Episode 268: Das Dschungelbuch – Walt Disney probierts mal mit Gemütlichkeit
Das Dschungelbuch ist eigentlich eine Sammlung von vielen kurzen Geschichten über einen Menschen-Jungen der im Dschungel aufwächst. Als Walt Disney (Der Mann, nicht nur die Firma) in den 60ern den Stoff in der Entwicklung an Larry Clemmons, sollte er sich nicht an die Vorlage aus dem Jahr 1894 halten, sondern die Charaktere ausarbeiten und Spaß mit ihnen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die inhaltliche Beschreibung des Films „Das Dschungelbuch“ in der Kurzfassung des Autoren sehr einfach und schnell liest:
Ein Junge muss vom Dschungel ins Menschendorf gebracht werden, weil ein Tiger hinter ihm her ist. Auf dem Weg dorthin versuchen verschiedene Tiere, ihn entweder zu unterstützen oder aufzuhalten. Zitat Ende.
Die erwähnten Tiere sind mal lustig, mal gefährlich, mal gefährlich, obwohl die das richtige wollen, und mal lustig obwohl sie gefährlich sein wollen. Eine bunte Truppe auf einem Road Trip der in einem Kampf mit dem Endgegner endet.
Shir Khan wird besiegt. Den Kampf mit dem Endgegner „Hormone“ verliert Mogli allerdings und so müssen der Bär und der Panther allein zu zweit zurück in den Dschungel.
Plor hast du die Geschichten von Kipling gelesen? Oder ist das hier die einzige gültige und dir bekannte Version davon?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 268: Das Dschungelbuch – Walt Disney probierts mal mit Gemütlichkeit Publishing Date: 2026-02-18T08:26:47+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/02/18/episode-268-das-dschungelbuch-walt-disney-probierts-mal-mit-gemuetlichkeit/
Florian Bayer: Ich bin natürlich mit dem Dschungelbuch groß geworden und ich gehe davon aus, du auch.
Johannes Franke: Ja, natürlich, absolut. Es gibt diesen pavlovischen Reflex, wenn du einmal mit der Bimmel klingelst. Sobald Balou anfängt, diesen Song zu singen, ist bei mir die Klingel. Ich bin wieder in der Kindheit, ich finde es großartig und sofort bin ich wieder sechs und ich habe so viel Spaß mit diesem Film. Absolut. Herzlich Willkommen hier wieder in meiner Küche. Flo, herzlich Willkommen und ihr da draußen, herzlich Willkommen.
Florian Bayer: Herzlich Willkommen alle zusammen. Wir probieren es heute mal mit Gemütlichkeit.
Johannes Franke: Ah, ganz entspannt. Wir gehen es ganz entspannt an. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Swing, ein bisschen...
Florian Bayer: Kolonialismus.
Johannes Franke: Ein bisschen Kolonialismus, genau.
Florian Bayer: Ein bisschen Rassismus.
Johannes Franke: Ach ja, wie schön.
Florian Bayer: Wir reden heute über einen echten Zeichentrickfilm-Klassiker, nämlich... Ah,
Johannes Franke: das Dschungelbuch. Endlich
Florian Bayer: endlich Aus dem Jahre 1967. Nicht unser erster Disney-Film und auch nicht unser erster Disney-Film aus dieser Disney-Epoche.
Johannes Franke: Ja, du hast ja eine schöne Unterscheidung. Ich finde die ja ein bisschen Quatsch, aber
Florian Bayer: Nein, die haut schon hin ungefähr.
Johannes Franke: Ja? Okay. Silver Age, Golden Age. Ist das eine Wertung oder ist das eher so ein...
Florian Bayer: Na, die, die es benutzen, nehmen das schon als Wertung, aber ich finde, es macht tatsächlich Sinn, weil es gibt einfach Zeitpunkte, wo sich einiges geändert hat bei Disney. Und um es ganz grob zu fassen, wir haben das Golden Age, das beginnt mit Schneewittchen, mit dem großen ersten Langfilm von den Disney Studios. Ende der 30er Jahre. Also wir sind wirklich weit in der Vergangenheit. Mittlerweile fast 100 Jahre. Und dann haben wir halt einfach so ein paar Klassiker im Golden Age wie Pinocchio, Fantasia oder Bambi. Und dann irgendwann ändert sich was.
Johannes Franke: Ja und zwar... Walt Disney stirbt.
Florian Bayer: Ja, dann sind wir aber schon später. Davor ändert sich auch was, nämlich die Zeichentechnik ändert sich zu Beginn der 60er Jahre und das ist für gemeinhin, wird das als Zeit des Silver Ages bezeichnet und zwar befinden wir uns in einer Zeit, in der Disney neue Langfilme macht nach dem Krieg und dann vor allem in einer Zeit, in der sich die Zeichentechnik durch die Kopiertechnik ändert.
Johannes Franke: Xerox, wie man so sperrig sagt.
Florian Bayer: Genau, die haben angefangen, die Zeichnung der Ciao. großen Zeichner, die für die Disney-Filme verantwortlich waren, zu kopieren. Wir werden nachher noch mehr dazu sagen. Ja, genau. Und dadurch hat dieser Zeichenstil aber einen ganz anderen Effekt, weil das nicht abgezeichnet wurde, konnte man einfach noch so die Skizzierungen sehen. Sprich, das ist das, was man heute kennt als so etwas ruffere Zeichnungen. Und wir haben über 101. Martina geredet, der der Erste war, der diese Technik angewandt hat.
Johannes Franke: Den ich abgöttisch liebe. Auch für seine Zeichentechnik.
Florian Bayer: Und was dann kommt, ist das Bronze Edge. Und das beginnt eigentlich mit dem Tod Disneys und umfasst eine etwas dunklere Zeit, weil sowohl die Filme etwas düsterer wurden, sowas wie Haran und der Zauberkessel, den ich sehr mag, über den wir auch irgendwann reden müssen. Und vor allem aber auch, weil die Filme nicht mehr so erfolgreich waren. Das war die Zeit, als es dann wirklich große Konkurrenz gab von vor allem Don Bluff, der sein eigenes Zeichending gemacht hat, von Disney kam und so Filme gemacht hat. Aber noch düsterer,
Johannes Franke: ne?
Florian Bayer: Ja, The Secret of NIMH haben wir besprochen. Miss Brisby und das Geheimnis von NIMH, großartiger Film. Und dann gibt es das Renaissance-Zeitalter, als Disney zurück zur ehemaligen Größe findet und mit Filmen wie Ariel, der meistens so als der Beginn davon gilt, und König der Löwen neue... Meisterwerk geschafft. Mein Lieblingszeitalter von Disney, was aber natürlich auch Nostalgie geschuldet ist, weil das sind die ersten Disney-Filme, die ich erlebt habe, die in meiner Zeit produziert wurden, die ich im Kino sehen konnte, etc.
Johannes Franke: Also man hat dann halt so Kindheitserinnerungen, Nostalgie an die Zeit. Also vor allem auch, weil man dann das große, neue Disney kennengelernt hat und nicht nur die Reruns im Fernsehen.
Florian Bayer: Wir sind heute aber irgendwie in diesem Silver- und Bronze-Age, weil wir sind wirklich bei dem letzten Film, bei dem Walt Disney persönlich für die Produktion verantwortlich war, dessen Veröffentlichung er nicht mehr miterleben konnte, weil er 1966 gestorben ist.
Johannes Franke: Traurig. Schade, dass er wirklich seinen Film, wo er sich echt nochmal hingesetzt hat, gesagt hat, nee, ich geh von dem ganzen Scheiß aus Disneyland und so. Er hat ja viel anderes Zeug in die Hand genommen und hat dann gesagt, ihr Animatoren, ihr Studios, ihr macht das schon und ich kümmere mich mal ums Geldverdienen bei Disneyland und Co. Aber dann... Das ist ihm halt auf die Füße gefallen und er hat festgestellt, oh, der Film davor, der war jetzt nicht so wahnsinnig erfolgreich. Merlin und Mim. Und das ist so schade.
Florian Bayer: Das ist so ein schöner Film.
Johannes Franke: Der ist so toll.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: aber er war nicht so erfolgreich.
Florian Bayer: Nee,
Johannes Franke: er war vor allem, also er hat schon ganz gut Geld gemacht, aber er war vor allem bei der Kritik ist er nicht so gut angekommen.
Florian Bayer: Die haben unter anderem kritisiert, dass er ein bisschen zu episodisch wäre, dass er ein bisschen zu flach wäre und auch, dass er teilweise ein bisschen zu düster wäre, dass er irgendwie einen anderen Ton hätte als frühere Disney-Werke.
Johannes Franke: Ja. Und dem geht jetzt Disney, also Walt Disney, der Mann, komplett entgegen. Der sagt sich, komm, jetzt machen wir nochmal richtig Uffris hier. Wir machen nach altem, schönem Prinzip. Und bevor wir da tief reingehen, würde ich euch einmal erzählen, worum es sich eigentlich handelt. Auch wenn ihr vielleicht 20.000 Mal diesen Film gesehen habt, vielleicht ist der ein oder andere dabei, der den nicht gerade erst gestern gesehen hat und nicht mehr so genau weiß. Das Dschungelbuch ist eigentlich eine Sammlung von vielen kurzen Geschichten über einen Menschenjungen, der im Dschungel aufwächst. Als Walt Disney, also der Mann, nicht nur die Firma, den Stoff in der Entwicklung an Larry Clemens, den Autoren, weitergab, sollte er sich nicht ans Buch halten, sondern die Charaktere ausarbeiten und Spaß mit ihnen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die inhaltliche Beschreibung des Films das Dschungelbuch sehr einfach und schnell liest. Das folgende ist Larry Clemens Kurzfassung. Ein Junge muss vom Dschungel ins Menschendorf gebracht werden, weil ein Tiger hinter ihm her ist. Auf dem Weg dorthin versuchen verschiedene Tiere ihn entweder zu unterstützen oder aufzuhalten. Zitat Ende. Die erwähnten Tiere sind mal lustig, mal gefährlich, mal gefährlich, obwohl sie das Richtige wollen und mal lustig, obwohl sie gefährlich sein wollen. Eine bunte Truppe auf einem Roadtrip, der mit einem Kampf mit dem Endgegner endet. Ach ja, und Shere Khan wird auch noch besiegt. Der Kampf mit dem Endgegner Hormone verliert Mowgli allerdings bei weitem. Und so müssen Bär und Panther zu zweit zurück in den Dschungel. Plor, hast du die Geschichten von Kipling gelesen oder ist das hier das vorliegende, das einzig gültige und dir bekannte Werk?
Florian Bayer: Ich habe die Geschichten von Kipling gelesen in der letzten Woche.
Johannes Franke: Zum ersten Mal in meinem Leben.
Florian Bayer: Richard Kipling, der die Vorlage geschrieben hat. Und Punkt 1, das Werk ist besser als die Vorlage. Punkt 2, das ist für mich nicht das einzig gültige Werk. Es gibt nämlich noch besseres. Aber dazu kommen wir. Ja, ich bin natürlich mit dem Dschungelbuch groß geworden und ich gehe davon aus, du auch.
Johannes Franke: Ja, natürlich, absolut. Es gibt diesen pavlovischen Reflex, wenn du einmal mit der Bimmel klingelst. Und sobald Balou anfängt, diesen Song zu singen. Ist bei mir die Klingel. Ich bin wieder in der Kindheit und es fängt schon früher an, weil ja die K schon vorher wie eine Ziehharmonika in der Gegend rumrennt. Ich finde es großartig und sofort bin ich wieder sechs und ich habe so viel Spaß mit diesem Film.
Florian Bayer: Absolut. Und es ist ein Film, der auch wirklich gut geeignet ist als Disney-Film für die frühe Kindheit. Und wenn ich darüber nachdenke, was ich meinem Kind gezeigt habe, so als erstes aus dem Disney-Kosmos, es waren wahrscheinlich Dschungelbuch-Szenen. Gerade weil der Film auch so episodisch ist und weil die Songs einfach zeitlos genial sind. Also vor allem Balou. Also es geht nichts über, probier es mal mit Gemütlichkeit oder The Necessities im Englischen. Aber auch King Louie, was wirklich ein geiler Song ist. Das sind tatsächlich für mich absolut die Song-Highlights aus dem Film, weil die einfach so eine geile Dynamik haben. Aber auch andere Stücke. Also der K-Song hat einfach eine wunderbar hypnotische Kraft. Und die ganzen kleinen Slapstick-Sachen, die passieren. Es ist einfach ein episodischer Film. Es ist auch deutlich krasser ein episodischer Film als Disney-Filme davor und auch Disney-Filme danach. Und dadurch eignet er sich natürlich wunderbar, um einfach mal zu sagen, okay, jetzt guck dir mal an, wie dieser kleine Junge hier im Dschungel rumstolpert und sich über verschiedene Sachen kaputt lacht.
Johannes Franke: Ich kann total verstehen, dass Walt Disney gesagt hat, komm, lass uns nach dem ganzen Kram, den wir hier gemacht haben, einmal Back to the Roots und so kleine Vignettes. erzählen, mehr oder weniger. Also die ganzen kurzen Skits, die früher von Disney gekommen sind, wo einfach Mickey Mouse oder so Steamboat Willy, das sind ja kürzere Sachen gewesen. Das sind ja im Grunde so Skits und Sketche. Und das hat er hier geschafft durchzusetzen, was ja auch irgendwie passt, weil es ja Kurzgeschichten gewesen sind. Das Interessante ist ja, der zuerst die Idee Ge- pitcht hat, der hat sich was anderes vorgestellt.
Florian Bayer: Und zwar war das der Story-Artist Bill Peet. Also wohlgemerkt. Großartiger Typ. Walt Disney hat schon länger mit dem Gedanken geflirtet, dass er das Dschungelbuch umsetzen könnte. Schon in den 30ern hat er darüber nachgedacht. Und um dann ganz kurz mal wirklich 100 Jahre zurückzuspringen, das Dschungelbuch war nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in England eine der berühmtesten Kindergeschichten überhaupt.
Johannes Franke: Ja. Ja, muss man sagen.
Florian Bayer: Geschrieben 1894, 95 von Kipling. Hast du es gelesen?
Johannes Franke: Ich habe es als Kind in einer wahrscheinlich Kinderfassung gelesen. Noch mal kleineren Kinderfassung. Es ist ja schon ein Kinderbuch eigentlich. Aber ich glaube, was ich gelesen habe, das war eine Ausgabe. Also das sind ja zwei Bücher gewesen, die er daraus gebracht hat. Und viele Geschichten. Und ich glaube nicht, dass ich so viele in diesem Buch hatte, was ich da vor Augen habe. Aber ich war fasziniert und ich mochte das sehr. Ich fand es total toll. Und Kipling ist ja auch wirklich ein sehr gefeierter Schriftsteller gewesen.
Florian Bayer: Der jüngste Literatur-Nobelpreisträger in der Geschichte des Literatur-Nobelpreises bis heute. Er war Anfang 40, als er ihn gekriegt hat. 1907. Und bis zum heutigen Tag der jüngste Literatur-Nobelpreisträger.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Und er war vor allem durch das Dschungelbuch bekannt.
Johannes Franke: Wir müssen in Kipling reingucken, weil Kipling ist nicht nur, oh, der beste Schriftsteller der Welt, sondern auch, oh, der schlimmste Kolonialist der Welt. Oh, fuck.
Florian Bayer: Ich mag Kipling nicht.
Johannes Franke: Also ich mag ihn als Person überhaupt nicht.
Florian Bayer: Nicht nur als Person, sondern auch als Schriftsteller. Nachdem ich jetzt wieder das Dschungelbuch gelesen habe und gehört habe, muss ich sagen, Richard Kipling, so sein Name, ein... Ein britischer Autor, der aber sehr lange in Indien gelebt hat.
Johannes Franke: Der ist in Indien geboren. 1865 in British India, wie es damals hieß.
Florian Bayer: Roger Kipling ist meiner Meinung nach kein guter Autor und auch kein guter Mensch.
Johannes Franke: Kein guter Mensch ist so hart gesagt.
Florian Bayer: Er hat seine Vorzüge und ich sehe auch, dass er vieles Positives gemacht hat. Aber Kipling ist eine problematische Figur, nicht nur wegen seiner Haltung zum Kolonialismus, aber das ist natürlich das besonders krasse.
Johannes Franke: Das ist das besonders krasse. Und man muss dazu sagen, mit der Maßgabe, die man sonst immer raushauen muss, ja, das waren andere Zeiten damals und so, aber auch damals haben Leute schon gesagt, ey, Alter, was willst du denn?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: was soll das denn bitte schön?
Florian Bayer: Und verantwortlich ist vor allem ein Gedicht, das er nach dem Dschungelbuch geschrieben hat. Also nicht nur ein Gedicht, aber ein Gedicht ist so wunderbar pointiert. Hier bringt es auf den Punkt, was er für ein Mensch ist in der Kolonialismus-Haltung. The White Man's Burden, hat er 1899 geschrieben. Das habe ich mir auch nochmal durchgelesen. Und beim... besten Willen, für mich gibt es keine Möglichkeit, dieses Gedicht irgendwie auch nur im Ansatz kritisch zu lesen, so zu lesen, dass es eine kritische Auseinandersetzung mit dem Imperialismus ist. Und wenn Kritik drinsteckt und wenn Sarkasmus drinsteckt, der durchaus da ist, dann ist es dieser eklige, lamoyante Sarkasmus, der sagt, wir strengen uns so an und wir werden überhaupt nicht geschätzt dafür.
Johannes Franke: Es ist wirklich hart. Ihr könnt euch das gerne mal durch... White man's burden. Die Bürde des weißen Mannes quasi. Gerne googeln, gerne, ich würde es jetzt gerne nicht reproduzieren hier, aber lest es euch gerne durch.
Florian Bayer: Problem ist, er beschreibt, er ist einfach jemand, der den Kolonialismus hervorholt und sagt, Leute, macht das, schickt eure Kinder dahin, kümmert euch drum und rechnet damit, dass ihr dafür nicht gelobt werdet, sondern dass ihr feststellt, dass diese blöden Wilden euch das alles kaputt machen. Und das ist der Inhalt von diesem Gedicht in viel zu vielen Strophen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es sind, warte mal, wie viele sind es? 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 Strophen, wo er rumjammert, auffordert, rumpoltert und das ist nicht geil. Das ist wirklich nicht geil.
Johannes Franke: Was hat dazu geführt? Ich habe echt darüber nachgedacht, was bringt ihn dazu, dieses Gedicht zu schreiben? Er ist ja bitter irgendwie in dem Gedicht, weil er so viel jammert und sagt, wir mühen uns so ab, euch zu zivilisieren. Und der Typ ist halt in Indien in... British India geboren, als Sohn einer britischen Familie und die waren jetzt nicht die reichesten, aber sie waren für diese Verhältnisse durchaus wohlhabend okay, so okay situiert.
Florian Bayer: Wie Kolonialherren nun mal gelebt haben in Indien, wenn sie aus England kamen. Genau. Denen ging's gut.
Johannes Franke: Ja, und sie hatten allein, dass sie sich eine Nanny und andere Angestellte leisten konnten, sagt schon einiges. Auch wenn man sagen muss, dass um diese Zeit leider Angestellte nicht so wahnsinnig teuer waren, wie man das gerne hätte, dass sie gewesen wären. Gut, er hatte eine Nanny und diese Nanny hat ihm viele Geschichten erzählt. Es war eine indische Frau. Ja. Die hat ihm ganz viele Geschichten aus ihrem Kulturkreis erzählt. Und rate mal, wo die Geschichten gelandet sind. In seinen Büchern.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Die alte krimsche Taktik. Ja.
Florian Bayer: Uns fällt nichts selbst ein. Bedienen wir uns mal beim einfachen Volk.
Johannes Franke: Ja. Also ich kann mir schon vorstellen, dass er irgendwie noch Eigenleistungen und so weiter, warum nicht, klar. Vielleicht hat er auch einen kreativen Ader gehabt und hat auch recht gut geschrieben oder sowas. Er hatte einen kreativen Ader.
Florian Bayer: Er hat viel veröffentlicht.
Johannes Franke: ob man das jetzt mag oder nicht. Du scheinst ihn nicht so sehr zu mögen als Schriftsteller. Aber dahingestellt. Aber man muss sagen, er hat sich reichlich bedient und seine Nanny hat ihm das auch auf dem Silbertablett dargereicht.
Florian Bayer: Er hat nicht so lange in Indien gelebt. Er ist mit fünf Jahren, wie das so üblich war, offensichtlich bei Kolonialistenkindern, zusammen mit seiner jüngeren Schwester nach England geschickt worden.
Johannes Franke: Oh, echt?
Florian Bayer: Und wurde da bei Pflegeeltern aufgezogen und ist erst dann mit 17 Jahren zurück nach Südostasien und zwar nach Pakistan zuerst, weil da seine Eltern gelebt haben. Und hat dann dort angefangen, für eine Zeitung zu arbeiten. Er war dann Redakteur und er hat dann journalistische Texte geschrieben. Er hat vor allem aber damals auch schon angefangen, Lyrik und Prosa zu schreiben.
Johannes Franke: Ich möchte einmal den Namen nennen, die Civil and Military Gazette.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Ich finde, das sagt schon auch einiges.
Florian Bayer: Es gibt einen wirklich guten englischsprachigen Podcast-Empire, der sich auseinandersetzt mit... mit dem, was das Empire damals und vor allem die, wie heißen sie?
Johannes Franke: Möchtest du Tee plor,
Florian Bayer: während du suchst? Was die East India Company gemacht hat. Das war ein bisschen früher als er, aber es gibt einen guten Podcast, der sich damit auseinandersetzt, Empire, und der sich anschaut, was die East India Company gemacht hat in Indien.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist wirklich schrecklich. Man verliert den Glauben an die Menschheit, wenn man das so hört. Also Kolonialismus, schlimmes Kapitel.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Was Rudyard Kipling tatsächlich hatte, Zeit seines Lebens war eine Faszination für, und das gebe ich ihm total, eine Faszination für Südostasien, für Indien, für Pakistan, für die Menschen, die dort gelebt haben, für die Natur dort. Und wie gesagt, er ist als Jugendlicher zurück und er hat, er ist rumgereist. Er ist dann als junger Mann, der war so in den 1880er Jahren, ist er in Indien herumgereist und hat da als Korrespondent gearbeitet und hat mit seinen, und hat Bücher geschrieben, bevor er dann wieder Ende des des 19. Jahrhunderts nach England ist. Und das war auch die Zeit, als er dann in England zurück war, hat er das Dschungelbuch unter anderem geschrieben.
Johannes Franke: Er war ja auch zwischendurch in Amerika und er ist ja nach London gegangen aus Indien, weil er eben gehofft hat, dass seine Schreiberei ihm dort mehr Möglichkeiten liefert. Also auch um zu gucken, okay, hier in Indien gibt es jetzt nicht die großen herrschenden Und... Strukturen, in die ich eintreten kann, um richtig Geld zu machen als Schriftsteller. Das hat sich ja nicht so richtig gelohnt. Also als Zeitungsmitarbeiter ja okay, aber da wollte er hinaus drüber. Und dann nach London zu gehen, ich glaube, er hat sich aber auch nicht 100% wohl gefühlt, muss man sagen. Es fehlte ihm dann doch.
Florian Bayer: Er ist viel umhergereist. Er war kein sesshafter Mensch. Er war auch Er war, glaube ich, teilweise in Afrika unterwegs. Muss ich einmal kurz gucken,
Johannes Franke: ob ich das zusammenschiebe. Ja, stimmt. Auch mit seinem Kumpel, der die Minen da ausgebeutet hat und gesagt hat, ja, alles für die Gegend, Mann, kein Problem, wir helfen denen nur.
Florian Bayer: Er ist viel umhergereist. Er ist 1932 gestorben, um noch das dazu zu sagen. Also er hat den Ersten Weltkrieg noch miterlebt. Sein Sohn ist leider gefallen im Ersten Weltkrieg. Er war davor ein großer Kriegseintrittsverfechter. Und das hat sich dann wohl ein bisschen geändert, nachdem sein Sohn im Krieg gestorben ist. Und er war einfach irgendwann so eine Gallionsfigur der britischen Literatur. 1932 noch hat er die königliche Weihnachtsansprache verfasst. Das Dschungelbuch. 1894 wurde der erste Teil veröffentlicht. 1895 das zweite oder das neue Dschungelbuch. Im ersten Dschungelbuch, was so die Vorlage ist für das, was wir hier im Film haben, gibt es... Drei Geschichten über Mowgli und vier Geschichten über andere Tiere, die nichts mit Mowgli zu tun haben. Und die Geschichten über Mowgli haben auch wirklich wenig mit dem zu tun, was wir hier im Film sehen.
Johannes Franke: Ja, es ist ja mehr, also sein Fokus scheint zu sein, das Gesetz des Dschungels. Es geht ihm viel um so Regeln und so, wie funktioniert die Gesellschaft, welche Aufgaben haben die Tiere und wonach muss man sich richten, damit das Zusammenleben funktioniert.
Florian Bayer: Gleich in der ersten Geschichte ist quasi der Kampf gegen Shere Khan drin und dann auch Mowgli, der aus dem Dschungel flieht. Und der Kampf gegen Shere Khan ist aber vor allem ein Debattierclub. Wir haben Mowgli und Bagheera, der so ein bisschen sein Schutzengel ist auf der einen Seite und Shere Khan und was im Film überhaupt nicht vorkommt, den Wolfsrudel auf der anderen Seite. Im Buch ist es nämlich so, dass die Wölfe sich ab einem gewissen Punkt alle gegen Mowgli stellen und der Einzige, der noch zu ihm hält, ist Akila. der im Film ja auch vorkommt, der Führer des Wolfsrudels, der aber schon zu alt ist, um wirklich viel zu machen. Und dann überzeugt Shere Khan die Wölfe davon, dass Mowgli eine Gefahr ist als Mensch, der zehnjährige Mowgli. Und die Wölfe wollen ihn vertreiben. Und Shere Khan wirbt aber dafür, dass man ihn nicht einfach nur vertreibt, sondern tötet. Und Mowgli schafft es nur, sich gegen diese Reden gegen ihn zu wehren. Wie gesagt, es ist hauptsächlich Shere Khan, der mit den Wölfen diskutiert. Bagheera, der auf der Seite von Mowgli dagegen diskutiert. Er schafft es sich dann zu wehren, indem er das Feuer nimmt, die rote Blume und den Wölfen und vor allem Shere Khan auch Angst macht und danach stellt er aber fest, die haben ihn einfach nicht akzeptiert als ihresgleichen und beschließt, dass er den Dschungel verlassen wird.
Johannes Franke: Endet das Ganze nicht auch in den letzten Geschichten, dass er quasi dann doch der König des Dschungels wird, aber eben im Erwachsenenzustand?
Florian Bayer: Es gibt Tschüss. später dann nochmal Geschichten. Das ist das erste Buch. Da geht es wirklich im ersten Teil wirklich einfach nur um diese Grundgeschichte. Mowgli wird gefunden als Baby, wächst auf bei Wölfen. Das wird überhaupt nicht erzählt. Da heißt es dann nur, das wäre viel zu viel. Das können wir jetzt nicht erzählen. Und dann gibt es diesen Moment, er ist zehn und die Shere Khan sagt, er ist gefährlich, den müsst ihr loswerden. Lasst ihn uns töten. Die Wölfe sagen, hau ab, du hast nichts zu bei uns verloren. Mowgli schnappt sich das Feuer und verschwindet. Kapitel zwei spielt dann davor, logischerweise, weil er ist ja raus aus dem Dschungel. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Das ist vor allem das, was sich sehr viel damit auseinandersetzt, wie Mowgli mit Baloo unterwegs ist. Und zwar ist Baloo komplett anders als im Film. Baloo ist nämlich nicht der Hippie-Bär, sondern Baloo ist der weise Lehrer, der das Gesetz des Dschungels lehrt.
Johannes Franke: Der auch streng sein kann.
Florian Bayer: Der sehr streng ist und der mag Mowgli vor allem, weil Mowgli im Gegensatz zu den Wölfen zuhört und Mowgli als Menschenjunge intelligenter ist. Und auch an mehr interessiert ist als die Wölfe, die halt direkt abhauen. Und da geht es dann darum, dass er von den Affen entführt wird. die schon Interesse an ihm haben, weil er halt der Mensch ist, weil er ihnen helfen kann. Die Affen fühlen sich die ganze Zeit so ein bisschen überlegen zu den anderen Tieren und die leben auch in diesen alten Ruinen. Das ist alles schon sehr ähnlich wie im Film. Anders als im Film ist das, dass die Schlange K in dieser Geschichte eine helfende Funktion einnimmt. Die Schlange K wird als Unterstützerin herangezogen, um Mowgli vor den Affen zu retten.
Johannes Franke: Und es gibt auch nicht diesen Affenkönig in der Form, oder? Weil es ist ja auch im Film, was ist das für eine, ich habe die Affenart vergessen. Die gibt es da gar nicht. Nein,
Florian Bayer: ja. Es ist ein Orang-Utan. Er hat nichts im indischen Dschungel verloren.
Johannes Franke: Genau. Und der ist ja auch im Buch so in der Form nicht, oder?
Florian Bayer: Genau. Die Affen sind einfach so ein anarchisches Volk. Die Affen sind ganz interessant beschrieben. Das sind Anarchisten. Die Affen sind führerlos und hängen da rum und prahlen und schwatzen und kichern und toben. Und die Tiere des Dschungels haben nichts mit den Affen gemein. Weil Baloo sagt das Mowgli in klaren Worten. Mit denen willst du eigentlich nichts zu tun haben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Was du meinst. dass Mowgli plötzlich in den Dschungel zurückkommt. Das ist die dritte Geschichte. Nämlich Tiger, Tiger, Tiger, Tiger, nur zweimal Tiger. Ich hätte ein drittes hinzugepackt, titeltechnisch. Tiger, Tiger, Ausrufezeichen, Ausrufezeichen. Und zwar ist Mowgli bei den Menschen gelandet und hat da erst lernen müssen, wie ein Mensch sich zu verhalten. Und dann kommen die Wölfe, weil es gab so eine halbe Versöhnung am Ende vom ersten Buch, vom ersten Teil, von der ersten Geschichte. Wo er gesagt hat, naja, ich komme zurück zum Felsen und Die haben dann gesagt, ja, ja, okay, klar, kannst du machen. Die Wölfe kommen und sagen, pass auf, Shere Khan ist wieder da und Shere Khan will dich wieder umbringen. Und Mowgli ist aber halt ein cleverer Mensch und benutzt die Büffel, um Shere Khan niedertrampeln zu lassen.
Johannes Franke: Klingt ein bisschen nach König der Löwen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Es gibt sowieso, also wenn man das Original-Dschungelbuch liest, stellt man fest, da ist einiges drin, was so, Shere Khan hat seine Begleiter, die Hyänen bei sich, die Asmesser, die ihm auf Schritt und Tritt folgen und ihm irgendwie so untergeben sind, weil sie Ja. Ja, weil sie halt sich beim Ars bedienen wollen. Ja, krass. Mowgli bringt die Büffel dazu, Shere Khan niederzutrampeln. Problem ist, seine Menschenfreunde sehen das und sagen, Hexerei, der kann mit Tieren reden. Und damit wird Mowgli... wieder zurück in den Dschungel geschickt. Also er wird aus dem Dorf vertrieben und dann lebt er wieder bei den Wölfen. Das sind unsere drei Mowgli-Geschichten im ersten Buch, im Dschungelbuch, das Original-Dschungelbuch. Die anderen drei Geschichten sind eine Geschichte von einer weißen Robbe, die irgendwo im Pazifik unterwegs ist und gegen die Menschen kämpft. Dann gibt es eine Geschichte von einem Mungo, der der eine Familie vor einer Kolonialistenfamilie vor Schlangenangriffen schützt. Und dann gibt es einen zehnjährigen Jungen, der mit seinem Vater auf Elefantenjagd geht. Und am Schluss gibt es noch eine Geschichte von einem Soldaten, der mitkriegt, wie die Tiere sich im Dschungel unterhalten. Das sind unsere ersten sieben Bücher, unsere ersten sieben Geschichten oder Kapitel aus dem Dschungelbuch. Da ist nicht viel Mowgli. Mowgli ist relativ kurz.
Johannes Franke: Sowas. Naja, aber... Also man kann total verstehen, worauf sich Walt Disney dann setzen wollte, weil natürlich Identifikationsfigur ist Mowgli für Kinder. Absolut. Und diese vereinfachte Version, dieses, was ich am Anfang gesagt habe, ein Kind muss zum Dorf zurückgebracht werden, weil ein Tiger hinter ihm her ist und verschiedene Tiere helfen ihm oder helfen ihm nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde diese Vereinfachung für diesen Film total geil.
Florian Bayer: Absolut. Nochmal, ich bin kein Fan der Vorlage. Ich mache die Sprache nicht. Die ist mir viel zu pathetisch und viel zu viel um sich selbst kreisend und immer wieder das Gesetz des Dschungels und so weiter. Ich finde, die Figuren sind alle sich so ein bisschen zu ähnlich. Also zwischen Bagheera und Baloo passt kein Blatt in der Geschichte. Die sind beide irgendwie so weise Tiere, die für den Menschen sind, weil sie den Menschen cool finden und versuchen, ihn zu schützen. Das ist einfach so ein bisschen redundant. Und dann zieht sich die Geschichte einfach hin. Ich finde das, was daraus, was vor allem Bill Peet, um den Namen nochmal zu sagen, daraus gemacht hat, finde ich absolut schlüssig. Der hat die Idee, aus Balloon komplett anderen Charakter zu machen. Der hat gesagt, wir machen aus Balloon lustigen Bär, der faul ist, der witzig ist, der irgendwie Quatsch macht. Und er hat gesagt, wir brauchen für die Affen irgendwie einen richtigen Nemesis. Wir können nicht so eine große wilde Affenbande haben. Wir brauchen irgendwas, wir brauchen einen König dafür. Hat King Louie erfunden und so weiter. Ich finde das total richtig. Und Disney hat es nicht gereicht. Disney hat drauf geguckt und hat gesagt, fuck, das ist viel zu düster und viel zu traurig. Du hast viel zu viel von der Vorlage gelesen. Wir müssen das komplett nochmal, das war der Moment, wo Disney sich reingeschleust hat und gesagt hat, wir müssen das komplett nochmal umbauen. Und Pete hat gesagt, Arsch lecken und ist gegangen. Und zwar nicht nur aus dem Film, sondern aus dem Projekt.
Johannes Franke: Genau, aus dem ganzen Disney-Kosmos hat er sich verabschiedet. Die beiden haben sich einfach wirklich hart... alpha-mäßig gegenseitig auf die Fresse gehauen verbal. Die Mitarbeiter berichten von einer Geräuschkulisse, die man nicht hören will aus so einem Büro. Also es scheint wirklich problematisch gewesen zu sein. Und Pete hing wirklich an seiner Idee, das so originalgetreu und so düster, wie es eben im Buch auch teilweise ist, umzusetzen. Wir kennen es, Walt Disney wollte nicht und er hat jemanden anders rangesetzt, der das Ruder rumreißen sollte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das war Larry Clemens. Und dann hat er zudem gesagt, du machst nicht denselben Fehler wie Bill Peet. Du liest das fucking Buch nicht. Natürlich, irgendwer muss es gelesen haben, sonst würde dieser Film nicht mehr rauskommen. Aber berühmtermaßen hat Walt Disney gesagt, als erste Anweisung, hier ist das Buch, du darfst es nicht lesen. Ich finde es super.
Florian Bayer: Und finde ich absolut nachvollziehbar, wenn Disney einen Disney-Film machen will, der episodisch ist, der witzig ist, der Spaß macht, der für die ganze Familie ist, dann kann er sich nicht an diesem... an diesem Klopper-Dschungelbuch orientieren. Das funktioniert einfach nicht. Das ist zu düster, das ist zu viel Gequatsche, das ist zu wenig Action und es ist einfach, ja, es ist geeignet für eine Falschfilmung, weil offensichtlich Disney ist es ja gelungen, daraus was zu machen, aus diesem Grundkonzept, was halt diesen Drive hat und was diesen Witz hat und was halt das hat, was ein Disney-Film irgendwie ausmacht.
Johannes Franke: Es ist halt ein Roadmovie, es ist so ein Episoden-Roadmovie. Der kommt von einem zum nächsten und ich musste moderne Referenz Ich musste daran denken, wer hat mir auf den Kopf gemacht?
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Er geht von einem Tier zum anderen und fragt, hast du mir auf den Kopf gemacht? Nein, okay, gehe ich zum nächsten Tier.
Florian Bayer: Ja, und es hat darin ja auch so eine gewisse, es hat gewisse Repetitionen. Wir haben mehrmals Momente, in denen Mowgli vor Baloo wegrennt, vor Bagheera wegrennt oder vor Baloo wegrennt, dann alleine unterwegs ist, dann begegnet er der nächsten Gefahr.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und wir haben die Gefahren wiederholt. Wir haben K, die zweimal angreift, zweimal auf dieselbe Weise besiegt wird und Mowgli, der daraufhin immer lacht. Wir haben sowieso sehr viele Szenen, in denen Mowgli sich drüber kaputt lacht, dass einem Tier irgendwas Lustiges passiert oder ein Tier was Lustiges macht.
Johannes Franke: Es ist so krass, wie komplett ignorant er der Gefahr gegenüber ist. Im ganzen Film. Und er nicht ein einziges Mal erkennt, dass das jetzt doch wirklich ziemlich gefährlich war. Einmal als K. das zweite Mal angreift, schafft das ja irgendwie dann aus Versehen sie da runter zu werfen vom Baum und sagt ihr dann auch nochmal, du, du hast mich eingelogen. Ich kann dir nicht vertrauen. Und das ist so süß, weil das kein wirklicher Ausbruch oder so ist oder ein wirkliches Erkennen von Gefahr, sondern eher ein, na das war jetzt aber nicht nett.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und der ist so süß dabei. Und ich weiß nicht, ob ich es anders haben wollen würde. Ich finde es schon ganz nett so als Zuschauer. Aber wenn man so ein bisschen drüber nachdenkt, denkt man sich, ah, komisch. Mowgli kennt vor allem eine Gemütsreaktion und die ist trotz. Ja. Er ist ständig trotzig, er ist ständig... Sauer, weil er aus dem Dschungel raus soll und das will er eigentlich nicht. Er ist sauer,
Florian Bayer: weil Bagheera das durchzieht. Er ist sauer, weil er nicht mit Baloo spielen darf und so weiter. Er ist sauer, weil die Schlange ihn fressen will. Er ist sauer, weil der Tiger auf ihn wartet, um ihn zu fressen.
Johannes Franke: Er hat nicht etwa Angst. Nein, er ist sauer. Er ist wirklich, er ist einfach, er ist genervt. Er ist ein genervter Zehnjähriger. Der Dschungel nervt. Und ich glaube, das ist einer der großen Geheimnisse dieses Films, warum das bei Kindern so gut ankommt. Du hast eine Identifikationsfigur. Absolut. Du bist genervt davon. Du hast keine Lust, Angst zu haben, wenn du so einen Film guckst, sondern du willst einfach lachen über die Tiere, wenn denen irgendwelchen Scheiß passiert. Und ich habe so viel Spaß. Ich bin wirklich wieder sechs und habe einfach Spaß. Und auch als Erwachsener, muss ich sagen, gucke ich mir dieses Kind an und denke mir, ja, ich wäre Balou. Wirklich. Ich würde einfach sagen, komm, komm. Du scheinst wirklich Freude daran zu haben. Und wir rennen jetzt einfach singend durch den Wald und haben Spaß. Und ach, Chakan, naja. Aber das wird ja auch jetzt nicht so vorzuschlagen. Da können wir jetzt noch ein bisschen weiter singen. Absolut. Ich finde diesen Slacker total großartig.
Florian Bayer: Absolut. Balou ist natürlich Herz und Seele dieses Films. Und alle lieben Balou. Ja. Und manchmal nervt es mich ein bisschen, dass der Film dann halt doch so mit Balou hart ins Gericht geht. Der Film ist jetzt nicht so, dass er sagt, die Hippies sind die Geilen. Lebt mal so in den Tag hinein, wie Balou das macht. Sondern das ist irgendwie, das ist eine Gefahr für Mowgli. Vor allem Bagheera, der weiße Panda.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Panther. Das Wort Panther ist echt schwer. Und nicht der Weiße, sondern der Weise. Der Weise Panther. Das ist mein saarländischer Slang, sorry. Der Weise Panther. Bagheera sieht natürlich, dass das ein Problem ist. Und das erste Mal, wenn Balou auftritt, übrigens auch sehr schön geschnitten, Bagheera, oh nein, nicht der. Wirklich, bitte nicht. Und seit diesem Moment, seit der aufgetreten ist, sind die wie ein altes Ehepaar, oder? Absolut geil. Es ist so geil. Die Dynamik zwischen Balou und... Und Bagheera ist das zweite große emotionale Zentrum im Film. Weil wir haben hier wirklich so eine Body-Movie-Komponente. Es wirkt so, die sind komplette Gegensätze. Die sind beide vollkommen genervt voneinander. Und die wachsen auf merkwürdige Art und Weise. Obwohl es nur ein episodischer Film ist, wachsen die im Laufe des Films zusammen. Total.
Johannes Franke: Allein dieses Gespräch, wo der Panther sagt, komm mal rüber, wir müssen mal uns unterhalten und so. Dieses Zwiegespräch, was der Dschungel mit sich selbst führt im Grunde und sagt, gehört das Kind jetzt hierher oder nicht? Und es ist ja eine Gefahr. Und der Bär dann so ganz verlegen und so wundervoll animiert so sagt, ach ja, vielleicht hast du recht, aber ich will nicht das. Ich will nicht und ja, ich muss, ich weiß, ich muss das Kind wieder zurückbringen. Ach, es ist so sweet. Führen sie in dem Moment eine Rassendiskussion? Lass uns über die Rassendiskussion noch ein kleines bisschen später reden. Ich möchte kurz noch in der Freude bleiben. Ja, absolut. Lass uns in der Freude bleiben. Ich finde es tatsächlich,
Florian Bayer: Balou kennt Mowgli nicht lange in diesem Film. Die Art, wie er eine väterliche oder vielleicht auch onkelhafte Liebe für ihn entwickelt. Es ist so fucking sweet.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Wenn er ihn dann zudeckt, nachdem sie viele Abenteuer erlebt haben und ihn wirklich auch so ganz liebevoll zudeckt. und so, man merkt, Er macht sich wirklich Gedanken über ihn. Wie traurig er dann reagiert, wenn Magira sagt, ey, der kann nicht hierbleiben, der muss raus aus dem Dschungel.
Johannes Franke: Das geht einem wirklich tief ins Herz hinein, oder? Ja. Erinnerst du dich an unsere Diskussion, was Casablanca betrifft? Die beiden Typen, die eigentlich Gegner und irgendwie doch voneinander doch ein bisschen zu begeistert sind. Ja. Wie heißt der andere? René, oder? Nee, Renaud. Renaud, glaube ich. Französischer Polizist. Genau, der französische Polizist. Und Rick. Rick von Ricks Café, der Typ. Der Bogart. Und die sind am Ende in einer ähnlichen Situation wie die beiden hier. Die sitzen dann alleine, stehen die dann noch da, werden verlassen von denen. Und ich warte darauf, dass Balou sagt, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und ich überlege, ob die vielleicht auch einfach ein intersektionales, sagen wir mal, eine Beziehung führen, die dann da wirklich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist.
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall, also 24 Jahre nach Catatlanca, Disney hat sich davon inspirieren lassen, glaube ich. Ich glaube, dieses Ende ist davon inspiriert, wie am Schluss Rick und der französische Polizist abziehen gemeinsam.
Johannes Franke: Ich finde es ganz toll. Und zwischendurch, um das mal zu unterstützen, noch die Theorie. Bagheera sagt ja, du würdest ja auch keinen Panther heiraten als Bär. Und der Bär sagt, Och, es hat mich ja noch kein Panther gefragt. Zwinker, zwinker. Und schubst ihn so an, dass ich denke, ich will aber auch einen ordentlichen Heiratsantrag von dir. Absolut. Das ist so toll.
Florian Bayer: Bagheera ist natürlich in dem Moment der Kluge und er wird ja auch aus der Weise inszeniert, der das einfach besser weiß als Balou, der ja auch recht hat. Balou übernimmt das dann ja auch. Und das ist tatsächlich die schönste oder die bewegendste emotionale Szene, wenn Balou dann Mowgli verklickern muss, dass er nicht bleiben kann. Und Balou halt so ein bisschen ausholt zu den Bagire-Worten und weiß, er wird Mowgli damit verletzen. Und wir sehen, wie Mowgli damit verletzt ist, vor allem auch noch mit so einer Reprise von Bare Necessities. Mowgli sagt, komm Balou, lass uns losgehen und singt das nochmal. Der Song wird dreimal gesungen im Film.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich find's ganz toll, die Reprise. Weil die natürlich jetzt plötzlich eine Konnotation hat, die so traurig ist. Absolut.
Florian Bayer: Und dann geht der halt los und Balou... Geht neben ihm, ist wirklich...
Johannes Franke: Ich schlurfe da in der Gegend rum. Och, das tut so weh. Ach, die Animation macht das so gut. Ja, das ist wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Wollen wir mal zur Animation springen?
Johannes Franke: Oh, die Animation ist ein großes Thema, ne? Ja,
Florian Bayer: absolut. Wir haben die Animation, grundsätzlich die Technik, wie wir sie bei 101 Dalmatiner hatten.
Johannes Franke: Genau. Wir haben lange darüber gesprochen und ich glaube, wir müssen nicht die Ausführlichkeit haben, die wir bei 101 Dalmatiner gehabt haben, weil da haben wir wirklich darüber gesprochen, wie war das System vorher. Wie viele Leute waren daran beteiligt und wie ist es dazu gekommen, dass das System sich geändert hat? Aber die Kurzfassung ist, es gab vorher wahnsinnig viele Leute, die einzeln jedes Bild gemalt haben. Sagen wir zwölf Bilder die Sekunde und dann auf Cells, also auf so Folien übertragen wurden, nochmal extra.
Florian Bayer: Ganz wichtig, es gab diese Abzeichnerinnen, vor allem Abzeichnerinnen. Das waren sehr viele Frauen, die die Kunst der kreativen Künstler, Männer abgezeichnet haben.
Johannes Franke: Und dann... noch koloriert. Und das ist ein Prozess, der ist wahnsinnig aufwendig. Und dann gab es irgendwann die technische Entwicklung eines, um es leicht zu sagen, eines Kopierers. Und dann haben sie sozusagen diese Sachen nicht mehr so in der Form auf Folien übertragen müssen per Hand, sondern sie haben einfach die Originalzeichnungen der Zeichner genommen und kopiert.
Florian Bayer: Ihr müsst euch das so vorstellen, es wurden doppelt so viele Bilder gezeichnet. Zuerst die Skizzen von den Animatoren. und dann wurden die nochmal sauber abgezeichnet von den anderen und dieses saubere Abzeichnen wurde ersetzt durch die Kopierer. Mit dem Ergebnis, dass die Figuren, die kopiert wurden, ein gutes Stück rougher aussahen, weil da einfach noch so Dynamiklinien und Hilfslinien und sowas ein bisschen zu sehen war. Gar nicht so viel, aber genug, dass es so ein bisschen auffällt, wenn man die Filme sieht. Und ihr kennt das, ihr kennt diesen Zeichenstil von Disney aus den 60ern. Man sieht einfach alles so ein bisschen rougher. Man sieht einfach, man sieht... Im krassesten Fall hat man das Gefühl, man sieht den Entstehungsprozess der Figur auf der Leinwand.
Johannes Franke: Das ist natürlich hier in diesem Film nicht mehr so stark wie bei 101 der Martina. Ich finde, bei 101 der Martina sieht man tatsächlich noch richtig, wenn man so pausiert, richtig Hilfslinien. Und das sieht man hier auf gar keinen Fall mehr.
Florian Bayer: Man sieht es bei Felsszenen, also animiertes Fell, habe ich das Gefühl, ist das, wo man es noch am ehesten sieht. Dieses Bewegung. mitskizziert ist und da brennt es so ein bisschen aus oder wird so ein bisschen rougher an den Seiten, aber sonst ist es auf jeden Fall, man merkt dieser Zeichenstil und diese Art Zeichentrickfilm zu machen, war damals schon verfeinert. Es war halt auch sieben Jahre nach, fünf, sechs Jahre nach 101 Dalmatiner.
Johannes Franke: Ja, aber ein spannender Prozess, sind sehr viele Frauen vor allem eben arbeitslos geworden dadurch, da haben sich auch nicht nur Freunde damit gemacht, aber es war natürlich damals für Disney absolut notwendiger Schritt, weil die finanziell sonst nicht durchgehalten hätten.
Florian Bayer: Was auch ein notwendiger Schritt war und dafür war vor allem der Regisseur Wolfgang Ratterman sehr bekannt. Was das Ganze deutlich günstiger gemacht hat, war, dass man Sachen wieder benutzt hat aus anderen Disney-Filmen.
Johannes Franke: Gerade durch Kopiere eben möglich ist. Allerdings muss man sagen, wenn du eine andere Figur drauflegst auf den gleichen Bewegungsablauf, dann hast du zwar den gleichen Bewegungsablauf, Aber am Ende hat der eine Mütze, die dann mitgeschleift werden muss, die ja genau die gleiche Bewegung mitmachen muss. Und dann hat der vielleicht einen dicken Bauch, während die andere ursprüngliche Figur nicht so einen dicken Bauch hatte. Eigentlich ist es Augenwischerei. Es ist nicht viel weniger Arbeit.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich ja. Das Problem ist allerdings, dass dann die Nerds 40 Jahre später anfangen, Filme zu machen und sagen, everything is a remix. Und dann Animationen direkt nebeneinander zeigen. man merkt es. Wenn man sich anguckt, die Animation aus, zum Beispiel war auch ein Reitermann-Film Die Hexe und der Zauberer. Da gibt es eine Szene, wo... der junge Merlin, äh nicht der junge Merlin, Entschuldigung, der junge Arthus durch den Wald geht und über den Baum geht, mit dem Stock spielt und so weiter. Diese Szene finden wir im Dschungelbuch 1 zu 1. Und das Dschungelbuch wurde dann auch nochmal benutzt. Also ganz viele Zeichnungen aus dem Dschungelbuch, berühmt, vor allem Baloo der Bär, wurden in späteren Disney wiederverwendet. Baloo der Bär ist quasi im Robin Hood einfach nochmal aufgetaucht. Und wir haben wirklich exakt dieselben Animationen, dieselben Bewegungen. Es ist trotzdem viel Arbeit. Und es ist auch was,
Johannes Franke: was mich als kindlicher und auch als erwachsener Disney-Zuschauer nie gestört hat. Überhaupt nicht, gar nicht. Nur das Kleine, was wir innerhalb desselben Films haben, das fällt einem dann doch auf. Und zwar, wie die Schlange K einmal den Baum hinunterrauscht, weil sein Schwanz zu schwer ist, weil er irgendjemand runterwirft. Und er dann nochmal mit dem Kopf gegen den Baum donnert und dann um den Astrum rumschwingt und dann runterfällt. und dann eben als Ziehharmonika nochmal abdampft. Ja, ich finde es eine ganz tolle Szene. Aber genau die gleiche Szene nochmal zu sehen, hat mich dann doch auch irritiert.
Florian Bayer: Ja, fand ich auch. Und ich finde auch diese 2K-Begegnungen überflüssig. Ich würde tendenziell eher die erste weg rausnehmen, weil die relativ ruppig ist und relativ schnell vorbei ist.
Johannes Franke: Aber dann hast du sie schon mal etabliert. Ich finde es gar nicht so schlecht. Ich komme damit klar, vor allem weil der Film dann kürzer wäre und das ist schade.
Florian Bayer: Der Film ist sowieso schon relativ kurz mit 70 Minuten. Ja, genau. Ich mag die zweite K-Begegnung vor allem deswegen, weil ich die Dynamik zwischen K und Shere Khan ganz großartig finde.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Das ist toll. Ganz großartig. Ich finde sowieso Shere Khan, vielleicht gehen wir mal zu Shere Khan rüber. Der ist A, ist der wahnsinnig gut animiert. Auf jeden Fall, ja. Diese Körperlichkeit dieser Großkatze. Ja. Die Animatoren haben das wirklich sehr, sehr gut beobachtet und umgesetzt. Finde ich wirklich beeindruckend. Die haben ja auch bei Disney, muss man dazu sagen, auch Vorlagenmaterial gehabt. Die haben sich Tiger einfach angeschaut und haben sich Tiger teilweise ins Studio geholt, um sie zu filmen. Und natürlich auch so für Mowgli, einen kleinen Darsteller, der das gemacht hat und so. Also es gibt so Vorlagen. Es gibt, wenn man das googelt bei YouTube und so, gibt es zum Beispiel für Alice in Wonderland ganz, ganz süße Aufnahmen, die sie als Vorlage benutzt haben für die Trickfilme. Ganz wichtig. Die größte und wichtigste Vorlage für Shere Khan war George Sanders. George Sanders?
Florian Bayer: Der Synchronsprecher.
Johannes Franke: Ach,
Florian Bayer: der ist gestorben. Wir haben ja eigentlich falsch erzählt, dass wir gesagt haben, wir fangen mit der Animation an, dann erzählen wir es über die Animation. Die Filme wurden damals so gemacht, dass die zuerst die Tonaufnahmen gemacht haben, zuerst das Voice Acting. Und dann haben sie die Zeichnungen gemacht und die Zeichner haben sich natürlich auch an den Voice Actors orientiert. Ja. Mugli wurde übrigens von Reitermanns Sohn besetzt. Nepotismus. Es gab aber vorher eine andere Version. Ja,
Johannes Franke: es gab eine andere Version. Es gab ein anderes Kind. Ja genau, das hatte dann irgendwann Stimmbruch und dann ging es nicht mehr. Och, das arme Kind. Stell dir das vor, du hast die Hälfte dieses Dings gemacht und dann sagen sie, sorry, deine Stimme passt nicht mehr, tschüss.
Florian Bayer: Wenn man sich anschaut, wer so Synchronsprecher war in diesem Film und sich dann anschaut, wie die Tiere aussehen, Es ist schon sehr inspiriert. Und das betrifft nicht nur George Sanders, Shekhan, sondern auch zum Beispiel Sterling Holloway, der die K gesprochen hat. Oder genau auch Balou Phil Harris.
Johannes Franke: Also Balou ist auch so eine Geschichte für sich, weil der Typ, der das sprechen sollte, ich habe den Namen nicht, du hast ihn, Phil Harris, der hat eigentlich gesagt, passt nicht. Das ist nicht meins. Das ist nicht so richtig. Und Walt Disney hat aber darauf bestanden, hat gesagt, nein. Das ist genau das Richtige für dich. Wenn das jetzt gerade nicht so passt, dann improvisier doch mal ein bisschen. Dann versuch doch mal auf deine Art Ballo zu machen. Und so kam ganz viel in diesem Film nur durch diesen Synchronsprecher.
Florian Bayer: Phil Harris war ein großer Radiostar. Der war Comedian, der hat im Jack Benny Program was gemacht, was mir überhaupt nichts sagt als Ignoranter, Europäer. Aber das war ein großer Comedian, der hatte das einfach drauf. Der war einfach witzig, der war schnell. Die deutsche Synchronstimme von Balou, um die zumindest einmal zu erwähnen, weil ich die ganz toll finde. Edgar Ott, der unter anderem Obelix oder Benjamin Blümchen oder das Krümelmonster gesprochen hat.
Johannes Franke: Ja, sehr, sehr, sehr, sehr gute Stimme, natürlich.
Florian Bayer: Ja, die Stimmen sind alle, die sind alle saugut. Sie haben echt, sie haben echt coole Leute gefunden. Sie haben auch Sebastian Cabot, der den Bagheera spricht, der so Butler gespielt hat. Und der auch wirklich so sehr, der was sehr Pretties an sich hat. George Sanders als Shikan. George Sanders, der in dem Film, über den wir auch gesprochen haben, All About Eve,
Johannes Franke: den Addison DeWitt,
Florian Bayer: den zynischen, abgefuckten Kritiker gespielt hat.
Johannes Franke: Und den spielt er wahnsinnig gut. Ja. Schaut euch unbedingt All About Eve an. Ich habe ihn neulich wieder gesehen. Der ist so großartig.
Florian Bayer: Tut es ja. Sterling Holloway, der viel, viel, viel, viel, viel für Disney Voice Acting gemacht hat, unter anderem in Dumbo oder in Bambi.
Johannes Franke: Der war immer für die etwas komischen Stimmen zuständig.
Florian Bayer: Die grinsende Katze in Alles im Wunderland. Zum Beispiel. Es ist von den Stimmen wirklich gut besetzt. Und die Zeichnungen haben sich auch an den Stimmen orientiert. Und das sieht man. King Louis sollte Louis Armstrong sein.
Johannes Franke: Okay, kommen wir jetzt langsam in diese Ecke, oder? Wir kommen langsam in die Rassismus-Ecke. Also. Sie hatten erst Louis Armstrong im Kopf. Dann hat jemand in der Firma festgestellt, wenn wir jetzt Swing und Jazz performende Affen, die sagen, I wanna be like you, human, mit einem Schwarzen besetzen, könnte Rassismusvorwürfe bringen. Die Bürgerrechtsbewegung war damals im
Florian Bayer: Aufwind und im Entstehen. Und die haben natürlich kritisch auf sowas geschaut. Das heißt, die haben damals schon gesagt, Ja. Ihr könnt nicht einen Schwarzen nehmen, der hier den Affen spielt. Das funktioniert nicht. Das wird uns so viel Bad Publicity einbringen.
Johannes Franke: Das fliegt uns um die Ohren. Und was machen sie? Sie besetzen halt einfach einen weißen Louis dafür.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: Louis Prima.
Florian Bayer: Louis Prima, der das ganz toll macht.
Johannes Franke: Der das ganz toll macht, der auch auf der Bühne Skatgesang und so. Er war sehr bekannt dafür. Er war auch wirklich die perfekte Stimme für das, was sie da vorhatten. Aber sie hätten auch einfach die Tierart ändern können und diesen ganzen Rassismus-Kram komplett einmal umgehen können. Es bleiben ja immer noch Affen, die Jazz singen. Also das, was berühmtermaßen in der Zeit aus einer schwarzen Kultur gekommen ist und trotzdem noch singen. I wanna be like you, human. Also ich habe als Kind natürlich überhaupt gar kein... Das finde ich, kann man dem Ganzen zugute halten. Es gibt ja so andere Baustellen, wo man sagt, okay, Kinder verstehen das vielleicht in dem Moment nicht, aber es ist eine... Eine Konditionierung, die da stattfindet. Zum Beispiel, dass in dem Film nur eine einzige Frau stattfindet und zwar in der dienenden Position. Das ist vielleicht etwas, was Kindern dann vorgelebt wird, was sie vielleicht übernehmen, was man kritisieren kann. Aber ich weiß nicht, inwiefern Kinder diesen Zusammenhang zwischen Affen, Jazz und dem Rassismus der Zeit wahrnehmen.
Florian Bayer: Man muss sich halt auch wirklich dabei die Frage stellen, wie viel da rein interpretiert wird.
Johannes Franke: Genau, genau. Ich meine... Du musst dir als Disney, und die waren sich ja auch wahnsinnig bewusst darüber, sonst hätten sie es nicht gemacht. Aber sie haben halt, also vielleicht einfach einen Schritt zu wenig gemacht dagegen, weil die Konnotation immer noch drin ist. Aber halt nur, wenn man darüber redet und die Bilder vergleicht, die damals im rassistischen... Im rassistischen Amerika wollte ich sagen, aber die ganze Welt hatte das Problem. Aber es ist eben nicht so offen rassistisch wie jetzt der Sexismus dieser Frau, die da viel zu jung mit einem sexy Augenaufschlag darüber singt, dass sie das Wasser holt und dann später kochen wird und ihre Tochter zum Wasser holen schickt.
Florian Bayer: Lass uns kurz bei den Affen bleiben. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ich sehe das, dass man das so deutet. Ritten kann.
Johannes Franke: Total, ja, ja.
Florian Bayer: Und sehe da irgendwie die Problematik jetzt und denke jetzt gerade darüber nach, dass das uns viel zu oft von unseren Hörenden vorgeworfen wird, dass wir so woks sind und ständig diese woken Gespräche führen. Das Ding ist, ich finde, das ist die beste Szene des Films.
Johannes Franke: Mowgli bei den Affen und bei King Louie. Es ist die Szene, die mir am besten gefällt. Es hat einfach alles. Ja. Action, Gesang, wahnsinnige Animationen, ganz toller Baloo, der sich nicht halten kann, der eigentlich Ja. eigentlich dazwischen gehen müsste, aber dann so vom Rhythmus aufgewühlt wird.
Florian Bayer: Die fucking witzigste Szene des Films, wenn Bagheera eine Statue imitiert, wenn die Affen an ihm vorbeitanzen. Ich lieg jedes Mal so lachend auf dem Boden.
Johannes Franke: Der ist super geil. Was für ein geiles Timing, wenn er dann so einfriert und dieser würdevolle Bagheera in diesem Moment aussieht wie der letzte Depp. Es ist so großartig. Oh, ist das toll. Wirklich, die haben auch, ich staune immer, wie Animatoren so ein Timing an den Tag legen können. Es ist ja der Hammer. Absolut.
Florian Bayer: Und es ist einfach eine unglaublich dynamische Szene. Sie macht so viel Spaß. Ich bin voll bei Balou, der mit dem Beat mittanzt.
Johannes Franke: Aber Balou in dem Moment, sorry. Der kommt raus mit seinen Kokosnüssen auf der...
Florian Bayer: Ist das die Entsprechung von Blackfacing? Ich sage zwei Herzensschlagen in meiner Brust. Und im Kontext des Films ist es das natürlich irgendwie. Aber es ist so geil, wie er dann anfängt, seinen Skat zu machen. Es ist so geil, wie er dann anfängt mit... Es ist ja auch so eine Travis-T-Nummer. Er ist ja auch irgendwie... Soll er ein weiblicher Affe sein?
Johannes Franke: Er hat ein Röckchen an, weiß nicht, ja vielleicht. Ja und Travestie vielleicht.
Florian Bayer: Und vor allem Louis ist ja offensichtlich scharf auf ihn. Also so wie Louis auf ihn reagiert. Und dann sagt er noch zu Get Mad Baby. Und wie sie miteinander tanzen. Es ist einfach geil. Und dann auch dieser nahtlose Übergang von diesem Tanz zur Action, zur Slapstick. Und dann bricht, stürzt die ganze Affenstadt ein. Es ist eine unglaublich gut geschriebene Szene.
Johannes Franke: Ja. Ja, so viel Dynamik hat man kaum gesehen. Ich finde es ganz toll.
Florian Bayer: Und ich finde King Louie als Villain ist ein wirklich geiler Villain, weil er ist nicht wie Scar, er ist nicht wie K und er ist nicht wie Shere Khan.
Johannes Franke: Er ist ja auch, also klassischer Villain ist es ja fast schon gar nicht, weil er hat ja, er hat selber eine Agenda, er will was von ihm, er will so sein wie er, er will die rote Blume, also das Feuer. Gut, seine Affenbande hat ihn halt entführt. Ja, aber sie tanzen mit ihm.
Florian Bayer: Er gibt ihm Bananen zu essen. Es ist wirklich ein geiler Moment. Und das Krasse finde ich ja vor allem, I Wanna Be Like You konkurriert mit The Bears Necessity, mit dem Oscar-Song. Ich glaube, ich finde ihn besser. Also nichts gegen The Bears Necessities. Ich finde, der Baloo-Song ist ganz großartig. Und das ist der Song, den ich am besten mitsingen kann. Der wirklich sich am stärksten, nicht nur ins Kulturelle, sondern auch in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Aber wenn ich I wanna be like you höre, muss ich ein bisschen mehr wippen, muss ich ein bisschen mehr tanzen und muss ich ein bisschen mehr grinsen auch einfach.
Johannes Franke: Ich kann die nicht gegeneinander ausspielen, das funktioniert nicht. Nein, es ist ganz großartig.
Florian Bayer: Es sind beides, es sind absolute Banger. Ja. Was für Songs.
Johannes Franke: Ja. Ich hab so viel Spaß. Ich muss so wahnsinnig viel lachen in der Sequenz, eben mit Bagheera und mit Balou und wie sie sich einfach nicht auf den Plätzen halten können, sondern einfach mitswingen müssen und es macht einfach allen Spaß.
Florian Bayer: Ja. Musik grundsätzlich ist echt geil in dem Film.
Johannes Franke: Gehen wir ins Thema Musik. Also es gibt ja einen Typen, der dafür verantwortlich war. Allerdings kam der zu früh. Der hätte vielleicht auch andere Musik gemacht, wenn er nicht zu der Version, die unser erster Schriftsteller gemacht hat, der nämlich noch die ernste Version dieser Adaption geschrieben hat und dann eben... gekündigt hat, weil Walt Disney gesagt hat, nee, wir brauchen was Lustigeres. Und dann war die Musik halt auch leider hinfällig, weil der Musiker halt die traurige oder die ernsthafte Musik dafür gemacht hat. Und der einzige Song, der davon übrig geblieben ist, ist Bare Necessities. Also versuch's mal mit Gemütlichkeit, mit Balou. Was ich ganz seltsam finde, weil der sich so gut einreiht in die anderen Songs und er überhaupt nicht so diese Tragik hat, die die anderen Songs zu haben scheinen. Terry Gilkyson,
Florian Bayer: das Ding ist, der war irgendwie orientiert noch an den Bill Peets Sachen. Und ich frage mich, was, also ich würde wirklich gerne wissen, was Bill Peet da gemacht hat, was Disney zu düster fand, weil diese Baloo-Geschichte sowohl von Bill Peet als auch der Song von Gilkyson sind einfach erhalten geblieben. Da muss der Rest ja wirklich abgefuckt düster gewesen sein, wenn Disney nach diesem Song in dem Film gesagt hat, Nee, das ist alles, das ist noch zu schlimm, das können wir so nicht machen.
Johannes Franke: Ich würde da an der einen oder anderen Stelle ein bisschen was abreiben an Monumentaleindruck, weil der Song von einem Musiker, der erstmal seine Ideen abliefert, der klingt nicht so wie im Film. Der klang auch wahrscheinlich viel, viel ernster, als er jetzt ist. Die haben natürlich dann nochmal dran rumgeschraubt.
Florian Bayer: Die Sherman Brothers haben dran rumgeschraubt. Die wurden dann nämlich reingebracht, um das Zeug zu spielen. Wie gesagt, der Balou-Song hat überlebt. Und der Rest kam neu dazu, beziehungsweise kam von ganz weit her, von Mary Poppins unter anderem.
Johannes Franke: Ja, von K, das Lied. Wie heißt das? Trust in me. Vertrau mir. Ja, das war ja eigentlich ein Sandsong aus Mary Poppins, der aber dort rausgeschnitten wurde, weil dann wurde nicht verwendet, passte nicht ganz rein und haben sie die Melodie genommen, den Text geändert und hier reingepflanzt.
Florian Bayer: Geld sparen war wirklich... unter anderem Ziel von diesem Film und es wurden Sachen wiederverwendet, nicht nur Animationen, auch Musik.
Johannes Franke: Es ist aber auch nicht nur das Sparen. Es ist auch, du hast einen Katalog, du hast die Leute mal dafür bezahlt, dass sie einen Film, eine Musik geschrieben haben und wenn die verdammte U gut ist, dann nutzt man die halt an andere Gelegenheiten.
Florian Bayer: Es wäre ja auch schade, wenn dieser Song in der Mottenkiste verschwunden wäre, weil es auch einfach ein schöner Song ist.
Johannes Franke: Die Sherman Brothers haben ganz, ganz viel tolle Musik gemacht. Mary Poppins, That's Down Cat. Ich glaube, den Song kennt man auch immer noch. Winnie the Pooh und The Honey Tree. Es gibt wahnsinnig viel von denen. Aristocats, dann später. Gigi Gigi Bang Bang. Huckleberry Finn. So ganz viele tolle Sachen von denen.
Florian Bayer: Und sie singt dann dank diesem Film auch bekannt für die beste Beatles-Kopie. Neben den Beatles.
Johannes Franke: Und der eine klingt echt original wie Ringo, glaube ich. Der Gaia-Song. We are your friends.
Florian Bayer: Es sollte eigentlich ein Beatles-Song werden.
Johannes Franke: Ja, und die Beatles, also nicht die Beatles, muss man dazu sagen, es war John.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: John hat gesagt, wir machen doch keinen Animationsfilm und macht dann Yellow Submarine. Ja. Aber zu seiner Verteidigung,
Florian Bayer: Yellow Submarine ist ein anderer Animationsfilm als Disney.
Johannes Franke: Das stimmt wohl. Aber die anderen hätten es vielleicht gemacht und der blöde Hergang ist eigentlich, dass der Typ, der bei den Beatles die Sachen eingefädelt hat, der hat das Disney vorgeschlagen. Ja. Bevor er die Beatles überhaupt gefragt hat. Gang und Gäbe, wir streuen einfach mal. Und dann hat Disney halt angebissen und hat gesagt, ja gut, wenn die das machen wollen, hier haben wir was, haben was komponiert dafür, haben das vorbereitet, hatten die Idee. Und dann kommt John Lennon und sagt, nö, wollen wir nicht machen.
Florian Bayer: Wir sind Künstler. Wir arbeiten doch nicht für diesen amerikanischen Großkonzern und machen billige Zeichentrickfirmen für Kinder.
Johannes Franke: Und dann haben sie quasi Stimmen gefunden, die die Beatles sein könnten. Ich finde George auch noch ganz gut getroffen. und halt Ringo vielleicht. Bei den anderen beiden weiß ich es nicht ganz genau.
Florian Bayer: Ich finde das Design von denen ist echt geil. Ich finde den Gesang, vom Gesang haben sie das auch echt gut getroffen, weil es ist natürlich kein Beatles Song.
Johannes Franke: Es ist Barbershop.
Florian Bayer: Ja, aber es ist genug Beatles drin und die Beatles hatten auch diese Harmonien und die Beatles hatten auch diese Art zu singen, dass wenn man zu mir sagen würde, das sind die Beatles, ich würde es glauben.
Johannes Franke: Ja, allerdings muss ich sagen, dass sie den Anfang, den Barbershop Anfang, der dann ja in was Poppigeres übergeht, dass der ein bisschen lang ist und das Poppige ein bisschen kurz ist, finde ich. Für mich als Geschmack für so einen Song.
Florian Bayer: Ja, durchaus. Ich hätte auch gerne ein bisschen mehr diesen Brit-Pop-Flair gehabt. Ein bisschen weniger Barbershop-Quartett. Aber es funktioniert gut und ich finde es vor allem geil, dass sie es geschafft haben, mit den Geiern auch nochmal eine Begegnung zu erzählen, die halt auch keine Bösewicht-Begegnung ist, sondern einfach so eine Alltagsbegegnung.
Johannes Franke: Freundschaften. Freundschaft schließen, genau.
Florian Bayer: Und die Geier sind ja auch echt coole Socken. und sie sind ja auch wirklich voll auf Mokis Seite.
Johannes Franke: Es ist so süß, wenn dann der böse Khan kommt und sie erstmal abhauen, sie aber wieder zurückkommen, um ihnen dann irgendwie zu helfen. Ja, die Geier sind echt geil. Und sie sind wirklich coole Briten. Dieser Liverpool-Akzent, das ist wirklich unglaublich. Großartig. Gehört wahrscheinlich zu meinen Lieblingsenglischen Akzenten. Ja, absolut. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo Nein, shit Ganz schnell, damit wir zurückfinden Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns Ja,
Florian Bayer: wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash, muss man sehen... Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes Naja, und dann kommt halt die wirklich harte, schwierige Szene für mich als Kind, der ich nicht vorhersehe, dass Balou vielleicht nicht gestorben ist. Also Balou kommt zur Hilfe und Shere Khan schafft es, ihn niederzustrecken nach einem langen Kampf. Und Mowgli bindet ihm dann Feuer an den Schwanz. Und sie besiegen ihn, aber Balou liegt da. In einem Licht, das auch sagt, okay, es ist vorbei. Das wird eine Beerdigung. Die Musik sagt, das wird eine Beerdigung. Und wir kennen diesen Tod von Disney. Disney tötet seine Charaktere so. Ja, genau. Voll fies. Voll fies. Und ich saß davor. weil ich es nicht mehr genau wusste, auch jetzt bei dem Sitting. Ich habe es vergessen. Ach krass. Und dachte, was? Moment, nenne ich das falsch? Weiß ich das nicht mehr? Sie bringen Balou um? Nein Und es schoss schon die ein oder andere Träne in meine Augen. Und dann fängt dieser fucking Bär an zu blinzeln und ich mache das gleiche wie Bagheera. Alter, das gibt's doch nicht. Du kannst uns doch nicht so einen Schrecken einjagen. Es ist wirklich einer der grausamsten Fake-Tode der Filmgeschichte. Ist das fies. Auch die Eulogy. Er fängt ja dann an zu sagen, ja, und wir werden immer an den mutigsten Kämpfer unseres Dschungels denken. Und Balou, du kannst doch nicht aufhören. Du warst so gut drin. Los, mach weiter, mach weiter. Ich hab's dem Film in dem Moment nicht zugetraut. Ich fand's gut. Ganz grundlos. Ja, es ist halt wirklich, also vor allem, wenn man neuere Disney-Filme kennt, man weiß, es muss öfter mal jemand über die Klippe springen,
Florian Bayer: aber auch in älteren Disney-Filmen. Ja,
Johannes Franke: klar.
Florian Bayer: Und ich hatte noch zu sehr das Ende in Erinnerung, als ich wusste, dass er überlebt, weil dieses Ende, wie sie beide zusammen wegwackeln in den Dschungel, hatte ich noch sehr stark in Erinnerung. Aber trotzdem ist es gut gemacht und ich habe in diesem Moment auch kurz gedacht, ah, wäre es nicht stark, wenn Balou sterben würde, aber vielleicht ist das doch ein bisschen zu krass. Nein. Du kannst den Funny Sidekick eigentlich nicht töten. Nein,
Johannes Franke: das kannst du nicht machen. Das geht nicht. Ich fand es eine total gute Entscheidung. Und ich fand auch,
Florian Bayer: dass sie es angedeutet haben und dann gesagt haben,
Johannes Franke: April, April,
Florian Bayer: Das ist alles sehr viel Disney. Also die Elefanten kommen vor, es gibt Elefantengeschichten im Dschungelbuch, aber dieses Colonel Hafis Marsch und die Elefanten, die rumgescheucht werden und der kleine Elefant, der mit Mowgli spielt, Disney. Absolut Disney.
Johannes Franke: Wie findest du die Elefanten? Ich hab wahnsinnig viel Spaß mit den Elefanten. Ich find's so krass. Die Elefanten sind toll. Die sind fantastisch. Ja. Vor allem wie der Sprecher von diesem Oberkörnel, wie der das macht, wie der so teilweise in seinen Bart reinbrubbelt und so. Ja.
Florian Bayer: Halt
Johannes Franke: Vor allem der Altsoldat, der die alten Geschichten hervorgraben. Oh, those were the days. Es ist einfach super. Es ist wirklich 1A getroffen. Und ich muss an das denken, was Kipling eben nicht reingebracht hat ins Buch, was jetzt hier eben im Film ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Disney-Zeichner und die Schreiber genau das überlegt haben. Weil Kipling eben in diesem British India groß geworden ist, wo das Militär ja nun auch präsent war. Also es ist ja durchaus nicht ganz ohne. Und das so zu verarschen und dann dieses Militär um... des Militärwillens, ohne Sinn und Verstand. Einfach nur, wir marschieren hier jetzt durch. Das ist wichtig. Das ist unsere Aufgabe. Was das bringen soll, weiß ich jetzt auch nicht, aber wir machen das. Und dann wunderbar, die Elefantenmutter,
Florian Bayer: die einmal gehörig den Marsch blast und sagt, ey, Alter, wir haben auch ein Kind und wir wollen nicht, dass unser Kind verloren geht. Und wenn du jetzt nicht spurtest und Bagheera hilfst, dieses Kind zu suchen. Dann werde ich das Kommando übernehmen.
Johannes Franke: Und ich habe natürlich einen Plan immer schon gehabt. Das finde ich sehr gut.
Florian Bayer: Das ist übrigens auch, das ist tatsächlich sehr viel Rudyard Kipling, der erstaunlich, dafür, dass er teilweise in anderen Sachen so problematisch ist, erstaunlich viel Liebe für seine weiblichen Charaktere hat.
Johannes Franke: Oh, schön.
Florian Bayer: Und unter anderem im ersten Dschungelbuchteil, im ersten Kapitel, wenn das Baby Mowgli gefunden wird, ist es weniger der... der Wolfsvater als vielmehr die Wolfsmutter die Schirkanin seine Grenzen weiß. Sogar so weit, dass explizit gesagt wird. Und zwar ist der Vater auch schon ein bisschen alt, ein bisschen müde. Und die Mutter ist extrem stark und Schirkan steht da und stellt fest, mit dem Vater wäre ich vielleicht fertig geworden. Aber die Mutter hat jetzt so energisch gesagt, dass sie mich zerfleicht, wenn ich an das Kind rangehe, dass ich lieber abhaue.
Johannes Franke: Kipling hat das natürlich auch an diesen mütterlichen Instinkt festgemacht. Total. Also das war sein großes Ding.
Florian Bayer: Und das haben wir im Film ja auch. Dieser mütterliche Instinkt wird einmal sehr stark betont und ich finde tatsächlich am schlimmsten, dass dieses Du gehörst zu deiner Art und du gehst zu deiner Art so sehr stark betont wird. Ich habe es vorhin schon gesagt, da hast du gesagt, lass uns erst Spaß haben. Aber es ist natürlich ein rassistisches Moment in dieser Art von Erzählung. Was dazu führt, dass ich einen anderen Film besser finde, zu dem ich gleich kommen werde. Es ist ein rassistisches Moment da drin, wenn sie sagen, okay, wir erzählen hier die Geschichte von einem, der sein Leben lang aufgewachsen ist bei ihnen, der eigentlich einer von ihnen ist, aber er ist halt nicht einer von ihnen, weil Biologie.
Johannes Franke: Weil Biologie, genau. Naja, man kann es natürlich auch andersrum interpretieren, indem man allen Tieren unterschiedliche Funktionen einer kolonialistischen Gesellschaft zuweist. Bagheera und Baloo mit den britischen Akzenten. Nein, Baloo nicht. Baloo hat eher den amerikanischen Akzent. Bagheera und Shere Khan haben den britischen Akzent. Und das sozusagen da irgendwie zu meddeln und zu überlegen, wie das zusammenhängt.
Florian Bayer: Da musst du aber sehr weit ausholen, um die Moral zu retten. Allein schon deswegen, weil der Dschungel wird ja tatsächlich als extrem inklusiver Ort erzählt. Bagheera ist bei den Wölfen, die Wölfe hören auf Bagheera. Baloo und Bagheera freunden sich an. Die Schlange Kha und Shere Khan haben offensichtlich ihr eigenes... Ding am Laufen. Das ist ein extrem inklusiver Ort, der sehr grenzenlos ist und dann wird aber bei den einen Menschen, also bei den Menschen, bei dem einen wird das Thema aufgemacht, Moment, du bist was anderes. Und das ist wichtig, dass jemand zu sein gehört und zu sein geht.
Johannes Franke: Ich habe den rassistischen Moment eher darin vermutet, aber Asche auf mein Haupt, das ist ja gar nicht so sehr so. Ich hatte nur irgendwo gelesen, dass er am Ende der Meister des Dschungels ist. Aber er ist ja nicht Chef des Dschungels, sondern Meister des Dschungels ist ja eher die Formulierung für, er kennt sich da aus und er ist quasi Förster. Also er weiß, wie es einfach läuft dort. Und er ist jetzt nicht irgendwie König der ganzen Geschichte. Aber das habe ich zwischendurch gedacht und habe dann gedacht, aha, das ist Kipling, der dann sagt, ja, da muss jetzt der Mensch noch kommen, um die Wilden zu zivilisieren. Was er ja tatsächlich immer wieder gesagt hat. Siehe sein scheiß Gedicht, was er dann am Ende noch geschrieben hat. Aber ja, das kann man also in diesem Buch dann doch nicht so sehen. Aber ich wollte es gerne sehen, weil ich dachte, ja, Arschloch. Ich finde das, wie das hier erzählt wird, tatsächlich,
Florian Bayer: ich finde es unangenehmer. Ich finde es auch, vielleicht auch, weil es natürlich ist nicht das Ende, was man sich wünscht. Aber es kriegt die ganze Zeit plötzlich so diesen... biologistischen Stich von die Biologie entscheidet, wer du bist, die Natur entscheidet, wer du bist und so wie die Natur eingeordnet ist, also vor allem so eine Metaphysik der Natur. Ich meine, es existieren Tiere, das wissen wir und so weiter, aber dieses Übertragen auf eine Gesellschaft, und hier wird ja eine Gesellschaft erzählt. Tiere sind ja nicht realistisch dargestellt, sondern Tiere haben ein gesellschaftliches, zivilisiertes Leben. Und die übertragen dann bis zu dem Punkt, dass es ganz klar die Biologie ist, die ihn von den Tieren weg zum Menschendorf zieht. Absolut Trieb. Und natürlich muss es ein junges Mädchen sein, was er dann sieht. Und natürlich muss sie sehr kokett das Wasser holen und davon singen, dass sie irgendwann mal Mutter ist. Es ist höchst unangenehm, oder? Autsch.
Johannes Franke: Es ist wirklich beim Gucken als über 40-jähriger Mann dieses... zwölfjährige Mädchen, zehnjährige Mädchen? Na,
Florian Bayer: Mugli ist zehn. Das heißt, sie wird wahrscheinlich auch so zehn sein.
Johannes Franke: Dabei zuzusehen, wie sie viel zu sexuell konnotiert zwinkert und mit einer Ausführlichkeit und dann so berechnend das Ding fallen lässt. Diese Koketterie vor allem. Und dann dreht sie sich noch um und guckt ihn noch mal so an. Kommst du? Kommst du? Und man sich denkt, hä? Vor allem, sie sieht den Jungen zum ersten Mal. Was erwarten die, was das Dorf sagt, wenn der da plötzlich auftaucht? Was ist das? Also ich finde es auch vom Film sehr abrupt. Und es ist ja im Buch nicht so, oder?
Florian Bayer: Ne, wie gesagt, im Buch ist es, also im Buch im ersten Teil, diese Grundgeschichte, die hier nacherzählt wird, ist Mowgli geht einfach zurück zu den Menschen. Wir wissen überhaupt nicht, was da passiert. Er wird nicht von einem Mädchen hingezogen. Das ist übrigens auch, ich glaube es war auch Pete, ne es war nicht Pete, es war der andere, es war der zweite, der rankam, der das Mädchen mit reingebracht hat und gesagt hat, es war Larry Clemens, glaube ich, der gesagt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: dass sie jetzt noch, dass sie das Mädchen reinbringen, dass irgendwie, dass es was gibt, was ihn da hinzieht. Im Originaltext ist es so, dass er einfach sagt, nee, ihr Wölfe, jetzt habe ich keinen Bock mehr auf euch. Ihr habt mich verraten, ihr wolltet euch mit Shakan verbünden. Ich verschwinde und er geht aus dem Dschungel raus und wir erfahren nicht, wie es weitergeht.
Johannes Franke: Da ist nicht diese biologische Determination so sehr, sondern eher eine gesellschaftliche Implikation.
Florian Bayer: Im Buch wird sehr viel betont, dass er ihr Bruder ist, ohne im Blut ihr Bruder zu sein. Das ist ungefähr die Formulierung, aber ich finde das im Buch... ist es irgendwie schlüssig erzählt. Da finde ich tatsächlich, macht das Buch das besser als der Film. Ich mag das Ende nicht. Ich bin kein großer Fan von diesem Ende.
Johannes Franke: Ich bin großer Fan von den Blicken von den beiden Tieren, durch dieses quasi Kuckloch in den Dschungel hinein, wie sie dann dastehen und ihm noch nachschauen. Das ist ein tolles Bild und suggeriert diesen Beginn der wunderbaren Freundschaft. Mag ich total.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Aber das, was mit Mowgli da passiert, wie Mowgli da guckt, wie Mowgli da inszeniert wird und auch hingezogen wird und nicht mal irgendwie so, tschüss, aber ich komme nächste Woche wieder, wir treffen uns am großen Felsen, wie wär's? Oder sonst irgendwas in der Richtung, sondern einfach nur da hingezogen wird und weg ist. Und das lässt einen so hilflos zurück. Man denkt sich so, was? Was soll das hier? Und es passiert so abrupt. Das ist schon, ich weiß nicht, ich bin auch nicht glücklich mit dem Ende. Ich finde es auch tatsächlich erzählerisch lame. Aber das ist natürlich auch ein Ding,
Florian Bayer: was ich jetzt nochmal reinbringen muss. In dem Film grundsätzlich steckt, dass diese Haupthandlung so geil unterhaltsam die einzelnen Episoden sind. Du hast irgendwie eine Haupthandlung, die genau genommen ziemlich lame ist und vor allem dazu dient, Mowgli von einer Episode zur nächsten zu schieben. Ja,
Johannes Franke: natürlich. Also die dünnste Handlung, die man haben kann, glaube ich.
Florian Bayer: Und das Ding ist ja, wir sind in einer Zeit, in der Disney das durchaus öfter gemacht hat. Also nicht Walt Disney, sondern die Studios. Wir haben das bei Robin Hood, der danach kommt, haben wir das, diese Episode. dieses episodische Erzählen?
Johannes Franke: Das hat ja jetzt funktioniert. Also warum nicht nochmal machen?
Florian Bayer: Wir haben das bei Die Hexe und der Zauberer. Ich finde, bei beiden fühlt es sich dann doch mehr als geschlossener Film an. Also ich würde behaupten, das Dschungelbuch ist der Disney-Film, neben Fantasia, obviously, der episodischste ist, der sich am wenigsten nach geschlossener Handlung anfühlt. Und sobald man versucht, diese geschlossene Handlung zu greifen, denkt man, oh, das ist aber ein bisschen holprig. Oh, das ist aber ein bisschen tollpatschig, wie sie da diese Geschichte von A nach B kriegen.
Johannes Franke: Aber es versucht ja keiner zu greifen. Ist ja egal.
Florian Bayer: sollte man auf keinen Fall tun. Und die Episoden sind ja auch tatsächlich mehr als unterhaltsam genug.
Johannes Franke: Ja, absolut. Also ganz ehrlich, ich habe gar kein Interesse daran, ob das eine kohärente Story gibt. Wirklich so gar nicht, weil er es so gut schafft, mich davon abzulenken und mich nicht darüber nachdenken zu lassen, was für eine Story da eigentlich drin steckt.
Florian Bayer: Naja, vielleicht wäre es konsequenter gewesen, tatsächlich zu sagen, scheiß drauf, wir erzählen die Geschichte nicht so, dass Mowgli zurück zum Menschen... zu den Menschen geht, sondern wir machen ja einfach Dschungelalltag, wir machen ja einfach Dschungelgeschichten. Wir brauchen diesen Rahmen gar nicht, anstatt diesen komischen Pseudorahmen, der sagt, hier ist A, hier ist B und da muss da am Schluss sein.
Johannes Franke: Naja, so ein Ziel ist vielleicht schon auch hilfreich, weil das muss man sagen, macht der Film ja von Anfang an, erzählt ja gleich in den ersten zwei Minuten oder sowas, wo das Ziel ist. Und das finde ich hilfreich, weil du dich dann langhangeln kannst und sagen kannst, okay, das Kind geht jetzt in der Gegend rum. Das Ziel ist aber immer, bei diesem Dorf zu landen. Kann ja trotzdem passieren. Er kann ja trotzdem da in dieses Dorf reinschauen, sagen, jetzt bin ich hier an dieser Stelle. Das ist das Ziel gewesen. Aber in den letzten fünf Minuten zu sagen, aber warum ist denn das Ziel? Das könnte doch einfach sagen, wir machen das anders. Wäre auch okay gewesen. Weil es gibt genug Geschichten, wo am Ende die Hauptfigur feststellt, das, wonach ich die ganze Zeit getrachtet habe, ist es eigentlich gar nicht. Das wäre das bessere Ende für diesen Film gewesen. Wahrscheinlich.
Florian Bayer: Das wäre der bessere Rahmen gewesen, weil das Ding ist halt auch, das Ziel von Anfang an lame ist. Weil wir lieben den Dschungel. Wir lieben die Freundschaft zwischen Mowgli und Baloo. Wir lieben diese väterliche oder lehrmeisterhafte Freundschaft zwischen Bagheera und Mowgli. Wir lieben sogar dieses komische Verhältnis zwischen K.
Johannes Franke: und Mowgli. Er hat so viel geile Mhm. dynamische soziale Interaktion in dieser Dschungelwelt.
Florian Bayer: Ich will den nicht bei den Menschen sehen.
Johannes Franke: Nein, Ich finde es tatsächlich... Nee, ich habe nichts mehr zu sagen.
Florian Bayer: Du stimmst mir zu einfach.
Johannes Franke: Ich stimme dir einfach nur zu. Ich finde es großartig, wie es bis dahin ist. Und dann kommt dieses komische Ende und dann denkt man sich, okay, schade. Warum eigentlich? Naja,
Florian Bayer: der Film wurde 1968 veröffentlicht und war im Gegensatz zu den vorherigen Filmen dieser Zeit ein Ab... Absolut gigantischer, krasser Erfolg.
Johannes Franke: Ja, und ich gönne Ihnen alles. Ja, es ist so schön.
Florian Bayer: Er war der bis dahin sechs erfolgreichste Disney-Film und er war der erfolgreichste Film in diesem Jahr. The Bare Necessities wurde für einen Oscar nominiert.
Johannes Franke: Ausgerechnet der einzige Song, der von dem ursprünglichen Musiker im Leben ist.
Florian Bayer: Und das Ding ist ja nicht nur in Amerika abge... gegangen, sondern dann auch weltweit. Und vor allem in Deutschland.
Johannes Franke: In Deutschland ist der so durch die Decke gegangen. Weil die Synchro, muss man sagen, einfach wahnsinnig gut ist.
Florian Bayer: Unglaublich gut. Er ist der erfolgreichste Disney-Film in Deutschland. Krass. Bis zum heutigen Tag erfolgreichste Disney-Film und er ist hierzulande einer der erfolgreichsten Disney-Filme überhaupt.
Johannes Franke: 27 Millionen Zuschauer über alle Veröffentlichungen hinweg.
Florian Bayer: Krass. Und sie haben wirklich so gutes Voice-Casting für Deutschland gemacht. Sie haben wirklich gute Leute gefunden. Also Edgar Ott haben wir schon erwähnt, der einfach eine tolle Stimme hat und als Balou fantastisch ist. Dann hatten sie als King Louis hatten sie Klaus Hafenstein, der ist Gründungsmitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Wirklich auch eine saubitzige Stimme, steht dem Original, ich würde behaupten, in nichts nach. Und für Shekhan haben sie Siegfried Schürenberg gefunden, der vor allem in Edgar-Wallace-Filmen immer so ein... planlosen Scotland Yard Chef gespielt hat, der nur ein paar Minuten Auftritt hat. Superstimmen, sowohl im Englischen als auch im Deutschen. Und die haben natürlich zu diesem riesigen Erfolg beigetragen.
Johannes Franke: Auch die Song, die Übertragung in die Songs. Es ist ja nur am Beispiel Bare Necessities. Bare Necessities ist ja völlig was anderes als Gemütlichkeit. Es ist ja eine völlig andere Konnotation. Es geht um ein anderes Thema fast schon. Aber ich finde es im Deutschen großartig und ich finde es fast besser.
Florian Bayer: Ja, man könnte darüber nachdenken, ob dieses Bare-Neccessity so ein bisschen lamer Wortwitz ist. Das ist so ein bisschen Dead-Joke. So, ja, Boomer, da hast du deinen Gag super, hast du toll gemacht. Hast einen Homophon gefunden. Glückwunsch. Kriegst ein Sternchen. Ja, ich finde auch der King Louis Song, der... Ja, der ist im Deutschen auch, ja, ich weiß, der funktioniert im Deutschen auch so extrem gut. Die Stimme von King Louis und wie mit Mowgli redet, das hat schon teilweise mehr Poesie. Also ich habe das Gefühl, das englische Original ist deutlich konkreter in dem, was King Louis von ihm fordert und wie King Louis mit ihm redet. Im Deutschen ist alles so ein bisschen ambivalenter. Das ist wirklich gut.
Johannes Franke: Ja, wenn du so einen Rahmen hast, so einen schwierigen Rahmen, du musst etwas, was so im Englischen so perfekt funktioniert. ins Deutsche übertragen und dann im Rhythmus bleiben, in den Silben entsprechend funktionieren. Da musst du kreativ werden. Und dann dadurch entsteht sowieso so eine gewisse Unschärfe, weil du Metaphern für etwas Konkretes finden musst, was vielleicht im Englischen viel konkreter ist. Und das haben sie einfach so gut gemacht, ja.
Florian Bayer: Logischerweise bei so einem großen Erfolg in den 90ern hat Disney angefangen, seine großen Erfolgen Fortsetzungen zu geben. Das Dschungelbuch 2, 2003. rausgekommen, war ein Kinofilm. War nicht nur Direct-to-DVD oder Video, sondern war ein Kinofilm und erzählt so ein bisschen auch sehr lose aus dem neuen Dschungelbuch von Kipling, nämlich wie Mowgli bei den Menschen lebt. Es geschafft hat, sich den irgendwie so weit anzupassen, dass alles okay ist und dann aber wieder zurück in den Dschungel kommt und Baloo und Bagheera und alle möglichen wieder trifft und Dann glauben aber die Menschen, also vor allem Shanti, glaube ich, heißt sie, dieses Menschen, von deren Familie Mugli aufgenommen wurde, die glaubt, dass er entführt wurde von den Tieren und folgt ihm in den Dschungel.
Johannes Franke: Sie ist dann so ein bisschen Hauptfigur, ne?
Florian Bayer: Ja, ich weiß, ich habe es nicht gesehen. Ich kann es nicht sagen. Und Shere Khan kommt natürlich auch wieder vor und endet mit so einem Versöhnlichen, dass Dschungel und Menschen zusammenwachsen mehr. Was auch ja eher so in diesen weiteren Geschichten von Kipling drin steckt. War erfolgreich, hatte schreckliche Reviews, hatte aber mit einem Budget von 20.135.7 Millionen eingespielt.
Johannes Franke: Schön. Ja.
Florian Bayer: 2016. Hast du das Remake gesehen?
Johannes Franke: Du meinst die Live-Action-Version? Die Live-Action-Version. Ich habe sie gesehen.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob es so eine kontroverse Meinung ist. Von John Firth Rowe übrigens, der auch Iron Man 2 gemacht hat.
Johannes Franke: Ich bin mir sicher, dass wir relativ ähnlich sind von der Meinung her. Ich glaube,
Florian Bayer: es ist der bessere Film.
Johannes Franke: Relativ ähnlich. Ich finde ihn sehr gut. Aber der bessere Film ist er nicht.
Florian Bayer: Also meiner Meinung nach ist es der beste von diesen Live-Action-Disney-Filmen.
Johannes Franke: Ja, das gebe ich dir auf jeden Fall.
Florian Bayer: Vor allem, also das ist jetzt auch nicht so ein großes Ding, weil die meisten davon sind ja schlecht. Das ist der einzige gute, der einzige, der mir gefallen hat. Ich habe nicht alle gesehen, deswegen mit Vorsicht. Ich finde ihn deutlich besser, also nicht deutlich besser, ich finde ihn besser als das Original, weil eins, King Louis, Christopher Walken ist total geil. Zweitens die Grundhandlung, nämlich die... Es ist deutlich weniger episodisch und deutlich geschlossener. Drittens die Endmoral.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil Mowgli darf unter seinesgleichen bleiben. Und ja, das sind vor allem meine drei hauptsächlichen Gründe.
Johannes Franke: Dagegen spricht für mich, dass sie die Songs verzweifelt haben, versucht haben reinzuquetschen, aber nicht gut gemacht haben. Die Songs hätten sie auch komplett weglassen können. Echt jetzt? Du willst Bill Murray nicht... Nein.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Wirklich? Nein.
Johannes Franke: Mann,
Florian Bayer: was stimmt nicht mit dir?
Johannes Franke: Das hat nicht funktioniert. Das hat einfach nicht funktioniert.
Florian Bayer: Diese Szene ist so süß. Und die Beziehung zwischen Balou und Mowgli, vor allem, weil Balou noch diesen kleinen Spin kriegt, dass er halt auch sehr egoistisch ist.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: finde ich super.
Johannes Franke: Ich finde, bei Bare Necessities ist es noch einigermaßen okay, aber ich hätte es nicht haben müssen, weil es auch sein eigener Song ist. Es ist ja kein Musical. Er bricht nicht in Gesang aus. um die Story voranzubringen. Sondern er hat einfach einen Song, den er mit sich rumträgt, wo er sagt, da habe ich immer gute Laune, das ist toll, das mache ich. Das ist gut. Wenn dann aber King Louis anfängt zu singen, dann wird es ein Musical. Das ist nicht sein Song, den er so mit sich rumträgt, weil er den mal im Radio gehört hat und geil findet, sondern das ist sein Song, sein Willenssong, den er singt, innerhalb eines Musicals. Und plötzlich wird dieser Film zum Musical und ich denke mir, nein, du hast dir das nicht verdient. Das ist so eine geile...
Florian Bayer: Diese King-Louis-Szene finde ich wirklich gut. Die King-Louis-Szene kann tatsächlich nicht mit dem Original mithalten, aber Christopher Walken ist einfach so cool. Und es ist so cool, was sie daraus gemacht haben. Dieses große, mächtige, düstere, bedrohliche. Und sie haben halt alles so ein Stück düsterer gemacht. Sie haben so ein bisschen späte Gerechtigkeit für den, den Disney rausgeworfen hat, beziehungsweise der gegangen ist. Für Pete.
Johannes Franke: Genau. Finde ich auch total schön, muss ich sagen. Also, dass sie das gemacht haben, finde ich total schön. Aber man muss sich darauf einstellen, dass es ein komplett anderer Film ist. Die ganze Leichtigkeit, die ganze Freude, dieses ganze, wir haben episodisch einfach Spaß mit dem Jungen, wie er in der Gegend rumrennt, ist völlig raus. Es ist einfach ein ganz anderer Film. Es ist eine neue Art und Weise, an dieses Buch und das Original ranzugehen. Und dafür das zu sehen, und ich habe die Filme halt direkt nacheinander geschaut, das ist schon ein Schock. Ein Schock? Das ist komplett anders als jetzt. Und überhaupt keine Leichtigkeit zu haben.
Florian Bayer: Aber es ist doch ein bisschen... Also komm schon, die Manu und seine Freunde, da ist schon Leichtigkeit drin. Ein bisschen. Nein, nein. Da ist doch Freude. Mann, die haben doch Spaß zusammen.
Johannes Franke: Ganz, ganz wenig. Da muss ich schon mit der Lupe suchen. Es ist Bill Murray Ich finde es aber nicht schlimm, muss ich dazu sagen. Ich überwinde den Schock relativ schnell, weil der Film sehr viel zu bieten hat tatsächlich. Ich bin ganz beeindruckt. Diese redenden Tiere sind immer noch ein bisschen awkward. Bei König der Löwen hatten wir das, dass das irgendwie nur so halb funktioniert. Und dass man so denkt, wenn du Tiere animierst und zwar so realistisch wie möglich, dann haben die halt keine Mimik und so ist das schwierig. Und wenn die dann in Gesang ausbrechen, ist das halt auch schwierig, weil da fehlt einfach wahnsinnig viel Emotion durch Körperlichkeit. durch Mimik und so. Und das kannst du nur in einem Zeichen trägen. Und deswegen war ja auch bei König der Löwen das Ganze wirklich für mich eine Vollkatastrophe. Außer, dass es eben aussah wie National Geographic Dokumentation.
Florian Bayer: Ja, König der Löwen war wirklich kein guter Film. Drei Jahre später übrigens, drei Jahre nach dem Dschungelbuch.
Johannes Franke: Und das Dschungelbuch, da fand ich, dass sie die Themen, dadurch, dass sie sie viel ernster genommen haben und die rote Blume viel mehr als Thema genommen haben und auch einfach die Konnotationen, die sie gefunden haben, fand ich tatsächlich sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also deswegen, das hat mich schon gefreut, muss ich sagen. Ich habe nochmal, also es ist vielleicht auch, vielleicht fällt es auch auf die Frage zurück, ob man mehr diese Skizzen mag in dem Fall oder mehr diese Gesamthandlung. Ich kann es nicht ausspielen, ich will das nicht gegeneinander ausspielen. Das eine mehr oder das andere weniger will ich gar nicht so sagen, weil es sind wirklich so unterschiedliche Filme, dass ich sagen würde, je nachdem worauf man gerade Bock hat, was man gerade sehen möchte.
Florian Bayer: Ich glaube, für mich wäre der Benchmark, wenn ich mich hinsetze und sage, auf welchen Film von den beiden habe ich jetzt wirklich Lust, wäre es, glaube ich, tendenziell eher...
Johannes Franke: die Realverfilmung und bei mir eben eher tendenziell die andere.
Florian Bayer: Wenn ich sagen würde, welche Szene will ich gucken oder auf welche Szene habe ich Lust, dann wäre es wahrscheinlich in so ziemlich jedem Fall die Szene aus dem Original.
Johannes Franke: Was total schräg ist. Bei den Affen meinst du?
Florian Bayer: Nicht nur bei den Affen, sondern auch bei, also auch die, probier es mal mit Gemütlichkeitsszene, würde ich eher die im Original gucken. Wenn ich Balou mit, einfach nur Lust habe, Balou mit Mowgli tanzen und Spaß haben sehen. Natürlich will ich dann lieber das Original gucken. Und wenn ich K. Die Schlange sehen will, also Skull Johnson ist cool, aber dann will ich auch eher das Original sehen. Und wahrscheinlich betrifft es alle Einzelzähne und trotzdem würde ich sagen, wenn ich Bock auf einen Film habe und sage, ich will mich jetzt 70 oder 90 Minuten da hinsetzen, dann ist es eher das Remake.
Johannes Franke: Ja, okay. Ja, naja, ich meine, der Film ist ja auch kein Roadmovie in dem Sinne, sondern es ist ja wirklich dann zusammengeflochten. Da wäre es auch seltsam, wenn du plötzlich so eine kleine Sequenz rausnehmen würdest. Weil die ergibt keinen Sinn ohne das vorher und das nachher.
Florian Bayer: Ich weiß, dass ich mit meinem Sohn ein,
Johannes Franke: zwei Mal die Ekinui-Szene gesehen habe, weil ich die wirklich auch mag. Ich finde, das ist wirklich eine gute Szene. Aus dem Neuen? Aus dem Neuen. Ach so. Ja, aus dem Alten ja sowieso.
Florian Bayer: Aus dem Alten, das haben wir tot geguckt.
Johannes Franke: Aber das hast du singulär, ohne den Kontext, also du hast es als Single-Auskopplung mit deinem Kind geguckt. Krass. Und ich glaube,
Florian Bayer: probier es mal mit Gemütlichkeit auch ein, zwei Mal. Hm. Hat funktioniert. Es ist anders, fühlt sich anders an als im Original. Ist halt weniger Spaß und weniger, jetzt tanzen wir dazu. Aber es hat eine Wucht, auch als Einzel-Szene.
Johannes Franke: Wie findest du das Kind, den Darsteller?
Florian Bayer: Gut. Einfach gut. Ich muss sagen, dass ich im Original Mowgli wenigstens interessant finde. Und im Original ist Mowgli halt sehr viel das trotzige Kind, das entweder irgendwie in seinem Gesicht rumspielt und die Nase krummig rümpft oder sich kaputt lacht. Und ich fand, der hatte einfach im Remake deutlich mehr Charakter.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und das liegt auch am Darsteller Nils Safi.
Johannes Franke: Weil da scheint es ja durchaus unterschiedliche Meinungen zu geben. Neben mir wurde die Stimme laut, dass das Kind nicht spielen kann. Und ich fand da auch, eigentlich ist es okay. Also würde ich jetzt nicht der jüngste Oscar-Preisträger oder sowas. Das ist es nicht. Aber er kriegt das so gut hin, dass ich denke, ja klar, das ist halt die Geschichte. Ich glaube, es stört mich, ich achte einfach nicht so viel drauf.
Florian Bayer: Es stört mich nicht so, was er da macht. Ich finde, es funktioniert, wie er das macht und das ist gut. Ich bin umgehauen von Shere Khan, Idris Elba. Idris Elba als Shere Khan finde ich richtig geil.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Ich finde es eine sehr gute Entscheidung, dass sie da auch eher aufs Original zurückgegriffen haben, dass sie Shere Khan eine direkte Beziehung zu Mowgli geben, nämlich dass er eine unangenehme Bekanntschaft mit seinen Eltern gemacht hat und dass er wirklich traumatisiert ist auch davon.
Johannes Franke: Und was ich ganz toll finde an den neuen Verfilmungen ist auch, dass man ganz oft darauf zurückgreift, dass die Figuren in sich tatsächlich richtig Recht haben. Shakan hat Recht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das Kind wird ja zur Gefahr. Das Kind wird zur Feuergefahr.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und Shakan hat da einfach eine Weitsicht oder vielleicht auch eine self-fulfilling prophecy, das könnte man sehen, wie man möchte. Aber er hat am Ende Recht. Und das finde ich einen starken Moment für so eine neue Methode, an so einen Stoff ranzugehen.
Florian Bayer: Ja, absolut. Vor allem, dass Mowgli auch damit konfrontiert ist, wie Shere Khan recht haben könnte. Nämlich, wenn er ansieht, dass er gerade dabei ist, den Dschungel abzufackeln. Genau.
Johannes Franke: Nee, finde ich schon ganz gut. Ich finde auch, dass Mowgli eben, der Unterschied zu Mowgli ist, dass er seine Tricks anwendet, seine menschlichen Werkzeuge, die er erschafft und so, um eben auch klar zu machen, wo bewegen wir uns hier, was ist... was ist das für gesellschaftliche Unterschiede und warum sagen die, du sollst deinen Tricks nicht anwenden. Weil nämlich dann der Bär unter Umständen seinen Honig bekommt, wann immer er will und hat das was Urwald zu tun, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es ist halt, ich verstehe schon, dass man dann sagt, Kind, lass deine Tricks zu Hause. Das hat bei uns in unserer Gesellschaft nichts zu suchen.
Florian Bayer: Ja. Ja, auf jeden Fall. Und ich finde, sie haben das einfach gut ins 21. Jahrhundert geführt. Aber ich will die jetzt auch nicht gegeneinander ausspielen. Wenn ich drüber nachdenke, habe ich irgendwie so das Gefühl, ja, es ist, wenn ich sagen müsste, welcher von den beiden Filmen ist besser, würde ich sagen, der hier. Würde ich sagen, es ist das Remake. Das ist aber nicht dazu gedacht, den irgendwie gegen das Original auszuspielen, das ich wirklich liebe. Der ist wirklich ein wunderschöner Zeichentrickfilm. Es sind tolle Ideen, extrem viel Rhythmus, geile Musik und so weiter.
Johannes Franke: Ich werde das schon so zusammenschneiden, dass du richtig schlecht dastehst.
Florian Bayer: Du bist ja auch wie Kierkan oder wie Kadischlange. Und dann mache ich noch irgendein KI-generiertes Video, wo du richtig böse Blitze aus den Augen für Social Media... Apropos Kadi Schlange, apropos Blitze aus den Augen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Schinger.
Johannes Franke: Okay, wir haben eine Top 3. Unsere Top 3 und ich habe tatsächlich nur drei Punkte hier. Drei Sachen, aus denen ich nicht aussuchen muss, sondern einfach weiß, okay, das sind die halt. Das ist das erste Mal, dass mir das passiert. Top 3, Hypnose. Hypnose, plur. Du gibst mir immer recht, du gibst mir immer recht, ich gewinne diese Top 3.
Florian Bayer: Das Dschungelbuch aus dem Jahr 1967 ist der bessere Film. Das Remake ist auch gut, aber das kann nicht mithalten mit dem 1967er Film. Marie Antoinette ist ein toller Film von Sofia Coppola, ihr bester.
Johannes Franke: Johannes, du hast den besseren Filmgeschmack.
Florian Bayer: Johannes, du hast den besseren Filmgeschmack.
Johannes Franke: Sehr schön. Und jetzt deine Top 3 Hypnose.
Florian Bayer: Auf Platz 3 ist Johannes Franke. Platz 3 Oldboy. Oldboy, ah ja, stimmt. Ein perfider Racheplan, der wie wir sehr spät im Film erfahren, komplett mit Hypnose umgesetzt wurde. Und der wirklich brutal ist und ich will ihn jetzt nicht spoilern, aber Hypnose steht dann doch sehr stark im Mittelpunkt des Films. Wie realistisch das ist, das wollen wir vielleicht nicht auseinander nehmen. Nein, ein absolut krasser, düsterer Rache-Thriller. Also das Original wohlgemerkt, nicht das Spike Lee Remake, sondern das Original aus Südkorea aus dem Jahr 2003.
Johannes Franke: Den wir auch besprochen haben. Ich habe auf Platz 3, ich gehe einfach bei Disney weiter, ins Jahr 1992 zu Aladdin. Ich fand schon echt Jafar mit seinem Schlangenstab da und Schlangenstab. Schöne Referenz auf hier die Schlange K, die das auch gruselig ist, wo sich alles rot färbt. Und dann dieses gruselige Feuerauge quasi, wo sich Jafar drin spiegelt und dann sagt, es ist alles gut. Die. gib mir den Ring, gib mir den Ring. Solche Sachen. Ich finde es ganz großartig.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Also sehr, sehr gruselig. Wir müssen über Aladdin irgendwann reden. Ja,
Florian Bayer: wir müssen irgendwann nochmal. Wir haben einen Disney-Renaissance-Film, nämlich König der Löwen, sehr ausführlich besprochen. Ich glaube, letztes Jahr. Aladdin kommt bestimmt auch nochmal dran. Auch ein toller Film. Mein Platz 2, das Kabinett des Dr. Caligari aus dem Jahr 1920. Ein Somnambuler, ein Schlafwandler, der von einem wahnsinnigen Psychologen und Jahrmarktsgaukler zum Killa gemacht wird. Du guckst mich an, als hättest du den Film auch drin.
Johannes Franke: Ich hab ihn nicht drin jetzt. Jetzt, wo du es gesagt hast, hab ich ihn nicht drin.
Florian Bayer: Großartiger Film, der halt auch vor allem so cool ist, weil der generell so eine hypnotische Atmosphäre hat. Alles ein bisschen surreal, alles ein bisschen drüber.
Johannes Franke: Du weißt genau, dass ich für die Trots Weiß Filme zuständig bin. Nein. Das ist meins. Ich hab ein Abo darauf. Okay, dann nehme ich einen anderen Film. Ganz andere Richtung. Get Out. Oh ja. Wow, das war eine der beeindruckendsten Szenen dieses Films. Und der Film ist sehr beeindruckend und hat viele tolle Momente, aber das war wirklich, in dem Moment fühlt man sich selbst hypnotisiert, weil das so plötzlich passiert und man so mitgezogen wird. Der sitzt da gegenüber von dieser Frau, der Familienmutter oder so und wir wissen nichts von dieser Hypnose, aber plötzlich... Was sie mit der Tasse da macht und ihrem Löffel und dann mit einem Ping, rutscht der in sein Inneres hinein und kommt da nicht so richtig wieder raus. Es ist eine krasse Hypnoseszene. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, ohne dass ich euch sage, was eigentlich genau passiert in dem Film. Deswegen muss ich eigentlich ans Herz legen, den Film zu gucken. Get Out von 2017 und der Titel ist Programm. Schnell, get out. raus hier, weg hier.
Florian Bayer: Wir sollten auch hier sollten wir uns nicht zu viele Gedanken über Realismus machen.
Johannes Franke: Natürlich nicht.
Florian Bayer: Aber das betrifft wahrscheinlich alle Hypnose, alle Arten von Hypnosedarstellung in Filmen.
Johannes Franke: Ja, Platz 1.
Florian Bayer: Zerkalo. Der Spiegel von Tarkovsky. Ein, mein Lieblingsfilm von Tarkovsky aus dem Jahr 1975. Ein Kunstkacke. Ein wirklich großartiger Film, der sich mit dem Leben auseinandersetzt und mit der Natur und mit mit Religion und mit Erziehung und der ganz am Anfang uns gleich sagt, du wirst jetzt in irgendwie was Ungewöhnliches reingeworfen, nämlich er startet mit der Hypnose von einem jungen Mann, um dem das Stottern abzugewöhnen. Fantastischer Film. Absolut sehenswert und der ganze Film steht dann unter diesem hypnotischen Bann und man fühlt sich auch als Zuschauer ein bisschen hypnotisiert.
Johannes Franke: Wir haben über Sackkaller geredet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ihr könnt euch das gerne anhören. In diesem Fall würde ich sogar sagen, ihr könnt es euch auch anhören, ohne den Film gesehen zu haben.
Florian Bayer: Nein, das kannst du mir nicht antun.
Johannes Franke: Dann habt ihr wenigstens einen roten Faden, wenn ihr den dann guckt. Dann kann man wenigstens ein bisschen das Gefühl haben, ah, okay, ja, ich rauche hier Pfeife und weiß dabei ganz hochkulturell, was dieser Film eigentlich will. Weil, also, ich war lost am Anfang.
Florian Bayer: Aber wir erklären diesen Film nicht so, dass man danach nicht lost ist. Nein, wir sind gemeinsam lost in diesem Film.
Johannes Franke: Das ist richtig.
Florian Bayer: Wir gehen durch. Ich glaube aber, wir kommen beide zu dem Ergebnis, dass wir sagen, keine Ahnung, was da passiert ist, aber es ist faszinierend.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Das muss man sagen. Also gucken müsst ihr ihn schon, aber ihr könnt das Gespräch auch vorher hören. Vielleicht. Anders als bei anderen Filmen. Ich habe auf Platz 1... Was könnte es anderes sein? Asterix erobert Rom. Du bist ein Wildschwein, du bist ein Wildschwein. Ich bin ein Wildschwein, ich bin ein Wildschwein. Und wenn wir vom Realismus reden, bei Hypnose. Wenn du hypnotisiert wirst, egal wie sehr du glaubst, dass du ein Wildschwein bist, du kriegst kein Fell und keine Hauer. Oder dir wird eingeredet, du bist ein Vogel und du fliegst dann davon. Es ist so großartig. Warst du eine geile Szene. Ich liebe diesen Film allein schon dafür. Und für das Haus das Verrückte macht. Mit den Scheinwerferaugen, ne? Oh, damit kann man ganz toll im Dunkeln lesen. Schöne Kuckauchchen. Großartig,
Florian Bayer: ja. Das ist wirklich schön.
Johannes Franke: Haben wir auch besprochen. Haben wir auch besprochen, ja. Okay, danke für die schöne Top 3. Danke für die schöne Top 3. Dann gehen wir zurück in unserem Film, das Dschungelbuch. Das war unsere Top... Drei. Also ich habe hier noch ein paar Sachen, die ich einfach loswerden will, die in meinem Kopf wohnen und keine Miete zahlen. Die müssen raus. Raus damit. Dieser Panther findet das Ding und sagt nicht als erstes Uh, Uber Eats. Ja, das stimmt. Was ist los? Das wäre eine sehr kurze Geschichte, wenn das realistisch wäre. Ja, na gut. Und er legt es halt auch bei den Wölfen ab. Wo bringen wir das am besten hin? Natürlich zu den Wölfen. Das ist so one way. Du hast dich schon erbarmt und jetzt erwartest du noch von den Wölfen, dass die nicht als nächstes sagen, über Eats. Das ist so krass. Und dann redet er nicht mal mit denen und sagt irgendwie, hier Leute, wir haben was gefunden. Vielleicht geht er damit ein bisschen sorgsam um. Das könnte Freunde gebrauchen. Nein, er legt es dahin, versteckt sich. Was ist los mit dem? Hat er eine Sozialphobie? Ja, offensichtlich. Also das war ich schon so ein bisschen, huch, okay. Und dann habe ich ein bisschen geguckt, kann ein Tiger mit den Wölfen es aufnehmen oder nicht? Weil ich gedacht habe, sind die nicht in der Überzahl? Könnten die nicht einfach Schalkan gemeinsam, vor allem mit dem Bären auch zusammen, ist schon so? Also warum sind sie die ganze Zeit so, wir müssen das Kind wegbringen, statt zu sagen, okay, wir beschützen das Kind. Ein Tiger kann mit zwei Wölfen problemlos fertig werden. Du brauchst mindestens fünf Wölfe, um safe zu sein, dass der Tiger nicht gewinnt. Alter, Tiger, OP. Wahnsinn, oder? Krass. Also das fand ich schon krass. Also ja, ich glaube aber, dass der Lippenbär, wenn der dazu gekommen wäre, hier im Film ist so ein Braunbär, aber das wäre schon möglich gewesen, oder? Also ich glaube, irgendwie denke ich dann so, ja, Gemeinschaft hin und her. Aber irgendwie wolltet ihr euch auch nicht in die Gefahr begeben. Ja,
Florian Bayer: natürlich. Die wollen ihre eigene Sippe schützen. Und das ist gemein, weil Mugli gehört ja eigentlich auch zu ihrer Sippe. Ja, genau.
Johannes Franke: Und das fand ich so ein bisschen einen traurigen Aspekt auch, dass ich das Gefühl habe, er gehört irgendwie nicht zur Sippe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil er plötzlich eine Gefahr darstellt. Ich weiß nicht. Das kann man doch gemeinsam durchstehen.
Florian Bayer: Nicht cool. Tatsächlich waren die, die am coolsten zu Mugli waren, die Affen. Die haben ihn nämlich so akzeptiert, wie er ist. Und haben auch gesagt, ey, du kannst bei uns bleiben. Mach mit uns Party. Was wir übrigens... Mach nur ein bisschen Feuer mit uns.
Johannes Franke: Was ich übrigens interessant fand, King Louie, der ist ja ein Villain eigentlich und der bekommt aber keinen I am Song, sondern einen I want Song. Yes. King Louie ist auch eigentlich kein Villain. Und das finde ich interessant, weil er so oft als Villain dargestellt wird und ich ja vorhin schon gesagt habe, dass ich eigentlich gar nicht so richtig weiß, ob er so ein klassischer Villain ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Nur für euch da draußen, der Unterschied zwischen I want Song und I am Song. Es gibt für, also ganz klassischerweise für so Musicals eine Aufteilung einfach. Der Bösewicht bekommt oft den I am Song, also so einen fast schon narzisstischen Angang, zu sagen, ich bin hier der Große, ich bin das, ich bin das, ich bin das. Und ein I want Song bringt sofort Sympathien mit, weil du willst, dass jemand etwas schafft. Wenn er etwas will vom Leben und darüber singt, dass er etwas will, dann kriegt man sehr viel mehr Sympathien und man kriegt mehr Mitgefühl mit jemandem, der versucht etwas zu erreichen, aber vielleicht struggelt. Und das finde ich eine clevere Aufteilung, so ein Konzept dahinter zu haben, zu sagen, okay, unsere Songs funktionieren immer nach diesem Prinzip, so ein Erfolgskonzept. Was natürlich irgendwann nerven kann, wie man auch an Hollywood sieht, weil du hast eine Bibel, wo alles drinsteht, wie was funktionieren soll und irgendwann machen alle Filme genau das gleiche. Und du denkst dir, ja, gern kann mir jemand was anders machen. Aber ich finde es trotzdem interessant und spannend und auch eine sehr logische Einsortierung. Der Willen bekommt den Song und unser Protagonist, mit dem wir mitfiebern sollen, der bekommt halt einen I-Want-Song.
Florian Bayer: Disney bricht das ja auch Gott sei Dank oft genug. Zum Beispiel singt ja auch ein Be Prepared von Sky in König der Löwen. Das ist eigentlich ziemlich eindeutig ein I-Want-Song. Ein Musterbeispiel für die unterschiedlichen Songs ist Arielle, die Meerjungfrau. Und zwar einmal Arielle, die singt, dass sie ein Mensch werden will. Was singt sie nicht? A whole new world. Das ist Aladdin. Das ist Aladdin. Aber sie will auf jeden Fall in die Welt gehen.
Johannes Franke: Ein Mensch zu sein. Genau,
Florian Bayer: ich habe es auch gerade deutsch im Kopf, aber es gibt ja was Englisches. Und das ist nicht to be a human, sondern irgendwas anderes. Und dann die pure unfortunate souls von Willen in dieser Geschichte, Ursula, die halt die ganze Zeit singt, was sie macht mit den Seelen. Ja. Genau, King Louie ist kein richtiger Bösewicht. King Louie hat auch irgendwie nachvollziehbare Motive. Ich bin King Louie Fan.
Johannes Franke: Und was mir noch eingefallen ist, was ich jetzt auch einfach noch zusammenhangslos reinwerfen muss, das Konzept von Identität. Ja. Das haben wir noch gar nicht besprochen, das ist ja ein großes Teil des Films. Identität. Mowgli muss rausfinden, auch wenn es... nicht selber Mowgli ist, der sich auf den Weg macht und selber das Ziel hat, rauszufinden, wer er ist, sondern alle anderen in der Gegend rumschubsen und sagen, du bist doch Mensch, du musst da zurück in diese Menschenwelt da. Aber er kommt von einem Tier zum anderen und fragt ihn, hast du mir auf den Kopf gemacht? Beziehungsweise bist du der, der ich bin? Ich bin wie, ich will der Bär sein, ich will wie die Affen sein, ich will wie die Wölfe sein. Ich finde es total spannend, also dieses Identitätsding und vor allem zu sagen, Identität ist auch nur konstruiert.
Florian Bayer: Diese Frage wird ja eigentlich ziemlich eindeutig beantwortet in dem Film, dass seine Identität Balou ist. Mit dem versteht er sich am besten.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich.
Florian Bayer: Also es ist so ganz offensichtlich, wenn man sieht, wie er mit den Elefanten interagiert, dass er... dass er da nicht reinpasst.
Johannes Franke: Aber er versucht's.
Florian Bayer: Er versucht's.
Johannes Franke: Und es ist hilarious, wie er's versucht. Ich find das so gut animiert, ne? Ja. Wie der da hinterher auf allen Vieren und dann stößt er mit dem Rüssel gegen die Nase und so und du musst in die andere Richtung. Okay, okay. Und dann nicht hinterherkommt.
Florian Bayer: Aber um zu deinem eigentlichen Punkt zurückzukommen, ich geb dir absolut recht, natürlich. Identität ist immer ein Stück konstruiert und wenn du sagst, sei wie du bist, dann ist das einfach... eine Lüge, weil niemand ist so wie er ist, weil der Mensch sich verändert und entwickelt. Und der Mensch passt sich auch an und es ist nichts Schlechtes, sich zu verändern. Es ist nichts Schlechtes, sich zu entwickeln. Und es ist auch nichts Schlechtes, sich ein bisschen an seine Umgebung anzupassen. Das gehört einfach zum Menschsein dazu.
Johannes Franke: Wenn man das psychologisch auseinandernehmen würde, ich habe tatsächlich, wenn ich mal so offen sein darf, ich habe eine Therapie hinter mir, weil ich einfach aus der Kindheit Sachen aufarbeiten musste und Hatte ein Trauma aus der Kindheit und das hat dafür gesorgt, dass ich eine kleine Persönlichkeitsentwicklungsstörung hatte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die hat vor allem damit zu tun, wie Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung funktioniert. Und dass Identität sich eigentlich nur entwickelt, indem ich abgleiche.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was kommt von außen? Wie sehen mich andere? Wie sehe ich mich? Und dieses ständige Hin und Her und diese Wechselwirkung zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung und dem, was ich sein will und dem, was die Gesellschaft von mir will. Das formt eine Identität. Das fand ich total spannend damals, als ich das eben in der Therapie schon vor über zehn Jahren so ein bisschen entdeckt habe und rausgefunden habe. Und ich fand das total spannend, den theoretischen Unterbau, der natürlich an der Praxis immer mal scheitert, aber ich fand es total spannend für mich.
Florian Bayer: Ist auf jeden Fall ein spannendes Thema. Und naja, der Film macht es halt sehr episodisch. Er schickt ihn einfach durch die Interaktion mit Tieren. Und es gibt ja eigentlich nur mit Balou, also mit den Wölfen, mit Balou und mit... den Elefanten gibt es ja eigentlich nur drei Tiere, an denen er sich wirklich orientiert und festhält. Und ansonsten ist er ja eigentlich die ganze Zeit am Wegrennen.
Johannes Franke: Dass er keine Schlange werden wollte, finde ich, täuscht mich ein bisschen. Das ist wohl wahr. Eine der schönsten Animationen finde ich immer noch die Schlange. Weil die auch durch die Luft, der Kopf so... durchschlängelt und dann, wenn er wie als ein Ziehharmoniker da rumstolpert, weil er sich den Rückgrat quasi gebrochen hat, dass er nicht hat. Ich finde es ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Bei all dem dürfen wir nicht zu viel über Anatomie und Physik nachdenken,
Johannes Franke: sonst scheitert der Film grandios. Aber das ist Animation, so ist das halt.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, wir können ein kleines Fazit ziehen.
Johannes Franke: Ich glaube auch, also wir sind eigentlich auch schon die ganze Zeit so ein bisschen dabei, ein Fazit zu ziehen. Möchtest du, ich mach mal den Jingle rein und dann sagst du noch zwei, drei Worte und dann sag ich noch zwei, drei Worte. Das Urteil. Okay, Flo, los, dein Fazit.
Florian Bayer: Ich hab's nämlich nicht aufgeschrieben, deswegen versuch ich's gerade improvisiert zu machen. Wo ordne ich dieses Ding ein, wenn ich bei meinen Top-Disney-Filmen gucke?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich weiß nicht, ob's in der Top Ten ist. Ich mag den Film total, Disney hat so viele gute Filme gemacht. Ich liebe ganz viele Disney-Filme. Ja. Ich weiß nicht, ob es als Gesamtfilm in der Top... Tennis. Was ich aber weiß, ist, dass dieser Film Momente hat, die absolut zu Recht zeitlos sind, die mich heute noch zum Lachen bringen, die mich auch überraschenderweise zum Schluchzen bringen. Nämlich diese ganze Baloo-Lore ist wirklich traurig. Vor allem, die mich zum Mitwippen, Mittanzen und Mitsingen bringen. Und das ist einfach grandios. Und wenn er was hat, was er vielen anderen Disney-Filmen voraus hat, er hat echt verdammt viel Groove.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und... Ja, es ist schwer, Disney-Filme zu finden, die so eine geile Musik haben, die so einladend ist, mitzuwippen und mitzutanzen.
Johannes Franke: Was ich immer wieder aufgeschrieben habe, war, man ist der Film entspannt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich fand ihn wahnsinnig entspannt. Der hat kein hohes Tempo in den Dialogen, zumindest meistens nicht. Er hat immer so eine leichte, entspannte Musik drunter. Die Figuren sind so laissez-faire. Gerade eben Balou, der wirklich das entspannteste Leben der ganzen Welt hat. Ich fand es wahnsinnig beeindruckend, auch zu sagen, okay. Wir reduzieren das Ganze dramaturgisch auf die drei großen wichtigen Prinzipien und mehr gibt es da einfach nicht. Und der Rest muss von den Charakteren gehalten werden. Und das war das Konzept, was Walt Disney am Anfang aufgestellt hat. Ihr guckt euch die Charaktere an und die müssen miteinander Spaß haben und der Rest steht hinten an. Und ich finde dieses Konzept für einen solchen Film grandios gut umgesetzt. Ich finde es ganz toll. Das, was Disney wollte, ist ihm wirklich gelungen. Und er ist,
Florian Bayer: glaube ich, durch viel Blut, Schweiß und Tränen gewartet dabei. Nicht durch sein eigenes, sondern durch seine Schreiberlinge und Animatoren, die er gequält hat. Aber es hat sich gelohnt.
Johannes Franke: Er hatte auch Blut, Schweiß und Tränen, aber eben wegen seiner Krebserkrankung, glaube ich. Ich glaube, es war Krebs. Der letzte große Walt Disney Film. Ja, er ist gestorben noch bevor es fertig war, bevor es veröffentlicht wurde, 1966. Und hinterlässt wirklich einen krassen Apparat an Disney. der ohne ihn übergangslos weitergerollt ist. Er hat das wirklich gut quasi übergeben an den Rest, an den Nächsten. Und die haben einen Tag Pause gemacht, als er gestorben ist. Und am nächsten Tag ging es wieder weiter.
Florian Bayer: Und doch bewegen wir uns dann nach seinem Tod in ein Zeitalter,
Johannes Franke: das halt auch oft als das dunkle Disney-Zeitalter benannt wird. Ich finde es qualitätsmäßig kann man es nicht sagen. Ich finde, okay, die Themen sind düsterer, aber ich finde die Qualität... Es sind vielleicht ein bisschen andere Filme.
Florian Bayer: Aber ich weiß nicht, ob wir so einen Film wie zum Beispiel Basil der Mäusedetektiv, Oliver & Co., ob wir die tatsächlich als Muss-man-sehen-Filme kennzeichnen würden, im Gegensatz zu dem hier.
Johannes Franke: Oder? Dann müsste ich dir recht geben, das geht nicht. Also ich meine, ich mag Pfeifel der Mauswanderer.
Florian Bayer: Pfeifel der Mauswanderer ist nicht das. Nicht Pfeifel der Mauswanderer. Basil der Mäusedetektiv.
Johannes Franke: Entschuldigung, Basil der Mäusedetektiv. Und du hast vollkommen recht. Scheiße, ich habe wirklich Pfeifel der Mauswanderer im Kopf und nicht Basil. Fuck, ist das gemein.
Florian Bayer: Basil der Mäusedetektiv ist nicht der bekannte Mausfilm aus den
Johannes Franke: 80ern, nämlich Pfeifel der Mauswanderer. Oh, ist das gemein.
Florian Bayer: Und du bist Sherlock Holmes-Fan.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ah, fuck. Nein, nein, nein, das kriegen wir noch hin. Wir kriegen das Rudern rumgerissen, aber erst in einer zukünftigen Episode. Wenn wir über das Dark Ages Disney reden.
Florian Bayer: Das kommt aber nicht nächste Woche. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche aufs Auge drücke, dann bleibt noch kurz dran.
Johannes Franke: Hört euch den Jingle nochmal an.
Florian Bayer: Ansonsten wie immer euch vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Es macht wahnsinnig viel Spaß mit euch. Also kommentiert weiterhin fleißig. Wir haben viel Spaß mit alten Folgen, die wir immer wieder promoten, auch auf Instagram und Co. Und geht einfach in die Diskussion mit uns. Wir haben auch auf der Webseite die Kommentarfunktion. Da könnt ihr uns auch reinschreiben. Wir haben auch diesen tollen Button Spenden. Ihr dürftet gerne ein bisschen Geld für unsere Kasse dalassen. Davon bezahlen wir dann irgendwelche Serverkosten und so, die durchaus ein bisschen größer geworden sind, seit mehr Zuhörer dabei sind. Insofern könnt ihr uns gerne helfen. Ansonsten schaltet einfach immer wieder ein. Ciao. Bis dann. Ciao.
Florian Bayer: Wir hatten schon lange keinen Stummfilm mehr.
Johannes Franke: Wir hatten lange keinen Stummfilm mehr, aber es sind ja meine Aufgaben. Ja. Du kannst mir jetzt nicht einen Stummfilm geben.
Florian Bayer: Wenn du mir keinen Stummfilm gibst, muss ich dir einen Stummfilm geben. Wenn du mir kein Musical gibst, muss ich dir Musicals geben. Okay. Nächste Woche gibt es einen Stummfilm und zwar auch aus dem Bereich, ich nutze diesen Podcast, um meine eigenen Lücken zu schließen. Ich habe den partiell gesehen. Ich glaube, ich habe den noch nie ganz am Stück gesehen. Die Passion der Jungfrau von Orléans.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: La Passion de Jean d'Arc aus dem Jahre 1928 von Carl Theodor Dreyer. Französisch.
Johannes Franke: Ei, ei, ei. Stummfilm. Carl Theodor Dreyer, das ist ja ein sehr französischer Name. Genau.
Florian Bayer: Ist ein dänischer Regisseur. Gilt als einer der besten Filme aller Zeiten und als einer der wichtigsten und besten Stummfilme aller Zeiten. Und ich bin sehr gespannt. Und ich kenne Bilder und ich kenne Szenen und ich weiß, dass dir sehr intensiv ist hier ein Stummfilm.
Johannes Franke: Okay. Wow. Na gut. Dann werden wir uns den die nächste Woche angucken und dann sprechen wir uns nächsten Mittwoch wieder. Bis dahin. Bis dahin. Ciao. Ciao.
