diese Sensibilität in seinen Augen und diese Verlorenheit.
Johannes Franke: Aber vor allem dann natürlich gerade, wenn er wieder auf Kevin trifft.
Florian Bayer: Genau. Kevin ruft bei ihm an und sagt so, hey, ich habe deine Nummer von Theresa und was machst du denn gerade? Wie geht es dir denn so? Und dann, ich arbeite im Café, komm doch mal vorbei. Ich kann dir was kochen.
Johannes Franke: Ja. Und diese Szene in diesem Diner, das ist der Hammer. Ja. Das ist auch die Lieblingsszene vom Kameramann gewesen und ich habe das Gefühl, dass man das sieht. Ja. Also die ist wirklich sehr schön inszeniert, kameratechnisch auch und so. Das ist schon wirklich sehr gut.
Florian Bayer: Und aber auch wieder Slow-Paced Cinema. Es ist eine sehr lange und sehr langsam erzählte Szene, fast in Echtzeit, wie er da reinkommt, wie er da hinsetzt, sich hinsetzt, auf Kevin wartet. Kevin erkennt ihn zuerst nicht, ganz kurz. Ja. Diesen ganz kurzen Moment, kann ich ihm helfen? Und dann sieht er ihm in die Augen und oh mein Gott. Du wirst es. Ja, genau. Und dann unterhalten sie sich und das ist echt krass. Und Kevin hat offensichtlich auch ein bewegte zehn Jahre hinter sich. Er hat ein Kind gekriegt, ist aber mit der Mutter von dem Kind nicht mehr zusammen. Er war offensichtlich auch im Knast. Er erzählt da kurz davon. Und er macht sich aber die ganze Zeit eigentlich so über Plex aussehen lustig. Er sagt so, ey, das bist nicht du. Was soll das mit diesen blöden Fronts? Warum trägst du den Scheiß? Ja. Und bist du jetzt ein harter Hund oder wie? Ich bin total bei Kevin. Ja. Und Kevin ist toll. Ist natürlich auch nochmal ein anderer Schauspieler.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber den haben sie auch super gecastet. Der ist super, ja. Er ist dünner geworden, er ist hager geworden und man merkt, er hatte, er hat diesen Bulli-Charakter, den er hatte, den hat er noch eine Zeit lang mit sich rumgetragen. Und er ist jetzt gerade offensichtlich in der Phase seines Lebens, wo er ihn ablegen will. Ja. Und wo er wirklich bemüht ist, ein anständiges Leben zu führen. Ja. Und man kauft es ihm ab. Also nicht nur optisch, sondern auch wie er redet. Man merkt immer noch, es ist immer noch dieser Kevin dahinter, hinter dieser neuen Fassade auch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber er hat einen Reflexionsprozess durchlaufen, weil Chiron halt nicht so gezündet hat, weil Chiron sich eigentlich in die gegenteilige Richtung entwickelt hat. Und deswegen ist Kevin auch schockiert. Er sagt mehrmals, ich hätte nicht erwartet, damit habe ich nicht gerechnet. Ich hätte nicht erwartet, dass du jetzt so bist. Ja, genau. Und dann ist das Tolle, was dann Kevin sagt, was halt auch dieser selbstreflexive Moment ist, wo er sagt, I wasn't never worth shit. Ich habe nie das getan, was ich eigentlich machen wollte. Und ich habe immer nur gemacht, was andere Leute von mir gedacht haben, was ich tun sollte. Und ich war eigentlich nie ich selbst. Das droppt er halt so in dem Gespräch nebenbei. Und das ist beeindruckend.
Johannes Franke: Das hat natürlich Impact auch, ja.
Florian Bayer: Und ich finde es so toll, weil dieser Kevin, er wird in dieser Szene so sympathisch, weil man merkt, es ist wirklich jemand, der versucht zu verstehen, wer er ist. Und der sich wirklich bemüht, er selbst zu sein. So plump es klingt. Der hat sein Verhalten auch nicht ganz abgelegt. Er hat immer noch dieses Extrovertierte und er labert immer noch so gern ein bisschen Müll und erzählt Witze, aber er ist sich mehr selbstbewusst. Und er hinterfragt mehr die Rollenvorstellungen der Gesellschaft, in der er sich bewegt.
Johannes Franke: Er hat sich halt auch von Anfang an freier in der ganzen Geschichte bewegen können. Er hat sich den Freiraum schon sehr früh erarbeitet als Kind. Dann auch sagen zu können, scheiß doch drauf, was da draußen, was die wollen von mir. Ich bin jetzt, ich, also das Sprungbrett schon vorbereitet für sich. Während Sharon eher Schwierigkeiten hatte damit.
Florian Bayer: Wobei er das ja eigentlich im zweiten Teil nicht gemacht hat. Im zweiten Teil ist ja er eher der, der die Erwartungen der Gesellschaft erfüllt. Er ist der, der das macht, was die anderen von ihm verlangen. Und Sharon ist der Außenseiter.
Johannes Franke: Das ist die Phase. Und wenn du als Außenseiter nie in die Situation gerätst, darüber reden zu können, darüber reflektieren zu können mit anderen, das ordentlich irgendwie zu bearbeiten, dass er alles mit dir selbst auch außen machen muss und dann noch die Mutter dazukommt, dann noch der eigentlich, der geliebteste Ziehvater stirbt und dieses ganze Zeug. Dann, ich verstehe das volle Kanne, dass das sich so rumentwickelt.
Florian Bayer: Ja, klar, ja. Ja, es ist, was wirklich eine schöne Szene, ein schöner Moment ist, ist, dass wir merken, dass Kevin immer noch den alten Sharon sieht in diesem Muskelpaket. Ja. Und dass Sharon das registriert. Es gibt nämlich diesen Moment, wo er ihm sagt, er fragt ihn was und Sharon sagt kaum was dazu. Und er sagt, ah, ja, bist immer noch derselbe, kriegst nicht mehr als zwei Sätze raus. Und von Sharon sehen wir da so ein verschmitztes Lächeln. Ja. So ein Moment, der kennt, er weiß, wer ich bin. Und es ist irgendwie doch schon noch so wie früher. Und es gibt da irgendwie noch so eine Verbindung zwischen uns.
Johannes Franke: Ja. Was natürlich dann dahin leitet, dass Sharon in die Lage gerät, sagen zu können, du bist bis heute der einzige Mann, mit dem ich intimen Kontakt hatte.
Florian Bayer: Und das ist eigentlich der große kathartische Moment, wo Sharon handelt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil das ist eine riesige Überwindung, die ihn das kostet. Man merkt das, wenn sie fahren zu Kevin nach Hause und er steht da so ein bisschen verlegen, sie quatschen noch ein bisschen. Ja. Und dann gibt's, und er sagt dann nach vorne nochmal, er hat versucht zu vergessen, was damals alles passiert ist. Und dann gibt's diesen Moment des Schweigens. Und das ist, glaube ich, dieses sich öffnen. Und er sagt nicht nur, du bist der einzige Mann, der mich je berührt hat, sondern Person. Er sagt, du bist die einzige Person, die mich berührt hat. Okay, ja. Und dieses komplette sich öffnen, es ist so ein wunderschöner, intimer Moment. Und das ist so kathartisch, dass er, das ist eine totale Selbstbefreiung in diesem Moment.
Johannes Franke: Ja, ja. Und es wird ja auch positiv beantwortet. Der bekommt ja dann so ein bisschen Streichel-Einheiten, sagen wir so.
Florian Bayer: Ich hab ein Skript gefunden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Im Originalskript, also ich weiß nicht, ob es das Originalskript ist, nicht Theater-Original, sondern ein Filmskript, wo deutlich mehr sexuelle Handlung angelegt ist in dieser Szene. Und zwar sagt er zu ihm, du bist die einzige Person, die mich hier angefasst hat. Dann wird's dunkel und dann reden sie. Und während des Redens merken wir, dass sie wieder zueinander kommen, dass sie sich ausziehen. Und ich kann's mal kurz vorlesen. Weil ich find's ganz spannend. Ich würd nämlich ganz gerne einmal von dir wissen, was du besser findest. Ich bin da auch ein bisschen im Zwiespalt. Okay. So, ich lese aus dem Skript vor, was ich hier habe. Moment. Ich muss sehr viel scrollen, um zum Ende zu kommen. Genau. Also. Er sagt das zu ihm. Und dann. A puzzled look coming over Kevin's face. Kevin, you're shaken. Black air. Kevin, wait. Kevin crosses the doorway, flips a switch. Total darkness. Only the soft fudding of feet crossing the floor. Another beat. Then, under darkness. Black, I'm shaking. Kevin, yeah. Black, I'm still shaking. Kevin, yeah. The sound of bodies touching. The beginning of things. Then, another sound rising from afar. The sound of waves. Also dann kommen schon die Wellengeräusche von dem späteren Bild. And mingling with that rush of waves. The sound of lips and hands. The joining of bodies. Somewhere in this darkness. Black and Kevin relearning one another. Und dann kommt der Schnitt zum Strand. Kurz nochmal zu der Film. Im Film ist es so, im endgültigen Film, dass er das zu ihm sagt. Und dann haben wir einen ziemlich harten Cut. Und wir sehen einfach nur, wie Chiron an Kevins Schulter angelehnt ist. Und Kevin ihm über den Kopf streichelt. Also eine sehr zärtliche, sehr romantische Szene. Ich habe gelesen von einem Kritiker den kritischen Punkt, dass es fast wirkt, als wäre der Film so ein bisschen entsexualisiert worden, um Oscar-gefälliger zu sein. Also mit einem Fragezeichen. Wurde Sex rausgenommen, um mehr als romantischer Film für die Academy Awards in Frage zu kommen? Ich würde die Frage gerne an dich weitergeben. Was findest du spannender? Und es ist ja schon sehr unterschiedlich. Lieber Sex in diesem Moment richtig? Also als stärkere Katharsis? Oder ist das vielleicht sogar die stärkere Katharsis, wenn es einfach diese Kuscheleinheiten gibt?
Johannes Franke: In diesem Falle verzeihe ich dem Film, selbst wenn sie das nur für die Oscars gemacht haben, sehr gerne. Nicht, weil ich den Film so wahnsinnig gut finde oder so, sondern weil ich glaube, dass in dieser Situation beides funktioniert und beides okay ist. Und beides eigentlich auch in die gleiche Richtung geht. Man hat keinen anderen Film plötzlich, wenn das eine passiert statt das anderen. Ich finde beide Varianten vollkommen okay und interchangeable. Ich finde den Gedanken tatsächlich schön,
Florian Bayer: dass wirklich die Romanze zwischen ihnen wieder aufgegriffen wird. Was bei der Szene, die im Film gelandet ist, Chiron legt seinen Kopf auf seine Schultern und wird gestreichelt, ein bisschen ambivalenter ist. Weil das ist nicht zwingend eine romantische Szene zwischen den beiden. Vor allem, wenn wir bedenken, wie vorher ihre romantischen Szenen waren. Die waren einfach stärker, intimer. Das ist auch ein total schöner, intimer Moment. Aber das könnte auch ein freundschaftlich-intimer Moment sein. Ja, ist ein bisschen offener. Ist ein bisschen offener, genau. Und das ist ein Grund, wo ich sage, eigentlich finde ich es schon ein bisschen stärker, wenn das Sexuelle ein bisschen mehr betont wird. Und andererseits finde ich diesen Moment so schön inszeniert. Ja, der ist gut inszeniert. Ich mag total diesen Schnitt von dem Geständnis zu diesem einfach sehr soften, sehr sensiblen Moment, wo er ihm Trost spendet und wirklich für ihn da ist.
Johannes Franke: Nein, mir reicht das vollkommen aus. Ich brauche den Sex nicht. Mir reicht das vollkommen aus, zu verstehen, dass da wieder was aufgemacht wird, eine Tür aufgemacht wird, die Chancen gibt auf Besserung oder auf ein Leben mit der Homosexualität, die er hat. Ich glaube, ich brauche den Sex nicht, aber ich wünsche ihn Chiron. Ja gut, okay. Das stellt ihr vor, wir haben das noch. Das ist vielleicht so ein bisschen die Katharsis. Das überlässt der Filmemacher dir.
Florian Bayer: Deinem Kopf. Und dann die letzte Szene. Wir schneiden noch mal einmal ganz kurz zu dem Kind. Chiron zu Little, wie er am Strand steht, im Mondlicht, blau beleuchtet, sein Körper schimmert blau. Er schaut lange raus aufs Wasser, auf die Wellen und dann blickt er zu uns.
Johannes Franke: Ja, was ja im Grunde wiederum eigentlich nur der Erwachsene ist, der sich erinnert, zumindest in dem, wie ich den Film an der Stelle verstehe und wahrnehme, dass das so ein Full-Circle-Moment für ihn ist, dass er das Gefühl hat, okay, ja. Kennst du das, wenn man an seine Kindheit zurückdenkt und das Gefühl hat, irgendwie schließt sich hier ein Kreis mit dem, was gerade passiert? Oder irgendwie wird gerade ein Wunsch eines Kindes oder etwas, was ein Kind vielleicht gar nicht hätte formulieren können, aber was als Gefühl da war, irgendwie befriedigt oder eben im Kreis geschlossen oder so?
Florian Bayer: Ja, ich glaube, das ist sehr nah an meiner Interpretation. Ich habe die Befürchtung, wenn ich jetzt meine Interpretation bringe, ist das genau dasselbe, nur ein bisschen anders paraphrasiert. Für mich war es so ein bisschen das Erwachen des Kindes in ihm. Fast wie eine Art Traumsequenz. Dass dieses Kind, der irgendwie er selbst war, dass das wieder zum Leben kommt. Also, dass in diesem Moment, wo er diese Intimität hat mit Kevin, dass er wieder zu sich selbst findet. Und dass dieses Kind, dieser Little am Strand, gar nicht so sehr zu uns als Publikum blickt, sondern vielmehr zu Chiron. Zu ihm, ja, ja. Und dass Chiron eben einfach sich diesem Charakter, der er war oder der er immer noch ist, mehr gewahr wird. Heute habe ich einen Podcast gehört, einen amerikanischen Podcast, wo sie gesagt haben, naja, das wird nochmal geschnitten auf die Vergangenheit. Und es ist ein Blick von Lidl, der zu uns Zuschauern sagen soll, lass das nicht geschehen. Lass nicht geschehen, dass die Gesellschaft solche Schranken macht. Lass nicht geschehen, dass es diese Verwahrlosung gibt und Menschen sich so verhalten müssen. Okay, ja. Ach, weiß ich nicht. Ist nicht meine Interpretation, habe ich gehört.
Johannes Franke: Ja, ich finde, dafür ist der Film zu sehr im Gefühl verhaftet, als in der Moral. Ja. Es ist kein Message-Movie, ne? Nein, es ist nicht so sehr.
Florian Bayer: Es ist kein Film, der uns eine Moral aufdrücken will. Und das ist gut, weil ein Jahr später haben wir mit Green Book einen Oscar-Gewinner, der sich auch das schwarze Amerika schnappt als Thema. Und das ist aber ganz klassisch Oscar-Bate hier erzählt. Und zwar wahrscheinlich der krasseste Oscar-Bate-Film der 2010er Jahre, wo, um das kurz zu umreißen, wo ein schwarzer Pianist mit einem weißen Italo-Schläger durch Amerika fährt, durch die Südstaaten, wo er Konzerte gibt. Und er will halt den Weißen zum einen als Bodyguard dabei haben, weil es ist in den 60er-Jahren spielt es, glaube ich, auf jeden Fall in einem noch krasser, von Rassismus geprägten Amerika. Und auch, weil er teilweise an gewisser Orte gar nicht rein, gar nicht darf, weil das einfach noch Apartheid ist. Also Schwarze dürfen bestimmte Toiletten nicht benutzen, dürfen nicht in bestimmte Restaurants. Und er braucht da irgendwie so eine weiße Rückendeckung. Und dieser Italiener ist aber ein totaler Rassist und wird dann natürlich auf dieser Fahrt bekehrt vom Rassismus zum offenen, toleranten Menschen. Und sie kommen sich näher. Und es findet so eine Verbrüderung statt. Und es entwickelt sich eine Freundschaft. Und es ist so ein totaler Oscar-Bate-Stoff. Keine Totalkatastrophe, aber auch kein guter Film. Und ich finde es gut, dass dieser Film es so anders macht und trotzdem einen Oscar gewinnen darf. Das ist so schön, weil er nicht so eine Moral aufs Auge drückt und weil er nicht so schwierig ist.
Johannes Franke: Trotzdem Oscar-Batey, muss ich sagen. Nein, echt, findest du? Ja, schon so ein bisschen. Mit dem sehr, einfach dieses Milieustudien-Ding, was da so sehr durchkommt. Und so sehr aufs Gefühl und sehr auf, also...
Florian Bayer: Aber nicht dieser kitschige Pathos und nicht diese einfachen Geschichten und diese einfachen Bilder, sondern er bewahrt sich eine Ambivalenz in den Charakteren. Auch die Mutter zum Beispiel. In der letzten Geschichte sehen wir die Mutter noch mal kurz, wie sie mit Black redet und zu ihm sagt, so hey, ich weiß, ich war eine scheiß Mutter, aber ich liebe dich. Und ich weiß, du liebst mich nicht, aber vielleicht wird es ja irgendwie noch mal was. Sie ist in der Reha. Und man merkt richtiges Bereuen und Bedauern, was schiefgelaufen ist. Ich finde, für Oscar-Bate ist er zu ambivalent und lässt zu viel aus. Ein Oscar-Bate-Film würde den Mord an Juan zeigen und es gäbe eine Beerdigung. Und ein Oscar-Bate-Film hätte deine fucking Sportmontage, wo er sich aufpumpt. Das wäre ein Oscar-Bate-Film.
Johannes Franke: Oh Gott, jetzt will ich diese 80er-Montage haben, wie er ins Fitnessstudio geht und pumpt.
Florian Bayer: Das ganze Thema könnte man auch wirklich zu einem kitschigen, albernen Hollywood-Film machen. Ja, das stimmt. Man bräuchte halt einen weißen Nebenprotagonisten, der ihm hilft. So ein White Savior.
Johannes Franke: Der White Savior, super. Ach Gott. Nein, also, ich habe trotzdem natürlich Schwierigkeiten mit dem Film, weil ich kann die ersten zwei Drittel durchhalten mit dem Tempo und mit dem nur aufs Gefühl gehen und nicht auf Aktionen. Aber irgendwann wird es schwierig. Irgendwann kannst du als Zuschauer, kann ich als Zuschauer, nicht mehr, gib mir ein bisschen Luft zum einfach hier, da, was hier passiert, was hier passiert, was. Ich muss keine Explosion sein, aber wenigstens ein bisschen, weißt du, irgendwas. Du bist einfach nicht so ein großer Slow-Cinema-Freund. Du brauchst manchmal ein bisschen Spektakel wenigstens. Also, natürlich mag ich auch manchmal langsam erzählen. Hier, Magnolia. Ich liebe Magnolia. Ganz doller Film. Der ist auch Slow-Cinema. Der ist auch Slow-Paced.
Florian Bayer: Was? Also, ich mag ja langsam erzählte Filme, deswegen fällt es mir schwer jetzt zu sagen, hey, das könnte es vielleicht besser machen, das könnte es besser machen. Was für mich aber dieses Slowness von dem Film aufweicht, ist zum einen die Musik, die wirklich saugut gesetzt ist. Da müssen wir unbedingt drüber reden. Die Musik ist richtig gut. Nicholas Pretell. Und zwar ist es einfach mal klassische Musik, ne? Und zwar nicht klassische Filmmusik. Ja, ja, genau. Sondern es ist wirklich Musik, die man eigentlich in so einer Milieustudie nicht erwarten würde.
Johannes Franke: Also, erst habe ich an Lars von Trier gedacht. Der dann irgendwie, ich habe noch auf die Zeitlupe gewartet,
Florian Bayer: weil dann die Operator über ist. Es ist leichter. Es ist nicht so wagnerianisch-deutsch, sondern ein bisschen französischer angehaucht.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Also, viele Streicher, ne? Violinen und Celli. Und Oboe und Klavier. Und diese Musik ist immer mal wieder so drin. Und trägt die Szenen, in denen wir, und davon haben wir viele Menschen, einfach nur sehen, wie sie sich von A nach B bewegen. Ja. Und das kann ich verstehen, dass man das auch zu langsam findet. Zum Beispiel, wenn Sharon zum Strand unterwegs ist, wo er dann auf Kevin trifft. Da haben wir eine sehr lange Szene, wo er durch die Stadt geht, ohne zu wissen, wo er hin will. Mhm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Oder wenn Juan im Auto sitzt. Aber ich finde, das trägt diese langsamen Szenen immer wieder. Diese klassische Musik, die wie so ein Teppich dann drüber liegt, gut pointiert gesetzt ist. Ja, ja.
Johannes Franke: Das ist auch richtig. Und ich habe auch das Gefühl, dass der Musiker versucht, diese Klassik dann mehr und mehr zu fragmentieren und neu zusammenzusetzen und ein bisschen in Richtung, weiß ich nicht, wir fallen dann R&B und Hip-Hop und so weiter ein, dass das so ein bisschen Einflüsse da reingekommen sind und dass er das irgendwie verändert. Und nicht nur, er hat ja auch irgendwelche Zitate, irgendwelche Original Songs irgendwie, die wirklich Hip-Hop sind und so. Aber er hat auch diese klassische Musik genommen und irgendwie verwandelt.
Florian Bayer: Ja, er macht so ein bisschen Remixing mit der klassischen Musik. Ja, ja, irgendwie so. Es wird mehr im Laufe des Films. Aber gerade am Anfang, selbst wenn er am Anfang so ein bisschen gemixt wird, wird sie nie so zersetzt, dass man das Gefühl hat, man hat jetzt hier die Untermalung für einen Hip-Hop-Track. Sondern es bleibt schon in diesen klassischen Roots vorhanden. Ja, genau. Was natürlich, es gibt diese Pop-Referenz, diesen Song Hello Stranger. Kevin ruft Chiron an, weil er diesen Song gehört hat, weil den jemand in seiner Tubebox angemacht hat. Und das ist halt ein 63er-Song von Barbara Lewis, ein großer R&B-Hit.
Johannes Franke: Übrigens, die Szene im Diner, da haben sie diesen, als dieser Song läuft, der läuft ja dann. Den macht er ja an in der Tubebox. Anscheinend haben die den wirklich angemacht. Ja. Was für mich als Filmemacher völlig unbegreiflich ist, weil wie willst du das schneiden? Mhm. Dann brauchst du wirklich zwei oder drei Kameras, die die Szene immer am Stück aufnehmen, sodass du immer hin und her schneiden kannst. Du kannst dann nichts, keine Sekunde wegschneiden, weil sonst der Song sofort zerstört ist. Du bist völlig festgelegt. Du kannst keinen Take von dort und von 10 Minuten später nehmen, sondern es muss immer der gleiche Take sein. Und das finde ich schon krass.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Fun Fact.
Florian Bayer: Es ist ja ein Oscar-Gewinner. Es ist der Oscar-Gewinner mit dem niedrigsten Budget ever. 1,5 Millionen. 1,5 Millionen. Es ist unglaublich. Und Rocky hat damals 1976 1,1 Millionen kostet. Ja, ja. Aber inflationsbereinigt ist es definitiv der Oscar-Gewinner mit dem niedrigsten Budget. Es ist unglaublich.
Johannes Franke: Die Bilder sind so gut. Und Brad Pitt war irgendwie mit beteiligt. Ja, Brad, genau. Der hat das irgendwie dafür gesorgt. Und dann ist mir eingefallen, ja, Brad Pitt hätte den auch komplett finanzieren können. Der hätte in seine Portokasse greifen können und sagen können, hier, habt ihr, macht den Film.
Florian Bayer: Von meinem letzten Film habe ich noch ein paar Spesen übrig. Genau. Irgendwie so. Das ist total krass. Genau, diese Filmgesellschaft, Moment. Jetzt muss ich einmal kurz auf den Namen gucken. Das ist irgendeine Zahl. Ha, sollte man wissen. Und man muss dazu sagen, wenn wir uns einen Tatort anschauen. A24. A24, die Distributionsfirma, meinst du? Genau. Die haben das zusammen mit der von Brad Pitt gekündeten Plan B Entertainment produziert. Ah, okay.
Johannes Franke: Wenn du dir einen Tatort anschaust im deutschen Fernsehen, die kosten 1, 2 Millionen pro Folge. Das ist krass, oder? Und dann halt die mal nebeneinander. Ja. Das ist krass, was die für das Geld rausgeholt haben. Also, die Kamera, Alexa gewesen. Dann haben die angefangen, wirklich auch nochmal viel Aufwand zu betreiben. Wie machen wir das Color Grading? Die haben drei verschiedene, weil es ja drei verschiedene Zeiten sind, haben die unterschiedliche Filmstocks emuliert. Also, Fuji im ersten, dann Aquafilm für den zweiten Teil und im dritten Teil dann den Kodak-Filmstock einmal emuliert. Also, für den Zuhörer, der das, oder die Zuhörerin, die das nicht so kennt, Filme waren früher ja analog und hatten irgendwie durch chemische Prozesse immer unterschiedliche Farben. Auch in den unterschiedlichen Zeiten. Also, in den 60ern sahen die Farben anders aus als in den 80ern, weil sie in den 80ern schon weiter fortgeschritten waren in der Entwicklung und besser die Farben wiedergeben konnten. Und diese verschiedenen Farben haben sie in den verschiedenen Teilen gegeben. Und das ist ein Aufwand. Du musst dir erstmal überlegen, was will ich denn überhaupt und wie sehen die Sachen aus? Dann musst du rumexperimentieren. Das ist alles Zeit für Personal, für Zeug. Da steckt Geld drin. Ja. Was dem Gesamtbudget wieder Geld wegnimmt. Und wie die das immer noch geschafft haben. Kein Tatort überlegt sich, ob wir da jetzt einen Fuji oder einen Kodak emulieren für völliger Blödsinn.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich beeindruckend, wie sie es dann auch schaffen mit diesem Colorgrading und mit dieser Kameraarbeiten, wirklich mit diesem Gedanken, auch für eine poetische Bildsprache, diesen Wechsel zwischen realistischen, naturalistischen Bildern und diesen poetischen Bildern quasi so flawless hinzukriegen. Du hast oft einen Wechsel in dem Film. Es gibt sehr viele Szenen, die sehr naturalistisch inszeniert sind. Auch manchmal so ein bisschen diese verhasste, etwas rumpelige Kamera, die so ein bisschen im Raum umherirrt.
Johannes Franke: Aber nie stört. Also, mich stört das schnell. Aber in diesem Fall überhaupt nicht. Also, zwischendurch ist es fast dokumentarisch, aber nie so schlimm, dass man irgendwie das Gefühl hat, oh Gott, mir wird schlecht im Kino.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, weil sie es dann halt aufbrechen mit diesen sehr langsamen Einstellungen, die sehr poetisch sind, sehr gesättigt auch von den Farben teilweise. Wo du wirklich merkst, dass was passiert, wo sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat über Farben, über Tonalität des Bildes. Richtig. Ganz spannend. Oft wird darauf referiert, dass ich, und der Regisseur hat es auch selbst gesagt, dass er sehr stark beeinflusst ist von Wong Kar-Wai, dem wir vor zwei Wochen begegnet sind. Der, da haben wir über 2046 gesprochen, den Johannes eher so semi-gut fand. Auch Slow-Paced-Cinema. Ich muss Johannes mal einen schnellen Film vorsetzen. Vielleicht. Barry Jenkins hat gesagt, dass er ein großer Wong Kar-Wai-Fan ist. Ja. Und ich finde, man sieht es den Bildern auch an. Also, diese Suche nach der Poesie in diesen Nahaufnahmen vor allem, in diesen Gesichtern, dieses Beobachten und dieses realistische, authentische Beobachten und trotzdem versuchen, mit diesem dokumentarischen Gedicht zu schreiben. Ja.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Insofern, also die Kameraführung hat einen sehr gut für Slow-Zeug entschädigt zwischendurch. Trotzdem wird einem manchmal doch ein bisschen, man schrammt manchmal, finde ich, an der Genervtheit vorbei, weil man irgendwie denkt, ja, komm jetzt, ja, ein bisschen was.
Florian Bayer: Wenn wir schon bei Tech sind, als kleiner Tech-Geek, willst du noch was zu den Transitions zwischen den einzelnen Episoden sagen?
Johannes Franke: Auch sehr schön. Ich habe es gar nicht mehr so genau im Kopf und ich ärgere mich darüber, dass ich da nicht so drauf geachtet habe. Ich habe es erst später gelesen, dass er es gemacht hat. Die haben den, es gibt ja diese Klappe und die ist inzwischen elektrisch. Das heißt, man schreibt nicht mehr auf eine Tafel drauf, Take 1, Szene 1, sondern man hat so rote Leuchtdioden, LEDs, die diesen Timecode einmal abspulen. Und dann hat immer der Typ, der die Klappe bedient, das direkt vor die Kamera gehalten und dann ist so ein unscharfes, rotes irgendwas entstanden. So ein Flackern, ne? So ein Flackern. Und das hat natürlich irgendwie, es ist ja eine Klappe, die dann immer einen Timecode hat, der weitergeht. Also könnte man reininterpretieren, oh, da vergeht gerade Zeit, weil der Timecode ja weitergeht. Also hat sich der Regisseur gedacht, okay, dann nehme ich doch mal dieses undurchsichtige, ich habe keine Ahnung, was das ist, Flackern und schneide mir das dazwischen, als es vergeht
Florian Bayer: Zeit. Zwischen die einzelnen Episoden, also zweimal im Film sehen wir dieses Flackern, tatsächlich wurde es vor die Kamera vor allem deswegen so nah gehalten, das wird normalerweise nicht gemacht, um die Kamera vor dem Öl zu schützen, mit dem die Haut der SchauspielerInnen eingesprüht wurde, damit sie so ein bisschen verschwitzter, glänzender wirken. Und um das zu verhindern, dass die Kamera davon was abkriegt, wurde diese Klappe so nah dran gehalten und Barry Jenkins hat das gesehen und gedacht, oh, das sieht geil aus. Und es ist schön, es passt tatsächlich, es ist natürlich so ein bisschen Kunstspielerei, es ist aber auch nicht sonderlich lang, es sind wirklich immer nur so ein paar Sekunden, man verpasst es, wenn man nicht drauf achtet, weil es ist eigentlich schwarz mit ein bisschen Lichtflackern dazwischen. Aber ich finde es eine süße technische Randnotiz. Ja, das ist wirklich süß.
Johannes Franke: Was übrigens mit dem Einsprühen dieser Körper ist, ich bin mir nicht ganz sicher, wie groß die Tragweite der ganzen Geschichte ist, weil es ist ja schon so, dass man, jetzt geht es ganz böse in die Tech-Richtung, Kamerahersteller haben es ganz lange nicht geschafft, schwarz oder braun ordentlich wiederzugeben, also eine Kamera so zu bauen, dass die Color Science, die da drin ist, ordentlich schwarze Hautfarbe wiedergeben kann. Krass, Kameratechnik ist rassistisch, historisch bedingt. Absolut. Und wenn du dir alte Fotos anschaust, alte Farbfotos und da sind schwarze Menschen drauf, sehen die echt nicht gut aus. Ganz oft. Ja. Weil dieser Farbton einfach nicht, da wurde kein Wert drauf gelegt, das ordentlich zu entwickeln und das ordentlich hinzukriegen. Und selbst im digitalen Zeitalter, als wir angefangen haben, digital zu drehen, war das immer noch ein Problem. Ja. Und es ist bis heute etwas, wo man etwas hinterherhängt. Und deswegen ist auch es wahnsinnig schwierig und du musst auch noch anders leuchten für schwarze Gesichter als für weiße, also weiß reflektiert viel mehr Licht als schwarz, damit hast du Schwierigkeiten in der Szene, wo gleichzeitig ein weißer und ein schwarzer Mensch vor der Kamera stehen, ordentlich zu beleuchten. Du musst das wirklich sehr aufwendig machen, dass das wirklich gut aussieht. Und was dieser Film natürlich umgeht, indem man nur schwarze Leute vor der Kamera hat. Was die meisten Filme in der Vergangenheit umgangen haben, indem sie nur weiße hatten. Ja. So.
Florian Bayer: Worauf wollte ich hinaus? Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Technik. Das ist total spannend, weil es ein gutes Bild dafür ist, wie selbst sowas wie Technik, die wir im Alltag benutzen, von Rassismen durchsetzt ist. Ja, total. Das ist ja auch das, was immer gerne gesagt wird, wie KIs funktionieren, zum Beispiel Suchmaschinen, die Gesichtserkennung machen. Vollkommen rassistisch. Total rassistisch. Und zwar, man muss den Leuten, den Silicon Valley Leuten, noch nicht mal Bösartigkeit dabei unterstellen, weil es ist einfach, wir haben, es hat sich einfach so entwickelt. Wir haben eine minorisierte Gruppe und dann wird nicht drüber nachgedacht. Genau dieselbe Geschichte wie mit Medikamenten, die total sexistisch entwickelt werden, weil nicht darauf geachtet wird, wie Frauen darauf reagieren können, weil einfach der weiße Mann als Default-Modus in der Gesellschaft angesehen wird. Ja, oder irgendwelche Crash-Test-Dummys.
Johannes Franke: Crash-Test-Dummys. Genau, Crash-Test-Dummys.
Florian Bayer: Genau dieselbe Geschichte. Wir haben einfach so eine Default-Vorstellung von Menschen, weiß, männlich. Das ist so zum Kotzen. Oh Gott, wollen wir wieder so eine, wir kotzen uns mal eine Ausfolge machen? Nein, es ist vor allem krass, weil halt wirklich, nochmal, wir haben hier den ersten Film, der mit einem All-Black-Cast einen Oscar gekriegt hat. Ja. Im Jahr 2017. Das ist unglaublich.
Johannes Franke: Es wird einem so, es wird einem so schlecht, wenn man da wirklich intensiver drüber nachdenkt. Und deswegen finde ich, ist der Film eben wahnsinnig wichtig und deswegen auch ein Must-See und so weiter und so fort. Aber erzählerisch mir manchmal einfach zu langsam, leider.
Florian Bayer: Um das nochmal aufzubrechen, er ist nicht deswegen ein Must-See. Es ist total geil. Also, bester Film, bestes Drehbuch, bester Nebendarsteller. Herr Schala Ali hat als bester Nebendarsteller im Oscar kriegt. Plus fünf weitere Nominierungen. Der erste LGBT-Film und der erste Film mit nur reinem schwarzen Cast, der bester Film gewonnen hat. Und das ist aber alles nicht ein Grund, diesen Film zu sehen. Ein Grund, diesen Film zu sehen, ist es wirklich, wirklich ein unglaublich gutes Porträt eines Menschen. Ja. Wie er groß wird in einer schwierigen Zeit als minorisierte Gruppe, in einer minorisierten Gruppe, ohne komischen Zeigefinger, ohne Oscar-Bate. Jetzt kommen wir schon zum Fazit. Wir schieben die Top 3 gleich hinterher. Aber erst nochmal, für mich tatsächlich einer der besten Filme der 2010er Jahre. Wow, okay. Also mindestens in der Top Ten, wenn nicht so gerne in der Top Five. Und zwar auch einfach, weil er mich wirklich emotional krass bewegt hat, ohne dass ich da irgendwie krasse autobiografische Anknüpfungspunkte hätte an das Thema. Einfach, er hat mich krass bewegt und ich finde, er sitzt in so vielen Szenen richtig gut. Er trifft den richtigen Ton und ist unglaublich menschlich die ganze Zeit. Und wie gesagt, ich kann es nur nochmal betonen, er hat für mich jeden Hype, der um ihn gemacht wurde, verdient. Und ich glaube, es ist einer der Filme aus den letzten zehn Jahren, aus den 2010er Jahren, der noch lange hoffentlich im kulturellen Gedächtnis bleiben wird und hoffentlich im kulturellen Gedächtnis noch ein bisschen wachsen wird und auf den 20 Jahren zurückgeblickt wird. Als eines der Meisterwerke, das das Jahrzehnt auch definiert hat.
Johannes Franke: Ja. Es gab einen Kritiker, der diesen Film vorgeworfen hat, dass er keine neuen Themen anpackt, sondern dass es eigentlich alles Sachen sind, die wir 2017 alles schon wissen. Und das hat mich darüber nachdenken gemacht, wie wichtig das ist, dass so ein Film neue Dinge erzählt. Und eigentlich braucht der Film das nicht. Der Film, also zwischendurch habe ich gedacht, ja doch, du musst mir irgendwie ganz tolle Sachen, du musst mir neue Zusammenhänge herstellen und so weiter. Oder wie ich das manchmal Filmen vorwerfe, dass sie neue Zusammenhänge herstellen. Aber der Film stellt die Themen einfach gut zusammen, die er hat, die sie einfach wichtig sind. Wie zum Beispiel Toxic Masculinity, die einfach in jeder, ob sie jetzt in einer minorisierten Gruppe ist oder in einer großen weißen Welt oder was auch immer. Du hast immer das Problem, immer noch an den 80ern besonders, das Problem, dass du als sensibler Mann Schwierigkeiten hast in einer übermaskulinen Gesellschaft. Und da groß zu werden und rauszufinden, wie tough muss ich sein? Wie empfindsam darf ich sein? Welchen Platz habe ich in einer Gesellschaft, wenn ich all das nicht bin? Das sind wahnsinnig schwierige und wichtige Themen und das macht der Film natürlich gut.
Florian Bayer: Ich finde es gut, dass er das schafft, diese Themen aufzugreifen, ohne zum Social Porn zu werden. Sondern dass er wirklich, eben weil er dieses Poetische, dieses fast schon Fabelhafte teilweise darin hat, dass er dadurch einfach eine unglaublich hoffnungsvolle Art mit sich rumträgt. Und zwar nicht so eine falsche Hoffnung, nicht eben diese kitschige Hollywood-Hoffnung. Sondern wirklich eine Hoffnung, die die Realität akzeptiert, die einfach authentisch ist und die sagt, versuch dich selbst zu finden. Und du kannst dich auch selbst finden und du kannst dich auch in diesem harten Rahmen und du kannst dich auch noch 20 Jahre später selbst finden. Aber gib nicht auf. Und das halt ohne diesen Hollywood-Überbau. Das alles klingt so ein bisschen nach Hollywood-Überbau. Und das finde ich macht der Film auch wirklich neu. Weil wenn so eine Geschichte erzählt wird, gibt es so oft so einen spezifischen Hollywood-Ton. Und weil wenn du diese independent Tragödien, Dramen hast, dann sind das halt meistens Tragödien. Wo es eben nicht diesen Optimismus gibt, nicht diese Hoffnung gibt. Und ich finde es toll, dass es dieser Film schafft, authentisch zu bleiben und trotzdem diese Hoffnung mit zu transportieren.
Johannes Franke: Du hast am Anfang Boyhood mit reingebracht. Ich musste natürlich sofort an Boyhood denken. Boyhood nimmt dann wirklich einen Schauspieler, der über 10 Jahre, wie viel, 12 Jahre, 13 Jahre ihn verfolgt. Und das wirklich zeigt, diese Entwicklung, was das Plus dieses Films ist. Und der ist ja auch relativ langsam erzählt. Da finde ich das, da hat dieser Kniff, dass ich mache wirklich über 13 Jahre diesen Film, irgendwie den Film mitgetragen und das gut geschafft. Der hier ist natürlich ein bisschen schwerer zu ertragen, weil die Situationen manchmal wirklich sehr schwierig sind.
Florian Bayer: Ich finde, er ist fast so eine Art Kontrastprogramm zu Boyhood. Und ich liebe beide Filme. Witzigerweise ist Boyhood wahrscheinlich auch in meiner Top Ten, was 2010er-Filme betrifft. Er ist in vielen Dingen ein Kontrastprogramm, weil er eben ganz viel auslässt, was Boyhood erzählt. Weil Boyhood halt wirklich von Jahr zu Jahr springt. Weil er seine Poesie aus etwas anderem schöpft. Er schöpft seine Poesie aus dem bisschen Hoffnung, das da ist. Und bleibt aber länger in der harten Realität, während Boyhood sehr viel Poesie über den Alltag drüber stülpt. Das ist so, Boyhood ist vielleicht der eskapistischere Film.
Johannes Franke: Ja, und Boyhood ist auch der weißere Film.
Florian Bayer: Das auf jeden Fall auch.
Johannes Franke: Das ist halt, Boyhood hat fast, hat keinen einzigen schwarzen, also es gibt diesen einen Ausländer, der da irgendwie dann von den Weißen geholfen wird. Der Mexikaner, oder? Ja, der sein Restaurant hat. Insofern ist Boyhood natürlich aus einer ganz anderen Ecke erzählt. Und einem ganz anderen Erlebnishorizont und so.
Florian Bayer: Ich glaube, Moonlight ist tatsächlich ein guter Kontrast dazu. Man muss die beiden Filme nicht gegeneinander ausspielen. Also ich will sie auch nicht gegeneinander ausspielen. Sollte man nicht, nein. Obwohl es leicht wäre, das zu tun. Das wäre total leicht zu tun. Man könnte diesen Film als Anlass nehmen, um über Boyhood zu lästern. Ja, genau. Weil er eben so ein Kontrastprogramm ist mit dem niedrigen Budget und nicht mit diesem Größenwahn.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und pointierter und gesellschaftlich mit Sicherheit auch irgendwie relevanter. Ja, ja. Politisch relevanter.
Johannes Franke: Politisch auf jeden Fall relevanter, ja. Ja, man muss so ein bisschen dem, bei mir kribbelt es gerade so, Boyhood zu piksen.
Florian Bayer: Das kann man mit diesem Film machen, total gut.
Johannes Franke: Aber nur, weil der Kontrast so stark ist. Weil natürlich Moonlight so viel mehr zu sagen hat, was politische Entwicklung und was Problemfelder und Milieu und so weiter betrifft. Dagegen wirkt halt Boyhood wie so ein La La Land, in dem alles schicky und fein ist und man halt irgendwie durch ein paar komische Adoleszenz-Sachen muss.
Florian Bayer: Obwohl du diesen Filmtitel gerade erwähnt hast. La La Land ist wahrscheinlich der weißeste Film der 2010er Jahre. Aber ich habe ihn gemocht. Oh, mit La La Land hatte ich ja so meine Probleme. Ah, ich mochte ihn. Das war ein Oscar-Bate-Film. Ja, ja, aber ich habe ihn gern gesehen. Und 2016. Und? Oscar-Verleihung 2017. Ja, genau. Da gab es ja so eine Geschichte, ne?
Johannes Franke: Willst du sie erzählen? Da haben sie eigentlich, es gab dieses Durcheinander zwischen den Umschlägen, wo die Gewinner drinstehen. Und leider hatten sie La La Land zum Gewinner erklärt. Faye Dunaway hat zufällig den falschen Umschlag aufgemacht.
Florian Bayer: Ach, und dann war halt, aber eigentlich hätte Moonlight gewinnen sollen. Und sie haben es ja sogar noch gesagt, La La Land und die sind sogar auf die Bühne gestürmt.
Johannes Franke: Ja, genau. Und sie hatten alle Spaß und haben sich gefreut. Und dann hieß es, sorry, einmal kurz zurück, falscher Umschlag. Ich habe neulich wieder so einen kleinen Entschuldigungsbrief von der Academy gelesen, wo sie gesagt haben, wir sind alle so froh, dass ihr so entspannt reagiert habt und dass ihr keinen großen Aufstand gemacht habt. Es tut uns wahnsinnig leid, dass es diese Verwirrung gab.
Florian Bayer: Das ist ja auch schrecklich, überleg dir das mal. Du stehst, du gehst auf die Bühne, du freust dich total über den Oscar. Ja, und dann heißt es, nö, ihr wart's doch nicht. Ach, scheiße, Mann. Das war. Und einmal ganz kurz gucken. Ja, es war Jimmy Kimmel. Der musste dann noch extra sagen, das ist kein Witz jetzt. Wir müssen hier, ey, ich weiß, ich mache sonst immer Witze über sowas, aber das ist kein Witz. Hier ist ein Fehler passiert. Lass uns nochmal kurz zurückspulen. Können wir das rausschneiden? Live, shit. Ja, furchtbar. Ach Gott. Und tatsächlich hat mich das gefreut, weil ich habe beide Filme halt gesehen und ich bin kein großer La La Land Fan. Also es ist für mich eher so, also für mich ist tatsächlich La La Land einer der überhalbtesten Filme der 2010er Jahre. Und es hat mich so gefreut, weil ich hatte befürchtet, dass der den Oscar gewinnt.
Johannes Franke: Natürlich ist Moonlight der relevantere Film. Das ist völlig, steht außer Frage. Das ist auch der bessere Film für mich einfach.
Florian Bayer: Ja, nee, eigentlich nicht, aber. Also Moonlight hat mich auch unterhalten, ist so ein komisches Wort, aber hat mich mehr mitgenommen als La La Land. Emotional mitgenommen? Ja, ja, ja. Bewegt.
Johannes Franke: Vielleicht, vielleicht, vielleicht das, ja.
Florian Bayer: Wenn wir sagen, von etwas bewegt zu werden oder tangiert zu werden, ist das Wichtigste, was ein Kunstwerk schaffen sollte. Da war Moonlight für mich auf jeden Fall in vielen Punkten erfolgreich.
Johannes Franke: Ist es das Wichtigste, was ein Kunstwerk machen sollte, dich zu tangieren?
Florian Bayer: Naja, für dich ist ja das Wichtigste, dass das Kunstwerk dir genau erklärt, was es dir sagen will. Weil wenn es nach Johannes geht, können Kunstwerke reden und Kunstwerke brauchen eine Gebrauchsanleitung. Wenn es nach Blur geht, dann darf kein Kunstwerk auch nur irgendwie preisgeben, worum es geht und was es will. Und ein Kunstwerk will ja nichts. Wenn es nach, nee, genau. Wenn es nach Johannes geht, hat nicht nur ein Kunstwerk eine Persönlichkeit, sondern der Künstler ist als Künstler in dieses Kunstwerk eingeschrieben.
Johannes Franke: Wenn es nach Blur geht, wird der Künstler sofort enteignet und das Kunstwerk gehört niemandem mehr außer der Gesellschaft, die alles machen kann. Zinge! Unsere, äh, Top 3. So, Zoke, unser Top 3, Floor. Ja, Top 3. Wo waren wir? Du hast sehr unvorsichtigerweise gesagt, es geht in unserer Top 3 um Filme, wo der Mond eine Rolle spielt? Ja. Was sind das für eine Top 3? Ich habe sechs Filme gefunden. Was? Was sind sechs Filme? Ich habe nicht alle davon gesehen. Nicht mal das. Ich habe zwei Filme, nein, ich habe einen von denen gesehen, die ich hier aufgeschrieben habe. Ich wette mit dir, wenn du drüber nachdenkst, müsstest du eigentlich einen Top 3 hinkriegen. Ich weiß nicht, ich habe nicht genug gefunden, Floor. Und das ist das erste Mal, wir haben 58 Episoden geschafft, in der wir immer eine Top 3 hatten, die einigermaßen konsistent war. Und ich habe bei diesem Thema, was du vorgeschlagen hast, Floor, nicht genug gefunden.
Florian Bayer: Also ich fand es tatsächlich auch schwer, um das dazu zu sagen. Und ich wollte nicht das Obvious nehmen, ich wollte nicht Homosexualität im Film nehmen, weil ich dachte irgendwie, wir hatten vor kurzem erst minorisierte Gruppen. Und zwar letzte Woche, als wir über City Lights gesprochen haben, haben wir über Filme, die sich um Minoritäten im Mittelpunkt haben, haben wir darüber geredet. Und ich glaube, da hatte ich sogar Moonlight mit drin, kann das sein? Das kann sein, ja. Und du hast ihn zumindest erwähnt. Ich glaube, ich hatte ihn sogar auf Platz 1, wenn ich mich richtig erinnere. Ich weiß es nicht mehr genau. Nachdem ich ihn jetzt wieder gesehen habe, würde ich ihn auf Platz 1 packen. Floor, wie weißt du das nicht mehr? Es ist letzte Woche gewesen. Und deswegen dachte ich, hey, Mond, nimm mir einfach was, was so allgemein wie möglich ist, weil Mond kommt irgendwie immer mal wieder ein Film vor. Ja. Und dann habe ich festgestellt, shit, ich hatte eigentlich die Hoffnung, so drei poetische Dramen, die alle irgendwie im Mondlichtspielen zu finden und ich habe nichts gefunden. Nein, es gibt einfach nichts in der Richtung. Meine Mondliste ist komplett merkwürdig, wenn man daran denkt, dass ich sie zu dem Film Moonlight gemacht habe, weil keiner dieser Filme kann irgendwie mit Moonlight auch nur, also es ist einfach eine andere Richtung. Und anderes Genre.
Johannes Franke: Aber dann sag doch einfach mal, was du hast. Also, nein, ich mache eine Top 3. Ich mache eine Top 3. Yes. Und es macht überhaupt keinen Sinn. Auf Platz 3 ist bei mir Alice in Wonderland, weil sich die Katze in einem Mond verwandelt.
Florian Bayer: Perfekt, genau sowas wollte ich. Siehst du, da habe ich nicht daran gedacht. Welche Alice in Wonderland?
Johannes Franke: Die Comic-Verfilmung von Disney. Gut, ich habe schon befürchtet, du bist Tim Burton. Nein, nicht Tim Burton. Gut. Obwohl ich Tim Burtons Verfilmung besser finde als du. Aber so richtig gut ist er vielleicht auch nicht. Okay, genau. Hat das genug mit Mond zu tun dann in deiner... Das ist vollkommen okay. Super Platz 3. Mach mal weiter. Da kann ich jeden Film nehmen, wo ein Mond vorkommt oder was? Naja, wenn der Mond eine kleine Rolle spielt oder eine zentrale Rolle. Auf Platz 2 wäre bei mir dann Trip to the Moon. Ja, den habe ich auch. Der ist mein Platz 3. Platz 3. Nicht weiter nach vorne? Nee, ich wollte ihn nicht nach vorne. Hallo, der ist so gut. Du hast ihn auch nicht auf der 1. Nein, aber nur, weil mein Platz 1 für Bekloppter ist. Ich bin voll gespannt. Also Trip to the Moon von Die Reise zum Mond. Die Reise zum Mond von Lumière. Ah, verdammt. Nein, nicht von Lumière.
Florian Bayer: Sondern von Méliès. Méliès. Méliès. Genau. Georges Méliès aus dem Jahre 1902. Ach, schöner Film.
Johannes Franke: Wirklich ganz toller Film. Lohnt sich zu sehen. 1902, lasst euch nicht vom Jahr abschrecken. Es ist einfach wirklich ein großartiger Film. Und auf Platz 1, wir machen das jetzt mal irgendwie, einfach jeder macht seine Liste. Ja. Auf Platz 1 habe ich die Übertragung der Mondlandung im Fernsehen. Fantastisch. Total gut.
Florian Bayer: So. Das hast du jetzt davon. Nein, ich bin total glücklich damit. Du beschwerst dich und bringst die beste Top 3 seit 5 Episoden.
Johannes Franke: Oh, Flora.
Florian Bayer: Wir gehen jetzt gleich prügeln. Das gibt es ja wohl nicht. Wir sind heute in Prügellaune, stelle ich fest. Oh Gott. Wir werden gleich nochmal unsere Männlichkeitsideale aufs Parkett legen. Ich wirf meine Katze auf dich. None|Ja. Die wird das erledigen. Das sind unsere Männlichkeitsideale. Johannes wirft seine Katze auf mich und ich schnippe mit Papierkügel schon. None|Ja. Oh Mann. Ich habe zwei Honorable Mentions. Ja. Und zwar Honorable Mentions, weil ich beide nicht gesehen habe und die jetzt auf meiner Masseelliste stehen. Auf die bin ich während der Recherche gestoßen. Es gibt einen Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1929. Frau im Mond. Ah ja, stimmt. 161 Minuten restaurierte Fassung. Habe ich nie gesehen. Es geht um eine Mondexpedition und um Ganoven und um ein großes Raumschiff und Schießereien und Abenteuer und Fantasy. Und ich will ihn unbedingt sehen. Vielleicht packe ich den einfach mal auf die Liste, um mein Filmwissen wieder aufzufrischen.
Johannes Franke: Ich habe den tatsächlich auch nicht gesehen, aber natürlich existiert er. Habe ich irgendwie in dieser Liste von Fritz Lang Filmen, wo ich auch mal hingucken wollte.
Florian Bayer: Einer der letzten deutschen Stummfilme, wahrscheinlich der letzte große deutsche Stummfilm. Wie gesagt, drei Stunden lang, 1929.
Johannes Franke: Ja. Klingt super. Wobei der Tonfilm schon da war, ne? Also dann hat Fritz Lang im Grunde ja auch so einen Risikofilm gemacht.
Florian Bayer: Ja, so ein konservativer, vermeintlicher Risikofilmer, der sich einfach nicht an das Neue gewöhnen will, wie dieser olle Charlie Chaplin.
Johannes Franke: Der hat sich ja dann noch gefangen.
Florian Bayer: Platz zwei, harter Kontrast, habe ich auch noch nicht gesehen, steht jetzt auch auf meiner absoluten To-Sea-Liste. Nude on the Moon. Ein Science-Fiction-Fantasy-Nudist-Film aus dem Jahr 1961. Der sieht so trashig aus. Das ist so. Also auf dem Plakat dazu sieht man eine nackte Frau, deren Hintern wunderschön zu der Schrift, wo Nude on the Moon steht, angeordnet ist. Und im Hintergrund schweben noch zwei nackte Figuren zum Mond. Das ist so pin-up-mäßig, ne? Genau, so pin-up-mäßig. Und es gab einfach mal eine Zeit, als Nacktheit im Film so langsam, langsam populärer wurde, aber man noch nicht so genau wusste, wie man die erzählen soll. Ja, und deswegen ist alles trashig gewesen, was mit Nacktheit war. Und deswegen gab es in der Zeit auch ein eigenes Genre, und zwar Nudistenfilme. Und die Filme wurden in Nudistencamps gedreht und hatten irgendwie so ein vages Thema, meistens irgendwie Natur, also es gibt Garden of Eden von 1954, der in Paradies spielt natürlich. Und der Nude on the Moon hat offensichtlich einen draufgesetzt, weil er eben nicht im Nudistencamp spielt, sondern versucht hat, so ein Science-Fiction-Set aufzubauen. Muss ich unbedingt sehen, und ich muss auch mehr von diesen Nudistenfilmen sehen. Es gibt eine ganze Liste von Filmen, die ich quasi, die ich jetzt quasi gefunden habe, die ich mir alle anschauen muss.
Johannes Franke: Vielleicht muss ich deine Freundin wieder anrufen und sagen, dass du in einem Rabbit Hole verschwinden wirst, was sie nicht mögen wird. Das befürchte ich.
Florian Bayer: Oh Mann, Karin, es tut mir leid. Aber tatsächlich, also Nudistenfilme, ich habe keinen einzigen Nudistenfilm in meinem Leben gesehen, sind offensichtlich a big thing in den 50er und 60er Jahren, als Nacktheit noch nicht so im Film angekommen war. Ich sehe es jetzt schon kommen.
Johannes Franke: Wenn diese Folge rauskommt in fünf oder sechs Wochen, wirst du auf dem Blog mussmansehen.de schon eine riesige Liste, die besten Nudistenfilme der 60er, 70er und 80er Jahre.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich 70er und 80er, dann war es halt vorbei, weil sie dann irgendwann angefangen haben, Sex mainstream-tauglich zu machen. Dann gab es ja irgendwie Ende der 60er und Anfang der 70er die ersten großen Pornos. Dem ganzen Thema haben wir auch mal eine Episode gewinnt. Stimmt, ja. Da haben wir den Porno von Andy Warhol geguckt. Oh Gott. Blue Movie, Johannes war auch nicht so begeistert davon. Nein, nein, nein, viel zu wenig Sex für das, wie es beworben wurde. Immer wenn ich in die Filmgeschichte eintauchen will mit Johannes, geht das komplett schief. Ich weiß nicht, woran es liegt. Es liegt daran, dass du die beschissensten Genres rausholst. Mann, Klassiker, es geht hier um klassische Filmerlebnisse. Wir haben gesagt, den Szenen der ersten Horizontalte. Außer Atem. Mach mir nicht Godard schlecht.
Johannes Franke: Mach mir nicht Godard schlecht. Wirst mir nie wieder Godard anschleppen. Platz drei.
Florian Bayer: Platz drei. Und zwar einfach, weil es gibt noch einen zweiten Méliès-Mondfilm, der heißt L'Eclipse du Soleil en plein Lune. Die Sonnenfinsternis bei Vollmond. Und es geht einfach darum, dass ein Wissenschaftler mit seinen Schülern sich den Mond betrachtet. Und dann sehen wir den Mond zu einer Sonnenfinsternis. Und der Mond und die Sonne schieben sich übereinander. Und die haben natürlich, wie es bei Méliès üblich war, Gesichter. Und von vielen interpretiert als Sexszene. Geil. Also etwas brüde, etwas verklemmte Sexszene aus dem Jahr 1907. Zehn Minuten. Okay. Es ist eigentlich kein Teil, weil dieser Film ist nicht so fantastisch und nicht so wundervoll wie die Reise zum Mond. Aber wenn euch die Reise zum Mond gefallen hat, schaut euch diesen Film an. Zehn Minuten, die nicht verschwendet sind. Ja. Vor allem, weil es eben Méliès-typisch sehr schöne Sets hat. Ja. Ein paar lustige Momente, wenn der Professor mit seinen Schülern redet und die ihn veralbern. Ganz toll koloriert. Gibt es den koloriert? Natürlich. Ich habe ihn nur schwarz-weiß gesehen. Wirklich? Es gibt den koloriert. Oh, ich muss den koloriert nochmal sehen. Okay, sehr schön. Großartig. Und wahrscheinlich gar nicht so weit weg von Newt on the Moon, weil damals auch irgendwie Sex auf eben, wie man es 1907 gemacht hat, etwas verklemmt dargestellt wurde. Als Mond und Sonne schieben sich übereinander und zwinkern sich dabei zu. Okay. Okay, das war mein Platz drei. Und jetzt kommen, jetzt, woran denkt man natürlich als Filmfan, wenn man Mond hört? An Wehrwölfe. Ja, stimmt. Oh Gott.
Johannes Franke: Aber ich habe nur Schrott gefunden im Internet, was Wehrwölfe betrifft.
Florian Bayer: Ähm, ich würde den amerikanischen Werwolf in London, beziehungsweise American Werewolf, hieß er im Deutschen, American Werewolf in London im Original aus dem Jahr in der Zeit 81 empfehlen. Der wirklich ein sehr schöner Horrorfilm ist mit vielen Comedy-Momenten von niemand geringerem als John Landis, der unter anderem Blues Brothers gemacht hat. Aha, der Typ. Und, äh, ja, der viel unterwegs war in den 80ern. Die Glücksritter hat er noch gemacht, viele Komödien, Kentucky Fried Movie und American Werewolf ist für seine Verhältnisse relativ unwitzig. Also hat zwar auch humoristische Momente, aber ist eben auch ein 80er Jahre Horrorfilm. Hm. Keiner der blutigen Sorte, sondern eher so einer, der auf gut dosierte Schreckmomente setzt. Macht Spaß, kann man empfehlen.
Johannes Franke: Mir macht gerade Sorgen ein kleines bisschen, dass ich nach 58 Episoden immer noch derjenige bin, der immer wieder sagt, ach, der Typ. Und manchmal dabei lügt.
Florian Bayer: Es gibt ja so eine Liste von Filmen, die Menschen vorgeben, gesehen zu haben, ohne sie gesehen zu haben. Ja. Und auf Platz 1 steht der Pate. Ach, wie geil. Johannes, hast du den Paten gesehen? Jetzt habe ich tatsächlich alle drei. Natürlich hast du das. Natürlich. Ich hätte jetzt sagen müssen, alle fünf. Nach dem fünften Paten haben wir ja theoretisch, nee, das war ja der fünfte, das ist Gott sei Dank. Naja. Heute schwelten wir in Erinnerung, ne? Oh, klar. Vor ein paar Wochen hatten wir die Episode mit The Irishman. Oh, ja. Ach Gott, langer Film, aber er hat sich echt gelohnt. Ja, da waren wir auch beide relativ einer Meinung. Ja, ja. Was nicht so oft vorkommt, offensichtlich. Heute prügeln wir uns fast. Platz 1. Platz 1. Science Fiction. Science Fiction. Neuerer Science Fiction Film. Moon aus dem Jahre 2009 von Duncan Jones. Duncan Donuts.
Johannes Franke: Entschuldigung.
Florian Bayer: Please. Wer ist Duncan Jones? Duncan Jones ist, Source Code war aber auch nicht so viel bekannter als Moon, glaube ich. Nee. In Moon spielt Sam Rockwell einen Astronauten, der auf dem Mond ist und da auf einer Forschungsstation arbeitet und sich darauf freut, dass er in ein paar Wochen nach Hause zurück kann. Und dann hat er einen Unfall auf dem Mond und findet sich selbst. Also nochmal ein zweiter Protagonist, der genauso aussieht wie er. Ich dachte, das wäre so ein Selbstfindungsding. Und so ein bisschen älter aussieht und der bringt ihn dann in diese Forschungsstation und dann versuchen sie zu zweit herauszufinden, was hier los ist. Okay. Weil sie beide davon ausgehen, dass sie die Person sind, dass sie das Original sind, der, das auf dieser Forschungsstation arbeitet. Klingt sehr gut. Irgendwie sehr guter Mystery-Science-Fiction-Film mit einem sehr schönen, also schon ein bisschen Gimmickfilm, mit einer sehr schönen Aufklärung und absolut plausibel in sich. Sam Rockwell als Astronaut und Kevin Spacey als Stimme der KI, die das Schiff, die die Raumstation steuert. Und eine KI, die allerdings nicht so eine 2001 bedrohliche KI ist, sondern wirklich eine sympathische KI. Wie heißt der? Moon. Einfach nur Moon? Moon. Okay, gut. Habe ich mal aufgeschrieben. Ding muss ich gucken. Ja, wird dir auch gefallen, denke ich. Da passiert auch was. Die Protagonisten handeln und es gibt Action.
Johannes Franke: Wuhu.
Florian Bayer: Endlich. Danke, Flur. Ja, das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Das war unsere... Unsere Top 3. Zurück zur Prügelei. Nein, ich finde den Film gut, aber streckenweise will ich auch, dass was passiert. Also es ist immer unser altes Thema, Flur. Das ist unser altes Thema. Immer wieder haben wir das Problem, dass du Filme vorschlägst, wo nichts passiert.
Florian Bayer: Wie ich zu meinem Kind sagen würde, du findest ihn nur gut. Ich bin nicht böse. Ich bin enttäuscht. Aber auch nur ein wenig.
Johannes Franke: Nein, er hat dir ja offensichtlich was gegeben. Ja, natürlich. Er spricht wahnsinnig viele gute und wichtige Themen an, die mich auch zum Nachdenken bringen. Ist aber einer der Filme, an die ich mehr rankomme, wenn ich danach darüber lese. Das ist wie bei, ähm, I'm thinking of ending things. Wenn der, also ich gucke mir den an und denke mir, what the fuck? Und dann gucke ich danach bei Wikipedia nach und denke dann, wow, ist das der genialste Film aller Zeiten. Und, aber dann merke ich, nein, du hast ihn geguckt und währenddessen wusstest du nichts. Es ist so, wir brauchen mehr Gebrauchsanweisungen für Filme. Ich finde, man kann mal so eine Liste rausgeben an Filmen, wo man vorher ganz viele Spoiler anschauen sollte. None|Ah, schwierig. Bei keinem unserer Filme. Ich mache das immer so, dass ich wirklich ganz unvoreingenommenen Filmen gucke, damit ich nicht vorher weiß, ne, so, so wie man Filme gucken sollte eigentlich. Aber dann im Zuge dessen stelle ich fest, nein, es gibt Filme, bei denen man vorher die Gebrauchsanweisung braucht.
Florian Bayer: Ich kann da nicht so viel drüber lästern, weil ich bin ja auch jemand, wenn ich zum Beispiel in eine Oper gehe oder in ein Theaterstück, vor allem wenn ich weiß, dass es eine moderne Inszenierung ist, dann schaue ich mir vorher wirklich den Grundplot an, um zu wissen, was da passiert. Was aber natürlich auch daran liegt, dass moderne oder postmoderne Interpretationen von klassischen Theaterstücken oft so zerfranzt sind, dass sie voraussetzen, dass das Publikum das Original kennt und sagt, ah, da wurde das und das gemacht. Das ist eine Anspielung hierher. Und Opern sind einfach so von der Inszenierung, dass ich aussteige, wenn ich nicht weiß, worum es geht, weil ich zwischen dem italienischen Gesang mit deutschen Übertiteln einfach nicht zurechtkomme und dann einfach die wesentlichen Plottelemente verpasse. Deswegen mache ich das im Theater, in der Oper mache ich es. Und ja, ich gehe, Schock, ich stimme dir tatsächlich zu, dass es Filme gibt, bei denen es sinnvoll ist, wenn man mit einem gewissen Vorwissen reingeht. Das ist total schwierig, weil ich finde zum Beispiel bei einem Thinking of Ending Things, wenn man weiß, wie die Romanvorlage ist und wie man weiß, wie die gängigen Interpretationen sind, raubt man sich so einigen schönen, interessanten Aha-Momenten in diesem Film. Echt? Ja. Das heißt, beim zweiten Mal gucken, fandest du es nicht mehr so gut? Nee, das stimmt. Das fand ich, doch. Also ich fand ihn beim zweiten Mal, ich weiß nicht. Nee, das ist es auch nicht. Das ist ein gutes Argument. Das ist ein fieses Argument. Ich mag es tatsächlich, in Filmen überrascht zu werden. Und ich bin tatsächlich ein Fan von Plot-Twists und ich bin tatsächlich auch jemand, der bei spezifischen Genres Angst vor Spoilern hat. Also zum Beispiel, es gibt so diesen extremen Anti-Spoiler-Fetig, vor allem bei den aktuellen Marvel-Filmen, wo bloß nichts verraten werden darf. Da ist es mir vollkommen egal. Ich kann ruhig wissen, wie die Story vom neuen Spider-Man ist, bevor ich ihn gesehen habe. Das ändert nichts. Aber wenn ich einen guten Mystery-Film sehe, wo ich weiß, der hat auch was Rätselhaftes, dann will ich nicht die Lösung des Rätsels. Und wenn ich einen surrealen Film sehe, wo ich weiß, es gibt zehn verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, dann will ich nicht die gängigste Interpretationsmöglichkeit wissen, weil ich mich dann meiner eigenen Interpretation beraube. Aber das ist es. Ein Thinking of Ending Things habe ich gesehen und hatte die Möglichkeit, meine eigene Interpretation zu entwickeln und die dann nochmal abzugleichen mit dem, was ich über das Buch gelesen habe. Aber ja, es gibt die Filme bestimmt. Ein Thinking of Ending Things würde ich da nicht reinpacken. Ja, naja, gut, okay. Persona zum Beispiel, finde ich, ist ein Film, wo man durchaus ein bisschen was sich anlesen kann. Gar nicht so sehr über den Plot, sondern einmal so über die Motive, die drinnen aufploppen. Ja, aber der war guckbar ohne. Also das fand ich schon, also. Wir suchen nochmal kurz nach einem Film, wo es tatsächlich cool ist, wenn man vorher die, wenn man vorher was drüber gelesen hat. Lass uns kurz bei dem Gedanken verweilen, weil ich finde die Frage interessant.
Johannes Franke: Weil die Filme, die wir, also ich muss dazu sagen, dass du derjenige bist, der mich mit langsamen Filmen konfrontiert, sonst passiert es kaum. Weil ich einfach von mir aus keine sehr langsam erzählten Filme gucke, kaum. Ist das eine gute oder eine schlechte Sache? Du bist auf jeden Fall horizonterweiternd. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich immer noch nicht. Aber, weil, wenn mir jetzt der Spiegel zum Beispiel von Tarkowski einfällt, dann weiß ich nicht, ob man da vorher eine Gebrauchsanweisung braucht. Man braucht zumindest die Warnung, du wirst hier einem Film begegnen, wo viel dir überlassen wird. Das wäre bei I'm Thinking of Ending Things das Minimum an Vorwissen, was ich gerne hätte, dass man mir sagt, du wirst einfach so Realität erleben und du kannst viel ruminterpretieren und lass dich nicht frustrieren davon, dass du nichts verstehst.
Florian Bayer: Also wie so ein Parental Advisory, nur so ein Cultural Advisory quasi. Ja, irgendwie sowas. Weiß nicht. Ich suche gerade nach einem Film, wo ich sagen würde, ja, da ist gut vorher was gewusst zu haben über den Film. Und ich bin gerade, ich scroll tatsächlich durch unseren Podcast gerade. Also zum, das ist aber blöd, das zählt ja nicht. Zum Beispiel, wenn man so einen Film wie Yesterday guckt, ist es gut, wenn man ein bisschen was über die Beatles weiß.
Johannes Franke: Ja, wenn du die Beatles überhaupt kennst und weißt, was für einen kulturellen Impact die hatten. Das ist, aber das zählt nicht. Das zählt nicht.
Florian Bayer: Und wenn man, oh, das ist ein gutes Beispiel. I'm Not There, diese Bob Dylan-Verfilmung. Es ist wirklich hilfreich, vorher ungefähr zu wissen, wie seine Stationen waren. Weil im Film werden einem die nicht wirklich gut erzählt. Und im Film gibt es ja auch keinen Bob Dylan, sondern nur diese fiktiven Charaktere, die an ihn angelehnt sind. Und wenn man vor I'm Not There weiß, dieser Film befasst sich mit der Diskografie von Dylan und es geht um die Schaffensphase und die Schaffensphase, dann macht der Film, glaube ich, mehr Spaß. Meinst du?
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Da bin ich mir nicht so sicher. Bei I'm Not There habe ich tatsächlich irgendwann den Laptop auf den Schuss genommen, nochmal schnell gegoogelt, was war da nochmal los. Tatsächlich einmal, um zu verstehen, wo wir gerade sind und welcher Zeit wir sind. Weil ich das Gefühl hatte, es ist mir jetzt wichtig, das zu wissen.
Johannes Franke: Ja, aber ich glaube, das befriedigt ein anderes Bedürfnis, als den Film zu verstehen. Es geht dir dann eher darum, die kulturellen Zusammenhänge zu verstehen.
Florian Bayer: Interessantes Thema. Dem könnte man mal eine ganze Episode widmen. Einfach der Diskussion, wie viel muss man vorher von einem Film wissen, wenn man reingeht? Wie viel trägt das dazu bei, den Film zu genießen? Und wie viel macht es das kaputt? Ja.
Johannes Franke: Ach fuck, es ist vielleicht auch eine philosophische Frage, die auch sehr individuell ist. Ja. Weil jeder das anders braucht. Du willst vielleicht, ich will wenigstens darauf vorbereitet sein, Rätselraten vor mir zu haben.
Florian Bayer: Dann mache ich das ab sofort. Wenn ich dir einen Film vorgebe, wo ich sage, ist es gut, wenn du vorher das gelesen hast und das, dann gebe ich dir das. Okay.
Johannes Franke: Okay, aber dann kann ich nicht mehr so gut auf dich einschlagen.
Florian Bayer: Verdammt. Das ist ja auch ein Akt der Selbstverteidigung, was ich hier mache. Wenn schon meine Lieblingsfilme wirklich zerrissen werden, also das ist, wir machen da Witze drüber, aber warum läuft Herr R. Amok gehört zu meinen liebsten deutschen Filmen und dass Johannes den so niedergemacht hat, das hat mich wirklich getroffen.
Johannes Franke: Ja, ja und mich macht es betroffen, dass dich das betroffen macht. Das ist schon, ich muss darüber nachdenken, ob mein Bild von dir stimmt, das sich über die Jahre entwickelt habe. Ich habe abends im Bett gelegen und geweint. Okay, dann stimmt das wieder mit meinem Bildwein. Alles in Ordnung.
Florian Bayer: Wir haben schon genug gefaselt. Wir haben genug gefaselt. Vielen Dank, Flo, für diesen Film. Vielen Dank, Johannes, dass du ihn geschaut hast und schön, dass er dir was gegeben hat.
Johannes Franke: Vielen Dank für dieses tolle Gespräch inklusive Streitereien und Prügeleien. Ich finde es immer sehr bereichernd. Ich hoffe, ihr findet es auch so bereichernd und ich hoffe, ihr seid so drin, dass ihr ab und zu mal das Gefühl habt, ich habe da diesen Film gesehen, den muss ich unbedingt den beiden aufgeben. Dann könnt ihr uns nämlich eine Mail schreiben.
Florian Bayer: Ja, schreibt uns bitte. Wir brauchen ein bisschen Abwechslung zu den Filmen, die wir uns gegenseitig vorwerfen, weil von mir kommt halt nichts anderes als Kunstkacke und von Johannes kommt halt nichts anderes als Musicals aus den 50ern. Oder Chaplin. Ja, schickt uns Filme. Wir freuen uns sehr darüber, wenn wir neue Filminspirationen kriegen. Auch obskures, auch schräges, auch unbekanntes. Also auf so ein unbekanntes Juwel zu stoßen, wie zum Beispiel Don't Mess with the Sohan ist immer toll. Gebt uns eure Filme. Das war unsere erste Leserinnen-Einsendung, unser erster Filmwunsch, den wir hatten vor sehr langer Zeit, der uns ein kleines bisschen verstört.
Johannes Franke: Aber lassen wir uns verstören. Schickt uns was. In diesem Sinne eine wunderschöne Woche euch. Bleibt gesund und Diablor auch eine schöne Woche. Vielen Dank dir auch.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was Johannes für mich nächste Woche hat, bleibt noch kurz dran. Bis dann. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, Plor, wir haben noch was aufzugeben. Hausaufgaben.
Florian Bayer: Wunden lecken und einen Film von Johannes abholen. Was kann es Schöneres geben?
Johannes Franke: Ja, Wunden lecken, das wird noch eine Weile dauern bei dir. Es tut mir leid. Was gibt's denn? Was gibt's denn? Salz auf meine Wunder? Es gibt, naja, ich stoße tief in das Horn, das sich Johannesfilm nennt. Oha. Und zwar, oh Gott, wie heißt das eigentlich im Deutschen? Die Übersetzung weiß ich nicht genau. Murder by Death. Äh, ah, Moment, ja. Das ist dieser, kennst du, hast du den gesehen? Eine Leiche zum Dessert? Ah, das könnte sein, dass er das, dass er so hieß.
Florian Bayer: Es klingelt vage in meiner Erinnerung und, aber, ja, eine Leiche zum Dessert. Ich will dich gar nicht so sehr darauf vorbereiten auf dem Film. Ich weiß, dass es eine Komödie war und irgendwie so, irgendwie, irgendwie, irgendwie Krimi, also Detektiv und Miss Marple in Aber Schräg. Genau, so ein bisschen so die, die, die Persiflage vielleicht darauf. Okay, sehr cool. Ich freue mich drauf, weil es ist wirklich, es ist so, es gibt eine vage Erinnerung daran. Ja. Ähm, aber eine sehr vage Erinnerung. Deswegen, äh, total cool. Ich bin gespannt.
Johannes Franke: Und es ist kein Film, der jetzt irgendwie gerade erst, also kein Moderner, kein Knives Out oder sowas, sondern wirklich aus den, ich weiß gar nicht genau. 70ern. 70ern, ja. Genau. 1976, spannend. Sehr schön. Ich freue mich. Ja, cool. Bis dann. Bis dann. Tschüss. Ciao. Viel Spaß.
