Episode 59: Murder by Death
Murder by Death aus dem Jahr 1976 ist eine Abrechnung: Mit Agatha Christie, mit Dashiell Hammett und mit Earl Derr Biggers – aber auch einfach allgemein mit dem “who done it”-Film, also mit Filmen in denen es darum geht einen Mord zu klären und wir mitraten dürfen wer es war.
Fünf berühmte Detektive treffen in einem alten Herrenhaus aufeinander und sollen einen Mord der erst noch geschehen soll untersuchen und den Mörder finden um ihre Ehre als beste Ermittler der Welt zu verteidigen. Dabei sind die fünf Figuren echten Romanfiguren nachempfunden.
Der Drehbuchautor schaut mit einem bösen aber auch einem liebenden Auge auf seine Detective-Abziehbilder, die alle Klischees bedienen dürfen und leider auch die rassistischen, sexistischen und homophoben Klischees, zwar auf die Schippe nehmen, aber eben auch affirmieren.
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Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 59: Murder by Death Publishing Date: 2022-02-16T18:03:23+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/02/16/episode-59-murder-by-death/
Johannes Franke: Plur, darf ich dir was verraten? Das Mikro läuft schon und wir müssen die Leute begrüßen.
Florian Bayer: Man kommt auch zu gar nicht. Ich war gerade noch dabei einen Löffel zu holen.
Johannes Franke: Ich summe furchtbar leid. Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen. Ihr kommt genau richtig. Wollt ihr auch Tee? Wir haben immer einen schwarzen Tee zum Film dazu. Ich hoffe, ihr trinkt schwarzen Tee, sonst könnt ihr gleich aufhören mit zuhören. Also das lohnt sich jetzt nicht. Also wenn, dann schwarzen Tee. Und zwar die Friesenmischung von Bünding. Darf man Werbung machen? Wir dürfen Werbung machen, oder? Sonst ist das wurscht.
Florian Bayer: Ich bin noch in der Vorbereitung.
Johannes Franke: Okay, okay. Plur ist noch nicht so weit. Plur ist noch nicht so weit. Plur braucht noch einen Moment.
Florian Bayer: Man kann den Leuten ja nochmal sagen, was wir hier überhaupt machen und warum wir eigentlich haben.
Johannes Franke: Ah ja, genau. So, hoch verehrtes Publikum. Herzlich willkommen hier bei uns beim Muss-man-sehen-Podcast, wo wir den jeweils anderen... Plur hustet kurz schnell ab. Wo wir dem anderen jeweils einen Film aufgeben, den wir selbst mögen im Idealfall. Und ich stelle gerade fest, dass ich zweimal die gleiche Spur habe. Ich gehe mal ganz kurz raus hier wieder. Und jetzt sind wir richtig da. Plur, sag mal was. Bist du jetzt ordentlich zu hören?
Florian Bayer: Wir hatten eine Testaufnahme. Einmal mit Profis arbeiten. Also wo waren wir genau? Wir stellen Filme vor. Wir geben jeweils dem anderen jede Woche eine Hausaufgabe auf, einen Film, über den wir dann nach dieser Woche diskutieren. Und uns manchmal streiten, uns manchmal zustimmen, zunicken. Was bei einem Podcast besonders sinnvoll ist. Sich gegenseitig zuzunicken. Ganz großartig. Und wir hoffen, dass ihr im besten Falle, genauso wie wir, dabei euren filmischen Horizont, den wir nicht erweitert, neue Filme kennenlernt, alte Filme neu kennenlernt. Und einfach mit uns unsere Freude am Film als Medium teilt. Ja, also so elaboriert haben wir noch nie darüber geredet, was wir eigentlich tun, Plur.
Johannes Franke: Ja, vor allem dafür, dass ich eigentlich noch gar keinen Bock habe, aufzunehmen und noch in der Vorbereitung bin. Plur ist gerade erst angekommen, hat sich hingesetzt und hat gesagt, los, machen, wir legen los. Ich fand, gerade klang ich ein bisschen wie Hermine Cranger.
Florian Bayer: Weil? Weil ich immer noch in der Vorbereitung bin. Harry, du kannst das nicht tun.
Johannes Franke: Plur, tut mir ganz furchtbar leid, aber deine Noten waren in der Schule nicht gut genug, um sich mit Hermine Cranger zu vergleichen.
Florian Bayer: Das ist leider wahr. Ich habe aber am Samstag mit meinem Sohn zum ersten Mal Harry Potter geguckt. Oh, wow. Echt? Den ersten Teil? Ja, wir haben den ja schon vor einem halben Jahr oder so gelesen. Und jetzt war es mal an der Zeit, dass er ihn auch guckt. Und er fand ihn unterhaltsam, glaube ich.
Johannes Franke: Er hat ihm ziemlich viel Spaß gemacht. Das heißt, du hast es gelassen, ihn genau in dem Alter sein zu lassen wie Harry? Harry, weil dein Sohn ist jünger. Ja, das macht ja auch keinen Sinn. Also die meisten... Das war meine Vorstellung davon. Wenn ich irgendwann ein Kind hätte und dann habe ich festgestellt, ich werde nie ein Kind haben. Aber das war so meine Vorstellung.
Florian Bayer: Also ich finde ja, Kinderbücher haben es meistens so, dass die ProtagonistInnen etwas älter sind als das avisierte LeserInnenpublikum. Damit man sich ein bisschen hochzieht dran und nicht irgendwie... Ja, ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber wenn ich so drüber gucke, ist es meistens so die... Nicht die 17-Jährigen lesen Hunger Games, sondern eher die 14-Jährigen. Ja, okay, verstehe. Und nicht die 10-Jährigen lesen Harry Potter, sondern eher die 8-Jährigen.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Also ich glaube, es gibt so einen gewissen Altersgap zwischen ProtagonistInnen und LeserInnen.
Johannes Franke: Okay. Ich werde einfach nachher mal Joanne Kerr Rowling anrufen und nachfragen, was sie sich so gedacht hat. Okay. Ja, dann aber lass uns doch mal so ein bisschen in unsere Episode einsteigen. Ja, genau. Du hast mir diese Woche einen Film als Hausaufgabe aufgegeben. Was war's denn? Ja, und zwar Murder by Death. Der deutsche Titel, eine Leiche zum Dessert, glaube ich. Ja. Und aus dem Jahre 1976. Ja, Regie-Debüt von Robert Moore. Ja. Und ich bin jedes Mal beeindruckt, dass man als Debutant, also als Regie-Debüt solche großen Filme machen darf. Also weil er hat einen Haufen krasse Leute dafür bekommen und Geld.
Florian Bayer: Ja, ja, hat er. Und was für Leute er dafür gekriegt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also das ist ziemlich krass. Einfach einmal kurz Namen aus dem Cast vorstu lesen, der sich wirklich liest, wie das Who is Who von berühmten Schauspielern. Aus dieser Zeit. Plus noch so ein paar Gastauftritte. Also wir haben Peter Fork, wir haben Alec Guinness, wir haben Peter Sellers, wir haben Maggie Smith, wo wir gerade bei Harry Potter waren. Ja. Wir haben Truman Capote in einem beeindruckenden Cameo-Auftritt. Oh Gott. Also es ist wirklich krass stark besetzt, das Ding. Ja. Und du hast bestimmt einen kleinen Text für uns und liest uns einmal eine kleine Einleitung vor und dann starten wir in die Diskussion über diesen Film.
Johannes Franke: Damit wir wissen, worum es geht. Murder by Death ist eine Abrechnung. Mit Agatha Christie, mit Dan Sheeal Hammett und mit Earl Der Biggers. Aber auch einfach allgemein mit dem Whodunit Film. Also mit Filmen, in denen es darum geht, einen Mord aufzuklären und wir dürfen mitraten, wer es war. Fünf berühmte Detektive treffen in einem alten Herrenhaus aufeinander und sollen einen Mord, der erst noch geschehen soll, untersuchen und den Mörder finden, um ihre Ehre als beste Ermittler der Welt zu verteidigen. Dabei sind die fünf Figuren echten Romanfiguren nachempfunden. Der Drehbuchautor schaut mit einem bösen, aber auch mit einem liebenden Auge auf seine Detective-Abziehbilder, die alle Klischees bedienen dürfen. Und leider auch wirklich alle Klischees inklusive der rassistischen, sexistischen und homophoben Klischees, die er zwar auf die Schippe nehmen, aber auch affimieren darf.
Florian Bayer: Wie siehst du das, Plur? Definitiv affimieren auch. Also es ist ja so dieses berühmte Ding, wenn du dich über Klischees lustig machst, gibt es immer das Problem, dass du die Klischees reproduzierst. Das ist was, wo Satire, auch gerade heute Satire, die dezidiert antirassistisch, antisexistisch ist, immer zu kämpfen hat, dass wenn sie Klischees versucht, irgendwie zu dekonstruieren, gibt es immer ein Stück Reproduktion in diesen Klischees. Und manchen klingt das besser und manchen weniger. In diesem Film ist es aber eben nicht nur das. Es werden nicht einfach nur, die Klischees werden eben halt nicht nur dekonstruiert, sondern auch reproduziert. Insbesondere natürlich ganz krass in der Figur des Sidney Wang, der von Peter Sellers gespielt wird. Der einfach mal, also auch nicht indirekt, sondern das ist einfach direkt ein rassistisches Zerrbild von einem Chinesen. Inklusive Yellowfacing, gespielt von Peter Sellers, der nicht zum ersten Mal durch sowas auffällt. Peter Sellers hat auch eine Blackfacing-Historie. Ja, obwohl Peter Sellers sonst ein toller Typ ist. Er ist ein super Schauspieler, aber das ist einfach mal krass. Wir haben hier plain old racism direkt auf die Zuschauer drauf geworfen. Und wir haben in diesem Film natürlich auch Sexismus. Ja, wir haben in diesem Film klassisch-heteronormative Bilder und wir haben viel, viel, viel Reproduktion von Klischees, die teilweise echt krass sind. Ja.
Johannes Franke: Lass uns mal, lass uns gleich mal, also wir müssen über den Rassismus natürlich einmal ein bisschen länger reden. Lass uns das mal tatsächlich gleich als erstes aus dem Weg räumen, damit wir dann ein bisschen entspannter über den Rest reden können. Weil dieser Rassismus hat natürlich auch eine andere Seite. Es ist nicht nur so, dass Peter Sellers Yellowface betreibt. Diese Figuren sind ja alle tatsächlich existierenden Figuren aus Romanen und aus Verfilmungen nachempfunden. Und in diesem Fall ist es Charlie Chan.
Florian Bayer: Von Earl Derbiggas. Natürlich eine chinesische Figur erfunden von einem amerikanischen Schriftsteller.
Johannes Franke: Was an sich schon ein, vielleicht ein Problem sein könnte. Vor allem, wenn man auf die Verfilmungen guckt, wo diese Figur auch von amerikanischen Schauspielern gespielt wurde.
Florian Bayer: Yellowfacing war einfach ein ganz normales Ding. Vor allem in den 50er und 60ern. Ich glaube, in den 70ern wurde man mittlerweile so ein bisschen sensibler dafür. Aber ja, es war einfach, das war die Art, wie die Amerikaner Filme gemacht haben. Und die Figur war ja auch nicht nur, es geht nicht nur darum, dass die Figur von amerikanischen Darstellern gespielt wurde, sondern dass diese Figur auch ein Abziehbild war. Das war halt so ein Chinese, der mit immer mit so einem weisen Blick herumgelaufen ist und immer ein paar Weisheiten so in der Tasche hatte. Fortune Cookies. Genau, Fortune Cookies hat er halt ständig erzählt. Und wie dieser Gelehrte gesagt hat, ich sage jetzt nicht die Namen, weil dann bekamen die auch so chinesische Klischee-Namen, wo halt viele ähm und ung und so drin sind. Ich meine, jeder, wir wissen, dass sich das bis in unsere Zeit gehalten hat. Wir als Kinder sind auch groß geworden mit Chang-Ching-Chong-Witzen und ähnlichem.
Johannes Franke: Ja, aber lass uns mal einen kleinen geschichtlichen Abriss draus machen. Aber wirklich nur einen kleinen, weil dafür weiß ich nicht genug. Aber diese Figur, das Original, worauf sich dieser Film bezieht, war ja eigentlich schon für damalige Verhältnisse ein Fortschritt. Ja, das stimmt. Weil damals Chinesen oft als dumm und nicht arbeitswillig und so weiter dargestellt wurden. Also der ganz schlimme, tiefe, rassistische Begriff ins Klo. Und damit war eigentlich er als Detektiv, als Chinesischer, der durchaus intelligente Gedanken geäußert hat und Fälle aufgelöst hat, eigentlich ein Fortschritt. Eigentlich der Versuch, dem Ganzen etwas entgegenzusetzen. Ist dabei natürlich seiner Zeit entsprechend so eher so auf der Hälfte der Strecke stehen geblieben und hat diese Figur immer noch unvollständige englische Sätze sagen lassen. So kann kein ordentliches Englisch und solche Sachen. Also du hast immer noch ein paar Tropes drin. Aber immerhin, er ist ein intelligenter, fallaufklärender Mensch. Schon mal was.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich spannend, weil sich in dieser Figur natürlich so ein Rollenwechsel der chinesischen Stereotype andeutet, der sich durchs ganze 20. Jahrhundert gezogen hat. Mittlerweile gibt es ja diesen Begriff der Model Minority, mit dem die Asiaten in den USA oft bezeichnet werden. Und zwar auch ganz stark, um eben rassistische Stereotype zu verstärken, dass gesagt wird, hey, schaut euch doch mal an, wie die Asiaten das machen. Die sind alle voll klug, die sind, die arbeiten im Computerbusiness, die sind die super Programmierer, die können natürlich alle total gut Mathe und Schwarz. Ja, natürlich. Und schaut euch mal an, ey, ihr Latinos und ihr Schwarzen, warum könnt ihr das nicht? Schaut euch das doch mal an. Das Spannende ist natürlich, dass das nicht immer so war, sondern es gab ganz lange im 20. Jahrhundert ein ganz krasses Bild, wo die ganzen Klischees, die heute von Rassisten auf Schwarze geworfen werden und auf Latinos, auf Asiaten saßen. Das heißt, ganz krass war, also klassische Klischees waren, die Asiaten sind alle glücksspielsüchtig. Die Asiaten sind alle drogenabhängig. Und die sind deswegen auch alle dumm im Kopf. Das ist ganz spannend. Es gab tatsächlich dieses Bild vom dummen Asiaten. Und das war natürlich auch ein Klischees, was auch in Filmen reproduziert wurde. Und es hat dann eher so, und das hing natürlich zusammen mit der US-Außenpolitik, mit Korea und Vietnam und so. Es gab die Feindbilder und dann natürlich die chinesischen Kommunisten. Also irgendwie alles logisch herleitbar. Und die Japaner, die im Zweiten Weltkrieg Feinde waren. Und dann hat aber Mitte des 20. Jahrhunderts dieser Shift stattgefunden. Das hing zum Beispiel unter anderem damit zusammen, dass das Japan zum wichtigen Verbündeten der USA wurde im pazifischen Raum. Und das ist ganz interessant, weil es halt eben auch zeigt, wie wandelbar rassistische Klischees sind. Und es hat ein halbes Jahrhundert gereicht, um aus dummen, drogenabhängigen, glücksspielsüchtigen Trotteln Vorzeigeminoritäten zu machen, die voll gut in Mathe sind und viel cleverer als wir und viel fleißiger und viel arbeitswilliger. Und das ist so ein Schritt dahin. Also man sieht, wir sind quasi auf so einer Zwischenstufe, als die alten Klischees noch da waren und diese neuen Klischees aber dazu kamen, weil es natürlich auch Klischees sind.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Also auch nichts Hilfreiches am Ende. Aber zumindest ein Wandel, der irgendwo hinführt. Am Ende zumindest bei uns. Wir sind vielleicht auch eine Zwischenstufe, hoffe ich, groß. Ich hoffe sehr stark, dass wir auch die Zwischenstufe sind, auf die wir irgendwann zurückblicken und sagen, ja gut, okay, gib uns noch Zeit. Das wird schon. Liebe Menschen der Zukunft, wir wissen es nicht besser. Es tut uns schrecklich leid. Ja. Das heißt aber, was dieser Film wiederum macht, ist, sich darüber zu beschweren und zu mokieren, was diese Filme gemacht haben mit der Figur. Nämlich, dass es ein Amerikaner gespielt hat, der sich nicht mal richtig viel Mühe gegeben hat. Die haben ja keine kulturelle Mühe sich gegeben, die Schauspieler, sondern die haben sich unvollständige englische Sätze genommen und ansonsten, also nicht viel, da war nicht viel drin, die haben einen Bart bekommen.
Florian Bayer: Und sie haben auf Artikel verzichtet, worüber sich der Film auch sehr, sehr ausgiebig
Johannes Franke: lustig macht. Genau. Das heißt, dieser Film reproduziert nicht nur die Klischees, sondern er bezieht sich schon auch auf welche. Er macht sich schon auch darüber lustig, dass das eben so gemacht wird, wie es gemacht wird. Das heißt, der Film hat im Grunde schon hehre Ziele damit, reproduziert aber auch sehr stark. Und das ist halt das Problem. Er reproduziert nicht nur so auf einem Minimal-Level, was man vielleicht nicht vermeiden kann, sondern einfach wirklich massiv.
Florian Bayer: Er macht sich halt, das Problem ist, er macht sich nicht mit der Figur zusammen über ihre Darstellung lustig, sondern er macht sich über die Figur lustig. Und es gäbe Möglichkeiten, sich mit der Figur über ihre Darstellung lustig zu machen. Interessant ist, dass er das tatsächlich so ein bisschen bricht, indem er diese zweite Figur ihr an die Seite stellt. Und zwar hat dieser, ähm, der adoptierte Sohn, hat einen adoptierten Sohn, und zwar einen Japaner. Und er stellt ihn auch immer vor. May introduce Japanese Son.
Johannes Franke: Adopted Son. Adopted Son. Ganz wichtig. Adopted Son. Immer wieder. Er kommt immer wieder drauf zurück. Es ist ein Adopted Son. Und zwar ist es der dritte. Und dieser, ähm, japanische Sohn, der spricht sauberes Englisch. Sauberes Englisch, ja. Und er ist tatsächlich auch ein, ähm, ich glaube, aber er ist Chinese. Er ist nicht, äh, Japaner. Ich glaube, der Darsteller. Also der Schauspieler. Also, ich weiß nicht, er ist ein Amerikaner, aber eben chinesisch
Florian Bayer: stimmig, glaube ich. Und in dieser Figur wird das Gleiche natürlich ein bisschen gebrochen, weil wir haben hier halt einfach ein potenziell zweites Abziehbild. Und der gehört zu den wenigen Figuren in diesem Setup voller irrer, bekloppter Figuren, die relativ vernünftig agieren und relativ normal agieren und sich nicht wie der letzte Depp aufführen. Ja. Das, das macht das, macht das schon ein bisschen wett. Aber trotzdem bleibt halt der Fakt bestehen, dass der Film sich die ganze Zeit über die Figur lustig macht. Und es gäbe Möglichkeiten, sich mit der Figur über die Klischees lustig zu machen. Genau. Und der Film, der macht das an anderen Stellen nämlich auch. Mit anderen Figuren schafft er das, dass die Figuren sich über diese Klischees lustig machen. Ähm. Und dann fragt man sich, warum machst du es
Johannes Franke: nicht bei der Figur? Ich weiß nicht genau, ob es vielleicht einfach nur Unvermögen ist, weil es ein bisschen plump, also ich habe oft das Gefühl, dass die, dass der Wille da ist, ist, dass der Gedanke dahinter zu sehen ist, aber dass die Ausführung einfach nicht funktioniert, dass sie es irgendwie nicht hinkriegen bei der Figur. Dieser, dieser, es gibt ja eine Szene, wo er seinen Fortune Cookie, wieder seinen, seinen Satz da loswerden will. Jemand hat dann ans Auto geklopft, ähm, das Detektivpärchen und bevor er seinen Fortune Cookie loswerden kann, Mushroom-like und so weiter, fährt der Sohn los. Ja. Hey, ich habe meine Story nicht zu Ende erzählen können. Das ist ein Ansatz, wo ich sehe, aha, eigentlich will er an der und der Stelle irgendwas machen, aber es gelingt ihm einfach nicht. Er kriegt
Florian Bayer: nicht die richtigen. Das ist auch so ein zahlhafter Ansatz. Ja, genau. Das Problem ist, die meisten Witze, die mit dieser Figur gemacht werden, ist, dass die Leute, insbesondere der Hausherr, der von Truman Capote gespielt wird, immer wieder sich drüber aufregen, dass er keine, dass er keine Artikel benutzt. Weil, das ist das klassische Klischee natürlich auch, dieses, dieser Verzicht auf Artikel. Hot in house, so ungefähr. Ja, ja. Das, also, und das ist eigentlich der meiste Humor, der aus dieser Figur gezogen wird. Und das ist natürlich ein bisschen zu wenig, um zu sagen, hier werden sich, hier wird sich über Klischees lustig gemacht.
Johannes Franke: Das ist halt das Problem. Und es kommt leider noch dazu. Und ich glaube, wir hätten ein bisschen mehr davon sehen können, wenn es nicht Truman Capote gewesen wäre. Ja, ganz ehrlich, ich finde den echt nicht gut.
Florian Bayer: Truman Capote ist einfach mal kein Schauspieler. Und er hat alles versemmelt, was man eigentlich
Johannes Franke: da hätte haben können. Die Figur hätte wirklich gut sein können. Aber leider, das war halt auch alles, das sind alles Freunde. Ich verstehe das auch, dass man das irgendwie in einer Clique irgendwie dann machen möchte und dass man irgendwie Lust hat, so ein Icon, was er ja damals war, schon irgendwie auftauchen zu lassen. Dass alle sagen, oh, Truman Capote jetzt, also auch vor der Kamera. Wahnsinn. Uh. Weil er war einfach unglaublich bekannt und beliebt. Ja. Truman Capote spielt sich auch eigentlich selbst in diesem Film.
Florian Bayer: Ja. Er ist der exzentrische, bunt angezogene Typ, der so extravagant ist. Ja. Und der, der immer so ein bisschen herablassend über die anderen Leute redet. Das ist seine Rolle. Und was man, was ich nun ein bisschen weiß aus Truman Capotes öffentlichem Leben. Ja. Das in dieser Zeit sehr exzessiv war. Mhm. War der tatsächlich so. Der hat halt die wilden Partys gefeiert und hat die High Society eingeladen. Mhm. Und ist dann aufgetreten wie der König dieser Welt, weil er war einfach mal ein großer Autor. Und der hatte auch ein bisschen Recht dazu. Ich meine, Truman Capote hat in mehrerer Hinsicht die amerikanische Literatur geprägt und revolutioniert. Absolut. Also Autor von Breakfast at Tiffany's. Autor von, wofür ich ihn vor allem schätze, kaltblütig. Die eigentlich der erste Roman, der es geschafft hat, wirklich so was, so Fiktion und Dokumentation so zu kombinieren, dass es unglaublich mitreißend und spannend ist. Und zugleich man etwas über die Welt lernt und über die Menschen. Also in Cold Blood größte Literaturempfehlung. Lest euch dieses Buch durch. Es ist fantastisch. Es ist eines der besten amerikanischen Bücher, die je geschrieben wurden.
Johannes Franke: Wow. Okay. Ich habe es nicht gelesen. Gut. Das Ganze sehen wir dann in unserem anderen Podcast. Muss man lesen. Muss man lesen. Ja, Flo, den ganzen allein aufmachen. Ich bin nicht so der große Leser, muss ich sagen. Ich habe zwar ganz viele Bücher bei mir stehen und zwar gleich im Flur, wenn man reinkommt, damit ich das Thema einmal abgehackt habe, wenn jemand zu mir kommt. Ja, ich habe Bücher.
Florian Bayer: Du liest aber gerne. Genau. Ich habe ja so ein riesiges Bücherregal, aber Bücher in den Regalen sind auch meistens so ein bildungsbürgerlicher Spleen. Ja, absolut. Dass man sich ein Regal von mit Büchern stellt und da stehen viele Bücher, die ich nie gelesen habe. Ja. Und ich habe ganz viele Bücher gelesen, die da nicht drin stehen, weil ich halt irgendwie die alten Ausgaben von Schiller, von meinem Vater geerbt habe. Ja, ganz genau das ist es bei mir auch. Und ja, man greift jetzt nicht mal so oft nach Schiller, weil man eine nette Lektüre zum Bett gehen haben will. Nein. Und das sage ich als ehemaliger Literaturwissenschaftsstudent.
Johannes Franke: Tja. Ja, früher hieß es kein Sex für Leute, wo man nicht sofort sehen kann, dass sie zu Hause Bücher haben, wenn man bei denen zu Hause landet. Das war so das Anfang 20 Klischee.
Florian Bayer: Das habe ich Gott sei Dank nicht gemacht. Sonst wäre mein Sexleben deutlich trauriger gewesen. None|Oh nein. Wo waren wir? Wir waren mal Figuren. Wir können ja einfach mal bei den Figuren weitermachen. Wir haben diesen Wang, wir haben den jetzt abgehakt. Der Wang ist eine Veralberung von rassistischen Klischees, aber er ist auch ein wandelndes rassistisches Klischee. Angelehnt an diesen Charlie Chan, an diese Figur des chinesischen Ermittlers. Und das ist auch tatsächlich der erste Ermittler, dem wir im Film begegnen. Es gibt aber noch weitere. Und Gott sei Dank, ich kannte diesen Charlie Chan tatsächlich nicht. Nein, ich kannte ihn auch nicht. Das ist keine Figur, mit der ich mich auskenne, aber es gibt andere Figuren, mit denen ich mich auskenne, wo ich die Vorlage kenne. Und das ist der... Moment, Moment. Das sind mal die Unbekannten als erstes machen. Und dann kommen wir in die Großen. Dann sag mal was zu den Charlestons.
Johannes Franke: Ich weiß nichts über die Charlestons. Ich weiß auch nicht über die Charlestons. Und ich schäme mich ein bisschen dafür, weil ich herausgefunden habe, dass es halt eine große Sache war in den 30er, 40er Jahren. Haben die das irgendwie... Gab es da Filme von? Das war halt ein Ehepaar, das ein Crime löst. Film Noir, weiß ich nicht genau. Vielleicht in die Richtung so ein bisschen. Auf jeden Fall ein berühmtes Ehepaar, das
Florian Bayer: das so Sachen gelöst hat. Nick and Joe, Nora Charles heißen die... heißt die Vorlage. Das sind die beiden Figuren in der Vorlage und die werden in diesem Film parodiert durch die Figuren Dick und Nora Charleston. Können wir einmal kurz darauf hinweisen, wie genial dieser Film mit den Namen spielt, die er benutzt?
Johannes Franke: Es ist so obvious alles. Es ist unglaublich. Es wird nur mal so zwei Buchstaben getauscht oder sowas. Es ist sehr süß. Der wollte wirklich... Also ich habe ein kleines Interview mit dem Autoren gesehen. Der wollte wirklich, dass es einfach von vornherein klar ist und dass allen sofort klar ist, wer wer ist und wer das darstellen soll und so. Und es ist auch klar, wenn man die kennt.
Florian Bayer: Es ist bei denen, die ich kannte, war es sofort klar. Also Nick und Nora Charles sind von Dashiell Hammett erfunden. Und in den 30ern, in den 30ern hat das schon angefangen. Der Dünne Mann ist wohl der berühmteste Film mit ihnen. Und das ist zumindest ein Name,
Johannes Franke: der mir auch irgendwie präsent ist. Die heißen alle irgendwie mit The Thin Man. Der Dünne Mann gehört zurück. Der Dünne Mann auf dem Gipfel. Der Dünne Mann das und das. Also es sind alles so Filme, die auf diesem Titel beruhen. Damit man sie auch sofort wieder erkennt und weiß, ah ja, der neue Dünne Mann ist raus. Und die sind ein verheiratetes Ehepaar, das Kriminalfälle löst. Und die sind halt so ein Bickering-Ding, wie das damals bei den ganzen Screwball-Komödien so war. Die haben sich ständig in den Haaren und sowas.
Florian Bayer: Und ihr Hauptmerkmal, also oft haben Figuren ja so ein Hauptmerkmal, ist vor allem die Eleganz, wenn ich das richtig verstanden habe. Die sind immer gut gekleidet, immer adrett gekleidet, immer darum bemüht, sich elaboriert zu verhalten.
Johannes Franke: Ja, die Kette ist sehr wichtig. Vor allem ist es ein kleines bisschen die Langeweile der Upper Class, muss man sagen. Und ich weiß nicht, wie beabsichtigt das ist oder wie viel Sehnsuchtsräume das aufmachen soll oder wie viel lustig es sich darüber machen soll. Aber es ist tatsächlich ein Ehepaar, das aus Langeweile, weil sie einfach alles haben, Fälle löst. Ist schon ein bisschen seltsam.
Florian Bayer: Aber was ja tatsächlich auch durchaus ein beliebtes Trope ist, so in diesem Kriminal-Genre, die Detektive, die es eigentlich nicht nötig haben, die aber Spaß daran haben zu ermitteln. Also ganz berühmt ist ja zum Beispiel, also Miss Marple, zu der wir gleich kommen, ist halt auch eine Seniorin, die nichts Besseres zu tun hat, als Kriminalromane zu lesen und Kriminalfälle zu lösen. Aber dann gibt es ja auch zum Beispiel noch, wenn wir in die Zukunft gehen, ich glaube 70er Jahre Fernsehen, Tony Curtis und Roger Moore, die zusammen als, Moment, ich muss einmal ganz kurz gucken. In Deutschland hieß es die zwei, The Persuators war der Name. Und das waren auch einfach zwei schottische, adlige Millionäre, die auch irgendwie so Playboys waren und die auch nichts Besseres zu tun hatten mit ihrer Zeit, als dann halt irgendwann Kriminalfälle zu lösen. 1970, 1971 lief diese Serie. Meine Mutter hat die unglaublich gerne geguckt, daher habe ich die noch in Erinnerung. Offensichtlich gibt es nur eine Staffel davon, was ich total krass finde gerade. Ich dachte, das wäre ein riesiges Ding. Aber es war eine sehr britische Serie auch. Und genau, da ging es um dasselbe. Zwei reiche Playboys, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, also lösen sie Kriminalfälle zusammen. Das sind auch ein bisschen die Wurzeln
Johannes Franke: von James Bond, oder? Der ist ja auch so ein Gentleman, der so immer mit einem Martini-Glas in der Hand alles löst. Aber James Bond ist natürlich ein Profi. Der ist ja beim Geheimdienst
Florian Bayer: angestellt. Secret Service. Das ist nochmal ein anderes Paschur. Und wo wir bei Dashiell Hammett sind, die zweite Figur von Dashiell Hammett, die vorkommt, die kenne ich nämlich. Ach, die kennst du? Natürlich. Achso, natürlich von dem Bogart gespielt hat. Genau, also die zweite große Figur, die von Dashiell Hammett vorkommt, ist Sam Spade. In diesem Fall
Johannes Franke: verkörpert durch Sam Diamond. Ja, keine große Überraschung. Kleines Wortspiel und das war's. Peter Falk macht den. Ja. Und ich muss sagen, das ist meine absolute Lieblingsfigur. Wirklich. Ich hab so eine Hochachtung vor Peter Falk, der hat das richtig, richtig gut gemacht. Ich konnte, muss ich ganz ehrlich sagen, mit Peter Falk vorher nicht viel anfangen. Der war immer Columbo und wird das irgendwie wahrscheinlich auch immer sein. Und ein bisschen was von Columbo ist auch in der Figur gelandet. Aber er spielt den Bogart so gut. Ich find's wahnsinnig beeindruckend. Und er hat so geile Texte bekommen. Und er darf das so geil spielen. Ja. Es ist wirklich toll. Und die Figur wird auch ganz viel, ganz toll gebrochen. Und es ist fast durchweg, bis auf ein paar homophobe Einsprenkel, ähm, find ich die Figur großartig.
Florian Bayer: Ja. Also, ganz kurz Sam Spade. Dieser Sam Spade, genauso wie dieser Sam Diamond, ist der komplette Gegenentwurf zu dem, äh, zu dem Paar, was wir gerade eben haben. Wir haben jetzt hier mit einem raubeinigen Detektiven zu tun, der im Dreck wühlt, um seine Kriminalfälle zu lösen. Das ist, das ist wirklich eigentlich das Abziehbild eines Film-Nordetektiven, der halt in seiner, in seinem Büro sitzt, das ziemlich, ziemlich heruntergekommen ist, der immer eine Flasche Whisky auf dem Tisch stehen hat, der immer mit einer Femme Fatale konfrontiert ist. Und der jeden beleidigt, der reinkommt und ein Falllöse gelöst haben wird. Der jeden beleidigt, der reinkommt und der vor allem nicht gut auf Frauen zu sprechen ist, weil die Filme und, und die Geschichten um diese, um diese, ähm, Hardboiled Detektive, wie sie auch genannt werden, meistens davon handeln, dass eine Frau, die Femme Fatale ist und sie am Schluss verarscht. Die werden eigentlich ständig von Frauen verarscht. Und dementsprechend, äh, ist es natürlich auch die Figur, in der wir am, am stärksten diesen Sexismus am Werk haben. Ja. Dieser Typ hasst Frauen. Er hat eine Sekretärin dabei, die, ähm, tatsächlich Tess Scaffington und die, die nochmal hervorgehoben werden muss, weil die Schauspielerin, die das spielt, ist so großartig. Und zwar ist das, ähm, Aileen Brennan. Wir kennen sie aus der Clue. Das Ding. Da spielt sie die Freundin von, ähm, von? Da spielt sie Billie, die Freundin von Paul Newman. Der, der, der, ja, untergekommen ist, also der Clue ist ein Film, wo zwei, ähm, kleinen Kriminelle, einen großen Kriminellen, äh, übers Ohr hauen. Hört euch die Episode an. Und Paul Newman spielt einen Charakter, der, ähm, ständig auf der Flucht vom FBI ist und der dann bei einer Freundin untertaucht und die wird gespielt von Aileen Brennan. Und Aileen Brennan hat sowohl in diesem Film als auch in diesem Film hier eine sehr kleine Rolle. Mhm. Aber sie füllt diese Rollen so gut aus. Das stimmt, ja. Sie spielt halt immer so ein bisschen die gut aussehende Frau, die aber so das Herz am rechten Fleck hat. Sie ist, sie ist nicht so ein Püppchen, sondern sie ist schon so eine, die irgendwie so ein bisschen resolut wirkt, auch einfach durch die Auftreten und auch
Johannes Franke: durch ihren Körper. Aber sie sagt nie wirklich was besonders Intelligentes Neues. Also sie ist schon so ein bisschen, sie schrammt schon am Dummchen vorbei, aber. In diesem Film hat sie
Florian Bayer: eine ganz merkwürdige Rolle, weil, also ihre Rolle ist total dumm. Sie ist, sie ist eigentlich die, die Sam Diamond die ganze Zeit anhimmelt und bei ihm halt die ganze Zeit dabei ist und er schickt sie halt rum. Ja. Wir begegnen ihn am Anfang auf der Straße und das Benzin geht aus und dann schickt er sie los Benzin holen zur Tankstelle und sagt noch so, ja,
Johannes Franke: ich warte auf dich hier, Baby. So. Und dann hat sie irgendwas geholt und dann ist auch noch der Diesel, irgendwas ist anders, Öl ist alles. Hätte sie gleich mitbringen können, aber nein, muss sie wieder los. Und es gibt eine Deleted Scene. Es gibt vier Deleted Scenes, die dann später in TV-Versionen nochmal vorkommen. Und eine davon ist, wie sie auf der Straße angetroffen wird, wie sie gerade den Diesel oder was auch immer holen geht. Und dann kommt das reiche Pärchen, das nur aus Langeweile die Fälle löst und mit dem Auto an und überfährt sie fast. Dann gibt es ein kurzes Gespräch zwischen denen. Sie steht draußen und sagt, ach Gott sei Dank haben sie mich hier gefunden. Ich bin da, ich muss auf dem Weg, ich bin da hin, nicht muss da irgendwie. Und dann sagt er, ach, ich hätte sie fast überfahren. Passen sie gut auf und fährt weiter. Und dann lässt sie stehen. Das ist so gemein. Das ist echt hart. Eine Szene, wo ich sage, okay, das ist zu Recht rausgeflogen. Ich finde, von den anderen dreien gibt es noch welche, die man hätte drin lassen können. Aber da können wir später drüber
Florian Bayer: reden. Also Ermittler Nummer 3, Sam Diamond. Ermittler Nummer 4 ist ein Franzose. Not a Frenchie. A Belgian. Danke. Milot Perrier von James Coco gespielt. Und er ist natürlich eine Parodie von Hercule Poirot. Ja. Und auch ziemlich offensichtlich der französische Lebemann, der die ganze Zeit eigentlich nur daran interessiert ist, was es denn Gutes zu essen gibt.
Johannes Franke: Und er hat ja so eine blöde Chocolate Bar die ganze Zeit im Mund. Ich weiß nicht, ob ich das richtig finde, aber egal.
Florian Bayer: Und er ist dann auch wirklich mit Schokolade verschwunden. Teilweise. Und er ist einfach mal, ja, er ist einfach ein krasses Klischee. Also wenn wir bei Rassismus sind, warum nicht gleich auch die Franzosen, beziehungsweise die Belgier fertig machen. Er hat einen Chauffeur bei sich, der als einzige von diesen Nebenfiguren, der Hauptfigur wirklich Contra gibt. Also sie streiten sich die ganze Zeit. Und dieser Chauffeur, dieser Marcel, es regt sich auch doch des Öfteren über diesen Perrier auf.
Johannes Franke: Übrigens seine erste Rolle des Schauspielers. Ich habe den Namen des Schauspielers nicht aufgeschrieben. James Cromwell. Ah ja, okay. Das ist eine erste große Rolle. Und ich finde, er macht es ganz gut. Aber er hat halt leider auch das Problem, dass er ein Stereotype reproduzieren muss. Und irgendwie einen Akzent und die Affiliate in my Bones versus Bones. Bones.
Florian Bayer: Oh, dieser Wortwitz. Oh, diese Witze werden auch teilweise so ausgedehnt. Also es gibt so ein paar Witze, die schmerzhaft lange ausgedehnt werden und leider immer so ein bisschen den Moment verpassen, wo sie wieder lustig sind. Ja, genau. Und wo sie dann doch einfach nur erneuend sind. Und gerade diese Wortspiele mit der schlechten Aussprache von den Belgiern oder Franzosen gehört mit dazu.
Johannes Franke: Ja. Obwohl ich sagen muss und ich frage mich halt, warum die Belgier sich darüber zu lustig zu machen, damit habe ich nicht so ein großes Problem. Das wird öfter gemacht. Ja. Wenn ich mich als Franzose oder als Spanier über Nachbarland lustig mache, das ist so ein, also vor allem zu EU-Zeiten, wo wir alle eigentlich zusammengehören, ist das okay, oder?
Florian Bayer: Ja. Der große Unterschied ist einfach, dass die jetzt nicht zu den Menschen gehören, die Alltagsrassismus erfahren, wegen ihres Aussehens oder wegen ihrer Art zu reden. Wenn du ins Arbeitsamt kommst und du redest mit einem französischen Akzent, wirst du anders behandelt, als wenn du mit einem türkischen Akzent redest. Ja, das stimmt. Und ich glaube, das spielt eine ganz, ganz wesentliche Rolle dabei, wann Humor anfängt, Humor über Eigenheiten anfängt, in Rassismus abzudriften. Ja. Ostfriesen-Witze. Es fühlt sich auch immer so ein bisschen an, als würde man den tatsächlichen Rassismus marginalisieren, wenn man sagt, Ostfriesen-Witze sind rassistisch. Ja, ja, das ist es halt. Oder gespielt der französische Akzent ist rassistisch, weil es ist einfach was anderes, als wenn Menschen, die seit Jahrhunderten inklusive pseudowissenschaftlicher Rechtfertigung damit auseinandergesetzt sind, dass sie als Menschen zweiter Klasse gesehen werden, heute mit Rassismus konfrontiert werden oder eben, ob sich verschiedene Länder über ihre Eigenheiten lustig machen. Ich fühle mich nicht rassistisch angegriffen, wenn mich jemand Kraut nennt oder Kartoffel sagt oder so.
Johannes Franke: Das ist es halt. Ich bin keine unterdrückte Minderheit. Das ist halt ein bisschen das Ding. Aber gibt es ein anderes Wort dafür dann als Rassismus? Weil im Grunde fällt es ja eigentlich schon unter den gleichen Begriff Rassismus. Aber es ist halt, was ist das?
Florian Bayer: Ich wüsste keinen Begriff dafür. Es ist auf jeden Fall irgendwie, wenn man es ganz genau nimmt, kann es eine Form von Rassismus sein. Aber Rassismus ist einfach, Rassismus ist allein schon deswegen der falsche Begriff, weil die klassische Rassentheorie, auf die der Rassismus fußt, nicht gesagt hat, es gibt hier die französische Rasse und es gibt die deutsche Rasse, sondern ja gut. Es gibt die Weißen und es gibt die Asiaten und es gibt die Schwarzen und dann noch die und die und die Einteilung. Das wurde ja immer auf dem europäischen Kontinent nicht gemacht, weil das natürlich alles Europäer war. Deswegen ist es kein Rassismus. Es ist eine Art von Chauvinismus natürlich. Dazu gehört ja auch so zum Beispiel, das total absurd ist, dass du Figuren hast, die aus verschiedenen Ethnien oder verschiedenen Ländern kommen und dann kriegen aber nur ganz bestimmte, kriegen einen Akzent drauf gedrückt von den Schauspielern, wo der Akzent sogar noch verstärkt wird. Das spielt dabei auf jeden Fall eine Rolle. Ich weiß nicht, wie man es nennen könnte. Es ist auf jeden Fall, es ist natürlich sich über Eigenheiten von einer Menschengruppe lustig machen. Ja, genau. Ja, es hängt auch immer davon ab, aus welcher
Johannes Franke: Richtung man kommt. Ob man durchspürt, dass der Filmemacher da gerade irgendwie ein rassistisches Gedankengut dahinter hat oder ob er mit einem liebenden Auge auf einem Franzosen guckt
Florian Bayer: und sagt, ach wie süß, guck mal. Viele Leute, die sagen, ich mach mich über alle lustig, machen sich halt eben nicht über die Peergroup lustig, an die ihr Programm gerichtet ist oder der sie dazugehören. Und so, äh, die haben ein Recht darauf, dass wir uns über sie lustig machen. Ja, das kommt meistens von dem Falschen. Ja. Okay, dann fehlt uns aber noch Miss Marple. Last but not least, Jessica Marbles. Ganz toll. Marple, Marbles. Und viel, viel, viel besser als diese Marbles ist natürlich ihre Nurse. Miss Withers. Und gleich, wenn sie, wenn sie, wenn sie vorgestellt wird, gibt es die erste Verwechslung, weil irgendjemand sagt, zu der Alten geht, die sie dabei hat und sagt, Miss Marbles, ich bin so froh, sie zu sehen. Und dann sagt die eigentliche Miss Marbles, die deutlich jünger ist. Nein, nein, nein, das ist meine Nurse und ich kümmere mich jetzt um sie. Ich finde den Gedanken, irgendwie finde ich die Idee süß, aber sie
Johannes Franke: führt nirgendwo hin irgendwie. Nee. Ist so ein bisschen, äh, ist so ein bisschen lost an der
Florian Bayer: Stelle. Ja. Diese, diese Miss Withers, die dabei ist, die macht auch fast nichts. Sie ist einfach nur eine alte Frau im Rollstuhl, die manchmal sich daneben benehmen darf, wenn sie, wenn sie an der Hand von, von, von Sam Diamond rumspielt, während sie Händchen halten. Diese beiden
Johannes Franke: Schauspielerinnen hatten übrigens keinen Spaß am Set zusammen. Diese beiden Schauspielerinnen waren schon seit vielen Jahren, wenn man das so sagen kann, verfeindet. Die hatten ein großes Problem miteinander, schon sehr lange. Elsa Lanchester und Estelle Winwood. Ja. Die waren sich nicht grün. Und das ist, das muss kein schöner Dreh sein, wenn du dann irgendwie als Hauptbezugsperson, dann, äh, ja, bäh. Tja, aber ich finde Elsa Lanchester macht das sehr schön. Ja. Äh, gut, also die, die könnte ich mir auch bei jeder realen Verfilmung von Miss Marple vorstellen als Miss Marple. Das ist super. Sie ist auch tatsächlich
Florian Bayer: nicht so eine bizarre Figur wie die anderen. Also alle anderen Figuren sind krass überzeichnet. Zum Wangen haben wir ja schon genug gesagt, aber auch die Charlestons mit ihrem, mit ihrem Snobbismus. Der Spade mit seiner Raubeinigkeit. Die haben immer dieses Glas in der Hand. Das Glas mit,
Johannes Franke: weiß ich nicht, Wermut oder sowas. Selbst wenn er draußen telefoniert, weil er nicht ankommt, wenn er zum Haus nicht kommt. Der hat immer dieses Glas und trinkt Wermut.
Florian Bayer: Diese Figuren sind alle ganz klar so als parodistische Abziehbilder über Zeichen. Miss Marbles kann man da so ein bisschen rausnehmen. Die ist irgendwie anders. Sie kommt auch als letztes zum Cast. Sie hat dadurch natürlich auch die wenigsten Witze, was ein bisschen schade ist. Also ihre Figur fällt deutlich ab, was lustige Situationen betrifft. Aber ja, es ist, wie es ist. Es ist, wie es ist. Also mein absoluter Liebling ist wirklich Peter Fogg. Ich finde Peter Fogg auch großartig. Ja, ich glaube, wenn ich sagen müsste, wer ist der coolste von diesen Ermittlern, ist es auch Peter Fogg. Wahrscheinlich auch, weil ich diese James-Bade-Figur oder allgemein diese Hard-Boiled-Detektive, egal ob das jetzt Mike Hammer ist oder wen es da sonst noch gibt, weil ich die einfach witzig finde, weil die für sich schon so wandelnde Klischees sind. Und Peter Fogg schafft es aber trotzdem, wirklich nochmal einen draufzusetzen.
Johannes Franke: Es ist unglaublich, was der für Sachen sagen darf. Das ist so toll. Wir müssen leider auch noch ganz kurz die Homophobie da rausholen. Was auch so natürlich irgendwie eine gute und eine schlechte Seite. Eigentlich, es sind die typischen homophoben Klischees von damals, aber man spürt schon durch, dass es darum geht, dem Publikum zu erzählen, dass das völliger Blödsinn ist eigentlich. Ja. Aber es reinforced schon das Problem trotzdem. Es ist
Florian Bayer: tatsächlich witzig, weil der Film damit spielt. Es gibt nämlich dann nachher, gibt es diese Anspielung darauf, dass er offensichtlich in schwulen Bars ein- und ausgegangen ist und da auch offensichtlich sich als Track angezogen hat. Und er versucht die ganze Zeit das zu rechtfertigen und sagt, ich war verdeckter Ermittler. Ich musste das machen. Ich habe niemanden geküsst. Das kommt überhaupt nicht die Frage auf. Wir haben Fotos von ihm im Track. Ich war in I was in disguise. Ich habe niemanden geküsst. I never did nothing to a man that I wouldn't do to a woman. Ja.
Johannes Franke: Und das ist halt natürlich als Parodie auf diese harten Boys gedacht, die irgendwie männlicher als männlich sind, eigentlich nur noch aus Testosteron bestehen und irgendwie sollte es natürlich das Ganze ein bisschen auflösen und ein bisschen brechen. Aber irgendwie weiß ich nicht. Ja. Es fällt ein bisschen auf den Bauch das ganze Ding an der Stelle.
Florian Bayer: Wir müssen unseren Cast noch vervollständigen. Wir haben ja schon kurz Truman Capote angeteasert, der den Hausherren spielt, der all diese Detektive einlädt, weil er will sie eigentlich bloßstellen. Er sagt, er lädt sie ein und sagt, es wird ein Mord stattfinden an diesem Abend um genau diese Uhrzeit in genau diesem Raum und ihr werdet den Mörder nicht finden. Oder einer wird ihn finden und der kriegt dann eine Million Dollar und ist dann ganz eindeutig der Beste von allen Ermittlern. Und die fühlen sich so ein bisschen überrumpelt, machen da aber mit. Truman Capote spielt eben diesen exzentrischen Millionär, der wirklich nur eine kleine Rolle spielt. Er ist auch tatsächlich dann nachher die Leiche, der ermordet wird. Und er ist halt am anderen, er kommt halt einmal mit so einem Stuhl reingefahren und fährt dann wieder raus. Ja. Und sagt dann halt so mit seiner typischen exzentrischen Stimme, was los ist und was Sache ist und ist dann hin und wieder mal so hinter Bildern versteckt und verspottet die Detektive. Aber das war es eigentlich
Johannes Franke: schon. Aber ich finde, alles, was er macht und jeder Gag, den er haben könnte, er versemmelt alles. Es ist wirklich, nein, nichts davon stimmt. Der einzige, dass das, was er als Gag hat, ist eigentlich seine Haltung. Alle Gags aus dem Drehbuch hat er versemmelt und das, was er mitgebracht hat, hat er richtig gemacht. Nämlich seine Exzentrik. Ja. Aber nichts, was im Drehbuch Stand hat er wirklich bedienen können. Wirklich. Du musst dir mal das nochmal genauer anschauen, was er für Lines hat. Die Texte an sich sind sehr gut geschrieben. Aber er kriegt es nicht hin, auch nur einen Gag ordentlich zu bedienen.
Florian Bayer: Naja, er haut halt seine Lines so raus mit dieser exzentrischen, lauten Stimme. Er ist oft laut. Ja, aber das ist ja nicht lustig, nur weil er laut ist. Aber es ist halt so überdreht, dass es, ich finde tatsächlich, Truman Capote passt in dieses Set, weil seine Figur einfach so eine komplett bizarre, überdrehte, unrealistische Figur ist. Ja. Ich hatte tatsächlich Freude an den wenigen Szenen, wo er drin war. Natürlich schlägt da auch so ein bisschen mein Fanboy-Herz und ich denke, ach, ist das schön. Das ist so krass, einfach den großen Schriftsteller in dieser Rolle, in diesem albernen Setup zu sehen.
Johannes Franke: Das ist schon schön, ja.
Florian Bayer: Und das ist auch das Einzige, was er machen kann. Es ist klar, wir würden Truman Capote nicht in einem ernsten Film sehen können. Das ist undenkbar, dass dieser Typ irgendwie es schafft, eine ernste Rolle zu verkörpern. Aber das, was er da macht, das ist halt auch einfach auch ein bisschen mit dem Klischeespielen, was um ihn herum war, aber diesem reichen, verzogenen Partylöwen, der auf alle herabblickt und der sich für den größten Schriftsteller aller Zeiten hält, das passt irgendwie. Das ist schon so ein Match. Deswegen ist das okay. Deswegen kann ich auch verzeihen, dass wir hier keine große Schauspielleistung haben und kein großes Bringen der Pointen oder Verstehen einer Struktur eines Witzes. Ja, das ist es halt. Man versteht nicht immer die Struktur eines Witzes. Was ist das?
Johannes Franke: Das ist doch Schriftsteller. Du musst es doch eigentlich, naja, vielleicht hat er sie verstanden, aber er konnte sie nicht bedienen. Ich weiß es nicht. Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und dann kommen wir noch zu guter Letzt zu den beiden anderen Hauptfiguren, weil dann kommen wir nämlich noch zu einem dritten schwierigen Punkt dieses Films, der noch schlimmer ist und noch mehr reproduziert und noch weniger sich drüber lustig macht, dem Apleismus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben nämlich einen blinden Butler, James Sir Benson Marm.
Johannes Franke: Gespielt von Alec Guinness, der, den euch vielleicht aus Star Wars bekannt vorkommt.
Florian Bayer: Und, Entschuldigung, ich werde jetzt einen diskriminierenden Begriff benutzen, die taubstumme Köchin, die leider so bezeichnet wird auch.
Johannes Franke: Ja, aber sie ist so. Sie ist, also, kurz zur Erklärung, alle da draußen, die schon mal das Wort taubstumme gesagt haben. In den aller, allermeisten Fällen stimmt dieses Wort nicht, weil ein Mensch, der gehörlos ist, nicht automatisch stumm ist. Er redet nur halt in einer anderen Sprache als wir, also nicht in Lautsprache, sondern in Gebärdensprache. Hat auch eine Stimme, die funktioniert, wird bloß nicht genutzt in der Form. Deswegen ist taubstumme ein ganz, ganz, ganz schlechtes Wort. Ganz schlimmer Begriff, ja. Auf gar keinen Fall taubstumme sagen, sondern gehörlos. In diesem Fall haben wir aber eine Figur, die tatsächlich taub und stumm ist.
Florian Bayer: Ja, aber, ja, aber es ist halt schon einfach dieses Klischees. Es ist dieses Klischee, das ist furchtbar. Dieses Klischee von einem Tauben, der halt nicht reden kann, ne? Von jemandem Gehörlosen,
Johannes Franke: der nicht reden kann. Aber sie hat auch keine Stimme tatsächlich, weil sie kommt ja auch in den Raum und schreit, ohne zu schreien. Also man hört überhaupt nichts. Also es ist halt wirklich so. Aber noch so ein Klischee. Ja, es ist natürlich völliger Blödsinn. Und das macht, also wir haben ja jetzt schon ein paar Problemfelder aufgezeigt, die alle dazu führen, dass ich Schwierigkeiten habe, diesen Film zu gucken.
Florian Bayer: Ja, wir bleiben ganz kurz nochmal bei dem Problemfeld, weil das ist nämlich die Interaktion zwischen dem Butler, Alec Guinness und der Köchin Nancy Walker. Er blind, sie taubstumme, wird benutzt für sehr, sehr, sehr, sehr viele Gags auf Kosten von Blinden und tauben Menschen. Und es funktioniert noch nicht mal. Nee, es sind tatsächlich, und es ist nicht, wir haben hier keine Meta-Ebene mehr. Wir haben hier keine Parodie auf Klischees mehr, sondern wir haben hier einfach, es werden Witze gemacht über Menschen mit Behinderung.
Johannes Franke: Ja. Ich habe nochmal zurückgedacht. Warum fand ich den Film damals so toll? Ich kann mich natürlich überhaupt nicht erinnern, weil das ist sehr lange her. Also ich glaube, ich habe ihn mit 14 oder 15 gesehen oder irgendwas in der Richtung. Und dann ist sowas natürlich lustig. Auf jeden Fall. Also für ein 8-jähriges Kind ist es lustig, wenn der Chinese so redet, wie er redet. Und für einen 14-jährigen Jungen sind die Slapstick-Momente immer noch witzig.
Florian Bayer: Klassischer Slapstick-Humor aus dem amerikanischen Kino und Fernsehen und auch deutschen Kino und Fernsehen, wie es halt vor 100 Jahren und vor 50 Jahren gemacht wurde. Man kann sich es vorstellen, was für Witze einem einfallen, wenn man jemand, der taub ist und jemand, der blind ist, zusammensteckt und versucht, die miteinander kommunizieren zu lassen und die Kommunikation geht schief. Also, ja, wachst du morgens auf als Drehbuchautor und denkst
Johannes Franke: dir, hihihi, ein Blinder und ein Taube zusammen. Ja, okay.
Florian Bayer: Und es ist halt echt, das Problem ist halt auch, und das wird halt in diesem Film ganz stark gemacht, wo das dann auch so verknüpft wird mit Dummheit, ne? Ja, das ist das Problem.
Johannes Franke: Weil ihr Verhalten ist dumm. Ja, genau. Das ist das große Problem an der Sache, weil eigentlich glaube ich nämlich, dass man durchaus noch Witze machen kann in dieser Richtung, wenn sie einen richtigen Kontext haben und wenn du die Figuren nicht dumm machst und wenn das alles tatsächlich einfach intelligente Situationen sind. Aber das, was sie machen, ist sehr albern und sehr dumm. Ja, genau. Und auch teilweise auch wirklich mean-spirited. Ja.
Florian Bayer: Also, es ist wirklich bösartig auch, weil einfach alberne Klischees gezeigt werden, wie blinde Menschen nicht leben. Der Butler hört offensichtlich auch nicht, weil er weiß nie, wo sich die Personen im Raum befinden und er macht die Tür auf und sagt, gehen Sie raus und sagt dann danke und macht die Tür wieder zu. Und das ist total vorbei an dem Leben, an dem Alltag von blinden Menschen, die natürlich auf ihre Umgebung achten, natürlich mitkriegen, ob jemand an ihnen vorbeigeht. Einfach, weil man das mitkriegt. Und es hat nichts damit zu tun, dass die ein total geschultes Gehör haben und viel besser hören können als wir, sondern einfach, es liegt daran, weil Menschen hören können, wenn sie hören können. Jeder hat seine Sinne und die benutzt er. Und es ist halt total dumm, wie dieser Butler dann so dargestellt wird, dass der nie weiß, wo sich irgendwas befindet, dass er nie weiß, wo sich Menschen befinden, ständig in die falsche Richtung redet, so ganz krass, offensiv und falsche Handlungen macht.
Johannes Franke: Dass er auch heiße Luft serviert und mit der Kelle schöpft und auftut und so, ist natürlich, da hast du sehr viel, du musst einen sehr großen Schritt auf den Film zumachen als Zuschauer, um das zu akzeptieren. Also Suspension of disbelief. Du musst das irgendwie hinkriegen. Und das ist einfach, das fällt mir an der Stelle einfach zu schwer. Das kriege ich nicht hin.
Florian Bayer: Auch, dass sie nicht versuchen, ihre Kommunikationsprobleme zu lösen. Nein, überhaupt nicht. Er redet und sie antwortet nicht und er macht dann einfach weiter. Also sie reden nicht einfach nur aneinander vorbei, sondern es ist einfach so eine Ignoranz, die da noch mit reingepackt wird von ihnen. Sie ist übrigens auch noch Analphabetin. Sie kann nicht lesen und schreiben. Sie hat dann so ein Blatt dabei, was sie immer heilt, wo steht, ich bin einem Deathmute und das hat jemand für mich geschrieben und so. Und ja, es ist, also diese Dinger, das funktioniert heute einfach nicht mehr. Und zwar nicht nur, weil es offensive ist, das natürlich auch, sondern auch einfach, weil es nicht lustig ist. Und weil nichts davon stimmt. Ja, und ich glaube, jetzt kann man sich natürlich drüber lustig machen, oh ja, die Woken-Podcaster aus Berlin sind total angegriffen von diesen Witzen. Aber es geht nicht nur darum, es geht darum, dass das gealtert ist wie Milch. Das funktioniert heute einfach nicht mehr. Das ist ein Humor, der heute nicht mehr, also ich empfinde diesen Humor nicht als witzig und ich glaube, ich bin nicht alleine da.
Johannes Franke: Ja, ich habe mich so ein kleines bisschen währenddessen gefragt, oh, wo ist denn das alles hin, was ich erinnere und warum kann ich in diesem Film diesen Slapstick-Humor nicht mehr wiederfinden und nicht mehr so feiern, wie ich das früher gemacht habe? Schrecklich, bin ich erwachsen geworden? Aber nein, nein, nein, das stimmt nicht. Ich bin Gott sei Dank nicht erwachsen geworden, denn ich kann immer noch über Chaplin und über Buster Keaton lachen. Es geht nicht um die Slapstick, sondern es geht um die Problemfelder, die dieser Film aufmacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Und das ist eine ganz große Sache, die man auch nochmal aufwerfen kann. Es gibt ja Humor, der 100 Jahre alt ist und immer noch funktioniert. Genau, ja. Und es gibt einfach sowas wie zeitlosen Humor und es gibt sowas wie Humor, der krass in der sozialen Wirklichkeit seiner Zeit verhaftet ist und Zweiteres verliert dann einfach bei einem modernen Publikum. Ja. Und der Film hat sehr viele, nicht nur, der Film hat auch Witze, die zeitlos sind, aber der Film hat nun mal sehr viele Witze, die in seiner Zeit krass verhaftet sind. Und wie gesagt, um das nochmal zu sagen, natürlich ist es offensive und natürlich finde ich das auch super ätzend und ich reg mich da auch so ein bisschen drüber auf. Aber es ist nicht nur das, es ist auch einfach unlustig. Ja. Es ist nicht nur das Problem, also das ist das Hauptproblem, dass das Ganze rassistisch ist, ableistisch, sexistisch und so weiter. Aber daneben gibt es eben auch noch das Ding, vollkommen unabhängig davon, dass das verletzend ist, was die machen und kränkend und dumme Klischees reproduziert und so weiter. Es ist auch einfach unlustig.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es liegt auch daran, einfach, was wir vorhin hatten, dass es nur albern und nicht intelligent ist. Das ist, glaube ich, das, was mir das Gefühl gibt, dass es einfach nicht lustig ist, weil du hast keine ordentliche zweite Deutungsebene, sondern du hast einfach nur eine alberne Szene. Ja. Sie fällt, der Butler sagt, ich fang dich auf und sie fällt natürlich daneben, weil der Butler nicht weiß, wo sie ist. Das ist, das ist die erste Idee, die man hat als Comedy-Schreiber und dann denkt man nicht weiter, sondern sagt, okay, den nehme ich jetzt. So.
Florian Bayer: Ja. Um vielleicht nochmal einen anderen Gegenentwurf zu machen, der offensive ist, aber trotzdem noch lustig, das ist Mike Brooks. Wir hatten vor sehr vielen Episoden, hatten wir über den wilden, wilden Westen, Lacing Sattles geredet. Und Mike Brooks, haben wir in der Episode da auch festgestellt, macht sehr viele Witze, die heute als Offensive wahrgenommen werden. Aber sein Humor funktioniert heute trotzdem noch, einfach, weil er ein bisschen mehr Intelligenz dahinter hat. Weil es da einfach ein paar mehr Ebenen gibt, weil die Art, wie er sich mit den Klischees auseinandersetzt, einfach oft ein bisschen mehr geht, ein bisschen weiter geht, ein bisschen mehr ist. Und das hat dieser Film in vielen Momenten halt nicht. Und dadurch ist es so, wenn man sich jetzt einfach mal betrachtet, wie gut die Filme gealtert sind, ist Matt Brooks, sind Matt Brooks Filme, klassische Matt Brooks Komedien, tausendmal besser gealtert als dieser Film. Ja. Auch nicht alle vielleicht, aber. Nicht alle Witze, ne.
Johannes Franke: Ja, irgendwie habe ich aber auch auf der anderen Seite das Gefühl, dass der Film ein bisschen zahnloser ist, als ich ihn in Erinnerung hatte. Also er hat irgendwie, er geht dann auch an manchen Stellen nicht weit genug. Also bei aller Albernheit könnte er fast manchmal noch ein bisschen mehr ausrasten, habe ich so das Gefühl. Irgendwie hält er das Ganze so ein bisschen toned down. Und ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich jetzt, als weiß ich nicht, 8-Jähriger, 10-Jähriger, 12-Jähriger, 14-Jähriger, ich weiß es eben einfach nicht, einfach sehr viel mehr Spaß hatte. Und das ist so ein bisschen, oh nein, schade.
Florian Bayer: Das Traurige ist ja, dass dieser Film durchaus die Fähigkeit hätte, Meta-Witze zu erzählen, weil er macht das. Es gibt ein paar Witze, die sind super getroffen on point. Das stimmt. Um mal einen Meta-Witz aufzumachen, der wirklich fantastisch ist. Und zwar, wenn sie die Leiche finden von dem Millionär, der sie eingeladen hat. Und dann gehen sie alle vorsichtig dran und gucken und irgendjemand ruft aus dem Hintergrund, touch nothing. Und dann drehen sie sich ganz empört rum und sagen, ey, was soll das? Wir sind hier alle professionelle Ermittler. Warum rufst du zu uns touch nothing? Als ob du der Einzige wärst, der Ahnung davon hat, wie man eine Leiche untersucht. Das ist einfach, das ist total witzig, weil dieses Klischee von dem intelligenten Ermittler, der da steht, während um ihn herum nur Idioten sind, wunderschön aufs Korn genommen wird, weil es sind halt alle intelligente Ermittler, alle halten sich für intelligente Ermittler und halten alle anderen für Idioten. Und deswegen ist natürlich klar, dass jemand, der sich für den intelligentesten hält, rufen muss, nichts anfassen.
Johannes Franke: Ich finde auch grundsätzlich die Idee, fünf Ermittler zusammenzusperren und dann sofort jeder jeden verdächtigt und auch jeder, also was ja sowieso immer passiert, aber auch eben an einem anderen Niveau. So die Ermittler sich gegenseitig und jeder hat ein Motiv und jeder irgendwie, weißt du, ich finde die Idee grundsätzlich sehr witzig.
Florian Bayer: Ja, du hast hier diese Egos zusammengeschlossen und jeder glaubt, er wäre der Intelligenteste. Und es gibt zwei Szenen, in denen sie Motive austauschen, in denen sie drüber spekulieren, wer es getan haben könnte und dann offenbaren, was der andere für ein Geheimnis mit sich herum trägt. Und das ist witzig, weil wir halt nicht hier einen klugen Ermittler haben, der einmal die Familie zusammenruft und sagt, du hattest dieses Motiv, du hattest dieses Motiv, sondern wir haben nur Ermittler und sie werfen sich gegenseitig diese Motive zu. Es funktioniert teilweise wirklich gut, also wenn sie zusammen in dem Raum sitzen und zum ersten mal diskutieren, ah, es könnte Geld gewesen sein, oder? Charleston? Du hattest doch damals. Ja, genau. Nein, es ist Rache. Marbles, sie hatten doch eine Affäre mit ihm. Wang, er ist sein verstoßener Sohn. Und dann zeigen sie so gegenseitig mit den Fingern aufeinander und ein Motiv ist alberner als das nächste. Und das ist geil daran, finde ich.
Johannes Franke: Das ist witzig, auf jeden Fall. Das finde ich wirklich witzig, weil das so eins gibt dem anderen die Klinke in die Hand und das ist dann später bei der Auflösung auch wieder so. Und da finde ich es auch wieder witzig. Ja. Wenn einer nach dem anderen dann reinkommt und sagt, ich hab's gelöst, du bist eigentlich
Florian Bayer: der und der. Es ist großartig. Es ist vor allem, diese Momente funktionieren, weil es gibt den Punkt, wo der Film einen Suspension of disbelief leicht macht, weil er komplett den Boden der Realität verlässt. Und zwar gibt's diese definitiv zu lang ausgedehnte Szene, wo alle zusammen in dem, bevor der Mord stattfindet, alle zusammen im Speisesaal sind und sagen, wir verlassen den Raum jetzt nicht, weil hier soll der Mord stattfinden. Und solange wir ihn nicht verlassen, ist alles gut. Und dann wird aber der Butler ermordet. Und dann müssen sie in die Küche und nach dem toten Butler gucken. Und dann ist der Raum plötzlich weg. Also sie machen die Tür wieder auf und der Raum ist leer. Und dann machen sie die Tür wieder zu und wieder auf und der Raum ist wieder voll. Und es ist so eindeutig, es ergibt keinen Sinn.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Und es hat auch keinen ploschrelevanten, es gibt keinen Sinn, warum das so sein
Florian Bayer: muss. Genau. Und es ist auch zu sehr ausgedehnt, aber das ist der Moment, wo du sagst, okay, dieser Film verlässt jeglichen Boden der Realität. Genau. Auch die Tatsache, dass sich dann später herausstellt, dass sowohl der Butler als auch die Köchin Schaufensterpuppen waren. Was totaler Irrsinn ist, weil die haben sich als Menschen bewegt in dem Raum. Und dann irgendwann finden sie diese Puppe und sagen, ha, hier ist eine Puppe und der konnte hier natürlich nicht sprechen bei Regen. Deswegen hat er sie als taubstumme Köchin etabliert. Das ist total idiotisch.
Johannes Franke: Es ist völliger Blödsinn. Vor allem, weil am Ende ja nochmal ein Loop und noch ein Loop kommt und er dann sich nochmal die Maske vom Gesicht reißt und so. Also natürlich will der Film darauf hinaus, was er ja auch verbalisiert, dass diese ganzen Filme so im letzten Moment das noch etablieren und das noch etablieren, um dann irgendwie zum Ergebnis zu kommen. Ja. Was der Zuschauer nicht hätte ahnen können, weil ihm einfach Informationen vorenthalten werden. Es gibt diese wunderschöne... Hast du das? Ich hab das auch.
Florian Bayer: Es ist so fantastisch. Das ist das, was alles nochmal im Schlussmonolog von unserem Mörderopfer zusammengefasst wird. Johannes, bitte.
Johannes Franke: You've tricked and fooled your readers for years. You've tortured us all with surprising endings that made no sense. You've introduced characters in the last five pages that were never in the book before. You've withheld clues and information that made it impossible for us to guess who did it. But now the tables are turned. Millions of angry mystery readers are now getting their revenge. When the world learns I've outsmarted you, they'll selling your $1.95 books for 12 cents. So. Das ist seine Rache. Ja. Und das finde ich tatsächlich wieder gut. Bei der
Florian Bayer: Auflösung. Kommen wir ganz kurz zur Auflösung. Also am Schluss, nachdem sie sich gefragt haben, wer hat ihn umgebracht, sind sie dann irgendwann im Büro von dem Gastgeber und dann sitzt da der Butler und dann kommen sie alle nach und nach rein und sagen, nein, du bist doch der und der, du warst es deswegen. Und er geht jedes Mal mit, ne? Er sagt jedes Mal sehr gut. Richtig erkannt. Und der eine enttarnt ihn sogar als Frau
Johannes Franke: und er sofort in die Frauenrolle hinein. Ohne sich umzuziehen. Gut gemacht. Finde ich
Florian Bayer: super gemacht. Ja, ja. Das hat einfach funktioniert. Er ist Miss Marble, sagt, du bist Goldman. Charleston sagt, du bist Metzlau. Und er sagt jedes Mal, ja, das bin ich. Und dann Perry er, Miss Irene Twain. I prefer to be called Rita oder sowas, sagt er. Das Bizarre davon und you are, kommt Diamond und sagt, you are the real Diamond. Ich bin nämlich gar nicht Sam's Diamond, sondern nur ein Schauspieler, J.J. Lewis. Was auch völliger Blödsinn ist, weil es ja
Johannes Franke: nicht stimmt. Das ist totaler Quatsch. Und das kann ich aber feiern. Das finde ich super.
Florian Bayer: Es ist wirklich toll. Und dann entpuppt er sich am Schluss eben als Twain, also als dieser Millionär. Der eigentlich gestorben ist. Der eigentlich gestorben ist. Also der Butler zieht dann die Maske ab und sagt nein. Und dann holt er zu dieser Rede aus und sagt, ihr seid alle solche Idioten. Und jetzt habe ich mich gerecht und ihr seid nicht drauf gekommen. Und jetzt raus mit euch. Niemand verdient die Millionen. Ja. Und ich finde es schön. Und er macht
Johannes Franke: ja dann auch Blackmail mit denen. Das heißt, er zieht denen auch noch Geld ab dafür, dass er niemandem verrät, dass er smarter war als sie. Ja. Und setzt sie vor die Tür. Und dann kommt die zweite Szene, die rausgeschnitten wurde, die ich sehr gut finde, die hätte drin bleiben müssen. Du meinst Sherlock. Sherlock Holmes. Sie fahren dann los und der Chinese darf dann nochmal irgendwelchen Blödsinn sagen. Ja, killed. Good weekend. Und dann fahren sie los und kommen an so Autos vorbei. Und dann in dem einen Auto vorne sitzt Sherlock Holmes und fragt nach dem Weg. Und der Chinese sagt, ja, ja, dann lang, dort lang. Und dann ist ein adaptierter Sohn, fragt ihn, warum hast du eben nicht gesagt, dass es ein Rip bleiben können? Ja, ich weiß nicht. Vielleicht. Hast du die Szene gesehen? Sie gibt es nämlich auf YouTube. Ich habe sie leider nicht gesehen. Die vier Szenen gibt es, alle vier gibt es auf YouTube, weil die nämlich für eine TV-Ausstrahlung wieder reingeschnitten wurden. Aber die Version, die ich gesehen hatte, war halt ohne die Szenen. Und dann habe ich die nachgeschaut auf YouTube und ich fand die eigentlich ganz gut. Also nicht jeder hätte drin sein müssen, aber die wäre ganz gut gewesen. Es gibt diesen Zettel, den Wang in den Händen von dem Toten findet. Ja, genau. Das ist auch noch eine Szene, die rausgeschnitten wurde, wo er dann, wo der adoptierte Sohn kommt und sagt, ha, ich bin nämlich auch gut. Ich habe diesen Zettel gefunden und
Florian Bayer: ihr nicht. Ja. Und Lionel Twain diseased. Und dann stellt sich aber heraus, es ist einfach nur eine Erinnerung daran, dass der Milchmann nicht mehr liefern soll. Genau. Also, ja, und
Johannes Franke: dann muss er sich wortreich entschuldigen, kommt wie so ein Dackel an und sagt dann, oh, sorry,
Florian Bayer: Papa. Ja. Ja, es gibt, es gibt Witz-Highlights in diesem Film. Also es gibt, der Film, der Film ist nicht, es ist keine Totalkatastrophe. Es gibt Witze, die immer noch ausgesprochen gut funktionieren und die wirklich ein gutes Timing haben. Also es gibt, es gibt wirklich so ein, zwei Momente, wo man denkt, ah, das funktioniert, das ist witzig. Auch, auch dieses absurde Ding, dass sie am Anfang alle in so Fallen reinlaufen. Total übertrieben. Der Gastgeber versucht sie alle umzubringen, aber er weiß natürlich, dass sie so clever sind, dass sie diesen Fallen entgehen. Dann hat er halt so Füße auf den Boden gemalt, wo die Statue runterfällt. Und dann hat er den Wein von einem vergiftet. Der es dann auch rausfindet. Genau. Es geht
Johannes Franke: ja am Ende gar nicht darum, irgendjemanden zu töten. Der will ja bloß Blackmail betreiben
Florian Bayer: mit denen. Genau. Also er spielt mit ihnen und das ist, das ist, das sind witzige Momente, die, die wirklich funktionieren. Also es ist nicht so, dass ich den, es gab Momente in dem Film, wo ich wirklich gelacht habe, weil es einfach lustig war. Ja. Auch, auch das Schreien zum Beispiel von King Kong. Sie haben eine Klinge, die nicht klingelt, sondern schreit. Am Anfang ist es dann gleich so, jemand drückt halt auf den Knopf und dann hört man. Und dann sagt der andere, oh mein Gott, da drin ist ein Mord passiert gerade, wir müssen da schnell
Johannes Franke: rein. Und der Chinese weiß sofort, nein, nein, das ist die Klinge, die klingt so. Und zwar ist das aus King Kong, die Frau, die schreit. Genau. Und das ist ein schöner, es ist eine schöne Idee, ne, so. Oder wo die Adresse, wo sie da sind. Die Adresse ist ja 22 Twain, also 2, 2, Twain. Ja. 2, 2, Twain. Ja, ja, ja. Also kein richtig guter Gag, aber ich
Florian Bayer: finde es süß. Genauso. Also das gehört für mich zu den Witzen, die eher so Kopfschmerzen verursacht haben. Genauso wie der Name des Butlers, der, ja, das war nicht, das hat auch nicht funktioniert. Ja, der Sir Benson Mom. Und dann fragen sie Sir Benson Ma'am. Und daraus wird sehr lange an Dialog gespinnt, so ein Klassischer. Der Name ist lustig Dialog und
Johannes Franke: meint er jetzt Ma'am oder Ma'am und es ist dumm. Ich finde, dass in solchen Momenten oft die Szene gerettet wird von Maggie Smith, die irgendeinen Blick drauf hat. Ich finde, Maggie Smith hat viele tolle Blicke in diesem Film. Das stimmt. Sie hat nicht die größte aller Rollen, aber ich finde sie großartig. Maggie Smith ist cool. Sie ist halt auch einfach eine
Florian Bayer: coole Schauspielerin. Ja, definitiv. Und sie ist als Ergänzung, also so als Teil dieses Paares Dick und Dora ist sie halt einfach super, weil sie immer so ein bisschen eher haben wirkt im Vergleich zu diesem dummen Dick, der sich halt für so clever hält. Genau. Hat sie immer, schafft sie es immer so ein Stück Würde zu bewahren. Ja. Ich würde gerne noch einen Witz hervorheben, den ich wirklich lustig fand. Ich glaube, das ist mein liebster Witz aus dem Film. Okay. Und zwar, wenn sie am Tisch sitzen alle zusammen und irgendwann sind Schüsse zu hören und dann drehen sich alle Sekretäre zu den, zu ihren, zu ihren Detektiven um und sagen Gunshots. Der Chauffeur sagt zu dem, zu dem Porro Typen Gunshots Monsieur. Und dann sagt der, der, der japanische Sohn sagt zu seinem chinesischen Vater Gunshots Papp. Und dann sagt die eine noch Gunshots Dickie. Und das ist halt so witzig, weil es halt auch dieses Gechehe ist, dass jeder einmal seine Rolle als Hinweisgeber für das Obvious, für das Offensichtliche erfüllen muss. Das stimmt. Ja, das ist toll. Ja. Und das war eine Szene, die einfach auch vom Tempo funktioniert. Man kann sie gar nicht gut nacherzählen. Sie ist einfach eine Szene, wo das Timing stimmt und deswegen ist es witzig. Ja. Das Witzigste
Johannes Franke: an der ganzen Geschichte ist tatsächlich Peter Fogg. Wie Peter Fogg solche Sachen sagen darf wie, the last time I was trusted a dame was in Paris in 1940. She said she was going out to get a bottle of wine. Two hours later the Germans marched into France. Das ist, also, ich finde Peter Fogg hat einfach tolle Momente. Auf jeden Fall. Und es gibt auch eine Szene, wo sie in dem, in dem Zimmer sich eingesperrt haben alle und, und er steht da und sagt zu seiner Frau, die dabei ist, dreh dich um. Warum, warum sag ich mich um? Dreh dich um, dreh mich um. Ja, okay, ich dreh mich um. Ja, ich glaube, ich muss anfangen zu weinen. Deswegen muss er sich umdrehen, weil er irgendwie dann weinen will alleine für sich. Ich finde es schöne Situationen mit Peter Fogg. Ich finde es toll. Na, auch einfach, dass er die ganze
Florian Bayer: Zeit rumätzen darf. Eigentlich sind die alle recht höflich zueinander, wie die Detektive höflich sind. Ja, stimmt. Und er beleidigt sie halt die ganze Zeit und ätzt rum und beendet auch gerne mal einen Satz, den er zu seiner Assistentin sagt mit Bitch. Und das ist natürlich auch Sexismus, aber es ist lustig tatsächlich. Ja. Wenn er irgendwie so ausholt und sagt, warum er Frauen nicht vertraut oder so und dann am Schluss einfach noch so ein Bitch
Johannes Franke: hinterher zieht. Das ist schon witzig. Ich glaube, der einzige Satz aus dem Film, der wirklich in meinem Sprachgebrauch bleiben wird, ist Sam Dermond, also Peter Fogg darf sagen, locked from inside. That can only mean one thing and I don't know what it is. Ach, sehr schön. Ich finde es super. That can only mean one thing and I don't know what it is. Ich glaube, das werde ich jetzt öfter sagen. Also ich finde, der Film hat viele Tropes, die er gut einsetzt, die irgendwie cool sind, die irgendwie lustig sind. Und ich glaube, dass wir auch 50 Prozent davon nicht mitbekommen, weil wir nicht in der Zeit den Film gucken, sondern eben aus Entfernung und damit uns ganz viel unbekannt ist. Aber es ist halt auch schlecht gealtert, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja, es ist einfach ein Film, der schlecht gealtert ist. Und es ist schade, weil es halt diese Momente gibt, wo man merkt, dass er Humor hat, dass er gute Witze erzählen kann, dass er ein gutes Timing hat, dass er auch sich traut, bizarr zu werden. Was ihm halt tatsächlich komplett fehlt, ist neben diesen Blödeleien irgendwie so eine etwas tiefer gehende Komponente. Und das muss nicht viel sein. Wie gesagt, es würde reichen, wie bei Placing Settles, dass es diese leichte politische Komponente gibt, dass es irgendwas gibt, was darüber hinaus geht, einfach nur diese Klischees zu nehmen und sich drüber lustig zu machen. Es ist halt ein bisschen dünn. Und da kommt er nicht so ganz raus. Und das liegt auch vor allem an seinem Alter. Ich weiß, ich fand ihn auch lustig, als ich jünger war. Und das ist auch schon lange her, dass ich ihn gesehen habe. Und ja, es ist dann halt auch nichts anderes. Also das ist ein Film, wenn der seinen Unterhaltungswert verliert, dann hat er auch nichts mehr. Ja, dann kann man nicht mehr sagen, oh, das ist spannend als Kulturgut, als historisches Kulturgut. Oder das ist interessant wegen dieser Meta-Ebene, weil er halt so krass auf diese Unterhaltung auszielt. Das ist sein Existenzgrund. Er will unterhalten und er will Spaß machen und zum Lachen bringen. Und er will viel zum lauten Lachen bringen. Und wenn er das nicht mehr kann, dann verliert er das so ein bisschen. Kultfilm hin oder her.
Johannes Franke: Ja. Ach man, Clor, wie kommen wir jetzt zu unserer Top 3? Lass uns eine richtige Überleitung überlegen. Eine richtige Überleitung. Also wir waren ja beim Schluss, ne? Ja. Und dann, ähm... Also Capote wäre ja eigentlich tot gewesen. Aber dann taucht er wieder auf. Ja. Tot? Nicht tot? Nicht tot? Oh, Clor, ist das vielleicht ein Thema für eine Top 3? Töne.
Florian Bayer: Unsere, ähm, Top 3.
Johannes Franke: Clor, das war ganz inspiriert. Wir waren richtig gut gerade. Ich glaube, wir waren richtig toll.
Florian Bayer: Ich finde es auch gut, wie du mir das geschrieben hast. Ich muss das nochmal kurz vorlesen. Wir schreiben uns immer im Laufe der Woche, wo wir die Aufgabe machen, schreiben wir uns, ähm, schreibt der, der den Film vorgeschlagen hat, der darf das damit entscheiden, was er gerne als Top 3 nehmen würde. Und Johannes hat mir geschrieben, gestern... So, die Top 3 Kategorie zum Mörder bei Death ist Tod? Fragezeichen. Überraschung, ich bin doch nicht tot. Ausrufezeichen. Um das hier einmal darzulegen, ich glaube, ich habe andere Filme gefunden als Johannes. Ich habe nämlich, ich habe nämlich tatsächlich keinen einzigen Mörder-Mystery mit großem, witzigen Plot-Twist in meiner Top-Liste. Ich auch nicht. Ich habe sehr viel Verwirrung über die Frage, tot oder lebendig.
Johannes Franke: Oh, ich bin sehr gespannt. Und ich bin total gespannt, was du hast. Okay. Ja, dann fang du mal an mit deiner Top 3, die Nummer 3.
Florian Bayer: Ich würde ganz kurz ein paar Honorable Mentions nennen. Och, sag das noch. Ich habe ganz viele Honorable Mentions. Also, was am ehesten in diese Mörder-Mystery-Ecke passt so tot, ich bin doch nicht tot, das wären Mission Impossible und Wild Things. Ja, okay. Mission Impossible, wo am Schluss sich der Tom Cruise-Film, wo sich am Schluss der Oberbösewicht enttarnt als sein früherer Chef, von dem er dachte, er wäre tot. Und Wild Things, wo eine, das ist so ein eigentlich ein ganz plumper Erotik-Thriller aus den 90ern, wo eine Figur, die man als tot erachtet hat, ganz am Schluss wieder aufkommt. Um das einmal zur Seite zu spülen. So. Okay. Dann hätte ich einmal noch als Honorable Mention, weil es eine Serie ist, Kenny aus South Park. Ja. Wo das Ganze folgenübergreifend geschieht und immer wieder, er ist tot am Ende. Sie haben Kenny getötet. Also, ist er einfach da. Ein sehr nettes Spiel damit. Und dann würde ich gerne noch komplett aus der Spur und ein Buch nennen. Oh, okay. Okay. Und zwar das große, große Mammut-Epos von Stephen King, The Dark Tower, Der Dunkle Turm.
Johannes Franke: Willkommen bei Muss man sehen Podcast. Muss man lesen Podcast. Ich hab den Gag versaut. Willkommen bei Muss man sehen. Nein. Willkommen muss man. Nein. Flor, ich krieg das hin. So, letzter Versuch, sonst wird's zu aus. Willkommen beim Muss man lesen Podcast. Flor, was hast du diese Woche ausgesucht?
Florian Bayer: Also, ich war ja in meiner Jugend ein großer Stephen King Fan. Mhm. Und mittlerweile bin ich das gar nicht mehr so, aber ein Buch von Stephen King, was wirklich zeitlos ist und immer noch funktioniert, ist die große Reihe Der Dunkle Turm, der aus mehreren Teilen besteht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und in diesem Dunklen Turm landet in einer fiktiven Welt, wo der Revolvermann unterwegs ist. Es wäre jetzt zu viel, wenn ich die Story erzählen würde. Es geht um eine postapokalyptische Welt und der Revolvermann ist auf der Suche nach dem Turm. Mehr muss man nicht wissen. Okay. Und es ist irgendeine fremde Welt. Hat nichts mit unserer Welt zu tun oder nur so Versatzstücke. Und da landet jemand und zwar ein Kind, das Jake heißt, weil es gestorben ist. Es wurde von einem Killer vor ein Auto gestoßen. Und der Revolvermann nimmt dieses Kind mit und irgendwann stirbt dieses Kind auf dem Weg. Klingt sehr nach Stephen King. Und zwei Teile später, ein Teil später, ist der Revolvermann landet in den Körpern von Menschen in unserer Welt und kann deren Handlungen beeinflussen und dann landet er in dem Mörder von diesem Kind und verhindert, dass das Kind umgebracht wird. Und dann ein Teil später, im dritten Buch, wird erzählt, was danach geschehen ist aus Sicht des Kindes. Das Kind läuft durch die Welt und denkt die ganze Zeit, ich bin tot, ich bin gestorben. Nein, ich lebe, ich bin nicht gestorben. Und hat diese zwei Erinnerungen, tot und lebendig, die miteinander kämpfen. Das ist eine gute Stephen King Idee. Dafür mag ich Stephen King. Toll erzählt. Es ist so ein Abdriften in den Wahnsinn, weil er darauf nicht klarkommt, dass zwei Realitäten nebeneinander existieren. Einmal sein Zustand als lebendig und einmal sein Zustand als tot. Und er versucht damit irgendwie klar zu kommen. Das ist toll geschrieben, spannend gemacht. Der Dunkelkurm von Stephen King. Meine Literaturempfehlung für den Muss man lesen Podcast diese Woche. Ich bin bei Stephen King.
Johannes Franke: Ich finde so viele Ideen klingen so gut bei ihm. Und beim Lesen denke ich dann jedes Mal, ich habe keine Lust mehr.
Florian Bayer: Stephen King hat so einige Flaws beim Erzählen. Vor allem, dass er sich zu sehr in Details verliebt. Weil Stephen King schreibt Bücher, die 500 Seiten dick sind und wenig passiert, weil er sich bei einer Schießerei um jedes kleine Detail kümmern muss. Deswegen sind die auch so schwer zu verfilmen. Weil bei Stephen King, wenn man Stephen King verfilmt und die Sachen weglässt, die normalerweise Verfilmungen weglassen von Büchern. Dann bleibt nicht viel übrig. Dann ist es ein Kurzfilm von 10 Minuten. Ich glaube, das ist ein Grund, warum es so wenige gute Stephen King-Verfilmungen gibt. Weil als Filmemacherin ist das eine große Herausforderung, den Fokus richtig zu setzen. Obwohl seine Bücher von den Geschichten her sich total gut für Filme eignen. Aber man muss halt irgendwie ein bisschen Fokus verschieben und muss gucken, welche Details von ihm wichtig sind und wie man die inszeniert. Und das ist gar nicht so einfach. Okay. Mein Platz 3. Dein Platz 3. Ganz klassisch, traditionell. Tod, oh nein, er ist nicht tot, ist natürlich der Slasher-Film. Also jeder kennt das. Jeder, der einen Slasher-Film mal gesehen hat, weiß das. Es gibt immer den Moment, wo man denkt, der Mörder ist jetzt endlich geschlagen. Und dann steht er nochmal auf und wird nochmal zur richtig großen Bedrohung. Und am besten umgesetzt ist dieses Konzept nicht in Spoof, aber zumindest in einer Reflexion des Shores und zwar in Scream von 1996. Wo sie am Schluss vor dem Mörder stehen, nachdem er vermeintlich umgebracht wurde. Und dann gucken sie runter auf ihn und unser Filmfreak sagt dann, oh nein, das ist der Moment im Horrorfilm, in dem der Mörder nochmal aufsteht, sie ein letztes Mal aufbäumt und zur großen Bedrohung wird. Und dann richtet sich der Mörder wieder auf und im selben Moment, in derselben Sekunde ertönt ein Schuss und er fällt wieder tot um. Und die Protagonistin sagt, in meinem Film nicht. Fantastisch. Tolle Szene, tolle ironische Auseinandersetzung mit diesem Klischee.
Johannes Franke: Top. Okay. Okay. Ja, Scream habe ich nie so, du weißt, ich habe es mit Horrorfilmen nicht so sehr. Mein Platz drei wäre The Prestige. Ah, natürlich, ja. Wo der Hauptfigur immer wieder einen Klon von sich selbst umbringt und dann wieder auftaucht. Das ist halt der Zaubertrick, den er macht, dass er auf der einen Seite verschwindet, auf der anderen Seite wieder auftaucht. Der ist tot, aber irgendwie doch nicht tot.
Florian Bayer: I'm back. Mein Platz zwei. Ein Film aus dem Jahr 1991 von Wolfgang Petersen. Tatsächlich. Der ein Mystery-Thriller, Tod im Spiegel, beziehungsweise Shattered, der ein ganz klassischer Mystery-Thriller ist. Ist ein wirklich guter Film. Es ist jetzt kein Meisterwerk, aber es ist ein guter Film, unterhaltsamer Film. Und unser Protagonist hatte einen Autounfall mit seiner Freundin zusammen und hat einen Gedächtnisverlust und versucht dann irgendwie im Leben wieder klar zu kommen. Und es gibt einen großartigen Plottwist in diesem Film, der genau auf diese Top drei abzielt und ich kann ihn nicht verraten, weil sonst mache ich den Film allen kaputt. Und das ist halt ein Film, den viele wahrscheinlich nicht gesehen haben. Deswegen sage ich an dieser Stelle nur, es gibt diesen Film, er heißt Tod im Spiegel.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er hat einen super Plottwist, der um diese Frage Tod, ach nee, doch nicht Tod kreist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ihr müsst ihn euch anschauen, um den Plottwist zu erfahren. Ich kann ihn nur empfehlen.
Johannes Franke: Okay. Okay. Ich bin intrigued. Bin mal gespannt. Okay. Mein Platz zwei ist This Ding. Da wird am Ende eine Schießerei inszeniert, die man als Zuschauer erstmal echt abnimmt, wo man dann denkt, what, ihr habt gerade den Hauptdarsteller umgebracht, oh mein Gott. Und dann ist es aber nur eine Inszenierung gewesen für den, den sie da abziehen wollten, dem sie das Geld abziehen wollten. Mhm. Was ein ganz toller, er ist tot und nein, er ist doch nicht tot im Moment ist. Auch so ein sehr sympathischer Moment, ne?
Florian Bayer: Ja, ja. Weil er kommt dann hoch und spuckt dann die Blutkapsel aus, die er zerbissen hat, damit die Blut aus dem Mund fließt.
Johannes Franke: Und alle fangen an zu lachen und umarmen sich und freuen sich, dass es geschafft hat.
Florian Bayer: Ja, so ein schöner Theatermoment. Ja. Cool. Ja. Sehr cooler Platz zwei.
Johannes Franke: Wir haben sehr lange über das Ding geredet, wenn ihr da reinhören wollt. Hört euch die Episode an. Es gibt eine Episode zu das Ding.
Florian Bayer: Mein Platz eins, der Suspense-Meister, Mr. Alfred Hitchcock. Oh. Mit Vertigo aus dem Reich der Toten von 1958. Wo der berühmte Vertigo-Effekt herkommt. Wo der berühmte Vertigo-Effekt herkommt. Und es geht darum, dass ein Detektiv beauftragt wird von einem ehemaligen Freund, dass er seine Frau beschatten soll.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dann stirbt diese Frau, beziehungsweise begleitet Selbstmord. Man weiß es nicht genau. Und der Detektiv wird in schwere Depressionen gestürzt dadurch und lernt einige Zeit später eine Frau kennen, die genau so aussieht wie diese Frau. Und da wir bei diesem Thema sind, ist der Plot-Twist natürlich, es ist diese Frau und der Tod wurde nur vorgetäuscht.
Johannes Franke: Und ja. Jetzt höre ich Dutzende von ZuhörerInnen vor den Geräten sitzen und zu schreien und zu sagen, erzähl mir, was ist denn der Vertigo-Effekt? Warum, warum, warum zisert ihr das jetzt an und erzählt nicht, was es ist? Das muss man sehen. Lexikon. Der Vertigo-Effekt, bloß der Vollständigkeit halber. Das ist der Effekt, im Film ist es der Effekt, wo einer einen Treppengang runterschaut und so einen Schwindel erlebt, so einen Schwindel-Effekt. Also er hat, glaube ich, Höhenangst einfach, das wird, glaube ich, erzählt. Genau, er hat Höhenangst. Und deswegen fängt dieser Treppengang an, sich irgendwie künstlich zu stretchen. Man hat das Gefühl, da wird irgendwie die Dimensionen verschieben sich.
Florian Bayer: Ja, und das, was nahe ist, kommt näher und das, was weiter weg ist, geht weiter weg. Ein ganz merkwürdiger Effekt.
Johannes Franke: Und der wurde tatsächlich, also es dem Kameramann natürlich anzulassen als eher Hitchcock. Hitchcock nimmt das für sich in Anspruch, diesen Effekt erfunden zu haben. Aber er war ja nicht der Kameramann. Das heißt, er hat es mit dem Kameramann zusammen entwickelt und es gab auch vorher schon Ansätze davon. Da wird jetzt ganz viel eingesetzt, wenn eine Situation irgendwie für eine Figur so ein bisschen fremd wirkt oder wenn du das Gefühl hast, plötzlich eine neue Information wirft dich vollkommen aus der Bahn oder sowas. Und dann hast du den Effekt, dass die Kamera an die Person ranfährt, aber der Hintergrund irgendwie weggeht oder du hast das Gefühl, dass die Person bleibt gleich und der Hintergrund irgendwie verschwindet dann nach hinten. Hitchcock hatte keine Chance, das Ganze digital zu machen. Was heute oft digital wirkt, ist tatsächlich ein physischer Vorgang, in dem die Kamera auf die Figur zufährt. Die Linse, die da vorne dran ist, das Objektiv, das zoomt raus gleichzeitig.
Florian Bayer: Ja, dadurch bleibt der Bildausschnitt gleich und gleichzeitig findet diese Veränderung statt zu einem Weitwinkel. Und es wird tatsächlich, es wird auch heute im Film, es wird sehr selten eingesetzt, weil es ist ein sehr krasser Effekt. Er fällt auch direkt ins Auge. Wenn man den sieht, es ist mehr als sonst Kamerazooms und Fahrten subtil machen. Und deswegen ist, also wenn man das sieht, dann weiß man direkt, oh krass, da passiert irgendwas technisch, das ist ungewöhnlich, weil es ist halt, es erzeugt halt auch so einen surrealen Effekt, weil es einfach, weil es die Realität tatsächlich verschiebt, weil es, du hast eine Perspektivverschiebung, die keinen Sinn ergibt. Warum verändert sich der Hintergrund, während der Vordergrund gleich bleibt? Wie kann das sein? Wie kann da eine Weite entstehen auf einmal? Und es ist spannend.
Johannes Franke: Also wenn ihr irgendwie Zugang zu einem Objektiv habt, also ein Zoom-Objektiv, das gleichzeitig Weitwinkel sein kann und reinzoomen kann, dann testet das mal aus. Nehmt euch mal eine Person, stellt die irgendwie in einen Raum hinein. Wenn ihr den Weitwinkel macht, dann seht ihr vom Raum hinten sehr viel mehr, als wenn ihr reingezoomt habt, aber die Person im gleichen Ausschnitt habt. Und das ist spannend.
Florian Bayer: Ja, das gehört auch zu den technischen Sachen, über die sich Laien selten Gedanken machen. Also wie gut eine Szene wirkt, egal ob jetzt Fotografie oder Film, hängt ganz stark davon auch ab, wie Zoom-Stufe, welches Objektiv man benutzt, wie man steht zur Perspektive. Also man kann einen Raum, einen ganz banalen Raum, kann man riesengroß erscheinen lassen oder ganz klein, weil die Kamera macht eben doch mehr mit einem Raum als das menschliche Auge, weil sie halt einfach nur einen Ausschnitt zeigt, weil sie halt auch ein zweidimensionales Bild daraus macht. Und wenn ihr fotografiert, achtet mal drauf, was alles möglich ist mit unterschiedlichen Objektiven, mit unterschiedlichen Zoom-Stufen, wie verschiedene Räume wirken können dadurch.
Johannes Franke: Leider funktioniert das mit dem Handy eher nicht, weil Handys haben keine physikalischen Zooms in der Form, wie das, also die meisten haben halt einen digitalen Zoom auf einem Weitwinkel. Also die meisten Objektive, die gebaut werden in Handys, sind halt Weitwinkelobjektive und das war's. Manchmal gibt's jetzt, es gibt auch Kameras, also Handys mit drei verschiedenen Linsen drin.
Florian Bayer: Mittlerweile fast Standard, oder? Das stimmt. Die meisten modernen Handys haben drei Linsen drin, da kann man auch ein bisschen spielen mal mit so Weitwinkeleinstellungen, da sieht man zumindest schon, wie krass sich ein Raum ändert und man sieht ja diese Krümmung, ihr kennt das ja alle, dass ihr sagt, einmal mach mal einen Weitwinkel, ich will mir vom Raum einfassen, dann stellt ihr fest, was passiert denn da, das krümmt sich ja voll komisch. Genau, an den Rändern. Weil die Kamera natürlich nicht so sieht wie das menschliche Auge, sondern die Kamera kann halt auch einfach nur ein Bild machen im Format 16 zu 9 oder 4 zu 3. und dann muss sie halt Informationen strecken und das sieht dann entsprechend aus.
Johannes Franke: Übrigens, eigentlich ist es das Auge, also das Auge sieht genauso wie eine Kamera eigentlich, bisschen besser, aber das Hirn macht das, was wir draus machen. Das Hirn ist das, was die Verzerrung an den Seiten, die wir eigentlich haben als Weitwinkel im Objektiv im Auge, wieder ordentlich korrigiert. Aber egal, das ist die physikalische, der kleine Exkurs gewesen. Das war, das muss man sehen, Lexikon. Johannes, dein Platz 1. Womit ich auf meine Platz 1 komme, auf meinen Platz 1 und zwar ist das Gandalf, Herr der Ringe, Gandalf. Der einmal in die Hölle fällt und dann irgendwann wieder aufzutauchen. Und ich habe Rotz und Wasser geheult als Jugendlicher, als ich das Buch gelesen habe. Nein, die können den noch nicht sterben lassen. Und dann taucht er wieder auf. Das ist so für mich der Standard.
Florian Bayer: Ja, das ist auch wirklich toll. Ich überlege gerade, weil ich wusste es beim Film natürlich auch. Ich überlege gerade, wie es im Film ist, wie der Effekt im Film ist, wenn man es schon weiß, weil die meisten, die den Film gesehen haben, wussten wahrscheinlich, dass Gandalf zurückkommen wird. Ja, natürlich, ja. Aber es ist natürlich trotzdem toll gemacht, vor allem, weil der Film sich halt einfach auch mal einen ganzen Film Zeit lässt, bis er ihn zurückkommen lässt.
Johannes Franke: Ja, und das ist ein wichtiger, großer und wesentlicher Charakter. Und der ganze zweite Film muss quasi ohne ihn auskommen. Obwohl, der ganze, weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Nee, er kommt, glaube ich, relativ am Anfang vom zweiten Film. Der erste Film, also das letzte Drittel mindestens, wenn nicht sogar die zweite Hälfte vom ersten Film kommt ohne ihn aus. Ja. Und dann ein gutes Stück am Anfang vom zweiten Film. Und es ist toll gemacht, weil es nicht mit so einem Augenzwinkern ist, sondern es ist wirklich ein erhabener Moment, wenn er wieder auftaucht. Cool, schöner Platz eins. Das war unsere Top 3. Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Chlor, haben wir zu unserem Film noch irgendwas zu sagen? Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte.
Florian Bayer: Das ist, ich kann, ich kann für diesen Film keine Empfehlung aussprechen. Ich finde, er ist, also ich rate nicht, ich rate nicht davon ab, den zu gucken, man findet seine spaßigen Momente. Ich finde, er gehört nicht mehr zum essentiellen Bestandteil der Filmgeschichte. Ich glaube, das war vor 30 Jahren anders. Und ich kann auch verstehen, dass viele ihn abgöttisch lieben, auch mit nostalgischen Gefühlen, die damit verbunden sind. Genau. Ich fand, es waren dann, es waren zu viele Witze, die mich geärgert haben, die geschmerzt haben, die ich einfach nicht witzig fand. Und zu wenige, die getroffen haben, auch wenn die, die getroffen haben, richtig gut waren.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ich würde sagen, wenn ihr den Film als Kind oder Jugendliche gesehen habt und ihn toll fandet und jetzt vielleicht den Podcast genau deswegen gehört habt, weil ihr gedacht habt, ah, stimmt, dieser Film und ich fand den so witzig und jetzt erzählt mir mal, wie witzig ihr den fandet und jetzt vielleicht ein bisschen enttäuscht seid. Schaut euch den Film wirklich nochmal an. Es ist die Erfahrung wert, ein Stück Kindheit zu verlieren. Also im positiven Sinne zu verstehen, wir haben uns weiterentwickelt. Wir sind nicht mehr dort. Wir haben eine Evolution des Humors und des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Dinge, die, wie wir aufeinander aufpassen und uns nicht mehr gegenseitig erzählen. Ha, guck mal, der Blinde, da kriegt es nicht hin, seine Taube und Stumme Angestellte ordentlich zu, also die Kommunikation und so. Ja. Also.
Florian Bayer: Und um das nochmal zu betonen, dass wir diesen Film gerade kritisiert haben, hat nichts mit Cancel Culture zu tun. Nichts mit übertriebener Wokeness oder sonstigen. Also diese ganzen Kampfbegriffe könnt ihr euch in den Arsch stecken. Ja. Das gehört dazu, dass man eben auf solche Kunstwerke auch nochmal kritisch zurückblickt und auch nochmal sagt, naja, funktionieren die heute noch so? Und wenn ihr sagt, hey, für mich funktioniert das immer noch so, ich finde es immer noch toll, mich über Menschen mit Behinderung lustig zu machen und über Chinesen und über Schwarze und über Homosexuelle und so weiter, dann hey, schön für euch, fickt euch.
Johannes Franke: Nein, aber vielleicht auch auf einer anderen Seite, vielleicht kann man sich den Film auch anschauen und ihn einfach nur im Kopf dort einsortieren, wo er passiert ist und sich trotzdem über viele Sachen freuen. Auf jeden Fall. Und das habe ich. Ich habe mich über viele Sachen trotzdem gefreut.
Florian Bayer: Ich war froh, dass ich ihn nochmal gesehen habe und ich habe tatsächlich auch, es gab an seinen guten Momenten, das ist ja saulustig, viel lustiger als viele Filme, die heutzutage gedreht werden. Ja, richtig.
Johannes Franke: Er hat Klaas an vielen Stellen, an anderen Stellen weniger. Also ich würde ja behaupten, Klaas hat er eigentlich nicht. Doch, an manchen Stellen schon, finde ich. Egal. Egal. Jetzt machen wir nicht dieses Fass auch noch auf. Wenn ihr dieses Fass aufgemacht haben wollt, dann schreibt uns. Dann schreibe ich euch per Mail dieses Fass. Und schickt uns gerne Anregungen für Filme, die wir mal besprechen sollen, wo ihr sagt, das ist ein Film, den müsst ihr unbedingt sehen. Der gehört in die Liste der Filme, die man sehen muss, bevor man stirbt. Machen wir eine Liste von Filmen, die man sehen muss, bevor man stirbt? Ja, auf jeden Fall sollten wir machen. Wir haben schon, wie viele Filme haben wir denn schon besprochen? Also die sind jetzt alle auf der Liste. Die sind alle auf der Liste? Nein, die sind nicht alle auf der Liste. Dieser hier Film kommt nicht auf die Liste. Wir nähern uns langsam der 100, ne? Oh mein Gott. Episoden. Nein, Filme.
Florian Bayer: 100 Filme. Wir haben über 100 Filme besprochen, oder? Nee, nicht über 100 Filme, aber wir nähern uns den 100. Wir haben 59 Episoden und wir haben vielleicht bei 30 zwei Filme. Ah, vielleicht, vielleicht. Dann sind wir schon bei... Wir könnten bei der 100 sein, wir müssen das nochmal gegenchecken. Und bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt, da gibt es nämlich einen Gast. Etwas Besonderes. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Zur 60.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank für dieses Gespräch. Vielen Dank für den Filmvorschlag. Vielen Dank, Flor, dass du dir das angeschaut hast und dass wir darüber reden konnten. Vielen Dank, Leute, fürs Zuhören. Danke, dass ihr es ertragen habt wie zwei Berliner Hipster. Ein Mittelalter, Mitte 30, Ende 30. Ein 70er-Jahre-Film kranzeln, weil sie nicht damit klarkommen, dass Witze auf Kosten von Minderheiten gemacht werden. Wir hören uns nächste Woche. Bis dann. Bis dahin. Ciao. Ciao. Sublo. So liebes Publikum. Ja. Wir haben eine... Unsere 60. Episode steht bevor. Ja, wir sind ganz aufgeregt. Ja. Und wir haben endlich mal wieder einen Gast. Ja.
Johannes Franke: So liebes Schari eingeladen. Meine Freundin Schari. Ja. Die wir nächste Woche dazu holen. Die aber schon jetzt... Hallo. Da bin ich. Guten Tag. Hallo Schari. Ich freue mich, dass ich eine weibliche Note in diesen männlichen Podcast reinbringen darf. Das ist total gut. Das brauchen wir viel mehr. Ja, wir haben das schon mal bemerkt. Ja, wir brauchen das dringend. Okay, dann möchte ich euch auch einen sehr, sehr weiblichen Film mitbringen. Fantastisch. Fantastisch. Ich bin gespannt. Was hast du denn für uns? Ich habe mir überlegt, was kann man euch geben, was ihr noch nicht gesehen habt. Und da möchte ich zu meinen Wurzeln zurück. Und ich möchte, dass ihr euch gerne Bang Boom Bang anguckt. Ein Film, ein Ruhrgebietsfilm. Punkt.
Florian Bayer: Ratlose Gesichter. Sehr gut. Aber das ist ja perfekt. Es geht ja wirklich darum, dass wir hier unseren Horizont erweitern. Mit Bang Boom was? Und Ruhrgebietsfilme gehören nicht unbedingt zu meinem größeren Film Horizont, würde ich behaupten. Nein, auch nicht. Ich kenne doch nicht immer sächsische Filme.
Johannes Franke: Kennst du saarländische Filme? Gibt es da besondere Sachen? Naja, es gibt Familie Heinz-Becker, aber das ist eine Serie. Das zählt nicht als Film. Okay. Und ist das ein Genre? Irgendwie so Ruhrgebietsfilme? Ich glaube, da gibt es schon mehr als einen Film, sagen wir es mal so. Aber das könnt ihr auch erfahren, wenn ihr euch dann diesen Film anguckt und dann in die Recherche geht.
Florian Bayer: Okay. Das ist ein Arbeitsauftrag, würde ich sagen. Also wir sehen uns nächste Woche mit Schari und mit Bang Boom Bang, einem Ruhrpotsfilm. Und ich bin sehr gespannt, was da auf uns zukommt. Ich auch. Sehr schön. Bis nächste Woche. Ich freue mich drauf. Ciao.
