Episode 287: Lady Snowblood – The Kill Bill Prototype
Schwertkämpferin will Rache üben, hakt nach und nach eine Liste ihrer Opfer bzw. Ziele ab und vergießt dabei ordentlich Blut? Nope, it’s not Tarantino, aber wahrscheinlich der Film, der wie kein anderer Vorlage für Kill Bill war: Die titelgebende Lady Snowblood, Yuki, wurde im Gefängnis geboren, ihr einziger Daseinszweck, die Rache vollenden, die ihre Mutter wegen ihrer Gefangenschaft nicht vollenden konnte. Auf der Liste stehen drei Namen: Banzo, Okono und Gishiro. Diese haben damals die Familie von Yukis Mutter getötet und sie selbst brutal vergewaltigt. An einem konnte Yukis Mutter bereits Rache üben, daher sitzt sie im Gefängnis, in dem sie bei Yukis Geburt stirbt: Nicht ohne dieser als Baby bereits die Bürde der Rachevollendung weiterzugeben. Und so metzelt sich die mittlerweile erwachsene Yuki durch ihre Liste, um den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen
Lady Snowblood aus dem Jahr 1973 spielt in der Meiji-Zeit, im Japan des 19. Jahrhunderts, als die Moderne peu à peu traditionelle Werte ablöste. Unser Racheengel, eine traurige, verzweifelte und einsame Frau, aber auch eine tödliche Waffe, die nicht lange fackelt, ihre Feinde im wahrsten Sinne des Wortes einen Kopf – oder ein anderes Körperteil – kürzer zu machen. Ein Revengethriller, ein Exploitationfilm mit viel Blut, aber auch ein überraschend komplexes Drama um Schuld, Sühne und die Last der Rache: Hochstilisiert, verzweigt montiert und voller doppelter Böden.
Johannes, was hast du in dem Film gesehen? Den Proto-Tarantino, den 70er B-Movie Flick, oder doch auch ein bisschen Kunst?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 287: Lady Snowblood – The Kill Bill Prototype Publishing Date: 2026-07-01T08:26:23+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/07/01/episode-287-lady-snowblood-the-kill-bill-prototype/
Johannes Franke: Was ich dem Film zugutehalten will, ist, dass es keine schmalzige Liebesgeschichte wird.
Florian Bayer: Nie.
Johannes Franke: Dass sie das nicht aufmachen, das Fass, sondern das sind einfach zwei Leute. Und das war's.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, Plur. Zu einer neuen Episode von Muss man sehen Podcast. Hallo Johannes, schön wieder hier zu sein.
Johannes Franke: Hallo Plur, schön dich in meiner Küche zu sehen.
Florian Bayer: Und hallo liebes Publikum, schön, dass ihr... da seid. Schön, euch hier in meiner Küche zu sehen. Schön, dass ihr uns wie immer zuhört. Beziehungsweise wie immer schön, dass ihr uns zuhört. Jetzt kommen wir nicht mehr weiter.
Johannes Franke: Wir kommen nicht mehr weiter, weil wir werden heute ganz, ganz viele Sachen falsch aussprechen und sind jetzt schon total angespannt. Unter Schwierigkeiten, überhaupt irgendeinen deutschen Satz auszusagen, weil wir die ganze Zeit denken, KG oder wie heißt sie?
Florian Bayer: Liebes Publikum, vor allem liebe japanische MuttersprachlerInnen und alle Leute, die sich ein bisschen mehr mit Japan, der japanischen Kultur und Sprache auskennen, ganz ehrlich, es tut uns slide. Wir werden uns wirklich Mühe geben. Wir haben auch beide gegoogelt und beide uns verschiedene Betonungen angehört und wir versuchen es wirklich richtig zu machen, aber wir werden scheitern.
Johannes Franke: Wir werden definitiv scheitern.
Florian Bayer: Wir werden uns auf jeden Fall bemühen, wir reden heute nämlich endlich mal wieder über einen japanischen Film und ich liebe einfach das japanische Kino und ich kann nicht damit aufhören, Johannes, japanische Filme zuzuwerfen.
Johannes Franke: Ja, ich bin eigentlich auch inzwischen halbwegs froh darum, muss ich sagen. Yes! Dass du mir tatsächlich auch immer mal so Sachen gibst, mit denen ich mich sonst nicht so beschäftigen würde, ehrlich gesagt. Auch habe ich jetzt viele Erfahrungen mit dir gemacht, was japanische Filme betrifft oder chinesische oder nordkoreanische Filme. Aber ich habe es nicht in meinen Alltag rübergerettet, sondern ich warte immer noch darauf, dass du mir einen gibst. Ach krass. Ja, also ich habe es noch nicht so richtig geschafft, aber wahrscheinlich ist es empfehlenswert, weil da wirklich viele Sachen bei sind, die geil sind.
Florian Bayer: Ganz kurz, du hast Kill Bill gesehen, ne?
Johannes Franke: Ich habe Kill Bill gesehen.
Florian Bayer: Und ihr wahrscheinlich, also zumindest wenn ich so drauf gucke, wie so die demografische Verteilung unseres Publikums ist, die meisten von euch dürften auch... auch Kill Bill gesehen haben?
Johannes Franke: Wahrscheinlich schon.
Florian Bayer: Lady Snowblood aus dem Jahr 1973 von Toshia Fujita, über den wir heute reden, ist quasi der Proto- Typ für Kill Bill.
Johannes Franke: Für meine Ohren klang das übrigens gerade gar nicht so schlecht, was du da gesagt hast.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, das müsste jemand anderes sagen.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich. Und hey, wir müssen eigentlich jemanden finden, der uns all die Namen einspricht und ich blende das genau in dem Moment immer ein. Das wäre geil. Ein tolles Hörerlebnis garantiert.
Florian Bayer: Und er ist der Prototyp für Kill Bill. Und jeder, der diesen Film sieht und Kill Bill gesehen hat, sieht es direkt.
Johannes Franke: Ja, außerdem. Auf jeden Fall, natürlich. Tarantino hat ja gar nicht so viel darüber geredet, wie er über diesen Film so alles mögliche aus diesem Film rausgezogen hat. Ich hätte gedacht in der Recherche, man findet viel mehr Interviews mit Tarantino, der sagt, ja und da ist dieser Film und ich habe im Grunde 80% übernommen.
Florian Bayer: Es ist geil, dass du das sagst, weil ich habe so Tarantino-Connection gar nicht mehr gesucht. Also dazu bin ich einfach nicht mehr gekommen.
Johannes Franke: Aber ich habe nichts gefunden. Ich habe nicht viel gefunden davon, außer dass ab und zu mal jemand was sagt. Und der Typ, der neben ihm im Kino saß, als es in Spanien mal eine Vorführung davon gab. Und Tarantino. Aber alles simultan. quasi seinem Nachbarn erzählt hat, weil der kein Deutsch konnte, was die Untertitel waren. Und kein Japanisch konnte, was die Originalsprache war. Und das haben sie in Spanien gezeigt. Ich habe es nicht verstanden, warum dieses Screening in Spanien stattgefunden hat. Was haben sie sich dabei gesagt? Aber keiner im Publikum hat es so richtig verstanden, aber Tarantino saß da und hat gesagt, Leute, ich habe das im Griff, ich erzähle euch, wie es geht.
Florian Bayer: Absolut Dreck. Also wir können unsere Tarantino, darüber was Tarantino zu dem Film gedacht hat und wie er das in Kill Bill verarbeitet hat, packen wir auf den Stapel. Daneben haben wir auf jeden Fall einiges, was wir zu euch zu erzählen haben über die Produktionsbedingungen. über das Studiosystem, das damals in Japan geherrscht hat, über die Darstellerin Meiko Kachi... Kaichi? Kachi? Michael Kachi, Entschuldigung. Ich entschuldige mich gleich. Und über die Meiji-Zeit, über die Meiji-Zeit, die hier im Mittelpunkt steht und über ganz viel anderes. Aber ich lege einfach mal kurz los mit der Story, dass ihr wieder so ein bisschen drin seid, worum es geht. Wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, schaltet jetzt ab. Wir werden spoilern. Obwohl der Film jetzt nicht so schlimm... Spoiler-problematisch ist, ne? Aber er hat seine kleinen Plottwists. Ja, ein bisschen. Wertkämpferin will Rache üben, hakt nach und nach eine Liste ihrer Opfer bzw. Ziele ab und vergießt dabei ordentlich Blut. Nope, it's not Tarantino. Aber wahrscheinlich der Film, der wie kein anderer Vorlage für Kill Bill war. Die titelgebende Lady Snowblatt? Yuki wurde im Gefängnis geboren. Ihr einziger Daseinszweck, die Rache vollenden, die ihre Mutter wegen ihrer Gefangenschaft nicht vollenden konnte. Auf der Liste stehen drei Namen. Banzo, Okono und Gishiro. Diese haben damals die Familie von Yukis Mutter getötet und sie selbst brutal vergewältigt. An einem konnte Yukis Mutter bereits Rache üben, daher sitzt sie im Gefängnis, in dem sie bei Yukis Geburt stirbt. Nicht ohne dieser bereits als Baby die Bürde der Rachevollendung weiterzugeben. Und so metzelt sich die mittlerweile erwachsene Yuki durch ihre Liste, um den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Lady Snowblood aus dem Jahr 1973 spielt in der Meiji-Zeit, im Japan des 19. Jahrhunderts, als die moderne peu à peu traditionelle Werte ablöste. Unser Racheengel, eine traurige, verzweifelte und einsame Frau, aber auch eine tödliche Waffe, die nicht lange fackelt, ihre Feinde im wahrsten Sinne des Wortes einen Kopf, oder ein anderes Körperteil kürzer zu machen. Ein Rache-Thriller, ein Exploitation-Film mit viel Blut, aber auch ein überraschend komplexes Drama um Schuld, Sühne und die Last der Rache. Hochstilisiert, verzweigt, montiert und voller doppelter Böden. Johannes, du hast gesagt, du hast Kippel gesehen. Wie oft musstest du deine Checkliste Tarantino rausholen und Striche machen?
Johannes Franke: Ich bin ja gar nicht mehr rausgekommen aus dem Checklist rausholen. Ich habe den Fehler gemacht, sich wieder einzustecken. Nein, also es ist natürlich volle Kanne, Tarantino. Aber natürlich trotzdem... Ein anderer Film, weil er viel stärker seine Wurzeln in der Kultur hat, aus der das Ganze kommt. Und Tarantino... muss man vielleicht ehrlich sagen, eine oberflächliche Popkulturvariante davon gemacht hat. Hat.
Florian Bayer: er. Und das ist ja auch Tarantinos Ding und das ist ja auch das, was ihm manchmal vorgeworfen wird, dass er diese Versatzstücke nimmt aus dem Genrekino, aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Genres und wir haben auch viel drüber geredet. Dass er Pop draus macht, dass er den Stil übernimmt, aber nicht den Inhalt.
Johannes Franke: Ja, also inhaltlich wirkt dieser Film einfach viel ehrlicher und viel tiefer. Ja. Das ist halt so. Aber nichtsdestotrotz, Kill Bill ist Popcorn-Kino, das kann man durchaus mögen. Es ist nicht ganz mein Genre und... Genauso wie bei Kill Bill, was nicht ganz mein Genre ist, ist auch dieser Film nicht so ganz mein Genre. Trotzdem konnte ich diesem Film vielleicht auf der einen oder anderen Bauspille mehr abgewinnen. Aber auf der einen oder anderen Baustelle bei Tarantino dann doch auch mehr, weil das doch ein bisschen kurzweiliger und schneller und eben... popkulturell irgendwie näher am Publikum dran ist, am heutigen.
Florian Bayer: Das Geile, die tragische Ironie ist ja, dass dieser Film genau das auch thematisiert, so diese das Westliche, was in das Japan reinkommt und das irgendwie aufmischt und verändert, Und die Leute stehen denen teilweise ohnmächtig gegenüber, teilweise umarmen sie das und übernehmen das, aber es macht auf jeden Fall extrem viel mit der Gesellschaft. Also pass auf, wir müssen gucken, wie wir das Ganze sortiert kriegen. Ich würde sagen, wir springen einmal ganz kurz in die Zeit, in der das Ding springt. um einmal abzustecken, wo wir uns befinden.
Johannes Franke: Ja, das finde ich auch total wichtig.
Florian Bayer: Und dazu muss ich zumindest einmal kurz das Genre nennen, das unser Film ist. Der ist nämlich ein Meiji Jidaigeki. Aha. Und das ist schon ein schreckliches Wort. Wirklich schwer ist zu merken, aber Jidaigekis sind Große Filme in Japan und Jidaigekis spielen eigentlich eher so in der Edo-Zeit, das heißt so ab dem 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein. Vor der Moderne. Und vor der Maichi-Zeit. Und vor der Maichi-Zeit. Und die großen Jidaigeki, die man kennt, sind vor allem die Filme von Akira Kurosawa. Wir haben selbst auch Einen davon gesehen? Wir haben über das Schloss im Spindelwald geredet.
Johannes Franke: Großartiger Film.
Florian Bayer: Was Macbeth war quasi. Aber was in dieser Samurai-Zeit gespielt hat, in denen es diese traditionellen Werte gibt, in denen die Samurai, die quasi das Pendant zu den europäischen Rittern sind, also Menschen, die Macht haben, Menschen, die Waffen haben und Menschen, die damit verbunden aber auch Aufgaben haben und irgendwie so eine Art, so einen Ehrenkodex leben. Wo die Fassade ganz wichtig ist. Und der Unterschied ist halt, die Meiji-Jidaigeki, die spielen in der Meiji-Zeit, wie der Name schon sagt. die ungefähr die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts einnimmt. Und das ist eine Zeit, in der sich Japan krass verändert.
Johannes Franke: Übrigens, die Zeiten sind immer nach den Herrschern benannt. Also wenn wir jetzt Meiji sagen, dann ist das der Herr Meiji. der da an der Macht war, dessen Zeit das war. Um es genau zu sagen, 1868 bis 1912 sagt man so.
Florian Bayer: Wir befinden uns in der Zeit vorm Ersten Weltkrieg und wir befinden uns vor allem in der Zeit der Modernisierung Japans. Der ganze Shit, den ihr im Geschichtsunterricht gelernt habt, über Deutschland. Und über Europa, die Industrialisierung und wie sich alles rasant verändert, das hat in Japan auch stattgefunden. Und ähnlich wie in Deutschland tatsächlich auch ein bisschen später als woanders. Also Deutschland... ist ja so dieses klassische Narrativ. Deutschland hing in der Industrialisierung immer ein bisschen hinterher. Japan hing noch so ein bisschen weiter hinterher. Die haben so... Eher so in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat das Pfad aufgenommen, dafür aber so richtig.
Johannes Franke: Ja, nur Korrektur. Erster Weltkrieg war ein bisschen später dann. 1912 endet die Ära. Genau, 1914. 14 kommt der Weltkrieg. Das heißt, es ist schon so ein bisschen, die Zeit ist vorbei und wir gehen in die neue Zeit hinein. Das heißt, wir müssen ein kleines bisschen eher uns auf die Industrialisierung stürzen, weil ich glaube, das ist der wesentliche Punkt dieser Zeit. Nämlich, dass Japan sich geöffnet hat, dem Westen so ein bisschen und auch sich lange geöffnet hat. Geweigert hat, irgendwie damit zu machen, aber dann eben tatsächlich mit voller Wucht dann in diese Industrialisierung reingerutscht ist. Und damit verbunden auch ganz viele Leute in Regierungspositionen, die versucht haben, da ihren Profit auszuschlagen.
Florian Bayer: Was auch total ähnlich ist wie in Deutschland, ist, dass der alte Adel nach und nach seine Macht verloren hat. Es gab einfach diese traditionellen Adelshäuser wie in Deutschland. Die Adeligen, die Fonttitel. Und die waren irgendwann im 19. Jahrhundert nicht mehr viel... Die hatten noch ihre Titel, aber die hatten weder das Kapital noch die Macht, es sei denn, sie haben sich halt diesen neuen Begebenheiten irgendwie angepasst und haben angefangen... Zum Beispiel zu investieren in die Industrie oder in die Waffentechnik, weil das ist das, was ganz radikal gewachsen ist und was sich verändert hat. Und begleitet wurde das von dieser Meiji-Restauration, die der Tenno, das ist der japanische Kaiser... damals gemacht hat. Zum einen hat er versucht, quasi die Macht des Landadels ein bisschen zu reduzieren. Indem er einfach seine Macht mehr auf sich zentriert hat. Er hat einfach versucht, Japan zu einem großen Zentralstaat zu machen. In die Zeit fällt auch, dass die... Residenz des Tenno von Kyoto nach Edo verlegt wird. Und Edo kennt ihr heute unter dem Namen Tokio. Das wurde 1868 in Tokio umgesetzt. Also Japan wurde irgendwie ein großer Zentralstadt, reiches Land, starke Armee. war der Slogan, mit dem das alles gemacht wurde. Und dann wurden so Sachen gemacht. wie eine einheitliche Währung. 1871 wurde der Yen eingeführt. In Frankfurt am Main übrigens zum ersten Mal gedruckt. Ganz witzig.
Johannes Franke: Möchtest du übrigens Teplor, während du dann referierst?
Florian Bayer: Ja, oh ja, sehr gerne bitte. 1872 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Wie wir wissen, in allen Ländern irgendwie wirklich ein großes Ereignis, ein ganz wichtiges Ereignis für die beginnende Moderne.
Johannes Franke: Ja, und da ist noch was anderes passiert, 1873. Ja, bitte? Naja, die Blutsteuer, also dieses Einführen der Wehrpflicht... was einen seltsamen Namen hatte, was nicht glücklich gewählt war. Wenn man es übersetzt, ist es quasi Blutsteuer. Das heißt, die Leute, einfach nur Wehrpflicht, Leute werden eingezogen, ab einem bestimmten Alter, du musst da hin, als Mann. Und... Wenn man das ganze Blutsteuer nennt, dann führt das zu vielen kleinen Gerüchten und Problemen, glaube ich, einfach und also nicht nur glaube ich, hat dazu geführt, dass die Landbevölkerung sich gedacht hat, die wollen uns ausbluten lassen hier. Die haben das sehr wörtlich genommen. Haben auch gedacht, das ist eine bestimmte Form von Steuer noch und wir werden hier alles verlieren und das wird an irgendwelche reichen Investoren verkauft. Und dieses Problem wird in diesem Film, darauf wird angespielt, aber ich habe es nicht verstanden, als ich es gesehen habe.
Florian Bayer: Nein, natürlich nicht. Wenn du die historischen Hintergründe nicht hast, dann verstehst du das nicht ganz. Und es ist einfach so ein Ding, was jedes Kind in Japan in der Schule einfach lernt. Und wir Ignoranten Europäer haben halt relativ wenig japanische Geschichte auf unserem Lehrplan stehen. Was damals auch passiert ist, um das vielleicht noch so abzuschließen, der gregorianische Kalender wurde eingeführt. Das ist auch ganz wesentlich für diese Öffnung zum Westen in 1873. Das heißt, man hat sich einfach bei der Zählung der Jahre und der Monate an Europa am besten orientiert. Mein G6 wurde plötzlich zu 1873. Und genau, es gab, wie du schon gesagt hast, es gab diesen Konflikt zwischen Land und Stadt. Und es gab gleichzeitig, die Eisenbahn ist gefahren plötzlich. Die erste Eisenbahn in Japan war auch 1873. Es war einfach ein Riesending, die Gesellschaft hat sich schnell verändert, nicht alle sind mitgekommen, einige haben sich dagegen gewehrt, einige haben das radikal ausgenutzt. durch Korruption und ähnliches.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Also es ist halt ein Wahnsinnig schneller Umbruch und das in der Geschwindigkeit der Bevölkerung mit beizubringen, ist glaube ich wahnsinnig schwierig. Das sehen wir auch heute in verschiedenen anderen kleineren Kontexten. Ich denke nur an Corona. Leuten beizubringen, dass Maske eine geile Sache ist, ist schwierig gewesen. Innerhalb von kürzester Zeit so Regeln festzulegen ist einfach schwierig, weil Leute sagen, nee, ich habe so nie gelebt und ich will weiterhin so leben, wie ich bisher gelebt habe.
Florian Bayer: Was wohl in Japan wirklich ein Problem war, dass es so eine forstierte Industrialisierung war, weil sie einfach gesehen haben, was in Europa passiert und das dann beschleunigen wollten und sie haben es vor allem finanziert dadurch, dass... Ja. Geld bezahlen und sehen, dass dafür große Industriestädte entstehen, von denen sie aber nicht im geringsten profitieren. Und natürlich sorgt das auch für Unzufriedenheit. Die Meiji-Zeit ist keine beliebte Zeit für diese Chidaigeki-Filme. Weil einfach diese... Weil es einfach dieses Zusammenstoßen von Tradition und Moderne gibt und weil vieles nicht mehr so funktioniert, wie es in den klassischen Samurai-Filmen funktioniert hat. Ganz groß natürlich, du gehst nicht mit einem Schwert zu einer Schießerei. In diesem Film haben wir genau das. Ja, ja, ja. Dass Schutzwaffen plötzlich so eine wesentliche Bedeutung hatten im Alltag, das hat irgendwie diese Ästhetik kaputt gemacht. Die wussten nicht so richtig damit umzugehen und deswegen ist dieses Subgenre... Meiji Chidaigeki. Es gibt nicht so viele Filme und es gibt nicht so viele große Filme. Während man zu den klassischen Chidaigeki... findet man hunderte Filme natürlich von Akira Kurosawa, aber auch anderen Regisseuren, die diese Zeit halt ähnlich auch romantisieren wie das ist. wie wir es im 19. Jahrhundert mit dem Mittelalter gemacht haben.
Johannes Franke: Ich finde es spannend, nur um mal den Weg rüber zu machen in den Westen, es Hat mich sofort an diese Western erinnert. Ja. Und zwar die Western, die nicht nur einfach im Wilden Westen spielen, sondern so ein bisschen mit anklingen lassen, dass in New York gerade hochgebaut wird in Wolkenkratzer. Und mit Schusswaffen, automatischen Schusswaffen und so weiter. So Sachen, wo man das Gefühl hat, okay, da passieren gerade zwei Zeiten parallel. die ich im Kopf nicht zusammenkriege. Und das ist genau das, was hier im Grunde passiert.
Florian Bayer: Diese Gleichzeitigkeit finde ich voll faszinierend. Und es zieht sich ja auch bis zum Ersten Weltkrieg. Es gibt ja diese Erzählung im Ersten Weltkrieg, wo dann Die polnische Armee noch mit Pferden in die Schlacht geritten ist und dann standen die plötzlich vor Panzern. Und dann waren die klassischen Kavalleristen und dann waren die plötzlich mit industriellem Krieg konfrontiert und wussten gar nicht, wie sie damit umgehen sollen. Also Es ist wirklich krass, so dieser Übergang 19. zu 20. Jahrhundert, da passieren so viele Sachen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und gleichzeitig klammern sich viele Teile der Gesellschaft noch an die alten Stände, an die alte Ästhetik und an die alte Technik. Und es gibt einfach einen Clash of the Cultures. Permanent.
Johannes Franke: Was ich total spannend finde, ist, dass wenn wir jetzt die Zeit verstehen, so ein bisschen mit diesem Umbruch und die Leute auf dem Dorf wissen einfach nicht, wie Soll ich damit umgehen? Und was bedeutet das alles? Und was ist diese scheiß Wehrpflicht jetzt? Ist das jetzt wirklich Blutsteuer oder... verliere ich jetzt alles oder was auch immer. Das nutzt dieser Film, um loszugehen, um ihren... Inciting Incident, wie man das so sagt im Film. Dieser Akt des Tötens dieses Mannes, der da kommt, einfach als... Guck mal, das ist der Regierungsbeamte, der jetzt kommt, um euch auszubeuten. Der hatte überhaupt nichts damit zu tun. Nein, das war ein Lehrer. Das ist einfach nur ein Lehrer. Und den bringen die dann um. Und retten in Anführungsstrichen das Dorf und zähnen denen aber einen Haufen Kohle ab dafür.
Florian Bayer: Sie sagen, er trägt weiß, ne? Das Weiß ist offensichtlich das Symbol für diese Gefahr oder für die, die alle... Die als Feindbild gesehen werden und deswegen muss er getötet werden und man merkt ja schon an ihrem Verhalten, dass sie das auch irgendwie nutzen. Also sie wissen das, sie wissen um diese Angst. Und sie sehen aber auch, wie sie aus dieser Angst Kapital schlagen können, weil das was folgt ist ja nicht nur, dass sie ihn umbringen und seinen Sohn. Sondern, dass sie die Frau dann auch mitnehmen und vergewaltigen und einer nimmt sich ja die Frau praktisch wie als Hausklave mit und heiratet sie.
Johannes Franke: Mhm. Ja, ist krass. Also ich verstehe es natürlich nicht, während ich den Film gucke, aber das funktioniert trotzdem, oder für dich auch? Du hast das nicht verstanden, oder? Nein, nein, nein.
Florian Bayer: habe das nicht verstanden. Ich finde, es hilft extrem viel, dass der Film, dass es diesen Erzähler gibt, der uns sagt, in welcher Zeit wir uns befinden und es wird ja auch tatsächlich gesagt, jetzt sind wir 18 Und dann sind wir 1882. Also dass man so ein bisschen Überblick hat, in welchem zeitlichen Rahmen man sich befindet. Natürlich bin ich komplett verloren, wenn es um japanische Geschichte geht in dem Moment. Aber ich kriege zumindest so die Abläufe mit, weil der Film erzählt ja auch nicht chronologisch. Der Film macht es einem ja ganz schön schwer. Ein Rückblick in einem Rückblick. Und er beginnt mit der Geburt von Yuki und dann springt er über zu diesem historischen Blick. Ja. Und er macht es ja wirklich verwoben und auch komplex, wie er erzählt. Auch übrigens was Tarantino gerne übernommen hat.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Diese Schlenker. Und jetzt machen wir nochmal einen Rückblick. Jetzt geht es nochmal ein Stück zurück und da sind wir jetzt mit dem Erzähler hinten dran.
Johannes Franke: Wir können eigentlich einen großen Batzen machen, was alles Tarantino übernommen hat davon. Aber lass uns erstmal, ich würde sagen, wir reden erstmal über die Geschichte und dann gucken wir mal, was Tarantino daraus gemacht hat oder was da noch so drinsteckt. Es fängt im Grunde an, wie du sagst, mit dieser Geburt von dem Kind. Und da ist es schon das Erste, wo ich denke, wow, okay, krasses, hartes, schwieriges Thema, kulturell auch recht weit von mir entfernt. Dieses, ich übertrage sogar die Rachegefühle, die ich habe, noch auf mein Kind und marke es fürs Leben. Ja. Ohne dass das arme Kind was dafür kann.
Florian Bayer: Es ist total krass, ne? Sie wird ja als Asura bezeichnet, mehrmals von ihren Trainern, von ihren Freunden, von ihren Feinden. Und Asuras sind ja diese Dämonen. Also diese... göttlichen oder dämonischen Wesen, je nachdem in welcher Mythologie du dich gerade bewegst, die permanent um die Seele der Menschen auch quasi kämpfen und mit der Seele der Menschen kämpfen. Und es wird ja irgendwann ganz konkret gesagt, es ist fast eine Dämonengeschichte. Sie wird beseelt. beziehungsweise besessen von dem Rachegeist, von den Rachegedanken ihrer Mutter.
Johannes Franke: Ja, also diese zwei Sachen haben sich bei mir aufgemacht. Entweder geht die Mutter tatsächlich irgendwie als Geist oder ihre Seele in das Kind über, um auch über ihren eigenen Tod hinaus Rache üben zu können, sodass die Tochter im Grunde eine Reinkarnation von der Mama ist. Oder eben tatsächlich einfach dieses Verfluchen. Ja, sie einfach, also so wie sie es ausspricht und so wie sie redet und so... wie sie da fast schon in so einer Sterbetrance ist. Das wirkt wie so ein Ritual, um dieses Kind zu verfluchen. Das ist hart.
Florian Bayer: Es ist ein verdammter Fluch. Und ich glaube, der Film erzählt das auch nicht auf romantisierende Weise, sondern die Tragik, die dahinter steckt. Und dieses Schicksal, diese Bürde, die Yuki auferlegt bekommt, das wird uns erzählt. Absolut, absolut. Sie hat es als Bürde und sie muss das machen und sie kann gar nicht anders. Sie ist wirklich wie von einem Dämonen besessen. Ich finde das ganz stark am Anfang übrigens, dieses Bild durch die Gitter die ganze Zeit, dass wir diese Zelle haben, in der die Mutter liegt, die das Kind kriegt, weil Es hat einfach diesen engen Raum und diese Gefangenschaft und diese Ausweglosigkeit. Und Yuki befindet sich... Von Geburt an, wir gucken ein niedliches Baby, befindet sie sich in dieser Auswicklung.
Johannes Franke: Wobei ich sagen muss, dass die Szene auch ein bisschen verwirrend ist, weil sie auch mit der Kamera viel hin und her spürt. und man nicht so richtig weiß und plötzlich ist eine Handkamera und plötzlich hast du wieder schöne Bilder und dann hast du wieder überbelichtete Bilder. Es ist so ein bisschen, komme ich auch noch zur Kamera, aber das müssen wir dann getrennt davon mal besprechen. Aber ich bin so verwirrt und zwischendurch denke ich, ist das Kind jetzt gestorben oder was? Weil es auch so inszeniert ist, dass ich nicht genau weiß, was ist denn jetzt eigentlich damit und so. Also es dauert ein bisschen, bis ich verstanden habe, was genau da am Ende passiert. Also es dauert halt bis zum Ende, wo es mal eindeutig gesagt wird vom Film. von dieser Szene. Und zwischendurch bin ich echt ein bisschen verwirrt. Aber was soll's, ist ja okay. Wenn der Film mich zwischendurch verwirren will, dann go for it.
Florian Bayer: Wir haben dann ja einen harten Cut. Und wir haben quasi die erste Action-Szene. Wir haben den ersten Mord, die Yuki macht als Lady Snowplatt. Und offensichtlich kein Rach. Sachmord, sondern ein Auftragsmord. Sie arbeitet als Auftragskillerin. Sie wartet im Schnee mit ihrem sehr ikonischen Schirm. Dieser violette Schirm ist es... Ich finde, die Farbwahl in diesem Film ist teilweise echt grandios. Also ich bin sehr begeistert davon. Und wartet auf eine Reihe von Gangstern. Wir verstehen eigentlich gar nicht so genau, was hier passiert. Wir wissen nur, sie wartet und sie wird töten. Und wir kriegen so einen ersten Blick darauf, wie stark diese Yuki ist und wie eiskalt und wie schnell sie ist. Sie macht sie alle fertig.
Johannes Franke: Aus dieser Szene heraus müssen wir gleich mehrere Themen bearbeiten, meine Fresse. Dieses Bild ist ja wirklich der Hammer, oder? Also es ist Studio, oder? Die haben da den Fake-Schnee, also er sieht sehr fake aus. Ja, total. Aber er macht ein wunderschönes Bild. Ja. Und wie du sagst, die Farben sind toll gewählt. Der Schirm hat eine tolle Farbe. Wie sie da lang läuft, ist total ikonisch. Und wie die da ankommen. Und man muss sagen, hier findet fast schon so ein Kabuki-Theater statt.
Florian Bayer: Es ist total künstlich stilisiert. Auch das Blut, das sieht ja komplett faszinierend. falsch aus. Also das Blut spritzt dir immer viel zu weit, ist viel zu rot und hat viel zu viel Trall und viel zu viel Kraft. Es ist Kabuki. Absolut.
Johannes Franke: Und vielleicht, damit ihr das Versteht, Kabuki-Theater ist halt das Theater in Japan, das so eine lange Tradition hat und das bestimmte Formalien quasi erfüllt. Und eins davon ist halt, dass Gewalt nie richtig naturalistisch dargestellt wird. sondern dass es irgendwie ein Bild dafür gibt, was das wiedergibt. Und Bei Blut ist es oft eben einfach tatsächlich so ein rotes Tuch, das da rausgezogen wird und dass da irgendwie mehrere Tücher oder so, je nachdem wie viel Blut fließen soll, kommen da halt rote Tücher raus. Und hier macht er das als filmische Entsprechung eben mit diesem viel zu roten, hellroten, viel zu flüssigen Blut. dass da einfach rausgespritzt kommt. Und ich muss sagen, alle sagen immer, dass das Rot und das Weiß so geil ist. Aber ich finde, er hat auf ganz anderen Ebenen die Farbe so geil drauf. Das Blut ist so, ja okay, ist logisch, muss ja irgendwie. Und die Art und Weise, das spritzen zu lassen, gibt dir halt die Möglichkeit, dich davon zu entfernen, sodass du kein echtes Schmerzgefühl dazu haben musst, sondern dass es eben eine Entfernung darstellt und du sagst, okay, das ist das Symbol für das, was da passiert. Aber für mich ist dieses Grellrot auf das Weiß gar nicht der visuelle Geniestreich, sondern tatsächlich die anderen Farben, wie sie zusammengebracht sind. Und das Rot ist irgendwie so, ja, das gehört dazu.
Florian Bayer: Ich finde es ganz spannend, weil, also, und jetzt kommt mal wieder eine Tarantino-Referenz. Tarantino macht das ja auch in seinem Film. Also Kill Bill macht es ja tatsächlich noch extremer. Und Tarantino benutzt es wirklich für Comic. Man guckt da drauf und sagt, dass es Gewalt als Comic und als Karikatur Und das ist es hier nicht. Hier ist es fast sowas wie Gewalt als Poesie.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Dieses Farbenspiel. Auch weil es so kurz und knapp ist und dann...
Johannes Franke: Kurz und knapp? Das Blut fließt ganz schön lang teilweise.
Florian Bayer: Das Blut fließt lange, aber die Gewalt an und für sich, dieser Schnitt... wird extrem kurz stilisiert. Meistens sieht man ihn ja nicht mal, auch einfach, weil sie das Budget nicht haben, um zu zeigen, wie ein Schwert Haut aufschneidet.
Johannes Franke: Ja, vielleicht auch, weil sie mit dem Schwert nicht so richtig gut klar kam. Muss man auch dazu sagen.
Florian Bayer: Wir müssen gleich noch über Maiko Pecci reden.
Johannes Franke: Aber Sie haben es viel in Sonaraufnahmen aufgelöst. Man hat das Gefühl, da steckt eine Choreografie drin. Das ist gut, dass man das trotzdem das Gefühl hat, aber man sieht nie groß die Totale davon. und wie es wirklich passiert, sondern man sieht ganz viel Nahaufnahmen und vorne im Vordergrund macht sie eine Bewegung, die wir nicht genau definieren können und hinten fällt dann jemand um oder sowas. Und da ist das Gefühl, okay, das ist auch Quasi so eine theatralische Art und Weise damit umzugehen.
Florian Bayer: Und das ist vielleicht diese poetische Übertragung oder poetische Verzerrung, dass Gewalt immer nur so durch einen gewissen Filter war. wahrnimmt. Also wohlgemerkt, der Film ist brutal. Es fließt sehr viel Blut in diesem Film. Es werden sehr viele Menschen sterben. Es werden Körperteile abgehakt. Aber trotzdem gibt es immer sowas Indirektes darin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Was halt nicht dieses Pop-Indirekte ist, sondern eher so, naja, dieses Poetische, ein bisschen ein Gedicht übergewachsen. Um es jetzt mal sehr pathetisch auszudrücken. Ja, ja, lach nur.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass das halt... der japanischen Kultur, wie ich sie so ganz, ganz wenig eben kenne. sehr entgegenkommt, das alles über Symbole zu erzählen, sehr eher auf diese Ästhetik zu gehen und über die Ästhetik dann die Geschichte zu erzählen. Gar nicht so sehr eine wahrhaftige Emotion zu zeigen, die irgendwie in einer Nahaufnahme mit einer Träne gezeigt wird, sondern tatsächlich Symbole dafür zu finden, was das jetzt ist. Und das macht Kabuki-Theater ja genauso wie ganz, ganz viele andere Filme aus diesem Kulturraum. Und hier ist es halt auf diese Art und Weise und ich komme damit klar, auch wenn es mich erstmal Zeit kostet, da reinzukommen, weil es eben einfach nicht, ich kenne keine Japan. Das ist nicht mein To-Go-Film-Genre.
Florian Bayer: Und diese Stilisierung haben wir dann ja auch in der Struktur. die der Film gibt. Nämlich durch seine vier Kapitel, die so großartige Titel haben wie Racheschwur. Ein Blutfaden verbindet Liebe und Hass. Bambusfrauen und Tränen des Zorns. Blutgetränkter Regenschirm, Trauer verstreut wie Blumen. Und zu guter Letzt der Lustpalast, Schlussszene des Gemetzels. Was sind das für geile Kapiteltitel, oder?
Johannes Franke: Ja, auch ein kleines bisschen Kabuki-Theater. Theater allgemein mit Akt 1, 2, 3 und 4, was auch immer. Also das wirklich zu unterteilen, geht ein bisschen auch in die Literatur rein, aber... Die benutzen halt Titelkarten für etwas, was Film traditionell eher nicht benutzt. Also das Ganze wirklich dann auch in Kapitel zu unterteilen. Wobei man sagen muss, dass Kapitelunterteilungen in den Drehbüchern selbst durchaus teilweise genutzt wurden. Also wenn das im Drehbuch steht... Aber normalerweise wird das halt nicht in den Film übernommen. Und hier wird es halt übernommen. Und Tarantino hat das auch volle Kanne übernommen.
Florian Bayer: Ich finde, es ist ein schöner ästhetischer Kniff. Ich finde, hier gibt es nochmal so eine geile Meta-Ebene, wenn sie einmal ein Fake- Viertes Kapitel. Das finde ich auch geil, ja. Wo da Kapitel 4 steht, weil der Autor, der das Ganze aufschreibt, dieses Kapitel schreibt und dann wird es durchgestrichen und dann haben wir nachher nochmal ein richtiges Kapitel 4, das auch tatsächlich einen Titel kriegt und nicht einfach nur Kapitel 4 heißt.
Johannes Franke: Können wir dann kurz zum Erzähler was sagen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn wir jetzt gerade dabei sind bei dem Erzähler, der da reinkommt. Ich muss sagen, ich habe ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu dem, was auch sich auf den ganzen Film überträgt. Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis dazu. Er ist, habe ich gelernt, auch vom Kabuki-Theater entlehnt. Weil im Kabuki-Theater offenbar immer mal wieder jemand daneben sitzt als Erzähler, neben... So quasi direkt neben der Bühne und immer mal wieder einsortiert für die Leute und erzählt, ja, wo sind wir denn gerade? Was passiert denn hier gerade? Und die Innenwelt der Figuren veräußert. Und dieses Veräußern der Innenwelt der Figuren macht dieser Film so wahnsinnig viel, dass es mich echt stört zwischendurch. Macht das der Erzähler viel? Sagt der Erzähler viel darum? Also ich weiß, der Erzähler verortet und verzeitigt, aber sagt der viel, wie sich die Menschen fühlen? Wenn er nur verorten würde und verzeitigen und sagen würde, hier, wir sind 1867 oder was auch immer. Und hier ist gleich das los und hier kommt die Wehrpflicht und so weiter. Das ist okay, das kann er machen. Aber ich habe so oft das Gefühl, dass mir Sachen erzählt werden, die ich ja sowieso sehe. Ja. Wo ich sowieso Figuren einfach nur ins Gesicht gucken muss und dann weiß ich das. Warum erzählst du mir das alles? Ich bin wirklich zwischendurch abgeturnt davon.
Florian Bayer: Ich fand, der Erzähler hat so eine ganz merkwürdige Doppelrolle übernommen. Einmal dieses wirklich, wofür ich dankbar bin, dass er mich durch den Film so ein bisschen durchführt, dass er sagt, wir befinden uns irgendwie so Mitte der Meiji-Zeit, so viele Jahre sind vergangen, das sind gerade die Unsicherheiten. nie passieren. Das, was du gesagt hast, was so schwierig ist, auch um reinzukommen, übernimmt der Erzähler ganz viel, dass er uns sagt, okay, es gibt diesen Konflikt, es gibt die Leute, die auf dem Land ausgenommen werden von korrupten Schweinen und so weiter. Und dann das zweite habe ich so ganz viel als so poetisches Mumbling wahrgenommen. Was fast so Hintergrundgeräusch war, weil wir haben...
Johannes Franke: Dass du nicht mehr zugehört, ja.
Florian Bayer: Ja, zu Recht.
Johannes Franke: Ich habe zugehört und bin genervt gewesen.
Florian Bayer: Wir haben einfach so Momente, wo zum Beispiel die ersten... Die erste Leiche, den ersten, den Yuki umgebracht hat, den schleppt sie dann mit sich zum Strand und wirft ihnen die Klippen runter. Und währenddessen labert der Erzähler irgendwas. Labert, labert. Und es ist fast sowas wie ein Gedicht. Ich weiß nicht, also wenn ich mal so reinhöre, habe ich das Gefühl, es ist viel zu abstrakt, um zu sagen, Yuki fühlt sich jetzt so und das darum geht.
Johannes Franke: gerade. Du hast einfach nicht mehr zugehört. Das kann gut sein. Ich war genervt. Ich fand's doof. Aber dann habe ich halt das mit dem Kabuki-Theater gelernt und habe gedacht, okay, es ist kulturell verwurzelt, ich verstehe das irgendwie, aber es ist mit meinen Augen, ach, ich fand es schwierig.
Florian Bayer: Der Film benutzt ja tatsächlich sehr viele Sachen, um uns diese Geschichte zu erzählen. Gerade in diesem Anfang, wenn wir den Rückblick haben, was da überhaupt passiert ist. Comic-Bilder, Manga-Bilder mit sehr viel Text drüber. Wir haben historische Aufnahmen. Dann haben wir diese Freeze Frames, wo einmal die vier Killer vorgestellt werden, an denen sich jetzt gerecht werden muss. Hallo Quentin.
Johannes Franke: Was auch Tarantino übernommen hat.
Florian Bayer: Und so sehr viel stilisierte Sachen.
Johannes Franke: Dann haben wir die Erzählung der Mutter und wir springen in schwarz-weiß. Sind wir ehrlich, dieser Film hat einfach alle Stilmittel benutzt. Und es ist nicht großartig. Also ich natürlich muss ich sagen, dass dieses Eklektische, was dadurch entsteht. doch mir sehr entgegenkommt. Wenn ich mir meine Wohnung so anschaue, okay, ich bin auch einfach ein eklektischer Typ. Ich mag das total. Insofern komme ich damit gut klar, dass dieser Film das macht. Aber er macht damit auch ein bisschen Varieté. Absolut. Absolut, der Film ist ja auch ein bisschen Variety.
Florian Bayer: Warst du nicht so glücklich? Wir haben animierte Fotos. Und der erste Film, den Johannes und ich komplett alleine zusammen gemacht haben, war ein kurzer.
Johannes Franke: Filmen, 20 Minuten mit Fotos, die teilweise auch Bewegungen drin haben. Aber der ganze Film eigentlich erzählt in Fotoabfolgen. Wenn jemand eine Treppe runterläuft, dann sieht man das nicht flüssig, sondern dann sitzt er halt oben einmal, in der Mitte einmal und unten einmal und dann haben wir es erzählt.
Florian Bayer: Und der erste Rachemord, nicht von Yuki, sondern noch von ihrer Mutter ausgeübt, wird genau in diesen Bildern erzählt. Ja, es ist großartig. Und dann tötet sie diesen Mann, der sie so lange in Gefangenschaft gehalten hat. Sie hat den richtigen Moment abgewartet. Und es ist so großartig, weil es so was Statisches hat, weil es diese Langsamkeit betont. Ja.
Johannes Franke: mit der sie sich auf diese Rache vorbereitet hat. Wenn mir nochmal irgendein Professor, der Film an der Uni unterrichtet, erzählt... Such dir gut genug aus, was für Mittel du benutzt, nicht zu viele benutzt. Nimm zwei oder vielleicht nur eins. Zeige ich ihm diesen Film und sage, nee, ich nehme einfach alle.
Florian Bayer: Ich finde es großartig und es macht ja auch an vielen Stellen Sinn, weil die Vorlage von diesem Film, zu der wir jetzt kurz springen, ist ja tatsächlich statisch, ist ein Manga. Ja, insofern macht es natürlich Sinn, dass das irgendwie da verarbeitet wird und dass man die Bilder, die Manga-Bilder quasi da sieht. Kasuko Koike. Ist der Autor des Mangas. Lady Snowblatt, hast du mal reingeguckt?
Johannes Franke: Nee, ich habe nicht so viel reingeguckt. Ich habe das einmal gegoogelt und so ein bisschen Bilder gesehen. Weil ich muss sagen, auch Manga. Es ist nicht My Cup of Tea.
Florian Bayer: Mein Sohn liest ja so viele Mangas, deswegen habe ich da immer Interesse dran. Ich habe in den reingeguckt nachdem ich den Film gesehen habe, also ich habe den Film ja auch vorher schon mal gesehen, ich war doch überrascht, wie anders er ist und zwar vor allem, was das was das Exploitation-Motiv betrifft. Dieser Film hat ein ganz klein bisschen Exploitation drin, aber relativ wenig für einen Film aus der damaligen Zeit von den To-Studios.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der Manga ist voll mit, vor allem mit sexualisierter Gewalt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und mit so einer Ästhetisierung und mit einer Sexualisierung von Gewalt. Also wir haben Lady Snowblood in diesem Manga sehr oft halbnackt oder nackt. kämpfend und wir sehen sehr viele Brüste und wir sehen Blut, das auf Brüste spritzt und so. Viel lesbischen Sex offenbar auch? Haben wir auch. Wir sehen, es gibt sehr viel Sex. Es gibt sehr viel Gewalt. Es ist einfach deutlich mehr Exploitation. Und ich finde, dieser Film dafür, dass seine Hauptdarstellerin ja eigentlich auch daherkommt und dass sein Regisseur und sein Drehbuchautor, dass die alle aus der Ecke kommen, hat extrem wenig dieses sexualisierte Exploitation-Moment. Ja, das stimmt, ja. Und die wird extrem distanziert gezeigt. Also es gibt Filme, die machen das so schlimm, gerade in der Zeit. Und gerade das japanische B-Movie-Kino kann da wirklich hart sein. und auch so verstören für ein Publikum von heute. Ich finde, der Film hat das echt wenig und der Manga ist voll mit Exploitation.
Johannes Franke: Wollen wir zu der Vorlage noch ein bisschen? Aber wir müssen auch klären, warum das so ist. Und ich würde da den Regisseur dann reinwerfen. Aber lassen Sie erst mal bei der Vorlage bleiben. Es ist auch kein Wunder, dass das so sexuell ist, weil das wurde im Weekly Playboy veröffentlicht. 51 Ausgaben, wenn man sie zusammenfasst, waren es in vier Bänden zusammengefasst, aber es wurde in Weekly Playboy veröffentlicht zwischen 1972 und 1973. Und Naja, das war halt eine Verlagsgruppe, die sich vornehmlich an erwachsene, männliche Leserschaft richtete.
Florian Bayer: Es ist die Zeit tatsächlich nicht nur im Comic, sondern auch im Film, wo das passiert. Wie gesagt, unsere Regisseur und auch unsere Darstellerin, die haben damit Erfahrung. Unsere Darstellerin hat tatsächlich deswegen das Studio gewechselt. Mhm. Die hat nämlich davor, genauso wie unser Regisseur Toshiya Fujita, bei Nikatsu gearbeitet. Und Nikatsu war eine Filmkompanie und die haben in den 70ern das gemacht, was sehr viele so B-Movie-Studios gemacht haben in Japan, nämlich angefangen Roman Porno zu drehen.
Johannes Franke: Ja, also Softpornos.
Florian Bayer: So hießen diese Dinger. Roman Porno, das waren Pink Movies. Pink Films sind genau Softcore, Erotik, viel nackte Haut, viel Sex. Und Meiko Kachi, die Hauptdarstellerin, die war bei Nikatsu in den 60ern unter Vertrag und hat gesagt, als die angefangen haben mit diesen Pink-Films, nee. Das will ich nicht. Darauf habe ich keinen Bock. Und hat dann gewechselt zu Toei, wo sie lustigerweise als eines der ersten Sachen Sasori Scorpion gedreht hat, der selbstverständlich. wiederum auch so ein bisschen Pink-Film-Charakter hat.
Johannes Franke: Ja, der vor allem auch sehr exploitive ist.
Florian Bayer: Ein eigenes Genre in Japan, Frauen im Gefängnis-Filme.
Johannes Franke: Ach Gott. Es ist ein Ding.
Florian Bayer: Es gab wirklich viele Sasori-Skorpion-Filme. Sechs Teile insgesamt.
Johannes Franke: Die hatte auch keine Lust mehr darauf. Nee, das war auch schon der Moment, wo sie die Anfrage bekommen hat, hier für diesen Film, hatte sie keine Lust drauf, Vor allem, weil sie eben so viele von diesen Filmen schon hinter sich hatte und jetzt kam hier nochmal so ein Film, wo sie gedacht hat, okay, das geht genau in die gleiche Richtung. Und dann haben sie es aber irgendwie hingekriegt und der Regisseur war sowieso jemand, den sie kannte, mit dem sie schon mal gearbeitet hatte und so und der hat dann irgendwie gesagt, nein, das kriegen wir schon hin.
Florian Bayer: Mhm. Und hat sich irgendwie versucht, damit zu arrangieren. Der hat tatsächlich so Coming-of-Age-Dramen gedreht. Der war eher ein Dramenregisseur. Und er hat dann halt so viel Sex eingestellt, eingebaut, wie eingebaut werden musste, damit das Studio ihm das Geld gegeben hat, um seine Filme zu drehen. Und deswegen glaube ich, dass dieser Film nicht so...
Johannes Franke: sexuell exploitive ist und auch insgesamt nicht so brutal. sondern eher künstlerisch geworden ist, wie er hätte sein können nach der Vorlage und nach dem, was sie eigentlich vorhatten. Und Er hat sich auch geweigert am Anfang. Der Regisseur wollte nicht.
Florian Bayer: Genau. Und Maiko Kaichi hätte wahrscheinlich auch nicht damit gemacht, wenn das zu sexuell gewesen wäre. Die hatte Vorbehalte deswegen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die war übrigens, die war bei Toei noch unter Vertrag und dieser Film ist jetzt nicht von Toei und auch nicht von Nikatsu, sondern von den großen To-Studios, die man vor allem kennt wegen Godzilla.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die haben damals vor allem die Monsterfilme gemacht, die Riesenproduktionskampagnen, die haben alles gemacht. Die haben auch später Studio Ghibli produziert, die haben mit Akira Kurosawa gearbeitet. Und sie haben es irgendwie geschafft, in diesem Produktionsprozess das Exploitation-Moment aus dem Comic so nach und nach rauszunehmen und so ein bisschen weniger darzustellen. davon zu machen. Und ich glaube, eine Person, deren Verdienst das ganz stark ist, ist Norio Osada, der befreundet war mit Toshiya Fujita und der das Drehbuch geschrieben hat.
Johannes Franke: Ja, und Fujita hat das aber auch nach vorne gedrängelt. Hat gesagt, ich möchte das so, so und so. Wenn ich es schon mache... Weil am Anfang er ja, wie gesagt, gesagt hat, nee, keine Lust habe ich, will ich nicht. Und dann waren sie aber zusammen saufen und so. Und dann kam auch noch ein anderer, der gesagt hat, ach, das klingt ganz gut, dann mache ich das halt. Und dann hat er gesagt, nee, nee, nee, nee, nee, ist schon mein Drehbuch. Und hat sich dann... Doch, breitschlagen lassen.
Florian Bayer: Die beiden waren wohl sehr gut befreundet und es hieß so ein bisschen, sie haben über sich selbst gesagt, dass sie so ein bisschen wie Feuer und Wasser waren. Vor allem war es daran lag, dass Norio Osata gerne sehr... Triebücher gerne geschrieben hat, die sehr enge Vorgaben gegeben haben, wie alles auszusehen hat und der auch Storyboards gemalt hat und wirklich gesagt hat, das ist der fertige Film und du musst jetzt nur noch umsetzen. setzen, während Toshia Fujita jemand war, der gerne improvisiert hat und gerne am Set gesagt hat, lass uns das nochmal hier machen, lass uns das nochmal so machen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Maiko Kaichi, die war ein Star. Also als Schauspielerin natürlich auch durch die Sasori-Skorpion-Dinger, aber vor allem auch als Sängerin.
Johannes Franke: Als Sängerin, ja. Und sie wollte das weiter nach vorne bringen. Und das war auch so ein bisschen, was sie... Sie durfte den Song in dem Film singen.
Florian Bayer: Den Titelsong und noch einen zweiten?
Johannes Franke: Und noch einen zweiten, ja.
Florian Bayer: Die man auch beide bei Tarantino hört. Nee. Überraschung. Ja. Ich habe sie ein bisschen gehört. Ja, okay. Sie ist geil. Ja? Also es ist wirklich so, man... Es klingt alles nach Tarantino, um ehrlich zu sein. Jeder zweite Song klingt, als ob er bei den Tarantino-Filmen passen würde. Aber das ist einfach wegen meiner Sozialisierung, weil ich diesen... Weil ich diesen japanischen Schlager aus den 60ern mit Tarantino verbinde, weil er der einzige ist, der das heute noch spielt.
Johannes Franke: Die Frage ist, hast du die Sachen gehört, die... Vor Tarantino entstanden sind oder hast du die Sachen gehört, die sie angefangen hat zu produzieren, nachdem Tarantino Kill Bill rausgebracht hat? hat und das Ganze einen neuen Aufwind bekommen hat und sie gedacht hat, na Mensch, das nutze ich doch und hat dann nochmal was produziert, nochmal was rausgebracht, damit sie da auf der Welle nochmal mitreiten kann.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich ältere Sachen von ihr gehört. Okay. Aus den 70ern und ich wollte auch nichts von dem, ich habe ein bisschen was aus dem Film nochmal gehört. Und dann aber vor allem Sariero, Sarejo, Kanashimi no Shirabe. Das ist aus dem Jahr 19... Und das war echt so ein echt nettes japanisches Schlagealbum.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich habe ja so ein bisschen Softspot für japanische Musik. Ich mag ja auch Kasuki Tomokawa sehr gerne, einen japanischen Folg-Sänger. Ja. Das war cool. Es hat Spaß gemacht. Ich glaube nicht, dass das was ist, was ich jetzt täglich hören werde, aber es war irgendwie... Es war geil und stylisch und romantisch.
Johannes Franke: Kannst du es deinem Sohn verkaufen. Wenn du Mangas liest, musst du sagen, ja, wenn du Mangas liest, dann gehört aber das dazu. Das musst du dann auf jeden Fall auch hören. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Aber mit diesem Bogen vom Manga zur Hauptdarstellerin, ich finde sie großartig.
Johannes Franke: Sie ist ganz toll. Ich habe einen riesigen Zettel hier, wo nur über sie ich Lobgesang ausbreiten möchte. Also sie ist wirklich ganz toll. Sie hat so ein, und auch das kommt aus dem Kabuki-Theater vielleicht, so ein ganz posenbewusstes... ohne dass es nach Posen aussieht. So einen ganz starren Blick auch und so einen sehr konzentrierten Blick. Und man kann trotzdem, trotz dieser leichten Inszenierung, die sie da reinsetzt, in ihren Kopf reingucken. Also macht keine Distanz auf, sondern ich kann in Ihren Kopf reingucken, was eine ganz absurde Mischung ist. Weil das Kabuki-Theater normalerweise auf so Symbolen basiert und sie mir aber als Schauspielerin trotzdem die Möglichkeit gibt, hinter die Fassade und in ihre Gedanken reinzugucken. Also zumindest in ihre Gefühlswelt mit so schwingen zu können. Und das ist eine gute Mischung.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das hilft dem Film.
Florian Bayer: Ich finde es unglaublich gut, was zum einen, wie du sagst, das sehe ich auch so diese Präsenz. Ja. Sie ist immer da, sie ist immer, sie beherrscht irgendwie immer die 10 Monate, sie hat alles im Blick, was passiert.
Johannes Franke: Volle Kanne.
Florian Bayer: Und gleichzeitig trägt sie diese unterdrückte Traurigkeit mit sich rum. Ich glaube, die ist ganz wichtig, dass diese Figur der Yuki, die sie spielt... Dass die funktioniert, dass sie immer, immer diese Bürde, dieses Leiden unter dem Rache-Schwur, den sie nicht meint. selbst gegeben hat, der ihr aufgedrückt wurde. Dass sie das immer mit sich rumträgt und dass sie sich sehr bewusst ist, wie tragisch überhaupt dieses Leben für die Rache ist.
Johannes Franke: Ja, ja. Und was wir schon gesagt hatten, dass sie eben nicht als Sexobjekt, was ja in der Zeit einfach so viel gemacht wurde, durch die Gegend läuft, sondern dass sie wirklich... Auch nicht Demsel in Distress, das wäre ja das andere. Überhaupt nicht. Das könnte man ja auch machen. Aber sie ist wirklich einfach diejenige, die das Ganze durchgeht und sagt, okay, das ist mein Plan, das mache ich. Und sie zieht da komplett selbstbewusst durch den Film durch.
Florian Bayer: Finde ich total gut. Es ist erstaunlich, dass bei dieser Vorlage, dass sie keine einzige Nacktszene hat.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Es ist wirklich krass. Wenn man den Comic sieht, denkt man, die Verfilmung kommt nicht ohne Nacktszenen aus. Weil das so essentiell ist für die gesamte Geschichte, dass wir die ganze Zeit ihre Brüste sehen. Nein, sie ist immer präsent, sie ist immer da. Und gleichzeitig... Sie zeigt auch Verletzlichkeit. Sie wird tatsächlich physisch verletzt. In einigen Momenten. Es gibt diese Momente der Schwäche, wo sie fast zusammenbricht, wo sie fast... überrannt wird und gleichzeitig natürlich auch die emotionale Schwäche.
Johannes Franke: Und ich finde es total schön, dass sie nicht in die Falle tappen, wie so viele amerikanische Filme. dass wenn sie verletzt wird, sie dann so ein Drama draus macht.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Sondern sie ist wirklich, sie ist einfach fokussiert. Okay, ich wurde jetzt verletzt. Am Ende gibt es ihm einmal so einen Schrei von sich, ganz am Schluss. Aber das ist ja auch nochmal eine andere Konnotation. Aber dazwischen, sie ist einfach fokussiert. Verletzung ist scheiße, okay, kommen wir mit klar, ohne das zu verbalisieren, ohne irgendjemanden davon zu erzählen, das würde Hollywood volle Kanne machen, dass man das dramatisiert noch irgendwie ausschlacht. Und es ist auch nicht unbedingt was Schlechtes dabei, aber in diesem Film passt es nicht rein und deswegen macht sie das wahnsinnig gut. Und dieser Blick.
Florian Bayer: Ja. Und vor allem, wir sehen ihr permanent beim Scheitern zu, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Im Mittelteil des Films, oder ne, nicht nach zwei Dritteln des Films, hat man das Gefühl, ihre Rache... Ihr Rachefeldzug war komplett erfolglos, weil der eine ist bereits tot, sie steht vor seinem Grab und die andere schafft es sich zu erhängen, bevor sie sie töten kann.
Johannes Franke: Aber ist so krass, ne? Diese Enttäuschung, diese Enttäuschung darüber, dass sie nicht jemanden selbst umgebracht hat, sondern dass er schon tot ist. Das ist so krass. Und wie sie sich erhängt, die Frau, täuscht ihr das vor? Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass sie vielleicht ein bisschen auch absichtlich nicht richtig erhängt aussieht, sondern dass sie das vielleicht irgendwie inszeniert fühlt. für Yuki und dann nutzt sie aber die Gelegenheit noch sie komplett einmal in der Hälfte zu durchtrennen, auch so ein sehr theatralischer Moment.
Florian Bayer: Kann das ein Schwert? Ich glaube nicht. Ich glaube nicht. Ich glaube nicht. Egal wie scharf dein Schwert ist, du kommst nicht einfach so durchs Rückgrat. Nope.
Johannes Franke: Aber krasses Bild, ne? Absolut. Mit dem Bild kam ich total gut klar. Ich fand es einfach sehr inszenatorisch, sehr effizient. Ich finde das...
Florian Bayer: Ich finde, es ist schon mehr als nur Enttäuschung. Ich finde, es ist so eine Verzweiflung, die hinter diesem Versagen steckt. Weil Es ist ja von Anfang an wird irgendwie etabliert. Das ist ihr Lebenszweck. Ihre Mutter hatte Sex mit ganz vielen Leuten, damit sie schwanger wird. damit sie ein Kind kriegen kann, das ihre Rache vollendet. Yuki existiert nur, um Rache zu üben. Es gibt keinen anderen Sinn hinter ihrem Leben. Es gibt keine Liebe von ihrer Mutter. Das ist hier auch ein Werkzeug.
Johannes Franke: Zeug. Ja, ja. Und dann hast du das die ganze Zeit im Kopf und dann willst du aber auch abhaken. Und wenn du nicht abhaken kannst, weil du es selber gemacht hast... Das hinterlässt natürlich immer so ein Restschuldgefühl.
Florian Bayer: Ach, fuck, man. Was ich ganz stark finde dann auch, dass Yuki sich dessen sehr bewusst ist und dass ausgerechnet der erste Mord, den sie macht, setzt ja wieder so eine Geschichte in Gang, die dann eher so am Rande erzählt wird, aber später nochmal eine Bedeutung hat, nämlich Ihr erstes Opfer, ihr erstes Ziel ist Banzo und der hat komplett dem kriminellen Leben entsagt. lebt so ein bescheidenes Leben, ist auch glücksspielabhängig, hat aber eine Tochter, Kobur. Und der begegnet Yuki und sie reden miteinander und Yuki weiß, okay, sie ist die Tochter von Banzo, sie weiß, ich werde den umbringen und sie sagt zu Kubu, wenn du irgendwann mal irgendwas probierst. Du kommst von mir, du findest mich hier in Tokio. Komm zu mir. Sie weiß nämlich, was das bedeutet. Sie wird jemanden töten und sie wird damit wieder eine Racheschwur auslösen.
Johannes Franke: Heißt das, dass sie auch wissentlich ihre Möhren einlädt?
Florian Bayer: Zumindest will sie ihr die Gelegenheit geben, weil sie wahrscheinlich darum weiß, wie wichtig es ist, diese Chance zu haben. Ich glaube, sie würde kämpfen. Ich glaube, sie würde sich nicht töten lassen, aber sie will ihr zumindest die Möglichkeit geben, diesen Kampf zu haben. Haben wir ja auch ganz krass in Kirbel referenziert, wenn die Braut ihr erstes Opfer umgebracht hat. Ich glaube, es ist wirklich auch das erste Opfer. Und dann steht die Tochter von der in der Küche und sie sagt zu ihr, naja, du wirst es nicht verstehen, aber deine Mutter war böse. Aber wenn du irgendwann das Gefühl hast, du musst das damit abschließen, ich warte auf dich. Und das ist auch dieser ich warte auf dich Moment. Ich gebe dir die Chance. Sie wird natürlich verlieren, weil Yuki einfach zu gut trainiert ist und Kobo nur Körbe flechten kann.
Johannes Franke: Ja, ja. Aber es gibt seinen Moment am Ende. Es gibt diesen Moment.
Florian Bayer: Und krass finde ich das ausgerechnet. Das erste Opfer Banzo ist der, der komplett abgeschlossen hat. Es gibt keinen Kampf, es gibt keine Herausforderung. Es gibt nur diesen wirklich armen, erbärmlichen Mann, der da auf dem Boden sitzt und bettelt. Und winselt und nicht sterben will.
Johannes Franke: Es ist ja auch ein krasses erstes Statement, zu sagen, Leute, das alles macht gar keinen Sinn. Der... kann nichts mehr machen, der wird nie wieder irgendwelchen Blödsinn veranstalten können oder irgendwelche kriminellen Handlungen vollführen. Der ist a zu besoffen und b bereut er das alles viel zu sehr. Und er hat seine Tochter, um die er sich kümmern will und für die er irgendwie auch da sein möchte und ein Vorbild. sein will, naja, wenn er ein Vorbild sein wollen würde, dann wäre er kein Alkoholiker. Aber es ist absolut sinnlos, diesen Menschen zu töten. Ja, absolut. Und sie macht es trotzdem, weil es irgendwie jetzt in dem Programm drin ist, was sie abfährt. Aber das sagt der Film ja in dem Moment. Der sagt, wie sinnlos dieser... dieser Racheschwur eigentlich ist.
Florian Bayer: Sie fährt nur dieses Programm ab. Sie rettet ihm ja davor das Leben. Der soll ja umgebracht werden. weil er beim Glücksspiel betrügt. Und dann sagt sie, nein, tötet den nicht. Und er versteht gar nicht, warum. Aber es ist so krass, Dass sie dafür sorgt, dass er nicht getötet wird, um das dann selbst machen zu können.
Johannes Franke: Insofern macht der Film, finde ich, tatsächlich... Sehr, sehr, sehr viele dramaturgische Kniffe, die einem sehr, sehr gut erzählen, was diese Frau, was für ein Schaden da eigentlich drin steckt. Wie krass das eigentlich alles ist. Genauso bei der Frau und so. Was ich ein kleines bisschen schwierig finde, wenn wir jetzt zu der Frau rüber gehen.
Florian Bayer: Okono?
Johannes Franke: Genau, Okono Kitahama. Das wird dann gar nicht erzählt, aber sie ist es plötzlich... Die Chefin der Polizei mehr oder weniger als Kriminelle, die sich da irgendwie eingenistet hat und jetzt eigentlich... Die Polizei in ihrer Hand hat und die machen, was sie sagt. Aber ein kleines bisschen. hätte man es vielleicht erzählen können, damit ich weiß, was da eigentlich passiert, was da los ist. Sie taucht da plötzlich auf und die Polizei hört auf sie und ich so, hä, was?
Florian Bayer: Aber ich finde, genau da wird es erzählt. Es wird erzählt, wie diese Ganoven von früher auf eine andere Art Machterrungen haben. Und das ist ja so... das erste Mal dieses Meiji-Thema reinkickt, dass sie halt irgendwie es geschafft hat, sich mit der neuen Situation in der Gesellschaft zu arrangieren.
Johannes Franke: Aber dadurch, dass es nur implizit jetzt hier plötzlich passiert, hat es was Billiges, finde ich. Weil es keine Tiefe bekommt, weil es keine Geschichte bekommt, sondern es ist einfach plötzlich so. Und ja, es ist für sie natürlich wirklich einfach so. Aber irgendwie, weiß ich nicht, fehlt mir da so eine Dreidimensionalität drin.
Florian Bayer: Ich finde sie ganz spannend, weil Okono irgendwie die Einzige zu sein scheint von diesen ehemaligen Mördern, die noch Spaß am Leben hat. Die ist brutal, die ist gehässig, die kommandiert ihre Leute rum und feiert irgendwie so wilde Feste. Die scheint irgendwie so... auf eine andere Art eine Freude am Leben gefunden zu haben. Und die ist ja eigentlich so von der Art her so die gehässigste und die bösartige. auch so, die am wenigsten Reue zeigt von denen, die hier die Gruppe der Mörder waren.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ich finde es spannend. Es ist halt vor allem auch so ein krasses Gegengewicht zu dem, was wir im ersten Kapitel haben. Im ersten Kapitel hatten wir wirklich dieses menschliche Drama, diese Sinnlosigkeit der Rache. Und jetzt haben wir so eine klassische Geschichte der einsame Racheengel gegen die Extremmächtige mit ihren Bodyguards und mit ihren Henchmen. Hier sind Lakaien, die die ganze Zeit versuchen, Yuki aufzuhalten.
Johannes Franke: Aber ist das ein wirklicher Hindernisparcours oder ist das doch recht schnell abgehandelt? Ich habe das Gefühl, irgendwie nimmt sich der Film dann auch nicht die Zeit, dem so viel zu geben. Diesem Kapitel mit Okono.
Florian Bayer: Ja, das Kapitel mit Okono ist vor allem spannend, weil da zum ersten Mal diese Meta-Ebene reinkommt durch Riorei. Ja, genau. Es beginnt ja eigentlich damit, dass Yuki auf dem Friedhof ist und sieht, dass der andere gestorben ist, der eigentlich als nächstes auf ihrer Liste stand. Und dann wird sie von diesem Journalisten Riorei verfolgt. Und der will wissen, wer sie ist und warum sie auf dem Grab sauer war. Sie gibt ihm einen Korb. Und dann schreibt er diesen Comic Lady Snowblatt oder die Geschichte Lady Snowblatt, die wird überall verteilt, der Erzähler sagt und sie wird berühmt.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise der Erzähler ist doch er, oder?
Florian Bayer: Ist er es? Ist es dieselbe Stimme?
Johannes Franke: Weiß ich nicht, aber das Gefühl entsteht, dass das doch eigentlich im Grunde die Metaebene ist.
Florian Bayer: So ein bisschen, ja. Lassen wir es mal so stehen, aber auf jeden Fall gibt es diese Meta-Erzählung. Und dann erfahren wir von ihrem Trainer, auf den es sie sauer nimmt, der hat offensichtlich hier alles erzählt. ihr Trainer, ihr Meister, sagt ihr, nee, nee, das war so der Plan, der soll über dich schreiben, damit wir Okono aus ihrem Versteck herauslocken.
Johannes Franke: Ja, und das ist ein bisschen ein dämlicher Moment. Also für sie, ich weiß nicht, ob der Film dadurch dämlich wird, aber... Weil sie sonst immer alles unter Kontrolle hat und sie die macht und weiß, okay, ich mache das, ich mache das, ich mache das. Und dann plötzlich wird sie vor vollendete Tatsachen gestellt von jemandem, der eigentlich nicht mehr in der Position ist. Also er war ihr Trainer, aber das ist irgendwie eine seltsame... Seltsame Sache, das wieder rüberzuführen, weil sie war als Kind irgendwie da. Wir sehen die Rückblenden, wie der Trainer sie trainiert und so. Und dann wird sie eine eigenständige Person und plötzlich kommt dieser kleine Moment rein, wo der nochmal ihr Leben bestimmt und sagt, nee, du machst das aber so. Das fand ich so ein bisschen, ich finde es ganz spannend, weil es genau, es ist diese Rolle dieses Dukais, dieses Trainers.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Der auch, jetzt haben wir wieder die Tarantino-Referenz, da haben wir auch diesen bösen Trainer, der so knallhart ist. In dem Fall ist es quasi so eine Art Ziehvater von ihr, weil ihre Ziehmutter mit dem zusammenlebt und Und wir haben eine Trainingsmontage, wo wir immer wieder dieses Kämpfen und Trainieren haben. Und er ist gnadenlos. Er schubst sie in einem Fass den Berg runter.
Johannes Franke: Meine Güte.
Florian Bayer: Er kämpft gegen sie und macht sie dabei nackt, indem er ihre Kleidung durchschneidet, bis sie wirklich im wahrsten Sinne des Wortes als Kind wohlgemerkt hat. nur noch nackt vor ihm steht. 70er Jahre, nacktes Mädchen vor der Kamera. Heute guckt man tatsächlich verstört ein bisschen drauf. Ich fand es so Also tatsächlich, weil ich fand es zu aussagestark und es war auch einfach viel zu wenig, dass man irgendwie das Gefühl hat.
Johannes Franke: Überhaupt nicht.
Florian Bayer: Und dafür fand ich dann die Aussage viel wesentlicher, dass sie halt wirklich nackt dasteht, dass es nur noch sie ist. ist und sie ist konzentriert und fokussiert auf ihre Rache. Ich fand, es war eine gute Szene. Ich finde die Szene wirklich gut.
Johannes Franke: Ja, also insgesamt diese Szene, aber man muss auch zwischendurch ein bisschen lachen. über diese Art und Weise von diesem Trainer, weil es so ein bisschen drüber ist.
Florian Bayer: Also diese Kampfmomente sind ja generell drüber. Yuuki macht Dinge, die Menschen nicht tun. Sie trotzt der Schwerkraft, sie macht Salty, sie springt aus dem Fass raus, mehrere Meter in die Höhe. mit einem Salto in der Luft, als ob die Schwerkraft kein Ding wäre.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist...
Johannes Franke: Das kennen wir aus dem Crouching Tiger Hidden Dragon, ne? Also das ist so ein bisschen in dieser Tradition, so gefühlt.
Florian Bayer: Es ist einfach dieses Chidai-Geki-Ding, wenn es wirklich ernst genommen wird, hat es weniger. Aber es gibt die Filme, die das machen. Und die haben Die chinesischen Witcher-Filme, das ist das Roger and Tiger, Hidden Dragon, die machen es mehr. Aber es gibt auch Chidaigeki, die dieses Konzept haben. Schwerkraft? Nein, danke.
Johannes Franke: Süß. Ich komme damit aber klar, weil es ja auch insgesamt irgendwie so eine überhöhte Sache ist.
Florian Bayer: Ja, ist vollkommen okay. Aber wir waren bei Okono und ich stimme dir zu. Es ist eigentlich die große Action- irgendwie so im Zentrum, dass sie dann... Weil da ist ja wirklich dieser Kampf auf dem Hof gegen die Cops und gegen ihre Wächter und es werden einfach... Leute niedergemetzelt und wir können einmal Yuki dabei zusehen, wie sie badass ist.
Johannes Franke: Ja, wie sie badass ist, genau. Und in diesem Kapitel wird sie halt so ein bisschen zur Seite gedrängt von Ryu oder wie er hieß, wie war das? Riorei. Riorei. Der natürlich eine wichtige und sehr interessante Figur ist, aber sie kriegt dann halt weniger Screentime und ich hätte es irgendwie doch interessant gefunden.
Florian Bayer: Zwei Momente finde ich da tatsächlich noch spannend. Zum einen, Juraj wird in diesem Moment unsere Dempsel in Distress hier stehen. Hat nämlich... Okono gefangen genommen, einmal verprügeln lassen und verhört und hat ihn jetzt bei sich. Und zum zweiten, nächster Moment, wo die Moderne rauskickt, Lady Snowblatt kommt mit einem Schwert bzw. einem... Schirm zu einer Schießerei. Okono hat nämlich eine Schusswaffe. Und das ist geil, weil wir haben die ganze Zeit diese... Wirklich diese klassische Schwertkampf-Ästhetik und dann so, nee, nee, wir haben effizientere Waffen mittlerweile. Aber genau, sie kann Okono, sie kann sich so halb an Okono rächen. Okono hat sich ja hängt. Yuki muss sie einmal noch in der Mitte durchschneiden.
Johannes Franke: Finde ich super.
Florian Bayer: Finde ich krass. Und auch da dachte ich, wow, jetzt hatten wir wirklich drei Leute, an denen sie sich rächen muss. Einen hat sie Einer hat um sein Leben gefläht und den konnte sie einfach umbringen ohne Widerstand. Einer ist schon gestorben. Einer hat sich erhängt, bevor sie sie töten konnte. Das ist kein erfolgreicher Rache.
Johannes Franke: Nein, das ist kein erfolgreicher Rachefeldzug. Wollen wir auf Rio mal eingehen, wenn wir schon da sind?
Florian Bayer: Ja, Rio-Rai.
Johannes Franke: Rio-Rai. interessante Figur. Ich habe das Plot-Twist-Ding da nicht kommen sehen, muss ich sagen. Und ich fand, dass er diese Meta-Ebene einigermaßen vollständig gemacht hat. Wie ich schon gesagt habe, dass er so der Erzähler quasi ist von der ganzen Geschichte und ich so das Gefühl hatte, okay, ja, das... hat sich der Film auch verdient. Das ist in Ordnung, dass er jetzt quasi das alles aufschreibt, veröffentlicht und wir wissen, ah, deswegen existiert dieser Film. Also es macht eine schöne Meta-Ebene auf, die ich nett finde. Und was ich dem Film zugutehalten will, ist, dass es keine schmalzige Liebesgeschichte wird.
Florian Bayer: Nie.
Johannes Franke: Dass sie das nicht aufmachen, das Fass. Das sind einfach zwei Leute. Und das war's.
Florian Bayer: Sie arbeiten zusammen. Und dann besteht die Zusammenarbeit daraus, dass Yuki ihm den Arsch retten muss?
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und ansonsten ist er dann halt vor allem auch dafür diesen einen großen Plot-Twist, nämlich, und der wird wirklich wie ein Plot-Twist inszeniert, Er ist der Sohn von Gichiro, dem Letzten im Bunde, der doch nicht tot ist, der sein Tod nur vorgetäuscht hat. Und der jetzt Riorei dazu kriegen will, eigentlich auf seiner Seite zu stehen und für ihn zu arbeiten und die Geschichte gehen zu lassen.
Johannes Franke: Wie ehrenlos, oder? Seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Ich kann mir vorstellen, dass es in der japanischen Kultur mit Ehre viel ist ja da drin. Dass das wirklich ein Ding ist, wo man sagt, okay, der wird sofort als Oberbösewicht gemakert, allein dadurch, dass er seinen eigenen Tod vortäuscht und sich dem dadurch entzieht.
Florian Bayer: Naja, vor allem steht er wie kein anderer für diese Westernisierung Japans. Er sagt, wir sind kurz vor dem Krieg, die Gesellschaft hat sich geändert, ich bin jetzt Waffenhändler.
Johannes Franke: Ja, krass. Es ist auch so eine, vielleicht eine Kapitalismuskritik, aber die sehe ich ja überall im Film, egal ob sie beabsichtigt ist oder nicht.
Florian Bayer: Aber es ist eine, ne? Ganz eindeutig. Der Manga ist offensichtlich noch deutlich politischer, was das betrifft. Ich habe diese politische Nuance nicht so rausgelesen, aber vor allem auch... Und das geht natürlich in Japan dann ineinander über, nicht nur kapitalismuskritisch, sondern auch tatsächlich westfeindlich oder Europa oder amerikanisch. amerikafeindlich. Und der Comicautor war offensichtlich sehr konservativ und hat wirklich auch konservative Geschichten geschrieben. Kazuo Kamimura? Kamimura? Er hat offensichtlich auch wirklich so die konservative Ader seines Publikums versucht anzusprechen. Und dann auch, ich glaube, was man heute auch so ein bisschen als Rechtsextrem zeichnen würde, diese Kapitalismuskritik, die so verwaschen ist mit Ausländerfeind. Und mit die Bösen von der Westküste. Und dann sind es am Schluss doch wieder die Juden. So in diese Richtung.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber diese Kapitalismuskritik steckt da natürlich drin. Und auch diese moderne Kritik. Ich finde, er macht es so, dass es funktioniert für mich auch, weil es irgendwie nachvollziehbar ist, was da passiert in der Gesellschaft und dass sie auch alle irgendwie orientierungslos sind.
Johannes Franke: Also es spielt ja jetzt 1800 irgendwas, aber die Zeit in den 70ern scheint auch für Japan damals so ein Umbruch gewesen zu sein. Der das so ein bisschen wie so ein Spiegel, da war das gar nicht so abwegig, nach 1800 noch was zu gucken, um zu sagen, guck mal, jetzt passiert wieder das Gleiche wie damals und wir müssen mal gucken, wie wir... Wie wir unsere Kultur retten und sowas.
Florian Bayer: Ja, genau. Es gab so einen zweiten krassen Westernisierungsschub nach dem Zweiten Weltkrieg. Und dann auch mit all dem verbunden, vor allem Amerika hat zwei Atombomben drauf geworfen. Und plötzlich gibt es dann eine junge Generation von Japanern, die sagen, ah, die amerikanische Kultur ist doch ganz geil. Und dann gibt es natürlich diese Gegenbewegung. Wir haben, glaube ich, vor allem als wir über die Filme von Oso Yasujiro geredet haben. Wir hatten Ohio, haben wir besprochen.
Johannes Franke: Ohio war das, genau. Da haben wir sehr viel darüber geredet.
Florian Bayer: Das war ja so... Fast 15 Jahre vor Lady Snowblatt. Das war Ende der 50er, 1959 war der. Stimmt. Aber es ist ein großes Thema. Du hast also vollkommen recht. Es ist dieses Thema der zweiten Westernisierung in den 50ern, 60ern und auch 70ern ist was ganzes. Großes in Japan.
Johannes Franke: Aber es ist interessant, also sich das dann auch zu suchen und zu sagen, okay, hier, das ist jetzt mein Battlefield. an dem ich das aushandle, aber eigentlich geht es um unsere Probleme heute und ein kleines bisschen problematisch, weil es eben so sehr konservativ eigentlich gedacht ist, ne?
Florian Bayer: Ich finde es total krass, weil wir haben es hier ja dann auf einer wirklich krassen visuellen Ebene. Wir haben diesen Maskenball. In Tokio.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und dann läuft da Johann Strauß an der schönen blauen Donau. Europäische Musik, europäische Fahnen, europäische Kostüme.
Johannes Franke: Und der ganze Film über war völlig was anderes. Du bist eigentlich in einem... Du hast das Gefühl, 1800 2, 3 zu sein und nicht 1890. Und dann... kommt da irgendwie dieser Westen rein, gecrashed wie so ein Alien-Flugzeug. Absolut. Ich finde es krass, ästhetisch auch schon.
Florian Bayer: Und auch so brutal, dass sie einen europäischen Klassiker spielen, ist eine Sache. Aber dann spielen sie auch noch ein dezidiert patriotisches europäisches Lied. Es ist der Tonaussong, es ist der Walzer schlechthin.
Johannes Franke: Ja, aber auch die Kostümierung und so weiter ist ja auch total europäisch alles. Ich finde es visuell total auf Europa eingeschossen.
Florian Bayer: Und wer ist nicht europäisch angezogen bei diesem Maskenwahl? Na sie. Yuki. Yuki hält an der Tradition fest. Die letzte einsame Schwertkämpferin in einer veränderten Welt.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob ich da, also das ist jetzt nicht mein Thema und so und dann ist das halt konservativ. macht mir den Film nicht kaputt oder sowas und macht mir auch überhaupt gar kein schlechtes Gefühl. Erst wenn ich dann so ein bisschen drüber nachdenke, denke ich so ein bisschen, ja, okay, ist vielleicht ein bisschen arg konservativ.
Florian Bayer: Ich glaube, weil er es auch tatsächlich reflektiert. Und es gibt ja auch kritische Ansetzungspunkte. Natürlich ist da, was da passiert ist, war ja auch... Eine gefühlte Verdrängung und war ja auch irgendwie eine Veränderung mit der Planierraupe. Ich suche irgendein anderes Gerät, was ich nehmen kann. Mit dem Dampfer mal irgendwie. Egal, gab es damals alles noch nicht. Es war ja wirklich was Krasses und es gibt ja auch irgendwie so eine Art Kulturimperialismus und tatsächlich der Westen, der versucht überall seinen Stempel drauf zu
Johannes Franke: Und ihre Vengeance wird ja nicht als durchweg positiv dargestellt, sondern eben als problematisch. Insofern ist es ja nicht der Wunsch des Films zu sagen, hier, wir müssen alle Rache üben an den Westlern, die da kommen. Aber die werden auch nicht positiv dargestellt.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Das ist es halt.
Florian Bayer: Ja, nein, nein, nein.
Johannes Franke: Und das finde ich auch vollkommen in Ordnung. Ich bin ja froh über die Kapitalismuskritik, die da drin steckt. Die habe ich ja auch.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Die ist berechtigt und die ist spannend. Und wie gesagt, der Film macht es auch nicht als plattes Pamphlet gegen... gegen die Westernisierung Japans, sondern er zeigt einfach, was passiert ist in der damaligen Zeit und solche Maskenbälle gab es damals einfach.
Johannes Franke: Und dann darf sie sterben und gleichzeitig nicht sterben. Das ist so ein bisschen...
Florian Bayer: Sie darf ja zuerst sehr comically einmal den falschen Gishiro umbringen. Einer von seinen Lakaien hinter Maske und sie schlägt ihm wirklich auf absurde Weise die Hände ab.
Johannes Franke: Einmal ganz kurz, wer geht als Lakai zu so einem Bösewicht, um für ihn zu sterben? Was ist da los? Was für eine dumme Idee. Da kann dir nicht genug Geld sein, dass du dann... mit falschem Bart dieser Frau gegenüberstehst, wo du genau weißt, ich kann nur verlieren, ich werde verlieren, ich werde sterben.
Florian Bayer: Was ist das? Das ist sowieso wie Lakaien von Superbösewicht, die sich teilweise verhalten und freiwillig und viel zu leicht in den Tod gehen. Ich werde das nie verstehen. Weil die sind ja bezahlt, die sind ja Söldner. Die glauben ja nicht mal an was, sondern die sind einfach nur bezahlte Leute.
Johannes Franke: Der könnte auch mit dem Geld abhauen und sagen, ja gut, tschüss, schönen Tag noch.
Florian Bayer: Ich gehe auf die Bahamas. Wir haben einen zweiten Comic-Lean-Moment. Haben sie kurz einen Telepathie-Moment, sie und Gichiro? Wenn sie so nebeneinander stehen und wir hören, ich werde dich töten. Aber dann antworten seine Gedanken? Ja, genau. What? Was ist auf einmal, an welchem Film sind wir plötzlich gelandet? Haben sie den Dialog nicht gedreht und dann im Nachhinein festgestellt, nein, wir müssen da aber noch einen Dialog haben? Es ist wirklich seltsam. Es ist halt auch so eine Aufeinanderfolge. Es ist einmal so plötzlich im Moment, wo der Film sagt, ach ja, ich kann ja auch ein bisschen Spaß machen. Weil im nächsten Moment schwingt sie sich an einem Kronleuchter über den Saal.
Johannes Franke: Sehr gut. Das ist der Zorro-Moment.
Florian Bayer: Sie macht den Errol Flynn, genau. Es ist großartig, aber es ist wirklich so, der Film war ja die ganze Zeit düster und tragisch und so. Und du hast das Gefühl, irgendjemand hat drauf geguckt und gesagt, oh kacke, in die letzten 10 Minuten müssen wir auch noch ein bisschen Spaß reinpacken, damit die Leute nicht komplett deprimiert aus dem Kino gehen.
Johannes Franke: Das ist halt das Eklektische an dem. Alle Ideen sind da drin und alle Stilmittel sind da drin verarbeitet und so. Aber interessanterweise schafft der Film es, dem irgendwie immer Bedeutung zu geben und die richtigen Momente dafür zu finden und das Timing dafür zu finden. dass ich davon nicht massiv rausgerissen werde, sondern es passt zum Film irgendwie immer. Was aber ich sagen muss, die Kameraführung macht mich fertig.
Florian Bayer: Die macht dich fertig? Ich finde die Kameraführung so geil. Ja, welche denn jetzt? Diese Mischung aus Schwindel, Hyperstilisierung, ruhigen statischen
Johannes Franke: Szenen, die extrem, extreme Weiten sind. Es gibt so tolle Bilder, die so gut ausgeleuchtet sind, wo jemand sich offenbar mit dem Bild genau auseinandergesetzt hat und gesagt hat, okay, ich mache das jetzt so, du stehst da, du machst das und du stehst da. Und das irgendwie zu komponieren... Und im nächsten Moment, wirklich von einem Schnitt auf den anderen, kommst du in überbelichtete Bilder, die... die nicht mal Super 8 Amateure damals gedreht hätten. Es sieht einfach, was passiert da? Und es ist nicht nur Stilmittel, das ich irgendwie verstehen kann, weil irgendwas damit gesagt werden will, sondern ich suche verzweifelt nach einem Grund, warum das jetzt ist. Und für mich zeigt sich das nicht. Das ist einfach tatsächlich etwas, wo ich denke... warum jetzt von einer Minute auf die andere so einen großen Cut und einen völlig anderen Stil in der Kamera? Dann bist du in einer verwackelten Handkamera. Du hast halt leider keine Staticam, weil die es noch nicht gibt. Das heißt, du kannst keine stabilen Handkameras machen, sondern das ist einfach verwackelt und scheiße. Ich komme damit nicht klar.
Florian Bayer: Also ich finde tatsächlich, die wirklich schlecht ausgeleuchteten Szenen und die wirklich amateurhaft wirkenden Szenen sind relativ wenige. Ich finde, es dominiert dann doch zu sehr das, was irgendwie so Kunst ist, was irgendwie stilisiert ist, was groß ist.
Johannes Franke: Das Bild am Anfang mit dem Schnee, wo sie die ersten Leute umbringt. Das ist total gut gesetzt und gemacht. Das im Gefängnis. auch total gut gesetzt und gemacht, bis auf die Handkamera, die zwischendurch da reinkommt und ich denke, what the fuck? Aber da gibt es tolle Bilder. Ja. Aber wie kommst du denn darauf, dann jemanden tatsächlich, was ein schönes Bild sein könnte, in den weißen Klamotten der Typ, der da langläuft, mit der Mutter... Du hast eigentlich ein weißes Bild, weil alles überbelichtet ist.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Das ist ja auch nicht verklärt durch Erinnerungen oder sowas, weil Yuki hat keine Erinnerungen daran. Die ist ja noch nicht mal geplant gewesen in dem Moment. Das heißt, es gibt da keinen Grund, vielleicht eine Dreamsequence draus zu machen oder so.
Florian Bayer: Ich glaube, was wirklich ein Ding ist, der Film wurde mit niedrigem Budget gedreht. Ja, auf jeden Fall. es war ja nicht das große To-Studio, das den Film produziert hat, die hatten ihn nur distribuiert, sondern es war die Es war Tokio Aiga, die quasi so eine Sub-Section von Toho waren. Und die haben vor allem diese Gidae-Gege-Filme gemacht, während Toho wirklich viel Geld in die Monster-Filme, in die Kai-Jus geschenkt. Ja. Da hatten sie nicht die Möglichkeit, die nochmal zu drehen. Und ich glaube, es sind vor allem, weil das ist, was du jetzt gerade gesagt hast, dieser Überfall und dieser Mord. Das ist ja eine von den Szenen, die draußen gedreht wurden, die direkt am Meer gedreht wurden. Und ich glaube, die hatten dann nicht mehr die Möglichkeit, das nochmal zu drehen. Und im Studio war es was anderes. Im Studio konnten sie sich ein bisschen mehr Zeit lassen. Und da waren sie eher von Witterung und so abhängig. Wäre eine Erklärung dafür.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Also wenn du Licht nimmst, natürliches Licht, du musst es immer wieder neu... einfangen. Du musst halt damit umgehen können. Klar, im Studio hast du kontrolliertes Licht. Da kannst du alles genau setzen und das ist morgen genauso an wie heute. Da ändert sich nichts. Sonne ist schwierig. Klar, verstehe ich, aber irgendwie... Ich sehe die...
Florian Bayer: Ich sehe die Momente, die du siehst, aber ich finde sie nicht so störend, weil ich finde, drumherum passiert so viel Wildes. So viele verschiedene schöne Effekte, so viel Spiel mit Farbe, mit Schwindel, mit Kamera, die wirklich... Wir haben diesen geilen Shot auf die Killer. Von unten sind teilweise wirklich 1 zu 1 Tarantino-Shots, die wir sehen.
Johannes Franke: Ja, absolut. Geil.
Florian Bayer: Und das macht dann ästhetisch so viel Spaß, dass ich so ein bisschen diese wackeligeren Momente und so diese ein bisschen unbeholfenen Momente, die kann ich ganz gut verzeihen. Das betrifft ja auch die Gewalt. Wir haben diese total poetische Gewalt, wenn das Blut spritzt und fließt und wunderschön ruht. Und dann haben wir total albern absurde Momente im Schwertkampf, wenn sie ihren Salto macht und wenn sie... sich am Kronleuchter schwingen. Es gibt diesen B-Movie-Touch da drin. Der ist immer da. Es ist ein günstiger Film, der mit wenig Budget gedreht wurde. Und es ist ein Film, der natürlich auch in Genre fällt, dass... an das das Publikum gewisse Anforderungen stellen und dazu gehört unter anderem das, was wir heute als sehr albern und sehr cheesy und sehr übertrieben wahrnehmen.
Johannes Franke: Die Gewalt, du sagst immer wieder, das ist so eine poetische Variante von Gewalt. Es ist ja auch irgendwie so ein ritueller Kunstwerk. Akt quasi? Ja. Ist das cool? Macht man das mit Gewalt? Ist das eine geile Sache? Darüber haben wir auch, als wir über Tarantino geredet haben, geredet. Also wir sind alle Erwachsenen, wir können uns Filme angucken, wo Gewalt so dargestellt wird und man hat irgendwie eine Distanz dazu. Aber irgendwie weiß ich nicht genau, ob ich das sehen muss. Ist einfach nicht mein Genre, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, das ist natürlich eine Frage. Also... Ich kann nichts Negatives daran erkennen, weil das gehört einfach zum Leben der Tod. Und ich finde diese Diskussion zum Beispiel über sexualisierter Gewalt ist nochmal härter. Da haben wir auch öfter drüber gestritten. Ich finde, es gibt einen Platz im Film, um krasse Gewalt darzustellen. Es gibt auch einen Platz im Film, um sexualisierte Gewalt darzustellen.
Johannes Franke: Ja, aber es ist halt auch keine krasse Gewalt mehr. Also krasse Gewalt wird dargestellt, aber nicht als krasse Gewalt.
Florian Bayer: Es gibt auch einen Platz im Film, um sowas stilisiert darzustellen. Und das betrifft sowohl Gewalt als auch sexualisierte Gewalt. Und das ist auch was, worüber man danach auch immer noch diskutieren kann und so weiter. Und muss. Und muss. Und ich bin auch absolut nicht dagegen, dass, keine Ahnung, sowas wie Triggerwarnungen gesagt werden. Und wir machen das ja auch, wenn wir Filme besprechen, in denen gerade sexualisierte Gewalt vorkommt, dass wir sagen, okay Leute... Einmal Warnung, wenn ihr den Film sehen wollt, ihr müsst euch auf sowas einlassen. Aber ich finde, es ändert nichts an der grundsätzlichen Tatsache, dass Kunst sowas darf und dass Kunst sehr weit gehen darf.
Johannes Franke: Ja, sagt mir halt nicht so richtig viel.
Florian Bayer: Nee, genau, das ist dann nochmal eine andere Frage. Das... Das ist dann das Zweite. Das ist nicht mehr so allgemein, sondern dann geht es ja auch so um den speziellen Geschmack. Ja, ja, genau. Man muss dafür irgendwie... es macht ja auch keinen Spaß, Gewalt zu sehen. Es ist irgendwie anders. Man muss dafür irgendwie, keine Ahnung, den Geschmack haben. Ich finde, ich kann sowohl an dieser albernen Gewalt, absurden Gewalt, wie sie in Evil Dead zum Beispiel vorkommt, Spaß finden. Als auch an dieser poetischen Gewalt, wie sie hier passiert, weil es einfach, ich finde, es hebt die Kunst nochmal und ich versuche gerade auch was Inhaltliches zu finden. Warum ist das in diesem Film notwendig? Und ich würde sagen, der Film ist ein besserer Film, weil das passiert.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und ich glaube, es ist einfach, weil es dieses Traumhafte und zugleich Albtraumhafte zeigt, was in ihrem Leben steckt. Nämlich, dass sie hat eine... extrem hohe Aufgabe. Sie ist extrem wichtig für ihre Mutter. Sie vollendet das Werk für ihre Familie. Und gleichzeitig ist sie verflucht und gleichzeitig hat sie diese Bürde.
Johannes Franke: Ich habe einen Gedanken dazu. Vielleicht passt das dazu. Diese stilisierte Gewalt macht so eine Art... Ja. Und dieser Off-Erzähler, der in dem Film ist, macht ja auch ganz viel Mythologisierung in der Art und Weise, wie er darüber redet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich mich zwischendurch auch gefragt habe, gucken wir hier gerade etwas, was passiert ist oder gucken wir jemanden zu, der wie alte griechischen Mythen... Hier diesen Mythos einmal uns präsentiert. Ist das eigentlich ein Kabuki-Theater? Ist das eigentlich nur eine Darstellung eines Mythos? aus dem wir gesellschaftlich einfach, wo wir sagen, okay, da stecken wir alle unsere Sehnsüchte und Ideen und Hoffnungen, aber auch unsere Ängste hinein. Wie das eben mit Mythen so ist.
Florian Bayer: Es hat auf jeden Fall diese mythische Komponente. Was meiner Meinung nach dagegen spricht, ist, dass halt gezeigt wird, dass es so wenig romantisiert wird, wie diese Rache vorgeht. Der klassische Mythos wäre ja, und jetzt hat sie ihre Rache vollendet und jetzt kann sie in Frieden sterben. Und hier ist dieser ganze Weg der Rache. Und das ist der entscheidende Unterschied auch zu Kill Bill. der wird nicht romantisiert, sondern der ist ätzend und das ist Leiden und das steckt auch voller Versagen und Verlust und Traurigkeit und Das macht den Film meiner Meinung nach tiefgründiger als Kill Bill. Weil Kill Bill bleibt nur noch dieser Mythos als Pop-Erzählung übrig.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Während hier dieser Mythos die ganze Zeit mit der Realität kollidiert.
Johannes Franke: Das ist interessant, ja. Oder vielleicht ist es auch nur Mythos 2.0 in unserer Zeit. Ja. Wenn wir ehrlich sind, wenn wir ins Kino gehen, egal was wir uns anschauen, wir gucken einen Haufen modernen Mythen zu. Also im Grunde ist es das ja auch. Es ist eine Erzählung, die wir weitertragen, damit wir was daraus lernen. Und so ist das bei Märchen, so ist das bei Mythen, so ist das bei Sagen. Das ist halt...
Florian Bayer: Aber wenn wir was draus lernen, was lernen wir aus diesem Film? Was ist die Moral der Geschichte?
Johannes Franke: Ja, gute Frage, sehr gute Frage. Wir lernen, dass das Blut flüssig ist und viel zu rot. Das ist eine verdammt gute Frage, was wir lernen. Wir lernen natürlich, jetzt gehen wir ja fast ins Fazit über, meine Güte. Nein, ich will nur wissen, was du gelernt hast. Ich will auch nicht wissen, wie du den Film fandst. Ich habe aus diesem Film gelernt, wie hart man damit ringen kann als Gesellschaft, einen Rache-Mythos zu haben, der irgendwie wichtig ist und so ein Ehrending. Und wie man damit dann umgeht und feststellt, das ist alles Quatsch. Warum sollen wir uns über Generationen hinweg das auferlegen? Also das ist im Grunde die Erzählung, die ich jetzt mitnehme.
Florian Bayer: Es wird ja auch so als Kreis erzählt. Weil am Schluss, alles ist vorbei und dann kommt Kobur nochmal. Die Tochter von dem ersten Opfer und sticht noch einmal in Yuki hinein. Und zwar so, dass wir denken, okay, das war jetzt wirklich der tödliche Stich. Jetzt liegt sie da. sterbend im Schnee und der Song spielt ein letztes Mal, The Morning Has Died.
Johannes Franke: Und ich... Ich habe dieses Ende gesehen und habe gedacht, ja, jetzt ist sie halt tot. Und dann kommt sie plötzlich wieder so ein Stückchen hoch und das letzte Bild ist, ist sie lebendig? Und ich denke mir, ich wusste noch nicht, dass es eine Fortsetzung geben würde. Und ich will den Film ja auch Standalone sehen. Was soll das? Ja, was bedeutet das? Wenn ich den Film Standalone sehe, stirbt sie trotzdem.
Florian Bayer: Sie kommt nicht hoch, um jetzt wieder aufzustehen und so.
Johannes Franke: Sondern es ist irgendein Bild, was mir was sagen soll, aber das heißt ja nicht, dass sie nicht stirbt. Also für den Film Stand Alone würde ich sagen, um Gottes Willen, die muss an der Stelle sterben.
Florian Bayer: glaube, also wie ich es interpretiert habe und das auch ohne Fortsetzung im Kopf. Sie fällt in den Schnee, sie greift in den Schnee und dann haben wir diesen Moment, da hast du vorhin schon erwähnt, wo sie schreit und heult und dieser Schmerz. Ich glaube, das ist der Moment, wo der Dämon aus ihr fährt. Und das letzte Hochblicken ist die sterbende Yuki, die zum ersten Mal durch ihre eigenen Augen blickt. Und das ist so voll traurig, weil zum ersten Mal dieser Dämon der Rache aus dir draußen ist und jetzt zum ersten Mal hat sie ihren eigenen Blick, aber das ist auch wirklich der letzte Blick, den sie werfen wird. Einziger Sonnenaufgang, den sie sieht, bevor sie stirbt.
Johannes Franke: Och Gott, ich bin in Tränen nahe. Wie tragisch, das ist echt hart. Naja, aber der Film, sind wir ehrlich, der macht das wahrscheinlich, weil es die Fortsetzung geben soll.
Florian Bayer: Ja. Die kam ja auch ein Jahr später raus.
Johannes Franke: Ja, also das war schon in Planung mehr oder weniger. Und deswegen mussten sie sie halt dann nochmal hochgucken lassen. Der Film scheint auch ganz okay zu sein. Ich habe ihn nicht gesehen.
Florian Bayer: Er soll ganz gut sein. Ich habe ihn mir gezogen. Ich habe es leider nicht mehr geschafft. Er soll wohl ganz anders sein. Was heißt denn hier, du hast ihn dir gezogen? Ich habe ihn als DVD bestellt. Ich glaube, er ist tatsächlich bei der Criterion Collection dabei. Aber ich bin mir nicht ganz sicher. Was heißt denn, du bist dir nicht ganz sicher, bei denen hast du die DVD bestellt, alles gut, du hast alles legal gemacht. Ich habe Lady Snowplatt als Criterion tatsächlich Blu-Ray gekauft. Ah ja, okay. Und ich habe ihn trotzdem illegal online geguckt. Nein, es ist einfach bequemer. Also da liegt ja noch Blu-Rays ein. Auf jeden Fall Er soll actionreicher sein, er soll spaßiger sein, aber nicht diese Tiefgründigkeit haben, aber trotzdem ganz gut. Ich weiß es nicht genau. Ich habe ihn da liegen, ich will ihn auf jeden Fall noch gucken, weil ich ehrlich gesagt von diesem Film, ich mochte ihn, ich kannte ihn ja vorher schon, noch mal mehr weggehauen war. Auch, weil wir haben vor kurzem irgendwie drüber geredet, es war so ein witziges Gespräch, wo es darum ging, dass Tarantino... Dass es vielleicht auch einfach so ist, wenn wir die Tarantino-Filme sehen, dann finden wir die geil und wir werden aufmerksam gemacht aus Filmen aus den 70ern, gucken die Filme aus den 70ern, stellen dass die bei weitem nicht so gut sind wie das, was Tarantino daraus macht.
Johannes Franke: Ja, weiß ich nicht, habe ich gar nicht so viele gesehen, deswegen kann ich es gar nicht so beurteilen.
Florian Bayer: Gerade bei Russ Meyer haben wir drüber geredet. Da haben wir so sehr die Position stark gemacht. Ja, okay, Tarantino hat sich davon inspirieren lassen, aber das, was Tarantino gemacht hat, ist tausendmal besser als Russ Meyer.
Johannes Franke: Ja, Russ Meyer ist auch totaler... Schrott.
Florian Bayer: Und ich glaube, bei diesem Film ist es anders.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Ich finde diesen Film tatsächlich, ich glaube wirklich, ich finde diesen Film besser als Kill Bill und ich liebe Kill Bill. Kill Bill ist einer meiner liebsten Tarantino-Filme.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Ich glaube, ich finde diesen Film besser als Kill Bill.
Johannes Franke: Also ich glaube auch, dass ich den Film besser als Kill Bill finde, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich Kill Bill nicht so geil finde. Also ich finde es okay und es hat auch Spaß gemacht und so, aber es bleibt einfach nicht mein Genre. Und das hier, dieser Film, bleibt auch nicht wirklich mein Genre. Und ich finde, dass da ganz viel drin steckt und dass so viele schöne Sachen drin sind. Vielleicht hat er so ein bisschen das gleiche Problem wie bei Enter the Void, wo... wo ganz viele geile Ideen drin sind, wo die Kamera ganz abgefahrene tolle Sachen macht und so. Und viele neue Ideen drin sind, aber am Ende, vielleicht wabert er mir zu viel in der Gegend rum, dann Gaspar Noé bei Enter the Void. Hier ist es vielleicht nicht das Rumwabern mit der Kamera, aber es ist halt einfach nicht mein Ding, mein Genre. Was interessiert mich? Rache von anderen. Ich habe keine Rache-Gedanken. Ich habe keinen Bezug zu Rache-Themen. Das ist nicht mein Ding. Das ist alles.
Florian Bayer: Ich bin kein Mensch. Ich finde, Rache ist total albern und kindig.
Johannes Franke: Danke.
Florian Bayer: Aber Rache als ästhetisches Muster. Me liking good revenge. Also ich mochte ja auch, damit konnte ich dich auch nicht begeistern. Ich mochte ja auch John Wick. Ja, stimmt. Ich finde, Rache hat sehr viel Potenzial für viel Poesie, für viel Drama. Ich mag gute Rache-Filme. Das Ding, der Clou, haben wir auch drüber gesprochen. Stimmt. Ganz großartiger Rachefilm.
Johannes Franke: Das stimmt, aber da war mir der Racheteil nicht das Wichtige.
Florian Bayer: Oldboy, Korea. Da haben wir auch drüber geredet. Fantastisch. Ich glaube, Rache ist ein wirklich geiles Thema, das ich mag in Filmen. Und ich bin wirklich kein rachsüchtiger Mensch. Es klingt so selbstverliebt, wenn man das so sagt. Aber ich bin wirklich... Ich bin kein sonderlich Nachtragender und kein sonderlich rachsüchtiger Mensch.
Johannes Franke: Okay, das ist gut zu wissen, dann weiß ich ja... dass ich nichts zu bewirchten habe, wenn ich dir jetzt einfach in die Fresse hau. Außer mein Schwert.
Florian Bayer: Ist dieser Schirm nicht geil?
Johannes Franke: Der Schirm ist geil. Also es ist schon auch ein gutes... Es ist auch ein Stilmittel und es ist auch ein Symbol, ein schönes. Also ich mag das ganz gerne. Es wurde ja damals tatsächlich auch verboten, Schwerter mit sich herumzutragen. Das war genau in dieser Zeit, wo das dann gesetzlich verankert wurde. Und deswegen musste sie schon allein deswegen das Ding irgendwie verstecken.
Florian Bayer: Und es gibt diesen einen schönen Moment, wo ich denke, ach, hätten sie nicht ein paar mehr Gadgets sehen mit ihr machen können? wenn sie die Spange aus ihren Haaren zieht und da drin ist eine rote Rauchbombe.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und sie wirft sie auf ihre Gegner und ich denke, ach ja... Da kommt der James Bond durch? Ja! Der Film hat relativ wenige Szenen, die so... Spaß machen, so Action-Spaß sind, sondern dafür ist er einfach zu tragisch, hat zu viel Gravitas. Und in diesen Momenten denke ich, ach, so ein paar mehr von diesen hätten es ruhig sein können.
Johannes Franke: Naja, jetzt haben wir doch schon so ein bisschen gefazitet. Dann müssen wir jetzt schnell noch in unser Top 3 rüberritten. Unsere Top 3. Top 3. Wir haben kurz hin und her geschrieben. Welche Top 3 haben wir denn jetzt?
Florian Bayer: Ich wollte zuerst Rache und dann dachte ich, nee Moment, wir haben schon zehnmal über Rache gesprochen, jetzt auch wieder. Nein, lass uns nehmen, da waren es nur noch zwei. Johannes Vorschlag finde ich ganz toll. als quasi der Abzellreim. Aber wir müssen es nicht auf Rache begrenzen, sondern grundsätzlich irgendjemand geht verloren und am Schluss irgendeine Liste wird abgehakt. Irgendeine Liste wird abgehakt. Es müssen nicht mal Menschen sterben. Es müssen einfach Punkte von der Liste abgehakt werden oder Menschen verloren gehen. Irgendwas wird dezimiert.
Johannes Franke: Ich habe mich versucht, da ein bisschen drauf zu... Einzuschießen auf dieses tatsächlich Menschengenfall verschickt. Und ich hätte, bin ich dran? Ja, doch, ich bin dran. Ja, du bist dran. Ah, fuck. Ich nehme einfach den Tarantino und ich kann mich nicht entscheiden zwischen Reservoir Dogs und The Hateful Eight. Ich würde vielleicht... The Hateful Eight, ja. Wo sie in der Hütte dann nach und nach... versuchen herauszufinden, wer ist hier der Bösewicht eigentlich und was wird hier eigentlich gespielt und dann versuchen sie sich da gegenseitig zu dezimieren, um die Überhand zu halten. Und schön langsam erzählt, finde ich. Also das hat mir schon gefallen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Das war ein echt guter Film. Und erstaunlich, wie viel man mit, was war das nochmal, mit was er gedreht hat, so Tarantino der Film, der sagt... Aber die Filme müssen dann auf jeden Fall in diesem Format und auch so gezeigt werden, nur analog.
Johannes Franke: Ja, genau. Irgendein absurdes Format. Und dann macht er damit ein Kammerspiel? Ja, genau.
Florian Bayer: Und es ist trotzdem extrem gut.
Johannes Franke: Ja. Haben wir auch drüber geredet, ne? Über Hateful Age. Ja. Recht lange. Hört euch das gerne an.
Florian Bayer: Mein Platz 3, mein liebster Werner Herzog-Klaus-Kinski-Film, Agiere, der Zorn Gottes. Sie fahren aus dem Jahr 1972, sie fahren durch den Regenwald, so ein paar Missionare. Die böses Zeug im Dschungel vorhaben und dann werden sie Opfer des Dschungels und nach und nach werden es immer weniger, bis am Schluss der Agierer eigentlich als letzter auf dem Boot steht, nachdem er alle verloren hat. und sagt, ich bin der Zorn Gottes. Klaus Kinski vielleicht seine besten Rolle. Krass.
Johannes Franke: auf Platz 2 Alien. Fand ich dann doch ganz gut, muss ich sagen. Irgendwie so Ich weiß gar nicht mehr, wie ich im Gespräch darauf zu sprechen war.
Florian Bayer: Nein, du warst ganz schön hart mit ihm. Ich war teilweise recht hart.
Johannes Franke: Ich war echt sauer auf dich, weil ich finde, der Film ist nah an der Perfektion. Oh, ja, okay, das hat mich vielleicht provoziert. Wenn du sagst Perfektion, dann muss ich sagen, letzter Schrott. Aber ich muss sagen, so als Film, der nach und nach Leute wegbrechen lässt, die alle nicht mehr helfen können... Weil einfach dieses Alien in der Gegend rumrennt und jeder, einer nach dem anderen, fällt halt dem zum Opfer, dem Problem. Dem Problem Bären.
Florian Bayer: Wir haben ein Problem-Alien auf dem Schiff.
Johannes Franke: Und dann ist halt am Ende noch Ripley übrig. Und der Kater.
Florian Bayer: Und beide schaffen es auch raus. Aber der Kater stirbt, glaube ich, auf dem Heimflug.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Teil 2. Spoiler.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Mein Platz zwei, im wahrsten Sinne des Wortes, da waren es nur noch zwei, weil so viele sind es gar nicht, lohnt ja Angst aus dem Jahr 1953. Sie fahren so fährt los. Ich habe auch auf Platz eins. Es sind nur noch zwei, wenn du großartig bist. Das gibt es ja wohl nicht. Großartig, ja. Sie fahren los, sie müssen Dynamit transportieren, um ein Feuer zu löschen und es ist einfach mal ein Actionfilm ohne Action und ohne Spektakel.
Johannes Franke: Es ist so krass. Du warst von dem ersten Teil ein bisschen verstört, weil der erste Teil so wahnsinnig lange ist, wo sie noch nicht losfahren. Ja. Ich fand den auch ganz gut, aber du warst ein bisschen, vor allem, weil ich den zweiten Teil so prägnanten Erinnerungen hatte. Ja, ja, ja. Und der zweite Teil ist halt wirklich, wie die echt furchtbar nervös diese Autos da lang manövrieren. Möglichst nicht viel Erschütterung ins Auto bringen, damit das Nitroglycerin da hinten nicht explodiert, Und dann müssen sie das irgendwie dorthin schaffen. Und es kann jederzeit in die Luft gehen. Und der eine geht ja auch in die Luft und dann versucht er das noch irgendwie. Und ganz am Ende ist ein absurder, fieser, zynischer Tod eigentlich.
Florian Bayer: Ja. Großartiger Film aus dem Jahr 1953. Wir haben lange drüber geredet. Hört es euch an.
Johannes Franke: Und guckt euch den Film an.
Florian Bayer: Und guckt euch den Film an. Mein Platz 1, sie sterben nach und nach die sieben Samurai von Akira Kurosawa. Den ich dir vielleicht auch mal irgendwann geben muss. Klassiker des Jidae Geki. Nicht Jidae Geki.
Johannes Franke: Nicht Jidae Geki. Japan.
Florian Bayer: Okay, okay, okay. Aus dem Jahre 1954, als die Welt des japanischen Kinos noch in Ordnung war und es noch keine Pink Movies gab und noch nicht so viel Exploitation.
Johannes Franke: Okay. Schöne Liste. Vielen Dank. Dann lass uns doch rübergehen zu Lady Snowblood.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Und eigentlich haben wir schon gefazitet, oder? Haben wir noch irgendwas, was zu sagen wäre?
Florian Bayer: Ich liebe diesen Film. Ich finde, das ist ein richtig, richtig, richtig guter Film. Und tatsächlich, Martial Arts oder Schwerkampffilme sind auch nicht mein Genre, ne? Also ich bin echt kein großer Fan von japanischen Kampffilmen, egal ob mit Waffe oder mit Händen gekämpft wird. Dieser Film kriegt mich total.
Johannes Franke: Krass, ne? Also ich muss sagen, mich kriegt dieser Film oft genug, dass ich ihn weiter gucken möchte. Und es ist mich interessiert, weil wie wahrscheinlich jeder gute Martial-Arts-Film, das Ding nicht nur rein Martial-Arts ist, sondern es könntest du auch... ein Let's Play von einem Videospiel gucken, sondern es ist halt noch mehr. Es ist Geschichte drin, es passieren viele Interessante Ideen, die da verarbeitet werden und viele visuelle Experimente, die da einfach passieren. Und auch spannend zu sehen, was Tarantino einfach daraus übernommen hat. Was ich noch gar nicht gefragt habe, wie stehst du dazu? Dass Tarantino das so massiv übernimmt und das Hommage nennt oder vielleicht gar nicht erst benennt, damit er nichts benennen muss. Und ist das gut oder ist das blöde, das wirklich daraus zu reißen und seine eigene Ästhetik hineinzustellen?
Florian Bayer: Absolut. Das ist ein schmaler Grat zwischen Hommage und Plagiat. Und gerade jetzt, wenn man den nochmal guckt, vielleicht tritt Tarantino manchmal drüber.
Johannes Franke: Dieser Film existiert schon. Warum muss man ihn nochmal machen? Die Frage ist aber auch, und ich glaube, er tritt ab und zu drüber, aber ich habe kein großes Problem damit. weil ich dann doch eher auf der Seite bin, zu sagen, das Ding ist aus den 70ern. Du nimmst den Leuten nicht mehr viel weg und es ist Auch in den 90ern, naja gut, in den 90ern, die 70er zu plagiieren, ist vielleicht nochmal eine andere Nummer. Aber ich weiß nicht, wann war Kill Bill?
Florian Bayer: 2000.
Johannes Franke: 2000, also ein späteres, okay.
Florian Bayer: Was ich ganz wesentlich finde, ich glaube, er nimmt ihnen nicht was weg, sondern schenkt ihnen was, weil ich hätte diesen Film ohne Kirbel nicht gesehen.
Johannes Franke: Ich finde das ein schlechtes Argument.
Florian Bayer: Findest du?
Johannes Franke: Ich finde es ein schlechtes Argument zu sagen, das ist wie mit Künstlern, die angefragt werden, kannst du bei uns im Hotel auftreten? Du kriegst dabei irgendwie einen Shoutout auf Social Media und du kriegst Publikum. statt Geld. Und man denkt, der Künstler braucht Geld, nicht nur Publikum. Und das ist doch bescheuert.
Florian Bayer: Ich finde, der Vergleich hängt. Der ist schief. Es ist eher so, wenn eine große Band wie, keine Ahnung, die Rolling Stones deinen kleinen Songwriter-Song, den du in der Garage geschrieben hast, covern. Das ist einfach eine Ehre. Und ich glaube, niemand würde dann sagen, die Schweine, die haben mir meinen Song weggenommen.
Johannes Franke: Ja. Ja doch, das sagen die dann schon, weil der Credit nicht gegeben ist ordentlich und dann müssen sie aufmerksam drauf machen, damit sie ihre Aufmerksamkeit kriegen dafür. Tarantino hat ja offenbar nicht so wahnsinnig viel darüber gesprochen, dass dieser Film die Vorlage ist. Wäre vielleicht nett gewesen.
Florian Bayer: Tarantino spricht ja viel über die alten Filme, die er mag. Das stimmt. Und Tarantino ist dabei irgendwie sowas wie ein... Ein Eingangstor für klassische B-Movies, für klassische Exploitation-Filme. Auf die die Leute ohne ihn nicht stoßen würden. Und das hat einen Wert.
Johannes Franke: viel mehr darin, das zu nehmen, weiterzuentwickeln. Ideen kannst du nicht klauen. Ideen kannst du nur nehmen und weiterbauen. Aber solange er nicht das komplett so nimmt und nur seinen Namen draufhaut, sondern dass er eine Eigenleistung bringt... Und Kill Bill hat eine Eigenleistung. Und es ist in Ordnung.
Florian Bayer: Und Tarantino, ich meine, wir reden ja auch von der Filmwelt, Tarantino macht seine Plagiate so offensichtlich, dass es jeder erkennt. Ja, das stimmt auch wieder. Also wenn du diesen Film gesehen hast und Kill Bill gesehen hast, du weißt direkt, welche Szenen eins zu eins dieselbe Einstellung haben. Das ist wirklich krass. Es gibt wirklich einige Momente, wo du denkst, es ist genau so in Kilbil gewandert.
Johannes Franke: Das ist schön, wenn man sowas so liebt und so. Warum nicht? Ich finde es in Ordnung, weil es auch niemandem wirklich was wegnimmt. Und das ist okay.
Florian Bayer: Aber guckt euch mir solche Filme an. Ja, gerade wenn ihr auf diese popkulturelle Verarbeitung, auf den Remix von Tarantino steht, schaut euch auch die die Originale an. Sie sind es wert, entdeckt zu werden. Und gerade so ein Film, haben wir ja jetzt festgestellt, kann einem auch mehr geben und zeigt auch, wo der Pop von Kilpel... seinen Ursprung in was hat, was doch ein bisschen mehr ernsthaftere nachdenklichere Filmkunst ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Johannes, danke, dass du diesen Film geguckt hast.
Johannes Franke: Ja, danke, dass du ihn vorgeschlagen hast. komplettiert nur ein bisschen mein Filmwissen auch in Richtung Asien und so, was ja auch immer ein bisschen peinlich ist, wenn man eigentlich, wenn man nach seinen Lieblingsfilmen gefragt wird, immer nur sagen kann, Ja, Hollywood.
Florian Bayer: Das tust du nicht. Das war jetzt eine sehr schräge Selbstcharakterisierung.
Johannes Franke: What the fuck? Du machst einen Filmpodcast. Aber so fühle ich mich manchmal. Und ich bin froh, dass du meinen Horizont erweiterst. Und dafür ist der Podcast ja da. Vielen Dank.
Florian Bayer: Danke dir und danke euch fürs Zuhören, wie immer.
Johannes Franke: Ja, wie immer. Ihr seid großartig sehr dabei und wir haben immer wieder tolle... Fragen, die wir auch gestellt bekommen und da möchten wir euch ermuntern, denn wir haben unsere 300. Episode vor uns. Also da sind noch 13 davor, aber... Schickt uns Fragen, schickt uns Gedanken, die ihr zu uns habt und fragt mal wieder, warum seid ihr so woke?
Florian Bayer: Ja, und warum kann Plur das Wort Szene nicht aussprechen? Mühe gibst. Es ist so süß. Ja, es bringt mich komplett raus. Wer auch immer das zum ersten Mal gesagt hat, ich hasse dich. Ich habe gesagt, ich bin kein Nachtragender und rachesüchtiger Mensch. Aber ich werde dich finden und ich werde dir so oft das Wort Szene sagen, bis du um Hilfe schreist.
Johannes Franke: I will find you and I will kill you. Okay, schön. Na dann, wir wünschen euch noch eine ganz wundervolle Woche. Wenn ihr wissen wollt, was es nächste Woche gibt zu besprechen, dann bleibt doch einfach noch Und dann hört euch den Jingle an und dann findet ihr raus, was es nächste Woche gibt.
Florian Bayer: Johannes macht den Vorschlag für nächste Woche. Ich bin auch schon sehr gespannt.
Johannes Franke: Oh, stimmt. Fuck. Muss ich mal so überlegen. Gut, bis gleich. Bis gleich. Ciao. Ciao. So, da ist doch noch was.
Florian Bayer: Ja, was hast du denn für mich?
Johannes Franke: Ich habe für dich Who Framed Roger Rabbit. Ja! Aus dem Jahre 1988. Ich hätte gedacht, das ist irgendwann ein 90er gewesen, aber nein, es war 88. Ist echt schon eine ganze Weile her. Live-Action gepaart mit Animation, klassischer Zeichentrick-Animation. Habe ich in Erinnerung als einer der wirklich großen Blogs? Bastard der 80er Jahre, der mir unglaublich viel Spaß gemacht hat. Volle Kanne. Richtig, richtig gut. Directed by Robert Zemeckis. Und ganz tolle Leute dabei vor der Kamera, muss man sagen. Namentlich vor allem Roger Rabbit. Bob Hoskins als krummeliger Privatdetektiv, der zwischen den Cartoonfiguren rumläuft. Christopher Lloyd ist dabei. Bösewicht. Ja, großartig. Ich bin sehr gespannt. Ich freue mich drauf. Schön. Ja, endlich machen wir das, weil mir wurde gesagt, dass wir seit Episode 30 darüber reden, dass wir Who Framed Watcher Rabbit machen wollen. Und jetzt endlich 200 Episoden mehr. Endlich schaffen wir es. Machen wir es endlich. Ich freue mich drauf.
Florian Bayer: Ja, ich mich auch.
Johannes Franke: Dann schaut euch doch nochmal den Film an. Who Framed Roger Rabbit auf Deutsch? Falsches Spiel mit Roger Rabbit. Ah, okay. Falsches Spiel mit Roger Rabbit. Schaut ihn nochmal an und wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin. Ciao. Ciao.
