Episode 157: Hitman Hart – Wrestling with Shadows – Hinter den Kulissen der Schaukämpfe
Endlich eine ganze Episode, in der sich Plor seinem großen Guilty Pleasure Thema „Wrestling“ widmen darf. Der 1998er Dokumentarfilm wirft einen Blick hinter die Kulissen der WWE und einen besonderen Konflikt zwischen zwei Protagonisten.
Wir nutzen die Gelegenheit für einen großen Rundumschlag über das Wrestling-Business: Wir klären Begriffe wie Kayfabe, Face und Heel, schauen auf die Geschichte der Showkämpfe, von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Und natürlich widmen wir uns besonders der goldenen Ära der WWF, den bunten 80ern, den als gimmickhaft verschrieenen 90ern, den Monday Night Wars und allem was dazu gehört. Kann Plor Johannes von der Faszination an gescripteten Kämpfen in Spandex überzeugen?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 157: Hitman Hart – Wrestling with Shadows – Hinter den Kulissen der Schaukämpfe Publishing Date: 2024-01-03T12:04:56+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/01/03/episode-157-hitman-hart-wrestling-with-shadows-hinter-den-kulissen-der-schaukaempfe/
Florian Bayer: Wenn du verstehen willst, wie sowas wie Donald Trump möglich ist, oder allein für einen Wahlkampf, in dem Donald Trump so dominiert, wenn du verstehen willst, wie die amerikanische Kultur Begeisterung für etwas entwickelt, wie sie in Freund und Feind denkt und so weiter, dann musst du Wrestling verstehen.
Johannes Franke: Let's get ready to rumble! In der linken Ecke sehen sie Plur.
Florian Bayer: In der rechten Ecke sehen sie Johannes, der Muskulöse. Was? Wenn du Wrestler wärst, hättest du ein Gimmick. Achso, die Undertaker fand ich ja ziemlich geil. Als Kind fandest du den Undertaker geil? Nee, einfach als Namen. Als Namen, ah. Ich finde das super. Die Undertaker. Das sagt alles, was er aussagen muss. Herzlich Willkommen im Jahr 2024. Neues Jahr, eine neue Episode und hoffentlich wieder ein gutes Filmjahr für uns und ein gutes Muss-man-sehen-Jahr für euch. Oder so. Heute reden wir über mein Lieblingsthema neben Filmen und Videospielen und Musik. Was ist nur los mit dir? Also Plot. Ja, was ist los mit dir? Was stimmt nicht mit dir? Ich verstehe so ein bisschen, was los ist. Es ist total geil, weil ich habe diese Woche auch mehrmals so einen hochgezogenen Augenbrauen von meiner Freundin erlebt mit der Frage, warum? Ich verstehe total. Was findet ein erwachsener Mann daran faszinierend? Wie ist das möglich? Na, das Geile bei Wrestling ist ja, du erlebst eine Suspension of Disbelief, die du heutzutage eigentlich nur noch sonst bei Magievorstellungen findest. Irgendjemand, den ich gehört habe vor kurzem, ich muss gleich noch einen Podcast empfehlen, also beziehungsweise drei Podcast-Episoden, die sich mit Wrestling auseinandersetzen, der hat gesagt, Wrestling ist ganz ähnlich wie Magie. Das ist auch so. Du bist der totale Depp, wenn du dastehst und sagst, das ist doch alles Fake. Ja, das stimmt. Weil natürlich wissen alle, dass es Fake ist, aber es geht ja darum, dass du eben in dem Moment Suspension of Disbelief machst und voll drauf abgehst und Spaß dran hast und in diesem Moment so tust, als ob es echt wäre. Was bei mir tatsächlich noch ganz krass dazukommt, ist eben auch wie bei der Magie, diese Meta-Ebene. Es macht noch mehr Spaß, mir zumindest, wenn du dann ein Stück hinter den Vorhang guckst und schaust, was gibt es für Intrigen und Tramen hinter der Bühne, wie viel davon ist echt, wie viel davon ist gefaked und so weiter. Wir reden heute über den Film Wrestling with Shadows, Hitman Hart, aus dem Jahr 1998, ein Dokumentarfilm, der einen professionellen Wrestler, einen der berühmtesten Wrestler der 90er Jahre begleitet hat. Und die Filmemacher, Paul Shaver, der Regisseur, hat ein ungeheures Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und einen relativ großen Wrestling-Skandal der 90er, vielleicht sogar den größten Wrestling-Skandal der 90er, damit sehr weit auf Film zu kriegen. Und tatsächlich Einblicke in die Welt hinter den Kulissen zu kriegen, wie sie davor noch nicht zu sehen war.
Johannes Franke: Fast ein bisschen zu viel Glück gehabt, Fragezeichen.
Florian Bayer: Verschwörungstheorien können wir später auch noch reinwerfen. Weil tatsächlich alles, was beim Wrestling passiert, nicht nur die Kämpfe, alles, was beim Wrestling passiert, muss man sehr vorsichtig betrachten. Weil die übertreiben auch mit den Angaben von den Größen der Wrestler, mit den Zuschauerzahlen und so weiter. Es wird so viel gelogen beim Wrestling und so viel geflunkert. Auf jeden Fall, schickt uns gerne Filme. Es geht in diesem Podcast ganz stark auch darum, den filmischen Horizont zu erweitern und Sachen zu gucken, die man vielleicht sonst nicht unbedingt gucken wird. Das hat dazu geführt, dass wir uns auch mal einen Bollywood-Streifen angeguckt haben. Dass Johannes sich teilweise wirklich schräge, surreale Filme anguckt von irgendwelchen exzentrischen Regisseuren aus den 70ern, mit denen er nichts anfangen kann. Und dass wir Adam Sandler angeschaut haben. Dass wir Adam Sandler geguckt haben. Oder dass ich von Johannes durch die Musical-Geschichte Amerikas gejagt werde und mir irgendwelche kitschigen 50er-Streifen angucken muss. Das ist alles dabei in diesem Podcast. Und über jede Episode steht deswegen auch die Frage, ist das ein Muss-mann-sehen-Film? Ist das ein Film, den man wirklich sehen muss? Und das werden wir auch im Laufe dieser Episode zu diesem Film beantworten, eventuell mit unterschiedlichen Urteilen. Ich bin gespannt. Aber wir reden ja über einen Wrestling-Film und deswegen müssen wir, es tut mir schrecklich leid, Johannes, wir müssen über Wrestling reden. Und ich habe hier einen Haufen Notizen. Ich versuche das Ganze unter drei Stunden zu halten. Aber ich möchte einmal hier kurz die Geschichte des Wrestlings durchgehen, bis zu dem Punkt, wo dieser Film startet, damit wir einen ungefähren Blick darauf haben, worüber reden wir überhaupt. Was ist Wrestling? Wie ist das entstanden? Wie ist das zu dieser großen Show-Attraktion in Amerika der 90er Jahre und darüber hinaus bis heute geworden? Ja, genau. Mein Text, das ist mein Submission Hold. Du musst irgendwann abklopfen und sagen, ich gebe auf, ich kann nicht mehr auf. Gut, dann bring mal deinen Submission Hold. Jingle. Wrestling. WWF. Und so weiter. Aber wir fangen ganz vorne an, wir fangen wirklich beim Wrestling an, das sich ja deutlich vom klassischen Ringen unterscheidet. Und diese Art des Wrestlings, über die wir heute reden, dieses Showkämpfen, ist späten 19. Jahrhundert eigentlich erst so richtig entstanden. Und dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts und vor allem Mitte des 20. Jahrhunderts zur richtigen Blüte gekommen. Und ich muss tatsächlich mit ein paar Begriffen anfangen, weil die werden in dieser Episode hin und wieder fallen. Deswegen müssen wir einmal klären, es gibt so viele Begriffe im Wrestling, mich kann nicht alle nennen, aber zumindest ein paar sind ganz spannend. Und einer der wichtigsten Begriffe des Wrestlings ist das sogenannte K-Fape. Okay, was? Genau. Niemand weiß, woher das Wort kommt und es ist wahrscheinlich wirklich einfach ein Kunstwort, was von den Schaustellern damals erfunden wurde und bis heute wichtig ist und bis heute benutzt wird. Möchtest du Teplor, während du erzählst? Und wir alle wissen, Wrestling ist nicht echt. Und wir wollen da gar nicht viel groß drum herum reiten. Die Kämpfe sind nicht echt, die Kämpfe sind abgesprochen. Es ist klar, wer gewinnt. Und meistens ist es auch sehr genau vorm Kampf durchchoreografiert, wie der Kampf läuft, mit Improvisationen dazwischen, die dann teilweise im Ring abgesprochen sind und wenn man genau hinguckt, sieht man manchmal auch, wie sich die Wrestler im Ring absprechen, wenn was improvisiert werden muss. Und K-Fape ist genau der Begriff, der dafür steht. Das K-Fape steht dafür, dass man unbedingt versucht, die Illusion zu bewahren, dass alles echt ist. Dass man alles macht, zum Beispiel auch, dass Wrestler, die in der Storyline miteinander als verfeindet gelten, nicht irgendwie zusammen rumhängen dürfen, nicht zusammen Bier trinken dürfen, weil die Öffentlichkeit soll nicht sehen, dass die eigentlich befreundet sind. Dazu gehört halt auch, dass du niemals sagst, ja wir haben uns das dann so geplant und so geplant, sondern du machst so, als wäre der Kampf nicht abgesprochen, als würdest du wirklich gegeneinander kämpfen und als wäre es offen, wer gewinnt. Und deswegen ist K-Fape so ein wesentlicher Begriff und dazu passend gehört dann der Begriff Marx oder Mark. Ein Mark ist jemand, der darauf reinfällt. Der glaubt, dass das wirklich echt ist. Okay. Und sehr schöne Geschichte, weißt du, woher der Begriff Mark kommt? Irgendein großer Fan, der Mark hieß. Die Schausteller Anfang des 20. Jahrhunderts, Ende des 19. Jahrhunderts haben Leute, die besonders naiv waren, mit Kreide markiert. Ah, geil. Auf den Rummelplätzen wurden Leute, die auf jede Schießbude reingefallen sind, wo man nur verlieren konnte, wurden von den Schaustellern dieser Schießbude einmal mit so einem Kreidestrich markiert, damit die von der anderen Bude wissen, den muss ich ansprechen, dem kann ich Geld abzocken. Was für eine geile Geschichte. Das sind die Marks. Oh, wie cool. Und ich würde mal die Theorie groß machen, dass es heutzutage gar keine Marks mehr gibt und auch die Zeit, in der die Dokumentation spielt und auch schon früher in den 80ern Marks eigentlich nicht mehr existiert haben und eher sowas ist, dass Wrestling-Fans, die sich selbst als Smart Marks bezeichnen, sich erheben können über die vermeintlich existierenden Naivlinge, die glauben, das wäre echt. Ich war 10 und ich wusste nichts. Du warst 10 und dachtest, das wäre echt? Ja. Faszinierend. Aber als Kind denkt man alles Mögliche. Natürlich. Ja, als Kind glaubt man ja auch an den Weihnachtsmann. Also insofern gibt es schon, Max, aber genauso wenig, wie wir betonen müssen, dass der Weihnachtsmann nicht existiert werden, wenn wir in dieser Folge auch nicht mehr groß betonen müssen, dass Wrestling alles gefaked ist. Wobei das Wort Fake für mich gar nicht in Frage kommt. Nee, Fake ist auch komplett das falsche Wort. Weitere Begriffe, die wichtig sind, sind auch in diesem Zusammenhang Worked und Shoot. Ein Worked-Match ist einfach ein Kampf, der abgesprochen ist. Und ein Shoot-Match, dazu werden wir vor allem in der Geschichte des Wrestlings kommen, ist ein Match, das nicht abgesprochen ist, wo der Sieger nicht feststeht. Es gab nämlich in der Frühzeit des Wrestlings, gab es auch wirklich echte Kämpfe. Es gibt so, in der heutigen Zeit des Wrestlings gibt es sogenannte Worked-Shoots. Genau das. Wo jemand macht, als würde er was machen, was nicht abgesprochen ist, aber in Wirklichkeit ist es abgesprochen. Und das, worum es in diesem Film geht, manche behaupten, das wäre auch ein Worked-Shoot. Wobei ich das nicht glaube. Da bin ich dann vielleicht ein Mark, aber da bin ich doch sehr überzeugt davon, dass das wirklich so passiert ist. Auch einfach, weil zu viele Anwälte drin involviert waren und zu viel Geld und zu viel Krise und Drama das echt war. Weitere wichtige Begriffe sind auch in diesem Zusammenhang Booking. Das Booking bezeichnet einfach das Planen des Kampfes, wie der ausgehen soll. Wenn man sagt, der Kampf ist schlecht gebuckt, dann sagt man damit, es ist doof, dass der eine verlieren sollte und der andere gewinnt. Das wäre besser gewesen, wenn sie es anders gebuckt hätten. Und Storyline ist alles das, was um die Kämpfe stattfindet. Die Wrestler haben meistens irgendwelche Fäden und dann heißt es da, dieser Russe ist mit dem Amerikaner verfeindet oder der ist sauer, weil seine Freundin mit ihm betrogen hat und so weiter. Und dann daraus werden Geschichten gesponnen, Storyline, wie man es aus dem echten Leben kennt. Und um diese Storylines zu verkaufen, gibt es einmal die Promos. Das ist, wenn ein Wrestler am Mikrofon steht und redet. Und irgendwie seine Rolle spielt und natürlich die Matchs, die ja auch eine eigene Story haben. Oft ist es so, dass in Match Sachen passieren, die selbst nochmal Geschichten erzählen. Jemand verletzt sich, der böse Wrestler schlägt die ganze Zeit auf das verletzte Körperteil und der Verletzte ist aber ganz tapfer schafft es irgendwie sich hoch zu raffen und dann doch noch den Bösen zu besiegen. Das ist, da sagt man, das ist eine klassische Match-Storyline, die viel zu oft vorkommt. Gimmicks. Mittlerweile ist es nicht mehr so, aber in den 90ern, wo unser Film spielt, hatte eigentlich jeder Wrestler ein Gimmick. Und Gimmick bedeutet einfach, das ist die Persona, die du verkörperst. Und damals war das so eine Zeit, wo Wrestler oft Rollen, es gab so viele Wrestler, die angeblich einen echten Beruf noch nebenbei hatten. Es gab einen Holzfäller, der gekämpft hat. Es gab einen Polizisten, der gekämpft hat. Es gab den Totengräber, den Undertaker. Und ein Gimmick zeigt halt irgendwie die Rolle, die du spielst. Und es kam oft vor in der Geschichte des Wrestlings, dass Wrestler auch Gimmicks komplett geändert haben. Das heißt, die sind mal... Zur Krankenschwester sind sie geworden denn. Es gab einen wahnsinnigen Zahnarzt, der ein paar Jahre später mit einer roten Maske als Halbbruder vom Undertaker aufgetreten ist. Und das wird dann auch gekauft. Es ist tatsächlich meine liebste Zeit vom Wrestling, weil es so albern ist. Ja, okay. Vielleicht für alle Wrestling-Fans einen kleinen Einschub. Meine liebste Wrestling-Zeit ist die, die die meisten Fans hassen. Weil sie sagen, da war alles albern und kindig. Wo der Clown gekämpft hat und der Gobli-Guba, das war ein Truthahn. Und das war meine liebste Wrestling-Zeit. Das war halt auch die, die ich als Kind erlebt habe. Aber ich mag Wrestling am liebsten, wenn es komplett albern und übertrieben ist. Aber natürlich, was denn sonst? Genau. Wichtig auch noch in diesem ganzen Tohuwa-Bohu mit den Rollen. Es gibt Heels und Faces. Der Heel ist der Bösewicht und der Face oder Babyface ist der Nette. Und das ist im Wrestling auch meistens klar definiert. Und das Publikum macht da mit. Das heißt, der Heel wird ausgebucht. Wenn ein Heel nicht ausgebucht wird, dann spielt er seine Rolle nicht gut. Er will Heat erzeugen. Oder das Publikum ändert seine Meinung. Oder das Publikum ändert seine Meinung. Das gibt es auch und darüber werden wir reden müssen. Das spielt auch in diesem Film eine Rolle. Und der Heel will eigentlich Heat erzeugen. Das heißt, er will das Publikum wütend machen. Und dazu gehört dann zum Beispiel zu sagen, wenn er in irgendeiner Stadt ist, das ist die dreckigste Stadt, in der ich jemals war. Während das Babyface, also der Held, will einen Pop erzeugen. Will es schaffen, dass das Publikum ihm zujubelt. Und manchmal klappt das nicht. Das Publikum hat auch seinen eigenen Willen. Und das Publikum jubelt auch manchmal Heels zu oder boot auch mal Babyfaces aus. Das ist schon öfter vorgekommen. Manchmal geht es dagegen und man kann sogar relativ gut nachvollziehen, wo es dagegen geht. Die WWF, WWE, die mittlerweile Konkurrenzlos die größte Promotion ist, die hat auf ihrer Website natürlich einen Streaming-Service, wo du für 10 Dollar im Monat alles gucken kannst, was jemals in ihrer Geschichte passiert ist. Und Leute haben sich sehr viel Mühe gemacht, ihre alten Aufzeichnungen anzugucken, Rassetten-Tapes aus den 90ern und dann die Sachen online und haben festgestellt, dass die die Zuschauerreaktionen hochziehen beziehungsweise Zuschauerreaktionen reinschneiden, damit es so klingt, als wäre da mehr gejubelt worden, als eigentlich gejubelt wurde. Weil gerade je nachdem, wo Kämpfe stattgefunden haben, war die Publikumsreaktion sehr reserviert und das ist natürlich nicht das, was die dann wollen. Also das Schlimmste ist, wenn das Publikum ruhig ist. Ja, ja, natürlich, klar. Und das gibt es halt auch und gerade so Kämpfe in Deutschland in den 90ern, dann war es halt doch manchmal sehr ruhig und sehr verhalten im Publikum, weil die nicht so sind wie die Amerikaner. Ja, ja, ja, genau. Und dann hat die WWE halt nachträglich gesagt, okay, wenn wir das wiederverwerten, dann müssen wir erstmal hier ordentlich Jubel reinschneiden, damit das so wirkt, es hätte die Arena gekocht. Der, wie gesagt, im Wrestling-Wert sehr viel geflogen hat. Und ein letztes noch, ein letzter Begriff, Putting Someone Over und Selling. Putting Someone Over heißt, jemanden gewinnen lassen. Und zwar spielt das insofern eine Rolle, weil Wrestler ab einer gewissen Popularität oft Mitspracherecht haben, wie das Booking läuft. Booking haben wir uns alle gemerkt. Und dementsprechend auch sagen können, nee, ich will den Kampf nicht verlieren. Ich will, dass mir Merchandising von mir verkauft wird. Und dann dieses Putting Someone Over hat gerade eine besondere Bedeutung, wenn ein populärer Wrestler einem weniger populären die Chance gibt, auch mal einen Kampf zu gewinnen und dementsprechend halt größer zu werden. Deswegen ist das auch hoch angesehen, wenn du halt auch bereit bist zu verlieren. Okay, wir haben jetzt also ein Lexikon an Begriffen. Und jetzt kommen wir die nächsten vier Jahre gut damit klar. Es gibt so viele Infos über Wrestling online. Und ich habe auch, als ich angefangen habe, mich damit auseinanderzusetzen, als jetzt als Erwachsener, was noch gar nicht so lange her ist, mich mehr damit auseinanderzusetzen, bin ich auch... Nicht so lange her, dass du erwachsen geworden bist? Ja, offensichtlich. Sonst würden wir nicht hier über Wrestling reden. Okay. Ich habe ganz oft die Begriffe nachgeschlagen, die ich nicht hatten. Selling ist noch der zweite Begriff, das auch ganz wichtig ist. Selling heißt das Verkaufen und zwar das Verkaufen der Attacke des Gegners. Wenn ein Gegner dich schlägt, dann musst du mit dem Kopf wackeln, dann musst du aussehen, als würde das wehtun. Wenn du das nicht machst, bist du ein Arsch. Ja, oder... Oder Undertaker. ob er jetzt trifft oder nicht. Ja, das ist tatsächlich bei modernen Wrestlern, es ist unglaublich wichtig, auf die körperliche Unversehrtheit zu achten bei den anderen. Und es ist auch sehr verpönt, wenn es zu Verletzungen kommt. Und es gibt auch immer mal wieder so ein paar dramatische Geschichten, wo im Ring einfach jemand Bock misstgebaut hat und dann auch teilweise seinen Job verloren hat. Oder Leute gesagt haben, ich kämpfe gegen den nicht, das ist viel zu gefährlich, der passt nicht auf. Genau. Und es kann, ich meine, Wrestling mittlerweile ist ja wirklich so, die fliegen durch die Luft, die heben sich hoch, die machen wirklich komplexe Sachen. Und da musst du genau wissen, wie du jemanden packst, wie du jemanden hochhebst, wie du fällst, wie der andere fällt und wie das klappt, ohne dass es zu großen Verletzungen kommt. Und es kommt trotzdem immer wieder zu Verletzungen. Die meisten Wrestler jenseits der 40 sind auch körperliche Frax. Das ist auch unser Hitman Hart, der auch ganz schön gelitten hat im Ring. Okay, ich versuche jetzt ganz knapp die Geschichte zu überfliegen, weil ich habe schon viel zu viel zu den Begriffen gesagt. Oh Gott, oh Gott, oh Gott, okay, Geschichte. Also wir haben ja schon gehört, Wrestling hat Ende des 19. Jahrhunderts angefangen und es war dann wirklich damals auf Jahrmärkten. Und eigentlich hat es damit angefangen, dass es halt diese typischen Darstellungen gab von dem Hau den Lukas, den großen Goliath. Und dann gab es auch oft diesen Teil, wo gesagt wurde, jetzt darf im Publikum jemand gegen den antreten. Und da gab es zum Beispiel so ein Ding, was wirklich einfach ein Scam war, dass sie haben einen im Publikum gegen ihn antreten lassen und der hat gegen ihn gewonnen. Und dieser Goliath war gar nicht so stark, aber das war natürlich abgesprochen. Und dann haben sie aber gesagt, und jetzt darf noch jemand anderes. Und die Leute dachten dann, geil, ich will antreten, ich will gegen ihn kämpfen. Und haben dann festgestellt, dass er doch ziemlich stark ist. Und aus dieser Zeit war es auch noch so, und das hat sich bis lange ins 20. Jahrhundert gehalten, dass viele Wrestler tatsächlich kämpfen können. Und zwar vor allem diesen Catch-as-Catch-Can-Stil. Was bedeutet, einen Griff zu finden, der so weh tut, dass der Gegner aufgibt. Ach so, wie der Vater von Brett. Genau, der kann das auch. Es gibt diese Griffe, die man auch heute noch sieht, diese Aufgabe-Griffe im Wrestling. Und die haben wirklich eine Historie von schmerzhaften Griffen. Mit dem Ziel, einen Kampf so schnell wie möglich zu beenden. Dass eben keiner auf die Fresse kriegt. Du schaffst es einmal, deinen Gegner zu greifen. Du biegst ihm den Arm und das Bein so um, dass es ihm so weh tut, dass er abklopft und sagt, ich will nicht mehr. Das war das hauptsächliche echte Kämpfen. Und diese Art wurde dann auch teilweise noch gekämpft bis ins 20. Jahrhundert hinein, wo es so eine wilde Mischung war aus Shoots und Works. Es gab echte Kämpfe und es gab gefakte Kämpfe. Und die gefakten Kämpfe gab es vor allem deswegen, weil die echten Kämpfe stinklangweilig waren. Die haben sich ewig lange gezogen. Keiner hatte Interesse dran und es hat einfach diese Begeisterung dafür gefehlt. Und so hat sich dann nach und nach in Amerika im 20. Jahrhundert eben durchgesetzt, dass es immer mehr falsche Kämpfe gab. Das Interessante ist, sowohl Boxen als auch andere Sportarten in Amerika waren genauso. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es da auch unglaublich viele gefakte Kämpfe, auch mit Wetten und mit so alles so ein bisschen fishy. Und die großen Boxverbände und auch zum Beispiel die großen Pferderennverbände, die sind dann den Weg gegangen zu sagen, wir machen jetzt ganz feste Regularien, damit das nicht mehr passiert, dass nicht mehr jemand absichtlich verliert, dass nicht betrogen werden kann, während Wrestling gesagt hat, wir machen das weiter so. Aber wir machen, als ob es weiter echt wäre. Das hat sich so nach und nach schleichend entwickelt. Also ich kann nur einen, habe ich vorhin schon gesagt, einen Podcast empfehlen, der heißt Our Fake History. Der hat einen Dreiteiler gemacht zur Geschichte des Wrestlings und der heißt Was Wrestling Ever Real? Und da geht er sehr genau darauf ein, wie sich das entwickelt hat von den teilweise Shoot, teilweise Work Camps hin zu den kompletten Work Camps, die wir heute kennen. Und so in den 50ern, als das Fernsehen aufgekommen ist und als Wrestling auch fürs Fernsehen wichtig war, wurden irgendwann die Persona immer abgedrehter und immer schräger und es gab immer mehr Gimmicks und immer mehr Show dabei und das hat sich aber wirklich so langsam gezogen bis dann in die 80er. Und in den 80ern war es so, dass die World Wrestling Federation, geführt von Vince McMahon, der das Ding von seinem Vater abgekauft hat, die haben das damalige Spiel nicht mehr mitgespielt, dass Wrestling in so Territorien eingeteilt war. In der guten alten Zeit hatte quasi jeder Wrestlingverband, jede Promotion seinen eigenen Ort. Es gab die an der Ostküste, es gab die an der Westküste, es gab die in Texas und so weiter. Und die WWF und vor allem Vince McMahon haben gesagt, nee, wir wollen die ganze Nation erobern und haben einfach ihre Kämpfe komplett im nationalen Fernsehen gezeigt, haben tierisch Geld gemacht und haben angefangen, die anderen Promotions aufzukaufen und die Wrestler von denen zu kaufen. Die haben alle in die Pleite getrieben, um dann einfach irgendwann ein Monopol zu haben. Das Amazon von damals quasi, das Amazon des Wrestlings war die WWF. Und neben denen hat sich eigentlich nur noch eine gehalten, das war die WCW. Aber die WWF war so in den 70ern und frühen 80ern dann ganz klar, das waren einfach die, die die Wrestling-Welt in Amerika dominiert haben. Und die haben es dann auch geschafft, Wrestling zum ersten Mal so richtig zu Pop zu machen, Anfang der 80er zum einen mit den Wrestlemania-Veranstaltungen, die für die größten Wrestling-Veranstaltungen überhaupt waren und mit der Figur des Hulk Hogan. Den hat Vince McMahon in die WWF gebracht und groß gemacht. Aber der ist doch dann zu WCW gegangen, oder? Viel später. Ja. Aber ja, genau. Das ist dann in den 90ern, wo wir ja später sind. nicht mehr recherchiert. Das kam jetzt irgendwo ganz tief hinten aus meinem Hirn raus. Zu Hulk Hogan gibt es tolle Geschichten. Ein schrecklicher Mensch. Aber das war damals einfach der populärste Wrestler und das ist wahrscheinlich bis heute. Wenn du irgendwen auf der Straße fragst, nenne einen Wrestler, fällt der Name Hulk Hogan. Natürlich. Und der war, man kann das gar nicht überschätzen, was für ein krasses Pop-Idol der damals war. Das war halt der Real American. Der ist wirklich auch zu der Musik einem Real American aufgetreten und immer mit schwenkender US-Flagge. Wir müssen sehr viel über Patriotismus im Wrestling reden. Und der war riesig. Und dann haben sie Wrestling-Matches auf MTV übertragen. Dann hatten sie Sinti Lorpa als Musikunterhaltung. Dann hatten sie George Foreman und andere Boxer hatten sie da, die Referee waren für kurze Zeit. Und es wurde dann einfach wirklich groß. Und die WWF war Ende der 80er Peak-Erfolg. Und das hat sich dann allerdings so ein bisschen geändert. Und zwar zum einen hat die WCW angefangen der WWF-Konkurrenz zu machen. Die haben ihre große Show, das Monday Night Raw, auf dieselbe Sendezeit gelegt wie Monday Night Raw von der WWF. Das ist ja auch... Wie schäbig kann man sein? Angeführt von Eric Bischoff, der auch so Idee hatte, Wrestling wirklich groß zu machen. Und gleichzeitig hatte die WWF noch andere Probleme. Unter anderem den großen Steroid Skandal. Vince McMahon war ein riesiger Fan von großen, kräftigen Männern. Deswegen hat er Hulk Hogan groß gemacht und deswegen hat er auch Andrew the Giant groß gemacht. Der mochte einfach die großen, muskelbepackten Leute. Und ja, muskelbepackt und groß wirst du halt mit Steroiden. Zumindest so, aber nicht so gut geklappt hat, wie beim Wrestling dann. Das ist so süß. Der hat es später noch mal versucht, der wollte auch eine eigene Football-Promotion aufmachen als Konkurrent zum Superbowl und wahrscheinlich genauso, auch mit so Story-Angles und auch mit Gimmicks und so weiter. Mann, Mann, Mann. Aber in den 80ern, als Hulk Hogan groß war, ist das mit den Gimmicks dann richtig explodiert. Und das ist auch die Zeiten, in der Cave-Fabe noch mal ein gutes Stück krasser wurde, in denen die Storylines größer wurden, in der es mehr Soap wurde. Da ging es dann wirklich auch um, keine Ahnung, ganz oft, du hast was mit meiner Freundin angefangen, du hast meine Familie beleidigt und wirklich ein Staple im Wrestling immer der gute Amerikaner gegen den bösen Ausländer. Fuck, Alter. Und Hulk Hogan war halt der gute Amerikaner, der dann gegen die bösen Ausländer gekämpft hat, unter anderem Anfang der 90er gegen Yokozuna. Wer auch immer das ist. Yokozuna war, also der, ich weiß nicht, wie er wirklich heißt, die haben ja auch alle anderen Namen. Hulk Hogan heißt Terry Bollea oder so. Yokozuna war ein Samoaner, Hawaii. Okay. Samoaner sind Hawaii, ne? Ich glaube, ja. Das heißt USA, der war aus den USA und der wurde verkauft als japanischer Sumoringer. Mmh, mmh, mmh, mmh. Ja, Wrestling ist nicht PC. Und Wrestling war damals richtig, richtig übel, nicht PC. Oh, fuck. Der wurde als japanischer Sumoringer verkauft. Wohlgemerkt, merkt ihr, er ist ein Amerikaner, der einen japanischen Sumoringer gespielt hat. Okay. Und der hatte irgendwann, Anfang der 90er, war der neu dazugekommen und der galt als unbesiegbar. Der war groß und schwer und niemand konnte ihm das Wasser reichen und Bret Hart, der auch der Protagonist von unserer Dokumentation ist, hat gegen den bei Wrestlemania Schießmichtod, ich glaube neun oder so, gekämpft. Okay. Und im Main Event, das ist immer so der Hauptkampf des Abends und es ging um den Titel, Yokozuna hatte den Titel und Hitman Hart hat gegen ihn gekämpft und während dieses Kampfes, Hitman Hart ist Kanadier, Yokozuna, der Schauspieler, ist Amerikaner, jubelt, schreit das Publikum, um Hitman Hart anzufeuern, USA, USA, USA.
Johannes Franke: So funktioniert
Florian Bayer: der gute Amerikaner gegen den bösen Ausländer. Das kann auch ein Kanadier sein, der gegen einen Amerikaner kämpft. Solange man weiß, wer der Gute ist und wer der Böse ist, weiß man auch, wo Amerika liegt und wo das Ausland liegt. Dieser Kampf ging auf jeden Fall so aus, dass Hitman Hart verloren hat und dann kam Hulk Hogan heldenhaft angerannt und hat Yokozuna zum Kampf herausgefordert und hat ihn dann innerhalb von einer Minute besiegt. Darüber war Hitman Hart richtig sauer über dieses Booking. Das Booking war so, weil Hulk Hogan seine Macht damals ausgenutzt hat und gesagt hat, ich will den Titel haben. Und Hitman Hart hat sich beschwert und Vince McMahon hat zu ihm gesagt, spiel das mit, Hulk Hogan hat schon zugesagt, er wird kurz darauf gegen dich verlieren. Dazu ist es aber nicht gekommen. Dann hat Hulk Hogan nämlich die WWF verlassen. Also Hitman Hart hatte schon damals Grund etwas sauer zu sein. Naja, auf jeden Fall genau. Die WWF hatte Anfang der 90er Probleme. Es gab diesen Steroid-Skandal, das ist rausgekommen, dass die Steroide genommen haben. Hulk Hogan hatte einen schrecklichen Auftritt im Fernsehen, wo er gesagt hat, ich habe keine Steroide genommen. Und kurz darauf war klar, er hat im Fernsehen gelogen, unser amerikanischer Held. Vince McMahon stand vor Gericht. Ach. Er hätte wirklich im Knast landen können dafür und ist aber rausgekommen, weil sie halt die Schuld, sie haben ein schwarzes Schaf gefunden. Sie haben halt dem Arzt, der da hinter den Kulissen war, der wurde dann halt irgendwie der verantwortlich. Aber Vince McMahon hatte natürlich seine Finger da genauso drinstecken, dieser Scheiße. Vince McMahon ist ein krasser Machtmensch, der hat viel gemacht fürs Wrestling, aber das ist kein angenehmer Zeitgenosse, glaube ich. Sieht man auch in diesem Film. Zu dem wir vielleicht auch noch kommen werden. Zu diesem Film kommen wir. Das ist der Zustand, in dem dieser Film startet. Die WWF hat Probleme, die WCW hat Hulk Hogan weggeschnappt und diverse andere Wrestler und jetzt kommt unsere Filmcrew, angeführt von Paul Jay und sagt, hey, lass uns doch einen Film über den derzeit berühmtesten Wrestler, das größte Babyface des Wrestlings im Moment bei der WWF machen, nämlich Hitman Hart. Man muss dazu sagen, Und es ist erstaunlich, wie viel Einblick er in diesem Film hinter die Kulissen kriegt. Und das Ganze war mit dem Segen der WWF. Es gab einen Vertrag zwischen Vince McMahon und Paul Jay. Und Vince McMahon hat gesagt, pass auf, ihr dürft Stock-Footage von uns benutzen und ihr dürft alles nutzen, was von uns Copyright ist. Die ganzen Gimmicks und Namen und so, die gehören alle eigentlich der WWF, die gehören nicht den einzelnen Wrestlern. Was zum Beispiel dazu geführt hat, dass Wrestler, die von der WWF zur WCW gewechselt haben, ihr Gimmick nicht mitnehmen durften und sich ein neues Gimmick suchen mussten. Und die WWF hat gesagt, nee, ihr könnt diesen Film drehen, total geil, macht das. Und dann folgt die Filmcrew halt Brad Hart, der damals wirklich das große Babyface war, der aus einer kanadischen Wrestling-Familie. Und es gibt viele Interviewsequenzen mit ihm, wir sehen ihn auch hinter der Bühne. Und es wird auch die Familie ein bisschen vorgestellt. Und während sie diesen Film gedreht haben, haben sie plötzlich gemerkt, oh, der ergibt sich beziehungsweise wahrscheinlich auch danach noch ein bisschen, der ergibt sich eine andere Storyline, die viel interessanter ist, als einfach nur hinter die Kulissen zu blicken. Nämlich die Vertragsstreitereien, die entstehen dadurch, dass Thread Angebote von der WCW kriegt und die ablehnt. Und dann aber, und dann einen sehr krassen Vertrag schließt mit Wins. Er kriegt 9 Millionen Dollar für drei Jahre, was wirklich viel ist offensichtlich. Er gehört damit zum bestbezahlten Wrestler der Promotion. Und dann stellt Wins aber wegen der ganzen Probleme fest, oh shit, ich hab gar nicht mehr genug Geld, ihn zu halten. Und versucht ihm zu sagen, ey, kannst du nicht vielleicht doch aus dem Vertrag raus? Und Pratt ist währenddessen allerdings Titelträger. Und das sorgt für einen Konflikt, weil Vince McMahon will, historisch gesehen tatsächlich, es ist so, was schon mal passiert, will nicht, dass einer von seinen Wrestlern mit einem Titel von der WWF bei der WCW aufmarschiert. Also muss Pratt hart den Titel verlieren, bevor er zur WCW wechselt. Und das wird dann, das ist so das, womit unser Film, was die große Klammer um diesen Film macht, der eigentlich nur eine Geschichte von Hitman sein sollte. Und plötzlich ist es halt eine Geschichte über diesen Konflikt und auch über das Ende dieses Konfliktes, nämlich den sehr berühmten Montreal Screwjob, den jeder kennt, der sich mit Wrestling auskennt. Ja, der sich auch nur ein bisschen damit auskennt, weil das ist das Erste, was du dann rauskriegst. Weil Hitman Hart soll den Kampf in Kanada verlieren, in Montreal, gegen Shawn Michaels, mit dem er eine tatsächliche Feder hat, einen Midwrestler, den er nicht sonderlich mag. Und er sagt, er kann das nicht. Er kann nicht vor seinem heimischen Publikum gegen diesen Shawn Michaels verlieren und er will das nicht. Und er hat für die letzten 30 Tage in seinem Vertrag stehen, kreative Kontrolle. Und deswegen sagt er zu Vince McMahon, wir müssen das anders machen. Ich gebe den Titel gerne ab, aber nicht in Montreal, nicht gegen Shawn Michaels, nicht vor meinem heimischen Publikum. Und Vince McMahon sagt, okay, was ist deine Idee? Bret Hart sagt, wir machen das folgendermaßen, Disqualifikation, da verliere ich nicht den Titel und wir machen einfach Chaos im Ring. Also ich werde in einen Submission Hold gehalten von Shawn Michaels, dann kommen Leute rein in den Ring. Es gibt zwei oder drei Szenen, wo sie den Kämpfe zeigen und parallel aus dem Off hören wir, wie sie die Kämpfe miteinander absprechen. Sehr gut. Es wird so gegengeschnitten. Und das ist der eigentliche Plan. Aber Vince McMahon, wie wir mittlerweile wissen, hat mit allen anderen hinter der Bühne abgesprochen, sobald Shawn Michaels den im Submission Hold hat, macht der Ringrichter, als hätte er aufgegeben und die Glocke wird geschlagen und er verliert seinen Titel. Und das passiert dann auch. Hitman Hart verliert den Kampf, den Titel, obwohl er es anders abgesprochen hatte. Und offensichtlich wussten alle, dass das so ist, außer er und seine Frau. Echt? Ich dachte, es wären fünf Leute gewesen, die es gewusst haben und der Rest nicht. Ich glaube, es wussten deutlich mehr. Ich glaube, und also solche Sachen. Was für eine geile Szene, wenn er da auf dieser Treppe und dieser elektrische Stuhl neben ihm an ist. Was hat er für ein Leben gehabt, dass das beruhigend ist? Ich wollte mit einer ganz soften oder vielleicht auch härteren Frage einsteigen. Ist dir Hitman Hart in diesem Film sympathisch geworden? Ja, ein bisschen schon. Ich habe nämlich auch jetzt wieder bei dem Film gedacht, es ist so krass. Also der Film erzählt natürlich seine Perspektive und versucht ihn auch so als Sympathieträger darzustellen und auch seinen Laien irgendwie zu zeigen. Ich finde, es gibt so viele Momente, wo rauskommt, was für ein großes Ego dieser Typ ist. Ja, ja, ja. Und wie selbstverliebt er ist. Und wenn er darüber redet, zum Beispiel, dass dieses Gimmick, was er hat, dieser Hitman, er versucht zu erklären, was das ist, warum ihm diese Figur so wichtig ist. Und dann sagt er, der Hitman steht dafür, dass man zu sich steht und dass man für eine Sache kämpft, nicht aufgibt. Und das sind nur Floskeln. Ja, ja. Und es ist so inhaltsleer. Und du hast das Gefühl, er macht hier gerade eine Figur groß und denkt so, du bist kein moralisches Vorbild, du bist ein Schaukämpfer.
Johannes Franke: Ich will wissen,
Florian Bayer: was aus ihr geworden ist. Das Krass ist ja, du sagst es, der Film unterstützt das natürlich und doch gibt es, und das ist natürlich Intention des Filmmachers, Intention des Protagonisten und dem, was dabei rauskommt. Ich finde, das behakt sich auch ein bisschen. Ich finde, es gibt diese Momente in dem Film, wo man merkt, dass der Film über das, was intendiert war, hinauswächst. Wo es eben diese Noten gibt, wo man sieht, was für ein absurder Scheiß ist das eigentlich? Wie ernst nimmst du dich, wenn du nach dem Kampf da sitzt und total frustriert bist, weil das Publikum dich ausbuht, weil du jetzt zum Heal geworden bist? Ey, du bist ein Schauspieler, verdammt nochmal, komm klar damit. Es gibt eine andere, Aber Hitman Hart hat gut verdient, ne? Natürlich hat er gut verdient. Der hatte seinen Drei-Jahres-Vertrag mit neun Millionen. Der war, es war jetzt nicht so, dass er wirklich Probleme hätte, Geld zu verdienen. Ich sehe tatsächlich, dass es ein Problem ist, wenn Vince plötzlich sagt, du musst raus aus dem Vertrag, ich will dich raus aus dem Vertrag haben. Das ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Aber dieses Heel, ich habe das Gefühl, bei diesem Heel und Face-Ding spielt wirklich Stolz eine ganz große Rolle. Und er ärgert sich dann ja auch sehr. Und dann sagt er zum Beispiel zu diesem, es gibt ja diesen Einkampf, wo dieser Heel-Turn stattfindet. Der übrigens einer, dafür mag ich Wrestling, einer der tollsten Heel-Turns der Geschichte überhaupt ist. Er kämpft gegen diesen Bösewicht, gegen Stone Cold Steve Austin. Der ganz viel Jubel bekommt, statt Bu-Rufe. Ja. Und dann gibt dieser Stone Cold Steve Austin nicht auf. Und liegt da blutend und schreit. Und schreiten wird irgendwann ohnmächtig. Und dann ist Hitman Hart wütend und tritt auf ihn ein, obwohl er ohnmächtig ist. Das ist der Heel-Turn von ihm und gleichzeitig der Face-Turn von Austin. Nur ganz sicher zu gehen, alle ihr da draußen, das ist alles, er blutet nicht wirklich. Doch, er blutet wirklich. Wirklich? Ja, ja, die schneiden sich. Es gibt, man sieht es teilweise in Kämpfen. Oh, okay. Es ist kein Kunstblut, was zu sehen ist. Also es gibt bestimmt auch Kämpfe, wo es Kunstblut ist. Okay. Aber die benutzen Rasierklingen oder so irgendwas, um sich in einem unbeobachteten Moment im Kampf, manchmal, es gibt Videos, wo man es sieht, ein bisschen einzuritzen und der Rest macht der Schweiß. Also es ist natürlich hauptsächlich Schweiß, aber es ist echtes Blut. Okay. was passiert. Wir sind ein Film-Podcast, wir reden nur über Staged-Sachen. Aber ja, gut. Aber die Storyline ist wirklich gut. Also wie gesagt, er liegt da, blutet, wird ohnmächtig und Hitman Hart tritt auf ihn ein, weil er sauer ist und das ist der Turn, wo er zum Heel wird und Austin zum Face und es war damals, glaube ich, die richtige Entscheidung, weil das Publikum hat nur noch so lauwarm auf Hitman Hart reagiert, unter anderem, weil er einfach zu glatt war. Er war ein zu glatter Superheld und sowas wollten die Leute Anfang der 90er nicht mehr sehen. Das war ein 80er-Ding. Hulk Hogan war halt weg. Hulk Hogan hat seinen eigenen Heel-Turn gemacht bei der WCW, der auch ganz toll war und die Leute wollten so Figuren wie Hitman nicht mehr sehen, der einfach zu nett war. Und Steve Austin war wirklich ein toller Heel, der zum tollen Babyface wurde und wir sehen, Hitman ist die ganze Zeit salty über das, was da passiert. Zumindest in dem Film wird das erzählt. Er findet es doof, dass er zum Heel wurde. Er findet es cool, dass er in Kanada noch Face sein kann. Und er regt sich darüber auf. Aber wenn du dir die Storyline anguckst, das, was damals passiert ist, war eigentlich gut. Das war auch gutes Storytelling. Er war als diese beleidigte Leberwurst, die sauer ist, dass die WWF sich so entwickelt, wie sie sich entwickelt hat und als jemand, der die ganze Zeit über die Promotion motzt und sagt, oh, das ist alles Kacke und warum jubelt ihr jetzt dem zu? Er war ein toller Heel. Das war eine tolle Story. Und das ist zum Beispiel ein Punkt, wo ich dann halt ihn sehe, wie er da sitzt und sich drüber beschwert und ich denke, ey, du hast hier gerade die größte Zeit deines Lebens. Du bist wirklich ein cooler Heel. Genieße das. und es ist so krass. Das ist auch so geil am Anfang, wenn er sagt, ich bin Face und wenn deine Kinder mich sehen, sind sie sicher. Also es ist alles sicher und es ist eine fucking Wrestling-Show. Sie kämpfen da, sie werfen sich auf die Matte, sie prügeln aufeinander ein. Ich meine, es gibt Blut zu sehen und es ist in Deutschland ein bisschen anders, aber in Amerika, das siehst du auch im Publikum, wenn du Szenen aus dem Publikum siehst, das sind Leute mit ihren jüngsten Kindern, das siehst du 5-Jährige, 3-Jährige auf Schultern, die auch jubeln, die auch die Amerika-Flacke schwenken und die wirklich voll drin sind in diesem Kampf und das ist schon krass und dann denkst du auch so, okay, und du vermittelst hier, du willst hier irgendwas von Werten und Moral erzählen, ihr macht hier eine Show für, vor allem wachsende Kinder geblieben sind, Die 5-Jährigen Kinder, die glauben es wahrscheinlich, das stimmt. Und die glauben auch, die, die halt noch an den Weihnachtsmann glauben, die glauben auch, aber das ist halt, ich weiß nicht, ob man die als Marx bezeichnet, das sind halt einfach Kinder, die sehr naiv sind. Ja. Ja, okay, Ja, es ist auch, es gibt halt auch diese Momente, wo man ihm wirklich abkauft, was er sagt. Zum Beispiel, wenn er sagt, ey, ich bleib bei der WWF, weil Loyalität für mich wichtig ist. Natürlich hat er einen guten Vertrag von Vince McMahon gekriegt, aber irgendwie merkt man, er fühlt sich da auch wohl in dieser Promotion oder er fühlt sich, er fühlt sich ihr verbunden und es gibt ja auch diese Geschichte und die wird ja auch sehr ausgebreitet, er kommt ja komplett aus diesem Wrestling-Haushalt. Du wolltest, glaube ich, was zu Stu sagen, zu seinem Vater. Es ist also so, what the fuck ist mit diesem Typen falsch? Es gibt diese absurde Sadisten-Szene, wo er einem Typen halt mal zeigt, ich zeige dir mal so einen Griff und dann hat er einen Griff und er sagt, ach ja, es tut weh, es tut weh. Und er so, guck mal, und jetzt siehst du da die Adern, wie sie langsam nach vorne gehen und wie sie gleich platzen und dann tätschelt eben noch so im Gesicht rum und haut zu. Und dieser Typ schreit warum dieser Typ überhaupt frei rumläuft. Ich finde es tatsächlich, ich sehe es auch mit so ein bisschen, mit so einer gewissen Distanz, weil es einfach, es ist so bizarr abgefuckt. Es ist absolut bizarr abgefuckt. Ich weiß nicht, ich kann über diese Szene lachen, aber die so wirklich, es ist total schrecklich, wenn man drüber nachdenkt. Ja, ja. Aber es ist so witzig, diese Szene und dann zeigen sie ja ein altes Footage, was sie aufgenommen haben mit der Heimkamera. Sie haben diese Musik, diese softe Musik im Vordergrund und im Untergrund hört man durch dieses Dungeon, das im Keller ist und da sind die Ohren, da gehen die ganzen Geräusche hoch, die verbreiten sich in der ganzen Wohnung, hört man die Schmerzensschrei von Leuten, die kämpfen. Und das ist total krass und das Video geht lange. Das ist wirklich ein, zwei Minuten, du hast diese softe Musik laufen und dann diese Schmerzensschrei. Und du denkst dir, Das ist eine Folterkammer. Es ist unglaublich. Dieser Stu hat jetzt zwölf Kinder und alle von denen landen im Wrestling-Business. Alle. Und die Frauen heiraten alle Wrestler und die Männer sind alle Wrestler. Und dann sehen wir die Frau von Stu da sitzen und ich habe noch nie einen so traurigen Gesichtsausbruch gesehen. Das ist so schlimm. Und ich habe Stu darum gebeten, dass wir damit nichts zu tun haben und er hat gesagt, ja, in ein paar Jahren bin ich draußen, aber naja, es ist anders gekommen und diese Frau sieht aus, als ob sie alles erlebt hätte. Alle Frauen. Bretts Kinder werden auch alle Wrestler. Die landen auch alle in dem Business. Und das Krasse ist ja, um nochmal zu der Frau von Stu zurückzukommen, die war voll drin. Die konnte da nicht raus. Es gibt mehrere Storylines in den 90ern. Also es gab mal so eine Fede zwischen Brett und seinem jüngeren Bruder Owen, wo dann die ganze Familie da sitzt. Das heißt, die saß auch im Publikum. Und dann gab es auch wirklich Fäden, die erzählt wurden, wo sie auch mal, ich glaube es war sie, dass sie auch mal so einen Body Slam abkriegt. Okay. Und also sie ist auf jeden Fall voll drin in den Storylines. Und die Familie, weil das halt auch so eine tolle Geschichte ist, wird ständig reingezogen. Sie müssen ständig diesen Scheiß mitspielen. Diese arme Frau war so oft bei Kämpfen und musste so oft ihre Rolle spielen. Wahnsinn. Warum die überhaupt durchgehalten hat, Das Krasse ist ja, dass Brett tatsächlich erzählt, dass er gar nicht unbedingt Wrestler werden wollte und das Duo wollte sogar offensichtlich, dass er eher Amateur-Wrestler wird. Lustigerweise, wenn wir gerade von Wrestling reden, reden wir von Professional Wrestling. So wird dieser Showkampf genannt. Und wenn wir von Amateur-Wrestling reden, dann reden wir von dem, was bei den Olympischen Spielen stattfindet. Also von echtem Wrestling. Also was völlig anderes. Wo wirklich gekämpft wird. Ja. Es ist so witzig, dass die Show Professional Wrestling genannt wird. Ja, ja. Der echte Kampf Amateur-Wrestling. Und Stu war eine riesige Nummer. Der hatte dieses Stampede-Wrestling und Wins hat unter anderem ihn aufgekauft und damit auch Brett. Und dadurch war er da drin. Die haben alle Angst Unglaublich. Der wirkt bei jedem einzelnen Schmerz, den er anderen zufügt, wirkt ja, als ob er tierischen Spaß dabei hätte. Wahnsinn. Und das noch in diesem Alter und dass er das überhaupt noch hinkriegt, ist wirklich krass. Mit dieser Präzision. Kommen wir zu dem anderen Gruseligen, nämlich zu Vince McMahon. Der halt so, der mächtige Mann im Hintergrund ist. Und ich hab, als ich Wrestling in den 90ern geguckt habe, wusste ich nicht, dass Vince McMahon hat ganz lange die Rolle des Kommentators gespielt. Also bei Wrestling-Matches sind immer so Kommentatoren live direkt am Ring. Und ich dachte einfach, ah, Vince McMahon ist für Wrestling das, was, wie heißt der, Michael Buffer für Boxen ist. Das ist der, der eine coole Stimme hat und deswegen darf der Sachen ansagen. Und ich wusste nicht, dass der der mächtigste Mann in diesem Sports-Entertainment ist. Der ist der Chef, Ja, das war schon ziemlich groß. Der Vater war auch schon darin so ein bisschen involviert, dass das größer wurde, aber Vince McMahon war dann so der Mastermind dahinter, das wirklich zu einer globalen Größe zu machen. Naja, also die Stars verdienen schon ziemlich gut bei ihnen. Ja. Aber ja, es ist, Vince McMahon ist irgendwie, das ist halt wirklich so der eiskalte, krasse amerikanische Unternehmer-Typ. Ja. Und es reden viele auch gut von ihm. Also viele sagen auch, dass sie wirklich eine gute Zeit bei der WWF oder WWE später hatten und dass er das toll gemacht hat. Aber es war halt jemand, der halt eiskalt sein Machtspielchen gespielt hat und der sehr genau die Geschäfte im Blick hatte. Und das ist ja auch ein Grund dafür, dass es dann diesen Konflikt gibt, weil Vince McMahon einfach sieht, oh, ich kann mit Brad als Heel nicht mehr so viel anfangen. Ja. Und der dich dann halt auch fallen lassen kann, wenn er das Gefühl hat, dass es nicht funktioniert. Das ist schon echt hart. Es gibt eine Szene in dem Film, wo Brad sagt, dass er jetzt die Kamera ausgemacht haben will und das ist, nachdem er erfahren hat, dass Vince McMahon ihn loswerden will. Das ist so ehrlich. Der hat das so ehrlich gesagt und es war so heartbreaking in dem Moment. Ja. Can we cut this off now for a while? For a little while? Ja. Und dann er sagt, das ist ja krass, Vince sagt, er will ihn, er will, bitte geh aus dem Vertrag irgendwie raus, ich kann dich nicht bezahlen und er sagt zu Vince dann nochmal, die WCW hat mir ein Angebot gemacht, aber bitte talk me into staying. Ja. Er will bleiben. Er will bleiben. Er nimmt ein schlechteres Angebot an, es ist total okay, er will einfach nur bleiben. Diese Loyalität diesem Peiniger gegenüber. Das ist total krass, ne? Das ist unglaublich. Ja. Und diese Verzweiflung, wenn er dann realisiert, er hat wirklich gerade keinen Platz mehr an diesem Ort, zu dem er sich eigentlich zugehörig gefühlt hat. Ja. Ich glaube, ganz viel, was so an Offtext gesagt wird, kommt auch aus diesem Frust, weil es gibt ja so diese sehr langen Monologe von ihm, dass Wrestling nicht mehr das ist, was es mal war. Ja. Er sagt ja, das ist brutaler geworden, das ist dreckiger geworden, sexueller geworden. Sexueller geworden. Ja. Das war auch, das hat sich, es hat sich verändert in den 90ern, aber nicht zu dem Zeitpunkt nicht so krass, wie er das darstellt. Er übertreibt da. Okay. übertreibt da und ich glaube, es ist auch ganz viel so, dass er sich das für sich redet. Er muss, wenn dieser Ort ihn abstoßt, muss er irgendwie das erklären, dass dieser Ort sich verändert hat. Ich glaube, das spielt, also es ist ganz viel so Coping. Ja, okay, verstehe. Weil man merkt ja auch in diesen Backstage-Szenen, er fühlt sich da immer noch wohl. Es gibt so ein paar Momente, die finde ich total krass süß. Zum Beispiel eine Sache, Shawn Michaels, über den er die ganze Zeit lästert und sagt, der ist so ätzend und das ist so ein großes Ego und so weiter. Wir haben eine Szene, wo Shawn Michaels mit Brad's Sohn spielt, wo die sich so gegenseitig am Ring jagen und dann pinnt er ihn. Und Brad's Sohn ist die ganze Zeit dabei. Also ist oft mit Brad offensichtlich auch in den Kabinen und auf Tour gegangen. Und wo ich dann denke, ah, okay, vielleicht übertreibt er auch gerade mit seiner Erzählung, wie scheiße Shawn ist und wie sehr er den hasst, weil er sich das selbst zurechtreden muss und vielleicht war es gar nicht so krass, weil wie kann man sich sonst erklären, dass der Sohn mit ihm spielt und so offensichtlich Spaß mit ihm hat. Und wir sehen ja auch Szenen, wo sie Backstage miteinander reden und dann später nach dem Screwjob, wenn sie in der Kabine sitzen und er sagt, Shawn, hattest du was damit zu tun? Und er sagt, nein, ich hatte nichts damit zu tun, Gott ist mein Zeuge. Und man hat schon das Gefühl, dass es gab eine Kollegialität zwischen ihnen, auch wenn es Probleme gab. Und dann übertreibt er vielleicht ein bisschen damit, dass er ihnen so schlecht redet, einfach um für sich selbst das zu verarbeiten, dass er da gerade rausfliegt. I don't know. Ja, kann ich aber gut nachvollziehen. Ich glaube auch. So geil, wie er sich erklärt, dass er dann, wie er sich seinen Heal-Turn erklärt und sagt, okay, ich will die Fans zu den Bad Guys machen. Das ist eigentlich aber auch geil. Ja. Ja, natürlich. Aber wir haben ja auch eine Rolle. Massive Coping. Und es ist tatsächlich, also es ist schon geil, dass er es schafft, in Amerika der Bad Guy zu sein und in Kanada der Held bleibt und dann auch in Kanada auftritt und sagt, danke, dass ich noch euer Held sein darf. Ja, ja, ja. Und dann gibt es ja so diese paar, es werden ja so ein paar Promos gezeigt. Auch einmal, das finde ich toll, wie er sich verspricht, hier diese energiegeladene Promo macht. Und dann bei Wrestling, nochmal. Und es werden ja auch diese Promos gezeigt, mit denen er offensichtlich nicht so einverstanden ist. Ja. Also dieses USA-Toilet-Ding. Was war das? Wenn die Amerikaner Toilette ist, dann ist das hier das Hole. was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber, aber, aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen? iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt. und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Und da ist was, wo wir halt, wir lernen in diesem Film auch sehr viel über den Wrestling-Nationalismus in Amerika kennen. Ja. Und wir sehen dann ja auch die Fans, die, ähm...
Johannes Franke: Es gibt so einen schönen Schnitt auf den Kanadier. Die beleidigt werden von den Amis. Und die Kanadier, selbst wenn sie versuchen, die Amis noch zu beleidigen, sind die nettesten Menschen der ganzen Welt.
Florian Bayer: Ja, Kanadier können einfach nicht böse sein.
Johannes Franke: Es ist wirklich sehr süß.
Florian Bayer: Und das ist halt wirklich krass. Dieses Patriotismus-Ding ist halt eng mit dem Wrestling verknüpft. Und ich finde es eigentlich ganz witzig, wie auch gezeigt wird, wie übertrieben das Ganze ist. Wie mit diesen Nationalismen gespielt wird. Und ja, der Film will das gar nicht so unbedingt so hervorkehren, aber es kommt einfach so eindeutig raus, wie drüber das ist und wie krass hier mit billigsten, simpelsten Gefühlen gespielt wird, um halt irgendwie, um halt diesen Heat zu erzeugen. Ja. Ich glaube, Wrestling zieht auch auf jeden Fall eher eine rechte Fanbase an. Oder sagen wir mal eine konservative Fanbase. Ja. Wir haben ja auch, Vince McMahon war ausgesprochen, ziemlich eindeutig, was seine politische Haltung betrifft. Und zwar hat er das in Storylines verarbeitet. Als Vince McMahon Stress hatte mit den Steuern, hat er einen Healer erschaffen, der heißt IRC, wie die amerikanische Steuerbehörde. Geil. Tritt im Anzug auf, mit Schlips, geht vor das Publikum und sagt, ihr habt alle eure Steuern nicht bezahlt und ich werde eure Steuern kriegen. Und dann werden halt Storylines gebaut, darum, dass er einen Steuerhinterzieher jagt und jedem durchsichtig Steuerhinterzieher zu sein. Vince McMahon, Vince McMahon war richtig gut mit Donald Trump befreundet. Ach du Scheiße. Und daraus gibt es, vielleicht habt ihr das mal gesehen, es gibt dieses Meme, das Trump-Fans gerne posten, wo Donald Trump einen Bodyslam bei irgendwem macht. Ach stimmt. Donald Trump war in Wrestling involviert wegen dieser Freundschaft mit Vince McMahon und durfte all das, ich glaube es hieß Battle of the Millionaires und zwar, dazu kommen wir später nochmal, Vince McMahon hat dann ja aus diesem Bösewicht-Chef ein eigenes Gimmick gemacht und ist selbst quasi aufgetreten mit diesem Gimmick. Auf jeden Fall gab es diesen Battle of the Millionaires, wo Trump aufgetreten ist. Vince McMahon ist definitiv kein Linker, Vince McMahon ist eher rechts und die ganzen Storylines, die im Wrestling erzählt wurden. Viele sind auch rechts. Es wird kurz, es wird kurz angedeutet, dieser, die Golddust wird gezeigt in dem Film. Golddust spielt mit der Homophobie. Golddust ist der, der exzentrische, golden angemalte Wrestler und es wird nie gesagt, dass er homosexuell ist, aber er soll ganz klar diesen Nerv treffen und der wird auch entsprechend von den Fans ausgebucht. Der hat wohl irgendwann mal damit gespielt Krass. Der durfte Face werden irgendwann und der wurde auch, Wrestling ist mittlerweile, Wrestling ist heute nicht mehr so, nicht mehr so krass, wie es in den 90ern war, was Rassismus und so betrifft. In den 90ern gab es alles Blackfacing. Es gab, du kannst, es gibt jedes nationale Stereotyp, das es gibt, wurde irgendwann im Wrestling verwurstelt. Es gab Iraker, es gab Russen, es gab Deutsche und alle mit den übelsten Klischees und oft halt auch nicht gespielt von Natives, sondern von anderen. Und Golddust zum Beispiel war halt dieses so, wir machen uns lustig über Schwule und der wurde, glaube ich, auch entsprechend mit F-Slurs und so weiter von Fans ausgebucht. Oh Mann. Aber auch Golddust durfte Ende der 90er Jahre irgendwann mal einen Faceturn haben und wurde dann, ist immer noch so aufgetreten, so exzentrisch und wurde aber dann auch bejubelt von Fans und hat sich dann auch, glaube ich, eher so als Polyamor präsentiert und hat gesagt, er ist nicht homosexuell, sondern er liebt einfach alle. so aufgetreten sind. Und darauf wollte ich eigentlich noch mal zu sprechen kommen. Ich glaube, den Nationalismus nehmen die Fans sehr ernst. die wissen, dass Pratt das nur spielt mit der USA-Beleidigung, aber da hört der Spaß auf. Wenn die USA beleidigt wird, dann brüllen wir USA dagegen und dann ist es auch kein Spiel mehr. Dann ist das wirklich ernst gemein. Ah, okay. Aber andererseits, offensichtlich kommt es ja nicht zu Ausschreitungen. Also es gibt keine Geschichten von amerikanischen Fans, die sich mit kanadischen Fans prügeln während so einem Wrestling-Match, sondern es funktioniert offensichtlich in diesem Kayfabe. Sollen wir mal zu Montreal kommen, was dann passiert? Okay, kommen wir zu Montreal. Also Pratt's Vertrag läuft aus und er hat tatsächlich es geschafft, einen Vertrag bei der WCW zu ergattern. Und er hat aber noch den Titel und Vince McMahon sagt dann, er soll den Titel aber an Shawn Michaels abgeben. Pull him over. Was wir noch nicht besprochen haben, Vielleicht hat er auch mehr Hoffnung. Also Vince McMahon ist dafür bekannt, dass er öfter auf die falschen Wrestler gesetzt hat und das dann korrigiert hat. Er hat... Kein guter Geschäftsmann oder was? Nein, nein, nein, kein guter... Teilweise kein gutes Gespür dafür, was die Fans sehen wollen. Ja, okay. In den 80ern hat das mit Hulk Hogan saugut funktioniert. Er hatte genau das richtige Gespür. Er wusste, Hulk Hogan ist das, was die Fans sehen wollen und hat dann wirklich gute Arbeit gemacht als Booker. Ja, okay. Und in den 90ern hat er aber diese Geschichte weitererzählen wollen. Er hat versucht, mit Lex Luger genau so einen Typen aufzubauen. Hat überhaupt nicht geklappt. Okay. Deswegen hat er Hitman geholt. Hm. Hat aber auch nicht so richtig geklappt. Und ich glaube, er hat einfach... Ihm hat dann irgendwann in den 90ern ist ihm so ein bisschen das Gespür dafür abhanden gekommen, wen die Fans gerne als Helden sehen wollen. Hm, okay. Und ich glaube, er hat einfach gehofft, dass er mit Hitman einen zweiten Hulk Hogan, eine zweite Hulkamania schafft. Ja. Und das hat halt nicht geklappt. Und ich kaufe ihm ab, dass er wirklich überrascht war davon. Und dann hat er gedacht, okay, dann versuchen wir es mit dem Heel-Turn. Und hat festgestellt, scheiße, das klappt auch nicht. Und dann war es, okay, ich habe jetzt hier einen überbezahlten Heel. Ja. Der einfach nicht so geil ist. Und das kann nicht sein, dass er der bestbezahlte Wrestler meiner Promotion ist, während eigentlich mein Star gerade Steve Austin ist. Nee, absolut. Nein, nein. Wins McMahon verhält sich in diesem Ding auf ganz vielen Ebenen scheiße. Und das sehen wir ja auch vor allem, Wins McMahon hat kein Problem damit, offen Brad anzulügen. Brad schneidet dieses Gespräch mit und Wins McMahon sagt ganz klar, nee, wir machen es so, wie du willst. Wir machen dieses Chaos am Ende des Kampfes. Du behältst deinen Titel und danach kriegen wir eine andere Lösung. Ja. Er lügt ihn einfach rotzfrech an. Es ist unglaublich. Ja, er hatte die kreative Freiheit und er hat ja auch lange mit sich gehandelt und gesagt, nee, den Ball spiele ich jetzt. Moralisch gesehen, ich kann absolut nachvollziehen, dass Vince McMahon sagt, nee, ich kann nicht den Wrestler mit dem wichtigsten Titel unserer Promotion mit diesem Titel zu einer anderen Promotion gehen lassen. Es gab vor ein paar Jahren davor, gab es das. Es war, glaube ich, eine Wrestlerin. Ich weiß es nicht ganz sicher. Die ist mit dem Titel dann bei der WCW und hat den in den Müll geworfen. Ja. Und natürlich ist total denkbar, dass in dieser Zeit, wo diese Monday Night Night Wars waren, wo die beiden Promotions gegeneinander gekämpft haben um die Einschaltquoten, dass sowas passiert, war total denkbar. Die waren zu sehr verfeindet. Ja. Es war wirklich, es war wirklich, ja, es wäre so schön denkbar gewesen. Das Problem war damals, dass die WCW das schon gemacht hat. Die WCW hat es gemacht, ohne die WWF einzubeihen. Von der WWF sind zwei Wrestler zur WCW gewechselt und haben dann so gemacht, als ob sie noch bei der WWF fährt. Stimmt, ja. Und haben gesagt, ey, ihr wisst woher wir kommen und wir werden jetzt diesen Laden richtig aufmischen. Und daraus ist eine der besten Storylines überhaupt entstanden, weil das war, das war nämlich sowas, wo viele Fans Marks waren, weil niemand wusste, dass die die Promotion gewechselt haben. Dann plötzlich diese bekannten WWF Wrestler zu sehen, die sagen, ey, wir machen euch fertig. Es gab da glaube ich wirklich Leute, die dachten, oh krass, da passiert jetzt was, die Promotions kämpfen jetzt gegeneinander. Und zumindest Vince McMahon hat das so gesehen, der hat nämlich ganz schnell die WCW verklagt und hat gesagt, ihr müsst jetzt im Fernsehen, müsst ihr jetzt sagen, dass die nichts mit der WWF zu tun haben, sondern dass die bei euch sind, was sie dann auch gemacht haben. Also, da war wirklich zu viel Feindschaft zwischen den Promotions und zu viel Konkurrenz. Die hätten nichts, allein, wir hätten sie sich einigen sollen, wer das Ding ausstrahlen darf. Ja, das stimmt. Die haben ja wirklich um die Zuschauer gekämpft Die hätten davon profitieren können, aber ich glaube, dafür waren die dann auch alles zu stolze Egos. Ja, das muss man echt sagen. Wenn wir eins aus dem Film lernen, dann Wrestler sind alle Egos. Es ist wirklich so. Es ist krass. Jeden Einzelnen, den wir da sehen. Naja, auf jeden Fall, Brad ahnt das schon und Julie, seine Frau auch, die sagt nämlich von Anfang an, ich glaube, mir wird es kein Wort. Ja. Und deswegen zeichnet Brad das auch heimlich auf, was sie besprechen. Ich glaube, sowohl Brad als auch Julie sind sich schon sehr sicher, dass da sowas passieren wird. Ja. Sowas Fischiges. Und es ist auch nicht das erste Mal in der Geschichte des Wrestlings. Es ist früher öfter passiert, dass Leute sich nicht an die Absprachen gehalten haben, Kämpfe gewonnen haben. Okay. Und es gibt einige Geschichten aus der Geschichte des Wrestlings, wo das einfach passiert ist. Und es passiert dann ja auch. Wins hat sich, in dem Film wissen wir es noch nicht, aber Wins hat sich zumindest mit Shawn Michaels, dem Ringrichter, der anscheinend ein guter Freund von Brad ist, weil Brad sagt, er vertraut ihm. Ja. Aber der Ringrichter macht dann auch mit. Und wie wir mittlerweile wissen, mit Triple H, mit Hunter Hirst Hemsley, der auch einen ganz anderen Namen hat. Okay. Der irgendwann am Anfang sagt, Brad Hunter spielt den Snob, den englischen Snob. Und der erzählt dann auch, wenn ich mich verbeuge vor den Fans, nachdem ich fies war, dann kriege ich richtig Heat. Das funktioniert toll. Zudem muss ich gleich noch was sagen. Ja. Auf jeden Fall hat er sich mit dem abgesprochen und dann passiert eben das, dass der Kampf frühzeitig abgebrochen wird, im Sinne von, Shawn Michaels gewinnt und Brad ist richtig pisst. Ja. Glaubst du, dass das worked ist oder glaubst du, dass das echt ist? Also, dass er wirklich reingelegt wurde und keine Ahnung, dass nichts abgesprochen war. Oder glaubst du, dass es abgesprochen gewesen? Weil es gibt ja diese Verschwörungstheorie. Ja, ja. Und die Bilder, die wir dann haben von danach und währenddessen sind ja auch teilweise, also währenddessen sehen wir natürlich die Fernsehbilder, aber von danach sind ja auch teilweise so verwackelte Bilder. und ich finde, Brad wirkt wirklich überrascht, also nachdem dieser Gong kommt und dann sieht man ja, wie er die Beine von seinem Kontranten wegzieht, also offensichtlich, oder sich befreit aus diesem Submission-Hole und wirklich so schockiert ist darüber, was passiert ist. Ja. Und ich finde, es wirkt so echt, dass er dann, er spuckt dann ja Vince McMahon an. Ja. Und er trifft, er trifft, aber so richtig. Richtig krass. Also Mann, kann der gut spucken. Ja. Und der haut irgendwas kaputt, irgendein Soundsystem oder so, Ja. es ist ja auch echt ein bisschen chaotisch und Shawn Michaels zum Beispiel geht dann ja auch ziemlich schnell nach hinten. Ja. Der will ja gar nicht groß feiern. wie du so schön sagst. Wir kommen dann Backstage zu meiner Lieblingsszene des Films. Ja,
Johannes Franke: wie die Frau.
Florian Bayer: Und sie stehen da wie kleine Schuljungen. Das ist Triple H, der da Kaugummi kaut und diese langen Haare hat. Okay. Hunter nennt sie ihn. Hunter ist sein Bühnenname. Okay. Und der so runterschaut und der war sehr gut mit Vince McMahon, damals befreundet. Ja. Und der hat ziemlich viele Booking-Entscheidungen getroffen auch. Aha. Weil er galt offensichtlich, offensichtlich hat er irgendwie, er war ein normaler Wrestler wie alle anderen auch. Ja. Aber er hat offensichtlich ein Händchen für Booking. Naja. Und durfte dann immer mehr kreativ mitentscheiden. Und mittlerweile weiß man, dass er ganz wesentlich dafür verantwortlich ist, Vince vorzuschlagen. Lass es uns so machen, das funktioniert. So können wir es machen und wir kriegen den Titel. Okay. Und Triple H hat später die Tochter von Vince McMahon geheiratet und ist mittlerweile der Chef von der WWE. WWE. Oh. Okay. Das ist der nächste Machtmensch, der dann nach oben gekommen ist. Krass. Der als einfacher Wrestler angefangen hat und diese Persona gespielt hat, das arroganten Briten, das Snobs, das Adligen und dann irgendwie so nach und nach zu einer richtig krassen Wrestling-Figur geworden ist und der ist jetzt Chef. Ja. Ich glaube, er kämpft nicht mehr, aber er ist halt noch bei Promos und so. Also der Chef, der wird halt auch ständig gezeigt. Ja. Und dann gibt es einen Kampf, den wir nicht sehen. Beziehungsweise keinen Kampf. Es ist ein sehr einseitiger Kampf, aber offensichtlich verpasst Brad Vince McMahon noch eine hinter. Ja. Hinter den Kulissen. Ach Gott. Es gibt verschiedene Erzählungen darüber. Man hört, es gibt sehr viele Wrestler, die darüber reden, weil es waren wohl mehrere Wrestler im Locker-Room, als es passiert ist. Ja. Und ein Narrativ ist, Vince McMahon hat gesagt, okay komm, du darfst einmal zuhauen. Okay. Und einen Schlag hast du, den hast du dir verdient, aber es ist nicht ganz glaubt, das stimmt. Und andere sagen, es ist keine Ahnung, wie er ihn getroffen hat, er hat über drei Leute drüber gehauen. Aber er hat den wohl wirklich ausgenockt, weil wir haben ja dann diese Szene wie Vince McMahon an der Kamera vorbeitorkelt und er sieht aus, als ob er kurz das Bewusstsein verloren hätte. Der hat gesessen. Ja. Krass, ne? Da hauen sie ja ständig auf. Ja, ja, genau. Das ist für mich immer so unbegreiflich. Ja, das sieht auf jeden Fall, Vince sieht ziemlich mitgenommen aus, als er rausgeht. Und dann werden auch das, werden nochmal diese Interviewfetzen gezeigt vom Anfang. Das wurde im Fernsehen ausgestrahlt, wo Vince sagt, Prats, crude Prats and I have no sympathy for him. Ja. Das hat die WWF gesendet. Das wurde tatsächlich, und dieses, um das schon mal vorwegzunehmen, Vince McMahon hat aus dieser ganzen Geschichte sehr viel Positives für sich mitgenommen. Er hat nämlich daraus diese Persona konstruiert, diesen bösen Chef, Vince McMahon, der dann einen riesigen Feud hat mit Steve Austin. Stone Cold Steve Austin. und die ist wirklich groß geworden. Und sie war auch ein bisschen inspiriert von dem damaligen WCW-Chef Eric Bischof, der hat nämlich genau dasselbe gemacht. Achso. Ein bisschen früher auch. Oh, okay. Den bösen Corporate, den bösen Boss. Und das ist mittlerweile so ein Staple im Wrestling. Das hat eigentlich jede Promotion. Jede Promotion hat so einen Chef. Manchmal ist es gar nicht der echte Chef. Ja. Die WWF hatte auch ganz lange so einen Fake-Präsidenten. Okay. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß. Es gab auf jeden Fall so einen Präsidenten, der die höchste Entscheidung getroffen hat. Das war auch einfach nur ein Schauspieler. Okay. Brett geht zur WCW und der Film endet mit so einer positiven Note ein bisschen. Was war überhaupt nicht gut für Brett bei der WCW? Nee. Das ist total schief gelaufen. Das ist echt traurig. Die wussten nichts mit ihm anzufangen. Ja, und die WCW ist allgemein auch ein bisschen den Bach runtergegangen. Die WCW ist voll den Bach runtergegangen. eine Zeit lang lag die WCW vor der WWF. Und das hat wirklich gut funktioniert. Die WCW hat es geschafft, diesen riesigen Konkurrenten auszuschalten. David gegen Goliath. WCW hat gewonnen. Die hatten mehr Publikum. Und dann haben sie es verbockt. Dann haben sie mit dieser NWO-Storyline, also mit diesem, jemand aus der WWF kommt und übernimmt den Laden oder was ist das? Das war die große Storyline, die für ihren Erfolg gesorgt hat. Die haben sie überzogen. Und dann waren immer mehr in dieser vermeintlichen Konkurrenz-Promo drin. Dann konnten sie nichts mit Bret Hart anfangen. Und dann haben sie nur noch Bock missgebaut. Das ist total krass. Das bekannteste ist, dass einer von den Kommentatoren bei der WCW hat verraten, wie der Titelkampf bei der WWF ausgeht. Nein. Die WCW war live und die WWF war live on tape. Das heißt, wenn man irgendwie Kontakte hatte, wusste man, was passiert an dem Abend. Ja. Die WCW hat das erfahren, dass an diesem Abend ein Titelkampf so ausgeht, dass jemand, bei dem man es wirklich nicht erwartet hätte, den Titel gewinnt. Und dann haben sie gesagt, Alter. Ihr müsst da nicht einscheinen, der Titelkampf wird so ausgehen. Das macht man nicht. Mit dem Ergebnis, dass ganz viele Leute von ihnen weggeschaltet haben, weil sie wissen wollten, wie der Titelkampf ausgeht. Voll der Bumerang. Ja. Und in dieser, da gab es auch noch, das war auch eine Episode, in der so was ganz Dummes passiert, wo sie was ganz Dummes inszeniert haben. Fingerpoke of Doom. Muss ich nicht erzählen. Mit Hulk Hogan. Okay. Einfach eine saudumme Storyline. Und das gilt so als der Wendepunkt und dann hat die WCW es einfach verbockt. Bret Hart durfte lange nicht kämpfen, weil der war noch, es gab so eine Vertragsklausel mit der WWF, dass er nicht kämpfen darf. Deswegen war er bei der WCW am Anfang nur als Ringrichter oder als Kommentator aktiv. Hm. Sie haben versucht, den Montreal Screwjob zu nutzen als Storyline. Bret Hart war Ringrichter und hat dann gesagt, nein, Moment, das ist gefakt oder so und hat das quasi eingearbeitet. Okay. Das haben sie damals viel gemacht, dass sie dann angefangen haben, dieses große Kayfabe, diesen großen Kayfabe-Bruch des Montreal Screwjob in Storylines zu verarbeiten. Kunst imitiert leben. Ja, genau. Schön. Und die WCW ist langsam zugrunde gegangen und Jahr 2001, glaube ich, oder 2000, und 2001 wurde sie von der WWF aufgekauft. Oh. Warum? Es gab ein, bei diesen Vertragsstreite, äh, bei diesen, genau, bei diesen Streitereien zwischen WWF und WCW, als die WCW sagen musste, diese Wrestler gehören, äh, gehören nicht zur WWF, sondern gehören jetzt zu uns. Ja. Gab's auch ein Ergebnis, ist, dass die WWF ein Vorkaufsrecht gekriegt hat. Sollte die WCW irgendwann mal pleite sein, wäre die WWF die erste, die kaufen dürfte. Okay. Woraufhin Vince McMahon gesagt hat, im Jahr 2001, als die WCW pleite war und keinen Sendeplatz mehr hatte, ich kaufe die jetzt für vier Millionen, was ein Spottpreis war. Ja. Und in der letzten Ausgabe der WCW, März 2001, ist dann Vince McMahon gekommen, also wurde bei der WCW gezeigt und hat gesagt, das gehört jetzt alles mir. So als böser Boss. Geil. Das gehört jetzt mir. Oh mein Gott. Und dann kam, dann wurden die Wrestler von der WCW zur WWF gebracht und es gab verschiedene Storylines drumherum und so weiter. Ganz viele von den Menschen, die wir in diesem Film sehen, sind tot. Owen Hart, der jüngere Bruder von Pratt, war der erste, den hat es erwischt. Der ist bei der WWF geblieben, während zwei andere von den Harts auch zur WCW sind, aber Owen Hart war in Vertrag gebunden. Und der ist ein oder zwei Jahre später, ist er gestorben. Oh Mann. Bei einem Auftritt und zwar gab es damals öfter die Tradition, dass Leute an Seilen in den Ring gelassen wurden. Also ich lande fliegend im Ring und bei einer Wrestling-Veranstaltung und sollte Owen Hart genauso landen und da ist ein Seil gerissen und ist runtergestürzt und musste ins Krankenhaus und ist dann an seinen Verletzungen gestorben, während die Veranstaltung weiterlief. Vince McMahon hat die Veranstaltung weiterlaufen lassen, wurde ihm auch später sehr zum Vorwurf gemacht und hat die Wrestler, die gekämpft haben, nicht informiert, dass einer ihrer Kollegen gerade tot ist. Fuck, alter. Scheiße. Bret Hart hatte einen Schlaganfall, irgendwann Anfang der 2000er Jahre, den ziemlich mitgenommen hat und trotz all dieses Stresses, das ist vielleicht noch so was, was erwähnt werden kann, Bret Hart kam zurück zur WWF. Oh. Er wurde, also es gab lange diesen Twist und es sah lange so aus, als würde Bret nie wieder, nie wieder bei der WWF auftreten. Aber 2007, zehn Jahre nach diesem Vorfall, wurde er in die Hall of Fame gebracht. Das sind die großen Wrestler aller, die größten Wrestler aller Zeiten werden von der WWF irgendwie so, kriegen so eine Ehrung. Und dann gab es auch einen Auftritt wieder in der WWF. 2010, ein paar Jahre später, wo er in den Ring gegangen ist und gesagt hat, ich will jetzt erst mit Shawn Michaels sprechen. Shawn Michaels kommt in den Ring. Okay. Und Shawn Michaels sagt zu ihm, du bist schuld an dem Screwjob, du bist ein schrecklicher Mensch, ich glaube, dass du den verdient hast, aber ich glaube, wir sollten mit der Vergangenheit abschließen. Okay. Und sie umarmen sich im Ring. Oh mein Gott. Aber es ist work. Also wir wissen nicht, wie gut sie sich vertragen haben. Sie waren alt mittlerweile, also sie sind dann ja 50, wahrscheinlich haben sie sich tatsächlich irgendwie vertragen. Nee, sogar noch älter. Über 50. Wahrscheinlich haben sie sich wirklich irgendwie vertragen. Dann sagt er, und jetzt will ich Vince McMahon sehen. Vince McMahon kommt in den Ring. Vince McMahon sagt, ja, Bret Hart, du hast immer ein Problem für mich, aber ja, ich bin auch der Meinung, wir sollten unsere Probleme beseitigen. Sie umarmen sich. Vince McMahon dreht sich um und tritt Bret Hart in die Eier und schlägt auf ihn ein und geht aus dem Ring raus. Oh mein Gott. Und daraufhin wird natürlich, wie im Wrestling, werden solche Probleme, solche Konflikte immer mit Kämpfen gelöst. Daraufhin wird ein Kampf ausgemacht zwischen Bret Hitman Hart und Vince McMahon. Dazu muss man, Vince McMahon, das sieht man in dem Film nicht so, der war fit. Der hat gekämpft, der war ein Wrestler. Der hat Ende der 90er hat er angefangen, diese Feuds zu machen als böser Chef und ist dann auch in den Ring gegangen. Ja. Und klar, der ist nicht so gut wie die anderen Wrestler, weil er einfach nicht so im Training ist, aber der hat solide Kämpfe gemacht. Okay. Auf jeden Fall wurde dann ein Kampf gebuckt zwischen ihm und Bret Hart, was ein schrecklicher Kampf ist. Ganz schlimm, kann man sich nicht anschauen. Okay. Weil beide sind alt. Ja. Bret ist über 50, hat einen Schlaganfall. Vince ist über 60, über 70 vielleicht sogar. Keine Ahnung, ist auf jeden Fall auch sehr alt und sie haben das dann so gelöst, dass sie gesagt haben, okay, wir machen jetzt einfach ein Match, bei dem Bret Hart quasi seine Genugtuung kriegt. Ja. Sprich, dieses ganze Match besteht nur darin, dass Bret Hart Vince McMahon verprügelt. Okay. Ist aber unglaublich schlecht gebuckt, weil man während dieses Kampfes irgendwann anfängt, Mitleid mit Vince McMahon zu haben. Oh nein. Ganz eindeutig, Bret Hart ist Face und Vince McMahon ist Heal in diesem Moment. Ja. Und aber es ist so einseitig, weil es wirklich nur ist, Bret prügelt auf Vince ein und pinnt ihn dann irgendwann und er prügelt viel zu lange auf ihn ein, dass man zum einen denkt, oh, ist das langweilig, weil sie machen halt einfach nicht mehr viel, sie können nicht vom Seil springen und so, weil sie sind zu K.O. Und gleichzeitig denkt man auch, oh nee, der kriegt zu viel auf die Fresse, ich hab Mitleid mit ihm. Okay. Schrecklicher Kampf, ganz schlecht gebuckt. Damn. Ja. Bret hat seine Frau viel betrogen, oder? Hat er. Aber nicht mit Sanni. Sanni und er waren nur Freunde.
Johannes Franke: Okay. Nur Freunde. Schwöre.
Florian Bayer: Naja. Man weiß es nicht, aber man weiß, dass er viel betrogen hat. Ja. Aber dieses Sanni, die wir kurz hinter den Kulissen sehen, die auch sagt so, ah, und ich hab seine Hand berührt. Ist das seltsam. Das ist voll krass. Deswegen haben so viele gewechselt. Die WCW hat offensichtlich mit krassen Angeboten, mit viel Geld, deswegen sind sie halt auch später pleite gegangen, muss man dazu sagen, haben die es geschafft, sehr viele Wrestler von der WWF wegzulocken. Einige der größten Stars, Hulk Hogan, kam zur WCW. Ja. Und wurde da, der war, Hulk Hogan war wirklich lange Babyface. Mhm. Der wurde da Heal und hatte einen der besten Heal-Turns der Geschichte, weil damit wirklich keiner gerechnet hat. Mhm. Und hat damit die WCW auch groß gemacht. Und viele andere Wrestler haben zur WCW gewechselt und Bret Hart ja auch. Und weil die WWF halt wirklich fiese Arbeitsbedingungen hatte und die Wrestler einfach scheiße behandelt hat. Und Vince McMahon war halt auch so ein bisschen in den 80ern hängen geblieben. Der hatte in den 90ern diese albernen Storylines, die ich mag, wo Clowns gegen Bären kämpfen sozusagen. Clown gab es wirklich. Das ist so geil. Ich mag das. Das finde ich einen tollen Teil daran. Und das kam aber nicht mehr an bei den Fans. Die Fans wollten realistisches, erwachsenes Wrestling. Das hat ihnen die WCW versprochen. Nein, ich finde auch, ich finde Wrestling, je alberner es ist, umso besser. Ja. Es kursiert im Video ein Internet aus irgendeiner unabhängigen Promotion einer kleinen. Das sind so zwei Typen, keine Ahnung, wie die heißen. Die haben ägyptische Masken auf. Okay. Sehr bunte Kleidung und die hypnotisieren ihre Gegner während des Kampfes und machen mit ihnen eine Tanzveranstaltung. Die müssen dann hypnotisiert tanzen und einer muss ein Striptease machen. Nein. Es ist fantastisch. Und du guckst das und denkst so, ja genau, diese Silliness, das ist das, was am Wrestling witzig ist. Oh Mann. Und ich finde auch, wenn ich Kämpfe sehe, ich finde Kämpfe furchtbar langweilig. Also die Kämpfe ziehen sich ja meistens so zwischen, die Kämpfe dauern so zwischen 10 und 30 Minuten. Ja. Und wenn sich so ein Kampf 20 Minuten zieht, du kannst halt auch nur eine begrenzte Zeit lang drauf gucken, wie Leute sich gegenseitig einhauen. Großen Respekt davor, wie realistisch das aussieht. Ja. Ich finde es wirklich beeindruckend. Ja. Und großen Respekt natürlich auch für diese Akrobatik, so von den Ringseilen und dann jemanden hochheben. Ja. Krass. Aber es ist halt trotzdem, es hat trotzdem was sehr Tröges und was sehr Repetitives. Ja. Ja. Ich finde die Promos geil und das Drama drumherum. Und ja, auch teilweise die Kämpfe, auch teilweise sind einige Moves wirklich unterhaltsam. Aber dann auf eine Live-Show zu gehen, ich weiß nicht. Nee, das würde ich nicht machen. Das würde mich nerven. Ja. Es ist halt auch, da sind wir wieder bei dieser Meta-Ebene und die finde ich nach wie vor total faszinierend, wie viel improvisiert ist und wie viel choreografiert ist. Ja. Das ist offensichtlich sehr unterschiedlich. Es gibt Kämpfer, die wollen alles durchchoreografieren, die kommen zu ihren, also vor allem einige von den Großen kommen zu ihren Gegnern und sagen, hier ist der Plan, lern es auswendig, so machen wir es. Oh Gott. Es gibt aber auch welche, die sich absprechen, die quasi sagen, okay, so der grobe Fahrplan, so fangen wir an, dann machen wir irgendwann das und das ist das Ende und du gewinnst und die dann dazwischen improvisieren. Ich finde es total faszinierend, wie dann dieses Improvisieren auch funktioniert, wie sie sich absprechen, wie sie sich Signale geben, wie auch die Signale manchmal schief laufen, wie sie sich manchmal missverstehen und dann springt jemand wirklich über den drüber, weil er nicht wusste, dass der sich jetzt in dem Moment bückt. Es ist total faszinierend, weil es wirklich, naja, halt so wirklich risikoreiche Akrobatik, du musst es aussehen lassen, als ob es wirklich wehtun wäre und gefährlich wäre und gleichzeitig musst du extrem auf dich und auf den Mitspieler, sage ich jetzt mal, was ja nicht Gegner ist, achten, dass sich niemand verletzt. Ich finde das, ich finde das total faszinierend. Top 3. Auf zur Top 3. Was haben wir denn in der Top 3? Wir haben das Innenleben von Entertainern oder Schauleuten. Ich wollte nicht sagen, das Innenleben von Wrestlern, das wäre glaube ich ein bisschen zu hart. Ich hoffe, Es gibt so eine tolle Szene in Gilmore Girls, wo Rory einen Freund trifft und er sagt, ich habe ganz viel Bob Dylan gehört in letzter Zeit und sie fragt, hast du ihn verstanden? Und er sagt, witzig. Sehr gut. Mein Platz drei ist Black Swan mit Natalie Portman als Balletttänzerin, die während der Vorbereitung zum Schwanensee durch eine Krise geht und sowohl eine mentale als auch psychische Krise und das Ganze wird erzählt als surrealer Horrorfilm von Darren Aronofsky. ich fand den auch, ich habe auch über den Film ein bisschen hergezogen, weil er mir zu theatralisch war. einer Künstlerin gezeigt wird, die an ihre Grenzen geht, das war on point. Das stimmt. Müssen wir vielleicht auch mal sehen. Ja, habe ich auch nicht gesehen. Oh. Würde mich sehr interessieren. Okay. Mein Platz zwei, ich wollte extra die Künstler aussparen, die ich als Künstler interpretiere und deswegen habe ich was genommen über Pornodarsteller. Boogie Nights von Paul Thomas Anderson aus dem Jahr 1997, der Film, den er vor Magnolia gemacht hat. auch ein Ensemble oder Episode, nicht ein Episodenfilm, eher ein Ensemblefilm mit Mark Wahlberg als Pornodarsteller im Amerika der 70er Jahre und starbesetzt Burt Reynolds, Julian Moore, William H. Macy, Philip Seymour Hoffman, Don Cheadle, alle sind dabei. Großartiges, großes Drama darüber, wie die Pornoindustrie sich verändert und dieser Typ, den Mark Wahlberg spielt, versucht irgendwie durchzukommen. Okay. Einer, den man sehen muss? Auf jeden Fall. Dann müssen wir den hier auch mal sehen. Müssen wir mal sehen. Habe ich dir schon, nee, ich habe dir bis jetzt nur einen Paul Thomas Anderson gegeben, oder? Ich finde ja, Paul Thomas Anderson ist einer der besten Regisseure in Amerika unserer Zeit. Okay. das ist unsere Grundlage. Darauf bauen wir auf. Ja. Ich bin ein bisschen traurig, dass du nicht The Birdman genommen hast. Ja, das stimmt. Das hätte ich vielleicht auch machen können, The Birdman. Mein Platz 1 ist The Wrestler. Ich wollte noch einen Wrestling-Film erwähnen. Auch von Darren Aronofsky, der auch Black Swan gemacht hat. Aus dem Jahr 2008 mit Mickey Rourke, der einen gealterten Wrestler spielt und der auch einen, natürlich filmisch, nicht dokumentarisch, einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Businesses, vor allem das Indie-Circus bringt. Also der kämpft halt auf den kleinen Ring, ist nicht bei einer großen Promotion, verdient sich nur so ein bisschen was dazu. Okay. Und wie es leider so ist in Amerika, sind diese Indie-Restling-Dinger noch mal eine ganze Spur härter als die großen Promotions, sprich mehr Selbstverletzungen. Also da wird einfach mehr mit Blut gekämpft und mit so ätzenden Sachen, die einfach nur sadistisch sind, die auch keinen Spaß machen. Dass sie zum Beispiel mit Tackern aufeinander losgehen. Was? Oder mit Barbed-Wire, wie heißt das? Stahldrähten? Genau, mit so Stacheldraht. Und dann gibt es halt Kämpfe, die wirklich einfach unschön sind und dreckig. Und man merkt auch, dass die Menschen sich dabei auch wirklich einfach wehtun. Also tun sie bei den großen Promotions natürlich auch. Man tut sich weh, wenn man fällt. Auch wenn man gut fällt, tut man sich weh. Aber da halt deutlich mehr noch mal. Aber das klingt eher nach illegalen Hahnenkämpfen als nach großer Kunst. Ne, große Kunst ist Wrestling ja nie. Aber das ist noch mal eine Spur hässlicher und dreckiger und so an die niederen Instinkte appellierend. Und das ist aber ein sehr guter Film aus diesem Milieu. Okay. Gut, das war unsere Top 3. Also es gibt einige Sachen, die er Montagetechnik extrem gut macht, finde ich. Ja. Es gibt gerade so diese, wie zum Beispiel die Off-Stimmen, die den Kampf absprechen, gezeigt werden mit den Kampfbildern. Finde ich super. Ich finde, der Film hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, eine Storyline zu erzählen im Dokumentarischen. Der Film ist wirklich gut darin. Da spielt natürlich auch Glück eine Rolle. Natürlich, klar. Aber der Film kann wirklich gut, er schafft es, eine Geschichte zu erzählen in der Dokumentation. Ja. Ansonsten sind die Bilder natürlich teilweise sehr generisch, weil er einfach auch sehr viel auf die TV-Bilder zurückgreift und dann diese, auf diese hinter den Kulissen Bilder, die halt einfach keine große Kunst sind, sondern auch schnell mal was eingefangen. Ja. Das ist halt das, zwischen dem er pendelt. Ja, ja, klar. Aber ich finde, die Montagen sind stark genug, dass das rausgerissen wird dadurch. Musik ist gut eingesetzt, zum Beispiel auch im richtigen Moment melancholische Musik. Es gibt einen schönen Wechsel zwischen jetzt machen wir so ein bisschen Geschichte und jetzt kommt nochmal, was gerade passiert. Das funktioniert einfach. Von der Montage und so finde ich gut arrangiert. Das klappt. Da bin ich auch ganz bei dir. Oh Gott, wir sind heute einer Meinung. Dem Film fehlt komplett die kritische Distanz zu seinen Protagonisten. Ich finde, das ist alles so drüber, dass man das als Publikum ganz gut selbst aufbauen kann. Einfach, weil sehr viel auch selbst entlarvend ist. Man merkt, der Film will das nicht. Ja, genau. Aber es passiert halt trotzdem. Ich finde halt, der Film macht seinen Job. Also er erzählt uns diese Geschichte. Ja. Aber der Film ist tatsächlich, er könnte definitiv, bin ich ganz bei dir, eine Ebene tiefer sein. Und es wird deutlich spannender. Dem Film fehlt, und für diese Tiefe fehlt ihm die kritische Distanz. Vielleicht auch ein bisschen den, es gibt die ein, zwei ironischen Szenen, aber die sind trotzdem immer mit warmherzigen Blick auf ihn. Ja, voll. Und ja, da könnte der Film mutiger sein. Ich hab das Gefühl, der Film ist auch so, ich weiß nicht, was sie noch alles rausgeschnitten haben und wie sie es rumgeschnitten haben, weil letzten Endes waren sie ja so zerrieben zwischen der WCW und diesem Turner, zwischen dem Turner WCW und dem BBF. und dann mussten sie halt, dann mussten sie denen halt auch irgendwie gefallen und dann hatten sie wahrscheinlich Brad auch über die Schulter gucken. Ich befürchte, dass Brad auch sehr viel Mitsprache dabei hatte, wie dieser Film ihn inszeniert, welche Bilder von ihm gezeigt werden und welche nicht. Und ich kann mir vorstellen für dieses Versprechen bei der Promo, dass sie dafür auch ein bisschen kämpfen mussten, dass sie das reinnehmen können. Dass Brad da gesagt hat, oh, ich will das nicht drin haben, ich werde da bloß gestellt. Und ja, das hinterlässt so ein bisschen das sauer Note, das Gefühl, dass da wurde sehr viel Das ist eine Werbeveranstaltung. Heldenverehrung. aber es ist halt sehr unkritisch. Was total spannend ist, ist halt, dass der Film die ganze Zeit diese Storylines im Wrestling zeigt, die nach demselben Prinzip funktionieren, wie er selbst und sich damit schon fast so ein bisschen konterkariert. Weil er zeigt, der Film ist selbst eine Wrestling-Veranstaltung im Grunde. Genau. Brad erzählt, es muss einen Bösewicht geben und wir haben fünf Minuten vorher Vince McMahon präsentiert als Bösewicht gesehen. Tada. Und deswegen, ich sehe total, was du meinst. Dem Film fehlt eine gewisse Tiefe, aber sie kommt irgendwie von woanders. Sie kommt trotzdem raus. Ja. Er hat so seine eigene Kommentierung drin, unbeabsichtigt, aber sie ist halt irgendwie da. Das ist vielleicht, also das ist das, was ich meine, wenn ich sage, der Film macht seinen Job. Er macht neugierig auf das, was da passiert. Ja. Und er führt in diese Welt ein und ich würde die, wir haben die ganzen, wir haben fast, wir haben jetzt fünf Minuten, wo wir über die Qualität des Films reden. Das sagt ja schon sehr viel aus. Dieser Film hat keine Ecken und Kanten. Dieser Film hat was sehr Generisches. Dieser Film ist halt ein Dokumentarfilm. Teilweise auch so mit dem Look and Feel von einer Fernsehdokumentation. Ja. Fühlt sich nicht mal nach Kinodokumentarfilm an. Ich finde halt, dieses Muss man sehen entsteht dadurch, weil er wirklich nicht, nicht Inhalt, nicht wie er gemacht ist, sondern dadurch, dass er einfach Glück hatte. Durch die Welt auf die er blickt und dadurch, dass wir sehr viel über diese Welt kennenlernen durch diesen Film. Er schreibt halt ein Stück Geschichte für diesen einen Kulturkreis, Ja, und genau. Er fängt einfach was ein und das ist so viel wert, was wir da sehen. Und wir haben so ein Glück, dass wir das so sehen können in diesen Bildern, dass es gar nicht so wichtig ist, dass der Film an der Inszenierungsfront tendenziell eher durchschnittlich ist. Ja. Da bin ich bei dir. Aber ich muss sagen, das muss man nicht sehen. Nein, doch natürlich muss man das sehen. Nein, was soll das? Das ist ein Stück amerikanische Kulturgeschichte. Nicht nur der 90er Jahre, sondern des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Und es ist das mit das Beste und Ehrlichste, was wir über Wrestling sehen. du musst was über Zauberer wissen. Und er fällt total, total, finde ich, in diese ähnliche Kategorie. Also Honest Liar, würde ich sogar sagen, ist noch inszenatorisch ein bisschen stärker, ein bisschen hat schönere Bilder. Ich habe auch ein bisschen auseinandergenommen, der war auch nicht so richtig gut. Hat schönere Bilder, aber der ist eigentlich genauso generisch. Ja. Auch jetzt nicht. Ich würde sagen. Aber ich glaube, damals hast du gesagt, Honest Liar muss man nicht sehen. Ja, habe ich glaube ich gesagt. Ah, jetzt kommt die Rache. Jetzt kommt die Rache, Flor. Tja, so ist das. Wenn du die amerikanische Kultur verstehen willst, wenn du verstehen willst, wie sowas wie Donald Trump möglich ist oder allein für einen Wahlkampf, in dem Donald Trump so dominiert, wenn du verstehen willst, wie die amerikanische Kultur Begeisterung für etwas entwickelt, wie sie in Freund und Feind denkt und so weiter, dann musst du Wrestling verstehen. Ich glaube, Wrestling ist ein ganz wichtiges Puzzleteil für ein Verständnis für die amerikanische Kultur. Im Guten wie im Schlechten. Ich werde dich die nächsten 30 Jahre Und ganz wichtig, das will ich nicht von oben herab gesagt haben. Ich finde, Wrestling hat sehr viel Gutes. Ich mag sehr viel an Wrestling. Ich glaube, das ist deutlich geworden in dieser Episode. Und die amerikanische Kultur hat sehr viel, was wir auch im Wrestling wiederfinden. Und vielleicht ist Wrestling so ein mikrokosmologischer Ausschnitt aus der amerikanischen Kultur. Ja, okay. Und das macht es für mich auch faszinierend. Und deswegen würde ich auch sagen, es ist wichtig, das zumindest zu kennen und zumindest zu sagen, okay, ich habe einigermaßen verstanden, was da passiert, warum es passiert und warum Leute davon begeistert sind. Johannes, vielen Dank, dass du den Film geschaut hast und dass du dir eine ganze anderthalb Stunden Wrestling-Sprech mit mir angetan hast. Ja, zwei Stunden fast. Oh Gott, da müssen wir jetzt ganz schnell zum Ende kommen. Ja. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche dafür gibt. Ja. Vielen Dank fürs Zuhören und bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir aufgibt. Ansonsten euch eine schöne Woche und einen guten Start ins neue Jahr.
Johannes Franke: Ja, bis dann. Bis dann. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: So Plur, wir haben noch was für dich. Ja, bitte. Sehr gespannt. Was hast du im neuen Jahr, das erste Episode, nach dem Wrestling für mich,
Johannes Franke: Aber nein. Nächste Woche hört ihr uns das zweite.
Florian Bayer: Weißt du was? Wir machen einfach das Jahr 2024 zu unserem Wrestlingjahr und wir sprechen nur noch über Wrestlingfilme und Wrestlingkämpfe.
Johannes Franke: Ich habe mir das jetzt so schön anders ausgesucht, dass er ausgerechnet Wrestling mit drin hat.
Florian Bayer: Man on the Moon. Ja, Andy Kaufman. Geil. Ein großartiger, crazy, seltsamer Typ. Und so viel mehr als Wrestling. Bizarre Comedy, wirklich schräge Performance. Ich auch total. Das heißt, wir werden ganz viel, also wir werden natürlich Man on the Moon gucken, wir werden aber auch für nächste Woche ganz viel Andy Kaufman gucken. Ja. Das ist irgendwann, glaube ich, relativ viel online. Ja, und in meinem Kopf bist du immer der Experte, das heißt, du musst eigentlich Andy Kaufman Sachen mitbringen. Ich bin auch überhaupt kein Comedy-Experte, aber ich liebe Andy Kaufman, deswegen fällt mir bestimmt ein bisschen was dazu ein. Okay, sehr gut.
Johannes Franke: Ich freue mich drauf, ich bin gespannt. Guckt euch Man on the Moon an. Bis nächste Woche. Ciao. Bis dann. Ciao.
