Episode 154: Ist das Leben nicht schön? – Brutal sentimentale Weihnachtsstimmung
Bei uns brennt schon das dritte Lichtlein: im vorletzten Weihnachtsspecial reden wir über DEN amerikanischen Klassiker schlechthin, über Frank Capras Karriere und seinem Besuch auf einem Friedhof um die Leiche von Citizen Kane zu exhumieren. WHAT? Plor hat einen Hot Take dabei und Johannes ist erwartbar begeistert von diesem 40er Jahre Streifen, der genau das richige Maß an Sentimentalität hat – für einen Weihnachtsfilm. Wäre er doch nicht so unglaublich konservativ…
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 154: Ist das Leben nicht schön? – Brutal sentimentale Weihnachtsstimmung Publishing Date: 2023-12-13T22:05:08+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/12/13/episode-154-ist-das-leben-nicht-schoen-brutal-sentimentale-weihnachten/
Florian Bayer: Es ist Heiligabend. Ja, es ist Heiligabend. Was soll's? Da schlagen wir nicht Weihnachten in diesem Weihnachtskitschfilm. Ich werde nicht so sehr auf ihm rumtrampeln, aber es ist ein fucking Weihnachtswil.
Johannes Franke: Dann musst du aber mehr die Weihnachtsgrille aufsetzen und nicht so viel hinterfragen, was für seltsame Motivationen irgendjemand hat. Es muss dann einfach nur kittisch sein dürfen.
Florian Bayer: Jihau, Johannes. Oh Gott. Und jihau, liebes Publikum. Und herzlich willkommen zu einer weiteren Weihnachtsepisode vom Muss man sehen Podcast.
Johannes Franke: Wo wir uns gegenseitig Filme empfehlen und uns gegenseitig zwingen, auch Weihnachtsfilme zu gucken. Obwohl man genau weiß, dass Weihnachten totale Scheiße.
Florian Bayer: Weihnachten ist das beste Fest im ganzen Jahr. Und es ist so schön, dass wir die Weihnachtszeit fast süßen können mit albernen, dummen und kitschigen Weihnachtsfilmen.
Johannes Franke: Ihr hört schon, es gibt so eine kleine Diskrepanz zwischen uns, zwischen Plur und mir. Ich bin eher der Grummel, der Grinch. Das haben wir auch letztes Jahr ausgeschlachtet. Und ich liebe Weihnachten.
Florian Bayer: Ja. Alles. Natürlich die Geschenke. Natürlich das fette Essen. Aber auch die ganze Adventszeit. Kitschige Weihnachtslieder hören, die Wohnung schmücken, albernes Zeug kaufen. Großartig. Weihnachten als Konsumfest und als Genussfest. Es gibt nichts Besseres.
Johannes Franke: Betonung liegt auf Konsumfest. Konsumfest. Ich würde mehr genießen, wenn es nicht da wäre. Aber egal. Was soll's. Vielleicht wird dieser Film mich jetzt eines Besseren belehren. Und das glaube ich nicht. Und mich dazu bringen.
Florian Bayer: Wir haben uns dieses Jahr vorgenommen, wir wollen vier Weihnachtsepisoden machen. Das heißt, wir wollen die ganze Adventszeit mit Weihnachtsepisoden versüßen. Und wir hatten zum Beginn des Advents brutal monströse Weihnachten. Ja. Mit den Gremlins. Wir hatten brutal kindliche Weihnachten. Aber auch brutal süße Weihnachten, muss man sagen. Mit Kevin allein zuhause. Und heute haben wir brutal sentimentale Weihnachten. Mit dem Weihnachtsklassiker schlechthin. Und ich war schockiert. Ja, ja, ja, ja. Ich war schockiert, dass du den nicht kanntest.
Johannes Franke: Elephant in the Room. Ich kannte diesen Film nicht. Beziehungsweise natürlich weiß man, dass der Film existiert. Es wird ja immer wieder zitiert, aber ich habe ihn mir tatsächlich nie angeschaut. Das könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass ich Weihnachten nicht für das beste Fest dieser Welt halte.
Florian Bayer: Er wird ja nicht nur als Weihnachtsfilm rezipiert. Er wird ja gerne und regelmäßig, also sowieso als einer der besten Weihnachtsfilme, wenn nicht sogar der beste Weihnachtsfilm aller Zeiten, aber auch so grundsätzlich in den Listen der besten Filme aller Zeiten,
Johannes Franke: taucht er des Öfteren auf. Dabei hat er es genau richtig gemacht. Er wollte ja gar kein Weihnachtsfilm sein. Also nicht unbedingt so dringend. Er sollte irgendwann im Januar rauskommen. Dann wurde er weiter nach hinten verschoben wegen irgendwelcher Finanzen. Und dann wurde er irgendwie unfreiwillig zum Weihnachtsfilm.
Florian Bayer: Aber es ist ja so absolut und vollkommen der Weihnachtsfilm schlechthin. Aber es ist nicht so Weihnachten. Man quetscht da irgendwie was rein, was eigentlich gar nicht da reingehört. Nicht nur, dass die Handlung an Heiligabend spielt, sondern dass auch so alles drin ist, was zu Weihnachten gehört. Das letzte bisschen spielt Weihnachten. Nein, der Film spielt im Prinzip die ganze Zeit am Heiligabend. Aber nur halt, dass sich ein paar Engel die Lebensgeschichte von unserem Protagonisten erzählen. Wir haben den Titel noch nicht genannt. Johannes. It's a beautiful life. Wie heißt das Ding? It's a wonderful life. It's a wonderful life. Ist das Leben nicht schön? Nicht zu verwechseln mit einem ähnlich klingenden Film aus den 90ern. Das Leben ist schön von Benito Mussolini.
Johannes Franke: Ja, aber wann muss so Leben nicht? Wie heißt der?
Florian Bayer: Das Leben ist schön von Weihnachten, das ist der Liebe. Von Roberto Benigni. Es gibt ja manchmal Fehler, die ich rausschneide, aber das werden wir nicht rausschneiden. It's a wonderful life. Ist das Leben nicht schön? Dagegen stammt aus dem Jahr 1946 von Regisseur Frank Capra. Und ist, glaube ich, auch eher ein amerikanischer Film. Also eher ein amerikanisches Phänomen. Da kennt ihn nämlich wirklich jeder. Ja. Und wer ist schuld daran, dass ihn jeder kennt? Achso, ja, dass es kein Copyright mehr darauf gab. Genau. Die, die die Rechte, die Produktionsgesellschaft, also die war eigentlich ursprünglich Liberty Films, aber dann hat National Telefilm Associates die Rechte bekommen und die haben es einfach verdödelt, das Ding vernünftig zu verlängern, woraufhin er ab 1974 komplett rechtefrei war und dementsprechend von jedem Fernsehsender gekrallt und verwurstet wurde. Und er lief überall rauf und runter im amerikanischen Fernsehen.
Johannes Franke: Ja, er wurde sogar koloriert, was viele für eine Monstrosität gehalten haben, die niemals das Licht der Welt erblickt hätte sollen. Aber sie wurde dadurch, dass es rechtefrei war, einfach gekrallt und dann haben sie gesagt, wir kolorieren das jetzt. Und das führte dazu, dass diese kolorierte Version wiederum unter Lizenzen nur verfügbar war, also Geld gekostet hat. Und dann auf einem Fernsehsender, der sich das nicht leisten konnte, die Schwarz-Weiß-Version wahrscheinlich gleichzeitig mit der Farbversion auf einem anderen Sender lief.
Florian Bayer: Und es war so ein bisschen eine späte Gerechtigkeit, dass er zum Klassiker wurde, weil der Film war, als er rauskam, ein riesiger Flop. Ja, so riesig auch wieder nicht. Naja, der hat die Filmgesellschaft seines Regisseurs ruiniert. Ja. Unter anderem, also extra für diesen Film unter anderem hat Frank Capra Liberty Films gegründet.
Johannes Franke: Aber man muss dazu sagen, nur, dass die so viele Erwartungen da reingeworfen haben, im Sinne von, dass sie wahnsinnig viel Geld damit machen, sie haben ja auch viel Geld ausgegeben dafür, muss man sagen, kein billiger Film. Dafür kann der Film nichts und dafür kann man auch nicht sagen, dass es ein Flop ist, nur weil er nicht so wahnsinnig viel Geld eingespielt hat. Er hat durchaus damals schon gute Resonanzen bekommen und war auch publikumsstark, aber eben nicht entsprechend publikumsstark, wie es hätte sein müssen.
Florian Bayer: Ja, das war Liberty Films, wurde zwei Jahre, nachdem dieser Film veröffentlicht wurde und nachdem der zweite Film, Der beste Mann, auch gescheitert ist, auch gelöst. Und Paramount hat sich dann die Reste gekrallt und damit gemacht, was auch immer sie machen wollten.
Johannes Franke: Ja. Und natürlich, klar, ohne das Fernsehen wäre der nie so beliebt geworden. Ja. Ohne diese ganzen Reruns, weil die ja verbillig waren und weil sich dann rausgestellt hat, dass die Leute immer und immer und immer wieder diesen Film sehen wollten zu Weihnachten. Das wurde richtig Tradition. Und das ist wie bei uns, auch Kevin allein zu Hause oder eben der Grinch, wo auch rübergeschwappt ist. Frage ich mich, warum in Deutschland nicht dieser Film so sehr rübergeschwappt ist.
Florian Bayer: Ich glaube unter anderem auch, weil er ein sehr amerikanischer Film ist. Von seiner ganzen Haltung, von seiner ganzen Geschichte, von der Art, wie er seinen Helden inszeniert und wie er dessen Heldengeschichte erzählt, ist das Ganze schon sehr amerikanisch.
Johannes Franke: Ja, wobei das neue amerikanische ja eher in eine andere Richtung geht. Was ich nämlich bemerkenswert finde an dem Film, ist, dass er seine Heldengeschichte nicht so erzählt wie heute Heldengeschichten mit Superhelden und mit irgendwelchen Leuten, die ihren individuellen Dream leben sollen, erzählt werden. Sondern es ist jemand, der was für die Gemeinschaft tut. Ja, und da finde ich, geht das schon ein bisschen weg von dem, was ich heute als typisch amerikanisch wahrnehme.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Wobei es hat natürlich so diesen puritanischen Eifer drin, dieses Arbeiterhart. Ja. Und du wirst vom Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes, für dein hartes Arbeiten belohnt werden, egal wie oft dich das Leben fickt. Es ist massiv christlich geprägt, das denke ich auch, ja. Vielleicht, um ganz kurz zu Frank Capra zu kommen, weil dessen Hintergrund ist auch schon so ein bisschen Hinweis darauf, warum der Film so geworden ist.
Johannes Franke: Möchtest du klugscheißen, Plur? Dann könnte ich dir derweil Tee eingießen. Sehr gerne, bitte. Spiel schon den Schingel. Yes.
Florian Bayer: Klugscheißen mit Plur. Wir reden heute über Frank Capra, der es geschafft hat, sich aus einfachsten Verhältnissen zu einem der erfolgreichsten Regisseure Amerikas hochzuarbeiten. Und zwar in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Capra kommt aus wirklich armen Verhältnissen. Der war ein Sohn von italienischen Migranten, die Anfang des 20. Jahrhunderts, 1903 um genau zu sein, in die USA migriert sind. Und sein Vater war Obstpflücker. Und er selbst hat die ganze, Frank hat die ganze Zeit auch gearbeitet als Kind, um das Geld für seine Familie mitzuverdienen als Zeitungsjunge. Hat dann studiert und war im Ersten Weltkrieg und hat dann Mathematik unterrichtet. Und Frank Capra wurde vom Schicksal verfolgt. Er hat die Spanische Krippe gekriegt im Ersten Weltkrieg. Und kurz darauf ist sein Vater an einem Verkehrsunfall gestorben. Und Capra war arm, hatte nichts, aber hatte große Träume. Er hat als Aushilfe gearbeitet, zuerst auf Armen und ist dann irgendwie so über diverse Jobs, die er gemacht hat. Er hat wirklich alles mögliche gemacht. Er war Profi-Pokerspieler. Er war Handelsvertreter und Filmstatist. Ist er dann irgendwie so beim Film gelandet und hat mit 24 einen Dokumentarfilm gedreht, der zumindest von einer wichtigen Person, und zwar von Harry Cohn, Aufmerksamkeit erhalten hat. Und dadurch ist er so ein bisschen in dieses Traumfabrik-Ding reingerutscht. Er hat dann für Hal Roach gearbeitet und wurde dann schließlich durch Harry Cohn, der so was wie sein Mentor war, bei Columbia angestellt. Und die gehörten damals aber eher zu den kleineren. Die waren damals noch nicht so groß. Die hatten kleinere Budgets und die haben eigentlich versucht, mit kleinen Budgets coole Filme zu machen. Und für die hat er dann sehr lange gearbeitet. Ein Grund für seinen Erfolg war, dass er sehr schnell gemerkt hat, dass der Tonfilm wichtig ist und dass er sehr schnell auf diesen Zug mit aufgesprungen ist. Und er hat dann vor allem in den 20ern und 30er Jahren unzählige Filme gedreht, von denen auch einige richtig erfolgreich waren. Und 1933 hat er zum Beispiel die erste Oscar-Nominierung eingestrichen und nur ein Jahr später hat er auch einen Oscar gewonnen als bester Regisseur. Und zwar mit dem Film ist gescheit in einer Nacht, der auch so ein bisschen in die Geschichte eingegangen ist, weil er der erste Film war, der diese klassischen Hauptkategorien gewonnen hat. Bester Film, bester Regisseur, bestes Drehbuch, was heute ja so Standard ist. Wenn er bester Film wird, wissen wir schon, okay, der Regisseur wird wahrscheinlich auch die Auszeichnung erhalten. Damals war das noch nicht so und das gescheit in einer Nacht war so einer der ersten Filme, bei dem das passiert ist. Mr. Dietze geht in die Stadt von 1936, ist wahrscheinlich so einer, den man am ehesten noch kennt von ihm. Der hat auch ein Remake gekriegt, irgendwann in den 2000ern mit Adam Sandler. Muss man sich nicht anschauen. Ist aber vom Stil her schon sehr ähnlich wie das, worüber wir heute reden. Und zwar diese Mischung von albernem Humor, der aber nie zu drüber ist und das Ganze aber eingebettet in ein Mehr an Sentimentalitäten. Frank Capra war einfach ein Tragikomik-Genie. Das ist das, was er gemacht hat, das ist das, womit er sein Geld verdient hat und da hat er zahllose Filme gedreht. Bis zum Zweiten Weltkrieg, wo er in die US-Armee eingetreten ist. Und dann als Propagandafilm-Regisseur mit Why We Fight in den 40er Jahren ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Das gehört, glaube ich, zu den Propagandafilmen, die man heute auch eventuell noch kennt, die eigentlich so ein Stück Geschichte sind. Vielleicht das, was die Leni Riefenstahl-Filme für die Nazi waren, war dieses Why We Fight für die Amerikaner. Und kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hat er mit Arsen und Spitzenhäubchen einen seiner bekanntesten Filme gedreht, der wirklich ein sehr schöner Film ist. Und wer das Theaterstück kennt, kennst du das Theaterstück? Nee, ich glaube nicht. Sehr schwarzhumorig für seine Verhältnisse auch. Ziemlich düster. Naja, auf jeden Fall hat er dann mit einem Kollegen zusammen Liberty Films gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg. Und unter diesem Label Liberty Films hat er dann die beiden Filme »Ist das Leben nicht schön« und »Der beste Mann« gedreht. Und wir haben ja schon gehört, dass das Ganze eher ein Flop war und Liberty Films kurz darauf schon wieder aufgelöst wurde. Und Keppra selbst ist dann in Hollywood als Regisseur auch nicht mehr so groß in Erscheinung getreten. Aber er war dann einfach so ein alter Hase. Das war so der Mann, der in Hollywood rumgelaufen ist und die Leute haben gesagt, wenn du es zu irgendwas bringen willst, den musst du kennen. Mit dem musst du reden. Der hat die Kontakte, der hat Ahnung, der weiß, was gemacht werden muss. 1961 hat er seinen letzten großen Film gedreht mit Betty Davis. Und er ist da noch lange im Ruhestand, wie gesagt, so als einer der großen, weisen, alten Herren in Hollywood umhergetingelt. Hat 1971 seine Autobiografie veröffentlicht und ist schließlich nach einem wirklich langen Leben. Langes Leben. 1991 mit fast 100 Jahren gestorben.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ein wahnsinns Leben. Und ich muss herausstellen, was du natürlich nicht so herausstellst, weil du nicht meine Obsession für Slapstick-Filme hast, dass er viel mit Max Sennett und mit Lankin und so mit Chaplin und so zu tun hatte und einfach Slapstick-Writer war am Anfang. Und ich finde, das sieht man diesem Film voll an.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Er hatte immer so sein Herz für die Komik. Er hatte aber auch immer so sein Herz für die Moral. Er war... Ja, das hat er mit Chaplin gemeinsam. Er war... Aber er stand ein bisschen auf der anderen Seite. Ja gut, okay. Er war politisch zumindest so verbal sehr aktiv. Er hat sich sehr oft so politisch geäußert und war eigentlich immer konservativer. Und Republikaner hat zum Beispiel sehr gegen Franklin, die Roosevelt gewettert und gegen dessen vermeintlichen sozialistischen Ideen mit dem Great Deal und so weiter. Und genau, war eigentlich gegen staatliche Eingriffe und war eher so auf der Seite. Jeder, der sich anstrengt, der kann es auch schaffen. Umso witziger, dass den Film, den wir heute besprechen, dass er auch kurz zumindest beim FBI für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Johannes Franke: Das ist halt das Wichtige daran, wenn wir darüber reden, was für eine politische Seite der eingeschlagen hat. Dann auch noch zu sehen, dass selbst seine konservative Haltung in Amerika noch für Verdacht gesorgt hat, dass er irgendwie Kommunist sein könnte. Dass dieser Film zumindest kommunistische Traditionen und Werte nach vorne bringen könnte und Amerika irgendwie gefährden könnte. Das heißt, es gab wirklich eine Untersuchung und es gab ein Paper, in dem irgendwie drin stand, dass dieser Banker, der da unser Bösewicht ist, Mr. Potter. Potter, dass der als Bösewicht dargestellt wird und damit eines der wichtigen, großen Methoden der Kommunisten wahrnimmt, nämlich zu diskreditieren den guten Kapitalisten. Das darin zu sehen, ist wirklich das Allerletzte, oder? Es ist absurd. Es ist so absurd und es ist ja auch nichts passiert. Also es wurde nicht weiter dagegen vorgegangen oder so. Aber es ging zumindest so weit, dass die darüber diskutieren mussten.
Florian Bayer: Ich glaube, es wurde auch einfach untersucht, weil Frank Capra damals großer Name war. Das war einfach einer der berühmtesten und erfolgreichsten Regisseure seiner Zeit. In den 30ern und 40ern kannte den jeder.
Johannes Franke: Und Dalton Trumbo hatte mit dem Projekt zu tun. Den hatten wir ja auch schon mal im Podcast, der ja auch aussagen musste oder beziehungsweise sich geweigert hatte, irgendwann vom FBI auszusagen und irgendwelche Leute zu verraten vom Kongress. Und das war, der ist ja dann irgendwie ins Exil gegangen, Dalton Trumbo, und hat sich dann unter Pseudonym weiterverdingt als Writer. Aber der hat an diesem Film mitgeschrieben am Anfang, als es noch für Cary Grant eigentlich gedacht war. Und er hatte ganz andere Vorstellungen davon, wie der Film enden sollte.
Florian Bayer: Trumbo's Idee hat den Protagonisten, der ja wirklich eine Heldengeschichte macht, deutlich zynischer werden lassen. Er sollte in die Politik gehen. Und es sollte ein zynischer Politiker sein, der, nachdem er die Wahl verloren hat, sich umbringen will. Das Ganze basiert auf einer literarischen Vorlage und zwar The Greatest Gift von Philip Van Doren Stern aus dem Jahr 1939.
Johannes Franke: Es heißt immer, dass es der einzige Film ist, der auf einer Grußkarte beruht. Es ist nicht ganz richtig. Der Typ hat halt seine Geschichte nicht verkaufen können. Es gab keine Verleger dafür. Und dann hat er das Ding auf so eine Broschüre, so wie eine Art Weihnachtskarte gedruckt und das an Freunde und Familie verschickt. 200 Leute. Ja, 200 Exemplare. Und das hat sich dann irgendwie rumgesprochen und dadurch kam es dann halt in die Hände von Cary Grant oder von Leuten, seinem Agenten. Und die haben dann gedacht, vielleicht machen sie ein Vehikel für Cary Grant draus. Es sollte ein Film für Cary Grant werden. Aber das hat sich dann verlaufen. AKO.
Florian Bayer: AKO hatten zuerst die Rechte und die konnten nichts damit anfangen, nachdem sie relativ viel Geld dafür gegeben hatten. Und Frank Capra hat das dann, hat es ihnen abgekauft, nachdem sie halt nichts damit gemacht haben. Er hat gemeint, da kann man was draus machen. Und um damit vielleicht nochmal zu Capras Lebensgeschichte zurückzukommen. Ja. Ich kann mir vorstellen, dass das schon auch so ein bisschen so ein Ego-Streicheln war, was er da hatte. Weil er hat dieses, er ist mit dieser Attitude durchs Leben gegangen. Er hat viel gearbeitet im Leben. Ja. Und das Leben war oft hart zu ihm. Vater stirbt, er hat die Spanische Krippe, er kämpft in zwei Weltkriegen und so weiter. Er muss sich echt durchboxen. Das Leben ist hart zu ihm, aber er schafft es irgendwie. Und das ist ja auch so die Quintessenz unseres Helden, den wir hier sehen. Wir haben hier einen Helden, der George Bailey heißt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der alles gibt, der wirklich hart arbeitet und der ständig vom Leben auf die Fresse kriegt. Aber sowas von.
Johannes Franke: Das ist wirklich hart. Das ist eine der renitentesten Schicksale, die ich in Filmen sehe. Weißt du wirklich, der versucht immer wieder abzuhauen und immer wieder sagt der Film, äh, äh. Nix. Nein, nein, nein, nein. Nix ist, du bleibst hier. James Stewart als George Bailey. Wie fandest du ihn denn? Oh, oh, oh. Wir haben 20 Minuten schon drin und wir haben immer noch nicht geklärt, wie wir den Film fanden. Wie fand, also, du hast ihn ja empfohlen und du findest den Film offenbar sehr schön und magst den Film. Ich finde den Film essentiell.
Florian Bayer: Essentiell? Für Weihnachten. Okay. Also, man sollte diesen, wenn man über Weihnachten redet, sollte man diesen Film gesehen haben. Ich hatte eigentlich gehofft, dass du mir diesen Film vorschlägst, damit ich ihn dann fertig machen kann. Was? Das war eigentlich meine Hoffnung so ein bisschen. Okay. Weil, es ist schon sehr sentimental und sehr naiv und ja, es ist ein Klassiker. Ich glaube, man sollte diesen Film gesehen haben, aber ich würde, wenn ich so, wenn ich eine Kritik zu diesem Film verfassen würde, würde ich, glaube ich, eher mit den Zeitgenossen gehen, die gesagt haben, uff, das ist ein bisschen kitschig.
Johannes Franke: Okay, dann bin ich, dann gucken wir mal, dass ich bin dagegen. Also, ich gehe dagegen. Ich wusste, dass er dir gefällt.
Florian Bayer: Ich wusste es. Yes. Deswegen eigentlich, das ist so eine ganz pervertierte Art, diesen Film reinzubringen. Eigentlich ist das der Film, den du mir vorschlagen musst. Ja, genau. Weil wenn du ihn nicht kennst, was soll ich machen?
Johannes Franke: Ja, ja, du hast recht. Du hast recht. Was hat ich dir für einen Film aufgedrängelt, dass du den mir gibst? The Banshees. The Banshees of Inishirin, genau. Also, insofern, ja, wir drängeln uns ab und zu mal. Ich bin dir dankbar dafür. Ja. Ich mag den Film total. Ich mag ihn für seinen Slapstick und ich mag ihn auch für seine Sentimentalitäten und ich mag ihn auch für sein Märchenhaftes, was sehr irreal streckenweise natürlich ist. Nicht nur wegen der fantastischen Elemente, wie den Sternen und den Engeln, die da miteinander reden und dann irgendwie den Engel auf Erden schicken, das kommt ja erst in den letzten 30 Minuten überhaupt zum Tragen, sondern auch das fantastische Element dieser Sets, dieses Set-Designs, dieser Dialoge und dieser streckenweise sehr, sehr auf, schon fast fabelhaft, ne? Ja. So, so, das sind unsere Stereotypen, das sind unsere Dinge, die passieren müssen und die sind nicht, nicht, nicht alle so, so fein durchdacht oder sowas, sondern das sind Sachen, die gesagt werden müssen, damit diese Story funktioniert oder damit diese Botschaft dann rüberkommt.
Florian Bayer: Und, pass auf, es ist eine dunkle Nacht, kurz vor Weihnachten. Ja, also wie jetzt? Ein steinreicher Regisseur ist mit einer Schaufel auf einem düsteren Friedhof unterwegs. Mhm. Er geht langsam durch die Dunkelheit und sagt schließlich, ah, there it is, und zeigt auf ein Grab. Er nimmt seine Schaufel und gräbt und gräbt und gräbt und gräbt und gräbt. Oh Gott, Angst, ich hab leuchert. Er kommt zu einem Holzsarg und schlägt diesen Holzsarg an und in diesem Holzsarg liegt, wie auch auf dem Grabstein steht, Citizen Kane. Frank Capra nimmt sich ein Messer und schneidet die Leiche von Citizen Kane aus. Ambivalenz kommt raus, künstlerischer Anspruch kommt raus, kreative Ideen, was man alles machen kann, eine riesige Leichenfläderei, alles fliegt raus. Nachdem er die Leiche komplett geplündert hat, nimmt Frank Capra die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens ein fettes Buch und stopft das in den ausgehüllten Leichnam, näht das Ganze zu und sagt, du bist jetzt mein Geschöpf. Das ist das Leben nicht schön. Oh Gott, ich hab echt, ich habe Citizen Kane aufgeschrieben und gedacht, okay, das ist der
Johannes Franke: Gegenentwurf, das soll irgendwie die kitschige amerikanische Variante, also nicht die amerikanische Variante, weil Citizen Kane ist auch amerikanisch, aber die kitschige Variante und die American Dream Variante davon und die ist nicht wie bei Citizen Kane einmal durch den bösartigen Fleischwolf gedreht, sondern so richtig nochmal zuckersüß am Ende drüber gestreut.
Florian Bayer: Was aber nicht heißt, dass ich nichts an diesem Film genießen könnte, es gibt sehr viele Sachen, die ich an diesem Film genieße und die mir auch an diesem Film Spaß machen, aber wenn wir halt ein paar Jahre zuvor dieses Mammut, dieses Opus Magnum hatten, dieses Mammutwerk, diesen Citizen Kane, der eben die Geschichte eines amerikanischen Bürgers erzählt mit ganz vielen Ambivalenzen, mit ganz vielen Nuancen und Tiefe und dann halten wir diese Lebensgeschichte von diesem anderen amerikanischen Bürger, von George Bailey dagegen, dann fällt halt doch sehr schnell auf, wie viel naiver und wie viel einseitiger und auch kindlicher dieser
Johannes Franke: Film ist. Ja, viel, viel kindlicher, was mir ja eben so gefällt daran, muss ich sagen. Aber natürlich hat er nicht die Gravitas von Citizen Kane. Ich meine, du kannst jeden Film neben Citizen Kane halten und sagen, meh. Also. Das ist wohl wahr. Das ist ein unfairer Vergleich. Das ist wohl wahr. Das Problem ist natürlich, dass der Film sich selbst so ein bisschen da rein manövriert in diesem Vergleich. Das ist so ein bisschen das Ding. Der Film will der Citizen Kane der Weihnachtsfilme sein. Er fängt halt bei der Kindheit an, aber er geht nicht bis zum hohen Alter und bis zum Tod, ne? Das macht er nicht. Das stimmt. Der hat irgendwann mit Ende 30 hört er auf. Ja. Und bei Citizen Kane fängt es mit Mitte 30 erst an, richtig mies zu werden.
Florian Bayer: Ja, bei Citizen Kane haben wir ja auch so diese Punkte aus der Kindheit, die irgendwie zeigen sollen, warum ist dieser Kane so geworden, wie er ist. Ja. Und hier haben wir diese Punkte aus der Kindheit, die einfach zeigen sollen, warum ist unser George Bailey der beste Mensch, der je gelebt hat.
Johannes Franke: Ja, und der beliebteste Mensch dieser Stadt und so. Und warum macht er immer das Richtige und kriegt trotzdem auf die Fresse?
Florian Bayer: Aber bevor wir die Kindheit sehen, kommen wir ja zu dem Rahmen, zu der Rahmenhaltung.
Johannes Franke: Ah, ja, ja.
Florian Bayer: Nämlich unsere Engel, die sich unterhalten. Ich liebe es. Und dem gebe ich gleich einen Punkt, auf jeden Fall. Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, es macht mir einiges an diesem Film Spaß und das sind die blitzenden Sterne, die die Engel symbolisieren und sich unterhalten.
Johannes Franke: Ja, es ist so süß. Ich finde es total süß, die Idee, einfach da die Milky Way oder was auch immer, was für eine Sternenkonstellation sie da zeigen. Deswegen, ich glaube, es ist irgendwo, steht es auch, was für eine Sternenkonstellation das sein soll. Aber die unterhalten sich halt einfach nur und da blinkt mal einer, damit wir wissen, der redet jetzt und dann pulsiert der andere Nebel da, damit wir wissen, der ist größer und erwachsener und redet jetzt auch. Und dann kommt Clarence.
Florian Bayer: Clarence ist so toll. Und Clarence weiß noch nicht so viel davon und er muss noch seine Flügel sich verdienen. Oh, das ist sehr süß. Und er kann auch offensichtlich nicht so genau auf die Welt blicken, wie die anderen sind. Ja, genau. Deswegen müssen sie ihm das zeigen. Oh, es ist ja ganz verschwommen. Was macht ihr denn da? Ja, weil er noch seine Flügel noch nicht hat. Weil er seine Flügel noch nicht hat. Und die Engel zeigen ihm dann die Geschichte des Mannes, den er retten soll, nämlich George Bailey, der in Bedford Falls, Namen muss man sich merken. Sehr, sehr wichtiger Name. Ganz wichtig ist dieses kleine Dorf für die ganze Handlung, der dort groß wird und als Kind schon als große Heldenerscheinung tritt. Er rettet nämlich gleich zwei Leben. Einmal das von seinem Bruder, der fast im Eis ertrunken wäre, nachdem er eingebrochen ist. Und das von einem nicht näher genannten Kind, das fast von seinem Chef vergiftet worden wäre, als er in der Apotheke arbeitet. Der Chef schreibt nämlich, nachdem er in Trauer über den Verlust seines Sohnes ist, zufällig ein falsches Rezept auf und hätte fast irgendein Gift an ein krankes Kind gegeben, wo ich mich auch frage, wie kann sowas so passieren?
Johannes Franke: Ja, das meine ich, was ich vorhin gesagt habe. Es sind Symbolhaltungen, Handlungen, die irgendwie dafür geeignet sind, Dinge zu zeigen, wie so ein Märchen, wie so eine Fabel das halt macht, ohne dass das wirklich, also das darf man nicht hinterfragen genauer, sonst funktioniert das nicht so. So, Mr. Gower haut, dann schlägt, schlägt George und das Ohr blutet. Und es hat wirklich geblutet. Dieser Schauspieler hat den Jungen wirklich vermöbelt. Nicht geil. Überhaupt nicht geil. Und als der Take vorbei war, hat er sich dann entschuldigt und hat ihn um Verzeihung gebeten und so. Aber, Alter, das macht man nicht. Absolut. Furchtbar.
Florian Bayer: Und wir lernen dann auch in dieser Anfangszeit schon Mr. Potter kennen, der so als Antagonist aufgebaut wird, der älter ist als George, eher im Alter von seinem Vater und der so der reiche Mann des Ortes ist und dessen Ziel es auch ist, James Bond-Bösewicht zu werden.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Sie haben ihn auch echt hingehunzt. Also es geht die Geschichte um, dass dieser Typ auch zu nett aussah, als er ans Set gekommen ist und die dann irgendwie mit Make-up nochmal nach irgendwelchen Vorbildern, ich weiß nicht mehr nach welchen Vorbildern. Er sieht total so aus und ich finde ihn geil.
Florian Bayer: Ich finde es großartig. Einer Barrymore als Potter, der einfach nur alles Böse verkörpert, was man sich vorstellen kann. Und er sieht aus, als hätte er sehr, sehr viel Spaß dabei, das zu spielen. Ja. Wirklich. Der hat einfach Spaß am Set. Es gab wohl irgendwo so einen frühen Entwurf, wo Mr. Potter verantwortlich dafür ist, dass der Bruder von George, Harry, glaube ich, Harry im Eis einbricht. Oh. Und das haben sie dann weggelassen, weil sie das doch ein bisschen zu krass fanden.
Johannes Franke: Es ist, also ich meine, es gibt so viele Sachen, wo man sagt, das ist ein bisschen dolle, ausgerechnet, das ist jetzt zu krass, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Und dieser Potter ist einfach böse und dieser Potter ist ein krasser Bösewicht und das spielt auch nochmal eine Rolle, weil der Film eigentlich dadurch so ein bisschen zumindest, obwohl er so eigentlich ein sehr braver Film ist, auch so ein bisschen Gefahr gelaufen ist, gegen den Hays Code zu rennen. Voll eine Kanne.
Johannes Franke: Weil eigentlich müssen die Bösen bestraft werden. Das ist etwas, was ich dem Film so sehr zugutehalten möchte, weswegen ich eben auch der Meinung bin, dass es nicht einfach nur ein süßer Film ist, der keine tiefere Bedeutung haben muss oder sowas. Der Vergleich mit Citizen Kane ist gemein, der ist jetzt in meinem Kopf die ganze Zeit. Aber nein, der hat schon ein bisschen mehr zu bieten, als einfach nur so ein netter Film, den man gleich wieder vergisst, wenn man ihn gesehen hat. Weil wenn der am Ende bestraft worden wäre dafür, dass er ihm dann diese 8000 Dollar vorenthält, dann wäre das Ganze nochmal drüber gewesen, alle sind glücklich, alle sind happy und alles ist irgendwie der Gerechtigkeit zugefügt. Und ich finde auch gut, dass er nicht bis zum Tod geht, sondern dass er genau an der Stelle aufhört, wo wir zwar wissen, der hat diesen einen Kampf gewonnen, aber das geht weiter. Das wird nicht aufhören. Der wird das Problem weiterhin haben. Und das finde ich gut an dem Film, dass er nicht alles auflöst und dass wir nicht am Ende sagen, okay und sie lebten happily ever after. Also schon mal vormerken, Mr.
Florian Bayer: Potter wird für seine Sünden nicht bestraft werden, sondern wird die ganze Zeit in diesem Film der reiche Bösewicht sein. Wenn ihr wollt, dass der Bösewicht auf die Fresse kriegt, dann ist das nicht der Film
Johannes Franke: für euch. Das ist nicht der Film. Und nur um das kurz zu erklären, der Hays Code war damals irgendwie so, da musste man sich so quasi ungeschrieben dran halten, dass man eine Freigabe bekommt vom Institut oder wer hatte das gemacht?
Florian Bayer: Es war tatsächlich so ein Zusammenschluss von Filmschaften. Es war eine freiwillige Selbstzensur und da gab es so Punkte wie zum Beispiel, dass nicht geflucht werden darf, dass kein Sex, keine Drogen, keine übermäßige Gewalt und unter anderem auch, dass Helden, Protagonisten dürfen nicht zwiespältig ambivalent sein und Bösewichter, wer was Böses tut, muss Konsequenzen erfahren. Genau. Das Böse muss bestraft werden. Und das jetzt in den 40ern ist schon anders. Mutig? Ja, weiß ich nicht. Mutig weiß ich nicht genau. Aber es ist anders. Es ist auf jeden Fall eine Originalität, die dieser Film hat, die ich ihm auch zugestehe. Ja, okay. Und wir folgen weiter George auf seinem Lebensweg. Er will eigentlich raus. Wir hören George in diesem Film sehr oft über Bedford Falls meckern und motzen. Was ihnen übrigens auch, das ist ganz wichtig, wie dieser George Bailey funktioniert. Der macht vieles gut an dem Film. James Stewart spielt George Bailey nämlich nicht als den leidenden, netten Märtyrer, sondern der ist oft salty. Der motzt sehr viel rum, der schimpft, der ist unzufrieden, der sagt, Bedford Falls ist ein kleines Kaff, da will ich eigentlich gar nicht bleiben und so weiter. Der benutzt manchmal Worte, die damals wirklich sehr schlimm waren. Ja. Doch, doch, doch. Er ist auf jeden Fall eher von der ruppigen Sorte und das macht es leichter, ihn sympathisch zu finden, weil wenn er nämlich so als allklatter Protagonist gezeichnet wäre, der ständig den Widrigkeiten des Lebens trotzt, hätte das irgendwann tierisch genervt.
Johannes Franke: Absolut. Also mir fällt nur ein, wie er eigentlich zu seiner Hochzeitsreise wollte. Ja. Weißt du? Und er sitzt da in dem Auto, sie sagt noch, guck nicht zurück, komm, lass uns einfach, bitte, bitte lass uns einfach fahren und so tun, als wäre hier nichts. Und er guckt zurück und flucht und findet es richtig, richtig scheiße, dass seine Moral jetzt doch noch sagt, Mann, fuck, ich muss da jetzt hin, ich kann es nicht, ich kann nicht anders, es geht nicht.
Florian Bayer: Sowieso diese Beziehung zu Mary, die ja so ein sehr zentrales Element des Films ist, ist großartig, wie er sie kennenlernt und er hat eigentlich, er will raus, er will nicht heiraten und ein Haus bauen und so weiter und das sagt er ihr auch und wie er dann mit sich kämpft und wie er dann auch mit ihr kämpft, inklusive er schüttelt sich auch so, Baby, jetzt hör zu, ich will. Den Scheiß will ich nicht und den Scheiß will ich nicht, aber meinetwegen können wir heiraten, wenn es unbedingt sein muss. Ich hätte so gerne, bitte, eine Update-Version davon, weil sie tut mir so leid, sie wird so in der Gegend rumgeschüttelt in dieser Situation und er lässt alles an ihr aus, es ist echt nicht schön. Aber diese ganz liebes, diese Liebesgeschichte ist schon geil. Es ist ein Liebes, sie hat als Liebe auch den ersten Blick erzählt, so bei der Abschlussparty, wo er sie wieder sieht und gar nicht mehr auf dem Schirm hatte und dann tanzen sie und dann fallen sie in den Pool und es ist alles irgendwie süß. Und es gibt diese sehr berühmt gewordene Mondszene, wo er sagt, ey, ich hol dir den Mond mit einem Lasso runter. Ach Gott, ist das sweet.
Johannes Franke: Das ist schon ziemlich geil. Doch, man muss schon sagen, oder? Ich hatte gehofft, dass du da nicht unbedingt drauf rumtrampelst, weil es ist schon sehr, also so, man kann Zahnschmerzen davon bekommen. Absolut. Aber ich liebe es. Lass uns die Story mal ganz kurz noch zusammenfassen. Da ist ja nicht so viel. Es ist ja nur im Grunde, sein Leben wird erklärt, erzählt, was er alles Gutes macht und wie er der Community hilft. Können wir alles nochmal genauer besprechen. Aber nur, dass die Story einmal klar ist, bis zu dem Punkt, dass sein Onkel, der Mitarbeiter in seiner Firma da ist, die Leuten hilft, Häuser zu bauen, ihre eigenen Häuser, ein Eigenheim zu haben, dass der 8.000 Dollar verliert und der Bösewicht befindet die in seiner Zeitung, die er aus Versehen ausgetauscht hat anscheinend und gibt das Geld nicht zurück. 8.000 Dollar sind damals sehr viel mehr Geld, das sind 100.000 Dollar eigentlich, jetzt heute in der Kaufkraft so aufgegengerechnet. Also er hat 100.000 Dollar verloren eigentlich. Und die tauchen in den Büchern nicht mehr auf, weswegen das darauf hindeutet, dass es ein Fraud ist, also dass George Bailey irgendwie die Firma genutzt hat, um sich selbst zu bereichern. Er könnte also ins Gefängnis kommen. Das führt dazu, dass er völlig verzweifelt überall nach diesem Geld sucht. Keine Chance, er findet es nicht. Es ist Heiligabend. Ja, es ist Heiligabend, was soll's.
Florian Bayer: Jetzt unterschlagen wir nicht Weihnachten in diesem Weihnachtskitschfilm. Ich werde nicht so sehr auf ihm rumtrampeln, aber es ist ein fucking Weihnachtswilm.
Johannes Franke: Dann musst du aber mehr die Weihnachtsbrille aufsetzen und nicht so viel hinterfragen, was für seltsame Motivationen irgendjemand hat. Es muss dann einfach nur kittisch sein dürfen. Also folgendes. Er hat dieses Geld verloren, fühlt sich dafür verantwortlich, er übernimmt dafür Verantwortung, er hat eine Lebensversicherung und denkt sich dann irgendwann, scheiße, die Lebensversicherung ist mehr wert als ein Leben. Also bringe ich mich um. Der besagte Engel vom Anfang kommt dann dazwischen, sagt, ja, ach komm, warum solltest du dich umbringen, du hast so viel geschafft. Und George lässt sich aber nicht überzeugen. Nur dann davon, dass er sagt, am besten wären alle dran, wenn ich gar nicht erst geboren wäre. Und der Engel das nutzt und sagt, okay, dann machen wir das mal. Schauen wir uns doch mal die Welt an, wie sie wäre, wenn du nicht geboren wärst. Dann gucken sie sich diese absurde Welt an, die niemals so wäre, wenn er nicht geboren wäre. Zukunft 2. Genau. Also man sieht dann, was passiert, wenn er nicht geboren wäre. Und darüber ist er natürlich nicht so glücklich. Stellt fest, dass er seine Frau dann doch sehr vermissen würde und wünscht sich doch wieder zu leben. Und als er das dann auch tut, rennt er wieder glücklich zu seiner Familie zurück.
Florian Bayer: Er hat so einen Scrooge-Moment und denkt sich, Merry Christmas, I'm going to the prison, yay! Merry Christmas, Mr. Potter, ganz wichtig, das ist das letzte Mal, dass wir unseren Bösewicht sehen. Er rennt an dessen Fenster vorbei und ruft auch nochmal.
Johannes Franke: Und der ruft nochmal zurück, wir sehen uns dann im Gefängnis oder sowas. Ja, genau. Jedenfalls ist ihm egal, ob er ins Gefängnis geht oder nicht, Hauptsache er ist wieder lebendig und bei seiner Frau. So, soweit die Christmas-Present-Variante Scrooge-Mick-Duck.
Florian Bayer: Wenn man diesen Film in seiner Zusammenfassung hört, denkt man, dass diese Begegnung mit dem Engel einen sehr großen Teil einnimmt und witzigerweise habe ich das auch immer so in Erinnerung, wenn ich an diesen Film denke. Diese Szene mit dem Engel ist genauso ein Fraud, wie die Gangster-Reihen liegen von Kevin allein zu Hause. Ja, stimmt. Es sind auch nur die letzten 30 Minuten, wo wir das Übernatürliche haben, wo George dann mit dem Engel Kontakt hat und durch diese alternative Welt geführt wird, wie die Welt aussieht, wenn er nicht existierte und schließlich zu seiner Weihnachtsepiphanie kommt.
Johannes Franke: Wobei ich sagen muss, dass ich bei Kevin allein zu Hause diese Einbruchsszene gut und gerne noch zwei Stunden hätte sehen können, während ich diese Version von der Stadt, in der er nicht lebt, das war fast schon ein bisschen zu lang.
Florian Bayer: Das hat gereicht. Da bin ich ganz bei dir. Diese 20 Minuten, wo wir das Ganze sehen, wie sieht diese Stadt jetzt aus, das reicht eigentlich. Und es ist halt auch ein Weihnachtsfilm. Wir wollen ja das Schnulzige, wir wollen das Sentimentale, wir wollen keine dystopische Welt sehen, in der nur so verruchte Bars sind und irgendwelche. Ja, in Pottersville. Genau, Pottersville. Deswegen passt das schon. Und der Film ist hauptsächlich wirklich eine Biografie. Er erzählt die Lebensgeschichte von George und primär sein Leben als junger Mann dann, der eben, obwohl er die ganze Zeit raus wollte, schließlich die Firma von seinem Vater übernimmt, nachdem dieser gestorben ist. Building and Loan. Und zwar übernimmt er sie aber auch nur, weil Mr. Potter die Anteile kaufen will und das kann er nicht zulassen. Diese Firma hat nämlich dafür gesorgt, dass in Bedford Falls ganz viele Menschen zu einem guten, darüber im Kopf gekommen sind, zu günstigen Preisen. Genau.
Johannes Franke: Also im Grunde eine Bausparkasse, kann man sagen. Ja. Obwohl Bausparkasse nicht so sexy klingt, wie das, was im Film rübergebracht wird. Es ist ein Wohlfahrtsverein. Ja, eigentlich ist es ein Wohlfahrtsverein, den sie da haben. Aber im Deutschen wäre es irgendwie einfach eine Bausparkasse, wo man sein Geld hinbringt und dann vielleicht mal Geld dafür bekommt, dass man ein Eigenheim haben kann.
Florian Bayer: Und es gibt dann ja tatsächlich sogar den Stadtteil, der nach seiner Familie benannt ist, weil er so viele Häuser da finanziert hat.
Johannes Franke: Ja. Also ich würde gerne mal gucken, dass wir die Problemfelder aufmachen. Also erst die Problemfelder bitte, damit wir dann die positiven Sachen hochholen können. Lassen Sie uns die Problemfelder holen. Ich glaube, dass George Bailey zwar sehr oft auch fluchen darf und um sich schlägt, auch weil er wütend ist und weil er es scheiße findet, alles, dass er nicht rauskommt. Aber dass er doch so ein sehr, sehr guter Mensch ist, dass man zwischendurch denkt, ah, ja schon schwierig. Oder?
Florian Bayer: Ja. Es ist halt auch, es ist diese Art des episodischen Erzählens, wo immer wieder die Geschichte erzählt wird, wie jemand alles gibt und dann das Leben ihm irgendwelche Steine in den Weg klebt. Und es gibt einfach den Punkt, wo du das Gefühl hast, okay, jetzt ist es schon sehr repetitiv. Wir haben es verstanden.
Johannes Franke: Es ist auch nach dem gleichen Muster. Er kriegt eine Aufgabe, die löst er möglichst menschlich, wird aber vorher daran erinnert, dass man die auch wie auf Potter-Art lösen kann, indem man es nur wirtschaftlich sieht, macht das Ganze dann aber menschlich und kriegt dafür trotzdem nochmal einen auf den Deckel, damit man wieder erzählt, dass er das Gefühl hat, keine Dankbarkeit dafür zu bekommen.
Florian Bayer: Er wird ständig bestraft für das Gute, was er tut. Er wird fast taub, also er verliert bei einem Ohr komplettes Gehör, weil er seinen Bruder aus dem See rettet, der eingestürzt ist. Er wird von dem Mr. Goer verprügelt, weil er ihm geholfen hat, nicht ein Kind zu vergiften. Er verliert das Geld und muss in den Knast, weil er davor ganz vielen Leuten geholfen hat, weil er diese Firma übernommen hat. Er darf nicht das machen, was er eigentlich machen möchte. Wir sehen sehr klar, was dieser George Bailey für einen Lebensentwurf hat und der heißt Reisen, die Welt sehen. Große Gebäude bauen in großen Städten. Ja, rauskommen aus Bedford Falls und stattdessen wird er auf ewig an diese Stadt gebunden, schließlich dann mit Frau, mit vier Kindern und mit einem Haus. Also es ist alles das, was er nicht will. Also wir hören ihn so oft sagen, dass er das nicht will und wir sollen aber trotzdem, das ist natürlich die Moral, die uns der Film verkauft, sagen, hey, das ist ein wunderschönes
Johannes Franke: Leben, das dieser Mensch führt. Ja, deswegen heißt der Film ja so. Ist das ein Problem für dich? Weil daran würde sich für mich dann schon wieder das Positive anschließen. Also zumindest ein Aspekt davon. Es ist ein bisschen viel.
Florian Bayer: Es gibt auch irgendwann den Punkt, wo man denkt, ja, das ist gemein, das ist grässig, das ist ätzend, dass der Film das so macht. Ja, der Film ist konservativ, muss man dazu sagen.
Johannes Franke: Ja, der Film erzählt uns natürlich, dass das das richtige Leben für ihn ist. Ja, bleib lieber zu Hause, bleib lieber in deiner Community und mach dort dein Ding. Hab größere Träume, warum? Sei zufrieden mit dem, was du hast.
Florian Bayer: Ja. Erzählt ja auch durchaus, dass man rauskommen kann. Das sehen wir nämlich die ganze Zeit in seinem Bruder Harry gespiegelt, der es als Soldat zu großen Ehren schafft, weil er ein ganzes Bataillon rettet und der studieren kann und der eigentlich alles das machen darf, was George gerne machen würde.
Johannes Franke: Der ihn auch die Hand ausstreckt und sagt, komm zu mir, ich hab einen Job für dich. Ja. Aber auch das klappt nicht. Ja. Also es ist schon wirklich sehr draufgedrückt, muss man sagen.
Florian Bayer: Es ist voll draufgedrückt. Ja, es geht dann einfach auch zu dem Punkt, wo du das Gefühl hast, okay, ihr habt diese eine Geschichte, diesen einen Aspekt und den erzählt ihr immer und immer wieder und es wiederholt sich einfach irgendwann zu viel. Ich will was anderes. Ihr könnt das, und das machen sie, ihr könnt das noch so putzig erzählen und das machen sie. Es gibt sehr viele lustige, schöne, tolle Momente, aber irgendwann bin ich auch so genervt davon. Und dann ist natürlich James Stewart der, der das sehr gut verkaufen kann, den ich wirklich als George Bailey sehr angenehm finde. Ja, zu der Haben-Seite kommen wir noch.
Johannes Franke: Ja. Hast du noch irgendwas, wo du sagst, oder ist das der Hauptpunkt, dass du es irgendwie nicht so geil findest, wie du denkst?
Florian Bayer: Das ist der Hauptpunkt, das ist aber auch wirklich, das ist halt was, was die ganze Story überpräsent ist. Das ist das, was der Film die ganze Zeit erzählt. Und ja, Nidpicks sind halt der Kitsch, aber der Kitsch ist auch ständig präsent. Den Kitsch kann man halt auch sehr gut ironisch gucken, aber es gibt sehr viel, was kitschig ist, wo du wirklich teilweise das Gefühl hast, oh, es klebt.
Johannes Franke: Oh, Zucker! Ah, zu viel Zucker! Ja, aber okay, dann sagen wir mal, wir streichen drei Episoden raus. Ist es dann ein besserer Film?
Florian Bayer: Nein, du musst das ganze Story-Konstrukt machen. Das Problem liegt in der Anlage. Die ganze Geschichte an für sich ist, das kannst du nicht retten, indem du Sachen rausschneidest. Das ist ja noch schlimmer. Dann hast du diesen Zombie aus Citizen Kane und... Genau das ist es nämlich. Eigentlich ist sein Problem, dass es Citizen Kane ist. Du machst das Problem. Der Film hat das Problem gar nicht. Du denkst die ganze Zeit an Citizen Kane und wie der Regisseur auf dem Friedhof von Citizen Kane exhumiert. Dann hätte Frank Capra nicht als so wahnsinniger Frankenstein da dran rumdoktern sollen. Dann hätte er einen anderen Film machen sollen. Einen Film, der eigenständiger ist.
Johannes Franke: Also ich finde, dass der Film am Ende doch auch sehr übertreibt. Also es kommen dann wirklich alle Leute. Wirklich jeder in dieser Stadt kommt und wirft ihm Geld vor die Füße.
Florian Bayer: Alter, wir haben das ja schon am Anfang. Der Anfang, der Film beginnt damit, dass wir Häuser sehen von oben und wir hören die Leute beten. Alle beten. Alle beten für George. Niemand hat was Besseres zu tun am Heiligabend, als für George Bailey zu beten. Natürlich. Was gibt es sonst zu tun bei Weihnachten? Ich weiß auch überhaupt nicht, was du meinst. Das ist schon übertrieben. Und das schließt sich natürlich am Ende, wenn dann alle kommen und sagen, ich habe noch Geld hier für dich und ich habe auch noch Geld für dich und ich auch noch und jetzt bist du reich. Und natürlich kommen auch die Bösewichte und geben noch Geld. Alle geben Geld. Und dann singen sie auch noch das generischste Zeug, was man für einen Weihnachtsfilm singen kann. Hark, the heralds angels sing an Old Lang Syne. Ja, keine Ahnung. Willst du es anspielen? Nein, ich will es an singen. For Old Lang Syne, my Joe. Should old acquaintance be forget and never brought to mind? Ich bin nicht eingestiegen, Flor, und das aus gutem Grund. Aus sehr gutem Grund. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes, ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas. iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer
Johannes Franke: euer Podcatcher anbietet. Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Wo waren wir? Ah, genau. Es ist auf jeden Fall, dieser Kitsch ist ein rundes Ding um diesen ganzen Film drum. Da kommt er nicht raus. Da kann er nicht ausbrechen. Ja.
Johannes Franke: Ja, insofern ist der Film ja auch nicht, man kann auch nicht sagen, dass der Film in sich, ohne völlig anders zu werden, etwas hätte es besser gemacht. Nein, nein, der Film ist absolut konsequent. Der zieht das durch, was er da hat. Und das finde ich gut, das finde ich bemerkenswert. Also da kann ich ihm absolut Kudos geben. Also warum sollte ich dann versuchen, daran rumzudoktern? Es gibt so viele Filme, wo ich sage, bei Frühstück und Tiffany, das Ende, man hätte da irgendwas machen können. Man hätte das Yellowfacing vielleicht rausnehmen. Man hätte das Yellowfacing rausnehmen. All diese Sachen. Es gibt Filme, wo man sagt, okay, da hätte man vielleicht am Ende genau das hier vielleicht noch machen können oder sowas. Für mich, vielleicht tut man dem Unrecht und man hat dann irgendwie einen schlechteren Film. Aber man hat immer ein Gefühl dafür erstmal, was man machen könnte. Aber bei dem Film denke ich, ja, nee, irgendwie, er ist sehr konsequent in dem, was er tut und er ist halt kitschig, aber er ist nicht nur kitschig.
Florian Bayer: Er ist nicht nur kitschig. Es gibt vielleicht auch zwei Arten von Kitsch in diesem Film. Ja. Das eine ist dieser Weihnachtskitsch mit den Engeln und alle mögen ihn und alle beten für ihn. Und diese Romantik mit ihr und er liebt Mary und Mary ist total supportive und macht dann dieses nette Honeymoon-Hotel mit dem Polizisten und dem Taxifahrer, die als Bedienststand sind. Das ist total süß. Die Holberte übrigens. Absolut der Kitsch, den ich kaufe. Und dann gibt es aber halt auch diesen moralischen Pathos. Wir haben schon festgestellt, Frank Capra ist auch ein Moralist des Films und im Gegensatz zu Chaplin lässt er seinen Protagonisten nicht eine Rede halten, sondern es gibt mehrere Momente, wo er Reden hält, bis zu dem Punkt, wo der Film sich selbstbewusst ist und irgendjemand sagt, oh ja, ja, ja, George hat immer eine Rede auf den Lippen. Stimmt. Und es sind immer Reden, die an alle gerichtet sind. Und in diesen Reden transportiert eine wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr naive und sehr simple Kapitalismuskritik, die halt auch so ein bisschen, die halt nicht die politisch wirksame Kapitalismuskritik an Strukturen ist, sondern so ganz banal. Die guten Menschen machen das schon. Der Kapitalismus funktioniert, solange es Menschen gibt wie George Bailey. Und ihr müsst den guten Menschen vertrauen und nicht den Mr. Potters.
Johannes Franke: Ja, das ist natürlich offenbar eine Haltung, die nicht, aber hätte das den Film nicht gesprengt, dann irgendwie dann eine große politische Ausrichtung noch zu geben und zu sagen, ja, aber guck mal hier, das wäre das bessere System oder, ne. Ich bin kein Regisseur, ich hätte diesen, ich will diesen Film gar nicht, gar nicht, ich
Florian Bayer: will nicht sagen, also es ist einfach was, was sehr auffällt, weil es halt wirklich sehr naiv ist und gleichzeitig will es sich, will es sich, aber du sagst, du sagst, es hat, es hat nicht diese Tiefe wie Citizen Kane, aber man hat ständig das Gefühl, der Film sucht nach dieser Tiefe. Ja, das stimmt. Und landet aber immer wieder so bei so ganz simplen Botschaften. Es ist ein Weihnachtsfilm. Ja, der Film sagt, der Kapitalismus funktioniert perfekt, wenn ihr nicht Mr. Potter vertraut, sondern Mr. Bailey. Ja. Es gibt den guten Kapitalisten und es gibt den bösen Kapitalisten.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil Mr. Bailey ja tatsächlich auch in einem kapitalistischen System funktioniert. Sein Geschäft, was er hat, basiert genauso darauf, dass man Geld verleiht und mit Interest zurückbekommt, um es dann weiter zu verleihen an andere Leute. Natürlich erzählt einem der Film, dass dieses Modell, was Mr. Potter fährt, auf Ausbeutung aus ist und das, was Mr. Bailey fährt, auf Community aus ist, dass jeder was davon hat und dass jeder sich ein Haus leisten kann und weil die Bank eher auf Miete geht, das ist das, was der Film aufmacht, dieser Gegensatz zwischen Miete und Ownership und Amerika ist ja ganz groß mit Ownership, denen ist das ja sehr, sehr wichtig. Macht Schulden, Leute, kauft euch Häuser. Und ich weiß nicht, inwiefern das Rückschlüsse darauf zulässt, was wirklich sinnvoller ist. Eher nicht, würde ich sagen. Aber der Film erzählt das erstmal und ich glaube, dass diese Grundlage nicht, die muss man nicht in Frage stellen, um den Film dann auseinanderzunehmen.
Florian Bayer: Nee, das Ding ist halt auch einfach, dass er seine Kapitalismuskritik, er hat keine Kapitalismuskritik, weil er das komplett personifiziert. Wir haben einfach diesen bösen Finanzheim Mr. Potter.
Johannes Franke: Und man kann das aber auch anders sehen. Man muss das nicht so personifiziert sehen. Vielleicht macht der Film das ein bisschen mehr, aber man kann schon das auch, man kann den Schritt zurück machen und sagen, okay, das ist Kapitalismus versus Menschlichkeit. Das ist natürlich ein allgemeines Ding und das ist natürlich nicht so, dass man dann Systeme tatsächlich gegeneinander ausspielt und sagt, das ist konkret, funktioniert besser. Aber es ist einfach ein, ja, das, was ein guter Weihnachtsfilm ausmacht. Menschlichkeit. Du willst die Menschlichkeit und Würde nach vorne bringen.
Florian Bayer: Aber nicht die Menschlichkeit versus Kapitalismus. Also mir fällt es total schwer, mir vorzustellen, wie ein FBI-Beamter, das diesen Film sieht und sagt, ah, da, hier, Kapitalismus, das ist doch ein sozialistischer Film. Weil es ist einfach, es wird einfach nicht dieses Gegensatzpaar aufgemacht. Es wird nicht der Kapitalismus auf die eine Seite gestellt und die Menschlichkeit auf die andere, sondern es geht die ganze Zeit um Menschlichkeit im Kapitalismus. Der Film erzählt eigentlich die ganze Zeit vom richtigen Leben im Falschen.
Johannes Franke: Ja, das sehen wir jetzt so. Das sehen wir jetzt so. Ich glaube, dass die Welt damals mit dem Kapitalismus durchaus nicht ganz so, er zumindest hat nicht so mit dem Kapitalismus gehadert, in dem Sinne, als revolutionswürdig und dann sagen, nee, wir machen was ganz anderes.
Florian Bayer: Und es geht gar nicht darum, dass der Film mit dem Kapitalismus krass hadern muss, dass er sagen muss, okay, ich entwerfe hier jetzt eine sozialistische Utopie oder so, aber diese simple Kritik, diese naive Kritik, die hat sowas Giftiges an sich. Weil die macht jede Form von tiefer gehender Gesellschaftskritik kaputt, weil solange es einen George Bailey gibt, ist ja alles in Ordnung, solange funktioniert das System.
Johannes Franke: Ja, aber dann kannst du keinen Film mit einem Helden machen, der den Tag rettet. Ist halt ein Sozialisten als Helden. Okay, aber dann hättest du den Film nicht machen dürfen in Amerika, das wäre das Problem gewesen. Ein Film, in dem am Ende Mr. Potter an die Wand gestellt wird.
Florian Bayer: Oh Gott. Und George Bailey so, ja, wie können wir ihn als Revoluzzer in den 40ern inszenieren?
Johannes Franke: Ja, der hätte kein Geld verleihen dürfen, sondern er hätte verschenken müssen oder er hätte... Banken ausrauben. Hätte Banken, genau, Bonnie und Clyde wäre das dann gewesen in Sozialismus. Das war 20 Jahre später, da sind wir viel zu früh in den 40ern. Ey, wir haben gerade den Zweiten Weltkrieg geworden, wir können uns jetzt nicht auch noch darum kümmern. Apropos Zweiter Weltkrieg. Chip Stewart war ja gerade erst wieder zurück aus dem Zweiten Weltkrieg. Ja. Der hat ja, das war sein erster Film, nachdem er zurückgekommen ist und hatte schon auch noch mit PTSD zu kämpfen und es war schon nicht ganz leicht. Also sie haben auch ein bisschen gezögert, ihn da einzusetzen. Aber er wollte unbedingt und er hatte seine Probleme, aber es ging auch. Er hatte auch mit der Kussszene irgendwie so ein kleines Problemchen, weil das das erste Mal seit langer Zeit war, dass er überhaupt wieder gedreht hat und dann so eine Kussszene ist ja auch immer wieder was Besonderes und so. Naja.
Florian Bayer: Das mit der Kussszene ist wirklich witzig. Er wusste gar nicht so genau, was er machen soll und wann er Stopp machen soll und gerade wir sind auch in den 40ern, wo Kussszene sowas sehr Heikles waren, wo man sehr drauf achten muss, was man zeigen kann und dann gab es wohl, dann hat er das einfach zu lange gemacht. Er hat nicht genau gewusst, wie er umgehen soll mit Donna Reed, Donna Reed spielt die Mary und dann hat er sie einfach unfassbar lange geküsst. Die haben einiges weggeschnitten. Und es gibt diese Kussszene am Telefon und dann haben sie irgendwann, okay, die verstehen nicht, dass sie jetzt irgendwie aufhören müssen und sie sind einfach nicht klar gekommen.
Johannes Franke: Ja. Sie ist weggeschnitten, aber man muss dazu sagen, die beiden Schauspieler, das sieht man im Film an, die haben so eine Chemie. Auf jeden Fall. Unglaublich. Mary ist auch einfach cool. Sie ist 25 und sie spielt so die Range von 18 bis Mitte 30, was sie voll hinkriegt, finde ich. Und ich finde auch, dass James Stewart das erstaunlich gut hinkriegt, den jungen Spund zu spielen, ganz am Anfang und dann den bitteren Typen. Ich finde, das funktioniert 100 Prozent. Und da gewinnt der Film sogar gegen Citizen Kane.
Florian Bayer: Das Alter. Also ich meine, er hat nicht die Herausforderung wie Citizen Kane, dass er das Leben bis 70 erzählt oder so. Aber bei Citizen Kane gab es ja diese Momente, wo du dann doch ein bisschen rausgerissen wurdest, einfach weil die Maske halt zu viel war. Aber nur so ein Zwischendurch-Moment, ne? Ja.
Johannes Franke: Es war gar nicht das ganz Alter und es war auch nicht, es war irgendwo in der Mitte, wo man dann plötzlich merkte, irgendwas stimmt nicht.
Florian Bayer: Irgendwo war es komisch, ja. Wo sie so die Haare grau gefärbt haben, man sagte, awesome, ach komm schon. Irgendwie stimmt's nicht. James Stewart funktioniert hier die ganze Zeit durchgehend, man kauft ihm das ab. Das ist wirklich gut. Und diese Szenen mit Mary gehören auch definitiv zu den Highlights des Films.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sie halt auch vor allem witzig sind. Weil sie nicht nur das Romantische haben, sondern auch die ganze Zeit das Witzige. Es gibt ja diese eine Szene, wo sie an dem Haus vorbeikommen und Mary eine Scheibe einwirft.
Johannes Franke: Ja. Und sie haben extra einen Schützen engagiert, der dann die Scheibe im richtigen Moment einschießen sollte. Und was ist passiert? Sie hat es direkt geschafft.
Florian Bayer: Sie hat es selber einfach geschossen und sie hat es irgendwie hingeknickt. Niemand hat damit gerechnet, dass sie das schaffen würde. Ja, unterschätzt die Frauen nicht. Sie hat am Baseball gespielt in der Highschool. Ah ja. Sie hatte die Technik drauf. Das erklärt einiges. Ja und dann, es gibt einfach schöne Szenen zwischen den beiden. Also diese ganze Liebesgeschichte. Auch das mit dem Honeymoon Hotel, was sie dann macht. Das ist einfach sehr süß.
Johannes Franke: Das ist einfach sehr süß, ja. Ich finde, dass die wirklich den Film zusammentragen. Die haben so eine Chemie, dass das so 100% funktioniert. Dass man wirklich voll mit denen mitgeht und von Anfang an will, dass sie zusammenkommen. Und dass die auch zusammenbleiben und dass sie das alles zusammen durchstehen. Ich finde, dass sie am Ende mit der Familie ein kleines bisschen verliert. Also dass sie leider dann nicht mehr so viel bekommt, wie sie so viel Stärke hat, wie sie eigentlich bräuchte. Weil sie dann eben auf diese Rolle einfach festgelegt ist. Sie ist die Mutter. Sie ist dann halt Mutter. Und das ist ein bisschen schade.
Florian Bayer: Sie ist halt auch ein Film aus den 40ern. Sie ist... Natürlich. Ihre Rolle als Hausfrau wird ziemlich früh etabliert. Nämlich beim Honeymoon, wenn er nach Hause kommt und sie dann das mit dem Plattenspieler das Fleisch... den Fleischspieß über dem Kamin grillt und sagt, hallo Liebling, willkommen zu Hause. Ich hab dir alles eingerichtet. Und das ist halt schon so, ja okay, da ist es deine Rolle.
Johannes Franke: Du bist die Hausfrau. Alles klar. Aber es ist ein kleines bisschen anders erzählt, weil sie dieses Haus okkupiert, wo sie die Scheiben eingeschlagen haben und so. Das finde ich schon sehr süß. Das geht ja auch alles auf sie zurück. Er wusste nichts davon. Sie hat sich um alles gekümmert. Total.
Florian Bayer: Sie ist einfach super und süß. Was auch stimmt, es gibt gar nicht so viele Momente zwischen den beiden, ist die Chemie zwischen Potter und Bailey. Es gibt so ein paar Momente, wo sie aufeinandertreffen, unter anderem, wenn Potter ihm ein Angebot macht, ihn quasi rauskaufen will aus diesem Business, damit er es übernehmen kann. Da gibt es wirklich diese witzige Szene, wo er in diesen viel zu tiefen Stuhl gesetzt wird.
Johannes Franke: Eine Chaplin-Referenz. Ah, erzähl mir mehr. Das ist von Der große Diktator, wo der große Diktator einmal Mussolini in sein Reich holt, einlädt und dann ihm da so einen viel zu kleinen Stuhl hinsetzt, damit er sich überlegen fühlen kann. Und es geht natürlich nach hinten los, aber sehr, sehr süß.
Florian Bayer: Und das ist eine wirklich witzige Szene. Das ist so das eine, wo Potter dann auf ihn einredet und wir haben dann auch öfter Streitgespräche zwischen Potter und Bailey und George. Haben wir schon festgestellt, er ist halt wirklich salty und er ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Und der öfter mal Potter dann an den Kopf wirft, sie sind ein böser Mensch und ich werde ihnen diese Stadt nicht überlassen. Er ist sehr straightforward.
Johannes Franke: Das ist schon krass zwischendurch, dass man so denkt, wow, okay, vielleicht einen Gang zurückschalten muss, gar nicht so sehr ausufern.
Florian Bayer: Aber das macht, wie gesagt, das macht sehr viel Positives aus an dem Film. Einfach, dass er nicht so ein devoter, netter Kerl ist, sondern dass er um sich schlagen kann, dass er zurückschlagen kann.
Johannes Franke: Und dass er auch einmal erstmal beinahe eingekauft wird von ihm. Also es ist ja schon so, dass er da sitzt und denkt, wow, okay, der hat mir gerade einen Job angeboten. Ich könnte da 350.000 Euro im Jahr, also jetzt umgerechnet, also von damals auf heute, er hat ihm angeboten, dass er 20.000 Dollar im Jahr kriegen könnte, was 350.000 Dollar heute wären. Und das ist ein Jahresgehalt da, oh Gott, da musst du erstmal überlegen, ob du nicht doch wie in deiner Seele verkaufst.
Florian Bayer: Das ist schon krass. Aber es ist wirklich nur ein kurzes Zögern, also er ist wirklich so einmal so, nein.
Johannes Franke: Ja, er sagt, es geht schon so weit, dass er sagt, kann ich vielleicht ein bisschen Zeit haben, darüber nachzudenken, vielleicht mit meiner Frau reden und so. Und man ist schon drauf und dran als Zuschauer zu denken, okay, jetzt mach das. Bis er dann wirklich selber und nicht durch das Gespräch mit der Frau, sondern selber dann feststellt, was mache ich hier eigentlich? Warum lasse ich mich hier um den Finger wickeln? Denn es ist das pure Böse vor mir und ich lasse mich einkaufen von Darth Vader. Was soll das?
Florian Bayer: Ja. Also es kommt schon relativ früh, dass er, also ja, es gibt diesen Moment des Zögerns, aber ich hatte auch das Gefühl, es wirkt auch so ein bisschen, als ob er da Zeit schinden wollen würde. Also ich würde ihm dann sagen, er ist ja schon stabil. Das ist deine Moralvorstellung. Stabil. Naja.
Johannes Franke: Also das finde ich eben auch schön an dem Film, dass die Situationen oft genug nicht ganz straightforward sind, sondern dass er auch einen Zögerer hat und dass er auch irgendwie schwache Seiten hat und dann einen Moment braucht, um auf die richtige Seite zu kommen.
Florian Bayer: Was sehr schön ist, auch wenn es da diese, eine dieser sehr moralinsauren Reden gibt, ist der Schwarze Freitag, der erzählt wird. Ja. Den sie natürlich auch durchlaufen und wo die Leute ihr Geld von der Bank nehmen wollen und dann hält, dann sein Onkel Larry arbeitet in der Bank und er selbst hält dann auch wieder diese Rede in der Bank, um die Leute dazu zu kriegen, dass sie nicht ihr ganzes Geld abheben und schafft es dann, die Leute dazu zu kriegen, dass sie nur das abheben, was sie wirklich jetzt brauchen und es gibt dann diesen sehr süßen Moment, wo die Frau sagt, ich brauche 17 Dollar und zwei Cent und er küsst sie so und ist so glücklich darüber, dass sie verstanden hat, worum es geht. Es ist so toll und es war nicht im Drehbuch.
Johannes Franke: Ja. Der Regisseur hat diese Schauspielerin, die diese krumme Summe sagen sollte, zur Seite genommen, das stand nur 17 Dollar drin im Drehbuch und hat dann gesagt, ja beim nächsten Take sag mal 17,50. Und der Schauspieler, also James Stewart, war total überrascht davon. Ja. Und dann kommt dieser Kuss, den er ihr gibt, so aus dem Nichts, aus seiner impulsiven Reaktion darauf, dass das im Film gelandet ist, weil das so wundervoll echt geworden ist. Die Überraschung wirkt auch in dem Moment wirklich echt. Absolut. Und diese Überraschung und diese Freude, es ist einfach, es ist so ein kleiner Moment, aber es ist ein wirklich schöner Moment. Und ich finde, genau solche kleinen Momente hat dieser Regisseur einfach drauf. Durch kleine Eingriffe, durch kleine Ideen. Ich denke an die Szene, wo die beiden im Regen sind, an diesem runtergekommenen Haus mit dem Taxidriver, glaube ich. Und der lehnt sich in den Türrahmen, hat so einen Hut auf und durch das Zurücklehnen an den Türrahmen geht der Hut so hoch, als wenn er grüßen würde. Und George Bailey kommt rein, nimmt seinen Hut wiederum runter, also beziehungsweise nickt den mit dem Kopf und dann fällt das Wasser, was auf seinem Hut ist, in die Hand von dem Taxidriver, der gerade die Hand aufhält. Das kann man nicht schreiben. Das muss man in dem Moment als Regisseur einfach sehen und denken, ja geil, das machen wir. Das ist eine super Idee. Das ist eine visuelle Sache.
Florian Bayer: Wir haben ja schon festgestellt, dass Frank Capra kein Austin Wells ist. Was er wirklich drauf hat, ist ein Blick für Details, für so Kleinigkeiten, die immer wieder im Film platziert sind und die alles sehr liebenswert machen. Man hat das Gefühl, da steckt wirklich Herzblut dahinter.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist das, warum du mir diesen Film verkaufen kannst, warum auch mir jeder andere Film verkauft werden kann, wenn er nur genug kleine Momente hat, die irgendwie süß und die irgendwie cool gedacht sind. Da komme ich auf über so viele Sachen hinweg, die eigentlich grobe Fehler und grobe Schnitzer sein könnten. Aber dann denke ich darüber nicht nach, weil ich so begeistert und enchanted bin von solchen kleinen Momenten. Ja. Und jetzt kommen wir mal auf die Haben-Seite, oder? Oder hast du noch irgendwas?
Florian Bayer: Wir sind die ganze Zeit schon bei der Haben-Seite.
Johannes Franke: Achso, wir sind schon bei der Haben-Seite. Egal. Also, was ich wirklich wichtig und gut finde, ist, darüber nachzudenken, was die andere Seite dessen ist, was wir vorhin als Problem hatten, ist, wenn man die ganze Zeit raus will aus der Stadt. Man hat einen Traum. Man will irgendwas. Man will irgendwo hin. Und immer wieder sagt das Leben, nee, nee, nee, du bleibst hier. Du hast hier dein Zeug. Du musst hier was machen. Und der Film einem das nicht erzählt im Sinne von, dass die Figur nur hin und her geschoben wird, sondern dass wirklich aus einer inneren Motivation gesagt wird, okay, ich kann moralisch nicht anders, als jetzt einfach hier zu bleiben und mich um dieses Problem zu kümmern. Danach gehe ich dann auf Weltreise. Und dann kommt das nächste Problem. Und dann denke ich, ah, scheiße. Ich finde es ein interessantes Thema, darüber nachzudenken, dass man über die ganzen Wünsche und Träume, die man hat, übersieht, was man eigentlich in seinem Leben geschaffen hat. Das hast du schön gesagt. Ich finde es total wichtig. Und das ist eine total wichtige Botschaft dieses Films. Das ist natürlich auf der anderen Seite total konservativ. Bleibt bei deiner Community. Macht bei deiner Community-Zeug und so. Und bleibt unter euch und habt keine großen Träume. Das kann man sehen. Man kann aber eben auch sehen, dass man wahnsinnig viel bewirkt und schafft in seinem Leben, obwohl man vielleicht Träume hatte, die woanders gelandet sind. Aber besser oder schlechter kann man da nicht sagen. Da bin ich auf jeden Fall bei dir.
Florian Bayer: Was der Film uns ja wirklich gut verkauft, ist diese Aussage, it's a wonderful life. Das, was wir hier sehen, ist ein wundervolles Leben. Ja. Und es ist ein bürgerliches, einfaches Leben, ein Standardleben, könnte man sagen. Aber es sind permanent diese kleinen Dinge, die zeigen, warum dieses Leben so wundervoll ist. Nicht nur, dass er seinem Bruder das Leben gerettet hat oder diesem anderen Kind, sondern auch einfach so Sachen wie, einfach dieses Flirten mit Mary. Einfach dieses Dastehen und dann fragen, rede ich zu viel? Und dann ist noch dieser alte Typ da an der Seite, der sagt, ja, jetzt küsse ich endlich. Dieses Scheißdorf, wo man nicht mal allein sein kann. Wo alle gucken, was der andere macht. Einfach diese Sachen, dass man halt so ein zerfallenes, verlassenes Haus findet. Da die Scheiben einwirft und das dann einfach zu seinem eigenen Heim erklären kann, weil es halt günstig ist. Genau. Diese ganz banalen Geschichten, dass das wirklich viele Freunde hat, dass er in eine Kneipe gehen kann und sagt, oh, gib mir was zu trinken und der Wirt fragt gleich, ey, was ist denn los, George? Wie geht's dir? Was ist passiert? Erzähl mal. Dass er den Taxifahrer und den Polizisten grüßt und das ist einfach, natürlich ist das so in der Kleinstadt und alle sind glücklich, romantisiert. Aber auf jeden Fall, ich bin bei dir, es hat diesen Kern. Es sind auch wirklich diese kleinen Dinge, die total wichtig und schön sind im Leben. Und vergesst die nicht. Achtet auf die. Ja, genau. Und wenn ihr sie vergessen habt, dann braucht ihr halt vielleicht mal einen Engel, der euch in den Arsch tritt.
Johannes Franke: Und dass die ganze Welt nur zu Weihnachten da hinkommt und sagt, ich letze mich mal jetzt hin und denke darüber nach, dass es vielleicht die kleinen Dinge sein könnten.
Florian Bayer: Das ist was, darum geht es eigentlich an Weihnachten. Ich sage das viel zu oft zu Sachen. Ständig, wenn irgendwas Schönes kommt, sage ich, und das ist der eigentliche Gedanke von Weihnachten. Du hast 20.000 eigentlichen Gedanken von Weihnachten, Glor. Ist das nicht toll? Nein, es ist dämlich. Und das ist natürlich dann auch, ey, du hast vergessen, wie viel du im Leben bewirkt hast. Du siehst nicht, du denkst, oh, ich habe kein großes Gebäude gebaut, ich habe nicht studiert. Aber guck mal, wie das Leben aussehen würde ohne dich. Und dann kommen wir zu diesen dystopischen 20 Minuten vielleicht. 20 Minuten sind es ungefähr. Du sagst, länger hätten sie nicht sein müssen? Die waren schon zu lang?
Johannes Franke: Die sind auch comically übertrieben. Absolut. Also natürlich hätte Mary noch jemanden anderen gefunden. Was soll denn das? Das ist doch keine alte Jungfer.
Florian Bayer: Das ist das Geilste überhaupt. Oh nein, sie kommt aus einer Bibliothek. Sie trägt eine Brille.
Johannes Franke: Jesus Christ, sie ist eine Intellektuelle geworden. Nein. Das ist so geil. Sie kommt aus dieser Bibliothek. Sie hat offensichtlich wirklich was erreicht. Ja, genau. Oh Gott, oh Gott. Oh nein, Hilfe, sie ist intellektuell.
Florian Bayer: Fuck. Und es ist ja nicht nur sie, die anders ist, sondern die haben dann einmal so durch diese Stadt, die nicht mehr Bedford Falls ist, sondern Potterswill. Und dann haben wir einen absolut verruchten Ort. Da würde ich Weihnachten feiern. Das ist schon ganz geil. Der ganze Schwenk zwei Minuten lang über verruchte Rotlichtmilieu-Geschäfte, wo du denkst, ja warum eigentlich nicht? Das ist doch ganz geil. Was ist denn hier los? Und die Bar, in der er vorher war, die ist dann halt auch so eine richtig geile Bar, wo Musik läuft. Da steppt der Bär. Ja, davor war es einfach nur so eine Kneipe, wo halt ein paar Leute aus dem Dorf sitzen und jetzt läuft da Musik, da sind Huren, die rumspringen. Das ist geil.
Johannes Franke: Nur leider muss man sagen, dass der Barkeeper doch ein bisschen sehr grummelig geworden ist. Ja, das stimmt. Naja, ich meine, ey, wenn du das die ganze Zeit managen musst, dann bist du automatisch gestresst.
Florian Bayer: Der hatte ein entspannteres Leben vorher. Der hat so viele Assis da sitzen und er will wirklich jemanden rausschmeißen, weil er behauptet, ein Engel zu sein. Das ist so, what? Hast du noch nie in einer Bar gesessen? Das sind ständig Betrunkene, die so einen Scheiß erzählen. Und Bedford Falls ist einfach ein Puff geworden, man kann es nicht anders sagen. Und das ist erstaunlich. Also die Wirtschaft muss boomen, oder? Ja. Wie viele Bordelle kann in so einer kleinen Stadt sein?
Johannes Franke: Ich habe eine Bolesk-Show ein paar Jahre lang moderiert. Ich hätte da so viel zu tun in dieser Stadt. Es wäre so großartig. Ich wäre wirtschaftlich ziemlich gut dran.
Florian Bayer: Die ganze Stadt. Ich meine, okay, es gibt nicht dieses Bailey, wie heißt das Bedford Falls? Wie heißt das Bailey-Ding? Bailey's, Bailey's, Bailey's, Bailey's. Es gibt auch einen Namen dafür. Bailey Park. Bailey Park. Das gibt es nicht. Aber ansonsten hat Potter offensichtlich viele wirtschaftliche Erfolge in die Stadt gebracht. Es ist ein zweites Las Vegas geworden. Es ist ein kleines Dorf. Und er hat daraus ein Las Vegas gemacht.
Johannes Franke: Das ist geil. Ich würde, dass man an dieser Szene am ehesten sieht, was für eine konservative Sau dieser Regisseur ist. Es ist so krass.
Florian Bayer: Weil das ist der Sündenfall, den er da inszeniert. Und dann voll daneben greift für unsere Begriffe. Und aber eigentlich damit sagen will, schaut, was für ein schlimmer Höllenort das geworden ist. Es ist großartig. Ich finde die Szene echt witzig.
Johannes Franke: Ich habe wirklich Spaß in dieser Szene, weil sie so drüber ist. Wir sehen nicht ein einziges Mal Potter, wie er irgendwie auf seinem Geld sitzt oder sowas. Nein. Sondern nur diese Stadt. Irgendwie schwebt er natürlich über allem. Aber vielleicht wäre es effektiver gewesen, statt die Puffs da zu zeigen, ein Potter zu zeigen, wie er sein Geld zählt. Ja, vielleicht. Naja. Auf jeden Fall hört es auch irgendwann Gott sei Dank wieder auf. Alles mögliche, was wirklich absurd ist, was niemals passieren würde, weil einfach das Leben anders verläuft. Und er hat seinen Bruder nicht gerettet. Dann hätte ihn halt jemand anders gerettet. Meine Güte. Ich glaube das alles nicht. Ja. Sein Bruder wäre ja gar nicht erst Schlitten gefahren, wenn er nicht gewesen wäre. Er dreht ihn doch an in dieser Schlitten-Szene. Naja. Gut. Aber er sieht, okay, das Leben ist schrecklich. Der Start geht es furchtbar. Offenbar. Und ich muss wieder ich werden. Und da kommt meine nächste leichte Kritik rein. Ich habe das Gefühl, er wird da reingeschämt. Uh. Weißt du, es ist nicht so, dass sie ihm sagen, du hast so ein wundervolles Leben. Sondern sie sagen, die anderen haben so ein furchtbar schlechtes Leben.
Florian Bayer: Du musst ihnen wieder helfen. Zurück in deine Märtyrer-Rolle. Ja, genau. Da, an diesem Kreuz ist ein Platz für dich. Und da lässt du dich jetzt verdammt nochmal von uns festnageln. Wirklich? Aber so ist das doch, oder? Oder sehe ich das falsch? Nein, es ist so. Aber, okay, aber Moment, wann sagt er, es gibt ja tatsächlich dieses, Clarence sagt zu ihm irgendwann den Filmtitel, klassisch. See, George, you really had a wonderful life. Wann sagt er das zu ihm? Ja, es geht einfach nur darum, als er feststellt, wen er alles gerettet hat. Mhm. Das Wunder seines Lebens ist, dass er die ganze Zeit anderen Leuten geholfen hat und dabei ständig in den Arsch getreten wurde. Er war nur für andere Leute da. Ja. Da muss er aber weitermachen mit. Das ist halt so.
Johannes Franke: Das ist jetzt.
Florian Bayer: Das ist, darum geht es eigentlich an Weihnachten. Sei verdammt nochmal dankbar dafür, dass du anderen helfen darfst. Genau. Altruismus. Das ist die Quintessenz von Weihnachten. Um das nochmal zu sagen. So, das andere ist alles Quatsch. Darum geht es an Weihnachten. Hilf anderen. Sei für andere Menschen da. Aber ich glaube, ich muss mal einen Supercut machen aus den Sachen, wo du irgendwann mal gesagt hast, das ist die Essenz von Weihnachten. Auf jeden Fall kommt er dann zurück und zwar offensichtlich so ein Fingerschnipp von Clarence, der keine Ahnung, wie er ohne Flügel und ohne überhaupt irgendwelche Fähigkeiten zu haben das hinkriegt. Ja, er guckt ja immer mal hoch und sagt, na ist das ein guter Plan und die scheinen dann irgendwie zu antworten. Und seine Freunde erkennen ihn dann wieder, Gott sei Dank, da vor allem der Polizist. Und George freut sich und freut sich auch, dass er blutet, freut sich, dass er wieder lebendig ist und dann ruft er Merry Christmas und läuft im klassischen Scrooge-Stil durch die Stadt, wie ein Verrückter und ruft zu allen Merry Christmas und I'm going to jail, isn't that wonderful? Und rennt nach Hause zu seiner liebenden Familie. Toll. Die sich auch freuen, dass er wieder zurück ist. Ja und Mary hat inzwischen organisiert, dass alle Geld vorbeibringen. Alle bringen Geld, vor allem die, denen er geholfen hat, also Mr. Dagauer zum Beispiel und dann kommt noch mehr Geld zusammen. Er wird richtig reich, ne? Sam Rainwright, 25.000 Dollar, allein von ihm.
Johannes Franke: 25.000 Dollar, meine Güte, er hat doch nur 8.000 Dollar Schulden. Hä?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich find's wirklich wahnsinnig.
Florian Bayer: Nein, es ist super. Und Harry kommt dann nochmal, weil Harry war an Heiligabend auch als Held ausgezeichnet und war deswegen da irgendwo beim Präsidenten und sagt, ey, ich hab gehört, dass du Probleme hast, George, ich musste vorbeischauen. Und dann sagt er nochmal den richest man in town, ne? Ja, ja, genau. Der jetzt wirklich viel Geld hat.
Johannes Franke: Ich muss dir was gestehen, Plur. Ja. Ich muss jetzt die ganze Zeit so ein bisschen zynisch da drauf gucken und sagen, das ist völlig übertrieben und es ist totaler Quatsch, dass der jetzt der reichste Mensch der Welt ist, nur weil er so nett war zu anderen. Aber das täuscht alles nur darüber hinweg, dass ich die ganze Zeit in Tränen aufgelöst davor saß und gedacht habe, das sind alle so gute Menschen. Um Gottes Willen, ich komme nicht mehr klar. Hast du gesagt, wir haben ihn lieb.
Florian Bayer: Wir haben ihn lieb.
Johannes Franke: Mehrmals. Wow. Massiv. Wow. Und am Ende habe ich eine ganze Weile gebraucht, um wieder zu sagen, okay, ich habe ihn, ich habe meinen Papa besucht und dann... Der kannte den Film, oder? Er hat ihn nicht mit mir zusammen geguckt, weil ich ihn im Original gucke und er mit dem Englischen nichts anfangen konnte. Und er sowieso auch gerade mit anderes zu tun hatte. Und dann habe ich den Film alleine geguckt und dann habe ich ihn eine Weile gebraucht, bis ich dann wieder rübergegangen bin zu den anderen, weil ich gedacht habe, ich muss erst mal wieder klarkommen. Und dann klingelt auch noch das Glöckchen, wir wissen, Clarence kriegt seine Flüge.
Florian Bayer: Ja, er kriegt sie. Er hat sich das so gewünscht. Und letzten Endes ist es doch das, worum es an Weihnachten geht. Dass man etwas Sentimentales sieht und sich dem voll hingibt, zu seinen Gefühlen steht und einfach nur auch mal traurig ist und auch fröhlich ist und hin und her gerissen zwischen den Gefühlen. Das ist der eigentliche Sinn von Weihnachten. Und dass man steinreich wird. Und dass man steinreich wird und Geschenke kaufen kann für die ganze Familie und für die ganze Stadt. Und in meiner Vorstellung von diesem ganzen Geld, was er jetzt hat, er ist jetzt wirklich reich, kauft er irgendwas, um Mr. Potter so richtig fertig zu machen. Weißt du noch, wir haben über Stand by Me gesprochen, wo einer der Jungs so unzufrieden mit der Geschichte ist, wie sie endet. Ja, genau. Und das finde ich jetzt auch. Ich würde jetzt sagen, cool wäre es, wenn er sich von den 25.000 einen Panzer kaufen würde, bei Mr. Potter vorfährt und seine ganze Scheißbank niederschießt. Ja, wenn du nicht weißt, wo du aufhören musst, dann machst du das. Das stimmt.
Johannes Franke: Weil das ist es, worum es an Weihnachten geht. Andere Leute niederzuschießen, die du nicht magst. Also ich glaube, dass man durchaus einen Punkt machen könnte, dass man durchaus eine Perspektive aufmachen könnte, in der Potter der Held der ganze Geschichte ist. Alter, was? Was hast du gerade raus? Ich glaube, das geht. Ich habe darüber noch nicht nachgedacht, aber ich habe das jetzt einfach mal so gesagt, weil mir das gerade eingefallen ist. Weil wenn der jetzt mit einem Panzer loszieht, dann ist das die Fortsetzung, in der Potter eigentlich das Opfer ist in der ganzen Geschichte. Nee, pass auf.
Florian Bayer: Eigentlich arbeiten Potter und George zusammen. Wir haben das nicht mitgekriegt. Die haben das ja aber geheim abgesprochen. Okay, ja, sehr gut. Potter hat diese 8000 gefunden und ruft bei George an, weil Potter ist, ich meine, was soll er mit 8000 Dollar machen? Der ist stinkreich.
Johannes Franke: Der ist eigentlich der Partneronkel. Das haben wir alle nur nicht gewusst, dass der Partneronkel ist. Vielleicht.
Florian Bayer: Und er sagt, nein, ich dachte ja eigentlich, er ruft an und sagt, pass auf, George, dein besoffener Onkel hat Geld verschleudert. Den willst du doch sowieso loswerden. Den wirst du am besten los, wenn du ihm die Schuld dran geben kannst, dass das Geld weg ist. Und gleichzeitig können wir das nutzen, um was zu hinterziehen und alle anderen werden dich reich machen im Ort. Was hältst du von einem Deal? Und der geht den Deal ein. Natürlich. Und dann bauen wir Puffs mit Koks und Nutten.
Johannes Franke: Denn das ist eigentlich das, worum es an Weihnachten geht. Ja, genau. Okay, also ich war völlig aufgelöst. Ich war wirklich völlig aufgelöst. Und deswegen kann ich dem Film sehr viel verzeihen, weil ich wirklich denke, ja, irgendwie ist das alles so märchenhaft und das stimmt natürlich alles nicht. Und es sind so Sachen, die einfach passieren müssen, damit die Geschichte an sich funktioniert und damit die Botschaft rüberkommt. Und die Botschaft ist natürlich zutiefst weihnachtlich. Deswegen ist es natürlich ein Weihnachtsfilm. So dieses, wir stehen füreinander ein, wir helfen einander, wir haben einander lieb. Und selbst wenn wir es ja überstreiten, kommen wir jetzt zusammen und heucheln, dass wir uns lieb haben.
Florian Bayer: Was du diesen Film einfach so schön macht, ist, man hat wirklich, hat Capra es wirklich drauf, Tragikomödien zu erzählen. Ja. Es funktioniert einfach beides zusammen und es wechselt sich ab und es ist die ganze Zeit präsent. Dieser Wechsel zwischen lustig und tragisch. Und das hat Capra einfach voll drauf. Das ist so eine Blaupause dafür, wie inszeniert man Tragikomödien. Wie bringst du das beides unter einen Hut, dass du deine traurigen Momente hast, deine herzergreifenden Momente und deine lustigen Momente, ohne dass die sich gegenseitig kaputt machen.
Johannes Franke: Aber schaffst du das, zu sagen, mir ist egal, wie realistisch diese einzelnen Elemente sind, weil ich das als Fabel begreifen kann? Das ist keine Fabel, der Film ist total dumm und naiv, aber er macht echt Spaß, er ist
Florian Bayer: echt schön. Das sind 130 Minuten, 130 Minuten, die echt nicht verschwendet sind, weil es wirklich schön ist, weil du Spaß hast, du heulst, du lachst, du willst in den Pool springen, du willst einen Bausparvertrag abschließen, es ist alles dabei, ne?
Johannes Franke: Der Pool übrigens existiert immer noch. Den gibt's immer noch, der war wirklich in dieser Highschool, wo die dann den Tanztal gedreht haben und dann geht das wirklich auf dort bei den, man kann da wirklich dann den Pool aufmachen und schwimmen.
Florian Bayer: Sie haben ja ganz schön geklotzt, sie haben das Ganze in Los Angeles gedreht, in Ancino heißt der Stadtteil und dann haben sie da, da gab's so, da gab's so eine Ranch und da gab's auch schon so ein paar Sachen für Filmdrehs und da haben die aber angefangen, dann diese Filmstadt aufzubauen, wo das Ganze spielt. Sie haben Bedford Falls gebaut mit einer Hauptstraße, die 275 Meter lang ist. Das sind drei Blocks gewesen oder sowas? Drei Häuser, Blocks, 75 Geschäften, dann haben sie noch ein paar Villen dahingestellt und insgesamt, lass mich nichts Falsches sagen, ein Armenviertel Eichen in Industriegebiet und insgesamt auf 16.000 Quadratmeter haben sie das Ding dann aufgebaut. Zwei Monate lang haben sie an dem Shit gebaut und es gilt als eine der längsten Sets, beziehungsweise eine der längsten Filmstätte, die es jemals in Hollywood gegeben hat. Also, die extra für einen Film gebaut wurden. Absoluter Wahnsinn. Drei Millionen Dollar Budget hat der Film insgesamt gekostet. Ungefähr so viel hat er auch eingespielt, was eine Katastrophe ist.
Johannes Franke: Komm, ihr habt ja ein Geld wieder reingekriegt, was soll das? Ihr habt arschfähig Geld in die Hand genommen, weil ihr größt und wahnsinnig wart, was habt ihr erwartet? Mann, Mann, Mann.
Florian Bayer: Und trotzdem, ja natürlich, es ist echt, du hast wirklich Spaß an diesem Film. Man kann es nicht leugnen. Es ist auch ein Klassiker, man kann so viel auch ironisch sehen an dem Film und es macht trotzdem das Erlebnis nicht kaputt. Du hast ja offensichtlich auch vieles ironisch gesehen und hast dann doch emotional auch aufgewühlt. Ja, voll, voll. Und Clarence ist einfach toll. Wir haben noch gar nicht so viel zu Clarence gesagt, aber Clarence ist einfach cool. Dieser alte Typ, der wirkt wie so ein kleines Kind.
Johannes Franke: Ja, total naiv quasi. Aber was ich mich frage, ist dieser Engel wirklich naiv oder ist das seine Methode, um ihn zu retten?
Florian Bayer: Ich glaube schon, dass er so naiv ist, weil er ist ja auch wirklich, also es wird ja die ganze Zeit etabliert, dass er noch ein junger Engel ist. Was wird gesagt? 200 Jahre wird es ja alt. Genau, 200 irgendwas. Ja.
Johannes Franke: Er hat ja auch seine Flügel noch nicht und so weiter.
Florian Bayer: Er hat seine Flügel noch nicht. Er weiß noch nicht so viel darüber. Und Henry Travers spielt den. Henry Travers ist da schon relativ alt, dass er das spielt. Der ist 1874 geboren. Aber er sieht schon so ein bisschen aus wie so eine Schnapstrossel, oder?
Johannes Franke: Wie so ein Tatterkreis auch ein bisschen. Ja, für Tatterkreis ist er nicht abgemagert genug. Ich finde, er hat ein bisschen was von Joe Biden.
Florian Bayer: Echt? Von Joe Biden? Ja, ich finde schon so. Naja, auf jeden Fall spielt er das wirklich süß und wirklich witzig. Und es ist einfach eine tolle Figur.
Johannes Franke: Ja, ich finde die Methode gut, wie er ihn rettet. Ich finde das kleines bisschen arg an diesem Geist des Christmas Present. Und so diese Weihnachtsgeschichte, die da einfach drinsteckt, wie du am Anfang gesagt hast. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Florian Bayer: Im zerblätterten Leichnam von Citizen Kane, um das noch einmal zu betonen.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen durchschaubar auch und vielleicht ein kleines bisschen zu flach. Aber es ist so effizient erzählt, dass ich das voll abnehme.
Florian Bayer: Vielleicht brauchst du auch ein bisschen Flachheit für die große, wesentliche Botschaft des Lebens. Die im deutschen Titel tatsächlich noch ein bisschen treffender formuliert ist, weil sie allgemeiner ist, ist das Leben nicht schön. Ich glaube, damit können wir wechseln zu unseren Top-Listen.
Johannes Franke: Oh, unsere Top 3. Wir hätten eine Top-3-Liste, ist das Leben nicht schön. Ist das eine Frage, die beantwortet werden soll durch die Filme? Ich hätte jetzt wunderbar in die Destruktive gehen können. Nein. Nein, ist es nicht. Aber das habe ich nicht gemacht.
Florian Bayer: Wenn du die Frage so stellst, mit der Verneinung drin, ist das Leben nicht schön, dann ist das so eindeutig positiv zu beantworten. Wenn nicht, hast du ernsthafte Probleme. Okay, gut. Gott sei Dank habe ich keine negativen Filme drin. Und ich mag ja Filme, die düster sind, die tragisch sind und die auch wirklich schwer sind. Aber ich stehe voll drauf, wenn Filme auch einfach mal nur das Leben abfeiern. Ja. Und ich stehe auch auf diese Kitschnudeln von Filmen. Und ich mag das. Ich mag auch viel Good Movies. Es gibt so einige, die ich jetzt nicht, die ich nicht drin habe in der Liste, die ich als Honorable Mansions noch raushauen könnte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo bestimmt auch einige Guilty Pleasures dabei sind, weil es wirklich flache, simple Filme sind. Ja. Aber ich stehe drauf, auch einfach mal was zu gucken, was sagt, ey, das Leben ist einfach nur schön. Genieße es.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der muss dann anfangen.
Johannes Franke: Ich muss anfangen. Du musst anfangen. Ah, shit. Ich hätte bei mir auf Platz drei die Farbeleife der Welt der Amelie. Natürlich. Er ist auch nur deswegen auf Platz drei und nicht höher, weil ich ihn einfach zu oft gesehen habe. Und man dann irgendwann so ein kleiner Sättigungseffekt dann doch eintritt. Ja, vielleicht. Aber das ist bei all diesen Filmen so. Man sieht sie und man denkt, oh. Ja, und ich glaube, das liegt größtenteils genau daran, an dieser Botschaft ist das Leben nicht schön. Man kann so viele kleine schöne Dinge, aber wenn man dann irgendwie 20.000 kleine schöne Dinge sieht, denkt man sich, ja, ja, ist ja okay, ist okay, kommen wir wieder zu wesentlichen Dingen des Lebens. Ich habe so Angst, die Plätze wegzunehmen.
Florian Bayer: Oh, okay. Aber ich glaube, mit allen dreien hätte ich die Chance dazu. Deswegen nehme ich jetzt einfach den, den ich tatsächlich auf der Drei habe und keine von den Honorable Mentions, die ich vielleicht gleich noch nenne. Everything, Everywhere, All at Once. Ah, fuck. Tut mir leid. Okay, kommt in meine Honorable Mentions. Ist in Ordnung. Aber scheiße. Haben wir besprochen, ist ein relativ junger Film. Großartig, der über Multi, der beste Multiversenfilm, der jemals gemacht wurde. Also Fuck You Spider-Man und Fuck You Doctor Strange und so weiter. Das ist der eigentliche Multiversenfilm, den ihr sehen müsst. Ja. Ganz, ganz, ganz fantastisch. Witzig, absurd, bizarr und eben auch ein Abfeiern des Lebens.
Johannes Franke: Ich befürchte, unsere Episode dazu ist ähnlich, ähnlich bizarr und durcheinander und von einem Thema zum nächsten. Schaut euch den Film an und dann hört in unsere Episode rein. So rum. Mein Platz zwei ist Boyhood. Oh, sehr schön. Den ich ja wirklich sehr mochte, den du vorgeschlagen hast damals und mit dem wir auch lange geredet haben. Der wirklich toll geworden ist. Ja, voll schön. Der auch einfach durch die Besonderheit der jahrelangen Dreharbeiten irgendwie ganz eigenen Charme hat. Ich finde es großartig. Ja, toll.
Florian Bayer: Sehr schön. Mein Film und es ist echt krass, dass ich gleich nochmal auf die zurückgreifen muss. Dieselben Regisseure wie Everything, Everywhere, All at Once. Nämlich die Daniels, Daniel Kwan und Daniel Scheinert haben im Jahr 2016 Swiss Army Man gemacht, der genau wie Everything, Everywhere, All at Once ein total absurder, bizarrer Film ist, der das Leben abfeiert. Ich habe ihn immer noch nicht gesehen. Eine Zombie-Geschichte, die erzählt, wie schön das Leben ist. Mit Daniel Radcliffe als Zombie, der die Schönheit des Lebens erklärt bekommt und gezeigt bekommt. Fantastisch, sehenswert, absolut.
Johannes Franke: Ich hätte auf Platz 1 einen Film, der auch so emotional irgendwie zwischendurch wird, den ich so toll fand. Soul. Oh ja. Ich habe hier fast nur Filme drin, die wir auch besprochen haben. Fabel of the world, der Amelie haben wir noch nicht besprochen. Ja, den müssen wir irgendwann mal noch machen. Der ist so ein Klassiker. Soul war wirklich großartig. Also wie der die Seele dieser Musik und dieses Lebens, dieses Mannes so eingefangen hat und der Wünsche und Träume, die er hatte und so. Das ist so toll. Einer der besten, besten Pixar-Filme, die es je gab. Ja. Ja.
Florian Bayer: Dann kann ich ja meine zwei Honorable Mentions raushauen, da die nicht in deiner Top 3 auftauchen. Harold und Mord. Ja, toller Film. Mord preist sehr viel das Leben an und abhiert sehr viel daran, das Leben zu genießen. Und Club der Totendichter mit dem Arschgeweih, der sind Sprüchen, Kappe, Diem. Aber ich mache Witze drüber, aber es ist wirklich auch ein ergreifender Film und ein Film, der sagt, das Leben ist schön.
Johannes Franke: Warum das Arschgeweih der Sprüche ist, könnt ihr in einer Episode hören. Wir haben darüber geredet. Club der Totendichter.
Florian Bayer: Mein Platz eins, es muss auch sein, es ist nicht sonderlich überraschend und auch nicht sonderlich originell, aber es ist ein Film, der das perfekt ausdrückt. American Beauty.
Johannes Franke: Ah, ja, ja. Ich habe gedacht, den reinzubringen, aber irgendwie, weiß ich nicht. Warum ist er nicht reingekommen, weil ich zu viel über Kevin Spacey nachgedacht habe.
Florian Bayer: Oh, das war nicht gut. Das sollte man nicht machen. Nein. American Beauty, ganz toller Film aus den 90ern. Sam Mendes, wir haben vor ein paar Episoden über einen aktuellen Sam Mendes Film gesprochen. Empire of Light, der übrigens auch in diese Liste passen würde. Das stimmt. Oh, ja. Und American Beauty ist vielleicht nicht so gut gealtert, den würde ich auch gerne nochmal sehen. Auch irgendwie, den muss ich dir irgendwann mal zuwerfen vielleicht. Ja, mach mal. Aber der sehr viele wirklich schöne, kitschige Momente hat und dabei vielleicht auch wirklich selbst so eine Kitchen Nudel ist, aber Schönheit sehr spannend erzählt.
Johannes Franke: Vielleicht noch ein, zwei Annual Mentions. Ich finde, dass French Dispatch, so verkopft er ist, irgendwie auf eine Wes Anderson Art auch dieses Thema hat. Weil es wirklich eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, an die kleinen Geschichten, an die kleinen Erlebnisse, die über die Erzählung dieser Zeitschrift, dieses Magazins French Dispatch erzählt werden. Das ist schon, ja, sweet einfach. Ich mag das sehr. Aber es passt nicht 100% Arsch auf einmal auf dieses Thema, deswegen habe ich es nicht mit reingenommen. Sonst ist es nämlich einer meiner absoluten Lieblingsfilme geworden. Und Groundhog Day hätte ich gerne noch drin. Oh, ja? Ja. Ja, für die kleinen Dinge. Ja.
Florian Bayer: Wenn sich der Tag Millionen Mal wiederholt.
Johannes Franke: Und man dann irgendwie versucht, den perfekten Tag zu kreieren, aber der perfekte Tag eigentlich erst, oder das wundervolle Leben erst entsteht, wenn man dann doch loslässt. Ja. Ja. Denn das ist es eigentlich, worum es an Weihnachten geht. Zurück in den Film, bitte. Das war unsere Top 3. Johannes, bist du jetzt in Weihnachtsstimmung? Ich muss ja gestehen, dass diese drei Jahre, die wir jetzt über Weihnachten reden, ich mehr über Weihnachten nachgedacht habe und über Weihnachtsgefühle in mir selbst nachdenken musste, als je in meinem Leben zuvor. Und ich einfach über die Jahre mehr und mehr verstehe, dass mein Zynismus dazu mich eigentlich nur rettet, davor overly emotional zu werden. Und deswegen werde ich diesen Zynismus einfach nur eine Weile kultivieren, damit ich nicht zu sehr abrutsche in eine Emotionalität, die mich vielleicht einfach zu sehr fertig machen würde. Ich hoffe, dass das, was dieser Film andeutet, das in Menschen steckt, wirklich in Menschen steckt. Das Problem ist natürlich, dass der Film das so auf Elf dreht, dass man dem nicht wirklich glauben kann. Dass man nicht glauben kann, dass wirklich die ganze Stadt kommt und dem Geld hinwirft. Und deswegen auch ein kleines bisschen die Botschaft fast schwächer wird. Weil das ja nicht passiert, weil das so unrealistisch ist, dass man denkt, na gut, in dieser Welt kann das passieren, aber in unserer Welt hat das nichts zu suchen. In unserer Welt sind die Menschen nicht so. Ist das so? Ist das nicht so? Wahrscheinlich eine Frage, die so alt ist wie die Welt. Also insofern, das werden wir in dem Podcast jetzt nicht lösen.
Florian Bayer: Aber das Schöne ist ja tatsächlich, dass du die ganze Zeit sagst, dass du gegen das ganze Weihnachtszeug bist, während du diese Weihnachtssentimentalitäten viel mehr abfeierst als ich. Und viel mehr mitgehst. Eigentlich wärst du der perfekte Kandidat für so voll einmal den gesamten Dezember durch in Weihnachtsstimmung. Und ich liebe das Leben und ich liebe die Menschen und ich will, dass Menschen sich gegenseitig helfen und glücklich sind und Spaß zusammen haben. Das würde eigentlich voll zu dir passen. Deswegen ist diese Cringe-Rolle immer so irritierend für mich, weil du bist eigentlich der totale Typ für Weihnachtsfreude. Ich bin zu sentimental. Das ist das Problem. Okay, verstehe. Ja, ich mag diesen Film. Er hat so viele Schwächen. Ich finde, man kann ihn auch wunderbar zerreißen. Und ja, er ist auch irgendwie so ein absurder Bastard aus Citizen Kane und Christmas Carol. Aber er funktioniert an so vielen Stellen, dass das okay ist und es ist einfach ein essentieller Weihnachtsfilm. Es gibt nicht viele gute Weihnachtsfilme. Es gibt wirklich keinen einzigen Weihnachtsfilm, wo ich sagen würde, der ist fehlerfrei.
Johannes Franke: Wir haben jetzt auf unserer Liste auf jeden Fall den Grinch, den ich absolut fehlerfrei, also das müsst ihr reinhören. Plur ist nicht der Meinung, aber ich bin absolut der Meinung, dass der Grinch mit Jim Carrey absolut fehlerfrei ist. Das ist wirklich a bold statement. Das stimmt auch nicht. Aber Christmas Carol aus den, ich weiß nicht, es gab einen Christmas Carol. Muppets, Muppets, Muppets, immer Muppets. Und Kevin Allein zu Hause ist auch absolut, das haben wir jetzt einfach letzte Woche festgestellt. Bitte. Großartig. Mir ist egal, was du dazu meinst, Flor. Ich finde, das sind die Filme, die wir auf jeden Fall hinhängen müssen. Und Gremlins kann man eigentlich das ganze Jahr über sehen. So, so stark ist das kein Weihnachtsfilm.
Florian Bayer: Aber Gremlins ist der Film, der am ehesten das Ausdruck, worum es an Weihnachten geht, nämlich wirklich böse Party feiern, hart feiern. Also feiert hart, seid sentimental, seid nett zu anderen, schenkt euch reichlich, esst ordentlich, habt einfach Freude mit eurer Familie, euren Freunden oder auch nur für euch, keine Ahnung, wie ihr es am liebsten habt.
Johannes Franke: Ja, scheut euch nicht davor auch zu sagen, ich kann dieses Jahr nicht 24 Stunden mit meiner Familie zusammen sein. Sagt auch einfach mal, ich brauche mal auch ein bisschen Zeit für mich. Ja.
Florian Bayer: Und ansonsten euch wirklich schöne, schöne, entspannte Weihnachtsfeiertage und wir hören uns dann noch einmal vorm neuen Jahr mit unserer letzten Dezember-Episode. Oh Gott, ich bin gespannt, was mir da noch einfällt. Ich auch. Wenn ihr wissen wollt, was in dieser letzten Dezember-Episode auf mich zukommt, ob es ein Weihnachtsfilm ist oder Johannes irgendwas zwischen Weihnachten und Silvester findet oder sagt, leck mich und mir irgendwas ganz anderes gibt, müsst ihr noch kurz dranbleiben. Wir verabschieden euch mit Johannes' schönsten Melodien aus der Weihnachtszeit, Stille Nacht, Heilige Nacht, Jingle Bells und The Little Drummer Boy. Warum? Quatschst du mich da rein? Ich bin auf der Ukulele von Johannes Franke. Du mich auch, Plor. Hört es euch irgendwo im Internet an. Ho, ho, ho. Oder besser tut es nicht. Also, auf ein dreifaches Ho, ho, ho, ho. Jeha. Wir sehen uns. Jeha bis. Wir hören uns. Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Plor, wir machen das ganz anderes. Ich, äh, wir hatten ja eigentlich einen anderen Plan, aber wir haben gerade in den Kalender reingeschaut und festgestellt, wir haben uns ein bisschen verzählt. Wir haben eine Lücke, die wir schließen müssen. Ah, ich wollte eigentlich. Wir brauchen einen Weihnachtsfilm. Ja, nächste Woche wollte ich eigentlich schon in den Silvesterfilm gehen.
Florian Bayer: Ja, und ich habe jetzt, und ich glaube, wenn ihr diese Episode fertig gehört habt, haben wir euch schon gesagt, ja, das ist die letzte Episode vor Weihnachten. Feiert schön, habt viel Spaß mit eurer Familie. Aber Quatsch. Nein, es gibt noch was vor Weihnachten. Es gibt noch eine weitere Weihnachtsepisode und es freut mich so sehr, weil Weihnachten kann man gar nicht genug feiern. Ich mache, ich gebe dir die Schuld, Plor. Du hast nicht richtig in den Kalender geguckt. Ich habe mich darauf verlassen, dass das alles stimmt. Volle Absicht. Aber dafür haben wir jetzt noch einmal auf Record kurz drüber geredet und gesagt, wir brauchen irgendeinen Weihnachtsfilm und haben verzweifelt geguckt, was gibt es für gute Weihnachtsfilme. Und es gibt keine guten Weihnachtsfilme, haben wir ja schon festgestellt ein paar Mal.
Johannes Franke: Das haben wir schon längst festgestellt. Es gibt auch kein gutes Weihnachten, aber dementsprechend auch keine gute Weihnachtsfilme, außer Kevin allein zu Hause.
Florian Bayer: Genau. Wir wollen noch einmal richtig Spaß haben vor Weihnachten, haben wir gesagt. Und wir wollen Weihnachten, wenn wir nichts Gutes finden, dann haben wir halt Spaß mit Trash. Und ich weiß gar nicht, kennst du den? Nein. Du kennst ihn nicht. Ich kenne ihn nämlich, aber es ist wirklich Trash. Ja, natürlich. Du hast ihn gesehen? Die Leute wissen immer noch nicht, um welche Filme es geht. Wir gucken nächste Woche das Star Wars Holiday Special. Ja, es wird so dämlich. Es ist unser erster Star Wars Film, den wir besprechen. George Lucas, der noch nicht im Grab liegt, wird trotzdem in seinem Grab rotieren. Ich stelle mir so eine große rote Schleife um ein Laserschwert vor. Es ist irgendwie dämlich. Also wir verabschieden euch jetzt, wie ihr wahrscheinlich schon feststellten, nicht ins Weihnachtsfest, sondern ihr kriegt nächste Woche vor Weihnachten, und zwar wirklich knapp vor Weihnachten, kriegt ihr noch eine Episode von uns, wo wir noch einmal richtig schön albern Weihnachten feiern, und zwar mit dem Star Wars Weihnachts-Special. Und ich glaube, das wurde auch nie ins Deutsche synchronisiert, und ich hoffe, man findet es irgendwo online. Weil George Lucas hat sich für diesen Film geschämt. Hat er sich entschuldigt? Oder ist es nur so, ja, hätte ich vielleicht nicht machen sollen? Ich glaube, also ich gehe davon aus, ich glaube, er hat ihn versucht wegzusperren, dass das Ding nie wieder gezeigt wird. Wohlgemerkt, wir reden von George Lucas, der die Prequel-Trilogie verbrochen hat. Dem nichts zu seltsam war. Naja, gut, okay. Wir gucken nächste Woche das Star Wars Holiday-Special. Ich empfehle euch, tut das auch für nächste Woche. Ja. Und wir werden einfach enorm viel Spaß mit einer Menge Trash haben.
Johannes Franke: Oh Gott. Ich freue mich so drauf. Okay, bis dann.
Florian Bayer: Bis dann, ciao.
