Episode 163: Mein Name ist Nobody – Terrence Hill zertrümmert den Italowestern
Warum uns unser Publikum immer wieder Western- und im besonderen Italowestern aufs Auge drückt? Das werden wir wohl nie verstehen. Dieses Mal sind wir aber extrem dankbar für die Filmempfehlung von außerhalb. Denn hinter der Fassade eines prügelfreudigen Klamaukwesterns verbirgt sich eine erstaunlich clevere Auseinandersetzung mit dem Genre.
Wir reden über Sergio Leone und die Western made in Europe, über Terrence Hill – und ja, auch ein bisschen über Bud Spencer. Wir fragen uns, was einen guten Western ausmacht, und auch, was die Europäer zumindest in dieser Zeit vielleicht den Amerikanern voraushatten. Und natürlich vergleichen wir auch die deutsche Synchronisation mit den Intentionen des Originals, auch mit der Frage, welche Version die überzeugendere ist.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 163: Mein Name ist Nobody – Terrence Hill zertrümmert den Italowestern Publishing Date: 2024-02-14T13:14:29+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/02/14/episode-163-mein-name-ist-nobody-terrence-hill-zertruemmert-den-italowestern/
Johannes Franke: Wenn ich Valeri wäre, dann wäre ich sowas von beleidigt. Ich würde ihm sowas von den Kopf abreißen für diese Synchro. Aber als unbeteiligter Zuschauer kann ich Spaß haben. Nach der Deutschen habe ich dann in die Englische geguckt und habe dann festgestellt, oh, ich verstehe plötzlich das, ich verstehe plötzlich das. Und ich habe plötzlich einen Western vor mir.
Florian Bayer: Liebes Publikum, wenn ich euch jetzt sage, dass wir heute über den großen Klassiker Il mio nome è nessuno von Tonino Vajeri in der Hauptrolle Mario Matteo Cirotti reden, dann habt ihr keine Ahnung, welchen Film ich meine.
Johannes Franke: Das ist gemein. Jetzt sind die meisten schon so verwirrt, dass sie sich wieder abschalten, weil sie denken, oh, falscher Film.
Florian Bayer: Das Problem ist allerdings, wir sind ein Podcast, das heißt, ihr habt den Titel gelesen und den angeklickt. Und weil wir so Clickbait hier sind, wird in diesem Titel stehen, My Name is Nobody, beziehungsweise wahrscheinlich Mein Name ist Nobody, mit Terrence Hill.
Johannes Franke: Yes, und Henry Fonda, den gut die meisten heutzutage vielleicht nicht mehr so kennen. Aber er war mal ein riesiger Star.
Florian Bayer: Er war ein riesiger Westernheld und er wird hier in diesem Film im wahrsten Sinne des Wortes zu Grabe getragen.
Johannes Franke: Ja, und besungen.
Florian Bayer: Und besungen. Er hat eigentlich seine große Abschiedsvorstellung. Ja, wir reden über My Name... Ach. Ich sage immer den englischen Titel dabei, also entweder den italienischen oder den deutschen, weil alle unsere Zuhörenden kennen ihn unter dem deutschen Titel. Mein Name ist Nobody war ein riesiger Erfolg in Deutschland.
Johannes Franke: Oh mein Gott, war das ein riesiger Erfolg.
Florian Bayer: Im Gegensatz zu Amerika, wo die Italo-Western teilweise, also in den 60ern auch schon erfolgreich waren, aber dann ab einem gewissen Punkt auch ziemlich gefloppt sind. Und wo vor allem die Terrence Hill und Bud Spencer Filme nie so richtig Anklang gefunden haben. Die waren einfach internationale Hits, allen voran Deutschland und Italien.
Johannes Franke: Und Italien, ja, ja. Also der war der drittgrößte Film in diesem Jahr in Italien.
Florian Bayer: Das Herkunftsland, irgendwie auch logisch. Aber in Deutschland eben auch riesige Hits. Und jeder, der zu unserer Generation gehört und wahrscheinlich auch eine Generation früher und eine Generation später, wird den einen oder anderen Bud Spencer und Terrence Hill Film gesehen haben. Wir hatten auch tatsächlich schon mal... öfter drüber geredet, zumindest so off-record, dass wir irgendwie mal Bud Spencer und Tyrone Zill machen wollen, weil wir beide damit groß geworden sind. Jetzt kam aber ein Publikumswunsch rein.
Johannes Franke: Genau, wir konnten uns gar nicht gegenseitig was in den Kopf holzen, wie wir das sonst machen, sondern wir wurden vom Publikum gezwungen, in guter Manier, die wir uns gegenseitig sonst immer geben.
Florian Bayer: Hanji hat gesagt, hab euer Podcast entdeckt, macht viel Freude, euch zuzuhören. Vielen Dank. Vielen Dank, Hanji, für dieses tolle Feedback. Dann nehmen wir doch auch gerne deinen Filmvorschlag, nämlich Mein Name ist Nobody.
Johannes Franke: Und ich bin sehr gespannt. Und eigentlich würde ich gerne... oder ins Gespräch kommen oder sowas, weil ich gerne wüsste, aus welcher Warte heraus kommt dieser Vorschlag. Ja,
Florian Bayer: es ist also wohlgemerkt, wir haben jetzt so 200 Episoden und es ist der zweite Italo-Western, den wir besprechen.
Johannes Franke: Naja, wir sind also nicht die großen Western-Fans oder ich weiß nicht, Western-Experten, sagen wir es so.
Florian Bayer: Der erste Italo-Western, den wir besprochen haben, das war auch ein Publikumsvorschlag. Genau. Johannes, was ist das? Warum werfen uns Leute, die uns gerne hören? Western und dann auch noch Italo-Western zu.
Johannes Franke: Vielleicht immer so eine Ausstrahlung. Wir beide. Ich habe auch immer so das Gefühl, dass zwischen uns so ein Western stattfindet. Egal, was wir besprechen, Flor.
Florian Bayer: Naja, was zu Italo-Western ja dazugehört, ist, dass sie sehr schweigsam sind, die Protagonisten. Und ich finde jetzt, wenn man unseren Podcast hört, nimmt man uns nicht als besonders schweigsamer.
Johannes Franke: Ich habe aber trotzdem oft das Gefühl, dass wir in so ultra Nahaufnahmen sind. Also das ist deine Augen gegen meine Augen geschnitten und dann so ein böser Blick.
Florian Bayer: Wir haben unsere Filme in der Hand, bereit zu ziehen. Ich ziehe mit das siebte Siegel.
Johannes Franke: Oh nein, ich ziehe mit Singing in the Rain. Und wer gewinnt?
Florian Bayer: Singing in the Rain. Und auf dem Boden. Genau, aber ich finde es großartig, weil ich kenne mich mit Western echt nicht. gut aus. Das muss ich gleich so dazu sagen, das ist der große Disclaimer für diese Episode. Ich kenne ein paar Italo-Western, aber ich kenne halt wirklich nur die Italo-Western, die man kennt, weil sie von Sergio Leone sind, der hier auch eine Rolle spielt, auf den wir noch zu sprechen kommen. Aber ich kenne halt seine Filme. Ich kenne halt Für eine Handvoll Dollar und spiel mir das Lied vom Tod und dann hört es schon langsam auf.
Johannes Franke: Ich habe genau das gleiche Problem und deswegen bin ich umso dankbarer für diesen wahnsinnig guten Vorschlag, was ich nicht... beim Lesen des Vorschlags als wirklich wahnsinnig guten Vorschlag identifiziert habe, muss ich sagen. Aber als ich den Film gesehen habe und mich darüber informiert habe, habe ich festgestellt, wow. Da sind mehrere Layer, die man gut auspacken kann und darüber reden kann. Ich finde es großartig.
Florian Bayer: Total, es ist super spannend. Ich freue mich auch absolut über diesen Film zu reden. Ich habe den als Kind irgendwie mal gesehen. Ich hatte den so halb im Gedächtnis. Und Terrence Hill, der halt einfach schick aussieht und witzig ist. Aber ich hatte keine Erinnerung mehr dran. Und es ist ja eigentlich so eine klassische Western-Handlung. Und wenn man ihn dann sieht, denkt man, ah ja, okay, diese Tropes und diese Klischees kenne ich. Aber sie werden in mehrfacher Hinsicht hier gebrochen, persifliert. Und ich glaube, wenn man das historisch einordnet, kann man sagen, das ist auch so ein... Das ist die Geburt der Western-Parodie, die eine Antwort ist auf das Ende des Italo-Westerns. Ja,
Johannes Franke: sagen wir mal so. Jedes Genre, wenn es in der Form parodiert wird, darf gerne zu Grabe getragen werden. Man hat so das Gefühl, okay, das ist so die Endphase, dass der Dolchstoß kommt kurz vorher und dann das Fallen des toten Körpers fällt genau in dieses Parodie-Genre hinein.
Florian Bayer: Und dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht gehen wir zur Beerdigung. Und das macht genau dieser Film auf eine ganz tolle Weise. Wir haben ein kleines Synchronisationsproblem. Wir wollten ihn im Original gucken. Wir haben ihn beide nicht im Original gefunden.
Johannes Franke: Nicht gefunden. Warum kann man denn nicht auf Italienisch irgendwo gucken? Wenn ich ihn irgendwo suche, wird einem das englische Original vorgeschlagen, wo ich denke, what? Moment, Original? Und dann habe ich mir den auf Englisch angeschaut und habe gedacht, ah ja, Henry Fonda wirkt sehr lippensynchron. Also wird es wohl das Original sein. Aber nein, natürlich nicht. Das ist ja ein italienischer Western. Ja.
Florian Bayer: Originalsprache ist Italienisch. Ich habe ihn auch nicht auf Italienisch gefunden. Ich habe ihn dann aber auch auf Englisch geguckt und das ist ganz spannend, weil ich glaube, die Unterschiede zwischen der englischen und der deutschen Synchro sind wahrscheinlich ähnlich wie die Unterschiede zwischen der italienischen und deutschen Synchro.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Und so im Zweifel würde ich jetzt mal behaupten, wir arbeiten damit einfach. Wir sagen, die englische Version ist das, was im Original auch intendiert war und wir vergleichen das auch so ein bisschen mit dem, was das Deutsche draus macht. Das Deutsche macht nämlich das, was sie viel gemacht haben mit Terrence Hill und vor allem mit Bud Spencer und Terrence Hill-Filmen. Sie setzen noch eine ganze Schippe drauf aus Karlauhausen oder wie auch immer man das nennen will. Aus Karlau. Es gibt Karlau. Aus Karlau. Kommt da eine Menge dazu.
Johannes Franke: Es gibt ja, was ja interessant daran ist, ist, dass es eine Koproduktion Italien, Deutschland und Frankreich ist. Ja. Sodass Deutschland durchaus einen großen Anteil daran hat. Terrence Hill hat auch Vorfahren in Deutschland. Die Mutter ist eigentlich Deutsche gewesen.
Florian Bayer: Terrence Hill kann perfekt Deutsch sprechen.
Johannes Franke: Terrence Hill kann perfekt Deutsch sprechen. Und Rainer Brandt, der das Synchronbuch hat. für diesen Film gemacht hat, dessen Texte wir im Deutschen hören, steht im Vorspann als Drehbuchautor mit drin. Ja,
Florian Bayer: ist das nicht schräg?
Johannes Franke: Was ich so schräg finde. What the fuck?
Florian Bayer: Also es gibt viel, worüber wir reden müssen in dieser Episode. Das mit der Co-Produktion würde ich gleich mal als Anlass nehmen, um ganz kurz was zum Italo-Western zu sagen.
Johannes Franke: Klugscheißen mit Plor.
Florian Bayer: Das war nämlich üblich damals. Das Deutschland mitproduziert, das haben wir, und da das Italien mitproduziert. Wir haben jetzt 1000 Western aus dieser Zeit. Die Europäer haben angefangen in den 60ern Western zu machen. Und ich empfehle so gerne andere Podcasts. Das mache ich auch an dieser Stelle. Ich habe nämlich nochmal als Vorbereitung gehört. Es gibt einen Western-Podcast.
Johannes Franke: Wenn wir gerade so gemütlich drauf sind, möchtest du Tee, Floor?
Florian Bayer: Sehr gerne. Bitte. Einen deutschsprachigen Western-Podcast. Der heißt Western Unchained. Und die haben eine Doppelfolge gemacht zur Geschichte des Westerns. Und es ist eine ganz tolle Episode. Ich habe sie noch nicht ganz gehört. Ich habe jetzt vor allem aus der Zeit gehört, die mich interessiert hat. Nämlich die Zeit, in der der Italo-Western entstanden ist. Aber Sebastian Gerstel und Jörg Brühmann haben zwei ganz tolle Folgen zur Geschichte des Westerns. Und die machen offensichtlich noch ganz viel anderes zum Wilden Westen, zu Legenden und Klischees und Realität. Und hört da auf jeden Fall rein. Western Unchained. Großartiger Podcast. Und da ich den gehört habe und auch. ein bisschen weiter gelesen habe, kann ich jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, was das mit dem Italo-Western war. Das Ding war einfach, in den 50ern hat der amerikanische Western war so ein bisschen auf dem absteigenden Ast, weil nicht mehr viel fürs Kino produziert wurde, Western, sondern fürs Fernsehen. Fernsehen ist groß geworden und das, was Western in den Ende der 50er war, in Amerika, waren die großen Western-Serien, nämlich Bonanza.
Johannes Franke: Aber ich verstehe es nicht. Du hast doch ein Western gedreht, damit der auf... Breit, breit, breit Bild im Kino läuft.
Florian Bayer: Damals noch nicht.
Johannes Franke: Ja, aber doch, du hast doch auch damals, als du die Western gemacht hast, hast du Weitwinkel objektiv drauf geschaut. Hast wirklich drauf geachtet, dass die ganze Landschaft in seiner ganzen Größe zu sehen ist. Und dann für ein kleines Fernsehbild zu drehen, finde ich sehr seltsam.
Florian Bayer: Damals war halt Fernsehen der heiße Scheiß. Die hatten ja auch wirklich Angst, dass das Kino stirbt wegen Fernsehen. Es sah zu der Zeit so ein bisschen danach aus, als würde Fernsehen einfach Kino ablösen. Als wäre das das Ende der großen Lichtspielhäuser.
Johannes Franke: Es gab so viele Proteste.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Die Amerikaner haben Western fürs Fernsehen gedreht und in Amerika sind Western in den Kinos auch tatsächlich gefloppt. Einer der großen Filme, der damals gefloppt ist, war die Chlorreichen 7 aus dem Jahr 1960.
Johannes Franke: Wieso ist der gefloppt?
Florian Bayer: Der war zu düster und zu brutal. Krass. Wir kommen jetzt nämlich gleich in den Sprung zum Italo-Western. Das Ding ist, die Europäer haben ihre Western geliebt. Die Deutschen, die Italiener, die Franzosen, die haben alle unglaublich gerne Western geguckt. Made in USA. Plötzlich gab es die nicht mehr. Dann haben sie gesagt, okay, wir müssen unsere eigenen Western machen. Und daraus sind so diese zwei großen Schulen eigentlich entstanden. Und zwar zum einen der deutsche Karl-May-Film und zum anderen der Italo-Western. Und die Europäer hatten halt nicht die Budgets wie Amerika, aber hatten natürlich dieselben Ambitionen wie in den großen Western. Wenn du drehst, willst du coole Stunts haben, willst du tolle Action, willst du schöne Bilder, du hast gesagt Breitband, du willst die große Prärie sehen und so weiter. Mit dem Ergebnis, dass sie zum einen in Kroatien, Spanien und so weiter gedreht haben, wo es am amerikanischsten aussieht. Und zum anderen mit dem Ergebnis, dass sie immer zusammengearbeitet haben. Für eine Handvoll Dollar. Der große Sergio Leone Western ist eine Koproduktion aus Italien, Spanien, Deutschland. Die ganzen Karl May Filme, alle Koproduktionen. Deutschland hängt drin, Frankreich, also Deutschland natürlich so federführend, Frankreich, Italien und so weiter.
Johannes Franke: Also sind das die Ursprünge von Fangeschichten? So Fanboys, die sagen, ich will die Geschichte weiter.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen, aber auch ich will sie anders erzählen. Also Halmai-Western sind ja vom Pathos und so noch sehr stark orientiert an diesen amerikanischen Klischees. Aber die Italo-Western räumen dann ja sehr damit auf und orientieren sich eben vor allem an diesem Film, an den Chlorreichen Sieben. Und diese Italo-Western sind Anfang der 60er Jahre entstanden und der größte Name ist dann natürlich Sergio Leone. Und das ist auch der einzige Name, den ich wirklich kenne. Für einen Hartford-Dollar aus dem Jahr 1964 und dann in loser Folge verschiedene Filme, die Fortsetzung für ein paar Dollar mehr. Der dritte Teil, zwei chlorreiche Halunken, Good, Bad and the Ugly, der glaube ich so mit seinem bekanntester Film ist. Neben Spiel mir das Lied vom Tod, sein großes Epos. Aber neben diesen großen Sergio Leone Filmen, die dann auch im... Amerika Anklang gefunden haben, gab es eben zahllose B-Movies. Diese ganzen Django-Filme, diese ganzen Filme, die irgendwie Abwandlungen sind vom Titel für eine Handvoll Dollar, die dann sowas haben wie für eine Handvoll Blei und so weiter. Unzählige Filme und das war auch so der Moment, so ein bisschen der Selbstkannibalisierung von dem Italo-Western. Also der Italo-Western hat einfach unfassbar viel produziert, fast nur in Europa. Also auch Sergio Leone hat ganz viel in Europa gedreht. Und irgendwann gab es dann so einen Übertrust. Die sind teilweise in den USA gut angekommen, auch weil sie sich immer darum bemüht haben, amerikanische Darsteller zu finden. Jeder Italo-Western hat amerikanische Darsteller. Und Funfact auch aus dem Western-Podcast. Wirklich, Leute, hört da rein. Clint Eastwood ist ja bekannt geworden als der schweigsame, einsame Kerl, der in die Stadt kommt und niemand weiß, was er will, weil er so wenig redet. Der redet so wenig, weil er kein Wort Italienisch kann. Der hat im Original für eine Handvoll Dollar, der natürlich italienisch ist, hat er seinen Text auf Englisch gesprochen. Dann haben die den so knapp wie möglich gehalten, dass er irgendwie klarkommt.
Johannes Franke: Ich finde das ein super Funfact. Das ist total süß, weil das überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was der Filmemacher vielleicht ursprünglich mal wollte, aber dann so ikonisch geworden ist und zu dem Ding, was die Filme ausmacht. Der schweigsame Held.
Florian Bayer: Das ist ganz wichtig für die Italo-Western, dass halt immer, zumindest in den großen, dass halt immer zumindest ein Amerikaner irgendwie reinkommt. Die Deutschen haben es genauso gemacht. Karl May, Lex Barker. In den Karl May-Filmen spielt Lex Barker den Orchata Hand und diverse andere Rollen. Es war gut, einen Amerikaner drin zu haben. Und Henry Fonda haben sie eine ganze Zeit lang nicht gekriegt. Den wollte Sergio Leone eigentlich haben, weil der war ein Westernheld seit den 50ern. Der war ein großer Western-Darsteller. da schon zum alten Eisen gehört. Und dann haben die Amerikaner aber auch wieder angefangen, Western zu produzieren, weil sie natürlich Angst hatten, dass ihnen ihr Genre weggenommen wird. Das heißt, die 60er waren irgendwie so eine große Blütezeit des Genres, wo viele neue Western rauskamen und wo vor allem altgediente Westernhelden wie John Wayne und Henry Fonda, die mittlerweile schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatten, ihre Spätwerke gedreht haben, die dann auch so ein bisschen grimmiger waren, ein bisschen... düsterer und so ein bisschen mehr schon abgesang auf das Genre. Also wir hatten diesen seltsamen Moment, dass es unglaublich viele Western gibt Ende der 60er, Anfang der 70er und das Genre gleichzeitig aber irgendwie stirbt und alle sagen, das Genre ist tot. Was ist das? Das ist ein riesiger Wulst an Filmen und man muss ewig suchen, bis man die zwei, drei wirklich guten Filme herauspicken kann. Und in dieser Zeit fällt dann auch ein, naja man kann das nicht anders sagen, ein Italo-Western-Spätwerk. Das so ein bisschen den Übergang kennzeichnet von den ernsten, dreckigen Italo-Western wie für eine Handvoll Dollar, hin zu dem letzten, was dann übrig war am Schluss, nämlich den albernen Western-Komödien mit Bud Spencer und Terrence Hill.
Johannes Franke: Du hast jetzt gar nicht, und das kommt ja im Film durchaus so ein bisschen angeteasert mit vor, Peckinpah angeteasert und The Wild Bunch.
Florian Bayer: Der gehört zu den großen Amerikanern, die... inspiriert waren von den Italienern.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die dann Ende der 60er ziemlich brutale, düstere Western gemacht haben. The Wild Bunch hatte den Ruf, einer der brutalsten Filme der damaligen Zeit zu sein.
Johannes Franke: Unglaublich. Ich habe ihn nicht gesehen, aber der Ruf heilt ihn voraus. New Hollywood. Muss ein sehr guter Film sein. War erfolgreich. Und wird ja nicht umsonst hier auch irgendwie zitiert mit der wilden Horde. die dort auftaucht.
Florian Bayer: Wild Bunch im Englischen.
Johannes Franke: Wild Bunch im Englischen.
Florian Bayer: Und Sam Peckinpah wird auch, sein Grab wird gezeigt.
Johannes Franke: Das finde ich total geil, dass das Grab von Peckinpah da einfach mal auftaucht in dieser Szene, wo die Ureinwohner da trauern.
Florian Bayer: Sergio Leone wollte mit Peckinpah zusammenarbeiten, in früher.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der wollte nicht. Der hat gesagt, mit so einem italienischen B-Regisseur will ich nichts zu tun haben.
Johannes Franke: Oh, das ist ungewaltig.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich hat er es nicht so wörtlich gesagt, aber genau. Sergio Leone fand Peckinpah total cool und Peckinpah war aber offensichtlich nicht so von Sergio Leone begeistert.
Johannes Franke: Okay, ist das vielleicht eine Dynamik, die wir in diesem Film auch wieder sehen?
Florian Bayer: Ja, ich glaube schon. Wir haben Sergio Leone in diesem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sergio Leone präsentiert. Die Idee ist von ihm und offensichtlich auch... ein bisschen Regiearbeit ist von ihm. Ja,
Johannes Franke: aber wir wissen ja nicht, wie viel. Wir können das mal auseinandernehmen, aber ich glaube, wir werden kein Urteil darüber fällen können, was er alles gedreht und was er dem eigentlichen Regisseur überlassen hat.
Florian Bayer: An Tonino Valeri, der auch nicht so begeistert war von Sergio Leone. Also Sergio Leone offensichtlich grundsätzlich anstrengend.
Johannes Franke: Ja, und Tonino Valeri wurde ja gewarnt. von seinen Freunden. Lass Sergio Leone nicht eine einzige Szene drehen, sonst nimmt er das ganze Ding an sich und veröffentlicht es, als wäre er der Regisseur gewesen. Das so konkret ist die Warnung gewesen.
Florian Bayer: Was ich ja wirklich geil finde. Wir kennen Sergio Leone. Du hast ja auch ein bisschen was von Sergio Leone gesehen.
Johannes Franke: Ja, bestimmt. Ich weiß es aber alles nicht genau, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich finde, man guckt diesen Film und weiß einfach nur, Sergio Leone hängt da auch mit drin. Hat er offensichtlich auch ein bisschen richtig geführt. Sieht diesen Film und denkt, okay, ganz klar, ich weiß, was von Sergio Leone ist. Weil ich weiß, wie ich mir das Lied vom Todes, ich weiß, dass der auf diesen düsteren, dreckigen Kratos steht.
Johannes Franke: Aber das stimmt gar nicht.
Florian Bayer: Sergio Leone hat die albernsten Szenen des Films gedreht.
Johannes Franke: Das ist das Krasse daran. Aber woran ich es erkennen würde, glaube ich, jetzt wird es absurd. Ich glaube an der Schauspielleistung von Terrence Hill kann ich es erkennen.
Florian Bayer: Okay, willst du es jetzt schon mal ausbreiten und wir merken uns für später?
Johannes Franke: Also ich kann dir jetzt nicht alle Szenen nennen, aber eine der wichtigsten Szenen, glaube ich, in denen Terrence Hill nicht rausholen kann, was er eigentlich kann, ist die Szene in der Bar. Und die Barszene ist angeblich für Sergio Leone gedreht worden. Und in der Barszene, finde ich, macht er... so viel Klamauk ohne Unterbau seine Grimasse. Also es gibt so viele Szenen in diesem Film, wo er irgendwelche Grimassen zieht. Die haben alle einen Unterbau. Die haben alle eine Grundlage, eine Motivation, warum er diese Grimassen zieht. Und hier spüre ich kein einziges Gefühl von Terrence Hill. Der macht einfach nur mechanisch das, was der Regisseur gesagt hat. Uh,
Florian Bayer: interessant. Und Sergio Leone war offensichtlich, wenn man seinen Zeitgenossen glaubt, war das so ein Perfektionist, der alles im Griff haben wollte und der nicht unbedingt so ein Fan davon war, wenn seine Schauspieler zu viel improvisieren, würde deinen Punkt unterstreichen, dass Terrence Hill in dem Moment einfach nichts machen konnte, nichts machen durfte.
Johannes Franke: Ja, und dann einfach gesagt hat, okay, ich mach jetzt, was du willst, aber ich hab da keine Grundlage für, weil ich das anders vorbereitet habe, zum Beispiel. Das kenne ich als Schauspieler halt auch.
Florian Bayer: Das ist hart.
Johannes Franke: Dann kommst du ans Set und hast was vorbereitet und der Regisseur sagt, nee, ich will es ganz anders. Und dann aber auch auf eine Art und Weise, die sagt, lehn dich mal ein Stückchen weiter nach links oder lehn dich mal ein Stückchen weiter nach rechts oder hier mal den Mundwinkel weiter hoch oder sowas. Wo du denkst, das hat mit Schauspielführung nichts zu tun. Dann kannst du auch Knetfiguren in der Gegend rumschieben. Aber solche Regisseure gibt es halt auch, die einfach den Schauspieler als Knetfigur annehmen. Ich glaube,
Florian Bayer: es gibt auch welche, die das gut machen. Also ich würde es nicht gerne... Für einen Schauspieler ist es natürlich ätzend. Das ist klar. Wenn du Schauspieler bist, sagst du, ey, mein Job ist auch ein kreativer Job. Ja. Ich bin keine Marionette. Kann ich total nachvollziehen.
Johannes Franke: Was ich total in Ordnung finde, ist, wenn du ans Set kommst und was anderes vorbereitet hast und der Regisseur sagt, komm, lass uns mal noch über die Figur reden und über die Szene reden. Ob deine Motivation, die du dir überlegt hast, tatsächlich... gut in den Film passt. Lass uns mal, weil ich will eigentlich auf was anderes hinaus und das hast du vielleicht nicht im Drehbuch gelesen. Das ist vollkommen in Ordnung. Man muss auch komplett sich einmal drehen können, aber nicht so Knetfiguren-mäßig.
Florian Bayer: Das ist halt vielleicht die Frage, wie sich Regisseure selbst wahrnehmen. Ob sie sich als so klassischen Komponisten sehen und sagen, oder noch besser klassischen Dirigenten und sagen, ich sehe da und ich lenke das Orchester. Oder ob sie ein bisschen mehr Jazz sind und sagen, spiel mal ein bisschen frei und wir gucken, dass wir den Flow finden. dann zusammen funktionieren. Tonino Valeri selbst hat gesagt, dass Sergio Leone diese Saloon-Szene gedreht hat, die du gerade erwähnt hast. Und das ist wohl das, worauf sich alle einigen können, dass er da einen großen Part hatte. Also das können wir wohl glauben.
Johannes Franke: Ich glaube, er war krank. Also Valeri hatte eine Ohrenentzündung. Da war er eigentlich krank und dann hat Sergio Leone übernommen.
Florian Bayer: Dann zumindest den Anfang von diesem Rummel. Ja,
Johannes Franke: das könnte sein. Aber auch da fangen wir schon an, in die Gerüchte hineinzukommen.
Florian Bayer: Sind wir in die Gerüchte. Valeri, also der, würde ich mal sagen, vielleicht ein bisschen schon eher eine zuverlässige Quelle ist.
Johannes Franke: Ja, vielleicht, okay.
Florian Bayer: diese Szene, wo er diesem armen, armen Logomotivführer gegenübersteht, der nicht pinkeln kann.
Johannes Franke: Ja, stimmt, genau.
Florian Bayer: Und es sind so Urängste, die ich da habe, die da rauskommen. Ich kann nämlich nicht, Achtung, jetzt kommen wir zu unserem Psychotherapie-Podcast. Hilf mir bitte, Johannes. Ich kann nicht pinkeln, wenn andere dabei sind. Ich kann kein öffentliches Urinal besuchen, wenn jemand anderes im Raum ist.
Johannes Franke: Wie ist das denn, Plor? Wie ist deine Beziehung zu deinem Vater?
Florian Bayer: Die Angst geht so weit, dass wenn ich in einer Bar bin oder in einem Restaurant, wo viele Leute sind und ich gehe in das Klo rein und es ist komplett leer, dann gehe ich trotzdem in die Kabine, weil ich denke, es könnte während ich da stehe jemand kommen und ich könnte blockieren.
Johannes Franke: Ich könnte es voll nachvollziehen. Ich habe irgendwann, als ich erwachsen wurde, also vorgestern, habe ich das irgendwie geschafft, darüber hinwegzukommen. Aber es ist, wenn schon Leute da stehen, gehe ich auch lieber hinter die Tür. Aber diese Szene, ich weiß nicht, wie du sie beurteilst, aber mich hat sie gequält. Also nicht nur der Fakt, dass er gewinnt einen Staring Contest auf eine absurde Art und Weise. Aber dieser Staring Contest ist so lang und so seltsam an der Stelle und ich verstehe nicht, was das in diesem Film soll.
Florian Bayer: Wir kommen auf jeden Fall nochmal darauf zu sprechen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay. Ich glaube, vielleicht bevor wir zu Terrence Hill kommen und uns nochmal so in dem ganzen... dem Ganzen widmet, sollten wir einmal kurz sagen, worum es in dem Film geht.
Johannes Franke: Das wäre schon ganz gut, ja.
Florian Bayer: Wir sind schon fast 20 Minuten her. Wir haben uns vorgenommen, eigentlich immer ganz am Anfang zu sagen, worum es in dem Film geht. Der Film handelt von einem alten... alten Revolverhelden, nämlich Jack Beauregard, der sich eigentlich zur Ruhe setzen will. Und zwar in Europa. Der raus will aus dem Westen. Obwohl er noch ganz viele offene Rechnungen hat. Unter anderem mit The Wild Bunch.
Johannes Franke: Naja, nicht obwohl, sondern weil wahrscheinlich.
Florian Bayer: Auch weil? Naja, ich hab nicht das Gefühl, dass er Angst davor hat, sondern hat einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß.
Johannes Franke: Naja, und da wo er jetzt ist, kennt ihn jeder. Und da kriegt er keine Ruhe.
Florian Bayer: Das stimmt. Der Film beginnt damit, dass es einen Mordanschlag auf ihn gibt. Auf jeden Fall will er sich eigentlich zur Ruhe setzen, stößt dann aber auf einen Fanboy von ihm. Man kann es nicht anders sagen. Einen Stalker namens Nobody, der keinen Namen kriegt, gespielt von Terrence Hill. Und dieser Nobody ist der festen Überzeugung, Jack Beauregard braucht einen guten Abgang. Das heißt, er muss sich noch einmal in einem richtig großen Duell stellen, nämlich diesen Wild Bunch, die 150 sind, aber laut Beauregard so stark wie 1000. Und Nobody hat offensichtlich ein Lexikon, wo er gesammelt hat, was dieser Jack Beauregard alles geschafft hat, was für tolle Duelle der hatte. Und er sagt, du musst noch ein letztes Ding drehen und ich werde dir dabei helfen. Mit dem Ergebnis, dass er ihn stalkt und ihm voll auf die Nerven geht, ständig dran ist. Und auch immer so kurz auf der Kippe vom Protagonisten zum Antagonisten. Man weiß nicht, wie viel Böses der im Schilde führt. Halt abgesehen davon, dass er sauscharmant ist. Das macht so ein bisschen wett, dass er echt ein nerviger Sack ist. Naja, auf jeden Fall verfolgt er ihn. Und dreht auch noch so ein bisschen seine eigenen Dinger. Und die beiden bilden dann irgendwie so ein ganz merkwürdiges Duo. Wirklich so ein Odd Couple des Wilden Westens. Wo sie irgendwie zusammenarbeiten, obwohl Jack eigentlich nur raus will. Aber sie kämpfen zusammen dann gegen die bösen Buben. Und Jack will aber trotzdem raus. Aber Nobody dreht es so, dass er schließlich einen Zug stiehlt. Und Jack, der eigentlich jetzt zum Schiff will, weg will. quasi auflauert mit dem Zug. Und im Hintergrund kommen die Wild Bunch und Nobody sagt so, jetzt ist dein großer Auftritt, ich halte mich zurück. Ich bin hier nur der Beobachter. Und Jack Beauregard kriegt seinen großen Moment, wo er ein letztes Mal gegen die Wild Bunch kämpft und auch gewinnt.
Johannes Franke: Du hast jetzt die englische Version zusammengefasst.
Florian Bayer: Oh, jetzt kommt die deutsche Version.
Johannes Franke: In der deutschen Version geht es um einen alten Westernhelden, einen Stalker, soweit richtig. Aber ansonsten wissen wir nicht, worum es geht. Wir wissen nur, dass Terrence Hill einen Haufen lustige Sprüche drauf hat und Bauchredner ist, weil seine Lippen sich nicht bewegen, während er irgendwas sagt, was ihm Rainer Brandt noch in den Mund gelegt hat. Das ist die deutsche Zusammenfassung.
Florian Bayer: In der deutschen Version hat Terrence Hill deutlich mehr Sprechanteil und vor allem deutlich mehr humoristischen Sprechanteil. Versteht uns nicht falsch. Der Film ist als Western-Comedy angelegt. Um. Die englische Version und damit wahrscheinlich auch die Originalversion hat ihre komödiantischen Momente. Ja. Es ist ja auch nicht nur Sprachwitz, der diesen Film witzig macht, sondern auch diese ganze Saloon-Szene. Ja,
Johannes Franke: ja, ja, genau.
Florian Bayer: Es gibt witzige Ohrfeigen. Das, was wir später bei Bud Spencer und Terrence Hill und vorher auch schon viel sehen werden, sehen wir auch in diesem Film. Aber es ist halt trotzdem, es ist ein Stück ernster, ein Stück grimmiger und vor allem auch ein Stück melancholischer im Original.
Johannes Franke: Vor allem melancholischer, das finde ich auch. Und... Wir müssen am Ende auf jeden Fall festlegen, welche Version uns besser gefällt. Weil ich habe wirklich beide Versionen hintereinander gesehen. Ich habe mir die deutsche angemacht und danach direkt die englische geguckt.
Florian Bayer: Perfekt. Ich habe zuerst die englische geguckt und dann die deutsche.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und ich bin auch ganz froh, dass ich die englische geguckt habe, weil wie du schon sagst, in der deutschen geht teilweise so ein bisschen verloren.
Johannes Franke: Ich habe nichts verstanden.
Florian Bayer: Was das überhaupt für ein Plot ist.
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung, was da passiert nach dem ersten.
Florian Bayer: Es ist vollkommen egal. Es gibt diesen absurden Plot im Hintergrund einer. Goldwäsche quasi.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die The Wild Bunch machen natürlich ihre kriminellen Aktionen, wo sie Gold kriegen. Und sie arbeiten da mit einem korrupten Minenbesitzer zusammen, Sullivan, der eigentlich so der Hauptbösewicht ist. Und dieser Sullivan wäscht ihr Gold in dem Sinne, dass er eine wertlose Mine als großes Goldparadies verkauft. Und sagt, das ganze Gold kommt aus der Mine, aber in Wirklichkeit kommt es von The Wild Bunch und wird so ganz klassisch gewaschen.
Johannes Franke: Aber das habe ich nicht verstanden im Deutschen.
Florian Bayer: Es ist auch im Deutschen überhaupt nicht zu verstehen. Das ist krass. Es ist aber auch vollkommen egal. Im Englischen ist es zu verstehen, aber auch im Englischen ist es so, dass du das siehst und denkst, okay, es ist eigentlich komplett egal. Dieser Sullivan wird ja auch nicht bestraft.
Johannes Franke: Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Der Sullivan spielt eigentlich keine große Rolle. Diese Story ist nur deswegen drin, weil Jacks Bruder, mit dem er aber auch kein gutes Verhältnis hatte, von Sullivan umgebracht wurde. Das ist das Einzige, was diese Verbindung zu diesem Plot ist. Und dass Sullivan halt mit dieser wilden Horde zusammenarbeitet. Aber auch da, es ist überhaupt nicht klar, warum die wilde Horde hinter Jack her sein sollte. Warum die ihn die ganze Zeit jagt.
Johannes Franke: Auch im Englischen, das nicht wirklich.
Florian Bayer: Und es kann ja nicht an dem Gold liegen, weil er klaut ja von Sullivan dann nur diese zwei Säcke Gold und ein bisschen Bargeld für seine Reise. Das kann es nicht sein. Und es ist auch, es ist wirklich nicht wichtig. Was im Zentrum steht, ist dieses tolle Verhältnis von Nobody und Jack. Und vor allem eben dieses... Sie sind Kontrahenten. Es gibt mehrmals den Moment, wo man das Gefühl hat, jetzt können sie sich duellieren, aber dann werden eben doch nur Löcher in Hüte geschossen. Und gleichzeitig sind sie eben auch irgendwie, sie werden sowas wie Freunde und Jack ist auch irgendwann angetan ab einem gewissen Moment von diesem absolut reckless Typen, der da ist und sagt, ich bin der neue Westernheld und ich bete dich an.
Johannes Franke: Es ist so seltsam. Ich weiß nicht, ob das eine tolle... Beziehung ist, die die da irgendwie haben. Toll ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Es ist einfach sehr weird und ich glaube, dass dass Henry Fonda auch überhaupt nicht wusste, was er davon halten soll. Sowohl der Schauspieler als auch die Figur.
Florian Bayer: Sein Blick sagt das sehr oft. So meine Güte, was ist das für ein Typ?
Johannes Franke: Was soll das hier? Wo bin ich hier gelandet? Gehe ich vielleicht lieber nach Hause? Er versucht ja die ganze Zeit nach Hause zu kommen. Ja,
Florian Bayer: er will raus, er will weg. Und dann hat er diesen Stalker an der Backe. Und dieser Nobody ist wirklich ein alberner Fanboy. Er ist total begeistert. Er hat offensichtlich mehr Faktenwissen über Jack als Jack selbst.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, dass Terrence Hill wirklich einen Psychopathen spielt, der die ganze Zeit nur hinterher rennt und sagt, nee, nee, wir machen das jetzt einfach so, wie ich mir das ausgedacht habe. Du musst gegen diese 150 Mann antreten, egal ob du willst oder nicht. Das ist jetzt meine Vision davon, wie du als Held sterben wirst oder nicht sterben wirst. Auf jeden Fall musst du irgendwie mit einem Knall abgehen. Und das ist so krass und ich denke mir, oh mein... Gott, ich weiß nicht, ob Westerners grundsätzlich auch drin haben, dieses Heldenverehrungsding und so, aber dieser Spin, der da drin ist, zu diesem gefährlichen Stalker, der ja eigentlich ist. Es wird alles entschärft dadurch, dass er witzig ist und sympathisch ist und so weiter, aber eigentlich, wenn man grundsätzlich reinguckt in die Story, dann denkt man...
Florian Bayer: Oh wow,
Johannes Franke: da hat jemand wirklich einen Narren an jemandem gefressen und das kann richtig böse ins Auge gehen. Wenn du heute eine Stalker-Geschichte so mit dem Unterbau machst, dann ist das ein Psychodrama. Das ist wirklich hart und er könnte ihn umbringen damit, weißt du?
Florian Bayer: Total, er hat die ganze Zeit sein Leben.
Johannes Franke: Hier sind deine 150 Mann, gegen die trittst du jetzt an, ich bleib jetzt hier und warte, bis du das wirklich machst. Hast du das krasse,
Florian Bayer: dass Jack so geduldig ist, weil dieser Nova, die gefährdet die ganze Zeit seine Gesundheit und sein Leben.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Und Jack ist halt offensichtlich auch lakonisch, weil er schon oft bedroht war in seinem Leben. Ich meine, wir haben diese Szene, wo Nobody mit einem Körbchen, Nobody kriegt von den Bösewichtern, bevor sie ihn kennen, den Auftrag, ein Picknick-Körbchen zu Jack zu bringen. In diesem Körbchen ist natürlich eine Bombe. Das weiß Nobody und das weiß auch Jack, als er da reinkommt. Er fragt auch, ist da eine Bombe drin? Und Nobody sagt so, ja, wahrscheinlich. Aber dann ist das diese merkwürdige, lakonische Szene. Er hat hier gerade eine Bombe reingebracht. Das hält dir auf, was für ein Held du bist. schmeißt dann so ganz elegant diese Bombe raus, die draußen explodiert. Und du denkst nur, what?
Johannes Franke: Keiner ist beeindruckt von dem, was passiert. Also von einer Bombe. Ja, das ist wirklich krass. Nicht mal die Frau hinten in der Küche ist beeindruckt.
Florian Bayer: Es gehört halt einfach zum Wilden Westen dazu.
Johannes Franke: Es ist wirklich seltsam.
Florian Bayer: Inklusive Rotkäppchen-Referenz.
Johannes Franke: Aber die ist nur im Deutschen. Das ist so krass, wenn man sich das einmal back-to-back anschaut, was für... blöde Sprüche da drin stecken. Oh, diese Rotkäppchen-Referenz und dann, was sagt er noch, als er dieses Pferd haben will von der Gruppe. Deswegen geht er hier rein, den Gaul. Dieses Hotte-Hü-Pferdchen, sagt er oder sowas. Was ist das denn für eine Bezeichnung? Und das ist im Englischen natürlich überhaupt nicht angelegt.
Florian Bayer: Es ist so Terrence Hill auch eben in diesem, wie man es kennt aus Bud Spencer und Terrence Hill. Mario Matteo Cirotti. Terrence Hill.
Johannes Franke: Terrence Hill.
Florian Bayer: Unser Protagonist. Gehen wir einmal ganz kurz, damit wir das abgehakt haben. Der... Auch schon ewig Schauspieler war,
Johannes Franke: seit er 15 ist. Der hatte auch schon eine Karriere, bevor das mit Bud Spencer losgegangen ist.
Florian Bayer: Er hatte eine Karriere, er hat viel gedreht. Bei Bud Spencer war es tatsächlich was anderes. Für den war das so der Beginn des Schauspieler-Daseins. Er hat davor auch ein bisschen was gedreht, aber eigentlich war Terrence Hill der Erfahrene von den beiden. Die waren im selben Schwimmverein.
Johannes Franke: Ja, Bud Spencer war großer, großer Schwimmer. Und Terrence Hill war so Fanboy von Bud Spencer. Bud Spencer, wie heißt Bud Spencer eigentlich? Der heißt ja auch nicht Bud Spencer.
Florian Bayer: Carlo. Carlo weiß ich, weil wir in diesem Film tatsächlich die Carlo-Referenz haben. Mit dieser Puppe, die die Ohrfeigen verpasst. Carlo Petersoli. Ich wusste, dass der ein großer Schwimmer war, weil das einfach so ein witziger Funfact war, dass der dicke Bud Spencer, dass der ein Schwimmer war. Ich wusste nicht, dass Terrence Hill... als er noch Mario hieß, im selben Schwimmverein war, zehn Jahre jünger und er ihn angebetet hat.
Johannes Franke: Die sind sich ja gar nicht wirklich begegnet oder sowas. Der Terrence Hill ist nicht zu Bud Spencer rangegangen und hat gesagt, oh, wollen wir uns mal irgendwie treffen? Ich himmel dich an. Sondern die waren einfach nur im selben Schwimmverein und dann später kamen sie über die Schauspielkarriere richtig zusammen.
Florian Bayer: Genau, sie haben auch im Film zusammengespielt, wo sie sich nicht gesehen haben. Als sie unterschiedliche Zehn gedreht haben. Und dann hatten sie ihr erstes wirklich Zusammenspielen in dem Film... Dio perdona lo no. Aus dem Jahr 1967. Gott vergibt. Django nie. Und es ist so süß. Es gibt natürlich deutschsprachige Bud Spencer und Terrence Hill Fanpages. Beziehungsweise die auch englischsprachig und italienischsprachig sind. Die in verschiedenen Sprachen. Wo dann ein Text ist aus der Ich-Perspektive. Und ich gehe davon aus, dass er von Terrence Hill ist. Ich weiß es aber nicht. Das ist komisch, weil es steht nicht so wirklich irgendeine Referenz da. Und es gibt sowohl die Bud Spencer Homepage als auch die Terrence Hill Homepage. Und die beschreiben dann beide so ihre Karriere und wie sie zusammengekommen sind. Und es ist so süß, wie sie, gehen wir mal davon aus, dass es tatsächlich von ihnen ist. Ja,
Johannes Franke: okay.
Florian Bayer: Wie sie ihr erstes Treffen bezahlt. beschreiben, weil Terrence Hill sagt, naja, es war sehr förmlich. Ich hab mich hingesetzt und hab gesagt, hallo, ich bin Mario. Und der hat gesagt, hallo, ich bin Carlo. Und dann haben wir uns die Hand gegeben. Und Bud Spencer sagt, es war ein schicksalhafter Moment. Ich saß da. Und dann kam dieser Mann mit diesen stechenden blauen Augen. Was jeder zu Terrence Hill sagt, er hat wirklich schöne Augen. Ja, ist auch wirklich ein schöner Mann.
Johannes Franke: Er wurde auch oft vorgeworfen, er hat doch Kontaktländer. Ja, aber er hat keine.
Florian Bayer: Und dann kam er und hat gesagt, hallo, ich bin Mario. Und das war so. Liebe auf den ersten Blick. Und die waren wirklich gute Kollegen. Sie haben mich bei diesem Film kennengelernt.
Johannes Franke: Das ist wie Dick und Doof, weißt du, so die beiden Stan Laurel und Oliver Hardy.
Florian Bayer: Aber im Gegensatz zu den beiden, ohne Verwerfungen, ne?
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Stan Laurel und Oliver Hardy hatten diesen krassen Konflikt irgendwann.
Johannes Franke: Sehr am Ende, ja.
Florian Bayer: Und Bud Spencer und Terrence Hill, es war auf jeden Fall auch eine Freundschaft. Aber es war vor allem eine sehr kollegiale Freundschaft, die sich sehr durch die Zusammenarbeit definiert hat. Die konnten unglaublich gut zusammenarbeiten, haben sich vor der Kamera gut verstanden, konnten sich gut absprechen. Und der Regisseur, der diesen Film gedreht hat, Giuseppe Colisi, der hat das offensichtlich ziemlich schnell gemerkt und hat gesagt, oh krass, die sind gut zusammen. Terrence Hill war übrigens ja nur Ersatz. Eigentlich sollte jemand anderes die Rolle spielen. Das war wirklich Glück. Der hatte einen Unfall oder so und hatte sich den Fuß gebrochen und konnte deswegen nicht. Und deswegen ist dann Terrence Hill eingesprungen, in letzter Minute in diesem Film. Und Bud Spencer war aber wohl ganz glücklich, weil der... ursprüngliche Darsteller den Ruf hatte, sehr anstrengend zu sein und sehr arrogant zu sein. Naja, auf jeden Fall hat dieser Giuseppe Colizzi sehr schnell gemerkt, oh, die verstehen sich gut, das funktioniert und hat dann gesagt, okay, wir drehen noch ein paar weitere Filme mit denen. Und dann kamen sie. Und dann kam Ende der 60er die Filme mit ihnen, die dann so auch peu à peu immer lustiger wurden. Die alten Filme sind in der deutschen Synchrone, auch die neuen, deutlich lustiger, also als die Original-Version, die wirklich noch ein bisschen dreckiger, düsterer sind.
Johannes Franke: Es gibt sogar einen Film, ich weiß nicht genau welcher das ist, den sie im Deutschen stark gekürzt haben, die ganzen brutalen Sachen rausgenommen haben und als Komödie synchronisiert haben.
Florian Bayer: Das war sogar der erste.
Johannes Franke: Was ich so seltsam finde. Ja,
Florian Bayer: die Deutschen haben das so, ich glaube aber auch, weil die das später gemacht haben, weil das waren ja Italo-Western, die jetzt eigentlich nicht angelegt waren für eine deutsche Synchro. Aber so weit bin ich nicht drin. Auf jeden Fall haben die im Italienischen haben die auch irgendwann angefangen albern zu sein. Also es war halt auch so die Zeit, als der Italo-Western angefangen hat, abgelöst zu werden durch diese italienischen Western-Komödien. Und dann haben sie ja zusammen auch noch ganz viel anderes getreten. Nicht nur Western, sondern auch Abenteuerfilme und Actionfilme und auch in Amerika und 1973, wenn Terrence Hill jetzt diesen Solo-Film spielt, Mein Name ist Nobody, hat ja schon einige Filme mit Bud Spencer gemacht und ist auch schon bekannt als... Teil des Duos Bud Spencer und Terrence Hill. Die Namen, ihr werdet es euch sicher denken, wenn ihr es nicht sowieso schon wisst. Natürlich, weil Western für internationales Publikum, ihr braucht amerikanische Namen. Ja,
Johannes Franke: das ist süß. Da kommen die irgendwann mal mit einer Liste von 20 Namen an, die Produzenten, und sagen, ihr müsst euch bis morgen zwei Namen davon ausgesucht haben. Das war wirklich so. Ja. Es gab wirklich so eine Liste. Und die beiden gucken sich das an und denken so, okay, für den amerikanischen Markt müssen wir irgendwie so amerikanisch wirken, damit das irgendwie cool geht. Und bis heute wissen 80% der Leute nicht, dass das keine Amis waren. Sogar die Amis nicht. Ah, krass. Obwohl man das denen eigentlich anhören müsste. Wenn du einen Ami fragst, ist bei Spencer ein Ami? sagen oft viele Leute,
Florian Bayer: ja. Terrence Hill hat eine Amerikanerin geheiratet, die auch beim Film gearbeitet hat, die er beim Film kennengelernt hat und Terrence Hill hat dann auch viel in Amerika gedreht. Und ich glaube, der kann, also Terrence Hill ist, glaube ich, wirklich so ein Dreisprachler. Der kann extrem gut Englisch, extrem gut Italienisch, extrem gut Deutsch. Haben wir ja schon gesagt, dass seine Mutter eine Deutsche war.
Johannes Franke: Und Bud Spencer bezeichnet sich nie als Schauspieler. Bud Spencer hat immer gesagt, ich bin kein Schauspieler, ich bin... Darsteller meiner selbst. Der hat nie was anderes als sich selbst gespielt, sagt er immer. Also hat er immer gesagt, weil er ist ja schon gestorben. Terrence Hill ist zurückgeblieben, was wohl für Terrence Hill wirklich hart war. Ja,
Florian Bayer: die haben lange zusammengetreten. Es gab dann irgendwann den Punkt, wo sie gesagt haben, okay, jetzt haben wir genug gemacht. Jetzt versuchen wir mal unsere Solo-Dinger. Also in den 80ern. Dann haben sie aber auch in den 90ern nochmal zusammengetreten. Die waren eigentlich... immer irgendwie sowohl kollegial als auch freundschaftlich miteinander verbunden. Und offensichtlich mit sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen. Bud Spencer eher der Faulpelz. Ja, Herr Karen Still hat den Ruf, dass er sich sehr akribisch auf seine Rollen vorbereitet hat und eine sehr hohe Arbeitsmoral hatte und wirklich viel gemacht hat für jeden noch so albernen Film.
Johannes Franke: Und es ist krass, weil man es dem Film natürlich nicht so... ansehen würde auf den ersten Blick. Man sieht ihn als, der legt seine Beine hoch, hat noch irgendwie das Gefühl, so einen Strohhalm im Mund und guckt sich die Szenerie erstmal an. Sieht nicht wie ein gut vorbereiteter Schauspieler aus, also vom Gefühl her als erstmal. Und es sieht auch alles sehr lakonisch und sehr dahingesagt aus, wie er das spielt. Aber das ist eine ganz klare, genaue Vorbereitung für ihn, die er da betreibt.
Florian Bayer: Würdest du sagen, Terrence Hill ist ein guter Schauspieler?
Johannes Franke: Ja, ich glaube ja. Aber... Ich glaube, dass Terrence Hill vor allem Sachen zu spielen bekommen hat, die dem Ganzen ein kleines bisschen Stein in den Weg legt. Er hat das, was er gesagt bekommen hat, was er machen soll, sehr gut gemacht. Und ich glaube, dass... Kriegen nur Leute hin, die entweder wie Bud Spencer sich selbst spielen und einfach authentisch sind. Oder wie Terrence Hill, der wirklich im Leben ganz anders ist als seine Figuren. Nämlich sehr schüchtern und sehr zurückhaltend. Da muss man ein guter Schauspieler sein.
Florian Bayer: Ich habe Terrence Hill in irgendeinem Film mal gesehen. Den jungen Terrence Hill. Ja. Und ich kann dir nicht mehr sagen, was es war. Und ich war so ab. Moment, ist er das? Ich war jung, deswegen kann ich es ja nicht mehr sagen. Ich habe damals noch nicht so akribisch Buch drüber geführt. Ist er das? Und war unsicher, aber dann habe ich, ich weiß gar nicht, ob ich geguckt habe oder ob ich es dann im Nachsprach gesehen habe, aber auf jeden Fall wusste ich dann, dass er es ist. Und es war eine ernste Rolle, es war eine Nebenrolle und ich war überrascht, wie gut er ist. Und es war wirklich so, also als Jugendlicher denke ich mal. wirklich das Gefühl hatte, wow, der ist ja so ernst, krass, das funktioniert, das kaufe ich ihm ab. Obwohl ich ihn davor in zehn albernen Prügelkomödien gesehen habe, kaufe ich ihm gerade dieses ernste Ding ab.
Johannes Franke: Vielleicht auch deswegen, weil du immer die Rainer Brandt-Synchronisation gesehen hast.
Florian Bayer: Ich habe immer die Rainer Brandt-Synchronisation gesehen.
Johannes Franke: Und ich glaube, dass sie selbst, wenn sie alberner geworden sind über die Jahre mit Bud Spencer und Terrence Hill, die hätten niemals solche Sachen gesagt wie, du musst was für deine Bronchien tun, Mäusezahn. Du musst mir mal verraten, ganz ehrlich, wie ist dir als Kind damals gelungen, aus dem Mülleimer rauszukommen? Solche Sprüche können nur von Rainer Brandt kommen. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Dann reden wir doch mal ganz kurz über diesen Elefant im Raum, Rainer Brandt. Die Synchronisation ist Kult. Allein, weil wir als Deutsche mit der deutschen Synchro gewonnen sind. Absoluter Kult.
Johannes Franke: Macht wahnsinnig viel Spaß. Nur, dass ich den Film halt nicht mehr verstehe.
Florian Bayer: Absoluter Kult. Unfassbar peinlich.
Johannes Franke: Du findest es peinlich?
Florian Bayer: Es ist. Also ich sehe, warum es Kult ist und ich finde es auch noch irgendwie aus so einer schrägen Perspektive witzig. Aber es ist so Cringe-Werfi. Es ist so Boomer. Und die ganze Zeit, während ich das gucke, frage ich mich, war das in den 70ern coole Sprache? War das so, wie man in den 90ern Alter gesagt hat und heute Dinger sagt? Und war das das, was cool ist? Oder war das damals schon albern und kindisch? Weil es ist, das Problem ist, für mich, es sind so, es ist... Kleinkindersprache in den Mund eines Erwachsenen gelegt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und du spielst das heute einem Siebenjährigen vor und er sagt, oh mein Gott, das klingt ja wie Kindergarten, ist das schrecklich.
Johannes Franke: Also, sagen wir mal so einen Satz wie, na Jungs, leben wir noch frisch? Kann ich mir vorstellen, dass man das damals einfach gesagt hat. Absolut. Sowas wie über die Kimme ins Korn kann ich mir schon auch vorstellen, dass man das damals gesagt hat.
Florian Bayer: Das ist ja auch ein klassischer Spruch. Es sind auch gar nicht nur die einzelnen Wörter, sondern auch die Art, wie er redet. So dieses Schlachsige und so, ah, diese Latschen und da, wie sagt er, wenn sie,
Johannes Franke: Hü, Hotte, Hü Pferdchen und solche Sachen. Ich wollte sie melken, aber ich finde die Euter nicht.
Florian Bayer: Es klingt, als ob es von einem Fünfjährigen wäre. Und es ist echt zu hart. Also es tut mir, vor allem, ich habe, wie gesagt, den Englischen zuerst geguckt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und ich finde die Sprache im Englischen auch witzig. Das sind ja auch Wortwitze dabei. Ja,
Johannes Franke: aber nicht so viel. Aber bei weitem nicht so viel.
Florian Bayer: Und die, die drin sind, sind halt auch einfach nicht so. Nicht so infantil. Es ist wirklich schwer zu ertragen. Und ich weiß, dass ich das total lustig fand. Ich hab Bud Spencer und Terrence Hill total abgefeiert.
Johannes Franke: Du hast die Filme einfach in der falschen Reihenfolge gesehen. Du hättest die Deutschen sehen sollen. Vielleicht,
Florian Bayer: aber ich fand's teilweise wirklich grenzwertig. Wirklich schwer zu ertragen.
Johannes Franke: Also der Unterschied ist für mich nur der, im Deutschen hab ich wahnsinnig viel Spaß an dem Blödsinn und man denkt sich die ganze Zeit, das was du denkst natürlich auch, Boomer und so. Ich find's bloß nicht, und Cringeworthy. Aber ich find's tatsächlich nicht... schmerzhaft, sondern einfach unterhaltsam. Und in der englischen Fassung habe ich halt einen ordentlichen Film. Da kann ich halt dem Film folgen, da kann ich halt auch den Western daran wahrnehmen, weil das kann ich hier tatsächlich sehr wenig, muss ich sagen. Bei solchen Dialogen geht der Western total flöten, weil welcher Westernheld hat solche infantile Sprache? Also ich kann's mir nicht vorstellen. Clint Eastwood im Honcho. Hat er nie.
Florian Bayer: Das ist das Beste, oder? Das bleibt echt hängen. Aber der Englische ist ja auch lustig. Das ist ja trotzdem ein witziger Film. Ich meine, diese Salon-Szene, das ist ja auch ohne Worte witzig. Wenn er diese Ohrfeigen verteilt oder wenn er ganz schnell zielt und es ist offensichtlich einfach schnell vorgespult, dann ist das ja auch wirklich witzig. Es ist dieses Klamaukische, diese Kalauer, einfach dieses Reden. Oh, es ist, also ich fand es teilweise wirklich unangenehm.
Johannes Franke: Und manchmal ist es wirklich völlig unnötig, wie zum Beispiel eben in dieser Solunzene, wo er reinkommt und dem Typen, der das gerade vormacht, was er gleich machen soll, dieses Glas vor der Kugel wegschnappt, was total gefährlich und total dämlich ist. Aber gut, okay, wenn er so gut ist, das hinzukriegen so schnell, dann macht er das. Und dann sagt er im... deutschen Original, ohne dass sich die Lippen ordentlich bewegen, da ist doch noch was drin. Und trinkt das. Und es ist völlig unnötig. Es ist kein Gag im eigentlichen Sinne, vielleicht so ein bisschen schmunzeln, aber das macht den Ton von dem ganzen Film aus.
Florian Bayer: Es ist ja auch nicht nur, was die Töns hin in den Mund legen, sondern grundsätzlich hat diese Rainer Brandt-Synchronisation immer den Drang. über zu synchronisieren. Leute sagen ständig so Sachen wie Oh, guck mal. Wo nichts ist im Englischen. Wo nichts ist im Original. Wo es einfach einen Reaction-Shot gibt im Original, der still ist, der reicht. Und dann sagt er, was für ein Schuss.
Johannes Franke: Ja, genau. Oder wenn der irgendwie, Terrence Hill hat irgendeinen Scheiß gemacht, dann geht er rein in das Haus oder sowas und die beiden, die da vorne noch stehen und sagen so, hm, was, hä?
Florian Bayer: Einfach nur diese Geräusche. Um der Geräusche willen, um das alles irgendwie zu füllen. Das wiederum finde ich witzig.
Johannes Franke: Der wollte halt ein Hörspiel machen.
Florian Bayer: Weil es einfach so geil ist, dass du jeden Reaction-Shot mit irgendeinem Geräusch oder sogar einem Wort unterlegen musst, selbst wenn sich die Lippen nicht bewegen.
Johannes Franke: Ich muss mal ganz ernsthaft von meiner Arbeit als... Synchron-Schauspieler. Ich habe das nicht lange gemacht, weil ich irgendwann keine Lust mehr drauf hatte und weil ich auch in sehr dunklen Räumen immer war und dann irgendwann gedacht habe, oh Gott, ich werde depressiv, wenn ich hier noch einmal den ganzen Tag im Dunkeln sitzen muss und arbeiten. Und diese Synchron-Jobs waren oft so Hintergrundsachen auch. Da steht irgendwo auf einer Party jemand mit einem Typ, mit einer Frau rum und die haben beide einen Drink in der Hand und die sollen sich über irgendwas unterhalten und so. Das heißt, es gibt dann... Und obwohl im Original nichts zu hören ist, was die beiden sagen, gibt es von hinten aus der Regie, oh ja, hier, da stehen noch zwei, macht doch mal, stellt euch mal vor das Mikro und improvisiert mal einen kleinen Dialog. Und das gibt es so, so, so viel und manche schaffen es in der Mischung, das so weit runter zu fahren, dass man nur das Gefühl hat, ah ok, da passiert irgendwas. Und manche machen da richtig was draus, obwohl da nichts war. Es ist wirklich seltsam und das ist, glaube ich, auch das Erbe von Rainer Brandt.
Florian Bayer: Das kann gut sein, ja. Ist es gut?
Johannes Franke: Nein, das ist nicht gut. Ich finde das nicht gut, aber ich finde die Rainer Brandt-Synchronisation einfach sehr unterhaltsam dafür. Ich glaube aber, dass wenn ich den Film gemacht hätte, wenn ich Valeri wäre, dann wäre ich sowas von beleidigt. Ich würde ihm sowas von den Kopf abreißen für diese Synchro. Aber als unbeteiligter Zuschauer kann ich Spaß haben.
Florian Bayer: Aber Valeri versteht ja auch Spaß. Dieser Film versteht ja wirklich Spaß.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Also ich finde, dieser Film hat mit eines... Der besten Intro, das ich in letzter Zeit gesehen habe.
Johannes Franke: Das ist wirklich wahr. Und die ist total unalbern und total richtig.
Florian Bayer: Ich meine auch, wenn es dann zu diesem albernen Moment kommt. Wir haben diese Barbier-Szene. Ja. Und es gibt einen Anschlag auf ihn. Ja, das ist alles auch so ein bisschen humoristisch aufgeladen. Aber dann auch dieses, wer kann schneller schießen als er? Und dann Nobody. Und dann dieser Schnitt zu Nobody, wie er Fisch fängt. Ja, genau. Das Bild friert ein. Der Titel steht da richtig fett. Und dazu kommt diese absolut... Hammergeile Musik von Ennio Morricone,
Johannes Franke: der sich selbst parodiert.
Florian Bayer: Ja, und pass auf, Hot Take.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Besser war Morricone nie. Wirklich, vergiss Spiel mir das Lied vom Tod, vergiss Für eine Handvoll Dollar, vergiss die Hateful Eight. Das ist die beste Filmmusik, die ich von Ennio Morricone bisher gehört habe.
Johannes Franke: Soll heißen, in dem Moment, wo Ennio Morricone auf sich selbst runterschaut und sagt... Was für einen Scheiß hast du denn da gemacht und da eine Parodie draus macht? In dem Moment ist er besser als das Original von ihm. Er ist so kreativ in diesem Soundtrack.
Florian Bayer: Es ist so geil, wie er alte Filmmusik sampelt, wie er Spiel mir das Lied vom Tod sampelt.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Wie er auf The Wild Bunch referiert. Wie er plötzlich den fucking Walkürenritter reinbaut. Es ist der Hammer.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob ihr auf die Musik hört, aber wenn ihr den Film nochmal guckt, hört wirklich mal hin, weil genau das, was Plor gerade sagt, das ist alles drin und ich find's so großartig. Und dann hast du teilweise das Gefühl, also er hat ja früher schon so Chorele drin gehabt, die dann so... Ja,
Florian Bayer: Kratos.
Johannes Franke: Und dieses ganze Zeug, ne? Und dann macht er in diesem Film, dreht er das nochmal auf 11 und da steht, in meinem Kopf stehen da drei Frauen vor, oder nein, drei Männer. Drei Männer vorm Mikro, die versuchen Frauenstimmen zu imitieren und zu sagen... machen. und man denkt sich, what the fuck ist da los?
Florian Bayer: Ja, wir hatten, der andere Italo-Westin, mit dem wir geredet haben, war von Sergio Leone und war auch die Musik von Ennio Morricone. Das war, genau, Dacchio Sacca oder Todesmelodie im Deutschen. Und da waren wir ja, war ich zumindest, ich weiß nicht mehr, ich glaube, du warst auch so ein bisschen genervt von diesem Gesang, von diesem...
Johannes Franke: Kleines bisschen, ja, stimmt.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: stimmt.
Florian Bayer: Das war irgendwie so überdreht. Und ich finde, also Morricone ist immer ein bisschen überdreht. Aber wenn er das überdrehte, nochmal ein Stück mehr überdreht. Ich finde es wirklich genial. Ich sage das auch nicht nur, um zu provozieren. Mir hat die Musik deutlich besser gefallen, als Spiel mir das Lied vom Tod. Natürlich die ikonische Musik, die jeder abfeiert. Das ist wirklich so gut.
Johannes Franke: Ich finde, dass es musikalisch nicht das Beste ist. Aber für den Film ist es das Beste. weil der Film wirklich genau in dem Moment, wo Nobody das erste Mal auftaucht, so eine 180-Grad-Wendung macht, sowohl im Bild als auch in der Schauspielweise, als auch auf der musikalischen Ebene. Ich finde es großartig.
Florian Bayer: Deswegen sage ich, es ist das beste Intro, weil das so voll reinhaut. Du hast diese ruhige Western-Szene, die wirklich sehr gediegen ist, auch wenn es ein bisschen komisch ist mit der Pistole, mit dem Revolver im Schritt.
Johannes Franke: Aber es ist großartig. Es ist so viel Spannung da drin. Ich habe wirklich das Gefühl, in einem sehr, sehr guten, ernsthaften Western zu sein. Und das wirklich. Ich bin so gespannt. und der eine striegelt da so völlig unmotiviert dieses Pferd und man merkt, oh, oh, oh, da passiert gleich was. Es ist sehr, sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Und dann diese wunderschöne, wirklich, wie eine Backpfeife, kommt dann das Ding rein, wo Nobody vorgestellt wird. Und man weiß ja auch gar nicht, okay, wie hängt der mit dem zusammen? Diese erste kurze Begegnung und es ist einfach alles da. Und dieses Intro und die Musik macht ganz viel aus. Ich finde, die Kamera macht auch ganz viel aus. Die Bilder sind nämlich so albern, der Film ist, sind die Bilder ganz oft, okay, ich bin kein, Kein Italo-Western-Fan, aber ich stehe auf Italo-Western-Bilder. Und ich stehe auf diese ganzen Tricks und den ganzen Scheiß, wie Zoom-Ins und extreme Nahaufnahmen, extreme Totalen und so weiter.
Johannes Franke: Ich finde, bei den meisten Western ist es nicht gut gemacht. Obwohl das der Trademark von den Western ist. Dieses Zoomen auf Figuren. Und ich finde, in diesem Film... Hat er genau das richtige Maß von allem gefunden. Ich finde die Kamera exzeptionell gut. Wirklich richtig gut. Genau im richtigen Maß diese Zooms eingesetzt, auch genau richtig angefangen und aufgehört, dass man da nicht zu seltsamen, weirde Sachen macht. Und er hat auch ganz oft diesen ganz tollen Move, dass er rausfährt mit der Kamera und gleich sich auch noch rauszoomt. mit der Kamera. Und dann kommt da so ein sehr weirder Distorting-Effekt. Du hast das Gefühl, die Leute sind total nah dran und wenn es weiter rausgeht, desto mehr merkst du, oh okay, das hat landschaftlich, macht das hier gerade überhaupt gar keinen Sinn mehr. Ich hab vorher ein völlig anderes Bild davon gehabt, was hier los ist. Und es ist sehr, sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Es gab ja wirklich so ein bisschen Fuck-up mit den Kameramännern, ne? Also Armando Nanuzzi war der Erste, der ziemlich schnell mit Valeri zusammengeknallt ist. Die haben sich echt nicht verstanden. Das ist ja auch ein bisschen so ein
Johannes Franke: Es gab so Hahnenkämpfe, weil die, zum Beispiel, nur als kleines Beispiel, es gab eine Szene, wo jemand Geld aufheben sollte. Und dieses Geld aufheben hatte der Regisseur inszeniert. Das ist eine ganz kleine Sache und daran kann man sich aufhängen. Der Regisseur inszeniert das, wie hebst du dieses Geld auf und dann hat der Kameramann das nochmal inszeniert und hat gesagt, nee, du hebst das jetzt so auf. Und dann gab es zwei Versionen davon, wie Henry Fonda dieses Geld aufheben sollte.
Florian Bayer: Der arme Henry Fonda steht zwischen Nanuzzi und Valeri und die schreien sich an. in die Rechte.
Johannes Franke: Das ist so dämlich. Und wenn die einmal miteinander geredet hätten, dann hätten sie rausgefunden, ja, es gibt einen technischen Grund dafür, warum bestimmte Sachen für den Kameramann so sein sollen und so weiter. Das ist eine Kommunikationssache. Aber man kann auch tatsächlich den Regisseur verstehen, zu sagen, ich habe eine eigene Vorstellung davon, wie das ist und du Kameramann kannst mir nicht sagen, wie ich das machen soll. Ich bin der Regisseur.
Florian Bayer: Ja, das ist halt immer so. Beide sind irgendwie fürs Bild verantwortlich. Das Kompetenzgerangel kann da schnell und da kann es schnell zu Kompetenzgerangel kommen. Und das ist ja auch nicht der erste Film, wo wir darüber reden, dass die ihren Kameramann aneinander geraten. Das ist schon so ein Staple in der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Es ist nicht umsonst so, dass Die meisten Regisseure ihre Kameramänner von Projekt zu Projekt mitnehmen. Wenn ein Kameramann und ein Regisseur sich ordentlich verstehen, dann ist das ein Match, den man behält möglichst, weil das echt das Konfliktpotenzial am Set minimiert. Sobald die sich verstehen, ist schon mal 50% des Sets gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall kamen dann zwei neue Kameramänner, und zwar Giuseppe Rossellini und Sergio Salvati dazu. Und Salvati ist uncredited. Der hat unter anderem...... uncredited. Bei dieser wirklich geilen Szene in dem Spiegelkabinett hat er Kamera gemacht, wo sie auf die Spiegel schießen und wir ganz oft diese Spiegelungen sehen. Über den allegorischen Gehalt des Films müssen wir noch reden, weil ich glaube sogar, du bist bei mir. Du hast schon Lea gesagt vorhin, dieser Film hat eine gewisse Tiefe, die man vielleicht so leicht ignoriert, weil er halt auch albern und funny und unheilsam ist. Na, auf jeden Fall haben die dann Kamera gemacht und... Ja, es gibt einfach unglaublich viele schöne Bilder. Es ist alles drin, was man aus Italo-Western kennt und liebt oder eben auch hasst. Aber es gibt auch wirklich, wie du schon gesagt hast, so experimentelle Bilder. Sowohl in der Musik als auch mit der Kamera. Das ist der Film mutig und bereit, auch so ein bisschen über die Klischees und über die klassischen Bildertropes hinaus zu experimentieren. Und damit kann man, glaube ich, auch zu dem kommen, was diesen Film besonders macht. Weil an der Oberfläche ist er ja natürlich eine klassische Western-Hand. Western-Geschichte. Er schafft es wirklich geschickt, mit diesen Western-Mythen zu spielen und sie zu überzeichnen und auch ins Absurde zu drehen?
Johannes Franke: Ich bin mir sicher, dass ich nicht 10% davon verstanden habe, was der Film anspielt.
Florian Bayer: Nein, ich auch nicht. Ich habe die Filme ja auch nicht gesehen.
Johannes Franke: Zu wenig Western gesehen, um alle Anspielungen zu verstehen. Aber das Schöne ist, man versteht den Film ja auch ohne.
Florian Bayer: Aber man versteht auch, dass der Film hier irgendwie was persifliert und irgendwie einen Punkt macht. Selbst wenn man die exakten Referenzen nicht kennt.
Johannes Franke: Also Clint Eastwood habe ich auf jeden Fall erkannt. Es gibt eine Szene, wo Terrence Hill diese Zigarre in der Hand hat und im Mund hat. Und das, was er da anhat, sieht fast schon wie so ein Poncho aus. Und er macht auch einmal diese Stimme. Ah,
Florian Bayer: das ist mir gar nicht aufgefallen.
Johannes Franke: Bei dem Friedhof. Da dreht er sich einmal mit dem Rücken zu Dings und zu Henry Fonda und macht einmal kurz die Stimme von Clint Eastwood. Sehr gut gemacht, aber sehr kurz, man kann es auch verpassen.
Florian Bayer: Im Englisch?
Johannes Franke: In beiden. Beide Versionen.
Florian Bayer: Okay, da muss ich nochmal drauf achten. Aber glaub ich dir sofort. Und ich glaub, da sind noch tausend andere Sachen drin. Wenn ihr euch mit Western auskennt, wer die Talle Western, schreibt uns gerne eine Liste, was da alles drin versteckt ist.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Weil ich sehe es und denke, ah, ich erkenne, dass da irgendeine Referenz ist oder irgendein Spoof. Aber ich weiß nicht, auf welches Original, weil ich mich zu wenig mit Western auskenne. Ja, ja, ja. Und es ist aber auch die ganze Zeit, es hat dieses Sich-Verbeugen vor dem Genre. Ja. Und gleichzeitig auch immer so ein bisschen gegen das Genre hauen und zertrümmern und einfach... So ganz banale Sachen wie dieser Moment, dass wir dann tatsächlich sehen, wie unser Jack... wie er nicht stirbt, was damals üblich war in diesen Spätwestern, dass die Helden oder die ehemaligen Helden gestorben sind am Ende, sondern nach Europa fährt und dann sehen wir ihn mit dem Schiff nach Europa fahren und die Szenerie ändert sich total.
Johannes Franke: Ja, plötzlich wird es so ein Titanic-Moment, so hat man das Gefühl, man ist in dem Film Titanic fast romantisch, schreibt der eine dem anderen, es hat so eine komische Romantik.
Florian Bayer: Und auch Titanic, weil wir plötzlich in der Moderne sind. Ja,
Johannes Franke: ja, ja, genau.
Florian Bayer: Die Western sind ja eigentlich immer ganz gut da drin, so das Moderne komplett auszuklammern, im Wilden Westen. gibt es keine Städte, weil es einfach keine Städte gab. Und man vergisst dabei, wenn man so einen Western sieht, dass zur gleichen Zeit an der Ostküste New York steht mit riesigen Häusern und wo wirklich Moderne gebaut wird, wo Autos rumfahren und so weiter. Und das schafft dieser Film dadurch so ein bisschen reinzubringen, dass er dann nach Europa fährt. Übrigens einer der wenigen Filme aus der Zeit, Italo-Western, die in Amerika gedreht wurden.
Johannes Franke: Ja stimmt, 80% davon wurden in Amerika gedreht.
Florian Bayer: Kommt auch selten vor. Normalerweise waren es immer so Spanien, Italien, halt gucken, wo es wüstig aussieht. Und auch wenn er zum Beispiel auf diesen Rummel dann geht, es gibt ja diese eine große Rummel-Szene, da hat es auch sowas von, es wird irgendwie dieses Western-Szenario schon... benutzt, aber es fühlt sich auch immer so ein bisschen gebrochen an. Vielleicht, weil alles zu so einer Show wird. Es gab ja dann auch als sehr wilde Westen der vermeintlich wilde Westen, zu Ende gegangen ist. Es gab ja diese Western-Shows und es gab diese merkwürdige Überschneidung, dass Menschen einerseits so gelebt haben wie im wilden Westen und dann andererseits nebendran diese Mystifizierung stattgefunden hat, die komplett anders war.
Johannes Franke: So ein Karneval auch. Genau.
Florian Bayer: Und diese Show haben wir hier halt drin und sie zeigt, ihr bewegt euch eigentlich die ganze Zeit auf einem riesigen Rummel. Das Ganze... Nimmt das nicht ernst, das ist einfach nur eine alberne Geschichte, die erzählt wird und hat nichts mit der Realität zu tun.
Johannes Franke: Man kann sich nicht einmal so einen Kommentar auf Rassismus verkneifen, ne? So diesen, was machen die da, die werfen Torten auf die Schwarzen,
Florian Bayer: ja? Ja,
Johannes Franke: also harter Tobak. Und ich finde es total gut, dass natürlich Terrence Hill dann sagt, ja, ja, ich kaufe mal hier und schmeißt das natürlich nicht auf die Schwarzen, sondern auf den Typen, der das Ganze betreibt. Und hat dann irgendwie noch so ein Holzstück mit reingebaut, was er dann mit reinwirft und den ganz schön niederstreckt. Das ist ein... Ja, also ein kleiner kurzer Moment, der da so einen kleinen Kommentar mit einfügt. Finde ich ganz nett.
Florian Bayer: Ja, als ich die Szene gesehen habe, musste ich kurz schlucken und dachte dann so, oh Gott sei Dank, sie haben sie ganz gut aufgelöst. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Weil davor die Szene ist, die ja so Potenzial hat, sich über Kleinwüchsige lustig zu machen, wenn er diesen auf den Stelzen hat und dann die Stelzen abhaut.
Johannes Franke: Da finde ich die deutsche Synchro richtig fies. Der hat eine richtig schlimme Stimme im Deutschen. Und im Amerikanischen, also im Englischen hat er eine sehr normale männliche Stimme. Ja. So. Und aber im Deutschen eben so eine quäkige...
Florian Bayer: Ja, die Deutschen... Das ist so furchtbar. Also ganz, ganz berühmt ist ja, wie die Deutschen Schwarze synchronisiert haben. Und irgendwann... Also Eddie Murphy hat so eine quäkige Stimme. Stimmt,
Johannes Franke: ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und dann gab es irgendwie offensichtlich in der Deutschen Synchro dieses Klischee, Schwarze müssen so klingen. Und wenn du Action-Komödien, also vor allem Action-Komödien aus den 70ern und 90ern guckst, wenn du so einen schwarzen Protagonisten hast, dann klingt der halt meistens wie Eddie Murphy und dann ist das halt meistens so ein bisschen höher. Das ist wirklich fies. Das ist nicht schön. Überhaupt nicht schön.
Johannes Franke: Mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Theme, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, dann lasst uns einen Daumen nach oben da. Gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-muss-man-sehen.de oder florian-muss-man-sehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah,
Florian Bayer: wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch. Panneval ist ein gutes Stichwort, weil da kommen dann doch ein paar Szenen, wo ich denke, wie kommt das jetzt zustande? Der ganze Film hat immer mal so einen Sprung, wo ich denke, jetzt sind die dort, wie sind die da hingekommen, was wird da ausgelassen? Es stört nicht dolle, aber man hat schon manchmal das Gefühl, hä, was jetzt?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: und auch so Szenen, wo ich denke, was machen die da jetzt? Wie zum Beispiel diese Spiegel-Szene, die ist großartig, aber was macht die in dem Film?
Florian Bayer: Ich find... Ja, ich weiß total, was du meinst. Ich finde die Handlung, der Film wirkt total beschnitten. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Es wirkt so, als hätten sie 180 Minuten gedreht und als hätten sie dann am Schluss im Schnitt gesagt, okay, das Ding müssen wir runterstampfen, es ist nicht mal zwei Stunden lang.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und dann haben sie aber alles rausgeschnitten, was Story hat.
Johannes Franke: Ja, irgendwie so.
Florian Bayer: Und du hast schon gesagt, du hast überhaupt nicht verstanden, worum es geht im Deutschen. Ich finde es auch im Englischen schwer, der Story zu folgen. Ja. Insofern, dass man einfach zu wenig versteht davon. Wer hat da gerade die Bösewichter? Die jemanden umbringen wollen und warum?
Johannes Franke: Ja, und unsere Protagonisten, sind das Bösewichte oder sind das irgendwie eigentlich Leute auf der Seite des Gesetzes? Ich weiß es nicht, ich verstehe es nicht.
Florian Bayer: Jack Beauregard ist kein ehemaliger Sheriff oder so. Er ist halt wirklich so ein Revolverheld. Und es wird nicht so ganz klar gemacht, warum er der Held ist. Aber er scheint irgendwie ein Mann des Gesetzes zu sein. Zumindest mit moralischem Anspruch.
Johannes Franke: Ja, mit moralischem Anspruch, aber das ist ja immer einfach ein Held. Ja.
Florian Bayer: Auch die Antagonisten. Du bist dann in dieser Saloon-Szene und daran schließt ja dieser Stadtkampf an. Und du hast dann irgendwie Leute, die aufeinander schießen. Und dann kommen da nochmal Leute und dann wird da nochmal was in die Luft gesprengt, wo Leute da verbrannt stehen. Also ich meine, da stirbt ja niemand. Die meisten Leute werden in die Luft gesprengt und sind dann halt einfach verkohlt.
Johannes Franke: Das ist so komisch.
Florian Bayer: Aber du weißt wirklich überhaupt nicht... Wer hat die angeheuert? Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Warum kommen die gerade? Warum kommen die von allen Seiten? Und ja, wir wissen, da gibt es diesen Sullivan und diese Wild Bunch im Hintergrund. Aber hä?
Johannes Franke: Es ist total undefiniert. Diese Wild Bunch ist sowieso völlig undefiniert. Außer dieser eine Typ, der der Anführer ist, beziehungsweise derjenige, der dann den Barbier spielt und da irgendwie die Leute umbringen will mit diesem Scheme, was schon ein bisschen dämlich ist. Aber es ist wirklich so undefiniert und... Unklar, was diese Wild Bunch da soll. Deswegen sind die ja auch nur als große Horde mit diesen krassen Kamerabildern, muss man sagen. Aber auch sehr langen Einstellungen von diesen... reitenden Leuten.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, sie machen nichts anderes als reiten. Nein, nicht. Es ist fantastisch. Also sie verstauen irgendwann das Dynamit. Das ist ganz wichtig. Sie sind dumm. Verstehen wir. Sie haben nämlich extra Taschen mit Zielscheiben drauf, die sie das Dynamit verstauen. Was auch wirklich die einzige Möglichkeit für Jack ist, dann irgendwie diesen Kampf am Schluss zu gewinnen. Und dann reiten sie. Wir sehen, es ist ja auch keine Verbrechenbegegnung.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nichts.
Florian Bayer: Ihren Vertreter, der mal Sullivan ist. Aber ansonsten sind die einfach nur am Reiten. Das ist ihr Job.
Johannes Franke: Und es tut einem echt leid. Und man muss dazu zu sagen, wenn ihr es nicht sehen könnt, wie Pferde stürzen oder potenziell auch wirklich Schaden nehmen. weiterarbeiten. Das ist nicht der Film, den ihr sehen wollt.
Florian Bayer: Das sieht man in Western so oft. Ich hab mich das tatsächlich noch nie gefragt. Mein Tierschützerinstinkt ist offensichtlich nicht stark genug.
Johannes Franke: Es ist wirklich ein bisschen hart zwischendurch. Also gerade beim Ende, bei dem großen Kampf dann, Kampf? Was sag ich hier? Kampf? Bei dem Shootout, wo...
Florian Bayer: Bei der Hinrichtung. Bei der Hinrichtung, Jack, schießt auch die Leute, die einfach nur reiten wollen. Vielleicht wollen sie einfach nur verbeilen.
Johannes Franke: Sie wollen nur reiten. Und dann schießt er irgendwie auf deren Dynamit und dann springen die halt in die Luft und es ist... Die Pferde tun einem wirklich leid. Ich gucke mir die Szene an und denke mir, wer weiß, wie viele Pferde da wirklich Schaden genommen haben.
Florian Bayer: Aber du siehst so Pferde ständig in Filmen fallen. Das sind doch die klassischen Kriegsszenen, egal ob es Mittelalterfilme sind oder Western. Dieses Pferdefallen ist offensichtlich so ein...
Johannes Franke: Aber schon auch auf eine schlimmere Art und Weise als sonst, muss man schon sagen. Ja, es gibt so dieses typische Pferdefallen, so zur Seite wegfallen. Ja, genau. Und in diesem Film fallen mehrere Pferde... die eigentlich auf einem Haufen sind, gleichzeitig in verschiedene Richtungen oder auch aufeinander. Und ich glaube, das ist so unkontrolliert, da ist es nicht gut gegangen.
Florian Bayer: Ich kann es nicht gut einschätzen. Ich habe mir in der Zinn tatsächlich... Ich hab am meisten die ganze Zeit Gedanken drüber gemacht, ist Jack noch der Gute? Stell dir vor, dass dieser White Bunch, die haben ein Kind hinten drauf, und wollen das Krankenhaus einbringen und sind so schnell wie möglich unterwegs. Und dann kommt er an den Schienen, nimmt sein Scharfschützengewehr und ballert da einfach nur rum. Es gibt kein Shootout, sondern es gibt einfach nur Jack, der die Leute einen nach dem anderen abknallt und in die Luft sprengt.
Johannes Franke: Dabei wollte das Kind nur zum Salat.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Aber was für eine schöne Szene, wenn Terrence Hill, wenn Nobody mit dem Zug vorfährt und Jack dahin geht zum Zug und wie so ein Auto fährt. der Zug wieder ein Stück zurück. Nee, nee, nee, nee, du steigst jetzt nicht ein, du kämpfst jetzt.
Johannes Franke: Es ist so dämlich, aber in dem Moment, wo Terrence Hill da mit dem Zug kommt und ihn aufhält und sagt, nee, nee, du schießt jetzt, du machst jetzt den Endkampf mit den 150 Leuten, da denke ich echt, der ist irre geworden. Der kann einfach, das ist so ein Idiot und so ein Arschloch, so ein... Psychopath in dem Moment.
Florian Bayer: Jack ist auch irre geworden. Jack guckt ihn an, lächelt, nickt ihm zu. Ich habe verstanden. Das muss ich jetzt machen. Und ich mach's gerne.
Johannes Franke: Und er fragt ihn dann im Zug. Und was passiert jetzt? Und Terrence Hill sagt, du musst sterben. Und ich denke mir, okay. Don't go there, Film. Und er geht auch nicht dorthin. Er bringt ihn nicht wirklich um. Sondern sie faken den Tod. Aber es ist wirklich denkbar, dass in dem Moment gemeint ist, wir bringen dich jetzt um. Es ist wirklich hart.
Florian Bayer: Ja, total. Und es wird ja auch so trocken gesagt, dass man erstmal nicht weiß, was er vorhat.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: genau. Und auch, dass Jack es nicht weiß.
Johannes Franke: Und er sitzt seelenruhig da. Ja, meine Güte.
Florian Bayer: Und dass dieser Nobody ihn töten könnte, das ist ja die ganze Zeit irgendwie voll im Raum. Nobody schießt ja auch auf ihn, also Jack hat zuerst auf ihn geschossen, aber trotzdem.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Jack sagt es ja auch zu Nobody, wenn du einen Helden verehrst, dann wirst du irgendwann zum Bösewicht, weil du dich mit ihm messen willst. Und ich hab das schon zu oft gesehen und am Schluss sind sie alle tot. Und das wird auch dein Schicksal sein.
Johannes Franke: Ist das so Wohlstandslangeweile oder was ist das?
Florian Bayer: Wir wissen nichts davon. Wir wissen nichts über ihn. Dieser Nobody ist ja tatsächlich komplett identitätslos.
Johannes Franke: Ja, aber das ist so das, was ich so für Vibes bekomme aus Filmen, die heute so mit Wohlstandslangeweile zu tun haben, wo man denkt, okay, hier gefährliche Liebschaften. Der Typ, der einfach nur aus Langeweile irgendwelche Scheiße macht.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, also ich... Ich finde, dieser Nobody wirkt eher abgerissen, wirkt nicht, als ob er aus einem reichen Milieu käme. Er hat ja auch wirklich die kaputte Hose, die kaputten Socken und das typische Italo-Western-Drecksgesicht.
Johannes Franke: Aber ihm kann niemand was anhaben. Ja. Also er hat immer A, einen coolen Spruch drauf oder einen albernen, je nach Synchro. Und er kommt aus jeder Situation raus. Er ist ja wirklich unverwundbar, offenbar, während des Films. Das ist so ein bisschen ein kleiner Kritikpunkt, den ich habe. Weil ich denke, wenn der alles kann, wieso muss mich der Film dann interessieren? Weil ich will ja dann, wenn ich sowieso weiß, dass der aus allem rauskommt, dann...
Florian Bayer: Das ist vielleicht eine Stoffwechselstörung, dass er einfach so lakonisch ist, dass er keine Angst und keine Wut empfinden kann. Aber du bist ja in dem Film eigentlich auch... Also wenn du in dem Film mit was mit Fiebers Objekt das Ding überlebt... Mit dem Nobody-Fieber ich auch nicht wirklich mit.
Johannes Franke: Aber genau deswegen, weil da einfach durch alles durchkommt. Und das ist ein bisschen seltsam. Aber das stimmt, mit Jack bin ich schon eher.
Florian Bayer: Und um nochmal so eine ästhetische Nebensächlichkeit zu sagen, ich finde es toll, wie Terrence Hill Boden ist.
Johannes Franke: Was heißt hier ästhetisch?
Florian Bayer: Es ist wirklich cool.
Johannes Franke: Gegenteil von ästhetisch.
Florian Bayer: Nein, ich finde tatsächlich,
Johannes Franke: wenn das reinstopft.
Florian Bayer: Ich finde, das hat was.
Johannes Franke: Und er hat so ein irres Grinsen dabei.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, sowohl in der Zugszene als auch in dieser Saloon-Equipment-Szene. Okay. Ich finde, wenn er diese Pfanne hält und dann mit dem Löffel das so in sich reinstopft. Ich weiß nicht, was es ist. Irgendwas ist daran schick.
Johannes Franke: Ich sprich das bei dir vielleicht den 10-jährigen Plor an, der das irgendwie cool fand, der das gesehen hat und gedacht hat, oh ja, jetzt so aus so einer komischen Schale Bohnen essen und dabei grinsen ist cool.
Florian Bayer: Tatsächlich war das, als ich das jetzt wieder gesehen habe, es ist lange her, dass ich so diese Western geguckt habe. Die habe ich halt wirklich eher als Kind geguckt. Als Erwachsener war ich nie großer Western-Fan. Ich habe mich daran erinnert, wie ich das als Kind immer cool fand, wenn Western gegessen wurde. Wenn sie so ein Brot haben, so ein Stück Brot. so ein Brotleib, den dann nochmal in die Suppe tunken und halt auch, es sind ja immer Bohnen und Bohnensuppen und so. Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht ist es auch wirklich einfach nur Nostalgie, dass mich das zurückerinnert an diese Zeit der Filmrezeption. Ich find's geil.
Johannes Franke: Terrence Hill ist übrigens in jedem seiner Filme Bohnen. Ja, das ist ein Staple von ihm.
Florian Bayer: Das kann er auch. Ich find, er kann wirklich, dieser Mann kann wirklich gut Bohnen essen. Ich würde auch einen Film gucken, wo er 90 Minuten Bohnen isst, ganz ehrlich.
Johannes Franke: Ja, da hättest du Andy Warhol fragen müssen. Der hätte das bestimmt gemacht.
Florian Bayer: Eat mit Terrence Hill. Ja, und Sil bedankt sich bei Carlo.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Bei Carl im Deutschen, bei Carl im Englischen, bei Carlo im Italienischen. Eine merkwürdige Puppe, die so eine Jahrmarktsattraktion ist, die Backpfeifen verteilt, wenn man sie einmal anschlägt. Und Carlo ist natürlich der Name von seinem treuen Kollegen Bud Spencer. Also wir haben auch die Bud Spencer-Anspielung in diesem Film. Ja,
Johannes Franke: das ist sehr, sehr schön. Der Film wurde in neun Wochen gedreht, größtenteils eben in den USA, 80 Prozent. der Outdoor-Szenen, muss man dazu sagen. Moment, was wollte ich eigentlich sagen? Oh, ich glaube, das führt nirgendwo hin. Das schneide ich einfach wieder raus, weil es nirgendwo hinführt.
Florian Bayer: Wir haben es auch schon gesagt, dass die, also die 80% hast du schon gesagt. Ja,
Johannes Franke: die habe ich schon mal gesagt, deswegen ist es, glaube ich, gerade irgendwo reingeguckt. Oh, das können die noch sagen.
Florian Bayer: Aber dann guck mal kurz, weil ich wüsste jetzt auch gerade nicht, was ich sagen sollte.
Johannes Franke: Nee, ich glaube, außer das, woher kommt das Nobody, Odyssey, könnten wir vielleicht noch ganz kurz.
Florian Bayer: Ja, kannst du gerne reinbringen. Wir waren bei Nobody und bei den Bohnen.
Johannes Franke: Okay, Plora, lass uns doch mal rüber in unsere Top 3.
Florian Bayer: Jetzt dürfen wir nichts mehr schneiden.
Johannes Franke: Oh nein, Plora, fuck.
Florian Bayer: Shit.
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Top 3. Oh, Top 3. Ich hab sie vorgeschlagen.
Johannes Franke: Du hast die Top 3 vorgeschlagen.
Florian Bayer: Und ich hab nichts so wirklich Gutes gefunden. Und ich bin überhaupt nicht zufrieden mit meiner Top 3.
Johannes Franke: Nein, ich finde die Top 3, das Top 3 Thema ist großartig. Top 3 Friseure oder Barbier Szenen. Und mir ist sofort eines meiner liebsten Szenen der ganzen Filmgeschichte eingefallen. Das ist Nummer 1. Also das war jetzt der Clickbait-Part. Und ich möchte aber wissen, wo dein... Ach nee, ich muss anfangen, ne? Shit. Mein Platz 3. Ich fange also an mit meinem Platz 3. Mein Platz 3 ist Sweeney Todd. Der ganze Film. Ich habe keine ganz spezielle Szene.
Florian Bayer: Willkommen in meiner Liste. Wirklich? Sweeney Todd, ich hab's noch ein bisschen konkreter. Es gibt eine Montage, wo man sieht, wie er ganz viele Leute abschlachtet.
Johannes Franke: Ah, ja, ja, okay.
Florian Bayer: Und es werden viele Kehlen aufgeschützt.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Er drückt dann immer auf diesen Hebel, den er an dem Stuhl hat. Und dann geht das runter. Der nächste fällt runter, der Tote. Und dann kommt der Stuhl wieder hoch und der nächste sitzt drin. Ja. Stimmt.
Florian Bayer: Ja, schön.
Johannes Franke: Dann hast du jetzt einen Platz 3 auch und ich muss schon wieder.
Florian Bayer: Das Tolle ist ja, um das kurz einmal zu sagen, bei diesen Barbier-Szenen, wo jemand von einem... jemand anderem rasiert wird im Film, sind meistens Tension-Szenen. Mein Name ist Nobody. Und meistens ist es so, dass die Person nicht stirbt. Sondern dass es diesen Moment gibt, oh mein Gott, das ist so spannend. Aber wir wissen, er wird tatsächlich einfach nur rasiert am Ende.
Johannes Franke: Aber ich finde es wahnsinnig spannend und wahnsinnig... Zerfressend, weil ich wirklich zu viel Fantasie habe dafür. Dass ich wirklich denke, oh mein Gott, eine falsche Bewegung und du bist tot.
Florian Bayer: Das Tolle bei Burton ist dann wiederum beim Zwinitrot, dass die ganze Zeit Kehlen aufgeschlitzt werden. Und es gibt gar keine Tension, sondern wir wissen auch, die nächste Kehle wird aufgeschlitten.
Johannes Franke: Mein Platz zwei ist Coming to America, der Prinz aus Zarmunda.
Florian Bayer: Oha, da haben wir die Quietschstimme.
Johannes Franke: Ja, da haben wir die Quietschstimme, leider. Aber Eddie Murphy spielt in diesen Friseursalonszenen. Alle Rollen. Da ist der Barbier, da ist ein alter Typ, der in der Ecke sitzt und irgendwelchen Blödsinn redet, da ist der Prinz, der aus der Munde kommt und ich glaube, da ist noch irgendjemand, der da sitzt. Und die werden alle von Eddie Murphy gespielt und alle kriegen ein eigenes Make-up, einen eigenen Akzent, eine eigene Art und Weise zu reden und er macht das großartig. Das ist natürlich alberne Comedy in dem Moment, aber es ist wirklich großartig. Ich habe es geliebt als Kind.
Florian Bayer: Hast du den zweiten Teil gesehen, der vor ein paar Jahren rauskam? Nee,
Johannes Franke: ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich auch nicht. Wollte ich gerne mal.
Florian Bayer: Ein Prinz aus Zermunder ist so ein Film, den ich auch geliebt habe als Kind, wo ich mir vorstellen kann, dass ich ihn heute gucken denke.
Johannes Franke: Vielleicht sollten wir im Original dann lieber gucken, weil die deutsche Fassung kann ich mir vorstellen, hat so seine Probleme.
Florian Bayer: Ja, glaube ich auch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mein Platz 2, Full Metal Jacket. Full Metal Jacket? Wir sehen, wie den Rekruten die Haare geschnitten werden, die Haare rassiert werden. Fuck,
Johannes Franke: stimmt.
Florian Bayer: Einfach eine coole Szene mit dieser Musik und die sehen alle wirklich unglücklich aus, weil sie ihre langen Haare verlieren. Weil die Haare wurden tatsächlich geschnitten. Und das war die letzte Szene, die sie gedreht haben. Den waren alle die Haare wieder nachgewachsen. Also die hatten die kurzen Haare für den Film, weil sie Soldaten spielen. Und dann haben sie das alles gedreht und so weiter. Und dann ist ein bisschen Zeit vergangen, dann gab es nochmal Nachdreh. Und sie hatten alle wieder lange Haare und Sandy Kruppel hat gesagt, so. Jetzt müssen wir noch einmal die Szene drehen, wo ihr eure Haare verliert. Und dann wurden sie alle wieder zu Soldaten geschnitten.
Johannes Franke: Das ist so hart.
Florian Bayer: Großartige Szene.
Johannes Franke: Bei meinem ersten Film, meinem allerersten Film, den ich gedreht habe als Schauspieler. Ich glaube, die Rolle habe ich vor allem bekommen, weil ich gesagt habe, ja klar, lasse ich mir die Haare abrasieren.
Florian Bayer: Gib mir einen Job, ich mache alles.
Johannes Franke: Ich war 15. Going on 16. Oh,
Florian Bayer: du warst so alt wie Terrence Hill, als du angefangen hast mit Drehen. Deine Schauspielkarriere ist genauso wie die von Terrence Hill.
Johannes Franke: Und dann haben sie halt irgendwie Leute gesucht, Kinder gesucht, oder ich war 14, 15, irgendwie sowas. Und dann hieß es, naja, die Rolle wird im Laufe des Films zum Skinhead. Und dann musst du dir die Haare schneiden lassen. Und das war auch hart, die Haare dann schneiden zu lassen. Mitten im Dreh dann so, jetzt kommen nur noch die Szenen, wo du Skinhead bist.
Florian Bayer: Und du hattest ja eigentlich immer lange Haare. Also ich kenne dich eigentlich nur mit, zumindest so lange wie du sie jetzt hast, ist schon eher kurz.
Johannes Franke: Zur Premiere des Films waren die Haare so sehr wieder da, dass alle gedacht haben, hä, wer ist denn dieser Typ da? Was macht der denn hier bei der Premierenparty? Ach, du bist das? Also es war schon krass. Vergiss Amerika, ein toller Film, wenn ihr den mal sehen wollt. Den habe ich bis jetzt noch nicht für diesen Podcast vorgeschlagen, weil ich mitspiele.
Florian Bayer: Was echt komisch ist, wir haben einen eigenen Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber ich mochte den Film so sehr. Und ich habe nicht viel Einfluss auf diesen Film gehabt, weil ich einfach eine kleine Nebenrolle habe. Und Vanessa Job, die den gedreht hat, die hat es einfach toll gemacht. Ich mag den Film total.
Florian Bayer: Vielleicht gucken wir den mal. Vielleicht stacke ich ihn einfach vor. Dann kommst du da raus. Dann wirkt es nicht wie so ein Ego-Trip. Oh
Johannes Franke: Gott. Aber es ist ein schöner Film. Guck den nicht an. Okay, mein Platz 1 muss noch. Ja. Und zwar der große Diktator. Die Figur des kleinen Barbieren. der da nach Hause kommt und sein Gedächtnis verloren hat und dadurch auch nicht mitbekommen hat, dass jetzt Hinkel an der Macht ist und dass Juden nicht mehr so gewünscht sind und so, kommt zu seinem alten Frisiersalon zurück und macht ihn wieder auf. Ganz selbstverständlich. Da gibt es Probleme mit den Nazis und so. Und da gibt es eine ganz wundervolle Szene, wie er jemanden, einen Besucher, die Haare macht oder frisiert, ich glaube, er rasiert ihn. Er rasiert ihn. Und da gibt es... Im Radio gerade die ungarischen Tänze Nummer 5 von Brahms. Und was dann folgt, ist großartig, weil seine Bewegungen, seine Rasierbewegungen eine Choreografie zur Musik werden. Und es ist so wahnsinnig witzig und so süß und so unglaublich akkurat gemacht, dass man einfach nochmal zurückspulen muss und es nochmal angucken muss. Es ist so toll. Ihr könnt diese Szene auch auf jeden Fall irgendwo auf YouTube finden, ich bin mir ganz sicher. Barbier. Der große Diktator, Ungarische Tänze Nummer 5. Großartig, einfach anschauen.
Florian Bayer: Cool, ja stimmt, ich erinnere mich an die Szene. Die ist wirklich sehr schön.
Johannes Franke: Ich habe die geguckt damals als Kind und habe dann angefangen Brahms zu hören. Meine Mama geht in meinem Zimmer vorbei. Guckt mich an, weil ich die ganze Zeit Brahms höre. Schüttelt mir den Kopf und sagt, was habe ich nur für einen Sohn? Ich verstehe es nicht. Weil kein Mensch in meinem Alter hat damals irgendwie Brahms gehört.
Florian Bayer: Kannst du nicht Punk werden?
Johannes Franke: Kannst du nicht bitte Punk hören oder so?
Florian Bayer: Mein Platz 1. Ja. Eine klassische Rasierszene, wo man sich die ganze Zeit denkt, wird der jetzt getötet? Oh, eine ganz tolle Rasierszene. Hast du Game of Thrones gesehen?
Johannes Franke: Ich habe es versucht. Ich habe es nicht so durchgehalten, dass ich auch nur irgendwas erinnere.
Florian Bayer: Der schlimmste... Bösewicht dieser Serie ist meiner Meinung nach Ramsay Bolden. Okay. Das ist ein richtiger Bastard. Im wahrsten Sinne des Wortes übrigens ein Bastard. Okay. Auf jeden Fall gibt es einen Protagonisten, der auch so sehr ambivalent ist, moralisch, nämlich Fion Greyjoy. Der wird von diesem Ramsay Bolden gefangen genommen und dieser Ramsay Bolden macht ihn fertig. Und zwar mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Foltert ihn auf psychische Weise, auf physische Weise. Okay. Und Er schneidet ihm den Schwanz ab.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das ist nicht das Schlimmste, was er ihm antut. Und er macht ihn wirklich fertig und erniedrigt ihn und macht ihn zu seinem eigenen Sklaven und Diener sozusagen. Und dann gibt es diese Szene, wo er sich von diesen Fionn-Creature rasieren lässt, während er mit dessen, auf jeden Fall mit jemandem verhandelt, der Fionn kennt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er lässt sich von Fion Cratejoy rasieren und redet dann während dieser Fion Cratejoy, den er so fertig gemacht hat, ihn rasiert, sagt er, was er alles Schlimmes getan hat und was er ihm angetan hat. Okay. Und diese Szene ist so unfassbar intensiv, weil Fion schafft es nicht, ihn umzubringen, weil er zu viel Angst hat, weil er zugeschlagen ist, weil er einfach innerlich gestorben ist und diese Szene macht halt so deutlich, dass er es geschafft hat, ihn komplett zu brechen und er hat kein Problem damit, sich von diesem Erzfeind rasieren zu lassen. Wow. Mit einer scharfen Klinge, weil er es geschafft hat, ihn komplett fertig zu machen. unfassbar krasse, starke, nervenaufreibende Szene. Man wünscht sich so, dass er ihm die Knie durchschneidet. Man wünscht es sich so, aber es passiert halt nicht und man sitzt da dabei und ist einfach nur fassungslos.
Johannes Franke: Das ist aber auch eine geniale Idee. Also gutes Writing, muss man mal sagen. Total.
Florian Bayer: Wirklich eine krasse Szene. Und ich kann verstehen, dass du das nicht geschafft hast, das weiterzugucken, weil Game of Thrones hat was, was Brutalität betrifft. Neben Walking Dead. wirklich die Schrauben nochmal extrem hoch getreten. Vor allem was so Mainstream betrifft, sowohl Walking Dead als auch Game of Thrones, extrem erfolgreiche Serien und Brutalitätsgrad, der richtig krass ist dafür.
Johannes Franke: Ich glaube, dass ich dadurch, dass das eben so hoch war, dieses Level an Brutalität und auch Sex und Zeug, wo ich gedacht habe, ich glaube, mein Kopf hat so viel Abstand davon nehmen wollen, müssen, dass ich der Story nicht mehr folgen konnte. Ich habe nicht mehr teilgenommen am filmischen Erlebnis und an der Story, weil die Gewalt einfach gesagt hat, nee, du machst schön viel Abstand zwischen dir und diesem Film emotional. Sonst kommst du in den Teufels Küche. Also interessiert dich das möglichst nicht, was da passiert.
Florian Bayer: Es gibt ja dieses Honest Trailers und da gibt es auch einen zu Game of Thrones und dann ist da dieser Erzähler mit dieser tollen Stimme und der sagt dann und. Wenn ihr das sehen wollt. Inzest, Kindermord, Vergewaltigung, Brutalitäten. Und das ist übrigens nur die erste Folge. Und es stimmt tatsächlich. Du hast diesen ganzen Shit in einer Folge schon so kondensiert. Alles, was Sex und Gewalt gibt, ist einfach krass.
Johannes Franke: Ich habe übrigens mehrere Staffeln nebenbei laufen lassen. Es ging nämlich darum, dass ich mich vorbereite auf eine Party, in der es um Game of Thrones Charaktere geht.
Florian Bayer: Oh, das ist Engagement.
Johannes Franke: Und dann habe ich gedacht, okay, ich... Schau mir diese Serie an und da habe ich mehrere Staffeln durchgehalten, aber immer mit einer Distanz, die gesagt hat, ich interessiere mich eigentlich nicht dafür. Ich will es eigentlich nicht wissen und ich habe auch alles vergessen. Ich weiß nichts mehr davon, aber ich weiß, dass die erste Folge mir schon gesagt hat, nope.
Florian Bayer: Und wer warst du dann auf dieser Party? Weißt du das für nichts zu sagen? Ja.
Johannes Franke: Ich war der Statist in der Szene, wo sie mit der Bimmel durchs Dorf geht.
Florian Bayer: Schande.
Johannes Franke: Genau, der Statist hinten in der linken Ecke, der irgendwie einfach mittelalterlich aussieht. Okay,
Florian Bayer: das heißt, du hattest einfach dreckige Mittelalterkleidung an.
Johannes Franke: Genau. Weil ich auch mich mit keinem Charakter identifizieren konnte oder irgendwas.
Florian Bayer: Okay, schöne Top 3 haben wir.
Johannes Franke: Ja, sehr, sehr schön. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Zurück zu Tonino Valeri und zu Mario und zu Sergio und Ennio und den ganzen Italienern. Und vielleicht auch zu unserem Fazit.
Johannes Franke: Ja, zu unserem Fazit. das Urseilen. Ich glaube, wir brauchen zwei Fazitze.
Florian Bayer: Faziten? Willst du anfangen zu fazitzen?
Johannes Franke: Faziten. Du brauchst zwei Faziten. Das eine ist für die deutsche Version und das andere für die englische Version. Oder die quasi-Originalversion. Und los.
Florian Bayer: Auch die deutsche Synchro macht ihn nicht kaputt. Er ist auch im Deutschen witzig. Oh, schön. Ich finde ihn, aber nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, das Deutsche war mir teilweise doch zu infantil. Und der englischsprachige Film ist richtig stark. Ich sag's nochmal, Ennio Morricone war nie besser.
Johannes Franke: Ich würde da nicht so zustimmen, aber ja, okay.
Florian Bayer: Tolle Bilder, tolle Story, gut eingesetzter Humor, ein bisschen auch zu albern. Also ich fand die Backpfeifen sind jetzt nicht so witzig, das fand ich als Kind echt witzig. Ich kann als Erwachsener irgendwie nicht mehr drüber lachen, tut mir leid. Aber ansonsten wirklich ein schöner Abgesang auf Western und Italo-Western. Terence Hill, toll. Henry Fonda, toll. Super Regie, wirklich ein cooler Film. Ich hatte wirklich Spaß. Und ich hatte auch, das kommt noch dazu, es hat mich überhaupt nicht gestört, ihn zweimal direkt hintereinander zu gucken. So gut fand ich ihn.
Johannes Franke: Spannend, oder? Ich nämlich auch. Aber das liegt auch daran, dass natürlich der Unterschied zwischen den beiden so massiv ist, dass du wirklich nach der deutschen habe ich dann in die englische geguckt und habe dann festgestellt, oh, ich verstehe plötzlich das, ich verstehe plötzlich das. Und ich habe plötzlich ein Western vor mir. Das andere ist kein Western mehr gewesen. Ich finde die deutsche Version unglaublich gut. unterhaltsam. Ich mag sie. Einfach auch aus Nostalgie vielleicht. Und ich würde mir immer wieder gerne Rainer Brandt Synchronisationen angucken. Aber ich will auch, muss ich dazu sagen, immer das Original dann noch gucken. Weil das einfach ein anderer Film ist. Es ist wirklich einfach anders. Und dann habe ich fast schon mehrere Fazits noch zu bieten, weil meiner Meinung nach Henry Fonda in einem anderen Film ist als Terrence Hill. und ich filme den Film, den Henry Fonda da spielt, wahnsinnig spannend und gut und ich filme den Film, den Terrence Hill spielt, ganz toll. Und es ist irgendwie, ich weiß nicht, die Fazit sind trotzdem die gleichen, aber es sind trotzdem zwei unterschiedliche Filme und ich finde es total großartig, wie das zusammenkommt. Es ist wahnsinnig schwer, zwei Hauptcharaktere, zwei verschiedene Filme spielen zu lassen, aber er kriegt das hin und es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Er schafft es, ja. Was vielleicht auch so ein bisschen... Was auch diese tolle Atmosphäre erzeugt, dieser Clash eben, das neue und das alte Treffen aufeinander. Henry Fonda wird wirklich sehr würdevoll in den Ruhestand verabschiedet. Obwohl Terrence Hill die ganze Zeit da rumtanzt und alber reinmacht.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Und das ist vielleicht, der Film ist würdevoll. Das ist das krasse und überraschende. Obwohl das viele Albernheiten sind, hat dieser Film wirklich viel Würde.
Johannes Franke: Aber die hängt alles an Henry Fonda, ne? Der trägt das alles.
Florian Bayer: Aber auch die Musik und auch die Bilder. Du sagst... Der macht sich nicht nur über sich lustig. Der ist so. Hör dir mal nochmal das Spiel an.
Johannes Franke: Aber er hat sich halt auch selbst nochmal verarscht. Was ich ganz großartig finde, dass man das kann als Musiker, sich selbst nochmal verarschen.
Florian Bayer: Ich glaube, der hat das auch ernst genommen.
Johannes Franke: Naja, ich meine, jede Komödie muss man ernst nehmen, sonst zündet sie nicht.
Florian Bayer: Wir müssen auf jeden Fall mal irgendwann demnächst über Bud Spencer und Terrence Hill reden. Wir müssen eine Folge machen mit Bud Spencer und Terrence Hill. Du suchst aus, welchen.
Johannes Franke: Oh,
Florian Bayer: okay. Ich werfe die nämlich alle durcheinander. Ja,
Johannes Franke: aber ich natürlich auch. Ich habe keine Ahnung, welche.
Florian Bayer: Ich kann sie halt nur daran unterscheiden, dass sie mal ein Cowboy-Kostüm, mal ein Piraten-Kostüm tragen. Aber sie machen genau dasselbe dabei. Also es ist egal, ob sie Piraten, Cops oder Cowboys sind. Sie prügeln sich halt. Angie, vielen Dank für diesen tollen Vorschlag. Ja,
Johannes Franke: ist großartig. Vor allem auch wegen dieser zweigeteilten Welt, die sich dazu auftut, Deutsch und Englisch. Und irgendwie hätte mich dann doch interessiert, wo du herkommst mit diesem Film, was deine Geschichte mit diesem Film ist. Aber das ist über Spotify leider nicht machbar. Also kannst du aber gerne eine Mail schreiben oder sowas, wenn du möchtest. Auf unserer Webseite gibt es auf jeden Fall auch Kommentarspalten und so, die nie irgendjemand nutzt, weil keiner über unsere Webseite hört. Aber was soll's.
Florian Bayer: Wir haben uns auf jeden Fall sehr über deinen Kommentar und über deinen Vorschlag gefreut. Wir hatten beide offensichtlich Spaß dabei, diesen Vorschlag umzusetzen. Und ich habe tatsächlich wieder Bock auf Italo-Western gekriegt. Das heißt, ich werde mir jetzt demnächst mal Django anschauen, der so eine Lücke ist in meinem Filmwissen. Der Original Django von 1964, 1963.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und ich werde nochmal die Dollar-Trilogie einmal komplett durchgucken. Ich habe Lust auf Italo-Western gekriegt.
Johannes Franke: Gut, Ziel erreicht. Sehr schön. Danke, Plor, dass wir das gemacht haben.
Florian Bayer: Danke, Johannes. Und nächste Woche bin ich dran mit einem Filmvorschlag.
Johannes Franke: Oh ja, stimmt. Ich bin gespannt. Mach nicht zu viel Kunstkacke, bitte, diesmal. Nee,
Florian Bayer: Kunstkacke haben wir jetzt hinter uns.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Schaut euch die letzten drei Episoden nochmal an. Ich quäle Johannes einmal mit Takashi Miike mit Bosu und einmal mit Das siebte Siegel. Und bei dem, bei dem ich gedacht hätte, dass er ihn... mehr leiden lässt, der lässt ihn weniger leiden und umgekehrt. Egal. Nächste Woche gibt's keine Kunstkacke. Wenn ihr wissen wollt, was für keine Kunstkacke es gibt, bleibt kurz dran. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Bis nächste Woche. Ciao.
Florian Bayer: Hasta la vista, Baby.
Johannes Franke: Okay, ich ahne, was es wird.
Florian Bayer: Weißt du schon, hast du ihn gesehen?
Johannes Franke: Also es ist ein Arnold-Schwarzenegger-Film.
Florian Bayer: Ich würde dir gerne Terminator 1 und 2 aufgeben.
Johannes Franke: Und 2?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: weil... Warum auch 1 und 2 und nicht 1 und 5 oder 5 und 6 oder 12 und 17?
Florian Bayer: Weil die beiden schon ikonisch sind. Und natürlich auch die besten der Reihe, die ja mittlerweile 5, 6, 7 Filme hat. Ich weiß es gar nicht so genau. Den letzten habe ich nicht gesehen. Den allerletzten habe ich nicht gesehen. Okay. Und es ist so eine typische Reihe, wo die Fans sich sehr darüber beklagen, dass das immer schlechter wird. Ich finde ja tatsächlich den vorletzten, den viele schon so abgehältet haben, der war gar nicht so verkehrt von der Idee und die Umsetzung war ein bisschen doof. Aber ist egal, darüber müssen wir nicht reden. Ich will über die beiden Klassiker reden. Den ersten, weil er wirklich ein grimmiger, düsterer Actionfilm ist, Low Budget, aus den 80ern. Und den zweiten, weil er meiner Meinung nach einer der besten Actionfilme aller Zeiten ist. Wow. Und Actionfilme haben wir wirklich wenig in unserem Podcast, weil wir beide nicht so die großen Actionfilmfans sind. Ja, das stimmt. Und ja, ich müsste echt weit gucken. Wir haben über John Wick geredet, dem konntest du nicht viel abgewinnen.
Johannes Franke: Nee, leider nicht.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt, wie du die beiden Filme findest. Ich kann mir vorstellen... Ich bin gespannt, wie ich sie finde, weil ich habe die auch schon länger nicht mehr gesehen. Auch wie sie gealtert sind, weil der zweite hat ja damals echt geklotzt mit CGI. Das ist ja so eines der Early-CTI-Experiments.
Johannes Franke: Oh, stimmt, wie er aus dem Feuer rauskommt, glaube ich, oder? Ich meine, ich habe die nie richtig, also ich habe sie einmal als Kind, habe ich den ersten, glaube ich, gesehen, aber auch nur so, dass ich vage Erinnerungen daran habe. Und ich glaube, den zweiten habe ich mir gar nicht richtig gegeben. Ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: Der erste, den gibt es, wenn man den im Fernsehen gesehen hat, ist der so extrem beschnitten. Wenn man den in der ungeschnittenen Fassung sieht, ist man ziemlich... düsterer und brutaler Film auch. Und ich bin aber wirklich gespannt drauf, auch weil ich glaube, es kann sein, dass es sich um einen Film handelt, den ich bisher noch nie im Original gesehen habe, sondern nur in der deutschen Synchro. Das heißt, mit dem Austria-Akzent von Schwarzenegger im Original wird das bestimmt nochmal ein großes Vergnügen, aber ich hab Bock auf Action und lass uns mal die beiden nehmen und mal schauen, wie du sie findest.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Du weißt, ich bin kein großer Actionfilm-Fan, du ja auch nicht wirklich, aber du kannst dem anscheinend ein bisschen mehr abgewinnen als ich. Und mal gucken, ob ich da was finde, was ich damals schon abgewählt habe. Mal sehen.
Florian Bayer: Also Leute, schaut euch die beiden Filme nochmal an, wenn ihr nächste Woche zuhört, weil wir werden wie immer extrem viel spoilern und ich glaube, es macht am meisten Spaß, wenn man die Filme kennt. Ansonsten euch eine schöne Woche und vielen Dank.
Johannes Franke: Sehr schön, bis dann. Ciao.
