Episode 274: Hair (1979) – Love, Peace and two very different Opinions
New York, 1967. Peak Hippie! Im Januar hat ein großes Human Be-In San Francisco zum Zentrum des Hippietum gemacht, das Time Magazine veröffentlicht einen großen Leitartikel, der sich mit der Hippie-Kultur auseinandersetzt und Woodstock lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Und dann sind da diese beiden Broadway-Schauspieler, die ein Musical über die Bewegung machen. Hair popularisiert als vielleicht erstes großes Rock-Musical die Hippies, sorgt für so manchen kleineren und größeren Skandal und füllt die Hallen der Musiktheater. Ein ebenso überraschender wie folgerichtiger Erfolg.
Hollywood 1979. Der Vietnamkrieg ist vorbei, die Mansons haben Amerika schockiert, und die Hippiekultur hat lange Platz gemacht für Disco, Punk und Metal. Und dann ist da dieser tschechische Regisseur, Milos Forman, der das Musical Hair zehn Jahre nach dem Hippieboom von der Bühne auf die Leinwand holt. Die Songs behält er bei, aber der ursprünglich sehr losen, episodischen Handlung des Konzeptmusicals verpasst er eine dramaturgische Generalüberholung:
In seinem Film geht es um das amerikanische Landei Claude, der, bevor er eingezogen wird, ein paar Tage in New York verbringt. Dort trifft er auf die Hippie-Clique des charismatischen Berger und verliebt sich obendrein in Sheila, eine junge Frau aus besserem Haus. Die Hippies helfen ihm, die Aufmerksamkeit der Angebeteten auf sich zu ziehen und gemeinsam erleben sie eine Zeit von Sex, Drugs, Rock & Roll, Peace und Love. Bis die Realität – und das amerikanische Militär – Claude zurückfordern. Doch einen letzten Moment der Freiheit darf er vor seinem Trip nach Vietnam noch genießen, wenn Berger mit ihm kurz die Rollen tauscht und seiner statt im Militärlager spalier steht. Dumm nur, dass es genau in diesem Moment in den Krieg geht. Der unbeholfene Hippie muss nach Vietnam und am Schluss bleibt von ihm nur ein weißer Grabstein auf dem Soldatenfriedhof, wie es in dieser Zeit viel zu viele gab.
Ich habe Hair als junger Mann sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand gesehen. Und obwohl ich nie ein Hippie war, haben mich beide Versionen damals sehr bewegt, selbst über 20 Jahre nach der Peak-Hippie-Zeit. Johannes, hast oder hattest du irgendwann mal in deinem Leben einen Bezug zur Hippiekultur?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 274: Hair (1979) – Love, Peace and two very different Opinions Publishing Date: 2026-04-01T08:29:34+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/04/01/episode-274-hair-1979-love-peace-and-two-very-different-opinions/
Florian Bayer: Es ist halt auch viel Vibes. Und das ist das, was das Musical im Kern fast komplett ist. Und das fand ich wieder geil.
Johannes Franke: Oh nein Long as God can grow it
Florian Bayer: Wir haben irgendwann mal beschlossen,
Johannes Franke: dass wir dich nicht mehr singen lassen, Floor. Tut mir leid, dann bist du jetzt dran. Das wird nicht besser. Herzlich willkommen hier zum Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Songs an den Kopf werfen und uns gegenseitig Filme geben. Und eigentlich ist Johannes der Musical-Filmlieferer. Genau. Und entsprechend... Dadurch, dass ich nicht das Musical liefere, liefert Plora das schlechteste Musical aller Zeiten.
Florian Bayer: Ich habe es befürchtet,
Johannes Franke: dass du das sagst.
Florian Bayer: Um da schon mal klar zu machen, auf welcher Linie ich stehe. Oh, wir werden heute viel streiten, offensichtlich. Wir reden heute über Hair, sowohl über den Film aus den Jahren 1979. als auch über das Musical aus dem Jahre 1967 auf Broadway und 1968 Broadway.
Johannes Franke: Wobei ich so viel darüber nicht habe, über das Musical auf der Bühne. Dann musst du da viel reinhauen.
Florian Bayer: Mach ich gerne. Ich habe das Musical nämlich tatsächlich auch auf der Bühne gesehen.
Johannes Franke: Nein, wirklich?
Florian Bayer: Ja, vor sehr vielen Jahren als Jugendlicher.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Eine deutsche Inszenierung. Logischerweise. Ich war nicht in den USA dafür.
Johannes Franke: Aber das erklärt so ein bisschen, dass du den Film vielleicht besser findest, als er ist. Also das werden wir gleich mal erzählen.
Florian Bayer: Ich, ähm... Ich finde, es gibt sogar Gründe dafür zu sagen, dass der Film Momente hat, die besser sind als das Musical, als die Bühnenvorlage. Aber dazu werden wir alles kommen. Wir reden heute über Hair und ich werde einen kleinen Einstiegstext abliefern. Ja, New York 1967. Peak Hippie. Im Januar hat ein großes Human Being San Francisco zum Zentrum des Hippietums gemacht. Das Time Magazine veröffentlicht einen großen Leitartikel, der sich mit der Hippiekultur auseinandersetzt und Woodstock lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Und dann sind da diese beiden Off-Broadway-Schauspieler, die ein Musical über die Bewegung machen. Herr popularisiert als vielleicht erstes großes Rockmusical die Hippies, sorgt für so manchen kleinen und größeren Skandal und füllt die Hallen der Musiktheater. Ein ebenso überraschender wie folgerichtiger Erfolg. Hollywood 1979. Der Vietnamkrieg ist vorbei, die Mansons haben Amerika schockiert und die Hippiekultur hat lange Platz gemacht für Disco, Punk und Metal. Und dann ist da dieser tschechische Regisseur. Milos Forman, der das Musical Herr zehn Jahre nach dem Hippie-Boom von der Bühne auf die Leinwand bringt. Die Songs behält er bei, aber der ursprünglich sehr losen episodischen Handlung des Konzept-Musicals verpasst er eine dramaturgische Generalüberholung. In seinem Film geht es um das amerikanische Land-Ei Claude, der, bevor er nach Vietnam eingezogen wird, ein paar Tage in New York verbringt. Dort trifft er auf die Hippie-Klicke des charismatischen Berger und verliebt sich obendrein in Sheila, eine junge Frau aus besserem Haus. Die Hippies helfen ihm, die Aufmerksamkeit der Angebeteten auf sich zu ziehen und gemeinsam erleben sie eine Zeit von Sex, Trucks, Rock'n'Roll, Peace und Love. Bis die Realität und das amerikanische Militär Claude zurückfordern. Doch einen letzten Moment der Freiheit darf er vor seinem Trip nach Vietnam noch genießen, wenn Berger mit ihm kurz die Rollen tauscht und seiner Stadt im Militärlager Spalier steht. Dumm nur, dass es genau in diesem Moment in den Krieg geht. Der unbeholfen Hippie muss nach Vietnam. Und am Schluss bleibt von ihm nur ein weißer Grabstein auf dem Soldatenfriedhof, wie es in dieser Zeit viel zu viele gab. Ich habe Herr als junger Mann sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand gesehen. Und obwohl ich nie ein Hippie war, haben mich beide Versionen damals sehr bewegt. Selbst über 20 Jahre nach der Peak-Hippie-Zeit. Johannes, hast oder hattest du irgendwann mal in deinem Leben irgendeinen Bezug zur Hippie-Kultur?
Johannes Franke: Ich hatte auf jeden Fall einen Bezug zur Hippie-Kultur. Einfach aus der Sache heraus, dass ich auch mal jung war. Also ich meine, natürlich mit 16 denkt man sich, yeah, das war die beste Bewegung der Welt. Wie geil.
Florian Bayer: Wirklich, aber du warst ja nicht 1968 jung, sondern du warst 1996, 1997 jung, wenn wir vom Teenager-Alter ausgehen.
Johannes Franke: Es gab in Leipzig, ich weiß nicht, wer das noch kennt, eine Kette, die Kleidung vertrieben hat, die hieß Mississippi.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also Mrs. Hippie. Und das zeigt das auch in den 90ern. Mit Schlaghosen, was aus den 80ern kam, dann wiederum aber eigentlich aus den 60ern kam. Ein Revival, natürlich. Das gab es total in der Zeit.
Florian Bayer: Wie witzig, weil ich hatte das überhaupt nicht. Also in meiner Jugend waren die Hippies eher so ein Witz der Geschichte.
Johannes Franke: Ja, der Witz der Geschichte sind die sowieso immer gewesen. Ja,
Florian Bayer: vollkommen zu Unrecht. Aber dazu kommen wir noch. Aber ich hatte eine Freundin und deren... Die Eltern waren sowas wie Althippies, die waren jetzt nicht so krass hipp, aber die haben die Musik gehört, die sahen auch so ein bisschen so aus, so sehr viel Bartik und sehr viel wallende Gewänder. Und das war eher so eine Merkwürdigkeit, eine Skurrilität. Und die haben halt auch dann sowas gehört wie Cat Steele. Stevens und Beatles und damals als junger Mann, der eher Kurt Cobain angebetet hat, fand man das eher skurril.
Johannes Franke: Du warst eher der Grunge-Typ, oder?
Florian Bayer: Ich war eher der Grunge-Punk-Metal-Typ, so um den Dreh.
Johannes Franke: Also ich mochte das schon. Cat Stevens habe ich rauf und runter gehört und der passt schon wirklich in die Zeit. Und die Beatles nun wirklich, also du bist auch Beatles-Fan.
Florian Bayer: Ich liebe die Beatles. Ich mag Cat Stevens überhaupt.
Johannes Franke: Ja, das ist dein persönliches Failure. Aber ich liebe Cat Stevens und die Beatles und insofern bin ich da schon auch volle Kanne drin musikalisch. Aber ich muss sagen, die ganzen sehr psychedelischen Variationen davon kann ich mir mal als Sensationslust anschauen und anhören, aber eigentlich nicht.
Florian Bayer: Aber wie war es in deiner Jugend? Weil in meiner Jugend hätte ich die Beatles nicht mit der Kneifzange angefasst. Nein, das waren alte Säcke. Das war Musik für alte Menschen. Das stimmt, das waren alte Säcke. Von alten Menschen.
Johannes Franke: Vor allem, weil... unsere Musiklehrerin uns verzweifelt hat, versucht hat, das beizugeben und zu sagen,
Florian Bayer: wir müssen doch, das ist doch großartig, die besten Musiker der Welt. Aber das habe ich dann schon auch festgestellt, dass es wirklich die besten Musiker der Welt waren. Wir hatten einen Musiklehrer, Herr Morgen, der war immer in Sandalen unterwegs, weil er war Motorradfahrer. Das heißt, er hatte diese festen, krassen Motorradstiefel in der Schule halt immer abgelegt und deswegen immer Sandalen getragen. Der hat Texte, englische Texte aus seiner Zeit und auch so ein bisschen später auf Deutsch übersetzt. Und wir haben bei ihm sowas gesungen wie Let it be in der deutschen Variante. Let it sein, let it sein. Und teilweise noch viel Schlimmeres. Wir haben irgendeinen Cocaine-Song, ich weiß gar nicht mehr welchen, den haben wir auch in der deutschen Übersetzung gesungen. Und das war damals mein Kontakt dazu. Und deswegen war es halt auch immer eher so Musikunterricht-Musik. Das war das, wovon die Alten dir sagen, musst du hören. Und du guckst es an und sagst so, ja, aber... Nein. Okay,
Johannes Franke: Boomer.
Florian Bayer: Wir haben sie noch nicht Boomer genannt, aber sie waren Boomer.
Johannes Franke: Aber ich muss sagen, ich habe das schon schnell. Ich bin da sehr stolz auf mich, dass ich auch das schnell mitbekommen habe, dass das eigentlich gute Musik ist.
Florian Bayer: Kannst du auch sein, weil die Hippie-Zeit hat wirklich großartige Musik gebracht. Und über die Hippies als Subkultur wurde spätestens mit den Punks, aber auch schon mit den Poppern in den 80ern, über die wurde sehr viel gelästert, über die wurde Hass ausgeschüttet. Die Hippies waren... Ab einem gewissen Punkt wirklich so ein kultureller Witz. Und wer Althippie war, der war halt wirklich Althippie.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und ich finde das ein bisschen ungerecht, weil die Hippiekultur, die hatte einen immensen Einfluss auf die amerikanische Kultur.
Johannes Franke: Total, ja.
Florian Bayer: Seit den 60ern. Und die Hippiekultur hat auch wirklich Interessantes hervorgebracht und hat nicht nur die Kultur Amerikas geprägt, sondern auch weltweit und auch viel zum Guten. Also gerade so Gedanken wie, also die ganze Friedensbewegung ist ohne die Hippies nicht denkbar.
Johannes Franke: Ja, klar.
Florian Bayer: Die Art, wie wir mit Drogen umgehen, wie wir Drogen anders betrachten, als diese Verteuflung ist, ohne die ist nicht denkbar. Und natürlich auch die ganzen Gedanken von freier Liebe und freier Sexualität, das hat nicht da den Anfang gefunden, aber wurde da popularisiert.
Johannes Franke: Natürlich ist es ja auch ein Befreiungsschlag und natürlich nerven Leute erstmal, die einen Befreiungsschlag versuchen, vor allem, weil sie auch oft übers Ziel hinausschießen. Aber trotzdem, ich finde den Witz trotzdem noch lustig, den sie im Grunde in der Geschichte einnehmen. Aber es ist nicht wegzureden, dass sie wahnsinnig viel bewegt haben und wahnsinnig wichtig waren dafür. Umso böser bin ich auf den Film.
Florian Bayer: Ah ja, das ist ja auch tatsächlich ein Staple nicht nur vom Film, sondern auch vom Musical. Das Musical wurde extrem positiv rezipiert. Wer dieses Musical nicht mochte, waren die Leute, die am ehesten Kontakt zur Hippie-Bewegung hatten. Namentlich so Leute wie John Lennon, der gesagt hat, das ist Schund.
Johannes Franke: Naja, aber ich meine die beiden, die das eigentlich gemacht haben auf der Bühne. Die waren Hippies.
Florian Bayer: Die waren voll die Hippies, um ihre Namen einmal zu nennen. Das heißt,
Johannes Franke: die waren First-Hand-Experience.
Florian Bayer: Absolut. Jerome Ragney und James Rado, die sich auf Broadway kennengelernt haben als Schauspieler und die offensichtlich auch so nicht nur ihre eigenen Erfahrungen, sondern auch ihre Persönlichkeiten in den beiden Hauptprotagonisten des Stückes verarbeitet haben. Nämlich zum einen der eher introvertierte, voller Zweifel steckende Claude und zum anderen der sehr extrovertierte, sehr charismatische Burger.
Johannes Franke: Ja. Ich weiß nicht genau, wie das auf der Bühne ist, aber man muss ja sagen, dass im Film die Figuren, also kaum eine Figur sympathisch ist.
Florian Bayer: Findest du? Lass uns gleich zum Film kommen. Du darfst auch gleich ganz viel über den Film lästern, aber lass uns kurz noch bei der Geschichte und beim Musical bleiben.
Johannes Franke: Total gerne, aber worauf es hinausläuft ist, ist das denn im Musical auch so? Weil ich habe das Gefühl gehabt, dass es im Musical, zumindest in der Recherche, habe ich das Gefühl gehabt, dass die gar nicht so viel Charakter hatten.
Florian Bayer: Im Musical haben die Personen kaum Charakter. Im Musical charakterisieren sich die Personen hauptsächlich durch ihre Lieder, die auch im komplett anderen Kontext als im Film stehen. Und vor allem das Musical hat keine Handlung. Das war ein Konzeptmusical und das war damals auch ein relativ neues Ding, dass ein Musical nicht so eine elaborierte Geschichte erzählen muss, die mit Musik untermalt wird, sondern dass Gedanken, Themen und Motive irgendwie zwischen Text und Musik... Musik ausgedrückt werden. Sprich, das Musical ist einfach mal 90 Minuten, zwei Stunden oder drei Stunden, je nachdem, was für eine Aufführung man guckt. Es ist einfach mal Hippies, die zusammen Drogen nehmen, die zusammen Sex haben, die zusammen politische Reden schwingen und die sich darüber streiten und sich darüber Gedanken machen, wie es mit ihrem Leben weitergeht.
Johannes Franke: Ich hätte dieses Musical gerne damals gesehen.
Florian Bayer: Also ich weiß nicht,
Johannes Franke: wie es heute ist. Es gibt bestimmt auch genug Leute,
Florian Bayer: die puristisch sind und sagen,
Johannes Franke: ja, wir müssen es genauso auf die Bühne stellen, wie es damals passiert ist. Obwohl es sich damals eben auch immer wieder entwickelt hat. Ja,
Florian Bayer: das wurde extrem verändert. Von Off-Broadway zu Broadway war es ein Riesenschritt.
Johannes Franke: Nicht nur das, sondern auch von Vorstellung zu Vorstellung. Die haben ja wirklich weiter geschrieben und weiterentwickelt und weitergemacht. Und von Anfang an haben die irgendwie auch offenbar auch das Publikum mit auf die Bühne geholt am Ende, sodass es ein Riesenparty war.
Florian Bayer: Ich finde, dieses Musical klingt total gut. Das Musical ist auch geil. Also ich habe, wie gesagt, ich habe eine Inszenierung gesehen im Jahr 1998 vielleicht, vielleicht 99. Oh, okay. So irgendwie um den Trier, als Jugendlicher,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Aber wir wissen, das war schon so die post-dramaturgische Zeit. Das war irgendwie wie die Zeit der Castors und so. Aber ich habe eher so eine züchtige Variante davon gesehen, um das gleich dazu zu sagen. Ich weiß nicht genau, wie es mit Nacktheit war. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern.
Johannes Franke: Das war ja von Anfang an ein Konzept, ne? Es wurde viel gezeigt.
Florian Bayer: Ja, je nachdem, wo es aufgeführt wurde. Es war ein Riesenthema und das Ding wurde durchzensiert, je nach Land. Und je nach Land, wo man das Ding gesehen hat, gab es mal mehr, mal weniger Schamhaar zu sehen. In England war es wohl ganz krass. In England gab es einen riesigen Zensurskandal mit Protesten dagegen. Und die Gesetzesänderungen dann im Nachhinein. Wirklich mit Bezug auf dieses Musical und so weiter. Aber schön, dass es sowas anstoßen konnte. Ja,
Johannes Franke: großartig.
Florian Bayer: In Deutschland haben sie offensichtlich damit gespielt, mit diesem Witz, dass so viel zensiert wurde und haben Zensurbalken auf die Bühne gebracht und so. Und damit gearbeitet. In Amerika haben sie die Nacktheit gezeigt. Das ist auch das, was bei den amerikanischen Aufführungen für einige Proteste gesorgt hat. Es gab gerade von rechts und von Konservativen, gab es auch wirklich harte Morddrohungen und sowas gegen das Musical. Also diese Right-Wing-Snowflakes, die sehr leicht aus der Ruhe zu bringen sind, die gab es damals auch schon. Genau, wegen der Nacktheit, wegen der obszönen Sprache, natürlich wegen der anti-amerikanischen Aussage vermeintlich, weil gegen den Vietnamkrieg und so weiter. Was ganz witzig ist, weil die Hippies sich ja immer als absolute Patrioten verstanden haben. Also Hippies mit Amerika-Flagge wild schwenken und zu sagen, God bless this country, das ist... Gehört eigentlich dazu.
Johannes Franke: Ja, ja, total.
Florian Bayer: Es war wirklich spannend und es wurde, wie gesagt, auch immer mal wieder dann zensiert, umgeschrieben. Es wurde in Ländern verboten, es wurde in Ländern anders inszeniert. Es hat wirklich eine spannende Geschichte. Das Ding lief von 1968, also von Broadway-Premiere bis 1972, vier Jahre, ohne Unterbrechung.
Johannes Franke: Das ist schon toll. Also vier Jahre, man muss ja erstmal durchhalten. Und die waren auch wirklich sehr erfolgreich, muss man sagen.
Florian Bayer: Richtig erfolgreich.
Johannes Franke: Also am Anfang hat es ein bisschen geschleppt. Es ist vielleicht nicht ganz so wie Rocky Horror Picture Show, wo sie von der ersten Vorstellung an im kleinen Theater ausverkauft war. Aber es hat sich wirklich rasant entwickelt dann doch auch und dann auf größere Bühnen gekommen und dann wirklich ausverkauft,
Florian Bayer: In Deutschland neben Jesus Christ Superstar, was ich nie gesehen habe, das erfolgreichste Musical der damaligen Zeit. Okay, krass. Haare. Wurde es in Deutschland natürlich genannt? Nein, wirklich. Ich glaube, der Film wurde... Ursprünglich auch noch Haare genannt. Und auf die Idee muss man mal kommen. Aber ich glaube, man muss auch erst mal auf die Idee kommen, sein Musical über Hippies herzunennen. Ich finde es auch nicht die cleverste Idee.
Johannes Franke: Nein, es ist nicht die cleverste Idee. Vor allem, weil das eine Sublimierung auf ein Thema ist, wo Leute gesagt haben, ja, schneidet euch mal die Haare. Und das als Stand-in zu nehmen, für die ein bisschen, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Naja, Jugendkulturen und ihre Symbolkraft. Das hat schon eine Bedeutung, schon eine Relevanz. Und gerade wenn die Alten... Die sollten dann die ganze Zeit sagen, ey, du ungewaschener, dreckiger Hippie, geh zum Friseur. Dann ist es halt plötzlich doch mehr als eine Frisur. Auch gezwungenermaßen durch den äußeren Einfluss.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Allerdings muss ich sagen, im Film zumindest, verkommt es zu einem Witz dann im Wein.
Florian Bayer: Nein, finde ich nicht. Ich weiß, dass das die Kritik auch der damaligen Zeit war, aber das finde ich überhaupt nicht. Ich finde, dass gerade das Haar in seiner politischen Bedeutung, in dem es unter anderem auch Geschlechtsnormen aufbricht, wird im Musical spannend thematisiert.
Johannes Franke: Es wird halt... es ist passiert halt, aber es wird nicht richtig thematisiert. Na,
Florian Bayer: es wird in der Form thematisiert, dass die Hippies singen, ey, okay, du hältst mich für schwul, weil ich lange Haare habe.
Johannes Franke: Ey,
Florian Bayer: es ist einfach nur, weil ich mein Haar liebe. Lass mich doch. Und das ist so eine wichtige Botschaft, weil das ist ja diese Politisierung, die wir von rechts haben, dass Jugendliche irgendwas machen, wie ein Mann färbt sich die Fingernägel, einfach nur, weil es geil aussieht. Ich hatte lackierte Fingernägel als Jugendlicher und das war sehr schön. Und das war wirklich nicht cool, weil halt jeder gefragt hat, was willst du damit ausdrücken, was willst du damit sagen und so weiter. Und ich war einfach nur so, ey, ich wollte das mal ausprobieren, ich fand das ganz geil aus, lass mich doch. Es war gar nicht politisch, aber es wurde dadurch politisiert, dass die Gegenseite die ganze Zeit gesagt hat, du musst schwul sein, du musst anders sein, das ist doch satanistisch oder was auch immer. Ich war ein schwarzer Fingernägel.
Johannes Franke: Aber krass, dass das in unserer Jugend noch so war.
Florian Bayer: Das ist heute auch noch so. Und dass das immer noch so ist. Natürlich.
Johannes Franke: Den fucking 60ern wird das Thema groß diskutiert. Vorher war das natürlich auch ein Problem, ein Thema, aber da wurde das noch so tabuisiert als Thema oder nicht angesprochen oder so. Aber dass das seit der Diskussion in den 60ern sie nicht wirklich signifikant verbessert hat.
Florian Bayer: Dieses ganze Thema Transidentität geht natürlich viel weiter als Mode, weil es was anderes ist. Aber alles, was in diesem Umfeld dann auch stattfindet an modischen Aussagen, und man sieht das ja, viel Jugendliche, die nicht trans sind, die sich aber androgyn kleiden, die Männer mit Röcken. Ich glaube, das ist es vor allem, was gerade die Rechten triggert. Gar nicht so sehr Frauen, die Jeans tragen. Das war damals, das war in den 80ern vielleicht so oder in den 70ern. Und jetzt sind es halt vor allem Männer, die Röcke tragen oder Männer, die irgendwie feminin aussehen, die sich die Fingernägel lackieren, die Make-up tragen und so weiter. Und die das vielleicht auch einfach nur machen, weil sie es mal ausprobieren wollen oder weil sie es schick finden. Und dann wird es aber von der Gegenseite politisiert, weil gesagt wird, oh ja. Man weiß gar nicht mehr, was Mann und Frau ist und so weiter. Ihr wollt Geschlechter aufheben. Da findet ja die Politisierung statt.
Johannes Franke: Ich hatte auch lange Haare als junger Mensch. Ich auch. Bis Mitte 30 fast. Ich habe lange, lange Haare getragen.
Florian Bayer: Du hast noch nicht so lange kurze Haare.
Johannes Franke: Also insofern. Und ich habe auch immer das Problem gehabt, was du sagst. Dass immer wieder Leute auf einen zukommen und immer wieder man die gleichen Diskussionen führen muss. Und ich einfach nur sage, ich finde es gut. Was soll's?
Florian Bayer: Und gerade du müsstest ja auch, also du solltest ja voll den Bezug dazu haben, weil du kleidest dich ja extravagant. Du bist jemand, der Wert auf Mode legt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und du hast einen sehr extravaganten Modestil, der so ein Retro-Schick mit 20er-Anleihen ist und so weiter. Und das fällt natürlich auf. In Berlin vielleicht nicht so, weil in Berlin relativ viel divers ist, was Kleidung betrifft. Aber du machst das ja nicht als politisches Statement. Du sagst ja nicht, wir sollten zurück zu den 20, sondern einfach, weil du es cool findest.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und es stresst dann einfach, wenn du immer gefragt wirst, ob das ein Statement ist. Dabei ist es einfach nur ein Ausdruck von Individualität.
Johannes Franke: Aber wenn wir bei dem Hippie sind, da ist das dann schon ein Statement irgendwann. Ja, weil es ja durchaus eine politische Bewegung war.
Florian Bayer: Natürlich und weil es auch eine gewisse Uniformierung mit sich bringt. Ein Hippie hast du irgendwann erkannt daran, wie er angezogen war und wie er sich frisiert hat und wie er zum Thema Körperpflege stand, was ein bisschen gemein ist.
Johannes Franke: Oh man.
Florian Bayer: Oh, wir haben damals in den 90ern auch sehr viele Cameras. Kelly-Familie-Witze erzählt. Und die langen Haare und das ungewaschene vermeintlich. Und die Kellys sahen ja sehr nach Hippie aus. Die hatten ja diese Hippie-Mode in die 90er rübergebracht. Und haben ja auch für so einen neuen Batik und Boom gesorgt.
Johannes Franke: Stimmt, stimmt, ja.
Florian Bayer: Bei den Hippies war es tatsächlich mit den Politischen insofern verknüpft, dass diese Natürlichkeit betont wurde. Dass die so... Wir entsagen der Konsumgesellschaft und deswegen tragen wir Kleidung, die wir uns selbst zusammengenäht haben. Wir tragen sie wirklich, auch wenn sie abgetragen ist, zerrissene Hosen, so sehr naturbelassene Stoffe und sowas. Also da hat es schon irgendwie einen politischen Kern, die Mode auch. Aber wie bei jeder Subkultur und bei jeder jungen Kultur gab es dann natürlich die Läden, die echt teuren Hippie-Shake verkauft haben. Und ich glaube, das wäre so ein Thema für einen eigenen Podcast, wie die Hippie-Mode auch vor allem halt so eine Mode der Upper Class war. Und von Anfang an irgendwie teure Läden gesagt haben, und wir sind das Zentrum der Hippie-Mode. Und wenn ihr aussehen wollt wie ein Straßenköter, dann müsst ihr jetzt aber einiges an Dollars auf den Tresen legen.
Johannes Franke: Wie das mit den Jeans heute ist, dass man irgendwie von der Fabrik aus so abgewetzte Jeans verkauft. Was total ungesund ist für die armen Leute, die das abwetzen müssen. Und irgendwelche Maschinen und irgendwie Feinstaub und so. Naja,
Florian Bayer: tragt eure Jeans lang genug, dann sind sie auch abgewetzt. Ich habe einige abgewetzte Jeans, ich bin sehr stolz drauf. auf die, wo es im Schritt wirklich das Loch immer größer wird, wenn man eine Unterhose sieht. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Floor,
Johannes Franke: Floor, Peter, warum? Warum machst du das mit mir?
Florian Bayer: Ich saß schon öfter dir gegenüber und hatte so eine Jeans an, dir ist es nicht aufgefallen, weil du mir zu wenig in den Schritt schaust. Gott sei Dank. Was mich übrigens auch immer ein bisschen verletzt. Ich sitze da und denke, schaut der heute?
Johannes Franke: Es ist aber der Tisch im Weg, es tut mir sehr leid. Ja, ich weiß. Ich versuche es immer wieder, aber...
Florian Bayer: Wir brauchen einen Klastisch.
Johannes Franke: Floor, jetzt hör auf. Also, es gab von diesem... Ich bin ganz rot geworden, Flor. Also, es gab vom Musical irgendwann den Weg zur Verfilmung. Und das Musical kam ja auch in andere Länder, unter anderem eben in die Tschechisch-Slovakei oder wie das damals hieß. Und Milos Forman hat das dann gesehen. Ja. Und war fasziniert, also vor allem von der Anarchie dieses Stückes.
Florian Bayer: Ja. Milos Forman war beeindruckt. Wir müssen daran denken. Milos Forman kam aus der tschechisch-slowakischen Republik damals noch. Der hat den Prager Frühling miterlebt. Ja,
Johannes Franke: und der ist dann auch abgehauen,
Florian Bayer: weil ihm das schwierig wurde, da zu leben. Und das war das Pendant zu den Hippies in Amerika. Nur halt auch eine Jugendbewegung, die sich gegen die Obrigkeit auflehnt, die die Forderungen stellt an die Obrigkeit. Und das war aber damaliger Ostblock. Das heißt, dass... Die haben da anders drauf reagiert als die Amerikaner. Und die Amerikaner haben nicht geil auf die Hippies reagiert. Aber es besteht nochmal ein Unterschied zwischen Polizisten, die mit Knüppeln draufschlagen und fucking Panzern, die da einfahren und auf die Leute schießen.
Johannes Franke: Ja, krass. Pfeiler Frühling. Müssen wir jetzt kein großes Fass aufmachen. Wenn ihr das nicht genau wisst, dann sucht euch Wikipedia-Eintrag oder so.
Florian Bayer: Ich finde es spannend, weil Milos Forman war natürlich kein Hippie, hatte keinen Bezug zur Hippie-Kultur. Aber Milos Forman hatte sehr wohl einen Bezug zu dem Gefühl, sich auflehnen zu wollen, jung zu sein, junge Ideen zu haben und gegen Widerstand zu stoßen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Aber ich glaube, dass man nicht unterschätzen darf, wie viel er auch einfach die anarchische Art und Weise, wie dieses Musical mit der Bühne umgegangen ist, geil fand. Es ist nicht nur inhaltlich oder so sich daran zu reiben oder eben vielleicht, er meinte, es passte nicht ganz in seine Idee von der Welt. Also seine Ideale waren doch ein bisschen anders als die der Hippies, aber er fand es wahnsinnig faszinierend. Was da auf der Bühne und wie sie das verarbeitet haben und so. Umso spannender finde ich,
Florian Bayer: wie er es dann in einen Film umgesetzt hat und die ganze Anarchie wieder rausgenommen hat. Das glaube ich nicht. Aber auf jeden Fall, ich sehe schon unsere Reibungspunkte.
Johannes Franke: Ja, ja, ich sehe die auch.
Florian Bayer: Und die finde ich auch total wichtig. Dieser Film kam 1979 raus. 1977 gab es ein kurzes Hippie-Revival, ein kurzes Hair-Revival, das unglaublich negativ rezipiert wurde.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Die... Ihr Bestes getan, das nochmal auf die Bühne zu bringen und das allgemeine Echo war, oh Gott, das ist einfach, das ist vorbei. It's over, Leute. Die Hippie-Zeit ist rum. Was macht ihr hier noch? Und das war ja auch durchaus die Reaktion, die es auf Milos Forman gab. 1979, wir sind zehn Jahre nach dem Musical, wir sind lange aus der Hippie-Zeit raus. Es ist eigentlich, es ist ein Stück Geschichte. Wir haben andere Jugendsubkulturen und auch andere Gegenkulturen. Aber er bringt das Ding auf die Leinwand, weil er hat das Musical gesehen. geistert vom Musical. Er hat gesagt, er würde wirklich gerne Regie führen, wenn das Ding irgendwann mal verfilmt wird.
Johannes Franke: Er ist richtig hinter die Bühne gegangen. Er hat das Ding gesehen, ist dann zu den Leuten nach hinten gegangen.
Florian Bayer: Zu James Radow und zu Shereen Ruckney, zu den Gottfaders von diesem Musical.
Johannes Franke: Und dann hat er echt gesagt, Leute, wir müssen das machen. Er wollte das eigentlich auf die Bühne bringen. Allerdings kam dann Prager Frühling und alles mögliche und ist dann eben nicht mehr in der Lage gewesen, das im tschechischen Raum zu machen und ist dann nach Amerika rüber. Und hat dort halt dann erstmal sich entwickelt und hatte dann halt ein bisschen Erfolg mit so ein paar Sachen, wie zum Beispiel einer Flocke übers Kuckucksnest. Ein riesiger Erfolg. Ein riesiger Erfolg. Und das hat ihm halt irgendwie die Möglichkeiten gegeben, wirklich dann auch zu sagen, hm. Ich habe gerade einen Oscar für Einer flog über das Kuckucksnest bekommen. Wenn ihr den Film kennt, dann wisst ihr, wie anders der Film ist.
Florian Bayer: Und sich dann gedacht hat, dann mache ich doch als nächstes Herr. Ich weiß nicht genau, was er da gedacht hat, aber gut, okay. Und dann hat er tatsächlich zusammen mit Michael Weller das Drehbuch geschrieben. Mit dem sollte er später nochmal zusammenarbeiten für ein Musical, das ich nicht gesehen habe, Ragtime. Mit dem hat er das Drehbuch umgeschrieben. Und zwar hat er dem eine Dramaturgie gegeben, die... die deutlich mehr Filmdramaturgie ist, deutlich weniger Musical.
Johannes Franke: Weniger Anarchie.
Florian Bayer: In der Handlung, ja. Weniger Anarchie in der dramaturgischen Struktur. Richtig. Definitiv, auf jeden Fall. Und ihm wurde das vorgeworfen, auch von den Machern des Originalmusicals, dass er das Ding glatt gebügelt hat. Weil er hat eine wichtige Sache verändert. Im Musical ist Claude von Anfang an Teil dieser Hippie-Kultur und der beste Freund Burgers. Diese Frau auch, also Sheila. Sheila ist keine Frau aus reichem Haus. Sondern sie ist eine von den Leuten in diesem Tribe. Und das ist auch, glaube ich, ein ganz, ganz, ganz wesentlicher Unterschied zwischen Musical und Film. Fürs Bessere und fürs Schlechtere, dass das Musical unglaublich introspektiv ist. Im Musical ist es so, dass das Ganze in diesem Tribe stattfindet.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es gibt wenige Bezugspunkte nach außen. Und es gibt wenig was von außen auf diesem Tribe. einströmt. Stattdessen beschäftigen sie sich mit sich, sie beschäftigen sich auch mit der Außenwelt. Ein ganz markantes Beispiel ist dieser Moment, wenn sie ihre Drafts, also ihre Einberufungen verbrennen. Das stand unter Strafe, das durfte man nicht. Und im Musical ist es so, sie verbrennen diese Drafts und Claude macht es aber nicht, sondern verbrennt irgendwas anderes, so ein Decoy Paper, ich weiß gar nicht mehr, irgendwas, was keine Bedeutung hat. Und die Szene endet damit, dass er enttarnt wird, dass Berger feststellt, ey Moment, du hast deinen Draft, der gar nicht verbrannt war. Was ist denn da los? Während die Szene im Film damit endet, dass sie diese Draft-Verbrennungs-Szene, dass sie vor der Polizei wegrennen. Sie sehen da zwei Polizisten und sie fliehen.
Johannes Franke: Was ich übrigens im Film nicht verstanden habe am Anfang. Die lesen da irgendwas vor, was da drin steht. Und ich dachte, es geht um irgendein Zeugnis oder sowas, das sie bekommen haben von irgendjemandem. Ah, okay. Ich habe nicht verstanden, dass es ein Einberufungsbescheid ist. Ah,
Florian Bayer: interessant. Okay. Krass. Weiß ich gar nicht, wie ich das damals wahrgenommen hatte. Ich glaube, ich habe das Musical vorm Film gesehen. Deswegen wusste ich, dass das irgendwie das Thema war und ich habe mich dann halt auch damit auseinandergesetzt. Und das haben wir mehrmals. Also wir haben die Bezüge zur Außenwelt zum einen, dass unser Protagonist Claude aus der Außenwelt kommt. Und natürlich ist diese Fish-out-of-Water-Erzählung einfach auch so ein Stilmittel. Das ist wirklich, wo auch Hollywood voll reinhaut und sagt, so kann man diesen Film besser erzählen. Wenn wir sagen, da kommt jemand aus der Außenwelt, der lernt jetzt diesen Tribe kennen, der lernt die Kulturquellen und so weiter. Sheila ist genau dasselbe. Wir haben hier eine Love Interest, die aus reichem Haus kommt, die wirst du nie erreichen und so weiter. Das gibt so ein bisschen romantischen Konflikt. Aber es zeigt sich auch in anderen Momenten. Praktisch jede Figur, die in diesem Film auftaucht, hat im Gegensatz zu den Figuren aus dem Musical, die wie du schon gesagt hast, sehr wenig Charakter haben, irgendwie Bezüge zur Außenwelt, die sie auch stärker definieren und sie auch ambivalent erscheinen lassen. Wir haben diesen Moment, wo Burger bei seinen Eltern ist und dieser die ganze Zeit so charismatisch... auftretende Bürger plötzlich dasteht im Haus seiner Eltern, um Geld bettelt und sich von seinem Vater erzählen lassen muss, dass er sich die Haare schneiden soll und dann wie ein kleines Kind mit seiner Mutter streitet. Wir haben den coolen, absolut charismatischen Hutt, der plötzlich damit konfrontiert wird, dass er eine bürgerliche Frau hat, ein bürgerliches Kind und offensichtlich eine richtig krasse bürgerliche Vergangenheit, die aussieht, als ob er Geld hätte. Und als ob er wirklich voll in diesem bürgerlichen Leben drin gestanden hätte mit Arbeit und so weiter.
Johannes Franke: Mit Geld hätte?
Florian Bayer: Ja, ich finde, die wirken, wie die Frau und das Kind angezogen sind. Und wie sie mit ihm reden, wirkt so, als ob er irgendwas aufgegeben hätte, was wie eine Karriere aussah.
Johannes Franke: Also ich habe kein bürgerliches Leben darin gesehen. Ich habe jetzt keinen Kommentar darauf, was er irgendwie finanziell oder bildungstechnisch oder sowas dahinter steckt. Das habe ich nicht so richtig gesehen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Aber... Was ich auf jeden Fall wichtig finde, es gibt diesen Kontakt zur Außenwelt. Und der findet im Musical nicht statt. Und dieser Kontakt zur Außenwelt, for the worst, ist natürlich so ein bisschen so ein Schleifen der anarchischen Struktur. In dem es halt eine Story kriegt, die auch irgendwie ein Ziel hat und die auch eine klare Dramaturgie hat. Aber zum anderen bringt es deutlich mehr Ambivalenzen. Und deutlich mehr Auseinandersetzung mit der Kultur in die Kultur rein, als wir das im Musical haben.
Johannes Franke: Also ich finde es total wichtig zu sagen, dass man das absolut machen kann. Ich finde es total in Ordnung, wenn man sagt, okay, ich brauche für den Film eine andere Dramaturgie. Ich brauche was anderes. Ich brauche irgendwas, woran sich die Leute festhalten können und so weiter. Das Problem, was ich damit habe, ist eigentlich, dass ich eine Alternative sehe. Weil ich den Film eben nicht gut finde, sehe ich eine Alternative, die mich vielleicht interessiert hätte.
Florian Bayer: Ah, interessant.
Johannes Franke: Und das Anarchische würde mir vielleicht an anderer Stelle irgendwie, würde mich nerven, aber hier sehe ich so ein bisschen am Horizont, wie der Film hätte auch sein können und denke so ein bisschen, ah, vielleicht hätte es dem auch geholfen oder so. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht gewesen, das eher anarchisch zu machen. Aber ich verstehe total den Grundgedanken und ich finde ihn auch total logisch und auch nachvollziehbar und meistens auch gut zu sagen, ich muss jemanden von außen reinbringen, damit... mit der mit dem Zuschauer zusammen die Welt entdecken kann, damit das alles irgendwie erzählbar ist. Und nicht nur eben Vignetten, wie auf der Bühne sind. Mich hätte es vielleicht doch interessiert, die Vignetten auf der Bühne zu sehen.
Florian Bayer: Was ich halt gut finde, ist, dass das Opfern dieser anarchischen Struktur, dass das nicht einhergeht mit den Opfern der Themen, die das Musical hat. Weil das Musical thematisiert sowas wie Rassismus. Das Musical thematisiert sowas wie die Friedensbewegung, die im Hippietum steckt. Das Musical thematisiert sowas wie den inneren Konflikt, den einer der Hippies mit sich trägt. Wer er überhaupt ist, ob er überhaupt dieser Hippie ist.
Johannes Franke: Wenn du von Musical redest, dann meinst du das Bühnenmusical. Dann meine ich das Bühnenmusical.
Florian Bayer: Und der Film hat diese Themen auch drin. Der Film hat zum einen die Songs drin, die das thematisieren.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und der Film hat das auch in den Dialogen. Er bettet es halt in die Geschichte ein, aber es ist immer noch da.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen mein Problem. Ich sehe nämlich den Rassismus nicht ordentlich behandelt. Ich sehe den vor allem in diesem Song und bin davon ein bisschen mehr verstört als alles andere.
Florian Bayer: Wir reden vom Song Colored Spade, der von Hart gesungen wird, beziehungsweise Lafayette, was mal der geilste Name überhaupt ist. Also eigentlich sollte sein Hippie-Name Lafayette sein und sein bürgerländischer Name Hart.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Und in den anderen beiden Songs, White Boys und Black Boys, da ist es auch mit. drin. Aber es ist für mich eher verstörend, als dass ich damit wirklich eine Auseinandersetzung mit dem Rassismus sehe.
Florian Bayer: Ich habe mir mal Oh Shit hingeschrieben, so als ich den Song angehört habe. Also nicht nur, weil ich dachte, dass du denkst Oh Shit, sondern auch, weil ich dachte Oh Shit. Gerade bei dem Black Boys, White Boys Song habe ich, pass auf. Das sind ja zwei unterschiedliche Songs eigentlich. Ich habe Oh Shit hingeschrieben und dann plötzlich Punkt, Punkt, Punkt. Oh nein, oh wie geil. Weil sie machen das natürlich, sie machen diese Fleischbeschau. Sie haben weiße Frauen, die singen, was sie an Black Blackboys geil finden. Und du siehst das natürlich und denkst, oh shit.
Johannes Franke: Übrigens,
Florian Bayer: der Song kommt im Musical auch vor. Der Song hat im Musical nichts mit der Musterung zu tun. Hier wird es mit der Musterung gezeigt, wo diese halbnackten jungen Männer ge... Was dem noch hilft. Und es ist voll die Fleischbeschau und es hat natürlich voll diese rassistische Komponente, in dem die weißen Frauen singen, wie sie Blackboys attraktiv finden. Aber es löst sich komplett auf, wenn wir dann diese Preems haben, also nicht wirklich diese Preems, aber diese schwarzen Frauen, die singen, was sie an Whiteboys geil finden und wird einfach zu so einer geilen Hymne für... Sexiness, das ist halt das Ding. Also es wird so ein bisschen, nimmt das, was du sagst, mit der Sexiness, mit der Hypnose der Sexiness, das wird,
Johannes Franke: das passiert tatsächlich. Aber dieses Konzept zu sagen, wir machen jetzt das, wo alle sagen, oh shit, und drehen das dann einmal einfach nur um und sagen, die Schwarzen singen das jetzt einfach auch. Das fand ich zu billig.
Florian Bayer: Nein, das...
Johannes Franke: Das fand ich nicht... Da dachte ich, nee, also so kommst du nicht so leicht raus.
Florian Bayer: Du guckst voll mit deiner 2024er Linse drauf. Wir haben das damals nicht so gedacht, sondern das war einfach der geile Song. Die wollten das als ein... Das ist ein gesamtes Stück. Das ist nicht, wir überraschen das Publikum, sondern es ist einfach ein Stück.
Johannes Franke: Das ist vollkommen in Ordnung. Ich gucke aber tatsächlich, da hast du recht, mit der 2026er Linse.
Florian Bayer: 2026er Brille, oh mein Gott.
Johannes Franke: 2026. 2026er Linse drauf. Absolut. Und der Film muss sich leider halt... Und das ist ein bisschen unfair, aber ich bin nun mal heute und ich gucke nun mal den Film heute, also habe ich meine Perspektive von heute schon auch drauf. Aber du hast recht, so ein bisschen zu gucken, wie wurde das damals wahrgenommen und mit welchem Vorzeichen wurde es damals gemacht, kann man natürlich auch machen. Einsortieren, klar.
Florian Bayer: Aber es ist nicht nur das damals. Ich finde das heute auch noch fantastisch. Ich höre das Song, höre den Anfang und denke, oh, Ja, genau. Und es ist nicht nur der Anfang, es sind 50 Prozent. Nein, ja genau, aber dann kommt der zweite Teil und es ist plötzlich oh, oh, oh und dann haben wir diese Ausbilder da sitzen, übrigens sehr viele Schwarze auch, die dann auch anfangen mit einzustimmen und die das dann teilweise auch in dieser hohen Stimme machen und singen und auch singen, wie geil sie weiße Jungs finden. Dann haben wir davor diese Szene, wo dieser Typ die Socken nicht ausziehen will und dann sehen wir, dass er lackierte Zehennägel hat. Ja,
Johannes Franke: was ich auch geil finde.
Florian Bayer: Das ist nicht nur von 1979 geil, finde ich, sondern das ist auch für heute geil. Das ist wirklich ein Aufbrechen von Geschlechtsstereotypen und auch von diesen rassistischen Stereotypen, die sich bis heute gehalten haben. Nämlich, dass man sagt, allein schon, dass sie Jungs besingen, dass es eine Fleischbischof von Jungs ist. Ja, es fängt an mit den schwarzen Jungs, die angeschaut werden, aber dass dann die weißen Jungs rankommen und dass dann sogar noch Stereotype gefunden werden, die man so vielleicht gar nicht mehr kennt, weil man eher das andere Stereotyp kennt. Aber dass sie sagen, die sehen aus wie kleine Kinder und sind so süß und wir kommen gleich zu den Kindern. Ich finde das großartig. Ich finde diesen Song total geil und ich finde, der bricht mit so vielen Stereotypen und vermengt die so krass, dass der auch im Jahr 2026 noch voll gut funktioniert. Fuck you Ich bin einfach verstört. Tut mir leid. Ich bin einfach so verstört,
Johannes Franke: dass mich der zweite Teil da nicht rausholt, sondern ich denke, nee, fuck you, was soll denn das jetzt? Versuchst du es nochmal rumzureißen, das Ruder? Nee,
Florian Bayer: nicht mit mir. Jetzt kannst du nur noch ein Nee nicht mit mir sagen. Genau. Pass auf, ich gebe dir was anderes. Ich gebe dir was anderes. Ja. Pederasty.
Johannes Franke: Oh Gott, fuck, Alter.
Florian Bayer: Es gibt den Song Sodomy. unser Ein herzensguter Wuff, heißt wirklich so, der offensichtlich vor allem für freie Liebe ist, nachdem sich die Hippie-Gang ein Pferd gemietet hat, neben den Frauen aus reichem Haus reitet. Und es ist wunderschöne romantische Musik und dann fängt er an zu singen. Und es fängt an, also erstmal denken wir, okay, es ist ein bisschen übergriffig, was er da macht, dass er die da so ansingt. Und zwar singt er Sodomy, Felicio,
Johannes Franke: Konilingus, Pederesti. Father, why do these words sound so nasty? Masturbation can be fun. Join the holy orgy. Karma Sutra, everyone. Und das ist der gesamte Text von diesem Song.
Florian Bayer: Also ich glaube, da drin steckt eine sehr kritische Reflexion von dem Thema wie Bullshit. Du musst jetzt schon lachen. Nein, es ist gealtert wie Milch. Du hörst diesen Song und denkst, oh shit. Das ist so hart. Also er reitet neben diesen Frauen und es ist schon schlimm genug, dass er ihnen fellatio entgegensingt oder dass er so übergriffig ist. Aber, dass wir hier plötzlich Sex mit Minderjährigen wirklich ziemlich eindeutig relativiert haben. Im Sinne von, warum ist das so schlimm? Ich darf mir doch die 14-Jährige krallen.
Johannes Franke: Wirklich? Gar kein Problem? Also habt doch mal kein Problem mit dem ganzen Scheiß hier.
Florian Bayer: Man könnte ihm zugutehalten, dass er auch noch relativ jung ist, aber nee. Es ist wirklich schlecht gealtert. Und es wird auch nicht besser, dass danach der Song Donner kommt, wenn unser Protagonist mit dem Pferd nämlich jetzt die Sheila beeindrucken will, was übrigens eine süße Szene ist, also was er macht auf dem Pferd und so ein bisschen posen und so. Ja, genau. So der Kansas Boy, der das kann, der Cowboy. Aber es wird besungen von Burger, indem er einen Song anstimmt. über eine 16-year-old tattooed Virgin, die er total geil findet.
Johannes Franke: Ganz toll. Großartiger Song. Das will man doch hören.
Florian Bayer: Wie scheiße ist das? Es sind die zwei großen Oh-Shit-Momente für mich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist wirklich schlecht gealtert. Und es ist natürlich, und natürlich haben wir danach noch die Szene, wo Burger Sheila im Auto befummelt. Und wo wir drauf gucken, ja, das ist unser sympathischer, charismatischer Protagonist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: So, ein bisschen sexuelle Übergriffigkeit. Tut doch jedem etwas gut. Ja, genau. Freie Liebe und so weiter. Und ja, es ist wirklich nicht gut gealtert. Nein. Gebe ich dir. Aber Black Boys, White Boys ist ein fucking Meisterwerk. Oh Gott, Meisterwerk. Diesen Song machst du mir nicht magisch. Keine Chance, Floor. Das gebe ich dir. Da hast du, also bei mir kommst du da auf keinen grünen Zeug. Das kannst du voll vergessen.
Johannes Franke: Ich verstehe total, was du meinst, aber ich kriege das nicht hin, diese Cat-Wende dann in der Mitte des Songs. Das Bejubeln von Padresti und die Sixteen Years Old. Yeah, I'm a virgin. Sie ist aber tatuiert. Das Problem ist, diese beiden Songs kommen aus der gleichen Feder wie der andere Song, den du verteidigst. Ja, wir singen über Petal Rusty und im nächsten Song geht es um White Boys und Black Boys. Ich weiß nicht, ob ich den Sprung hinkriege, dann plötzlich zu vergessen, was für eine Scheiße die geschrieben haben. Ich muss das natürlich in den Kontext einsortieren.
Florian Bayer: Got you, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und wie oft das N-Wort gefallen ist, möchte ich gar nicht erst anfangen zu zählen. Aber okay, weil es ja auch eine andere Zeit ist.
Florian Bayer: Es ist eine andere Zeit und dazu kommen wir gleich noch, weil das ist nochmal ein anderer Song und das ist, glaube ich, ein Song, wo es sich wirklich einfach kritisch mit der Rollenzutreibung auseinandersetzt.
Johannes Franke: Richtig, aber auch der verstört mich.
Florian Bayer: Greifen wir uns den Song. Und ich finde es total klar, dass der sich verstört. Colored Spade, gesungen von Hart Lafayette, der übrigens, ich finde es ein total spannender Charakter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde den Schauspieler, der das spielt, total cool.
Johannes Franke: Ich finde ihn auch total spannend. Ja, ja.
Florian Bayer: Ich würde... unglaublich gerne mehr von ihm sehen. Und ich bin so glücklich, wenn er dann im letzten Drittel des Films halt wirklich nochmal diese Hintergrundgeschichte kriegt. Dorsey White spielt den. Der hat in Hotel New Hampshire auch mitgespielt und in The Warriors, in so einem 1979er Action-Trash-Film, den ich irgendwann mal geben muss. Ich finde ihn total cool. Also zum einen, weil er wirklich charismatisch ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es wirklich so einer ist, der heraussticht aus der Gruppe.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und dann kriegt er halt, er kriegt einfach mal den Bürgerrechtssong. Und es ist ein Bürgerrechtssong. Ich weiß, du hörst dir das heute an und siehst da den Schwarzen, der in einem Musical das von zwei Weißen geschrieben wurde. der das N-Wort benutzt und der sich besinkt mit den rassistischen Stereotypen, die ihm so an den Kopf geworfen werden. Aber genau darum geht es ja in dem Song.
Johannes Franke: Natürlich geht es darum. Ist vollkommen in Ordnung. Ich habe aufgeschrieben, bis wohin ist das Reappropriation im Sinne von ich nehme das jetzt einfach und gebe das selber wieder mit eigener Intention, die sich möglichst stark unterscheidet von der rassistischen Intention. Oder gehe das wieder, um auf diese rassistische Intention hinzuweisen. Und ab wann wird es...
Florian Bayer: Absolut spannende und absolut berechtigte Frage.
Johannes Franke: Und darüber wollte ich einfach reden. Das ist natürlich so komprimiert, dass man natürlich feststellen muss, dass es nicht rassistisch gemeint ist. Trotzdem hast du diese ganzen Worte und du kriegst ein komplettes Wörterbuch vorgelegt, das du dir, wenn du rassistische Tendenzen hast, super nehmen kannst, um das gleich wieder zu coinen. Ich weiß nicht, ob das so cool ist.
Florian Bayer: Ich kenne relativ wenige Begriffe aus... meiner Zeit, aus unserer Zeit, die da drin vorkommen. Ich wette mit dir, jeder weiße junge Mann und jede weiße junge Frau in den Vereinigten Staaten im Jahr 1969 und auch im Jahr 1979 hatte dieses Wörterbuch in TUS.
Johannes Franke: Das kann sein, ja.
Florian Bayer: Und das besingt er ja auch. Es ist ja wirklich, es ist ja ein Dampfhammer. Es ist wirklich eine Abfolge von diesen Wörtern. Und es ist was anderes, als wenn sich zum Beispiel Gangsterrapper in den 90ern mit dem N-Wort selbst angesprochen haben. Weil er besingt es ja auch ganz klar als diese negative Erfahrung, die er hatte. Als diese Begriffe, die ihm an den Kopf geworfen wurden.
Johannes Franke: Und der Text an sich reflektiert das nicht. Nee, die Art, wie er singt. Es ist nur die Art, wie er es ausdrückt.
Florian Bayer: Und die Art, diesen Stolz, mit dem er rauskommt. Und zwar, dass er am Schluss, nämlich President of the United States of Love. Und es ist so viel Stolz da drin. Und natürlich ist es die Art, wie es performt wird. Aber das ist das, was den Song komplett macht. Und natürlich steckt da dieser Layer drin, dass das Musical von zwei weißen Dudes geschrieben wurde, dass wir hier die einzige große schwarze Rolle in dem Musical haben, also den einzigen Charakter, abgesehen von sehr vielen schwarzen SängerInnen, die vorkommen. den du auch nicht wegreden kannst. Aber ich finde in der Rezeption, wenn ich das sehe und wenn ich ihn sehe, wie er das dann singt und wie er dann zu diesem stolzen Höhepunkt kommt, finde ich, das funktioniert absolut als Bürgerrechtssong.
Johannes Franke: Ich verstehe, dass du da wieder herkommst. Ich war so verstört.
Florian Bayer: Ich verstehe, dass du verstört warst. Ich war es auch.
Johannes Franke: Wahrscheinlich ist es ja auch wichtig für den Song, dass man dann da sitzt und ein bisschen verstört ist und möglichst nicht nur ein bisschen, sondern einfach darüber anfängt nachzudenken. Vor allem... wenn man den Katalog eben im Kopf hat, wie du sagst. Ich hatte ihn halt nicht im Kopf. Und dann habe ich plötzlich so viele Sachen gehört, wo ich jedes Mal gedacht habe, what the fuck, das war mal, das war so, ach du Scheiße. Also da kommt bei mir die Empörung so hart durch, dass es einfach schwer ist, den wieder in den Film zurückzufinden und den Song irgendwie gut zu finden.
Florian Bayer: Was ich wirklich grandios finde, ist, dass es voll aufs Publikum auch abzielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil wenn wir uns das Musical vor... Publikum von damals vorstellen und wahrscheinlich auch das bildungsbürgerliche Herr-Publikum von heute oder aus dem Jahr 1979 oder 1968, whatever, dann sind das sehr viele Weiße. Und wenn er dann singt und pass auf, dass dieser schwarze Boogeyman, vor dem du so Angst hast, dass der jetzt vielleicht kommt und dich holt, dann ist es so geil, zum einen die vierte Wand gebrochen und zum anderen aber auch die Leute, das Publikum, das sich als aufgeklärt, progressiv sieht, konfrontiert mit seinen eigenen Vorurteilen, mit denen es aufgewachsen ist und dieses vielleicht nie ganz abgeschüttelt hat. Ich finde, das funktioniert voll. Also ich höre den Song und denke am Anfang auch, oh shit, was passiert hier?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber wenn du dann plötzlich diese ganzen Schwarzen hast, die da voller Stolz singen und er dann sich aufschwingt zum President of the United States of Love, dann hat der Song mich komplett gecatcht.
Johannes Franke: Also das Ende tatsächlich, United States of Love, finde ich tatsächlich auch, das hilft mir. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, das gehört schon gar nicht mehr zum Song dazu, sondern das ist irgendwie so eine eigene Situation. Vielleicht auch der Choreografie zu schulden. Aber was ich ganz wichtig finde, und warum ich glaube, dass ich mit diesen Songs Schwierigkeiten hatte. Ich sehe nicht, dass dieser Film an anderer Stelle den Rassismus so thematisiert, dass ich im Song das Thema schon so präsent habe, dass ich damit umgehen kann. Der Film bereitet das nicht vor.
Florian Bayer: Ja, tut er nicht. Und das ist, was er, glaube ich, vom Musical mit sich trägt. Das Musical macht das auch nicht. Diese Ideen, das haben ja unter anderem die beiden Macher des Musicals. Und Regni und Rado haben ja das dem Film vorgeworfen, dass er irgendwie nur noch so eine, fast schon eine Persiflage von ihren Ideen ist. Dass er eigentlich nur noch die Ideen drin hat und nicht mehr ausdekliniert.
Johannes Franke: Milos Formen hasst Hippies, hat man so den Eindruck zwischendurch.
Florian Bayer: Das finde ich nämlich überhaupt nicht.
Johannes Franke: Ich schon. Und ich glaube, das ist das, was die beiden Autoren gesehen haben.
Florian Bayer: Ich glaube, die Autoren waren vor allem deswegen frustriert, weil ihre Introspektion plötzlich zu so einer Beschau wurde. Nee, nicht zu einer Beschau, zu etwas mehr. Zu etwas, was aufgebrochen wurde davor. Aber das haben die offensichtlich nicht gesehen, dass das aufgebrochen wurde. Nein, das Musical Herr ist in der Echokammer. Das ist in der Hippie-Bubble. Der einzige Ausbruch aus der Echokammer findet durch Claude statt, der halt irgendwann sagt, nee, ich glaube, ich bin doch jemand anderes, aber ich weiß es nicht. Und Claude stirbt. Claude ist der, der im Musical stirbt, weil er in den Vietnamkrieg zieht. Und zwar auf schreckliche Weise. Er wird einfach umgebracht. Und je nach Art der Inszenierung kriegen wir das auch mit. Das ist die Konsequenz. Und der Film setzt sich viel mehr mit dem Außen auseinander. ist vielleicht auch notwendig, wenn du sagst, das ist 10 Jahre später, dann müssen wir halt auch mal gucken, was schwierig war. Und natürlich findest du das als Hippie-Kacke, wenn dir erzählt wird, dass da einer in dem Tribe ist, der seine Frau und sein Kind verlassen hat, um jetzt freie Liebe zu leben. Und natürlich kannst du dann sagen, oh, das ist jemand, der Hippies hasst, der diesen Film gemacht hat. Aber ich glaube nicht, dass er Hippies hasst. Ich glaube, er setzt sich einfach viel ambivalenter mit ihnen auseinander.
Johannes Franke: Ich muss sagen, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er Hippies hasst, weil er sonst den Film nicht hätte machen wollen. Glaube ich. Und wenn er richtig Hippies hassen würde, dann hätte er da nochmal einen anderen Ansatz gewählt. Wahrscheinlich. Also glaube ich irgendwie. Insofern schätze ich ihn auch nicht so ein. Aber so wie ich den Film sehe, habe ich das Gefühl, dass er einfach so sehr übers Ziel hinaus schießt, auch kritische Seiten reinzubringen, dass ich nur noch unsympathische Charaktere vor mir habe.
Florian Bayer: Das ist schade. Ich finde nämlich die Charaktere eigentlich gerade durch ihre Ambivalenzen alles sympathisch. Und selbst so einen Drecksack wie Burger, weil der Film, natürlich erzählt der Film die Personen als Figuren mit Schwächen. Nicht nur mit Schwächen,
Johannes Franke: sondern einfach als narzisstische Arschlöcher teilweise.
Florian Bayer: Na Burger vor allem. Vor allem Burger. Burger wird erzählt als jemand, der komplett von sich selbst eingenommen ist, selbstgefällig ist, der übergriffig ist gegen Sheila. Der so jemand ist, der sich die ganze Zeit versucht und mit Erfolg. aus Situationen raus zu quatschen und damit Erfolg hat. Manchmal nervt es. Es gibt so diese Momente, wo man denkt, Alter, du kannst doch damit nicht wirklich durchkommen jetzt. Ja,
Johannes Franke: vor allem auch, dass er sich in Situationen nicht nur rausquatscht, sondern reinquatscht, indem er da auf der Party irgendwie noch... Noch und nochmal darauf besteht, jetzt sein Recht darauf zu haben, auf dieser Party zu sitzen, dass sein Kumpel, der das gar nicht so deutlich gesagt hat, dass er das will oder so. Nein, nein, Berger will das, dass er das kann. Und zwar diese Frau da anzugucken und möglichst in sein Gedächtnis aufzunehmen, damit er später darauf wichsen kann. Meine Fresse, was soll das denn?
Florian Bayer: Absolut, ich bin ganz bei dir, aber der... Der Song I Got Life, den er dann performt, während er auf dem Tisch singt, ist doch ein absoluter Banger.
Johannes Franke: Ich finde keinen Song davon ein Banger.
Florian Bayer: Alter, nein Nicht einen einzigen Song in diesem Musical finde ich... I Got Life Und dann tanzt er mit dieser Frau auf dem Tisch, die voll Spaß dran hat, die aus dieser Feindengesellschaft rausgerissen wird.
Johannes Franke: Die sie allerdings nur gebraucht haben, weil sie das als Gag lustig fanden, was aber keine richtige dramaturgische Untermauerung hat. Nein, es ist ein Banger, es ist einfach geil Es ist Rock'n'Roll Das reicht mir nicht aus in dem Moment. Vor allem, weil der Song einfach nicht gut genug ist. Keiner der Songs ist gut genug.
Florian Bayer: Age of Aquarius? Der ist noch einigermaßen eingängig. Und dann haben wir diese... Da habe ich auch Spaß mit dem Pferd und so. Und Ren Woods hat echt eine krasse Stimme, die das singt. Stimmt. Eine unglaubliche Stimme. Und dann haben wir dieses Panorama sowohl im Park als auch im Song. Let the Sunshine In? Den habe ich so oft gehört, dass er eingängig geworden ist. Aber ob der jetzt wirklich so gut ist, weiß ich nicht genau. Good Morning Starshine? Hast du ein Rad ab? Ein Good Morning Star-Schein ist gar nicht so schlecht. Was heißt hier gar nicht so schlecht? Das ist ein großartiger Song.
Johannes Franke: Aber ich finde wirklich, ich gehe da einen nach dem anderen durch und denke, ja, habe ich gleich wieder vergessen. Aber was? Ja.
Florian Bayer: Mann, was stimmt nicht mit dir?
Johannes Franke: Ich weiß auch, dass das nicht unbedingt die populäre Meinung ist, weil wenn ich recherchiere über den Film und mir andere Meinungen anhöre, dann sagen die wenigstens, dass die Musik gut ist. Aber selbst das sehe ich nicht so.
Florian Bayer: Manchester, England. And I believe that God believes in Claude. That's me. Mann, was für ein Ohrwurm, was für ein
Johannes Franke: Also dieser Satz, der ist tatsächlich ganz gut, ne? Der Satz ist echt ganz gut. Das muss ich leider zugeben. Weil dieses, dieses I believe in God and God believes in me, das ist auch so dieser, dieser Hoffnung, diese verzweifelte Hoffnung,
Florian Bayer: ne? Dass es vielleicht irgendeinen Sinn hat, was ich hier mache. Ich bin, ich bin total fertig. Also ich geb's dir das zum Beispiel, sowas wie dieses Harry-Krieg-Song bei dieser,
Johannes Franke: bei dieser So viele Songs, die einfach nur Aufzählungen von irgendwelchen Scheißen, was soll das? Ja,
Florian Bayer: aber, Herr, Es gibt so viele Songs in dem Musical, wie sie weggeschnitten haben. Sind das noch schlimmere Songs gewesen? Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp, hopp. Herr, der Song. Ja? Du kannst mir nicht erzählen. Meiner Meinung nach der beste Song des Films.
Johannes Franke: Wie ging der noch gleich? Ich weiß nicht mehr, wie der ging, Floor. Nein,
Florian Bayer: du weißt schon nicht mal mehr, was das für ein Song war. Achso,
Johannes Franke: wo sie da im Gefängnis sind. Wo sie im Gefängnis sind. Diese ganze Szene. Ein Klischee nach dem anderen zu sehen ist.
Florian Bayer: Dieser ganze Song. Und dann einfach. Es geht nur um das Herr. Aber Flow It, Show It, Long As God Can Grow It. Mann, das ist... Und wie sie das besingen und dann kommt dieser hymnische Refrain wieder dazu und dieses Chorale. Du kannst mir doch nicht sagen, dass du das nicht geil findest. Flor, du hast gesagt, als du es mir vorgeschlagen hast, diesen Film, hast du gesagt, dass es dein Lieblingsmusical ist. Es ist eines meiner Lieblingsmusicals.
Johannes Franke: Du hast gesagt, es ist dein Lieblingsmusical.
Florian Bayer: Okay, dann muss ich korrigieren. Eines meiner Lieblingsmusicals. Ich habe mich die ganze Zeit beim Gucken gefragt, Wir haben Liza Minnelli in Cabaret gehabt.
Johannes Franke: Wir haben so viele tolle Musicals gehabt im Podcast. Hell, es gibt sogar eine Buffy-Folge, die ein Musical ist, die besser ist als dieser Film.
Florian Bayer: Okay, pass auf. Welches ist dein Lieblingsmusical nach 1970?
Johannes Franke: Äh, puh, was gibt es denn da Schönes zur Auswahl? Ich überlege... Ja, aber du kannst doch nicht ein Lieblingsmusical raussuchen und dann sagen, ja, aber nur ab 1970. Nein, nein,
Florian Bayer: ich möchte dein persönliches Lieblingsmusical ab 1970. Ich glaube nämlich, dass du ein Problem damit hast, dass der Rock'n'Roll ins Musical eingeht. Und dann Hamilton. Hamilton.
Johannes Franke: Absolutes Lieblingsmusical aus neueren Zeiten.
Florian Bayer: Nenn mir ein zweites.
Johannes Franke: Ich muss, ich hab's nicht im Kopf. Ich hoffe, du gibst mir das. Ja,
Florian Bayer: Rocky Horror Picture Show.
Johannes Franke: Rocky Horror Picture Show auf jeden Fall. Nach 1970, sagst du?
Florian Bayer: Rocky Horror Picture Show undenkbar ohneher. Johannes guckt verzweifelt Ich glaube nämlich, um meine rhetorische Frage Meine fiese Fangfrage Cabaret ist nach 1970 Nämlich 1972 Der Film, ne? Das Musical ist älter tatsächlich,
Johannes Franke: glaube ich Das Musical ist von 1966 Grease ist 1978 Was kein so richtig gutes Musical ist Back to the 50s
Florian Bayer: Das ist mein Punkt. Du bist nämlich einfach fucking konservativ, was Musicals betrifft. Ja, natürlich bin ich das. Dein Musical-Wissen hört auf, oder dein Musical-Verständnis, Entschuldigung, nicht dein Wissen, hört auf im Jahre 1960 und wahrscheinlich ist West Side Story für dich das progressivste, was man sich überhaupt auf der Bühne vorstellen kann. Ja,
Johannes Franke: West Side Story ist leider gar nicht so richtig gut.
Florian Bayer: Das wollte ich dir auch mal geben, weil das gehört auch zu den Musicals, die ich mag. Fuck Das Krasse ist ja wirklich, dass wir gerade feststellen, dass ich durchaus Musicals mag, aber... einen komplett anderen Musical-Geschmack habe als du. Ich bin halt in den 50ern. Genau. Ich liebe Singing in the Rain, Top Hat, alle solche Sachen. Das ist großartig. Und es hat ja offensichtlich ein ganz krasser Switch irgendwann stattgefunden, zu Ende der 60er, Anfang der 70er. Und das war wirklich Rock'n'Roll kommt ins Musical. Und dann haben wir so diese Zeit der großen Rock-Musicals, Jesus Christ Superstar, Kreese, The Rocky Horror Show.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann wird es abgelöst von diesem Pomp von Bernstein, so dieses Evita und Phantom of the Opera und Starlight Express und Cats und so Zeug. Ja,
Johannes Franke: ja, genau. Das sind alles Sachen, die ich tatsächlich... Nicht Bernstein,
Florian Bayer: Andrew Lloyd Webber, ne? Andrew Lloyd Webber war der große Typ.
Johannes Franke: Bruce Brothers.
Florian Bayer: Ja, ist ein Film.
Johannes Franke: Das ist ein Musical.
Florian Bayer: Ja, natürlich ist es ein Musical.
Johannes Franke: Okay, Little Shop of Horrors.
Florian Bayer: Ja, da bist du wieder beim Konservatismus. Aber der ist großartig. Ein großartiges Musical, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und der ist 1986. Ich habe jetzt endlich nämlich mal eine Liste gefunden, wo die ganzen Sachen drinstehen. Victor Victoria fand ich auch noch ganz gut, den muss ich dir mal geben. König der Löwen.
Florian Bayer: Okay, okay, ist gut, ist gut, gebe ich dir. Ach Gott.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist... Die Leute haben damals auf das Musical ja auch drauf geguckt und haben gesagt, was ist denn das? Das ist doch kein richtiges Musical, das hat doch auf der Musicalbühne nichts verloren. Zumindest die Konservativen.
Johannes Franke: Ja, was mich noch, sorry, dass ich das noch ausarbeiten muss, aber es gibt kaum einen Song, der so richtig eine Introspektion auf die Figur gibt, außer vielleicht dieses Rassismus-Dingens.
Florian Bayer: Na und der von Claude, wenn er durch die Masse geht und sich fragt, wer er ist. Moment, ich muss einmal kurz gucken, wie der Titel ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und, oh Gott, jetzt muss ich noch mehr aufzählen, wo ich dich fragen muss, was, das findest du auch nicht geil. Walking in Space, My Body zum Beispiel auch, das ist beim Vietnam-Training der Song, der von dieser wahrscheinlich vietnamesischen Frau gesungen wird.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und dann, aber wir haben diesen einen krassen Song, wo Claude zur Musterung dann geht und sich fragt, wer er ist und wo er hin will und was er macht. Where do I go? Aber... Großartige Szene, er geht durch die Masse und dann...
Johannes Franke: Aber da ist doch auch nur so drei, vier Zeilen in dem Song, oder? Also da passiert doch auch nicht viel inhaltlich.
Florian Bayer: Aber es ist ein wunderschöner Song und er drückt auch ziemlich gut. Manchmal brauchst du nur zwei, drei, vier Zeilen. Es muss ja nicht immer gleich so ein riesiges Gedicht von... Aber es ist ein kompletter Song,
Johannes Franke: der ist bestimmt zwei Minuten dreißig. Und dann nur eine Zeile zu haben oder zwei irgendwie...
Florian Bayer: Ja, es ist schon ziemlich repetitiv.
Johannes Franke: Ja, oder die anderen Songs, die halt einfach nur solche Sachen machen wie H-Bombs, B-Bombs, Q-Bombs, Chinese, Czech, Hindus. Bindus, Italianos, Pollacks, Germans, Jews, Ups und Downs. Mehr gibt's da nicht teilweise. Und du denkst dir, ja, erzähl noch mehr Worte auf. Was soll das?
Florian Bayer: Ja, es ist, okay, ich glaube, ich sehe, wo du herkommst. Du willst in deinen Songs mehr Inhalt haben. Natürlich.
Johannes Franke: Weil wenn du eine Introspektion hast, also jetzt nur, was das Musical betrifft. Musical ist, entweder hast du einen Song, der das Innenleben einer Figur darstellt oder einen Song, der die Handlung voranbringt. Und beides passiert hier nur selten. Und das finde ich so krass, weil da so viele Songs drin sind.
Florian Bayer: Vielleicht, und das ist ein gutes Wort, ich weiß nicht, ob das benutzt wird in der Kulturwissenschaft dafür. Das ist irgendwie eine Art von performativen Musical, finde ich. Die Introspektion findet ganz viel durch die Gesten statt, durch die Art, wie getanzt wird. Das ist dann der Ausdruckstanz quasi. Genau.
Johannes Franke: Also obwohl Ausdruckstanz ein gemeines Wort für das ist, was da passiert.
Florian Bayer: Ich sehe es gar nicht so negativ. Was ist mit easy to be hard? Wenn die Frau von Gerald Barnes, das ist der erste Song, wo ich sage, wow, okay,
Johannes Franke: den hat sie auch wirklich verdammt gut performt.
Florian Bayer: Oh, ist das großartig.
Johannes Franke: Und ich bin in dem Moment aber so raus, weil ich denke, hä, wo kommt das Kind her? Wo kommt diese Frau her? Was soll das alles? Aber sie sagt es doch. Es ist nirgends. Irgendwo vorher angedeutet oder vorbereitet oder sonst irgendwas. Sondern plötzlich sagst du, okay übrigens, wir zeigen jetzt auch noch dieses Dingens. Und ich weiß nicht, wo das plötzlich herkommt. Der hat so viele dramaturgische Änderungen gemacht, warum hätte er es nicht auch besser vorbereiten können? Was ist da los?
Florian Bayer: Aber es funktioniert für mich in dem Moment. Es gibt plötzlich Hart nochmal eine ganz neue Tiefe.
Johannes Franke: Ja, aber so plötzlich, dass ich denke, was soll das jetzt?
Florian Bayer: Weil Hart war die ganze Zeit dieser stolze Freigeist und dann haben wir plötzlich diesen Moment. Nee, ich finde es wirklich großartig. Mann, dass dir keiner von diesen Songs gefällt. Also nochmal ganz kurz, Age of Aquarius.
Johannes Franke: Ja, es ist okay. Es ist einigermaßen eingängig. I Got Life? Ich weiß noch nicht mal, wie der wäre. Auf dem Tisch? Bei 90 Prozent. Achso, ja, der Ding. Soll ein Partysong sein? Macht so halb noch Spaß, ja.
Florian Bayer: Manchester, England. I believe in God and I believe that God believes in Claude, that's me.
Johannes Franke: Der Song wird dadurch gerettet, dass er am Ende nochmal wiederholt wird und tatsächlich eine Dimension bekommt, die irgendwie cool ist. Herr. Weiß ich nicht mehr, keine Ahnung.
Florian Bayer: Das sind alles, meiner Meinung nach, sind das alles Klassiker der Musical-Geschichte. Sorry. Wenn ich eine Best-of-Liste zusammenstellen würde, meiner liebsten Musical-Songs, da würden mindestens vier oder fünf Songs aus diesem Film darin auftauchen. Und ja, ich weiß, es sind keine Songs, ich sehe, wo du herkommst. Es gibt diese Musical-Songs, die sehr viel Text mit sich tragen und die sehr viel Geschichte oder Inneres voranbringen,
Johannes Franke: die auch melodisch irgendwie eingängiger sind oder melodisch interessanter sind. Der ist ja nicht mal, also die Songs sind meistens sehr, sehr poppig, ja. Ja. Die meisten Popsongs haben allerdings dann wieder eine Melodieführung, die sehr eingängig ist. Und wenn du aber einen Musical-Song haben willst. Dann braucht der aber wieder mehr Komplexität. Also entweder das eine eingängiger oder eine Komplexität. Und beides gibt es hier halt nicht so.
Florian Bayer: Es ist ein bisschen der Versuch, finde ich, diesen Rock'n'Roll der Hippies mit der Musik des Musicals, des Broadways zu verschmelzen.
Johannes Franke: Gelingt für mich halt nicht. Aber ich verstehe. Ich muss sagen, mir ist allemal lieber, dass er es probiert hat.
Florian Bayer: Also das muss ich schon sagen. Also ich finde es ist halt auch vergleichbar mit, keine Ahnung, wir haben ja über Hamilton gesprochen. Ja. Den mochte ich ja sehr. Und Hamilton macht das ja auch. Hamilton nimmt sich Soul und Hip-Hop und den Pop von heute quasi oder aus dem Jahr 2016, wann es inszeniert wurde.
Johannes Franke: Genau,
Florian Bayer: genau. Und kombiniert das auch mit klassischer Musical-Thematik, mit dem Musical-Pathos und so weiter. Und ich finde bei Hamilton funktioniert es in den besten Momenten ganz grandios.
Johannes Franke: Grandios.
Florian Bayer: Aber es gibt auch Momente, wo es so ein bisschen stolpert, wo ich so das Gefühl habe, ja.
Johannes Franke: Aber da kommt man drüber weg, weil der nächste Song wartet. Hamilton ist ja fast eine Oper,
Florian Bayer: weil eigentlich nur gesungen wird. Ich finde, das ist hier ähnlich. Aber ich finde, hier ist es auch ähnlich wie bei Hamilton, dass die Momente, in denen es stolpert, nicht überwiegen.
Johannes Franke: Du kannst diesen Film nicht mit Hamilton vergleichen. Natürlich.
Florian Bayer: Das sind absolut unterschiedliche Ligen. Hamilton wäre undenkbar ohne diesen Film. Komplett andere Ballpark. völlig andere Nummer. Nein,
Johannes Franke: Der wischt sowas wie den Boden auf.
Florian Bayer: Und gerade so das Stilmittel Repetition und sparsame Lyrics, das ist doch ein klassisches Stilmittel, nicht nur in der Rockmusik, sondern auch in der Popmusik. Das kennst du auch von wirklich großen Bands. Es ist jetzt nicht so, dass das komplett überraschend ist, dass ein Song so aufgebaut ist.
Johannes Franke: Ja, aber dann hätte halt musikalisch noch ein bisschen mehr bringen müssen.
Florian Bayer: Mann, ey, du bist echt hoffnungslos. Das gibt's doch nicht. Dann lege ich dir mal ein wirklich geiles Musical vor.
Johannes Franke: Das krasse ist, dass du mich tatsächlich so ein bisschen ins Nachdenken gebracht hast mit deinem Du liebst nur die 50er Jahre und vorher. Nein,
Florian Bayer: das war nur Polemik. Das tut mir leid. Das wollte ich nicht. Ich bin in einer Sinnkrise gerade. Das war miese Argumentationsstrategie und Bad Faith. Ich glaube da selbst nicht dran.
Johannes Franke: Okay, gut. Danke.
Florian Bayer: Du hast genug Musicals aus den 70ern, 80ern, 90ern. Ich wollte dir einfach nur vor den Hut kacken.
Johannes Franke: Das hast du geschafft, Floor. Weil ich sauer war, dass dir das Musical nicht gefällt.
Florian Bayer: Ich würde mich in den Schlaf weinen heute. Du bist nicht so konservativ wie die Leute, die damals gesagt haben, wir wollen Herrn nicht sehen mit den langen Haaren, die sind doch alle schwul. Also das ist wirklich, also damals haben die auch echt auf die Mütze bekommen natürlich und das tut mir auch leid. Oh mein Gott, Floor, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube,
Johannes Franke: oh nein, wir sind in einer Self-Promo.
Florian Bayer: Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr?
Florian Bayer: Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement,
Florian Bayer: egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt.
Florian Bayer: Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes
Johannes Franke: Und das Ding ist, ich verbinde halt mit der Hippie-Zeit wesentlich mehr, aber eben auf einer Ebene, die dieser Film nicht anspricht. Die haben nicht ein einziges vernünftiges Gespräch darüber, was sie denn wollen überhaupt. Wogegen oder wofür sind die denn? Es gibt nichts darüber in diesem Film. Es gibt ganz am Anfang diese Verbrennung, die ich nicht verstanden habe leider. Und dann gibt es das Problem, dass er nicht in den Krieg gehen soll, weil dagegen sind die Hippies halt. Für wen kämpfst du denn? Das, finde ich, ist ein Thema, aber darin erschöpft es sich doch nicht.
Florian Bayer: Ich finde ihre Reaktion am Anfang, wenn er sagt, dass er zum Militär geht, finde ich großartig. Vor allem von einer Figur, über die wir noch gar nicht so viel geredet haben, die ich aber ganz fantastisch finde, Jeannie, die Schwangere. Die guckt einfach nur traurig. Er sagt, ich gehe zum Militär und ich werde dann in den Krieg ziehen und sie guckt vor allem traurig. und dann nachher... spricht sie Claudia auch an und sagt, ey, willst du mich vielleicht nicht heiraten? Das wäre eine Möglichkeit, da rauszukommen. Und ich finde, sie ist so ein süßer Charakter.
Johannes Franke: Total. Süß, aber leider auch nicht so dreidimensional so richtig.
Florian Bayer: Annie Golden,
Johannes Franke: die war vielleicht mehr als die anderen teilweise.
Florian Bayer: Hat in einer Punkband gesungen.
Johannes Franke: Oh, sehr schön.
Florian Bayer: The Shirts. Und man kennt sie vor allem heute aus Orange is the New Black, wo sie eine stumme Gefängnisinsassin spielt.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Die irgendeine Form von Mutismus hat, der nicht genau erklärt wird. Ich glaube, sie redet, es kann sein, es ist ja so ein klassisches Ding, wenn Filme oder Serien Mutismus zum Thema haben, dass es dann diesen großen Moment gibt, wo eine Person redet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, sie hat auch so einen Moment in der Serie irgendwann, aber ich weiß nicht mehr wann. Genau, ganz großartige Frau und ich finde, die macht ganz viel mit der Rolle. Du hast recht, die Rolle kriegt auf der Textseite relativ wenig und relativ wenig Charakter. Ich finde, Annie Golden macht total viel. Ja,
Johannes Franke: ich finde auch, dass sie das sehr, sehr gut macht.
Florian Bayer: Und gibt ihr so eine Mischung aus diesem Freiheitstrang, den man ihr abkofft und gleichzeitig hat sie so ein bisschen Traurigkeit in sich.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber auch so ein tolles Selbstverständnis von ihrer Art zu leben. Ich finde, sie ist eine sehr sympathische Figur.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Sie benutzt ihre Schwangerschaft so ein kleines bisschen, finde ich, blöde, als so ein bisschen emotionales Druckmittel zwischendurch. Aber das ist nur so ein bisschen unten drunter, so zwischendurch in ein, zwei Szenen, wo ich denke, ach, irgendwie, weiß ich nicht, macht das ein komisches Bild von der Frau zwischendurch.
Florian Bayer: Aber sie hat doch so einen coolen, sie weiß ja nicht, wer der Vater ist. Ja, ja, ja. Es gibt ja auch diesen Dialog, wo dann die Frage ist, ob sie es hat. Wo er dann anfängt mit seinem Antirassismus-Song und er sagt ja so, wenn das Baby rauskommt und wunderschön schokoladenbraun ist, dann ist es von mir, Leute. Nur damit ihr Bescheid wisst. Oder ist es von Wuff? Im Original-Musical ist es glaube ich so, dass sie Claude auch als Vater im Verdacht hat. Ich finde aber, sie geht so total entspannt damit um. Sie sagt einfach, ist doch scheißegal, wer der Vater ist. Wir sind eine Familie hier. Und da gibt es ja auch den, ich finde auch wirklich den schönen Dialog von ihr mit der Frau von Hatt, wo die Frau von Hatt versucht sie zu verstehen. Und sie dann versucht, ihr klarzumachen, wie das für sie aussieht. Ich finde, das ist schon eigentlich eine schöne Art, wie das charakterisiert wird. Vielleicht auch ein bisschen romantisiert.
Johannes Franke: Das ist es vielleicht, was mich ein kleines bisschen auch stört. Aber nicht ganz so schlimm wie manche andere Sachen im Film, muss ich sagen. Aber so eine kleine Romantisierung, das kann man dem Film glaube ich auch verzeihen. Bräuchte der Film vielleicht an einer anderen Stelle noch mehr sogar. weil... Weil dadurch, dass halt kaum Romantisierung sonst drin ist, ist vielleicht auch dieses Gefühl, dass der die Hippies hasst so stark.
Florian Bayer: Das verstehe ich nicht.
Johannes Franke: Weil man nicht so das Gefühl hat, dass die wirklich, dass er so mit so einem liebenden Blick auf die Sache guckt.
Florian Bayer: Ich weiß, dass das so oft als Vorwurf kommt, aber ich finde das überhaupt nicht. Ich finde, er gibt den Hippies ganz viel auch Charakter, der halt über das Teil der Bewegung sein hinausgeht. Weil er auch ihre Schwächen zeigt, weil er zeigt, wie sie mit der Außenwelt kollidieren.
Johannes Franke: Aber die Schwächen resultieren doch fast alle irgendwie aus dieser Hippie-Kultur. Ich habe so das Gefühl, dass was Hart da hat, der will ja seinen Lebensstil da irgendwie fortsetzen und deswegen aus der Familie da raus, beziehungsweise gibt keinen anderen Grund an. Es gäbe vielleicht einen anderen, aber das erzählt uns der Film nicht. Und die Frau ist plötzlich, nachdem sie gesungen hat und ihr gesagt wurde übrigens, entweder du hast ab mit dem Kind oder du bist bei uns, hat sie gesagt, ja dann bin ich bei euch. Aber sie sieht nicht sehr gequält aus dabei, sondern erinnert sich irgendwann, oh ja, ist doch ein nettes Leben hier. Und ich denke mir, entweder man sieht ihre Entwicklung dahin oder man sieht, dass sie damit hadert. Aber das dazwischen, was ich da gerade sehe, finde ich irgendwie bäh.
Florian Bayer: Aber das ist doch Teil dieser Romantisierung, wo man sagen könnte, der Mann, der diesen Film gemacht hat, der liebt Hippies, weil er zeigt sie als...
Johannes Franke: Nein, er ist bloß nicht an Frauen interessiert. Er will bloß die Frau nicht ordentlich erzählen. Er zeigt sie als faul.
Florian Bayer: Er zeigt sie als Community, die extrem offen ist, die überhaupt nicht Gatekeeping ist. Und zwar nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei Claude. Wie Claude zu denen reinkommt und auch wie Sheila zu denen reinkommt. Die laufen da einfach hin und werden mit offenen Armen empfangen.
Johannes Franke: Nein, Sheila holen sie eher rein, als dass sie sie einfach so empfangen.
Florian Bayer: Sheila geht zweimal zum Park, um Burger zu treffen. Einmal, um wieder Claude zu sehen. Also sie macht das schon auch selber. Um ihm den Brief zu zeigen, dass Claude... ihr geschrieben hat. Ich will nicht sagen, dass sie eine passive Figur ist. Sheila ist keine passive Figur. Genau, das will ich eben nicht sagen. Sheila ist zwar nicht diese Feministin, die Teil des Tribes ist, wie im originalen Musical, aber Sheila ist teilweise sogar aktiver als im Musical.
Johannes Franke: Ja, also absolut gegeben, aber die anderen wollen sie schon auch haben, so ist es nicht. Die geben sich schon auch, naja, auf die Party zu gehen und ihnen zu sagen, hier, lass sie doch mal einen Blick werfen und so, und sie so provokant anzuschauen und so, das ist ja schon eine Einladung. Das ist nicht einfach nur, wir wollen dir vor den Kopf stoßen. Das machen die mit der Familie, aber die wollen die schon auch einladen. Und ihr Blick, den sie die ganze Zeit hat, der sagt doch auch, ja komm, lad mich doch bitte ein.
Florian Bayer: Burger macht das, glaube ich, vor allem für seinen Freund. Ich glaube, Burger hat gar nicht so großes Interesse an Sheila, sondern er macht das wirklich für Claude, weil er Claude mag.
Johannes Franke: Ich sehe da viel mehr Interesse an ihr. Ich habe zwischendurch fast ein Dreiecksding.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich den Punkt dazwischen, wo man sich irgendwann fragt, okay, ist es nicht vielleicht doch so, dass sich eine Liebesgeschichte zwischen Burger und Sheila entwickeln könnte?
Johannes Franke: Ja, oder eigentlich, muss man sagen, die Gay-Romance.
Florian Bayer: Ja, übrigens auch das Thema Homosexualität in dem Film, also ich meine, es wird ein bisschen zum einen tangiert, indem diese Geschlechterrollen aufgegeben werden. Und ansonsten wird es relativ wenig angesprochen. Die Hippies hatten ja auch diese, also die Hippies haben auch Homosexualität tendenziell offener ausgelebt als andere Jugendsubkulturen. Und dann gibt es natürlich diesen schönen Moment, wo Wuff gefragt wird, ob er schwul ist wegen seiner langen Haare. Und offensichtlich wird es gefragt, als ob das ein Stigma wäre. Und Wuff zieht das Stigma komplett raus und sagt einfach, Mick Jagger würde ich nicht von der Bettkante stoßen.
Johannes Franke: Das finde ich total süß. Super Antwort.
Florian Bayer: Und dann, aber nee, ich bin nicht homosexuell. Und zwar als ob, es ist egal. Er könnte auch sagen, ja, ich bin homosexuell, aber als ob es für ihn keine Wertung hat. Finde ich ganz großartig.
Johannes Franke: Finde ich auch ganz toll, ja. Das stimmt.
Florian Bayer: Und dann natürlich auch bei diesem Militärding, dann sehen wir halt einen Mann mit lackierten Zehennägeln. Und dann haben wir diese Männer, die Männer besingen. Also ich finde so ein Gespür für diese Offenheit der Sexualität. Das kommt immer wieder in so kleinen Momenten durch.
Johannes Franke: Man muss aber auch sagen, dass das auch anders verstanden werden könnte. Nämlich die Männer, die Männer besingen, die das im Kontext des Militärs tun. Was auch einfach als Witz herhalten könnte. Was ein Witz der Zeit sein könnte einfach nur. Die sind doch alle schwul, die wollen ja nur Männer unter sich sein. Nee, nee,
Florian Bayer: nee, nee, nee, dann würde ich eher sagen...
Johannes Franke: Der Witz steckt da unter Umständen drin.
Florian Bayer: Nee, dann sehe ich eher den Witz drin, dass sie die als Körpermaterial für ihren Krieg sehen. Sie stehen auf die Körper der Männer, weil sie die in den Krieg schicken, damit die für sie sterben können. Das ist dann eher die zweite Ebene.
Johannes Franke: Das steckt ja dann später eigentlich noch drin, wenn es dann um das Camp da geht und... Genau, da wird das wieder aufgegriffen.
Florian Bayer: Aber ich finde, wenn, dann ist eher diese Doppelteutigkeit, dass zum einen dieses... die sexuelle Lust und zum zweiten halt auch diese militärische Lust am menschlichen Körper der Waffe ist.
Johannes Franke: Ja, weiß ich nicht. Also ich habe zumindest die Chance auf eine Doppeldeutigkeit, die ich nicht so gut finde, nämlich dieses leicht homophobe oder dieses ach, die Militär, die wollen sich doch eigentlich nur unter Männern ausleben können und zwar auf keine gute Art und Weise konnotiert.
Florian Bayer: Ich glaube nicht.
Johannes Franke: Weiß ich auch nicht genau. Nein, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Ach, ich weiß nicht. Es ist dafür, es ist auch, ich sehe da keine homophoben Subtexte drin, eher das Gegenteil.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch wie die Hippies gezeigt werden. Wir haben ja auch tatsächlich einige Momente, die wirklich aussehen einfach wie so authentische Bilder aus der Hippie-Kultur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da haben wir ja auch einfach Männer, die kuschelig zusammen sind und so. Ja, das stimmt. Und wo das alles so ein bisschen aufgebrochen wird.
Johannes Franke: Aber die Kuscheligkeit passiert ja vor allem, und da sind wir ein bisschen zu schnell drüber weggegangen, zwischen Claude und Berger zwischendurch. Und man denkt schon so, was passiert denn da? Aber... es passiert halt nicht. Es ist halt so ganz wenig angedeutet und vielleicht könnte man das dann entsprechend interpretieren, dass dann halt Burger für ihn in den Krieg zieht als ultimativen Liebesbeweis oder sowas, was aber irgendwie auch seltsam ist. Aber man könnte das in diese Richtung dann interpretieren. Was ich ganz interessant finde, weil die beiden ja durchaus, Burger zieht ihn ja richtig rein. Und er hat ja auch eine Motivation dafür. Und die ist vielleicht nicht einfach nur freundschaftlich oder einfach nur aus der Hippie-Kultur heraus geboren.
Florian Bayer: Burger brennt auf jeden Fall für Claude. Ja, absolut. Was wir von Burger wissen, er scheint schnell für Menschen zu brennen. Und wenn er für sie brennt, dann ist er mit voller Leidenschaft dabei.
Johannes Franke: Und ignoriert auch alles mögliche andere drumherum.
Florian Bayer: Aber was halt krass ist, er nutzt ihn dann doch nicht aus. Und man hat immer so das Gefühl, Burger ist so jemand, der ganz viele Menschen ausnutzen könnte. Aber zu seinen Freunden hält er und er bringt sie aus dem Knast raus. Er macht wirklich alles, um seine Freunde aus dem Knast rauszukriegen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wenn er in diesem Militärcamp ist, was ja total surreal ist, dass er dann für Claude gehalten wird und dann für ihn in den Krieg zieht, ohne dass irgendwann mal jemand sagt, Moment.
Johannes Franke: Der sieht anders aus.
Florian Bayer: Wo ist deine ID? Ist ja total surreal. Aber das ist ja das ultimative Opfer, was er da bringt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich verstehe es nicht. Ganz, wenn ich es realistisch sehen will, aber als Bild, das der Film aufmacht, als Metapher oder als übersteigerte Version dieser Erzählung, um den Punkt eben zu machen, dass das Militär keine Individuen braucht, sondern einfach Körper. Und da ist es egal, ob es Burger ist oder ob es Claude ist. Wir achten da nicht drauf, sondern wir gucken einfach, dass wir jeden, den wir da haben, da hinschieben. Und es ist ja auch völlig unrealistisch, dass die von einer Sekunde auf die nächste... Die Nachricht bekommen, los und jetzt geht's ab. Das muss vorbereitet werden. Das dauert natürlich ein bisschen länger. Auch wenn er sagt, die sind auf Alert. Aber das heißt ja nicht, dass die innerhalb von zwei Sekunden da losstürzen müssen. Fälliger Quatsch. Aber dieses Bild, wie er dann in diesen Schlund von diesem Flugzeug, der sie alle verschluckt, hinein. wandert. Das ist so stark, dass ich dem Film diese Ungereimtheit total verzeihe und sage, ja, vollkommen wurscht und die Übersteigung der Situation auch vollkommen geschenkt. Das Bild rechtfertigt alles. Das ist richtig gut und der Schnitt zum, direkter Schnitt zum Friedhof ist schon auch krass. Also ein kleines bisschen unfreiwillig komisch in dem Moment.
Florian Bayer: Findest du?
Johannes Franke: Aber nicht bösartig gemeint, sondern man muss dann plötzlich so lachen, weil so, wow, okay, so eine extreme Ja. dann kommst du in den Schlund rein und direkt auf den Friedhof. Das ist schon, es hat was Komisches, muss man sagen.
Florian Bayer: Also ich finde das tatsächlich bewegend. Ich kriege immer eine Gänsehaut. Aber absolut, natürlich. Ich finde es auch so geil, dass sie die Soldaten dann singen lassen. Die Soldaten, die in diesen Schlund reingehen und dann anfangen zu singen, also zu Let It Sunshine, den Chorus. Es ist wirklich cool, diese einzelnen Menschen in dieser anonymen Masse zu haben, die noch einmal singen können, dass sie jetzt für ihre Nation, für ihren Traum in den Krieg, gehen und in den Tod laufen. Es ist schon echt beeindruckend und mitreißend.
Johannes Franke: Der Film macht halt die Kehrtwende erst zehn Minuten vorher, kurz vor Ende. Erst dann kommt dieser ganze große Vietnam- Kontext. Vorher ist der gar nicht so präsent. Der ist so ein bisschen so halb angedeutet da, aber es geht eigentlich gar nicht so richtig viel darum, muss man sagen.
Florian Bayer: Es gibt einmal den Moment, wo Claude und Burger sich streiten und dann Burger sagt, ey, Alter, du gehst dahin, um Frauen und Kinder umzubringen, was ich ziemlich krass finde, was so ein echt Moment ist, der reinhaut, wenn man da zum ersten Mal merkt, dass Burger diese Offenheit fallen lässt und wirklich so zeigt, okay, und hier habe ich aber eine feste Weltsicht und im Streit lasse ich die raus und zeige die auch. Es wird so in Momenten angedeutet, finde ich. Es ist immer so, es wabert immer so ein bisschen mit. Es wird nicht ausdekliniert, wir haben hier keine Ja. Keine großen Friedensreden oder wir haben hier keine großen Diskussionen über die Rolle des Krieges.
Johannes Franke: Aber auch keine kleinen Diskussionen. Und die hätten mir vielleicht gereicht, aber hat er halt auch nicht. Es gibt genau drei Momente, glaube ich. Ganz am Anfang, wo sie das Ding verbrennen. Dann am Anfang, wo sie ihn kennenlernen und er sagt, ich werde eingezogen und ich gehe nochmal das Empire State Building anschauen. Wo sie sagen, Krieg? Wie jetzt? Das ist die zweite. Dann eben der Streit und dann ganz am Ende das Ding. Das war's.
Florian Bayer: Wenn Burger auf der Party sagt, dieser Mann wird für euch sterben? Ja, okay. Wenn Claude zur Musterung geht und darüber singt, wo er hin will und ob das sein Ziel ist, ob er Teil dieser Maschine werden will?
Johannes Franke: Ja, das singt er, aber da höre ich nicht mehr hin, weil ich die ganze Zeit denke, du wiederholst nur ein oder zwei Worte oder es sind random Worte, die irgendwas bedeuten sollen. Zum Beispiel Pädophilie.
Florian Bayer: Warte mal, ganz kurz.
Johannes Franke: Ich verliere ja Geduld zwischendurch mit den Songs, das ist das Problem auch, weil ich ja nach dem dritten Song denke, ich brauche ja gar nicht mehr hinzuhören. Da ist ja inhaltlich sowieso nichts dran.
Florian Bayer: Du musst einfach mehr auf die Performance gucken, glaube ich, in diesem Film. Ja, die Songs sind minimalistisch, barebone vom Text her. Aber es passiert so viel in der Art, wie das ausgedrückt wird, in der Art, wie Bilder zusammengeschnitten werden.
Johannes Franke: Aber dann lass uns doch da mal reingehen. Es gibt wahnsinnig tolle Schauplätze aus New York. Der Central Park ist kaum so gut inszeniert worden wie in diesem Film, finde ich. Weil er einfach diese Masse, diese Hippie-Kultur-Masse irgendwie im Central Park wundervoll zeigt. Ich finde die Bilder ganz, ganz toll und das Konzept dahinter ist vom Kameramann Miroslav, den Nachnamen kann ich nicht aussprechen, Ott Finicek irgendwas. Der hat früher im Dokumentarfilm gearbeitet und der hat halt gedacht, ja, poetische Bilder entstehen nicht einfach nur über artifizielle Überkonstruktionen, wo ich ihm widersprechen möchte. Aber seine Idee war halt aus der Realität heraus zu arbeiten und das ganze dokumentarisch zu denken. Und das kommt dem Film total zugute. Und er hat einen unglaublich sexy Korn, der Film. Also er hat einfach ein Bildrauschen, was so geil aussieht. Ein physischer Film, was der noch konnte damals. Wirklich toll. Es sieht wahnsinnig gut aus.
Florian Bayer: Das Dokumentarische finde ich auch tatsächlich spannend, weil es gibt immer so Momente dazwischen, wo du Hippies hast und du hast das Gefühl, jetzt sind wir voll, jetzt haben wir dokumentarische Bilder.
Johannes Franke: Voll. Absolut. Was ich das geilste Bild an der ganzen Sache finde, neben dem Flugzeug, wo der Schlund, wo die Leute reingehen, es gibt einmal eine Straßenszene, die am Anfang leer ist und plötzlich kommen ganz viele Leute aus ihren Ecken gekrochen, kommen auf die Straße, kommen auf die Kamera zu und dann irgendwann nach der Nummer, die da passiert, der Gesangsnummer, gehen sie alle wieder weg.
Florian Bayer: Ja, das ist, wenn Claude sich fragt, wo er hin will, wie sein Platz in der Gesellschaft ist, ob er in den Krieg ziehen will oder ob er doch zu den Hippies gehört.
Johannes Franke: und da bin ich eher beim Bild und höre nicht so richtig hin, weil ich sowieso gedacht habe, ja gut, okay, was der jetzt singt, das scheint keinen Sinn zu machen. Und fand das Bild einfach ganz toll, muss ich sagen. Das fand ich wirklich, wirklich schön.
Florian Bayer: Wie fandst du denn die Tänze? Also wenn du sagst, die Park-Szenen sind toll. Wir haben ja gerade am Anfang... Wenn so diese Sibitume etabliert werden, haben wir immer so gar nicht unsere Protagonisten, sondern so andere kleine Tribes, die einfach mal durch den Park tanzen. Ich finde, das ist ein bisschen corny, diese Eröffnungsszene, wenn dieser Mann und diese Frau da stehen, um den Park zu eröffnen. Also Claude kommt in den Park an und dann haben wir diesen halbnackten Mann mit der Frau, die eine Art Yoga-Tanz machen. Ihr Spiritualisten da draußen wisst das bestimmt besser, um dann halt Platz zu machen für die Parkwelt. Und dann haben wir sehr viele, die tanzen. Wie fandst du diese Choreografien? Also ich fand die Choreografien solide, gut,
Johannes Franke: bis teilweise tatsächlich ziemlich gut. Als die Pferde einsteigen, bin ich natürlich Fan. Also ich finde es tatsächlich ziemlich geil. Geil, aber es ist... Ja, fuck,
Florian Bayer: Alter.
Johannes Franke: Nur, um dich daran zu erinnern,
Florian Bayer: bevor du zu viel schwärmst.
Johannes Franke: Die tanzenden Pferde. Und Twyla Thorpe ist die Choreografin. Und die hat tatsächlich nicht nur einfach die Aufgabe bekommen, irgendwelche Leute... Tänzer zu rekrutieren, sondern die hatte eine eigene Company und die Company hat sie mitgenommen. Das heißt, die waren schon eingespielt und die wussten schon, die konnten sich schon verständigen und da ging alles viel schneller und viel besser und das haben sie tatsächlich, finde ich, ziemlich gut gemacht. Problem zwischendurch, es gab massive Nebelmaschinen, um das Ganze irgendwie stimmungsvoll zu machen und die mussten zwischendurch medizinisch versorgt werden, die Tänzer, weil das irgendwie ein Problem war. Naja, aber ja, der Sauerstoffgehalt am Set war anscheinend sehr gering. Ich finde allerdings die Tanzdinger tatsächlich ganz gut. Ich glaube aber, dass sie mir die Geschichte auch nicht, genauso wenig wie die Songtexte, die Geschichte nicht weiter voranbringen. Und das wäre vielleicht noch nett gewesen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenigstens auf der Ebene noch. Weil sonst, was macht der Song da drin?
Florian Bayer: Es ist halt auch viel Vibes. Und das ist das, was das Musical im Kern fast komplett ist.
Johannes Franke: Und das fände ich wieder geil, wenn du nicht irgendwie eine Ausrede hättest, zu sagen, ich will jetzt einen Film draus machen und dann versuchst du da einen Haufen Zauber drum rum zu machen, sondern wirklich auf den Kern dich zu konzentrieren und zu sagen, okay, wir sind nur Vibes. Und dann sagst du dem Publikum möglichst ganz am Anfang, wir sind nur Vibes. Dann stellen die sich darauf ein und können das auch genießen. Aber der Film macht das ja nicht.
Florian Bayer: Zum Thema Vibes noch eine Frage, weil dazu haben wir noch gar nicht viel gesagt. Wir haben jetzt gerade über das Dokumentarische geredet. Drogen. Wir haben viele Drogenszenen in diesem Film. Wie fandest du denn die Drogenvision? Weil es gibt ja mehrere Momente, wo man merkt, okay, jetzt ist er truff, jetzt hat er LSD genommen oder whatever. Und dann gibt es diese eine große Sache, wo er sich in diese Kirche hinein halluziniert und verheiratet wird. Und dann davor gibt es ja auch immer nochmal so Momente, wo man merkt, okay, das ist so eine Mischung aus Drogentrip und echtem Erleben.
Johannes Franke: Ich finde es ganz nett, eigentlich das mit der Kirche, die Grundidee,
Florian Bayer: dass er da seine Fantasie geht sofort in konservative Kreise. Er muss heiraten. Finde ich auch. Ich finde es voll witzig, dass er total truff ist. Und was dann aber ist, ist so ein Rückfall in dieses Kansas-Bauern-Ding. Das ist Glück dieser Hochzeit. Geil. Und man hat so das Gefühl, dass er feststellt, ich weiß gar nicht, ist das jetzt das Richtige?
Johannes Franke: Was will ich denn jetzt eigentlich davon? Ist das jetzt irgendwie cool? Und sie ist auch so sehr lose an ihm dran. So, ich geh mal dahin, guck mal dahin oder was. Und die ganze Vision geht ja völlig in andere Richtungen. Und er trifft auch so der... das Christentum, was ja das Konservative quasi auch sein soll, über in dieses Hare Krishna Zeug, in den Buddhismus oder Hinduismus oder welche Richtung das auch immer da gerade ist. Ich finde das Aufeinandertreffen schon interessant, aber es ist ein bisschen zu lang, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es ist schon auch echt ein bisschen zu lang. Dieses Hare Krishna finde ich voll nervig. Überflüssig. Ich finde aber davor diese Art, wie Rauschzustände inszeniert werden, das ist vor allem dieser Entgarten, Wutnoos Song, relativ früh. Da hat er irgendwas zusammen mit seinen neuen Hippie-Freunden eingenommen und dann haben wir diesen Tanz, nachdem der Black Song kam, wo plötzlich, wo es immer mehr werden, kurz bevor er dann verkatert auf der Parkbank aufwacht. Und ich finde, das ist schon geil gemacht, weil es sich so reinsteigert und dann haben wir einfach so einen psychedelischen Wahnsinnstraum, der so richtig episch ist. Das finde ich funktioniert voll gut. Und ich finde generell diese Diese Wechsel zwischen diesen episch verspielten bunten Szenen und zwischen dem, was sehr realistisch und sehr grau und trist ist teilweise, finde ich, funktioniert es ziemlich gut. Am Anfang haben wir das, wenn er aus Kansas kommt, wenn er in den Bus einsteigt, das ist alles neblig, es ist trübe und so. Aber wir haben es dazwischen auch immer mal wieder, so Momente, wo er halt auf der Straße unterwegs ist und wir haben einfach nur grau, wir haben viel Beton, wir haben viel Fassade, wir haben einfach Stadt und wenig auf der Bildebene. Und dann aber dieser harte Wechsel zu sowas wie, naja, der Hippie-Party, wo sie dann zusammen feiern, wo sie im Park sind, wo sie drauf sind und so.
Johannes Franke: Also ich finde gerade den Anfang sehr interessant, weil man nicht denken würde, dass man in einem Musical gelandet ist, weil er wirklich so trist ist am Anfang mit seinen Bildern. Dass ich schon da gedacht habe, oh ja, der Film wird bestimmt sehr gut. Ich habe ihn also wirklich... Viel große Vorschusslorbeeren gegeben dafür, weil er den Kontrast aufgemacht hat, von dem ich schon erwartet habe, dass er einfach gebrochen wird. Und dann kommen die tanzenden Pferde und ich finde es noch ganz gut, muss ich sagen. Aber naja, er hat es dann halt nicht durchgehalten.
Florian Bayer: Schade. Ich finde es vor allem schade, dass du das, was tatsächlich was anderes erzählt wird, als auf einer Textebene, dass du das so wenig gesehen hast. dieses Feiern von alternativen Lebensweisen, dieses Feiern vom Aufbrechen von Stereotypen, egal ob es Gender oder... Race-Stereotypes sind. Dieses friedliche, harmonische Miteinanderleben, was halt so den Kern der Hippie-Bewegung ausmacht. Ich finde, das hat ja ganz viel drin in den Vibes. Ach, ich weiß nicht. Und dann die Songs. Wie kannst du die Songs nicht mögen? Das macht mich echt fertig, Mann. Ja, das ist einer der best musical Songs ever.
Johannes Franke: Weißt du, ich glaube, da kommt sehr stark zum Tragen, was wir oft haben hier. Ich Bin angewiesen bei Filmen ganz oft auf eine Hauptfigur, der ich folgen will. Ja. Und ich will halt kaum jemandem in dem Film folgen, weil sie alle irgendwie vielleicht ein bisschen klaut. Weil er ist ja auch unsere Hauptfigur und ich denke auch die ganze Zeit, oh nein, ich muss mal jemanden in den Arm nehmen.
Florian Bayer: Der Kansas-Boy, der in den Krieg ziehen will.
Johannes Franke: Ja, genau. Und dir sagen, dass er dich lieb hat. Und Burger könnte das, aber er ist halt so ein Arschloch. Ich mag ihn wirklich ganz, ganz wenig. Nein,
Florian Bayer: Burger ist ein Arsch. Auf jeden Fall, Burger ist ein Drecksack. Das denkt man auch. Ich finde es stark, dass es die ein, zwei Momente gibt, wo das aufgebrochen wird. Also zum einen, dass er sich opfert am Schluss. Und dann finde ich ganz geil, dass es einen Moment gibt, und zwar beim Militär, wenn sie da reinfahren wollen, wo klar wird, hier ist die Grenze. Hier kannst du dich nicht reinquatschen. Die ganze Zeit hat es immer geschafft, Leute zu bequatschen. Ja, ja,
Johannes Franke: ja, genau.
Florian Bayer: Aber hier kommst du nicht weiter.
Johannes Franke: Aber er hat ja auch seine Haare verloren. Ich glaube, das liegt daran. Die magischen Haare sind weg. Jetzt hat er keine Chance mehr.
Florian Bayer: Vielleicht. Oh ja, die Superkräfte verloren. Ich finde aber, Burger ist ein Drecksack, das gebe ich dir, aber ich finde Hutt total cool, ich finde Hutt total spannend und ich finde Hutt wird natürlich, kriegt sowas unsympathisches dadurch, dass wir dann sein kleines Kind mit dieser extrem aufgedrückten Träne sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist echt auch sehr cheesy. Aber ich finde Hutt bleibt trotzdem ein interessanter Charakter mit seinen Widersprüchen.
Johannes Franke: Ja, absolut, das stimmt. Irgendwie interessant bleibt er. Aber, weißt du, das Problem ist auch, wenn ich... eine Figur unsympathisch finden im Film, dann möchte ich wenigstens wissen, was ihn antreibt.
Florian Bayer: Berger sucht nach einer Familie.
Johannes Franke: Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Deswegen hängt er sich so an Menschen.
Johannes Franke: Dafür ist er zu egozentrisch. Das sehe ich nicht.
Florian Bayer: Das ist er ja offensichtlich nicht. Und er geht durchs Feuer für Claude. Was er macht am Ende ist ja wohl wirklich krass. Nicht nur, dass er für ihn stirbt, sondern davor auch, dass er da reinfährt. Dass er das alles auf sich nimmt, sich die Haare schneiden lässt, damit Claude einmal seine Freunde noch sehen kann.
Johannes Franke: Ja, aber als letztes haben die gerade gestritten. Also, dass er nochmal seine Freunde sehen kann. Er nimmt das ganz schön stark an, dass das ein Bedürfnis von Claude ist. Ohne er hat recht.
Florian Bayer: Er kann es aber nicht wissen. Aber er hat recht damit. Und du hast gesagt, Burger baggert Sheila an. Und du hast schon gesagt, sie guckt aber auch so wie, ja, bagger mich an. Also so, dass sie Mitglied des Tribes wird. Bürger auch tatsächlich. Hinter all diesem Narzissmus, den er hat, steckt dann doch ein Gespür dafür, welche Menschen irgendwie zu seiner Gruppe passen. Ich weiß nicht. Ich sehe ihn zu sehr als Er ist ein Arsch. Aber er hat auch seine guten Momente. Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass der Film es super hätte hinkriegen können,
Johannes Franke: mir eine Leidenschaft von ihm zu zeigen, die in der Hippie-Kultur begraben ist. Nämlich, warum macht er das Ganze? Wenn du protestierst, aber keine Forderungen mitbringst, dann nervst du nur. Und Nerven Okay, ist wichtig für einen Protest, weil Fridays for Future hat auch genervt, aber war wahnsinnig wichtig, dass sie nerven auch. Und auch hier die,
Florian Bayer: die sich auf die Straße geklebt haben und so.
Johannes Franke: Das war ein wahnsinnig wichtiger Teil dessen, dass sie genervt haben. Aber sie haben auch Forderungen mitgebracht, während hier im Film nicht eine einzige Forderung wirklich gezeigt wird.
Florian Bayer: Okay, pass auf, Bolt Statement. Am wichtigsten sind in diesen Gegenkulturen und Bewegungen, ich stimme ja übrigens größtenteils zu, die Menschen, die nerven und die gleichzeitig absolut eine Welt... Weltbild mitbringen, die sich damit auseinandersetzen und die ihr Leben riskieren, um dieses Weltbild durchzusetzen, sich auf die Straße kleben und radikal sind. Der Großteil dieser Kulturen sind eher Typen wie Berger. Und das ist nicht negativ gemeint. Der Großteil bei den Friday for Futures Protesten, was glaubst du denn, das war total wichtig, dass es die gab, aber was glaubst du denn, wie viele von diesen Leuten genervt haben, ohne sich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Johannes Franke: Aber haben die genervt tatsächlich?
Florian Bayer: Nee, mich nerven das ja nicht. Das ist aber einfach Teil der...
Johannes Franke: Nein, ich meine, haben die, die sich nicht damit auseinandergesetzt, so weit sich reingebracht, dass sie genervt haben? Dass sie an der richtigen Stelle genervt haben?
Florian Bayer: Naja, sie haben das auf jeden Fall... Sie haben ihre Ideen ja schon auch ausgedrückt und gesagt.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Aber Burger eben nicht. Das ist halt das Ding. Das ist der Unterschied. Ich höre Burger nicht ein einziges Mal. sagen, das übrigens will ich und darum mache ich den ganzen Scheiß.
Florian Bayer: Aber ich finde, wie seine Haltung zum Thema Krieg ist und zum Thema Vietnam, er verbrennt seinen Draft. Er geht auf diese fucking Party und ich denke die ganze Zeit, niemand hat dir was getan auf dieser Party. Er tut auch niemandem was. Natürlich. Nein. Guck dir diese Party an. Sie feiern doch nur. Und dann tanzt er auf den Tisch. Ja, da macht er ein bisschen was kaputt dabei. Er ist impulsiv. Aber nochmal, Burger ist ein Arsch. Auf jeden Fall. Aber ich glaube, diese Menschen, die auch, die geht. die drin sind in diesen Bewegungen für andere Gründe als das große Weltbild. Das sind verdammt viele. Und ich glaube, bei Friday for Future waren auch verdammt viele auf der Straße, die sich wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben, die wenig dafür gekämpft haben, die außerhalb von diesen Protesten, wo sie freitags schulfrei hatten.
Johannes Franke: Aber die sind nicht auf Partys gegangen, auf denen sie eingeladen waren und haben Geschirr kaputt gemacht.
Florian Bayer: Du bist so ein Spitz. Spießer. Ich wollte ja eigentlich sagen, diese Leute gibt es und diese Leute sind wichtig für Bewegungen.
Johannes Franke: Ja, natürlich, weil sie die Masse bilden, aber Burger ist nicht die Masse. Oh, pass auf, ganz interessant.
Florian Bayer: Jetzt sehr schräger. Willi, der Song von Konstantin Wecker. Oh ja, sehr guter Song. Großartiger Song. Und das singt er ja, hast du den ungefähr im Kopf? Ja, ungefähr. Und dann sagt er, dieser Willi war immer extremer als sie und der Willi war immer voll dabei und so weiter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hat er dieses Gespräch mit dem Willi und es geht um die 68er Bewegung in Deutschland. Und dann hat er das Gespräch mit dem Willi und Willi sagt, wenn die Leute da auf die Straße gehen, die gar nicht so dahinter stecken, das ist ein Problem. Ich glaube, ich stimme nicht mit Willi überein. Ich glaube, diese Menschen sind auch wichtig für so eine Bewegung. Und Friday for Futures hat auch nur geklappt, weil viele dabei waren, die sich nicht so reingehängt haben wie andere.
Johannes Franke: Ja natürlich, du kannst ja auch nicht, nicht jeder kann sein Leben dafür aufopfern und sich irgendwie, das geht natürlich nicht. Ich verstehe das auch. Aber das sind ja nicht die, die dann tatsächlich sich auf die Straße kleben.
Florian Bayer: Nee, aber es sind die, die den Leuten auf die Nerven gehen, die ihren Eltern auf die Nerven gehen, weil sie am Abendtisch plötzlich sagen, Alter, habt ihr hier wirklich was von Nestle stehen? Das geht doch nicht. Das sind die, die sich sonst nicht damit auseinandersetzen.
Johannes Franke: Wo ich sehe, daran wird es abgehandelt. Der geht auf diese Party und ich sehe nicht ein einziges Mal, wo er Gegner ist.
Florian Bayer: Er sagt, er sagt, wo ging es denn? Gegen den Vietnamkrieg. Das sagt er. Hat sein Draft verbrannt. Er sagt, und der zieht in den Krieg und wird sterben für euch.
Johannes Franke: Aber das ist doch nicht der Grund, warum er auf der Party ist. Nee, auf der Party ist er,
Florian Bayer: weil er Cloten gefallen tun will, weil ihm sein Freund wichtig ist. Den er erst seit einem Tag kennt. Ja, wo er annimmt, dass er die Frau anstarren will. Und damit hat er recht. Claude will die Frau anstarren. Na,
Johannes Franke: weiß ich nicht. Nee, ich habe das Gefühl, dass die keine Chemie miteinander haben so richtig. Und dass das auch nicht stimmt.
Florian Bayer: Die Liebesgeschichte ist nicht geil. Die Liebesgeschichte zwischen Claude und Sheila funktioniert so nicht. Ist nicht glaubwürdig, absolut. Nein.
Johannes Franke: Und ich denke vielleicht eigentlich eher, dass Claude eher an Burger dran hängt. Und sich das eher...
Florian Bayer: Die Liebesgeschichte zwischen Sheila und dem Hippietum ist großartig. Das stimmt. Und glaubwürdig. Sheila wird hier etabliert, wie sie mit ihren Freundinnen auf dem Bett sitzt und kifft. Und Sheila ist, man merkt, sie gehört da irgendwie rein zu denen. Und das ist die süße Romanze in diesem Film. Die Sheila übrigens auch zu einem interessanten Charakter macht, weil sie ist dann nachher die Aktive, die sie wieder aufsucht und wieder in den Park geht und nach den Leuten sucht und mehr Kontakt mit ihnen will. Ich glaube, wir haben so viel gestritten. Und dabei geht es, sollte es doch eigentlich um Harmonie Und um Liebe und vor allem um Hippietum gehen.
Johannes Franke: Hast du was zu kiffen dabei, Plur?
Florian Bayer: Na klar, pass auf, wir ziehen jetzt einen durch und währenddessen reden wir über unsere Top 3. Sehr schön, Jingle. Plur, ich kiffe gar nicht. Ich habe das nie gemacht. Du hast tatsächlich nie an einem Joint gezogen? Ich habe noch nie gekifft, Plur. Ich bin über 40. Krass. Aber du willst nicht offensichtlich.
Johannes Franke: Nein, Also nicht mal, weil ich irgendwie denke, ah nee, Drogen ist schlecht oder sowas, sondern ich habe tatsächlich einfach null Interesse. Du bist überhaupt, du bist komplett, du trinkst ja auch keinen Alkohol, ne? Oder ganz wenig. Ich trinke ab und zu mal so einen Whisky oder einen Rum oder sowas. Ja,
Florian Bayer: aber nicht viel, oder?
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht viel. Ich bin also so richtig ignorant Drogen gegenüber. Mich interessiert das so richtig null.
Florian Bayer: Und macht Alkohol was mit dir? Also fühlst du dich wohl, wenn du ein bisschen betrunken bist?
Johannes Franke: Nein, das hat nichts damit zu tun.
Florian Bayer: Du trinkst nicht so viel, also wann warst du das letzte Mal betrunken?
Johannes Franke: Mit 18.
Florian Bayer: Okay. Wir reden nicht über Drogen in unserer Top 3, wir reden über Hippies, über Hippiefilme und ich hab extra, ich hab zu Johannes gesagt, Top 3 Hippiefilme und hab dann noch schnell ergänzt, egal ob für Hippies, von Hippies oder über Hippies.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sonst ist es gar nicht so einfach, das zusammen zu kriegen.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz, ich muss anfangen, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 3 natürlich den großen Yellow Submarine. Natürlich. Weil der so absolut psychodelisch wird zwischendurch. Das ist der Film von den Beatles mit ganz vielen Songs und zwischendurch eine fadenscheinige Story oder was auch immer. immer das sein soll. Und sie haben einfach sehr viel psychedelisches Zeug. Das Ding ist 1968 rausgekommen. On Spot. Summer of Love. Das ist genau sein Ding. Großartig.
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist aus dem Jahre 2003 von Bernardo Bertolucci. Die Träumer. Spielt im Jahr 1968 ein Trio Studenten in Paris, die sehr hippi erst kleben und die alten Filme der Nouvelle Vague gucken. und gleichzeitig Drogen nehmen und dann auch irgendwann zusammen Sex haben. Ein wunderschöner Film, komplett romantisiert, komplett verklärt. Wirklich, wirklich sehr schön. Ich habe auf Platz 2
Johannes Franke: Harold & Maud.
Florian Bayer: Natürlich hast du Harold & Maud drin. Ich warte auch nur darauf,
Johannes Franke: dass der kommt. Wir haben Harold & Maud besprochen. Du warst nicht so ganz begeistert. Du hast... Du hast, glaube ich, sogar einen Vergleich gebracht mit einem anderen Film.
Florian Bayer: Die Reifeprüfung. Ah, Vater. Der viel bessere Film.
Johannes Franke: Scheiße, die Reifeprüfung ist so schlecht.
Florian Bayer: Der früher war und der das viel besser und viel subtiler gemacht hat, das Harold Maud, der uns mit Cat Stevens traktiert.
Johannes Franke: Oh, ich liebe Cat Stevens. Das ist großartig. Also ich mag den Film sehr gerne, vor allem, weil ich ihn halt auch gespielt habe, muss ich sagen. Nein, ich habe den Film auch schon vorher gemacht, bevor ich Harold spielen durfte. Und ich hatte sehr viel Spaß dabei, das zu spielen. Und ich liebe Cat Stevens und ich liebe die Spielfreude von Maud.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die Schauspielerin macht das einfach ganz, ganz toll. Ruth, Nachname vergessen. Verdammt. Hört euch die Episode an, wir haben viel Spaß damit.
Florian Bayer: Mein Platz 2, vielleicht sogar der Hippie-Film schlechthin und ich muss ihn dir, glaube ich, irgendwann mal geben. Sabriski Point von Michelangelo Antonioni, der Regisseur von Blow Up, über den wir gesprochen haben, von dem du, glaube ich, nicht so begeistert warst. Blow Up war furchtbar. Genau. Sabriski Point würdest du auch furchtbar finden. Es geht um zwei Menschen. die sich in der Wüste treffen und irgendwie beide kind of auf der Flucht und die sich dann in der Wüste lieben in einem psychedelischen Hippie-Rausch. Und es ist ein sehr, sehr surrealer Film und auch so ein bisschen abstrakter Film. Also es ist schon eine reale Handlung, aber er hat die ganze Zeit so was Abstraktes und so was Waberndes. Und großartig.
Johannes Franke: Platz 1 bei mir, Al-Tipi, der Dude,
Florian Bayer: Bill Glebowski. Ja, sehr schön.
Johannes Franke: Der will nichts anderes als rumzuliegen und seinen White Russian zu trinken und das war's. Leute, nervt doch nicht. Ich habe ihn aber sehr, sehr lange nicht gesehen und deswegen würde ich ihn dir gerne mal geben.
Florian Bayer: Müssen wir auf jeden Fall mal machen. Mein Platz 1, was hast du erwartet? Holly Mountain. Alejandro Jodorowsky aus dem Jahr 1973. Ein Klassiker des Surrealismus. Johannes hat ihn gehasst. Warum hast du nur Scheißfilme in der Liste? Was soll denn das bloß? Ich glaube, du kommst einfach mit psychedelischen Filmen nicht klar. Ich komme einfach mit deinen Filmen nicht klar. Du kommst mit gar nichts klar. Komm mal klar. Vielleicht sollte ich mehr kiffen. Ja, echt mal. Und damit zurück. So, zurück in unseren Film. Kriegen wir uns noch in die Haare, Floor? Ja, wir haben uns schon in die Haare gekriegt. Übrigens dazu sei gesagt, dass Johannes der ist, der trotz seines grobenen Alters über 40 noch eine volle Haarpracht hat, während von meinen Haaren nichts mehr übrig ist. Und vielleicht ist das auch einfach nur Coping. Ich gucke diesen Film mit diesen jungen Menschen mit langweilenden Haaren und denke,
Johannes Franke: ach ja, hätte ich auch gern wieder. Jetzt gab es wieder neulich eine Meldung, dass die Chinesen es endlich geschafft haben oder die Japaner. ein Gel zu entwickeln, das wieder Haare sprießen lässt, Plur. Ich bin sehr gespannt. Würdest du das machen, wenn du das kriegen könntest?
Florian Bayer: Ich glaube ja.
Johannes Franke: Echt, ja?
Florian Bayer: Ich glaube,
Johannes Franke: das ist zu deiner Identität, dass du diese
Florian Bayer: Nicht-Haarpracht exportest? Nein, überhaupt nicht. Ich hätte gerne wieder schöne, ich hätte gerne volles Haar. Ich mochte meine Haare sehr, als es lang war. Und ich hatte auch, ich habe sehr viel mit meinen Haaren gemacht. Vielleicht sehen sie deswegen heute so aus, wie sie aussehen. Auf diverse Arten gefärbt und geschnitten und ich wäre sehr glücklich darüber, wenn ich das wieder tun könnte.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Naja gut, kommen wir zu diesen Haaren. Ja, diese Haare,
Johannes Franke: diese Haare sind einfach nichts für mich, leider. Also ich bin ja durchaus großer Musical-Fan, aber wir festgestellt haben vielleicht vor den 70ern größtenteils. Mann,
Florian Bayer: damit habe ich dich echt getroffen, oder? Ja, es tut mir leid, das wollte ich nicht. Es tat mir echt weh. Es war nur Polemik, echt, sorry Johannes, nimmst du meine Entschuldigung an? Du bist kein konservativer Musical-Fan.
Johannes Franke: Dann müssen wir nachher noch Little Shop of Horrors nochmal gucken, damit ich weiß, dass du es ernst meinst. Okay, also, ich bin sehr enttäuscht gewesen von dem Musical, weil ich vielleicht auch tatsächlich an Idealen sehr hänge. Und wenn mir ein Film Leute, die berühmtermaßen große Ideale hatten, zeigt ohne die Ideale, dann bin ich irgendwie grumpy, muss ich sagen. Und die Musik war einfach nicht so. Toll und irgendwie, weiß ich nicht, ich hatte mich nach und nach weiter zurück und runter gezogen und ich dachte, schade, Ganz am Ende, die letzten zehn Minuten waren richtig, richtig gut.
Florian Bayer: Hört nicht auf das, was Johannes sagt. Hä, ist ein wunderschöner Film, also das Musical ist auch großartig. Ich finde die Songs, es sind unglaublich viele Bänger dabei, ist auch ein bisschen Filmmaterial dabei, aber das meiste sind echt geile Songs. Die visuelle ist großartig und ich finde die Art wie der Film, zum einen die Hippie-Kultur in... in Bildern wiedergibt, ist spot on. Und zum anderen finde ich, schafft er es tatsächlich, die Ideen des Musicals zu erweitern. Das ist manchmal nicht so geschickt, also gerade dadurch, dass die Story so sehr auf Hollywood geklettert ist, mit der Romantik, mit der Romanze, mit der Liebesgeschichte zwischen Claude und Sheila, das ist ein bisschen platt. Aber was ihm wirklich gut gelingt, ist so eine Reflexion der Hippie-Kultur zu zeigen, die das ursprüngliche Musical nicht hat. Und zwar wirklich, indem er die Hippie-Kultur auch mit außen kollidieren lässt und jedem von diesen Charakteren, die doch sehr, sehr prototypisch, sehr stereotyp sogar sind im Musical, ein bisschen mehr gibt, ein bisschen mehr Leben gibt und vor allem auch ein bisschen mehr Anknüpfungspunkte zum Bürgerlichen. Finde ich total spannend und total interessant und abgesehen davon ist der Film einfach ein geiler Ritt durch die Hippie-Kultur mit großartigen Songs und viel Atmosphäre.
Johannes Franke: Ich möchte mit einem Zitat enden.
Florian Bayer: Ja, Let the sunshine in.
Johannes Franke: Good morning, starshine, the earth says hello. You twinkle above us, we twinkle below. Good morning, starshine, you lead us along. My love and me as we sing our early morning singing song. Gliti, glub, globi, nibi, nabi, nubi, la la lo lo, saba zibi saba, nubi aba naba, li li lo lo, tubi ubi vada, nobel abadete und so weiter und so fort. Wenn ihr gekifft habt, macht der Film bestimmt viel mehr Sinn und ihr habt richtig, richtig deep... liebten Songtext für euch.
Florian Bayer: Mann, Johannes, let it sunshine in your heart. Und vielleicht auch ein paar Substanzen in deinen Körper, dann wird das schon. Wenn ihr wissen wollt, was wir euch nächste Woche geben, Spoiler, es wird ein Publikumswunsch, bleibt noch kurz dran. Ansonsten, Johannes, vielen Dank, dass du diesen Film fertig gemacht hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du mir diesen Film gegeben hast, dass ich endlich wieder draufhauen konnte irgendwo. Und ausgerechnet aus dem Musical, ich bin ein bisschen böse auf dich, dass ich auf ein Musical raufhauen musste, weil Musicals eigentlich mein Ding sind.
Florian Bayer: Ansonsten, wie immer, euch vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank euch da draußen. Kommt gut durch die Woche, bis wir uns dann nächste Woche wieder hören. Da geht es dann um einen Publikumswunsch. Und welcher das ist, das verraten wir euch nach dem Jingle. Bis dann, ciao. Ciao.
Florian Bayer: So,
Johannes Franke: ja, was gibt es denn, Plor?
Florian Bayer: Wir haben einen Publikumswunsch von Ferdi. Ferdi, schöne Grüße. Der uns auf Spotify schreibt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Louis Bonoel. Auch wenn mein persönlicher Favorit sein Film El Angel Exterminador ist, wäre Belle de Jour für eine Besprechung, glaube ich, am interessantesten. Nope. Wir nehmen deinen Lieblingsfilm. Wir nehmen den Würgeengel.
Johannes Franke: Ja, der Würgeengel. Sehr schön. Von Louis Bonoel. Klingt französisch, ist aber mexikanisch, oder?
Florian Bayer: Ja, spanisch. Ich habe den schon lange nicht mehr gesehen. Manuel Wansch. spanischer Richter, war auch in Mexiko unterwegs. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wo er diesen Film gedreht hat, aber es war so, ich glaube, sein Spätmittelwerk. Ich weiß es nicht. Es ist ein Werk. Es ist definitiv ein Film und ich mag Louis-Bruno Elser und ich habe den Würgeengel auch gesehen. Das war echt schon richtig, richtig, richtig lange her. Und Belle Jure ist aber ein bisschen näher deswegen und dann, also ich finde auch Belle Jure interessant, aber ich glaube, es gibt Filme von ihm, die ich interessanter finde und Würgeengel gehört dazu. Okay.
Johannes Franke: Na dann, du hast den ganzen Rest übrigens weggelassen, der da von ihm steht. Der hat uns hier ganz viel Honig ums Maul geschmiert, oder? Ich liebe euren Podcast.
Florian Bayer: Könnt ihr vielleicht mal eine Folge über Louis Bonoel und seine Werke machen? Finde ihn so faszinierend und würde total gerne mal eure Sichtweise hören. Daraufhin gibt es eine Antwort von dir, Johannes. Ja, voll gerne. Am besten gibst du uns einen bestimmten Film, der als Ausgangspunkt herhalten kann. Und dann sagt er, auch wenn sein Favorit Angel Exterminador ist, wäre Belle de Jour am interessantesten. Fertig. Wir machen den Würge-Engel als deinen persönlichen Favoriten und hören uns damit nächste Woche. Sehr schön. Bis dann. Ciao.
