Episode 115: Triangle of Sadness – Sorgenfalten, Klassenkampf und Kotzgelage
Triangle of Sadness verdient allein schon wegen des Titels seine Preise. Aufgepasst und aufgemerkt liebe Mittdreißiger, das wird langsam wichtig für euch! Das Triangle of Sadness ist der Bereich auf der Stirn, wo die Sorgenfalten auf die Zornesfalten treffen. Beides viel bemühte Bereiche, besonders wenn man Kinder hat, nicht wahr Plor?
Und schon wissen wir: Es geht um Oberflächlichkeiten, wie sie nur der Kapitalismus so hart feiern kann. Folgerichtig geht es um die super rich, die Modewelt und den Klassenkampf. Der Film ist in drei Teile geteilt. Im ersten lernen wir den Struggle der Influencer Carl und Yaya kennen, die eigentlich nur wegen der Follower zusammen gekommen sind – und einen durchaus ernst genommenen Genderrollenkonflikt austragen.
Diese beiden sehen wir im zweiten Teil auf einer Yacht für Superreiche, wo sie mit den anderen Gästen um die Wette nicht nur Geld und Arroganz kotzen dürfen, um schließlich im dritten Teil auf einer einsamen Insel gestrandet ums Überleben zu kämpfen. Der Klassenkampf dreht sich hier um. Die superreichen sind auf die Kenntnisse der Arbeiterklasse angewiesen, um nicht direkt zu verhungern. Abigail, die auf der Yacht noch Toilettenfrau war, erschafft sich hier nun ihr Matriarchat und ist nicht gerade die bessere Monarchin, nur weil sie aus der Arbeiterklasse kommt.
Plor, wie subtil hättest du als Filmemacher diesen Film gemacht und nach wieviel Kotze wolltest du den Film abbrechen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 115: Triangle of Sadness – Sorgenfalten, Klassenkampf und Kotzgelage Publishing Date: 2023-03-15T07:51:47+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/03/15/episode-115-triangle-of-sadness-sorgenfalten-klassenkampf-und-kotzgelage/
Florian Bayer: Sie ist keine Proletarierin. Ey, sie ist ein Model. Und sie ist Influencerin. Und sie kriegt ja auch einen Platz auf dem Schiff, deswegen sie ist nicht die Dienstleisterin. Bitte. Wirklich nicht.
Johannes Franke: Jetzt haben wir aber auch noch die Influencer verloren als Zuhörerin. Was soll denn das verloren?
Florian Bayer: Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss man sehen Podcast. Hallo Johannes.
Johannes Franke: Hallo Ploa, herzlich willkommen in meiner Küche. Mal wieder, mal wieder, mal wieder.
Florian Bayer: Mal wieder, wie jede Woche. Diese Woche hattest du eine Aufgabe für mich. Ich sollte mir einen Film anschauen, den du schon kanntest und den ich nicht kannte.
Johannes Franke: Konzept nochmal einmal zu erklären für alle, die das erste Mal einsteigen. Wir geben uns gegenseitig Filme auf. Wir knallen sie dem anderen vor den Latze. sagen, du musst das jetzt gucken, ob du willst oder nicht und mir danach sagen, wie du es fandest. Und ich gucke ihn natürlich auch nochmal und schaue mal... ob sich herausgestellt hat, dass in der Erinnerung der Film besser ist, wenn es eigentlich möglich ist.
Florian Bayer: Daneben haben wir manchmal auch Publikumswünsche. Das heißt, es gibt auch aus öfteren Filme, die wir besprechen, die wir beide vorher nicht gesehen haben.
Johannes Franke: Also tut das gerne. Schickt uns gerne Mails an florian.musmansehen.de oder an johannes.musmansehen.de.
Florian Bayer: Und wir freuen uns über jede Einsendung und wir freuen uns über alles, was unseren filmischen Horizont irgendwie erweitert. Weil darum geht es in diesem Podcast. Es geht darum, neue Filme zu entdecken, zu denen man sagt, äh, Mann, den musst du sehen. Guck dir den an. Und das hat Johannes auch zu dem Film heute gesagt. Und als ich nachgefragt habe, worum geht's, ich glaube, ich habe den Titel schon mal gehört, War ja so, am besten guckst du ihn, ohne dich vorzubereiten.
Johannes Franke: Ja genau, guck ihn, ohne dich vorzubereiten und sag mir dann... Ob der wirklich irgendwas ist oder ob er einfach nur so weird ist, dass man sich denkt, okay.
Florian Bayer: Du warst selbst unschlüssig, ob der Film in die Kategorie muss man sehen gehört.
Johannes Franke: Ja, ich war selbst unschlüssig.
Florian Bayer: Okay, was die Folge ja grundsätzlich schon mal viel spannender macht, wenn wir versuchen beide herauszusetzen. zusammen herauszufinden oder auch gegeneinander, ob dieser Film jetzt ein sehenswerter Film ist. Aber tatsächlich für das Publikum vorweg, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, guckt ihn euch unbefleckt an. Es ist einer von jeden Filmen, und das wird oft überstrapaziert, aber in dem Fall stimmt es, es ist einer von jeden Filmen, wo es wirklich faszinierend ist, sie ohne irgendwas zu wissen darüber zu sehen. Weil er doch so den einen oder anderen Schlenker macht, der ziemlich unerwartet kommt und nicht unbedingt da rauskommt, wo er reingegangen ist. Und vor allem auch nicht da rauskommt, wo man ihn rauskommend erwartet, wenn man die ersten 10 oder meinetwegen auch 20 Minuten gesehen hat.
Johannes Franke: Also auch für euch da draußen Spoiler-Ahead. Also wir werden gnadenlos spoilern über alles reden, was irgendwie da ist, weil wir einfach... So viele alte Filme besprechen, von denen wir ausgehen müssen, dass ihr gesehen habt und bei Dry Angle of Sadness ist es jetzt so, dass der relativ neu ist und deswegen lieber erstmal nochmal den Spoiler Alert Spoiler Spoiler.
Florian Bayer: Ganz viele Spoiler. Also, wir werden über alles reden. Wenn man den Film nicht gesehen hat, nach diesem 60-90-minütigen Gespräch wird man das Gefühl haben, ihn gesehen zu haben.
Johannes Franke: Ja, aber guckt ihn euch lieber an. Wir machen derweil eine kleine Pause. Flor, möchtest du Tee während ihr zuhört? Oh ja, sehr gerne. Einmal gucken. Wir haben hier einen Schwarztee der ganz besonderen Sorte.
Florian Bayer: Ihr hört uns jetzt 90 Minuten Tee trinken, während ihr diesen Film schaut. Nee, nicht 90 Minuten, der war ziemlich lang.
Johannes Franke: ziemlich lang.
Florian Bayer: Ja, nicht 90, sondern ihr hört uns jetzt 147 Minuten lang Tee trinken. Und sonst so.
Johannes Franke: Ach, ganz gut. Und dir?
Florian Bayer: Ja, auch.
Johannes Franke: Und das Wetter, ich sage dir.
Florian Bayer: Ja, Wahnsinn, ne? Das stört so ein bisschen beim Filmen, Leute da zu den Katschen. Jetzt musst du aufpassen.
Johannes Franke: Das mit dem Boot, das musst du genau mitbekommen. Und warte mal auf Woody Harrelson.
Florian Bayer: Achtung, gleich kommt ein guter Witz. Nicht verpassen, nicht verpassen. Jetzt hast du nicht zugehört, Mann.
Johannes Franke: Meine Güte.
Florian Bayer: Gut, du hast bestimmt einen kleinen Text vorbereitet, mit dem wir einsteigen können.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Ich werde dir kurz vorher noch, ich versuche hier meine Zuckerdose aufzumachen. Klingt so nach Hörspiel, aber nein, es war wirklich so. So, hier. Möchtest du noch einen? Oh ja, bitte. Wir spannen euch heute besonders auf die Folter.
Florian Bayer: Es ist vielleicht auch so ein bisschen das Konzept, dass, ohne zu viel zu verraten, Ruben Oestlund in seinem Film verfolgt. was wir gerade zelebrieren.
Johannes Franke: Ach, wie schön. Als wenn hätten wir ein Konzept geschrieben vorher, Plur. Das sollten wir vielleicht öfter machen einfach. Okay. Also. Hört und staunt mein Text. Triangle of Sadness verdient schon mal wegen des Titels seine Preise. Aufgepasst und aufgemerkt, Liebe mit 30er. Das wird langsam wichtig für euch. Das Triangle of Sadness ist der Bereich auf der Stirn. wo die Sorgenfalten auf die Zornesfalten treffen. Beides viel bemühte Bereiche, besonders wenn man Kinder hat, nicht wahr, Plur? Ja. Und schon wissen wir, es geht um Oberflächlichkeiten, wie sie nur der Kapitalismus so hart feiern kann. Folge richtig geht es um die Super-Rich, die Modewelt und den Klassenkampf. Der Film ist in drei Teile geteilt. Im ersten lernen wir den Struggle der Influencer Carl und Yaya kennen, die eigentlich nur wegen der Follower zusammengekommen sind. und einen durchaus ernst genommenen Gender-Rollen-Konflikt austragen. Die beiden sehen wir im zweiten Teil auf einer Yacht für Superreiche wieder, wo sie mit den anderen Gästen um die Wette nicht nur Geld und Arroganz kotzen dürfen. Um schließlich im dritten Teil auf einer einsamen Insel gestrandet, ums Überleben zu kämpfen. Der Klassenkampf dreht sich hier um und die Superreichen sind auf die Kenntnisse der Arbeiterklasse angewiesen, um nicht direkt zu verhungern. Abigail, die auf der Yacht noch Toilettenfrau war, erschafft sich hier nun ihr Matriarchat und ist nicht gerade die bessere Monarchin, nur weil sie aus der Arbeiterklasse kommt. Flor, wie subtil hättest du als Filmemacher diesen Film gemacht und nach wie viel Kotze wolltest du den Film abbrechen?
Florian Bayer: In den Wolken?
Johannes Franke: Perfekte Antwort. Vielen Dank. Danke für das Gespräch, Plur. Wir sehen uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Um diesen Running Gag kurz zu erklären, es gibt eine Passagierin, die zu den wenigen Überlebenden gehört, die im dritten Akt auf dieser einsamen Insel sind. die anscheinend einen Schlaganfall oder ähnliches hatte und eine Art Aphasie leitet und nichts anderes sagen kann als in den Wolken. Gespielt wird sie von Iris Berben. Ja. Eine deutsche Schauspielerin und wir haben hier ja einen internationalen Cast.
Johannes Franke: internationalen Cast. Unglaublich.
Florian Bayer: Wir haben verrückte Russen, verrückte Franzosen, verrückte Amerikaner und Südafrikanerinnen. Wir haben eigentlich alles dabei, was es so gibt. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, wie würde ich den Klassenkampf inszenieren? Wie hast du das genannt? Die Kapitalismuskritik?
Johannes Franke: Ja, also diesen Film in seiner Gänze, was er so alles mitbringt?
Florian Bayer: Also ich denke, ich würde es so inszenieren wie im ersten Teil. Oder wie im zweiten Teil. Oder wie im dritten Teil. Ich weiß nicht, ob ich den Film so in Teile splitten und jeden Teil so inszenieren würde, wie er inszeniert ist. Weil dadurch stolpert der Film so ein bisschen.
Johannes Franke: Aber das heißt nicht, dass du den ersten Teil wie den dritten inszenieren würdest und den zweiten wie den ersten?
Florian Bayer: Doch, doch, das könnte ich mir vorstellen. Ich könnte einen Film machen, wo Teil 1, 2 und 3 zusammen sind und alle inszeniert sind, wie der erste Teil. Was ich mir auch tatsächlich gewünscht habe, nachdem ich die ersten zehn Minuten geguckt habe. Der erste Teil ist ja wirklich... Ausgesprochen kurz. Und nachdem ich den ersten Teil geguckt habe, dachte ich, das erinnert mich doch an was. Und dann habe ich zumindest einmal ganz kurz den Regisseur gegoogelt. Und festgestellt, ah, Ruben Östlund, das ist der Regisseur von Force Majeure und Force Majeure habe ich vor einigen Jahren gesehen, großartiger Film. Kann ich auch nur empfehlen. Und der ist tatsächlich auf auch gut zwei Stunden. so inszeniert wie Teil 1, wodurch, glaube ich, auch so ein bisschen der Erfolg, der große Erfolg verwehrt. geblieben ist, einfach weil er ein bisschen langsamer inszeniert ist, ein bisschen subtiler inszeniert ist und sich sehr viele Zeit für die Ticks und Macken seiner Karriere
Johannes Franke: Das heißt aber, wenn du dir drei Varianten dieses Films vorstellen könntest, in den drei Arten zu inszenieren, stehen die... anderen beiden Arten für dich nicht hinten an. Nein, überhaupt nicht. Also das ist auch durchaus legitim für dich.
Florian Bayer: Ich mag total, dass... Irre, chaotische, total eskalierende in Teil 2 auf dem Boot. Und zwar wirklich, es erreicht dann irgendwann so einen Punkt, wo es fast schon so Pythonesca-Humor ist. Ja, total. Wo es absolut bizarr und übertrieben wird und man muss sehr viel Pipi und Kackawitze aushalten, um dadurch zu kommen. Und ich liebe aber auch den dritten Teil, wo es dann sehr streng parabolisch wird und ziemlich klar ist, was wir hier haben und was hier für ein Gesellschaftsbild entworfen wird. Die sind einfach sehr unterschiedlich. Also wir haben wirklich so einen Bogen, den Östlund hier spannt von einem sehr realistischen, sehr nuancierten Blick auf die Gesellschaft. und auf den Menschen über dieses extreme Eskalieren im zweiten Teil, was wirklich... wo es wirklich so Perversions- und Obszönitätsspitzen erreicht, die dann im wahrsten Sinne des Wortes in einer Kotzparty enden. Und ja, ich kann auch diesem Parabolischen nachher viel abgewinnen, wo es dann halt wirklich so ... Sehr klar, wie so ein Blick durch ein Vergrößerungsgras ist. Wie funktioniert Gesellschaft? Wie entwickeln sich Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft? Das ist alles drei hat total viel Charme und ist total spannend und total interessant.
Johannes Franke: Was mich daran interessiert, ist vor allem die vorhandene oder eher nicht vorhandene Subtilität. Die im ersten Teil ja noch da ist und die sich dann über den zweiten Teil ein wenig verliert.
Florian Bayer: Was heißt das? Die wird zu Grabe getragen. Und zwar ziemlich schnell. Also natürlich ist dieses Kotzen beim Captains Dinner der Höhepunkt davon. Aber davor haben wir schon ein irres Schnitttempo auf einmal. Und wirklich so absurde Situationen, die auch alle irgendwie... einfach so grotesk sind. Wir haben überzeichnete Personen. Das alte Ehepaar, das sagt ... Und wir verkaufen übrigens Waffen und Landbienen. Und diese scheiß UN, die uns da irgendwie ständig reinspielen, das macht es wirklich schwer.
Johannes Franke: Aber sie sind zuckersüß dabei.
Florian Bayer: Die sind zuckersüß.
Johannes Franke: Die sind die Nettesten auf dem ganzen Boot.
Florian Bayer: Und das hat Ruben Östlund in Force Majeure auch schon voll gut drauf gehabt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er gibt uns... Unzählige unsympathische Menschen, die sich unglaublich sympathisch verhalten. Oder ergibt uns sympathische Mente, die sich unsympathisch verhalten, aber auf jeden Fall krass nuancierte Charaktere. Du hast keinen einzigen, wo du sagst, ey, das ist ein Vollarsch. Du sagst es manchmal. Mhm. Aber dann denkst du doch, eigentlich ist das ein cooler Typ, eigentlich kann ich die Position nachvollziehen. Und das hat Östlund echt drauf, mit allen Charakteren, nicht nur mit unseren beiden Protagonisten, Karlo. ja, ja, sondern auch mit diesem Dimitri zum Beispiel, diesem russischen Origaschen, wo du denkst, okay, okay, wir haben hier einen Bond-Bösewicht, wir haben hier wirklich so den Abschaum des Kapitalismus.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Peak Late Capitalism und dann sitzt der da mit dem Kapitän und streitet mit ihm über Kommunismus und Kapitalismus und die haben einfach Spaß dabei und du denkst, ey, das ist ein cooler Typ. Der ist voll witzig. Und das ist auch der Einzige, der nicht kotzen muss, weil er einfach mal Gats hat.
Johannes Franke: Er hat einfach einen starken Magen, muss man sagen, auch im übertragenen Zunge. Ich finde es total krass, dass die sich dann am Ende eigentlich aber auch nur noch wortöslich Worthülsen zu werfen, was ja, also was heißt am Ende? Die fangen mit Worthülsen an und es wird nicht besser.
Florian Bayer: Naja, die sind ja auch besoffen.
Johannes Franke: Die sind total besoffen. Im Grunde... auf beide Extreme oder beide Seiten irgendwie, dass sie beide zum Kotzen sind.
Florian Bayer: Aber blickt er so auf Sie herab, weil so habe ich das gar nicht gelesen. Sie sind eigentlich die, die das ganze Ding stehen. Zum Kotzen ist diese Dekadenz, ne? Ja, ja, natürlich. Das ist großartig. Sie sind dann auf diesem Schiff und dann gibt es den Sturm und dann ist alles natürlich sehr unruhig und das Schiff wackelt und dann kriegen sie dieses... schreckliche, teure Menü, was so aus kleinen, schaumigen Sachen besteht. Großer Teller, wenig Speisen und alles ist so ein bisschen klibberig und so ein bisschen schäumig und das verdreckt Das heckt sich nicht gut mit Seekrankheit. Nein. Und alle werden seekrank.
Johannes Franke: Und das Essen ist... eigentlich auch verdorben, das kriegen wir dadurch raus, weil diese verfuckte Frau... diese Angestellte unbedingt den Jacuzzi haben will und unbedingt will, dass alle nun rausgehen und baden gehen, während der... Küchenchef am Telefon noch sagt, Leute, wenn wir das jetzt machen, wird das Essen schlecht. Und natürlich wird das Eisen dann auch wirklich schlecht.
Florian Bayer: Und dann kotzen sie alle. Aber unser Kapitalisten, unser Kommunist, die sitzen da. Ich finde die natürlich auch schön.
Johannes Franke: total amüsant. Und das macht auch die ganze Szene total grotesk, spannend und geil. Ich kann mir Kotzen eigentlich überhaupt nie anschauen, aber in diesem Film habe ich es echt geschafft, Mir das durchzustehen, ohne dass ich gedacht hätte, jetzt nie wieder oder so. Ich musste mir extra nochmal ein zweites. Mal anschauen und hab auch diese Szene nicht geskippt. Ich hab gedacht, okay, es passt, es ist wirklich gut inszeniert. Warum ich sage, das ist auch das zum Kotzen? Ich glaube... dass das so verschnitten ist miteinander, dass das schon ein Kommentar darauf ist.
Florian Bayer: Ich hatte halt das Gefühl, dass der Film, also der Film hat natürlich eine gewisse Gehässigkeit und so einen gewissen schwarzen Humor, aber er schafft es gar nicht. ganz gut, nicht so richtig krass auf die Leute herabzublicken. Und insbesondere auf unseren Kapitän und unseren Oligarchen, In dem Moment blickt er sogar auf sie hinaus. Ich habe das Gefühl, was da erzählt wird, ist fast so eine Heldenverehrung. Weil wir haben die ganzen dekadenten Leute, die neu reichen. Am besten ist dieser eine Neureiche, der auf der Insel dann ja nachher auch noch relativ prominent ist. Wie heißt der? Hat irgendwie ein... Djamu, der Neureiche, die alle überhaupt nicht klarkommen, die halt anfangen zu kommen. schotzen, denen übel wird. Es ist wirklich schön inszeniert, weil es fängt so ganz langsam an mit Leuten müssen ihren Brechreiz Und es steigert sich dann so rein und dann sitzt da die eine und will die ganze Zeit Champagner nachgeschenkt haben. Die Frau von Dimitri ist es, glaube ich. Und sie will die ganze Zeit Champagner nachgeschenkt haben und kotzt dann und trinkt dann Champagner. Und sie meint so, wollen sie nicht vielleicht Wasser haben? Es ist einfach ein absolut... Irres, dekadentes, absurdes Szenario. Und die beiden sitzen da stramm und unterhalten sich und diskutieren über Marxismus und Kommunismus. Total oberflächlich. Aber genial, weil sie werfen sich, weißt du, der Kapitän, eigentlich ist es ja unser Kapitän, der so ein bisschen zustechen will. Und der Dimitri herausfordert und ihm sagt, ich habe hier so einen Spruch von Marx. Und dann antwortet dieser Dimitri richtig schlagfertig mit einem Kapitalistenspruch. Und dann werfen sie sich gegenseitig die Sprüche an den Kopf und man merkt, die sind beide verdammt clever. Weil das musst du ja auch erstmal drauf haben.
Johannes Franke: Ja. Aber sie haben schon das Handy in der Hand und suchen das aus dem Internet raus.
Florian Bayer: Ja, aber nachher. Die fangen nicht damit an. Sie haben zuerst so die Sprüche parat und sie führen eine Debatte, auf eine sehr spezifische Art und Weise, auf die sie sich geeinigt haben, ohne darüber zu reden.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, klar. Natürlich.
Florian Bayer: Halten des Durchschnitts, ich finde es fantastisch.
Johannes Franke: Ich finde es auch fantastisch, wie der Schnitt dann zu den beiden zurückgeht, während überall die Kotzauge hier schon losgegangen ist. Und das letzte Mal, als wir sie gesehen haben, haben sie angefangen zu reden. Und diesmal, wo wir uns wieder zurückschneiden, sitzt der Käpt'n in Unterhemd da. Hält eine Karte nach der anderen hoch und sagt, ja, schwarz oder rot. einen Scheiß. Ich finde es großartig. Die haben sich gefunden. Es macht natürlich die ganze Szene erträglich, wie gesagt. Aber wir haben eigentlich... hier eine Dreiaktstruktur vor uns, die wir vielleicht auch einfach nutzen können, um uns ein bisschen durchzuhangeln, weil jedes für sich was anderes zu bieten hat. Jetzt haben wir sozusagen schon vorausgeschaut, aber eigentlich würde ich gerne am Anfang einmal anfangen und schauen, was der Film im ersten Teil zu bieten hat.
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir ihn zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder...
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Oh, wir sind schnell durchgekommen.
Johannes Franke: Schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Wir haben ja so einen kleinen Prolog, der vorangestellt ist, dieses Model-Casting.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Relativ wenig sagt über unsere Charaktere und einfach Karl in dem Setting zeigt, in dem er arbeitet und sie sind halt bei so einem klassischen Modelcasting. Also zumindest Ruben Östlund hat gesagt, ey, weiß ich alles von meiner Frau, die da gearbeitet, die kennt sich da aus, so sieht das da aus. Und dann haben wir diesen exaltierten Reporter, der da durchspringt und die ganze Zeit die Models anmacht. Und immer so sag, hey Baby, du bist sexy. Mann, sind das geile Beine, Wahnsinn.
Johannes Franke: Ist das eine Grumpy-Band oder eine Smile-Brand?
Florian Bayer: Er bringt sie dann zusammen und dann will er von ihnen so ein bisschen, dass sie zeigen, was sie können, das so abwechselnd lachen und böse gucken. Und für verschiedene Modeagenturen, für verschiedene Modelabels. Es gibt einen spezifischen Blick, den du drauf haben musst, wenn du H&M hast.
Johannes Franke: Oder Balenciaga.
Florian Bayer: Und keine Ahnung, was das ist, aber ich habe gedacht, okay, offensichtlich großes Model-Label, teures Model-Label. Und die einen lachen. Und die anderen gucken herablassen. Und nachdem ich die Szene geguckt habe, habe ich nochmal überlegt, ja stimmt. Guck dir das mal an, wenn du durch die Stadt gehst und du gehst an vielen Modegeschäften vorbei und gerade in so einer Stadt wie Berlin. Hast du ja so ein Geschäft wie H&M direkt neben einem wirklich teuren, schicken Laden, zumindest in der Innenstadt, und die Models gucken anders. Du hast die lachenden Models, die dich begrüßen, die dich willkommen heißen, du bist einer von uns und du hast die Models, die gucken so, ich bin besser als
Johannes Franke: Ich glaube, mich zu erinnern, dass H&M das mal versucht hat. Das mit dem von oben herab. Das hat nicht funktioniert.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Aber ich glaube, mich zu erinnern, dass sie das mal gemacht haben und dass das einfach den Bach runtergibt. gegangen ist in der Stelle.
Florian Bayer: Und dann haben wir dieses Triangle of Sadness zitiert, was ich zum ersten Mal gehört habe.
Johannes Franke: Ich wusste es auch nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Also ich weiß, was Sorgenfalten sind.
Johannes Franke: Ja, ja. Ich find's total krass, weil der Film einem natürlich sofort um die Ohren haut. Übrigens, das ist jetzt mein Thema. Das ist jetzt, ich will mich einmal... komplett darüber auslassen, wie oberflächlich unsere Modewelt und überhaupt unsere Welt der Reichen und Schönen ist.
Florian Bayer: Die Modewelt spielt nämlich keine Rolle mehr im Rest des
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Aber das als Beispiel zu nehmen, als Aufhänger zu nehmen und die. beiden dann, Jaja und Karl, da reinzuschicken in die Welt der Reichen, weil sie ja quasi die Schnittstelle sind. Eigentlich sind sie die Arbeiter, in Anführungszeichen.
Florian Bayer: Ich glaube, sie ist ziemlich reich.
Johannes Franke: Aber sie ist halt da reingewachsen nach und nach und das ist so die Schnittstelle, wo man wechselt. Ja. Plötzlich vom Dienstleister des Models wechselt in die Person, die dann alles, dieses Geld hat und einfach auch die Dienstleistung entgegen nimmt.
Florian Bayer: Die Dynamik zwischen Karl und Jaja ist ja schon ganz spannend. Wir haben Karl auf der einen Seite, der offensichtlich seine beste Zeit hinter sich hat. Und die waren nicht sehr lange, wie das für männliche Models oft der Fall ist. Und wir haben Jaja, die irgendwie so auf dem aufsteigenden Ast ist. Die auf jeden Fall die groß wird, die so der heißeste Nachwuchs gerade ist, die ja auch... Influencerin ist, ihr alles macht, was dazugehört, deswegen kommen sie auch nachher auf das Boot. Und das erste, was wir sehen, ist in deren Geschichte und das ist nur eine ganz kleine Vignette. die sie beim Essen sitzen und es entsteht ein Konflikt über die Rechnung. Und zwar die Rechnung liegt auf dem Tisch. Und es passiert nichts und Karl guckt so ein bisschen verlegen und greift dann irgendwann zur Rechnung und dann sagt, ja, ja, die an ihrem Handy rumtippt, ah, danke Schatz.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist sogar andersrum. Sie sagt zuerst Danke, Schatz. Sie sagt erst Danke, Schatz, und dann greift er erst zu.
Florian Bayer: Und dann haben wir die Diskussion darüber, dass er also im Grunde genommen und zwar eskaliert, wie man das von solchen Streitereien kennt. Er geht davon aus, dass sie ihn manipuliert und sie ihn die ganze Zeit bezahlen lässt. Und er will das gleichberechtigt. Er will nicht so eine Art von Beziehung. Und sie lässt so ein bisschen durch die Blume erkennen, dass sie eigentlich so auf diese klassische Rollenverteilung steht. Und dass sie es eigentlich ganz cool findet, wenn der Mann für das Essen bezahlt. Aber gleichzeitig zeigt sie auch Verständnis für seine Position. Und es ist ein... Spannender Streiten, der ist wirklich sehr nuanciert inszeniert. Also sie geben sich beide nicht viel, was so Hässlichkeiten betrifft.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber auch was so Nachvollziehbarkeiten betrifft. Also sie gefallen sich beide so ein bisschen in ihrer Opferrolle. Karl so ein bisschen mehr als Jaja. Aber sie haben beide irgendwie einen Punkt. Es ist keiner von beiden, wo man das Gefühl hat, der liegt komplett daneben, sondern es ist wirklich ein realistischer Streit. einfach weil beide einen Punkt haben und beide ihre Position haben. Und es ist auch klar, dass das gerade irgendwie clasht. Aber es ist nicht, und das ist wirklich schwierig, so was zu inszenieren, so ein eskalierender Konflikt, Das ist nicht unglaubwürdig und es ist auch nicht so, dass man sich automatisch auf eine Seite schlägt, sondern man schaut ihm so ein bisschen fassungslos bei, wie das so eskalieren kann dann.
Johannes Franke: Man ist so ein bisschen hin und her geworfen, habe ich so das Gefühl, weil am Anfang bin ich erstmal auf seiner Seite und denke mir, wie jetzt, du sagst jetzt, danke Schatz, bevor irgendwas passiert ist. Und da bin ich schon so ein bisschen auf 180 als Zuschauer, weil ich denke, hallo, wo sind wir hier? In welchem... Du hast mal auf die Uhr geschaut, das ist 2023. Und dann entwickelt sich das natürlich so, dass sie auch ... dass man auch anfängt, sie zu verstehen und dass man das auch eher Sachen sagt, wo man sagt, mach mal ganz halblang. Und dann der Taxifahrer sich noch einmischt und sagt, du musst um sie kämpfen.
Florian Bayer: Dieser Taxifahrer, der einfach nur so... gar keine Ahnung hat, was los ist und dann einfach sagt, Leute, du musst jetzt kämpfen.
Johannes Franke: Und der natürlich auch irgendwie verunsichert ist davon und dann denkt, okay, jetzt muss ich kämpfen. Und das ist aber so realistisch und so. so krass abläuft und ich denke, meine Güte, nicht nur am Set das zu inszenieren, sondern allein schon das zu schreiben in der Form ist so geil. Ja.
Florian Bayer: Und also, ich meine, ja, ja, ja, definitiv hat's was Manipulatives, aber Karl ist echt so ein, ähm, so ein Crybaby- Voll mit Selbstmitleid und er gefällt sich total in dieser Opferrolle.
Johannes Franke: Ja, das schon.
Florian Bayer: Und ich kann sogar verstehen, dass sie ihn dann noch so ein bisschen mehr piekst, noch so ein bisschen provoziert. weil er so eine Riesengeschichte draus macht, das aber nicht hinkriegt, nicht richtig hinkriegt, so zu sagen, Hand auf den Tisch, so, darum geht es gerade, sondern das ist oft Die ganze Zeit mit so einer fassiv-aggressiven Art.
Johannes Franke: Ja, und dann wieder zurückzugehen und zu sagen, nee, nee, ich mach das schon. Ja! Wieso willst du denn jetzt zahlen? Ich zahle jetzt. Statt einfach mal wirklich, wie du sagst, statt zu sagen, okay, das ist das Thema, lass uns darüber mal ordentlich reden.
Florian Bayer: Und sie ist ja auch die, die in dieser Szene dann zumindest nachhinein, dass dieser Streit zieht sich, bis sie im Schlafzimmer sind. auch so ein bisschen reflektierter ist. Sie sagt dann so, ja okay, ich weiß, ich bin manchmal manipulativ.
Johannes Franke: Wobei sie im Gespräch noch manipulativ ist, habe ich das Gefühl. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Aber man merkt auch, der Charakter ist so geschrieben, sie kommt da nicht ganz raus. Ja, genau. Sie ist halt auch so ein Typ, wo das so draufpasst, so ein Model, die wahrscheinlich Strategien entwickelt hat. um das zu kriegen, was sie will, wo sie auch denkt, was ihr zusteht. In einer Welt, die so funktioniert und irgendwie... Ich finde es schwer, mich auf eine Seite in dem Streit zu schlagen, aber ich finde sie im Nachgang so einfach ein bisschen rationaler und ein bisschen vernünftiger als er. Er badet einfach so krass im Selbstmitleid. Und er rollt so viel rum. Und ich finde sie ... Sie ist er, die da so ein bisschen klar durchguckt, während er so vernebelt ist von seiner, naja, von seiner Rage darüber, dass das so ungerecht ist alles zu ihm.
Johannes Franke: Ja, wobei ich ihm so sehr zugute halte, dass er das Thema überhaupt anspricht, dass es ihm auch besonders wichtig zu sein scheint, dass er nicht in diesen typischen Gender-Stereotypen geht. Typen lebt, ne?
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Was sie ja nicht macht. Sie spricht das nicht an. Wenn es nach ihr gehen würde, wäre es einfach weitergegangen.
Florian Bayer: Aber er macht es nicht deswegen. Er macht das nicht, weil er aus den Gender-Stereotypen raus will. Das kaufe ich ihm nicht ab. Er macht es, weil er denkt, sie verdienen viel mehr Geld als ich. Hier ist eine finanzielle Ungerechtigkeit in unserer Beziehung. Sie soll eigentlich öfter bezahlen. Deswegen macht er das. Dieser Typ, und ich finde, der hat sehr viele sympathische Seiten. Aber ich finde, ich kaufe eben nicht ab, dass es in dem Fall um Feminismus geht.
Johannes Franke: Hm. Also du meinst, er ist nur Gelegenheitsfeminist? Ich würde es gar nicht so hart sagen.
Florian Bayer: Ich kaufe ihm sogar ab, dass er selbst glaubt, dass es ihm darum geht. Aber eigentlich geht es ihm darum, dass er nicht so viel Geld hat wie sie. Und da hat er ja auch einen Punkt, da hat er ja vollkommen recht. wahrscheinlich das Dreifache.
Johannes Franke: Ja, mindestens.
Florian Bayer: Und natürlich würde man davon ausgehen, in so einer Konstellation, in einer Beziehung bezahlt die Person, die mehr verdient, bezahlt auch tendenziell eher das Essen oder kümmert sich mehr um das Finanzielle und es muss gar nicht so groß geregelt sein, sondern einfach, ey, ich hab gerade, ich weiß, ich hab mehr Geld als du, ich ist kein Problem, ich bezahle die Rechnung.
Johannes Franke: Wobei sie dann später einen guten Punkt hat, damit, dass sie weiß, dass ihr Leben als Frau, als Model... kurz ist, wobei seins auch sehr kurz ist, wie man sieht, und sie, wenn sie dann Kinder kriegt und so, sowieso im Nachteil landet, und dass sie vorher dafür sorgen muss, dass sie die Zeit übersteht, die Gesellschaft ihr irgendwie Nachteile in den Weg wirft.
Florian Bayer: Da hat sie auch auf jeden Fall einen Punkt. Ja, absolut. Ich finde es ein bisschen schräg, also diese Diskussion ist so ein bisschen absurd, weil deren Beziehung ja offensichtlich relativ jung ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und die Beziehung ja gar keine echte Beziehung eigentlich ist.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, das hast du schon in deinem Eröffnungstext gesagt. Auch da würde ich widersprechen.
Johannes Franke: Aber er spricht sie drauf an. Ja. Er sagt, wir sind nur zusammengekommen, weil es fürs Geschäft gut ist, um die Follower gegenseitig rüber zu schieben und so und sich gegenseitig hoch zu pushen. und fragt sie dann, ob es da nicht mehr ist und sie sagt nein.
Florian Bayer: Ja, glaubst du ihr das in dem Moment?
Johannes Franke: Nein, natürlich nicht.
Florian Bayer: Gut.
Johannes Franke: Aber das ist das, was auf der Oberfläche für die beiden der Grund ist, warum sie zu zusammen sind. Und natürlich, dass sich da mehr entwickelt, dass da mehr kommt. Aber ich glaube schon, dass sie deswegen am Anfang gesagt haben, lass doch zusammenwerfen.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Ich glaube, das hat sich auch so ein bisschen entwickelt. Es wird halt reden nicht erzählt, wie sich die Beziehung zwischen den beiden aufgebaut hat. Aber wenn ich sie mir zusammen anschaue, sehe ich da was. Sie haben eine gewisse Chemie zusammen und das ist eine Sprache. Wandelchemie und die ist sehr getrieben von seiner Eifersucht und von seiner Irrationalität oft. Und gleichzeitig von ihrer Manipulativität. Und das kracht dann auch zusammen. Aber die haben irgendwie was, ich weiß auch nicht, das ist keine sonderlich stabile Beziehung, aber es ist mehr als nur so ein Image-Ding, wir sind jetzt hier zusammen, um Follower auszutauschen und Follower.
Johannes Franke: zu gewinnen. Ja, also natürlich unter der Oberfläche und unter dem, was sie sich eigentlich oberflächlich...
Florian Bayer: Und sie haben ja auch wirklich ein paar wenige schöne Momente zusammen. Es gibt diese Momente der Versöhnung, später auf dem Boot haben wir so einen ganz großen Moment der Versöhnung. Was wirklich ganz süß ist.
Johannes Franke: Also wenn wir noch bei Teil 1 kurz sind und das vielleicht abschließend, oder hast du noch viele große Themen dafür? Weil Teil 1 ist ja relativ kurz. Ich finde, neben dem natürlich Höhepunkt dieses Streitgesprächs, was großartig geschrieben ist und grandios inszeniert ist, Kann ich so nachvollziehen, er sitzt im Hotelzimmer im Bett, macht 20 Schalter neben seinem Bett an und aus, um rauszufinden, welche Lampe gehört denn jetzt zu welchem Schalteranwut? Warum? Ich kann es so gut nachvollziehen. Warum, liebe Hoteliers? Ich kenne das so gut. Warum seid ihr solche fucking Sadisten? Ja. Und dann muss er auch noch aufstehen, weil diese eine fucking Lampe nicht an diesen Dingern hängt. Das Schlimmste ist, es gibt immer einen Schalter, den drückst du und es passiert gar nichts. Du fragst dich, wo habe ich jetzt das Licht angemacht? Was habe ich bewegt? Habe ich gerade den Nachbarn explodiert lassen? Oh Gott, ja, das ist einer der weiteren Highlights für mich. Das eine und die Modenschau, Wo im Hintergrund groß auf der Leinwand dann steht, everyone is equal now und so. Und während das da alles läuft, wird er so nach und nach... Nach hinten geschoben, weil wichtigere Leute als wir kommen.
Florian Bayer: Auch sehr schön Foreshadowing mit diesem Everyone is equal. Diesem Leitspruch werden wir nachher nochmal begegnen.
Johannes Franke: Es ist so großartig. Ich feiere den Regisseur einfach genau für solche Sachen. Das ist ganz toll. Gut gegeneinander gestellt.
Florian Bayer: Force Majeure ist sehr ähnlich. Den hast du nicht gesehen, ne?
Johannes Franke: Nee, ich hab nichts von ihm gesehen sonst.
Florian Bayer: Force Majeure ist wie der erste Teil. Dieses subtile... Auseinandersetzen mit Konflikten, die innerhalb von Beziehungen oder in Forstmarsch oder innerhalb von Familien auftreten und die dazu führen, dass... Menschen ihre Rollen, Vorstellungen nochmal hinterfragen. Bei Force Majeure geht es darum, dass die Familie Mann, Frau, zwei Kinder Urlaub macht in den Bergen. Und dann wird eine Lawine losgelöst vermeintlich und kommt runter auf das Café, wo sie sitzen und morgens Frühstück machen. Und sie stürzt sich auf die Kinder, drückt sie runter, um sie in Sicherheit zu bringen, während er am Tisch wegrennt.
Johannes Franke: Oh, ich glaube, die Szene kenne ich sogar.
Florian Bayer: Und anschließend gibt es dann halt so den... ne, nicht sehr lange, aber zumindest eine zeitlang unausgesprochenen Konflikt zwischen ihnen, dass er sich nicht tapfer vor seine Familie gestellt hat, um sie zu retten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dass er einfach abgehauen ist. Und er hat damit Probleme, sie hat damit Probleme. Sie kämpfen dann so mit ihrer Rollenverteilung. Und das ist einfach zwei Stunden lang... Also so ähnlich wie dieses Gespräch nur eben über zwei Stunden lang mit Höhen und mit Tiefen kantios inszeniert. Und nachdem ich den Anfang gesehen habe und dann gesehen habe, ah, das ist von Rumen Östlund, ah, okay, habe ich erwartet, dass es so weitergeht. Teil 2.
Johannes Franke: Cut, Teil 2 auf der Yacht. Das Boot. Es wird Nutella abgeworfen. Weil die Gäste unbedingt Nutella haben wollten. Das teuerste Nutella der Geschichte, glaube ich. Wirklich ein Helikopter auf hohe See, der nur Nutella abwirft.
Florian Bayer: Eine Luxusjacht für die Reichen der Reichen. Und wir reden hier wirklich von... Absoluten Millionären. Wir haben einen russischen Oligarchen, Dimitri von Zlatroboric, gespielt mit seiner Frau Vera.
Johannes Franke: Der das so großartig natürlich spielt. Die sind beide toll. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Russische Bär, der aber natürlich so ein bisschen überfressen ist und nicht mehr auf der Höhe seines Könnens, aber halt irgendwie der einfach ausgesorgt hat, Schäfchen ins Trockene gebracht. Total.
Johannes Franke: Diese Entspanntheit kannst du gar nicht spielen. Mir kann niemand etwas.
Florian Bayer: Niemand und nichts. Es ist nichts eine Bedrohung.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Dann haben wir Clementine und Winston, die Waffen hergestellt haben.
Johannes Franke: Winston Churchill mit seiner Frau Clementine, wie hieß sie mit dem Nachnamen? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Churchill?
Johannes Franke: Ja, aber das sind die beiden Namen tatsächlich von den beiden. Genau, die sind die Waffenhersteller gewesen.
Florian Bayer: Wie du schon gesagt hast, ein absolut putziges, nettes Ehepaar.
Johannes Franke: Und die sehen auch so nett aus.
Florian Bayer: Und sie reden auch so nett über ihr Geschäft.
Johannes Franke: The Handgranate, unser wichtigstes. Wer sichert den Frieden überall auf der Welt, ist glaube ich Ihre Beschreibung, bevor die Handgranate kommt.
Florian Bayer: Sie sind so ein süßes Liebespaar, weil sie sich so toll ergänzen. Sie lieben beide Waffen und sie unterhalten sich so ergänzend über Waffen. Der Gedanke des einen wird von dem anderen fortgeführt und sie wissen genau, von sie reden. Sie sind welche, man versteht, dass sie mit ihrem Geschäft reich geworden sind, weil sie wirklich, welche sind die Geschäft lieben und weil sie wirklich Energie reinsetzen und sie kennen jede einzelne Waffe. Sie haben wirklich Ahnung davon. Wir haben es total verdient damit, Millionen zu verdienen.
Johannes Franke: Es ist so der Hammer. Ich weiß nicht, ob das in einem anderen Kontext einfach nur zur Groteske wird, aber in diesem Fall ist das noch nicht mal das Groteskste. was auf diesem Schiff passiert.
Florian Bayer: Dann haben wir Ciamo von Hendrick Dawson gespielt, der auf dem Schiff noch eine relativ kleine Rolle hat. Er ist neureich, hat sein Unternehmen verkauft Und versucht sich, glaube ich, gerade so in diesem Reichtum zurechtzufinden und macht das, indem er einfach sagt, ich habe ganz viel Geld übrigens. Ja, genau. wo er Jaja und einer Freundin anbietet, ihnen Uhren zu kaufen, weil sie sagen, Willst du dich zu uns setzen, mit uns trinken? Und er ist so glücklich darüber, dass er sagt, ey komm, da unten gibt's Rolex, lass uns mal runtergehen, ich kauf euch jetzt Rolex. Ein total absurder, tollpatschiger Typ, der nicht weiß, wie er mit seinem Geld umgehen soll.
Johannes Franke: Ja, was du damit überhaupt machen solltest.
Florian Bayer: Auf Gästeseite haben wir noch diese namenlose Dame, die im Pool ist und die sehr von ihrem... ihre ganz eigene Vision von Marxismus angetan ist, wo alle gleich sind und deswegen auch alle verdammt nochmal Spaß haben sollen und mit ihr in den Pool steigen.
Johannes Franke: Ich finde die Entwicklung in diesem Gespräch so der Hammer.
Florian Bayer: Oh, krass, ne?
Johannes Franke: Sie ist so gut geschrieben und so gut entwickelt und diese Bedienstete.
Florian Bayer: Die Arme.
Johannes Franke: Die Schauspielerin macht das auch so gut. Ihr eingefrorenes Lächeln ist der Hammer. Fantastisch. Und wie sie verzweifelt versucht, Ja zu sagen, obwohl sie Nein sagen muss und andersrum. Ja.
Florian Bayer: Wie sie versucht, da irgendwie rauszukommen. Das ist die Situation, man weiß, sie kann eigentlich nur verlieren. Und ja, am Schluss setzt sich die Gästin da tatsächlich durch und alle müssen Alle, die gesamte Crew. Die Leute werden aus der Küche rausgeholt, die Leute werden aus den... den Schlafsälen rausgeholt, die Putzkräfte, die gerade wahrscheinlich ihre Mittagspause machen oder vielleicht sogar nach einer Nachtschicht einfach mal einen Tag ausschlafen wollen. werden rausgeholt, weil die gesamte Crew auf Wunsch dieser Millionärin in den Pool baden gehen soll.
Johannes Franke: Die sollen gefälligst Spaß haben.
Florian Bayer: Freiheit, alle sind gleich, großartig. Sie ist so ein netter Mensch.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und sie hat das verstanden mit der Gleichheit.
Johannes Franke: Ja, sie weiß genau Bescheid. Es ist der Hammer. Und sie spielt es auch wahnsinnig gut.
Florian Bayer: Ja, sie spielt es toll. Also diese Szene ist... Hart, wirklich hart, auch so unangenehm. Auch so ein Fremdscharm und es ist einfach super inszeniert und super von ihr gespielt. Eben diese reichen Leute, die denken, was Gutes zu tun und dabei einfach nur ihre Macht ausspielen und offensichtlich nicht mal einen Blick dafür haben, dass hier gerade nur ein Machtspiel stattfindet. bei dem sie ganz eindeutig vorne liegen und alle anderen demütigen, weil letzten Endes läuft es auf Demütigung hinaus.
Johannes Franke: Definitiv. Und das Krasse ist, dass sie dann natürlich versucht, ihr Gewissen zu beruhigen damit.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Sie versucht, ihr Gewissen damit zu beruhigen, dass sie dann auch noch... es noch schlimmer macht.
Florian Bayer: Sie ist die coole Millionärin, die verstanden hat, dass alle gleich sind, dass Geld keine Rolle spielt und deswegen gibt es hier jetzt mal eine Order an alle. Und um diese Gäste, also es gibt natürlich noch ein paar mehr, aber das sind so die Gäste, die man am häufigsten sieht, muss sich eine Crew kümmern, die angeführt wird von Paula. von Vicky Berlin gespielt. Eine sehr resolute Crewchefin, die den Laden auch ziemlich gut im Griff hat, mit einer Ausnahme, zu der wir gleich kommen. Und die echt gut darin ist, zum einen ihr Personal anzuweisen und zu sagen, ey Leute, hier... sind lauter Multimillionäre. Macht die glücklich. Egal was passiert, macht die glücklich und wir werden... verdammt hohes Trinkgeld kriegen.
Johannes Franke: Da müssen wir nochmal drüber reden. Money! Machen wir gleich. Machen wir gleich.
Florian Bayer: sie hat die ganze Crew eigentlich im Griff mit Ausnahme vom Kapitän Thomas, gespielt von Woody Harrelson. Wir haben eine kleine Staraufgebote auf Woody Harrelson als versoffener Kapitän, der die meiste Zeit über in seiner Kajüte sitzt und sich voll offen lässt und keinen Bock hat rauszukommen, bis er dann schließlich beim Captain's Dinner gezwungenermaßen erscheinen muss.
Johannes Franke: Eine der Figuren, wo man Okay, I'm with you. den man voll verstehen kann.
Florian Bayer: Paula, wie sie ihre Leute motiviert.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Das ganze Ding fängt ja damit an. Der zweite Teil fängt ja damit an, dass sie... motivational speech hält quasi für die Crew, für die Leute in der Mittelschicht? Weil es gibt ja noch die Leute drunter, Ja, definitiv. Die dann Toilette putzen und die im Frachtraum und so weiterarbeiten.
Florian Bayer: Was Gastro und Service und so betrifft, wahrscheinlich sogar eher die Oberschicht. Die werden nämlich zum einen sowieso viel verdienen, wenn sie da arbeiten als Service. Als Servicekräfte? Nein?
Johannes Franke: Du zweifelst? Ja, das hofft man so.
Florian Bayer: Aber sie sind ja auch alle sehr weiß.
Johannes Franke: Ja, sie sind alle sehr weiß, das stimmt. Was so ein bisschen der Film nahelegt, ist Ihre Motivational Speech. endet ja damit, dass sie sagt, dass wir uns alle zusammenreißen müssen und zu allem Ja sagen müssen, damit wir am Ende... Nicht etwa ganz normal bezahlt werden. Nein, wir müssen uns auf das Trinkgeld freuen. Das finde ich so ein krasser Abrutsch in dieser Speech. Weißt du, dass man nicht irgendwie sagt, so und wir verdienen hier wahnsinnig viel Geld, weil die Firma uns gut bezahlt. Nein, wir freuen uns auf ein Trinkgeld.
Florian Bayer: Ich glaube, die Firma bezahlt sie auch ganz gut. Und das Trinkgeld wird wahrscheinlich wirklich so absurd hoch sein. Ich überlege gerade, ich kenne glaube ich niemanden, der in so reichen Schuppen mal gearbeitet hat, aber ich glaube... Du weißt einfach, wenn dann so eine Gruppe von Leuten reinkommt, die viel Geld ausgeben, die Champagner saufen und so, dass die dann auch einfach mal dreistellige bis vierstellige Trinkgeldbeträge tragen.
Johannes Franke: da lassen. Aber es ist so in der Nutshell, so dieses Trickle-Down-Ding, dass die echt hoffen, dass von ganz oben... Weil das Geld so langsam durchsickert und das bei ihnen was landet.
Florian Bayer: Eine fantastische Szene auch, weil sie dann da oben rumspringen und sagen Money, Money und sie freuen sich aufs Trinkgeld. Und dann sehen wir einen Schnitt zu denen unten drunter, die Unterschicht der Crew, die Leute, die sauber machen. Und die hören das und gucken nur so etwas irritiert nach oben, weil die, die übrigens nicht sehr weiß sind, werden wahrscheinlich nichts von dem Trinkgeld sehen.
Johannes Franke: Da wird nichts runter trickeln. Ja, das ist schon krass. Und ich finde es auch einfach spannend, dass er sich genau darauf setzt, um eben auch einmal eine Gesellschaft zu umreißen, wo wir heute genau das in der Nutshell haben, was auf diesem Boot passiert ist. Die Mittel- und Unterschicht hofft, dass von ganz oben nach und nach das Geld runtersickert und dass man irgendwie was abbekommt.
Florian Bayer: vor allem, dass es nur bis zu ihnen runtersiggert und nicht weiter runter.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Das ist ja auch so das Ding, dass das da ja auch eine sehr krasse Grenze ist.
Johannes Franke: Naja, und dass das nicht funktioniert, wissen wir ja. Ja. Dass das Konzept an sich nicht funktioniert und das eigentlich verdient jetzt nicht mal einen Namen, aber gut. Ja. Ja, ich find's großartig einfach inszeniert und reingeworfen und man hat sofort ein Gefühl dazu und ein Gefühl für diese armen Säue, die da irgendwie in Hoffnung...
Florian Bayer: Ich würde halt sagen, Paula und ihre Crew, also es sind ja auch relativ wenige, die sie da vom Service dann anspricht in dieser Motivationsrede. Das sind keine Abendsäure. Ich glaube, die verdienen gut. Ich glaube, denen geht es ziemlich gut. Die, die wirklich total unterbezahlt sein werden, sind die, die Putzkräfte sind und die, die noch eins unten drunter im Maschinenraum arbeiten. Die wir ja auch fast gar nicht zu sehen bekommen. Also auf dem Boot gibt es nachher eine Szene, wo wir sie sehen, wenn sie nach der Kotzerei sauber
Johannes Franke: machen.
Florian Bayer: Aber ansonsten sehen wir einfach nichts schief von denen. Und es passt ja auch zu dem Ambiente, weil das sind wirklich die Leute, die unsichtbar sind auf diesen Schiffen. Du hast dieses Schiff, wo die Reichen sich vergnügen wollen und klar, Servicekräfte brauchst, die sehen dann schick aus, die sind freundlich, die sind gut geschult und können gut reden. Aber du willst nicht wissen, wer dein Klo sauber macht und du willst nicht wissen, wer den Dampfer am Laufen hält. Das interessiert dich nicht, solange alles läuft. Du willst sehen, wer dir als nächstes ein Champagnerglas bringen kann. Und dann dieses Boot. Ist dir die 90er-Jahre-Mucke aufgefallen? Es läuft die ganze Zeit 90er-Musik. Es läuft live von Desri, das hören wir mehrmals. Offensichtlich ist das... bei wem auch immer in der Playlist ganz beliebt um. Das ist so ein Soul-Pop-Stück aus dem Ende der 90er, würde ich behaupten.
Johannes Franke: Okay, keine Ahnung.
Florian Bayer: Life, oh life, oh life und dann immer so weiter. Und dann Lady von Mojo, was tatsächlich ein ziemlich cooler Song ist, so ein French-House-Song, ich glaube auch Ende der 90er. auf jeden Fall, ich fand das krass auffällig, weil wir haben hier ein Boot der Reichen, der Millionäre und Wenn man sich die Altersstruktur anguckt, dann versteht man es. Dann läuft da diese Musik, die über 20 Jahre alt ist. Aber na klar, das sind halt auch alte Leute. Das sind 40, 50, 60-Jährige. Ja. Und Jaja und Karl sind eher die Jungen, die Jüngsten.
Johannes Franke: Ja, definitiv die Jüngsten.
Florian Bayer: etwas jüngere Leute dabei, aber sehr wenige. Und dann läuft halt die 90er-Mucke, so die 90er-Clubmusik, die aus dem echt so ein bisschen trashig ist. Und dann sind die auf dieser Yacht und was sie halt machen, ist viel Champagner saufen, im Pool sitzen und nichts.
Johannes Franke: Nichts.
Florian Bayer: Nichts? Sie hängen da nur rum.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie das geht. Ich verstehe nicht das Konzept, auf einer Yacht zu sitzen und einfach wochenlang... Nichts zu machen.
Florian Bayer: Und klar, sie fahren durch irgendwo an der afrikanischen Küste wahrscheinlich entlang, wie wir später sehen.
Johannes Franke: Weiß gar nicht genau.
Florian Bayer: Naja, wegen der Piraten würde ich behaupten, das muss eigentlich die afrikanische Küste sein. Wir sehen auch nicht, wo sie an Land gehen oder so, sondern sie sind die ganze Zeit unterwegs und Und das Geschehen spielt sich ja hauptsächlich auf dem Deck ab, wo es natürlich schicke Pools gibt und schicke Sonnenliegen und so. Aber sie liegen da rum und sonnen sich. Karl liest dann zwischendurch noch Ulysses.
Johannes Franke: Das sollte eigentlich in einer anderen Szene passieren. Es gab so eine Castingszene, wo er das so... Er hat extra dieses gelesen, der Schauspieler. Ja. extra gelesen.
Florian Bayer: Also Karl wurde gleich in zweierlei Hinsicht von Ruben Östlund gefickt. Harris Dickinson ist der Schauspieler von Karl. Und Ruben hat zu ihm gesagt, pass auf, hier ist das Skript. Und übrigens, dein Charakter, den du spielen wirst, der war mal Automechaniker. Und Harris Dickinson, der offensichtlich sehr bemüht ist, ein guter Schauspieler zu sein. Ich fasse jetzt in meine Rolle rein. Hat dann alles gelernt, was man dann über Autos lernen kann. Kommt zum Set, Ruben Oestl und sagt, naja, nee, die Hintergrundgeschichte haben wir gestrichen. Du bist einfach Model. Fick Nummer zwei, Ruben Östlund sagt zu Harris Dickinson, pass mal auf, Karl liest Ulysses. Das ist ganz zentral. Der liest Ganz wichtig, der hat das am Anfang, der hat das immer bei sich. Und Harris Dickinson, hochmotiviert, ey, wenn der Ulysses liest und das versteht, dann muss ich Ulysses lesen und verstehen.
Johannes Franke: Und er hat es nicht verstanden.
Florian Bayer: Kennst du Ulysses? Kennt ihr Ulysses? Habt ihr mal versucht Ulysses zu lesen?
Johannes Franke: Ich glaube, ich würde nach zwei Seiten schon sagen, nee, nee, schönen Tag noch.
Florian Bayer: in einem anderen Buch von James Joyce als einer der kompliziertesten Romane des 20. Jahrhunderts. nicht nur äußerst lang, sondern auch komplett fragmentiert, teilweise mit so Monologen, mit so Gedankenflüssen. Es gibt Passagen, die sind geschrieben im Stil von alten Zeitungen, von alten Zeitungsheadlines. Dann gibt es Passagen, die sind fast in Gedichtsform geschrieben. Es ist ein Abschluss. Absurd aufwendiger Roman, der nur einen Tag in Dublin spielt. Und wenn man nicht Literatur studiert hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann ist es unlesbar. Und wenn man nicht einen Erklärungstext dabei hat, dann ist es lesbar, aber nicht verstehbar.
Johannes Franke: Und dann hast du dieses fette Buch und dann hast du auf der einen Seite den Text, auf der anderen Seite die Erklärung dazu und dann hast du noch ein doppelt so dickes Buch. Was soll das denn?
Florian Bayer: Einer der besten Romane, die je geschrieben wurden. Hast du gelesen?
Johannes Franke: Du hast es gelesen? Ja.
Florian Bayer: dem englischen Original.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Aber es gibt, also es ist eine eigene Wissenschaft für sich, Übersetzung von Ulysses. Lass mich nichts Faltes sagen, vor 15 Jahren, darauf habe ich mich tatsächlich Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Gab es eine neue Übersetzung, wo sehr viel dran gewerkelt wurde mit ... mit Erklärungen noch nebenbei und Begriffsdefinitionen. Und ich habe damals absurd viel für dieses Buch bezahlt.
Johannes Franke: Hörst du die Grillenzirpen? Im Hintergrund hat jeder abgeschaltet, der irgendwas mit... Naja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Long story short, es ist ein verdammt gutes Buch. Es lohnt sich, sich da rein zu versetzen und sich damit so auseinanderzusetzen, weil was James Joyce da macht, Er erzählt die Odyssee, die Reise von Odysseus zurück nach ... Ach du Scheiße. Ich weiß es gerade auch nicht, deswegen pausiere ich. Das ist nicht Kreta, oder?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Hey, hey, hey. Irgendwas mit hey, griechische Insel. Odysseus zurück zu seiner Frau und seiner Familie. Und er erzählt das aber natürlich als parabolisiert. als Tag in Dublin, wo ein Lehrer... Und ein anderer Typ, jetzt muss ich wirklich in Erinnerung kramen, einfach unterwegs sind. Und es passiert eigentlich nicht viel an der Oberfläche auf der Handlung, weil die sind halt einfach unterwegs. Und gleichzeitig werden die ganze Zeit diese mythologischen Themen reingeworfen. Großartiges Buch, es lohnt sich, lest es. Egal. Harris Dickinson liest dieses Buch komplett, quält sich da durch. Wirklich, wow, Respekt, Harris. Und kommt ans Set, Fick Nummer 2. Ruben sagt zu ihm, nee, nee, nee. brauchen wir nicht, kommt nicht vor. Ich glaube, Harris war so angepisst, dass dann Ruben gesagt hat, okay, du kannst es auf dem Boot lesen, wenn du willst.
Johannes Franke: Fuck, Alter. Das ist wirklich hart.
Florian Bayer: Und das ist das Spannendste, was sie auf diesem Boot machen. Ulysses lesen. Wenn ich auf diesem Boot wäre, dann würde ich auch lieber Ulysses lesen, als mich mit den... anderen Reichen im Pool zu unterhalten.
Johannes Franke: Ja, oder einem Poolboy dabei zugucken, wie er sein Shirt aussieht.
Florian Bayer: Hallo.
Johannes Franke: Hallo, hallo.
Florian Bayer: Deswegen darf dieser Teil der Crew nicht sichtbar sein, weil die einfach mal zu hot sind.
Johannes Franke: Es ist großartig, wie auch, das ist natürlich eine typische Szene, okay, die kann man irgendwie bland inszenieren, aber er hat es irgendwie geschafft aus so einer Idee. Einfach eine simple Idee. Sie begrüßt einen Pullboy, der gerade oberkörperfrei ist und ihr Freund ist eifersüchtig. Natürlich, okay. Es ist nicht... Keine neue Idee. Aber ich finde es so geil inszeniert, so gutes Timing, gut geschrieben. Es ist toll.
Florian Bayer: Um Charlie B.D. nochmal hervorzuheben, die Dialla spielt, leider...
Johannes Franke: letztes Jahr verstorben.
Florian Bayer: Spielt das ganz toll. Sie ist ganz klar angetan von dem Poolboy. Es ist der Typ, der das Segeln gemacht hat.
Johannes Franke: Ich weiß gar nicht.
Florian Bayer: Das ist auch egal. Auf jeden Fall ist sie angetan von diesem Crewmitglied und sie zeigt es auch. Also sie versteckt es nicht. Das ist so klarkastisch. Karl sieht das und daraus entsteht dann der nächste Streit, wo Karl wieder so ein Crybaby ist, weil er wirklich so albern eifersüchtig ist. Echt mal. Echt? Sie hat sich mit dem unterhalten, sie hat mit ihm vielleicht auch ein bisschen geflirtet, sie hat ihn angeguckt, weil er sexy ist. Komm mal runter, Junge, wirklich. Ey, Karl nervt mich so oft. Ich finde Karl so schrecklich. Deswegen bin ich auch, glaube ich, öfter auf Ihrer Seite, weil Karl echt anstrengend ist.
Johannes Franke: Aber ich kann ihn verstehen. Ach komm, bitte. Ich will nicht verteidigen, wie er sich verhält, aber ich will sagen, dass uns der Regisseur die Mittel in die Hand gibt, zu verstehen, warum er so reagiert. Weil er derjenige ist, der mehr in dieser Beziehung sieht und das Gefühl hat, dass sie das nicht sieht und deswegen so sehr Angst hat, dass sie da jederzeit rausrennt aus dieser Beziehung.
Florian Bayer: Aber der Akt davor wird komplett an Absurdum geführt, weil er jetzt, also seine Argumentation von davor, weil jetzt ist er wirklich in diesem ganz klassischen Gender-Klischee-Rollenkontakt. Flick drin. Er, der eifersüchtige Mann, der seine Frau vor dem Eindringling verteidigen muss.
Johannes Franke: Und das mit dem Ring, ist das nicht großartig? Ist das nicht eine tolle Szene?
Florian Bayer: Ganz kurz genau. Also sie streiten sich dann und er will dann einen Verlobungsring kaufen.
Johannes Franke: Das ist so toll. Weil auch die Szene so geil ist, weil auch die Paula, also die Crewchefin, das so, so gut spielt, wie sie versucht, diesem Neureichen, sie weiß nicht, wie viel er nun hat oder nicht hat, diesen Ring zu verkaufen, der wirklich absurd viel Geld kostet. Und eben den dann so ganz komisch hinhält an ihrer Hand als Beispiel. das denn aus, wenn der Ring getragen wird. Hier schafft der Regisseur es, sich konsequent auf die Totale zu verlassen. Und das ist nun so eine gute Entscheidung, weil die Totale natürlich die Komik so dermaßen gut hervorkehrt.
Florian Bayer: Die haben so eine angespannte Situation, so eine angespannte Szene und er lässt sich diese absurd teuren Ringe vorführen.
Johannes Franke: Und er kann sich das nicht leisten. Ja.
Florian Bayer: Er kann sich das nicht leisten.
Johannes Franke: Er guckt da so drauf und wird dann immer nervöser und guckt, mhm, okay, was kostet, ach, okay, so viel kostet er, also mhm, ja. und versucht sich nicht anmerken zu lassen, dass er das einfach nicht leisten kann. liebe diese Szene dafür. Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Und wirklich auch schön in Ergänzung mit der, ich glaube, dann direkt dran anschließenden Versöhnungsszene, wo Karl und Jaja wirklich einen schönen empathischen Moment zusammenkriegen und wir sie einfach nur süß finden. Er macht dann halt ein Rollenspiel. Er ist dann der Poolboy oder der, der das Zimmer sauber machen soll.
Johannes Franke: Poolboy, glaube ich, ja, ja.
Florian Bayer: Und verführt sie in dieser Rolle und es ist wirklich niedlich. Das ist für mich eine Szene, die zeigt, da ist schon ein bisschen mehr. Die haben irgendwie eine Beziehung, eine funktionierende Beziehung Und es ist wirklich lieb. Also ich finde auch die Diskussion im ersten Teil ganz süß, wie sie es dann irgendwie schaffen, das so zu klären einigermaßen. Wo man merkt, da gibt es auch so ein gewisses Investment, was sie reinstecken in die Beziehung. Und es ist wirklich schön. Also man mag sie auch in diesem Moment. Es ist cool, dass er das auch macht und dass er es vielleicht auch jetzt ein bisschen mehr mit dem Augenzwinkern sieht, nachdem er wirklich diese alberne Eifersucht abgezogen hat. Ja, also es ist ein schöner Moment. Und all das bereitet uns aber nur auf das vor, was dann kommen soll auf dem Schiff, was der Höhepunkt der Schiffshandlung ist.
Johannes Franke: Der Höhepunkt der Schiffshandlung? Du meinst die Kotzerei?
Florian Bayer: Das Captain's Dinner. Wo nicht nur Thomas endlich raus muss, aus seiner Höhle rausgelassen wird, sondern wo es auch das... beste Essen an Bord gibt, nämlich Burger mit Pommes.
Johannes Franke: Das ist so toll. Ich finde es großartig, dass er das wischte. Ja, genau weiß. Oh Gott, der ganze Scheiß da, das krieg ich nicht runter.
Florian Bayer: Und ich hab das Gefühl, Dimitri guckt ganz schön eifersüchtig da drauf.
Johannes Franke: Ja, das ist so geil. Nicht nur Dimitri, sondern der andere. Heißt der Dimitri? Dimitri ist doch der Russe. Aber neben ihm sitzt doch auch der, der später noch überlebt hat.
Florian Bayer: Unser Neureicher.
Johannes Franke: Unser Neureicher, der aber sich ja Mühe gibt, auch neureich sich zu verhalten. und da zu stehen und zu sitzen. Und man sieht immer trotzdem an, er sitzt neben dem Captain, dass er... auch lieber gern die Burger gehabt hätte.
Florian Bayer: Und wer kann es ihm verdenken? Das, was ihnen serviert wird, wie du schon gesagt hast, ist schlecht geworden. Aber ich fände es auch echt eklig, wenn es nicht schlecht geworden wäre. Wir haben dann diese Szene, wo sie sich das Kotzen unterdrückten und dann sagten die von der Crew, hey, esst was, das hilft und dann stellen sie diesen transparenten Clip an. Nein, das hilft gegen Seekrankheit. What the fuck, gibt dem armen Mann ein Stück Brot. Ein Glas Wasser und nicht diesen... Diesen transparenten Klipper, der aus irgendwelchen Mägen gemacht wurde. Es gibt halt auch nichts anderes auf diesem Schiff, glaube ich. Nur dieses Schaum- und Klipperzeug und Eingang, also es ist vielleicht nicht mal so eklig, aber wenn man sich das vorstellt im Zusammenhang mit diesem Schwanken.
Johannes Franke: Ich finde dieses Bild so geil, wie der Käpt'n da steht und auf die Leute wartet und da so schief starr steht. das Boot halt schon so Schieflage hat und der steht da so schief da und es ist großartig.
Florian Bayer: Wir haben halt einfach Turbulenzen auf dem Meer. Das ist ein starker Wellengang. Und dann sind sie da und alles wackelt und alle versuchen eine gute Miene zum traurigen Spiel zu machen. Und eine Passagierin, bei der fängt es dann an, die muss sich dann übergeben und wird rausgeführt und sie sagen, ach trinken sie was und geben ihnen auch ein Bonbon gegen Zehkrankheit. Und dann eskaliert es aber, weil nach und nach allen schlecht wird und sich alle anfangen zu übergeben, sich das Übergeben verkneifen, es nicht können, rausstürzen. Es ist einfach ein Armageddon. Es ist eine Endzeitstimmung. Im übertragenen Sinne geht dieses Schiff gerade unter, weil die Leute... Kotzen übereinander stürzen, Panik, es stinkt, es fliegt Essen durch die Gegend, es fliegt Kotze durch die Gegend. Die eine trinkt noch Champagner, während sie kotzen muss. Trinkt ein Glas Champagner, kotzt wieder. Die Crew ist total hilflos. Leute fallen um. Es wird irgendwo eine Wiederbelebungsmaßnahme gemacht. Wir haben jemanden, der da liegt, der einen Herzinfarkt hatte.
Johannes Franke: Während aber alle sagen, ja. setzen Sie sich ruhig wieder hin, hier essen Sie was und total nett und total höflich bleiben.
Florian Bayer: Alle versuchen den Schein zu bewahren, sowohl die Crew als auch die Gäste, die dann versuchen halt zu essen, weil das ist das beste Essen, das teuerste Essen. Aber sie müssen eigentlich alle kotzen und keiner will, aber alle müssen den Schein bewahren.
Johannes Franke: Und das ist dein einziges Chaos, was ich richtig geil finde. Du hast einmal die Einstellung, totales Chaos und im Hintergrund so ein Bullauge. Wo draußen man sieht, dass die See tobt und dann sieht man so einen Scheibenwischer hochkommen von jemandem, der die Scheibe von außen nochmal wischt. Was völlig absurd ist, weil da draußen sowieso jederzeit wieder die Hölle losbricht und alles wieder eindreckt. Und da kommt aber dieses Teil hoch. So ein Alltagsding. Ich finde das so konterkariert, so großartig, die Situation. Es ist super. Ich finde, da beweist er wirklich ein unglaublich gutes Timing.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und schafft es etwas, wo ich sofort abschalten würde, normalerweise so zu inszenieren, dass ich einfach dranbleiben muss?
Florian Bayer: Na, also Össlund setzt sich schon in diesem Moment sehr stark auf diese Kotzerei und auf den Fäkalhumor. Aber es funktioniert, weil es die Eskalationsspirale ist einfach mal krass. Es fängt wirklich langsam an. Es fängt realistisch an.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und es wird aber von Sekunde zu Sekunde bizarrer und es verliert dann auch irgendwie so ein bisschen den realistischen Rahmen. Aber nicht zu viel, sondern es bleibt irgendwie so einigermaßen nachvollziehbar. Aber es wird ... schon eine ziemliche Pizzerrie. Und es hat am Schluss, wenn sie alle im Chaos übereinander stürzen und heulen und jammern und kotzen, dann explodiert noch das Klo und Vera liegt in diesem... Klo drin und es ist überall Schmodder. Und dann haben sich Thomas und... Und Dimitri zurückgezogen auf die Brücke und Dimitri hat das Funkgerät in der Hand und Thomas hat das Funkgerät in der Hand und Dimitri sagt, das Brot wird sinken, wir werden alle sterben.
Johannes Franke: Und die armen Leute machen sich schon bereit und beten und wissen nicht, was sie machen sollen. Alle sehen die Rettungswesten an. Und es ist einfach ein Elend, ein unglaubliches Elend. Es ist Weltuntergangsstimmung. Rutscht von einer Seite zur anderen im Klo in ihrer Kotze.
Florian Bayer: Ja, und das Klo läuft dann ja auch über. Ein Klo läuft konstant.
Johannes Franke: Es ist wirklich nicht schön. Man kann es nur ertragen, weil der Rest so heiter ist. weil die ständig über Marxismus und Kapitalismus reden.
Florian Bayer: Paula dabei an der Tür und Klo. dass Thomas die Tür öffnen soll, dass er aufhören soll, diese apokalyptischen Durchsagen zu machen.
Johannes Franke: Oh Mann.
Florian Bayer: Wir hatten die ganze Zeit diesen seichten 90er-Jahre-Pop. Und dann kommt die Putz-Crew. Wirklich die Unterschicht, die untersten der untersten. Und die kommen dann und machen sauber ... Und dabei läuft New Noise von Refused. Auch aus der Zeit, ne? Auch Ende der 90er, aber halt so ein Alternative-Punk-Song von damals.
Johannes Franke: Ist es einfach die Vorliebe des Regisseurs?
Florian Bayer: Ich weiß nicht, vielleicht, also ich kann mir vorstellen, dass Östund gedacht hat, naja, die sind alle ein bisschen älter, die hören eher so 90er Zeug. Oder vielleicht ist es auch seine Vorliebe. Mal schauen, der Typ ist wahrscheinlich so ... Ja, er ist ein bisschen älter als wir, aber er ist auch in dieser Zeit sozialisiert musikal. Ich war ja halt Mitte 20, als das gelaufen ist.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Na, auf jeden Fall läuft es dann. Und es ist so schön, weil dann haben wir diese wirklich laute und dreckige Musik, die eigentlich auch ganz gut zu dem Exzess davor passen würde. Und dabei sind wir einfach nur ... Wie die armen Schlucker den ganzen Dreck wegmachen müssen und die Kotze aus dem Teppich will. Und einfach zu versuchen, wieder Ordnung auf dem Boot herzustellen. Klar Schiff zu machen. Ja, klar Schiff zu machen. Weil morgen soll die Party ja weitergehen. Ja.
Johannes Franke: Es ist absurd. Es ist wirklich absurd. Und man hat ab einem gewissen Punkt schon auch Mitleid mit den Reichen. Ja, total. Weil du natürlich dann irgendwann den Punkt verlässt, an dem das Reiche sind. Irgendwann hast du tatsächlich doch nur noch Menschen da. die einem einfach leid tun.
Florian Bayer: Ich finde, das Mitleid hält sich in Grenzen, weil man einfach zugeschockt ist, wie das Ganze eskaliert. Also es bahnt sich so auf dem Schiff langsam an. Aber ich zumindest hab halt noch diese Szenen davor im Kopf, wie relativ nuanciert erzählt wird, wie diese Personen alle etwas schräg sind, alle etwas merkwürdig.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann wird da plötzlich diese Endzeitstimmung gemacht, weißt du? Du hast eine Naturdoku und du rechnest einfach nicht damit, dass die Meteoriten... einschlagen und alles vernichten, was an Leben da ist. Aber genau das passiert. Und ich bin in diesem Moment einfach total geschockt, dass der Film so ein Schlenker macht und plötzlich so bizarr wird und so größenwahnsinnig in seiner Absurdität und in seinem schwarzen Humor. Das nimmt mich total mit.
Johannes Franke: Es ist sehr gewaltvoll dann auch. Ja, total.
Florian Bayer: Und auch nichts mehr ist subtil. Davor hatten wir wirklich subtil und nuanciert erzählt, wie Menschen schräg sind. Ja. Und jetzt haben wir einfach nur noch voll auf die Kacke gehauen, im wahrsten Sinne des Wortes. Passend dazu im Sonnenaufgang. Und wir haben das Piratenschiff am Horizont. Und es fliegt eine Granate aufs Schiff. Natürlich zu unserem netten Paar.
Johannes Franke: Ausgerechnet zu unserem netten Paar. Sie hebt dann die Granate auf und sagt, hey, ist das nicht einer von uns?
Florian Bayer: Ja, ist es. Das ist ja interessant. Moment. Da ist kein Stift mehr drin.
Johannes Franke: Es ist so passend und es ist aber auch, muss man sagen, nicht sehr subtil.
Florian Bayer: Es ist überhaupt nicht subtil. Dieser zweite Teil steht im ganz klaren Kontrast zum ersten Teil. Und ich habe vorhin schon das Wort Stolpern gesagt, man stolpert da auch so ein bisschen drüber. Also auch, weil der erste Teil relativ kurz war, aber vermeintlich ein Eine Art der Inszenierung vorgibt und dann wechselt das schon ziemlich krass von diesem realistischen zum absurd übersteigerten. Wir sind einfach an der Groteske jetzt. Das waren wir davor nicht. Davor waren wir in einer sozialrealistischen Tragik-Komödie, whatever. Und jetzt sind wir halt in einer Groteske. Das ist aber auch der Höhepunkt der Groteske. Ja, klar. Gott sei Dank, das ist auch wirklich schön zurückhaltend, dann inszeniert dieser Schluss davon, dass wir haben einfach zwei Explosionen auf dem Schiff.
Johannes Franke: Und du siehst ja aus der super totalen, du hast ja kein Drama mehr nah dran oder sowas, sondern es ist wirklich einfach eine totale, es passiert.
Florian Bayer: Komplette Distanz und der Film hätte an diesem Punkt auch vorbei sein. auch von der Laufzeit. Und wir haben aber Teil 3. Die Insel.
Johannes Franke: Die Insel.
Florian Bayer: Wenige Überlebende. Karl und Jaja. Dimitri.
Johannes Franke: Der Russe, ja.
Florian Bayer: Paula, unsere Chefin, Djamu und dann haben wir Und Therese, die von Iris Berben gespielt ist, die mit dem Schlaganfall, die immer nur sagt, in den Wolken ... Was ich am Anfang total merkwürdig fand. Sie ist mir auf dem Schiff überhaupt nicht aufgefallen.
Johannes Franke: Achso, mir schon. Aber das vor allem, weil, naja, sie ist deutsche Schauspielerin und man denkt... Ah, oh, wow, cool, Iris Bärm spielt mit.
Florian Bayer: Ich hätte sie ehrlich gesagt nicht erkannt. Und dann haben wir aber neue, die dazu kommen, nämlich jetzt kriegt die Unterschicht ein Gesicht in Form von Abigail von Dolly de Leon gespielt.
Johannes Franke: Die wir auch auf dem Schiff schon kennenlernen, was uns aber auch schnell wieder... Also wir vergessen sie sofort wieder natürlich, weil das einfach so inszeniert ist, dass man die Bediensteten sofort wieder vergisst.
Florian Bayer: Und Nelson, gespielt von Jean-Christophe Folie, der auch gleich mal mit Dimitri aneinander gerät, weil Dimitri ihn wegen seiner Hautfarbe für einen der Piraten hält und genau ausfragt und sagt, ich hab dich auf dem Schiff nicht gesehen. Denkt mal drüber nach, warum. Ja, genau.
Johannes Franke: Krass, Mann.
Florian Bayer: Ja, und dann die Insel. Was passiert auf der Insel?
Johannes Franke: Was passiert auf der Insel? Ich finde es... unglaublich geil, wie sich das entwickelt, bis zu dem Punkt, wo ich am Anfang dieses dritten Teils natürlich auch volle Kanne bei Abigail bin und denke, Yo, you go girl, es ist unglaublich gut.
Florian Bayer: Das ist die Einzige, die überlebenswertig Sie ist die Einzige, die alles kann. Sie fängt die Fische, sie macht das Feuer. Und dann gibt sie so geil immer, ruft sie so Anweisungen rüber und die Leute, kann jemand das von euch? Nee, kannst du ein Feuer machen? Nee. Und dann sitzen sie da einfach untätig und warten drauf, dass Abigail den Scheiß erledigt.
Johannes Franke: Weißt du, was krass ist? Was ich krass finde, was auch ein ganz fieser Kommentar ist, nur in so einer kleinen Haltung. Unsere Paula, die Chefin, die Crewchefin, Als die sieht, wie Abigail diesen Fisch fängt, ruft sie rüber, good job. Und zwar mit einem leichten Unterton von oben herab. Auf jeden Fall. Und auf eine Art und Weise, wo man denkt, oh wow, okay, hier sehen wir mehrere Stufen, wo sich jeder ein Stückchen versucht... Sein Plateau zu sichern. Ich bin über dir, obwohl ich unter allen anderen bin, aber ich habe wenigstens noch eine Person, über der ich drüber stehe. Und dieser Tonfall ist so gut gespielt und so auf den Punkt, dass ich ab dahin auch kaum mehr Mitleid mit ihr habe. Es ist so krass. Ich bin total bei Abigail und denke, okay, wenn sie anfängt zu zählen, eins für euch, eins für mich, eins für euch, eins für mich, Und Paula halt überhaupt nicht versteht, was da passiert und sagt, was wir jetzt für dich eins, wir sind doch so und so viel und da können wir uns doch durchteilen und dann sagt sie, ne? Nee, nee, nee. Ich habe alles gemacht. Ich habe alles gemacht, damit ihr überleben könnt. Da steht mir doch ein bisschen was zu, oder nicht? Und sie entwickelt dann halt nach und nach... Das, was ich glauben würde, wie sich das entwickelt, wenn du so ein Patriarch in Führungspositionen bist, nach und nach. Und da kommen auch die Sätze. Genau die Sätze, die man einem Mann schreiben würde in solchen Filmen. Es ist der Hammer.
Florian Bayer: Tatsächlich hat Ruben Oestlund ja eigentlich Abigail als Mann angelegt. Und seine Studenten, denen er so das Ganze präsentiert hat, was er da macht, haben dann gemeint, ey, wäre das nicht viel cooler, wenn wir hier eine Frau hätten.
Johannes Franke: Ich finde es total geil, dass der auch gleich gesagt hat, ja, dann machen wir das so.
Florian Bayer: Und es passt wirklich, weil natürlich wird dieses Geschlechterthema wird dann nochmal aufgegriffen, was wir im ersten Teil haben, was auf dem Boot so ein bisschen untergeht, weil da alle einfach nur reich und versnobbt sind. Und jetzt wird es nochmal aufgegriffen, aber es wird nicht überreizt. Also das Ja, Ja sagt zu Abigail irgendwann so, du hast hier ein Matriarchat erschaffen.
Johannes Franke: Ähm,
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, dass das ein Matriarchat ist, entwickelt sich eher so durch Zufall, weil die Männer wirklich alle komplett... Und die Frauen so ein bisschen, also auch wenn Abigail ganz klar die ist, die das Heft in der Hand hat. Aber die Frauen einfach so ein bisschen mehr Ahnung haben, ein bisschen mehr Gespür dafür haben, was gemacht werden muss. Deswegen finde ich, das Geschlechterthema ist gar nicht... Nicht so absolut krass relevant dabei, aber ist natürlich so ein...
Johannes Franke: Es ist ja aber auch nichts davon Zufall im Drehbuch. Also der hat sich das schon genau überlegt, was das... was das bedeutet und dass keine dieser Männer, also ich meine, er hätte auch eine Szene schreiben können, wo Dimitri genau weiß, wie man einen Fisch auseinander nimmt. Ja, das stimmt, das stimmt. Gibt das nicht. Alle Männer in diesem Film sind in diesem Teil absolut useless. Absolut.
Florian Bayer: langt ja auch ein bisschen die Parabel. Und ich finde es auch ein bisschen schade, weil Dimitri hätte ich eigentlich mehr zugetraut. Nachdem man Dimitri auf dem Schiff gesehen hat, hätte man ihm genau das zutrauen können, wie du jetzt schon sagst, dass der so ein paar Survival-Skills drauf hat und wenn es nur daran liegt, weil er sich halt irgendwann mal im Russland der 70er 80er Weil er Militärdienst gemacht hat und fünf Jahre irgendwo in Sibirien war oder whatever. Dimitri würde man das zutrauen.
Johannes Franke: Das stimmt. Aber man steht dann schon vor der Wahl als Regisseur. Will ich diese Parabel eins zu eins, will ich... Naja, eben die Subtilität eher nicht. Oder will ich versuchen, da irgendwas Feines zu machen? Aber ich glaube, er hat sich da wirklich sehr bewusst dafür entschieden... keine feinen Abstufungen da reinzubauen, sondern wirklich schwarz-weiß, ganz knallhart, ihr seid jetzt am Arsch.
Florian Bayer: Es steht alles im Geist der Parabel. Und das unterscheidet den dritten Teil auch vom ersten und zweiten. Also wenn ich so grob genre-technisch einteilen würde, ist Der erste hat eine realistische Tragikomödie mit schwarzem Humor. Der zweite Teil ist eine groteske.
Johannes Franke: Groteske, ja.
Florian Bayer: Und der dritte Teil ist eigentlich eine Fabel, ist eigentlich Animal Farm. Und zwar auch, wir haben hier einen Machtwechsel. Was passiert, wenn die... Unterschicht zur Oberschicht wird und die Oberschicht zur Unterschicht. Wie funktionieren die Machtverhältnisse da? und wie verhalten sich die Menschen. Und Abigail, der wir sehr lange folgen, wo wir einfach sagen, das ist die natürliche, Sie hat Ahnung, sie hält alles zusammen und sie hält alle am Leben, wird dann halt auch irgendwann zur Tyrannin. Bis zu dem Punkt, wo sie sagt, ah, den jungen Kerl, den schnapp ich mir. Du liegst heute Nacht bei mir, Baby. Und sich Karl schnappt als Sextrophäer.
Johannes Franke: Wobei das ja auch noch so ganz nonchalant inszeniert ist. Es ist ja gar nicht so, dass man dann irgendwie so ein... krassen Höhepunkt hat, wo man dann, wo sie dann evil laughing mäßig darstellt und dann irgendwie sich jemanden schnappt. Es ist wirklich so ganz nach und nach und nach und nach eine sehr gute Entwicklung und man kommt da sehr gut rein in diese Welt. Dass sie dann irgendwann wirklich auch mit ihm zusammen, den sie sich da geschnappt hat, in diesem Boot sitzt. Und er hat da so kleine, leichte... Versuche einer Kritik hat und sie dann sagt, ja was, ich halte euch alle am Leben, soll ich da keinen Vorteil von ziehen? Und dann wirklich so Sätze loslässt, wo der wirklich schwummerig wird.
Florian Bayer: Natürlich. hat total die Macht und es dauert nicht lange. Und es ist wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben, dass sie irgendwie eine Form von Macht hat. Und sie nutzt sie innerhalb von ein paar Tagen... Hat sie einen Wege gefunden, die auszunutzen.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Sehr krass auch Jaja, die nochmal Karl sagt, ey, und du musst aufpassen, nicht zu schnell zum Sex kommen lassen. Mach Vorsicht und bitte versprich mir gar keinen Sex. Aber du musst sie am Laufen halten. Rede mit ihr. Und so alle Manipulationsstrategien schnell ihrem dummen Typ geben. Sie weiß, der kann das nicht. Aber ja, dann haben wir ein ganz klares Machtgefühl. Abigail ist jetzt die Herrscherin. Karl ist ihr Sexpüppchen. Ja. Und die anderen arrangieren sich irgendwie mit der Situation, indem sie sich bei ihr versuchen einzuschleimen. Nee. Ja, und Scheiße bauen. Also es gibt diese Szene, wo Karl und Nelson... die Salzstangen essen, die Salzbrezeln.
Johannes Franke: Das sind es, glaube ich.
Florian Bayer: So nach und nach weg essen, wo man auch denkt, oh Gott,
Johannes Franke: Wie Kinder.
Florian Bayer: Wie kleine Kinder auf jeden Fall.
Johannes Franke: Genau, dieses Experiment. Wir legen dir jetzt was hier hin und wenn du lang genug wartest, kriegst du noch ein zweites davon und die halten es einfach nicht durch. Das ist wirklich krass. Ich finde, wenn ich das kurz, du warst ja auch gerade bei was, aber mir fällt auf, dass alle Figuren außer Karl irgendwie von einem Teil zum anderen die gesellschaftliche Position wechseln. Im ersten Teil ist sie Model, also diejenige, die den Service gibt. Also Arbeiterin quasi. Im zweiten Teil ist sie diejenige, die den Service genießt. Und im dritten Teil ist sie halt einfach diejenige, die abhängig von Abigail ist. Während natürlich offensichtlich der Russe auf dem Schiff im zweiten Teil derjenige ist, der völlig abhängig von Abigail ist, wie alle anderen auch. Also da wechselt sich das auch. Aber bei Karl, Karl wird von vorne bis hinten einen ganzen Film lang nur genutzt.
Florian Bayer: Durchgefüttert und gleichzeitig benutzt.
Johannes Franke: Durchgezogen, ja, ich benutze dich als das, du bist jetzt das, du bist jetzt das, du musst jetzt das machen, du musst jetzt das machen.
Florian Bayer: Tut mir leid, ich schaffe es aber einfach nicht, ich will kurz unterbrechen, ich schaffe es nicht, wenn du die Models zu Proletariern machst, das klappt. Ich kann diesen Schalter im Kopf nicht. Sie ist keine Proletarierin. Ey, sie ist ein Model und sie ist Influencerin und sie kriegt ja auch einen Platz auf dem Schiff, deswegen sie ist nicht die Dienstleisterin, bitte. Wirklich nicht.
Johannes Franke: Jetzt haben wir aber auch noch die Influencer verloren als Zuhörerin. Was soll denn das, Bloor? Ich habe versucht, hier uns eine Base aufzubauen, ja?
Florian Bayer: Nein, aber du hast recht, also ja, wir haben hier sehr viele Rollenwechsel und Karl in seiner Passivität ist immer irgendwie so, ist Karl einfach die Mitspielerin.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, keine Ahnung. Aber Karl ist einfach die Lusche, die nie auf den Tisch schaut und sagt, Leute, folgendes. Und dann mit den Konsequenzen lebt.
Florian Bayer: Aber Karl ist die Lusche, die sehr viel rumheult und sehr viel rumjammert, dass er von allen ausgenutzt wird.
Johannes Franke: Ja, er hat sehr viel Puppy-Eyes.
Florian Bayer: Ja. Oh Mann. Liebe Insel, lieber Ruben Oestlund, wenn du die Insel nicht mit Animal Farm verglichen haben willst, warum lässt du einen Esel totschlagen? Auf die brutalste Weise, die man sich vorstellen kann. Alle sind von dieser fucking Szene traumatisiert. Ich auch als Zuschauer.
Johannes Franke: Total, total.
Florian Bayer: Und es ist so realistisch, genau das würde passieren, wenn jemand wie Ciamo sagt, ey, ich hau mal den Esel tot. Und dann sich irgendwas greift, was er halt findet und dann auf das arme Tier... draufhaut. Natürlich ist es da nicht tot, sondern liegt da und heult und jammert. Und auch wenn du da noch fünfmal draufhaut, ist
Johannes Franke: Das ist so hart und das ist so schlimm. Ich finde es natürlich sehr passend, dass das Geräusch, was sie die ganze Zeit gehört haben, was ihnen Angst gemacht hat, wo sie überhaupt... Dann am Ende der wehrlose Esel ist, der ihnen überhaupt nichts hätte tun können. Und den dann auch noch irgendwie richtig schlimm kaputt zu hauen in einer stundenlangen Aktion. Und dann am Ende sich hinzustellen ... In dieser Höhle, die sie sich da quasi gebaut haben und von Heldentaten desjenigen zu erzählen, der den Esel getötet hat. Es ist also schlimm, kann man es nicht mehr machen.
Florian Bayer: Sehr viel Verträgung ist da vorhanden.
Johannes Franke: Es ist echt krass.
Florian Bayer: Ja, und das ist ja der Moment, wo ich glaube zumindest, also Yala scheint mir ja irgendwie doch noch relativ intelligent zu sein. Wo sie wahrscheinlich so auf den Trichter kommt, ey hier, wenn hier ein Esel rumläuft, dann gibt es vielleicht auch Zivilisationen. Und dann beschließt mal zu gucken, wo Zivilisation sein könnte und sich auf den Meeg machen will und Abigail sagt, ey, du schaffst es nicht. Das ist auch so krass. Ich meine, Abigail hat Überlebensfähigkeiten, aber Yala ist eine 20-Jährige? die fit ist und Abigail ist halt schon jenseits der 40. Und es ist klar, dass wenn es darum geht, einmal quer über eine Insel zu laufen, dass Abigail halt doch in die Tasche steckt, Ja, ja. Abigail doch in die Tasche steckt, egal wie gut die Überlebensinstinkte von Abigail sind.
Johannes Franke: Mhm, ja.
Florian Bayer: Und dann gehen sie aber zu zweit los.
Johannes Franke: Und dann kommt natürlich so erstmal, denkt man, ja vielleicht ist auch so ein bisschen die Chance für ein Bonding da unter Frauen, aber eigentlich weiß man auch... Das Potenzial dafür, dass der eine den anderen da runterschubst, ist ziemlich groß.
Florian Bayer: Ja. Sie gehen los und man weiß, zwei gehen los, einer kommt zurück.
Johannes Franke: Ja, irgendwie so. Aber ich finde, sie erzählen das ganz gut. Es ist nicht so sehr typisch, dass Abigail dann irgendwann einfach... mitten auf dem Berg sagt, so und jetzt schubs ich dich. Nein, nein. Sie braucht nochmal eine extra Motivation dafür und die kriegt sie natürlich auch auf nah. sehr harte Art und Weise, die ich auch voll nachvollziehen kann. Weil die dann wirklich da sitzen am Strand und feststellen, oh mein Gott, das ist ein Resort, da gibt es ein Man könnte einfach jetzt innerhalb von zwei Minuten unter Zivilisation sein. Und da irgendwie wieder Rettung finden. Und Abigail weiß natürlich sofort, wenn das passiert, bin ich wieder Putze.
Florian Bayer: Ja, und Jaja unterstützt das ja auch, indem sie sagt, ey, ich will dir übrigens helfen, du kannst für mich arbeiten.
Johannes Franke: Ja, meine Assistentin sein. Der Schlechteste, dass du dir hättest sagen können.
Florian Bayer: Es passiert, was passieren muss. Abigail ist eigentlich ganz zufrieden mit der Ordnung, wie sie gerade existiert und haut einmal drauf.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise wir sehen es nicht, aber es ist nur klar, sie greift sich eher Stein. hat auch das bestätigt irgendwann mal, hat gesagt, es ist völlig klar, dass sie dann auch wirklich sie tötet.
Florian Bayer: Und was soll uns diese Szene danach dann sagen? Wenn wir noch einmal Karl sehen. Karl rennt.
Johannes Franke: Also, es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten. Entweder... Er hat den Schrei, den sie dann wahrscheinlich losgelassen hat, einmal gehört. hat Angst und rennt los und versucht irgendwie da hinzukommen, was auch immer, wo auch immer was passiert. Ich nehme aber an, dass das viel mehr einfach ein Gefühl evozieren soll, dass du am Ende, naja...
Florian Bayer: Also merkwürdig, so nochmal so dran gepfropft. Wir haben das Gefühl, wir haben ein Ende gesehen und dann sind wir einfach für ein paar Sekunden kahl. der durch diese Sträucher rennt und links und rechts gestreift wird und verletzt wird.
Johannes Franke: Ja, und verletzt wird im Gesicht.
Florian Bayer: Und einfach rennt und cut und aus.
Johannes Franke: Er ruft auch nochmal. Er versucht irgendwie dann nochmal...
Florian Bayer: Was ruft er denn?
Johannes Franke: Ich glaube, er ruft nochmal ihren Namen. Ich weiß nicht mehr genau.
Florian Bayer: Ich hatte das Gefühl, es war so eine... Du hast die hypnotische Szene, weil sie auch so kurz war. Und du denkst, was war das gerade noch? Was ist da gerade noch passiert? Und dann bist du schon im Abspann. Und ich kann die Szene... Wirklich, also ich kann sie einfach nicht einordnen. Ich habe versucht zu überlegen, wollen... Ist das irgendwie nochmal ein Symbol? Soll hier nochmal irgendwas Symbolistisches erzählt werden? Ist es vielleicht, dass er... Dass er flieht?
Johannes Franke: Es gibt noch eine zweite Variante auf der Handlungsebene, was passiert sein könnte. Nicht, dass er sie hört, wie sie schreit, weil sie ermordet wird. sondern dass er diesen Typen, der unsere in den Wolken Frau einmal heimsucht, Uhren verkaufen will oder Hüte verkaufen will, dass er diesem Typen begegnet ist. Und feststellt, dass sie nicht allein sind auf der Insel und deswegen losrennt, um die beiden zu finden. Auch noch eine Möglichkeit. Ich nehme aber tatsächlich an, dass es vor allem um das Gefühl geht, dieses Verzweifelte zwischen den Welten und der Versuch, irgendwo hinzukommen, was einfach nicht mehr existiert, weil die Welt einfach für die Leute nicht mehr so, die ist einfach in die Brüche gegangen, das kriegst du nicht wieder. Und das ist, glaube ich, sein Gefühl einfach.
Florian Bayer: Es ist vielleicht auch einfach ein Symbol für die Art, wie er gelebt hat. Er stolpert die ganze Zeit da rum und überall Sträucher und er hat auch gar kein richtiges Ziel, aber er versucht zu retten, weißt du? wirklich Mühe und er will wirklich irgendwo hinkommen, auch wenn er keine Ahnung hat, wohin, dann rennt man halt einfach los und Krieg wird von links und rechts angepeitscht.
Johannes Franke: Ja, da habe ich dann doch noch Mitgefühl am Ende für ihn. Durch die Szenen.
Florian Bayer: Es ist eine sehr merkwürdige Szene. Force Majeure hat auch so ein Ende, wo du denkst, was passiert jetzt? Was passiert jetzt? Und ich hasse es ja, wenn du das machst. Was will uns der Film damit sagen?
Johannes Franke: Du fragst diese Frage jetzt auch?
Florian Bayer: Ja, und bei Forst Maché war es genauso. Da erfahren sie am Schluss, also nachdem quasi nichts gelöst ist, Fahren sie mit dem Bus los und der Bus fährt dann, also der Bus, der sie zum Bahnhof bringen soll, glaube ich, oder zum Flughafen. Der fährt dann so ein bisschen waghalsig und die Frau schreit dann, ey Busfahrer hör auf damit, du musst jetzt anhalten. Ich will nicht mehr, ich will jetzt aussteigen, halt an. Und dann hält der Busfahrer an und dann steigen alle aus. Oder der Bus könnte sogar kaputt gehen. Auf jeden Fall hält er dann an und dann gehen sie einfach diese Straße runter, diese Serpentinen, die zum Hotel führen und gehen so in einer großen Gruppe und dann endet der Film. Das hinterlässt so ein ganz merkwürdiges Gefühl, weil es auch diese Szene so nicht zu 100% zur vorangehenden Handlung passt. Und weil du das Gefühl hast, sie ist irgendwie noch so dran geheftet worden. Hier hast du noch so ein kleines Goodie, noch so ein Pin, den du dran machen kannst. Aber so richtig gegriffen kriege ich sie nicht. Und das finde ich bei der Szene noch krasser.
Johannes Franke: Was ich mich die ganze Zeit so ein bisschen frage, ist... Wir haben ja hier einen Film vor uns, der sich ja einreiht in verschiedene andere Filme, die so dieses reichen Bashing machen. betreiben. Warst du in letzter Zeit sehr stark, weiß ich nicht, nach vorne nudelt? Also wenn ich an The Menu denke, ist auch so ein bisschen so
Florian Bayer: Oh ja, der Menü ist sehr ähnlich, stimmt. Also von dem Blick auf die dekadente Oberschicht.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Ich würde es aber gar nicht so sehr am Kapitalfest machen. Ich weiß auch nicht, also du, ich weiß nicht, ob es ein bisschen zu pauschal ist, die Filme als Kapitalismuskritik zu nennen. Also gerade jetzt The Menu und den hier. Weil es geht um sehr spezifische Formen der Dekadenz. Und was wir hier auf dem Schiff versammelt haben, ist ja keine klassische Vertretung des... des Besitzenden, des Kapitals. Das ist ja irgendwie eine spezifische Form von Oberschicht. Ich meine, man kann sich total gut kritisch auseinandersetzen mit Bankenchefs, mit Versicherungschefs, mit Börsenspekulanten. Was hier gezeigt wird, ist aber eine andere Form von Oberschicht.
Johannes Franke: Ja, naja, vor allem die Obszönreichen, will ich sie mal nennen.
Florian Bayer: Obszönreichen. Ich glaube, ich weiß, worauf du hinaus willst.
Johannes Franke: Ich habe eine Top 3 für uns, Floor.
Florian Bayer: Jingle. Unsere Top 3.
Johannes Franke: Top 3 Obszönreich.
Florian Bayer: Obszönreich, wunderbar.
Johannes Franke: frei interpretierbar. Es muss keine Kritik sein. Es kann auch sonst was sein. Ich bin gespannt, wo du dich so... rumgetrieben hast.
Florian Bayer: Ich habe mich in der Filmgeschichte rumgetrieben. Ich habe nichts Aktuelles. Das Aktuellste, was ich habe, ist mein Platz 3. Und das ist aus dem Jahr 2000. Und das wäre American Psycho. Wo die Obszönität natürlich... Ob wir es im Killen liegt, dass wir hier diesen reichen Typen haben, der vermeintlich Leute umbringt und damit durchkommt. Und am Schluss wird das nochmal in Frage gestellt und so. Aber vor allem zeigt sich auch in den ganz vielen kleinen Details, wie er mit seinen Mitmenschen umgeht. Vor allem mit Frauen. Es gibt diese schreckliche Szene, Wo er die beiden Prostituierten da hat und sie dann zu absurden Sachen zwingt und dann am Schluss hat er einen Kleiderbügel und sagt, wir sind noch nicht fertig. Und dann wird weggeschnitten. Wir haben diese absurden Szenen, wo er Leute totschlägt, während er im Hintergrund Phil Collins hört und darüber schwadroniert, warum... in die Air Tonight der beste Popsong aller Zeiten ist. Und wir haben natürlich auch diese obszönen Szenen, in denen einfach gezeigt wird, wie er sein ganzes Leben um seine Persona herum gestaltet, indem er dann morgens in der Dusche ist, Maske macht und aufzählt, was er alles an Peelings und so macht und dann wie viele Liegestützen er machen muss, um diesen perfekten reichen Körper zu halten. Sehr obszön.
Johannes Franke: Das war dein Platz 3?
Florian Bayer: Das ist mein Platz 3.
Johannes Franke: Mein Platz 3 ist, um dem so ein bisschen nahe zu kommen, was wir hier haben. Ein anderes Beispiel dafür, dass ich glaube, dass wir da einen Trend haben irgendwie. reichen Bashing oder auf eine bestimmte Art und Weise eine bestimmte Gruppe von reichen Menschen irgendwie nochmal eins hinten dran zu geben und zwar Knives Out. bzw. Glass Onion, was für mich so beide ein kleines bisschen diese Richtung einschlägt, dass du Leute hast. die einfach wahnsinnig reich sind und die irgendwie auf eine absurde Art und Weise mit Dingen umgehen und dadurch sich selbst ein bisschen ins Ausbefördern auch. Glass Onion ein bisschen anders als bei Knives Out, aber beides viele Leute, bei denen man denkt, oh Gott, oh Gott. Warum gibt es euch überhaupt? Es sollte niemanden geben, der so reich ist, dass er wie bei Glass Onion seinen eigenen Tod in so einem krassen architektonischen Ding... inszenieren will und die Leute einfliegt und da irgendwie ein riesiges Happening draus macht, für so ein paar Hanseln, die dann Spaß haben und damit Ich weiß nicht, die Welt verpesten mit irgendwelchen Emissionen.
Florian Bayer: Interessanterweise, diese Whodunit-Filme spielen oft in superreichen Milieus. Knives Out trägt da ja auch so ein bisschen diese Tradition mit sich von Agatha Christie, wo du auch Ganz oft hast du, dass der Mord in irgendeiner großen Familie stattgefunden hat, wo jeder der Mörder sein könnte und es geht natürlich um Erbe und um Gelder und so weiter. und jeder hat so ein bisschen Dreck am Stecken. Ich glaub, das mag das Publikum auch einfach. So zu sehen, die Reichen haben auch Dreck am Stecken und die sind ja eigentlich auch nicht glücklich und die sind ja auch alle verdorben und so. Mein Platz zwei. Ich war zu sehr beeinflusst von dem Film, deswegen bin ich nicht drum herum gekommen, aus The Meaning of Life von Monty Python zu erwähnen. Der Sinn des Lebens aus dem Jahr 1983 und es gibt diese berühmt-berüchtigte Szene.
Johannes Franke: Ein Windplätzchen.
Florian Bayer: Ein etwas übergewichtiger Herr in dieses Restaurant kommt.
Johannes Franke: Ein etwas übergewichtiger Herr.
Florian Bayer: Ich wollte das PC ausdrücken. Auf jeden Fall kommt er da rein und er... und er muss einmal ordentlich kotzen und er kotzt dann die ganze Zeit und ist gleichzeitig wie die letzte Sauen, wird aber total freundlich bedient, weil er offensichtlich verdammt viel Geld hat. Und wir haben wirklich eine ähnliche Szene wie hier. Nur, dass sich alle anderen versuchen zu benehmen in dem Restaurant, während er der Einzige ist, der voll auf die Kacke haut.
Johannes Franke: Und es ist auch... Nicht im geringsten realistisch. Nein, überhaupt nicht. Es fängt auch nicht realistisch an oder sonst irgendwas. Es ist vollkommen monzipiell. Es ist einfach nur ekelhaft. Die Szene habe ich nie so richtig gemocht, obwohl ich verstehe den Gag dahinter und ich verstehe den patronesken Ansatz. den ich ja eigentlich immer ganz gut finde, aber irgendwie ist das so ekelhaft, dass ich es nicht mehr sehen will.
Florian Bayer: Das ist auch einfach nur Fäkalhumor. Aber gute Dekadencekritik. Unter dem Deckmantel des Kotzens und Kackens findet hier eine sehr subtile Kritik am postkapitalistischen Dekadenzerscheinungen statt. Dein Platz zwei bitte. Mein Platz zwei ist Citizen Kane. Oh ja, oh ja, das ist wirklich obszönreich.
Johannes Franke: Richtig obszönreich, unglaublich obszönreich und dann eben auch die Macht, die da mit einhergeht, an der man dann zugrunde geht irgendwann.
Florian Bayer: Vor allem krass, er baut dieses Opernhaus für seine Frau, die überhaupt nicht singen kann. Also nicht überhaupt nicht. Sie kann nicht so gut singen.
Johannes Franke: Einfach nicht gut genug, um in Opernhäusern zu singen.
Florian Bayer: Und dann zwingt er sie da zu singen. Obwohl die Presse sie fertig macht, obwohl niemand ein gutes Haar an ihr lässt und die Leute sie auslachen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er zieht das durch und sie will eigentlich nicht. Und das endet dann ja auch mit ihrem Tod.
Johannes Franke: Meine Güte. Ja, Citizen Kane, wir haben eine Folge darüber gemacht. Ist Citizen Kane tatsächlich das Meisterwerk, was alle glauben? Oder...
Florian Bayer: Hört es euch an, unsere 100. Episode. Unsere Jubiläumsepisode.
Johannes Franke: Die an dich ging und ich bin immer noch neidisch, dass du die 100. abbekommen hast.
Florian Bayer: Wie gut ist die 99. Also die 99. und die 100. sind beide sehenswert. Hörenswert. 99. war Singing in the Rain. Da haben wir ganz cool. gutes Jubiläum hingekriegt.
Johannes Franke: Ich glaube auch, ja. Okay, dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1, ein Film aus dem Jahre 1973 von Marco Ferreri. Das große Fressen, La Grande Bouffe. Und genau das, was der Titel sagt, ist es. Drei Freunde? Gespielt von Marcelo Mastroianni, Ugo Tognazzi und Michel Piccoli, die man wahrscheinlich kennt. große italienisch-französische Schauspieler. Sie treffen sich, um sich zu Tode zu fressen. Das ist ihr Plan. Sie haben ein Haus... Und sie haben da ganz viel dekadentes Essen. Und sie wollen sich einfach nur umbringen, indem sie sich überfressen. Sie holen sich dann noch ein paar Prostituierte. Und dann ist dieser Film zwei Stunden lang ein einziges Gelage, wo sie nach und nach den Tod finden. Zum Beispiel über Pupsten. Einer furzt sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Einer stirbt während des Sexes. Und es ist einfach nur... 130 Minuten Dekadenz und ein wirklich bitterböser, schwarzhumoriger Blick auf eine spezifische Form von Bildungsbürgertum. das vor allem damals existiert hat, das sich durch seine Kombination aus Hedonismus und Gelehrtheit definiert. keine einfache Kost, aber ein wirklich spannender und interessanter Film. Es wird viel gefögelt, es wird viel gefressen, es wird viel gekotzt. Alles dabei.
Johannes Franke: Toll. Klingt nach einem Film für mich. Nun ja, ich habe einen Platz 1 und ich habe gedacht, ich verlasse jetzt einfach alle anderen Pfade und muss einfach, weil ich so liebe... Zu Scrooge McDuck rüber. Nein. Der ist auf Sönreich. Auf jeden Fall, dieser Geldspeicher. Und das ist also auch noch einen Geldspeicher zu haben und das mit dorthin auf ein... einen Hügel zu stellen, damit alle anderen in der Stadt, immer wenn sie da hochgucken sehen, der hat ein riesiges Haus voller Geld.
Florian Bayer: Haben ja schon mal drüber nachgedacht, was er da mit der Wirtschaft von Entenhausen antut. Wenn er sein Geld nicht auf der Bank hat, wenn er sein Geld nicht reinvestiert.
Johannes Franke: Das ist ein Horder, das ist derjenige, den man meint, wenn man sagt, Geld müsste schlecht werden, damit man das im Umlauf hält.
Florian Bayer: Das ist wirklich ein Problem, glaube ich. Man könnte sich das mal anschauen, wie die Wirtschaft von Entenhausen aussieht. Wie viel Geld hat er im Verhältnis zum Rest von Entenhausen und was bedeutet das für den Wert des Geldes da? Was bedeutet das für die ganze Ökonomie? Darüber denkt niemand nach. Stattdessen sagen die Leute, er wird sich das Genick brechen, wenn er da reinspringt. Ja, stimmt. Aber viel schlimmer ist ... Also, ich kenn mich zu wenig aus. Liebe VolkswirtInnen, wenn ihr was habt für uns, sagt uns Bescheid. Was ist los mit Dagobert? Was macht sein Geldspeicher mit Entenhausen?
Johannes Franke: Das ist echt eine gute Frage. Ich glaube, wir machen... Eine extra Episode mal darüber, in dem ich dir die Serie, die neue DuckTales gebe, die du immer noch nicht gesehen hast, oder? Ja, ja, ja. Die neuen Ducktales, die inzwischen auch schon wieder alt sind, weil sie vorbei sind. Aber diese Serie ist der Hammer. Es ist so toll, wie sie sich da... in meine Kindheit wieder hineingespielt haben. Es ist super. Okay, cool. Ja, Scrooge McDuck, einer der besten obszönreichen Figuren der Filmgeschichte. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und damit zurück zum Film.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Ja, zurück zum Film. Wir hätten... einigermaßen den Film abgearbeitet, was so die Momente betrifft.
Florian Bayer: Östlunds erstes komplett englischsprachiges Werk, wobei komplett auch weit gedehnt ist, weil es werden sehr viele Sprachen in diesem Film. gesprochen. Wir haben wirklich einen internationalen Cast und auch eine internationale Ausrichtung.
Johannes Franke: Und auch Szenen, in denen man gar nicht versteht, was sie sagen, weil es gar nicht alles untertitelt ist, oder?
Florian Bayer: Es wird, ah, warte mal, ja genau, nee, es ist, also, ich hab, also der Film zu finden, ist nicht so einfach.
Johannes Franke: Nein. Das sagst du jetzt nicht. Wir haben alles auf legalem Wege erreicht.
Florian Bayer: Ja, genau. Ich habe gerade überlegt, weil ich hatte tatsächlich hartgecodete englische Untertitel drin. Dann war alles untertitelt. Ich glaube, das, was in anderen Sprachen gesprochen wurde, wurde gar nicht untertitelt. Ich überlege gerade, ob ich irgendwann mal dieses In den Wolken gelesen habe, weil das ja ständig vorkommt, aber ich glaube nicht. Ich glaube, das wurde einfach nicht gezeigt. Durch Zufall ist so ein bisschen aus dem Film und The Square da davor und noch mal davor, Force Majeure, das habe ich nicht gesehen, dann so eine Trilogie zum Thema Männlichkeit geworden, die die Östlund wohl auch schon vorher im Sinne hatte, aber ich habe so das Gefühl, er hat das nochmal in die Richtung so ein bisschen gepusht, also gerade so die Geschlechterfragen nochmal. in den Vordergrund gestellt, weil sie sind nicht omnipräsent. Sie finden so an gewissen Punkten statt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber sie sind jetzt nicht das, was den Film komplett zusammenhält.
Johannes Franke: Hast du ein Fazit von... für diesen Film, möchtest du noch einmal Werbung machen dafür diesen Film zu gucken oder möchtest du sagen, jetzt am Ende sagen, dass du den Film eigentlich gar nicht mochtest? Das Urteil.
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film. Ich finde, der Film stolpert so ein bisschen. Und Ich kann es ihm nachsehen, weil ich grundsätzlich so einen Softspot habe für alles, was gegen den Strich inszeniert ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich habe das Gefühl, also der Film schafft es nicht so einen richtigen Rhythmus zu entwickeln, weil er eben so abgehakt ist. Weil die so komische, unterschiedliche Länge haben, die einzelnen Teile. Weil er vom Tempo so ein bisschen springt. Und dadurch hat man permanent so ein Stop-and-Go-Gefühl, dass immer mal wieder auf die Bremse getreten wird, in langen Totalen. Und immer mal wieder Gas gegeben wird. Und deswegen finde ich den Film rhythmisch so ein bisschen anstrengend. Also gar nicht so... gar nicht so, dass ich sage würde, das macht ihn unsehbar, sondern vielmehr, dass es einfach so ein bisschen, man merkt, es rumpelt so ein bisschen und manchmal fühlt sich das auch alles so ein bisschen tollpatschig an, man hat Das Gefühl, da könnte irgendwie ein bisschen mehr Drive dahinter sein oder es könnte ein bisschen geschlossener und runder sein. Das gesagt... Es ist trotzdem ein total guter Film, weil seine einzelnen Teile echt gut funktionieren und der Film funktioniert halt als Realistische Tragikomödie, genauso gut wie als groteske, genauso gut wie als Parabel. Fühlt es sich so ein bisschen merkwürdig an, dass wir da hin und her geworfen werden? Ja, so eine stürmische See, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es macht Spaß. Und tatsächlich guckt sich der dann auch relativ schnell weg dafür, dass er deutlich länger als zwei Stunden ist. Und natürlich, also ... Östlund ist verdammt gut darin, Dialoge zu schreiben und Dialoge zu inszenieren. Mit Frederik Wenzel. Hat er schon vorher zusammengearbeitet, der hat ein verdammt gutes Gespür dafür, wann totalen nötig sind, wann nahen nötig sind. Kamera und Schnitt sind exquisit und hervorragend gespielt von allen. Ich glaube, das haben wir schon jemals gesagt. Dolly de Leon, um den Namen noch einmal zu sagen, die die Abigail spielt. Macht das auch großartig mit so einer Crumpiness, die einfach toll ist. Ja, unterhaltsamer Film, aber ich glaube, mir geht es ähnlich wie dir, aber nach dem ersten Mal, ich kann nicht sagen, absolut 100% gelungen. Dazwischen dachte ich auch, eigentlich würde ich mir wieder mehr Subtilität machen. Ted wünscht.
Johannes Franke: Ja, das ist halt ein bisschen das Ding. Ich finde... Nach dem zweiten Gucken bin ich sehr viel mehr gewillt, dem das zu geben, zu sagen, okay, Präsentier mir gerne drei unterschiedliche Teile, die mich fühlen lassen, dass ich drei unterschiedliche Filme gesehen habe. Und ich gebe dir auch volle Kanne, dass du... völlig auf Subtilität verzichtest und mir das alles um die Ohren haust. Weil ich glaube auch, dass gerade mit diesem Thema... man nicht oft genug in allen Facetten erzählen kann, dass da einfach viel Scheiße läuft. Das ist einiges. einfach geändert werden muss und dass wir einfach viel ganz anders miteinander mit dem Thema umgehen müssen, mit dem Thema Reichtumverteilung und Machtverteilung und so weiter. Und dass wir auch in einer Gesellschaft, die wir uns als Demokratie sehen, immer noch ganz, ganz, ganz große Lücken haben, was demokratische Ordnung betrifft. Verteilung von Gütern und so weiter betrifft. Ich finde der Film... haut nicht so sehr drauf, dass wir zum Beispiel Dimitri nur als unsympathischen Typen haben, was ich total geil finde, weil der Film damit nicht sagt... die sind alle scheiße, sondern es gibt einfach ein systeminhärentes Problem und das müssen wir lösen. Ich finde, der Film ist absolut sehenswert. Und lohnt sich auch in der Form, wie er ist. Und man kann da viel drüber nachdenken und viele Themen besprechen. Also schaut es euch mit Leuten an, mit Freunden an, die... die euch irgendwie was bedeuten und deren Meinung ihr schätzt, weil man da viel, viel drumrum schwadronieren kann, wie wir das jetzt auch gerade gemacht haben.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist ein Film, der wirklich auch Spaß macht. Also bei all dem philosophischen, gesellschaftskritischen Überbau ist es auch wirklich ein Film, der Spaß macht. der genug witzige Momente hat, der, wie du schon gesagt hast, nuanciert genug ist, dass er halt nicht einfach nur eine flache Parabel ist. Und der halt so mittendrin dann auch noch ordentlich bizarres Schauspiel mitbringt. Also es ist nicht nur ein Film, der zum Diskutieren einlädt, aber auf jeden Fall ein Film, der zum Diskutieren einlädt. Also man hat sehr viel Spaß danach auch einfach mal über die dekadente Oberschicht zu schimpfen. Sollte sich damit aber nicht so leicht machen. Stichwort strukturelles Problem. Und das macht der Film auch nicht. Und das ist gut, das ist ihm hoch anzurechnen, dass keiner einfach nur zu einer unsympathischen Karikatur verkommt.
Johannes Franke: Genau. Cool. Sehr schön. Vielen Dank, Plur, dass du diesen Film geguckt hast.
Florian Bayer: Danke, dass du ihn mir gegeben hast. wirklich eine Perle aus dem vergangenen Jahr. Ich bin froh, dass ich sie nachgeholt habe.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Wir haben so selten wirklich ganz aktuelle Filme, aber die Filmgeschichte ist ja voll und ich bin sehr gespannt, was du als nächstes ausgraben wirst.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes für nächste Woche aufgeben werde und auch euch damit. Es ist immer sinnvoll, auch den Film zu gucken, bevor ihr hier reinhört. Dann bleibt noch kurz dran. Ansonsten vielen Dank fürs Zuhören. Euch eine schöne Woche.
Johannes Franke: Und bleibt gesund.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Ciao. Ciao. So, was gibt es denn für das nächste Mal, Plur?
Florian Bayer: echt schon viel über Disney geredet. Wir müssen jetzt mal ein bisschen Gerechtigkeit herstellen und über den großen Konkurrenten von Disney aus zumindest in den 80er Jahren reden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Don Plouffe, der für die Dis... Oder Don Plouffe? Tja. Das wird spannend. Der für Disney gearbeitet hat und dann irgendwann sein eigenes Ding gemacht hat und in den 80ern mehrere Zeichentrickfilme... Hä? herausgebracht hat, die in einer etwas dunkleren Disney-Zeit als die besseren Disney-Filme galten. Jeder, der in ungefähr unserem Alter ist, wird einige davon gesehen haben. Pfeivel, der Mauswanderer. In einem Land vor unserer Zeit. Charlie, alle Hunde kommen in den Himmel. Und dann bis in die 90er hinein, die Anastasia-Verfilmung ist kein Disney-Film, sondern ist... auch Don. Und die Videospiele Dragon Slayer und Space Ace sind auch relativ bekannt. Mhm. Ich würde gerne mit dir über meinen Lieblingsfilm von ihm reden. Mrs. Prisby und das Geheimnis von Nim aus dem Jahre 1982. Ne? Literaturverfilmung, ich kenne die Vorlage nicht, aber ein Ein toller Film, also irgendwie so Fantasy.
Johannes Franke: Was heißt denn Lieblingsfilm? Wann hast du den das letzte Mal gesehen?
Florian Bayer: Das ist schon so lange her, dass es interessant wird, nochmal drauf zu gucken.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann bin ich sehr gespannt, weil das ist nur wirklich etwas, wenn man das so lange irgendwie als Kind vielleicht gesehen hat oder sowas. Du hast einen ganz anderen Blick darauf, wie wir das immer mal feststellen dürfen.
Florian Bayer: Aber er gehört zu den Filmen, bei denen öfter mal auch angemerkt wurde, ist das was für Kinder? Weil unser Don ist dafür bekannt, doch etwas gruseliger und düsterer zu nehmen. als man das von Disney kennt.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Also ich kenne das von Pfeifel der Mauswanderer, als ich ganz kleiner war. Da hatte man schon das Gefühl so ein bisschen, oh, okay, jetzt wird es gerade ein bisschen gruselig und ein bisschen schwierig, auch in einem Land vor unserer Zeit.
Florian Bayer: stirbt.
Johannes Franke: Das ist schon auch hart.
Florian Bayer: Ja, und Mrs. Prisby hat auch solche Momente und das Thema so drumherum, es hat auch so ein bisschen so eine Öko-Botschaft, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Er bringt so Fantasy mit einer traditionellen Tierfarbe und schon so einen düsteren Fantasy-Überbau zusammen. Und das ist also interessant. Ich freue mich sehr auf das Gespräch.
Johannes Franke: Ich bin gespannt. Sehr schön. Vielen Dank.
Florian Bayer: Schaltet ein nächste Woche, wenn ihr hören wollt, was wir zu Mrs. Prisby zu sagen haben.
Johannes Franke: Und bis dahin, bleibt gesund und wir hören uns dann.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Ciao.
