Episode 156: Die Feuerzangenbowle …Und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Für den weihnachtlichen Kater, vielleicht auch für das Vorglühen zu Silvester hat Johannes diese Woche „Die Feuerzangenbowle“ von Helmut Weiss mit Heinz Rühmann aus dem Jahr 1944 mitgebracht. Wie schlägt sich der Film im Vergleich zur Vorlage von Heinrich Spoerl? Wie schlägt sich die Endzeit des Nationalsozialismus in dieser locker leichten und nostalgischen Komödie wider? Und funktioniert dieser Klassiker auch heute noch zu Weihnachten oder Silvester?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 156: Die Feuerzangenbowle …Und einen guten Rutsch ins neue Jahr Publishing Date: 2023-12-27T13:15:49+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/12/27/episode-156-die-feuerzangenbowle-und-einen-guten-rutsch-ins-neue-jahr/
Johannes Franke: Weil kein System mehr attraktiv ist, wenn man nicht ein Minimum an Subversivität zulässt. Genau. Das hast du aber schön gesagt, Flor. Ich dachte, du wolltest sagen, du hättest dich in Vorbereitung auf die Episode besoffen. Danke, dass du das für mich jetzt irgendwie festlegst, dass ich das nicht so gut kann wie Götz Alsmann. Oh, wie toll. Das Lustige ist, ich habe diese Werbung immer wieder eingespielt bekommen auf meinem Handy, weil ich ja so viele Feuerzangenbowle gegoogelt habe und gezeugt gemacht habe. Und dann wurde mir das natürlich wieder vorgeschlagen, immer wieder und immer wieder. Ich habe widerstanden. Ich habe gedacht, ach Götz Alsmann, ja, okay, macht er bestimmt gut. Macht er unglaublich gut. Juhu. Obwohl ich auch diesen gesehen habe. Und um mal jetzt, wo ihr wisst, worum es geht, den Schritt nochmal zurückzumachen. Yay! Juhu! Los! Wir sind zwischen den Jahren. Wir dürfen freidrehen. Was sollen wir denn jetzt nochmal machen? Weihnachten hinter uns. Ich habe es überlebt. Hast du? Ja, ich habe. Was hast du geschenkt bekommen? Ich bin ja mit Silvester besser als mit Weihnachten, muss ich sagen. Ach echt? Ja, naja, weil Weihnachten hat so einen komischen Ursprung, mit dem ich nichts anfangen kann, religiöser Natur und so. Das ist nicht meins. Aber Silvester ist so ein selbstgewähltes Ding, wo man sagt, okay, ich habe ein Jahr geschafft, das ist hinter mir. Ich habe entweder ein gutes oder ein schlechtes Jahr gehabt und ich überlege, wie das neue Jahr aussehen soll. Du bist auch so jemand, der sich dann schick macht und rausgeht oder du gehst an Silvester weg? Nicht immer, aber ich mache das tatsächlich sehr gerne. Ich finde das Geböller immer schlimm und so weiter. Das sind so Sachen, mit denen ich wieder nichts anfangen kann. Aber ich finde das Grundkonzept und auch sich dafür schick zu machen, zu sagen, ich schaue mal, was das neue Jahr bringt und es ist ein Moment zum Zurückblicken und ein Moment zum Vorausschauen. Und das finde ich spannend. Und irgendwie macht dieser Film das auch. Wobei das nach vorne blicken nicht so viel Gewicht bekommt. Das nach vorne blicken ist ja eher, oh Gott, da möchte ich gleich ein Zitat einbringen. Bitte. Und zwar hat nämlich die EPD-Film im März 94 geschrieben über diesen Film. Die Feuerzangenbowle gehört zu jenen schizophrenen Filmen aus der Spätzeit des Nationalsozialismus, die zugleich dem Regime dienen und über sein Ende hinaus blicken wollen, die voller offener oder unterschwelliger Nazi-Ideologien sind und zugleich von einer Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung zeugen, die sozusagen schon mit der Verdrängung der Schuld beginnt, während sie noch geschieht. Deswegen sage ich, der Film guckt eben auch in die Zukunft irgendwie. Und zwar auch, wie das hier das Zitat sagt im letzten Satz, dass er schon mit der Verdrängung der Schuld beginnt, während sie noch passiert. Und das ist schon krass. Das finde ich am Film tatsächlich ziemlich krass, weil man natürlich den Film nicht gucken kann, ohne ihn einzusortieren in seine Zeit. Ganz wichtig. Darüber werden wir auf jeden Fall auch reden. Ja, auch mit Rübern in der Hauptrolle und zwar eine Doppelrolle in diesem Fall. Er spielt zwei Brüder, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen und so weiter und der eine ist in der Schule und der andere ist schon ein sehr erfolgreicher Schriftsteller und Theatermacher. Du guckst so auf den Tee. Soll ich dir Tee geben? Oh bitte, ja. Ich warte die ganze Zeit schon drauf. Dann musst du aber eingießen, damit ich erzählen kann, was mit dem Film ist. Du vergisst den Elefanten, der hier an der Seite steht. Ja ruhig Dumbo, alles gut, alles gut. Wir kommen gleich wieder zu dir. Der Film, der erste Film, was für ein Pflege. Das ist, ich muss sagen, ich habe ihn den Film angeschaut und ich finde, dass da schon sehr viel schöne Satire dabei ist. Allerdings 1934 und es ist noch nicht so ausgearbeitet wie der Film später aus dem Jahre 44. Der ist ein bisschen lose vom Gefühl her. Da sind viele Szenen aneinander gereiht und er hält sich auch nicht ganz so stark an die Vorlage, sondern er hat irgendwie andere Erzählmittel noch mit drin. Er erfindet ein Theater, in dem der Bruder arbeitet, der sehr erfolgreich ist als Schriftsteller. Sehr jung anscheinend, sehr erfolgreich. Und dann wird er immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sein Bruder, der irgendwo auf dem Dorf in der Schule ist, doch irgendwie nicht so gut in der Schule aufgehoben sei. Weil die Bildung, die er da bekommt, kann er sowieso nicht würdigen und ist sehr schlecht darin, ja, Bildung zu genießen, in Anführungsstrichen. Und naja, ist derjenige, der in der Schule immer den Scheiß macht, also der Klassenklown. Und dann geht der ältere Bruder, beziehungsweise ich habe das Gefühl, dass er der Ältere ist, wird aber nicht gesagt. Jedenfalls, der Ältere reist in die Schule, um ihn da entweder runterzunehmen oder mal rauszufinden, was eigentlich mit dem ist. Und der andere jedoch macht genau das Gegenteil. Der sagt sich, ah, ich muss mal zu meinem Bruder, irgendwie gibt es hier Stunk an der Schule, ich muss da hoch. Fahren die gleichzeitig los und verpassen sich und nehmen die Rolle des jeweils anderen ein. Das doppelte Lottchen im Grunde. Es wird genau in beide Richtungen erzählt, was der eine mit der Rolle des anderen macht und weiß was ja. Und naja, dann wird der Schulteil irgendwie abgehandelt und dann wird aber auch der Theaterteil abgehandelt, in dem der Lausbub als Theaterregisseur da ist und auch nicht so richtig weiß, wie er es machen soll. Natürlich kommt es zu lustigen Situationen und so, aber der Film ist nicht ganz so auf den Punkt natürlich, weil er auch viel zu viele Themen behandelt oder viel zu viele Schauplätze hat und Figuren hat, als dass er sich so sehr auf dieses Thema Schule begrenzen könnte. Und das ist ja das, was diesen Film hier verkauft, den wir besprechen. Aber das macht der Film, der kleinere, der von 1934, macht das nicht so sehr. Der erzählt nicht in Episoden, deswegen in Episoden, weil er die Streiche erzählen will. Das ist, in dem Film ist es einfach, ich habe das Gefühl, ein bisschen unfreiwillig, weil er sich von einer Szene in die nächste wirft, um irgendwie ein bisschen unbeholfen die Sachen zusammen zu flicken. Ich würde sagen, wir fangen mit Rühmanns Geschichte ein bisschen an, bevor wir uns genauer mit dem Film auseinandersetzen, gehen aber in Rühmanns Geschichte nur bis zu diesem Film und versuchen danach mal noch die Aftermath so ein bisschen zu klären. Weil das ist auch interessant, was ist mit Heinz Rühmann eigentlich passiert, nachdem der Krieg vorbei war, nachdem alles verloren war und nachdem sein Arbeitgeber einfach nicht mehr existierte und auch sein Publikum, naja, nicht ganz so weitermachte wie zuvor. Sagen wir mal so. Das muss man sehen. Lexikon. Weil das habe ich aufgeschrieben. Oha. Ja. Heinz Rühmann und alle Hitler hatten denselben Schauspiellehrer. Ja, das habe ich so richtig. Und relativ untersetzt. In diese Zeit und auch, also dann gerade bei den Nazis dann später, das hat nicht so gepasst eigentlich. Umso erstaunlicher ist, was für eine Karriere er gemacht hat. Aber das Rollenfach ist nicht der Held geworden. Er ist nie der große Held, der die Drachen erlegt geworden. Er hat irgendwann gelernt, was besser bei ihm funktioniert, nämlich wenn er Leute zum Lachen bringt. Und das ist im Grunde der Kleinbürger, der irgendwie, also Identifikationsfigur ist für den Kleinbürger, der es durch Witz und verschmitztem Lächeln irgendwie schafft, aus jeder Situation rauszukommen. Das ist auch bis heute ein Film, der immer wieder geguckt wird. Ja, ein Schwächer-Klassiker. Also das muss man auch erstmal schaffen. Aus den 30ern etwas ins Fernsehen bis heute. Also wer guckt sich Metropolis im Fernsehen abends an? Zu Weihnachten. Weißt du, es ist nicht Arte, sondern es ist wirklich regulär bei RTL oder sowas abends im Fernsehen. Es ging so weit, dass die Nazis ihm dann eine eigene Arbeitsgruppe gegeben haben. Also er hat wirklich quasi wie selber Produzent seine Crew gehabt, die mit ihm gearbeitet haben. Also, um ganz kurz Zwischenwerfen. Es gibt ja nur zwei Gründe, warum man bei den Nazis ein Stein im Brett hat. Und der eine ist, entweder man ist es völlig unpolitisch, was Heinz-Rühmann war. Oder man ist der Kollege von Heinz-Rühmann, der sich voll ranwirft und bei Jutz Süß die schlimmsten Sachen spielt und bei allen möglichen. Also es gab wirklich Schauspieler, wo man denkt, ach du Scheiße, wie krass haben die sich da rangeworfen, um Karriere zu machen und um vielleicht auch eigene Ideologien mit einzubringen. Ich weiß es nicht. Ich habe mich in dem Zusammenhang nochmal damit beschäftigt, wer wie von den Nazis eingestuft wurde als Halb- oder Vierteljude oder was auch immer. Und ich denke die ganze Zeit, fuck, Alter, wie pervers ist das denn? Wer in einer Religion und dann auch noch irgendwie so Halb und Viertel und was auch immer. Wie sieht denn die Hilfe aus? Also das klingt gerade sehr, also wenn man weiß, welcher Bösewicht Goebbels quasi ist, wenn man sich den als Filmbösewicht vorstellt, dann ist das ein Eintrag, der dazu führt, dass diese Frau umgebracht wird. Aber das ist ja nicht der Fall. Er hat ja auch bei dem Fragebogen, den er bekommen hat am Theater, reingeschrieben, dass seine Frau keine Religionsgehörigkeit hat. Was natürlich keiner zu irgendeiner Sekunde geglaubt hat, aber er hat es trotzdem gemacht. Und das war ein Mut, der nicht immer belohnt wurde. Es gab ja auch andere Schauspieler, die das gemacht haben und die hatten mehr Probleme als Rühmann. Ja, aber man muss schon dazu sagen, dass er tatsächlich quasi Verkuppler zwischen diesem Schweden und seiner zukünftigen Ex-Frau war. Er hat sie auch noch finanziell danach unterstützt. Und Heinz Rühmann hat sie weiter unterstützt. Es gibt ein Foto von der Frau, von der Ex-Frau und ihm und Rühmanns neuer Frau. Wie sie alle zusammen in Wien, glaube ich, in einer Wohnung sitzen, noch mit zwei, drei anderen Freunden zusammen und feiern. Und die sehen sehr ausgelassen und sehr sorgenfrei aus. Ja. Ich glaube, es gibt sogar Filmmaterial davon. Also es ist schon schön, dass die sich irgendwie dann alle zusammenraufen und irgendwie helfen. Ich weiß bloß nicht, wie viel davon Rühmanns Narrativ ist, was er später rausgegeben hat und wie viel davon wirklich so ist. Ich glaube, das ist auch ganz schwer zu beurteilen. Also wir werden es folgendermaßen machen, den Podcast über, weil das immer wieder auftauchen wird. Es gibt sehr viele Themen, die genau daran hängen, was Rühmann später gesagt hat und was nicht. Ich werde auf jeden Fall immer auf Rühmanns Seite sein und das den Kritischen spielen, okay? Ja. Ja, das musste er aber auch. Man hätte ja Nein sagen sollen, oder was? Happy Birthday to you. Happy Birthday, lieber Josef. Das war ein sehr süßer Film, ich habe ihn gesehen. Ein Propagandafilm. Hast du ihn gesehen? Nee, habe ich nicht. Der ist sehr süß. Die Kinder sitzen da und sagen, Papi, herzlichen Glückwunsch und spielen dann irgendwelche Trompeten, die sie nicht spielen können. Möchtest du noch ein bisschen Gift zu deinem Kuchen haben? Ja, genau. Man denkt die ganze Zeit, oh, das ist wirklich hart. Du guckst diesen Film an, siehst diese Kinder und denkst dir, scheiße. Fünf Jahre habt ihr noch. Wer hat noch fünf Jahre und dann seid ihr einfach vergiftet von Eltern. Wie krass ist das denn bitte? Das Ding ist, Rühmann hat sich gerne dann am Ende natürlich immer wieder dazu geäußert zu sagen, also er hat sich nicht gerne geäußert, er hat tatsächlich sehr wenig und sehr ungerne über die Vergangenheit geredet nach dem Krieg. Aber er hat sehr gerne betont, dass er immer versucht hat, die Dreharbeiten so lange wie möglich rauszuzögern, damit die Leute nicht an die Fronten müssen. So einzelne kleine Aktionen mit seiner Frau da ist und so weiter. Das hat er alles irgendwie nach vorne gebracht und hat dann auch gesagt, dass er eben nicht politisch war genau, auch deswegen, damit er sich nicht einspannen lässt. Das ist natürlich blauäugig, weil natürlich bist du eingespannt für genau das, was du sagst. Diese, die fröhlichen Töne zu den Marschgesängen. Quacks, der Bruchpilot, 1941. Das war hart. Also da gibt es wirklich Szenen, also ich habe den Film nicht komplett gesehen, ich habe ein paar Ausschlusszüge gesehen. Szenen, wo du denkst, ach du Scheiße. Also da konnte er wirklich kaum mehr Einfluss nehmen auf abgemilderte Dialoge. Es gab wirklich Dialoge, die einfach nicht gut sind. Und das Ganze war als Komödie inszeniert. Also Marlene Dietrich hat es sehr schnell und sehr früh geschafft auszuwandern. Einfach abzuhauen und zu sagen, ich komme dann mal wieder, wenn es soweit ist, wenn ihr fertig seid mit eurem Scheiß hier. Sie ist ja dann als eine der ersten, als US-Armee-Mitglied wieder zurückgekommen und wurde auch ausgebotet damals. Ja, natürlich, Verräterin. Landesverräterin. Dem Schicksal ist Rühmann entgangen. Ja, toll. Das Ding ist, hätte er das machen können oder hätte es nicht machen können? Hätte er wie sie losziehen können? Er hatte eine Karriere vorher. Es ist nicht so, dass er die Karriere durch die Nazis hatte. Er hätte auf einem Erfolg, den er in Deutschland hatte, vielleicht auch im Ausland aufbauen können. Aber weiß man das als Schauspieler? Das war einfach, das war kein politischer Mensch. Und das auch nicht nur durch die Nazis, weil er gedacht hat, oh Gott, da darf ich mich nicht anwanzen politisch, sondern auch vorher schon. Er hat ja nie was politisches großartig gesagt. Natürlich, aber das sticht aus diesem Film so raus, wie so ein Dorn, der so reingepflanscht ist. Es ist so ein bisschen seltsam. Ja. Also das nehme ich ihm auch ab. Ich glaube auch tatsächlich, dass er genau das irgendwie versucht hat. So, naja, ach, wir brauchen da noch ein bisschen, damit nicht alle irgendwie... Ja, der weiß ja auch, was Front bedeutet, natürlich. Ja. Also, aber ob das jetzt auch wegen der Nazis war oder ob es nur darum ging, nicht an der Front zu verrecken, das würde ich jetzt nicht so auseinanderklammern wie so ein Plur. Wir sind, um das genauer einzusortieren, weil es wirklich sehr knapp alles ist mit Kriegsende und wann was war. Die Dreharbeiten haben am 18. März begonnen, 1943, und zogen sich bis Juni 1943. März, April, Mai, Juni, das sind nur vier, fünf Monate. Das ist gar nicht so viel, wie ich jetzt dachte, wenn man sagt, man will seine Leute möglichst lange von der Front verschonen. Verdammt, scheiße. Oh oh, naja. Gut, man kann ja auch nur so und so lange irgendwie rechtfertigen, was zu drehen. Das hat größtenteils im Ufergelände einfach stattgefunden, Babelsberg, Drehbetten in Babelsberg. Es gibt so eine Aussicht aus dem Fenster in dem Film auf eine Burg, die irgendwo in Deutschland steht. Die haben sie da einfach hin montiert als Foto. Und seitdem gibt es hartnäckig das Gerücht, dass die Dreharbeiten dort vor Ort waren. Babenberg. Ja, ja, genau. Babenberg ist der Ort, in dem das Ganze spielt. Ja, aber das stimmt natürlich nicht. Und wer sich jetzt fragt, wie das überhaupt funktionieren konnte mit den Dreharbeiten, wenn die ganze Zeit alles brennt. Man dreht, während alles brennt. Sie haben tatsächlich immer wieder unterbrochen wegen Bombenangriffen und so weiter. Und es muss wirklich wahnsinnig seltsam gewesen sein. Hans Richter, der den Rosen aus der letzten Bank gespielt hat, der hat sich erinnert mit dem Zitat, die Arbeit war wie ein Tanz auf dem Vulkan. Wir haben jeden Tag genossen, wenn uns wieder einmal gelungen war, heil aus dem Bombardement herauszukommen. Und das war echt schlimm. Also das Benzin war knapp, Röhmann konnte gar nicht mit seinem Auto kommen, sondern er ist mit Kutsche gekommen, mit Pferdekutsche zur Arbeit. Der wohnte auch nicht weit am kleinen Wannsee. Und Papier wurde rationiert und da durften die Stars keine Autogramme mehr geben, weil Papier knapp war. Und Hans Richter hat trotzdem Autogramme gegeben. Ach gut, worum geht es eigentlich? Das habe ich versucht, in der ersten Verfilmung schon mal ein kleines bisschen klarzustellen. Aber die zweite ist ja ganz anders. Also es geht eigentlich um einen Schriftsteller, sehr erfolgreichen Schriftsteller und Doktor, Dr. Pfeiffer, der am Anfang mit seinen Kumpels, die viel älter aussehen als er, aber das muss wohl der Film irgendwie so machen. Ja, aber in diesem Film versuchen sie es, aber man sieht es trotzdem einfach. Obwohl, man muss sagen, Rüman ist ja schon 41, als es gedreht wird. Und mit 41, so jung auszusehen, wow. Ich glaube aber auch, dass das Schwarz-Weiß-Film-Ding... Das schmeichelt seinem Gesicht. Das schmeichelt seinem Gesicht auch einfach. Jedenfalls haben die am Anfang ihren Umtrunk mit der Feuerzangenbohle, die dann titelgebend ist. Aber irgendwie haben sie es geschafft, über den Alkohol an ihre Schulzeit sich zu erinnern. Während Rüman keinerlei Erinnerungen an seine Schulzeit hat, weil er keine Schulzeit hatte in der Form. Der arme Privatschüler. Er war privat erzogen und gebildet worden. Und deswegen vermisst er ein bisschen, dass er gar keine Chance hatte, diese ganzen Schulerlebnisse zu sammeln, die jetzt die Kumpels irgendwie auspacken. Ja, was den Nazis auch nicht so gefallen hat, aber das können wir auch später nochmal besprechen. Jedenfalls beschließt die Gruppe dann, fast schon über seinen Kopf hinweg, dass er doch bitte zurück in die Schule soll. Dass er das einmal irgendwie mitmachen soll, wenigstens ein paar Tage oder Wochen mal in die Schule zu gehen und sich als Schüler zu verdingen und all die Sachen zu machen, die er verpasst hat. Nämlich diese ganzen Streiche. Hast du auch den Eindruck, dass dieser Schauspieler seine ganze Würde und seine ganze Kraft nur durch diesen Bart erzeugt? Absolut. Der Bart ist das Entscheidende. Seine absurde, große Gestik kann jedenfalls nicht dafür zeugen, dass er irgendeine Form von Autorität hat. Wie sehr hast du das Gefühl, diese Stereotype an Lehrern wieder zu erkennen aus deiner Schulzeit? Also natürlich ist das alles maßlos überzeichnend, aber ja. Ich habe das Zitat. Bitte. Junge Bäume, die wachsen wollen, muss man anbinden, dass sie schön gerade wachsen, nicht nach allen Seiten ausschlagen und genau so ist es mit den jungen Menschen. Disziplin muss das Band sein, das sie bindet zu schönen, geraden Wachstum. Es ist so der Hammer. Es gibt ja Vorführungen in Göttingen und so weiter und da wird ja immer ausgebucht. Aber das können wir nachher auch nochmal besprechen. Es gibt so viele Sachen. Ach du Scheiße, okay, okay, okay. Ja. Brett kommt in dem Falle auch tatsächlich zu kurz. Ich hätte gerne gesehen, wie sie ihn verarschen, aber das war ja nazimäßig nicht möglich. Nein. Nein, ich finde, dass allgemein dieser Einfallsreichtum einfach großartig ist. Es ist ein Feuerwerk. Ich liebe es. Ich finde es wirklich toll. Wir haben ja überhaupt noch nicht darüber geredet, wie wir den Film eigentlich finden. Wie findest du den Film, Flo? Ich finde es großartig. Ich liebe diese Streiche. Ich finde es ganz toll aneinandergereiht, auch wenn der Rest der Geschichte mehr ziemlich Wumpe ist. Dein biologisches Alter, oder wie ist das? Da muss man irgendwelche Fragen beantworten und dann wird gesagt, ah, du bist viel jünger, als du eigentlich bist. Wenn ich diesen Test machen würde, würde man irgendwelche Filme nennen müsste, würde man mich auf 83 schätzen. Darauf können wir mal ein bisschen eingehen. Die Story haben wir jetzt quasi umrissen. Der kommt ja nur dahin, hat einen Haufen Streiche und sagt am Ende, so, ich hab jetzt meine Eva und jetzt hau ich wieder ab. Das war's im Grunde. Zwischendurch kommt noch seine eigentliche Frau. Obwohl, der eine ist auf jeden Fall 24 gewesen, das weiß ich. Bei den anderen habe ich es nicht nachgeschaut. Das war ein Riesen-Trope, über das man sich immer lustig machen konnte. Man war sich sicher, wenn ein Film über die Highschool rauskommt, da werden da mindestens 25-Jährige sitzen, wenn nicht sogar noch älter. Ja. Und in diesem Film ist es halt nochmal ein Stück krasser gefühlt. Eher nicht. Und gerade in dieser Szene, die du gerade gesagt hast mit der Frau, die dann kommt, mit Marion, die stehen da so und spielen verschämt. Aber man denkt die ganze Zeit, also gerade bei dem einen denkt die ganze Zeit, na, du bist halt genug, um dich ordentlich zu verhalten jetzt. Was machst du da? 16-Jährigen oder 17-Jährigen auch. Aber das ist trotzdem etwas, was wirklich sehr unangenehm ist. Da muss ich auch wirklich, da sind die Seite dieses Films, die mir Schwierigkeiten machen. Es ist nicht nur die Nazi-Zeit, sondern eben auch tatsächlich, dass er zum einen eine Freundin in Berlin hat und zum anderen, dass er hier eine 16-Jährige aufreist als 41-Jähriger. Ich glaube, ja. Er chätschelt ihr auf jeden Fall das Gesicht, was ich ja sehr unangenehm finde. Nein, wirklich? Ach du Scheiße. Es ist schon schlimm. Es ist schon schlimm. Man kann solche, also natürlich weiß ich, was er ungefähr beschreiben will mit einem Gefühl, was man als Jugendliche hat und nicht so richtig weiß, das oder das oder wie oder was und welches Gefühl habe ich da eigentlich gerade und was will ich und was will ich nicht. Und da irgendwie Schwierigkeiten hat, sich mit sich selbst irgendwie zu einigen. Aber es gibt wesentlich bessere Wege, das zu beschreiben, als den Leuten zu sagen, sie meint eigentlich Ja, wenn sie Nein sagt. Vor allem, weil es so als Frauending gezeichnet wird. Auch das noch. Ja, aber das Ding ist ja, mir geht es ja nicht darum, was sie da an den Dreharbeiten gemacht haben. Da hoffe ich doch bitte, dass sie keine, oh Gott, Hilfe, dass sie keine schlimmen Sachen gemacht haben, sondern das, was der Film erzählen will. Der Film will erzählen, dass dieser 41-Jährige sich nichts dabei denkt und nichts daraus macht, an eine Schule zu gehen und da irgendeine junge Schülerin aufzureißen. Was zur Hölle?
Florian Bayer: Das ist ja nicht so schlimm.
Johannes Franke: Okay, danke, danke, Flo, danke, Flo. Ich erlöse dich. Ich verstehe, was du meinst. Es ist ja noch schlimmer. Dieser Lustmolch träumt davon, diese Frau zu verführen, obwohl er eine Freundin hat. Lustmolch! Ich liebe diesen Film. Macht es das besser, dass er am Ende tatsächlich sagt, okay, ich heirate die? Ich habe übrigens meinen letzten Steuerbescheid dabei, was ich so seltsam finde. Aber den brauchst du, ne? Ein Steuerbescheid einfach so dabei. Er ist nicht nochmal nach Berlin gegangen, um diesen Steuerbescheid zu holen. Nein, er hatte ihn die ganze Zeit dabei. Ja, okay, es ist schon sehr in der Zeit verhaftet, ich gebe dir recht. Aber der Erfolg dieses Films hängt ja gar nicht so sehr daran, dass er vielleicht in der Nazi-Zeit festgefangen ist oder sowas, sondern daran, dass man sich einfach gern an seine Schulzeit erinnert. Ja. Das ist doch eigentlich das Verkaufsargument des Films. Und wir haben nicht solche Streich in unserer Schulzeit gemacht, aber wir haben andere Streiche gemacht. Aber ihr hättet sie gerne gemacht. Wir haben ja auch andere Streiche gemacht. Als die Gesichtsausdruck ist, ist es Gold wert gerade. Geil. Okay. Ja, ich weiß nicht, ich glaube, wir haben nichts Schlimmes gemacht. Wir haben so Furzkissen auf irgendwelche Stühle gelegt. Das war eine coole Art zu reagieren. Ja, weil man dann irgendwie gemeinsam in on the game ist und dann einfach Spaß hat damit. Ich finde das super. Warum habe ich sowas nicht gemacht? Ich glaube doch, wir haben die Klassen auch mal gewechselt. Das rinkt mich auf eine Idee. Du hast das noch nie gemacht. Vielleicht könnte man ja. Ja, dazu hast du nicht genug Feuerzeigen, Bruder, um mich jetzt davon zu überzeugen, zurück in die Schule zu gehen. Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas. Das war eine der schönsten und einfach harmlosesten Sachen. Baltrian. Das ist so großartig. Ja. Einfach eine süße Idee. Ja. Ich finde es ganz toll, wie Heinz Rühmann es tatsächlich schafft, diese übertriebene Betrunkenheit zu spielen und dann tolle Zeilen hat. Der gärrende Alkohol beginnt zu faseln und so entsteht Heidelbeerfasel oder Heidelbeerfusel. Solche Sachen, ich finde es großartig. Ja. Und das ist ein längerer Monolog, der wirklich sehr, sehr süß und sehr durcheinander delivered wird. Ist wirklich schön. Der geklaute Schuh ist geil, weil aber auch die Szene dazu geil ist, weil der Lehrer mit seiner Dampfmaschine, das ist ja einer der großen Zitate dieses Films, oder? Ich weiß nicht, wie oft dieses Zitat irgendwo in der Familie rumgegangen ist oder zu allen möglichen Anlässen sagt irgendjemand plötzlich, stellen wir uns mal ganz dumm, was ist ein Dampfmaschine? Das ist ein großer, leerer Raum und das hat zwei Löcher. Das eine Loch kommt, das Dampf rein und das andere Loch, das behandeln wir später. Ich finde das so geil. Gerade dieses andere Loch, das behandeln wir später, ist so ein absurder Satz. Ganz großartig. Das ist im Buch, oder was? Was ist im Buch? Ja, okay. Ich habe gerade das Buch so schön vorliegen, um zu zitieren. Es ist fantastisch. Es gibt diese Szene auch in dem Film davor, auch mit diesem Text, aber bei weitem nicht so charmant und geil. Reinig? Auch so reinig. Auch reinig. Die Schüler sind alle gut besetzt, auch die Schüler sind gut besetzt, finde ich. Die sind alle sehr, sehr gut. Es ist ein bisschen traurig, dass das eben in dieser Zeit gedreht wurde und zur Premiere nicht mehr alle gelebt haben. Ja. Ja. Das ist auch einer meiner Lieblingsstreiche, die eben dann schief gehen, weil, also gerade wie er da in der Besprechung der Lehrer hinten sitzt, in der hintersten Ecke sitzt, wie heißt er, Bömmel? Und sagt dann, naja, ob das jetzt echt ist, das Schild oder nicht, das entscheiden ja wir, nicht wahr? Und das finde ich so großartig, ganz, ganz toll für diesen Film. Lass uns mal zu dem Problem der Nazis mit dem Film kommen, weil das finde ich ganz interessant. Die Nazis haben ja gesagt, das können wir nicht machen, also das war der, wie heißt der Typ? Das war nicht die Nazis, das ist ganz wichtig. Der Reichserziehungsminister. Ja, vor allem im Hinblick darauf, dass die ja gerade sowieso Mangelware sind, weil sie im Krieg sind. Ja. Und wenn wir jetzt noch die verbliebenen Lehrer, die auch teilweise gar keine Lehrer sind, sondern einfach ersatzschnell rein sind, wenn wir deren Autorität jetzt noch untergraben, dann haben wir ein ganz großes Problem. Und das war natürlich, klar aus seiner Sicht kann ich es voll verstehen, aber der Film, der macht das ja gar nicht so sehr, finde ich. Also er verarscht zwar die Lehrer, aber eigentlich macht er eine Nostalgie auf für Schule, pro Schule. Ja, also zumindest für die Nazis, aber auch, muss ich sagen, für uns, weil wenn ich mir Bömmel anschaue, dann denke ich mir, ja, genau. Also ich meine, na gut, der sagt zwar auch, oh, ich fühl's jetzt hier einfach so lange, bis mein Schuh wieder da ist. Ich finde ich lässig, aber Brett ist ja sozusagen zwar geframed als das Vorbild und der Junge und der Progressive, aber eigentlich gibt's ja nun alle Möglichkeiten, die dir vorgestellt werden, wie man als Lehrer sein kann. Und zu welchem Schluss du kommst als Zuschauer, das ist ja dann dir überlassen. Heinz Rühmann ist zu Göring gefahren und hat gesagt, guck dir bitte diesen Film an. Der ist nicht zur Wolfschanze gefahren, zu Hitler, zu Goebbels und Hitler. Und Hitler hat den Film nicht gesehen, sondern Goebbels hat ihn angeschaut und dann Hitler hat ihn angeschaut.
Florian Bayer: Göring.
Johannes Franke: Göring hat ihn angeschaut und dann hat Hitler gefragt, ja, ist der Film denn zum Lachen? Und dann sagt Göring, ja, ich musste mehrmals lachen, das war lustig. Und dann sagt Hitler, dann ist dieser Film sofort für das deutsche Volk freizugeben. Moment, das habe ich nicht im richtigen Ton gesagt. Dann ist dieser Film sofort für das deutsche Volk freizugeben. Und zwar vormittags, weil sie Angst hatten, dass nachmittags oder abends dann die Bomben kommen. Also es war sehr darauf ausgerichtet, wie die Zeit eben einfach gerade ist. Jawohl, so ist das. Und wehe, als jemand anderes sagt was anderes. Ich finde interessant, dass der Film doch sehr anti-autoritäre Züge hat trotzdem. Der Film sagt zwar an manchen Stellen mit dem Brett, dass die Disziplin die Jungen anbinden muss, damit sie zu geraden Bäumen wachsen. Was ein schlimmes Zitat ist. Aber sonst ist die Nostalgie ja vor allem auf dieses Streichespielen ausgelegt und auf diese anti-autoritäre Sache. Deswegen finde ich es schon ein kleines bisschen bemerkenswert, dass der Übereifer der Nazis, die sie sonst immer hatten, nicht diesen Film getroffen hat. Naja, also du hast vollkommen recht. Aber ich denke an die doofen Nazis, die damals sehr übereifrig alles mögliche verboten haben, was nicht irgendwie 100% augenscheinlich auf alles gepasst hat. Was ich gewohnt bin, was ich kenne, ist, dass das auf den ersten Blick passen muss und dass du nicht nochmal dreimal um die Ecke denken willst, ob dieser Film jetzt passt oder nicht passt. Was wäre denn, wenn Pfeiffer als absolut strammer Nazi erzählt worden wäre? Dann wäre er der Streber, der da hinkommt, brav alle Aufgaben macht, Sport liebt und diese ganzen Streiche nicht macht. Dann wäre er der Schlechteste für eine Story, die zu erzählen. Ja, und ich glaube, das ist halt auch das, was am Ende so ein bisschen rauskommt. Und das ist alles eine Flucht irgendwie in eine Fantasie. Aber am Ende, wenn er seinen Steuerbescheid rausholt und man wartet schon, dass noch der Arya nach bei uns rauskommt. Ja, das stimmt. Oh ja. Das ist schon so, dass man denkt, okay, man erlaubt sich so eine kleine Fantasie und dann geht's wieder zurück in den braven Bürger. Ja, total. Und ich glaube, das ist die eigentliche Botschaft, warum das überhaupt so gut dann auch durchkommt und ankommt. Wenn das Ende nicht so wäre, wäre es schwieriger geworden, den Film durchzuboxen. Das glaube ich. Aber er darf nicht mehr im Theater spielen. Er darf nicht im Theater, wie der erste Film, die erste Verfilmung spielt, im verruchten Theater. Das ist schon eine Umgebung. Das darf nicht mehr sein. Ja. Wobei man sagen muss, dass dieses Ausbrechen, diese Fantasie des Ausbrechens und des Streichespielens und mal nicht der brave Bürger sein, um dann wieder am Ende in das System hinein zurückzufallen und dann irgendwie wieder ein gutes Mitglied dieser Gesellschaft zu sein, das gibt es ja bis heute. Also das ist ja kein, das ist ja nichts Neues und nichts Altes. Das ist einfach immer während eine Form der Erzählung. Ja. Ich glaube, das ist wichtig, vor allem, weil kein System mehr attraktiv ist, wenn man nicht ein Minimum an Subversivität zulässt. Genau. Und das zeigt der Film für mich. Also deswegen mache ich den ganzen großen Bogen um dieses Ganze. Ich wollte ja auch was hinaus. Die Subversion ist Teil des Systems. Ja, genau. Das ist es halt. Ja, also Heinz Rühmann selbst, kurz nach Kriegsende, man hat schon das Gefühl, wenn man sich so Sachen anschaut von ihm vor dem Krieg und nach dem Krieg, der war ganz schön mitgenommen davon. Dass das System, in dem er da funktioniert hat, den Bach runtergegangen ist und dass er dann sehr viel Rede und Antwort stehen musste um seine Beteiligung und so weiter. Das hat ihn sehr gebeutelt. Ja. Gleichzeitig hatte er keine Probleme, seine Karriere fortzuführen. Naja, am Anfang schon. Er hat dann eine Theatertour gemacht, die dann auch wieder erfolgreich war. Aber eine Zeit lang hat das Publikum sich schon auch von ihm abgewandt, muss man sagen. Bis dann Lalilu kam. Ja, aber Hauptmann von Köpenick ist schon viel später, muss man dann sagen. Ihm hat nichts mehr gehört danach, ne? Er hat erstmal in einer Baracke gelebt. Er wurde, ihm wurde so ein kleines Barackchen zugewiesen nach Kriegsende und hatte Schulden ohne Ende. Und das musste er alles aufarbeiten erstmal. Wie viele Sachen davon hast du tatsächlich gesehen und hast du jetzt erfolgreich wahrgenommen. Aber die Dinger, die sind erfolgreich, die Dinger. Also, 1945 hat er noch, sagt die Wahrheit gedreht, das ist unfeuerndet geblieben, da ist nichts davon geblieben. Ja. Vier Jahre später nach dem letzten Film, nach Feuerzeugenbohle, 1948 kamen die ersten Filme wieder. 48, 49, zwei Filme, dann 52, zwei Filme. Vorher hat er mindestens fünf Filme im Jahr gedreht. Natürlich ist das eine Frage auch der Politik, du musst dann wieder aufbauen und so weiter, hast jetzt mal andere Sachen zu tun, als Filme zu drehen. Aber das wurde ja auch vorangetrieben. Und er hatte wirklich am Anfang, also du kannst sagen, man hat keinen Mitleid mit ihm, weil er total wieder auf die Beine gekommen ist. Aber es gab einfach diese Phase. Es gab die Phase, wo er wirklich Schwierigkeiten hatte. Und ich finde, dass man ihm das total ansieht. Der vor dem Krieg, der Heinz Rühmann, hat eine Unbekümmertheit und nach dem Krieg, ziemlich schnell, gucke ich mir in den Filmen an und denke, da steckt so viel Trauer in seinen Augen. Und er hat es wirklich, also natürlich heißt das nicht, dass das zu Unrecht ist oder so. Und er musste auch sehr genau durchleuchtet werden, ob er nicht irgendwelche Scheiße noch Dreck am Stecken hat. Und vielleicht hat er auch ein bisschen mehr Freifahrtschein bekommen, als er sollte. Aber es ist einfach so, dass er natürlich für sich trotzdem Schwierigkeiten hatte. Aber er war kein Opfer des Nationalsozialismus und auch nicht des Kriegsendes. Das habe ich nicht gesagt. Das wollte ich auch wirklich nicht sagen. Ich möchte auch überhaupt nicht urteilen, ob er Schuld hat oder nicht Schuld hat, die er auf sich geladen hat, die bestraft oder nicht bestraft wurde. Das ist völlig unbenommen von all dem, was ich sage darüber, dass er einfach Schwierigkeiten hatte, danach wieder ordentlich auf die Füße zu kommen. Natürlich hatten ganz viele danach Schwierigkeiten, auf die Füße zu kommen. Also das ganze Volk hatte Schwierigkeiten, wieder auf die Füße zu kommen. Und jeder hat irgendwo in irgendwelchen runtergerockten, bombardierten Häusern gelebt und musste erstmal wieder neu aufbauen. Aber er musste das auch. Nein, würde ich so nicht sagen. Ich finde, er hat einen großen Charme, den man sehr selten sieht. Deswegen ist er auch der Star gewesen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich der große Rühmann-Fan bin. Aber ich kann verstehen, warum er so bekannt und so wahnsinnig erfolgreich war. Er hat das alles gestanden. Natürlich, der Eindruck entsteht dann natürlich, dass er durchweg immer Glück hatte und immer gearbeitet und immer irgendwie Zeug hatte. Und vielleicht hat er auch mehr Glück gehabt als viele andere. Also nicht nur vielleicht, garantiert. Er hatte sehr, sehr viel Glück in seinem Leben und er hat auch sehr viel gearbeitet. Und er war auch nicht immer einfach, muss man auch dazu sagen. Aber eben gerade nach dem Krieg war er ein schwierigerer Mensch. Wollen wir mal Richtung von unseren Top-Listen springen? Uiuiui. Komm, Top-Liste.
Florian Bayer: Unsere Top 3.
Johannes Franke: Was haben wir denn für eine Top-Liste? Ich habe eine Top-Liste angeführt, die ich nicht ausfüllen kann. Ich habe gesagt, back to school. Warum zur Hölle habe ich back to school gesagt? Warum? Das ist eine echt gute Frage. Ich habe es auch nicht geschafft ordentlich. Ich bin sehr unzufrieden mit dem, was ich habe. Mein Platz drei. Ich habe nur eine andere Menschen, die ich vorher machen will. Back to school. Alle meine Albträume. Alle meine Albträume. Einfach so. Ich werfe sie einfach mal rein. Ja, total. Keine Ahnung, was ich träume nachts, aber wenn ich von Schule träume, dann ist es meistens, dass ich irgendwo sitze und versuche verzweifelt nochmal das Abi nachzuholen, weil ich irgendwas verpasst habe im Leben. Okay. Habe ich nicht gesehen. Ich habe auch die Serie nicht gesehen, aber immer Gutes darüber gehört, weil die ja auch Johnny Depp so groß gemacht hat und der muss wirklich sehr gut gewesen sein damals. Ja, die Serie ist schon so ein 90er-Kitsch. Also die Serie ist schlecht gealtert, glaube ich. Okay, na gut. Dann kommt die ganz unten auf die Liste. Okay. Ich hätte auf Platz 3 bei mir Legally Blonde. Uff. Ich muss sagen, ich kann mich an nichts erinnern, aber ich kann mich daran erinnern, dass ich den Film mochte. Warum landet der in der Liste? Weil ich nichts anderes habe. Reese Wilderspoon als blonde Anwalts-Jura-Studente? Ja, genau. Irgendwie sowas. Die studiert halt und man sagt so, man setzt sich voll auf dieses blonde Töhnchen-Ding. Aber sie versuchen das Ganze zu umgehen, indem sie sie wirklich sehr clever darstellen. Und das finde ich ganz nett. Okay. Ich glaube, ich fand den Film tatsächlich überraschend clever. Aber das sage ich aus einer Entfernung von mindestens 15 Jahren. Nein. Naja, er kommt zurück zur Schule als Lehrer. Er ist halt Lehrer. Naja, mein Platz 2 ist auch so ein bisschen Back to School of Rock. Ja, genau. Siehst du? Es ist im Grunde auch, er kommt wieder zurück als Lehrer. Na gut. Okay. Na, mein Platz 3, Legally Blond, sie kommt tatsächlich zurück ins Bildungssystem. Mein Platz 1 ist total geschummelt. Es geht nur um Erinnerungen an Schulzeit, La Mala Educazione, den ich einfach als Film überraschend gut fand. Voll geschummelt. Aber es ist total geschummelt. Es geht irgendwie auch um Schulzeit, sie erinnert sich halt.
Florian Bayer: Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Nein. Nie in meinem Leben. Okay. Warum haben wir keine vorbereitet für heute? Hätten wir machen müssen? Okay, aber dann gehen wir doch wieder in den Film zurück. Franker, sie sind albern. Franker, sie sind albern. Kommen wir in die Verlegenheit, den Film heute zu sehen und die Nazi-Zeit komplett auszublenden und zu verharmlosen, wenn wir den Film sehen? Wenn wir nicht viel wissen darüber? Auch das Thema einfach, eine Erinnerung an die Schule. Was ich toll finde, ist, dass es tatsächlich sehr, sehr komödiantisch übertrieben teilweise herkommt, weil der Lehrer im Grunde nur so von seinem Bart lebt und weil die anderen Lehrer auch sehr comichaft fast daherkommen. Wir haben ja alle beinahe Slapstick-Elemente an sich. Was ich mich immer noch gefragt habe ist, in welcher Zeit verdammt nochmal spielt das Ganze? Es gibt mehrere Hinweise. Also das eine ist die Kleidung, die Kleidung, die mich sofort an das Jahr 1900 irgendwie erinnert. Das ist nicht 1930. Es wird aber auch nicht genau gesagt, wann das spielt. Es wird nur gesagt, gute alte Zeit, glaube ich irgendwann. Und gute alte Zeit kann alles bedeuten. Und also die Kleidung ist sehr stark 1900. Im Direktorenzimmer hängt ein Bild vom Kaiser Wilhelm I. Der ist 1888 gestorben. Das heißt, wenn die 1908 spielen würden, dann wären die ganz schön spät dran. Mit diesem Bild, muss man mal sagen. Aber für 1908 spricht dafür, dass das Mädchengymnasium überhaupt erst dann möglich wurde, weil vorher der preußische Staat keine Verpflichtung für höhere Schulbildung für Mädchen rausgegeben hat. Das gab es also vorher gar nicht in der Form. Ja, ansonsten, das Element Radium wurde 1998 erst entdeckt. Also 1898. Ja, das ist so ein bisschen das Ding. Ich glaube, dass es so 1908 oder 1910 spielen müsste. Wahrscheinlich. Jetzt sind wir schon wieder deprimiert. Wie fandst du den Film, Johannes? Ich möchte das Buch, die Gerechtigkeit des Lehrers unter besondere Rücksichtigung der höheren Lehrerstattern. Es gibt ein Buch von Karl-Christian Tadei, die höhere Bürgerschule mit besonderer Berücksichtigung der Herzogin von Schleswig und Holstein, wenn ich das richtig, oder der Herzogin, das HZGZT, was auch immer das heißt. Herzogtum. Herzogtum, Schleswig und Holstein. Das ist 1836 erschienen in Schleswig. Das ist schön. Ich finde es super. Toll. Eine Reminiscence an so einem Buch. so in Wiederholungen. Ja, ja, genau. Ich liebe auch die Stelle, wir schreiben heute eine Klassenarbeit über Druckluft. Herr Professor, können wir nicht über Thermometer schreiben? Das können wir besser. Das ist mir egal. Schreiben Sie über was Sie wollen. Auf Unsinn wird es ja sowieso. Das ist ganz toll. Ich werfe jetzt eigentlich nur Sachen rein, die mir noch so auffallen. Ich liebe es einfach, weil so viele schöne Sachen dabei sind. Eine der schlimmeren Sachen ist, dass die Aufführungsrechte für den Film bei einer Frau von der AfD. Zwei hinter dem O. Hinter dem A. Frau Cornelia Meyer. Bitte schreibt ihr alle. Schreibt ihr irgendwelche Briefe, die... Das geht nicht. Aber diese Frau hat die Aufführungsrechte und als 2013 das Deutsche Historische Museum den Film vorführen wollte, in einem Rahmen einer Reihe zu NS-Streifen und natürlich dazu eine Einordnung machen wollte, hat diese Frau gesagt, nö, dürfte nicht. Natürlich, das ist die AfD, Leute. Wie krass ist das denn? Alter. Lasst diese Frau in Ruhe, schreibt ihr keine Briefe, aber denkt euch euren Teil dabei, das machen wir auch. Die Frau hat in diesem Moment gesagt, in einem Interview mit der Welt, in einem Ein-Mann-Betrieb entscheide ich das Kraft souveräner Willkür. Natürlich. Was für ein krasser Satz. Ja. Lasst euch den Film von seinem Kontext nicht kaputt machen, denn wie Plor immer so schön sagt, es ist mir egal, was der Filmemacher wollte, ich nehme den Film so, wie ich ihn heute sehe. Genau. Aber der Film hat halt das drin, das sehe ich auch heute noch. Nein, das hat er nicht, das siehst du nicht. Das ist dein kultureller Kontext, den du mitbringst, das macht der Film überhaupt nicht. Oh Gott, lasst uns für 2024 die Nazis wieder irgendwie loswerden und schauen wir mal, was kommt. Und an unsere neuen Fans, die erst seit drei, vier Episoden dabei sind, bleibt dran, ich krieg genau mit, wenn ihr eine Episode auslasst. Dann gibt's Nachsitzen. Kommt gut durch den Umschwung des Jahres, ja, guten Rutsch, rutscht nicht aus, dieser ganze Scheiß, was weiß ich, keine Ahnung, bollert, bollert nicht, bollert nicht, das ist mir wichtig. Aber habt Spaß und wenn ihr euch daran erinnern könntet, was ihr gemacht habt, dann hattet ihr nicht genug Spaß. Gut, wir hören uns. Bis dann, ciao. Joplor, was gibt's denn nächstes Jahr von dir? Oh, das klingt so seltsam. Was gibt's nächstes Jahr von dir? Was? Nein! Du willst unser Filmjahr 2024 damit beginnen, über irgendwelche Typen zu reden, die sich gegen aufs Maul geben? Hell yeah, brother! Oh Gott! Das wird ein großes Vergnügen. Ah, fuck. Ja, okay. Der doofen Naturschutzbund. Okay, wir hören uns. Wir werden das alles aufarbeiten und wir werden wohl eine Folge haben, in der es weniger um Film, sondern mehr um Wrestling geht. Aber nein, gut, was soll's. Lass ich dir einmal durchgehen, Floor. Ah, Gott, jetzt muss ich mir kämpfende Leute in Spandex anschauen. Na gut, bis dann. Ciao.
