Episode 212: High Noon – Um 12 Uhr Mittags erhält der Western ein neues Gesicht
High Noon, 12 Uhr Mittags, genau um diese Zeit soll der gerade aus dem Gefängnis entlassene Verbrecher und Revolverheld Frank Miller mit dem Zug im kleinen Städtchen Hadleyville ankommen. Das bedeutet vor allem Ärger für Will Kane, der gerade sein Sheriff-Amt aufgegeben und die Quäkerin Amy Fowler geheiratet hat. Denn Miller hat mit dem Mann, der ihn damals ins Gefängnis brachte, noch eine Rechnung offen. Zuerst steht der Plan des jungen Brautpaares, so schnell es geht, aus dem kleinen Städtchen zu fliehen.
Vielleicht ist es ein Aufkeimen von Heldenmut, vielleicht ein Anflug von Pflichtgefühl, vielleicht auch pure Verzweiflung im Wissen darüber, dass Miller ihn bis ans Ende der Welt jagen wird. Kane beschließt jedenfalls zu bleiben, und versucht in der letzten Stunde vor Mittag, ehemalige Freunde und Kollegen zu überreden, sich mit ihm zusammen dem Bandito und dessen Gang zu stellen. Und von da an geht es abwärts… Die Einwohner des Städtchens lassen sich verleugnen, wollen Kane loswerden oder begegnen ihm teilweise sogar offen feindselig.
Und am Ende sieht sich der einsame Cowboy der Verbrecherbande allein gegenüber.
High Noon aus dem Jahre 1952, ein beinahe in Echtzeit erzählter Western. Zumindest auf dem Papier ein Abgesang auf den klassischen Westernhelden. Und doch hat John Wayne seinerzeit den Film als unamerikanisch bezeichnet, und für manche ist er retrospektiv gar der erste echte Antiwestern inklusive progressive Gesellschaftsbild. Also, was haben wir hier? Eine große Heldengeschichte? Oder doch unter all dem Prunk eine Fabel des Scheiterns? Und damit zu dir Johannes…
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 212: High Noon – Um 12 Uhr Mittags erhält der Western ein neues Gesicht Publishing Date: 2025-01-22T08:24:23+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/01/22/episode-212-high-noon-um-12-uhr-mittags-erhaelt-der-western-ein-neues-gesicht/
Florian Bayer: Es gibt nicht wenige Stimmen, die sagen, das ist eine Fabel auf das McCarthy-Amerika.
Johannes Franke: Und ich finde den Film nochmal 100% besser deswegen.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer neuen Episode vom Muss man sehen Podcast. Yeah! Wo wir, also Johannes und ich, uns gegenseitig Filme an den Kopf werfen. Frei nach dem Motto, Alter, den musst du gesehen haben.
Johannes Franke: Schön, dass du nochmal zusammenfasst, was wir hier so machen.
Florian Bayer: Ja, ganz wichtig. Für alle neue Zuhörer. FührerInnen, damit die reinkommen können. Und während unserer Gespräche über diese Filme, die im besten Fall den Horizont des anderen erweitern und im besten Fall auch euren Horizont erweitern, finden wir heraus, ob es sich dabei um einen Muss-man-sehen-Film handelt oder irgendwas anderes wie einen Kann-man-sehen-Film oder Sollte-man-lieber-vergessen-Film. Und ja, wir haben einen unterschiedlichen Filmgeschmack, reden wir öfter mal aneinander. geraten.
Johannes Franke: Ich bin gespannt, was es diesen Film betrifft. Dieser Film, diese Woche, kommt von Clor.
Florian Bayer: Von mir. Und ich habe eigentlich in die Zeit reingegriffen, in der du sonst immer recht bewandert bist. Nämlich die goldene Hollywood-Zeit.
Johannes Franke: Das Problem ist, du hast in ein Genre reingegriffen, in den ich nicht bewandert bin.
Florian Bayer: Und das sei dazu gesagt, ein Genre in dem ich auch nicht bewandert bin. Aber wir haben Anfang Februar jetzt, Ende Januar, wir nehmen immer ein bisschen Voraus auf, Also wenn ihr das hört, dürfte es so Anfang Februar sein und es ist mal wieder Zeit für unsere alljährliche Western-Episode. Ja.
Johannes Franke: Alljährliche Westen Episode. Wir hatten Ducky Sucker. Was hatten wir denn noch eigentlich?
Florian Bayer: Letztes Jahr war es Mein Name ist Nobody.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und über den haben wir auch im Frühjahr geredet. Also wir sind beide keine Western-Guys. Ja. Und wir mögen das Genre eigentlich nicht so und doch haben wir immer mal wieder was dazwischen. Also entweder von HörerInnen empfohlen. Kleine Randnotiz, wenn ihr uns Filme empfehlen wollt, macht das sehr gerne. Wir freuen uns über jeden Filmvorschlag. Genau sowas wie Duck Yusaka oder Mein Name ist Nobody, aber du hast zum Beispiel auch Hateful Eight mal reingeworfen, das war glaube ich vorletztes Jahr.
Johannes Franke: Ja, auch ein Western, bloß eben nur im Schnee. Schnee, Schnee, Schnee und noch mehr Schnee.
Florian Bayer: Also wir stolpern immer mal wieder über Western. Und jetzt stolpern ich wieder bei einen Western, den ich sehr bewusst ausgesucht habe, weil er tatsächlich einer meiner liebsten Filme des Genres ist und das konnte ich auch diesen Eindruck, den ich sehr lange hatte, ich hab ihn schon länger nicht gesehen, konnte ich jetzt auch beim erneuten Rewatch Bestätigen, es geht um Hainun aus dem Jahre 1952 und ich würde einfach mal kurz erzählen, worum es geht.
Johannes Franke: Erzähl mal.
Florian Bayer: Hi nun, 12 Uhr mittags. Genau um diese Zeit soll der gerade aus dem Gefängnis entlassene Verbrecher und Revolverheld Frank Miller mit dem Zug im kleinen Städtchen Haidley Will ankommen. Das bedeutet vor allem Ärger für Will Kane, der gerade sein Sheriffamt aufgegeben und die Quäkerin Amy Fowler geheiratet hat. Denn Miller hat mit dem Mann, der ihn damals ins Gefängnis brachte, noch eine Rechnung offen. Zuerst steht der Plan des jungen Brautpaares, so schnell es geht, aus der Stadt zu fliehen. Vielleicht ist es ein Aufkeimen von Heldenmut. Vielleicht ein Anflug von Pflichtgefühl. Vielleicht auch pure Verzweiflung im Wissen darüber, dass Miller ihn bis ans Ende der Welt jagen wird. Kane beschließt jedenfalls zu bleiben und versucht in der letzten Stunde vor Mittag, ehemalige Freunde und Kollegen zu überreden, sich mit ihm zusammen dem Bandito und dessen Gang zu stellen. Und von da an geht es abwärts. Die Einwohner des Städtchens lassen sich verleugnen, wollen Kane loswerden oder begegnen ihm teilweise sogar offen feindselig. Und am Ende sieht sich der einsame Cowboy der Verbrecherbande alleine gegenüber. Nun aus dem Jahre 1952. Ein beinahe in Echtzeit erzählter Western. Zumindest auf dem Papier ein Abgesang auf den klassischen Westernhelden. Und doch! hat John Wayne seinerzeit den Film als unamerikanisch bezeichnet. Und für manche ist der Retrospektiv gar der erste echte Anti-Western, inklusive progressivem Gesellschaftsbild. Also, was haben wir hier? Eine große Heldengeschichte? Oder doch unter all dem Prunk eine Fabel des Scheiterns? Und damit zu dir, Johannes.
Johannes Franke: Willst du jetzt wissen, was wir haben? Ob wir einen Helden vor uns haben oder einen Idioten?
Florian Bayer: Haben wir einen Helden, einen Idioten, einen scheiternden Menschen, einen gewinnenden Menschen?
Johannes Franke: Also ich denke schon recht lange in den Film hinein, ah was für ein Idiot, der muss ja einfach nur abhauen. Ich meine, ja okay, er sagt, die werden ihm immer folgen, wo er dann... den Tod finden wird. Aber das ist ein völliger Quatsch eigentlich. Natürlich funktioniert es innerhalb dieses Filmuniversums, aber eigentlich, du kannst abhauen und dir... die werden dich nicht überall finden. Nicht in dieser Zeit, dieser Epoche, weißt du, im wilden Westen, wo du wirklich wahnsinnig viel freies Feld hast und die Kommunikation unter den Städten eher schlecht ist. Also es ist eigentlich Das ist eigentlich nicht die Zeit dafür, dass man eigentlich nicht abhauen könnte.
Florian Bayer: Naja, es ist natürlich ein Trope. Also, dass die Gangster jagen dich bis ans Ende der Welt. Aber wir reden hier ja auch nicht vom Ende der Welt. Wir reden hier ja wirklich von einem klar abgegrenzten Territorium. Und offensichtlich haben Kane und seine Frau wollen einen Laden aufmachen. und da gibt es anscheinend schon einen Ort dafür. Und so groß ist der Wilde Westen dann doch nicht. Aber du musst ja nicht im Wilden Westen sein.
Johannes Franke: Westen bleiben.
Florian Bayer: Aber gut, dann ist das ganz anderes. Dann bist du in der Stadt und verarmst. Willst du an die Ostküste ziehen? Ja, oder? Vom Auto überfahren werden. Zurück zu Mama nach England. Also ich kann verstehen, dass man das kritisch sehen kann, ob das tatsächlich so ist oder ob es vor allem Western-Mythos ist. Und ich glaube, es hat durchaus seinen realistischen Boden. Also wir haben ja offensichtlich den Gangster, der seine Leute zusammengetrommelt hat und extra in diese Stadt fährt. Das ist ganz klar. Er hat hier die Leute, mit denen will er sich anlegen. Das ist die, an denen er sich rächen will.
Johannes Franke: Und ein richtiger Anti-Western wäre es erst gewesen, wenn die drei dann gesagt hätten, nö, wir wollen hier nur Eis kaufen.
Florian Bayer: Wir wollten auch gar nichts. Wir wollten nur Hallo sagen. Ich wollte mich bedanken, dass du mich zu einem besseren Menschen gemacht hast. Aber in diesem Mythos gibt es auf jeden Fall dieses Verzweiflungsmoment. Ja, natürlich. diesen Gedanken, okay, er wird mich jagen. Und wenn ich jetzt abhaue, dann bin ich mit meiner Frau, dann hat sie wahrscheinlich ein Kind, weil wenn wir heiraten, und dann kriegt sie innerhalb von zwei Monaten, wird sie schwanger sein.
Johannes Franke: Natürlich, Filmlogik.
Florian Bayer: Absolut. Dann sind die auch gefährdet. Es gibt auf jeden Fall dieses Momentum der Verzweiflung. Und ich glaube, es ist ganz wichtig, wie man diesen Film liest, was man in das Verhalten von Kane reinliest.
Johannes Franke: Ich glaube, dass man, nachdem man so ein bisschen losgeworden ist während des Films, wenn man mit jemandem zusammen guckt und dem die ganze Zeit sagt, um Gottes Willen, warum haut der nicht einfach ab? nachdem man das losgelassen hat, und das müssen wir, glaube ich, für den Podcast auch machen, das einmal loswerden, einmal sagen, okay, um diesen Film wirklich sehen zu können, In seiner Gänze ist es, glaube ich, wichtig, dass man einmal annimmt, dass das wirklich seine einzige Option ist.
Florian Bayer: Naja, die zweite Möglichkeit ist halt zu sagen, okay, es geht gar nicht darum, dass er seinen Arsch retten will und es geht auch in diesem Duell nicht darum, dass er seinen Arsch retten will und das ist ja so diese konservative Interpretation, sondern es geht darum, dass wir hier einen ganz klassischen Helden vor uns haben, der sagt, Ich hab diese Stadt vor dem bösen Banditen Miller befreit.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: jetzt muss ich dafür sorgen, dass die weiter sicher bleibt. Ich muss hier bleiben. Ich muss mich dem Kampf stellen, weil es geht darum... Das zu machen, was nicht nur was von mir erwartet wird, sondern was ich auch von mir selbst erwarte. Also der klassische, moralisch überlegene Cowboy.
Johannes Franke: Ich finde, dass dieser Film das wahnsinnig gut macht, auf dieser Messerschneide zu balancieren. Dass ich nämlich mich nicht am Anfang entscheiden muss für diese eine Variante, ob er jetzt der große Held ist oder aber einfach nur als aus Verteidigung und Verzweiflungstat das Ganze macht. sondern der Film kann mir das immer mal wieder neu aufs Tableau schaffen. Ich finde, das kann man immer wieder in jeder neuen Szene, in der er versucht, Leute zu überreden, ihm zu helfen. neu überlegen. Und es gibt dann Szenen, die eher für das eine sprechen und Szenen, die für das andere sprechen. Und das finde ich sehr spannend. Und da kommt eine Ambivalenz rein, die ich in einem Western nicht zugetraut hätte.
Florian Bayer: Es ist halt die spannende Frage, also neben der anderen spannenden Frage, warum heiratete er eine Neurobiologin aus einer Nerd-Serie?
Johannes Franke: Amy Fowler. Amy heißt sie, oder? Ja, sie heißt Amy Fowler. Big Bang Theory.
Florian Bayer: Die großartigste Figur in dieser Serie, die ich gar nicht so geil finde.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Gespielt von Mayim Bialik, die ich jetzt garantiert falsch ausgesprochen habe. Die eine großartige Schauspielerin ist.
Johannes Franke: Ja, ich finde, es spricht für die Macher dieser Serie, dass sie sich hier bedienen, um diesen Namen zu finden. Ich finde es super.
Florian Bayer: Genau, die wichtige Frage ist, wie viel Held ist er?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wie viel Verzweifel danach ist er?
Johannes Franke: Ja. Lass uns das während des... der Episode mal rausfinden. Ich glaube, wir sollten das jetzt nicht beantworten, sondern nach und nach einfach da Pros und Cons finden.
Florian Bayer: Und Und es ist natürlich ganz viel, hängt es damit zusammen, wie er mit den anderen Figuren interagiert, wie er mit seiner Frau interagiert. Wenn er nämlich mit Amy interagiert und sagt, ich muss bleiben, dann schwenkt er so ein bisschen vom Verzweiften nah zum Helden.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber das vielleicht auch für sie, weiß ich nicht. Ich glaube aber die ganze Zeit, er ist so ein bisschen, bleibt bei diesem Helden-Trope stecken, wenn er mit ihr redet, weil er ihr nicht genug Informationen gibt. Weil er auf der Kutsche mit ihr da wegreitet, um dann stehen zu bleiben, um ihr nichts zu erzählen. Nichts. Außer zu sagen, wir müssen zurück in verschiedenen Varianten. Und sie immer wieder fragt, ja dann erzähl doch warum. Warum sagst du mir denn nichts? Und er hat dann irgendwie... Zehn Minuten Zeit auf der Rückfahrt, die wir nicht sehen, um ihr zu erklären, warum, aber nein. Er sitzt nur schweigend neben ihr.
Florian Bayer: Und das ist geil, er ist dieser typische stoiche Kaube in diesem Moment. Und behaltet euch das, weil ich glaube, es wird ganz krass aufgebrochen. Ich glaube, die Figur... ist nicht der stoiche Cowboy, aber in dem Moment ist er es. Und man kann sich vorstellen, wie ihre Ehe aussieht. Heirate bitte nicht zu einem coolen Sherifftypen. Er wird nicht mit dir reden. Ihr werdet die ganze Zeit nebeneinander sitzen. Es werden Dinge passieren. Du wirst nicht wissen, was passiert.
Johannes Franke: Und warum und wohin das Ganze führt und so. Um Gottes Willen.
Florian Bayer: Schatz, hast du den Müll rausgebracht? Schritte hinein. Schatz, hast du den Müll rausgebracht? Ein nachdenklicher Blick, ein mutiger Blick und die Schritte gehen weg. Schatz, was ist mit dem scheiß Müll?
Johannes Franke: Und dann aus dem Hintergrund, ein Mann tut, was er tun muss.
Florian Bayer: Irgendetwas Nichtsagendes, Kryptisches, Allgemeines. Ja, und Amy? muss selbst diese Nachforschung dann anstellen. Amy entscheidet sich dann auch zurückzureiten, vor allem. Ja. Warum reitet sie zurück? Sie reitet zurück vor allem, weil da die komischen Typen am Bahnhof stehen. Aber offensichtlich gehört dann ja doch noch mehr dazu. Sie hat sich nicht umentschieden, aber sie will irgendwie...
Johannes Franke: Sie will Präsenz zeigen, damit er eine Möglichkeit hat, dann doch nochmal zurückzukommen. Das sagt sie ja auch in der Szene, bei der er wieder auf sie trifft. Und sie dann denkt, oh, er ist zurückgekommen, wie ich das so hier schön präsentiert habe. Du kannst hier, wo ich nächtige in diesem Hotel oder was auch immer, oder warte auf den Zug, Sie nächtigt ja nicht, es ist ja der gleiche Tag. Aber sie präsentiert sich nochmal und sagt, du hast hier die Option zurückzukommen und zu sagen, du hast recht, liebe Frau, wir fahren zusammen weg.
Florian Bayer: Sie glaubt ja sogar, dass er genau das diese Entscheidung getroffen hat. Das ist ja dieser wirklich awkward Moment, wo sie sich gegenüberstehen und beide so, du hast dich um entschieden. Was ich sehr schön finde. Ein guter Moment. Aber dann ist sie ja tatsächlich gezwungen, diese Recherchen anzustellen. Sie unterhält sich mit Menschen und versucht herauszufinden, Was ist der Beef, den Kane mit diesem Miller hat? Was haben die beiden miteinander zu tun? Und frankly, wir erfahren relativ wenig drüber.
Johannes Franke: Ja, sehr wenig. Sie ist so ein bisschen Stand-in für Zuschauer, weil wir ja auch die ganze Zeit fragen, was ist da jetzt eigentlich, was war das? Und wir erfahren es halt über ihre Recherchen.
Florian Bayer: Aber auch halt nur so halb.
Johannes Franke: Auch nur so halb. Und vor allem auch viel Kryptisches über die Mexikanerin, die da noch wohnt.
Florian Bayer: Ja. Die Helen Ramirez. Die tatsächlich von einer Mexikanerin gespielt wird. What the fuck? Das ist ja unglaublich. Sie haben kein Blackpacing. gemacht oder wie auch immer man das nennt bei Mexikanern. Und das war damals ein common trouble problem. Wenn damals im Western-Film, egal ob im Pulp-Western, der noch ein bisschen älter war oder in dem neuen, großen, epischen Western in der goldenen Ära, Wenn Mexikaner oder Natives vorgekommen sind, Die wurden von weißen Schauspielern gespielt, die sich im besten Fall im Sonnenstudio gelegt haben, im schlimmsten Fall Farbe ins Gesicht geklatscht haben.
Johannes Franke: Es gibt Marlon Brando im Brownface zu sehen in der Zeit. Es ist nicht geil.
Florian Bayer: Es ist überhaupt nicht geil. Und hier haben wir aber, Helen wird von einer echten Mexikanerin gespielt.
Johannes Franke: Ja, die das auch wirklich hervorragend macht und die das ganz toll macht und die auch die erste Mexikanerin war, die einen Academy Award bekommen oder war sie nominiert? Weiß ich nicht. Nicht für diesen Film, aber später.
Florian Bayer: Ja, aber auch von ihr erfahren wir, also wir kriegen immer so ein bisschen Happen zugeworfen. Ich glaube, bei der Frage, was ist passiert, ist es letzten Endes, es sind Trivialitäten. Es ist ein Gangster. Der hat irgendwelchen Scheiß gemacht, der wurde festgenommen vom Sheriff, der wurde vom Richter verurteilt. Den Richter sehen wir ja auch, der packt alles ein. will nicht bleiben und ist ins Gefängnis gekommen und es gab einfach noch zusätzlich diesen Side-Plot, diesen sehr pikanten, dass der Sheriff anscheinend was mit der Frau hatte, mit der der Gangster vorher was hatte. Die Mexikanerin und die Besitzerin eines kleinen Ladens dort und offensichtlich eine Geschäftsfrau.
Johannes Franke: Ja, eine gute Geschäftsfrau. Das sehen wir einmal, als dieser Typ reinkommt, dem sie ihr Zeug verkauft. Weil sie abreisen will, weil sie auch glaubt, diese Stadt ist verloren, wenn hier keiner diesen Typen unterstützt und wenn der stirbt, dann ist diese Stadt im Arsch. Und dann bin ich schon mal wegvorsorglich. Und die schafft das auch raus. Sie fährt einfach weg und wir denken uns, yo, go girl, such dir was anderes. Besser als dieses scheiß Kaffee.
Florian Bayer: Sie ist tatsächlich die, die entkommt. Sie ist die Figur, die am ehesten und so wie sie uns präsentiert wird. Scheint sie auch eine zu sein, die absolut in der Lage ist, die Gelegenheit am Schopf zu packen und das zu machen, was sie machen will. Sie wird als Randfigur, also als Außenseiterin erzählt, als gesellschaftliche Außenseiterin, weil alle begegnen ihr mit so einer gewissen Skepsis. Ja, das stimmt. Unter anderem auch, weil sie offensichtlich nicht viel von Monothek sondern einfach, weil sie Freunde wechselt, weil sie Beziehungen wechselt. Sie ist jetzt zusammen mit einem Hilfssheriff. Der gerne Sheriff wäre.
Johannes Franke: Der gerne Sheriff wäre. Oder Marshall, wie sie.
Florian Bayer: Aber sie, genau, sie lebt eigentlich das Leben einer modernen Frau. Total. sehr viel mit Skepsis begegnet. Wie sehr begegnet der Film dem mit Skepsis oder wie viel Urteil steckt in dem Film in ihrer Darstellung?
Johannes Franke: Ich habe den Eindruck, da steckt null Urteil. drin. Das ist krass, ne?
Florian Bayer: Das habe ich ja nicht auch.
Johannes Franke: Ich finde es total beeindruckend, weil es ja wirklich, wir reden von 1952, die Filme sahen anders aus. Ja.
Florian Bayer: Sie wird nicht als Heldin präsentiert, sondern sie wird als unglaublich bodenständige Frau. Die weiß, was zu tun ist und die tatsächlich auch das absolut Vernünftige macht. Das ist der Typ, mit dem sie zusammen war, den sie irgendwann verlassen hat, der mit Sicherheit nicht glücklich drüber war. Und sie... hat keinen Bock da zu bleiben, wenn der jetzt in die Stadt einfällt und die Stadt wieder nach seinem Willen formt.
Johannes Franke: Sie macht genau das. was dem Marshall nahegelegt wird, was er machen soll. Sie packt ihre sieben Sachen. verkauft das, was sie nicht mitnehmen kann und haut ab und findet woanders ihr Glück.
Florian Bayer: Und das krasse ist ja, wir sehen, es gibt diese Begegnung von ihr mit Milla ganz am Schluss. in den Zug steigt. Miller sieht sie und es gibt auch diesen Blickwechsel und es mag wirklich so ein Detail sein am Rand, das vielleicht gar nicht so wichtig ist für die Geschichte, aber in diesem Blickwechsel sehen wir, sie persönlich hat offensichtlich auch nichts von Miller zu befürchten. Der zieht nicht die Waffe und rennt aufs zu, der reißt sie nicht aus dem Zug raus. Das ist ein Kapitel, was für ihn abgeschlossen ist. Sie hat nicht persönlich was zu befürchten, sondern sie weiß, was mit dem Dorf passiert, wenn Miller wieder das Sagen hat.
Johannes Franke: Wobei sie natürlich auch nicht weiß, wie abgeschlossen es für diesen Gangster ist. Der ist sicherlich recht unberechenbar. Aber dass er es am Ende nicht drauf anlegt und dass er ihr nicht in den Zug folgt und so weiter, sagt schon einiges.
Florian Bayer: Ja und es ist halt, also ich habe die ganze Zeit nicht das Gefühl, dass sie von Angst getrieben ist. Es ist mehr dahinter, es ist was anderes dahinter auch.
Johannes Franke: Absolut, ja, ja.
Florian Bayer: Und wir haben ja auch das Gefühl... Wenn wir die Menschen in diesem Dorf kennenlernen, haben wir auch so ein bisschen eine Ahnung, warum das so ist, dass sie auch mit dem Dorf abgeschlossen hat. Und dass sie halt auch einfach clever genug ist zu wissen, okay, auf die Leute kannst du dich nicht verlassen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Wenn jetzt die Scheiße am Dampfen ist, dann werden die keinen Finger dafür krumm machen und nee, dann mache ich auch das, was am logischsten ist und hau einfach ab, bevor hier alles vor die Hunde geht.
Johannes Franke: Ja. Und was ich eben noch wichtig finde, fast noch wichtiger als ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit ist, dass sie ihre sexuelle Unabhängigkeit so stark verteidigt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also dieser Typ, der gerade noch Hilfschef war und sich jetzt gerade von dem Job bloß gesagt hat, weil er eben nicht Marschall werden darf. Der drängt ja sehr stark auf Sie ein.
Florian Bayer: Ja. Harvey Pell, gespielt von einem sehr jungen Lloyd Pritches. Ja. gut aussieht. Hallo Lloyd. Also ich kenne Lloyd Pritchard's ja vor allem als Figur aus diesen albernen Spoof-Filmen, aus den 80er Jahren, bei den Säcker-Uprems-Filmen, hat er eine Zeit lang... sehr viel gespielt. Er hat unter anderem bei Hotshots den Präsidenten gespielt. Dann die Verrückte, die Reisen in einem verrückten Flugzeug, da hat er auch mitgespielt. Der war für mich immer Comedy-Schauspieler.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Aber hier keine Spur von Comedy, wirklich ernsthafter Western-Schauspieler einfach.
Florian Bayer: Sehr, sehr gut. Wir kommen gleich noch auf Harvey Pell zu sprechen. Es gibt viele spannende Figuren in diesem Film, die sehr, sehr... Sehr ambivalente Charaktere haben. Aber bleiben wir noch ganz kurz bei den beiden Frauen, weil es gibt dann ja auch diesen Moment, wo Amy mit Helen redet. Weil sie herausfinden will, was los war. Und die auch so ein paar Fragen stellten. Ey, ich hab irgendwie mitgekriegt, offensichtlich hattest du was mit meinem Mann oder was ist denn da los? Bleibt der wegen dir?
Johannes Franke: Möchtest du Teplor?
Florian Bayer: Tee? Hier wird Whisky getrunken.
Johannes Franke: Du darfst sehr gerne weiter. Ich mach dir einen Tee mit Schuss.
Florian Bayer: Mit Spucke vielleicht einfach. Das ist auch so ein Cowboy-Klischee, dieses... So mit Kautabak und dann diese braune, siffige Spucke.
Johannes Franke: Ja, perfekt. So.
Florian Bayer: Und es gibt diesen Moment, wo die beiden Frauen sich unterhalten und der Film ganz knapp dran vorbeischrammt tatsächlich den... Bechteltest zu bestehen. Bechteltest zu bestehen, wirklich, er schramt knapp vorbei, weil sie unterhalten sich, sie unterhalten sich dann halt doch über Männer. Aber es schwingt immer auch so ein bisschen das weibliche Thema Männer. Weil in diesem Gespräch sagt halt Helen auch, wie es ist, wie sie sich durchschlagen musste.
Johannes Franke: Aber das ist krass, weil man wirklich, das was du gerade sagst mit dem Bechtel-Test, dass man wirklich davor sitzt. Und so erwartet und sagt, oh mein Gott, oh mein Gott, erfüllt jetzt gleich dieser Film aus dem Jahre 1952, den du bestellt hast? Das kann doch nicht sein und dann schafft er es halt wirklich nicht ganz.
Florian Bayer: Und er hat so viele Gelegenheiten und er schwenkt dann immer wieder auf die andere Seite und dann sagt Amy, warum sie geht, warum sie keine Waffe in die Hand nehmen will. Weil sie nämlich Quäkerin ist und weil sie zwei Menschen hat sterben sehen durch Waffen.
Johannes Franke: Ihre Familie.
Florian Bayer: Ihren Vater und ihren Bruder.
Johannes Franke: Vater und ihren Bruder, genau.
Florian Bayer: Und das Quäkertum spielt dabei auch eine ganz große Rolle. Sie ist deswegen Quäkerin geworden und Quäker ist offensichtlich...
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Komplett durcheinander. Und es gibt so viele verschiedene Quaker und die haben sich voneinander abgespalten und es gibt gerade im 19. Jahrhundert, in der Zeit, in der der Film spielt, gibt es zahllose Quaker-Gruppen, die auch sagen, die anderen reden totalen Bullshit. Aber worauf sich alle einigen können, ist die absolute Friedfertigkeit. Das ist so ein ganz zentrales Ding. Und deswegen haben sie sie auch zum Quaker gemacht. Weil das ist das, wo... sich alle einigen und das waren so quasi die Oldschool, Original, Gangster, Kriegdienst, Kriegsdienstverweigerer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Genau, die Quäker machen, werden einfach keine Gewalt anbenutzen, keine Waffen und genau, also sie kriegt auch ihre Backstopper. Ja, ja, ja. dann dreht es sich immer ein bisschen um Männer und immer so viel, dass man sagt, scheiße, du schaffst es nicht, du schaffst es nicht. Ich gebe dir noch ein ganz klein bisschen Mühe.
Johannes Franke: Aber ich finde, dass der Film das trotzdem gut macht, weil alle weiblichen Figuren, also die beiden, Wirklich eine eigene Agenda haben. Die haben eigene Bedürfnisse und Wünsche und wissen, wie sie das äußern. Also gerade bei Helen natürlich. Bei ihr jetzt ein bisschen weniger, aber bei Amy, ne?
Florian Bayer: Ja, ich finde es bei Amy tatsächlich krass und das ist dann, wenn es so Richtung Schluss geht nochmal, wenn sie ihren großen Moment kriegt. Wenn sie einen Mann in den Rücken erschießt. Ja. Aus dem Hinterhalt die Friedliebende.
Johannes Franke: Übrigens Spoiler.
Florian Bayer: Greift sich ein Gewehr und sie ist nicht in einer bedrohten Lage oder so. Sie steht da einfach hinterm Fenster und sie ballert gnadenlos auf diesen Typen.
Johannes Franke: Naja, sie hat eine Entscheidung getroffen. Sie sitzt da im Zug und das Gespräch mit Helen sieht eher so aus wie, warum lässt du deinen Mann alleine? Was ich nicht so ein gutes Gespräch finde, muss ich ehrlich gesagt sagen.
Florian Bayer: Also, naja, ich hab so das Gefühl, in diesem Moment spüren wir das Hellen immer noch. von Miller sehr angetan ist und sehr beeindruckt ist. Und ich habe so das Gefühl, diese Beziehung ist anders ausgegangen als ihre anderen Beziehungen, wo sie sagt, ey, ich habe jetzt keinen Bock mehr auf dich, du Wurst.
Johannes Franke: Ja, das muss wohl anders gewesen sein. Da muss er irgendwann mal auch gesagt haben, naja...
Florian Bayer: Lass mal. Genau, und deswegen redet sie in höchsten Tönen von ihm. Und wie sagt sie, wenn er mein Mann wäre, ich würde verdammt nochmal bleiben und kämpfen? Und wir glauben sie auch sofort.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Und das scheint so ein bisschen das Zünglein an der Waage zu sein, sie dann auch loszuschicken, dass sie sich auch wirklich im Zug entscheidet. Jetzt gucke ich auch, dass ich alles dafür tue, Quaker hin oder her, um meinem Mann zu helfen und sein Leben zu retten. Unser Leben zu retten.
Florian Bayer: Springen wir mal zu den anderen Figuren noch, die in diesem Film rumlaufen. Das Interessante ist, und das zieht sich echt durch diesen Film, Es ist fast so eine Reverse-Hoffnungsgeschichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil wir haben, also diese klassische Hoffnungsgeschichte ist ja so, oh nein, und der hilft nicht, und der hilft nicht, und niemand ist da. Und dann am Schluss kommt aber der Fall. der sagt, ich bin an deiner Seite. Der kommt hier ganz am Anfang. Der sagt, okay, die kommen an, ich bin bereit, lass uns eine Posse zusammenstehen. stellen. Das Wort Posse fällt sehr oft. Ich mach das Wort Posse. Und ich bin bereit und trommel noch ein paar Leute zusammen und wir machen das und ich bin auf jeden Fall an deiner Seite. Das ist der große Hoffnungsschimmer eigentlich am Schluss.
Johannes Franke: Jaja, genau. Aber hier kommt er natürlich am Anfang und das hilft uns auch zu verstehen, worum es geht im Film. Weil er macht erstmal das Positivbeispiel vor. Wir müssen ja als Zuschauer erstmal verstehen, worum geht's hier, was soll am Ende jeder dieser Personen sagen, die er aufsucht. Nämlich, na klar helfe ich dir, kein Problem. Und das sehen wir am Anfang einmal. Und umso more devastating ist es natürlich, wenn die dann nach und nach alle sagen... Ja, ach, ich habe da auch Frau und Kinder und ach, ich habe da auch zu viele Geschäfte, die irgendwie wichtig sind. Oder ich bin halt zu alt und du musst dich nur um mich kümmern, wenn du dann anfängst zu kämpfen. Das wird nichts.
Florian Bayer: Und das krasse ist, dass dieser Typ kommt ja am Schluss wieder und sagt dann, oh, da ist Wo ist deine Posse jetzt? Dann bin ich auch mal zu Hause. Es ist krass, weil es fängt wirklich mit dieser Hoffnung an und es geht von da an einfach nur abwärts. Es ist total krass und wir haben diese Art, wie Menschen damit umgehen mit dieser gefährlichen Situation in den verschiedensten Varianten. Und es wird aber von Mal zu Mal deprimierender. Und um so das große Ganze, wie ich den Film wahrnehme, zu machen, Wir erleben hier wirklich eine Geschichte des Scheiterns, wie nämlich wild durch diese Stadt läuft und dann auch... meiner Meinung nach nicht mehr von dem stoischen Westernheld hat, sondern der sieht von Sekunde zu Sekunde gebrochen aus.
Johannes Franke: Furchtbar.
Florian Bayer: Wir haben am Schluss einen komplett gescheiterten Mann, der aussieht. Das würde ja gleich in Tränen ausbrechen. Der ist doch in Tränen ausgebrochen.
Johannes Franke: Er sitzt dann da, vergräbt das Gesicht in die Hände und weint. Und du denkst dir, wow, du hast hier gerade einmal komplett den Westernhelden zerstört. innerhalb von 60 Minuten oder sowas. Krass.
Florian Bayer: Und immer, wenn es Momente gibt, wo du das Gefühl hast, oh, das sind Menschen, die jetzt aufstehen, Kehrt sich's um und du wirst immer wieder enttäuscht. Die Kirchenszene finde ich so krass.
Johannes Franke: Am schlimmsten ist die Kirchensituation.
Florian Bayer: Der Typ aufsteht, da ist der Bürgermeister und er sagt, das ist ein toller Mann, der hat für uns gekämpft, der hat uns die Freiheit ermöglicht, der hat es uns ermöglicht, hier sicher zu leben, wir können total glücklich sein und jetzt verpiss dich. Ja, wie krass.
Johannes Franke: Und auch der Gläubige, der Priester, der dann auch wirklich da steht und sagt... Ja, eigentlich ist ja schon so, eigentlich bräuchten wir ja, müssten wir da helfen, aber ich als Mann der Kirche kann hier niemandem guten Gewissens sagen, dass sie eine Waffe in die Hand nehmen soll.
Florian Bayer: I shall not kill.
Johannes Franke: Ja, genau. Und ich denke, du Arschloch. Gibt's ja wohl nicht. Vor allem, weil da drei fucking Menschen am Bahnhof stehen und du hast ein ganzes Dorf voller Leute. Was ist das denn? Und es scheint ja schon mal geklappt zu haben. Alle in diesem Dorf erinnern sich, wie es war, als der letztes Jahr aus dem Dorf getrieben wurde. Es war ein Triumph.
Florian Bayer: Ich finde es total stark. Wir haben auch noch die Leute, die ihm feindselig begegnen. Mit dem war alles besser. Aber ich finde es stark, dass die Leute so viel Ambivalenz kriegen, dass sie sagen, ja, natürlich, du bist ein Held. Danke, dass du uns gerettet hast. Aber wir können unser Leben nicht riskieren. Wir können das nicht tun. Wir wollen, dass die Stadt sicher bleibt und wir haben Angst, dass deine Anwesenheit die Stadt unsicherer macht. Und they have a point?
Johannes Franke: Natürlich haben sie irgendwie einen Punkt. Aber wie gesagt, da sind drei fucking Menschen, die da an dem Bahnhof stehen. Was soll denn das? Also das finde ich schon hart. Und ich finde, dass der Film das wahnsinnig gut macht, da von einer Person zur nächsten zu gehen und jeder hat andere Gründe und jeder hat irgendwie verständliche Gründe. Und jeder hat eine andere Perspektive. Der Film findet verdammt viele gute Perspektiven auf die Sache.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Gerade in der Kirche natürlich, weil jeder mal aufstehen darf und was sagen darf.
Florian Bayer: Also die Kirche ist die zentrale Szene, das ist tatsächlich in der Mitte des Films und die Die Kirche ist auch die Szene, die gerne von Leuten herangezogen wird, um zu sagen, ja, wir haben hier auch ein antidemokratisches Momentum in diesem Film. Einfach, weil wir haben jetzt die Leute, die anfangen, darüber zu diskutieren. diskutieren. Und es sind nur noch 40 Minuten. Wir werden nachher noch was zum Thema Echtzeitfilm sagen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Wir wissen, es ist nicht mehr viel Zeit, bis der Gangster kommt und die sitzen jetzt da und machen eine Bürgerversammlung und unterhalten sich und keiner schreitet zur Tat. Ja, auf jeden Fall. Und der Western ist in vielen, vielen Punkten ein zutiefst regressives Genre. Und dazu gehört natürlich auch dieses Misstrauen in die Staatsgewalt.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Aber auch dieses Misstrauen in demokratische Strukturen, weil das sind halt die PolitikerInnen, die nur reden und nichts tun und die sind unser Untergang.
Johannes Franke: Und das sieht man auch draußen in der Kirche, außerhalb der Kirche. Da spielen ja die Kinder und die spielen dieses Seilzeug. ziehen. Ich glaube, sie haben kein Seil, aber sie ziehen aneinander in die eine oder in die andere Richtung. Und ich glaube, das ist der Film, der da sagt, Alter, warum macht ihr dieses Tauziehen?
Florian Bayer: hat was zu tun. Das ist so ein absurdes Spiel. Es ist so gestaged in diesem Moment, wenn sich da so aneinander hängt. Okay, wir sollten darüber jetzt reden. Lass uns erstmal die Kinder rausschicken. Genau.
Johannes Franke: Die Kinder alle, yay! Fast erwartet, dass sie auch die Frauen rausschicken, muss ich sagen.
Florian Bayer: Stimmt. Und es hätte gepasst auf jeden Fall.
Johannes Franke: Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Aber was für gut erzogene Kinder.
Johannes Franke: Ja, die dann sagen, ja, ja, kein Problem. Und wir warten da draußen und spielen unser Ding und machen. Alles gut.
Florian Bayer: Und dann haben wir wirklich... Ja, in diesem Moment, wo einfach die Leute reden und auch sehr gesittet tatsächlich reden. Sie lassen sich ausreden. Einer steht auf, sagt, was er zu sagen hat und setzt sich wieder. Aber es passiert halt nichts. Du sitzt halt da und denkst, hört auf zu reden, schnappt euch Waffen.
Johannes Franke: Ich finde es interessant, die Figur noch einzubauen, der so ein bisschen der Vorgänger von ihm war und so ein bisschen seinen... Mentor war.
Florian Bayer: Ja, der alte ehemalige Sheriff.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und mit dem er ein sehr interessantes Gespräch hat. Ein sehr ruhiges Gespräch.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Der aber auch damit endet, dass er sagt, ich wäre dir nur im Weg. Ich kann dir gar nicht helfen. Ich bin zu alt dafür. Und ja, er mag Recht haben, aber vielleicht gibt es ja trotzdem Möglichkeiten, ihn zu unterstützen. Außer in direkten Kampf. Ich meine, er ist ja ein hoch angesehener Mensch in diesem Dorf. Er könnte ja auch einfach für ihn Reden schwingen.
Florian Bayer: Absolut, ja. Martin Hau heißt die Figur. Und der stellt am ehesten so diese Verbittung dar. Auch die Verbitterung darüber, wie die Menschen im Dorf sind, weil er sagt irgendwie, ja, ich habe das alles gesehen. Und ich weiß, wie das läuft und der ist dann ja auch wieder, der hart gegen den Staat schießt, der sagt, was machen wir hier eigentlich, wir nehmen hier Leute fest. Und bringen sie dann der Staatsgewalt und die sagt, okay, ihr kommt nie ins Gefängnis und dann dürft ihr wieder raus.
Johannes Franke: Jaja, die haben richtig gegen den Norden, der Norden, oder der Norden, ja, der Norden, die da oben sind. Ja, im Süden und wir wettern gegen den Norden, der nicht einfach, und das finde ich krass, die drei Gangster aufgeknüpft hat.
Florian Bayer: Platzhalter für der Staat einfach. So auch der Osten oder der Norden, so das Feindbild einfach. Genau. Und das ist auch wieder ein Moment, wo du sagen kannst, okay, da haben wir wieder dieses regressive Moment des Westerns, nämlich, dass das ein Plädoyer für die Todesstrafe ist. Wir hätten diesen Ärger nicht, wenn die drei gehängt worden wären.
Johannes Franke: Super krass, Mann.
Florian Bayer: Die vier. Und wohlgemerkt, wir wissen immer noch nicht und wir werden auch nicht erfahren, was die genau gemacht haben. Es gibt Hinweise darauf, dass die Menschen wirklich Angst vor denen haben. Ganz am Anfang. Weil der Revolver halt zum ersten Mal durch die Stadt reitet und dann haben wir diese Frau, die sich bekreuzigt. Und dann haben wir diesen Schreiner, der ganz nervös guckt in seine Richtung. Also offensichtlich gibt es da Angst und es gibt dieses Gefühl, auch so die Gewalt gegen Frauen scheint da eine Rolle zu spielen, aber es wird nie konkretisiert. Es bleibt auf dieser Abstrakte. Ebene. Wir wissen einfach, das ist ein Verbrecher. Im universellsten Sinne.
Johannes Franke: Du brauchst ja auch keine Konkretisierung. Vielleicht wird es sogar schwächer, wenn du es konkretisiert bist.
Florian Bayer: Und das will der Film ja auch. Wir haben hier, im Grunde haben wir hier auf dem Tableau ein klassischer Kampfgut gegen Böse. Wir haben das ganz eindeutig. Das sind die Bösen, das sind die Verbrecher. Und hier haben wir unseren Helden. Und es gibt nicht... Also es gibt viele Zweifel in diesem Film. Dieser Film hat extrem viele Zweifel für einen Western. Aber es gibt nicht einmal Zweifel daran, dass Kane der ist, der das Richtige tut und die, die das Falsche getan haben, was Falsche tun werden.
Johannes Franke: In der Bar gibt es ein paar Leute, die sagen, ja, das ist mein wirtschaftlicher Faktor hier. Du kannst mir mal Popo schmotzen. Genau, als der Typ da war, war hier alles wirtschaftlich besser.
Florian Bayer: Aber Kane hat in diesem Moment Moment auch immer den moralischen Highground. Ihre Argumente sind so ganz klar, wir wollen, dass diese Stadt wieder zum Puff wird. Und wir wissen, als gute christliche Amerikaner können wir das auf keinen Fall zulassen. Und es ist wirklich spannend, weil es wird einfach nicht gezeigt, was diese Revolverhelden gemacht haben. Es wird auch... Es bleibt auch nur bei den Ahnungen. Ich meine, wir haben am Schluss den Kampf zwischen ihnen und Kane, aber sie schießen quasi gleichzeitig. Es ist jetzt nicht so, dass du sagen kannst, die haben angefangen, er verteidigt sich. Das heißt, dieser ganze Moment des Duells von ihnen, Und der Bedrohungslage basiert darauf, dass wir wissen oder wissen sollen, dass sie die Bösen sind. Der Film bewegt sich da in sehr klassischen Western-Tropes. Man kann wunderbar sagen, wir lesen da jetzt auch mal einen Zweifel. rein, vielleicht, weil es so abstrakt bleibt, aber es wird einem nicht schwer gemacht, sich auf Wills Seite zu stellen und zu sagen, hoffentlich werden diese Typen gefangen genommen und hoffentlich werden sie umgebracht und wir freuen uns auch dann, wenn sie am Schluss umgebracht werden.
Johannes Franke: Hast du auch das Gefühl, dass diese so rumhängen wie so drei Jugendliche? Ja. Wir hängen da an dieser Bahnstation wie so drei Jungen wie ich damals mit meinen Jungs. Weißt du, wir haben da gehangen, haben Kaugummi gekaut, haben auf den Boden gespürt. Also vielleicht war die Phase recht kurz bei mir. Das ist doch einfach nur ein paar Halbstarke. Absolut, auch wie sie miteinander reden, wie sie sich antworten.
Florian Bayer: Pöbeln wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Und der eine Typ reitet dann nochmal ins Dorf und sagt, ey, mach das aber keinen Scheiß.
Johannes Franke: Man kann ihn nicht ernst nehmen so richtig, finde ich.
Florian Bayer: Es sind drei Jungs. Es sind drei sehr böse Jungs offensichtlich. Ja. Aber es sind drei Jungs, die da rumhängen und... Ja, genau. Und diese Art, wie das Dorf ihnen begegnet, gibt das ja auch. Du hast den Saloon angesprochen. Bevor Kane in die Kirche geht, ist er im Saloon. Und versucht da irgendwie Leute zu rekrutieren und da wird ihm ziemlich offen feindselig begegnet. Und offensichtlich auch von Leuten, die früher auf seiner Seite waren, aber auch ganz viele Leute, die oft Auf der Seite der Gangster waren, die gesagt haben, ey, das waren unsere Kumpels. Die waren vielleicht gar nicht so verkehrt. Und was hast du hier zu suchen? Glaubst du wirklich, dass du jemanden von uns auf deine Seite kriegst?
Johannes Franke: Ich finde Harvey Pell in diesem Zusammenhang noch interessant, weil er auch in der Kneipe sitzt. und irgendwie die Brücke zwischen den beiden Welten schlägt mehr oder weniger, der ja aus Frust dann dort trinkt und der aber auch Nicht so 100% mit der Stimme der Kneipe übereinstimmen.
Florian Bayer: Überhaupt nicht. HW Pell ist eigentlich auf der Seite von Will Kane. Harvey Pell will auch gegen die bösen Buben kämpfen.
Johannes Franke: Aber Harvey Pell hat nicht genug Chuzpe, um das durchzuziehen.
Florian Bayer: Ich glaube bei ihm spielt, also Havik kaufe ich tatsächlich ab, würde ich sagen, ich gebe dir jetzt den Sheriffstern, du bist jetzt Sheriff. Der würde sofort in den Kampf ziehen.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Havi ist einfach so ein beleidigter. Das ist ein Dummkopf. Er ist einfach ein rücksichtsloser Dummkopf und er würde sterben. Er würde in den Kampf ziehen und würde abgeballert werden, weil er einfach nicht nicht gut genug ist, in dem, was er tut. Es wird ja so ein bisschen angedeutet, dass offensichtlich auch wegen Will Kane er nicht den Posten gekriegt hat als Sheriff. Und sein Grund... sich dann nicht auf Wills Seite zu schlagen, ist vor allem, dass er einfach Naja, das verletzt das Stolz, verletzt das Ego.
Johannes Franke: Ich glaube aber, dass er trotzdem auch ein großer Punkt ist, dass er nicht genug Mumm hat auch. Nicht im negativen Sinne, weil Angst kann ja durchaus ein guter Punkt sein, nicht zu sterben. Vor allem, wenn man vielleicht sogar unterbewusst weiß, dass man nicht gut genug ist für diesen Posten. Und das ahne ich hier auch ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, er weiß, dass er nicht gut genug ist.
Johannes Franke: einfach auch. Und ich glaube, dass dieses Beleidigtsein, dass er den Posten nicht kriegt, sich ganz dolle paart noch mit dieser Ahnung, dass er es nicht hinkriegt und dass er auch nicht genug Mumm hat, das alles durchzuziehen. Und deswegen... Rennt er ja auch auf ihn los und versucht ihn da nochmal richtig massiv hart auf die Fresse zu hauen, aufs Pferd zu setzen, aus der Stadt raus zu reiten.
Florian Bayer: Er fragt ihn davor, are you scared? Übrigens auch was, wir haben das Weinen, am Schluss ist natürlich das stärkste, aber hier haben wir dieses are you scared und Will sagt, I guess so.
Johannes Franke: Er sagt,
Florian Bayer: Ja, ich hab scheiß Angst, natürlich, es geht hier um mein Leben. Und dann verprügelt er ihn und will ihn auf dieses Pferd und irgendwie loswerden. Er will ihn einfach nicht mehr sehen.
Johannes Franke: Ich glaube, er will einfach... Er bricht ja mit seiner eigenen Moral. moralisch er durchaus sehr starke Schwierigkeiten damit hat, dass er ihn nicht unterstützt. Und wenn er nicht, also wenn, wie heißt er? Cain. Wenn Cain nicht in den Krieg zieht, in Anführungsstrichen, sondern auch abhaut, dann ist seine moralische Welt wieder in Ordnung.
Florian Bayer: Ja, dann ist er nicht der Feigling,
Johannes Franke: Ist ja nicht der Feigling, der abhaut, während andere kämpfen oder so.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Das ist ein total guter Punkt. Ich finde diesen Harvey total spannend. Spannend. Also wir haben natürlich diesen Erpressungsmoment, dass er zu Will sagt, ich bin auf deiner Seite, kein Problem, aber dann mach mich auch zum Sheriff. Was aber auch irgendwie nachvollziehbar ist, dass er sagt, ich bin hier an deiner Seite, aber ich kriege die ganze Zeit nichts. Wann bin ich mal dran? Und wir wissen, ja, er ist wahrscheinlich nicht gut genug. Und dann kickt wahrscheinlich dieser Feiglings-Moment auch mit rein. Und wir sehen ihn die ganze Zeit reuvoll, ne? Ja. Er ist von Anfang an, er ist sogar schon bevor er sagt, nee, dann bin ich weg, selbst da ist er reuevoll und dann natürlich im Saloon, wenn er am Tisch sitzt, in sein Glas verkraben.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Die ganze Zeit Reue und jemand, der einfach nicht mit sich selbst klarkommt.
Johannes Franke: Ich finde, er ist eine der wichtigsten Figuren, um die Ambivalenz dieser ganzen Geschichte zu transportieren. Und dann eben die Vielfalt der Figuren, die dann auftauchen und aus verschiedenen Gründen sagen, dass sie nicht dabei sind.
Florian Bayer: Den größten Moment der Feigheit finde ich diesen Sam Fuller, bei dem Kane nicht weiterkommt als an der Tür, weil Sam seine Feigheit hat. Frau dazu bringt, ihn zu belügen.
Johannes Franke: Das ist doch eine krasse Szene, weil alle genau Bescheid wissen. Jeder Beteiligte an dieser Szene weiß genau, was hier läuft. Und das ist so krass. Weil er wirklich an der Tür klingelt, sagt, ich hätte gerne deinen Mann gesprochen, die Frau sagt ihren Satz. Der Marshall merkt, okay, das ist also die Situation, auf die ich treffe und sagt dann auch ganz, ganz höflich, ja gut, dann komme ich später wieder oder sowas. Und weiß ganz genau, okay, das wird nichts. Es ist ein komplettes Spiel.
Florian Bayer: Es ist ganz klar, was hier abgeht. Und es muss auch nichts weiter gesagt werden. Okay.
Johannes Franke: Und man sieht in seinem Gesicht, das ja schon auch sehr sorgenvoll inzwischen ist. Das ist ja über den Film... wird das ja immer rapide abwärts. Es geht ja immer schlimmer, es wird immer schlimmer. Und das ist ein Moment, wo sein Gesicht nochmal ein ganzes Stück in sich zusammenfällt.
Florian Bayer: Es ist diese Enttäuschung auch.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Also vielleicht auch gerade, dass im Gegensatz zu anderen dieser Sam nicht mal den Schneider zur Tür zu gehen und zu sagen, ey, ich kann das nicht machen, ich will nicht sterben, ich habe meine Frau, um die ich mich kümmern muss.
Johannes Franke: Ja, ich meine, er hat ja Argumente durchaus. Ja. Es ist zwar alles scheiße und so, aber man kann ja...
Florian Bayer: Dieses Sorgen, ich finde das so spannend. Es ist ein Film, der sehr viele Nahaufnahmen hat von unserem Protagonist. hier durch diese Stadt geht und einfach nur auf dem Gesicht klebt, während er vorwärts geht. Und das Gesicht verändert sich. Und wir haben das Storche drin, aber das Storche geht nach und nach verloren. Und dann haben wir wirklich einfach Will, wie er durch die Stadt geht. Dann läuft diese Musik, dieses High-Noon-Theme, dieses Titelsong und wir sehen ihn einfach wie... Es sieht aus, als bräuchte er eine Blinddarmoperation oder so. Es sieht wirklich praktisch aus. Und nachdem er sich dann mit Harvey geprügelt hat, sieht es ja noch schlimmer aus. Dann sieht er nicht nur selig verletzt aus, sondern auch körperlich verletzt. Dann geht er wirklich als gebrochener Mann... zerschlagen mit Sorgenfalten durch diese Stadt und es ist, also ich finde es sind wirklich krass Harte Bilder, einfach diese Perspektive auf ihn, wie er durch die Straßen geht und irgendwie hofft, aber die Hoffnung auch schon aufgegeben hat und Angst hat, verzweifelt ist, enttäuscht ist, whatever.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind.
Florian Bayer: Auf Spotify oder iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer. der Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-mussmann-sehen.de oder florian-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten, den Film so einzusortieren, wenn ich Schubladen aufmachen möchte. Ich finde es gut, wenn ein Film das schafft, dass ich keine Schublade aufmachen kann und ihn reinlegen kann. Aber wie progressiv oder wie reaktionär ist dieser Film? Weil Western ist ja eher ein Genre, das sehr... Das hattest du vorhin gesagt. Das ist doch eher konservativ.
Florian Bayer: Einfach als Genre.
Johannes Franke: Und dieser Film hat... Irgendwie beides, in beide Richtungen zerrt dieser Film und ich bin so ein bisschen hin und her und denke mir dann, ja wo ist denn jetzt deine Position, links oder? Oder rechts? Oder was? Oder wie? Oder wo? Und da merkt man mal wieder, dass dieses Konzept links, rechts oder liberal oder nicht auch seine ganze Art einfach... Und das einfach nur menschlich an dieser Stelle wird vielleicht.
Florian Bayer: Es gibt halt beide Momente drin. Es gibt auf jeden Fall diesen Kontrast, der heldenhafte Cowboy, der bleibt und kämpft. selbst wenn niemand auf seiner Seite ist, zu den verweichlichten armen Dörflern, die sich nur auf die Staatsgewalt verlassen. Und die, sobald es irgendwie schwierig wird, sich wegducken. Das ist ein tiefstes konservatives Narrativ. Und das kann man absolut da reinlesen. Das ist da irgendwie da.
Johannes Franke: Aber da müssen wir auch auf John Wayne zu sprechen kommen, der nämlich das für höchst unamerikanisch hielt. Genau.
Florian Bayer: John Wayne hat gesagt, das ist ein total unamerikanischer Film. John Wayne hat das gesagt, weil er vor allem die Western in der Zeit, in der wir sind. Das ist wirklich die goldene Ära des Westerns. Und was traditionell erzählt wurde ist, ja du kannst dich nicht auf den Staat verlassen, aber es gibt den einen Helden und der ist auch ein Held, weil er erfolgreich drin ist, das Dorf auf seine Seite zu schlagen. Der ist erfolgreich darin, den Leuten zu verkaufen, ja, wir müssen jetzt zusammenhalten und die Leute sind gut. Leute kämpfen für ihre Freiheit. Das ist Amerika. Jeder hat eine Waffe unter seinem Bett und jeder ist bereit, diese Waffe zu ziehen, wenn es gegen Tyrannei geht.
Johannes Franke: Der amerikanische Traum. Genau. Das sind ja die Wurzeln der ganzen Geschichte. Und das finde ich total krass, weil auch John Wayne gesagt hat, selbst wenn das Dorf nicht mitmacht, muss... der Sheriff an dem Moment völlig zweifelsfrei und stark in der Gegend rumlaufen und allen sagen, klar mache ich das auch alleine. Ja. Was auch so total katastrophal eigentlich ist, als Haltung.
Florian Bayer: Der ist ein echter Kerl. Der muss auf jeden Fall, der darf keine Schwäche zeigen. Und John Wayne hat sich dann ja auch tatsächlich... Ich bin tatsächlich dazu entschlossen, 30 Jahre lang gegen diesen Film zu wettern. Nicht nur 30 Jahre lang gegen diesen Film zu wettern, sondern auch eine Antiversion zu drehen. Ja, ja.
Johannes Franke: Das ist so süß. Also es ist ja auch einiges passiert dann in der Zeit. Der Film ist rausgekommen, der war ein guter Erfolg. Und John Wayne hat sogar noch den Oscar angenommen für Gary Cooper.
Florian Bayer: Der übrigens die politischen Ansichten von John Wayne geteilt hat. Gary Cooper war genauso ein Typ. Und Gary Cooper war vielleicht zu dumm, das zu sehen in dem Drehbuch. Weil Gary Cooper hat drauf geguckt und hat gesagt, ja, spiele ich.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Aber Gary Cooper war genau wie John Wayne. Das war auch so ein Typ, der gesagt hat, scheiß Links.
Johannes Franke: Die waren auch einfach gute Freunde.
Florian Bayer: Genau, die waren gut befreundet. Und John Wayne hat mit Howard Hawks fast zehn Jahre später, 1959, mit Rio-Programm, Bravo einen Film gedreht, den er auch als Antwort darauf verstanden hat, wo es nämlich darum geht, dass die Leute sich zusammenreißen, dass die Leute ihren Heldenmut entdecken, dank des Helden. Von John Wayne natürlich gespielt.
Johannes Franke: Natürlich. Und sagen, yes, das ist es. Wie eindimensionell muss dieser Film sein? Also wenn man wirklich das Gegenteil von high noon machen will, dann kannst du ja eigentlich nur... an Tiefe verlieren.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob ich ihn gesehen habe. Ich habe ein, zwei John Wayne Western gesehen und vielleicht habe ich den auch gesehen. Ja, ja. Er ist ganz gut weggekommen bei der Kritik und vielleicht ist er sogar tiefgründiger, als man meinen könnte. Man kann ja dann doch auch in diesen Filmen viel entdecken.
Johannes Franke: reden höre und Interviews mit ihm lese, was ich jetzt einfach in diesem Zusammenhang mal gemacht habe, dann habe ich keine Lust mehr auf die Filme mit ihm.
Florian Bayer: Ja, absolut nachvollziehbar.
Johannes Franke: Das ist so ein Idiot.
Florian Bayer: Ja, John Wayne war ein Arsch. Oder ein sehr amerikanischer Arsch. Na, das Spannende ist ja... Was eine große Rolle spielen wird, und dazu müssen wir jetzt auch kurz zu sprechen kommen, ist die Hintergrundgeschichte vom Drehbuchaufwand dieses Films. 4-Man. 4-Man. Und wir haben schon ein paar Mal in unserem Podcast, tatsächlich relativ häufig sogar, über diese ätzende Zeit der McCarthy-Ära geredet. Als Witch-Hunts und zwar nicht das, was Donald Trump von der Witch-Hunt versteht. sondern echte Witch-Hunts gegen KünstlerInnen gemacht wurden, weil die bezichtigt wurden, anti-amerikanisch zu sein oder eigentlich genau genommen kommunistisch.
Johannes Franke: Und das in einer Zeit, wo man kurz vorher noch im Krieg gesagt hatte, wir müssen alle mit Russland zusammenarbeiten, um Deutschland aufzuhalten. Und dann kommt das. Und dann plötzlich musst du gegen Russland sein und darfst auf gar keinen Fall einer kommunistischen Partei angehören oder irgendwelche Sympathien hegen. Seltsame Zeit.
Florian Bayer: Davor war niemand geschützt. Karl Forman hat für die USA Propagandafilme gemacht im Zweiten Weltkrieg. Von ihm ist das Drehbuch für Know Your Enemy. Japan aus dem Jahr 1945, was so einer der bekanntesten Propagandafilme des amerikanischen Militärs der damaligen Zeit ist.
Johannes Franke: Und Formen war halt auch Mitglied. in einer kommunistischen Partei.
Florian Bayer: Er war Mitglied in einer kommunistischen Partei. Für fünf Minuten.
Johannes Franke: Für fünf Minuten? aber er war es. Er war es.
Florian Bayer: Er hat gesagt, und deswegen wurde er vor dieses Haus, vor dieses Komitee zitiert, um nochmal den Namen zu sagen, der ist so schrecklich. House of Un-American Activities Committee.
Johannes Franke: Dann gibt es eine Abkürzung für, die können wir vielleicht aber sozusagen... H-U-A-C. Genau.
Florian Bayer: Und er hat dann aber gesagt, ey, ja, ich war Mitglied. Und ich hatte keinen Bock darauf. Das war mir echt zu stressig. Und die Partei, die war so... Die war so dogmatisch und so weiter. Nee, damit will ich nichts mehr zu tun haben. Damit wollte ich ein paar Minuten was zu tun haben, die jetzt nicht mehr. Dann haben die gesagt, super, dann nenn uns doch mal ein paar Leute. Dann hat er gesagt, habt ihr einen Arsch auf? Ich bin nicht mehr Mitglied der Partei, aber das heißt jetzt nicht, dass ich Freunde von damals oder von heute verpfeife.
Johannes Franke: Um Gottes Willen. Aber das ist ja im Grunde auch das, was, also Forman hat ja dann quasi alles das gemacht, was dieses Committee gerne sehen wollte, ne? Also er hat tatsächlich öffentlich gesagt, naja, ist nicht mehr so mein Ding und so. Nur das Einzige war, dass er eben nicht andere Leute verpfiffen hat. Und das war natürlich eigentlich das Wichtige für diese Komitee, weil die natürlich Namen sammeln wollten, um möglichst viele Leute da vor das Komitee zu rufen.
Florian Bayer: Das hat dann ein Blacklisting geendet.
Johannes Franke: Und das hat dann darin geendet, dass Formen nach Großbritannien zurückgezogen ist. Nicht zurückgezogen, einfach dahin gezogen ist und 20 Jahre lang oder sowas dort drüben Filme gemacht hat, bevor wir wieder kommen.
Florian Bayer: 1953, ein Jahr nach diesem Film. Und er war geblacklistet. Und wenn wir heute über Cancel Culture reden, bzw. wenn Konservative über Cancel Culture reden, dann meinen sie, dass sie kritisiert werden, dass jemand sagt, nee, das finde ich nicht gut, was ihr macht. Das war damals Cancel Culture. Das war wirklich, die Studios haben sich abgesprochen, die Leute dürfen nicht mehr arbeiten. Wir haben sehr lange drüber geredet in einer Episode und zwar als wir über... Trumbo geredet haben. Trumbo, ja. Dalton Trumbo. Dalton Trumbo, der Johnny Zid in den Krieg gemacht hat. Da rollen wir das Ganze nochmal auf. Wir reden auch ein bisschen drüber in unserer Oppenheimer Folge. Oppenheimer war nicht direkt Opfer davon, aber es war dieselbe Ära und es war derselbe Zeitgeist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Hört euch das auf jeden Fall nochmal an. Es ist ein total spannendes und interessantes Thema.
Johannes Franke: Bei Chaplin haben wir auch darüber gesprochen. Weil genau in diesem Jahr, in dem dieser Film rauskommt, ist Chaplin ausgewiesen worden aus den USA wegen genau solcher angeblichen kommunistischen Aktivitäten.
Florian Bayer: Es hat echt viele Leute getroffen. Und eine Konsequenz war unter anderem dann auch davon, dass der Produzent des Films, Stanley Kramer, Dass der dafür gesorgt hat, dass die Rolle von Forman bei der Entstehung dieses Films extrem runtergespielt wurde. Das war Formans Baby. Forman hatte das Skript geschrieben. Ja. Hat sogar noch, als er entdeckt hat, dass es eine Kurzgeschichte gibt, die ähnlich klingt wie das Skript, gesagt, okay, dann kaufen wir mal lieber davon die Rechte, ich weiß nicht mehr, ob ich davon inspiriert bin.
Johannes Franke: Ja, The Tin Star hieß das Ding.
Florian Bayer: Tin Star, genau.
Johannes Franke: Von John W. Cunningham.
Florian Bayer: Ja. Aber es war sein Baby, es war sein Drehbuch. Und aber dann, nachdem er halt einmal komplett da durch den Fleischwolf der des Hauses gegen unamerikanische Umtriebe gezogen wurde. Nachdem er nach England geflohen ist, hat Stanley Kramer gesagt, okay, Dann ist der Film vielleicht jetzt doch eher ein Stanley Kramer und Fred Cinnamon Film. Fred Cinnamon war der Regisseur.
Johannes Franke: Aber das war auch schon bevor er nach Großbritannien ausgewandert ist. Das muss echt nicht schön gewesen sein zwischen den beiden, obwohl die irgendwie auch freundschaftlich miteinander zu tun hatten. Nur Cramer hat wirklich sehr große Sorge gehabt, dass er, wie heißt es im Amerikanischen? Defamation by Association. Ja. Also, dass man wirklich Probleme bekommt, nur weil man mit jemandem zu tun hat, der irgendwie gerade auf einer Blacklist ist.
Florian Bayer: Und damit können wir wieder den Bogen zu dem Film schlagen. Es gibt nicht wenige Stimmen, die sagen, das ist eine Fabel auf das McCafe-Amerika.
Johannes Franke: Und ich find den Film nochmal 100% besser deswegen. Ich hab das danach recherchiert und war dann so richtig blown away, wie so ... Hirnexplosion. Wie krass. Weil wenn man sich den Film anschaut, wie dieser Typ immer wieder versucht, hier Leute und da Leute ranzuziehen. und zu sagen, ja, kannst du mir hier vielleicht helfen? Ich habe hier Probleme da und dort und dann nach und nach alle sagen, du, bevor ich auch noch Probleme bekommen, weil du gerade Probleme hast. Lass ich dich lieber alleine. Und das passt total zu diesem McCarthy-Ding. Und das hat... Formen tatsächlich genau so erlebt. Während er in der Produktion zu diesem Film war, ist genau das passiert. Er hat links und rechts Freunde gebeten, ihm zu helfen oder ihm beizustehen in Aussagen und so weiter. Und alle nach und nach weggebrochen. Wie eben zum Beispiel Stanley Kramer, der die Produktion von dem Film hatte.
Florian Bayer: Ja. Der am Anfang noch gesagt hat, ey, ich bin hinter dir. Und dann irgendwann gesagt hat, ah, naja, so weit hinter dir. Hier hast du 250.000 Dollar und jetzt bitte ab. Gute Reise nach England. Tschüss.
Johannes Franke: Ja, also, was für eine krasse Koinzidenz, weil der Film war ja schon geschrieben, aber ... Aber das dann wirklich genau, vielleicht hat er den Film auch schon damit im Kopf geschrieben, auf jeden Fall ist er jetzt durch die Geschichte, durch das, was passiert ist, Voll gebrandmarkt mit diesem Ding.
Florian Bayer: Ich glaube, man muss gar nicht groß sagen, okay, wir versuchen es hermeneutisch. Ich finde nicht mal doof. Was hat sich der Autor dabei gedacht?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Keine Ahnung, ob er sich das dabei gedacht hat. Ich glaube, es gibt keine Zitate von ihm, dass er gesagt hat, genau das wollte ich ... Nee, nee, nee.
Johannes Franke: Es gibt Zitate, dass er gesagt hat ... Ich bin high noon geworden. Dass er selber festgestellt hat, welche Parallelen da existieren.
Florian Bayer: Aber es funktioniert so. Gerade weil es in dieser Zeit entstanden ist und weil es das Thema natürlich auch so ein bisschen transzendentiert. Es ist einfach... Es ist ein universelles Thema. Du hast irgendwie Probleme, du versuchst dich irgendwem zu stellen und siehst plötzlich, dass Leute links und rechts wegbrechen, weil die Menschen... ihre eigenen Interessen haben, weil die Menschen Angst haben. Nachvollziehbar, nicht nachvollziehbar, weil Menschen opportunistisch sind, weil Menschen oft scheiße sind. Und es ist total spannend und es Und ja, es passt wie Faust auf Auge. Und dass das ausgerechnet dem passiert ist, der diese Geschichte geschrieben hat, das ist natürlich Gold wert für die Spenden.
Johannes Franke: Es hat genau ein Rezensient für die Zeitung diese Parallele gesehen und auch aufgeschrieben. von ungefähr 146 ausgewerteten Dingern. Das hat jemand mal aufgearbeitet, das habe ich gefunden im Internet. Von 146 Rezensionen in der Zeit hat genau einer gesagt, Alter, seht ihr das nicht? Bin ich der Einzige, der das hier sieht? Was ist denn los?
Florian Bayer: Und das ist auch gut nachvollziehbar, weil dieses Augen zuhalten, dieses nicht sehen wollen... was da passiert. Das sehen wir ja auch, wie die Leute damit umgehen. Hat ja auch dieses, ja und wir wissen ja gar nicht, vielleicht ist er wirklich nur unterwegs, um den Cain zu schnappen und wenn Wenn Kane weg ist, ist schon alles gut, er wird uns nichts tun, alles wird weiterlaufen, die Stadt wird friedlich bleiben. Das hat ja auch sowas extrem von Ignoranz. Klar. Dieses nach dem Prinzip, solange es mich nicht trifft, mache ich mir keine Sorgen.
Johannes Franke: Genau. Wenn ich die Augen zumache, ist es halt nicht da.
Florian Bayer: Genau. Und dann aber halt wirklich vergessen, dass man als nächstes getroffen werden kann. Und dann, als sie mich geholt haben, war niemand mehr da, der hätte etwas sagen können.
Johannes Franke: Und das ist natürlich aktuell wie nie. Hust, Hust, wenn wir jetzt in unsere politische Lage gucken. Aber den Bogen müssen wir nicht für euch schlagen, das könnt ihr selber machen.
Florian Bayer: Das würde zu weit gehen. Lass uns doch lieber noch mal kurz was zum ganz technisch Banalen sagen zur Produktion von diesem Film. Zur Kamera? Ja. Und zur erzählten Echtzeit. Zuerst zur erzählten Echtzeit, weil das ist scheiß revolutionär. Wir sind im Jahr 1952. Wir sind... 60 Jahre vor Victoria. Wir sind in einer Zeit, in der das nicht das Konzept für Filme war, das so erzählt wird. Und du guckst auch immer wieder auf diese scheiß Uhr. Du kriegst es einfach in die Fresse gehauen.
Johannes Franke: Der Film zwingt dich auch, Uhr zu gucken. Immer, immer wieder.
Florian Bayer: TikTok. immer, immer wieder.
Johannes Franke: Beim dritten Mal denke ich, oh, es scheint ihm irgendwie wichtig zu sein. Was ist denn los?
Florian Bayer: Ich gucke mal auf die Uhr. Aber es ist geil, weil du siehst, wie die Zeit des Films vergeht, wie sie im Film vergeht und wie diese Anspannung spielt. spürbar ist, weil aus 60 Minuten werden 40 Minuten, aus 40 20 und aus 20 5 bis zum finalen Countdown, bevor der Zug einfährt. Es ist toll.
Johannes Franke: Das ist diese Unity von Handlung, Zeit und Charakter? Ich weiß nicht mehr genau.
Florian Bayer: aristotelischen Theater.
Johannes Franke: Genau, dass das alles zusammen gehört und dass man das alles parallel laufen lässt. Und es ist wirklich großartig gemacht in diesem Film. Finde ich super.
Florian Bayer: Und es macht die Spannung total greifbar. Es ist wirklich clever erzählt. Es gibt ja auch diese Umschnitte. Es gibt manchmal auch so diese Momente, wo es eine Divergenz gibt zwischen unserer erlebten Zeit und der filmischen Zeit. Aber es bleibt zumindest diesem Echtzeitgefühl, dieser Anspannung, bleibt es komplett treu.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und die Kamera unterstützt das auch nicht nur, indem sie ständig auf Uhren draufkloppt, was wirklich krass ist. Es gibt diesen Moment des Übertrusses, wo du denkst, okay, ich weiß, danke, danke, danke.
Johannes Franke: Es gibt aber auch immer die Schienen, die finde ich auch großartig, immer wieder auf die Schienen gezeigt. Ja. Und gegen Ende wird das immer mehr, weil wir ja wirklich so kurz vor zwölf sind, ganz kurz davor. Und dann werden immer wieder statische Bilder, wo du einfach die Spannung nochmal erhöhst. Und ich finde, das macht der Film wahnsinnig gut.
Florian Bayer: Ich find's ganz geil, dass du, der Film hat diese Anspannung so krass, dass du irgendwie erwartest, du, es kommt um 12 das Ende der Welt, ne? Und dann ist es so banal. Es kommt keine Apokalypse, sondern kommt halt ein Zug eingefahren, das worauf alle gewartet haben.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Es ist sowas ganz schlichtes Triviales. Ach ja stimmt, dafür war der Countdown.
Johannes Franke: Und dann laufen die auch ganz unspektakulär in der Gegend rum. Ich finde den Endkampf da Das ist kein Star Wars Ding. Das ist einfach wirklich ganz, also fast schon plump. Und wie sie da in der Gegend rumlaufen, sich verstecken und da aus dem Hinterhalt irgendwie noch schießen und da. Ich finde es wahnsinnig gut aufgelöst, auch mit der Frau dann. Und ich finde es krass, Wie sehr mir klar geworden ist, dass ein Film in seinem Endkampf vor allem davon abhängt, was er vorher gemacht hat. Dieser Spannungsaufbau verkauft uns am Ende diesen Kampf, der total unspektakulär ist eigentlich. Und er ist besser, der Kampf, durch den, was vorher passiert ist, als bei manch anderem Star-Wars-Film. Ich find's krass. Ja.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Es ist ein total banaler Kampf. Es ist keine große Dramatik dahinter, sondern es ist halt einer, der gegen drei kämpft. Es ist jetzt auch keine große Schlacht oder sowas. Es ist einer gegen drei. Und es ist ein Kampf aus dem Hinterhalt von allen Parteien. Auch von Will. Und es fallen Schüsse und Menschen sterben. Und am Schluss gibt es diesen einen großen, kathartischen, emotionalen Moment, wenn er es schafft... den Obergangster, den Oberboss, den Endboss zu besiegen, der seine Frau in der Hand hält. Aber es ist wirklich... Es ist ja fast schon eine Trivialisierung von diesem heroischen Kampf.
Johannes Franke: Ja, total. Und das ist, glaube ich, nicht das, was man erwartet hat damals, wenn man in den Western gegangen ist.
Florian Bayer: Nee.
Johannes Franke: Und wenn wir schon bei Kamera sind, nicht nur die seltsamen Kämpfe, die hier nicht, also ich habe wirklich erwartet, irgendwann stehen die voreinander, zucken und wer zieht als erstes und sowas. Das kennt man von dem Western, aber nein, sowas gibt es einfach hier nicht in der Form. Finde ich total krass. Der Kameramann entscheidet sich... nicht in Farbe zu drehen. Obwohl es das damals total gegeben hätte und man total auf diese Western, auf diese Kreis, krassen Berge im Hintergrund. Was Western halt so mit sich bringt. Diese krasse Landschaft, die da einfach eine Rolle spielt. Die spielt hier keine Rolle. Ich find's total krass, darauf zu verzichten.
Florian Bayer: Das ist eigentlich die ganze Zeit in diesem Dorf, ne?
Johannes Franke: Ja, total claustrophobisch da drin.
Florian Bayer: Floyd Crosby ist der Kameramann. Er hat vor allem, also es gibt diese Wechsel, wir haben zum einen diese Nahaufnahmen von Gesichtern. Von Gesichtern, die sehr viel Geschichte mit sich tragen. Wir sehen, das sind Menschen, die was erlebt haben, die sich Gedanken machen. Und dann... Was ich auch unglaublich stark finde, diese Bilder von Einsamkeit. Wir haben nämlich Will, der allein durch diese Straßen geht. Und nichts, niemand. Es ist komplett tot. Es ist wie eine Geisterstadt. Er scheint der letzte Mensch auf der Welt zu sein.
Johannes Franke: So krass, weil es gibt diesen einen Zoom... Und das gibt es ja in Western öfter und ich muss öfter kritisieren, diesen Zoom finde ich meistens nicht geil. Aber in diesem Fall hat er ihn wirklich sehr gut eingesetzt, diesen typischen Western-Zoom. Nicht auf etwas drauf in dem Fall, sondern raus. Ja. Wir sehen ihn... In einer relativ nahen Aufnahme, wie er da langläuft und wir sehen von der Stadt nicht viel, aber dann... geht das Bild immer weiter auf und wir sehen, wie verdammt leer diese Stadt plötzlich ist. Weil er rumläuft und nach Hilfe sucht. Und alle haben sich verkrochen. Und er ist alleine.
Florian Bayer: Es ist komplette Einsamkeit. Es ist wie in einer Geisterstadt. Und das ist dieses apokalyptische Thema des Films. Das wird da halt auch nochmal stärker. Wir haben um 12 Uhr kommt das Ende der Welt. Alle haben sich verkrochen. Du bist der Einzige, der hier noch steht. Und du kannst dann halt auch irgendwann nur noch weinend zusammenbrechen.
Johannes Franke: Und dass er das tut, rechne ich dem Film echt hoch an.
Florian Bayer: Wir müssen es noch einmal kurz feiern, weil du hast es am Anfang schon gesagt, es ist so krass. Wir haben hier eigentlich den stoischen Cowboy, sollten wir hier haben, dann sitzt der im Büro Und heult und bricht in Tränen aus. Und zwar richtig.
Johannes Franke: Es ist super. Und es ist so devastating und du bist so nah dran an ihm dadurch. Das hat damals kaum ein Film so in der Form gemacht.
Florian Bayer: Ja, das ist einfach krass.
Johannes Franke: Und dann macht der Film ab und zu mal seine Stimmung ein bisschen kaputt, indem er noch einmal Do Not Forsake Me, Oh My Darling einspielt. Ich die ganze Zeit denke, wer singt denn da im Hintergrund diesen Song die ganze Zeit? Der übt wahrscheinlich, der übt diesen Song, er kann ihn irgendwie nicht loslassen. Irgendwo in einem Saloon oder sowas spielt einer immer wieder diesen Song. Kommt so oft. Die Score dieses Films ist das eine Lied. Dieses eine fucking Lied. Und ich muss sagen, der Regisseur hat es ja auch selber gemerkt. Der hat eigentlich ursprünglich doppelt so oft diesen Song im Film gehabt. Es ist absurd. Und er hat dann selber gesagt, ich war sehr verliebt in diesen Songen. Und es ist vielleicht ein bisschen viel gewesen. Und dann habe ich schon gekürzt. Und dann gucke ich mir diesen Film an und denke mir, wann hast du gekürzt? Was? Du hast doppelt so viel? Fuck! Alter, ich verstehe es nicht. Ich kann mir diesen Song vielleicht zweimal vorstellen oder vielleicht dreimal, meinetwegen, aber nicht fucking jede zweite Szene oder sowas.
Florian Bayer: Und dann macht er die Stimmung teilweise echt kaputt.
Johannes Franke: Und dann ist das ein Song, dessen Songtext den ganzen Film widerspiegelt eigentlich. Das ist der größte Filmspoiler. Und der Song läuft am Anfang. Er läuft einmal komplett durch, bevor die Anhörung überhaupt anfängt. Oh, I do not know what fate awaits me. I only know I must be brave and I must face a man who hates me or lie a coward. A craven coward or lie a coward in my grave.
Florian Bayer: Und gleichzeitig ist dieser Song dann halt doch deutlich mehr Heroismus als in dem Film steckt, finde ich. Ja, ja, ja, total. Absolut. Also der Film ist, der Song ist halt auch irgendwie schon so eine, nicht aufmundende Ballade, aber eine Ballade des Heldentums. Und ich finde, dieser Film ist eine Ballade des Scheiterns.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass der eine Ballade des Heldentums ist. Er sagt die ganze Zeit, bitte verlass mich nicht, Frau. Ich brauch dich. Ja, aber wirklich. Er ist immer hin und her gerissen zwischen soll ich es machen, soll ich es nicht. Und wirklich jeder... Alles, was in diesem Film zusammenzufassen ist an Handlungen, kommt in diesem Song vor. Ich hab's nochmal vor mir. Jetzt sind Es sind drei Strophen oder sowas, wo genau erklärt wird, was passiert in diesem Film.
Florian Bayer: Dann um zumindest noch einmal Credits zu nennen, wo sie verdient sind. Sie wurden oft genug gespielt. Also Dimitri Tjomkin ist der Komponist und die Lyrics sind von Ned Washington.
Johannes Franke: Der hat den Film einfach oft genug geguckt und wusste genau, okay, das passiert, das passiert, das passiert, das packe ich jetzt in irgendwie Lyrics rein.
Florian Bayer: Und Tex Ritter ist der, der uns den Song singt.
Johannes Franke: Der singt. Und ich glaube, sie haben sogar irgendwie Preise dafür bekommen.
Florian Bayer: Sie waren für den Oscar nominiert.
Johannes Franke: Ja, siehst du.
Florian Bayer: Es war auch eine Zeit, in der das noch nicht so üblich war. Es ist auch tatsächlich ungewöhnlich, dass ein Song... mit Gesang so prominent den Score bildet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Vielleicht hätten sie noch einen zweiten oder dritten Song nehmen sollen.
Johannes Franke: Vielleicht. Oder ein bisschen Orchester oder irgendwas. Aber ich finde tatsächlich, dass die Stärke in dem Film dann, wenn der Song nicht hat. Wann? Ja, ich weiß auch gerade nicht genau. Dass es dann starke Szenen gibt, wo einfach kein Score drunter liegt und man einfach pur darauf zurückgeworfen ist, das zu sehen, was da passiert, ohne irgendeine... zusätzliche Emotionalisierung, die dieser Film gar nicht nötig hat, was ich sehr gut finde.
Florian Bayer: Es gibt diesen einen Moment der unfreiwilligen Komik, aber ich glaube, es liegt auch daran, dass man das schon so oft gesehen hat. Danach, wenn es zwölf Uhr wird, dann noch einmal in alle Gesichter geschickt. mit der Kamera geklatscht wird. Wir sehen noch einmal alle nervösen Blicke. Natürlich hat jeder in diesem Moment die Uhr im Kopf. Jetzt kommt der Obergangster.
Johannes Franke: Er ist ein bisschen cheesy. Finde ich vollkommen in Ordnung. Mir hat es geholfen tatsächlich. Wirklich, ich habe am Ende... So diese Schienen nochmal, die Uhr nochmal, den Sessel nochmal, wo er geworden ist.
Florian Bayer: Ein bisschen cheesy.
Johannes Franke: Den finde ich tatsächlich auch ein bisschen cheesy. Aber die Gesichter, dass ich bei jedem nochmal denken kann, ah ja, der hatte diesen Grund und das haben die vorgeschoben. Und die wollten auch nicht, weil Arschlöcher. Aha, das fand ich nicht schlecht. Vielleicht bin ich das richtige Publikum dafür. Aus irgendwelchen komischen Gründen... Vielleicht muss ich mir echt öfter, ich hab wirklich gedacht, ich muss mir öfter Western anschauen. Einfach aus diesem, ich weiß nicht, der hat sowas Noirisches.
Florian Bayer: Ja. Aber du weißt, dass du für jeden 12 Uhr mittags 10 kitschige John Wayne Western kriegst. Und davor ist es noch schlimmer. Also wenn wir über diese Zeit reden, das war ja die Zeit in der Western dann endlich ein bisschen erwachsener wurden, ein bisschen mehr Psychologie, ein bisschen mehr Dialog. In den 30ern und 40ern, und ich habe keinen Western aus dieser Zeit gesehen, oder eher in den 20ern und 30ern, war Western einfach nur purer Kitsch. Und immer mit dem Heroischen in weiß gekleideten Cowboy, auch ganz wichtig in weiß gekleidet.
Johannes Franke: Und hier hat er ja den schwarzen Hut auf. Das ist ja auch sehr ungewöhnlich. Und der Bösewicht hat den Weißen auf.
Florian Bayer: Dann wurde, in den 50ern wurden die Western besser mit den Filmen von John Wayne, wo sie plötzlich großes Budget in die Hand genommen haben. Wir machen jetzt große Filme, aber das sind die ganzen... Filme, die wir heute als Kitsch bezeichnen, die so episch und es fließt kein Blut in diesem auch nicht. Leute werden erschossen und es ist sehr unblutig und unschmerzhaft, weil du wirst getroffen und oh, bang, du bist tot.
Johannes Franke: Ja, du fällst halt um.
Florian Bayer: Während damals mit den alten Revolvern ist ja dein Bauch aufgeplatzt und du hast versucht, deine Organe wieder reinzustecken.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Das ist die Realität.
Johannes Franke: Oh Scheiße. Das haben spätere Western deutlich besser
Florian Bayer: Also die richtigen Antiwestern aus den 80er, 90ern, 2000ern haben dann deutlich mehr gezeigt, was für Auswirkungen Gewalt hat.
Johannes Franke: Aber wo wir gerade dabei sind, ich finde es gerade ganz spannend, wenn man noch ein bisschen weiter zurückgeht in die Anfänge des Films. Es gab Original-Leute aus der Zeit, die Filme machen konnten. Die waren noch, das ist einfach geschichtlich so nah aneinander, dass es Leute gab... Aus der alten Wild West, Cowboy und Sheriff und Marscher, es gab Leute, man muss sagen die Gewinner der ganzen Sache. die sich dann heroisiert haben in diesen Filmen, die aus Erfahrung diese Filme gemacht haben. Und das Geile ist, das war alles vorhanden. Du musstest die Kostüme nicht neu schneidern, du musstest diese Dörfer gar nicht erst groß aufbauen wie heute, sondern die waren noch da. Es gab das alles noch. Und das heißt, Western waren zusätzlich auch noch das Billigste, was du drehen konntest. Total krass.
Florian Bayer: Deswegen galten Western ja so lange als Palp, als billige Unterhaltung für Kinder und Jugendliche eher. Die Mythologisierung des Westerns hat angefangen in der Zeit des Westerns.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Und die ersten Leute, die daraus eine Show gemacht haben, waren Wildwesttypen. Das war Ende des 19. Jahrhunderts. Buffalo. Bills Wild West, das waren einfach alte Cowboys.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ich find das so ... Das sind so Stellen, wie wir bei Kleopatra festgestellt haben, dass die Pyramiden für Kleopatra das älteste und Kleopatra ist näher an unserer Zeit als an dem Bau der Pyramiden. Ja genau, die waren wirklich vandaliert, die hatten daran gesprüht, die Leute, weil sie damit nichts anfangen konnten mit diesen seltsamen Pyramiden, die da stehen. Und genau so ist das hier, wo man so Zeiten zusammenbringt, die man im Kopf nicht zusammengebracht hat.
Florian Bayer: Ich find's total spannend, meine liebste Western-Ästhetik ist die, wo sie irgendwie da nochmal Urbanität reinbringen, wo sie zeigen, Wo dann Cowboy aus dem Wilden Westen, der ja tatsächlich nicht sehr urban war, weil es war einfach alles leer. Warum auch immer Richtung Osten fährt oder Richtung Osten reitet. Und dann trifft er auf Autos und auf Hochhäuser. Die wurden nämlich damals gebaut. Als der Wilde Westen in vollem Gang war, sind Autos in New York gefahren. Da wurden Hochhäuser hochgebaut. Und das vergisst man so leicht, wenn man diese unberührte Landschaft sieht und ein paar Häuschen, dass da Zeiten, dass da die Moderne voll reinge... recht ist. Und dazu gehört eben auch der Film. Also der Film als Medium. Als die Handlung dieses Films ist, gab es schon Film als Medium. Krass, ne?
Johannes Franke: Meine Güte. Also ich finde es total großartig, sich damit zu beschäftigen.
Florian Bayer: Ich kann auch mal empfehlen, habe ich glaube ich, schon mal empfohlen, als wir über irgendeinen anderen Western gesprochen haben, hört euch den Podcast an, die Geschichte des Westernfilms.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Es gibt so einen Zweiteiler von einem deutschen Podcast, der sich eigentlich eher tatsächlich mit Wildwestmythen und Wildwestgeschichten auseinandersetzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und jetzt suche ich es nochmal kurz raus, damit ich es einmal richtig nennen kann. Weil die haben es wirklich verdient, genannt zu werden. Western Unchained heißt der Podcast und der beschäftigt sich vor allem, es ist ein deutscher Podcast, deutschsprachiger Podcast. Der beschäftigt sich vor allem mit tatsächlichen Wild-West-Geschichten. Die beiden, die das machen, haben aber auch zwei Episoden aufgenommen, wo sie sich mit dem Geschichten... mit der Geschichte des Westernfilms beschäftigen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist mind-blowing. Es ist ein großartiger Podcast, zwei großartige Episoden. Genau. Und es ist total spannend auch zu sehen, wie wir von der Anfangszeit des Westerns, der Western war sehr früh eines der ersten Filmgenres, Genau, der große Bahnraub ist ja so das Bekannte. Ja, genau, der Eisenbahnraub, ja. Hier hingekommen sind, das sind nämlich auch 50 Jahre. Von den Anfängen des Westernfilms zu der Zeit, in der wir jetzt sind, 1952, wo Western das populärste Filmgenre überhaupt ist. Es wurden die meisten Filme, damals mehr als 50% der Filme, die produziert wurden in Amerika, waren Westernfilme. Krass, ne?
Johannes Franke: Und ich kenne fast nichts davon aus der Schumpfilmzeit, wo ich doch so ein großer Fan davon bin. Aber Western sind immer an mir vorbeigegangen. Und ich glaube, ich muss das einfach... Schließen, so cheesy, die vielleicht sein mögen oder so ätzend manchmal das Weltbild ist von denen. Aber ich glaube, ich muss da echt ein bisschen reingucken. Das interessiert mich doch sehr.
Florian Bayer: Was halt wirklich geht, man kann Western ähnlich wie Film-Noors oder wie Horrorfilme aus der Zeit, man kann die auch immer ein bisschen ironisch gucken, das heißt, Wenn man einen schlechten Film vor sich hat, gibt es immer noch diese Ironie, diese Meta-Ebene, die es einem erträglich macht. Und dann ist es aber umso geiler, wenn man mal eine Perle entdeckt.
Johannes Franke: Wie diesen hier. Krass. Das ist so ein bisschen der Western für Leute, die Western nicht mögen.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich. Ich mag ihn deswegen. Ich bin kein Western-Fan. Wollen wir mal in unsere Top-Liste springen?
Johannes Franke: Sollen wir in unsere Top-Liste springen? Okay. Unsere Top 3. Und los geht's. Was haben wir denn am Top 3?
Florian Bayer: Top 3, the clock is ticking. Tick, tack, tick, tack. Ich glaube, wir haben schon mal über Echtzeit-Filme geredet, als wir Victoria hatten bestimmt.
Johannes Franke: Achso.
Florian Bayer: Deswegen habe ich nicht Echtzeitfilme genommen, aber Clock is Ticking ist natürlich, Echtzeitfilme bieten sich dann auch irgendwie an. Ja, absolut. Filme, in denen Zeit eine Rolle spielt. im besten Fall in den Uhren gezeigt werden, aber vielleicht auch einfach in denen das Zeitdruck da ist.
Johannes Franke: So dolle. Weil es gibt ja den großen Trope des Ticking Time Bomb.
Florian Bayer: Oh ja, genau.
Johannes Franke: Also dass man wirklich die Handlung vor allem dadurch spannend macht und vorantreibt, manchmal ein bisschen lazy. einfach zu sagen, okay, bis dahin muss es fertig sein. Die Uhr geht los und jetzt hast du genau fünf Stunden, um dieses Rätsel zu lösen oder sowas.
Florian Bayer: Und es ist immer bei einer Sekunde vorbei. Ich muss immer ganz knapp sein.
Johannes Franke: Immer ganz, ganz knapp. Ach, lass uns mal einen Film machen, wo wir noch... komfortabel drei Stunden Zeit hat am Ende und dann sagt, hm, was wollen wir denn jetzt?
Florian Bayer: Lass uns einen langweiligen Film machen.
Johannes Franke: Tolle Idee. Also was ist dein Platz 3? Mein Platz 3 ist every fucking Doctor Who Episode. Scheiße, ja, bestimmt. Es gibt ganz tolle Beispiele dafür bei Dr. Who. Manchmal ist es ein bisschen reingepfropft und man denkt sich, ja okay, das ist jetzt das Mittel, um diese Episode spannend zu gestalten, aber es gibt auch wirklich gute Varianten davon. Es gibt die erste Episode von meinem Lieblingsdoktor, fängt schon so an. Also es gibt einfach auf der Erde einen... Ein Alien, das sich als Mensch tarnt oder mal als Hund tarnt und dann kommen Aliens von außen, weil das eigentlich ein Gefangener ist, den sie, der ausgebrochen ist. Und die Aliens von außen drohen die Welt zu zerstören wenn der sich nicht selber ergibt
Florian Bayer: Und dann läuft der Countdown.
Johannes Franke: Und dann läuft der Countdown.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: So, und jetzt müssen wir schnell genug diesen Gefangenen finden und ihn den Aliens übergeben, damit die Aliens nicht die Eltern. zerstören.
Florian Bayer: Und wann endet der Countdown? Bei eins?
Johannes Franke: Natürlich ist es sehr knapp. Was glaubst du denn? Ja. Du bist dran.
Florian Bayer: Mein Platz 3, auch eine Serie. 24, 24, aus dem Jahr 2001. Eine Serie, die gerade so in dieses, der Start der großen Serienbooms mit Sopranos reingefallen ist. Ein bisschen zu früh vielleicht dafür, um davon richtig zu profitieren. Mit Kiefer Satterlend als FBI-Agent, der ein bevorstehendes Attentat aufklären muss. Und auf den Präsidenten und der 24 Stunden Zeit hat. Eine Staffel dauert 24 Stunden. Wir sehen 24 Stunden unseren Protagonisten und andere Protagonisten und es gibt ganz oft diese Split Screens, wo dann gezeigt wird, dass er sich ausruht zum Beispiel. Dann liegt er da und dann haben wir einen Splitscreen auf ihn, wie er schläft und dann wird halt irgendwo anders die Handlung weitererzählt. Und dann wird irgendwann wieder zu ihm und dann wird er wach. Aber es sind einfach mal ein Mann, der 24 Stunden wach ist. Und es ist... Also es ist eine super Serie. Es gab mehrere Staffeln. Acht Staffeln gab es davon. Shit. Ich habe zwei Staffeln gesehen und es ist schon länger her. Also es spielt dann acht Tage. Nein, eine Staffel ist abgeschlossen. Auf jeden Fall sehenswert und vielleicht auch für so einen Rewatch sehenswert mit Kiefer Sutherland.
Johannes Franke: Ich dachte immer, es wäre ein Film gewesen. Ich wusste gar nicht, dass es eine Serie ist. Ah, ignorant. Okay, ich hätte auf meinem Platz zwei das wunderbare Szenario von Dark Star am Ende. Uh. Wenn sie dann ins Philosophische abrücken und es dann irgendwie... Weil entweder sie explodiert oder explodiert nicht und man muss sie entweder überreden, nicht zu explodieren oder...
Florian Bayer: Ja, die verrückte Zeitbombe, die philosophiert über sein und das nichts. Großartig.
Johannes Franke: Es ist wirklich ein toller Film. Ich habe nicht damit gerechnet, muss ich sagen, damals, als du mir den gegeben hast.
Florian Bayer: unsere Anfangszeit. Einer der frühen, muss man sehen, Filme.
Johannes Franke: Aber war sehr schön. Hört euch die Episode an. Macht sehr viel Spaß.
Florian Bayer: Und schaut euch den Film an.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei, Donnie Darko, wo ein Hase unserem Protagonisten sagt, dass in drei Tagen die Welt untergeht. Und von da an tickt die Uhr und wir wissen nicht genau, was passieren wird. Das ist eine Uhr, die sehr lange tickt.
Johannes Franke: Und glaubt man einem Hasen? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ja, er glaubt dem Hasen und es deutet sich auch alles an, dass irgendwas Schlimmes passieren wird. Der Zeitdruck ist subtiler in dem Film, aber er ist permanent vor allem fürs Publikum spürbar.
Johannes Franke: Ja, da fällt mir der, den habe ich nicht aufgeschrieben, aber da passt natürlich auch volle Kanne rein, wo dann der Planet in die Erde reinkracht.
Florian Bayer: Melancholia?
Johannes Franke: Melancholia, genau. Aber gut, honorable mention, tadaa. Ich habe auf Platz 1 Back to the Future. Genau um 10.04 Uhr kommt der Blitz.
Florian Bayer: warum muss es bei uns immer so knapp sein? Sagt Marti, glaube ich, im dritten Teil irgendwann mal.
Johannes Franke: Ach, wie schön. Und wenn du dann nicht genau um die Zeitdruck bist, hast du wirklich gehabt.
Florian Bayer: Ja, großartig. Wirklich eine tolle Zeitdruck-Szene. Absolut. Ganz fantastisch. Mein Platz 1 und den müssen wir irgendwann mal besprechen. Lola rennt.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Der habe ich auch aufgeschrieben, aber nicht platziert.
Florian Bayer: Lula hat 20 Minuten Zeit, das Geld für ihren Freund zu finden, sonst wird der von Gangstern erschossen und sie rennt los, quer durch Berlin. Und das Ganze dann dreimal. Großartiger Film, wirklich guter Film, also sehr 90s und ich glaube auch so sehr viel 90s Gs und 90s Techno, der vielleicht nicht mehr ganz so... vielleicht ein bisschen veraltet wirkt, wenn man es heute guckt, aber Tom Tick war. Tom Tick war.
Johannes Franke: Und der hat ihn doch irgendwie dann überhaupt in Stardom hineingekatapultiert, oder? Absolut.
Florian Bayer: Der Film war auch ein Hitter Im Ausland, der war auch ein Amerikan-Hit.
Johannes Franke: Ja, total. Der taucht auch auf ganz, ganz vielen Listen, amerikanischen Listen auf. Run, Roller, Roller, Run heißt er da.
Florian Bayer: Und genau, Tom Tikva hat es geschafft, mit experimentellen Filmen ein großes Publikum anzuziehen. Das muss einem auch erstmal gelingen.
Johannes Franke: Absolut, ja. Sehr, sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Ja, schön. Coole Listen.
Johannes Franke: Schön. Cool. Dann gehen wir wieder zurück in unseren Film, wo die Bombe nicht explodiert. Wo der Zug kommt, eventuell.
Florian Bayer: Wo der Zug ankommt.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Es ist so banal. Es sind nur drei Gangster. Ich meine, es geht darum, dass drei Gangster einen Sheriff, der keinen Bock mehr hat, umbringen wollen. Und trotzdem sind wir voll gefesselt.
Johannes Franke: Es ist wirklich toll gemacht, weil es einfach mehr psychologisch ist und viel mehr um die menschliche Tragödie drum herum gespinnen wird, als jetzt ganz normaler Western, der irgendwie einfach... Zwei Leute gegenüberstellt, wer zieht als erstes. Das ist mein Trope in meinem Kopf für Western. Deswegen will ich mir Western anschauen, um zu gucken, ob das wirklich einfach nur darum sich dreht.
Florian Bayer: Es wird ja wirklich nur gequatscht in dem Film. Es gibt diese eine Schlagszene, wo sie sich prügeln.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann diesen Shootout, der auch nicht sonderlich lange dauert. Und sonst ist es einfach... Menschen, die sich miteinander unterhalten, Menschen, die besorgt schauen und vor allem Gary Cooper, der durch diese Stadt geht und irgendwie mehr und mehr und mehr und mehr verzweifelt.
Johannes Franke: Nur um das mal zu sagen, Gary Cooper, toller Schauspieler, der hat in den Stummfilmzeiten angefangen, der ist ja schon ein bisschen älter auch in diesem Film. Und hat sich in den Stummfilmzeiten, wie man so sagt, dass die Stummfilmzeiten total überacted sind und dass man wahnsinnig expressiv spielt und so. Und er war einer derjenigen, die festgestellt haben, dass er reichlich lächerlich aussieht, wenn er das tut. Und hat sich selbst sozusagen durch Anschauen seiner eigenen Filme beigebracht, möglichst wenig zu spielen. Ich finde die eine super süße Geschichte, weil das ist das, so eine Selbstkorrektur. Angucken, okay, nicht so geil. Und das steht für mich total für diese Zeit, weil... Das hat die Filmwelt genau in der Zeit genauso gemacht. Er als Person, aber auch die Filmwelt hat versucht rauszufinden, wie machen wir das denn auf diesem Medium, wie expressiv oder nicht expressiv. Sind wir, dürfen wir es sein, dürfen wir es nicht sein? Deswegen gibt es immer mal wieder, wir hatten auch über das Thema Buster Keaton mal gesprochen, Es gibt immer wieder Leute aus der Schwimmfilmzeit, die eben nicht so expressiv gespielt haben. Aus dem Grund, dass alle erstmal versucht haben, probiert haben. Was müssen wir denn für Filme machen? Wie muss das Schauspiel aussehen? Und wir haben uns irgendwann so eingefuchst und auch heute gibt es Leute, die expressiver sind, aber so expressiv für den 20ern sind wir nie wieder geworden, glaube ich. Das würden wir auch nicht annehmen als Zuschauer.
Florian Bayer: Nein, das wäre schwierig. Es gibt glaube ich Filme, in denen man das machen kann. Bei bestimmten RegisseurInnen ist das möglich, aber... Bei Terry Gilliam kann man das machen.
Johannes Franke: Ja, zum Beispiel. Gary Cooper eben als Figur, als Schauspieler wahnsinnig interessant. Der hat auch in dem Film kein Make-up getragen, also kaum. Haben sie ihn weggenommen, damit er auch so fertig aussehen kann.
Florian Bayer: 50 war er zu dem Zeitpunkt.
Johannes Franke: Genau, während Grace Curley 21 war.
Florian Bayer: Stimmt, die haben noch gar nicht gesagt, wie... Aber sie ist so bezaubernd. Sie ist toll, ja.
Johannes Franke: Oh Mann, Chris Kelly. Also man war sich nicht so einig, ob es jetzt eine wirklich gute Schauspielleistung abgeliefert hat. Man sagte so, sie sei sehr hölzern. Aber ich weiß nicht, kann ihn nicht so bestätigen.
Florian Bayer: Ich finde es passt gut zu dieser Quäkerin, die Gewalt ablehnt und versucht damit klar zu kommen, was ihr Mann gerade macht. Gary Cooper wurde mit dem Oscar ausgezeichnet für 12 Uhr mittags.
Johannes Franke: Super, sehr gut. Und Gary Cooper war furchtbar krank beim Film, beim Dreh. Er hatte Rückenschmerzen, diese Szene, die sie gedreht haben mit dem Kampf mit dem anderen Typen.
Florian Bayer: Man sieht sie ihm auch an. Und es tut dem Film gut, es tut der Rolle gut, dass er so leidend aussieht.
Johannes Franke: Zehn Jahre später ist er gestorben.
Florian Bayer: Zehn Jahre später ist er gestorben und er war aber auch tatsächlich, also er war es gewohnt körperlich was zu machen für die Filme, weil er hat auch als Stuntman gearbeitet. Und er hat viel diese abenteuernden Western-Filme getreten, war dann eher jemand, der seine Action auch wirklich selbst gemacht hat, weil er diese Stuntman-Erfahrung hatte aus der guten alten Hollywood-Zeit.
Johannes Franke: Und was ich Gary Cooper auch zugute halten will, ist, dass er sich immer für Formen ausgesprochen hat. Also er hat immer ihn verteidigt und hat gesagt, ja was macht der hier? Natürlich, der hat auch gedroht aufzuhören zu drehen, wenn sie ihn da aus den Credits rausnehmen. Also er hat wirklich sich auch dafür eingesetzt. Das fand ich schon gut.
Florian Bayer: Aber Gary Cooper war ein alter Konservativer.
Johannes Franke: Absolut. Ansonsten war er wirklich auch Jemand, mit dem ich mich wahrscheinlich heute nicht anfreunden wollen würde.
Florian Bayer: Der war übrigens auch vor diesem Komitee. Der hat auch vor diesem Komitee ausgesagt, aber als Zeuge. Also nicht als Zeuge. als Beschuldigter, sondern tatsächlich als jemand, der was zum Kommunismus in den USA sagen kann. Und der hat dann auch gemeint, ja, ich habe da einiges gehört, was sich kommunistisch anhört. Mhm. Und das ist einiges unpatriotisch, was da geredet wird, gerade so in diesen Künstlerkreisen. Und dann haben sie gesagt, kannst du uns Namen nennen? Und dann hat er gesagt, nö.
Johannes Franke: Besser als John Wayne. John Wayne hat nämlich einen Haufen Namen genannt. Der war ja kaum zu bremsen. Der wollte ja richtig durchschlagen. Und dann hat er später sich rausgeredet und hat gesagt, wie jetzt Berufsverbot, ich habe nur Namen genannt, ich habe ja selber keine Blacklist geführt. Das waren andere. Und man sich dann denkt, Alter, Faschloch.
Florian Bayer: gesagt, also später gesagt, in dieser Scheißzeit, in der sich alle von mir abgewandt haben, war Gary Cooper, einer der wenigen, der zu mir gehalten hat. Der war nämlich der, der Der zu Kramer gesagt hat, du kannst den Namen von Formen nicht komplett aus diesem Film rausnehmen. Wenn du das machst, dann bin ich weg.
Johannes Franke: Das ist super.
Florian Bayer: Ja, standhaft. So wie seine Figur.
Johannes Franke: Ja, so wie seine Figur, genau. Und hatten Gary Cooper und Grace Kelly jetzt eine Affäre oder nicht?
Florian Bayer: Gossip. Scheiß drauf.
Johannes Franke: Ja komm, dafür sind wir auch da. Los, los, los.
Florian Bayer: Also, ich weiß nicht, ja. 30 Jahre Unterschied. Dieses Schönheitsideal der 40er und 50er großen Schauspielerin ist überhaupt nicht mein Schönheitsideal. Aber Grace Kelly ist eine der wunderschönsten Frauen aller Zeiten.
Johannes Franke: Ja, aber das beantwortet die Frage nicht.
Florian Bayer: Nein, ich will die Frage nicht beantworten. Ich will einfach von Grace Kelly schwärmen.
Johannes Franke: Ja, Grace Kelly war toll. Das ist nicht der erste Film von Grace Kelly. Das ist der zweite Film. Man vergisst oft, ihren Debütfilm 14 Hours 1951, ein Jahr vorher. Das ist ein weniger bekanntes Drama. Da hat sie eine kleine Rolle gespielt.
Florian Bayer: Kommen wir mal zum Fazit von diesem. Ich glaube, wir haben schon sehr viel vorweggenommen.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dir hat der Film gefallen. Mir hat der Film gefallen, tatsächlich. Yeah! Und ich bin besonders zufrieden, wenn es ein Film ist, von dem ich nicht viel erwartet habe. Weil natürlich, ich kriege ein Western von dir vor den Platz geknallt und ich denke mir, ja okay. Wann können wir endlich zu meinem Film kommen? Und dann gucke ich mir den Film an und denke, wow, okay, geil. Sehr, sehr gut. Und auch Themen, die ich nicht erwartet habe aus der Zeit und so. Es ist schon wirklich, wirklich schön. Ich habe mich sehr gefreut darüber.
Florian Bayer: Ich habe diesen Film schon immer geliebt, auch wegen seiner, weil er halt Weil Gary Cooper so wirklich fertig ist in diesem Film. Ich mag dieses Erzählen des Scheiterns. Ich fand's jetzt krass nochmal, weil so tief wie für diese Episode habe ich mich vorher nie mit dem Film auseinandergesetzt. Ich fand's krass, wie viel man da noch reinlesen kann, was so... Also in die Richtung Revolutionist-Western geht, Anti-Western. Wo wirklich, wo nicht einfach nur ein Film ist, der besonders ist, sondern der auch wirklich mit Tropes bricht. Und krasse Sachen mit seinem vermeintlichen Helden macht. Und das dann, wie du schon gesagt hast, ist das i-Tüpfelchen natürlich, dass dann auch noch der Drehbuchautor aufweist. von dieser McCarthy-Ära war und man wunderbar dieses extrem kritische Gegenüber Amerika da reinlesen kann.
Johannes Franke: Ja, das ist super.
Florian Bayer: Fantastischer Film. Einer meiner absoluten Lieblingswestern. Als Nicht-Western-Fan sag ich das. Aber ich glaube, wenn ihr Genre-LiebhaberInnen seid, dann habt ihr den Film sowieso gesehen, weil der steht ja auch wieder... auf jeder Liste der essentiellen Western drauf.
Johannes Franke: Wobei man sagen muss, dass es durchaus von Genre-Fans eher reservierte Begegnungen damit gibt.
Florian Bayer: Ja, zu viel Gequatsche, zu wenig Western-Dropes.
Johannes Franke: Ja, genau. Na gut.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche aufgibt und euch auch, Wie immer gilt, guckt euch den Film an, bevor ihr uns hört. Dann bleibt noch kurz dran, das gibt es nämlich nach dem Jingle. Ansonsten vielen Dank, Johannes, dass du den Film gesehen hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, Plo, für den Vorschlag. Ich fand es ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Ich bin immer glücklich, wenn es von mir gefallen ist. Und euch vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Ja, bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche. Und hört euch nochmal den Jingle an. Dann sagen wir euch, was es nächste Woche gibt.
Florian Bayer: Bis dahin. Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Soplor, ich hab da noch was für dich. Was hast du für mich? Wir werden das nächste Mal, weil ich so ein bisschen von dem Western angefixt bin, Etwas bekommen, wo ich auch so ein bisschen in Western drin sehe, aber vielleicht die bessere Version von Western, das werden wir das nächste Mal besprechen. Oh, ja. Nur von der Erinnerung, vom Gefühl her, fand ich Fargo damals sehr westernartig. Ja. Aber sehr verschneit und sehr düster einfach von der Atmosphäre her und trotzdem sehr lustig. Lass uns über Fargo reden. Wann hast du das letzte Mal Fargo gesehen?
Florian Bayer: Das dürfte schon länger her sein. Auf jeden Fall sehr amerikanisch. Also das habe ich auch in Erinnerung, dass das ein sehr amerikanischer Film ist, aber die Cones sind ja immer ganz gut drin, die dunklen Seiten Amerikas zu zeigen.
Johannes Franke: Aus dem Jahr 1996. Schaut euch alle nochmal Fargo an von den Coen-Brüdern und wir hören uns nicht so weiter.
Florian Bayer: Cool, ich freue mich drauf. Bis dann.
Johannes Franke: Bis dann.
