Episode 119: I’m still here – Joaquin Phoenix trollt Hollywood
Für den Film “I’m Still Here” haben Casey Affleck und Joaquin Phoenix eine Produktionsfirma mit dem Namen “They Are Going to Kill Us Productions” gegründet. Dieser Name sagt eigentlich alles, was man über den Hintergrund des Films wissen muss. Ein 18-monatiger Stunt, ein Unfall in Zeitlupe, bei dem man nicht wegschauen kann.
Joaquin Phoenix gibt 2008 bekannt, dass er mit der Schauspielerei aufhören und sich seiner Leidenschaft, dem Hip Hop zuwenden will. Was folgt sind Monate der Entfremdung von Realität und Freunden sowie Geschäftspartnern – alten wie auch neuen.nSeinen Frust versucht er in Drogen und Exzessen zu ertränken und die Schuld am Misserfolg seinen Angestellten zu geben. Eine Abwärtsspirale die ihren Höhepunkt in einem massiv lustigen aber auch massiv traurigen Auftritt bei David Letterman erreicht.
Alles das wurde von Casey Affleck in billigen Wackelkameraaufnahmen festgehalten und als Dokumentarfilm veröffentlicht… bis er nur wenig später zugab: es war alles nur ein Stunt. Eine Satire. Er hat uns alle zum Narren gehalten.
Plor, hat dich damals dieser Stunt auch zum Narren gehalten? Oder hast du wie ich erst danach davon Wind bekommen, als schon klar war dass es eine Mockumentary ist?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 119: I’m still here – Joaquin Phoenix trollt Hollywood Publishing Date: 2023-04-12T13:43:24+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/04/12/episode-119-im-still-here-joaquin-phoenix-trollt-hollywood/
Florian Bayer: Der Film ist ja ziemlich lang, ne? Nein, nein, nein, nein. Moment, langsam, langsam, lass mir Gedanken zu Ende führen. Der Film dauert 106 Minuten. Okay. Ich glaube, es reicht davon, 20 Minuten zu sehen. Nein. Und die musst du nicht in dem Film sehen, sondern die Schnipsel kannst du sehen, dann hörst du noch so zwei Idioten wie uns drüber reden und guckst dir noch das Letterman-Ding an, dann bist du durch.
Johannes Franke: Ich glaube, da ignorierst du die ganze Tragik dieses Films. Herzlich willkommen hier zu einer neuen Ausgabe des Muss-Man-Sehen-Podcasts mit Plor-Fucking-Bayer und Johannes. Fucking Franke. Motherfucker heiße ich als Zweiter. Meine Güte, Flor. Du hast es echt nicht drauf.
Florian Bayer: Tut mir leid, tut mir leid. Ich bin noch nicht in Fluchstimme.
Johannes Franke: Ah, Pete Didi wäre nicht stolz auf dich.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebe fucking Zuhörer. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt, denn wir werden heute über einen Film reden, den mir Johannes vorgeschlagen hat und auch euch allen. Ich hoffe, ihr habt den Film gesehen.
Johannes Franke: Ja, es gibt ihn auf Amazon Prime, also es gibt kaum Gründe, ihn nicht zu schauen. Außer Amazon nicht zu unterstützen. Oh fuck, das ist ein ziemlich großer Grund. I'm Still Here von 2010. Mit Joaquin Phoenix und von Casey Affleck und mit Casey Affleck.
Florian Bayer: Sag nochmal Joaquin Phoenix.
Johannes Franke: Joaquin Phoenix? Ja. Ich finde, es gibt Namen, die sind leichter auszusprechen. Achso. Joaquin. Welche Möglichkeiten gibt es denn noch so? Joaquin. Joaquin. Joaquin. Joaquin. Joaquin Phoenix. Phoenix.
Florian Bayer: Wir werden heute nicht zu lange über den Namen des Hauptdarstellers diskutieren, das haben wir die letzten Male zu oft gemacht und wir haben festgestellt, das kommt nicht so gut an beim Publikum.
Johannes Franke: Ja, wir haben eine riesige Marktstudie gemacht, darüber, was denn beim Publikum gut ankommt und wir werden diese Episode fünf Minuten lang durchhalten und der Rest ist gestrichen, weil der Rest kommt nicht gut an.
Florian Bayer: Also ihr werdet uns heute wieder beim Teetrinken zuhören und ihr werdet uns zuhören, wie wir über eine Mockumentary aus den frühen 2010er oder späten 2000er Jahren, wie man es nehmen will, sprechen. Und die Dead Jokes sind gestrichen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Obwohl es auf jeden Fall eine spannende Diskussion darüber wird, wie viel Dead Joke ist dieser Film. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Okay, es ist allen klar daraus, was wir hier machen. Wir schlagen uns gegenseitig Filme vor, du musst gucken, was ich vorschlage und ich muss gucken, was du vorschlägst. Und ihr müsst gucken, was wir vorschlagen. Und dann streiten wir alle. Und am Ende müssen wir streiten alle. Okay, gut.
Florian Bayer: Das ist das Konzept des Podcasts. Und wie immer hat der, der den Film vorgeschlagen hat, auch einen ganz kleinen Einleitungstext von maximal einer Minute, zwei Minuten gemacht. Das ist diesmal Johannes. Und nach dem Text geht es dann los mit der Diskussion.
Johannes Franke: Okay. Für den Film I'm Still Here haben Casey Affleck und Joaquin Phoenix eine Produktionsfirma mit dem Namen They Are Going To Kill Us Productions gegründet. Dieser Name sagt eigentlich alles, was man über den Hintergrund des Films wissen muss. Ein 18-monatiger Stunt, ein Unfall in Zeitlupe, bei dem man nicht weggucken kann. Joaquin Phoenix gibt 2008 bekannt, dass er mit der Schauspielerei aufhören will und sich seiner Leidenschaft, dem Hip-Hop, zuwenden will. Was folgt, sind Monate der Entfremdung von Realität und Freunden sowie Geschäftspartnern, alten wie auch neuen. Sein Frust versucht er in Drogen und Exzessen zu ertränken und die Schuld am Misserfolg seinen Angestellten zu geben. Eine Abwärtsspirale, die ihren Höhepunkt in einem massiv lustigen, aber auch massiv traurigen Auftritt bei David Letterman erreicht. Alles das wurde von Casey Affleck in billigen Wackelkameraaufnahmen festgehalten und als Dokumentarfilm veröffentlicht. Bis er nur wenig später zugab, es war alles nur ein Stunt, eine Satire. Er hat uns alle zum Narren gehalten. Flor, hat dich damals dieser Stunt auch zum Narren gehalten? Oder hast du, wie ich, erst danach davon Wind bekommen, als schon klar war, dass das eher eine Mockumentary ist als eine Documentary?
Florian Bayer: Ich glaube, um mich zum Narren zu halten, war mir Joaquin Phoenix einfach nicht wichtig genug. Also zu egal, ja. Der war, also gleich vorweg, Joaquin Phoenix ist ein großartiger Schauspieler. Er war damals einfach noch nicht so bekannt. Er war mir damals noch nicht so bekannt. Ich hatte ihn vor allem als den Typen aus Gladiator im Kopf. Und ich habe das auch mitgekriegt, was damals passiert ist. Und vielleicht, um einfach mal die Frage in den Raum zu werfen, hat er überhaupt jemandem zum Narren gehalten?
Johannes Franke: Also ich habe noch mal ein bisschen recherchiert und geguckt. Und oh mein Gott, wie viele Leute haben damals gedacht, oh mein Gott, der arme Mensch, nein, tu es nicht. Also es waren echt viele Leute, die das wirklich geglaubt haben. Es gab natürlich immer wieder die Stimmen, die gesagt haben, Alter, guck dir das mal an, das ist alles ein Stunt. Aber es gab wirklich viele Leute, die es geglaubt haben.
Florian Bayer: Weil es wurde ja relativ früh schon spekuliert und es hat das ja immer so ein bisschen mitgetragen, diese Frage, wie viel davon ist Ernst und wie viel davon ist Witz und was will er damit erreichen? Ich glaube, das war auch immer so ein bisschen die Frage, die da so mitschwang. Wenn es ein Witz ist, was soll das werden? Was ist das große Finale? Wie gesagt, ich habe mich damals nicht viel damit auseinandergesetzt. Und um ehrlich zu sein, ich glaube auch diese berühmten Sachen, wie der Auftritt bei Letterman, was wahrscheinlich so das berühmteste da von der ganzen Geschichte ist, habe ich wahrscheinlich auch erst gesehen, als der Film dann promotet wurde. Ja, ja, genau, ich auch, ja. Und ich glaube, diese große Diskussion, vielleicht bin ich ja auch einfach zu wenig drin in der amerikanischen Celebrity-Kultur, diese große Diskussion drumherum habe ich wenig mitgekriegt und dann wirklich eher so den Wirbel, als dann der Film rauskam und schon klar war, es war ein Gag und dann fand ich das natürlich auch irgendwie voll lustig und hatte auch voll Bock, den Film zu sehen. Ja, Roa Queen Phoenix war mir einfach, war mir zwar ein Begriff, aber stand jetzt nicht irgendwie auf der Wichtigkeit auf einer Ebene mit anderen Schauspielern, die ich damals sehr gemocht hätte, bei denen ich das spannender gefunden hätte.
Johannes Franke: Ja. Sind wir vielleicht im falschen Kulturkreis dafür oder ist das unabhängig davon?
Florian Bayer: Wir können ja nochmal ganz kurz gucken, Roa Queen Phoenix, was hat er eigentlich so gemacht, bevor das stattgefunden hat? Also richtig kurz davor war ja Walk the Line, wo Johnny Cash gespielt hat. Und da war er grandios. Ja. Und das habe ich auch noch gut in Erinnerung, das ist einfach so wow, hat mich vielleicht nicht so gecatcht, weil ich jetzt nicht so der große Fan von Biopics bin und auch so musikalische Biopics jetzt eigentlich nicht so meins sind, aber das war schon sowas, daran erinnere ich mich auch, eine Performance, er war ja auch für den Oscar nominiert, bei der man gesehen hat, oh wow, das ist einer, mit dem man rechnen muss. Ich kannte Roa Queen Phoenix vor allem als zur damaligen Zeit aus Gladiator, wo er den Bösen gespielt hat. Ja, ja, ja. Ich weiß noch, dass er mir damals besonders aufgefallen ist, weil ich dachte, wow, ist das ein schöner Mensch. Vor allem wegen seinen Augen. Ich finde, Roa Queen Phoenix hat vor allem in dieser Rolle, das war dann später nicht mehr ganz so krass, hat er krass schöne Augen und Gladiator ist ja auch deutlich vor, ist zehn Jahre vor diesem Film. Ja. Das heißt, er war relativ jung und dann habe ich diese Bilder von ihm gesehen, wie er halt so versifft da mit Vollbart und verfilzten Haaren da sitzt und sagt, ich will jetzt Rapper werden und mir ist es schwer gefallen, diese Schauspielleistung von Gladiator mit diesem Typen in Zusammenhang zu prägen, weil es einfach, weil er komplett anders aussieht. Ich hätte den auch nicht erkannt, vor allem unter der Sonnenbrille. Keine Chance. Weil die Augen waren das, was am prägnantesten war von ihm. Und Shyamalan in Science und The Village hat er mitgespielt, auch als Jungspund. In Science hat er ja den Sohn gespielt von Mike Gibson. Ah, okay. Und in The Village hat er auch einen jüngeren Mann gespielt, der in diesem Dorf lebt. Das waren so die drei Filme, die ich von ihm kannte. Offensichtlich, er war damals schon gefeiert und sonst hätte das ja auch nicht so viel Wirbel ausgelöst. Walk the Line war übrigens von 2005. Und dann gab es diesen 2008er Film, den ich auch gerade auf meiner Liste stehen habe von Muss ich sehen, weil das wieder so ein Film ist. Ich wusste nicht, dass dieser Film existiert.
Johannes Franke: Ja, ich auch nicht. Der war ja auch nicht sehr erfolgreich, wenn wir den gleichen meinen.
Florian Bayer: Ja, den er mit Quinn F. Petro gemacht hat und die Produzenten, Moment,
Johannes Franke: der so einen generischen Titel hatte, Two Lovers oder sowas.
Florian Bayer: Genau, Two Lovers. So einen generischen Titel und der Film Distributor von diesem Film, der war ja auch alles andere als angetan von dem Stunt, weil der natürlich komplett die Werbung für ihren eigentlichen Film
Johannes Franke: kaputt gemacht hat. Da waren die gleichen, glaube ich. Magnolia Films oder wie die hießen. Die waren wirklich nicht begeistert, haben aber dann das Promoting auch für diesen Film gemacht. Also die Distribution. Kanntest du Joaquin Phoenix vor dem Stunt? Ich kann es nicht genau sagen. Ich weiß es nicht. Es ist zu lange her. Ich meine, es ist 2010. Ja. Es sind alles 13 Jahre. Da ist viel Zeit ins Land gegangen. Ich kann mich nicht erinnern. Und ich kann mich nicht erinnern, dass es mir irgendwas ausgemacht hätte, dass das passiert ist, weil ich tatsächlich, wie auch im Eingangstext erwähnt, eigentlich davon erst mitbekommen habe, als allen schon klar war, okay, das ist ein Stunt.
Florian Bayer: Ja. Das Krasse wiederum ist, um das vielleicht abzuschließen, danach ist mir Joaquin Phoenix nicht mehr aus dem Gedächtnis gegangen. Ja, genau. Und ich habe ihn danach wahrscheinlich auch durch diesen Film, mit diesem Film als Schauspieler mehr wahrgenommen. Und er hat ja unfassbar gute Sachen gedreht. Ja. 2012 The Master mit einem der größten amerikanischen Regisseure unserer Zeit, Paul Thomas Anderson. 2013 Hör.
Johannes Franke: Also Hör war wirklich eine Revelation für mich. Ich fand ihn so großartig, so gut gespielt und so gut gemacht. und so weit weg, wie man nur irgendwie sein kann von dieser Version von Joaquin Phoenix in diesem Film hier.
Florian Bayer: Dann vielleicht ein bisschen weniger bekannt, 2017 You Were Never Really Here, der im Deutschen auch It's a Beautiful Day, glaube ich, genannt wurde. Großartiger Film, da spielt er einen Killer, da ist er viel näher dran wieder an dieser Rolle, weil er da auch sehr versifft aussieht und sehr heruntergekommen ist. Und dann am bekanntesten dürfte er den meisten mittlerweile sein als Joker, Arthur Fleck, im 2019er Joker-Film, der ein Superhelden-Film ohne Superheld war und entsprechend düster und da hat er ja unfassbar gut gespielt. Also da hat er so gut gespielt, dass einige gesagt haben, okay, niemand hätte gedacht, dass es einen besseren Joker als Heath Ledger geben könnte, aber vielleicht, vielleicht war es dann doch.
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau, weiß ich nicht genau, ob ich das finde. Aber ich glaube, da müsste man nochmal beide nebeneinander halten und ich glaube, dass sie den richtigen Way Out gefunden haben, sodass man die beiden Filme eigentlich eher nicht nebeneinander legen kann und auch der Vergleich, einfach kein fairer Vergleich, also Apfel und Bananen, weißt du, das funktioniert einfach nicht. Er hat ja auch einen Oscar gewonnen, ne? Kann sein. Ich fand den Film gar nicht so richtig, richtig gut, muss ich sagen. Ja. Aber er hat tatsächlich einfach richtig gut gespielt.
Florian Bayer: Ist vielleicht so die Frage, was man vom Superheldenfilm erwartet und ich fand den Film schon ziemlich stark. Es gab drumherum sehr viel Nerv von der Nerd und Fankultur und Comic-Fankultur, was so ein bisschen, das mir den Genuss dieses Films verleidet hat, aber, also ich fand den Film gut, aber unabhängig, wie man den Film fand, finde ich, dass Huaqueen Phoenix in dem halt auch wirklich, wirklich gut spielt. Ja, absolut. Ein gutes Porträt eines Jokers
Johannes Franke: im Werden abgibt. Das heißt aber auch, wir finden, dass Huaqueen Phoenix in diesem Film memorable ist und man das Gefühl hat, okay, ich sehe hier einen großartigen Schauspieler vor mir.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Also ich meine,
Florian Bayer: wenn du ein großes Beispiel an Method-Acting suchst, weißt du, also zum einen brauchst du natürlich extrem viel Guts, sowas 18 Monate durchzuziehen, einfach mal zu sagen, so, ich spiele jetzt diese Rolle, immer wenn ich in der Öffentlichkeit bin, ich ziehe das komplett durch und ich riskiere damit vielleicht nicht meine Karriere, weil am Schluss kann man ja sagen, es war ein Stunt, aber ich, ja doch, ich riskiere, doch, natürlich riskiert er seine Karriere, damit. Nicht wirklich, aber darüber können wir später
Johannes Franke: nochmal reden, weil das ist natürlich ein wichtiger Punkt des Films auch.
Florian Bayer: Aber unabhängig davon, dass es mutig ist, was er da macht, spielt er es auch verdammt gut, also sowohl in dem Film als auch in der Öffentlichkeit. Es ist natürlich so eine überzeichnete Rolle, eine Karikatur von so einem abgefuckten Künstler, der nicht so genau weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll und dementsprechend ist er die ganze Zeit drüber, aber es bleibt realistisch genug, finde ich, dass man ihm das abkauft.
Johannes Franke: Es bleibt realistisch genug, um es ihm abzukaufen, das finde ich fast schon für die Live-Auftritte ein kleines bisschen zu wenig. Aber daraus kommen wir auch später noch, lass uns lieber mal in den Film erstmal einsteigen und mal gucken, was er überhaupt macht und was uns das Ganze sagt. Wir steigen ja ein
Florian Bayer: mit diesen netten Super-8-Filmschnipseln und hey, wir haben hier die Phoenix-Family. Übrigens, Joaquin Phoenix ist der ältere Bruder oder der jüngere Bruder von River Phoenix, der so der bekannteste aus der Familie ist, der ja leider in den 90ern gestorben ist wegen einer Überdosis. Drogen. Und ganz stark drin war in dieser, man könnte fast sagen, so zweite Brad-Pack-Welle mit Johnny Depp. Ja. Und noch so ein Haufen anderer. Er war so ein großer, junger Schauspieler und alle haben gesagt, aus dem Wirt war es und der gehört zu den Großen und der ist dann halt sehr früh gestorben und der war eine Zeit lang wirklich sehr präsent, so vielleicht so die Hollywood-Version von Crunch auch ein bisschen, wie er aufgetreten ist, die Rollen, die er gespielt hat. Genau, Joaquin Phoenix kommt aus einer großen Schauspielfamilie, weil alle seine Geschwister irgendwas im Showbiz machen.
Johannes Franke: Aber seine Ursprünge sind dann nicht, also seine Eltern haben nicht gespielt, glaube ich. Und er ist auch ziemlich arm aufgewachsen, die hatten nicht viel Geld und die haben schon ein paar Geschichten ausgepackt, die ein bisschen sehr, sehr traurig klangen, wie sie aufgewachsen sind.
Florian Bayer: Also um zumindest die Namen einmal aufzuzählen, River, Rain, Liberty und Summer Phoenix sind die Geschwister und die Eltern von denen waren Missionare, die für eine Sekte gearbeitet haben und sich dann Ende der 70er Jahre nach Los Angeles gezogen sind und dann auch nochmal ihren Namen geändert haben. Ja, und dann haben die Kids alle angefangen als KinderschauspielerInnen zu arbeiten und River Phoenix war auf jeden Fall der berühmteste, aber Ruaquin Phoenix ist, glaube ich, auch dann ziemlich schnell so reingekommen. Er hat auch schon in den 90ern einiges gedreht, oft so in Nebenrollen, aber der war einfach ein aufsteigender Star und wurde auch mehr und mehr gelobt und dann halt so der Höhepunkt, der erste große Höhepunkt war der Oscar für Walk the Line, wo er Johnny Cash verkörpert hat, der ihn selbst ausgesucht hat für diese Rolle und gesagt hat, das ist der, der mich wählen soll. Oh Mann, das ist schon krass, ne? Ja. Und dann, aber wir sind jetzt ja natürlich, wir kommen jetzt natürlich gleich in den Act. Also wir haben diese Bilder, wir haben das Gespräch über die Phoenix und dann sind wir schon sehr schnell drin im Acting.
Johannes Franke: Ja, er sofort, sofort seine große Rede halten darf, ne? Sofort sagen darf, ah, es ist alles scheiße, ich will nicht mehr sein, was alle anderen sagen, was ich sein soll. Im blauen Hoodie nachts draußen.
Florian Bayer: Wir sehen ihn auch nicht anders in diesem Film, abgesehen von ein paar Schnipseln, wo halt gezeigt wird, wie seine Karriere war, sehen wir ihn die ganze Zeit so und was mir aufgefallen ist, ich hab den Film anders in Erinnerung gehabt und zwar hab ich den Mockumentary Aspekt deutlich stärker in Erinnerung und deutlich höher eingeschätzt, was glaube ich auch daran liegt, dass mir die Schnipsel außerhalb des Films, dieser Kontext, der Film herum war, deutlich stärker in Erinnerung geblieben ist, also der Auftritt bei David Letterman, das Interview da, das Interview hier, als der eigentliche Film, weil der Film besteht zu 95 Prozent, würde ich sagen, aus gestageten Sachen. Total. Und zwar auch ohne, dass es von Dritten beobachtet wird. Also es gibt natürlich diesen Auftritt, der streitet, den er mit jemandem, was das Publikum hat, auch gestaget ist, und da wird er von anderen Leuten, vom Publikum beobachtet. Aber selbst das findet im Film relativ wenig statt. Meistens ist es ganz traditionell, das ist natürlich Impro und wie eine Dokumentation inszeniert, aber es sind gestagete Sachen, also nicht so wie Borat, der die ganze Zeit seine, was hat, gegen das er spielen kann, Leute, die nicht wissen, dass er spielt. Ja, genau. Sondern meist, fast alle, die da mitmachen, wissen Bescheid.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist das eine gute Sache oder ist das eine schwierige Sache für den Film? Ich glaube, es ist tatsächlich eine egale Sache für den Film in diesem Beispiel, weil die, die dabei sind, das ziemlich gut machen und um einen rauszugreifen, der so als erster vorkommt, P. Diddy. Sean Combs, der große Hip-Hop-Star, damit fängt es eigentlich an, dass das, also das ist so das erste Ziel, was Hua Queen hat, dass er von P. Diddy produziert wird und ich habe das gesehen und habe erst danach gelesen, was da Sache war. P. Diddy war von Anfang an dabei und war begeistert davon. Ich finde es super. Ich habe die Szene gesehen und war fest davon überzeugt, dass der nicht involviert ist. So gut spielt der das. Das ist der Hammer, oder? Ich war fest davon überzeugt, dass der pisst ist und dass der das für einen Scherz hält und dass der auch weiß, dass da ein Stunt gemacht wird und deswegen keinen Bock hat, aber gleichzeitig dann halt irgendwie so halb gelangweilt mitmacht und sagt so, ey, du musst klarkommen, was machst du hier überhaupt? Und das ist alles gespielt. Alles, ja. Und was für ein guter Schauspieler
Johannes Franke: ist Sean Combs. Naja, ich weiß nicht, ob er im klassischen Sinne als guter Schauspieler durchgeht, aber in diesem Rahmen, in dem er sich da bewegt und das, was die sich da ausgedacht haben als Szenerie und dann die Impro, das funktioniert verdammt gut und man glaubt ihm alles. Ich glaube, wenn er ein festes Drehbuch gehabt hätte, hätte sich das nochmal anders dargestellt.
Florian Bayer: Szenerie gefallen, mit Sicherheit. Ich kann mir auch vorstellen, dass er stark sich selbst gespielt hat und dass er schon sehr viele solche Gespräche hatte mit Leuten, die sagen, ich will jetzt Rapper werden. Ey, P. Diddy, du hast es doch drauf. Ich gebe dir mal ein bisschen Geld, berate mich mal. Und dass er das vielleicht auch einfach sich so verhalten hat, wie er weiß, wie er sich in so Situationen verhalten muss. Ich habe die Szene gesehen und ich dachte, ich wäre fest davon ausgegangen, dass P. Diddy zu denen gehört, die verarscht werden. Und zwar auch in dem Sinne, dass er weiß, dass er verarscht werden soll, aber halt trotzdem irgendwie mitspielt, weil er nicht als der Wichser dastehen will, der sagt, er weckt mich. Aber dass er halt so mitspielt, dass er klar macht, ey, du kannst mich nicht verarschen. Weil er sagt zu ihm die ganze Zeit, ey, du machst doch Witz, du nimmst das doch überhaupt nicht ernst und so weiter und ist wirklich aggressiv ihm auch gegenüber.
Johannes Franke: Wow, krass. Das haben die alles ein paar Mal gedreht. Es ist ja nicht so, dass sie das einmal so Impro hier improvisieren wir jetzt und dann nehmen wir die besten Teile raus, sondern sie haben wirklich auch daran gearbeitet. Sie haben mehrere Takes gemacht. Was wiederum auch die Qualität von P. Diddy nach vorne bringt, dass er das reproduzieren kann und auch nochmal in einem neuen Take hinkriegt. Das fand ich ganz toll. Ich glaube, dass da sehr viel Frust von ihm durchkommt. Zum Beispiel, als er ihm sagt, Alter, es ist wie im Filmgeschäft. Du machst doch keinen Film ohne Geld. Also komm mir nicht an und sage, hilf mir, ohne dass du irgendwas dabei hast, dass du irgendeinen Plan hast, Geld auszugeben. Was soll das? Das ist wie eine Filmproduktion. Bei dir im Geschäft machst du es auch so. Und ich glaube, das ist etwas, was er einfach zu oft erlebt hat. Ja, wahrscheinlich. Und deswegen kommt der eigene Frust da so schön durch und so authentisch durch. Ich finde es großartig, ganz toll.
Florian Bayer: Also ich war davon, ich war gar nicht so beeindruckt davon, weil ich, ich war danach beeindruckt,
Johannes Franke: weil ich,
Florian Bayer: wie gesagt, fest davon ausgegangen bin, dass es nicht gestaged. Ja. Das Gefühl hatte ich auch, etwas weniger, aber auch im Gespräch mit Ben Stiller. Da hatte ich das Gefühl, dass Ben Stiller nicht geprieved ist, aber mitmacht als Gag. Also dass er quasi drauf einsteigt und so ein bisschen pusht. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass er geprieved ist und dass die Szene gestellt ist. Das ist sie aber auch komplett. Ben Stiller redet über einen Film, will Joaquin Phoenix für einen Film gewinnen, den er damals schon gedreht hat, als das gedreht wurde. Genau. Diese Szene. Und aber sie wirkt auch glaubhaft. Also wie man sich, ich fand, es wirkte so, als ob das nicht abgesprochen war, aber als ob Ben Stiller einfach auf den Joke angesprungen ist. Ja, ja, genau. Und dann aber auch Kudos. Das war auch eine gestagete Szene. Und das haben wir durch den ganzen Film, haben wir Szenen, die so inszeniert sind, als ob das Gegenüber es nicht wissen würde, was Sache ist oder sich fragen würde, was Sache ist, aber die sind halt eigentlich alle gestaged.
Johannes Franke: Ja, das finde ich toll, weil wirklich nur David Letterman und die großen Auftritte von ihm, was heißt große Auftritte, also die Auftritte, die er macht, halt die drei, die sind alle irgendwie vor Publikum, was nicht komplett Bescheid weiß. Genau. Wo nur so ein paar Leute eingeweiht sind.
Florian Bayer: Und David Letterman kann man halt auch nochmal
Johannes Franke: mit so einem kleinen Fragezeichen versehen. Völlig ohne Fragezeichen. Völlig ohne Fragezeichen. Er hat bei Howard Stern gesagt, ja, ich wusste Bescheid. Also insofern auch toll. Aber das ist so die öffentliche Sache. Das passiert in der Öffentlichkeit live und das Publikum weiß nicht Bescheid. Und das ist großartig. Ich finde, David Letterman hat das so toll aufgegriffen und so toll. Er hat so ein großartiges Timing, aber hat er ja sowieso immer. David Letterman hat halt auch eine Historie,
Florian Bayer: was solche Sachen betrifft. Er hat ja auch diese Show, wo Andy Kaufman zu Gast war, zusammen mit diesem Wrestler. Ja. Und die sich gegenseitig anschreien, beleidigen und dann Andy Kaufman dem Wrestler Wasser ins Gesicht kippt. Jerry Lawler heißt er, glaube ich. Ganz berühmter Wrestler. Und es war in der Zeit in den 80ern, als man das noch nicht so 100 Prozent wusste oder viele es noch nicht so ganz sicher wussten, dass es nur gestaged ist. Und sie beleidigen sich gegenseitig und Andy Kaufman kippt dem Wrestler Wasser ins Gesicht und der Wrestler haut nach Andy Kaufman auch alles bei David Letterman. Und der sitzt halt auch so und sagt so, ey, was macht ihr hier, Leute? Das ist meine Show, ihr könnt euch nicht prügeln.
Johannes Franke: Auch da wusste David Letterman, was passieren würde. Beziehungsweise nicht genau, was passieren würde. Andy Kaufman hat ihm gesagt, du, wundere dich nicht, wenn der einmal nach mir langt. Das ist alles gestaged und klar. Ja, aber innerhalb dieses Rahmens improvisieren sie dann, was das Ganze wiederum sehr authentisch natürlich macht. Jetzt kommt natürlich die Frage auf und jetzt rushen wir da schon hin. Wir sind noch nicht einmal bei 30 Minuten, aber ich finde es wahnsinnig spannend. Der Vergleich mit Andy Kaufman ist naheliegend und wird auch immer mal wieder gezogen. Aber wie weit würdest du das unterstützen? Ich kenne mich mit Andy Kaufman nicht so gut aus, aber du redest immer mal von ihm und deswegen erwarte ich gerade so ein kleines bisschen, dass du das so ein bisschen einsortieren kannst.
Florian Bayer: Ja, also Andy Kaufman war, finde ich, als Comedian mehr lighthearted. Also der hat ja extrem bittere und böse und zynische Witze gemacht und sehr viel mit der Realität gespielt. Und es hatte definitiv auch diesen melancholischen Unterton, der traurige Clown, den er immer mal wieder gegeben hat. Aber es war was anderes, weil es mehr Karikatur war, weil es mehr drüber war. Das ist vielleicht auch so eine Charaktersache, weil er sich weniger versteckt hat. Ich habe so das Gefühl, abgesehen von den gespielten Szenen, in denen er voll auf die Kacke haut, versteckt sich Hoa Kween Phoenix vor allem in dieser Rolle. Und seine Rolle ist eher so jemand, der extrem awkward ist, sich nicht gut verhalten kann sozial. Und deswegen aber nur, wenn man sich reinnuschelt und die Kapuze über den Kopf zieht und halt irgendwie fast schon verschwindet. Was witzig ist, wenn man sich Auftritte von danach anschaut, es lohnt sich auf jeden Fall mal, Letterman-Auftritte von Hoa Kween Phoenix von danach anzuschauen. Der ist nämlich immer so awkward. Das ist keineswegs so, dass das ungewöhnlich ist, wie er sich da verhält in diesem Letterman-Auftritt mit Bart. Weil Hoa Kween Phoenix ist sozial so ein bisschen schwierig. Also beziehungsweise vor Kamera, der ist unsicher, der weiß nicht so genau, wie er sich geben soll, was er sagen soll. Es gibt ja so ein paar große SchauspielerInnen, bei denen ich es immer eigentlich total sympathisch finde, die nicht so gemacht sind für das Rampenlicht. Ja, genau. Als Keanu Reeves zum Beispiel, finde ich, ist auch so ein Typ, der sitzt in einer Talkshow und du denkst die ganze Zeit, ey, bitte lass den weg, lass den raus, lass den fliehen, er will doch nur raus. Oder Kristen Stewart ist auch so ein Beispiel, die sitzt dann da und spielt so ein bisschen verschämt an ihren Fingern und guckt so nach links und rechts und lacht so verhalten über die Gags von dem entsprechenden Late-Night-Host, der sie gerade interviewt, aber kann selbst nicht so wirklich Witze machen, ist einfach nicht so eine Impro-Witzereißerin. Und ich finde es immer total sympathisch, introvertierte, schüchterne Menschen in Talkshows zu sehen. Extrem awkward, aber auch irgendwie nett. Und so ist Roa Kween Phoenix auch,
Johannes Franke: deswegen ist der Unterschied gar nicht so groß. Ich finde halt, dass Letterman da sehr gut drauf einsteigen kann, dass er das halt irgendwie schafft. Einfach lean in in this situation. Also du kannst nicht dagegen arbeiten, du musst da mitarbeiten. Und das hat Letterman immer sehr gut drauf gehabt.
Florian Bayer: Ich würde auch sagen, das ist eines der wichtigsten Talente von guten Late-Night-Hosts. Sie haben im Jahr so viele Gäste und die sind so unterschiedlich, die Leute. Sie haben die extrovertierten Lauten, die sich nach vorne spielen, die Rampensäue. Sie haben die introvertierten Stillen, sie haben die, die saulustig sind, sie haben die, die nur ernst sind. Und sie müssen es irgendwie schaffen, aus jedem Gast das Beste rauszuholen und drauf einzugehen. Und wahrscheinlich das wichtigste Talent für einen Late-Night-Host. Und Letterman war wahrscheinlich der Beste da drin. Von allen. Also man kann sagen, die, keine Ahnung, die Stand-Up-Routinen von anderen Late-Night-Hosts sind cooler. Einige Late-Night-Hosts sind mehr auf Zack, was so Impro betrifft, und sind witziger. Zum Beispiel Conan. Aber Letterman war wahrscheinlich der Beste, wenn es darum ging, auf Gäste einzugehen. Spannend.
Johannes Franke: Der Vergleich mit Andy Kaufmann ist halt ein bisschen das, was mir dann das Gefühl gab, dass man vielleicht als Joaquin Phoenix mehr hätte machen können mit der Öffentlichkeit. Weil es sind ja wirklich nur diese vier großen Dinger, wo er wirklich in der Öffentlichkeit war und da mit den Leuten gespielt hat oder eben nicht mit den Leuten gespielt hat. Er hat gar nicht so viel gemacht. Der hat Interview gegeben, ganz am Anfang zu sagen, das ist übrigens mein letzter Job hier, ich mache nicht mal weiter. Okay, das war eine normale Interviewsituation. Und dann bei Letterman hat er ja mehr in sich reingebrabbelt und den Verdruckten gegeben. Er hätte auch ein paar scharfe Ansagen machen können, wie er das mit seinem Team gemacht hat und das Rest des Films. Ich glaube, das kann er nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, das konnte er nicht. Und da kommt vielleicht dieses Introvertierte raus, dass sie vielleicht auch während der Produktion gemerkt haben oder schon vor der Produktion sich darüber abgesprochen haben, dass sie gesagt haben, okay, Joaquin Phoenix ist nicht der Extrovertierte und ist nicht die große Rampensau. Der kann das einfach nicht überzeugend machen oder will es nicht machen, so exzentrisch und laut in der Öffentlichkeit zu spielen. Und deswegen packen wir das alles in die Filmhandlung und hauen da auf die Kacke. Nicht im improvisierten Zusammenspiel mit anderen Leuten, die nicht eingeweiht sind, sondern in unseren geschauspielten Szenen. Und das machen sie dann ja auch.
Johannes Franke: Ja, da hauen sie voll auf die Kacke.
Florian Bayer: Ganz viel in diesem Film sind halt diese gestageten Szenen, wo sie voll auf die Kacke hauen. Wir kriegen sehr viele Penisse zu sehen. Oh Gott, es gibt so viele Penisse. Meine Güte. Das ist ein sehr penislastiger Film. Ziemlich am Anfang haben wir diese Prostituierten-Szene, wo du denkst, what the fuck, wo sie sich zwei Prostituierte holen und dann die Party feiern.
Johannes Franke: Was fast noch fast, aber nur fast schlimmer ist, ist, wir sehen ja vorher den Typen, der erzählt, ja, er gehört jetzt zum Team dazu, er wohnt da jetzt so ein bisschen, hat aber eigentlich gerade so einen Entzug hinter sich. Er hat zu viel Alkohol und so. Und ja, er spielt das sehr, sehr gut, finde ich. Und dann gibt es diese Szene, kurz bevor die Prostituierten kommen, wo er von Joaquin Phoenix fast schon genötigt wird, aber widerstehen kann, aber so saugemacht dafür, dass er nicht mit ihm Drogen nimmt. Ja. Dass er nicht mit ihm irgendwie Party macht und nicht ausrastet. Was total, so eine totale Arschlochnummer ist, was total krass ist, was natürlich die Figur des Joaquin Phoenix dieses Films total klar macht. Und sofort einem klar ist, okay, da geht der Weg lang. Vorher ist noch so ein bisschen Geplänkel, aber da wird es richtig hart. Und dann bestellen sie halt die Sexworkerinnen und dann geht es nur noch downward.
Florian Bayer: Ja. Er hat ja so seine Crew, also diesen Anthony Langdon, der ist Liedsinger von einer Indie-Rockband Space Hawk. Und dann diesen Larry McHale, der auch so ein Kumpel ist, der wirklich alles mitmacht dann irgendwann. Und die hängen irgendwie so aufeinander. Die sind so die Clique dann. Und man merkt, also es gibt so diesen untergründigen Humor. Da ist jetzt ein Weißer, der irgendwie versucht, dieses Ich und die Gang Hip-Hop-Style nachzumachen und zu mitieren. Das heißt, viele Drogen, viel Sex, viel Alkohol. Tatsächlich finde ich es ein bisschen störend, dass wir so diesen großen Batzen im Film haben, der einfach nur ist. Sie inszenieren den Exzess und sie inszenieren dieses toxische männliche Verhalten. Und es zieht sich dann auch teilweise. Es ist halt wirklich, es ist wirklich ein Großteil des Films. Und wenn man so dieses Letterman-Interview, dieses Letterman-Interview in Erinnerung hat oder die Gespräche mit P. Didi, das ist halt wirklich nur ein kleiner Teil des Films. Und Großteil ist einfach, ein paar Jungs hängen rum, zwingen sich gegenseitig die Schwänze auszupacken, tanzen mit Prostituierten und saufen die ganze Zeit. Das ist so sehr viel.
Johannes Franke: Das macht der Film aus. Und Rumgeschreie. Da kommen wir schon zum nächsten. Ich dachte, wir sind viel langsamer, aber wir sind sehr schnell in diesen schwierigen Dingen des Films. Ich dachte, wir feiern viel länger drüber und dann kommen so ein bisschen kleine Kritik. Aber das ist der nächste große Punkt, den ich habe auch, für den du gerade ansprichst. Das Gefühl zu haben, wie bei einem Kriegsfilm, Antikriegsfilm, dass man anfängt, sich zu sehr darin zu gefallen, diese Szenen zu haben und zu zeigen. Und zu sehr diese Bro-Culture dann zu feiern fast.
Florian Bayer: Und dann müssen wir ja eigentlich zu den Produktionsnotizen kommen. Nämlich nicht nur die Schauspieler, die da drin sind, haben diese Bro-Culture gefeiert, sondern auch der Regisseur, Casey Affleck, der nach der Produktion des Films von zwei Frauen vom Set, und zwar der Produzentin Amanda White und der Kamerafrau Magdalena Gorka, verklagt wurde,
Johannes Franke: wegen sexueller Belästigung. Ja, und auch gleichzeitig mit, dass sie sich nicht an Absprachen gehalten haben und so, dass irgendwie viel vorher klargemacht wurde, was dann später einfach ignoriert wurde. Ja. Haben sie das dann außergerichtlich irgendwie geklärt? Das wurde dann gesettelt, aber was dabei rausgekommen ist, weiß man nicht so genau. Also ich habe nichts gefunden darüber dann, wie das am Ende ausgegangen ist und ob es dann nochmal irgendwelche Kommentare dazu gab. und es gab ja auch Leute, die gesagt haben, es gehört zum Film. Ja, aber das kannst du nicht bringen.
Florian Bayer: Darüber haben wir ja auch schon öfter geredet, wenn du jemanden sexuell, du belästigst keine Schauspieler sexuell und sagst, es gehört zum Film.
Johannes Franke: Nein, ich meine nicht. Oder keine Crewmitglieder oder so. Nein, ich meine, dass sie das sagen, gehört am Ende zum Film. Ach so. Wie ja auch die Veröffentlichung, das Geheimhalten und das alles, was drumherum in der Öffentlichkeit passiert, das irgendwie zum Film gehört.
Florian Bayer: Naja, ja. Nee, aber es war ja kein Stunt. Das waren ja wirklich Frauen, die verletzt wurden in dem Moment. Naja,
Johannes Franke: das ist halt das, was infrage gestellt wurde von manchen.
Florian Bayer: Ja, aber das definitiv nicht. Es gibt ein Nachspiel und zwar hat Casey Affleck hat sich nochmal dazu geäußert, 2018. Oh. Und zwar, als diese MeToo-Geschichte hochgekocht ist und es wieder um Misbehavior in Hollywood ging und ich weiß nicht, was die beiden, die ihn angeklagt haben, damals nochmal dazu gesagt haben. Ich finde, es ist tatsächlich eine ganz spannende Geschichte zum Thema männliche Redemption-Arc.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und zwar hat er gesagt, I contributed to that unprofessional environment and I tolerated that kind of behavior from other people and I wished that I hadn't and I regret a lot that I behaved in a way and allowed others to behave in a way that was really unprofessional and I'm sorry. Kein But nachgeschoben. Kein But? Wow. Schön. Das ist gut. Und ohne dass das entschuldigt das erstmal jetzt nicht, natürlich, was da passiert ist und aber es ist eine gute Reaktion. Ich meine, acht Jahre zu spät,
Johannes Franke: aber es ist eine gute Reaktion. Aber bezieht sich er mit dieser Aussage auf die Dreharbeiten eindeutig? Ja, er hat, also er redet davon,
Florian Bayer: es geht in dem Interview darum, dass er sich, wie er sich während der Prozesse verhalten hat und dass er damals eher so nach Ausreden gesucht hat und er sagt, okay, und er sagt, er sagt eigentlich vorher in dem Interview, es war falsch, wie ich mich damals bei den Prozessen verhaltet habe und ich war zu sehr in der Defensive und ich habe zu sehr versucht, das alles wegzudrücken und habe nicht gesehen, dass ich mich da falsch verhalten habe, aber offensichtlich sind da Sachen passiert, wo wir uns falsch verhalten haben. Ich versuche da aktiv dran zu arbeiten und ich habe da auch dran gearbeitet. Also es ist schon, für mich klingt es wie so ein Knowledgement, dass da vieles falsch gelaufen ist beim Dreh und dass sie diese Stimmung, die sie am Set machen wollten, dass sie dafür einfach Grenzen überschritten haben, die man nicht überschreitet.
Johannes Franke: Okay. Joaquin Phoenix wird nicht erwähnt, Großen?
Florian Bayer: Nee. Aber es wird, also der Anthony Lenken, der wurde wohl nochmal explizit genannt von der Kamerafrau. Die sagt auch, dass da auch Affleck dabei war und den nochmal angetrieben hat.
Johannes Franke: Das heißt,
Florian Bayer: wir können davon ausgehen, dass Joaquin Phoenix das mitgekriegt hat, weil, also ich meine, die waren ja meistens dann auch zusammen.
Johannes Franke: Ja, es gab ja kaum Szenen ohne Joaquin Phoenix.
Florian Bayer: Genau. Aber er wird, sein Name wird tatsächlich nicht genannt da drin, das ist deswegen schwer zu sagen. Ich stelle mir das Ganze so vor, dass es einfach ein ungesundes Umfeld entstanden ist, dadurch, wie sie sich alle verhalten haben, dass sie auch das so als Method Acting verstanden haben, dass sie sich gegenseitig befeuert haben und dann hatten sehr viele Jungs sehr viel Spaß und dann haben halt die zwei Frauen, die dabei sind oder die drei Frauen haben halt wenig Spaß und die werden dann halt einfach Opfer von sexuellen Übergriffen. Okay.
Johannes Franke: Das wollen wir also in Zukunft möglichst vermeiden und wenn Casey Affleck das verstanden hat, wie er das so sagt, dann umso besser. Aber unabhängig davon, hättest du es gebraucht? Das ist das Problem, ich glaube nämlich nicht, also ich glaube, du brauchst so zwei Szenen, in denen das klar gemacht wird, aber dann kannst du doch auch die Welt vergrößern. Du bleibst ja dann völlig unnötig in deiner kleinen Welt, dieses Ruachin Phoenix, der vor sich hin wütet. Aber du könntest doch viel größer, du könntest doch viel mehr öffnen das Ganze. Das finde ich so schade an dem Film, weil tatsächlich wie du hatte ich mehr in Erinnerung, was da draußen drumherum passiert, wie die Medienwelt reagiert. Und es ist ja auch von Casey Affleck in den Interviews immer so, er sagt, wir wollten einen Film darüber machen, wie Stars von der Öffentlichkeit hergestellt werden, ohne dass sie es vielleicht so sind, wie sie dargestellt werden. Oder dass die Medien irgendwie etwas aufbauen, was nicht da ist. Dafür geht es mir aber viel zu wenig genau darum.
Florian Bayer: Ja. Und genau, das sind für mich die stärksten Momente des Films, wenn es um die Reaktion der Öffentlichkeit geht. Ja. Weil, dass das, was er macht, ein Stunt ist, das weiß ich. Und das weiß jeder, der den Film gesehen hat, weil das einfach kolportiert wurde, bevor der Film rauskam. Es war so klar, wir machen hier, wir zeigen hier, das hier ist eine Satire auf Hollywood oder auf Showbiz-Mechanismen. Und dafür ist es aber relativ wenig Satire auf Showbiz und vielmehr einfach, man schaut Leuten zu, die die Sau rauslassen. Und das wird als tragikomische Geschichte erzählt. Es gibt natürlich diese große Tragik, die irgendwie die ganze Zeit so mitschwingt, die mal stärker ist, mal schwächer. Zum Beispiel haben wir so nach diesen ganzen Party-Szenen und nach diesem ersten Treffen mit P. Diddy haben wir das Gespräch mit Edward James Olmos, der so als alter, alter, weiser Zauberer auftritt. Alter, weiser Zauberer. Sehr geil. Und mit Walkvill ein langes Gespräch führt, das vor allem dann in einen Monolog von ihm mündet. Und es ist einfach so, nochmal, du hast einen Buddhisten, der dir die Welt hat und dir sagt,
Johannes Franke: wie du zu leben hast. Das war übrigens wirklich geschrieben. Der Monolog existierte als vorher schriftliche Festlegung, was der sagen soll. Und ich finde ganz gut. Also auch gut rübergebracht. Ja. Also es ist natürlich, viel geht dann unter in dem, was sowieso. Ich glaube, da ist auch Sounddesign drüber, das irgendwie das Ganze ein bisschen untergehen lässt, weil Joaquin eine ganz andere Gedankenwelt dann hat. Aber es ist wirklich gut. gut inszeniert und gut rübergebracht.
Florian Bayer: Das ist einer von zwei sehr intimen Momenten des Films. Auch wenn das ein bisschen Bullshit ist, was er da nahm hat. Das vergisst man so ein bisschen, weil es halt die ganze Zeit dieses Weisheit gewabert drumherum hat.
Johannes Franke: Aber es ist eigentlich
Florian Bayer: ein ziemlich inhaltsleeres
Johannes Franke: Monologisieren. Aber genau dafür finde ich es eben tatsächlich sehr gut geschrieben. Also er redet davon, dass er ein Tropfen auf dem Berg, der dann runterfließt ins Tal und denkt, oh mein Gott, hier gehöre ich gar nicht hin. Ich gehöre gar nicht ins Tal. Ich gehöre da rauf. Und dann wird er irgendwann von der Sonne auf verdampft und geht hoch. Und zumindest ist das, was ich davon verstanden habe. Und das ist alles ziemlich Bullshit. Aber ich finde es so gut geschrieben und so gut dann gemacht. Die Inszenierung ist halt einfach auch cool,
Florian Bayer: weil wir einen sehr ruhigen Moment haben. Wir hatten davor sehr viel Action. Wir hatten die Partys. Wir hatten das Geschreie. Wir hatten die wirklich anstrengenden Gespräche mit PDD und dann haben wir plötzlich so einen ganz ruhigen Intim-Moment, wo fast nichts passiert.
Johannes Franke: Und das ist interessant, weil er ist der Einzige, der versucht ihm so ein bisschen einen Weg zu weisen und ihm so ein bisschen Vernunft beizubringen. Aber ganz vorsichtig, weil das ja sowieso alles Bullshit ist, was er sagt. Und das ist nicht wirklich ein Impact. Aber sein Versuch. Und PDD zum Beispiel sitzt ja auch nur fassungslos da, sagt aber dann doch, ja, ja, ich höre da schon ein Talent. Lass uns mal gucken. Vielleicht machen wir ja irgendwann mal doch was miteinander. Es ist so, PDD kann einfach nicht, kann nicht über seinen Schatten springen und sagen, Alter, das ist scheiße,
Florian Bayer: was du da tust. Es gibt ja so diese Storyline mit PDD, die eigentlich wirklich ganz cool gemacht ist, weil aus PDDs, ja, vielleicht könnten wir zusammenarbeiten übers Telefon wird dann von Roaquin die Aussage, ey, und ich lasse das von PDD produzieren. Und das geht dann raus in die Welt und das ist ihm voll unangenehm und er versucht das irgendwie einzufangen, was er natürlich nicht mehr kann. Und dann haben wir diese drei Gespräche mit PDD, dass damit endet, dass sie im Studio zusammensitzen und Roaquin sagt, okay, was machen wir als nächstes und PDD sagt so knallhart, ey, ist die Frage, was du als nächstes machst.
Johannes Franke: Du musst was machen. Es gibt kein Wir, es gibt ein Du, okay, das ist wirklich krass. Der Frust wird immer größer, ne? Also ich finde die Entwicklung dann dadurch aber auch wieder spannend. Also es gibt ja nicht nur diese Partyszenen und diese schlimmen Szenen, von denen es einfach zu viel gibt, sondern eben auch die Verzweiflungsszenen und das finde ich schon sehr gut. Nicht nur nach Letterman, sondern eben auch nach dem PDD sagt, du, das wird nichts mit uns. Und er wirklich so, und man echt so ein bisschen mitleidet mit ihm. Ich finde, er spielt das so gut, als dass man da nicht mitkommen müsste.
Florian Bayer: Wir haben ja so diese zweite große Storyline, die irgendwie so parallel läuft. Das ist mit seinem Verhältnis zu Anton. Er sagt, das ist mein Freund seit meiner Jugend. Und dann geschieht dieser Leak. Jemand aus dem Team hat gesagt, das Ganze ist nur ein Stunt, das ist ein Scherz. Und er fragt sich, wer das war und verdächtigt dann irgendwann Anton. Also es kommt zu einem Bruch zwischen den beiden. Und die Storyline hat natürlich total Potenzial für eine große Tragödie. Er will Kunst machen, er hat ein neues künstlerisches Fable entdeckt und er meint das todernst. Und die ganze Presse diskutiert darüber, ob er nur ein Spaßvogel ist, der sich hier eine Trollerei erlaubt. Und das sind die gestageten Momente, die ich am stärksten finde. Von den gestageten. Wenn er daran verzweifelt, dass die ganze Welt sagt, er macht hier nur Witze. Und er immer wieder sagt, ich meine es todernst und niemand nimmt mich ernst. Und es ist so schrecklich und ich komme nicht darauf klar. Und du hast gesagt, das wäre nur ein Witz. Ich mache doch keinen Witz. Ich meine es doch wirklich ernst. Das wird ja auch endlos wiederholt und immer wieder dasselbe. Und immer wieder kreist er darum, dass das alle sich über ihn lustig machen, der jetzt so der Clown ist und er doch eigentlich Kunst machen will.
Johannes Franke: Da gibt es noch eine zweite Szene, die ich so toll finde, wo er dieses Buch entdeckt, wo es um Träume geht und er da durchliest und in einem Tonfall da das liest, wo man die ganze Tragik seiner Figur durchhört, so großartig gespielt ist. Ich finde es ganz, ganz, ganz toll. Und dann Undercut mit dem Paintball-Spiel, was er da irgendwie so ein bisschen militärisch durchläuft. Ich finde, das ist so eine großartige und starke Szene. Das ist wirklich toll. Aber vor allem eben, weil Joaquin Phoenix so wahnsinnig gut spielt.
Florian Bayer: Es ist ganz viel von dem Film, wird getragen einfach von Joaquin Phoenix, wenn die Kamera einfach nur an ihm dran ist und wir so seine Verzweiflung sehen und diese Tragödie halt unter der Satire zum Vorschein kommt. Und diese Tragikgeschichte ist es ja auch, die dann eigentlich fast schon den Film übernimmt.
Johannes Franke: Ja, nicht nur fast schon. Also eigentlich am Ende bleibt für mich der Film eine Tragödie eines gescheiterten Versuches, seiner Leidenschaft nachzugehen. Gar nicht mehr die Satire der Medien oder sowas. Wo es nochmal komplett albern und infantil wird,
Florian Bayer: wenn Anton auf ihn draufkackt. Oh, fuck, Alter. Warum? Was soll diese Szene? Haben sie, also da hatte ich das Gefühl, hat Casey Affleck gedacht, wir brauchen noch ein bisschen mehr Fäkalhumor, lass uns mal das hier noch einbauen.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist das, wo sie alle wirklich berserk gegangen sind. Das ist der Höhepunkt dieser Bro-Culture-Problematik. Wo man wirklich denkt, okay, jetzt gefallen sie sich so gut darin, dass das hat so seinen Höhepunkt darin. Es ist auch nicht glaubwürdig, ne?
Florian Bayer: Also der Konflikt mit Anton war irgendwie so glaubwürdig und es gibt einfach für mich, es gibt keine Motivation für die Figur, das zu machen. Nein, überhaupt nicht. Und es gibt für mich auch keine Motivation, der Handlung, keinen Sinn in der Handlung, das einzubauen. Und das ist so der Höhepunkt der Albernheiten. Und dann haben wir, sehe ich auch, dann haben wir wirklich so den Fall ins Tragisch und dann gibt es ja nochmal eine Pipi-Kacka-Szene, die traurig ist einfach, nämlich das Kotzen nach dem großen Auftritt, der schiefgelaufen ist. Die funktioniert auch, finde ich, super innerhalb der Handlung. IMDb, unsere beste Seite für Fakten, sagt, dass Roarqueen Phoenix das angeblich echt gekotzt hat, weil er es dazu in der Lage ist, einfach nur mit seinen Fingern... Ohne seine Finger. Ohne seine Finger sogar.
Johannes Franke: Ohne seine Finger zu benutzen, in den Rachen zu schieben, kann er Kotzen einfach auf Knopfdruck. Ja. Okay, eine Fähigkeit, die man als Schauspieler auf seine Vita schreiben kann. Ich würde zumindest ein Fragezeichen dran packen,
Florian Bayer: kann man ja immer mal machen bei IMDb-Fakten. Weiß man nicht genau, ne? So IMDb-Trivia muss nicht unbedingt stimmen, aber die Kotze sieht sehr echt aus und die Zähne wirkt auch sehr echt.
Johannes Franke: Absolut. Und sehr folgerichtig. Ich finde es total gut. Ich finde es auch super, dass es direkt nach Letterman einfach eher so fertig mit den Nerven ist. Aber, wie gesagt, ich glaube, dass er bei Letterman einen zackenschärferen Ton hätte zwischendurch haben können, weil er so, er war den ganzen Film über, ist er so angekotzt davon, dass ihn keiner ernst nimmt, dass er da eigentlich hätte rausbrechen müssen. Einmal kurz wenigstens. Ey, es ist stattdessen einfach nur awkward, ne? Ja, ja.
Florian Bayer: Letterman bringt es eigentlich auf den Punkt, sagt, tut mir leid, dass wir dich heute nicht bei uns haben konnten.
Johannes Franke: Er ist so gut. Letterman ist so, ich liebe das. Letterman ist super. Naja, aber genau das ist so ein bisschen der Schwachpunkt an der Stelle, wo ich denke, ja, okay, da hätte vielleicht mehr kommen können, sollen müssen. Aber wie er dann damit umgeht, was es mit ihm macht, finde ich vollkommen folgerichtig und geht ja dann auch direkt ins tragische Ende quasi über.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und der Film hätte ja gar nicht gebraucht, dass irgendjemand sagt, das ist gestaged, weil spätestens, aller, aller spätestens, wenn er seinen Vater besucht und dabei nicht seinen Vater besucht, sondern den Vater von Casey Affleck.
Florian Bayer: Der übrigens auch ein sehr schwieriges Verhältnis mit seinem Vater hat. Ja. Der Alkoholiker war. Und ihm dann Alkohol vor die Nase gesetzt hat für die Szene. Aber so laut Afflecks Aussagen war es ja auch so ein bisschen so ein Test. Er stellt ihm das Bier hin, weil er will, dass sie einfach nur ruhig da sitzen und er hofft, dass sein Vater das Bier nicht anrührt, weil sein Vater seit zehn Jahren oder so angeblich trocken ist.
Johannes Franke: Ja, ja. Und der Vater ja dann auch gesagt hat in den Dreharbeiten, also nicht im Film, aber hinter der Kamera gesagt hat, du weißt, dass ich das nicht trinken kann, oder? Und dass sie aber sonst nie darüber geredet haben, dass er alkoholabhängig ist. Und das so der erste Moment ist für Casey Affleck laut seinen Aussagen. Da sind sie am nächsten drangekommen, mal über den Alkohol, über die Alkoholabhängigkeit zu reden. Was krass ist, was auch ein emotionaler Moment gewesen sein muss für ihn.
Florian Bayer: Dieser Schluss, der relativ lang ist, dann tatsächlich noch so fünf, zehn Minuten. Ja, krass, ne? Und zwar flieht Rorke wie ein Phoenix, nachdem sein Auftritt komplett in die Hose gegangen ist und er sich auch vor der Bühne mit Fans geprügelt hat. Ja, vielleicht war er da auch ein bisschen drüber. Also, der Film. Er flieht nach Südamerika, wo sein Vater lebt. Irgendwohin auf jeden Fall, wo viel Natur ist.
Johannes Franke: Viel Natur und ein Fluss und ein Wasserfall. Genau. Dann haben wir eine Szene,
Florian Bayer: wie er mit seinem Vater einfach nur still da sitzt und sie schweigen sich einfach nur an. Und dann haben wir, wie er in den Fluss steigt und durch den Fluss wartet und zwar auch sehr lange.
Johannes Franke: Sollte noch länger sein. Ja, die haben das noch weiter eingekürzt. Ich hätte auch das längere wahrscheinlich genommen. Ich finde es total gut. Ich finde auch, wie er da mit seinem Vater da sitzt, total großartig. Also, das Erste, was ich mir gewünscht habe, als der Umschnitt kam auf diese Situation, habe ich mir gewünscht, bitte sagt keiner ein Wort. Bitte auf gar keinen Fall diese Situation kaputt machen mit irgendwelchen Worten. Das ist großartig.
Florian Bayer: Ja, und es unterstützt halt auch wirklich so die Tragödie, was wir dann am Schluss erleben, sind wirklich diese zehn Minuten noch einfach schweigen, einfach stille und natürlich sehr poetisch dieses Bild von ihm, der durch dieses brusthohe Wasser wartet, von der Kamera verfolgt und da irgendwo tief in den Dschungel hineingeht.
Johannes Franke: Und dann einfach im Wasser verschwindet und weg ist er. Also, ich finde, dass die Tragödie dieses Films total gut ist. Das macht den Film für mich stark und daran, da reden die meisten im Internet vollkommen dran vorbei. Ja. Irgendwie hat der Film sich wahrscheinlich selbst keinen guten Gefallen damit getan, diese krasse Tragik damit zu kolportieren, dass sie eine Satire rausbringen wollen.
Florian Bayer: Ich glaube, also für mich ist der Film, es ist ein Beispiel von einem Film, der eher durch seinen Kontext stark ist. Also, was das Satirische betrifft, definitiv. Alles, was drumherum passiert ist um diesen Film, ist irgendwie total witzig und total geil. Vergleichbar mit Blavage Project. Blavage Project ist auch ein Film, der durch diese Webseiten, durch diese Diskussionen sind Schauspieler oder sind da wirklich Leute verschwunden und da gibt es so ein paar Schnipsel zum Suchen, der dadurch irgendwie so eine runde Sache wurde. Und auch dieser Film hat eigentlich im Kontext mehr Stärken als im Film selbst, weil, wie ich schon festgestellt, die besten Sachen, die man im Film sehen kann, dafür müssen wir nicht den Film sehen. Dafür können wir
Johannes Franke: David Letterman gucken, dafür können wir
Florian Bayer: irgendwelche Hollywood News gucken und irgendwelche Interviews von ihm. Nichtsdestotrotz rettet das Dramatische und das Tragische am Schluss noch mal sehr viel davon und gibt dem Film noch mal eine gewisse Stärke. Ich glaube, es wäre gut gewesen, wenn das zwischendrin mehr gepusht worden wäre. Ja, ne? Wenn er sich nicht so sehr auf diese Pipi-Kacker-Witze gesetzt hätte
Johannes Franke: und auf diesen infantilen und pubertären Humor. Ja. Also ich meine, natürlich muss man den Exzess zeigen. Das finde ich schon okay. Du brauchst es halt nicht drei Szenen, vier Szenen lang, sondern du brauchst es halt vielleicht ein, zwei Szenen lang in der Entwicklung. Ja. Dass man sieht, dass er wirklich seine Leute anschreit, dass er sie versucht, dazu zu zwingen, mit ihm Party zu machen, obwohl die überhaupt keinen Bock haben. Das finde ich schon richtig und das ist ja auch sehr realistisch. Natürlich, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Aber du kannst den Exzess weniger redundant und weniger lang. Ja, ja, ja, genau. Also ich meine, ja, er will, es kommt halt dazu, er will natürlich eine Mockumentary sein, aber vielleicht wäre es auch dann das gewesen, konsequent zu sagen, ich bin jetzt wirklich eine Mockumentary, das heißt, wir gehen auch raus in die Welt und spielen viel mehr damit, dass wir irgendwie einen Gegenspieler oder eine Gegenspielerin haben, die nicht weiß, dass das hier fake ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Oder man sagt, wir inszenieren doch ein bisschen mehr, ich weiß es nicht. Die Mischung ist auf jeden Fall da, funktioniert eigentlich dann letzten Endes auch irgendwie. Aber manchmal wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, in eine Richtung konsequenter zu sein. Entweder als Mock oder als Tragödie.
Johannes Franke: Na, wie du schon vielleicht richtig festgestellt hast, kann Joaquin Phoenix vielleicht mit diesem Gegenspieler, der nichts weiß, ist nicht viel anfangen. Er hat ja auch nicht umsonst David Letterman vorher gewarnt. Ja. David Letterman klang auch im Interview so, als wenn Joaquin Phoenix einfach nicht in der Lage ist, andere ins Messer laufen zu lassen. Ja. Dass der wirklich sagt, ich schulde es den Beteiligten irgendwie, dass sie wissen, wo sie da mitmachen. Dass man niemanden irgendwie böse sozusagen mitspielt. Ich hab das Gefühl,
Florian Bayer: also wenn ich Joaquin Phoenix jetzt so in Interviews erlebe und so in den Medien, das ist ein extrem schüchterner Mensch, ein irritierter Mensch, der auch so ein bisschen awkward rüberkommt. Und deswegen ist es schon ein extremes über den Schatten springen, dass er das überhaupt gemacht hat. Ja, ja, total krass. Aber dann wollte er es wahrscheinlich auch nach seinen Regeln machen und es gibt so diesen krassen Gegensatz zwischen Joaquin Phoenix als Mensch in den Medien und als Schauspieler, weil er spielt ja die extremen Rollen. Er spielt ja ständig so exzessive, krasse Rollen. Ja, total. Wie in Joker, so das Beispiel, was man am ehesten kennt wahrscheinlich, wo er ja wirklich krass irgendwann exzentrisch spielt. Und er wird jetzt, er wird Napoleon spielen. Von Ridley Scott, der kommt die nächsten Jahre irgendwann ins Kino. Ja. Er ist jemand, der beim Schauspielern komplett rausgehen kann aus seiner Hunden, was abliefern kann, was man ihm so nicht zutraut,
Johannes Franke: wenn man ihn in Realität sieht. Ja. Ich kann es total nachvollziehen und total nachfühlen, dass man eigentlich nichts mit der Öffentlichkeit zu tun haben will oder nicht dieses ganze den Wirbel drumherum einfach lassen will, sondern einfach nur seine Arbeit machen möchte. Und innerhalb der Arbeit dann auch in den Exzess zu gehen, ist ja auch ein gutes Gefühl. Ja. Vor allem, weil das ja auch das Umfeld ist, in dem man gesichert ist. In dem man einem gesicherten Rahmen Sachen erleben darf, in einem Exzess zum Beispiel, die man sonst nicht erleben würde. Und wenn man dann plötzlich ein paar Seile kappen muss und dann kein doppeltes Netz mehr da ist, wo ist der Sinn dann noch, wo liegt das, was ich eigentlich am Schauspieljob haben wollte? Das hat ja nichts mehr damit zu tun. Ja. Das finde ich schon, total nachvollziehbar. Das ist wahrscheinlich auch einfach
Florian Bayer: dieses Stardom und diese Celebrity-Begeisterung, die es in den USA gibt, um ganz Hollywood herum herum, die halt einfach so läuft. Wenn du bekannt bist durch irgendwas, was du künstlerisch gemacht hast, sei es Film, sei es Musik oder sonst was, dann stehst du in der Öffentlichkeit, ob du willst oder nicht und dann bist du irgendwie ein Teil von diesem Kult und dann musst du gucken,
Johannes Franke: wie du damit umgehst. Ja. Ja und die meisten versuchen natürlich irgendwie wenigstens ihre Privatseite rauszuhalten, indem sie nichts über ihre Familie erzählen oder sonst irgendwie was. Aber hm. Das gelingt den meisten ja nicht wirklich. Ja. Also ja.
Florian Bayer: Vielleicht war es auch von Ruahqueen Phoenix tatsächlich eine Reaktion darauf. Ich meine, er war gerade so auf einem total aufsteigenden Ast und dachte sich dann, oh, ich habe keinen Bock da drauf. Ich habe gerade so viele Interviewtermine, ich muss zu so vielen Shows. Ja. Ich muss irgendwie, ich muss damit irgendwie anders umgehen. Es macht gerade keinen Bock mehr. Hey Casey,
Johannes Franke: lass uns mal zwei Jahre Spaß haben. Obwohl er auch im Interview gesagt hat, das hat er nicht erwähnt, sondern er hat im Interview gesagt, dass seine Faszination damit irgendwie, dass man als Zuschauer davor sitzt vor so einem Fernseher und bei einem Reality-Format tatsächlich glaubt, dass das gerade echt ist und passiert. Das war sein eigentlicher ursprünglicher Gedanke für den Film. Ja. Warum glauben die das, was da passiert? Das ist doch alles gescriptet und wird halt als Reality hingestellt in der Form der Aufbereitung. Aber eigentlich ist es genau das Gleiche wie alle anderen fiktionalen Formate. Ja. Und ich kann den Gedankengang auch total nachvollziehen und ich würde sogar noch weiter gehen, dass selbst die Dokumentarfilme, die veröffentlicht werden, auf einem Spektrum der Inszenierung liegen. Ja. Weil man, schon wenn man eine Kamera aufstellt und einen Ausschnitt wählt und damit festlegt, dass das McDonalds-Symbol an der Seite nicht mit drin ist, hat man eine Form von Inszenierung. Ja. Und dann zu glauben als Zuschauer, dass man da was vor sich hat, was die pure Realität ist, das funktioniert natürlich nicht. Und dann zu denken, okay, ich mach mal so einen Film, der damit spielt, finde ich auch vollkommen nachvollziehbar.
Florian Bayer: Ja. Es gibt ja diese Theorie des naiven Dritten. Ich weiß nicht mehr genau, wie sie heißt, so heißt sie nicht. Aber ich nenne sie jetzt einfach mal so. Und zwar, dahinter steckt der Gedanke, dass wir Spaß an sowas haben wie Reality-TV oder auch sowas, weil wir uns einen imaginären Zuschauer vorstellen, der das alles für bare Münze nimmt und uns das erhebt. Aha. Und diese Theorie sagt, es gibt diesen naiven Zuschauer gar nicht. Alle wissen, dass das inszeniert ist. Aber uns macht das erst Vergnügen, wenn wir uns diesen naiven Zuschauer denken. Ah. So funktioniert Wrestling, so funktioniert Reality-TV, so funktionieren Horoskope. Ja. Keiner glaubt an Horoskop, also zumindest die in den TV-Zeitschriften. Aber du liest sie aus Spaß, weil du die Vorstellung hast, irgendjemand liest das und glaubt da wirklich dran. Und das ist eigentlich nur so ein imaginärer Naivling, der gar nicht existiert. Ja. Und wenn ich mir den Kontext von dem Film angucke, also was ich so geguckt habe, was so drumherum an Schnipsel entstanden ist in den Medien, hatte ich ausgefühlt, dass die meisten eigentlich das Spiel mitspielen und es lustig finden, darüber nachzudenken, dass das jemand für echt nehmen könnte. Aber eigentlich war allen Beteiligten klar, dass das ein Stunt ist.
Johannes Franke: Also ich hab ein paar Bewertungen auf IMDb gelesen. Leute, die dann glücklich geschrieben haben, ja, hat mir gefallen, weil oder hat mir nicht gefallen, weil. Und da waren schon echt Kommentare dabei, die nicht nur überhöht irgendwie gedacht haben, ja, ich hab ja gewusst, dass es ein Stunt ist, aber die armen Leute, die es nicht gewusst haben, sondern es gab echt Leute, die gesagt haben, oh, der arme Schauspieler. Trolle. Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Oder es ist Pension of Disbelief. Das spielt natürlich auch eine große Rolle, dass dir sowas Spaß macht, indem du einfach dein Wissen ausschaltest. Deswegen funktioniert, um das nochmal zu deinem Wrestling so gut. Weil du da sitzt im Publikum, natürlich weißt du,
Johannes Franke: dass die alle noch eine Show abführen. Oh nein, willst du wieder
Florian Bayer: eine Wrestling-Geschichte auspacken? Aber nein, ohne was konkret zu sagen, ganz universell beim Wrestling. Das ist einfach so, alle gucken, dass alle wissen, dass es gestellt ist und alle schaffen es trotzdem mitzufiebern. Einfach, also solange sie Wrestling mögen, einfach, weil du eben diese Fähigkeit hast, das Pension of Disbelief funktioniert ja auch bei jedem komplett fiktionalen Film.
Johannes Franke: Wenn ihr einmal das Gefühl habt, Plur was Gutes tun zu wollen, ihm irgendwie zum Geburtstag gratulieren wolltet, schickt ihn ganz viele Wrestling-Memes. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Wrestling-Action-Figuren, bitte. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes, ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever,
Johannes Franke: was sie auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen,
Florian Bayer: dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell, wieder zurück ins Gespräch. Okay, es gibt noch mehr Talking Points. Ich habe noch mehr aufgeschrieben, weil der Film natürlich durchaus thought-provoking ist. Man hat schon das Gefühl, danach reden zu müssen über irgendwie was. Ich finde es sehr gut, dass er diese tragische Komponente mit reinnimmt, um noch einen anderen Spin zu haben, damit er nicht nur als Buch funktioniert oder als Verarschung, in Anführungsstrichen. Ich finde es spannend, dass es Filme gibt, die im Erscheinen, das ist natürlich mit ganz alten Filmen besonders stark so, aber auch neuere Filme, wie dieser, die so ganz stark in der Zeit verhaftet sind, in der sie erschienen sind. Affleck wollte ja nicht sagen, das ist alles Fake, bevor der Film erschienen ist. Er wollte ihn erscheinen lassen. Dann gab es ein Interview mit The Guardian, glaube ich, wo sie ihn irgendwie versucht haben, es rauszukitzeln und er dann irgendwie so rumgedruckst hat und gesagt hat, können wir vielleicht in drei Wochen nochmal drüber reden? Was ich sehr, sehr süß fand. und er wirklich wollte, dass die ersten Zuschauer den Film sehen, ohne zu wissen, dass es Fake ist. So. Und genau in dieser ersten Woche, in der es noch nicht ganz klar war, ist der Film für sich das, was er sein sollte. Danach schon nicht mehr. Wow. Oh ja, ja, ja, das finde ich gut. Da gehe ich mit.
Florian Bayer: Das heißt, er hat ein extrem kleines Zeitfenster. Total kleines Zeitfenster. Und setzt auch ein extrem unbedarftes Publikum voraus in diesem Zeitfenster. Ja, auch das. Und ich glaube,
Johannes Franke: Affleck ist da sehr naiv gewesen. Und sein Bruder und Matt Damon, die auch Bescheid wussten, haben versucht, ihn davon abzuhören. Haben gesagt, du musst, bevor das Ding veröffentlicht wird, den Leuten sagen, dass das ein Spoof ist, damit die in on the Joke sind. Weil wenn die reingehen in den Film und nicht in on the Joke sind, dann fühlen die sich beleidigt und mögen den Film nicht. Das heißt, du musst denen das vorher sagen, damit die dann reingehen können und sich darüber beäumeln können, den naiven Dritten, wie du sagst, zu sagen, okay, wer das glaubt, also hihi, ich weiß ja, dass es nicht so ist. Weißt du? Ja, vielleicht. Aber Casey Affleck wollte unbedingt diese Woche lang dieses spitze Zielpublikum erreichen. Und ich weiß nicht, ob es eine gute Entscheidung war, keine Ahnung. Aber es ist schon krass, dass dieser Film quasi nur eine Woche lang funktioniert hat und danach was völlig anderes geworden ist.
Florian Bayer: Das ist ja auch ein Film, über den mehr geredet und diskutiert wurde, als dass er geguckt wurde. Er hat ja nicht so viel Geld eingespielt.
Johannes Franke: Nee, überhaupt nicht. 700.000 fast. Ja. Aber 700.000 in der ersten Woche? Ja. Und 700.000 eben wirklich bis 2021. Das ist also nicht innerhalb von so einem oder zwei Jahren Ausbeute, sondern wirklich hätte lange warten müssen, um überhaupt das zu erreichen.
Florian Bayer: Und das ist wahrscheinlich auch das Schicksal von diesem Film.
Johannes Franke: Das ist traurig.
Florian Bayer: Das ist eigentlich so, dafür ist er auch irgendwie gemacht. Das ist ein Film, über den mehr geredet wird, als dass er geguckt wird. Und du hast, also das ist jetzt ein sehr hartes Urteil. Ich werfe es trotzdem mal in den Raum. Ja. With all respect. Ja. Es ist ein Film, von dem du vier, fünf, fünf Minuten Schnipsel gesehen hast und den Kontext drumherum gelesen und dann hast du ihn gesehen. Du musst, der Film ist ja ziemlich lang. Nein, nein, nein, nein, nein. Moment, langsam, langsam. Lass mir Gedanken zu Ende führen. Der Film dauert 106 Minuten. Okay. Ich glaube, es reicht davon 20 Minuten zu sehen. Nein. Und die musst du nicht in dem Film sehen, sondern die kannst du so, so die Schnipsel kannst du sehen, dann hörst du noch so zwei Idioten wie uns drüber reden und guckst dir noch das Letterman-Ding an,
Johannes Franke: dann bist du durch. Ich glaube, da ignorierst du die ganze Tragik dieses Films, diese drunterliegende Tragik. Denn ich kann den Typen, der nicht Joaquin Phoenix ist, aber den er spielt, total verstehen. Stell dir vor, du bist Elektriker geworden, weil deine Eltern gesagt haben, du musst Elektriker werden. Du willst aber einen Tisch bauen. Dein Leben lang musstest du Elektriker sein, weil du das gelernt hast, weil du dann gesagt hast, mach das. Das ist doch scheiße. Und dann wirst du auch noch gefeiert als Elektriker, weil du besonders gut bist, aber du willst das eigentlich nicht machen. Du willst einen Tisch bauen, verdammt nochmal. In welcher Welt werden Elektriker gefeiert? Ich weiß es nicht. Und du bist ein besonders guter Anwalt und hast ganz viele Leute rausgehauen. Und du willst aber eigentlich nicht, du willst einen Tisch bauen. Weißt du, was ich meine? Ja, ich weiß, was du meinst. Und ich kann ihn total verstehen. Natürlich ist das wie er es macht, totale Kacke und total scheiße und er rastet da auf eine Art und Weise aus, die man nicht will. Aber die Tragik seiner Figur so zu zeichnen und dann auch über die Länge zu zeichnen, bedeutet, dass ich da nach und nach reinrutsche und dann echt, wenn er dann am Ende in diesem Fluss steht, wirklich volle Kanne mit ihm mitleide. Ich finde es total gut.
Florian Bayer: Dann dürfte vielleicht der Kontext nicht da sein. Dann dürfte er uns tatsächlich nicht 18 Monate lang auf der Nase herumgetanzt haben, weil letzten Endes ist das, worüber alle nachdenken,
Johannes Franke: worüber alle reden. Ja, das ist halt das Ding. Er macht sich da selber das Ding kaputt. Also die eigentliche Stärke des Films macht er kaputt, indem er eben genau das macht, was du gerade sagst. Dann ist es halt wieder das,
Florian Bayer: was ich meine. Dann hätte der Film konsequenter sein müssen. Dann muss er sich halt nicht als Mockumentary, sondern kann einfach eine Tragödie erzählen.
Johannes Franke: Ja, aber die haben sich halt darin verliebt. So dieses Spiel mit der Publicity und so. Und dann haben sie wahrscheinlich auch noch gedacht, ja geil, dann haben wir schon Free Publicity die ganzen zwei Jahre lang. Und dann gehen alle in diesen Film, weil einfach dieser Film so berühmt ist, weil die Publicity so riesig ist. Aber dass das nicht funktioniert, finde ich auch sehr bemerkenswert. Weil so viel Publicity hat einfach keinen Film. Da musst du ja Millionen an Geld reinstecken. Das stimmt. Also der Publicity-Stunt an sich ist eigentlich genial, aber geht halt leider baden. Ja. Wie er am Ende.
Florian Bayer: Und das ist wirklich problematisch für einen Film, der halt vor allem als Publicity-Stunt wahrgenommen wird. Das ist das, worüber alle reden. Und ich stimme dir vollkommen zu, das Tragische in diesem Film, was halt sehr, sehr versteckt ist, oder sehr verdeckt durch den ganzen Quatsch, das geht dadurch unter. Und das ist schade, weil der Film hat irgendwie unter seiner albernen, exzessiven, kaputten Oberfläche hat er auch wirklich eine schöne und auch leise erzählte Tragödie, die irgendwie so mitläuft, aber die halt komplett von dem ganzen Kontext und von all dem, was draufgeworfen ist, erdrückt wird.
Johannes Franke: Ja. Der wurde mal als, ich glaube sogar von ihm, von Casey Affleck, als Performance Art deklariert. Ich glaube, das ist der große Fehler. Die Performance Art der ganzen Sache.
Florian Bayer: Um dann nochmal einen anderen Take reinzuwerfen, die Performance Art ist eigentlich total geil, aber die Performance Art braucht nicht den Film. Achso, ja. Die Performance Art hat 18 Monate lang stattgefunden
Johannes Franke: und die haben wir erlebt. Aber du brauchst eine Auflösung, damit es eine Performance Art wird. Also du kannst nicht am Ende als Hurricane Phoenix sagen, war nur Spaß, ich gehe jetzt doch wieder arbeiten. Dann sagen alle nur, okay, du hast es als Hip-Hop-Artist nicht geschafft,
Florian Bayer: also gehst du wieder drehen. Du brauchst Geld. Okay, dann brauchst du den Abschluss, aber der Abschluss ist langweilig. Den hast du eigentlich auch nur, um einen Abschluss zu haben, ne? Ja, natürlich, aber du brauchst den. Das Licht anmachen in der Disco. Ja, genau.
Johannes Franke: Muss gemacht werden.
Florian Bayer: Und alle lassen den Kopf hängen und gehen raus. Das Tanzen davor hat mehr Spaß gemacht.
Johannes Franke: Ja. Aber das Tanzen davor, du brauchst Kontraste. Du brauchst Kontraste, sonst funktioniert das nicht. Komm, bleib in der Disco. Liebe Etaffer, kannst du nicht gerettet kriegen. Egal. Also, so. Hätte Casey Affleck vorher sagen sollen, dass es ein Spoof ist, oder hätte er gar nicht sagen sollen, dass es ein Spoof ist? Gar nicht sagen funktioniert nicht, weil das so, also, nee. Ich meine, es war allen am Ende klar, aber wenn man es gar nicht sagt, ist es vielleicht noch braver zu sagen, okay, nö, macht euch eure eigene Meinung.
Florian Bayer: Ja, das sind so wie die nervigen Eltern, die zu ihren 10-jährigen Kindern immer noch sagen, ja, vielleicht könnte der Weihnachtsmann ja doch echt sein. Weißt du, und alle wissen so, oh, komm, Papa, ist gut jetzt, lass sein, bitte.
Johannes Franke: Ja, okay, vielleicht. Aber ich finde es fast geiler, weil man dann, weil dann das Tor weiter offen ist für so Idioten, die dann denken, nein, um Gottes willen. Aber die Idioten existieren ja nicht, die stellen wir uns ja nur vor,
Florian Bayer: um den Film besser, um mehr Spaß an dem Film zu haben.
Johannes Franke: Okay, was für Kommentare hat dieser Film noch? drauf, weil ich finde auf einer anderen Ebene auch noch interessant, dass der ja überhaupt nicht ins Risiko gegangen ist eigentlich. Eigentlich ist Joaquin Phoenix überhaupt gar kein Risiko gegangen, weil er ist gefeierter Schauspieler und weiß genau am Ende, wenn er sagt, okay, es war ein Spoof, sagen alle, wow, wie geil gespielt. Ja. Und er hat wieder Jobs, ganz normal.
Florian Bayer: Na, sein Risiko ist, dass er am Höhepunkt seiner Karriere einfach mal 18 Monate auf Filmrollen verzichtet. Ja gut, aber er hat Geld. Er hat genug Geld. Aber ist trotzdem auch ein Ding, ne? Also ich meine, wenn du, musst du auch bringen, wenn du 2005 einen Oscar gewonnen hast, wenn du gefeierter Schauspieler bist, dann zu sagen, ich mache jetzt 18 Monate lang mal das da, also nicht mal, ich mache nichts, um mich zu erholen, sondern ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwie erholsam ist. Nein, um Gottes Willen gar nicht nehmen. Dann ist auch mutig. Ja, er riskiert seine Karriere nicht damit, aber er hat echt 18 Monate Stress. Er muss sich die ganze Zeit drüber Gedanken machen, wie er diese Rolle verkörpert in der Öffentlichkeit. Ja. Er muss ja auch einkaufen gehen und so.
Johannes Franke: Ja. Und was sagt das über die Öffentlichkeit, über die Medienlandschaft aus, dass sie am Ende alle mit den Achseln gezuckt haben und weitergemacht haben?
Florian Bayer: Ja, so funktioniert das. Genau so funktioniert das. Krass, oder? Und es gibt ja auch diesen Satz im Film, ist es nur ein Witz, ist es ernst gemeint oder ist es einfach egal? Ich weiß nicht, oder egal wie die Antwort ist, ist es uns vollkommen egal. Es interessiert keine Sau.
Johannes Franke: Es geht darum, ob er jetzt seine Platte rausbringt oder nicht. Und sie sagt dann, das ist eine Kommentatorin gewesen. Die Frage ist, ist diese Kommentatorin jetzt wirklich echt gewesen oder sie haben nämlich auch viele Sachen hinzugefügt, die gar nicht wirklich ausgestrahlt wurden. Ich habe nicht mehr geguckt, weil ich meine die Frage,
Florian Bayer: ist es jetzt ein erfundener Kommentar? Ist es ein echter Kommentar? Es ist vielleicht einfach egal.
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist es nämlich auch. Und der Film hat eine ganz, ganz große Ebene für mich in Richtung Entitlement, was ich total wichtig finde und was ich auch einen mutigen Kommentar auch zu der Zeit zum Thema finde. Weil ich habe das selten gesehen damals, dass Filme sich darüber so sehr, es ist viel mehr geworden, aber damals kann ich mich nicht so richtig erinnern, dass es Filme gab, die sich so damit beschäftigt haben, dass Leute einfach mal sagen, ich gehe jetzt zu P. Diddy, weil ich ein berühmter Schauspieler bin und erwarte, dass der mich jetzt auch noch zum großen Hip-Hop-Artist macht. Also alles, was der sagt zwischendurch, wie er seine Leute fertig macht, das schreit alles Entitlement. Und ich finde es so geil, dass das mal, es gibt so viele schlimme Beispiele da draußen, die genau das haben. Ich finde es großartig, dass der Film das anstricht. Das stimmt tatsächlich, ja.
Florian Bayer: Das ist ein großes Thema in dem Film und Joaquin Phoenix Verhalten, ja, genau.
Johannes Franke: Und jetzt musst du dich trauen, du scheißt auf deine Kollegen. Es gibt so viele Kollegen, die davon garantiert angepisst sind, die sich da wiedererkennen und sich nicht wiedererkennen wollen. Also, das musst du erst mal schaffen, ins eigene Nest so reinzukacken.
Florian Bayer: Wobei das, aber das ist auch wieder sowas, das gucken die Leute und sagen, ja, that's not me. Weißt du,
Johannes Franke: weil dafür ist die Figur zu sehr drüber. Das stimmt, das kann sein.
Florian Bayer: So, vielleicht sogar macht es, genau, dass er so drüber ist, macht es sogar leichter so, als Schauspieler oder als Star,
Johannes Franke: sich nicht selbst zu hinterfragen dabei. Ja, ist vielleicht auch der Rettungsweg, den er genommen hat. Aber es ist eine gute Warnung, ne, für alle Leute, die noch nicht berühmt sind, die noch nicht enttitelt genug sind, um das, aber sich dann so einen Film anzuschauen und so ein bisschen Gefühl dafür zu bekommen, okay, wo könnte es hingehen, das muss ich also möglich vermeiden. Sei nicht wie Joaquin.
Florian Bayer: Ja, sei nicht wie Joaquin.
Johannes Franke: Das ist Joaquin. Joaquin ist ein Arschloch.
Florian Bayer: Sei nicht wie Joaquin.
Johannes Franke: Ja, also ich finde es krass, ich finde es toll, dass der Film das so anspricht. Eui, eui, eui. Jetzt haben wir sehr viel auf beiden Seiten. Film gut, Film schwierig. Müssen wir mal gucken, wo wir am Ende landen. Aber vielleicht, hast du noch was, bevor wir in den Top 3 gehen? Ähm, Tschinger. Okay. Top 3. Celebrity Culture hast du dir gewünscht. Ja, Celebrity Culture, um es ein bisschen offener zu halten. Ich hätte erst gedacht, um noch näher am Film zu sein, dass man so dieses, dieses Entitlement Zeug und so nimmt. Aber, ja, ich wollte erst mal so ein bisschen rausfinden, was, was für Filme es überhaupt so gibt, die sich damit beschäftigen, mit Celebrity Culture. Hab ich auch gar nicht so drin,
Florian Bayer: weil ich hab, ich hab durch Zufall, glaub ich, ich kann im Nachhinein der Liste eine Geschichte geben. Ich hab verschiedene, verschiedene Ausprägungen von Celebrity Culture und zwar so ein bisschen, einmal der Blick von, wie es problematisch ist, dass sie gefeiert werden. Mhm. Dann, dass es problematisch ist, wie sie sich verhalten. Das würde am ehesten, äh, zu dem passen, was du gerade gesagt hast. Mhm. Wobei es das eigentlich auch nicht trifft. Und als drittes dann ein Blick auf die, die gerne Celebrities wären, aber es nicht sein kann. Ja. Schön. Mein Platz 3, die Öffentlichkeit, ich übertitel diesen Platz 3 mit, die Öffentlichkeit ist ein Arschloch. Okay. Natural Born Killers aus dem Jahr 1994 von Oliver Stone. Ein Film, der einem Serienkillerpaar folgt. Mhm. Gespielt von Woody Harrelson und Juliette Lewis, die durchs Land fahren und Leute umbringen und peu a peu zu Celebrities werden, zu Stars. Mhm. Und jeder freut sich, wenn sie vorbeikommen. Also nicht die, die getötet werden. Sie überlassen, sie hinterlassen immer einen Überlebenden oder eine Überlebende, die von ihnen erzählen kann. Okay. Aber sie werden gefeiert und, ähm, der Film ist halt nicht nur ein Serienkillerfilm, sondern vor allem eine Satire auf das Medienbusiness, vor allem in den 90ern und diese Suche nach dem nächsten Spektakel, die dann halt einfach mal darin endet, dass es Tote gibt. Ja. Weil Verbrecher plötzlich wie Stars behandelt werden. Wow. Vielleicht sollten wir den mal gucken. Ja. Drehbuch Quentin Tarantino.
Johannes Franke: Ah, ja, ja. Naja. Nicht abwegig. Okay. Mein Platz drei wäre, um seicht reinzusteigen, die Truman Show. Ja. Die ja im Grunde genau das macht, was dieser Film für eine Frage in den Raum wirft, ne? Ist die Öffentlichkeit eigentlich die Instanz, die die Stars erst zu denen macht, zu den Charakteren, macht und zu dem macht, was sie überhaupt sind. Oder sind die vorher schon so? Also zumindest unsere Hauptfigur fragt sich das ja. Und bei der Truman Show ist nun eindeutig, der wird einfach dahingestellt, ob er will oder nicht. Er hat kein, nichts dazu zu sagen. Er muss einfach derjenige sein, der dann dargestellt wird. Dass er es nun nicht weiß am Anfang, ist natürlich nochmal ein schöner Spin für die Erzählung der Geschichte, aber eigentlich finde ich es sehr, sehr krass, auch wie sie damit umgehen, wie auch die Berichterstattung gezeigt wird von ihm, was da passiert und wie sie selbst seinen Ausbruch versucht, noch versuchen zu nutzen. Es ist wirklich ein krasser Film.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Passt sehr gut aus. Perfekt auch für die Öffentlichkeit, ist ein Arschloch. Ja, ja, total. Weil es echt grausam ist, was mit ihm gemacht wird. Mein Platz 2 übertitelt mit Die Celebrities sind Arschlöcher. This is the End von Seth Rogen. Die Seth Rogen-Klicke spielt sich selbst die feierende Party in Los Angeles und zwar sind alle dabei. Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Emma Watson guckt vorbei, Michael Sarah spielt. Alle spielen sich selbst. Eine große Star-Party und während sie feiern, geht die Welt unter. Warum kenne ich das nicht? Und es ist das jüngste Gericht und die Sünder werden getötet und es laufen draußen Zombies und Höllenhunde rum. Die Erde brennt und die Stars verschanzen sich im Haus und versuchen halt irgendwie so zu überleben und es ist eine wundervolle Satire auf die ganzen Celebrities, die halt alle reich sind und verwöhnt und die letzten Sünder und dementsprechend alle in der Hölle schmoren sollen. Wer ist der Film nochmal? This is the End. Aber es ist natürlich ein Seth Rogen-Film und auch von dieser Seth Rogen-Klicke. Das heißt, es gibt ordentlich Sex- und Gewaltwitze. Aber großartige Cameo-Auftritte von, wie gesagt, ganz Hollywood ist dabei und Emma Watson als Sozialdarwinistin, die dann am Schluss so Emma Watson? ums Überleben kämpft. Und Michael Sarah, dieser schüchterne Kleine aus Juno, der immer so nett und so süß wirkt, man will ihn adoptieren, der spielt dann so einen total zugekoksten, wilden Typen.
Johannes Franke: Oh Gott, wie geil.
Florian Bayer: Und nach und nach
Johannes Franke: werden sie alle von Dämonen gefressen. Sehr witziger Film. Okay. Ich hab noch zwei Filme, die ein bisschen in den gleichen, in die gleiche Schiene gehen, aber die sind einfach so großartig. Nummer zwei wäre jetzt Sunset Boulevard. Oh ja. Einfach die Frau, die so großer Star war, die Diva des Hollywood und dann halt, naja. Du hast dein Entitlement, auf jeden Fall. Du hast das Entitlement volle Kanne drin und du hast diese Verblendung drin, die einfach nach und nach geschieht und gegen die man sich einfach sehr aktiv wehren muss als Schauspieler, sonst bist du da einfach drin. Ja. Und sie hat sich nicht aktiv genug gewehrt, sondern denkt halt einfach, oh, ich bin bereit für meine Nahaufnahme, ich schaff das, ich bin jetzt nochmal ganz groß und alle lieben mich und ich krieg ständig ganz viel Fanpost von meinem Assistenten. Wenn ihr mehr über
Florian Bayer: Sunset Boulevard wissen wollt, stöbert in unserem Archiv, wir reden in einer Episode relativ lange darüber und versuchen den Film zu sezieren und ich, das ist ein Vorschlag von Johannes, ich hab ihn damals dann zum ersten Mal richtig geguckt. Ah, stimmt.
Johannes Franke: Wow, das war, ich war sehr enttäuscht, dass du ihn noch nicht kanntest. Ausgerechnet du!
Florian Bayer: Okay. Dein Platz 1. Mein Platz 1 und es schließt sich der Kreis zu Joaquin Phoenix. Joker aus dem Jahr 2019. Ah, ja, ja. Der psychisch Kranke, der sich eigentlich wünscht, ein Star zu sein, Afferfleck, Außenseiter, Clown mit mehreren Problemen, der aber eigentlich gerne Stand-Up-Comedian wäre und dann auf andere Art berühmt wird, nämlich als Killer in der Clowns-Maske. Wie nah ist der an King of Comedy? Sehr nah. Wahnsinnig nah, oder? es ist fast ein Remake von King of Comedy. Robert De Niro spielt auch mit und Todd Phillips, der Regisseur, wusste sehr genau, dass er hier eine Scorsese-Verbeugung macht. Der Film hat sehr viele Momente davon. Er hat dieses Star-Thema noch mal ein bisschen stärker und vor allem auch noch mal ein bisschen die Reaktion der Öffentlichkeit stärker drauf, weil dieser, er setzt dann ja so einen Flächenbrand
Johannes Franke: in Kraft und plötzlich laufen die Leute mit Clown-Masken rum. Vielleicht sollten wir diese beiden Filme mal zusammen in einer Episode gegeneinander halten. Ja, das finde ich spannend. Okay, mein Platz 1 ist Trommelwirbel Birdman. der Typ, der einfach einmal einen riesigen Erfolg hatte mit einer Figur des Birdman, der große Superheld und dann einfach immer wieder versucht, an diese Erfolge anzuknüpfen, aber eben auf eine Art und Weise, die vermeintlich näher an ihm dran ist, die seiner künstlerischen Vision mehr entspricht oder was auch immer und er versucht das irgendwie in diesem Theater noch mal hochzubringen, er schafft es einfach nicht, er scheitert gnadenlos. Es ist ein ganz großartiger Film, alles so One-Take-mäßig, obwohl es natürlich Schnitte gibt, aber sehr, sehr lange Takes, die aneinander gestitcht sind, sodass man das Gefühl hat, der ganze Film wäre eine einzige Kamerafahrt.
Florian Bayer: Oscar prämiert und wie der Zufall so will, gibt es auch dazu eine Episode, muss man sehen, Podcast. Oh stimmt, haben wir ja auch lange
Johannes Franke: drüber geredet.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 2014. Ich würde gerne noch eine Honorable Mention anbringen und zwar kein Film, sondern eine Episode, eine South Park Episode, Britney's New Look. Oh. South Park schnappt sich in Season 12, 2008, Britney Spears. Okay. Und sie machen das, was man wirklich nicht erwarten würde, sie machen sich nicht über Britney Spears lustig, sondern sie kotzen so richtig über diese ganze Fan- und Celebrity-Verehrungskultur ab. Und Grundgerüst der Story ist, ich spoilere jetzt ein bisschen, also hört kurz weg, wenn ihr die Folge unbefleckt sehen wollt, dass es einen geheimen Kult gibt, der sich von den Seelen von jungen Stars ernährt. Und Britney Spears soll quasi gejagt und zu Tode gequält werden durch die Öffentlichkeit, durch Kamera, Plitzlichtgewitter und so weiter, damit das Getreide besonders gut wächst im nächsten Jahr. Sorry, ich habe nicht zugehört, ich will die Episode noch gucken. Und das finden die Jungs dann heraus und sie versuchen eigentlich Britney Spears zu retten, weil sie, Britney Spears versucht sich umzubringen, das ist auspackt, das ist ziemlich düster und ziemlich abgefangen. Ja, glaube ich. Und weil sie glaubt, ihre Kinder wären gekommen, weil die Jungs vorgeben, ihre Kinder zu sein, um ein Foto von ihr machen zu können und dann versucht sie sich umzubringen und ist schwer verletzt und wird aber trotzdem auf die Bühne gezerrt und soll weiter singen und so und dann versuchen die Jungs sie zu retten. Und es ist eine wirklich krasse Episode und nicht das, was man von South Park erwarten würde, weil wie gesagt, Britney ist nicht the butt of the joke in diesem Fall, sondern es sind wir,
Johannes Franke: das ist die Öffentlichkeit. Hat South Park nicht immer auch ein gutes Gespür dafür gehabt, wen man jetzt da butt of the joke mäßig ranhimmt und wer einfach, naja, das arme Opfer eigentlich ist? Ja, eigentlich nicht immer,
Florian Bayer: nee, also South Park war auch oft ganz gut da drin, sich über die Schwachen lustig zu machen, leider. Und South Park hat auch sowas sehr, das ist nochmal Thema für eine eigene Episode, aber South Park hat meiner Meinung nach immer sowas, schon was Reaktionäres auch gehabt und South Park ist auch oft schwarzer Humor nicht nur von links, sondern auch von rechts oder nicht nur gegen rechts, sondern auch gegen links. Und gerade wie South Park mit Themen wie Homosexualität und Transidentität umgegangen ist, ist teilweise sehr grenzwertig.
Johannes Franke: Oh, okay. Ja, ich hab den, ich hab South Park eben nie richtig geguckt, weil es mir immer zu, zu, zu crazy war, zu viel irgendwie, viel auf einmal. Hab aber immer nur gehört eben von solchen Highlight-Episoden und dachte dann immer, die ganze Serie ist halt irgendwie tatsächlich so von ganz guten Typen, die, die immer es schaffen, so an der richtigen Stelle reinzutreten. Sind gute Typen
Florian Bayer: und South Park gehört mit zum Besten, was Satire in den 2000ern hingekriegt hat. Hat dann irgendwann auch an Qualität verloren. Mittlerweile ist South Park nur noch ein Abklatsch von sich selbst. Aber die 2000er Sachen, so, keine Ahnung, Staffel 3, Staffel 2 wahrscheinlich sogar bis Staffel 15, South Park einfach Comedy Gold. Also wie bei den Simpsons. Ja, so ein bisschen. Genau. Doch sehr nah dran. Man muss das halt so ein bisschen abkönnen, weil der Humor ist einfach extrem derb und es ist teilweise extrem dark und auch sehr geschmacklos und ganz oft alles andere als PC und so. Aber es macht halt echt Spaß. Man kann auch mal über Witze von rechts lachen.
Johannes Franke: Oh oh. Was schlagt denn deine Bummel dazu, Plur? Also wirklich. Okay, dann gehen wir wieder raus aus dieser Top 3. Und sind wieder im Film zurück. Ja. Was haben wir noch über diesen Film zu sagen? Na komm, spiel schon den Jingle.
Florian Bayer: Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht alle zu sehr zusammengezuckt.
Johannes Franke: Plur mag diesen Jingle nicht. Ich liebe ihn. Ich möchte eigentlich noch so ein Evil Love.
Florian Bayer: Ich habe auch das Gefühl, du baust ihn bewusst an Stellen ein, wo es mich stresst. Schneidest du absichtlich meine Sätze ab, um das Urteil zu bringen? Ist das dein Ziel?
Johannes Franke: Sorry, ich habe ihn schon wieder reingeschnitten. Also dann, dein Urteil, dein Urteil, Johannes. Mein Urteil. Mein Urteil ist super Tragödie. Leider kommt die Satire dazwischen. Also es stimmt nicht ganz. Die Satire ist natürlich geil und ist ein Film für sich. Vielleicht haben wir hier irgendwie drei Filme vor uns, die wir in verschiedenen Ebenen genießen oder nicht genießen können. Und ich genieße eigentlich jede Ebene davon irgendwie. Außer, das ist zu viel Bro-Culture. Aber das haben wir nun totgeritten, das Pferd. Das ist einfach zu viel. Zu viel Pipi-Kaka-Humor und zu viel sich darin gefallen, diese Bro-Culture nach vorne zu treiben. Was offensichtlich in der Realität auch ein Problem war.
Florian Bayer: Super Satire im Kontext, aber für den Kontext brauchst du den Film nicht. Ein toller Film von 2008 bis 2010 und dann kam der Film raus. Auf jeden Fall okaye Tragödie. Also natürlich herausragend gespielt von Rockfin Phoenix. Ja. Der rettet das alles auf jeden Fall. Also kann man sich angucken. Also viel zu lang und viel zu aufgeplayt mit so mit diesem ganzen Bro-Jokes und mit diesem ganzen Exzess und so. Der auch einfach, es geht gar nicht darum, dass das offensive wäre, sondern es ist einfach öde irgendwann und so. Ja, genau. Als Tragödie vielleicht ein bisschen dünner, aber es gibt ein paar echt gute Szenen da drin. Und ja, allein wegen Rockfin Phoenix lohnt es sich dann auch doch die 110 Minuten, die der Film dauert, zu gucken. Ja.
Johannes Franke: Schön. Danke für dieses ausführliche Fazit. Viel mehr kann ich nicht dazu sagen. Ich würde sagen, ihr bleibt noch einen Moment dran. Da kommt nämlich jetzt der Jingle und danach noch die Vorausschau auf nächste Woche, was auch immer von Plur kommt. Ich mach keinen Podcast mehr. Du machst keinen?
Florian Bayer: Ich werd jetzt, jetzt muss mir was Gutes einfallen. Ich werd, ich werd Metal-Gitarrist. Tischler wäre der richtige Wort gewesen. Tischler. Nein, Elektriker, die werden nämlich so gefeiert. eine schöne Woche euch. Bis dann. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Oh, Plur, mich ist das jetzt noch eine Weile durchziehen, dass du aufhörst.
Florian Bayer: Du nimmst mich nicht ernst. Ich versuche hier was Neues zu machen und du nimmst es einfach nicht ernst. Du willst einfach nur, du willst mich als den Podcast-Hampelmann haben. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Danke, Plur, dass du diese Episode nicht da warst. Hör dir mal den Song an, den ich komponiert habe.
Florian Bayer: Wir haben gar nicht drüber geredet. Machst du auch die Lyrics oder machst du das PDD? Nee, das wird, mit Metallica zusammen werd ich das machen. Ja, okay. Ich hab Lars Ulrich schon auf den Anrufbeantworter gesprochen. Wir haben gar nicht drüber geredet, wie die Qualität von seinen Raps ist. Willst du dazu ganz kurz was sagen? Was soll ich dazu sagen? Es ist scheiße. Es ist nur scheiße. Es ist, ne, es ist so, man redet nicht mal drüber, weil es so, man hört es und es ist so offensichtlich, okay, jetzt soll dir die Kinnlade runterfüllen. Ja.
Johannes Franke: Aber das stimmt, das macht auch ein bisschen Spaß, muss man sagen. Vor allem mit PDD, wie er einfach guckt, wie er im Studio sitzt und sagt, okay, mach mal den nächsten Song an. Ich sehe da Leidenschaft. Sonst ist da nichts, aber ich sehe da Leidenschaft. Scheiße. Okay, ja gut, was hast du nächste Woche für mich?
Florian Bayer: Ich würde gerne Sneakers, die Lautlosen vorschlagen. Ein toller Heistfilm irgendwo zwischen Thriller und Komödie Anfang der 90er Jahre mit ganz viel Retro-Tech.
Johannes Franke: Von Nike sponsert oder was? Nike. Sneakers. Ach, Sneakers stimmt.
Florian Bayer: Ne, Sneakers stimmt. Ach so, jetzt haben wir die jetzt muss ich über
Johannes Franke: die Namen Sneakers nachdenken. Oh ja,
Florian Bayer: wir haben sie die ganze Episode drin gelassen. Ja. Also alles gut. Meiner Meinung nach so ein bisschen vergessen, leider, aber es kann sein, dass ich mich da auch komplett irre. Auf jeden Fall eine echt schöne, Heist-Thriller-Krimi-Komödie mit damals State-of-the-Art-Technologie, die heute bestimmt sehr sympathisch von wann ist der Film? Anfang der 90er oder Ende der 80er, Moment, das muss ich einmal ganz kurz gucken. Sneakers. 1992. Ziemlich Star besetzt mit River Phoenix. Das ist reiner Zufall, ich schwöre. Oh mein Gott. Okay. River Phoenix
Johannes Franke: als sehr junger Schauspieler macht damit, stimmt, ich erinnere mich. Na gut, dann gucken wir uns also Sneakers an und den Film auch. Dann Ah! Rennt jetzt. Schnell hofft. Ah!
