Episode 197: The Others – Traditioneller Spukhaushorror
The Others ist sicherlich einer DER großen Plot-Twist-Filme der jüngeren Filmgeschichte. Wer den Film nicht kennt, bekommt ihn am Besten als klassische Spukhausgeschichte beschrieben. Mutter Grace wohnt in einem altehrwürdigen Haus mit ihren beiden sonnenlichtsensitiven Kindern, um die sie sich aufopferungsvoll kümmert. Die neuen Bediensteten des Hauses werden von einer den ganzen Film über sehr nervösen Nicole Kidman angewiesen, wie sie Türen zu öffnen und wieder zu schließen haben, damit die Kinder nicht aus versehen an die Sonne geraten.
Als die Tochter Ann einen imaginären Freund anschleppt und schwört es wären fremde Menschen im Haus, ist Mutter Grace gar nicht begeistert. Sie glaubt nur an das was sie sieht. Und an Gott.
Allerdings weitet sich der Spuk aus und alle müssen anerkennen: es gibt Eindringlinge im Haus, nur kann sie keiner sehen, außer Ann. Und die Bediensteten, wie sich später herausstellt, aber das ist schon Spoiler Territory und da wollen wir doch nicht hin, oder Plor?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 197: The Others – Traditioneller Spukhaushorror Publishing Date: 2024-10-09T08:18:07+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/10/09/episode-197-the-others-traditioneller-spukhaushorror/
Florian Bayer: Ich fühle mich dann einfach gut, wenn ich das Ende vorhersehe, wenn ich das Ende errate.
Johannes Franke: Aber macht das den Film nicht irgendwie kleiner? Weil du denkst, ja, ich war cleverer als der Filmemacher.
Florian Bayer: Nee, das würde ich ja nicht denken. Das ist ja total abgerufen. Weiß ich nicht. Johannes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Halloween Episode Nummer 3. Bist du bereit für die passende musikalische Untermalung? Ja,
Johannes Franke: stimmt, verdammt.
Florian Bayer: Achtung, Achtung. Ich hab's fast vergessen. Und? Was? Liebes Publikum, Johannes Franke hat letztes Mal eine sehr steile These aufgestellt. Was? Und zwar hat er behauptet...
Johannes Franke: Was hab ich?
Florian Bayer: Romcoms!
Johannes Franke: Oh!
Florian Bayer: Könnten nicht progressiv sein. Und ich habe gesagt, Challenge accepted.
Johannes Franke: Oh,
Florian Bayer: fuck. Und deswegen habe ich für dich ein bisschen was dabei zum Thema Rom-Coms. Und das müssen wir natürlich einleiten mit Love Is All Around, dem Rom-Coms-Song schlechthin von Wet, Wet, Wet.
Johannes Franke: Wer was zum Film hören will, ihr müsst, glaube ich, vorspulen einfach ein bisschen. Jetzt geht's los mit Rom-Coms.
Florian Bayer: Rom-Coms können durchaus ein progressives Genre sein und haben das auch bewiesen in ihrer Geschichte und vor allem auch in den letzten Jahrzehnten. Okay. Zum Beispiel, Punkt Nummer 1. Sex ist deutlich präsenter in Rom-Coms von heute als früher und das hat sich auch so stetig entwickelt. Also wir haben hier wirklich eine Linie von Pretty Woman, wo es einfach mal um eine Nutte ging, ein Geschäftsmann, der nur vögeln will, über Four Weddings, wo es einfach mal darum ging, dass der One-Night-Stand bzw. die Two-Night-Stands vor der eigentlichen Romantik stehen, bis hin zu so Filmen wie Friends with Benefits, wo es einfach mal um Sexfreundschaften geht. Und die Romanze dann erst später mit reinkommt.
Johannes Franke: Aber wann waren diese Filme? Das ist doch alles Anfang der 2000er.
Florian Bayer: Friends of the Benefits ist 2011.
Johannes Franke: Uh,
Florian Bayer: okay. Ja. Justin Timberlake und Mila Kunis. Ich habe mehr.
Johannes Franke: Aber das hatten wir ja alles schon bei Pretty Woman. Das ist ja lange her.
Florian Bayer: Nein, aber da ist der Sex nochmal deutlich präsenter, indem einfach Sex gezeigt wird. Und zwar deutlich mehr als bei Pretty Woman. Und sogar Sex benutzt wird, um Comedy nach vorne zu bringen. Es gibt nämlich diesen Running Gag, dass Justin Timberlake beim Orgasmus einen... niesen muss in diesen Filmen. Aber ich hab noch mehr, ich hab noch mehr. Wir haben eine Entwicklung hin zu Rom-Coms, die negativ ausgehen, bei denen sich das Panik schließt. Und zwar wahrscheinlich am bekanntesten 2009 mit 500 Days of Summer. Eine ganz süße Indie-Rom-Com, die sich aber zu einem großen Drama entwickelt, in dem es einfach um einen Typen geht, der seinen Manic Pixie Dream Girl hinterherjagt. Und wenn er es dann hat, feststellt, oh shit, das war alles Projektion und sie ist gar nicht Manic Pixie Dream Girl. Und sie ist natürlich auch so und sagt so, ey, hör mal auf. das in mir zu sehen. Ich bin ein eigenständiger Mensch. Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel. Großartiger Film. Ich hab noch mehr. Homosexualität. Yes, sir. Eine Hochzeit zu dritt aus dem Jahr 2005 dürfte so die Initialzündung dafür gewesen sein, dass tatsächlich gesagt wurde, oh, wir können auch Rom-Coms mit Homosexuellen erzählen, aber ganz aktueller Fall, ein Film, der meiner Meinung nach sogar relativ unterschätzt ist, aus dem Jahr 2020, Happiest Season. Mit Kristen Stewart und Mackenzie Davis, wo einfach mal eine Rom-Com als homosexuelle Liebesgeschichte erzählt wird. Ich hab noch mehr.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Floor. Okay, okay, ich glaub dir.
Florian Bayer: Wüstere Themen. Seit den 2000ern, 2010ern vor allem, haben wir Filme, in denen auch Rom-Coms erzählt werden, um Leute, die wirklich psychische Probleme haben. Garden State dürfte so ein bisschen der Vorläufer gewesen sein, aber auch zum Beispiel sowas wie The Perks of Being a Wallflower aus dem Jahr 2011, wo Themen... thematisiert werden wie Depression, Suizid, sexueller Missbrauch und das Ganze trotzdem in Rom-Coms eingeflechtet ist, ohne dass es awkward wirkt.
Johannes Franke: Es bleibt nur Rom-Com, ja? Ganz sicher? Okay.
Florian Bayer: Wir haben dezidiert weibliche Perspektiven. Filme wie Francis H. oder 20th Century Woman. Und zu guter Letzt, Rom-Coms haben seit den 2000ern angefangen, deutlich mehr mit anderen Genres zu spielen. Es gibt Zombie-Rom-Coms wie Wombat. Oh,
Johannes Franke: stimmt.
Florian Bayer: Es gibt Zeitreise-Science-Fiction-Rom-Coms wie... About Time. Es gibt Rom-Coms über AI wie Her und Rom-Coms, in denen einfach alle Nerd-Themen drin sind, die man sich vorstellen kann, wie in Spot Pilgrim. Das Rom-Com-Genre flüht und ist durchaus fähig, progressiv zu sein. Und jetzt bitte Bach.
Johannes Franke: Okay, Floor. Okay, okay. Ich geb's dir, ich geb's dir. Du hast das mit den Rom-Coms hinbekommen. Ich konnte es mir nicht so vorstellen und ich müsste mir die wahrscheinlich alle anschauen, aber ich bin nicht der große Rom-Com-Fan und deswegen habe ich jetzt zum Beispiel nicht einmal The Perks of Being a Warflower gesehen, obwohl der sehr gut sein soll. Der ist gut.
Florian Bayer: Der ist wirklich gut. Und das erste Mal, dass sich Emma Watson von Harry Potter freispielt, so ein bisschen. Ah,
Johannes Franke: okay. Keine Ahnung, ich weiß nicht. Ich wusste nicht mal, dass sie mitspielt. Vielleicht muss sie mir den mal geben.
Florian Bayer: Sie versucht ein bisschen sehr mit aufgedrücktem amerikanischen Akzent, was etwas merkwürdig ist. Aber ansonsten ist es wirklich ein guter und interessanter Film. Okay. Aber wir sind ja beim
Johannes Franke: Horror. Der Horror. Spooktower.
Florian Bayer: Wir machen einen Halloween-Monat und wir schmeißen uns Horrorfilme zu. Und zugehört auch, dass Johannes mir Horrorfilme zuschmeißen muss. Ja. Und diese Episode hat Johannes gesagt, ich habe da noch einen Horrorfilm in meiner Tasche.
Johannes Franke: Ich glaube, eine der Horrorfilme, die mich am meisten als klassischer Gruselfilm beeindruckt haben, wo ich gedacht habe, ach, das geht auch. Es muss nicht New Horror, wie heißt das Ganze? Post-Horror. Es muss nicht Post-Horror sein, wo man sich die ganze Zeit mit großen, krassen, philosophischen Themen noch beschäftigt. durch die Hintertür dann noch ein bisschen Horror mit reinbringt, sondern es kann auch ganz klassischer Gruselfilm sein. Und ich hoffe, dass du das als Horror mitnimmst. Und ich glaube schon, gerade beim ersten Gucken, ich habe ihn vor einer Weile mit meiner Freundin gesehen und ich hatte vergessen, was am Ende eigentlich der Plottwist ist.
Florian Bayer: Das ist total geil.
Johannes Franke: Das ist total geil gewesen. Allerdings habe ich jetzt beim zweiten Mal gucken schon wieder vergessen, wie ich eigentlich reagiert habe. Das ist so traurig, wenn man nicht mehr weiß, wie ist denn das gewesen, das erste Mal diesen Plot-Twist zu bekommen.
Florian Bayer: Vielleicht an dieser Stelle gleich eine kleine Spoiler-Warnung. Das ist ein Film, der gespoilert deutlich weniger Spaß macht als ungespoilert. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt, guckt ihn euch an, weil es ist ein Film, bei dem ich sagen würde, ja, er macht deutlich mehr Spaß, wenn man das Ende nicht kennt.
Johannes Franke: Ja. Ihr könnt euch gerne noch die Beschreibung anhören, die habe ich nämlich spoilerfrei gestaltet.
Florian Bayer: Hervorragend, klick los.
Johannes Franke: Vielleicht auch nicht ganz. The Others ist sicherlich einer der großen Plottwistfilme der jüngeren Filmgeschichte. Wer den Film nicht kennt, bekommt ihn am besten als klassische Spukhausgeschichte beschrieben. Mutter Grace wohnt in einem altehrwürdigen Haus mit ihren beiden lichtsensitiven Kindern, um die sie sich aufopferungsvoll kümmert. Die neuen Bediensteten des Hauses werden von einer den ganzen Film über sehr nervösen Nicole Kidman angewiesen, wie sie Türen zu öffnen und wieder zu schließen haben, damit die Kinder nicht aus Versehen an die Sonne geraten. Als Tochter Anne einen imaginären Freund anschleppt und schwört, es wären fremde Menschen im Haus, ist Mutter Grace gar nicht begeistert. Sie glaubt nur an das, was sie sieht. Und an Gott. Allerdings weitet sich der Spuk aus und alle müssen anerkennen, es gibt Eindringlinge im Haus, nur kann sie keiner sehen, außer Anne. Und die Bediensteten, wie sich später herausstellt, aber das ist schon ein bisschen Spoiler-Territory und da wollen wir doch nicht hin, oder Plor?
Florian Bayer: Es ist wirklich tragisch mit diesem Film und jetzt werden wir voll reinspringen in die Spoiler. Wer jetzt noch dran ist, ist selbst schuld. Es gibt eine sehr tragische Geschichte um diesen Film. Ich habe den... 2001, als er rauskam, im Kino gesehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich habe das Ende geahnt.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und die große Schuld ist natürlich The Sixth Sense, den ich damals noch unglaublich präsent hatte. Nein. In der Mitte des Films fange ich an, darüber nachzudenken und denke, wäre es nicht geil, wenn sie eigentlich tot sind? Aber machen sie das? Das hat doch The Sixth Sense erst vor einiger Zeit gemacht. Nein. Und dann habe ich aber angefangen, darauf hinzugucken. Mhm. Und es war tatsächlich so, ich hab mich selbst gespoilert in diesem Film, weil damals hatte ich auch voll Spaß dran, so Enden vorherzusehen und so, yay, ich hab das Rätsel gelöst, bevor es aufgelöst wurde. Und dachte so, ah, das macht ja total Sinn, sie will die Vorhänge zumachen, sie spielt am Klavier, sie macht die ganzen Geister-Sachen, die sind Geister. Und dann war es tatsächlich so, also er gehört zu den Filmen, wo ich einfach vor dem Ende wusste, wie es ausgeht oder so sehr geahnt habe, dass es mich nicht überrascht hat. Wobei ich dazu sagen muss... Ich würde das dem Film nicht vorwerfen, weil der Film wirklich einen Höllenjob macht, so einen Brotkrumen auszuspäuen, im besten Sinne des Wortes. Und nachdem man dann das Ende weiß, guckt man dann nochmal drauf und denkt so, ja geil, es ergibt alles sehr viel Sinn.
Johannes Franke: Ja, total. Also ein Rewatch und ein Re-Rewatch, du hast einen anderen Film vor dir und freust dich total über das, was sich da entwickelt und du siehst natürlich ganz genau, was die da gerade machen. Und kannst dir im Grunde den Film vorstellen, den wir nicht zu sehen bekommen, von dem wir glauben, dass wir ihn sehen, nämlich den von Victor. Ja. Dem Sohn der Familie, die da gerade eingezogen sind in dem Haus und jetzt bin ich bei Spoiler-Tel. diese Familie, die da eigentlich einzieht, die wir aber nie zu Gesicht bekommen, außer ganz am Ende einmal.
Florian Bayer: Um damit einzusteigen, Plottwist am Ende. Wir finden heraus, dass Grace ihre Kinder umgebracht hat und dass sie als Geister in diesem Haus leben. Diese ganzen vermeintlichen Spukerscheinungen, die ihre Kinder gesehen haben, sind nichts anderes als die Leute, die neu eingezogen sind, die Lebenden. Und wir kriegen diesen Plottwist präsentiert in einer krassen Seance-Szene, wo dann eben halt auch gezeigt wird, wie passieren so unheimliche Spuker. Spukgeschichten bei Nassianz, dass ein Tisch wackelt, dass Blätter durch die Luft fliegen. Nämlich indem die Geister mit der Umgebung interagieren, wenn Grace am Tisch wackelt und schreit, wir sind nicht tot. Und die Blätter zerreißt, weil sie die Wahrheit nicht haben will. Und es ist wirklich absolut Gänsehaut inszeniert, selbst wenn man weiß, dass es kommt. Man sitzt da und denkt so, wow, das zieht voll emotional. Alle Kanne. Und es ist wirklich schön, sich drüber Gedanken zu machen, ach krass, die haben die ganze Zeit, während sie nicht wussten, dass sie Geister sind, diese ganzen Geisterdinger durchgezogen, in leeren Räumen am Klavier gespielt, Türen zugeschlagen, Vorhänge zugezogen, alles gemacht, was echt unheimlich gruselig ist und das ist natürlich, es ist wirklich clever erzählt.
Johannes Franke: Und was so ganz, ganz klassische Gruselgeschichte einfach ist. Ich mag ja tatsächlich die klassischen Gruselgeschichten ganz im Gegensatz, ich würde es nämlich teilen tatsächlich, ich wäre an deiner Stelle nicht so gnädig mit mir, weil wir Horrorfilm-Monat haben und ich finde, das ist ein klassischer... Ein Gruselfilm, wie ich ihn mag. Und da geht es so, na gut, wenn du jetzt eine große Überschrift Horror machen willst, da geht das mit rein. Aber für mich, weswegen ich sage, ich mag Horror nicht so sehr, gehen Horrorsachen eher in eine Richtung, die von dem klassischen Grusel so ein bisschen weggehen. Horrorfilme sind für mich brutaler.
Florian Bayer: Ja, man kann sehr lange darüber diskutieren, ob sich Horrorfilme von Gruseln unterscheiden, von Gruselfilmen, ob sich Horror von Gruseln unterscheidet. Ich würde behaupten... Grusel ist letzten Endes ein Subgenre vom Horror. Weil das, was Horrorfilme immer verbindet, egal ob sie übernatürlicher Horror sind, ob sie Thriller-Horror sind, ob sie Geistergeschichten erzählen oder ob sie mit körperlicher Gewalt spielen.
Johannes Franke: Rom-Com-Horror.
Florian Bayer: Rom-Com-Horror. Letzten Endes geht es immer um was, was man im weitesten Sinne als Angstlust bezeichnet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir gucken Horror, um uns zu ängstigen oder um uns zu gruseln.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist das, also vielleicht ist Grusel auch einfach ein veralteter Begriff dafür, aber letzten Endes gucken wir Horror, weil wir Angst haben wollen. Und das ist das wesentliche Merkmal vom Horrorfilm. Das geht auf sehr viele Arten. Das geht über Gewalt, über Splatter und Gore. Das geht über deutlich subtilere Sachen. Ich meine, Skinner Marink zum Beispiel, den wir letzte Woche besprochen haben, hat jetzt auch nicht so viel Gewalt an Bord, ne?
Johannes Franke: Ja, und ich würde es vielleicht auch nicht unbedingt als Horrorfilm bezeichnen. Aber ich verstehe. Der Horror entsteht ja auch im Kopf. Das ist ja auch das wesentliche Merkmal eines guten Horrorfilms. Ja,
Florian Bayer: deswegen finde ich, könnte man zum Beispiel auch so einen Film wie Warum läuft Herr Amor, könnte man auch als Horrorfilm bezeichnen. Weil es letzten Endes darum geht, dass man in eine Situation reingeworfen wird, vor der man sich in irgendeiner Form ängstigt. Und ich weiß, du magst diesen Film nicht, sondern ich...
Johannes Franke: Ja, ja, aber ich würde dem zustimmen. Herr R., Warum läuft Herr R.? Amok ist ein Horrorfilm für den Zuschauer, der sich die ganze Zeit denkt, warum habe ich diesen Film angemacht? Das ist die schrecklichste Entscheidung. Ich habe Angst, diesen Film durchstehen zu müssen.
Florian Bayer: Das war wie bei Scream 2, wenn Randy gefragt wird, der große Filmler, was sein Lieblingshorrorfilm ist und er sagt, Showgirls, wirklich beängstigend. Horror geht auf vielen Ebenen und dieser klassische Haunted House Film, dieser klassische Kruse Film, das ist natürlich ein Genre, was ich total mag und was ich aber auch... ohne jegliche Bedenken beim Horror einordnen würde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist Angst machen auf einer abstrakteren Ebene. Es gibt keine direkte physische Bedrohung. Gibt es auch in manchen von diesen. Aber sie muss nicht unbedingt da sein, sondern es reicht dieses, dass das vermeintlich geschützte Haus plötzlich befallen ist. Da gibt es irgendwas, was den Frieden in unseren eigenen vier Wänden bedroht. Und die Adas fällt da natürlich voll rein und hat diese ganzen klassischen Tropes der Haunted-Haus-Filme, wie wir sie kennen seit den... seit Beginn der Filmgeschichte mit dabei. Und das macht natürlich erst mal Spaß.
Johannes Franke: Ja, ich finde, dass dieser Film noch einen Schritt weiter geht und das für mich noch geiler wird. Es gibt ja nicht einmal einen Bösewicht am Ende. Ja. Es gibt keinen Antagonisten. Also außer sich selbst in diesem Fall. Der eigene Wunsch, einfach weiterzumachen und nicht an das zu denken, was man Schreckliches getan hat und das nicht wahrhaben zu wollen. Das ist halt... das, was jeden Film viel interessanter macht, die eigenen inneren Dämonen zu bekämpfen. Oder damit irgendwie klarkommen zu müssen.
Florian Bayer: Aber wo wir jetzt mal darüber reden, ob wir den Film als Horror klassifizieren, hat ja dieser Film Angst gemacht?
Johannes Franke: Ich glaube, beim ersten Mal schon. Beim ersten Mal gucken weiß man ja überhaupt nicht, worauf es hinausläuft. Und dann denkt man sich, ah, jetzt kommt hier ein Stick-Garry-Moment und da ist jetzt was und da sind die Bilder der Toten, also haben wir hier bestimmt irgendwie... Was mit Geistern, die über sie herfallen, zu tun. Doch, doch, doch, doch, es ist auch gut inszeniert. Es ist so inszeniert, dass ich tatsächlich immer mal wieder mit Türen, die zugehen und mit irgendwelchen sehr gut mit der Musik zusammen, also Musik ist ja grandios auch, zusammengehenden Szenen, die das schaffen, diese Stimmung zu schaffen, dass ich zu Hause auf meinem sicheren Wohnzimmersessel sitze und denke, oh mein Gott, gehe ich jetzt auf Toilette oder nicht? Das finde ich schon gut. Das macht der Film tatsächlich ganz gut. Beim zweiten Mal gucken allerdings hast du einen völlig anderen Film vor dir, weil du ja ganz anders reingucken kannst, weil du ganz anders interpretieren und ganz anders überlegen kannst. Du kannst zum ersten Mal beim zweiten Mal gucken, überlegen, was dieser komische Christopher Eccleston an der Stelle soll. Weil beim ersten Mal gucken verstehst du die Rolle nicht. Weil du denkst, Moment mal, der ist im Krieg geblieben und der Krieg ist vorbei offensichtlich. Und der ist nicht wieder zurückgekommen. Und jetzt ist der plötzlich, kommt der aus dem Nebel und steht plötzlich da. Was ist denn das für ein seltsames Plot-Device? Und du stellst ein bisschen den Film in Frage beim ersten Gucken, also mir ging es zumindest so. Aber dadurch, dass der Film sonst sehr gut ist, denkt man sich, okay, I go with the flow. Dann nach und nach, wenn man dann am Ende auch versteht, was passiert ist, versteht man auch, was diese Figur da soll.
Florian Bayer: Das war zum Beispiel einer von diesen Momenten, wo du schon sehr ahnst, okay, sie befinden sich offensichtlich in irgendeiner Art Zwischenwelt. Weil dieser Nebel, der das Gelände so einschließt, dass Greys nicht wegkommen, dieses ins Nichts gehen und da ist auch nichts mehr. Es gibt einfach keine Welt drumherum, weil das das Einzige ist, was wir noch haben. Und dann kommt ausgerechnet der, der im Krieg war.
Johannes Franke: Genau. Du spielst die ganze Zeit darauf an und das hast du vorhin schon gesagt, beim ersten Mal gucken 2001 hast du gedacht, vor allem... Dieses Bedürfnis zu haben, darüber nachzudenken, wie geht es denn aus und was ist der Plottwist und was auch immer. Ich habe darüber sehr viel nochmal nachgedacht, nachdem ich den Film gesehen habe. Weil ich überlegt habe, warum macht man das? Warum sitzt man da als Zuschauer und versucht, den Zaubertrick rauszufinden? Ja. Weil das ist, nichts anderes ist es, oder? Ja, voll. Ich bin, muss ich dazu sagen, Zauberer von Beruf. Beziehungsweise ich war es über 20 Jahre und habe dann so ein bisschen aufgehört damit. Weil Brotkuchen... Brotlose Kunst und so weiter. Ich habe oft die Situation gehabt, dass ich vor Leuten saß und mit denen gezaubert habe und die dann verzweifelt versucht haben, rauszufinden, wie es geht. Und ich das immer für die tragischsten Momente gehalten habe. Weil ich gedacht habe, mein Gott, lass dich doch drauf ein und guck dir es einfach an und hab so dieses Gefühl, das ist unmöglich, aber versuch nicht rauszufinden, wie es geht. Weil am Ende, wenn du weißt, wie es geht, ist der ganze Zauber weg. Und du denkst dir, ja, war ja ganz einfach, ich bin enttäuscht. Die meisten waren tatsächlich enttäuscht, wenn sie es rausgefunden haben. Und das ist nicht gut.
Florian Bayer: Es gibt einen entscheidenden Unterschied. Diese Plot-Twist-Filme verraten am Ende ja den Trick. Der Film läuft ja, eine Zaubershow endet in der Regel nicht damit, dass du sagst, ah, übrigens, so. Und das ist ein gewaltiger Unterschied. Und es ist so ein bisschen wie die Pointe von einem Witz vorher zu sagen oder zu raten, wenn dir eine Herzfrage gestellt wird. Du fühlst dich doch gut, wenn du es schaffst, sie zu beantworten mit der richtigen Pointe.
Johannes Franke: Ja, das stimmt schon.
Florian Bayer: Es gibt so eine gewisse Lust am Entdecken. Und ja, natürlich hat es auch ein bisschen damit zu tun, dass man sich dann erhaben fühlt, weil man das vorhergesehen hat, weil man das Rätsel gelöst hat, bevor der Film einem die Lösung präsentiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und deswegen, also ich habe diese Lust tatsächlich. sind ja, wenn wir 2001 sind, wo dieser Film entstanden ist, sind wir in einer Zeit der Plot-Twist-Filme.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Vor allem dank des Sixth Sense gab es tausend Filme, die dann irgendwann alle denselben Plot-Twist hatten. Entweder A, du bist tot.
Johannes Franke: Ja, genau. Oder B,
Florian Bayer: du hast dir das alles nur ausgedacht, vorgestellt. Also Fight Club zum Beispiel, um da reinzuwerfen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und wenn dieser Trick, wenn schon klar ist, Filme arbeiten immer wieder mit diesen Tricks, Filme machen das, dann gehst du in einen Film und weißt schon, okay, ich hab hier wahrscheinlich einen Plot-Twist-Film vor mir, einfach weil er in diesem... im weitesten Mystery-Genre beheimatet ist. Und dann ist es vielleicht auch so ein bisschen als Herausforderung angesehen. Also ich habe das damals mehr gemacht, als ich es heute mache. Aber ich habe mir das so ein Stück von damals auch noch bewahrt, dass ich Spaß daran habe, den Film aufzulösen. Und dass das den Film für mich auch gar nicht unbedingt schlechter macht, sondern das ist dann total billig. Ich fühle mich dann einfach gut, wenn ich das Ende vorhersehe, wenn ich das Ende errate.
Johannes Franke: Aber macht das den Film nicht irgendwie kleiner? Weil du denkst, ja, ich war cleverer als der Filmemacher.
Florian Bayer: Nee, das würde ich ja nicht denken. Das ist ja total abroben.
Johannes Franke: Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Es macht den Film tatsächlich kleiner, wenn es zu obvious ist. Wenn ein Plot Twist schlecht gesetzt ist und viel zu leicht erratet werden kann, macht es den Film kleiner. Oder, anderes krasses Gegenbeispiel, wenn der Plot Twist so komplett neben der Spur ist, dass es überhaupt nicht passt. Das heißt, man kann es nicht vorhersehen, weil es einfach viel zu random ist und weil es auch teilweise keinen Sinn macht in der Story. Ja. Aber wenn du es vorher erahnst und dann siehst du diese kleinen Easter Eggs, die überall ausliegen, diese kleinen Anspielungen, die das verraten, dann fühlt sich das gut an. Dann denkst du so, ah, ja, aha, I see what you did there. Und das macht den Film nicht schlechter.
Johannes Franke: Du kannst es ja nicht wirklich wissen. Du bist ja nur am Raten. Und dann kannst du die kleinen Easter Eggs, die da rumliegen, kannst du ja auch nur interpretieren. Du kannst ja dann nicht sagen, wie beim zweiten Gucken. Okay, verstehe, deswegen ist das, deswegen ist das. Als die Leute das erste Mal an die Tür kommen, die Bediensteten, unterhalten die sich schon darüber? Ich weiß nicht mehr genau, was sie genau sagen, aber sie unterhalten sich schon darüber und ich denke, what? Warum habe ich das nicht mitbekommen beim ersten Mal gucken?
Florian Bayer: Sie schaufeln Blätter auf die Kräber, damit man sie nicht findet.
Johannes Franke: Genau, solche Sachen. Ja,
Florian Bayer: es ist halt auch, genau, du rätst da ein bisschen, du spekulierst da ein bisschen, aber du fühlst dich angespannt, vor allem, weil du dann auch hoffst, dass das, was du siehst...
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: dass das eintritt, weil du denkst, oh, das ist clever, das ist gut, das gefällt mir, das ist eine schöne Lösung. Und das war es halt auch bei diesem Film, weil ich den geguckt habe und dachte, sind sie schon tot? Das ist ja wie bei The Sixth Sense. Aber, und dann gibt es natürlich dieses Meer und ah, sie spuken. Und das fühlt sich dann schon geil an und das macht ja einen guten Plot-Twist-Film aus. Das ist das, was du gerade gesagt hast, dass es diesen Spaß gibt, es wiederzusehen und diese ganzen Hinweise nochmal zu sehen und schon zu wissen, worauf das hinausläuft. Und und Wenn man das beim ersten Mal gucken hat, so ein bisschen, dann, also auch wenn es viel spekulativer ist, dann... Wie gesagt, es hat für mich den Film nicht unbedingt schlechter gemacht. Es war nur so, dass ich die ganze Zeit dachte, ah, sind die beiden Sixth Sense?
Johannes Franke: Naja, es ist natürlich ein fieser Vergleich, ausgerechnet aus der Zeit, weil die einfach zeitgleich, also nicht zeitgleich rausgekommen sind, aber sehr nah aneinander. Und ich habe das Gefühl, dass du trotzdem dann etwas verlierst. Du verlierst nämlich den Moment, wo du da sitzt und denkst, what?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil du vorher gedacht hast, ja, okay, es geht in die Richtung oder die in die Richtung und so. Und ich liebe es, wenn mich der Filmemacher einfach an die Hand nimmt und einfach durch das durchführt, was er sich gedacht hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Oder sie.
Florian Bayer: Naja, dazu, manchmal kann man halt den Kopf einfach nicht ganz ausschalten, oder? Ja. Vielleicht ist das auch, genau, das ist vielleicht auch so ein Ding. Du kommst ja aus der Schauspielerwarte und eher so aus der visuellen Warte. Ja. Und du denkst doch bei Filmen. viel auch über Kameraführung nach, über Schauspiel und so weiter.
Johannes Franke: Im Idealfall nicht. Also der Film schafft es im Idealfall, mich davon abzulenken, dass ich eigentlich auch als Kameramann arbeite und als Schauspieler.
Florian Bayer: Aber vielleicht ist das gleiche, weil ich komme eher halt aus dieser schreibenden Zunft und deswegen denke ich eher über narrative Sachen nach, während ich den Film schaue. So wie du drüber nachdenkst, wie die Kamera gemacht wurde und denkst, ah und das ist eine Hitchcock-Reminiscenz, denke ich drüber nach, ah und wie ist das Storytelling?
Johannes Franke: Ja, Aber trotzdem wünschte ich mir beim zweiten Gucken, man könnte den Film nochmal so erleben, dass man ihn nicht kennt, dass man nicht weiß, was passiert.
Florian Bayer: Und trotzdem habe ich eine Gänsehaut in dieser letzten Szene.
Johannes Franke: Das ist toll, oder?
Florian Bayer: Wenn sie in diesen Seance-Raum geht, wenn ich ihn jetzt nochmal geguckt habe und ich wusste das Ende noch und so weiter und ich wusste genau, worauf es hinausläuft. Ich wusste sogar noch, dass diese Szene kommt, diese Seance-Szene. Und trotzdem sitze ich da und habe eine Gänsehaut, wenn sie dann reinkommen und wenn dieser Moment der Erkenntnis ist. Was natürlich auch unglaublich wichtig ist für die, wie man diesen Twist... diese finale Pointe inszeniert und in dem Film unglaublich stark inszeniert. Ich würde diesen Film nicht auf eine Stufe mit Sixth Sense stellen. Für mich ist Sixth Sense immer noch der beste Plot-Twist-Film überhaupt.
Johannes Franke: Ich habe genau den gleichen Gedanken andersrum gehabt.
Florian Bayer: Aber wie das Ende inszeniert ist, das ist richtig stark. Und das ist vor allem auch ein bisschen eleganter inszeniert als bei Sixth Sense, weil es weniger erklärt und weniger erzählerisch, mehr Show, weniger Tell ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall, und ich hab da eine Gänsehaut, das ist eine fantastisch inszenierte Twist-Auflösungsszene.
Johannes Franke: Es gibt eine kleine Kritik, auf die man immer wieder stößt, die ich nicht teile, aber über die es sich vielleicht lohnt nachzudenken. Nicole Kidman ist sehr schnell, nachdem diese Seance-Szene ist, wir sind jetzt sofort beim Ende, meine Güte, aber wir können ja den anderen Rest noch machen. Nicole Kidman sitzt sehr schnell nach der Seance mit ihren Kindern da und erzählt ihnen, was passiert ist. Ja,
Florian Bayer: das stimmt.
Johannes Franke: Und verarbeitet das alles innerhalb von Sekunden. Was vielen sauer aufstößt, weil sie dann sehr schnell akzeptiert, was passiert ist und den ganzen Film über aber nicht in der Lage ist. Und ich aber der Meinung bin, dass der ganze Film ja dafür da ist. Eigentlich ist das, was die Leute vermissen, nämlich dieser Übergang von der Seance in dieses okay, okay, ich hab scheiße gebaut, ist ja der ganze Film. Sie verarbeitet ja den ganzen Film über das, was sie getan hat.
Florian Bayer: Ich fand diesen Epilog tatsächlich auch etwas überflüssig. Ich fand, das war ein... gutes, rundes Ende gefunden mit der Seance. Und ich finde diese Szene, die dann schon ein bisschen auch erklärbarer Szene ist, komplett überflüssig, weil wir alles wissen. Also es wird uns nochmal erzählt, was wir schon gerade bei der Seance erfahren haben, dass ihre Kinder umgebracht hat. Und ich verstehe, dass ihr hier auch nochmal so eine Redemption-Ark ein bisschen gegeben werden soll, dass klar gemacht wird, es geht jetzt weiter. Ich glaube, da wäre auch ein bisschen mehr Mut zur Offenheit möglich gewesen. Gerade weil der Film in anderen Dingen, was so klassisch so Spukhaus-Tropes betrifft, durchaus mutig ist und auch eigenen Wege geht. Obwohl er vom Setting so sehr an diesen klassischen Haunted-House-Filmen orientiert ist, hat er ein paar Sachen, die ihn hervorheben und die ihn auch ein bisschen anders machen.
Johannes Franke: Was braucht er denn im Schlussmonolog? Also ich glaube schon, dass es den an sich braucht, dass wir brauchen zu wissen, wie es weitergeht. Vor allem brauche ich den Satz, I'm not wiser than you are, weil die Tochter Anne fragt, was ist denn jetzt, wo sind wir denn? Sind wir in Children's Limbo oder was? Und sie sagt, ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht mehr als du, was ich einen wahnsinnig wichtigen Satz für die Auflösung der Beziehung zwischen den beiden, der Spannung, die die ganze Zeit herrscht zwischen Anne und Grace, da finde ich einfach diesen Satz wahnsinnig wichtig und da bin ich den trennen nah, weil ich denke, okay, sie hat es endlich geschafft, einmal loszulassen und zu sagen, okay, Leute. Wir wissen es nicht und wir müssen da einfach zusammen durch, statt die autoritäre Person zu spielen, die sie die ganze Zeit ist, um irgendwie Kontrolle zu haben.
Florian Bayer: Ja, die Religiosität ist ja natürlich ein großes Thema.
Johannes Franke: Sehr wichtiges Thema, ja.
Florian Bayer: Und wie du schon in deinem Text mit Augenzwinkern festgestellt hast, Grace wird einerseits als sehr rationale Person gesagt, sie sagt, I don't like fantasies. Sie macht gleich von Anfang an ihrer neuen Haushaltsgehilfin, Mrs. Mills, klar, da gibt es eine rote Linie, wenn die Kinder anfangen. solchen Scheiß zu erzählen, da ist für mich Stopp. Und auf keinen Fall werden die Kinder bestärkt in ihren komischen Fantastereien.
Johannes Franke: Ich gieß dir mal Tee ein, Plor. Ja,
Florian Bayer: sehr gerne. Mit dieser schicken neuen Kanne. Und gleichzeitig ist sie halt unglaublich religiös. Und diese religiöse Erziehung mit diesen ganzen merkwürdigen Geschichten spielt bei ihr eine ganz große Rolle. Also zum einen sagt sie die ganze Zeit, dass sie Fantastereien ablehnt. Und gleichzeitig ballert sie ihre Kinder voll mit Fantastereien.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Der Homeschooling natürlich ist sehr... Bibel zentriert und wenn die Kinder was lernen müssen, dann ist es irgendwelche alten Geschichten von irgendwelchen alten Männern auswendig, die irgendwas erzählt haben von irgendwelchen übernatürlichen Wesen. Und dieser Gegensatz ist natürlich total spannend und der ist ja auch etwas, was den Kindern auffällt. Die Kinder lehnen sich ja vor allem auf, auch zum einen, indem sie diese Spukgeschichten nicht einfach stehen lassen und zum zweiten, indem sie sagen, naja, das ist totaler Quatsch, was da in der Bibel steht. Ich glaub das nicht so wirklich.
Johannes Franke: Vor allem Anne voran. Ja,
Florian Bayer: Anne, genau. Niklas überhaupt nicht. Niklas ist ja sehr, sehr folgsam.
Johannes Franke: Ja, aber Anne ist also eine der großartigsten Figuren, Kinderfiguren, die mir so einfallen, muss ich sagen. Weil die Schauspielerin das einfach sehr, sehr gut spielt. Die haben 5000 Kinder gecastet. 5000 Kinder durchzuprobieren und haben gesagt, wir brauchen eine, die irgendwie mit Nicole Kidman klarkommt. Und das hat irgendwie ganz gut funktioniert mit ihr, finde ich. Sie ist Pain in the Ass, ich liebe es, wie sie widerspricht und so.
Florian Bayer: Ach Johannes, wir reden so oft über schauspielende Kinder und ich muss an diesem Punkt dann nochmal das stark machen, was ich oft sage. Es hat sich so viel getan in den letzten 20, 30, 40 Jahren, auch in den letzten 20 Jahren, was Schauspiel von Kindern betrifft. Und ich sehe in diesem Film vor allem schauspielende Kinder der 2000er Jahre.
Johannes Franke: Und ich sehe zwei Kinder,
Florian Bayer: bei denen wir irgendwie mitfühlen sollen. Ich finde auch Nikolas gut.
Johannes Franke: Ich finde sogar Nikolas sehr, sehr gut. Echt?
Florian Bayer: Also sie spielen zwei Arschlochkinder und ich glaube, sie wollen aber nicht die ganze Zeit Arschlochkinder spielen, sondern sie sollen auch ein bisschen mehr Empathie wecken. Ich war nicht überzeugt von dem Schauspiel von den beiden. Es war auch echt was, was mich teilweise rausgerissen hat. Wirklich? Und ich sehe, was sie da machen und was sie da machen wollen, aber es ist an bestimmten Stellen zu weit drüber und an anderen Stellen… Stellen auch einfach zu annoying, zu nervig. Gerade die Art, wie sie aufbegehrt, ist es nicht nur das Problem der Schauspielerin, sondern es ist auch ein Problem der Art, wie die Dialoge geschrieben sind. Und zwar, was Filme oft haben, was nicht mit dem Schauspiel zusammenhängt, dass Kinder nicht konsistent geschrieben werden. Und sie wird geschrieben, dass man manchmal denkt, oh, sie könnte 15 sein. Und manchmal denkt, sie könnte 5 sein. Und es findet da keine richtige Konsistenz statt. Bei Niklas, finde ich, ist das noch ein bisschen besser beschrieben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil er ist konsistenter. Er ist auch keine besonders coole Rolle, weil seine Konsistenz kommt vor allem daher, dass er nicht viel macht, außer Ja und Abend zu sagen und Angst zu haben.
Johannes Franke: Ja und Angst zu haben, genau.
Florian Bayer: Ich fand's nicht überzeugend. Ich fand's weder überzeugend geschrieben, noch sonderlich überzeugend gespielt von ihr. Ich fand die Kinder tatsächlich eher schwach. Aber um das nochmal zu sagen, auch aus der Perspektive von heute, was wir in den letzten zehn Jahren an fantastischen Schauspielleistungen von Kindern gesehen haben. Und das ist einfach, das ist auch einfach eine andere Zeit. Damals waren Kinder einfach noch nicht so weit. Damals hätte man Kinder besser nicht vor die Kamera gestellt.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein, nein, das sehe ich nicht so. Ich finde, dass er ganz hervorragend ein 42-jähriges Kind spielt. So ein Sesselpupser, der vor jeder Autorität kuscht und Angst hat und dann sagt, nein, aber ich will hier so. Es gibt das eine Bild, wo er von ihr getrennt wird. Damit sie nicht irgendwelchen Quatsch machen und er sitzt dann da und die Mutter gibt die letzten Anweisungen, geht dann aus dem Raum raus. Und wie er sich dann umschaut, so leidend und so angstvoll und so, ah, scheiße, ich will nicht. Ich finde das super. Er macht das wirklich toll.
Florian Bayer: Die Gesichtsakrobatik, wenn sie sich streiten, wenn sie sich anschreien, wenn sie mit ihrer Mutter Stress haben, ich weiß.
Johannes Franke: Alles, nehme ich alles mit. Alles in Ordnung.
Florian Bayer: Und es ist halt auch dieses Ding, du sagst schon. Sie müssen halt gegen Nicole Kidman bestehen. Ja. Und Nicole Kidman ist geil in diesem Film, weil sie auch vor allem gegen ihr Image spielt und gegen ihren eigentlichen Stil spielt. Sie hat selbst gesagt, sie war sich unsicher, ob sie die Rolle nehmen sollte, weil sie hat nämlich davor Moulin Rouge gespielt.
Johannes Franke: Völlig andere Rolle.
Florian Bayer: Und das war auch ihr Image in den 90ern. Sie hat immer diese Glanz-und Klemmerrollen gespielt davor mit Tom Cruise, Ice White Shad. Sie war die große, sehr elegante, sehr glamouröse Frau.
Johannes Franke: Aber sie war auch vor allem davon abgeschreckt, dass sie so emotional tief reingehen muss, weil Moulin Rouge ist wirklich kurz vorher gedreht und sie hatte echt auch, sie hatte eine anstrengende Zeit hinter sich und sie wollte nicht so tief in so eine wahnsinnig anstrengende Rolle hinein und das hat sie bei den Proben auch gemerkt und sie hat bei den Proben tatsächlich, nachdem sie eine Weile geprobt hat, gesagt, Leute... macht es ohne mich, ich mache was anderes. Und dann ist sie wieder zurückgekehrt. Warum, weiß ich nicht genau. Aber es gab diesen Moment, wo sie gesagt hat, ich mache es dann doch nicht.
Florian Bayer: Ja, ich finde halt vor allem, ich habe Nicole Kidman immer verbunden mit diesem, sie ist eine glamouröse Frau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie ist eine Erscheinung. Ja. Und wenn sie in den Raum betritt, dann strahlt sie und bringt den Raum zum Strahlen. Und sie spielt dann ja auch oft diese Rollen. Sie hat diese Ice White Chart, Moulin Rouge und... Und dann auch diese ganzen Sachen aus den 90ern, wo sie halt wirklich groß und strahlend ist. Und jetzt spielt sie so diese sehr verbitterte, religiöse, in sich gekehrte Frau. Und sie ist einfach eine saugute Schauspielerin.
Johannes Franke: Grandios gut, oder?
Florian Bayer: Ja. Ein paar Jahre später sehen wir nochmal in Dogville, was sie alles kann. Was für eine Jacke und Größe sie haben kann. Auch in solchen Rollen. Und sie spielt das schon verdammt gut und verdammt überzeugend. Und gegen Nicole Kidman kommst du halt einfach nicht an in diesem Moment. Auch weil sie ist einfach sie... Ihre Art, die komplett anders ist als das, was wir aus anderen Filmen von ihr kennen, überrat sie das einfach. Sie ist einfach so präsent. Sie nimmt den Raum ein und auch beängstigend ist sie, ne?
Johannes Franke: Total. Unglaublich beängstigend. Aber was ich finde ist, dass die andere Schauspielerin, die die Haushälterin spielt, die das sehr, sehr gut macht.
Florian Bayer: Mrs. Mills wird gespielt von?
Johannes Franke: Fiona Flanagan.
Florian Bayer: Spielt hervorragend.
Johannes Franke: Wahnsinnig gute Schauspielerin. Und sie hat das auch. Sie hat diese... Sie hat so eine Mütterlichkeit, so eine Gutmütigkeit, die aber so in der Luft hängt, dass man die ganze Zeit denkt, die kann sofort umschlagen. Von einer Sekunde auf die andere kann sie wahnsinnig autoritär und wahnsinnig durchraufend werden. Ja. Finde ich total krass.
Florian Bayer: Ja, sowieso dieses Dreiergespann, die dann zum Haus kommen und die als vermeintlich neue Haushaltsgehilfene anfangen. Später finden wir heraus, dass sie halt auch Geister sind und dass sie schon vorher da gearbeitet haben. Die tragen die ganze Zeit diese richtige Mischung aus. irgendwie sympathisch und gleichzeitig mysteriös. Wir wissen, die haben was zu verstecken, die haben was zu verbergen. Das kommt auch sehr schnell raus. Und trotzdem werden sie uns nicht einfach zu Antagonisten gemacht. Du hast gesagt, der Film hat keine Antagonisten. Und wie sie mit den Kindern redet, sind wir ja total dankbar, dass sie da ist, weil sie wirklich sowas wie Warmherzigkeit in diesen wirklich kalten Haushalt reinbringt.
Johannes Franke: Und ich finde, dass sie das auch atmet und dass sie Schauspielern das einfach toll macht. Und dieser irische Akzent ist einfach großartig. Also wenn ihr den Film guckt, nochmal gucken wollt, ihr habt ihn sicherlich schon gesehen, weil sonst wärt ihr nicht hier. Dann guckt ihn auf Englisch. Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Und um da nochmal hin zurück zu springen, dieses Kalte, was die hat, was Nicole Kidman hat, das ist ja was, was sich auch durch diese ganze Art, wie sie den Haushalt führt, zieht. Ja klar, die Kinder haben vermeintlich diese Krankheit, die es tatsächlich gibt. Mondscheinkinder, hat es umgangssprachlich auch genannt. Sie haben vermeintlich... Irgendeine Allergie gegen die Sonne. Aber wie wir später erfahren, ist es natürlich auch einfach diese Art, um diese Geistergeschichte aufrechtzuerhalten. Aber sie zieht die ganze Zeit die Vorhänge zu. Sie hält alles dunkel. Sie hält alles kalt.
Johannes Franke: Aber die Kinder scheinen das wirklich gehabt zu haben, als sie gelebt haben. Weil sie wirklich irgendwann sagen, oh, es tut ja nicht mehr weh. Das sagen die Kinder. Also insofern muss das schon irgendwie eine Grundlage haben. Es gab ja auch dieses Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, was da ein bisschen... anschwingt, dass die Mutter das vielleicht auch nimmt, um Aufmerksamkeit und um zu zeigen, wie schwer sie es mit den Kindern hat und so weiter. Das gibt es ja auch.
Florian Bayer: Ja, vor allem auch, um die Kinder unter Kontrolle zu halten. Es geht ganz viel um Kontrolle, wie sie erzieht und es ist so wichtig, dass die Kinder ihre Geschichten glauben und ihre eigenen Geschichten nicht und bloß nicht von irgendjemandem auf andere Geschichten gebracht werden. Also man kann sich tatsächlich vorstellen, dass auch bevor sie schon tot waren, dass ihr Leben ziemlich karg war und dass sie die ganze Zeit in diesem Haus waren und nicht viel anderes gemacht haben, als auf den Vater zu warten und irgendwie mit Bibellektionen über die Runden zu kommen.
Johannes Franke: Aber weswegen ich nicht glaube, dass es tatsächlich so ein Münchhausen-Seichsteller-Stellvertreter-Syndrom ist, dass man irgendwie... die Krankheit den Kindern irgendwie andichtet, um sie eben unter Kontrolle zu halten oder so. Ich glaube, weil sie sie am Ende umbringt wirklich, also nicht am Ende, sondern am Anfang, vor unserem Anfang umgebracht hat, ich glaube, das macht man nicht mit diesem Syndrom. Da ist ja so dieses überbordende Lieben und dann aber eben Nutzen für sich und für Aufmerksamkeit vor und so.
Florian Bayer: Es wird nicht richtig erklärt, warum sie... die Kinder umgebracht hat.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist Überforderung.
Florian Bayer: Es bleibt alles so ein bisschen nebulös, was aber auch gar nicht verkehrt ist. Und das trägt sich ja auch, diese Nebulös trägt sich ja auch in der Grundatmosphäre des Films. Wir haben ja schon gesagt, wir sind ja eigentlich im Haunted-Haus-Film. Was Haunted-Haus-Filme oft haben, ist dieses pittoreske. Das haben wir hier überhaupt nicht. Es ist alles minimalistisch. Wir haben ganz viele Räume, die überhaupt nichts haben. Wir bewegen uns in einem Haus, das praktisch aus ganz viel Nichts besteht. Lehrer... große leere Räume,
Johannes Franke: was ja viel von der Stimmung ausmacht. Ja,
Florian Bayer: und alles was das irgendwie Freude bringt, dieses Klavier, das wird als Störfaktor wahrgenommen. Und dann haben wir ja auch diesen gruseligen Raum, wo alles abgehängt ist, wo du das Gefühl hast, okay, sie haben alles, was irgendwie Leben bedeutet, haben sie verborgen, sperren sie weg. Und dann sitzen sie halt wirklich einfach nur noch an diesen Tischen und lesen die Bibel und machen nichts anderes. Es gibt überhaupt keine Lebensfreude in diesem Haus.
Johannes Franke: Was vielleicht daran liegt, dass sie tot sind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dieses Abgehängte kann auch sein, dass das schon von den neuen Bewohnern ist. Muss man auch sagen, dass vieles von dem, was wir im Haus sehen, vielleicht auch damit zu tun hat, dass sie halt nicht mehr da leben. Also im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr da leben. Dass da neue gekommen sind und die Neuen haben vielleicht auch einfach eine Rumpelkammer aus dem einen Ding gemacht, haben da Laken drüber gehängt und gesagt, okay, das ist erstmal von den alten Leuten, die hier gewohnt haben, die sich umgebracht haben. Das lassen wir alles schön hier in diesem Raum. Der Rest, der wird leer.
Florian Bayer: Das Klavier ist ja so der beste Hinweis. Sie sagt Klavier, ich habe keine Ahnung, wo das herkommt. Über dieses Klavierrede, das ist total merkwürdig. Es könnte schon immer da gewesen sein. Vielleicht ist es auch neu. Ich habe es auf keinen Fall angeschafft. Aber es ist jetzt irgendwie da. Aber ich will nicht, dass damit irgendwas gemacht wird. Und das Klavier ist ziemlich, es wird glaube ich sogar erzählt, dass die Frau, die von den Neueingezogenen, dass die Pianistin ist oder so. Dass die, die ist, die dieses Klavier spielt. Auf jeden Fall ist es irgendwie so, dieses Klavier ist einfach, ist irgendwie so was Störendes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie will damit nichts wirklich zu tun haben, aber es ist jetzt halt da und dann wird sie auch gespielt, eigentlich so dieses typische Geisterding. Ja. Ja, aber sie, genau, sie will nichts davon in ihrem Haus haben. Es soll halt wirklich dieses komplett minimalistische, abgehangene, dunkle sein.
Johannes Franke: Mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Selbstmord.
Johannes Franke: Oh nein! Shit!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch nutzt.
Johannes Franke: Genau. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das soll schnell durchkommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Kommen wir mal zu der Frage. Ich hab dich auch gefragt, ob du den Film gruselig fandst. Es gibt ja durchaus so ein paar Horror-Szenen. Es gibt ja auch so ein paar sehr traditionelle Jump-Scares.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Türen, die zugeschlagen, die wird sich zufallen sehr schnell. Und dann die Szene, die ich am stärksten wahrgenommen habe als klassische Horror-Szene, wenn Anne vermeintlich von der Alten besessen ist. Und wie wir dann später erfahren, ist es genau umgekehrt. Nämlich Anne hat die Alte besessen. Wenn sie da in diesem Hochzeitskleid sitzt,
Johannes Franke: hielt. Ah, super gruseliges Bild.
Florian Bayer: Grace kommt von hinten und redet mit ihr und stellt dann fest, shit, das ist irgendjemand anderes, das ist nicht meine Tochter.
Johannes Franke: Ja, ist eine tolle Szene, ist eine sehr gruselige Szene und sogar beim zweiten Gucken noch gruselig, während ich zum Beispiel finde, dass das Türen zuschlagen und so weiter total an Biss verloren hat durchs zweite Gucken, weil du weißt, wo es herkommt.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich, der Horror löst sich komplett auf, wenn man weiß, dass diese anderen, die da im Haus sind, dass sie nichts Geisterhaftes sind.
Johannes Franke: Ja, und dass sie auch nichts Böses wollen.
Florian Bayer: Man hat dann eher so diesen Meta-Horror, dass man sich immer wieder vorstellt, was für Angstsituationen haben die anderen. Dieser arme Viktor.
Johannes Franke: Ja, wirklich.
Florian Bayer: Der da im Bett liegt und sich dann plötzlich mit einem Geistermädchen unterhalten muss.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Mein Bett.
Johannes Franke: Raus hier.
Florian Bayer: Und dann besteht das Geistermädchen darauf, immer die Vorhänge zuzumachen. Wenn es etwas gibt, was Kindern Angst macht, dann ist es Dunkelheit.
Johannes Franke: Ja, oh Gott, oh Gott,
Florian Bayer: oh Gott. Und dann macht das Geistermädchen immer wieder die Vorhänge zu. Oder der Geisterjunge, der plötzlich da ist und der schreit dann auch noch laut. Man hätte sehr schön diese anderen Perspektiven drehen können. Man hätte einen wirklich klassischen Spukhausfilm vor sich.
Johannes Franke: Ich bin super froh, dass er es nicht macht und dass man beim zweiten Gucken oder beim dritten Gucken meinetwegen sich diesen Film vorstellen kann. Das ist wirklich, wirklich krass.
Florian Bayer: Und das macht ja halt auch viel aus von der Atmosphäre, die so klassische Tropes auflöst. Was wir aus Horror kennen, aus Spukhaus-Horror, ist Dunkelheit, ist beängstigend. Dunkelheit ist schrecklich. Diese zugezogenen Vorhänge, wir sehen nichts, wir können nur was erahnen. Und hier wird es halt umgedreht, in dem Licht das bedrohlich ist. Die ängstlichste Szene für die gesamte Familie ist, wenn plötzlich alle Vorhänge und alle Türen im Haus aufgerissen sind. Und das ist der Horror, dass diese Außenwelt reinkommt.
Johannes Franke: Ja, da kommt aber auch der Horror dazu, dass die Frau plötzlich da steht und sagt, ach, haben sie es denn mal wieder versucht? Sie wissen gar nicht, ob vielleicht die Krankheit immer noch da ist oder ob sie vielleicht schon weg ist. Und man versteht beim ersten Gucken nicht, was der turn soll. Was ist denn dabei plötzlich für ein Unterton? Was soll denn das? Warum? Und beim zweiten Mal gucken weiß man, okay, die hat die Schnauze voll. Die sagt sich langsam, okay, komm, jetzt kommen wir mal zur Potte. Wir müssen ihr mal erklären, was hier eigentlich los ist. Du willst es nicht wahrhaben, aber irgendwie müssen wir da hin.
Florian Bayer: Sie versucht sie ja wirklich mit der Nase draufzustoßen, mehrmals. Und gleichzeitig aber will sie auch nicht komplett enttarnt werden. Ja, und dann gibt sie halt so ein kryptische... Und Prophezeiungen, es wird sich viel verändern, liebe Anne. Wir werden große Überraschungen erleben.
Johannes Franke: Ich sehe die Geister auch, aber ich kann euch leider jetzt nicht sagen, warum.
Florian Bayer: Und dann haben wir, was ein sehr schönes Motiv ist, einfach weil es ein tolles Gruselfilmmotiv ist, diese Fotos, die sie findet. Oh,
Johannes Franke: da müssen wir drüber reden.
Florian Bayer: Post-Mortem-Fotografien findet sie.
Johannes Franke: Also wenn ihr das nicht so wisst oder wenn euch das nicht beschäftigt hat oder sowas, es ist wahnsinnig interessant, sich in dieses Loophole zu begeben, in dieses Rabbit Hole. Post-Mortem-Fotografie, das Ende 1800, Anfang 1900.
Florian Bayer: Bis tief ins 20. Jahrhundert hinein.
Johannes Franke: Echt, so weit noch? Ja.
Florian Bayer: Wow. Aber natürlich, es hat nachgelassen, damit das Kameratechnik. verfügbarer wurde für die Allgemeinheit. Weil der Gedanke dahinter war erstmal, man hatte nicht viele Fotos.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Es war schwer ein Foto zu machen.
Johannes Franke: Fotos sind teuer, wahnsinnig teuer. Und man hat so Lebzeiten, gerade wenn man noch zu einer Zeit angefangen hat, wo es Fotografie noch gar nicht so gab oder so wenig gab, dass man vielleicht alle paar Jahre mal einen Fotograf in die Stadt gekommen ist quasi und gesagt hat, ich mach mal Fotos für dich. Hatte niemand Fotos. Ja.
Florian Bayer: Und es hat auch wirklich gedauert und viel gekostet.
Johannes Franke: Und dann hat man die Gelegenheit nochmal genutzt und gesagt, okay, ist jetzt gestorben und bevor der Körper jetzt komplett weg ist, müssen wir vielleicht doch mal schnell noch ein Foto machen. Dann haben sie noch ein Foto gemacht. Der Film sagt, was ich ganz toll finde, dass es darum geht, die Seelen der Menschen ewig leben zu lassen durch das Foto. Und auf dem Foto sind ja... diejenigen, die jetzt ewig leben, nämlich die drei Geister, die da die Bediensteten spielen. Was ich einen interessanten weiteren Gedanken und Twist finde, dass die Fotografie tatsächlich dafür gesorgt hat, dass die dort spuken. Und vielleicht ist irgendein, weiß ich nicht, Inspektor gekommen und hat die beiden Kinder und die Frau fotografiert, nachdem sie gestorben sind, weil der Tatort fotografiert werden musste oder so. Und dadurch sind die vielleicht auch einfach Geister geworden. Könnte alles sein.
Florian Bayer: Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass der Film diese Postmortem-Fotografie aufgreift, die ja wirklich vor allem in England groß war. Aber diesen besonderen Kniff, den wir ganz oft haben in Postmortem-Fotografie, überhaupt nicht thematisiert. Nämlich, dass die Fotos gemacht wurden, als wären die Toten lebendig. Es gibt mehrere Fotos aus dem Bereich, wo du wirklich das Spiel spielen kannst. Errate, wer der Tote ist. Und du liegst oft daneben. Oft, oft,
Johannes Franke: oft, oft.
Florian Bayer: Und hier werden die Toten jetzt natürlich als diese Schlafenden gezeigt. Das wurde auch gemacht. dass es so aussieht, als würden Personen schlafen. Aber oft haben die Leute auch versucht, weil es wirklich vielleicht das einzige Foto war, das sie von ihrem Kind haben können, das Foto so zu machen, als ob das Kind noch leben würde. Das heißt, sie hatten das auf ihrem Schoß setzen, sie hatten das zurechtgestutzt und so weiter. Und es war auch ziemlich leicht, mit Toten Fotos zu machen, weil damals musste man sehr lange stillhalten für ein Foto.
Johannes Franke: Und das ist nämlich der Moment, an dem du rausfindest, wer ist der Tote im Bild. Die anderen sind nämlich unter Umständen ein kleines bisschen unscharf. weil sie sich doch ein bisschen bewegt haben, während die Toten damit kein Problem hatten, stillzuhalten. Die Toten wurden auch mit sehr seltsamen Apparaturen festgebunden und gemacht. Du hast manchmal auch in den Schädel reingebohrt, um die Apparatur ranzumachen, damit die da gerade sitzen können. Schon irgendwie ein bisschen seltsam und gruselig, aber wahnsinnig interessant.
Florian Bayer: Und die Briten waren damals auch wirklich fasziniert vom Tod. Also Postmortem-Fotografie ist nur so ein Bereich davon, wie so Preservation betrieben wurde. Teile von Toten wurden in irgendwelche Schatullen gepackt, wurden als Schmuck am Körper getragen. Es gibt irgendwelche Geschichten von, sie haben irgendwas gebacken damit oder so. Das viktorianische England hatte echt einen schrägen Fimmel für den Tod, aber eigentlich vor allem für dieses Gedenken an die Toten. Und Fotografie war natürlich eine Möglichkeit, das aufrechtzuerhalten.
Johannes Franke: Ja, bei Postmortem muss ich immer an Joel Peter Witkin denken. Der hat keine Postmortem-Fotografie gemacht, aber der hat so krasse, andere, absurde Fotografie gemacht, die so ein bisschen diesen Stil aufgreift. Also wer ins Morbide gehen möchte und sich noch ein paar seltsame andere Sachen anschauen möchte, Joel Peter Witkin.
Florian Bayer: Es gibt ein paar ganz interessante Podcasts über Postmortem-Fotografie, wenn die auf jeden Fall mal reinhören. Sollte, jetzt muss ich kurz etwas unvorbereitet einmal gucken, ob ich die noch bei mir gespeichert habe. The Morbid Curiosity Podcast, Victorian Postmortem Photography. Ist sehr interessant, auf jeden Fall hörenswert und danach weiß man wirklich alles über die morbide Vorliebe der Briten für den Tod und vor allem für das vermeintlich ewige Leben, das halt irgendwie so konserviert wird.
Johannes Franke: Und die Fotografie, finde ich, ist ja auch genau der andere Zweig, warum es... überhaupt so Geistergeschichten gibt. Ich habe über den Film ja trotzdem nochmal nachgedacht darüber, warum überhaupt, warum erzählen wir uns Geistergeschichten? Das ist genau der gleiche Grund, warum es diese Postmortem-Fotografie gibt. Du willst halt Leute konservieren, du willst Geschichten konservieren über Leute und du willst Erinnerungen da behalten. Und Geister sind im Grunde Erinnerungen an Menschen und natürlich auch die Angst, dass dich deine Fehler dein ganzes Leben lang verfolgen werden.
Florian Bayer: Was ganz spannend ist, es gibt ja so diese zwei Zweige der Geistergeschichten. Zum einen unsere westliche, die sehr davon geprägt ist, dass Geister als was Tragisches wahrgenommen werden oder was Beängstigendes. Menschen, die nicht abgeschlossen haben. Menschen, die irgendwie gefangen sind in dieser Welt. Und dann der östliche Zweig, beziehungsweise der buddhistische Zweig im weitesten Sinne, sieht ja Geister viel mehr als Helfer an zum einen. Und zum anderen auch Geister als... Seelen, die auf dem Weg sind und die weiterreisen. Wo wir hier das traditionelle westliche Motiv eigentlich haben, die Toten, die nicht zur Ruhe kommen, die irgendwas Schreckliches erlebt haben oder irgendwelche unerledigten Geschäfte haben und die jetzt wirklich festsitzen. Und das ist ja auch so das traditionelle Motiv der Geistergeschichten generell auch im Kino. Egal ob jetzt Ghostnachricht von Sam oder Amityville Horror oder sowas, es wird von Seelen erzählt, die unruhig sind. Und durch diese Unruhe entsteht ja auch das Beängstigende, weil es nicht nur Seelen sind, die leiden, sondern auch die ihrem Leid Ausdruck verleihen, indem sie halt rumspuken.
Johannes Franke: Wenn wir gerade vorhin bei dem Vater waren, der ist tot, oder?
Florian Bayer: Der ist tot,
Johannes Franke: natürlich. Der ist warum jetzt an dem Haus? Hat der frei bekommen von seinem Bad Triumph?
Florian Bayer: Der hängt wahrscheinlich sonst an der Front fest. Ja, wahrscheinlich. Da muss er ja auch gleich wieder hin. Ich stelle es mir so vor, dass diese Jenseitswelt, die der Film hat. Entwurf funktioniert so, dass du wirklich zu Orten geschleudert wirst, an denen du irgendwie festhängst und zu denen du irgendeine Verbindung hast. Und natürlich macht es Sinn, dass er dann irgendwie nochmal so eine Stippvisite macht bei sich zu Hause. Zum einen, weil sie ihn alle wollen, weil es diese tiefe Sehnsucht gibt nach dem Vater, beziehungsweise dem Ehemann, der endlich nach Hause kommt.
Johannes Franke: Aber dann hat er auch ein wirklich sehr gutes Timing, um sie aufzuhalten.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Er ist auch so ein bisschen Plot-Vehikel in dem Fall. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Ich finde es schon okay. Ich finde es auch stimmig. Ich finde auch, wie sie ihn inszenieren, dass er so komplett verloren ist, dass er überhaupt nicht weiß, wo er ist, was konkret gesagt wird. Dass auch Mrs. Mills sagt halt zu ihrem Freund, zu dem anderen.
Johannes Franke: Zum Gärtner.
Florian Bayer: Zum Gärtner. Mr. Tuttle heißt der. Ja, der weiß wahrscheinlich gar nicht, wo er ist. Und ist ja die ganze Zeit so irgendwie neben der Spur. Spur und irgendwie verloren. Ist halt auch so ein deutlicher Hinweis auf diese Jenseitsigkeit.
Johannes Franke: Beim ersten Mal gucken weißt du halt nichts damit anzufangen und du bist echt verwirrt über diese Figur, weil der das auch sehr geisterhaft quasi spielt. Er ist ja sehr ätherisch nur anwesend, gar nicht wirklich richtig da und richtig in Interaktion. Obwohl sie Sex haben anscheinend. Ja. Es gibt anscheinend doch noch ganz gute Momente als Geist.
Florian Bayer: Es war einer der Momente, wo ich mich ziemlich... bestätigt gefühlt habe in dieser Theorie. Wir sind hier in einem Totenreich, wir sind hier in einem Zwischenreich und jetzt kommt auch nochmal der Geist. Vom Krieg vorbei und sagt auch nochmal kurz Hallo, bevor er wieder in sein persönliches Nirwana verschwindet.
Johannes Franke: Wir haben über die Musik und die Atmosphäre allgemein, über die Geräusche noch gar nicht so richtig geredet. Ich finde die Musik sehr gut und die ist offenbar vom Regisseur selbst geschrieben.
Florian Bayer: Ja, um den Namen vielleicht einmal zu sagen. Alejandro Amenaba, der ist eigentlich ein Chilene bzw. Spanier. Der hat gar nicht so viel gedreht vorher. Der hat... Der hat ein bisschen was gemacht und das, was ich am ehesten von ihm kenne, ist Open Your Eyes aus dem Jahr 1997. Und der Film ist vor allem dafür bekannt, dass er ein Remake mit Tom Cruise gekriegt hat 2001, in dem ja ein Alias rauskam, nämlich Vanilla Sky. Stimmt. Aber von einem anderen Regisseur. Und Open Your Eyes ist wirklich ein guter spanischer Mystery-Film, der auch sehr wie viele Filme in der Zeit von seinem Plot-Twist lebt. nicht erzählen muss. Der auf jeden Fall ganz interessant ist und es ist wirklich ein interessanter Mystery-Film, der auch so ein paar ganz gute Gruselmomente hat und auch kein richtiger Horrorfilm ist. Also die Adder ist deutlich mehr Horrorfilm als der. Das ist das, was ich von ihm kenne und dann tatsächlich, das habe ich jetzt erst bei der Recherche herausgefunden, Recreation aus dem Jahr 2015 ist auch von ihm, in dem das Thema dieser Satanic Panic aufgegriffen wird, die ja in den 80ern in den USA ziemlich groß war. Mit Emma Watson, die hat Hatten wir doch heute schon mal erwähnt. Ah ja, genau. Curse of Being a Wallflower. Sie spielt auch da amerikanisch. Und auch da mitgespielt mit amerikanischem Akzent. Okay. Und es haut nicht so 100% hin. Ja, auf jeden Fall war das ein Film, den ich nicht so besonders fand. Das sind die zwei Filme, die ich von ihm kenne. Und genau, einen fand ich nicht so besonders. Einen fand ich ganz cool. Ja.
Johannes Franke: Er hat es auf Spanisch geschrieben. Dann haben sie es auf Englisch übersetzt. Ja. Ich weiß nicht, wie er in die Lage gekommen ist, mit Nicole Kidman zu drehen. Weil das ja durchaus eine große Sache ist. Und wenn er vorher nicht so wahnsinnig viel gedreht hat, dann ist das schon... Uh, okay.
Florian Bayer: Na, dieses Open Your Eyes war schon so ein kleiner Überraschungserfolg. Deswegen hat er ja auch ein Remake gekriegt, das machen die Amerikaner immer, wenn es so einen Überraschungserfolg gibt. Lief gar nicht so gut, wenn ich, ah, der hat, oh Gott. Ja, wenn man sich auf Wikipedia ganz schnell verlassen muss. 370 Millionen Pesos gekostet und 9 Millionen Dollar eingespielt.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ich weiß nicht, wie man das jetzt umrechnet. Ich gehe mal davon aus, dass er ziemlich erfolgreich war. Er war der zweiterfolgreichste spanische Film in diesem Jahr, in dem er gedreht wurde. Und vielleicht war es das so ein bisschen. Durch diesen Überraschungserfolg, Open Your Eyes, hat er die Möglichkeit gekriegt. Und ja, es ist ein Glück, weil wie gesagt, Nicole Kidman war ja irgendwie eher so hesitant, bevor sie dann wirklich gesagt hat, okay, ich mach's. Und es war ein Glück, dass er sie gekriegt hat, weil du brauchst für so einen Film,
Johannes Franke: brauchst du so eine Darstellerin.
Florian Bayer: Ja, ja,
Johannes Franke: ja. Sie trägt das alles wahnsinnig. Sie spielt die ganze Zeit on edge. Man hat das Gefühl, sie bricht jederzeit in Tränen aus, wenn sie sich nicht so zusammenreißen würde und alles unter Kontrolle hat und genau weiß, was sie machen muss. Es ist schon, das macht sie sehr, sehr gut, weil sie es auch wirklich durchzieht und durchhält den ganzen Film über.
Florian Bayer: Und die Atmosphäre, um darauf nochmal zurückzukommen, Musik, Kamera, haben die richtige Mischung aus diesem Nervierenden und Minimalistischen.
Johannes Franke: Ja, ich finde das super. Ich finde auch, dass sie es gut hingekriegt haben, sich so ein bisschen auf dieses Kerzenlicht zu verlassen, nicht zu sehr ausleuchten zu wollen noch. Sie trägt ja diese Kerze da in der Gegend rum. Auf dem Plakat ist es ganz groß gefieden. Und ich glaube, das ist für einen Kameramann total dankbar. Man freut sich darüber, solche Sachen zu machen. Und jetzt zum Beispiel der Nebel, der ist SFX. Das ist ja gar nicht wirklich da gewesen. Das haben sie am Ende im Nachhinein hinzugefügt. Sie haben tatsächlich am Set mit Greenscreen gearbeitet. Sie haben große Greenscreen-Dinger noch aufgebaut, damit die Personen... unabhängig vom Hintergrund nochmal aufgenommen werden, damit hinter den Personen auch der Nebel sein kann und nicht einfach nur pauschal draufgelegt und so. Auch interessant. Kann man sich online alles anschauen.
Florian Bayer: Sind schöne Bilder. Was ich ein bisschen kritisieren würde, er leidet unter der Krankheit, unter der viele Filme der frühen 2000er Jahre leiden, nämlich, dass die Leute angefangen haben zu sagen, Farben sind doof. Ich will keine Farben mehr in meinem Film. Und dementsprechend alles so sehr entsättigt haben und so.
Johannes Franke: In diesem Film ist das gut. Ich mag's.
Florian Bayer: Es ist so eine Bildsprache, die ich so, ich finde irgendwann so Mitte der 2000er war man das komplett über und ich kann vieles nicht mehr sehen, was in dieser Bildsprache gehalten ist.
Johannes Franke: Es hat immer eine Frage dessen, passt es zum Film, ist es das richtige Mittel für den Film und es gibt halt Filme, die das einfach machen, weil es in ist und nichts mit dem Inhalt des Films zu tun hat, aber in diesem Film hat es ja volle Kanne Sinn. Du bist in dieser Geisterwelt, es muss alles ein bisschen blasser sein, es muss alles ein bisschen gedämpft sein. Und wenn du das aus der Perspektive der Familie, die da kommt, die da wohnt, machst, vielleicht musst du das dann ein bisschen farbiger machen. Aber aus der Perspektive kann ich es total verstehen.
Florian Bayer: Es funktioniert insofern ganz gut, dass wir als Kontrast dann immer wieder diese relativ warmen Bilder haben. Dadurch, dass wir halt vor allem vermeintlich Beleuchtung nur durch Feuer haben.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Durch Öllampen und durch Kerzen. Und dann haben wir manchmal diese wirklich sehr schönen warmen Bilder. Es ist auch tatsächlich für einen Horrorfilm erstaunlich viel Wärme in den Bildern, in diesen Momenten. Ich weiß nicht, ein bisschen mehr Farbe hätte ich... Es ist so ein bisschen eine abgenuddelte Bildsprache. Es ist vielleicht auch ein bisschen eine flache Bildsprache, um es mal ganz böse zu sagen.
Johannes Franke: Ich finde es gut geschnitten und gut gefilmt. Und die SFX mit dem Nebel, das hätte ich nie vermutet, dass der Nebel nicht da war. Haben sie sehr gut gemacht. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall. Und die Kamera schafft es wirklich gut. gut diese, wir sind ja in einem großen Haus, wir sind ja wirklich in so einem Herrenhaus, diese Mischung zu treffen von wir zeigen die Größe, nämlich die ist auch wichtig, weil wir wissen nicht, in welcher Ecke ein Geist sein könnte oder eben ein anderes Grusel. Und gleichzeitig geben wir ja trotzdem diese klaustrophobische Enge in der Beziehung. Wir haben viele Szenen, wo die Kamera mal so hochfährt und zeigt, wie hoch die Decken sind und wie hoch die Räume sind. Aber dann haben wir auch ganz viele Momente, wo du einfach diese krasse Beklemmung hast, weil Wand links, rechts, Wand links, Wand rechts. Irgendjemand bewegt sich durch Gänge und du willst eigentlich nur, dass sie irgendwie ausbrechen, dass sie irgendwie rauskommen.
Johannes Franke: Aber man muss sagen, als Geist irgendwo festzusitzen, dieses Haus ist schon geil dafür. In einer plattenblauen Siedlung will ich dich nicht festsetzen lassen als Geist, aber dort, ach, was soll's.
Florian Bayer: Ja, so in England und Nebel und so scheiß Wetter die ganze Zeit. Also wenn ich die Wahl hätte, als Geist irgendwo festzusitzen, dann wäre es so ein Malibu-Menschen, so Kalifornien am Meer, mit Strandzugang. Dürfte ich als Geist im Meer baden? Wichtige Frage. Sie dürfen rausgehen, Sie dürfen in die Warten gehen.
Johannes Franke: Das stimmt, aber sie kommen nicht weit. Nee, also sie geht ja zum Nebel raus und dann sagt die Frau schon, ja, sie wird nicht weit kommen, der Nebel lässt sie nicht.
Florian Bayer: Privatstrand. Malibu-Menschen mit Privatstrand, wär das okay? Dann ins Wasser?
Johannes Franke: Ja, darfst du.
Florian Bayer: Okay, dann nehme ich das. Das ist meine Geisterhausentscheidung. Was ist deine? Du darfst auch weitergehen. Das muss nicht das Herrenhaus in England sein. Jetzt hast du die Chance. Einmal als Jenseits eine Wunschliste. Flo will nach Malibu, Kalifornien an den Strand.
Johannes Franke: Ich nehme die Maisonette-Wohnung in New York.
Florian Bayer: Aber du darfst nicht raus auf die Straße. Was? Darf ich nicht? Nein, du bist Geist. Was bringt dir New York, wenn du nichts von dem Leben von New York mitnehmen darfst?
Johannes Franke: Am Ende ist es doch wichtig, mit wem man zusammen in einem Haus eingesperrt ist.
Florian Bayer: Wichtig ist nicht, wie man stirbt, sondern die Freunde, die man auf dem Weg kennengelernt hat.
Johannes Franke: Apropos Freunde, sind die jetzt weiterhin ihre Bediensteten? Am Ende kommt sie da hin und sagt, soll ich Ihnen einen Tee machen?
Florian Bayer: Ja, ich glaube schon. Das ist ihre Aufgabe im Diesseits gewesen, das ist die Aufgabe im Jenseits. Dumm gelaufen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob diese Bediensteten waren im Jenseits, im Diesseits damals. Das wird nicht gesagt. Die nehmen diese Rolle an, aber das heißt nicht... Ich weiß nicht, ob man von Bediensteten dieses Foto gemacht hätte, wenn sie von der Turbelose dahin gerafft wurden.
Florian Bayer: Aber sie machen ihren Job ziemlich gut, ne? Sie gärtnern ordentlich, sie arbeiten ordentlich.
Johannes Franke: Aber sie machen das auch schon seit gefühlten 30 Jahren.
Florian Bayer: Okay, ja. Ja, vielleicht waren sie nicht die Bediensteten. Nee, dann sollten sie auch... Aber sie sind ja offensichtlich... Also sie wollen ja klarkommen. Sie sagen ja, okay... Ja. Warum ist eigentlich... Sind das die einzigen Toten, die da rumirren jetzt? Oder gibt es da eigentlich noch ganz viele andere? Und ist das irgendwann komplett crowded? Weil stell dir mal vor, in 500 Jahren... Ja. Und du hast mehrere Generationen von Menschen, die gestorben sind. Irgendwann ist das echt voll...
Johannes Franke: Aber sind die alle irgendwie so gewaltvoll? Also ich meine, wann wirst du als Geist dort sein? Zum einen habe ich ja die Fototheorie, jedes Mal, wenn ein Foto von einem Toten gemacht wird, bleibt der Geist da.
Florian Bayer: Aber sie sieht sehr viele Totenfotos von Leuten, die nicht als Geister da sind.
Johannes Franke: Aber sind die dort alle gestorben? Gut, dann wäre das ein Crowded Place. Oder es geht darum, die klassische Theorie, dass Geister entstehen, weil gewaltsam gestorben und nicht abgeschlossen mit der Welt.
Florian Bayer: Eine Krankheit reicht dafür schon aus, weil die sind ja an Tuberkulose gestorben. Ja,
Johannes Franke: ja. Krankheit, ja, wenn es besonders schlimm war, vielleicht schon.
Florian Bayer: Das ist echt scheiße. Weil dann wird der Ort auch ziemlich voll sein, weil die meisten... Ja, die alten Menschen sterben auch an irgendeiner Krankheit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist ja richtig... Stell dir mal vor, du sitzt dann da irgendwann und hast da ganz viele Leute rumtouren. Und dann gibt es Streitereien zwischen den Geistern, wer welches Zimmer haben darf.
Johannes Franke: Ja, aber irgendwann passiert das nicht mehr, weil dann die Altenheime aufgebaut werden und dann werden die Leute ja alle abgeschoben.
Florian Bayer: Achso, ja. Oh Gott, das klang... Bitter.
Johannes Franke: Sorry, aber ein bisschen Realismus reinzubringen. Und es gibt eine tolle britische Comedy-Serie, die genau das hat, wo mehrere Geister an einem Ort sind, aus ganz vielen Generationen. Einer der Andertalers dabei und dann nach oben zehn Leute oder sowas. Ja. Wo die Hauptfigur, also eine Frau und ein Typ und die Frau stirbt beinahe, hat eine Nahtoderfahrung und seitdem kann sie die Geister sehen. Ja. Und dann gibt es sehr schöne, lustige Situationen.
Florian Bayer: Okay, klingt irgendwie ganz cool. Wie heißt die Serie? Ghosts.
Johannes Franke: Einfach nur Ghosts.
Florian Bayer: Ah,
Johannes Franke: geil.
Florian Bayer: Ja, Leute, merkt euch. Ghosts, die aktuelle Serienempfehlung von Johannes.
Johannes Franke: Ist auch schon abgeschlossen. Das heißt, wenn ihr irgendwie nicht was gucken wollt, wo ihr nicht wisst, ob das dann die nächste Staffel noch gibt und dann in der Luft hängt, die ist abgeschlossen und alles ist gut.
Florian Bayer: 2019 und es gibt eine britische und eine amerikanische Version davon. Guckt die britische. Natürlich. Aber okay, ja. Die Office guckt die Amerikanische, Entschuldigung. Da muss ich einmal immer alle Jubelfolgen einwerfen. Es ist nicht immer alles besser, was aus UK kommt. Manchmal machen die Amerikaner auch bessere Unterhaltung. Ja,
Johannes Franke: ja. Aber bei The Office ist es vor allem, weil sie sich was ganz anderes draus gemacht haben dann am Ende. Ja,
Florian Bayer: und weil sie auch einfach gesagt haben, die Menschen sind nicht komplett verdorben.
Johannes Franke: Wie die scheiß Briten. Weißt du, was ich schön finde? Alle Frauen in diesem Film haben die Macht. Also es gibt nicht viele Männer in diesem Film. Es geht vor allem eben um die Frauenfiguren und die sind auch diejenigen, die machtvoll in den Situationen handeln. Ja.
Florian Bayer: Sie sind die Entscheidungsträgerin.
Johannes Franke: Und Entscheidungsträger sind das Kind sowieso nicht, das Männliche, aber auch der Gärtner nicht. Ja. Und Christopher Eccleston schon gar nicht, weil der sowieso traumatisiert keine Entscheidung mehr treffen kann. Der kommt da hin, fragt sich, was mache ich denn eigentlich hier und geht dann als Geist wieder zurück. Ich finde es interessant und ich finde es schön, weil 2001 jetzt auch nicht unbedingt die Zeit ist, in der hauptsächlich Filme über Frauen gemacht wurden.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall interessante Beobachtung.
Johannes Franke: Und auch über die überforderte Mutter und eine, die sagt, vielleicht auch ein bisschen ein Vorreiter von dieser Regretting-Motherhood-Sache, weil sie sie ja auch anscheinend, für mich zumindest, in meiner Interpretation umbringt aus Überforderung und sie eigentlich nicht diejenige ist, die jetzt ursächlich gerne Mutter wäre.
Florian Bayer: Wobei das Wesentliche bei diesem Regretting-Motherhood-Ding ja ist, dass es keine moralische Wertung darüber gibt, dass du sagst, es ist eine Mutter zu sein und es ist härter als ich dachte und es ist auch zu hart ganz oft. Während es hier ja ziemlich eindeutig die moralische Bewertung gibt, dass sie eine Killerin ist.
Johannes Franke: Echt, ist das so?
Florian Bayer: Ja. Echt? Also ich finde jetzt nicht,
Johannes Franke: dass das...
Florian Bayer: Das fand ich nämlich auch bemerkbar....positiv dastehen lässt.
Johannes Franke: Das habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Und sie wird doch auch als Mutter gezeigt, die oft Kontrollverlust hat, gleichzeitig aber extrem versucht Kontrolle auszuüben und dabei sehr tyrannisch ist. Also sie ist jetzt nicht ein Role Model für gute Erziehung oder gute...
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay....gute Spimmern um die Kinder. Ja,
Johannes Franke: nee, das nicht. Also ich habe da jetzt keine moralische Wertung drin gesehen. Vor allem, weil wir empathisch ja trotzdem bei ihr sind am Ende. Also sie ist ja auch nicht als Willen inszeniert. Nee, überhaupt nicht. Am Ende. Das stimmt. Und das finde ich eben bemerkenswert.
Florian Bayer: Ja. Und es gibt irgendwie, ja, es gibt auf jeden Fall auch dieser Redemption-Akt, dass sie endlich dazu stehen kann, dass sie ihr Kinder umgebracht hat. Ja. Dass sie das nochmal durchgeht, was da passiert ist und sich damit auseinandersetzt. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass ich sagen würde, oh ja, jetzt finde ich sie voll cool.
Johannes Franke: Nein, aber... Aber muss man das? Es kann doch auch in der Luft hängen, ohne dass man sagt, wir haben hier eine moralische Instanz, die sagt, schlechteste Mutter der Welt.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Es ist halt schon krass, es ist halt schwer am Anfang sie nicht zu hassen,
Johannes Franke: wenn sie als bibeltreue,
Florian Bayer: sehr strenge Herrin des Hauses präsentiert wird, die ihre Kinder echt krass unterdrückt.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Aber es funktioniert trotzdem, ich stimme dir zu, man denkt so, wenn man sich auf dem Papier anguckt, wie sie... charakterisiert ist, denkt man, wow, das ist eine hassenswerte Figur. Aber so richtiger Hass entsteht dann trotzdem nicht. Während dem Mann ist trotzdem an ihr dran. Und sie ist tatsächlich, also es gibt natürlich auch die Momente, wo die Kinder, wo die Wahrnehmung der Kinder gezeigt wird, aber sie ist die, deren Perspektive wir einnehmen. Gerade am Anfang, wenn die Kinder von dem Spuk erzählen und sie das nicht glaubt, sind wir bei ihr. Wir sehen nicht, was die Kinder sehen, sondern wir sehen, was sie sieht.
Johannes Franke: Was natürlich auch für den Grusel gut ist und so. Wenn wir sehen würden, was Anne sieht, dann... Hätten wir vielleicht nochmal eine andere Geschichte.
Florian Bayer: Es ist eine geile Szene, wenn Anne ihr dieses Papier zeigt, wo sie aufgeschrieben hat, wie oft sie diese Leute gesehen hat. Und dann steht bei der alten Frau eine absurd hohe Zahl,
Johannes Franke: 14 oder so.
Florian Bayer: Shit, oh mein Gott. Die sind echt schon lange da drin unterwegs und buken euch um die Ohren und du kriegst es nicht mit.
Johannes Franke: Krass, ne? Ja, ich finde es schon sehr, sehr gut erzählt alles. Lass uns mal so langsam in unsere Top 3 hineinrutschen und dann können wir vielleicht am Ende nochmal loben, wie toll es... Inszeniertes Jingle. Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 mit dem Titel Kann mal jemand das Licht anmachen?
Florian Bayer: Dabei ist dieser Film nie so dunkel, dass es nervt, oder? Ne,
Johannes Franke: überhaupt nicht. Aber es ist genau der richtige Grad. Also der findet die Balance tatsächlich sehr, sehr gut. Zwischen so... zeigen nicht zeigen was ist da in den schatten was ist dann nicht aber das ist nicht die hauptsächliche sache bei skin im ring geht es ja fast nur darum was ist im schatten und hier ist es Die Fülle an Möglichkeiten ist größer, weil einfach das sich nicht nur darauf beschränkt wird.
Florian Bayer: Das ist ein klareres und präziseres Bild. Also du siehst in jedem Frame, was in diesem Frame drin ist. Und wenn was drin ist, was dich erschrecken soll, dann erkennst du das auch sofort.
Johannes Franke: Ganz tolle Situation, wo sie oben auf dem Dachboden oder sowas ist und im Hintergrund dieses Gemälde ist und das Licht geht an und man denkt, da steht tatsächlich eine Person. Und dann geht das Licht richtig an und dann sieht man, dass es nur ein Gemälde ist. Stimmt. Fand ich sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Schönes Spiel mit dem Publikum. Mit der Erwartungshaltung des Publikums. Mein Platz 3, auch wo wir schon dabei waren, was ist Horrorfilm? Ich finde, das ist ein Horrorfilm, obwohl es eigentlich eher ein Thriller ist. Das Schweigen der Lämmer aus dem Jahr 1991, wo es diese großartige Szene gibt, in der Clarice Starling, gespielt von Jodie Foster, dem Killer auf der Spur ist, in seiner Wohnung und das gesamte Licht aus ist. Und er trägt eine Nachtsichtbrille und sieht sie in der Dunkelheit. Und während sie durch die Dunkelheit kommt, kommt er ihr immer gefährlich nah. Äh. Und es ist eine ziemlich unheimliche Szene und du wünschst dir einfach nur für sie, dass das Licht angemacht wird. Toller Film, der sehr viele Horrorfilm-Momente hat, aber natürlich vor allem als Psycho-Thriller, als LL zwischen Hannibal Lecter und Clarice Starling in die Geschichte eingegangen ist.
Johannes Franke: Ich habe auf meinem Platz 3 gleich eine kleine Interpretation dieses Themas. Kann man jemand das Licht anmachen, kann man auch ein bisschen übertragen, indem man sagt, kann der Film mal sagen, worum es geht? Mulholland Drive.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Aber auch sehr der Dunkel.
Florian Bayer: Auch ein sehr dunkler Film, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Deswegen habe ich ihn genommen, weil er einfach beides ein bisschen bedient. Sehr, sehr düsterer Film und man denkt sich immer mal wieder, kann mir mal ein Licht aufgehen? Ich weiß nicht, was das alles soll.
Florian Bayer: Unser guter alter Freund David Lynch. Wir haben bis jetzt erst einen David Lynch Film besprochen. Wir müssen mal nochmal einen anderen nehmen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Vielleicht ist es Lost Highway, vielleicht ist es mal Holland Drive. Vielleicht ist es auch Blue Velvet. Ich weiß, das ist meine Aufgabe. Ich muss dir irgendwann mal einen David Lynch Film geben.
Johannes Franke: Nochmal. Okay.
Florian Bayer: Mein Platz 2. Ein Film, den wir auch besprochen haben hier im Podcast, The Witch aus dem Jahr 2015. Ein Horrorfilm, der im 17. Jahrhundert spielt, eine Familie auf dem Land zeigt, die in ihrer alten Hütte lebt, so sehr puritanisch, minimalistisch und der wie die Familie auf keine große Beleuchtung setzt, also abgesehen von ein bisschen Feuer und ein paar Kerzen und entsprechend die ganze Zeit vor allem in den Nachtszenen extrem dunkel ist, aber auch extrem gut funktioniert und gerade diese Beklemmung in der freien Natur im Dunkeln nochmal. Ja. auf die Spitze treibt.
Johannes Franke: Da fällt mir einer ein, den ich gar nicht auf meiner Liste habe. Ich mache den mal als honorable mention. Barry Lyndon oder wie heißt der?
Florian Bayer: Stanley
Johannes Franke: Kubrick. Da hat er nämlich nur mit diesem Kerzenlicht gedreht und hat Linsen vor die Kamera geschnallt, die besonders lichtempfindlich waren, aber dadurch auch die Gefahr hatten, dass alles sehr unscharf wird. Weil du musst dann mit der Schärfe, weiß nicht, was ihr technisch wisst, aber wenn der Schärfebereich so gering ist, dass zwischen Nase und... Auge schon das Ganze anfängt unscharf zu werden, dann hast du als Kameramann keinen Spaß. Dann weißt du nicht, was du machen sollst. Und man sieht es dem Film in diesen Szenen auch tatsächlich an. Es ist wahnsinnig schwer, in den Szenen die Schärfe zu setzen. Und ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob das eine gute Entscheidung war von McQuinn-Sanley-Mubrik. Auch wenn es irgendwie als Konzeptgeil klingt, aber äh. Ich hab einen Platz 2. Platz 2 bei mir, The Dark Knight. Kleines bisschen eine Dishonorable Mention steht für die ganzen Filme die dazu neigen jetzt unnötig dunkel zu werden dass man nicht mehr viel sieht dass man eigentlich gar nicht aus Konzept heraus oder weil es der Story dient oder so sondern einfach nur um edgy zu sein dunkel wird wir haben The Dark Knight besprochen und wir fanden ihn eigentlich auch ganz gut aber das ist so ein Aspekt der hat sich auf andere Sachen ausgeweitet und und wurde wirklich so ein Problem.
Florian Bayer: Chris Nolan macht das ganz gerne. Chris Nolan macht gerne Szenen, zieht gerne das Licht mal ein bisschen runter und man verliert auch öfter mal den Überblick. Es ist sowieso so ein Problem von 2000er-Action-Filmen, dass sie unübersichtlich werden, mal auf die eine, mal auf die andere Art und es nervt.
Johannes Franke: Genauso wie mit dem Ton. Nolan, nimm deinen Shit zusammen und schaff's irgendwie, dass wir was sehen und was hören.
Florian Bayer: Mein Platz 1, wir haben... Letzte Woche drüber gesprochen. Ich muss Skinner Maring nennen. Toller Horrorfilm. Analog Horror. Man erkennt fast gar nichts. Griseliges, dunkles Bild. Kaum Licht. Hochgezogen ISO. Schrecklich. Was für ein toller, gruseliger Film. Einer der unheimlichsten Filme der letzten Jahre, meiner Meinung nach.
Johannes Franke: Ja, wenn dieser Film noch Licht gehabt hätte, dann wäre ganz, ganz unsehbar geworden, weil dann hätte es überhaupt gar kein Interest mehr gegeben. Das war jetzt böse. Ja,
Florian Bayer: du fandst den doch gar nicht so schlecht.
Johannes Franke: Ich fand den gar nicht so schlecht. Aber er war kein Horrorfilm. Hört euch die Episode von letzter Woche an. Ich fand den tatsächlich ganz interessant, aber leider nicht als das, was da gestartet ist als Horrorfilm. Egal. Ich habe auf Platz 1... Alien. Wo auch wesentlich ist, dass man eben nicht so viel vom Monster sieht, dass das Licht eben schön ausbleibt. Und man hat so ein, zwei Szenen, wo man denkt, ja, dunkler wäre besser gewesen. Wo man einfach, wenn man das Alien zu sehr sieht, denkt, naja, da hat jemand aber auch zwei Pappkartons zusammengekleistert. Irgendwie sieht es nicht so gut aus.
Florian Bayer: Du redest mir jetzt nicht Alien schlecht, oder?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Hat Johannes nämlich tatsächlich schon in der Episode ein bisschen gemacht, in der wir über Aliens gesprochen haben. Das ist aber auch einige Zeit her.
Johannes Franke: Ja, aber war eine sehr gute Episode, habe ich so in Erinnerung. Ich fand Alien wirklich an manchen Stellen sehr gut und an manchen Stellen sehr schwierig und problematisch. Aber interessant auf jeden Fall. Und irgendwie auch so ein Haunted-House-Ding.
Florian Bayer: Ja, Haunted-House im Weltall.
Johannes Franke: Ja, cool. Womit wir wieder zurückgehen. Ja. In unsere Episode über The Others. Das war unsere Top 3. Hast du am Anfang gedacht, das sind Vampire?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Die sind so blass geschminkt, die Kinder. Ja. Dass man am Anfang denkt, jetzt kommen gleich die Zähne raus.
Florian Bayer: Die blasse Schminke nervt auch so ein bisschen. Also die Kinder, ich fand, es gibt so ein Grundnervpotenzial von den Kindern. wie sie geschrieben sind, als auch wie sie geschminkt sind, als auch wie sie spielen.
Johannes Franke: Naja, nur das Make-up. Der Rest ist okay. Der Rest ist gut. Nein, ich bin wirklich, ich mag die Kinder total. Ich weiß gar nicht, was du hast. Ich verstehe es nicht. Nein, nein, nein, nein, nein. Ich finde, dass dieser Film wahnsinnig viel tolle Atmosphäre aufmacht und dass der das sogar im zweiten Gucken eben nochmal auf eine andere Art und Weise macht, weil du weißt, was der Plot-Tweet ist. Du kannst dich ganz anders in diese Atmosphäre einkriegen. kuscheln fast schon, weil du ja eigentlich nur noch so ein leichtes Gruseln und so ein leichtes Schimmern auf so eine leichte Gänsehaut hast und das finde ich total schön. Die Geräusche sind sehr gut eingesetzt und ich finde die Regie allgemein sehr, sehr gut. Der hat übrigens da gesessen und hat so einen CD-Player dabei gehabt. Für die Kids, ne? Für die Kids. Gibt es auch online zu sehen, das ist sehr süß.
Florian Bayer: Unheimliche Musik, damit die Kinder in der richtigen Stimmung sind. Wir lieben es, unsere Kinder zu quellen, um gute Filme zu machen. Warte mal.
Johannes Franke: überhaupt, wo ich es jetzt nochmal sage, beim zweiten Mal gucken, du hast einen anderen Film vor dir und ich finde, dass dieser Film sich eben dadurch nochmal ein zweites Mal lohnt. Du hast zwei Filme vor dir. Das eine ist der Horrorfilm oder der Gruselfilm und das andere ist das Drama, was du dann beobachten kannst. Ich finde das halt schön.
Florian Bayer: Auf jeden Fall ein schöner, sehr schöner, traditioneller Gruselfilm, der aber genug Originalität mitbringt, also vor allem natürlich durch den Plot Twist. beziehungsweise durch dieses Hinarbeiten auf dem Plot-Twist, was ihn von den Klassikern des Genres abhebt. Gruselig, nicht so richtig gruselig, aber auf jeden Fall mit genug spannenden, interessanten Gänsehaut-Momenten. Und deswegen auf jeden Fall ein guter Film. Es ist ein bisschen tragisch, dass ein paar Jahre davor The Sixth Sense so groß war. Und vor allem The Sixth Sense auch mit einem Schauspieler, der meiner Meinung nach... Wenn ein Kind das besser schauspielern kann als die.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Hayley Joel Osment.
Johannes Franke: Ich muss Sixth Sense nochmal gucken, um das zu verifizieren oder nicht.
Florian Bayer: Aber nichtsdestotrotz nicht einfach ein Abgleit von Sixth Sense. Eigenständig genug, wirklich spannend. Guter Plot Twist. Vor allem sehr gut auf den Plot Twist hingearbeitet. Kann man auf jeden Fall sehen.
Johannes Franke: Ja, kann man sehen. Kann man sehen. Ist er ein Muss-man-sehen-Film?
Florian Bayer: Nicht zwingend. Was? Er ist ein sehr guter Film. Aber. Gerade was so Spukhaus betrifft, was Horror um diesen Zeitraum betrifft, wir werden darauf zurückkommen, gibt es meiner Meinung nach bessere Filme und effektivere Filme.
Johannes Franke: Okay, also was Spukhaus betrifft, finde ich es total gut. Das ist ein super solider Film und ein schöner, schöner, schöner Twist. Und wer eben mit dem ganz großen Horrorfilm wie ich Probleme hat, findet dort sein Zuhause und kann sich so ein bisschen so fühlen, als wäre er ein Horrorfilm-Konnoisseur.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was ich dem Horrorfilm-Konnoisseur Johannes Franke nächste Woche aufgebe, für nächste Woche und euch damit auch, wenn wir uns weiter in diesem Halloween-Monat vorkramen durch die Untiefen der Horrorfilm-Welt, bleibt kurz dran. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören. Johannes, dir vielen Dank, dass du mir diesen Film nochmal gegeben hast. Ja,
Johannes Franke: sehr, sehr gerne. Ich musste ja irgendwas finden und Beetlejuice wollte ich nicht. Und mehr kann ich ja gar nicht. Mehr Horrorfilme kenne ich nicht. Nur die, die du mir gegeben hast, hier in dem Podcast.
Florian Bayer: Ja, jetzt kommen noch zwei von mir. Ach ja,
Johannes Franke: stimmt.
Florian Bayer: Dann haben wir den Horrormonat überstanden und dann kommt unsere Jubiläumsfolge. Ich freue mich schon drauf. Wir werden Party machen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: geil. Also bis dahin, ciao.
Johannes Franke: Bis dahin. Hört euch nochmal den Jingle an und dann, was wir nächste Woche machen.
Florian Bayer: So, ich hab ja noch was für dich.
Johannes Franke: Du hast noch was für mich. Ja,
Florian Bayer: wir machen weiter mit unserem Horror-Monat. Oh Gott, ja. Und ich wollte dann einmal ein bisschen in die Filmgeschichte reinspringen. Ich hab dir nämlich immer noch keinen richtigen Giallo-Film gegeben. Giallo? Und ich werd dir auch nächste Woche keinen richtigen Giallo-Film geben. Aber zumindest einen Film, der irgendwie mit diesem Genre verwandelt. Wir reisen nach Italien. Italienischer Horror. Ah. Es gibt einen großen... italienischen Horrorfilm-Klassiker, über den alle reden und der regelmäßig in besten Listen auftaucht, was die besten Horrorfilme aller Zeiten sind. Es handelt sich dabei um Suspiria von Dario Acento.
Johannes Franke: Bin mir nicht sicher, ob ich Suspiria... Ich glaube,
Florian Bayer: wir haben den zusammen in der WG geguckt. Ich glaube, das war mal ein WG-Film. Aber ich bin mir nicht 100% sicher.
Johannes Franke: Es klingelt so leise, dass ich nicht weiß, was was ist. Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Ich glaube, es wird auf jeden Fall ein großartiger Spaß und Horror komplett anders, als wie es bisher sonst hat.
Johannes Franke: Ey, bis jetzt war jeder Film, den du gesagt hast, irgendwie ganz anders. Du hast mir noch keinen klassischen Horrorfilm gegeben. Skin in my Ring war nicht klassisch. Was war das andere, was du gegeben hast?
Florian Bayer: Ich geb dir auch nochmal einen wirklich fiesen, richtig harten Horrorfilm. Aber jetzt werden wir erstmal ein bisschen Spaß haben. Zu Spiria nächste Woche. Haut rein, hört rein. Das Original aus dem Jahr 1974, ne? Nicht das Remake.
Johannes Franke: Nicht das Remake. Aus dem Jahr?
Florian Bayer: 1977.
Johannes Franke: 1977. Okay. Gut. Sehr schön.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao. Tschüss!
