Episode 84: John Wick – Kann Action mehr als Klischees?
Wie sieht das Rezept für einen typischen 2010er Action B-Movie aus? Man nehme eine uninspirierte Rachestory, besetze das Ganze mit einem ehemaligen Star, der unbedingt ein bisschen was für die Portokasse braucht. Und man gestalte ein generisches Filmplakat, auf dem eben jener Star mit einer Waffe in der Hand grimmig dreinschaut, entweder vor rot-orangenem oder schwarzblauen Hintergrund. Diesem einfachen Rezept haben wir sehr viele durchschnittliche und katastrophale Actionfilme der 2010er Jahre mit Bruce Willis, Nicolas Cage oder John Travolta zu verdanken.
Auch das Plakat für John Wick lässt genau einen solchen Film erwarten. Und auch wenn man sich die Story des 2014er Films auf dem Papier anschaut, sieht es nicht viel besser aus: John Wick, gespielt von Keanu Reeves einer der besten Auftragskiller ist mittlerweile im Ruhestand. Als jedoch ein paar russische Gangster sein Auto klauen und seinen Hund töten, beschließt er noch einmal loszuziehen und in der Unterwelt aufzuräumen, angetrieben von schierer Rachsucht, ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten.
Knall, Bumm, Peng… und Schluss? Oder doch nicht? Ja, John Wick hat viel von durchschnittlicher 2010er Actionkost. Aber doch hat dieses kleine Filmjuwel auch irgendwie mehr? Die extrem gute Technik? Die Freude an visuellen Extravaganzen? Die zynische schnörkellose Kälte? Ja, ja, ja…. und noch etwas ganz anderes Entscheidendes. Aber bevor ich damit rausplatze, gebe ich das Wort an meinen geschätzten Kollegen und Actionfilmverweigerer weiter. Johannes, hast du denn auch ein Mehr gesehen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 84: John Wick – Kann Action mehr als Klischees? Publishing Date: 2022-08-14T08:18:20+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/08/14/episode-84-john-wick-kann-action-mehr-als-klischees/
Johannes Franke: So dermaßen, so viele Klischees. Es gibt nur Klischees, nichts anderes.
Florian Bayer: Wir haben dieses typische Girl in the Fridge-Thema, die Frau ist tot, um dem Helden irgendeine Motivation zu geben. Das ist so doof.
Johannes Franke: So, ich mach einfach mal an, auch wenn du noch mit deinem Tee beschäftigt bist. Willkommen, Johannes. Herzlich willkommen, Plur.
Florian Bayer: Zu einer neuen Episode vom Muss-man-sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme zuwerfen.
Johannes Franke: Hier mit einem Fake-Start, den wir...
Florian Bayer: Ist aber ganz gut geworden, oder?
Johannes Franke: Ja, ja, wir haben das jetzt dreimal gemacht. Ich glaube, der geht's jetzt.
Florian Bayer: Also, wenn du das am Anfang wegschneidest, wo wir sagen, und jetzt los, und du einzählst. dann klingt es so, als würden wir einfach so in diese Episode reinrutschen aus einem ganz normalen Gespräch heraus.
Johannes Franke: Genau, wir haben uns vorher über, worüber haben wir uns unterhalten? Über Hundebabys.
Florian Bayer: Ach, du hast von Hundebabys geredet. Jetzt verstehe ich, warum du mich so irritiert angeschaut hast.
Johannes Franke: Ja, ich weiß ja nicht, was du sonst mit deinen Hundebabys machst, aber das nicht. Okay, wir wollen die Leute nicht weiter verwirren.
Florian Bayer: Welpen, nicht weipen. Was?
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein.
Florian Bayer: Ich habe diese Woche Johannes einen Film aufgegeben. Johannes ist nämlich ein Action-Film-Verächter, was dazu führt ... dass wir hier sehr wenig über reines Actionkino reden.
Johannes Franke: Ja, Gott sei Dank.
Florian Bayer: Was auch daran liegt, dass ich auch kein großer Genre-Liebhaber bin. Ich bin nicht der größte Fan von klassischen Actionfilmen.
Johannes Franke: Das freut mich sehr, Plor. Umso mehr hat es mich gewundert, dass du mir John Wick gegeben hast.
Florian Bayer: John Wick? Den großen Actionfilm, der ja der Start war einer Franchise, die mittlerweile drei Filme hat, der vierte wird gedreht, wurde fertig gedreht vielleicht sogar schon. Wird demnächst veröffentlicht und der fünfte und letzte Teil ist zumindest schon in Planung. Also tatsächlich eine richtige Franchise, die einfach mal erfolgreich war. Und ich glaube, sie war auch so erfolgreich, weil... Weil es gibt eine gewisse Sehnsucht nach reinen Actionfilmen, weil seitdem Marvel das so ein bisschen übernommen hat, diese Action-Abenteuer-Ecke, gibt es halt so eine sehr spezifische Form, wie Action inszeniert wird. Und das ist halt sehr bunt und sehr CGI-lastig.
Johannes Franke: Was dieser Film irgendwie konterkariert so ein bisschen. Also richtig bunt ist er nicht. Ne genau, es ist ja auch kein Arbeitsfilm. Genau. Was wahrscheinlich auch das ist, warum der so dankbar angenommen wird.
Florian Bayer: wurde. Und er fällt ja in der Ecke, es gibt ganz viele von diesen Actionfilmen. Es gibt ganz viele so Revenge-Actionfilme, darauf kann man auf jeden Fall gleich noch zu sprechen. Und die meisten sind halt totale Krütze. Und selbst Leute, die Actionfilme mögen, finden die halt auch totale Krütze. Also es gibt so viele B-Movies, die nach diesem Schema funktionieren. Und Deswegen ist es so ein bisschen schwierig. Wenn du wirklich einfach nur straightforward Action magst, guckst du dir entweder so einen schlechten B-Movie an, bist danach nicht wirklich glücklich. Wie Rambo? Rambo ist ein Gesellschaftsdrama über die Verarbeitung des Vietnamtraumas einer ganzen Generation.
Johannes Franke: Ja, aber ein schlechterer.
Florian Bayer: Aber kein reiner Actionfilm. Pass auf, sonst gebe ich dir Rambo 2 und 3 auf.
Johannes Franke: Oh nein! Aber ich will bloß, ich habe mal unsere Liste geöffnet, weil du gesagt hast, dass du Actionfilme auch nicht so magst und wollte mal gucken, was wir denn so an Actionfilmen drin haben. Wir haben Rambo drin. Fucking Rambo.
Florian Bayer: Ja, aber für Rambo würde ich jederzeit meine Hand ins Feuer legen, dass er nicht als reiner Action-Film durchgeht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt vielleicht.
Florian Bayer: Was wir wirklich als reinen Actionfilm haben, und das kommt eben eher aus der Trash-Ecke, das war Kommando. Den haben wir ja besprochen als als Vertreter des 80er Actionkinos, aber seitdem ist natürlich auch sehr viel passiert. Wir hatten die 90er dazwischen, eine Zeit, in der im Kino vieles schiefgelaufen ist, aber es gab ganz gute Actionfilme in den 90ern.
Johannes Franke: Beispiel?
Florian Bayer: Speed. Keanu Reeves. Habe ich gar nicht gesehen.
Johannes Franke: Ich habe Speed nicht gesehen.
Florian Bayer: Interessant.
Johannes Franke: Mich hat Speed genauso wenig interessiert wie John Wick.
Florian Bayer: Du hast wirklich krasse Lücken, was dieses Genre betrifft. Vielleicht musst du dich einfach mal die nächsten Male immer wieder und wieder und wieder mit Actionfilmen bombardieren. Bis du irgendwo diesen einen Juwel findest, der dich sagen lässt, ah, okay, Action geht auch in gut.
Johannes Franke: Ich sage dir, wer der Juwel war. Tiger and Dragon.
Florian Bayer: Tiger and Dragon. Ist ein Martial-Arts-Film. Kein reiner Action-Film.
Johannes Franke: Machst du diese Unterscheidung auf? Das ist gemein.
Florian Bayer: Das ist natürlich auch schwierig, weil die meisten Filme, die actionzentriert sind, haben Genres, die oben drüber sind. Zum Beispiel Star Wars hat Science Fiction.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also vor allem, wenn wir so was uns angucken wie Episode 5, das war schon ein Actionfilm irgendwie, aber mit so Science Fiction oben drüber.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die Marvel-Filme sind natürlich Comic, Fantasy.
Johannes Franke: Genau, haben wir ja auch schon gehabt. Thor Ragnarok haben wir besprochen.
Florian Bayer: Genau. Und das hast du eigentlich immer in diesem Genre. Und dann gibt es daneben eben noch diese Spur von reinen Actionfilmen. In den 90ern wäre das sowas wie Speed, in den 80ern sowas wie Commando.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann sehr vieles B-Movie-Ware aus den 2000ern und 2010ern.
Johannes Franke: Ich bin halt wirklich kein großer Actionfilm-Fan und ich würde gerne mit dir mal in dieses Gespräch erstmal reingehen, dass du mal vorliest, was du dir zum Film... ausbedungen hast und dann können wir anfangen zu streiten, was daran gut und was daran vielleicht nicht so gut ist, bevor ich jetzt schon anfange, dich niederzumachen.
Florian Bayer: Na gut, legen wir los. Wie sieht das Rezept für einen typischen 2010er Action-Bee-Movie aus? Man nehme eine uninspirierte Rache-Story, besetze das Ganze mit einem ehemaligen Star, der unbedingt ein bisschen was für die Portokasse braucht und man gestalte ein generisches Filmplakat, auf dem eben jener Star mit einer Waffe in der Hand grimmig reinschaut. Entweder vor rot-orangenem oder schwarz-blauem Hintergrund. Diesem einfachen Rezept haben wir sehr viele durchschnittliche und katastrophale Actionfilme der 2010er Jahre unter anderem mit Bruce Willis, Nicolas Cage oder John Travolta zu verdanken. Auch das Plakat für John Wick lässt genau einen solchen Film erwarten. Und auch wenn man sich die Story des 2014er Films auf dem Papier anschaut, sieht es nicht viel besser aus. John Wick, gespielt von Keanu Reeves, einer der besten Auftragskiller, ist mittlerweile im Ruhestand. Als jedoch ein paar russische Gangster sein Auto klauen und seinen Hund töten, beschließt er noch einmal loszuziehen und in der Unterwelt aufzuräumen. Angetrieben von Schierer Rachsucht, ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten. Knall, bumm, peng. Und Schluss? Oder doch nicht? Ja, John Wick hat viel von durchschnittlicher 2010er Action-Kost. Aber doch hat dieses kleine Filmjuwel auch irgendwie mehr? Die extrem gute Technik? Die Freude an visuellen Extravaganzen? schnörkelose kälte ja ja ja ja und noch etwas ganz anderes entscheidendes aber bevor ich damit raus platze gebe ich das Wort an meinen geschätzten Kollegen und Actionverächter weiter. Johannes, hast du denn auch ein Meer gesehen?
Johannes Franke: Nein. Nein? Was habe ich mehr gesehen als Waffengeballer und dem Versuch, mich emotional zu erpressen? Nicht viel.
Florian Bayer: Du hast emotionale Erfressung gesehen, das kann ich gut verstehen. Also sie hat offensichtlich nicht so ganz gewirkt, oder?
Johannes Franke: Überhaupt nicht, weil man hat sofort gemerkt, dass man da gerade... Dass man gerade versucht, einen irgendwie zu manipulieren, da irgendwie noch eine emotionale Note reinzubringen, wo sie gar nicht richtig... Zünden kann? Nein, nein, nein, es funktioniert. Alles null. Null, null, komma null, null, null, eins.
Florian Bayer: Du hast diesen Film gehasst.
Johannes Franke: Sehe ich das richtig? Nein, er war mir einfach zu egal, dass ich ihn hassen könnte. Es war nicht auszuhalten. Nein, ich habe nicht einmal versucht, diesen Film zu hassen. Ich habe einfach nur die ganze Zeit gedacht, warum? Explore. Warum muss ich mir das anschauen? Ich weiß, die haben da irgendwie noch dieses Hotel, was da irgendwie... eine besondere Note reinbringen soll, weil das irgendwie einen, weiß ich nicht, Auftragskiller-Ethos mitbringt, der irgendwie... Spannend sein soll, weiß ich nicht genau, aber mich erwischt das alles überhaupt nicht. Aber es hat vielleicht auch was damit zu tun, dass er mich in den ersten zehn Minuten so dermaßen... davon abhält, in den Film hineinzukommen, dass ich auch den Rest des Films, all diese Sachen, die mich vielleicht hätten kriegen können, die kriegen mich dann einfach auch nicht mehr.
Florian Bayer: Das ist interessant, weil die ersten zehn Minuten sind ja mal einfach nur visuelle Storytelling.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ohne Action. Und wo eigentlich eine relativ einfache Geschichte von Trauerverarbeitung erzählt wird, ne?
Johannes Franke: Ja, und zwar so dermaßen abgehandelt. Hier jetzt kommt die Beerdigung mit den Regenschirmen, hier jetzt kommt auch noch der Hund. der dir von der toten Frau geschickt wird. Es ist alles so durchschaubar blöde. Es ist nichts davon auserzählt, es ist nichts davon irgendwie so, dass man sagen könnte, okay, ich will wirklich in diese Figur rein. Es dient alles. Alles nur dem, was dann kommt, nämlich der Action und dieser ganzen Rampage-Tour, die dieser John Wick macht.
Florian Bayer: Also es ist ganz gut, dass du das sagst, dieses alles nicht auserzählt. Dazu kommen wir gleich, dazu wollen wir, will ich gleich was sagen. Ich finde tatsächlich, die ersten zehn Minuten sind erstmal so wirklich grundsolide. Und natürlich arbeiten sie mit Klischees.
Johannes Franke: So dermaßen, so viele Klischees. Es gibt nur Klischees, nichts anderes.
Florian Bayer: Wir haben dieses typische Girl in the Fridge. Thema, die Frau ist tot, um dem Helden irgendeine Motivation zu geben.
Johannes Franke: Das ist so doof.
Florian Bayer: Aber die Bilder sind wirklich stark und ich finde Kontrastierung vor allem in dem zu dem, was wir später sehen stark. Wir haben am Anfang sehr helle Bilder. Wir haben so eine sehr helle und so fast Fast traumwandlerische Erzählung. Und du sagst es richtig, es ist nicht auserzählt. Es werden Stimmungen eingefangen und es wird über die Stimmung, wird die Geschichte transportiert. Und ich finde, das ist etwas, was man erstmal leisten muss. Viele Filme, gerade im Action-Genre, versuchen, ihre Stimmung oder ihr Setting aufzubauen, indem sie Over-X playen. Das ist so ein ganz, ganz großes Problem des Genres.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Das ist ja so dieses Chris-Nolan-Problem, dass eine Welt aufgebaut wird, in dem unglaublich viel gequatscht wird.
Johannes Franke: Das Ding ist, dieser Film versucht, diese Falle zu umgehen... Dass er also nicht irgendwie alles 20.000 Mal erzählt, damit es auch jeder verstanden hat. Indem er aber... sämtliche Klischees rausholt, die nicht mehr erklärt werden müssen. Wo man als Zuschauer einfach hinschaut und sofort weiß, ah ja, das Ding. Und dann hast du aber auch nichts davon, dass es nicht auserzählt wird. Dann ist es halt irgendwie einfach nur ein Klischee. Die ersten paar Minuten fangen an wie ein schlechter deutscher Tatort. Der Typ liegt im Sterben, guckt nochmal, um seinen glücklichen Moment nochmal zu haben, sein Handy an und guckt seine Frau an, die nur in diesem Handy lebt. die im Grunde nur in Flashbacks in diesem Handy lebt. Es ist total dämlich, weil ich sofort denke, ja, ja, ja. Ich habe keine Verbindung zu diesem Typen, ich weiß nichts über diesen Typen und ich soll schon Mitleid mit ihm haben. Nein, nix, null. Es ist so abgegriffen, dieses im Sterben liegen nochmal an seine Frau denken und dann irgendwie kommt die Rückblende, wie kam es dazu?
Florian Bayer: Hattest du wirklich das Gefühl, dass diese Eröffnungssequenz eine emotionale Nähe zu dem Charakter aufbauen soll?
Johannes Franke: Das muss sie. Sonst habe ich keinen Grund, überhaupt ihm zu folgen. Und wenn sie es nicht tut, wenn sie es auch nicht soll, dann weiß ich nicht, was die Szene da soll.
Florian Bayer: Aber der Charakter ist ja so abgehoben, so anders. Das weiß ich ja in dem Moment noch nicht. Das würde doch eingerissen werden spätestens ab dem Moment, ab dem er dann auf seine Rampage-Tour geht, oder?
Johannes Franke: Gibt es für dich in diesem Film eine Sympathiefigur, der man folgen will?
Florian Bayer: Nein. nicht das Ziel und in dem Film geht es auch tendenziell nicht darum, Sympathien oder gar Identifikationen aufzubauen. Also natürlich ist es klar, es soll eine Es soll so weit aufgebaut werden, dass wir John Wick irgendwie nachfolgen, dass wir seine Handlungen als gerechtfertigt ansehen. Was ja total absurd ist, wenn man denkt, was für Handlungen das sind. Der Hund wird getötet, das Auto wird geklaut und um das wieder gut zu machen,
Johannes Franke: Gibt es 77 Tote.
Florian Bayer: Gibt es 77 Tote. John Wick ist einfach mal ein Killer. Und das ist eben der Punkt, wo ich glaube, es geht nicht darum, dass wir uns mit dieser Person identifizieren sollen. Weil diese Person ist einfach kein Identifikationsträger. Und diese Figur taugt auch eigentlich nicht als Sehnsuchtsprojektion. Das, was andere Actionfilme, eben zum Beispiel wie eine Nacht, wo wir Menschen haben, die aus einem glücklichen Setup rausgerissen werden. und wir irgendwie eine Sehnsuchtsprojektion haben, die kämpfen für ihre Familie und alles wird gut. Das ist diese Person ja nicht, die ist von Anfang an lost.
Johannes Franke: Ich glaube, ich erkenne ein Muster in deinem Action-Film-Konsum. Rambo war das gleiche Problem.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Rambo war für dich auch keine Sympathiefigur, keine Identifikationsfigur. Obwohl auch bei Rambo der Film am Anfang sehr viel dafür tun wollte, dass wir verstehen, was er will und dass wir Mitleid mit ihm haben. Das reißt er natürlich im Laufe des Films wieder ein, verwirrt mich aber dermaßen damit...
Florian Bayer: Ich glaube, du schießt viel zu sehr auf die Intention von Firmen. Wenn du denkst, was will dieser Film jetzt gerade mit mir machen? Der will, dass ich mich mit der Person identifiziere durch Emotionalität. Ah, ich fühle mich irgendwie dadurch erpresst. Ich fühle mich... ich fühle mich emotional manipuliert, dann ist das, glaube ich, die falsche Herangehensweise. Weil du unterstellst dem Film eine Intention, die der Film gar nicht zwingend hat, Weil es gibt ja mehrere Möglichkeiten, Charaktere zu erzählen und Charaktere zu etablieren. Und dieses, wir schaffen jetzt einen Identifikationsträger als Sympathiefigur, ist natürlich die banalste.
Johannes Franke: Jaja, aber wenn der Film das nicht vorhat... dann kann er doch auch in die Vollen gehen und es nicht tun. Und das, was er hier tut, ist so Mittelhalbseiten. Das ist so... Ich versuch's halb, schaff's aber nicht ganz und es geht dann auch am Ende sowieso nicht darum, dass... Weiß ich nicht, welchem Zuschauer das was sagt. Ich habe viel im Internet gelesen von Leuten, die gesagt haben, ja, voll die Identifikationsfigur ist genau mein Typ. wo ich dann denke, um Gottes Willen, was ist los mit euch?
Florian Bayer: Ich glaube, das ist ein grundsätzliches Problem von Actionfilmen oder Filmen, die grundsätzlich coole Protagonisten haben, dass sie immer in dieser Rezeption verlaufen. Ein ganz klassisches Beispiel ist meiner Meinung nach Fight Club. Nachdem Ende der 90er, Anfang der 2000er unglaublich viele coole Dudes gesagt haben, ich bin wie Tyler Durden, der ist ja so cool. Und überhaupt nicht erkannt haben, wie vielschichtig und ambivalent diese Figur erzählt wird und auch die gesellschaftlichen Umstände, in der sich die Figur bewegt und wie sie auf andere wirkt und so weiter.
Johannes Franke: Aus Erinnerung würde ich sagen, ist das eben wirklich ein gutes Beispiel. Fight Club.
Florian Bayer: Ja, Fight Club ist halt auch ein anderes Genre. Fight Club ist kein Actionfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fight Club hat das Problem, dass er so viel Coolness mittransportiert, dass er irgendwie genau von den Dudes geguckt wird, die auf Actionfilme stehen. Ja. Aber Fight Club ist ja nicht als Actionfilm konzipiert.
Johannes Franke: Ja, Gimmickfilm.
Florian Bayer: Ja, das tut ihm auch recht. Wir wollen nicht über Fight Club reden, wir versuchen weiter John Wick zu verstehen.
Johannes Franke: wenn ich tatsächlich von Anfang an nicht davon ausgehen will, dass ich Sympathie mit ihm hegen soll... Dann gucke ich den Film natürlich ein bisschen anders, aber dann hat der Film trotzdem keine Haltung dazu. Ich glaube, das ist das, was ich wichtig finde und weiß ich nicht, ob das für dich nicht so die Rolle spielt oder ob du... einfach reininterpretieren kannst oder reinprojizieren kannst deins. Aber ich suche in einem Film... Immer eine Haltung. Eine Haltung den eigenen Protagonisten gegenüber, eine Haltung der Thematik gegenüber, die sie behandelt.
Florian Bayer: Geht es dir um Moral und Ethik?
Johannes Franke: Ein bisschen.
Florian Bayer: Aber das ist natürlich auch so ein Problem, was das Action- und Abenteuerkino mit sich zieht. Indiana Jones verhält sich ja ethisch jetzt auch nicht korrekt. Indiana Jones erschießt auch jemanden, nur weil er mit einer ... Peitsche vor ihm herum schwingt und Hans Solo erschießt Credo. Hans Solo shoots first. Und Thor sorgt auch für enorme Unruhe auf der Erde, nur weil er seinen Hammer wiederfinden will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also das... Das grundsätzliche Problem von Geschichten, dass Helden moralische Grenzen überschreiten, gibt es spätestens ab dem Moment, wo du dir ihre Handlungen genauer anschaust. Selbst wenn der Film versucht, uns auf ihre Seite zu ziehen.
Johannes Franke: Absolut. Das Ding ist nur, dass Thor zum Beispiel nicht versucht, uns mit einer emotionalen... Story. Und dann die Frau stirbt und der das nochmal am Handy alles anschaut, uns da irgendwie reinzuziehen und uns irgendwie zu erpressen emotional. Das ist totaler Scheiß.
Florian Bayer: Wir haben Thor Ragnarok geguckt. Thor trauert um seinen Vater. Thors Welt. Wird komplett besetzt von seiner Halbschwester, von der er vorher nichts wusste. Und er wird rausgeschleudert in die Galaxie.
Johannes Franke: Das ist eine Komödie. Das ist was als ein anderes Genre.
Florian Bayer: Aber es hat ja trotzdem diese emotionalen Peaks. Aber die sind nicht so
Johannes Franke: wie bei John Wick erzählt. John Wick soll wirklich, wird wie ein Drama inszeniert am Anfang. Wie ein schlechtes Tatort-Drama.
Florian Bayer: Fehlt dir das Augenzwinkern? Ist dir das zu wenig ironisch?
Johannes Franke: Vielleicht, ja. Zwischendurch merkt man natürlich die Ironie. Man merkt dann zwischendurch, dass dieses völlig drüber Action-Ding, dass das irgendwie auch eine ironische Note hat. Aber die hat es am Anfang auch noch nicht.
Florian Bayer: Das stimmt, das würde ich dir sogar geben. Ich finde, es ist tatsächlich einfach ein unglaublich gutes Beispiel für wenig Leinwandzeit genutzt. wenig Dialog genutzt, um wirklich glaubwürdig, plausibel die Person zu etablieren. Aber mit ganz vielen Klischees.
Johannes Franke: Natürlich auch mit Klischees. Ich glaube, das ist das größte Problem am Anfang. Ich komme nicht darüber hinweg, dass jeder Satz ein Klischee ist und jedes Bild ein Klischee ist.
Florian Bayer: Es gibt ja kaum Sätze. Es gibt ja praktisch keine Sätze. Aber es gibt auch Sätze, die Klischees sind. Die Bilder sind Klischees, definitiv, da gebe ich dir recht. Aber die Bilder sind sehr stark inszeniert. Und die Bilder haben auch kein Kram zu viel. Die Bilder erzählen das, was sie erzählen sollen, erzählen wollen und Und geben eine gewisse Atmosphäre vor. Wir haben hier einen Menschen, der trauert, der seine Frau verloren hat. Aber wie oft muss ich mir noch...
Johannes Franke: eine Beerdigung von oben mit schwarzen Schirmen und Regen anschauen.
Florian Bayer: Ja, der fucking Regen. Ich bin ganz bei dir. Regen und schwarze Schirme. Aber auf einer Beerdigung wird nun mal schwarz getragen.
Johannes Franke: Ja, und schwarz geregnet. Nein, es ist doch Blödsinn. Warum muss man alle Plattitüden rausholen? Und ich sage dir, warum man das muss, weil man keine Erfahrung als Regisseur hat. sondern nur Erfahrung als Choreograf von Kampfszenen, die sehr gut sind.
Florian Bayer: Schätze. Stahelski und David Leitch, zweiterer, wurden nur als Produzent aufgeführt, weil zwei Regisseure geht gar nicht. Wurde ja tatsächlich von Keanu Reeves zum Projekt dazugenommen. Keanu Reeves hat das Drehbuch gelesen von ... Derrick Kolstad, der das halt verkauft hat an Thunder Road Pictures. Und Keanu Reeves war ziemlich begeistert von dem Skript und hat dann wohl ... ziemlich schnell mit Jett Stahelski telefoniert, den er aus der Arbeit von Matrix kannte. Jett Stahelski war da Stunt-Koordinator und hat Auch davor als Stuntman gearbeitet und dann bei vielen großen Projekten die Stunts koordiniert.
Johannes Franke: Das war auch sehr gut, natürlich. was in dem Film zu tragen kommt. Das ist total großartig.
Florian Bayer: Ich glaube, man ... Was der da auf jeden Fall mitgenommen hat. Und ich gebe dir recht, dass wenn man sich das Skript anschaut, kann man viele Schwächen finden und viele Klischees. Aber was er mitgenommen hat, ist wirklich dieses Gespür für gute Bilder. Ich finde, die Bilder sind unglaublich stark. Natürlich arbeiten die Bilder mit Klischees, aber es sind ... Für einen Actionfilm, nicht nur in der Prämisse, sondern auch später hinaus, sehr lange Szenen, wenige Schnitte.
Johannes Franke: Das ist sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Wenig Gewackel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt gewissen Mut, auch Szenen zu halten. Es gibt auch eine Entwicklung in der Erzählung. Wir haben zum einen diese sehr hellen Bilder, die am Anfang sind. mit sehr statischer Kamera, wenn eben diese ganze Vorgeschicht von John Wick erzählt wird. Und im Laufe des Films wird die Kamera dynamischer. Das kommt dann wiederum auch in den Action-Szenen ganz groß zum Tragen, dass es kaum Schnitte gibt und dass wir einfach diese Kamerabewegungen haben, die sich mit John durch die Räume bewegen, in denen er auf seinem Rachefeldzug ist. Also es gibt so ein Grundkonzept in der Inszenierung, die mir sagt, ja, der Mann hat seinen ersten Film gedreht und die beiden Männer haben ihren ersten Film gedreht, aber die wissen, was sie machen und die wissen... wie man mit Bildern erzählt. Also die Cinematographie ist nicht weniger als atemberaubend.
Johannes Franke: Ja, ja, also da muss ich dir absolut recht geben. Das ist halt, womit auch Stuntmen sich auskennen, wenn sie choreografieren, ist halt visual interest. Wie sieht etwas gut aus? Wie sieht ein Kampf gut aus? Wie sieht ein Bild gut aus? Aus welcher Perspektive muss ich was wie machen? Super. Und auf diesem Bereich, finde ich, ist der Film auch exceptional. Wirklich, wirklich richtig gut. Aber schon in den ersten zehn Minuten, was wir gerade hatten, kommen halt, wenn auch nicht viel... Auch wenn nicht viel Dialog drin ist, aber allein die Dialogzeilen, I keep asking myself why. Und die Antwort, there's no rhyme or reason to this life. Was ist das für ein Dialog? Was soll das?
Florian Bayer: Du bist beim Drehbuch. Das Drehbuch ist von einem Autoren der... Vor allem Beam-Movies geschrieben hat.
Johannes Franke: Trotzdem, du hast als Regisseur die Aufgabe, dich damit auseinanderzusetzen, dich mit einem Drehbuchautoren hinzusetzen und da ein ordentliches Ding draus machen. Das geht nicht anders.
Florian Bayer: Die Stärke sind nicht die Dialoge in diesem Film. Was ist die Stärkeintensive? Inszenierung ist und da kommen wir nochmal zu dem, was du gesagt hast, es wird nicht auserzählt, wie hast du es genannt?
Johannes Franke: Auserzählt ist auch ein böses Wort, weil auserzählt würde bedeuten, dass der Film zu Ende ist und dann brauche ich auch nicht weitergucken. Das stimmt schon.
Florian Bayer: Was eine grundsätzliche Stärke von diesem Film ist, ist, dass er immer das Versprechen von einem Meer, von einer Meergeschichte hinter den Ereignissen hat. Praktisch jede Figur, der wir begegnen, jedes Szenario, in dem wir uns bewegen, hat offensichtlich eine Backstory.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: hat irgendwie eine Entwicklung dahin und hat irgendwie ein Verhältnis zu unserem Protagonisten.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Das ist ziemlich gut, ja. Das wird in einer solchen Stärke in diesem Film gemacht, wie ich es... wirklich selten erlebt habe, und ich rede hier nicht nur vom Action-Kino, sondern auch gerade vom fantastischen Kino, wo das ja unglaublich wichtig ist, dass du den Zuschauenden das Gefühl gibst, dass da irgendwie Welt ist, dass du nicht einfach nur... so Sachen aneinanderreißt, sondern dass eben die, keine Ahnung, diese Ents, die auftauchen, diese Bäume, dass die halt eine ganze Geschichte mit transportieren.
Johannes Franke: Ja, dann kommen wir zum Worldbuilding, gerne, weil das Worldbuilding natürlich einer der wichtigen, großen Argumente für den Film ist, wenn ich das so richtig sehe.
Florian Bayer: Das beste Worldbuilding der letzten 20 Jahre? Besser als das Worldbuilding in Harry Potter? Besser als das Worldbuilding im Film Herr der Ringe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Besser als das Worldbuilding im MCU. Ja, ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster. Und zwar aus folgendem Grund, weil sie es eben en passant machen. Das kriegen die meisten Filme nicht hin.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Und dieser Film hat ein, zwei Szenen, wo er es dann auch nicht ganz hinkriegt, wo dann auch zu viel erzählt wird, wo man sich denkt, das könnte die auch weglassen, gerade weil das visuelle Worldbuilding davor so hervorgeht. vorrangig funktioniert hat. Und das sieht man im Kino viel zu selten, dass eine Welt entsteht, ohne dass die Sachen erklärt werden. Einfach dadurch, durch die Orte, die wir sehen, durch die Personen, wie sie miteinander reden.
Johannes Franke: Kannst du, du hast ja die anderen beiden Filme wahrscheinlich auch gesehen, ne? Kannst du das trennen voneinander? Weil ich muss sagen, dass ich, wenn ich... während ich den Film geguckt habe, dadurch, dass er nicht so wahnsinnig viel erklärt, was ich an sich ganz gut finde, aber auch Schwierigkeiten habe, dass wirklich... Es ist so, wenn ich erkläre, dass ich es nicht mal interessant finde. Ich würde mir ein paar mehr Brocken wünschen, die vielleicht nicht unbedingt erklären, aber die noch mehr... mehr Fragen aufwerfen, weißt du?
Florian Bayer: John Wick 2 und 3 sind immer noch gute Actionfilme, aber sie machen für mich ein bisschen das Worldbuilding kaputt, was dieser Film macht. Weil sie eben viel zu viele Details verraten. Weil sie anfangen, sich so um die Hintergründe zu kümmern. Das ist natürlich klar, weil das Worldbuilding ... Diese merkwürdige Subwelt, in der wir uns hier bewegen, der Auftragskiller und der kriminellen Banden und die haben ihre eigene Währung. ihre eigenen Gesetze und Regeln, ihre eigenen Orte. In den folgenden Filmen wird das viel mehr... präzisiert. Und das macht für mich ein bisschen den Zauber davon kaputt.
Johannes Franke: Ja, verstehe.
Florian Bayer: Weil ich finde, ein gutes Worldbuilding soll mir offene Stellen lassen, soll mir die Möglichkeit geben, diese Räume auch mit eigenen Gedanken und eigenen Ideen zu füllen. Ich finde es cool, wenn nicht over-explained wird, sondern wenn ich mir selbst auch ein bisschen, wenn ich das selbst ein bisschen weiterspinnen kann und ich finde, dieser Film trifft so wirklich gut diese Balance zwischen, ich zeige hier euch was, ich mache euch hier eine Welt auf, Guck mal, da gibt es dieses Hotel und da werden ein bisschen Münzen bezahlt und da sind Leute, die sich kennen und John Wick nickt jedem zweiten zu, weil er mit ihm irgendwie eine Vergangenheit hat. Und ja, es dürstet mich irgendwie nach mehr. Ich will wissen, was ist da passiert. Aber gerade weil der Film das nicht erfüllt, entsteht so eine sehr starke Atmosphäre.
Johannes Franke: Ich glaube, ich fände es gut, wenn er tatsächlich eben dabei bleibt, nicht zu viel zu erklären. Aber ich glaube, ich hätte mehr Zeit gebraucht. Vielleicht. In dem Hotel zum Beispiel mehr rumzuschauen. Zu wissen, da ist noch dieser Typ und da ist noch dieser Typ und die haben irgendwie eine Vergangenheit. Das darf alles gerne sehr mystizistisch bleiben, ohne dass es mir groß erklärt wird. Aber ich will trotzdem ein bisschen, lass mich ein bisschen rumwandern innerhalb der Welt. Ja, ja. Und das macht der Film halt nicht. Der ist sehr schnell dann und geht schnell zum Nächsten und schnell zum Nächsten und dann habe ich irgendwie... Vielleicht auch das Interesse daran verloren zu verstehen, was da drin ist.
Florian Bayer: Was du halt oft hast bei Filmen und das stört mich ganz oft ungemein. Und das ist so ein Dialogding, dass Charaktere, die sich seit Jahren kennen, unterhalten, als müssten sie sich selbst ihre Backstory gegenseitig zuwerfen. Und selbst gute Filme sind davon nicht gefeilt. Ich werfe mal als Gegenbeispiel einen wirklich starken Action-Regisseur unserer Zeit in den Ring, Chris Nolan. Fantastischer Action-Regisseur, wirst du mir wahrscheinlich sogar zustimmen. Stimmt, obwohl du das auch nicht so magst. Aber du magst die Nolan-Action-Filme, ne?
Johannes Franke: Ja, zumindest bis zu einem gewissen Grad, ja.
Florian Bayer: Und Chris Nolan hat diese Krankheit, dass er das macht. Er lässt die Leute miteinander reden und du hast das Gefühl, ihr führt gerade einen Exposition-Dialog. Ihr redet nicht miteinander, sondern ihr redet nur für uns. Dann könntet ihr auch gleich zur Seite treten, die vierte Wand einbrechen und einmal dem Zuschauer alles erklären. Und so sehr ich Chris Nolan schätze, dieser Film macht das deutlich besser. Und macht die Welt dadurch auch interessanter als die Chris-Nolan-Welten. Wenn ich, keine Ahnung, Inception gesehen habe, weiß ich alles darüber. Dann weiß ich alles über diese Traumwelten und wie das funktioniert und wer da was arbeitet und welchen Job hat und so weiter. Aber wenn ich diesen Film sehe, habe ich genug weiße Stellen? auf dem Papier, die mir auch so ein bisschen die Sehnsucht geben, mehr davon zu kriegen. Natürlich will ich Fortsetzungen von diesem Film sehen. Dieser Film ist wie gemacht für eine Fortsetzung, selbst wenn John Rick sterben würde am Ende. Du würdest, ich will in dieser Welt bleiben, ich will mehr von dieser Welt wissen.
Johannes Franke: Wenn wir jetzt auf die Dialogebene wieder gehen, was das Worldbuilding betrifft, ist natürlich... Leider das nächste, was mich nervt dabei, dass wahnsinnig viel Zeit damit verbracht wird, uns zu erklären, wie krass John Wick ist.
Florian Bayer: Das ist auch ein Moment, wo der Film ein bisschen albern wird. Es ist natürlich grundsätzlich ein cooler Moment. Wir haben nämlich bis jetzt von ihm noch nichts gesehen. Wir haben bis jetzt zehn Minuten jemanden gesehen, der seiner Frau hinterher trauert. Wir haben zehn Minuten gesehen, wie er von russischen Gangstern aufgemischt wurde und sein Wagen gestohlen wurde. Und dann fangen die Leute miteinander an zu reden. Natürlich ist es platt, wenn uns gesagt wird, das ist der Killerschlechtchen. Ich finde, an der Stelle sind die Dialoge teilweise richtig gut. Ich liebe diese Szene, wenn Vico, der Obergangster mit Aurelio, dem dem Autohändler telefoniert und dann fragt und sagt so, ich habe gehört, du hast meinen Sohn geschlagen. Yes! Und dann einfach nur ein O. Und das wird aufgelegt. Es ist toll. Das ist wirklich ein guter Moment. Natürlich ist es ein bisschen plump, aber es ist super. Und dann gibt es auch diese Over-Explanation-Szene, wenn Josef, der... Ja. Natürlich ist das ein Klischee-Dialog, aber es ist so geil, wenn er sagt, they call him Baba Yaga, the boogeyman, yes, but he is the one who kills the boogeyman. Es ist plump, aber es ist geil, weil wir haben noch nichts von ihm gesehen und wir kriegen richtig Lust auf mehr.
Johannes Franke: Das Ding ist halt... Er macht das fünfmal oder so mit verschiedenen Dialogen, Konstellationen mit verschiedenen Charakteren und irgendwann denke ich, ja jetzt. Zeig's mir halt endlich.
Florian Bayer: Natürlich, genau das. Aber das funktioniert ja auch. Das ist ein billiges Action-Klischee. Du hast einen Übermenschen und dieser Übermensch wird durch ... Exposition-Dialoge wird ja erstmal erklärt und alle haben Angst vor ihm und man weiß noch nicht genau warum. Es ist ein geiler Moment, wenn du da sitzt und dürstest dann nach, dass er jetzt endlich seine Waffe auspackt und endlich mal zeigt, was er drauf hat, nachdem alle sagen, John Wick, oh fuck.
Johannes Franke: Aber es ist halt doch noch ein Unterschied, ob ich gerne mehr sehen möchte oder ob ich dem Film entgegenschreie, jetzt zeig's endlich. Das sind halt schon unterschiedliche Emotionen für mich, wenn ich da vorsitze im Film.
Florian Bayer: Ich finde dieses Jetzt. Zeig's endlich, das gehört da definitiv dazu. Du musst diesen Moment, diesen Peak erreichen, wo der Zuschauer einfach nur noch denkt ... Ich will ihn jetzt endlich töten sehen. Töte, töte, töte.
Johannes Franke: Oh Gott. Und dass ich irgendwann mal sagen würde, jetzt schießt schon endlich in der Gegend rum, das ist schon etwas sehr Seltenes.
Florian Bayer: Kommen wir noch mal ganz kurz auf diese 10 zurück, weil wir haben in diesen Momenten unglaublich viele ... Oh, der spielt da auch mit Momente.
Johannes Franke: Echt?
Florian Bayer: Ja. Also, Yosef wird gespielt von ... Ach ja, das habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Game of Thrones.
Florian Bayer: Game of Thrones. Ja, ja. Und der R4 Allen ... der mir so ein bisschen leidtut, weil ich glaube, er wird typbesetzt. Und zwar ist seine Typbesetzung ist Jerk. Ja, genau. Ich bin ein toller Schauspieler, aber er muss halt immer die Ärsche spielen, die so komplett unsympathisch sind. Braucht vielleicht auch so eine Rolle, weil... weil es ist schon schwierig. Also ich bin da auch ganz bei dir, dass es schwierig ist, die Aktion von John Wick zu rechtfertigen. Weil er einfach mal so ein fucking Amokläufer ist. Aber das ist nicht das Schlimmste im Film. Wenn du so einen Feigling und so einen durchtriebenen, ätzenden Typ
Johannes Franke: hast der auf der gegenseite steht ja aber das ist nicht das was mich am meisten stört einem film weil das ist es ist zwar etwas wo man sagt moralisch irgendwann wo ist die waage Aber dafür ist es Actionfilm, dafür kann ich damit leben. Also das kann ich dem Genre einfach geben und sagen, okay, ich gucke mir gerade einen Actionfilm an, was soll's.
Florian Bayer: Dann haben wir John Lechisamo, der Autohändler. Das ist so einer, den man in tausend Filmen in der Nebenrolle gesehen hat. Jetzt fällt mir als erstes Luigi ein beim Up. Beim Super Mario Bros. Film. Aber der war auch zu sehen in Moulin Rouge. Der hat in Ice Age, hat der Otto gesprochen. Was? Das ist die Stimme vom Sid in Ice Age im Original. der dann von Otto synchronisiert wurde. Und der hat tausend Filme gedreht. Also es ist zumindest so ein Gesicht, man sieht es und denkt so, ah, ja, der spielt auch mit... Und dann taucht plötzlich Willem Dafoe auf.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Als ehemaliger Mentor. Und da gar nicht so viel zu sagen.
Johannes Franke: Nee. Das ist so traurig. Der wird am Ende abgeschlachtet und hat irgendwie zwischendurch den Film über vielleicht, weiß ich nicht, zehn Lines. Das war's. Ja. Nicht viel. Und man fragt sich natürlich die ganze Zeit, ist er jetzt für oder gegen oder was oder wie. Das ist, finde ich, eine ganz gute Figur, ehrlich gesagt. Und die macht das Ganze spannend.
Florian Bayer: Iron McShane als Hotelbesitzer, auch ein Gesicht, das man schon oft gesehen hat, der schon seit den 60ern unterwegs ist im Kino. Und auch irgendwie so alles gedreht hat und glaube ich mittlerweile immer besetzt wird, wenn man irgendwie jemanden alten... einen alten weisen und weißen Mann haben möchte und Al Pacino und Robert De Niro keine Zeit haben. Und dann haben wir den Concierge des Hotels, Sharon.
Johannes Franke: Ja, den ich toll finde.
Florian Bayer: Von Lance Reddick gespielt, den man vor allem aus dem Serienuniversum kennt, der bei The Wire unter anderem eine große Rolle übernommen hat. Ich kenne ihn vor allem aus Lost tatsächlich, wo er... auch so einen mysteriösen Agenten im Hintergrund gespielt hat. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Also ein sehr großer Mann, der immer sehr mysteriös und gleichzeitig sehr geerdet und aufmerksam wirkt.
Johannes Franke: Ja, das ist doch, wo wir gerade bei dem sind, das ist doch im Grunde der Ferryman. Der die Leute rüberbringt ins Totenreich.
Florian Bayer: Ja, Sharon, eine klassische mythologische Figur.
Johannes Franke: Was auch irgendwie mit den Münzen dann wieder Sinn ergibt. Was ich ganz nett finde, so als kleines Side-Ding. Leider rettest du den Film nicht, aber ...
Florian Bayer: Es ist halt ein ganz schöner Kontrast, weil du hattest vorher diese sehr helle Welt und sehr ... Sehr sterile Welt auch, in der John Wick lebt, offensichtlich nach seiner Pensionierung. Und dann ... tritt er ein, wieder in diese Welt, aus der er damals rausgekommen ist, aus der er es irgendwie rausgeschafft hat. Und es wird alles viel dekadenter und mit viel, viel, viel pittoresker, mit so ganz vielen visuellen Reizen, wenn er durch diese Killer-Busse, Wo dann alles irgendwie so eine sehr merkwürdige Mischung ist aus so ein bisschen Twenties und so ein bisschen Dekadence und so ein bisschen Weltuntergangsspiel. Schick. Und dann gleichzeitig diese Killer, die eben moderne Anzüge tragen. Ich mag diese Atmosphäre. Ich finde das... ästhetisch sehr cool gelöst.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Kommen wir zu den Action-Szenen.
Johannes Franke: Kommen wir zu den Action-Szenen? Das, was den Film ausmacht. Ja. Der einzige Grund, diesen Film zu gucken, die Action-Szenen. Nein, eigentlich ist für mich der einzige Grund, den Film zu gucken, so ein bisschen Keanu Reeves. Aber das können wir uns auch gleich noch mal vornehmen. Die Action-Szenen. Also, natürlich ist klar ... Wenn man schon als Stunt-Coordinator zum Regisseur aufsteigt ... dann nicht ohne Grund. Man war einfach ein Genie als Stunt-Coordinator und Choreograf. Und das merkt man natürlich dem Film an, absolut. Und was hast du vorhin schon gesagt, so ein bisschen, dass man die Kamera einmal hinstellt... Und nicht verwackelt in der Gegend rumrennt, damit man nicht sieht, dass die sich nicht gegenseitig treffen und dass man irgendwie so ein bisschen die Action durch die Kamera erzählt, damit es nicht so... großartig vor der Kamera sein muss. In diesem Film, sie haben es echt geschafft, so gut zu choreografieren und so auf den Punkt alles zu setzen, dass man... da wirklich gut durchkommt. Bei weitem nicht so gut wie bei Tiger & Dragon. Aber es ist noch eine andere Technik.
Florian Bayer: Es wird auch was anderes erzählt. Es wird ja eiskaltes Töten erzählt. Die Action-Szenen bestehen ja darin, dass John Wick sich durch eine Reihe von Gegnern zum Endgegner vorkämpft. Und die Leute meistens mit sehr präzisen Kopfschüssen erledigt.
Johannes Franke: Sehr präzise. Also natürlich bis zu einem Grad, wo man denkt... schafft man das in der Schnelligkeit.
Florian Bayer: Und doch wirkt die Action erstaunlich geehrt, weil eben auch dieses Bombastische, was man zum Beispiel aus dem Marvel-Universe kennt, verzichtet wird. Ja. Und ich glaube, das ist auch mit ein Grund, warum der Film so einen Erfolg hatte, weil die Leute einfach nach guten Geimpfungen, geerdeten Action-Szenen dürfen. Die Action-Film-Fans haben eine ziemlich schwere Zeit hinter sich. Wenn du keine Comic-Action magst, wo halt Halbgötter und Superhelden im Raum rumfliegen und sich mit irgendwelchen Laserpistolen beschießen. Jetzt habe ich Star Wars und Marvel zusammengeworfen. Dann ist es schwierig, gute Filme zu finden.
Johannes Franke: Ah, jetzt kommen gerade schon die ersten bösen Briefe rein, weil du beides zusammengeworfen hast. Ich finde, da sagst du was Wichtiges und Richtiges. Wenn man sich die Mühe gibt, was Ordentliches zu choreografieren, wird das einfach belohnt. Du hast wirklich das Gefühl, einer realistischen Sache beizuwohnen. Natürlich
Florian Bayer: Es ist auch nicht realistisch, aber es fühlt sich plausibel an.
Johannes Franke: Es fühlt sich plausibel an und ich habe mir ein Video angeschaut von einem... Typen, der irgendwie fürs Militär und so weiter gearbeitet hat, der sich das alles angeschaut hat und der die einzelnen Kampfszenen ein bisschen auseinandergenommen hat und der meinte, Es stimmt so viel. Natürlich in der Masse ist es übertrieben, aber... Einzelnen, wenn man es auseinander pflückt, dann stimmt die Körperhaltung, stimmen die einzelnen Schüsse, stimmen die einzelnen Richtungen. Alles, was die da gemacht haben, hat seine Wurzeln in Realität und wie man das auch heute machen würde. Es gibt so viele Filme, wo jemand die Knarre schief hält. Ja, weil es cool aussieht. Darauf verzichtet der Film komplett. Der hat richtig, richtig gute körperliche Akkurates.
Florian Bayer: Ja, was ich stark finde. finde an diesen Action-Szenen ist, dass wir bekommen diesen Übermenschen John Wick präsentiert und Und wir sehen, dass die anderen Leute, die alle auch Profis sind, dass die keine Chance gegen ihn haben. Und das geht runter bis zum Endgegner. Also bis zu seinem Ziel, der ja wirklich einfach nur vor John Wick wegrennt. Wir haben da fast so eine ... fast so eine Slasher-Thematik, dass dieser Typ einfach nur Angst hat, dass es ein Großmaul
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber eigentlich ein Schwächling und diese erste große Szene, wo John Wick ihn jagt, an diesem Pool und dann durch den Nachtclub. Ja. Also es ist fantastisch, wie wir ihn einfach nur fliehend haben. Und es ist klar, er hat keine Chance. Er weiß, dass er keine Chance hat. Er will einfach nur zu seinen Bodyguards... um irgendwie in Sicherheit gebracht zu werden und das ist großartig, weil normalerweise hast du ja dieses Prinzip, es gibt am Schluss nochmal diesen, es gibt diesen Endgegner und das Ziel ist eigentlich einer, der es mit deinen Kräften aufnehmen kann. Und ganz am Schluss haben wir dann den Kampf mag. wo beide ebenbürtig sind. Aber das ist hier nicht der Fall.
Johannes Franke: Das ist nicht der Fall, ja. Ich habe online was gelesen, was dem entgegenkommt, was du mir als Top 3 gegeben hast. Ich muss das jetzt einfach ansprechen, weil wir gerade dabei sind. Man kann es so interpretieren, dass John Wick im Grunde die Position der Hexe in einem Märchen ist Also wenn man Märchen mit so Hexenfiguren hat, dann sind die meisten Hexenfiguren ja so, denen wurde Unrecht getan und deswegen rächen sie sich. Das ist ja John Wick im Grunde auch. Ja. Und er rächt sich nicht an einem großen Endgegner, sondern an so einem Slacker, der eigentlich nur so ein bisschen Scheiße gebaut hat. Ja. Und das ist halt dieses Überproportionale, dieses Ungerechtfertigte, was Märchen eben auch oft haben, dass die Hexe, die böse Hexe in einem riesigen Ding... sich recht an etwas, was Kleinem, was ja mal angetan wurde.
Florian Bayer: dazukommt, was so obendrauf kommt zu dieser Grundidee, dass wir hier auch irgendwie eine Art von merkwürdigen Action-Märchen vor uns haben, ist, dass die Suspension of Disbelief sehr gut funktioniert. Natürlich auch in den Action-Szenen. Wir akzeptieren das. Ich weiß nicht, ob es bei dir geklappt hat, weil du hast ja schon gesagt, du hast am Anfang schon bei der Prämisse Schwierigkeiten... Ich akzeptiere das vollkommen, dass John Wick so ist, wie er ist. Und dass die Welt so aufgebaut ist, in der er sich bewegt. So krass er sich da durchschießt, durch diese ganzen Killer, durch diese ganzen Bauern, die nach und nach geopfert werden. Es gibt nicht einen Moment, wo ich sage ... Jetzt ist es aber unrealistisch. Das ist das Problem, was Schwarzenegger hat. Schwarzenegger wird von zehn Maschinengewehren beschossen. Und du denkst, automatisch irgendwann ... Äh, nie im Leben überlebt er das. Warum schießen die alle vorbei? Schießt auf seinen Körper. Es muss ja nicht mal der Kopf sein. Irgendwohin, wo Haut ist.
Johannes Franke: Es gibt auch in diesem Film so zwei Stellen, wo ich denke, nein, jetzt nicht mehr. Aber ganz selten. Tatsächlich, es gibt zwei Stellen, wo einmal fällt er irgendwie runter, direkt auf den Rücken. Querschnittsgelähmt, bitteschön. Also anders kommst du da nicht raus. Also wenn du überlebst, dann nur unter sehr dauerhaften Einschränkungen den Rest des Lebens. Und was war das andere, weiß ich nicht mehr genau. Aber so Stellen gibt es einfach nicht so häufig, weil er auch sehr lädiert aussieht irgendwann. Er kriegt einiges ab. klar sieht er so aus, wie er aussieht.
Florian Bayer: Er trägt ja auch eine schutzsichere Weste. Er kriegt ja auch einen Schuss ab.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also ich finde, der Film macht es wirklich gut bei den Action-Szenen, dass ich komplett ... Mich auf diese Suspension of Disbelief einlassen, also alles für plausibel akzeptiere, was da passiert und das pflanzt sich eben auch in dieser Welt fort. Das ist eine sehr bizarre Welt, in der sich alle bewegen. und die Regeln sind so, wow, okay, es gibt offensichtlich diese Welt unter der Welt.
Johannes Franke: Was auch ein Klischee ist, muss man auch mal sagen. Die Gangster mit dem Ehrenkodex. Ja, natürlich.
Florian Bayer: Natürlich ist das ein Klischee. Der Film arbeitet mit ganz vielen Action-Klischees. Er packt da immer noch mal so ein paar Action-Topper rauf, die sehr alt sind. Deswegen verzeihe ich ihm da ganz viel davon. Er benutzt Action-Klischees, die man seit 50 Jahren nicht mehr gesehen hat. Ja. Er referiert ja ganz weit zurück auf diese Gangster-Romantik-Schiene aus den 60ern und 70ern, vor allem im französischen und italienischen Kino und dann später adaptiert von New Hollywood.
Johannes Franke: Irgendwie ein Neo-Noir-Film.
Florian Bayer: So ein bisschen Neo-Noir auf jeden Fall, aber auch so ein bisschen, neben der Nouvelle Vague lief Filmgeschichte. Lief im französischen Kino auch immer so eine kleine Mainstream-Ecke. Melville war, glaube ich, so der bekannteste Regisseur davon. Und der hat Filme gemacht, die auch bei der Kritik oft nicht so gut ankamen, weil sie sehr... Roh waren, sehr rau und kalt. Jean-Pierre Melville, der kam eigentlich auch aus dieser Nouvelle-Vague-Ecke. Ist dann aber sehr stark in dieses Gangsterkino rein. Tarantino würde ihn mit Sicherheit als einen seiner Vorbilder nennen. Der hat halt auch Filme gedreht, die sehr stylisch waren, sehr viel Action gehalten. und dabei sehr brutal und sehr kalt waren. Alain Delon hat bei Melville quasi seine Karriere gestartet. Und John Wick referiert auf ganz viele Top-Boy aus der damaligen Zeit, die so ein bisschen verloren gegangen sind auch im späteren Actionkino. Vor allem durch diese testosterongesteuerten Superhelden aus den 80er Jahren. Und das finde ich schön. Also es ist ... Ich empfinde oft so eine gewisse Nostalgie bei der Art, wie hier Helden, Antihelden und Antagonisten miteinander interagieren. Mhm.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht. Ich glaube, wenn mich der Film nicht gleich gegen sich aufgebracht hätte mit seiner emotionalen Impression am Anfang und den ganzen Klischees.
Florian Bayer: Hätte man die ersten 10 Minuten weggelassen, wäre es dann was anderes gewesen? Ja, ja.
Johannes Franke: entgegenstehen? Ich glaube schon, weil ich ihn noch stärker als... pure Action-Aneinanderreihung hätte wahrnehmen können und sagen können, okay, Dafür, dass es nur so eine pure Action-Aneinanderreihung ist, hat er ein paar nette Ideen. Aber er hat mich am Anfang versucht, irgendwo abzuholen, wo ich gar nicht war. Ja. Das hat nicht funktioniert.
Florian Bayer: Ah, schade. Aber ich meine, du bist ja auch kein Actionfilm-Fan. Also, ja.
Johannes Franke: Aber trotzdem, was du sagst, die Welt an sich stellt man nicht in Frage. Das habe ich auch nicht getan. Mir war das dann auch okay. Wenn ich mir schon Actionfilme angucke, dann gerne haut auf die Kacke und erzählt mir, dass die Gangster mit ihrem Ehrenkodex ihr Hotel haben. auf der ganzen Welt und dann sich gegenseitig auf die Fresse hauen. Was soll's?
Florian Bayer: Wenn wir beim Thema Ehrenkodex sind, reden wir ganz kurz über Ethik im Actionkino. Das ist ein großes Feld. Wie viel verzeiht man einem Protagonisten oder einem Helden oder einer Heldin, bis man sagt, Jetzt geht's nicht mehr. Ich bin gegen sie oder gegen ihn, weil es ist. Offensichtlich ist ja viel möglich, weil wenn wir uns die klassischen Figuren aus den Action-Fantasy-Filmen angucken, die wir alle lieben. dann bauen die viel Scheiße und wir jubeln sogar noch darüber. Wir jubeln, wenn Indiana Jones diesen Typen mit der Peitsche mit einem gezielten Schuss eiskalt tötet. Hat ein Menschenleben genommen. Das ist ja was, was in der Realität wäre das keine Frage. Das ist irgendwie ethisch verwerflich, was da geschieht.
Johannes Franke: Absolut. Ich glaube, es hat viel mit dem Genre zu tun. Indiana Jones ist sehr weite Strecken eine Komödie. Action-Komödie. Wenn wir eine Tragödie haben, ist das ein anderer Fall? Dann musst du andere Voraussetzungen erfüllen dafür, dass du jemanden erschießen darfst? Wenn du tatsächlich sehr pur actionlastig bist, wie zum Beispiel Mission Impossible, dann darfst du alles machen im Grunde? Weil es wirklich, du hast einen Auftrag im, weiß ich nicht, für Vaterland und Ehre und was, keine Ahnung. Und dann... Kannst du im Grunde, solange die Gegner alle die Bösen gelabelt sind, darfst du alles machen?
Florian Bayer: dass das Genre-Framing reicht? Wenn du einen sympathischen Protagonisten erzählen willst ... Und du lässt ihn amoralische Dinge tun. Reicht das Genreframing als Action, Abenteuer, Komödie, um ihm alles durchgehen zu lassen? Ja.
Johannes Franke: Naja, ja, weil dieser Film zum Beispiel versucht hat, sein Framing am Anfang zu ändern, hat es für mich nicht mehr funktioniert. Bei Rambo genauso, weil er am Anfang keinen, weil er eigentlich insgesamt nicht wirklich zum Actionfilm wird, sondern nur seine Action Elemente hat, die die crazy sind.
Florian Bayer: Bei Rambo ist es ja so, dass du nicht mit ihm sympathisieren sollst komplett, sondern du sollst sehen,
Johannes Franke: Das ist wiederum deine Interpretation. Hör nochmal in unseren Podcast rein.
Florian Bayer: Naja, Rambo wird ja schon... Bei Rambu wird ja die Perspektive gewechselt. Bei Rambu wird er über Dritte erzählt und dann erfahren wir auch... Das ist eine tickende Zeitbombe und die ist gefährlich.
Johannes Franke: Ja, aber der erste Drittel des Films ist so, dass ich mit ihm mitgehen soll und mit ihm Mitleid haben soll, weil auch alle ihn immer piesacken und man irgendwie denkt, oh mein Gott, kleiner Welpe mit den großen Augen, ich will dich in den Arm nehmen.
Florian Bayer: Ja, aber der Film besteht ja nicht nur aus dem ersten Tritt.
Johannes Franke: Der ist richtig, aber das ist halt der, deswegen ist das Framing reines Actionkino eben nicht da, will der Film ja auch anscheinend nicht. Deswegen kann man ihm dann sozusagen auch nicht mehr verzeihen, dass er so ein riesiges Fass aufmacht.
Florian Bayer: Spätestens wenn du einen Dialog zwischen dem Colonel und dem Polizisten hast.
Johannes Franke: Jaja.
Florian Bayer: bist du ja nicht mehr bei Rambo, sondern du bist bei den beiden und du bist bei ihrer Reaktion.
Johannes Franke: Du bist auch nicht mehr bei den beiden, weil die auch Arschlöcher waren.
Florian Bayer: Der Körnel ist keine Ahnung.
Johannes Franke: Ja, den Körnel, über den weiß man nicht genug. Aber egal. Es ist sozusagen, Rambo verzeiht man auch nicht alles, aber auch erklärtermaßen, der Film will das ja auch.
Florian Bayer: Fällt dir spontan ein Film ein, wo du das Gefühl hattest, er will das eigentlich, dass du Sympathie empfindest mit einem Protagonisten und seine Handlungen haben dich dann aber dazu gebracht, dass du gesagt hast, nee, es funktioniert nicht mehr?
Johannes Franke: Weiß nicht so richtig. Also bei dem Film hier jetzt habe ich es geschafft, im Gegensatz zu Rambo... Einfach wirklich in die Action dann reinzugehen und zu sagen, okay, der macht das jetzt, der bringt jetzt halt 77 Leute um. Zwischendurch denke ich natürlich, ja okay, und das für einen Hund und ein Auto, was soll's.
Florian Bayer: Ich glaube, mir fällt es schwer, wenn eine Redemption-Arc erzählt werden soll, was vor allem in Serien aktuell ganz oft stattfindet. Game of Thrones hast du ja leider nicht gesehen.
Johannes Franke: Ich hab ein bisschen was davon gesehen, aber gleich wieder vergessen.
Florian Bayer: Da gibt es gleich drei. oder vier Figuren, die am Anfang als Bösewichter im weitesten Sinne etabliert werden und die dann irgendwann doch so ein bisschen zu Sympathieträgern gemacht werden. werden sollen. Und das machen Serien ja oft einfach. Wenn eine Serie über acht Staffeln geht, willst du deinen Charakteren mehr Tiefe geben. Egal, wie abscheulich sie am Anfang waren. Und da fällt es mir teilweise schwer. Da merke ich, okay, ich habe das Gefühl, jetzt soll ich eigentlich Sympathie mit dieser Figur empfinden oder zumindest Mitleid.
Johannes Franke: Aber
Florian Bayer: Aber es klappt nicht, weil sie davor einfach zu sehr traditionell Antagonist war. Bestes Beispiel ist die Figur, die von unserem Joseph gespielt wird, also von Alfie Allen in Game of Thrones.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der ist bei Game of Thrones so ein krasser Verräter und scheut nicht davor zurück zu morden und zu lügen, um seiner Sache zu dienen. Und dann irgendwann wird er gefangen genommen und wird gefoltert und erlebt halt so eine Redemption-Arc, wo er am Schluss sich auf die Seite der Guten schlägt und ich glaube sogar einen heldenhaften Tod findet, aber das weiß ich nicht mehr so genau. Und es hat nicht funktioniert, weil er einfach zu... zu unsympathisch war am Anfang. Bei Filmen kann ich viel verzeihen. Ich bin bei John Wick die ganze Zeit. Nicht, dass ich mich mit ihm identifiziere oder dass ich ihn sympathisch finde, aber es ist in Ordnung. Ich will, dass er Erfolg hat.
Johannes Franke: Ja, ich will auch, dass er Erfolg hat tatsächlich. Hat viel mit Keanu Reeves zu tun. Ich glaube nämlich auch, das ist ein wichtiger Faktor, die Besetzung. Es gibt ja auch Leute, die das als Fehlbesetzung wahrnehmen, weil der mit seinen sehr warmen... und seiner überhaupt relativ warmen Ausstrahlung, die er doch immer mitbringt in seine Figuren.
Florian Bayer: Keanu Reeves ist so ein sympathischer Mensch. Wenn man den sieht in Talkshows, in Late-Night-Shows oder so, er ist so ein eher introvertierter Mensch. Oft auch so ein bisschen, man merkt so ein bisschen unbeholfen. Ja. Fühlt sich auch manchmal ein bisschen unwohl in der Öffentlichkeit vor der Kamera. Aber er hat so einen natürlichen Charme. Und einfach so ist das, was man so als Gentle Soul bezeichnen würde. Es gibt auch ganz viele Geschichten online. Das ist fast so ein Meme geworden.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Keanu Reeves und Tom Hanks sind die beiden, die bei diesem Meme immer wieder eine Rolle spielen, wo irgendwelche Leute erzählen bei Reddit oder Twitter, und ich hab Keanu Reeves getroffen und er hat das total... Coole gemacht, immer super nett und auch so wirklich süße Geschichten, wo er dann irgendwie einem Kind ein Eis kauft oder solche Sachen.
Johannes Franke: Ja, total krass. Ja, und das kann er nicht abschütteln. Das Bild ist einfach da von ihm und er kriegt das auch aus den Rollen, glaube ich, nicht raus. Ja. Der bringt das mit und ich finde das aber auch sehr gut in diesem Fall. Bedeutet aber eben, dass ich automatisch eine gewisse Sympathie mitbringe für ihn? Und dass ich will, dass er das schafft, was er will, weil er ja auch am Anfang sehr plakativ leidet. Und deswegen gehe ich natürlich mit ihm mit. Und deswegen kann ich auch nicht ganz mit dir mitgehen, dass er keine Sympathiefigur sein soll. Alles, was die da am Anfang versuchen, ist so Drehbuchschreiberschule, Versuche eine sympathische Figur herzustellen. Also ich unterstelle das einfach knallhart den Driverautoren, dass sie das versucht haben.
Florian Bayer: Ich finde dafür ist... ist seine Rolle einfach zu speziell geschrieben. Er ist ein Profikiller und Er geht über Leichen. Und ja, wir sollen was für ihn empfinden. Auf jeden Fall. Wir sollen irgendwas... Wir sollen ihm positive Gefühle entgegenbringen.
Johannes Franke: Vor allem auch, weil er sich ja von seinem eigentlichen Job verabschiedet hat. Ja.
Florian Bayer: Auch so ein klassisches Klischee, der Gangster, Killer, whatever im Ruhestand, der gezwungen wird, noch einmal sein ganzes Repertoire anfing. Fähigkeiten herauszuholen und der Welt nicht ganz entkommen kann. Ich finde Keanu Reeves Karriere total faszinierend. Seine Schauspielkarriere. Keanu Reeves ist der Mann... mit den tausend Comebacks. Der hat immer so einen glorreichen Film gemacht, wo alle auf ihn geguckt haben. Und dann dachte man, jetzt ist er wieder da. Und dann hat er... fünf Filme gemacht, wo man dachte, oh mein Gott, warum? Und dann kam wieder ein Film, wo man dachte, jetzt ist er wieder da.
Johannes Franke: Das ist auch so ein Typ, der einfach, glaube ich... Nur nach Lust und Laune entscheidet, was er macht und dann irgendein Drehbuch in der Hand hat und nicht, also ich habe das Gefühl, er kann nicht wirklich beurteilen, ob das wirklich gut wäre.
Florian Bayer: Ja, glaube ich auch.
Johannes Franke: Das ist so einer, der einfach sich an kleinen Dingen begeistern lässt und sagt, oh ja, das ist eine coole Idee, das mache ich mit. Ja.
Florian Bayer: Und Keanu Reeves hat diesen Film ja jetzt total geowned. Ja, ja, ja. Dieser Film ist eigentlich ein Keanu Reeves Produkt. Er hat die beiden Regisseure Wort geholt. Er ist für den fucking Titel verantwortlich. Das Ding hatte einen Arbeitstitel und zwar Scorn. Nicht einen Arbeitstitel, das Ding sollte Scorn heißen, der Charakter sollte Scorn heißen. Und Keanu Reeves ist dann rumgelaufen und hat allen erzählt, ey, ich drehe einen Film, der heißt John Wick. John Wick ist so geil. Und quasi mit der Pistole auf die Brust vom Drehbuchautor bist du ja so, okay, dann nennt man das Ding halt John Wick.
Johannes Franke: Ja, aber ist auch okay. Also John Wick ist doch ein guter Name für sowas.
Florian Bayer: Witzig vor allem, weil sie ja ursprünglich einen deutlich älteren Protagonisten ist.
Johannes Franke: Ja, der sollte 60, Mitte 60 sein oder fast 70. Eigentlich so
Florian Bayer: eine klassische Bruce-Wills-Rolle könnte man sein. Ja, ja, ja. Und es wäre ein ganz anderer Film geworden und es wäre ein deutlich schlechterer Film geworden mit einem 60-jährigen Bruce-Wills und ohne die... Also Derek Halstead nochmal, um nochmal auf den Drehbuchautoren kurz zu nennen. Hat so viele B-Action-Movies gedreht, dass ich glaube, dass der Film so stark geworden ist. Daran hat er den wenigsten Anteil.
Johannes Franke: Ja, denke ich auch, wenn ich mir die Dialoge anschaue.
Florian Bayer: Ich denke, ja, auf jeden Fall bin ich bei dir. Ich denke, es ist gut, dass Keanu Reeves ... Jad Stahelski und David Leitch mit an Bord genommen hat und dass die zum einen ihr Visuelles draufgepackt haben und Und zum anderen dieses grundsätzliche Konzept, dass eben alles Geschichte haben muss. Wir geben jedem kleinsten Detail ein Stück Geschichte mit.
Johannes Franke: Das ist wirklich eine große Stärke des Films.
Florian Bayer: Ja, und ist noch so minimal. Es gibt diese tolle Szene, wo Keanu Reeves zu diesem Nachtclub kommt, wo er den Typen umbringen will und dann steht da dieser Türsteher. gespielt von Kevin Nash. Das ist das Nächste, wo ich sagen kann, ach, der macht damit. Kevin Nash ist ein Profi-Wrestler.
Johannes Franke: Ah, okay. Deswegen hat er so schlecht gespielt.
Florian Bayer: Ja, aber er ist so kurz zu sehen, dass es in Ordnung ist. Alles okay. Ihm wird auch nachgesagt, dass seine Bühnen-Performance im Wrestling, wo die Ansprüche wirklich niedrig sind, dass die ziemlich schlecht ist. Selbst die Wrestling-Fans sagen, dieser Kevin Nash, der ist nicht so ein guter Darsteller. Fuck. Aber... Kevin Nash ist für eine der berühmtesten Story-Angles der Wrestling-Geschichte verantwortlich.
Johannes Franke: Oh Gott, jetzt kommt wieder dein Wrestling ... Okay, erzähl uns.
Florian Bayer: Wir brauchen einen eigenen Jingle für Flo erzählt aus seinem Wrestling-Repertoire.
Johannes Franke: bis wir den Podcast gemacht haben, habe ich nicht gewusst, dass du irgendein Herz am Wrestling hast.
Florian Bayer: Ja, ich hätte es auch nie gedacht.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ich bin selbst von mir überrascht, dass ich so von Wrestling-Story, und ich finde die Kämpfe total langweilig. Ich habe so Wrestling-Kämpfe, aber ich bin von den Storylines total fasziniert. Also, wir erzählen ein Stück Wrestling-Geschichte. Und die fließt sogar über in die Wrestling-Geschichte, die ich beim vorletzten Mal erzählt habe, als wir über einen Erotik-Film geredet haben. Da habe ich es auch geschafft, Wrestling. Wrestling History reinzubringen. Moment, Jingle.
Johannes Franke: Flor erzählt aus seiner Wrestling-Welt.
Florian Bayer: Also. befinden uns Mitte der 90er Jahre. Es gibt zwei große Organisationen, die WCW, WCW und die WWF. WWF, mittlerweile WWE. Und die sind auch wirklich verfeindet. Und zwar hat die WCW irgendwann ... Mitte der 90er, die WWF war schon richtig groß, hat versucht Konkurrenz zu machen und die haben ihre eigene Sendung auf dem Timeslot im Fernsehen platziert, genau zur selben Zeit, wo die große WWF-Show lief. Das war WCW Nitro und WWF war WWF Raw. Das heißt, das waren wirklich Konkurrenten. Da war keine Story, nichts dahinter. Die haben sich gehasst. Und die haben auch teilweise angefangen, in ihren Shows gegeneinander zu schießen mit so kleinen Anspielungen. Dann haben sie gesagt ... Hey, that's where the big boys play. Und Raw is Raw. Und wir machen euch fertig. Also, die haben ... Dieser Konkurrenzkampf, der hat wirklich gelebt. Die haben sich auch gegenseitig verklagt teilweise. Die waren wirklich verfeindet. Die WCW war extrem gut drin. in der Zeit der WWF nicht nur die Quoten zu klauen, die waren zu der Zeit tatsächlich führend, sondern auch die Wrestler, die haben mit extrem lukrativen Verträgen haben die die Wrestler von der WWF abgeworben. Hulk Hogan ist zur WCW gewandert. Das war so das erste große. Dann kam der Macho Man. Das waren alles WWF-Größen, die geholfen haben, die WWF aufzubauen. Und plötzlich waren die bei der WCW. Und dann hat die WCW Mitte der 90er zwei Personen von der WWF abgekauft. Und zwar Kevin Netsch, der bei der WWF als Diesel unterwegs war. Und ich bin sehr weit gekommen, ohne googeln zu müssen. Scott Hall, der bei der WWF als Razor Ramon unterwegs war. Das waren zwei große Wrestler damals bei denen und die wurden abgekauft von der WCW. Und die haben das geschafft, so ein bisschen unterm Deckmantel zu halten. Also ich meine, intern wusste es jeder, aber die Fans wussten es nicht. Es kommt zu einer Show von der WCW und Scott Hall und Kevin Nash, die jeder von der WWF kennt, tauchen plötzlich aus dem Publikum auf. Und der Kommentator sagt, was ist denn hier los? Was haben die denn zu suchen? Die gehen einfach auf die Bühne. schnappen sich das Mikrofon und sagen, hey, ihr wisst, woher wir kommen und ihr wisst, wer wir sind. Wir sind hier, um euren Laden aufzuräumen. Ihr glaubt, ihr werdet die Größten. Ihr habt keine Chance gegen uns.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die Fans, die nicht wussten, dass die WCW die beiden gekauft hat, dachten natürlich, wow, sind jetzt gerade wirklich zwei WWF-Wrestler einfach so in diesen Laden gestürmt. haben das Mikro übernommen und fangen an, da rumzupöbeln. Ist ja voll spannend, was da passiert. Und daraus hat sich eine Storyline entwickelt, nämlich dass die beiden, die später die sogenannte NVO präsentieren, die als Konkurrenzorganisation die WCW aufräumen will. Und das hat der WCW unglaublich viele Einschaltquoten gebracht. Weil die Leute alle dachten, wow, sind die wirklich von der WWF da? Gibt es jetzt wirklich Beef auf dem... Krass, okay. auf der Bühne bei der WCW nochmal sagen müssen, und wir haben übrigens nichts mit der WWF zu tun.
Johannes Franke: Damit...
Florian Bayer: Genau, damit klar wird, dass das nur ein Story-Angle ist. Ein riesiger Story-Angle hat dazu geführt, dass die WCW den Quotenkrieg in den folgenden Jahren permanent gewonnen hat. Weil das einfach eine super Storyline war, also die reale Welt wurde zur Geschichte gemacht. Dass es eine neue Organisation gibt, die diese Organisation intern bekämpft. Großartiges Stück Wrestling-Geschichte.
Johannes Franke: Okay. Wer ist jetzt der Türsteher davon?
Florian Bayer: Kevin Nash. Und kein besonders guter Schauspieler. Die Szene ist toll. Keanu Reeves kommt mit der Pistole hin und sagt so, hey, du kennst mich, also sagt seinen Namen und so ein typischer Dialog, wo man weiß, die kennen sich, aber man weiß nicht genau, woher. Und dann sagt er ja so, du hast Gewicht verloren, oder?
Johannes Franke: Und er sagt 60 Kilo. Ich habe ja den Verdacht, dass es nicht um Gewichtsverlust geht, ne?
Florian Bayer: Er darf nur überleben, weil er diese Zahl sagt, 60. Keanu Reeves, wenn wir nämlich wissen, mit wie vielen Leuten er es da drin zu tun hat. Und der Türsteher ... Darf überleben dadurch. Darf dadurch überleben. Schöne kleine Szene, einfach so ein Detail.
Johannes Franke: Auch wie er sich bedankt, ich finde es super.
Florian Bayer: Und wir haben einfach ein Stück Geschichte. Wir wissen nicht, was zwischen den beiden vorge... fallen ist davor. Aber offensichtlich kennen sie sich, sind irgendwie leicht freundschaftlich miteinander verbunden oder zumindest kollegial. Es ist toll. Das ist dieses Worldbuilding, was einfach sich durch den gesamten Film zieht.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Das ist ein gutes Beispiel.
Florian Bayer: Liebe zum Detail.
Johannes Franke: Das mit der Polizei finde ich auch spannend, weil die ja irgendwann klingelt und im Hintergrund liegt die Leiche und er guckt sich die Leiche an, also der Polizist guckt halt rein und sieht die Leiche da liegen. Und fragt, bist du wieder im Geschäft? Was ist jetzt? nicht mehr genau wie der dialog war aber es ist schon sehr bezeichnend dass er sozusagen selbst bei der polizei so seine Leute hat, die er kennt und die irgendwie sagen, ah ja, okay, gut, dann mach mal.
Florian Bayer: Ja, es ist ... Der Film hat sehr viele von diesen Details und das macht für mich einen Film auch einfach sympathisch, wenn man das Gefühl hat. Da wird auf Einigkeiten geachtet. Das wird nicht so runtergeschludert, sondern wenn wir irgendwie eine Situation haben, dann geben wir dieser Situation eine gewisse Geschichte, einen gewissen Background. Wir kriegen nichts erzählt, aber wir ahnen, ah, okay, dieser John Wick hat offensichtlich irgendwie Beziehungen zur Polizei, muss ja bei seinem Job haben. Es gibt da offensichtlich ein Netz, das ihn deckt. Interessant.
Johannes Franke: Es kommt aber da wiederum so ein bisschen, da kommen dann so die ersten Probleme rein. Weil ich das Gefühl habe, ein paar Sachen sind dann eben nicht durchdacht oder sind darauf verzichtet worden, das ordentlich zu machen, weil der Sohn zum Beispiel, der den Hund umbringt. Der Einzige in der ganzen Unterwelt ist, der nicht weiß, wer John Wick ist. Es ist reichlich dämlich.
Florian Bayer: Ja, es ist ziemlich dämlich. Aber er ist jung.
Johannes Franke: Na, trotzdem. Selbst die Jungen. Alle kennen ihn. Jeder spricht mit ihm und fragt ihn, ach, na sowas, wieder da.
Florian Bayer: Das sind auch die schwächsten Momente vom Film, wenn sowas erklärt wird, weil da haben wir diesen Exposition-Dialog. eben wenn sein Vater ihm erklären muss. Und er hat übrigens diese unglaubliche Mission gemacht. zu der er nicht in der Lage war, aber er hat's geschafft und deswegen sind wir jetzt so reich und du hast deinen Hund getötet. Zwei Tage nachdem seine Frau gestorben ist.
Johannes Franke: Wollen wir denn langsam einfach mal in unsere Top 3 gehen?
Florian Bayer: Lass uns mal zu unserer Top 3 switchen.
Johannes Franke: Die Top 3 ist ein bisschen schwierig, finde ich. Du hast einfach nur den Satz hingeschludert, ist es ein Märchen oder ist es keins?
Florian Bayer: Es ist ein Märchen, ich weiß es nicht genau. Weil ich mir diese Frage bei dem Film John Wick immer so ein bisschen stelle. Ich... finde, er hat sehr viele Märchenansätze.
Johannes Franke: Was sind denn die Märchenansätze dieses Films? Was macht ein Märchen...
Florian Bayer: Also zum einen ist es definitiv dieses Gefühl, dass sich hinter allem, was passiert, mehr Geschichte verbirgt. Ich referiere jetzt vor allem auf die klassischen skandinavischen Märchen. Hans Christian Andersen war ein Meister darin, seine Figuren durch Episoden laufen zu lassen. Und in diesen Episoden wurden immer große Welten angeteasert. Und er hat das auf eine Art gemacht, dass man das Gefühl hatte, oh, da steckt mehr dahinter. Oh, das ist faszinierend. Können wir noch kurz da bleiben? Ah, okay, jetzt ziehen sie weiter. Das ist das eine, was es stark macht. Dann die gesamte märchenhafte Atmosphäre dieser... John Wick, der fasst sich ganz lange, wenn er nicht kämpft, wie in so einem Traum bewegt. Also gerade in der Eröffnung, aber auch später, wenn er durch dieses Hotel geht, ist halt immer so ein bisschen was Traumwandlerisches, was Geheimnisvolles, was mystizistisches. Dieses Gefühl, dass hinter der Welt, die wir sehen, Eine zweite mystische Welt schlummert, die wir nicht so ganz begreifen, nicht so ganz wahrnehmen, aber die hin und wieder in unsere Welt rüber strahlt.
Johannes Franke: Was vielleicht ein bisschen böse ausgedrückt bedeuten könnte, was Märchen ja sehr viel machen, es ist alles... simplifiziert auf bestimmte Klischees, auf bestimmte Storylines, die sich leicht über Jahrhunderte tradieren lassen von Mund zu Mund. Du kannst ein Märchen nicht so aufbauen, dass es komplexe Handlungsstränge mit sich bringt. Das geht einfach nicht. Das heißt, du hast eine Motivation für einen Hauptcharakter und das musst du ja durchziehen. was positiv und negativ bewertet werden kann. In beide Richtungen geht das, ne?
Florian Bayer: Genau, Märchen sind simple Reduktion von Welt und vor allem von... Subwelt. Was faszinierend ist, die Fortsetzungen machen das noch ein Stück stärker, also vor allem der dritte Teil als der erste. Aber im ersten wird es auch schon so ein bisschen angedeutet. Wenn John Wick sich durch diesen Nachtclub bewegt und die Menschen umbringt, hat das... relativ wenig Impact auf die Menschen, die sich außerhalb bewegen. Also ja, wir sehen immer mal wieder so Discogänger, die dann wegrennen und schreien. Aber man hat auch ganz oft das Gefühl, er bewegt sich wie so ein Phantom an den ganz normalen Leuten vorbei und er schießt dann eben einen von den Bösen. Und es hat keine große Auswirkung auf die Party. Und das ist dieser Märchengedanke, dass ganz viel außerhalb von unserer Wahrnehmung stattfindet. in so einer Art Zwielicht und wir davon immer nur so ein bisschen, so ein kurz was zu schmecken bekommen und dann ist es schon wieder vorbei. Ja. Im dritten Teil gibt es ganz krasse Szenen, wo sie sich Schießereien in der U-Bahn liefern und die Leute gehen einfach normal weiter. Aha. Total stark. Es ist surreal. Aber man kauft es ab, weil eben davor diese Märchenwelt für mich so ... etabliert wurde, da ich sage, ja, wir Normales, wir haben dann nur so ein Klims davon, was da eigentlich passiert hinter der Oberfläche.
Johannes Franke: Okay. Das macht natürlich, wenn man sich dafür entscheidet, sowas so zu inszenieren und dann das so klar und bewusst auch beim Zuschauer. ankommt einfach, wenn man in der U-Bahn für eine Schießerei anfängt und das interessiert draußen keinen, dann Da muss man sich das natürlich verdienen und wenn er das tut, dann ist das natürlich cool.
Florian Bayer: Das stimmt. Und nicht in dem Sinne, dass es keinen interessiert, sondern dass die Menschen das einfach nicht mitbekommen. Die Geister laufen überall rum, aber wir sehen sie nicht.
Johannes Franke: Ninjas.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Okay, wollen wir mal so ein bisschen... Ja, Top 3, was für Filme fallen in diese Richtung? Genau. Muss ich anfangen oder fängst du an mit dem Top 3?
Florian Bayer: Du musst anfangen, damit ich den letzten Schuss habe.
Johannes Franke: Ich habe mir wieder viel aufgeschrieben, ohne das zu sortieren, weil ich erstmal abwarten wollte, welche... Definition wir denn eigentlich finden für Märchen? Und...
Florian Bayer: Es sollen ja Filme sein, die irgendwie so auf der Klippe sind.
Johannes Franke: Das ist das Problem und deswegen fand ich diese Liste so schwer, weil meistens entscheidet sich ja ein Film für so etwas. Ja. Und in dem Fall durch die Simplifizierung und dieses, ich verstehe schon, dass man John Wick irgendwie als Märchen begreifen kann, aber dann bei fast schon... Ganz klassisch, Star Wars ist halt einfach ein Märchen. Da gibt es nichts zu diskutieren. Was ist das jetzt?
Florian Bayer: Es ist schwierig, die Grenzfälle zu finden. Habe ich auch gemerkt.
Johannes Franke: Hast du Honorable Mentions?
Florian Bayer: Nee, ich hab auch nicht. Tut mir leid, du musst anfangen. Es führt keinen Weg dran vorbei.
Johannes Franke: Ich würde dann gerne anfangen mit La Jetée.
Florian Bayer: Interessant. Sehr gute Wahl erstmal, weil ich würde sagen, es ist kein Märchen und das ist schon mal ein gutes Zeichen.
Johannes Franke: Für mich war nämlich Märchen immer dieser mystische Hintergrund, vor dem das stattfindet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Märchen ist ja oft so ein, du hast ja Allegorien, die dir was Moralisches erzählen sollen. Und ich glaube, dass La Jetée durch seine Zeitreisethematik, also nur kurz zur Erklärung, das ist ein Kurzfilm von Chris Marker, der aus dem 60er Der nur in Standbildern erzählt wird. Verfilmt wurde dann nochmal als Langfilm von, habe ich vergessen, Terry Gilliam. Terry Gilliam unter dem Titel 12 Monkeys.
Florian Bayer: 30 Minuten dauert Lascheté.
Johannes Franke: Und dieses Mystische, was dem zugrunde liegt, erzählt mir, dass der... Autor oder der Filmemacher einem ja was ganz anderes erzählen will, als nur den Tathergang. Und dieses, also er will ja durch das sehr Unkonkrete, was dieser Film zwischendurch hat, So dieses Wabern, dieses ich weiß nicht ganz genau, wo bin ich denn jetzt gerade und was... Er erzählt mir so episodisch von diesem Typen, der mal dort und mal dort in der Vergangenheit rumging. Deswegen ist 12 Monkeys dann kein Märchen mehr, sondern eine ganz konkrete Erzählung. Und dieser Film, dieser 30-minütige Film ist für mich so eine... Aneinanderreihung von Gefühlen und Überlegungen zu gesellschaftlichem Zusammensein.
Florian Bayer: Oh Mann, jetzt nachdem du so über John Wick gelästert hast, dachte ich könnte dir deine Top 3 um die Ohren hauen. Aber das ist wirklich ein guter Platz 3.
Johannes Franke: Danke.
Florian Bayer: Ich gehe voll mit. Und vor allem auch dieser Kontrast, dass 12 Monkeys eben nicht mehr dieses Märchenhaft hat, weil er zu konkret ist, weil er zu sehr Genre-Film ist, Science-Fiction-Dystopie.
Johannes Franke: Genau. Cool. Ja und damit habe ich wahrscheinlich den besten Film schon drin, aber ich habe ihn als Top 3, als die Nummer 3 genommen, weil die anderen alle so, so ahhh. Und jetzt war ich unter Druck. Verdammt. Okay, toll. Jetzt bist du dran.
Florian Bayer: Ich bin gespannt auf die anderen beiden, die ich dir hoffentlich um die Ohren hauen kann. Mein Platz drei ist ... Auch ein Film über einen Profikiller. Und zwar aus dem Jahr 2011. Wer ist Hanna? Originaltitel, einfach nur Hanna. Ein junges Mädchen, so 16, 17. Ja. mit ihrem Vater zusammen in der Wildnis und dann werden sie angegriffen und sie weiß nicht genau warum und sie flieht dann, aber sie hat halt diese Killer-Skills. Und dann ist sie auf der Flucht von ... vor denen, die sie jagen, die offensichtlich zu irgendeinem Geheimdienst gehören. Die Chefin von dieser Organisation wird von Cate Blanchett gespielt. Und es kommt halt nach und nach raus, dass sie offensichtlich Teil von so einem Programm ist, wo Superkiller gezüchtet werden sollten. Und sie flieht dann und es ist fast so ein bisschen auch... Die Geschichte einer bösen Hexe, nämlich die von Cate Blanchett gespielte Figur, die das kleine, unschuldige Mädchen jagt, das in dem Fall aber nicht so ganz unschuldig ist. Und jetzt bin ich die ganze Zeit eben nicht auf der Oberfläche, sondern auf dem Subtext, weil auf der Oberfläche ist der Film natürlich so ein klassischer... Nicht Revenge-Thriller, aber so ein klassischer Paranoia-Thriller. Die Person ist auf der Flucht. Man weiß nicht genau, warum. Sie versucht, sich irgendwie durchzuschlagen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Besonders jetzt dadurch, dass es sich eben um ein junges Mädchen handelt und dass diese Jägerin fast wie so eine Übermutter und zugleich Hexe daherkommt. Und dann vor allem auch durch das Visuelle, dass es sehr mystizistisch ist, sehr verträumt. Es scheint so ein bisschen zu wabern, aber Ja, man könnte es auch einfach als klassischen Thriller lesen.
Johannes Franke: Ja, okay. Na, ich bin bei der Recherche auf diesen Film gestoßen und der war in Listen... von Märchen. Also es gab noch andere Leute, die das als Märchen gelesen haben.
Florian Bayer: Ich hoffe mal, dass jeder und jede, die das in die Liste eingetragen haben und gedacht haben, passt das? Ich weiß nicht. Schwierig.
Johannes Franke: Ich kann es dir nicht um die Ohren hauen, weil ich es nicht weiß, weil ich es nicht gesehen habe. Und das ist dein Vorteil. Na gut. Ich würde gerne ein, zwei Sachen noch ausschließen, aber sagen, The Lighthouse... Ist halt sehr nah an so Sagengestalten dran, sodass man... Das ist vielleicht zu sehr in Richtung Märchen tendiert. Es ist halt ein sehr düsteres Märchen, ja. Beziehungsweise es ist ja mehr Seemannsgarn, aber es ist so ein Es geht so sehr in die Richtung, dass man schon nicht mehr so richtig diskutieren kann.
Florian Bayer: Wasser nixen. Auf jeden Fall. Also ich glaube, wenn du dem das Label Düstermärchen gibst, sind alle glücklich.
Johannes Franke: Ja, genau. Pans Labyrinth leider auch, weil das sehr deutlich ein Märchen ist, was das Kind sagt. sich da irgendwie zusammenbaut.
Florian Bayer: Auch wieder diese Ecke Düstermärchen.
Johannes Franke: Düstermärchen, genau. Was ich glaube, was... Ich würde Once Upon a Time in Hollywood reinnehmen wollen.
Florian Bayer: Oh, sehr cool, ja.
Johannes Franke: Weil natürlich das, was da passiert, genauso wie bei Inglourious Basterds, was ja fast auch ein Märchen sein könnte, vielleicht hat... Auf eine seltsame, krude Weise Tarantino ein Hang zu Märchen.
Florian Bayer: Glaube ich auch. Ich hatte, auf muss man sehen, habe ich eine Rezension geschrieben zu Once Upon a Time in Hollywood und habe geschrieben, mein Untertitel war Quentin Tarantino Der Märchenonkel.
Johannes Franke: Ah, okay. Ja, siehst du. Genau. Also das ist so ein bisschen das Ding.
Florian Bayer: Aber... Total gute Wahl auch, weil wenn man es sich anschaut, sieht man natürlich erstmal einen klassischen Tarantino-Film.
Johannes Franke: Genau und man hat ja auch das Gefühl, dass der das nicht so aufbaut, wie es war einmal, sondern, und er heißt aber, er heißt so. Das fällt mir jetzt erst auf. Er heißt natürlich Once Upon a Time. Aber er will ja etwas erzählen, was irgendwie... mal war.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was natürlich nie so war, wie der Film das erzählt.
Florian Bayer: Und er erzählt es einfach mal als räudige Komödie mit... Ja. Blutvergießen am Ende und dann zwischen den typischen Tarantino-Dialogen, viel Coolness. Ein paar Cameos von Bruce Lee und irgendwelchen Sekten, genau die Manson Family kommt vor. Genau. Und das ist ja alles Zeug, wo man sagen würde, das hat nichts mit einer Märchen zu tun. Das ist Popkultur. Tarantino dreht Popkultur durch den Fleischwolf.
Johannes Franke: Ja, aber er erzählt ein Märchen seiner Zeit, was ja auch damals schon ein Märchen war, weil es nie wirklich so war, wie der Film das gerne hätte.
Florian Bayer: Und vor allem hat es diesen Nostalgie-Komponenten. Märchen kommen aus dem 19. Jahrhundert und haben diese Nostalgie in ein vermeintlich schönes, unschuldiges Mittelalter.
Johannes Franke: Ja, das ist spannend.
Florian Bayer: Noch eine gute Wahl. Verdammt, was machst du denn hier? Alter. Puh, Glück gehabt. Ich hoffe, deine Top 1 ist so eine totale Lusche. Ich befürchte, das wird es sein.
Johannes Franke: Na los, dann bist du jetzt erstmal dran.
Florian Bayer: Mein Platz zwei aus dem Jahr 2012 und jetzt sind wir beim Genre Kriegsfilm, weil wenn man nicht genau weiß, was das Märchen ist, dann ist halt ein anderes Genre irgendwie drüber, oder? oder drunter, oder drin. Lore von Kate Shortland, einer australischen Regisseurin. die die Geschichte erzählt von einem jungen Mädchen, Jugendlichen, auch so 16, 17 wahrscheinlich, die Tochter von Nazis. die Ende des Zweiten Weltkrieges in den Norden flieht, um der Verhaftung zu entkommen. Und die dann durch das ... Nachkriegsdeutschland irrt, also unmittelbar nach dem Krieg, Stunde Null im wahrsten Sinne des Wortes. Und halt irgendwie versucht, bei einer Tante anzukommen, um nicht wahrhaftet zu werden oder nicht in die Hände der amerikanischen Soldaten zu gelangen, weil der Vater als Papier. der Nazi denkt, große Bedrohung. Und das ist eine Rotkäppchen-Geschichte. Sie zieht mit ihren kleinen Geschwistern los und sie wandeln durch diese Welt, die sie nicht so wirklich verstehen und ... Es ist natürlich vor allem auch eine Kriegsgeschichte und eine Nachkriegsgeschichte mit düsteren Bildern und sie hat trotzdem immer sowas Märchenhaftes. Sie sind dann einfach mal im Wald unterwegs und sie kommen dann in irgendwelchen Ruinen vorbei und du denkst, ah, jetzt sind sie beim Zuckerkuchenhaus.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Sehr spannender Film, sehr interessant. Der die ganze Zeit spielt mit diesen Motiven von Unschuld, wie man sie aus den Märchen kennt. und großer Schuld, die die ganze Familie auf sich genommen hat und dann vor diesem Vor diesem Hintergrund des gerade zu Ende gehenden Nationalsozialismus. Sehr interessant.
Johannes Franke: Ich schwanke jetzt so ein bisschen. Welcher dieser Filme, die mir jetzt noch übrig bleiben, würdest du auseinandernehmen und welche nicht? Welcher passt da wirklich rein und welcher nicht? Ich neige ein bisschen... Ich schwanke. Zwischen... Und jetzt sag du mal, welchen Film du mir in die Ohren hauen würdest. Zwischen Black Swan und Brasil.
Florian Bayer: Kann ich dir beide nicht so richtig um die Ohren hauen? Black Swan ist halt so obvious.
Johannes Franke: Ja, es ist so obvious, aber gut gemacht.
Florian Bayer: Und Black Swan ist natürlich, wenn man sich die Frage stellt, ist es eher das ... Sagen wir mal, an der Oberfläche ist es ein Mystery-Horrorfilm, Body-Horrorfilm. Wenn man sich die Frage stellt, ist es vielleicht doch eher das, dann ist es natürlich eine Oberette oder ein Ballett.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ist es ein Ballett? Ich weiß nicht so recht.
Johannes Franke: Aber das Ballett basiert auf Märchen quasi. Also es ist ja, die meisten Ballette sind ja... Brasil...
Florian Bayer: Würde ich gerne mal von dir wissen, was daran märchenhaft ist.
Johannes Franke: Dadurch, dass es eine dystopische Welt ist, macht es einen auch so eine Art... Traumwelt auf und hat auch diesen mystischen Charakter, weil sie diese Fähigkeit quasi haben, Verbrechen bevor sie passieren zu verhindern. Also auch dieses Bürokratische ist natürlich irgendwie so ein... Sehr, sehr vereinfacht, wie auch bei John Wick auf... Eine ganz klare ästhetische Entscheidung. Das ist unser Ding. Wir haben das alles auf diese Bürokratie-Schiene gesetzt und dann gibt es einen, der dagegen aufbegehrt. der so sein heroisches Leben darin hat.
Florian Bayer: Ah, Brasil habe ich schon so lange nicht mehr gesehen. Das wäre eigentlich spannend, den nochmal zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, was ist das überhaupt für ein Genre, weil sehr viele Genre ineinander fließen. Also ich liebe Brasil, aber es ist bestimmt schon zehn Jahre her, dass ich den gesehen habe.
Johannes Franke: Das ist halt auch mein Problem. Vielleicht müssen wir den einfach gucken.
Florian Bayer: Ja, das ist eigentlich... Eigentlich ist das so ein Kandidat für, okay, dann müssen wir nochmal ein Rewatch machen, weil er gehört einfach zu den stärksten Science-Fiction-Filmen überhaupt des 20. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Lass uns das machen und dann finden wir dann raus.
Florian Bayer: Dann reden wir nochmal über das Thema Märchen vor dem Hintergrund von Pürssel. Finde ich gut.
Johannes Franke: Okay. Das heißt, es ist unentschieden.
Florian Bayer: Platz 1. Den kannst du mir um die Ohren hauen. Kannst du aber nicht, weil du ihn nicht kennst. Border aus dem Jahr 2018.
Johannes Franke: Das ist doch eindeutig ein Märchen, hör mal.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist wirklich zu eindeutigen Märschen. Ein Film, ein skandinavischer Film, aus schweden es geht um eine zollbeamtin deformiert aussieht und darunter auch leidet, gesellschaftlicher Außenseiter ist, aber gleichzeitig richtig gut darin, Verbrechen zu erschnüffeln. Das ist ja irgendwie so ein Riecher dafür, ob jemand was Illegales gemacht hat. Und sie trifft dann auf jemanden, der genauso deformiert aussieht wie sie. Und erfährt dann etwas über ihren Hintergrund, wo sie herkommt. Es geht natürlich um gesellschaftliche Außenseiter, es ist ein Drama. Aber es kommt dann sehr stark dieses Märchenhafte rein. Deswegen weiß ich nicht zu 100 Prozent, ob der reinpasst. Weil es wird dann einfach ganz klar gesagt, okay, wir sind ... Trolle. Ich glaube, sie bezeichnen sich selbst als Trolle. Aber es wird klar, sie sind Wesen, die nicht menschlich sind, die nicht von dieser Welt sind. Ein ganz toller Film irgendwie zwischen düsterem Drama, Liebesgeschichte und eben dann doch diesem krassen Fantasy-Einschlag. Man könnte sagen, es ist kein Märchen, weil es halt ein Gesellschaftsdrama ist, weil es halt doch vor allem eine Allegorie ist auf... gesellschaftliches Außenseitertum, aber du hast es vorhin schon gesagt, jedes Märchen ist eigentlich eine fucking Allegorie.
Johannes Franke: Ja, naja.
Florian Bayer: Und wenn ein Kandidat aus unserem Top 3 am wenigsten in diese Ecke passt, dann ist es leider meiner. Und ich habe echt so gehofft, dass du dich komplett abmühst mit dieser Liste und ich einfach nur sagen kann, Johannes, du musst unbedingt mal wieder ein bisschen Märchen von den Gebrüdern Krim oder von Hans Christian Andersen lesen.
Johannes Franke: Aber das fällt auf dich zurück.
Florian Bayer: Offiziell, Freunde, Freundinnen, ich gebe mich geschlagen. Ich habe diese Top-3-Liste verloren.
Johannes Franke: Yes! Nach 80 Episoden oder so. Endlich. Sehr gut. Ich werde mir einen Whisky aufmachen gleich und diesen Abend genießen. Okay, das war unsere Top 3. Wow, schön.
Florian Bayer: Ja, kommen wir zurück zu John Wick und wir können, glaube ich, ein Fazit ziehen, das sehr unterschiedlich ausfallen wird. habe ich so einen leichten Verdacht.
Johannes Franke: So ganz leichter Verdacht. Ich ziehe ihn runter und du holst ihn wieder hoch, okay?
Florian Bayer: Ja, zieh mal runter.
Johannes Franke: Völliger Scheiß, jetzt du. Nein, es ist wirklich, es ist natürlich in vielen Dingen sehr gut darin, das zu tun, was es wollte. Action zu zeigen, hervorragend choreografiert und mit einer Präzision umgesetzt von Keanu Reeves, die ich nur bewundern kann, die ich beeindruckend finde. die mir aber als Film nicht viel sagt. Also dann kann ich mir auch Clips auf YouTube anschauen, die so für sich fünf Minuten lang beeindruckend sind und dann will ich aber auch weiter. Dazu brauche ich keinen Filmabend für, vor allem weil der Film sonst nicht viel auf der Geschichte, die Geschichte kannst du in den Tunnel kloppen.
Florian Bayer: und jetzt du hast du was zum zum zum publikum des films gelesen
Johannes Franke: Zum Publikum des Films?
Florian Bayer: Zum Boxoffice. Kommen wir kurz zu den Zahlen. Dieser Film hat 20 bis 30 Millionen gekostet, was ein relativ niedriges Budget ist für einen Film von... Der Größe, also für einen Film von der Größe. Und hat 86 Millionen eingespielt. Die Nachfolger waren alle ungefähr ähnliches Budget. Und die haben... Jeder Film hat das Box-Office verdoppelt.
Johannes Franke: Oh, wow.
Florian Bayer: 170 Millionen war der zweite, 350 Millionen der dritte. Fuck, okay. Demografie. Also, ich gebe mal wieder, was IMDB dazu sagt. 60% nur. Männliches Publikum.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Finde ich überraschend.
Johannes Franke: Naja, es ist Keanu Reeves, ne?
Florian Bayer: Ja, okay. That's the point. 77% älter als 25%. Keanu Reeves hat diese berühmte Nachtclub-Szene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: mit einer Grippeerkrankung gespielt. Laut Aussage des Regisseurs hatte er 40 Grad Fieber, als er das Ding gespielt hat.
Johannes Franke: Und er hat, ich glaube, die auch an dem Tag zuvor überhaupt erst gelernt, die Szene. Und das ist eine krasse Choreografie.
Florian Bayer: Genau. Er hat sich auf die Rolle vorbereitet, acht Stunden am Tag. In verschiedenen Kampfkünsten und Waffen. Und er hat ... Laut eigener Aussage, und ich kaufe ihm das einfach mal ab, weil der Mann zu ehrlich ist, 90% seiner Stunts selbst gemacht. Ja. Ich finde, wenn es um einfache, reduzierte Actionfilme geht, das findet man heutzutage entweder in ... B-Movie-Ecke oder gar nicht. Und da muss man sich, wenn man Action-Fan ist, muss man sich seine Action halt aus den großen Blockbustern von Marvel und Disney ziehen.
Johannes Franke: Der
Florian Bayer: Der Film hat es geschafft, das irgendwie so zurückzubringen. Er hat es geschafft, Keanu Reeves als Actiondarsteller zurückzubringen. Und der hat es geschafft ... zu zeigen, dass man auch heute noch wirklich klassisches, straightforward Actionfilm erzählen kann. Mhm. die trotzdem so den gewissen Kick haben, der sie eben von der Masse abhebt. Und gleichzeitig macht der ein... ich kann es nur noch mal wiederholen, ein Worldbuilding, das seinesgleichen sucht. Man muss weit zurückraben in der Filmgeschichte und man findet immer nur... vereinzelte beispiele für mich auch noch mal um die märchenreferenz zu kommen star wars ist auch so ein film der erste star wars film hat es auch geschafft Eine Geschichte zu erzählen, es passieren immer mal wieder links und rechts Sachen, die keine große Relevanz haben und man hat das Gefühl, da steckt aber Geschichte dahinter und man würde gerne mehr wissen, wer sind diese... diese außerirdischen Gangster in der Bar, die Luke angreifen. Was ist da los? Wer ist dieser Chabba da hat, der Han Solo jagt? Es schaffen wirklich nur wenige Filme, dass kleine Details, dass Nebensächlichkeiten so zu einem Gesamtkosmos gesponnen werden. Und ja, dafür liebe ich den Film. Das ist einer der besten reinen Actionfilme der letzten 10, 20, 30 Jahre. Und wer das nicht erkennt, ist doof.
Johannes Franke: Okay, ich erkenne das an, ich hasse halt Actionfilme. Reine Actionfilme sind einfach überhaupt nichts für mich.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, dass du ihn ja trotzdem angetan hast. Danke für dein ehrliches Feedback. Ich werde es an den Regisseur und Keanu Reeves weiterleiten.
Johannes Franke: Danke. Die sollen sich mal melden, dass wir mal was ordentliches machen.
Florian Bayer: Und ich bin sehr gespannt auf nächste Woche, weil wir haben ja offensichtlich...
Johannes Franke: Irgendwie haben wir doch einen Film jetzt. Das finde ich gut. Sehr schön. Ja, dann bleibt noch dran, wenn ihr Gewissheit habt, einen Feuchtmoment.
Florian Bayer: Wir müssen auf jeden Fall nach dem Jingle noch was machen.
Johannes Franke: Genau, nach dem Jingle werden wir wie immer noch einen kurzen Dialog beschreiten, der... Viel mit Brasil zu tun haben würde, nehme ich an. Bis dann. Johannes, was hast du denn für mich nächste Woche? Plur, du wirst es nicht glauben. Ich habe... Brasil für dich?
Florian Bayer: Oh nein, damit hätte ich ja gar nicht gerechnet.
Johannes Franke: Der Hammer, oder?
Florian Bayer: Unfassbar.
Johannes Franke: Ich habe lange drüber nachgedacht.
Florian Bayer: Ich muss mir an den Kopf fassen.
Johannes Franke: Kennst du den Film schon?
Florian Bayer: Ja, ich kenne den Film.
Johannes Franke: Oh nein, verdammt.
Florian Bayer: Es ist lange her, dass ich ihn gesehen habe, aber ich freue mich, ihn wiederzusehen.
Johannes Franke: Schön, ich auch. Es ist wirklich lange her und ich bin wirklich gespannt, ob er mich genauso weghauen wird, weil das erste Mal, als ich ihn gesehen habe, war ich irgendwie so... allein in einer Wohnung von einem Freund der Familie, der mich irgendwie untergebracht hatte für ein paar Tage, bevor ich hier in Berlin eine Wohnung gefunden habe. Also ich war wirklich... 19 oder so. Und der hat mich total weggehauen. Ich war total fertig mit den Nerven. Das war großartig. Und ich habe ihn nochmal zwischendurch irgendwann gesehen, aber mit jemandem, der ihn nicht so sehr mochte. Und dann war ich so ein bisschen verwirrt und ich hoffe, dass ich diesmal wieder so ein bisschen reinkomme und dass er wirklich wieder dort das entfaltet, was ich am Anfang in ihm gesehen habe.
Florian Bayer: Oh, ich bin sehr gespannt. Und im Brasil habe ich geliebt. Und danach und davor und alles, was von Terry Gilliam kommt, habe ich halt auch geliebt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Bis auf Don Quirote.
Johannes Franke: Den ich aber ganz gut fand eigentlich.
Florian Bayer: Es wird auf jeden Fall eine tolle Sendung. Ich freue mich drauf.
Johannes Franke: Sehr, sehr schön. Gut, na dann, euch noch eine schöne Woche. Bleibt gesund.
Florian Bayer: Ja, bleibt gesund. Bis dann. Wir hören uns.
