Episode 115: Triangle of Sadness – Sorgenfalten, Klassenkampf und Kotzgelage
Triangle of Sadness verdient allein schon wegen des Titels seine Preise. Aufgepasst und aufgemerkt liebe Mittdreißiger, das wird langsam wichtig für euch! Das Triangle of Sadness ist der Bereich auf der Stirn, wo die Sorgenfalten auf die Zornesfalten treffen. Beides viel bemühte Bereiche, besonders wenn man Kinder hat, nicht wahr Plor?
Und schon wissen wir: Es geht um Oberflächlichkeiten, wie sie nur der Kapitalismus so hart feiern kann. Folgerichtig geht es um die super rich, die Modewelt und den Klassenkampf. Der Film ist in drei Teile geteilt. Im ersten lernen wir den Struggle der Influencer Carl und Yaya kennen, die eigentlich nur wegen der Follower zusammen gekommen sind – und einen durchaus ernst genommenen Genderrollenkonflikt austragen.
Diese beiden sehen wir im zweiten Teil auf einer Yacht für Superreiche, wo sie mit den anderen Gästen um die Wette nicht nur Geld und Arroganz kotzen dürfen, um schließlich im dritten Teil auf einer einsamen Insel gestrandet ums Überleben zu kämpfen. Der Klassenkampf dreht sich hier um. Die superreichen sind auf die Kenntnisse der Arbeiterklasse angewiesen, um nicht direkt zu verhungern. Abigail, die auf der Yacht noch Toilettenfrau war, erschafft sich hier nun ihr Matriarchat und ist nicht gerade die bessere Monarchin, nur weil sie aus der Arbeiterklasse kommt.
Plor, wie subtil hättest du als Filmemacher diesen Film gemacht und nach wieviel Kotze wolltest du den Film abbrechen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 115: Triangle of Sadness – Sorgenfalten, Klassenkampf und Kotzgelage Publishing Date: 2023-03-15T07:51:47+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/03/15/episode-115-triangle-of-sadness-sorgenfalten-klassenkampf-und-kotzgelage/
Florian Bayer: Sie ist keine Proletarierin, ey, sie ist ein Model und sie ist Influencerin und sie kriegt ja auch einen Platz auf dem Schiff, deswegen sie ist nicht die Dienstleisterin, bitte. Wirklich nicht.
Johannes Franke: Jetzt haben wir aber auch noch die Influencer verloren als Zuhörerin. Was soll denn das, Plor?
Florian Bayer: Hello, herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss man sehen Podcast. Hallo Johannes. Daneben haben wir manchmal auch Publikumswünsche. Das heißt, es gibt auch aus öfteren Filme, die wir besprechen, die wir beide vorher nicht gesehen haben. Und wir freuen uns über jede Einsendung und wir freuen uns über alles, was unseren filmischen Horizont irgendwie erweitert. Weil darum geht es in diesem Podcast. Es geht darum, neue Filme zu entdecken, zu denen man sagt, ey, Mann, den musst du sehen, guck dir den an. Und das hat Johannes auch zu dem Film heute gesagt und als ich nachgefragt habe, worum geht es, ich glaube, ich habe den Titel schon mal gehört, war ja so, am besten guckst du ihn ohne dich vorzubereiten. Du warst selbst unschlüssig, ob der Film in die Kategorie muss man sehen gehört. Ja, ich war selbst unschlüssig. Okay, was die Folge ja grundsätzlich schon mal viel spannender macht, wenn wir versuchen, beide zusammen herauszufinden oder auch gegeneinander, ob dieser Film jetzt ein sehenswerter Film ist. Aber tatsächlich für das Publikum vorweg, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, guckt ihn euch unbefleckt an. Es ist einer von jenen Filmen und das wird oft überstrapaziert, aber in dem Fall stimmt es, es ist einer von jenen Filmen, wo es wirklich faszinierend ist, sie ohne irgendwas zu wissen darüber zu sehen. Weil er einfach, weil er doch so den ein oder anderen Schlenker macht, der ziemlich unerwartet kommt und nicht unbedingt da rauskommt, wo er reingegangen ist und vor allem auch nicht da rauskommt, wo man ihn rauskommend erwartet, wenn man die ersten 10 oder meinetwegen auch 20 Minuten gesehen hat. Ganz viele Spoiler. Also wir werden über alles reden. Wenn man den Film nicht gesehen hat, nach diesem 60- bis 90-minütigen Gespräch wird man das Gefühl haben, ihn gesehen zu haben. Ihr hört uns jetzt 90 Minuten Tee trinken, während ihr diesen Film schaut. Ne, nicht 90 Minuten, der war ziemlich lang. Der war ziemlich lang, bloß. Ja, nicht 90, sondern ihr hört uns jetzt 147 Minuten lang Tee trinken. Ja, auch. Und das Wetter, ich sage dir. Ja, Wahnsinn, ne? Das stört so ein bisschen beim Filmen, Leute, da zu den Katschen. Achtung, Achtung, gleich kommt ein guter Witz. Nicht verpassen, nicht verpassen. Jetzt hast du nicht zugehört, Mann. Meine Güte. Also. Gut. Du hast bestimmt einen kleinen Text vorbereitet, mit dem wir einsteigen können. Ja, sehr schön. Ich werde dir kurz vorher noch, ah, ich versuche hier meine Zuckerdose aufzumachen. Wir spannen euch heute besonders auf die Folter. Es ist vielleicht auch so ein bisschen das Konzept, das, ohne zu viel zu verraten, Ruben Oestlund in seinem Film verfolgt. Was, was wir gerade zelebrieren. Um diesen Running Gag kurz zu erklären, es gibt eine Passagierin, die zu den wenigen Überlebenden gehört, die im dritten Akt auf dieser einsamen Insel sind, die anscheinend einen Schlaganfall oder ähnliches hatte und eine Art Aphasie leitet und nichts anderes sagen kann als in den Wolken. Gespielt wird sie von Iris Berben. Ja, eine deutsche Schauspielerin und wir haben hier ja einen internationalen Cast. Einen riesigen internationalen Cast, unglaublich. Wir haben verrückte Russen, verrückte Franzosen, verrückte Amerikaner und Südafrikanerinnen. Wir haben eigentlich alles dabei, was es so gibt. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, wie würde ich den Klassenkampf inszenieren? Wie hast du das genannt? Die Kapitalismuskritik? Ja, also diesen Film in seiner Gänze, was er so alles mitbringt. Also ich denke, ich würde es so inszenieren wie im ersten Teil. Oder wie im zweiten Teil. Oder wie im dritten Teil. Ich weiß nicht, ob ich den Film so in Teile splitten und jeden Teil so inszenieren würde, wie er inszeniert ist. Weil dazu stolpert der Film so ein bisschen. Doch, doch, das könnte ich mir vorstellen. Ich könnte einen Film machen, wo Teil 1, 2 und 3 zusammen sind und alle inszeniert sind wie der erste Teil. Was ich mir auch tatsächlich gewünscht habe, nachdem ich die ersten 10 Minuten geguckt habe. Der erste Teil ist ja wirklich ausgesprochen kurz. Und nachdem ich den ersten Teil geguckt habe, dachte ich, das erinnert mich doch an was. Und dann habe ich zumindest einmal ganz kurz den Regisseur gegoogelt und festgestellt, ah, Ruben Östlund, das ist der Regisseur von Force Majeure. Und Force Majeure habe ich vor einigen Jahren gesehen. Großartiger Film. Kann ich auch nur empfehlen. Und der ist tatsächlich auf auch gut zwei Stunden so inszeniert wie Teil 1. wodurch ihm, glaube ich, auch so ein bisschen der Erfolg, der große Erfolg verwehrt geblieben ist. Einfach weil er, naja, ein bisschen langsamer inszeniert ist, ein bisschen subtiler inszeniert ist und sich sehr viele Zeit so für die Ticks und Macken seiner Charaktere lässt. Also, das ist auch durchaus legitim für dich. Ich mag total das irre, chaotische, total eskalierende in Teil 2 auf dem Boot. Und zwar wirklich, es erreicht dann irgendwann so einen Punkt, wo es fast schon so Pythonesker Humor ist. Ja, total. Wo es absolut bizarr und übertrieben wird und man muss sehr viel Pipi und Kackawitze aushalten, um da durchzukommen. Ja. Und ich liebe aber auch den dritten Teil, wo es dann sehr streng parabolisch wird und ziemlich klar ist, was wir hier haben und was hier für ein Gesellschaftsbild entworfen wird. Die sind einfach sehr unterschiedlich. Also, wir haben wirklich so einen Bogen, den Östlund hier spannt, von einem sehr realistischen, sehr nuancierten Blick auf die Gesellschaft und auf den Menschen über dieses extreme Eskalieren im zweiten Teil, wo es wirklich so Perversions- und Obszönitätsspitzen erreicht, die dann im wahrsten Sinne des Wortes in einer Kotzparty enden. Und ja, ich kann auch diesem Parabolischen nachher viel abgewinnen, wo es dann halt wirklich so sehr klar wie so ein Blick durch ein Vergrößerungsgras ist. Wie funktioniert Gesellschaft? Wie entwickeln sich Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft? Das ist, alles drei hat total viel Charme und ist total spannend und total interessant. Die wird zu Grabe getragen. Und zwar ziemlich schnell. Also natürlich ist dieses Kotzen an meinem Captains Dinner so der Höhepunkt davon. Aber davor haben wir schon ein irres Schnitttempo auf einmal. Ja. Und wirklich so absurde Situationen, die auch alle irgendwie einfach so grotesk sind. Wir haben überzeichnete Personen, das alte Ehepaar, das sagt, hey und wir verkaufen übrigens Waffen und Landbienen und diese scheiß UN, die uns da irgendwie ständig reinspielt. Das macht es wirklich schwer. Aber sie sind zuckersüß dabei.
Johannes Franke: Sie sind zuckersüß. Sie sind die Nettesten auf dem ganzen Boot.
Florian Bayer: Und das hat Ruben Östlund in Force Majeure auch schon voll gut drauf gehabt. Okay. Er gibt uns unzählige unsympathische Menschen, die sich unglaublich sympathisch verhalten. Oder er gibt uns sympathische Menschen, die sich unsympathisch verhalten, aber auf jeden Fall krass nuancierte Charaktere. Du hast keinen einzigen, wo du sagst, ey das ist ein Vollarsch. Du sagst es manchmal. Aber dann denkst du doch, eigentlich ist das ein cooler Typ, eigentlich kann ich die Position nachvollziehen. Und das hat Östlund echt drauf. Mit allen Charakteren. Nicht nur mit unseren beiden Protagonisten, Karl und Jaja, sondern auch mit diesem Dimitri zum Beispiel, diesem russischen Oligage, wo du denkst, okay wir haben hier einen Bond-Bösewicht. Wir haben hier wirklich so den Abschaum des Kapitalismus. Ja, ja. Und peak late capitalism. Und dann sitzt er da mit dem Kapitän und streitet mit ihm über Kommunismus und Kapitalismus. Und die haben einfach Spaß dabei. Und du denkst, ey das ist ein cooler Typ. Der ist voll witzig. Ja. Und das ist auch der Einzige, der nicht kotzen muss, weil er einfach mal Gats hat. Aber blickt er so auf sie herab, weil so habe ich das gar nicht gelesen. Sie sind eigentlich die, die das ganze Ding stehen. Zum Kotzen ist diese Dekadenz, ne? Ja, ja, natürlich. Das ist großartig. Sie sind dann auf diesem Schiff und dann gibt es den Sturm und dann ist alles natürlich sehr unruhig und das Schiff wackelt und dann kriegen sie dieses schreckliche, teure Menü, was so aus kleinen, schaumigen Sachen besteht, ne? Großer Teller, wenig Speisen. Und alles ist so ein bisschen klibberig und so ein bisschen schäumig. Und das verträgt sich nicht gut mit Seekrankheit. Nein. Ich hatte halt das Gefühl, dass der Film, also der Film hat natürlich eine gewisse Gehässigkeit und so einen gewissen schwarzen Humor, aber er schafft es ganz gut, nicht so richtig krass auf die Leute herabzublicken. Und insbesondere auf unseren Kapitän und unseren Oligarchen, in dem Moment blickt er sogar auf sie hinaus. Ich habe das Gefühl, was da erzählt wird, ist fast so eine Heldenverehrung, weil wir haben die ganzen dekadenten Leute, die Neureichen. Das ist auch am besten, ist dieser eine Neureiche, der auf der Insel dann ja nachher auch noch relativ prominent ist. Wie heißt der? Jamo. Der Neureiche. Und die alle überhaupt nicht klarkommen. Die halt anfangen zu kotzen, denen übel wird es wirklich schön inszeniert, weil es fängt so ganz langsam an mit Leuten müssen ihren Brechreiz unterbieten und es steigert sich dann so rein. Und dann sitzt da die eine und will die ganze Zeit Champagner nachgeschenkt haben. Die Frau von Dimitri ist es, glaube ich. Und sie will die ganze Zeit Champagner nachgeschenkt haben und kotzt dann und trinkt dann Champagner. Und sie meinen so, ey, wollen sie nicht vielleicht Wasser haben? Es ist einfach ein absolut irres, dekadentes, absurdes Szenario. Und die beiden sitzen da stramm und unterhalten sich und diskutieren über Marxismus und Kommunismus. Total oberflächlich. Aber genial, weil sie werfen sich, weißt du, der Kapitän, eigentlich ist ja unser Kapitän, der so ein bisschen zustechen will und der den Dimitri herausfordert und ihm sagt, ey, und ich habe hier so einen Spruch von Marx. Und dann antwortet dieser Dimitri richtig schlagfertig mit einem Kapitalistenspruch. Und dann werfen sie sich gegenseitig die Sprüche an den Kopf und man merkt, die sind beide verdammt clever, weil das musst du ja auch erstmal draufhaben. Ja, aber sie haben schon das Handy in der Hand und suchen das aus dem Internet raus. Ja, aber nachher, ne? Die fangen nicht damit an. Sie haben zuerst so die Sprüche parat und sie führen eine Debatte auf eine sehr spezifische Art und Weise, auf die sie sich geeinigt haben, ohne darüber zu reden. Ja, ja, ja, klar. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen? Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall, wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Wir haben ja so einen kleinen Prolog, der vorangestellt ist, dieses Modelcasting. Ja. Das uns relativ wenig sagt über unsere Charaktere und einfach Karl in dem Setting zeigt, in dem er arbeitet. Und sie sind halt bei so einem klassischen Modelcasting. Also zumindest Ruben Östlund hat gesagt, ey, weiß ich alles von meiner Frau, die da gearbeitet, die kennt sich da aus, so sieht das da aus. Und dann haben wir diesen exaltierten Reporter, der da durchspringt und die ganze Zeit die Models anmacht und immer so sagt, ja, hey Baby, hey, du bist sexy, Mann, sind das geile Beine, Wahnsinn. Ist this a grumpy band or a smile brand? Na. Er bringt sie dann zusammen und dann will er von ihnen so ein bisschen, dass sie zeigen, was sie können, dass sie so abwechselnd lachen und böse gucken und für verschiedene Modeagenturen, äh, verschiedene Modelabels, so. Es gibt einen spezifischen Blick, den du draufhaben musst, wenn du... H&M. H&M hast, genau. Oder Balenciaga. Und, äh, keine Ahnung, was das ist, aber ich hab gedacht, okay, offensichtlich großes Modelabel, teures Modelabel. Genau. Und die einen lachen und die anderen gucken, herablassen. Und nachdem ich die Szene geguckt habe, hab ich nochmal überlegt, ja, stimmt. Es ist so. Guck dir das mal an. Natürlich. Wenn du durch die Stadt gehst und du gehst an vielen Modegeschäften vorbei und gerade in so einer Stadt wie Berlin hast du ja, ähm, so ein Geschäft wie H&M direkt neben einem wirklich teuren, schicken Laden, zumindest in der Innenstadt, und die Models gucken anders. Ja, natürlich. Du hast die lachenden Models, die dich begrüßen, die dich willkommen heißen, du bist einer von uns, und du hast die Models, die gucken so, äh, ich bin besser als du.
Johannes Franke: Würde nicht funktionieren, nein.
Florian Bayer: Aber ich glaube, mich zu erinnern, dass sie das mal gemacht haben und dass das einfach den Bach runtergegangen ist in der Stelle. Und haben wir dieses Triangle of Sadness zitiert, was ich zum ersten Mal gehört habe. Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Ich wusste es auch nicht, keine Ahnung. Also ich weiß, was Sorgenfalten sind. Ja, ja. Ja. Die Dynamik zwischen Karl und Jaja ist ja schon ganz spannend. Also wir haben Karl auf der einen Seite, der offensichtlich seine beste Zeit hinter sich hat. Ja. Und die war nicht sehr lange, wie das für männliche Models oft der Fall ist. Und wir haben Jaja, die irgendwie so auf dem aufsteigenden Ast ist, die auf jeden Fall die groß wird, die so der heißeste Nachwuchs gerade ist, die ja auch Influencerin ist, die alles macht, was dazugehört. Deswegen kommen sie auch nachher auf das Boot. Und das Erste, was wir sehen, ist eben deren Geschichte und das ist nur eine ganz kleine Vignette, wie sie beim Essen sitzen und es entsteht ein Konflikt über die Rechnung. Und zwar, die Rechnung liegt auf dem Tisch und es passiert nichts und Karl guckt so ein bisschen verlegen und greift dann irgendwann zur Rechnung und dann sagt, ja, ja, die an ihrem Handy rumtippt, ah, danke Schatz. Ich glaube, es ist sogar andersrum. Sie sagt zuerst danke Schatz. Sie sagt erst danke Schatz und dann greift er erst so. Und dann haben wir die Diskussion darüber, dass er, also im Grunde genommen und zwar eskaliert, wie man das von solchen Streitereien kennt. Er geht davon aus, dass sie ihn manipuliert und sie ihn die ganze Zeit bezahlen lässt und er will das gleichberechtigt, er will nicht so eine Art von Beziehung und sie lässt so ein bisschen durch die Blume erkennen, dass sie eigentlich so auf diese klassische Rollenverteilung steht. Und dass sie es eigentlich ganz cool findet, wenn der Mann für das Essen bezahlt. Aber gleichzeitig zeigt sie auch Verständnis für seine Position und es ist ein spannender Streiten, der ist wirklich sehr nuanciert inszeniert. Also sie geben sich beide nicht viel, was so Hässlichkeiten betrifft, aber auch was so Nachvollziehbarkeiten betrifft. Also sie gefallen sich beide so ein bisschen in ihrer Opferrolle. Karl so ein bisschen mehr als der, ja. Aber sie haben beide irgendwie einen Punkt, ne. Es ist... Ja, na klar. Es ist keiner von beiden, wo man das Gefühl hat, der liegt komplett daneben, sondern es ist wirklich ein realistischer Streit, einfach weil beide einen Punkt haben und beide ihre Position haben und es ist auch klar, dass das gerade irgendwie clasht. Aber es ist nicht... Und das ist wirklich schwierig, sowas zu inszenieren, so ein eskalierender Konflikt. Es ist nicht unglaubwürdig und es ist auch nicht so, dass man sich automatisch auf eine Seite schlägt, sondern man schaut ihm so ein bisschen fassungslos bei, wie das so eskalieren kann dann.
Johannes Franke: Und da bin ich schon so ein bisschen auf 180 als Zuschauer, weil ich denke, hallo, wo sind wir hier?
Florian Bayer: Dieser Taxifahrer, der einfach nur so gar keine Ahnung hat, was los ist und dann einfach sagt, Leute, du musst jetzt kämpfen. Ja, und also ich meine, ja, ja, ja, definitiv hat es was Manipulatives, aber Karl ist echt so ein Crybaby voll mit Selbstmitleid und er gefällt sich total in dieser Opferrolle. Ja, das schon. Und ich kann sogar verstehen, dass sie ihn dann noch so ein bisschen mehr piekst, noch so ein bisschen provoziert, weil er so eine Riesengeschichte draus macht, das aber nicht hinkriegt, nicht richtig hinkriegt, so zu sagen, Hand auf den Tisch, so, darum geht es gerade. Ja, genau. Ja, und sie ist ja auch die, die in dieser Szene dann, zumindest nachhinein, dass dieser Streit zieht sich, bis sie im Schlafzimmer sind, auch so ein bisschen reflektierter ist. Sie sagt dann so, ja, okay, ich weiß, ich bin manchmal manipulativ. Manipulativ, ja, wobei sie im Gespräch noch manipulativ ist, hab ich das Gefühl. Auf jeden Fall, aber man merkt auch, der Charakter ist so geschrieben, sie kommt da nicht ganz raus. Ja, ja, genau. Sie ist auch so, ich mein, sie ist halt auch so ein Typ, wo das so draufpasst, so ein Model, die wahrscheinlich Strategien entwickelt hat, um das zu kriegen, was sie will, wo sie auch denkt, was ihr zusteht, in einer Welt, die so funktioniert und irgendwie, ich finde es schwer, mich auf eine Seite in dem Streit zu schlagen, aber ich finde sie im Nachgang so einfach ein bisschen rationaler und ein bisschen vernünftiger als er, er badet einfach so krass im Selbstmitleid und er rollt so viel rum und ich finde sie, sie ist er, die die da so ein bisschen klar durchguckt, während er so vernebelt ist von seiner, naja, von seiner Rage darüber, dass das so ungerecht ist alles zu ihm. Auf jeden Fall. einfach weitergegangen. Aber er macht es nicht deswegen, er macht das nicht, weil er aus den Gender-Stereotypen raus will, das kaufe ich ihm nicht ab. Er macht es, weil er denkt, sie verdient viel mehr Geld als ich, hier ist eine finanzielle Ungerechtigkeit in unserer Beziehung, sie soll eigentlich öfter bezahlen, deswegen macht er das. Dieser Typ und ich finde, der hat sehr viele sympathische Seiten, aber ich finde, ich kaufe ihm nicht ab, dass es in dem Fall um Feminismus geht. Hm, hm, hm, hm, also du meinst, er ist nur, er ist Gelegenheitsfeminist, wenn es ihm gerade passt. Ja, ich würde es gar nicht so hart sagen, ich kaufe ihm sogar ab, dass er selbst glaubt, dass es ihm darum geht, aber eigentlich geht es ihm darum, dass er nicht so viel Geld hat wie sie, und da hat er ja auch einen Punkt, da hat er ja vollkommen recht, sie verdient wahrscheinlich das Dreifache. Ja, mindestens. Und natürlich würde man davon ausgehen, in so einer Konstellation, in einer Beziehung, bezahlt die Person, die mehr verdient, bezahlt auch tendenziell eher das Essen. Ja, ja, klar. Oder kümmert sich mehr um das Finanzielle und es muss gar nicht so groß geregelt sein, sondern einfach, ey, ich hab gerade, ich weiß, ich hab mehr Geld als du, ist kein Problem, ich bezahl die Rechnung. Ja, und da hat sie auch auf jeden Fall einen Punkt. Absolut. Ich find's ein bisschen schräg, also diese Diskussion ist so ein bisschen absurd, weil deren Beziehung ja offensichtlich relativ jung ist. Ja, natürlich. Ich glaub, das hat sich auch so ein bisschen entwickelt. Es wird halt rennig erzählt, wie sich die Beziehung zwischen den beiden aufgebaut hat. Aber wenn ich sie mir zusammen anschaue, sehe ich da was. Sie haben eine gewisse Chemie zusammen und das ist eine spannende Chemie und die ist sehr getrieben von seiner Eifersucht und von seiner Irrationalität oft und gleichzeitig von ihrer Manipulativität. Und das kracht dann auch zusammen. Aber die haben irgendwie was. Ich weiß auch nicht, das ist keine sonderlich stabile Beziehung. Aber es ist mehr als nur so ein Image-Ding. Wir sind jetzt hier zusammen, um Follower auszutauschen und Follower zu gewinnen. Und sie haben ja auch wirklich ein paar wenige schöne Momente zusammen. Es gibt diese Momente der Versöhnung, später auf dem Boot haben wir so einen ganz großen Moment der Versöhnung, was wirklich ganz süß ist.
Johannes Franke: Warum? Ich kann es so gut nachvollziehen. Warum? Liebe Hoteliers. Ich kenne das so gut. Warum seid ihr solche fucking Sadisten? Ja, und dann muss er auch noch aufstehen, weil diese eine fucking Lampe nicht an diesen
Florian Bayer: Dingern hängt. Und das Schlimmste ist, es gibt immer einen Schalter, den drückst du und es passiert gar nichts. Du fragst dich, wo habe ich jetzt das Licht angemacht? Was habe ich bewegt?
Johannes Franke: Habe ich gerade den Nachbarn explodieren lassen? Oh Gott.
Florian Bayer: Auch sehr schön Foreshadowing mit diesem everyone is equal, diesem Leitspruch werden wir nachher nochmal begegnen. Und Force Majeure ist sehr ähnlich, den hast du nicht gesehen, ne? Nee, ich habe nichts von ihm gesehen sonst. Force Majeure ist wie der erste Teil, dieses subtile Auseinandersetzen mit Konflikten, die innerhalb von Beziehungen oder in Force Majeure innerhalb von Familien auftreten und die dazu führen, dass Menschen ihre Rollen, Vorstellungen nochmal hinterfragen. Bei Force Majeure geht es darum, dass die Familie Mann, Frau, zwei Kinder Urlaub macht in den Bergen und dann wird eine Lawine losgelöst vermeintlich und kommt runter auf das Café, wo sie sitzen und morgens Frühstück machen und sie stürzt sich auf die Kinder, drückt sie runter, um sie in Sicherheit zu bringen, während er am Tisch wegrennt. Oh, ich glaube, die Szene kenne ich sogar. Und anschließend gibt es dann halt so den sehr lange, unausgesprochenen, nee, nicht sehr lange, aber zumindest eine Zeit lang unausgesprochenen Konflikt zwischen ihnen, dass er sich nicht tapfer vor seine Familie gestellt hat, um sie zu retten und dass er einfach abgehauen ist. Und er hat damit Probleme, sie hat damit Probleme, sie kämpfen dann so mit ihrer Rollenverteilung und das ist einfach zwei Stunden lang, also so ähnlich wie dieses Gespräch, nur eben über zwei Stunden lang mit Höhen und mit Tiefen grandios inszeniert. Geil. Und nachdem ich den Anfang gesehen habe und dann gesehen habe, ah, das ist von Rumen Östlund, ah, okay, habe ich erwartet, dass es so weitergeht. Teil zwei. Cut, Teil zwei auf der Yacht.
Johannes Franke: Das Boot. Es wird Nutella abgeworfen, weil die Gäste unbedingt Nutella haben wollten.
Florian Bayer: Eine Luxusjacht für die Reichen der Reichen. Und wir reden hier wirklich von absoluten Millionären. Wir haben einen russischen Oligarchen, Dimitri, von Zlatroboric gespielt mit seiner Frau Vera. Der, der das so großartig natürlich spielt. Die sind beide toll. Es ist unglaublich. Dieser Typ, so dieser russische Bär, der aber natürlich so ein bisschen überfressen ist. Nicht mehr auf der Höhe seines Könnens, aber halt irgendwie, der einfach ausgesorgt hat. Schäfchen ins Trockene gebracht. Total. Diese Entspanntheit kannst du gar nicht spielen so richtig. Mir kann niemand etwas. Niemand und nichts. Es ist nichts eine Bedrohung. Wahnsinn. Dann haben wir Clementine und Winston, die Waffen hergestellt haben. Winston Churchill mit seiner Frau Clementine. Und sie sind so ein süßes Liebespaar, weil sie sich so toll ergänzend lieben beide Waffen. Und sie unterhalten sich so ergänzend über Waffen, ne? Der Gedanke des einen wird von dem anderen fortgeführt. Und sie wissen genau, von sie reden. Sie sind welche. Man versteht, dass sie mit ihrem Geschäft reich geworden sind, weil sie wirklich welche sind, die ihr Geschäft lieben. Und weil sie wirklich Energie reinsetzen und sie kennen jede einzelne Waffe. Sie haben wirklich Ahnung davon. Sie haben es total verdient damit, Millionen zu verdienen. Es ist so der Hammer. Dann haben wir am Jamo von Hendrick Dawson gespielt, der auf dem Schiff noch eine relativ kleine Rolle hat. Er ist neureich, hat sein Unternehmen verkauft und versucht sich, glaube ich, gerade so in diesem Reichtum zurechtzufinden. Und macht das, indem er einfach sagt, ich habe ganz viel Geld übrigens. Ja, genau. Es gibt so eine Batszene, wo er Jaja und einer Freundin anbietet, ihnen Uhren zu kaufen, weil sie sagen, hey, willst du dich zu uns setzen und mit uns trinken? Und er ist so glücklich darüber, dass er sagt, hey, komm, da unten gibt's Rolex, lass uns mal runtergehen, ich kaufe euch jetzt Rolex. Ein total absurder, tollpatschiger Typ, der nicht weiß, wie er mit seinem Geld umgehen soll. Ja, was er damit überhaupt machen soll. Dann auf Gästeseite haben wir noch diese Dame, namenlose Dame, die im Pool ist und die sehr von ihrer ganz eigenen Vision von Marxismus angetan ist, wo alle gleich sind und deswegen auch alle verdammt nochmal Spaß haben sollen und mit ihr in den Pool steigen. Ja, wie sie versucht, da irgendwie rauszukommen aus dieser Situation, man weiß, sie kann eigentlich nur verlieren und ja, am Schluss setzt sich die Gästin da tatsächlich durch und alle müssen, alle, die gesamte Crew, die Leute werden aus der Küche rausgeholt, die Leute werden aus den Schlafsälen rausgeholt, die Putzkräfte, die gerade wahrscheinlich ihre Mittagspause machen oder vielleicht sogar nach einer Nachtschicht einfach mal einen Tag ausschlafen wollen, werden rausgeholt, weil die gesamte Crew auf Wunsch dieser Millionärin in den Pool baden gehen soll. Die sollen gefälligst Spaß haben. Ja, Freiheit, alle sind gleich, großartig. Sie ist so ein netter Mensch, ne? Ja, ja. So freundlich und sie hat das verstanden mit der Gleichheit. Ja, sie weiß genau Bescheid. Es ist der Hammer und sie spielt es auch wahnsinnig gut. Ja, sie spielt es toll. Also diese Szene ist hart, wirklich hart, auch so unangenehm, auch so ein Fremdscham und es ist einfach super inszeniert und super von ihr gespielt. Eben diese reichen Leute, die denken, was Gutes zu tun und dabei einfach nur ihre Macht ausspielen und offensichtlich nicht mal einen Blick dafür haben, dass hier gerade nur ein Machtspiel stattfindet, bei dem sie ganz eindeutig vorne liegen und alle anderen demütigen, weil letzten Endes läuft es auf Demütigung hinaus. Sie versucht, ihr Gewissen damit zu beruhigen, dass sie es dann auch noch schlimmer macht. Sie ist die coole Millionärin, die verstanden hat, dass alle gleich sind, dass Geld keine Rolle spielt und deswegen gibt es hier jetzt mal eine Order an alle. Fuck, Alter. Und um diese Gäste, also es gibt natürlich noch ein paar mehr, aber das sind so die Gäste, die man am häufigsten sieht, muss sich eine Crew kümmern, die angeführt wird von Paula, von Vicky Berlin gespielt. Eine sehr resolute Crew-Chefin, die den Laden auch ziemlich gut im Griff hat mit einer Ausnahme, zu der wir gleich kommen und die echt gut darin ist, zum einen ihr Personal anzuweisen und zu sagen, ey Leute, hier sind lauter Multimillionäre. Macht die glücklich. Egal was passiert, macht die glücklich und wir werden verdammt hohes Trinkgeld kriegen. Da müssen wir nochmal drüber reden über die Szene, aber machen wir gleich, machen wir gleich. Und sie hat die ganze Crew eigentlich im Griff mit Ausnahme vom Kapitän Thomas, gespielt von Woody Harrelson. Wir haben eine kleine Staraufgebote auf einmal. Woody Harrelson als versoffener Kapitän, der die meiste Zeit über in seiner Kajüte sitzt und sich voll offen lässt und keinen Bock hat rauszukommen, bis er dann schließlich beim Captain's Dinner gezwungenermaßen erscheinen muss. Ja, definitiv. Was Gastro und Service und so betrifft, wahrscheinlich sogar eher die Oberschicht. Die werden nämlich zum einen sowieso viel verdienen, wenn sie da arbeiten als Service. Ja, als Servicekräfte? Nein, du zweifelst? Ich glaube, die Firma bezahlt sie auch ganz gut. Und das Trinkgeld wird wahrscheinlich wirklich so absurd hoch sein. Ja. Ich überlege gerade, ich kenne, glaube ich, niemanden, der in so reichen Schuppen mal gearbeitet hat, aber ich glaube, du weißt einfach, wenn dann so eine Gruppe von Leuten reinkommt, die viel Geld ausgeben, die Champagner saufen und so, dass die dann auch einfach mal dreistellige bis vierstellige Trinkgeldbeträge dalassen. Eine fantastische Szene auch, weil sie dann da oben rumspringen und sagen, money, money und sie freuen sich aufs Trinkgeld und dann sehen wir einen Schnitt zu denen unten drunter, die Unterschicht der Crew, die Leute, die sauber machen und die hören das und gucken nur so etwas irritiert nach oben, weil die, die übrigens nicht sehr weiß sind, werden wahrscheinlich nichts von dem Trinkgeld sehen. Da wird nichts runter trickeln. Die Mittel- und Unterschicht hofft vor allem, dass es nur bis zu ihnen runtersickert und nicht weiter runter. Ganz toll. Das ist ja auch so das Ding, dass das da ja auch eine sehr krasse Grenze ist. Ich würde halt sagen, Paula und ihre Crew, also es sind ja auch relativ wenige, die sie da vom Service dann anspricht in dieser Motivationsrede, die sind keine armen Säue. Ich glaube, die verdienen gut. Ich glaube, denen geht es ziemlich gut. Die, die wirklich total unterbezahlt sein werden, sind die, die die Putzkräfte sind und die, die noch eins unten drunter im Maschinenraum arbeiten. Ja. Die haben wir auch fast gar nicht zu sehen bekommen, außer dann, also auf dem Boot gibt es nachher eine Szene, wo wir sie sehen, wenn sie nach der Kotzerei sauber machen. Mhm. Ansonsten sehen wir einfach nichts schief von denen und es passt ja auch zu dem Ambiente, weil das sind wirklich die Leute, die unsichtbar sind auf diesen Schiffen. Ja, absolut. Du hast dieses Schiff, wo die Reichen sich vergnügen wollen und klar, Servicekräfte brauchst, die sehen dann schick aus, die sind freundlich, die sind gut geschult und können gut reden, aber du willst nicht wissen, wer dein Klosauber macht und du willst nicht wissen, wer den Dampfer am Laufen hält. Das interessiert dich nicht, solange alles läuft. Ja. Du willst sehen, wer dir als nächstes ein Champagnerglas bringen kann. Eieiei. Und dann dieses Boot ist, ist dir die 90er Jahre, Mucke, aufgefallen? Es läuft die ganze Zeit 90er Musik. Es läuft live von Death 3, das hören wir mehrmals. Offensichtlich ist das bei wem auch immer in der Playlist ganz beliebt. Oben ist so ein Soul-Pop-Stück aus dem Ende der 90er, würde ich behaupten. Okay, keine Ahnung. Live, oh live, oh live. Und dann immer so weiter. Du, du, du, du. Und dann Lady von Mojo, was tatsächlich ein ziemlich cooler Song ist, so ein French-House-Song. Ich glaube auch Ende der 90er. Auf jeden Fall, ich fand das krass auffällig, weil wir haben hier ein Boot der Reichen, der Millionäre. Und wenn man sich die Altersstruktur anguckt, dann versteht man es. Und dann läuft da diese Musik, die über 20 Jahre alt ist. Aber na klar, das sind halt auch alte Leute. Das sind 40, 50, 60-Jährige. Und Jaja und Karl sind eher die Jüngsten. Ja, definitiv die Jüngsten. Und es sind ein paar etwas jüngere Leute dabei, aber sehr wenige. Und dann läuft halt die 90er-Mucke, so die 90er-Club-Musik, die auch echt so ein bisschen trashig ist. Und dann sind die auf dieser Yacht und was sie halt machen, ist viel Champagner saufen, im Pool sitzen und nichts. Ja, nichts. Und klar, sie fahren durch irgendwo an der afrikanischen Küste wahrscheinlich entlang, wie wir später sehen. Ich weiß gar nicht genau. Naja, wegen der Piraten würde ich behaupten, das muss eigentlich die afrikanische Küste sein. Wir sehen auch nicht, wo sie an Land gehen oder so, sondern sie sind die ganze Zeit unterwegs. Und das Geschehen spielt sich auch hauptsächlich auf dem Deck ab, wo es natürlich schicke Pools gibt und schicke Sonnenliegen und so. Aber sie liegen da rum und sonnen sich. Karl liest dann zwischendurch noch Ulysses. Das ist, also Karl wurde gleich in zweierlei Hinsicht von Ruben Östlund gefickt. Harris Dickinson ist der Schauspieler von Karl. Und Ruben hat zu ihm gesagt, so, pass auf, hier ist das Skript und übrigens dein Charakter, den du spielen wirst, der war mal Automechaniker. Und Harris Dickinson, der offensichtlich sehr bemüht ist, ein guter Schauspieler zu sein und so, ich fasse jetzt mich in meine Rolle rein, hat dann alles gelernt, was man über Autos lernen kann. Kommt zum Set, Ruben Östlund sagt, naja, nee, die Hintergrundgeschichte haben wir gestrichen, du bist einfach Model. Pick Nummer zwei, Ruben Östlund sagt zu Harris Dickinson, pass mal auf, Karl liest Ulysses. Das ist ganz zentral, der liest das, ganz wichtig, der hat das am Anfang, der hat das immer bei sich. Und Harris Dickinson, hochmotiviert, ey, wenn der Ulysses liest und das versteht, dann muss ich Ulysses lesen und verstehen.
Johannes Franke: Und er hat's nicht verstanden, es ist mir einfach schwierig.
Florian Bayer: Kennst du Ulysses? Kennt ihr Ulysses? Habt ihr mal versucht, Ulysses zu lesen?
Johannes Franke: Ich glaube, ich würde nach zwei Seiten schon sagen, nee, nee, schon fragt noch.
Florian Bayer: Das gilt neben einem anderen Buch von James Joyce als einer der kompliziertesten Romane des 20. Jahrhunderts. Nicht nur äußerst lang, sondern auch komplett fragmentiert, teilweise mit so Monologen, mit so Gedankenflüssen. Es gibt Passagen, die sind geschrieben im Stil von alten Zeitungen, von alten Zeitungsheadlines. Dann gibt es Passagen, die sind fast in Gedichtsform geschrieben. Es ist ein absurd aufwendiger Roman, der nur einen Tag in Dublin spielt. Und wenn man nicht Literatur studiert hat, dann ist es unlesbar. Und wenn man nicht einen Erklärungstext dabei hat, dann ist es lesbar, aber nicht verstehbar.
Johannes Franke: Und da hast du dieses fette Buch und dann hast du auf der einen Seite den Text, auf der anderen Seite die Erklärung dazu und dann hast du noch ein doppelt so dickes Buch. Was soll das denn?
Florian Bayer: Einer der besten Romane, die je geschrieben wurden. Hast du gelesen? Du hast es gelesen? Ja, neben englischem Original. Ah, okay. Aber es ist eine eigene Wissenschaft für sich, Übersetzung von Ulysses. Lass mich nichts Falsches sagen, vor 15 Jahren, darauf habe ich mich tatsächlich gefreut. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Es gab eine neue Übersetzung, wo sehr viel dran gewerkelt wurde, mit Erklärungen noch nebenbei und Begriffsdefinitionen. Und ich glaube, ich habe damals absurd viel für dieses Buch bezahlt. Flor, hörst du die Grillenzirpen im Hintergrund? Naja, auf jeden Fall. Long story short, es ist ein verdammt gutes Buch. Es lohnt sich, sich da rein zu versetzen und sich damit so auseinanderzusetzen, weil was James Joyce da macht, ist, er erzählt die Odyssee. Die Reise von Odysseus zurück nach... Ach du Scheiße. Ich weiß es gerade auch nicht, deswegen pausiere ich. Oh nein, oh nein. Es ist nicht Kreta, oder? Nein. Hey, hey, hey, irgendwas mit hey, griechische Insel. Odysseus zurück zu seiner Frau und seiner Familie. Und er erzählt das aber natürlich als parabolisiert, als Tag in Dublin. Dublin. Wo ein Lehrer und ein anderer Typ, jetzt muss ich wirklich in Erinnerung und Kram, einfach unterwegs sind. Und es passiert eigentlich nicht viel an der Oberfläche auf der Handlung, weil die sind halt einfach unterwegs. Und gleichzeitig werden die ganze Zeit diese mythologischen Themen reingeworfen. Großartiges Buch, es lohnt sich, lest es. Egal. Harris Dickinson liest dieses Buch komplett, quält sich da durch. Wirklich, wow. Respekt, Harris. Und kommt ans Set, Fick Nummer zwei. Ruben sagt zu ihm, nee, nee, brauchen wir nicht. Kommt nicht vor. Und ich glaube, Harris war so angepisst, dass dann Ruben gesagt hat, okay, du kannst es auf dem Boot lesen, wenn du willst. Fuck, Alter. Das ist wirklich hart. Und das ist das Spannendste, was sie auf diesem Boot machen. Ulysses lesen. Wenn ich auf diesem Boot wäre, dann würde ich auch lieber Ulysses lesen, als mich mit den anderen Reichen im Pool zu unterhalten. Hallo, hallo. Deswegen darf dieser Teil der Crew nicht sichtbar sein, weil die einfach mal zu hot sind. Ja. Es ist toll. Um Charlie B. Dean nochmal hervorzuheben, die Dialla spielt, leider letztes Jahr verstorben, spielt das ganz toll. Sie ist ganz klar angetan von dem Poolboy. Es ist der Typ, der das Segeln gemacht hat. Ich weiß gar nicht. Also egal, auf jeden Fall ist sie angetan von diesem Crewmitglied und sie zeigt es auch. Also sie versteckt es nicht. Das ist so klar. Karl sieht es. Und daraus entsteht dann der nächste Streit, wo Karl wieder so ein Crybaby ist, weil er wirklich so albern eifersüchtig ist. Ja. Echt mal. Echt. Sie hat sich mit dem unterhalten, sie hat mit ihm vielleicht auch ein bisschen geflirtet, sie hat ihn angeguckt, weil er sexy ist. Komm mal runter, Junge. Wirklich. Ey, Karl nervt mich so oft. Ich finde Karl so schrecklich. Deswegen bin ich auch, glaube ich, öfter auf ihrer Seite, weil Karl echt anstrengend ist. Aber der Akt davor wird komplett ad absurdum geführt, weil er jetzt, also seine Argumentation von davor, weil jetzt ist er wirklich in diesem ganz klassischen Gender-Klischee-Rollen-Konflikt drin. Er, der eifersüchtige Mann, der seine Frau vor dem Eindringling verteidigen muss.
Johannes Franke: Und das mit dem Ring, ist das nicht großartig?
Florian Bayer: Ist das nicht eine tolle Szene? Ja, ganz kurz genau. Also sie streiten sich dann und er will dann einen Verlobungsring kaufen. Das ist so toll, so eine angespannte Szene und er lässt sich diese absurd teuren Ringe vorführen. Und er kann sich das nicht leisten. Er kann sich das nicht leisten. ich liebe diese Szene dafür. Es ist wirklich toll. Und wirklich auch schön in Ergänzung mit der, ich glaube, dann direkt dran anschließenden Versöhnungsszene, wo Carlo und Jaja wirklich einen schönen, empathischen Moment zusammenkriegen und wir sie einfach nur süß finden. Ich liebe sie. Das ist total toll. Weil er, sie machen dann, er macht dann halt ein Rollenspiel, ne? Ja, genau. Er ist dann der Poolboy oder der, der das Zimmer sauber machen soll. Poolboy, glaube ich, ja, ja. Und verführt sie in dieser Rolle und es ist wirklich, es ist wirklich niedlich, weil das ist für mich eine Szene, die zeigt, da ist schon ein bisschen mehr, die haben irgendwie eine Beziehung, eine funktionierende Beziehung und es ist wirklich lieb. Also ich finde auch die Diskussion im ersten Teil ganz süß, wie sie es dann irgendwie schaffen, das so zu klären einigermaßen. Ja. Wo man merkt, da gibt es auch so ein gewisses Investment, was sie reinstecken in die Beziehung und es ist wirklich schön. Also man mag sie auch in diesem Moment. Es ist cool. Ja. Dass er das auch macht und dass er vielleicht auch jetzt ein bisschen mehr mit dem Augenzwinkern sieht, nachdem er wirklich diese alberne Eifersucht abgezogen hat. Ja. Also es ist ein schöner Moment. Und all das bereitet uns aber nur auf das vor, was dann kommen soll, auf dem Schiff, was der Höhepunkt der Schiffshandlung ist. Der Höhepunkt der Schiffshandlung? Meinst du die Kotzerei? Das Captain's Dinner. Wo nicht nur Thomas endlich raus muss, aus seiner Höhle rausgelassen wird, sondern wo es auch das beste Essen an Bord gibt, nämlich Burger mit Pommes.
Johannes Franke: Das ist so toll. Ich finde es großartig, dass er das bestellt, weil er genau weiß, oh Gott, der ganze Scheiß da, das kriege ich nicht runter.
Florian Bayer: dass er auch lieber gern die Burger gehabt hätte. Und wer kann es ihm verdenken, das, was ihnen serviert wird, wie du schon gesagt hast, ist schlecht geworden. Aber ich fände es auch echt eklig, wenn es nicht schlecht geworden wäre. Total. Wir haben dann diese Szene, wo sie sich das Kotzen unterdrücken und dann sagen die von der Crew, hey, esst was, das hilft. Und dann stellen sie diesen transparenten Klipper ein. Das hilft gegen Seekrankheit. What the fuck, hebt dem armen Mann ein Stück Brot. Ja. Ein Glas Wasser und nicht diesen transparenten Klipper, der aus irgendwelchen Mägen gemacht wurde.
Johannes Franke: Es gibt halt auch nichts anderes auf diesem Schiff, glaube ich.
Florian Bayer: Nein, es gibt nur dieses Schaum- und Klipperzeug und Eingang. Also, es ist vielleicht nicht mal so eklig, aber wenn man sich das vorstellt im Zusammenhang mit diesem schwankenden Schiff.
Johannes Franke: und der steht da so schief da und es ist großartig.
Florian Bayer: Wir haben halt einfach Turbulenzen auf dem Meer. Es ist ein starker Wellengang und dann sind sie da und alles wackelt und alle versuchen eine gute Miene zum traurigen Spiel zu machen und eine Passagierin, bei der fängt es dann an, die muss sich dann übergeben und wird rausgeführt und sie sagen, ach, trinken sie was und geben ihnen auch ein Bonbon gegen Seekrankheit und dann eskaliert es aber, weil nach und nach allen schlecht wird und sich alle anfangen zu übergeben, sich das Übergeben verkneifen, es nicht können, rausstürzen. Es ist einfach ein Armageddon. Es ist eine Endzeitstimmung. Dieses Schiff, im übertragenen Sinne, geht dieses Schiff gerade unter, weil die Leute kotzen, übereinander stürzen, Panik, es stinkt, es fliegt Essen durch die Gegend, es fliegt Kotze durch die Gegend. Die eine trinkt noch Champagner, während sie kotzen muss, trinkt ein Glas Champagner, kotzt wieder. Die Crew ist total hilflos, Leute fallen um, es wird irgendwo eine Wiederbelebungsmaßnahme gemacht. Alle versuchen den Schein zu bewahren, sowohl die Crew als auch die Gäste, die dann versuchen halt zu essen, weil das ist das beste Essen, das teuerste Essen und aber sie müssen eigentlich alle kotzen und keiner will, aber alle müssen den Schein behahren und das ist ein einziges Chaos,
Johannes Franke: nochmal wischt. Was völlig absurd ist, weil da draußen sowieso jederzeit wieder die Hölle losbricht und alles wieder eindreckt und dann kommt aber dieses Teil hoch und macht so ein Alltagsding. Ich finde, das ist so konterkariert, so großartig die Situation.
Florian Bayer: Also, Eslund setzt sich schon in diesem Moment sehr stark auf diese Kotzerei und auf den Fäkalhumor, aber es funktioniert, weil es, die Eskalationsspirale ist einfach mal krass. Es fängt wirklich langsam an, es fängt realistisch an und es wird aber von Sekunde zu Sekunde bizarrer und es verliert dann auch irgendwie so ein bisschen den realistischen Rahmen, aber nicht zu viel, sondern es bleibt irgendwie so einigermaßen nachvollziehbar, aber es wird schon eine ziemliche Pizarrerie und es hat am Schluss, wenn sie alle im Chaos übereinander stürzen und heulen und jammern und kotzen, dann explodiert noch das Klo und Vera liegt in diesem Klo drin und es ist überall Schmodder und dann haben sich Thomas und Dimitri zurückgezogen auf die Brücke und Dimitri hat das Funkgerät in der Hand und Thomas hat das Funkgerät in der Hand und Dimitri sagt, das Brot wird sinken, wir werden alle sterben. Paula dabei an der Tür und klopft die ganze Zeit, dass Thomas die Tür öffnen soll, dass er aufhören soll, diese apokalyptischen Durchsagen zu machen. Oh Mann. Die haben, wir hatten die ganze Zeit diesen seichten 90er Jahre Pop und dann kommt die Putzcrew, wirklich die Unterschicht, die untersten der untersten und die kommen dann und machen sauber und dabei läuft New Noise von Refused. Auch aus der Zeit, auch Ende der 90er, aber halt so ein Alternative-Punk-Song von damals. Ist es einfach die Vorliebe des Regisseurs oder? Ich weiß nicht, vielleicht, also ich kann mir vorstellen, dass Östund gedacht hat, naja, die sind alle ein bisschen älter, die hören eher so 90er-Zeug oder vielleicht ist es, vielleicht ist es auch seine Vorliebe. Also ich meine, mal schauen, der Typ ist wahrscheinlich so, ja, er ist ein bisschen älter als wir, aber er ist auch in dieser Zeit sozialisiert musikalisch, war er halt Mitte 20, als es gelaufen ist. Ja, okay. Na, auf jeden Fall läuft es dann und es ist so schön, weil dann haben wir diese wirklich laute und dreckige Musik, die eigentlich auch ganz gut zu dem Exzess davor passen würde und dabei sehen wir einfach nur, wie die armen Schlucker den ganzen Dreck wegmachen müssen und die Kotze aus dem Teppich wischen und einfach zu versuchen, wieder Ordnung auf dem Boot herzustellen. Klar, Schiff zu machen. Ja, klar, Schiff zu machen, weil morgen soll die Party ja weitergehen. Ich finde, das Mitleid hält sich in Grenzen, weil man einfach zu geschockt ist, wie das Ganze eskaliert. Weil es davor, also es bahnt sich so auf dem Schiff langsam an, aber ich zumindest habe halt noch diese Szenen davor im Kopf, wie relativ nuanciert erzählt wird, wie diese Personen alle etwas schräg sind, alle etwas merkwürdig und dann wird da plötzlich diese Endzeitstimmung gemacht, weißt du? Du hast eine Naturdoku und du rechnest einfach nicht damit, dass die Meteoriten einschlagen und alles vernichten, was an Leben da ist, aber genau das passiert. Und ich bin in diesem Moment einfach total geschockt, dass der Film so einen Schlenker macht und plötzlich so bizarr wird und so größenwahnsinnig in seiner Absurdität und in seinem schwarzen Humor. Das nimmt mich total mit. Es ist sehr gewaltvoll dann auch. Ja, total. Und auch nichts mehr ist subtil. Davor hatten wir wirklich subtil und nuanciert erzählt, wie Menschen schräg sind und jetzt haben wir einfach nur noch voll auf die Kacke gehauen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und das kulminiert dann ja auch passend dazu im Sonnenaufbau und wir haben das Piratenschiff am Horizont und es fliegt eine Granate aufs Schiff. Natürlich zu unserem netten Paar.
Johannes Franke: Ausgerechnet zu unserem netten Paar. Sie hebt dann die Granate auf und sagt, hey, ist das nicht eine von uns? Ja, ist es. Das ist ja interessant. Moment.
Florian Bayer: Dieser zweite Teil steht im ganz klaren Kontrast zum ersten Teil. Und ich habe vorhin schon das Wort Stolpern gesagt, man stolperte auch so ein bisschen drüber. Also auch, weil der erste Teil relativ kurz war, aber vermeintlich eine Art der Inszenierung vorgibt. Und dann wechselt das schon ziemlich krass von diesem Realistischen zum Absurd Übersteigerten. Wir sind einfach in einer Groteske jetzt. Das waren wir davor nicht. Davor waren wir in einer sozialrealistischen Tragik-Komödie, whatever. Und jetzt sind wir halt in einer Groteske. Und das ist aber auch der Höhepunkt der Groteske. Ja, ja, klar. Und Gott sei Dank, das ist auch wirklich schön zurückhaltend, dann inszeniert dieser Schluss davon, dass wir haben einfach zwei Explosionen auf dem Schiff. Komplette Distanz und der Film hätte an diesem Punkt auch vorbei sein können, auch von der Laufzeit. Und wir haben aber Teil 3. Die Insel. Die Insel. Wenige Überlebende. Karl und Jaja. Dimitri. Der Russe, ja. Paula, unsere Chefin. Djamu. Und dann haben wir Therese, unsere, die von Iris Berben gespielt ist, die mit dem Schlaganfall, die immer nur sagt, in den Wolken, was ich am Anfang total merkwürdig fand. Sie ist mir auf dem Schiff überhaupt nicht aufgefallen. Ach so, mir schon, Ich hätte sie ehrlich gesagt nicht erkannt. Ah, okay. Und dann haben wir aber neue, die dazu kommen, nämlich jetzt kriegt die Unterschicht ein Gesicht in Form von Abigail, von Dolly de Leon gespielt. Die wir auch Ja. Und Nelson, gespielt von Jean-Christophe Folli, der auch gleich mal mit Dimitri aneinander gerät, weil Dimitri ihn wegen seiner Hautfarbe für einen der Piraten hält und genau ausfragt und sagt, ich hab dich auf dem Schiff nicht gesehen. Denk mal drüber nach, warum. Ja, genau.
Johannes Franke: Krass, Mann, ne? die überlebensfähig ist.
Florian Bayer: Sie ist die Einzige, die weiß, was man, die alles kann. Sie jagt, also sie fängt die Fische, sie macht das Feuer und dann gibt sie so geil immer, ruft sie so Anweisungen rüber und die Leute, kann jemand das von euch? Nee, kannst du ein Feuer machen? Nee, keiner kann. Und dann sitzen sie da einfach untätig und warten drauf, dass Abigail den Scheiß erledigt. Ja. Tatsächlich hat Ruben Oestlund ja eigentlich Abigail als Mann angelegt. Ja, genau. Und seine Studenten, denen er so das Ganze präsentiert hat, was er da macht, haben dann gemeint, ey, wäre das nicht viel cooler, wenn wir hier eine Frau hätten? Und es passt wirklich, weil natürlich wird dieses, das Geschlechterthema wird dann nochmal aufgegriffen, was wir im ersten Teil haben, was auf dem Boot so ein bisschen untergeht, weil da alle einfach nur reich und versnobbt sind. Und jetzt wird es nochmal aufgegriffen, aber es wird nicht überreizt. Also das Ja-Ja sagt zu Abigail irgendwann so, oh, du hast hier ein Matriarchat erschaffen. Ich habe das Gefühl, dass das ein Matriarchat ist, entwickelt sich eher so durch Zufall, weil die Männer wirklich alle komplett unfähig und tölpelhaft sind. Ja. Und die Frauen so ein bisschen, also auch wenn Abigail ganz klar die ist, die das Heft in der Hand hat, aber die Frauen einfach so ein bisschen mehr Ahnung haben, ein bisschen mehr Gespür dafür haben, was gemacht werden muss. Deswegen finde ich das Geschlechterthema ist gar nicht so absolut krass relevant dabei, aber ist natürlich so ein... Und das verlangt ja auch ein bisschen die Parabel. Und ich finde es auch ein bisschen schade, weil Dimitri hätte ich eigentlich mehr zugetraut. Nachdem er Dimitri auf dem Schiff gesehen hat, hätte man ihm genau das zutrauen können, wie du jetzt schon sagst, dass der so ein paar Survival-Skills drauf hat. Und wenn es nur daran liegt, weil er sich halt irgendwann mal in Russland der 70er, 80er Jahre durchschlagen musste, weil er Militärdienst gemacht hat und fünf Jahre irgendwo in Sibirien war oder whatever. Ja. Es steht alles im Geist der Parabel. Und das unterscheidet den dritten Teil auch vom ersten und zweiten. Also wenn ich so grob genre-technisch einteilen würde, ist der erste halt eine realistische Tragikomödie, schwarz, mit schwarzem Humor. Der zweite Teil ist eine groteske. Groteske, ja. Und der dritte Teil ist, ja, ist eigentlich eine Fabel. Ist eigentlich Animal Farm, ne? Ja, genau. Und zwar auch wieder so, wir haben hier einen Machtwechsel. Was passiert, wenn die Unterschicht zur Oberschicht wird und die Oberschicht zur Unterschicht? Wie funktionieren die Machtverhältnisse dann? Und wie verhalten sich die Menschen? Und Abigail, der wir sehr lange folgen, wo wir einfach sagen, das ist die, natürlich. Sie hat hier, sie hat Ahnung, sie hält alles zusammen und sie hält alle am Leben. Wird dann halt auch irgendwann zur Tyrannin. Bis zu dem Punkt, wo sie sagt, ah, den jungen Kerl, den schnapp ich mir. Du liegst heute Nacht bei mir, Baby. Und sich Karl schnappt als Sextrophäe. Natürlich. Sie hat total die Macht und es dauert nicht lange. Und es ist wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben, dass sie irgendwie eine Form von Macht hat. Ja. Und sie nutzt sie innerhalb von ein paar Tagen. Ja. Hat sie einen Wege gefunden, die auszunutzen. Total. Sehr krass auch Jaja, die nochmal Karl sagt, ey und du musst aufpassen, nicht zu schnell zum Sex kommen lassen und mach Vorsicht und bitte versprich mir gar keinen Sex. Aber du musst sie am Laufen halten, rede mit ihr und so alle Manipulationsstrategien schnell ihrem dummen Typ geben, weil sie weiß, der kann das nicht. Ja, genau. Und, aber ja, dann haben wir ein ganz klares Machtgefühl. Abigail ist jetzt die Herrscherin. Ja. Karl ist ihr Sexpüppchen. Ja. Und die anderen arrangieren sich irgendwie mit der Situation, indem sie sich bei ihr versuchen einzuschleimen und, ja, und Scheiße bauen. Also es gibt diese Szene, wo Karl und Nelson die Salzstangen essen, die Salzbrezeln, Franzens glaube ich. Ja, ja, genau. So nach und nach weg essen, wo man auch denkt, oh Gott, ihr seid so ein Schild. Tut mir leid, ich schaffe es aber einfach nicht. Kurz unterbrechen, ich schaffe es nicht, wenn du die Models zu Proletariern machst. Das klappt. Ich kann diesen Schalter im Kopf nicht, sie ist keine Proletarierin, ey, sie ist ein Model und sie ist Influencerin und sie kriegt ja auch einen Platz auf dem Schiff, deswegen sie ist nicht die Dienstleisterin, bitte. Wirklich nicht. Jetzt haben wir aber auch noch die Influencerin verloren als Zuhörerin.
Johannes Franke: Was soll denn das, Floor? Ich habe versucht, hier uns eine Base aufzubauen, ja?
Florian Bayer: Nein, aber du hast recht, also ja, wir haben hier sehr viele Rollenwechse und Karl in seiner Passivität ist immer irgendwie so, ist Karl einfach die Mittelschiebe?
Johannes Franke: Ich weiß nicht, keine Ahnung, aber Karl ist einfach die Lusche, die nie auf den Tisch schaut und sagt, Leute, folgendes, und dann mit den Konsequenzen lebt.
Florian Bayer: Aber Karl ist die Lusche, die sehr viel rumhäut und sehr viel rumjammert, dass er von allen ausgenutzt wird, ne? Ja, ja, er hat sehr viel Puppy Eyes. Ja, oh Mann. Liebe Insel, lieber Ruben Oestlund, wenn du die Insel nicht mit Animal Farm verglichen haben willst, warum lässt du einen Esel totschlagen? Auf die brutalste Weise, die man sich vorstellen kann. Alle sind von dieser fucking Szene traumatisiert, ich auch als Zuschauer. Total, total. Und es ist so realistisch, genau das würde passieren, wenn jemand wie Ciamo sagt, ey, ich hau mal den Esel tot. Und dann sich irgendwas greift, was er halt findet und dann auf das arme Tier draufhaut. Natürlich ist es dann nicht tot, sondern liegt da und heult und jammert und auch wenn du dann auch fünfmal draufhaut, ist es noch nicht tot. Und es ist also, schlimmer kann man es nicht mehr machen. Sehr viel Verträgung ist da vorhanden. Es ist echt krass. Ja und das ist ja der Moment, wo ich glaube zumindest, also Yala scheint mir ja irgendwie doch noch relativ intelligent zu sein, wo sie wahrscheinlich so auf den Trichter kommt, ey, wenn hier ein Esel rumläuft, dann gibt es vielleicht auch Zivilisation. Und dann beschließt mal zu gucken, wo Zivilisation sein könnte und sich auf den Weg machen will und Abigail sagt, ey, du schaffst es nicht. Das ist auch so krass. Ich meine, Abigail hat Überlebensfähigkeiten, aber Yala ist eine 20-Jährige, die fit ist und Abigail ist halt schon jenseits der 40. Und es ist klar, dass wenn es darum geht, einmal quer über eine Insel zu laufen, dass Yala Abigail halt doch in die Tasche steckt, egal wie gut die Überlebensinstinkte von Abigail sind. Und dann gehen sie aber zu zweit los. Ja. Und Jaja unterstützt das ja auch, indem sie sagt, ey, ich will dir übrigens helfen. Du kannst für mich arbeiten. Ja. Meine Assistentin sein. Ja, es passiert, was passieren muss. Abigail ist eigentlich ganz zufrieden mit der Ordnung, wie sie gerade existiert und haut einmal drauf. Und was soll uns diese Szene danach dann sagen, wenn wir, wenn wir noch einmal Karl sehen? Karl rennt. Ja, so merkwürdig, so nochmal so dran gepfropft. Wir haben das Gefühl, wir haben ein Ende gesehen und dann sehen wir einfach für ein paar Sekunden Karl, der durch diese Sträucher rennt und links und rechts gestreift wird und verletzt wird. Ja, und verletzt wird im Gesicht. Und einfach rennt und cut und aus. Ich hatte das Gefühl, es war so eine fast hypnotische Szene, weil sie auch so kurz war. Ja, ja, ja. Und du denkst, was war das gerade noch? Was ist da gerade noch passiert? Und dann bist du schon im Abspann. Und ich kann die Szene wirklich, also ich kann sie einfach nicht einordnen. Und ich habe versucht zu überlegen, ist das irgendwie nochmal ein Symbol? Will hier irgendwie nochmal irgendwas Symbolistisches erzählt werden? Ist es vielleicht, dass er flieht? Es ist vielleicht auch einfach ein Symbol für die Art, wie er gelebt hat. Er stolpert die ganze Zeit da rum und überall Sträucher und er hat auch gar kein richtiges Ziel, sondern, aber er versucht zu rennen, weißt du, er gibt sich wirklich Mühe und er will wirklich irgendwo hinkommen, auch wenn er keine Ahnung hat, wohin, dann rennt man halt einfach los und kriegt, wird von links und rechts angepeitscht. Es ist eine sehr merkwürdige Szenen. Force Majeure hat auch so ein Ende, wo du denkst, was passiert jetzt? Und ich hasse es ja, wenn du das machst, was will uns der Film damit sagen? Aber du fragst diese Frage jetzt auch? Ja, und bei Force Majeure war es genauso. Da fahren sie am Schluss, also nachdem quasi nichts gelöst ist, fahren sie mit dem Bus los und der Bus fährt dann, also der Bus, der sie zum Bahnhof bringen soll, glaube ich, oder zum Flughafen und der fährt dann so ein bisschen waghalsig und die Frau schreit dann, ey, Busfahrer, hör auf damit, du musst jetzt anhalten, ich will nicht mehr, ich will jetzt aussteigen, halt an und dann hält der Busfahrer an und dann steigen alle aus oder der Bus könnte sogar kaputt gehen. Auf jeden Fall hält er dann an und dann gehen sie einfach diese Straße rund, hat diese Serpentinen, die zum Hotel führen und gehen so in einer großen Gruppe und dann endet der Film. Und auch so ein, hinterlässt so ein ganz merkwürdiges Gefühl, weil es auch diese Szene so nicht so 100% zur vorangehenden Handlung passt und weil du das Gefühl hast, sie ist irgendwie noch so dran geheftet worden. Hier hast du noch so ein kleines Goodie, noch so ein Pin, den du dran machen kannst, aber so richtig gegriffen kriege ich sie nicht und das finde ich bei der Szene noch krasser. Oh ja, The Menu ist sehr ähnlich, stimmt, also von dem Blick auf die dekadente Oberschicht. Total. Ich würde es aber gar nicht so sehr am Kapitalfest machen, ich weiß auch nicht, also du, ich weiß nicht, ob es ein bisschen zu pauschal ist, die Filme als Kapitalismuskritik zu nennen, also gerade jetzt The Menu und den hier, weil es geht um sehr spezifische Formen der Dekadenz und was wir hier auf dem Schiff versammelt haben, ist ja keine klassische Vertretung des Besitzenden, des Kapitals, das ist ja irgendwie eine spezifische Form von Oberschicht. Ich meine, man kann sich total gut kritisch auseinandersetzen mit Bankenchefs, mit Versicherungschefs, mit Börsenspekulanten. Was hier gezeigt wird, ist aber eine andere Form von Oberschicht. Ja, naja, vor allem die Obszöhnreichen, will ich sie mal nennen. Ich habe mich in der Filmgeschichte rumgetrieben. Ich habe nichts Aktuelles. Das Aktuellste, was ich habe, ist mein Platz 3 und das ist aus dem Jahr 2000. Oh. Und das wäre American Psycho. Aha. Wo die Obszönität natürlich obvious im Killen liegt, dass wir hier diesen reichen Typen haben, der vermeintlich Leute umbringt und damit durchkommt. Und am Schluss wird das nochmal in Frage gestellt und so. Aber vor allem zeigt sich auch in den ganz vielen kleinen Details, wie er mit seinen Mitmenschen umgeht. Vor allem mit Frauen. Es gibt diese schreckliche Szene, wo er die beiden Prostituierten da hat und sie dann zu absurden Sachen zwingt und dann am Schluss hat er einen Kleiderbügel und sagt, wir sind noch nicht fertig. Und dann wird weggeschnitten. Wir haben diese absurden Szene, wo er Leute totschlägt, während er im Hintergrund Phil Collins hört und darüber schwadroniert, warum in die Air Tonight der Best-Szene ist. Der beste Popsong aller Zeiten ist. Und wir haben natürlich auch diese obszönen Szenen, in denen einfach gezeigt wird, wie er sein ganzes Leben um seine Persona herum gestaltet, indem er dann morgens in der Dusche ist, Gesichtsmaske macht und aufzählt, was er alles an Peelings und so macht und dann wie viele Liegestützen er machen muss, um diesen perfekten, reichen Körper zu halten. Sehr obszön. Interessanterweise, diese Whodunit-Filme spielen oft in superreichen Milieus. Ja, das stimmt. Also Knives Out trägt da ja auch so ein bisschen diese Tradition mit sich von Agatha Christie, wo du auch ganz oft hast, dass der Mord in irgendeiner großen Familie stattgefunden hat, wo jeder der Mörder sein könnte und es geht natürlich um Erbe und um Gelder und so weiter und jeder hat so ein bisschen Dreck am Stecken. Ich glaube, das mag das Publikum auch einfach. So zu sehen, oh, die Reichen haben auch Dreck am Stecken und die sind ja eigentlich auch nicht glücklich und die sind ja auch alle verdorben und so. Mein Platz zwei. Ja, ich war einfach zu sehr beeinflusst von dem Film, deswegen bin ich nicht drum herum gekommen, das Kotzen aus The Meaning of Life von Monty Python zu erwähnen. Der Sinn des Lebens aus dem Jahr 1983 und es gibt diese berühmt-berüchtigte Szene, wo ein etwas übergewichtiger Herr in dieses Restaurant kommt. Ein etwas übergewichtiger Herr. Hey, ich wollte das PC ausdrücken. Auf jeden Fall kommt er da rein und er Mr. Crea-Shot und er muss einmal ordentlich kotzen und er kotzt dann die ganze Zeit und ist gleichzeitig wie letzte Saison und wird aber total freundlich bedient, weil er offensichtlich verdammt viel Geld hat und wir haben wirklich eine ähnliche Szene wie hier, nur dass sich alle anderen versuchen zu benehmen in dem Restaurant, während er der Einzige ist, der voll auf die Kacke haut. Ja. Ja, es ist auch einfach nur Fäkalhumor. Aber gute Dekadenzkritik. Unter dem Deckmantel des Kotzens und Kackens findet hier eine sehr subtile Kritik an postkapitalistischen Dekadenzerscheinungen statt. Dein Platz zwei bitte. Mein Platz zwei ist Citizen Kane. Vor allem krass, er baut dieses Opernhaus für seine Frau, die überhaupt nicht singen kann. Also nicht überhaupt nicht. Und dann zwingt er sie da zu singen, obwohl die Presse sie fertig macht, obwohl niemand ein gutes Haar an ihr lässt und die Leute sie auslachen. Und er zieht das durch und sie will eigentlich nicht und das endet dann ja auch mit ihrem Tod. abbekommen hast. Gut, es ist die 99. Also die 99. Und die 100. Sind beide sehenswert. Hörenswert. Hörenswert. 99. Es war Singing in the Rain. Ich finde, da haben wir ein ganz gutes Jubiläum hingekriegt mit den beiden Filmen. Ich glaube auch, ja. Okay, dein Platz 1. Mein Platz 1, ein Film aus dem Jahre 1973 von Marco Ferreri. Das große Fressen, La Grande Bouffe. Und genau das, was der Titel sagt, ist es. Drei Freunde, vorgespielt von Marcelo Mastroianni, Ugo Tognazzi und Michel Piccoli. Die man wahrscheinlich kennt. Große italienisch-französische Schauspieler. Sie treffen sich, um sich zu Tode zu fressen. Das ist ihr Plan. Sie haben ein Haus und sie haben da ganz viel dekadentes Essen. Und sie wollen sich einfach nur umbringen, indem sie sich überfressen. Sie holen sich dann noch ein paar Prostituierte. Und dann ist dieser Film zwei Stunden lang ein einziges Gelage, wo sie nach und nach den Tod finden. Zum Beispiel über Pupsten. Einer furzt sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Einer stirbt während des Sexes. Und es ist einfach nur 130 Minuten Dekadenz und ein wirklich bitterböser, schwarzhumoriger Blick auf eine spezifische Form von Bildungsbürgertum. Das vor allem damals existiert hat, das sich durch seine Kombination aus Hedonismus und Gelehrtheit definiert. Keine einfache Kost, aber ein wirklich spannender und interessanter Film. Okay. Es wird viel gefögelt, es wird viel gefressen, es wird viel gekotzt. Alles dabei. Der ist auf Sönreich. Auf jeden Fall, dieser Geldspeicher.
Johannes Franke: Und das dorthin auf einen Hügel zu stellen, damit alle anderen in der Stadt, immer wenn sie da hochgucken, sehen, der hat ein riesiges Haus voller Geld.
Florian Bayer: Haben wir auch schon mal drüber nachgedacht, was er da mit der Wirtschaft von Entenhausen antut. Wenn er sein Geld nicht auf der Bank hat, wenn er sein Geld nicht reinvestiert. Das ist wirklich ein Problem, glaube ich. Man könnte sich das mal anschauen, wie die Wirtschaft von Entenhausen aussieht. Wie viel Geld hat er im Verhältnis zum Rest von Entenhausen und was bedeutet das für den Wert des Geldes da? Was bedeutet das für die ganze Ökonomie? Darüber denkt niemand nach. Stattdessen sagen die Leute, er wird sich das Genick brechen, wenn er da reinspringt. Ja, stimmt. Aber viel schlimmer ist. Also, ich kenne mich zu wenig aus. Liebe Volkswirt, wenn ihr was habt für uns, sagt uns Bescheid. Was ist los mit Dagobert? Was macht sein Geldspeicher mit Entenhausen? Auf jeden Fall. Östlunds erstes komplett englischsprachiges Werk, wobei komplett auch weit gedehnt ist, weil es werden sehr viele Sprachen in diesem Film gesprochen. Wir haben wirklich einen internationalen Cast und auch eine internationale Ausrichtung. Es wird, ah, warte mal, ja genau, nee, es ist, also, ich hab, ähm, also den Film zu finden ist nicht so einfach. Ja, genau, nee, ich hab gerade überlegt, weil ich hatte tatsächlich hartgecodete englische Untertitel drin. Dann war alles untertitelt, aber die, ähm, ich glaub, die, das, was in anderen Sprachen gesprochen wurde, wurde gar nicht untertitelt. Ich überlege gerade, ob ich irgendwann mal da in den Wolken gelesen habe, weil das ja ständig vorkommt, aber ich glaube nicht. Ich glaub, das wurde einfach nicht gezeigt. Durch Zufall ist so ein bisschen aus dem Film und The Square davor und nochmal davor, Force Majeure, The Square hab ich nicht gesehen, dann so eine Trilogie zum Thema Männlichkeit geworden, die, ähm, die Östlund wohl auch schon vorher im Sinne hatte, aber ich hab so das Gefühl, er hat das nochmal in die Richtung so ein bisschen gepusht, also gerade so die Geschlechterfragen nochmal in den Vordergrund gestellt, weil sie sind nicht omnipräsent. Sie finden so an gewissen Punkten statt, aber sie sind jetzt nicht das, was den Film komplett zusammenhält. Das Urteil Es ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film. Ich find, der Film stolpert so ein bisschen. Und, ähm, ich kann's ihm nachsehen, weil ich grundsätzlich so einen Softspot hab für alles, was gegen den Strich inszeniert ist, aber ich hab's Gefühl, also der Film schafft's nicht so einen richtigen Rhythmus zu entwickeln, weil er eben so abgehackt ist, weil die so komische, unterschiedliche Länge haben, die einzelnen Teile, weil er vom Tempo so ein bisschen springt. Und dadurch hat man permanent so ein Stop-and-Go-Gefühl, dass immer mal wieder auf die Bremse getreten wird, in langen Totalen, und immer mal wieder Gas gegeben wird. Und deswegen find ich den Film rhythmisch so ein bisschen anstrengend. Also, gar nicht so, gar nicht so, dass ich sage würde, das macht ihn unsehbar, sondern vielmehr, dass es einfach so ein bisschen, man merkt, es rumpelt so ein bisschen, und manchmal fühlt sich das auch alles so ein bisschen tollpatschig an. Man hat das Gefühl, da könnte irgendwie ein bisschen mehr Drive dahinter sein, oder es könnte ein bisschen geschlossener und runder sein. Das gesagt, es ist trotzdem ein total guter Film, weil seine einzelnen Teile echt gut funktionieren. Und der Film funktioniert halt als realistische Tragikomödie genauso gut wie als groteske, genauso gut wie als parabel. Fühlt sich so ein bisschen merkwürdig an, dass wir da hin und her geworfen werden. Das ist eine stürmische See, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es macht Spaß. Und tatsächlich guckt sich der dann auch relativ schnell weg dafür, dass er deutlich länger als zwei Stunden ist. Und natürlich, also, Östlund ist verdammt gut darin, Dialoge zu schreiben und Dialoge zu inszenieren. Ja, mit Frederik Wenzel hat er schon vorher zusammengearbeitet. Der hat ein verdammt gutes Gespür dafür, wann wir mal, wann Totalen nötig sind, wann Nahen nötig sind. Kamera und Schnitt sind exquisit. Ja. Und hervorragend gespielt von allen. Ich glaube, das haben wir schon jemals gesagt. Dolly de Leon, um den Namen noch einmal zu sagen, die die Abigail spielt, macht das auch großartig mit so einer Crumpiness, die einfach toll ist. Ja, unterhaltsamer Film, aber ich glaube, mir geht es ähnlich wie dir nach dem ersten Mal. Und ich kann nicht sagen, absolut 100 Prozent gelungen. Dazwischen dachte ich auch, eigentlich würde ich mir wieder mehr Subtilität wünschen. Ich glaube, es ist ein Film, der wirklich auch Spaß macht. Also bei all dem philosophischen, gesellschaftskritischen Überbau ist es auch wirklich ein Film, der Spaß macht, der genug witzige Momente hat, der, wie du schon gesagt hast, nuanciert genug ist, dass er halt nicht einfach nur eine flache Parabel ist und der halt so mittendrin dann auch noch ordentlich bizarres Schauspiel mitbringt. Also es ist nicht nur ein Film, der zum Diskutieren einlädt, aber auf jeden Fall ein Film, der zum Diskutieren einlädt. Also man hat sehr viel Spaß danach auch einfach mal über die dekadente Oberschicht zu schimpfen, sollte sich damit aber nicht so leicht machen. Stichwort strukturelles Problem. Ja, ja, genau. Und das macht der Film auch nicht. Und das ist gut, das ist ihm hoch anzurechnen, dass keiner einfach nur zu einer unsympathischen Karikatur verkommt. Cool. Sehr schön. Vielen Dank, Flor, dass du diesen Film geguckt hast. Danke, dass du ihn mir gegeben hast. Das war wirklich also eine Perle aus dem vergangenen Jahr. Ich bin froh, dass ich sie nachgeholt habe. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes für nächste Woche aufgeben werde und auch euch damit, also es ist immer sinnvoll, auch den Film zu gucken, bevor ihr hier reinhört, dann bleibt noch kurz dran. Ansonsten vielen Dank fürs Zuhören, euch eine schöne Woche und bleibt gesund. Bis dann, ciao. Bis dann, ciao. Was gibt's denn für das nächste Mal, Flor? Wir haben echt schon viel über Disney geredet. Wir müssen jetzt mal ein bisschen Gerechtigkeit herstellen und über den großen Konkurrenten von Disney aus, zumindest in den 80er Jahren reden. Okay. Don Plouffe, der für die Dis... Oder Don Plouffe? Tja. Oh. Was für ein bisschen nächste Woche. Das wird spannend. Der für Disney gearbeitet hat und dann irgendwann sein eigenes Ding gemacht hat und in den 80ern mehrere Zeichentrickfilme herausgebracht hat, die in einer etwas dunkleren Disney-Zeit als die besseren Disney-Filme galten. Also jeder, der in ungefähr unserem Alter ist, wird einige davon gesehen haben. Pfeibel, der Mauswanderer. Oh, wofür. In einem Land vor unserer Zeit. Charlie, alle Hunde kommen in den Himmel. Und dann bis in die 90er hinein, die Anastasia-Verfilmung ist kein Disney-Film, sondern es ist auch Don. Und die Videospiele Dragon Slayer und Space Ace sind auch relativ bekannt. Ich würde gerne mit dir über meinen Lieblingsfilm von ihm reden. Mrs. Prisby und das Geheimnis von Nim aus dem Jahre 1982 eine Literaturverfilmung. Ich kenne die Vorlage nicht. Aber ein toller Film. Also irgendwie so Fantasy. Was heißt denn Lieblingsfilm? Wann hast du den das letzte Mal gesehen? Das ist schon so lange her, wie wir das immer mal feststellen dürfen. Aber er gehört zu den Filmen, bei denen öfter mal auch angemerkt wurde, ist das was für Kinder? Oh, okay. Weil unser Don ist dafür bekannt, doch etwas gruseliger und düsterer zu inszenieren, als man das von Disney kennt. Das stimmt, ja. Die Mutter stirbt. Das ist schon auch hart. Ja, und Mrs. Prisby hat auch solche Momente und das Thema so drumherum, es hat auch so ein bisschen so eine Öko-Botschaft, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Er bringt so Fantasy mit einer traditionellen Tierfarbe und schon so einen düsteren Fantasy überbaut zusammen. Und das ist also interessant. Ich freue mich sehr auf das Gespräch. Okay. Na, ich bin gespannt. Sehr schön. Also dann schaltet ein nächste Woche, wenn ihr hören wollt, was wir zu Mrs. Prisby zu sagen haben. Und bis dahin, bleibt gesund und wir hören uns dann. Bis dann. Ciao.
