Episode 297: Lola rennt – Mit 140 BPM durchs Berlin der 90er Jahre
Lola rennt. Warum? Weil sie es eilig hat. Warum hat sie es eilig? Weil ihr Freund Manni Mist gebaut hat. Der Kleinkriminelle sollte für seinen Boss, den Hehler Ronnie, 100.000 Mark nach Berlin bringen und hat sie ausversehen in der U-Bahn liegen gelassen. Und jetzt ist die Kacke am Dampfen. Wenn er nicht irgendeine Möglichkeit findet, Ronnie in den nächsten 20 Minuten das Geld zu beschaffen, ist er dran. Sein Plan, einen Supermarkt um die Ecke überfallen. Lola sagt: “Warte, mir fällt schon was ein. Mir fällt immer was ein.” Und sie rennt los. Quer durch Berlin, um das Geld aufzutreiben und rechtzeitig bei Mann zu sein, bevor er was anstellt. Ihr Plan: Bei ihrem Vater, der Filialleiter in einer Bank ist, um das Geld zu bitten. Der hat jedoch andere Sorgen. Seine Affäre hat ihm gerade gesagt, dass sie schwanger ist. Und so versagt er Lola nicht nur die Hilfe, sondern lässt sie auch gleich rauswerfen. Lola hat die 100.000 Mark nicht, kommt zu spät, und muss mit ansehen, wie Manni den Supermarkt überfällt. Auf der gemeinsamen Flucht vor der Polizei wird Lola von einer Kugel getroffen, fällt und stirbt.
Und nun? Rewind, wie die Battle Rapper sagen würden. Zurück auf Anfang, den Beat von vorne abgespielt und erneut losgerannt. Lola erhält vom Schicksal eine zweite Chance, einen zweiten Lauf. Und ganz nach dem klassichen Butterfly Effect führen geringe Veränderungen in der Handlung zu weitreichenden Folgen.
Lola rennt von Tom Tykwer aus dem Jahr 1998, ein schneller, wilder, auf 90er Jahre Beats abgestimmter Trip. Dreimal 20 Minuten, drei Läufe, drei unterschiedliche Schicksalswege. Inszeniert in 35mm, und digital Video, und Polaroids, und Zeichentrickanimation: Wild ungezügelt, Videoclipästhetik trifft Arthaus trifft Actionkino und lässt sein Publikum atemlos zurück.
Johannes, du kennst auch das Berlin der späten 90er und frühen 2000er. Was glaubst du, wie war Strecke du hier zu Fuß zurückgelegt hast? Und vor allem, hast du deine Fußwege hier ähnlich wahrgenommen wie Lola in ihrem Marathonlauf?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 297: Lola rennt – Mit 140 BPM durchs Berlin der 90er Jahre Publishing Date: 2026-09-09T08:57:07+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/09/09/episode-297-lola-rennt-mit-140-bpm-durchs-berlin-der-90er-jahre/
Johannes Franke: Lola weiß irgendwann, wie sie mit der Waffe umgehen muss.
Florian Bayer: Aber sie weiß nicht, woher sie es weiß. Das ist eine gute Frage. Was dagegen spricht, dass sie irgendwas weiß, dass sie aus einer anderen Realität kommt, ist ja allein die Tatsache, dass sie dreimal zum selben Arschloch läuft. Der Mensch. Die wohl geheimnisvollste Spezies unseres Planeten. Ein Mysterium offener Fragen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Woher wissen wir, was wir zu wissen glauben? Wieso glauben wir überhaupt etwas, Johannes? Sag mal. Unzählige Fragen, die nach einer Antwort suchen. Eine Antwort, die wieder die nächste Frage aufwerfen wird und die nächste Antwort wieder die nächste Frage und so weiter und so weiter. Doch ist es am Ende nicht immer wieder die gleiche Frage und wieder die gleiche Antwort? Der Mensch.
Johannes Franke: Was umtreibt ihn, einen Podcast zu machen? sagen zu können, dass dieser Film am Anfang doch ein bisschen wie aus dem Hirn eines 16-Jährigen klingt. Lass uns heute über den Film Lola Rent reden.
Florian Bayer: Aus dem Jahre 1998 von Tom Tück war mein Vorschlag.
Johannes Franke: Und Plur hat die mir gegeben und ich war ganz froh, dass du mir nicht irgendwas Russisches mit japanischen Untertiteln gegeben hast.
Florian Bayer: Ja, was ich sonst sehr gerne mache.
Johannes Franke: Ja, und Lola Rent ist auch als deutscher Beitrag durchaus eine Seltenheit bei uns im Podcast, was ein bisschen sträflich ist.
Florian Bayer: Ja, leider. Und eigentlich gehört er ja zu den großen deutschen Kultfilmen, wenn man so über die Jahrzehnte guckt und man denkt so, großer deutscher Film aus den 90ern.
Johannes Franke: Der bewegte Mann.
Florian Bayer: Genau. Dann denkt man entweder an Sönke Wortmann oder an Lola Rendt. Das sind die beiden Sachen, die in Frage kommen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ja, ich hoffe, ihr habt den Film auch gesehen. Wir werden nämlich gleich die Hölle aus diesem Film herausreulern. Wenn nicht, schaltet jetzt aus, guckt euch den Film erstmal an. Es sind schlanke 70 Minuten. Kann man schnell weggucken?
Johannes Franke: Es ist wirklich krass. Ich saß danach da und dachte mir, hä, nur 70 Minuten? Was ist denn los? Erfrischend gut, kurz.
Florian Bayer: Ja, aber ansonsten würde ich jetzt einmal kurz erzählen, worum es geht, damit alle wieder drin sind. Lola rennt. Warum? Weil sie es eilig hat. Warum hat sie es eilig? Weil ihr Freund Money Mist gebaut hat. Der kleine Kriminelle sollte für seinen Boss, den Heeler Ronny, 100.000 Mark nach Berlin bringen ... Und hat sie aus Versehen in der U-Bahn liegen lassen. Und jetzt ist die Kacke am Dampfen. Wenn er nicht irgendeine Möglichkeit findet, Ronny in den nächsten 20 Minuten das Geld zu beschaffen, ist er dran. Sein Plan? Einen Supermarkt um die Ecke überfallen. Lula sagt, warte, mir fällt schon was ein. Mir fällt immer was ein. Und sie rennt los. Quer durch Berlin, um das Geld aufzutreiben und rechtzeitig bei Manni zu sein, bevor ihr was anstellt. Ihr Plan? Bei ihrem Vater, der Filialleiter einer Bank ist, um das Geld bitten. Der hat jedoch andere Sorgen. Seine Affäre hat ihm gerade gesagt, dass sie schwanger ist. Und so versagt der Lula nicht nur die Hilfe, sondern lässt sie auch noch gleich rauswerfen. Lola hat die 100.000 Mark nicht, kommt zu spät und muss mit ansehen, wie Manni den Supermarkt überfällt. Auf der gemeinsamen Flucht vor der Polizei wird Lola von einer Kugel getroffen, fällt und stirbt. Und nun? Rewind, wie die Battle-Rapper sagen würden. Zurück auf Anfang, den Beat von vorne abgespielt und erneut losgerannt. Lola erhält vom Schicksal eine zweite Chance, einen zweiten Lauf. Und ganz nach dem klassischen Butterfly-Effekt führen geringe Veränderungen in der Handlung zu weitreichenden Folgen. Lola Rent von Tom Tück war aus dem Jahr 1998. Ein schneller, wilder, auf 90er Jahre Beats abgestimmter Trip. 3x20 Minuten, 3 Läufe, 3 unterschiedliche Schicksalswege. Inszeniert in 35mm. Und Digital Video. Und Polaroids. Und Zeichentrick-Animationen. Wild, ungezügelt, Videoclip-Ästhetik trifft Arthouse, trifft Actionkino und lässt sein Publikum atemlos zurück. Johannes. Du kennst auch das Berlin der späten 90er und frühen 2000er. Was glaubst du? Wie war die Strecke, die du damals hier zu Fuß zurückgelegt hast? Und vor allem, hast du deine Fußwege ähnlich wahrgenommen wie Lola in ihrem Marathonlauf?
Johannes Franke: Wie hat sie sie wahrgenommen? Moment, wie hat sie ihre Fußwege wahrgenommen? Als völlig irreal, weil man nicht von der Oberbaumbrücke mal eben zum Gendarmenmarkt kommt?
Florian Bayer: Full Disclosure, wir sind Berliner. Wir sind beide keine Autofahrer, wir sind in Berlin unterwegs. Sowohl zu Fuß, als auch mit Rad, als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Du hast mittlerweile auch einen E-Roller, ne? Ja, ja, ja. Das heißt, wir kennen die Straßen von Berlin und nein.
Johannes Franke: Keine Chance. Diesen Weg kriegt keiner hin. Aber es war schön zu sehen, meine alte Heimat, die Oberbaumbrücke zu sehen, die wirklich in jedem Hollywood-Film, der in Berlin spielt, vorkommt.
Florian Bayer: Das ist einfach das große Symbol des geeinten Berlin, vor allem des jung geeinten Berlins. Der Übergang zwischen Ost und West, der plötzlich offen war, über den man einfach drüber gehen konnte.
Johannes Franke: Diese Stelle, ja? Ich weiß es gar nicht mehr genau.
Florian Bayer: Deswegen haben doch die Friedrichshainer und Kreuzberger eine Zeit lang jährlich, um die Einheit zu feiern, auf der Oberbaumbrücke ihre Essensversorgung. Schlacht gemacht.
Johannes Franke: Ach, deswegen war das.
Florian Bayer: Bis das untersagt wurde.
Johannes Franke: Ja, das war scheiße. Das war so gut.
Florian Bayer: Einmal im Jahr haben sich Friedrichshainer und Kreuzberger getroffen, haben die Einheit gefeiert, indem sie mit Tomaten und Eiern aufeinander geworfen haben.
Johannes Franke: Geil. Sehr, sehr schöne Zeiten. Und ich mochte die Oberbahnbrücke immer sehr und natürlich wird sie immer benutzt, wenn es irgendwo um Film geht, wenn es Berlin spielt. Und Tom Tücker, keine Ausnahme, der nimmt sich natürlich das Ding vor allem auch für die große, wichtige... Aufnahme, wo man sie in full frontal sozusagen in all ihrer Verzweiflung sieht, wie sie da lang rennt. Da ist die Oberbaumbrücke wirklich sehr gut geeignet.
Florian Bayer: Aber es ist ja nicht nur die Oberbaumbrücke, die wir haben. Wir haben diverse Berliner Orte und wie wir schon festgestellt haben, es passt nicht zusammen, weil sie ist mal in Friedrichshain unterwegs, mal in Kreuzberg, mal in Mitte. Und dann ist sie plötzlich irgendwo in Charlottenburg und du guckst so drauf und sagst als Berliner, ja, wir legen große Fußwege zurück. Menschen, die aus anderen Großstädten kommen, sind immer total schockiert, wie weit diese Wege in Berlin sind.
Johannes Franke: Vor allem schockiert, wenn man sagt, ja, ist direkt um die Erde, nur eine halbe Stunde laufen. Und ihr so, was, was, du willst eine halbe Stunde laufen? Ja, natürlich.
Florian Bayer: Das ist geil, vor allem, wenn es Leute sind aus anderen Großstädten, so Hamburg oder Köln oder so. Die kennen das nicht, das ist alles sehr zentral, das ist alles schön, da gibt es einen inneren Stadtkern und da ist alles drumherum irgendwie...
Johannes Franke: Da bist du eine halbe Stunde in der Straßenbahn unterwegs und hast komplett von einem Ende der Stadt zum anderen Ende der Stadt alles durchgemacht. Ja. Also selbst so Städte wie Leipzig.
Florian Bayer: Absolut. Und Berlin ist aber halt als Millionenstadt auch irgendwie aus davon entstanden und das merkt man noch. Und das merkt man natürlich auch in diesem Film. dass man sehr viele verschiedene Ecken hat und das ist mit ein Grund, warum ich Berlin so liebe. Berlin ist unglaublich divers, einfach sowohl von der Architektur als auch von den Menschen, als auch von den generellen Vibes. Also es ist einfach, wenn du in, keine Ahnung, Köpenick bist, ist es was Komplexes. Komplett anderes, als wenn du in Kreuzberg rumläufst.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Wedding sieht anders aus als Spandau und es hat alles irgendwie so seinen eigenen Flair.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, wenn ich umziehe innerhalb von Berlin und von einem Bezirk in den anderen umziehe, ziehen muss, weil es keine Möglichkeit gibt, eine bezahlbare Wohnung in Friedrichstein zu bekommen. Dann blutet einem das Herz und nach drei Wochen denkt man, ja, Der neue Kiez, das ist mein Kiez. Ja. Ich fühle mich hier so wohl. Vorher hätte man nie geglaubt, dass man im anderen Kiez irgendwie wohnen könnte. Und dann geht es plötzlich, vor drei Wochen denkst du, ja, alles gut. Es gibt wirklich das extreme Phänomen des Berliner Lokalpatriotismus.
Florian Bayer: Die Leute lieben ihre Kieze und würden für ihre Kieze sterben.
Johannes Franke: Das ist total krass. Es gibt noch ein, zwei Kieze, wo ich nicht hinziehen möchte.
Florian Bayer: Ja, aber warte mal, wenn du da leben würdest.
Johannes Franke: Ja, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Und jetzt nennen sie einmal bitte.
Johannes Franke: Nein, das ist fies.
Florian Bayer: Jeder Berliner hat das Wort Spandau im Kopf.
Johannes Franke: Ja. Wedding vielleicht noch. Kommt drauf an, welche Gegend von Wedding.
Florian Bayer: Wedding würde ich auch.
Johannes Franke: Je nachdem, welche Gegend von Wedding. Aber wir haben uns Wohnungen in Wedding angeschaut und da haben wir gedacht, um Gottes Willen, auf gar keinen Fall.
Florian Bayer: Also ich habe mir Anfang der 2000er Wohnungen in Wedding angeschaut, da fand ich es auch ziemlich hart, also auch so echt so ziemlich heruntergekommen. Ich glaube, das ist jetzt ein bisschen anders, weil Wedding ist ähnlich wie viele andere Stadtteile auch nicht so ganz an der Gentrifizierung vorbeigekommen.
Johannes Franke: Ja, aber es gibt immer noch Bereiche, wo man sagt, ich bin öfter im Wedding, deswegen weiß ich das so. Ich muss da leider wegen Arbeit immer mal wieder hin.
Florian Bayer: Sorry, ihr müsst uns kurz ein bisschen über Berlin labern hören. Johannes, Top 3 Spots in Berlin. Top 3 Kieze, Top 3 Viertel.
Johannes Franke: Friedrichshain natürlich. Auch wenn sich Friedrichshain verändert hat. Ich finde Friedrichshain, ich gehe da immer noch wahnsinnig gern hin, aber es hat was damit zu tun, dass ich da einfach über zehn Jahre gewohnt habe. Und dass man deswegen auch eine Verbindung dazu hat. Und natürlich hat sich das verändert und man will nicht zu den alten Leuten gehören, die sagen, damals war es viel besser und jetzt sind es ja nur noch scheiße. Aber das stimmt ja eigentlich auch nicht. Es gibt ja immer noch Leute, die da wohnen, die einfach ganz normal da wohnen und gut ist.
Florian Bayer: Es hat sich alles so ein bisschen verschoben. Also ich finde, ums Ostkreuz rum ist total krass, was passiert ist, wo du diese ganzen Eigentumswohnungen hast. Das stimmt, ja. wirklich schicken Neubauten, die da hochgezogen wurden. Proxy, finde ich, sieht tatsächlich noch ziemlich aus wie damals.
Johannes Franke: Ja, absolut, absolut. Ich mag auch den Flohmarkt immer noch. Ich
Florian Bayer: Ich gehe total gerne zu dem Flohmarkt am Boxy, auch wenn ich mir meistens nichts kaufe, aber da einfach einmal so ein bisschen drüber zu flanieren, total schön. Ich mag Kreuzberg tatsächlich auch, also auch so die Ecke... So ein bisschen nördlich vom Girlie. Liegt auch daran, dass ich da relativ viel unterwegs bin, weil ich da in der Ecke arbeite. Ich kann aber auch Lichtenberg sehr viel abgewinnen. Ich finde, Lichtenberg hat so einen eigenen, ich wohne in Lichtenberg.
Johannes Franke: Deswegen.
Florian Bayer: So einen eigenen Altost-Charme, der sich irgendwie erhalten hat.
Johannes Franke: Aber Altost und Charme ist doch manchmal eine schwierige Kombination als Wort.
Florian Bayer: Ich war damals sehr stolz auf mein, als ich kurz, als ich noch nicht so lange in Lichtenberg gewohnt habe, habe ich gepostet ein Bild von einer, von so einer typischen Grillhähnchentüte, wie man sie kennt. Und zwar, weil da die Van Tantren waren, die ich beim Asiaten geholt habe. Und ich finde, das ist so ein bisschen Lichtenberg in a nutshell. Bantan vom Asiaten, die wirklich gut sind, in einer Hähnchentüte.
Johannes Franke: Ach, wie süß. Ja, also ich meine, ich bin aus dem ehemaligen Osten. Also ich bin eigentlich aus Leipzig und so. Also wenn ich sage, der Ostcharme, das ist eine... Eine Wortkombination, die ich schwierig finde, dann liegt das an meiner Herkunft auch ein bisschen. Aber nicht.
Florian Bayer: Gutenberg hat sehr viel von Leipzig und Leipzig ist auch eine sehr schöne Stadt.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Ich mag Leipzig sehr. Ich glaube, wenn ich nicht in Berlin leben würde, Leipzig würde auf jeden Fall so einen Topf haben. Keif sein der deutschen Städte, in denen ich mir vorstellen könnte zu leben.
Johannes Franke: Willkommen beim Laber-Podcast. Wir haben keine Themen vorbereitet. Lola Rent, was ist das für ein Film? Keine Ahnung, mir egal. Wir reden weiter über Berlin.
Florian Bayer: Berlin, in dem Tom Tick, der seit 1988 lebt, da hat er im Movimento Filmtheater gearbeitet in Kreuzberg. Das ist so schön, man liest hier so viel Sachen.
Johannes Franke: die man kennt als Berliner. Und das Movimento ist legendär. Also das ist wirklich ein krass traditionsreiches, altes, linkes Kino.
Florian Bayer: Absoluter Cineastentreff, da laufen die Russischen Ja, ja. Stefan Arndt, Dani Levy und Wolfgang Belkar, mit denen er 1994 X-Filme Creative Pool gegründet hat.
Johannes Franke: Oder kurz X-Filme.
Florian Bayer: Eine Filmproduktionsbutze, die so ein bisschen nach dem Vorbild von United Artists 100 Jahre früher, nicht ganz 100 Jahre früher, 80 Jahre früher funktionierte und zwar mit dem Ziel, dass Filmschaffende... einen Ort haben, wo sie sich austoben können, wo sie nicht diesen Stress und nicht diesen Druck haben vom Studiosystem und von Filmförderung. Was witzig ist, weil die haben natürlich alle Filmförderung irgendwie gekriegt in einer Form und es sollte halt einfach was sein von Filmschaffenden für Filmschaffende, kreative Freiheit. intelligente Filme, originelle Filme. Das war das Ziel.
Johannes Franke: Ohne jetzt wirklich drin zu sein bei den Strukturen, bei X-Filmen und so. Von außen betrachtet, jetzt so, naja, halb außen, weil ich ja Schauspieler bin und mit denen auch zu tun hatte. Von außen betrachtet sind das coole Säcke. Ja, das sind tolle, kreative Leute. Ob die nun wirklich, außer dieses ganzen Kosmos leben können, was sie eigentlich gerne gehabt hätten, dass sie eben als Kreative selber ihre Produktionsschmiede sind, das glaube ich nicht.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Es ist am Ende eine Produktionsfirma.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Bums aus.
Florian Bayer: Das sieht man ja auch, wenn man sich anguckt, was die außer Lola Renz sonst noch produziert haben. Ja, am Anfang ihre Arthouse-Filme gemacht und auch wirklich ihre originellen Filme. Aber die haben auch sowas gemacht und komplett wertneutral, weil das sind teilweise Filme, die ich auch wirklich mag. Die haben auch sowas gemacht wie absolute Giganten, was einfach so eine typische End-90er-Komödie ist. Die haben sowas gemacht wie Goodbye Lenin, der ein riesen Publikum sagt. Erfolg war. Die haben sowas gemacht wie Mein Führer, die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler. Sprich, Die haben Publikumsfilme produziert. Die haben nicht nur die absolut schrägen Experimentalwerke gemacht.
Johannes Franke: Aber es ist schon so, dass man das Gefühl hat, dass die ein Händchen dafür haben, auch die interessanten Ideen rauszufischen aus dem großen Meer.
Florian Bayer: Ja, ja. Aber sie hatten ganz schön Struggle, weil sie am Anfang eben nicht die Publikumshits gemacht haben, sondern sie haben natürlich erst mal ihre Filme produziert. Sprich Wolfgang Beckers, das Leben ist eine Bauspille und Tück war es Winterschläfer. Und die haben dafür ordentlich Geld in die Hand genommen. Dann mussten sie noch mehr Geld in die Hand nehmen, weil ich meine, die waren neu im Business. Das heißt, die hatten nicht so ein Gespür dafür, wie viel Geld... Wie man richtig gut mit dem Geld jongliert und sie waren kurz vor der Pleite. Zumindest, wenn man Tom Tykwer glaubt. Der hat es sehr dramatisch ausgedrückt.
Johannes Franke: Ja, Tom Tykwer ist auch... Einer, der gerne dramatisch ausdrückt. Aber es stimmt natürlich. Und die waren auch relativ jung, muss man sagen. Tom Tücker war auch irgendwie knapp über 30. Also die haben jetzt nicht so wahnsinnig viel, beziehungsweise 95, als sie es gegründet haben oder 94, war er ja gerade erst 30. Also 65 ist er geboren.
Florian Bayer: Ja, da waren noch ältere dabei. Also Daniel Lewy war auch relativ jung, aber Wolfgang Becker zum Beispiel, der ist 54 geboren.
Johannes Franke: Okay, 10 Jahre älter, ein bisschen mehr.
Florian Bayer: Aber trotzdem, egal wie alt man ist, wenn man so eine Produktionsfirma für Filme gründet und wenn man eher von der kreativen Seite kommt, dann... gibt es da einfach Stolpersteine, über die man stolpert und die sind auch über diese Stolpersteine gestolpert und Tom Tücker hat gesagt, wir mussten über Lebensfilme drehen.
Johannes Franke: Ja, und der Überlebensfilm war dann im Grunde Lola rennt, die ums Überleben rennt.
Florian Bayer: Genau. Es war eigentlich, also Tom Tück hat gesagt... Wir hatten jetzt eigentlich die Wahl. Entweder wir gehen zur Bank und nehmen noch einen Kredit auf oder wir überfallen die Bank gleich für den nächsten Film. Okay, sie haben dann halt einen Film gedreht über einen Bankraub oder in dem ein Bankraub stattfindet. Aber das war irgendwie klar, sie mussten das Geld rankriegen und es gab irgendwie so ein existenzbedrohendes Momentum in dieser X-Filme-Geschichte.
Johannes Franke: Okay, also ich meine, natürlich fühlt man das erstmal als Lebensbedrohung. Und Lula Rennt hat ja durchaus auch... Gut Förderung bekommen, 600.000 von NRW.
Florian Bayer: Ja, genau, verschiedenes. NRW ist das, die Summe, die wir wissen, das sind 600.000. Und nebenbei hat er noch von Berlin-Brandenburg Filmbord hat er was gekriegt, von der FFA.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und so vom Innenministerium. Also es ist eigentlich so eine typische End-90er-Deutschland-Produktion, wo sich aus verschiedenen Sachen das Geld zusammengesucht wird. Und später für die Distribution sind dann ja auch noch Arte eingestiegen. Und wenn ich mich richtig erinnere, auch... Und Arte sind nicht nur für die Distribution, sondern die sind dann auch als Co-Produzenten mit eingestiegen zusammen mit dem WDR.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das heißt, es war irgendwie, es war so dieser typische Mischmasch aus Förderung. Verschiedene Produzenten, selbst Geld aufgetrieben, zwei Millionen haben sie ungefähr zusammengesucht. haben sie irgendwie sich zusammengeklaubt, wie man das halt so macht bei solchen deutschen Filmen, was immer noch nicht extrem viel ist, aber was dann doch eine ganz okaye Summe ist für einen solchen Film.
Johannes Franke: Also ich habe hier mal auch eine Zahl von 3,5 Millionen Mark gefunden.
Florian Bayer: 2 Millionen Dollar. Ich bin in den USA unterwegs. Wir Filmkenner sprechen nur von Dollar, wenn wir von Produktionskosten reden.
Johannes Franke: Also der Film hat aber auch sein Geld wieder eingespielt. Aber das können wir dann am Ende mal reden. Wie sind die denn überhaupt dann dahin gekommen? Schnell. Schnell. Genau wie der Film läuft. Genau wie der Film.
Florian Bayer: Also Tikva hat gesagt, er hat das Drehbuch so schnell geschrieben wie kein anderes Drehbuch davor. Und er hat das verglichen so ein bisschen mit Winterschläfer, also diese Geschwindigkeit hat die ganze Zeit eine Rolle gespielt, weil Winterschläfer war eher so ein dialoglastiger Jobfilm, eher so ein dramatischer Film, ruhiger Film. Er hat gemeint, das hatte so ein Gefühl von Stagnation und Phlegma und daraus wollten wir ausbrechen. Und das haben sie ja auch irgendwie gemacht. Dann thematisch, inhaltlich und auch in der Produktion. Das Drehbuch hat er unglaublich schnell geschrieben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er hat es unglaublich detailliert geschrieben trotzdem, weil er einfach versucht hat, diesen Rhythmus, also er wollte einen schnellen rhythmischen Film machen, Und er wollte diesen Rhythmus schon auch irgendwie auf den Drehbuchseiten festhalten.
Johannes Franke: Ja, es ist eine sehr, sehr gute Entscheidung, weil dadurch alle Beteiligten irgendwie recht schnell auf derselben Idee schwimmen. Ja. Nur um die Zahl zu nennen, von der ersten Idee bis zum ersten Drehtag vergingen neun Monate.
Florian Bayer: Alter! Das ist wenig Zeit.
Johannes Franke: Das ist extrem wenig Zeit, wenn ich daran denke, dass ich an meinem Drehbuch schon seit acht Jahren schreibe, an meinem einen, was ich da jetzt gerade im Kopf habe.
Florian Bayer: Deine Prokrastination hat damit nichts zu tun. Das ist nochmal ein anderes Thema. Das können wir auch irgendwann nochmal aufrollen.
Johannes Franke: Ja bitte, bitte können wir mich auf die Couch schlägen und mal darüber reden, was da los ist.
Florian Bayer: Machen wir. Vielleicht zur 300. Episode. Okay. Und er hat, natürlich hat er Leute ins Boot geholt, die er kannte. Er hat für die Kamera Frank Riebeff verpflichtet, mit dem er schon sehr viel zusammengearbeitet hat und mit dem er auch danach sehr viel zusammenarbeiten sollte. Er hat das Ding produzieren lassen von X-Filmen, also er hat einfach seine Produktionsbuddies dabei gehabt. Und Franka Potente, die kannte er nicht, die hatte er aber gesehen. Und die hatte er auch so ein bisschen im Kopf.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also und hat irgendwie damals schon beim Schreiben gedacht, die ist es eher. irgendwie. Die ist das für diese Rolle. Er hat visuell angefangen. Er hat ein Bild von einer Frau, die rennt. Und er hatte irgendwie diese Franca Potente im Kopf, die damals noch eine wirklich eine ganz junge Nachwuchsdarstellerin war. Sie hatte nach fünf im Urwald gedreht, was eine wirklich süße Coming-of-Age-Komödie ist. Wirklich schöner 90er Jahre Film.
Johannes Franke: War auch relativ erfolgreich, oder?
Florian Bayer: Ja, halt so. Ja. Der wurde 1995 veröffentlicht, als sie 21 Jahre alt war. Aber Franka Potente und Tom Tikva waren von 1998 bis 2002 zusammen, ne? Ja, die haben sich beim Film kennengelernt, oder? Also ich dachte, das wäre quasi zuerst war der Film, dann war die Beziehung.
Johannes Franke: Eine sehr, sehr gute Frage.
Florian Bayer: Das ist zu viel Gossip.
Johannes Franke: Ja, aber ich meine, der Film muss ja auch ein bisschen in der Postproduktion hängen. Insofern, wenn die 1998 zusammengekommen sind... Dann ist wahrscheinlich, dass sie sich beim Dreh kennengelernt haben.
Florian Bayer: Sie haben sich ziemlich sicher da kennengelernt, weil Frank Capotenta hat damals, als Tom Tück quasi gefragt hat, ob sie Lust hat, das zu spielen, in New York gewohnt. Und sie musste nach Berlin fliegen, um überhaupt dieses Vorgespräch zu haben mit ihm. Es war dann aber ziemlich schnell klar, dass sie dabei ist. Weil Tücker wollte sie einfach haben für die Rolle. Und sie haben einfach kein großes Casting gemacht. Sie waren dann drin. Ja und als zweite große Hauptrolle wurde der damals auch noch junge, aber schon etwas bekanntere Moritz Bleibtreu verpflichtet. Knocking on Heaven's Door hat er ein Jahr früher gemacht. Ein Film mit Til Schweiger. Was es mir sehr schwierig macht, das jetzt zu sagen, was ich jetzt sage.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist kein schlechter Film.
Johannes Franke: Es ist kein schlechter Film.
Florian Bayer: Den habe ich als echt ganz interessanten deutschen Beitrag zum Genre-Kino in Erinnerung.
Johannes Franke: Da war Til Schweiger auch noch nicht Til Schweiger, muss man sagen. Naja, vielleicht.
Florian Bayer: Genau, Moritz bleibt Röschbüte in dem Film ein Gangstar. Tatsächlich hat dieser Film auch so ein bisschen sein Image verfestigt, dass er, wie soll ich es sagen?
Johannes Franke: Na, jetzt bin ich gespannt. Ohne irgendwelche Milieuproblematiken. Vielen Dank.
Florian Bayer: Man sagt ja das K-Wort nicht mehr. Und ich habe vor kurzem gehört, dass man das andere Wort, dass relativ viel gesagt wird.
Johannes Franke: Plur, während du suchst, welches Wort man sagt, möchtest du Tee?
Florian Bayer: Ja, sehr gerne, bitte. dass man das andere Wort eigentlich auch nicht mehr sagen soll, obwohl man das relativ viel hört in der Jugendkultur. Und zwar Tallahon ist das neue Wort, das gesagt wird.
Johannes Franke: Aha, okay.
Florian Bayer: Moritz Bleibtreu, gebürtiger Deutscher, Sohn von Monika Bleibtreu.
Johannes Franke: Die auch in diesem Film auftaucht?
Florian Bayer: Österreichische Eltern, um genau zu sein. Aber so kartoffelig, wie man nur kartoffelig sein kann, macht mit seiner Stimme dasselbe, was Jan Böhmermann bei seinen Rap-Tracks macht. Und man könnte es kulturelle Aneignung nennen. Er klingt sehr türkisch. Das Wort Kanak-Sprache ist auch... Jetzt hast du es auch gesagt, Flor.
Johannes Franke: Warum machst du das?
Florian Bayer: Ich habe es anders gesagt. Und Moritz bleibt treu. Offensichtlich seit Knocking on Heaven's Door muss er das öfter machen. Hier macht er es nicht so viel bei Lula Rent. Ja. Aber offensichtlich sieht er südländisch genug aus, dass er diesen migrantisch geprägten Dialekt oder auch diesen migrantisch geprägten Trialekt, den sich Kartoffeln, die in Kreuzberg groß werden, irgendwann aneignen.
Johannes Franke: dass er den spielen muss. Ich finde hier, also wenn wir gerade bei ihm sind, wir können gar nicht so wahnsinnig viel zu ihm sagen, es sei denn, du hast einen ganzen Vortrag vorbereitet. Weil er ist relativ wenig in diesem Film zu sehen dafür, dass er derjenige ist, um den das Ganze geht. Ich finde ihn ziemlich gut in dieser Telefonzelle, weil er auch wirklich die Dringlichkeit... Sehr, sehr gut in sich trägt. Man spürt richtig, worum es geht und dass das scheiße ist. Obwohl wir nicht so viel erfahren darüber, was eigentlich das Problem ist. Wir erfahren nur, dass er brutalen Typen Geld schuldet. Und das reicht.
Florian Bayer: Ich finde auch, er spielt das mit der richtigen Intensität und es gibt eine Chemie zwischen ihm und Franka Potente. Die ausreicht, um mir glaubhaft zu verkaufen, dass diese Lola alles in Bewegung setzt, um diesen Manni zu retten. Und obwohl ich ihrer Beziehung keine Zukunft gebe.
Johannes Franke: Nicht nachdem er fragt, oh, du bist gerannt. Was ist los, Kleine?
Florian Bayer: Aber er macht das gut. Aber es ist halt das Problem, dass es Moritz Bleibtreu ist und ich habe nichts gegen Moritz Bleibtreu, aber die Deutschen kommen alle zehn Jahre mit einem Schauspieler, wo sie sagen, der ist cool. Der darf jetzt irgendwie so eine Mischung aus Indie-Filmen und Blockbuster-Filmen spielen, also solchen Blockbuster-Filmen, Und dann spielt er ihm noch in zwei Filmen in Amerika mit. Mit dem Ergebnis, dass man diesen Menschen viel zu oft sieht. Und obwohl dieser Mensch ein guter Schauspieler ist, fängt man an ihm irgendwann überdrüssig zu werden. Ende der 90er. Daniel Brühl? Du sagst es. Ende der 90er, Anfang der 2000er, Moritz Bleibtreu. Mitte der 2000er bis Mitte der 2010er, Daniel Brühl. Mitte der 2010er bis Mitte der 2020er, Frederik Lau. Und bei allen dreien tut es mir weh, das zu sagen, weil das alles drei wirklich gute Schauspieler sind. Aber man hat sie dann, ab einem gewissen Punkt hat man das Gefühl, man liest eine Filmankündigung und man weiß schon, diese Person wird da möglich. mitspielen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Die Welt neigt einfach dazu zu sagen, der hat in dem, dem und dem Film funktioniert, also wird er auch hier funktionieren, wir gehen lieber kein Risiko ein, indem wir einen anderen Schauspieler nehmen. Und das ist halt sowohl für Schauspielerscheiße als auch für die Zuschauerscheiße. das System ist irgendwie kacke. Das tut mir halt wirklich weh, weil ich mag
Florian Bayer: Moritz Bleibtreu. Ich finde Moritz Bleibtreu wirkt sympathisch. Total. Ich finde Moritz Bleibtreu spielt seine Rollen echt gut, solider. Und dasselbe gilt für Daniel Brühl und dasselbe gilt auch für Frederik Lau. Bei Frederik Lau, der ist noch nicht ganz so da reingelaufen, weil ich glaube, der ist der Beste von den dreien. Wobei der natürlich auch sehr viel dieses, der Berliner Junge von der Straße spielt und auch so ein bisschen überdehnt. Naja, Genau. Ich finde, Moritz Bleibtreu macht es absolut solide, ist aber natürlich nichts im Vergleich zu dem, was Franka Potente hier abliefert.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Und das in dem Alter, muss ich sagen. Also die hat ne Präsenz, die ich mir mit Anfang 20 nicht zugetraut hätte.
Florian Bayer: Es ist so krass. Und vor allem, sie rennt ja wirklich in diesem Film. Sie rennt wirklich viel. Und das war wohl auch wirklich anstrengend. So im Nachhinein sagt sie, es gab zehn. Ich musste einfach davor rennen. Ich bin da rennend angekommen und bin rein in den Dialog. Krass, ne? Und es ist auch anstrengend.
Johannes Franke: Wahnsinnig anstrengend. Das Geile ist natürlich dann, dass das dadurch komplett rüberkommt, ne? Ja. Du merkst dieser Figur wirklich an, wie erschöpft sie nach einer Weile ist. Wie schlimm das alles ist, da einfach in der Gegend rumzurennen. Ja. Und wie viele Verzweiflungen in ihr drin steckt. Weil es einfach auch körperlich wirklich demanding ist. Ja.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Also es ist schon wirklich gut.
Florian Bayer: Und sie haben ja auch lange ungeschnittene Szenen, wo man sie laufen sieht. Der Kameramann, um jetzt seinen Namen auch einmal zu sagen, Frank Riebe. ist mit dem Motorrad teilweise neben dir her gefahren, weil mit dem Fahrrad hat es nicht geklappt, weil sie zu schnell war.
Johannes Franke: Krass. Sie war schneller als das Fahrrad?
Florian Bayer: Nein, das Ding war einfach, sie haben es nicht geschafft, dass die Kamera dann ruhig genug geht. Und dann sind sie auf ein vierrätriges Motorrad. Und Kribe saß drauf mit Kamera auf der Schulter und das hat wohl dann ganz gut geklappt. Franka Potente ist viel gerannt. Sie musste viel ihrer Lunge antun, aber sie musste auch sehr viel ihren Haaren antun.
Johannes Franke: Och Gott, ja, die haben ja keine Perücke gehabt, sondern sie ist ja wirklich mit diesen Haaren dann... Franka Potenta hat dunkle Haare. Sie hat knallrote Haare in diesem Film und sehr verfilzte Haare und sie sehen wirklich gestresst aus, diese Arme.
Florian Bayer: Sie durfte sie nicht waschen. Continuity und so. Die haben gesagt, pass auf, wir müssen, das ist so, wir haben die jetzt sehr gehellt und wir haben die jetzt rot gefärbt und wenn du die anfängst zu waschen...
Johannes Franke: Dann verlieren die ihre Farbe wahrscheinlich auch ein bisschen. Und dann sehen die jedes Mal in einem Take anders aus. Ach fuck.
Florian Bayer: Sie durfte sie manchmal ausspülen, aber sie durfte sie nicht richtig waschen. Sechs Wochen haben sie gedreht und man sieht es in vielen Szenen, dass es extrem verfilzt und das sieht auch extrem porös aus. Das sieht so aus, als ob man reingreifend ein Stück abbrechen könnte.
Johannes Franke: Ja, genau. Sie hatte ja tatsächlich ein Casting schon auch. Und dann haben sie sie in der Gegend rumlaufen lassen, weil das ist natürlich einer der wesentlichen Teile.
Florian Bayer: Das ist das Wichtigste.
Johannes Franke: Und sie hat wohl tatsächlich auch beim Casting schon durch ihre Art zu rennen, ihre Körperlichkeit, die sie da hatte. Die Spannung, die sie dabei hatte, die hat wohl auch schon überzeugt.
Florian Bayer: Es ist ein unglaublich physischer Film. Und von der ersten bis zur letzten Minute? Abgesehen von diesem, das ich jetzt ja auch vorgelesen habe, diesem sehr arzi-fazi-Intro, das auch so ein bisschen was Mystisches hat, ist es einfach ein Film, der permanent in Bewegung ist. Und dann natürlich ganz fett dieses Videoclip-Ästhetik oben drüber stehen hat. Wir sind quasi in so einer Peak- Bis Endzeit von Viva und MTV.
Johannes Franke: Total krass.
Florian Bayer: Und diese Ästhetik umarmt der Film, angetrieben von den Beats von Tom Tücker himself.
Johannes Franke: Tom Tücker hat selber Musik komponiert dafür. Ist wohl auch nicht sein erstes Mal.
Florian Bayer: Ja. Es ist einfach, ich war nie so ein Rave- und Technotyp. Es ist aber absolut funktionieren.
Johannes Franke: Es ist das, was du in diesem Film hören willst.
Florian Bayer: Und es gibt ja dieses Main-Theme quasi, dieses Lola-Theme, was wirklich die ganze Zeit läuft. Beats treiben die ganze Zeit. Das hört einfach nicht auf. Und das wird dann aber wirklich interessant variiert in diesen drei Läufen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Auch so ein bisschen abgeändert und von der Geschwindigkeit und von den... Von der Produktion und von dem, was da noch musikalisch mitläuft.
Johannes Franke: Um mal noch zwei Namen zu nennen. Johnny Klimek und Reinhold Heil. Die haben das zu dritt gemacht. Die haben auch später für Cloud Atlas noch zusammengearbeitet und für Babylon Berlin. Es ist ein Trio quasi, die einfach zusammen Musik machen. Und dieser Titelsong, den du meinst, der heißt Wish, glaube ich.
Florian Bayer: Er wurde später als Popsong veröffentlicht mit Thomas D., Franka Potente ist in dem Song sowieso schon zu hören und sie haben dann quasi eine Single-Auskopplung gemacht, wo Thomas D. auf diese Beats gerappt hat. Und mit Franka Potente im Duo gesungen hat. Ich brauch dich doch auch nicht mehr als du mich.
Johannes Franke: Naja, stimmt.
Florian Bayer: Jeder hat es im Ohr.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber er ist tatsächlich erst später dazu gekommen. Und es war auch Thomas Dehn so in seiner ein bisschen esoterischen Phase. Und das passt auch sehr gut dazu. Thomas D. von den Fantastischen Vier, falls ich das für irgendwen sagen muss. Leute, die in den 90ern nicht groß geworden sind, wissen das vielleicht nicht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Großhacherpaar damals.
Johannes Franke: Und dieser Song war damals auch riesig. Selbst wenn du den Film nicht gekannt hast. Kanntest du diesen Song?
Florian Bayer: Ja, das war ein großer Hit. Der hat auch dazu geführt, dass Thomas D. noch ein bisschen mehr so Zeug gemacht hat. Er hat dann ja auch das Reflektor-Falke-Album veröffentlicht, was nicht gut ist. Und er hat mit Nina Hagen zusammen ein Duett gemacht. Und zwar Liebesbrief hieß das. Und das war quasi fast schon ein Rip-Off von diesem Song. Also der war fast genauso auch so. Mann und Frau im Duett und auch so ein Liebeslied, das nicht ironisch, sondern eher zynisch oder nihilistisch gebrochen ist. Genau. Aber die Stimme, die mir viel wichtiger ist, und Thomas, der ist ja auch nicht in diesem Film zu hören, ist die Stimme, die wir am Anfang hören, nämlich Hans Petsch.
Johannes Franke: Ach, Hans Pitsch, der Märchenonkel der Nation, wenn man das so sagen möchte.
Florian Bayer: Ja, also jeder, der... in unserem Alter ist zumindest, oder ein bisschen älter, hat irgendwann mal Hans Petschs Stimme bei irgendeinem Hörspiel gehört. Egal, ob das die... ob die Hexe Schrumpeldei ist, ob es der kleine Muck ist, ob es Huibu ist.
Johannes Franke: Ja, alles, alles.
Florian Bayer: Oder ob es der Anfang von Raumschiff Enterprise das nächste Jahrhundert ist. Hans Petsch ist eine unglaubliche Stimme.
Johannes Franke: Der hat alles gesprochen, ne? Also auch die ganzen Klassiker, er hat den Faust eingesprochen, er hat den Shakespeare-Sachen eingesprochen und so weiter, ne? Kultur, historischen Klassiker.
Florian Bayer: Ich kannte die Stimme vor allem als Märchenonkelstimme.
Johannes Franke: Aber eben auch diese Märchensachen für Kinder und so. Das ist schon krass, wenn man einmal Wikipedia aufmacht und seinen Namen eingibt. Seine Diskografie, wie nennt man das, wenn man nur die Stimme hat? Die ist wahnsinnig lang.
Florian Bayer: Unglaublich.
Johannes Franke: Hörspieleauswahl, das ist nur eine Auswahl und man scrollt. gefühlte fünf Minuten durch dieses Ding durch. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Und ich finde es geil, ich finde es tatsächlich einen bolden Move bei einem Film, der so zeitgeistig ist. Zu starten mit dieser... Märchen-Onkel-Erzähler-Stimme und wirklich mit diesem krassen Arthouse-Flair. Du hast diese Fahrt durch die Menschen, dann wird es sehr hoch Und dann hast du diese Uhr mit Drachenkopf und es geht hinein ins Drachenmaul. Und genau, der Mensch, geheimnisvolle Spezies und so ist alles schon sehr groß und sehr drüber.
Johannes Franke: Also muss ich schon sagen, ich habe ein bisschen aufgestöhnt, als das kam.
Florian Bayer: Ich finde es genial.
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau. Was ich geil finde allerdings ist dann das Zitat vom Fußballer.
Florian Bayer: Ja. Und das ist, glaube ich, das ist wirklich was, was Tom Tick war in diesem Film wirklich genial hinkriegt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Kombi aus Hochkultur. Ja. Und Subkultur und Massenkultur und auch wirklich so vom Proletariat bis zur Bibliothek.
Johannes Franke: Ja genau.
Florian Bayer: alle fühlen sich abgeholt, weil es wird Sepp Herberger zitiert.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten und ab geht die Post. Und das Krasse ist, Dass wahrscheinlich dieser Film im Ausland dieses Zitat bekannter gemacht hat als Sepp Herberger selbst.
Florian Bayer: Und hier kannte es wirklich jeder. Natürlich. Wenn ich was von Fußball weiß, dann ist es dieses Zitat. Und dann übrigens, Fun Fact, die Zeichentricksequenzen, also wir haben ja diese Spiralen am Anfang, wo die Credits laufen, Lula durch die Credits rennt und alles kaputt haut. Ja. Aber wir haben dann ja nochmal eine Zeichentricksequenz. Und zwar, wenn sie durchs Treppenhaus rennt, wurde gemacht, weil Tom Tück war, Angst hatte, dass Franka Potente sich verletzen könnte.
Johannes Franke: Ja, genau. Welcher Grund auch immer, aber diese Zeichentricksequenz ist doch großartig, oder?
Florian Bayer: Ich finde grundsätzlich, und das ist ja sowas, was diesen Film auszeichnet, diesen Wechsel der Stilmittel, der natürlich so...
Johannes Franke: Der Maximalismus fast, ne?
Florian Bayer: Maximalismus, genau. Der die Werkzeuge erkennbar macht. Hinter dem Film. Also der Immersion quasi zumindest verhindert dadurch, dass es einfach klar ist. Wir sehen hier verschiedene Arten von Film. Ich finde den großartig. Ich finde, der funktioniert auch, weil jedes einzelne dieser Stilmittel hat einen Grund oder scheint einen Grund. einen vernünftigen Grund zu haben. Es scheint plausibel zu sein.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Wir nehmen diese Zeichentricksequenzen für... Naja, fast schon für den surrealen Part, in dem sich die Geschichte neu schreibt, weil das ist der Moment, in dem was anderes passiert. Das ist der Butterfly-Effekt irgendwie.
Johannes Franke: Aber vor allem auch der Staat, es wird einmal in die Luft geschossen und sie rennt los. Und dieser Start da raus, aus diesem Haus, vor der Tür... Geht es ja dann in Berlin rein. Das ist der Übergang. Und den finde ich eigentlich ganz geil als Zeichentwickler. Und man muss dazu sagen... Es macht durch den Übergang, dadurch, dass ich so eine Ballhausumdrehung um diese Mutter habe und dann auf den Fernseher zoome, das macht Sinn. so eine MTV-Ästhetik. Absolut. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Gil Alkapetz und Ralf Bode waren verantwortlich für die Zeichnungen und für die Animationen. Und ich mag diesen Stil, er ist ja extrem minimalistisch, er hat auch sowas trashiges, alles so ein bisschen in Bewegung, es wirkt alles so sehr rough, es ist natürlich kein Disney-Stil. Aber es wirkt einfach schnell. Es hat diese Hektik drin. Diese Hektik intus. Es wirkt wie so ein der von jemandem gemacht wurde, der hauptsächlich sein Geld verdient, indem er auf der Straße irgendwelche schnellen Bilder malt und die Passanten verkauft. Und das passt aber natürlich total gut zu diesem Film.
Johannes Franke: Ja. Und eben zu dem Schnitt, ne? Ja. Zu der Art und Weise, wie das gemacht ist, weil ich jetzt gerade MTV gesagt habe, da müssen wir vielleicht auch kurz drauf eingehen. Mathilde Bonnefoy oder wie die ausgesprochen wird, weil es eine Französin ist.
Florian Bayer: Ich habe keine Ahnung, wie das ausgesprochen wird. auch gesagt, Mathilde Bonfoy.
Johannes Franke: Ja, die hat es geschnitten und die macht das wirklich wie ein MTV-Clip.
Florian Bayer: Es war ihr Debut. Es war ihr Debüt als Chefin vom Schnitt.
Johannes Franke: Ja, genau. Sie hat vorher ja schon was geschnitten, auch für Rammstein und so. Aber eben auch für Rammstein und nicht für Spielfilm, Tatort, was weiß ich, sondern eben diese Ästhetik einfach.
Florian Bayer: Und man kann ihre Namen ruhig nochmal sagen, Mathilde Bonfoy, weil der Schnitt ist so wichtig für diesen Film und für die Ästhetik von diesem Film und für dieses... Dass die Bilder einfach im Rhythmus funktionieren.
Johannes Franke: Die haben den Clip drüber gelegt. Die haben den Musikclip drüber gelegt und gesagt, ich schneide genau auf... Es wird nach Musik geschnitten. Und das ist geil, dass sie den ganzen Film durchgezogen haben, wirklich zu sagen, okay, wir müssen... an der Musik uns orientieren. Und die Musik hatten die auch am Set, ne? Also die haben teilweise die Musik abspielen lassen und alle haben sich... an dieser Musik orientiert, beim Rennen, bei Dialogen wahrscheinlich nicht, weil die Musik dann dazwischen.
Florian Bayer: Es ist teilweise auch die Musik, auch bei den Dialogen teilweise drüber. Und dann werden ja auch teilweise mit Splitscreens gearbeitet. Man sieht einen Dialog und man sieht im Splitscreen, wie Lola rennt. Genial finde. Es bleibt dieses Tempo einfach erhalten. Und dann haben wir dieses Stilmittel der Polaroids. Wir haben Lola, Rent in Iran. Im ersten Lauf drei Leuten über den Weg, vier Leuten sogar, deren weiteres Schicksal dann in Polaroids erzählt wird.
Johannes Franke: Ich muss ein bisschen lachen dabei. Weil ich natürlich auch darüber nachdenke, wie weitreichend einflussreich hält Tom Tykwa den sogenannten Butterfly-Effekt.
Florian Bayer: Völliger Quatsch, oder? Also offensichtlich stellt er ihn für sehr wichtig.
Johannes Franke: Ja. Also ob jetzt hier in Europa ein Schmetterling mit den Flügeln wackelt und deswegen drüben in China ein Sack Reis umfällt, ich glaube... Glaub ja nicht. Es ist, glaube ich, es gibt ja genug systemtheoretische Abhandlungen darüber, ne? Und wir gehen jetzt einfach mal da rein. Du kannst dich nicht wehren.
Florian Bayer: Du willst jetzt über den Schmetterlingseffekt reden. Ich will über den Schmetterlingseffekt reden. Wie wissenschaftlich ist das?
Johannes Franke: Also im Kleinen stimmt das natürlich. Je kleiner dein System ist, auf das du dich beziehst, desto mehr Einfluss hat tatsächlich ein veränderter Umgang. Das kleine System, was wäre ein Beispiel für ein gutes kleines System, ob sie jetzt die Treppe runterrennt und der Typ ihr das Bein stellt oder nicht. verursacht, ob sie fällt oder nicht. Das ist ein kleines System. Dass ihre Absicht, da rauszukommen und diese 100.000 Mark zu kriegen... davon nicht abhängig ist, ist ja klar. Und das ist wiederum das große System. Das große System ist... Mhm. Mhm. wird diese Frau mit Kinderwagen nicht plötzlich ihren Charakter ändern, völlig andere Entscheidungen in ihrem Leben treffen und wo ganz anders im Leben landen. Ich glaube ja nicht.
Florian Bayer: Das Problem ist ja, dass wir total mit Hypothesen arbeiten. Es gibt keine alternativen Realitäten. Zumindest nicht, dass wir wüssten. Genau. Aber grundsätzlich kann man natürlich sagen, in menschlichen Charakteren ist sehr viel angelegt und ist auch sehr... sind Dinge angelegt, die zu einem sehr unterschiedlichen Lebensweg führen können. Du hast jemanden, der keine Ahnung, du hast jemanden, der ein Workaholic ist und der sich große Ziele steckt Das kann ein Verbrecher werden, das kann ein Unternehmer werden, das kann ein Philanthrop werden.
Johannes Franke: Ja, ist richtig. Aber wenn du... Als Mutter mit gefühlten Mitte 40 wirst du nicht plötzlich zum Junkie. Was wird sie? Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Gläubiger, sie wird, es sieht sehr nach Zeugen Jehovas aus, das Einweg. Oder sie verliert ihr Kind, weil... Und entführt dann eins. Und entführt ein anderes Kind. Oder sie gewinnt im Lotto. Also, ich weiß nicht. Es ist farfetched. Auf jeden Fall. Wenn wir vom Schmetterlingseffekt reden, reden wir halt immer von Hypothesen und der wird natürlich gerne benutzt für sowas, was besonders effektiv ist, weil das einfach, es ist einfach ein großes Drama, wenn du sagst, hey, ich hab mit dem Finger geschnitten und jetzt hat sich die Welt komplett verändert. Das ist too much, aber es sorgt natürlich für die beste Dramaturgie.
Johannes Franke: Nur ganz kurz zum Schmetterlingseffekt. Der kommt ja eigentlich aus so Vorhersagen, was Wetter betrifft und so. Ob da jetzt ein Tornado draus wird auf der anderen Seite der Welt, weil ein Schmetterling auf der anderen Seite ihre Bewegung gemacht hat. Es gibt in diesem System viel zu viele unbekannte Größen. Das heißt, du kannst gar nichts dazu sagen. Der nächste Schmetterling macht die Gegenläufebewegung, cancelt das Ganze aus und nichts passiert.
Florian Bayer: Genau, also wenn wir von sowas reden, wenn wir so eine grundsätzliche Frage stellen über Determinismus und wie überhaupt Systeme funktionieren und was vorhersehbar ist, dann ist die Welt einfach zugänglich. chaotisch, zu komplex und zu groß, als dass man irgendwas sagen könnte, diese eine Sache verändert die andere Sache. Was aber nicht heißt, dass man es ausschließen könnte, dass eine kleine Sache eine große Veränderung nach sich ziehen kann. Und zwar, weil sie eben viele kleine Sachen...
Johannes Franke: nach sich zieht.
Florian Bayer: Und wenn wir uns sowas anschauen, wenn wir uns so sehr komplexe Vorgänge anschauen, wie die Evolution, dann haben wir ja kleine sehr kleine Veränderungen auf diesem mikroevolutionären Level.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die dann aber offensichtlich zu einer großen Makro-Evolution führen, weil diese kleinen Änderungen groß sind. große Folgen haben können, sehen wir einfach daraus, dass aus den Einzelnen sich sowas entwickelt hat wie ein Delfin und sowas wie ein Mensch. Und dass wir aus dem Gleichen hervorkommen. Also offensichtlich kann kann eine Multiplikation oder eine Addition von sehr vielen, von kleinen Dingen, was sehr Großes bedeuten. Und die kleinen... die beeinflussen sich ja auch gegenseitig. Also du veränderst was Kleines, verändert sich noch mehr Kleines, noch mehr Kleines, noch mehr Kleines und dann hast du einen riesen Stapel.
Johannes Franke: Ja. Es geht so weit, dass Systemtheoretiker teilweise sagen, dass selbst wenn Zeitreisen möglich wären. Und ich in die Zeit zurückreise und etwas verändere und das tatsächlich Auswirkungen auf unsere Zukunft hätte... Was sich ja an sich schon durch einen Paradoxon eher… Aber selbst wenn das möglich wäre… würde das statistische Mittel dafür sorgen, dass sich alles wieder ausnivelliert, Und dass so ein, zwei Sachen, ein, zwei Leben sich vielleicht drastisch verändern, aber im Wesentlichen die Welt genau die gleiche bleibt.
Florian Bayer: spielt natürlich auch eine Rolle, wie man glaubt, wie Geschichte gemacht wird. Und unsere Vorfahren, sprich unsere wissenschaftlichen Vorfahren, haben ja sehr lange daran festgehalten, dass Geschichte das Werk von großen Menschen ist, im Guten wie im Schlechten. Wir haben hier diesen... Adolf Hitler, wir haben hier diesen Karl den Großen, wir haben hier diesen Julius Cäsar. wie sich reiche formen, wie reiche vernichtet werden, entscheidet sich anhand dieser Person. Und mittlerweile wird ja Geschichte auch ein bisschen anders betrieben und es wird ja auch gesagt, das ist so ein bisschen so ein Wunschdenken und Hängt mit dem Geniekult zusammen, den wir seit dem 19. Jahrhundert haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: und in Wirklichkeit bestehen, sind die Sachen, die die Welt vorantreiben, viel mehr kleine Faktoren und du hast nicht diese eine Person, so einen krassen Einfluss hast, dass wenn du diese Person tötest, dann ändert sich die gesamte Geschichte. Da würde ich bei dir mitgehen, dass das natürlich dramatisch total spannend ist. Aber gleichzeitig vielleicht nicht so viel mit der Realität zu tun hat. Und zum Zweiten natürlich so ein extrem hypothetisches Szenario ist, weil wir haben keine Zeitmaschine. Wir haben keine alternativen Realitäten, in die wir abtauchen können.
Johannes Franke: Aber dieser Film bedient sich einer... hypothetischen Variante. Genau. Insofern müssen wir uns darüber Gedanken machen.
Florian Bayer: Aber das ist die Frage, wie er sich daran bedient, weil, wenn wir von alternativen Realitäten ausgehen, dann muss es ja irgendeinen Faktor geben, der das Alternative verursacht in der alternativen Realität.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieser Film ist keiner hartes Science-Fiction, der erzählt uns nicht, ich würde sogar sagen, sowas wie Untäglich Christus Murmeltier ist mehr hartes Science-Fiction, weil der uns erzählt, dass dass es eine Person gibt, die weiß, dass sie sich in einer anderen Realität befindet. Hier haben wir diese Person nicht.
Johannes Franke: Naja, das ist die Frage. Franke Potente weiß irgendwann, also Lola weiß irgendwann, wie sie mit der Waffe umgehen muss.
Florian Bayer: Aber sie weiß nicht, woher sie es weiß. Das ist eine gute Frage. Und jetzt, das will ich gar nicht, mit so einer realistischen Interpretation der Sache.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber Was dagegen spricht, dass sie irgendwas weiß, das ja aus einer anderen Realität kommt, ist ja allein die Tatsache, dass sie dreimal zum selben Arschloch läuft.
Johannes Franke: Ja, stimmt, ja, ja, ja, ja. Also ich habe mich halt auch gefragt beim Gucken schon, warum sie jetzt wieder zu ihrem Vater läuft. um das irgendwie lösen zu wollen, obwohl sie in der Variante davor eben keinen Erfolg hat.
Florian Bayer: Weil das nicht täglich grüßt das Murmeltier ist. Und nicht dieser 12.01 hieß der, glaube ich. Es ist nicht so ein Zeitschleifer.
Johannes Franke: Also dass du das nicht bewusst mehr drin hast, aber dass es irgendwie einen Einfluss auf dein Unterbewusstsein hat?
Florian Bayer: Es ist surrealer. Der Film bedient sich, was das betrifft, ganz klar beim Surrealismus, weil er keine klaren Gesetzmäßigkeiten aufstellt. In vielen Punkten einer Traumlogik. Und zwar, also wenn wir sagen müssten, was ist der Butterfly-Effekt, müssten wir ja sagen, das ist das, was im Flur passiert. Weil das sind die drei Dinge, die die Veränderung in Gang setzen. Das heißt, offensichtlich würde irgendwie dieser Typ mit dem Hund, dieser dumme Berliner Proll mit seinem hässlichen Kampfhund, der würde das Schicksal des Universums in der Hand halten. Lame. Glaube ich nicht. Und es ist ja nicht nur er. Also das ist das, wo wir die große Änderung sehen. Aber ansonsten haben wir einfach... Noch zusätzlich Monika bleibt treu, die diese Blinde vor der Telefonzelle spielt.
Johannes Franke: Ja, die so ein bisschen das Orakel ist.
Florian Bayer: Die sich auch anders verhält, die auch irgendwie außerhalb von dieser Realität zu stehen scheint. Wir haben die Nonnen, wo einer eine Sonnenbrille trägt, wo nicht so ganz klar ist, hä, was ist da los? Ja.
Johannes Franke: Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass Tom Tickford Lust hat, uns zu trollen. Also uns da irgendwie einfach Sachen hinzuwerfen und zu sagen, es kann jetzt was bedeuten. Überlegt selber, ob ihr was findet da oder nicht.
Florian Bayer: Und wir haben so ein paar Wissensfetzen besprochen. Die rüber strahlen. Zum Beispiel Lola weiß, wie sie eine Waffe endet. Das ist ja so das Stärkste.
Johannes Franke: Was auch stark inszeniert ist.
Florian Bayer: Aber ansonsten, wir haben hier drei Läufe, drei verschiedene Varianten der Realität, die sich radikal ändern, ohne dass es einen eindeutigen Faktor gibt, der da... zu führen würde. Es ist niemand, der in einer Zeitschleife gefangen ist oder eine Zeitreise macht und weiß, was passiert und sagt, ich versuche das jetzt anders. Lola macht jedes Mal das Gleiche.
Johannes Franke: Aber sie scheint schon diejenige zu sein, die das ganze Kraft ihres Willens herstellt, oder? Weil sie sagt ja wirklich am Ende des ersten Teils, das ist nicht, wie meine Geschichte enden soll. Ja, stopp. Das beendet sie einfach und sagt, nö, das nehme ich so nicht hin.
Florian Bayer: Ja, ich will nicht weg, stopp, sagt sie, nachdem sie tot umgefallen ist, nachdem sie diese kurze romantische Szene mit Money im Bett hatte.
Johannes Franke: Beim zweiten Mal genauso. Da sagt sie ihm, aber du bist fucking noch nicht tot. Und beschließt das. Und im dritten Teil schafft sie es sogar während der Geschichte, ohne dass jemand gestorben ist. zu sagen, das ist, wie meine Geschichte endet. Nämlich, ich werde dieses Geld gewinnen. Und wenn ich dafür laut schreien muss... Und das Schicksal irgendwie überreden muss, mir nochmal die 20 zu geben im Casino.
Florian Bayer: Dann haben wir einen radikalen Metafilm vor uns. Dann steht Lola wirklich auch irgendwie als Erzählerin da. Weil sie ist die, die sagt... Ich will nicht weg. Sie ist die, die sagt, du bist nicht gestorben. Sie ist die, die Stopp sagt und dann wieder losrennt. Aber sie ist ja keine allwissende Entität. Und auch dieses... Sie ist ja beim dritten Lauf nicht klüger.
Johannes Franke: Nee, das stimmt, ja.
Florian Bayer: Sie verpasst ihren Vater. Sie fällt auf die Motorhaube von dem Wagen. Sie macht... sie macht nichts geschickter oder nichts besser und dann rennt sie in das Casino und es wirkt nicht so, als ob sie da mit dem Plan reingehen würde, sondern sie hat extrem unverschämtes Glück.
Johannes Franke: Naja, aber sie hat eine starke Willenskraft. Sie schafft es, dieser Frau zu entlocken, dass sie ihr... Trotzdem diese, und das würde heutzutage niemand machen, niemand in einem Casino würde dir wirklich 100 Mark Chip geben, wenn du nicht 100 Mark anbringst. Auf den Cent, genau.
Florian Bayer: Darf sie nicht. Sie würde ihren Job verlieren.
Johannes Franke: Genau. Das heißt, sie hat einfach so viel Willenskraft. dass sie alle dazu bringt, auch das Schicksal, was dann dafür sorgt, dass sie 20 zweimal hintereinander beim Roulette kommt. dass das ihre Willenskraft ist, die dafür sorgt.
Florian Bayer: Ja, das Witzige ist ja, dass ihre Willenskraft ganz viel scheitert.
Johannes Franke: Ja, auch das.
Florian Bayer: auf, rennt sie zu ihrem Vater und wird von ihm brutal vor die Tür gesetzt. Und wir haben hier wirklich diesen Moment, wo er mit ihr durch diesen Gang geht und sie ist ein Häufchen Elend und wird von ihm rausgeschmissen.
Johannes Franke: Und deswegen glaube ich, dass sie nicht nur das mit der Waffe mitbringt durch die drei Dinge, sondern auch Frustration.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Sie schafft es zum zweiten Mal nicht und jetzt hat sie ihre dritte Chance und jetzt muss es einfach klappen. Also ich glaube, dass da mit jeder Iteration mehr Verzweiflung dazukommt. mehr, ich will aber und das Schicksal muss mir das geben, das ist es mir schuldig so ein bisschen. Das ist mein Gefühl dazu.
Florian Bayer: Ja, aber ist sie im dritten Lauf, in ihrem finalen Lauf, ist sie irgendwie stärker geworden? Ja.
Johannes Franke: Ja, ich glaube schon.
Florian Bayer: Aber es passiert ja nicht so viel anders.
Johannes Franke: Sie hat mehrere Momente, die sie fast schon ins Metaphysische heben. Sie redet mit Gott.
Florian Bayer: Genau. Sie ist auf der Straße und sagt, bitte hilf mir, ich muss jetzt irgendwie an das Geld kommen. Ich brauche dich, sag mir, was ich machen soll. Ich mache jetzt einfach die Augen zu und renne weiter. Ich gebe mich dem Schicksal hin. Sie ist passiver als im Ersten.
Johannes Franke: Nee, also ich glaube, das darf man nicht mit Passivität verwechseln.
Florian Bayer: Ich warte, sagt sie in ihren Gedanken. Ich warte. Ich warte.
Johannes Franke: Ja, aber das tut sie ja nicht wirklich. Sie rennt mit geschlossenen Autos? Und wie sortierst du dann das in dem Krankenwagen ein? Sie steigt beim dritten Mal in den Krankenwagen ein. Und rettet quasi diesen Typen. Sie ist quasi der Engel für diesen Typen.
Florian Bayer: Ja, das ist voll krass. Ja, genau. Ja, gute Frage. Wenn wir ihn in diesem Moment sehen, wenn er zum ersten Mal im Krankenwagen ist, dann denken wir nochmal zurück an das, was im zweiten Lauf passiert ist. wenn er zu ihr sagt, du willst doch keinen verletzen und sie sagt so, weiß nicht oder so und guckt ihn an und dann hören wir kurz sein
Johannes Franke: Herzschlag schneller werden. Nur zur Erklärung, weil mir das nicht ganz klar war, weil ich nicht hundertprozentig erkannt habe, aber dann so eine Ahnung hatte. Es gibt bei der Bank, wo der Vater arbeitet, in allen drei Versionen eben diesen Typen, der vor der Bank als Beamter, einfach als Security arbeitet. Armin Rode. Und Armin Rode macht das richtig gut, finde ich. Und der ist dann später, erst im dritten Lauf erkennbar, in diesem Krankenwagen, weil irgendwas passiert ist und ich weiß nicht genau, was passiert ist. Aber er scheint, also er muss anscheinend, sein Herz muss wieder gestartet werden.
Florian Bayer: Herzinfarkt. nicht eindeutig. Ich finde, er wirkt in allen drei, also in den beiden davor, wirkt er auch schon irgendwie so ein bisschen abgeschafft und so ein bisschen K.O. als... Ja, als würde da irgendwas rumoren.
Johannes Franke: Genau. Und auch bei denen habe ich das Gefühl, manchmal guckt er sie so an, als würde er sogar... irgendwie spüren, dass das jetzt zum zweiten oder zum dritten Mal passiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sein Blick ist so.
Florian Bayer: Ja, und das ist ja, also wir haben es ja schon gesagt, bei ihr scheint da auch so ein bisschen was mitzuschweben und ich glaube... Sie ist da nicht die Einzige. Also die Figuren, die sich in diesem Film bewegen, die scheinen alle irgendwie sowas komisches drin zu haben, dass hier irgendwas... Ein unbewusstes Wissen, dass hier irgendwas mit der Realität geschieht, was nicht ganz zur Realität passt, sondern eher zu einem End-90er-Jahre-Film von Tom Tick war.
Johannes Franke: Ja, wo du sagst, diese Frau, die am Anfang angerempelt wird und beim dritten Mal eben nicht angerempelt wird. Und die dreht sich trotzdem so um und wundert sich vielleicht, warum sie nicht angerampelt wurde. Vielleicht so ein bisschen, ne? So vom Gefühl her, weil sie trotzdem so guckt und man denkt sich so, hä, warum guckst du? Ist ja gar nichts passiert. Ja. Und dann hat man auch bei ihr so das Gefühl, irgendwas vermisst sie jetzt. Sie hat so das Gefühl, das hätte jetzt anders laufen müssen. Also so ist das eben bei mehreren Figuren, ja.
Florian Bayer: Ja, auch diese Jutta zum Beispiel, die Affäre von Lolas Vater, die ihm dreimal versucht, was zu erzählen. Und nur beim zweiten Mal schafft es sich, ihm zu erzählen, nicht nur, dass sie ein Kind kriegt, sondern das Kind auch nicht von ihm ist. Mit dem Ergebnis, dass sie beim ersten Mal nur mitkriegt, dass sie ein Kind, das sie wenn er schwanger ist und deswegen sagt, okay, jetzt verlasse ich meine Familie. Im Zweiten kriegt er es mit und ist total wütend auf sie und ist mit ihr am Streiten, wenn Lula kommt. Und im dritten kriegt er es nicht mit und freut sich einfach und ist einfach glücklich. Und sie wirkt beim dritten... wenn sie sagt, da ist noch was, ich will dir noch was sagen, er sagt, ach, ich bin so glücklich und gibt dir einen Kuss und verschwindet. Was niemand macht, wenn jemand sagt, ich muss dir noch was sagen, dann geht man davon aus, dass das in 10 Sekunden erledigt ist oder so. Da gibt es diesen kurzen Moment, wo wir sie sehen, wie sie alleine im Büro steht und sich irgendwie so der Hand vor den Mund hält und wir haben so das Gefühl, sie ist irgendwie, das ist nicht richtig. Und zwar nicht nur, weil sie ihm das nicht gesagt hat, sondern es ist fast so ein Moment von Erkenntnis, nee, das hätte irgendwie anders laufen müssen.
Johannes Franke: Das habe ich nicht darin gesehen, aber ja, vielleicht tatsächlich.
Florian Bayer: Übrigens ganz toll diese Entscheidung, diese Dinger in digital Video zu drehen.
Johannes Franke: Ich finde die total seltsam, weil ich nicht verstehe, warum. Und dann irgendwann fällt einem vielleicht auf, dass es die ganzen Sachen sind, wo Lola nicht anwesend ist. Ja.
Florian Bayer: Das hat Tom Tücker selbst gesagt. Tom Tücker hat gesagt, sie bringt Film rein. Also dieses digitale Video wirkt natürlich so total stilisiert und wirkt irgendwie, es wirkt nicht authentisch, sondern es wirkt irgendwie, es wirkt einfach irgendwie dreckig oder so.
Johannes Franke: Wie eine schlechte Doku.
Florian Bayer: Wie eine schlechte Doku, meinetwegen. Und wenn Lola kommt, dann wird es cineastisch. Und dann kriegt die Szene plötzlich so eine Lebendigkeit. Dieser Film ist angekommen. Der Film rennt zu seinen Spots. Und der Film verliert auch seine Spots. Und ich will jetzt gar nicht so ein großes poststrukturelles Ding draus machen. Zu spät.
Johannes Franke: Hast du gerade gemacht.
Florian Bayer: Das ist nicht nur ein selbstreflexiver Film. Das ist nicht nur einfach Meta-Alles. Aber... Natürlich kann man das darin lesen, dass der Film da irgendwie ankommt und dann das Kino alles in Beschlag nimmt und wenn das Kino weg ist, dann geht es halt wieder so weiter, wie es davor war. Okay. Nola bringt das Kino mit. 35 Millimeter auf der Fresse. Ja, weil sie diejenige ist, die Dramatik und die das Leben richtig aus allen...
Johannes Franke: Poren jetzt leben muss und so. Also das ist ja auch ein Kommentar zum Kino. Ich könnte jetzt irgendwelchen Scheiß schwafeln, aber völliger Quatsch.
Florian Bayer: Wir haben viele Menschen hier, die irgendwie festgefahren sind in ihrem Leben und in ihrer Art zu leben. Und wenn wir uns diese, ich sag's jetzt mal, prollige Frau angucken am Anfang, die ist ja so, Die scheint ja wirklich so irgendwie, keine Ahnung, sie wohnt in einer Platte, sie sieht nicht sonderlich glücklich aus, sie schreit offensichtlich ihre Kinder an, so wirkt sie zumindest.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und pöbelt Leute an, wenn sie ihr dumm kommen oder wenn ihr irgendwas nicht passt. Aber diese Begegnung mit Lola sorgt ja dafür, dass sie ein radikal dramatisches Leben kriegt. Sie gewinnt im Lotto. Sie klaut ein Kind. Sie wird Zeugin Jehovas. Und Lola bringt so eine Dramaturgie in die Leben von allen. Auch die anderen. Wir haben diesen Fahrradfahrer, diesen Fahrraddieb übrigens gespielt von... Ja, auch sehr gut. Ganz kleine Rolle, aber so spannend, weil Sebastian Schipper, später Regisseur von...
Johannes Franke: Victoria. Schön.
Florian Bayer: Der spielt den Fahrradfahrer und der hat ja auch irgendwie offensichtlich so einen Kleinganno, wo der halt auf den Straßen Berlins unterwegs ist und Fahrräder verkauft und vertickt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und der dann ja auch eine sehr dramatische Geschichte kriegt. Zum einen, dass er von denen, die er ausgeraubt hat, verprügelt wird und dann heiratet. Oder dass er drogenabhängig wird und komplett versumpft.
Johannes Franke: Also das heißt, weil ich hatte so meine Schwierigkeiten mit diesen dramatischen Umschwingen, weil die auch sehr platt sind teilweise. Subtil ist das nicht. Genau. Und ich dann auch gedacht habe, ja, okay, da jetzt irgendwie die absurdesten Geschichten rauszuholen, so das Gefühl von, was... Was ist das Schlechteste, was passieren kann? Was ist das Geilste, was passieren kann? So ein bisschen so. Aber es gibt natürlich dann Sinn... Wenn man, wie du jetzt so ein bisschen andeutest, sagt, dass Lola in das Leben der anderen das Kino bringt. Ja. Und das Kino, diese Dramatik und diese Kontraste, diese viel zu großen Kontraste, die im wahren Leben nicht existieren, reinbringt. Finde ich nice irgendwie. Finde ich es nice.
Florian Bayer: Schön. Was ganz interessant ist, diese Polaroids im dritten Lauf. Wird das gebrochen? Da sehen wir nicht mehr viele Polaroid-Geschichten. Was passiert da? Warum kriegen die alle ihre Polaroids weggenommen?
Johannes Franke: Weil wir schon bei 60 Minuten sind und der gesagt hat, mehr als 70 Minuten will ich nicht.
Florian Bayer: Der dritte Lauf startet bei 55 Minuten, genau. Übrigens wirklich, also es ist quasi Echtzeit, macht überhaupt keinen Sinn, aber es sind wirklich 20 Minuten Unabhängigkeit. ungefähr, den sie pro Lauf haben. Und dann noch so ein bisschen Prolog, ein bisschen Epilog und dieses zweiminütige im Bett rumgeturtelt zwischen Lola und Manni.
Johannes Franke: Geturschel, falsches Wort dafür, muss ich sagen, aber gut.
Florian Bayer: gibt es irgendwie nicht mehr so viel von diesen Polaroids und gleichzeitig ist der dritte die irrealste von allen drei Handlungen, weil in der dritten schafft sie es mit ihrem Willensschrei nicht nur Gläser zerspringen zu lassen, sondern auch die Roulette-Kugel an den richtigen Platz zu laufen. Und wie du schon gesagt hast, Im dritten Teil kann sie als Engel diesem Typen das Leben retten. Und am Schluss hat sie tatsächlich die 100.000. Und Manni kriegt seine 100.000. Und gibt dem Obdachlosen die Pistole. Und der Obdachlose sagt, okay, jetzt sind wir quitt. Es passieren so viele unwahrscheinliche... irreale Dinge im dritten Teil. Und da ist das Kino dann nicht mehr präsent im Leben von den anderen, ne?
Johannes Franke: Nee, da nimmt es einfach in ihrem Leben zu großem Platz ein. Ich glaube, es ist keine philosophische Entscheidung gewesen von Tom Tickwell. Das war einfach nur, wir müssen die Sachen erzählen. Das ist wichtiger, als jetzt nochmal in die Leben der anderen reinzugucken.
Florian Bayer: Die 90er waren nicht so schlimm wie die 2000er oder 2010er, wo das durch Internetkultur vor allem stark wurde, aber auch die Jugendkultur der 90er kannte ihre Randomness. Und das sehen wir vor allem, wenn wir uns Musikvideos dieser Zeit anschauen, die extrem surreal sind, die teilweise extrem drüber sind, die keine Logik haben. Und dieser Film folgt sowohl ästhetisch als auch dramaturgisch als auch strukturell sehr stark. Einfach der Videoclip-Ästhetik von MTV.
Johannes Franke: Wenn du es schon gesagt hast, die Zwischenszenen im Bett. Was? Was? Kommst du damit zurecht? Ich habe nämlich das Gefühl, ich bräuchte sie eigentlich nicht. Zumindest nicht, wenn die nicht wenigstens noch ein bisschen besser geschrieben wären. Ich habe so das Gefühl, dass die so eine Qualität von Improvisation haben und nicht der besten Improvisation.
Florian Bayer: Also ich sehe, warum sie die reingebracht haben. Sie haben gedacht, wir schaffen das nicht zu erzählen, ohne dass wir eine Szene haben, in der Manni und Lula zusammen sind. Was ich Quatsch finde. Also ich glaube wirklich, dass Tom Tück war Angst hatte, ich kriege diese Liebesgeschichte nicht erzählt, weil die so ein Dreh- und Angelpunkt vom Film ist, ohne dass wir Manni und Lola zusammen sehen.
Johannes Franke: Das ist ein interessanter Gedanke auf jeden Fall. Den hätte ich vielleicht dann auch, wenn ich das machen würde.
Florian Bayer: Ich mag dieses Spiel, das im Ersten ist sie der Krummel.
Johannes Franke: Was heißt denn Grummel?
Florian Bayer: Und im Zweiten ist er der Grummel.
Johannes Franke: Sie gibt ihm überhaupt gar keine Chance, das Richtige zu sagen. Genau.
Florian Bayer: Ja, aber im Zweiten ist eher so, ne? Ja, ja, genau. Es ist immer so einer drin, der echt so, ey, echt jetzt? Wir hatten gerade Sex. Das Setup, echt jetzt und du fängst damit an und du willst offensichtlich schlechte Laune haben und du willst offensichtlich irgendwie in so einer... Streitdiskussion? Das finde ich ganz süß, dass es einmal sie ist und einmal er ist. Das finde ich stimmig. Das finde ich lustig. Und es zeigt, dass beide Verlustängste haben, beide Unsicherheiten. haben, beide Eifersücht haben und so weiter. Deswegen funktioniert das. Interessant, dass es auf so verschiedene Art ist. Ich finde es okay. Mann, das sind fünf Minuten zusammen, ne? Das ist wirklich wenig.
Johannes Franke: Aber es ist so eine Frage im Grunde, die dann repetitiv in allen Versionen durchgespielt wird und dann Besteht der eine darauf, das Thema zu bearbeiten, während der andere keine Lust hat? Ich weiß nicht, ob ich so eine Szene brauche. Ich finde es so seltsam. Und ich habe so das Gefühl, dass das ein bisschen romantisch sein soll auch, dass sie sagt, ja, du brauchst doch mich eigentlich gar nicht und so, was ist denn los?
Florian Bayer: Das ist halt diese 20-jährigen Romantik.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und ich finde, deswegen sage ich auch, ich weiß nicht, ob ich ihrer Liebe eine große Zukunft will, weil sie glaubt. Sie wirken wie ein Paar. In diesem Moment ist das auch voll echt. Ich glaube, sie sind Seelenverwandte. Sie sind füreinander gemacht. Und sie werden immer zusammenbleiben. Aber ey, sie sind Anfang 20. Und so denkt man dann vielleicht auch Anfang 20, wenn man auch das Gefühl hat, man muss mit seinem Partner über Partnerschaft und über Zukunft philosophieren. und dann ist es so ein bisschen, ich finde es ist okay, wenn man sieht, es wird hier nicht groß universell über Liebe diskutiert, sondern es werden zwei Anfang-20-Jährige gezeigt. Er Kleingannmove, sie, keine Ahnung was ... Sie kriegt überhaupt keine Hintergrundgeschichte.
Johannes Franke: Es scheint aber aus einem guten Haus zu kommen, wenn man das so, also der
Florian Bayer: Ja, der Vater hat Geld.
Johannes Franke: Der Vater hat Geld.
Florian Bayer: Aber Ihre Wohnung sieht nicht aus, als ob Sie Geld hätten. Das finde ich schräg.
Johannes Franke: Das ist recht gut.
Florian Bayer: Groß.
Johannes Franke: Die haben halt keinen Geschmack.
Florian Bayer: Den Geschmack haben sie nicht genommen.
Johannes Franke: Und weswegen ich es auch aufgeschrieben habe nochmal, ist, dass es mich irritiert hat. Was vielleicht aber tatsächlich, wenn ich mich zurückerinnere, meine Form von Romantik auch war mit Anfang 20 oder sowas, weiß ich nicht genau. Oder mein Versuch herauszufinden, was Romantik eigentlich bedeutet. Und so dieses, bin ich der einzige Mensch für dich? Und man sich dann denkt, nein, natürlich nicht. Es gibt 20 Milliarden Kombinationsmöglichkeiten hier. Was soll das? Das ist doch nicht romantisch zu sagen, wir sind die einzige Kombination.
Florian Bayer: Es ist, also... Ich bin viel zu nüchtern und viel zu realistisch. Wenn ich da drauf gucke auf ihr Gespräch, sage ich ja, natürlich hat immer die Person recht, die genervt ist von dem anderen. Weil es ist so offensichtlich, ne? Nee, weil du die Beste bist? Das glaubst du doch nur. Es könnte doch auch eine andere sein. Natürlich könnte es eine andere sein. Was ist denn das für ein... Und wenn er dann sagt, was würdest du machen, wenn ich sterben würde? Und sie sagt, ich würde ganz viel trauen. Er sagt, nein, du würdest dir einen anderen besorgen. Natürlich, was soll sie machen? Soll sie mit dir ins Grab springen? Alter, also sie sind beide Idioten in diesem Moment. Aber es ist natürlich so eine, ich finde es halt auch so eine junge idealistische Idiotie, die irgendwie auch süß ist, die halt auch irgendwie sowas Romantisches hat.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Aber ja, es wird ja wenig gezeigt, was sie irgendwie zusammenhält. Also wir erfahren ... Wir erfahren halt relativ wenig über ihre Umstände. Ich habe das Gefühl, es gibt einfach einen Punkt im Leben, wo sie von ihm genervt sein wird, weil er... Er wird irgendwann auch im Knast. Er ist ja offensichtlich überfordert mit allem, was er macht und jetzt hat er Glück gehabt und kommt davon und wird weiter für Ronny arbeiten und Irgendwann wird er in dieser Funktion erwichten, wird er natürlich nicht singen, weil er Angst vor Ronny hat und dann wird er im Knast landen und dann wird er ein halbes Jahr im Knast sein. Und dann wird sie jemand anderen kennenlernen und dann sind sie in zwei Jahren nicht mehr zusammen. Sorry. Aber es ist ja egal, in diesem Moment ist es echt und in diesem Moment ist es schön und in diesem Moment ist es auch glaubhaft und es ist die absolute Liebe und es ist die Liebe für immer, aber halt in diesem Moment nur. Wenn das Sinn macht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Um noch einen Schauspieler in den Raum zu werfen, wenn wir schon dabei sind, immer mal wieder Cast-Namen reinzuwerfen. Wir haben hier Lars Rudolf als Herr Kruse in der Bank, als der Typ, der im Bankschalter ist. Der sich auf eine sehr interessante Beziehung mit einer Frau einlässt. Mhm. In einer Timeline, in der anderen Timeline stirbt sie. Nee, bringt sie sich um, weil sie todkrank ist? Weil sie im Rollstuhl landet? Ist egal. Lars Rudolf aus Werkmeister Harmoniak.
Johannes Franke: Ach stimmt, daher kenne ich den.
Florian Bayer: Ja, auch ein bekanntes Gesicht. Meine Lieblingsrolle von ihm ist natürlich Werkmeister Harmoniak in diesem Film. Eine ganz kleine, süße Nebenrolle.
Johannes Franke: Ja, mag ich total. Allerdings muss ich sagen, bei der Banküberfallsszene, sie haben wirklich alles dafür getan, um zu zeigen, dass sie gar keine Ahnung hat, oder? Also, dass sie wirklich die schlechteste Bankräuberin überhaupt ist. Sie schickt ihn los und nimmt in Kauf, dass er jetzt irgendwie eine halbe Stunde lang im Keller sitzt. Ich gucke mal noch nach Geld.
Florian Bayer: Oh, wo ist das nur? Habe ich es schon wieder verlegt?
Johannes Franke: Ist die Polizei schon da? Noch nicht? Na gut, dann suche ich mal weiter nach Geld.
Florian Bayer: Total putzig, in der ersten Timeline sehen wir ja ihn in dieser Sadomaso-Beziehung mit der angestellt, wo es wirklich wild abgeht. Und dann in dieser zweiten Timeline wird gezeigt, was für ein Spießer er ist, weil er nimmt dann diese Mülltüte und macht so ganz vorsichtig. ich den Müll raus, um da das Geld reinzumachen. Und ich finde diesen Kontrast so niedlich. Diese komplett spießig und brav wirkende Mann. Und dann geht es ab mit Leder und mit Gocke im Mund und so. Großartig. Ja, sie macht alles falsch bei dem Bankraub und ich habe gesagt, der dritte ist der Erialste, aber das ist natürlich auch komplett daneben, dass sie dann aus der Bank rauskommt und niemand von den Polizisten sie für eine Bankräuberin hält. obwohl sie mit einer Plastiktüte in der Hand mit diesen roten Haaren verschwitzt. Natürlich aussieht wie die Räuberin. Patriarchismus sei Dank. Sexismus inverted.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Sie ist so offensichtlich die Verantwortliche.
Johannes Franke: Ja, aber das ist so ein bisschen das, wo ich auch denke, dass der Film sich ein bisschen Style over Substance erlaubt. Und sagt, okay, komm, wir haben jetzt ein paar Gags, die sind jetzt drin, wie zum Beispiel das, dass ihr da rauskommt und alle sagen, pst, geh weg. Und so ein paar Stellen, wo ich denke... Der Film ist unglaublich stylisch auf seine eigene Art und Weise, dadurch, dass er auch so einen Maximalismus betreibt. Mit den Animationen und mit der Kamera und so weiter, mit diesen verschiedenen Kameraarten. Und dann plötzlich so eine ballhaussche Drehung um sie drumherum, wo man denkt, wow, was für ein krasser, geiler Aufwand und ein tolles Bild und so. Und im nächsten Moment kommt so ein blöder Camcorder rein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also man hat das Gefühl, dass ich einen Faden verloren habe.
Florian Bayer: Style of a Substance war dein Stichwort.
Johannes Franke: Man hat das Gefühl, dass es so ein bisschen, der Style wirklich wichtig ist für Tom Tickwell und dass er teilweise sagt, ja das ist jetzt stylischer, egal ob das jetzt mehr Sinn ergibt oder nicht.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall ein Film, der sehr stark von seinem Stil lebt. Da würde ich dir komplett zustimmen. Ich finde nicht, dass er dadurch substanzlos wird. diese Substanz einer realistischen Geschichte erwarten. Ich finde, er wirft schon so ein paar philosophische Happen hin. Aber natürlich ist es ein Film, der von diesen Happen lebt. Er macht hier keine große Diskursanalyse oder so. Er definiert das nicht aus, sondern er bleibt bei diesen Happen, wirft die rein und macht so ein paar Fragen auf. Und ansonsten lebt er natürlich von seiner Stilistik und das ist halt einfach Musikvideo, Videospiel. gar nicht genannt, aber es ist natürlich auch so, du stirbst und machst Continue und hast dann dein nächstes Leben und kannst es nochmal versuchen. Also auch gerade so in Kombination mit diesem Laufen. Und dann haben wir wirklich Momente, wo die Welt fast zweidimensional wirkt, wenn Lola so von der Seite beim Rennen gefilmt wird. Dann haben wir ja quasi ein Mario Level, wo man von links nach rechts rennen muss. Ja, das stimmt. Und das ist, glaube ich, das ganz Wesentliche, dass hier der... Vielleicht sogar, um das mal vorsichtig zu sagen, dass der Stil selbst zur Substanz wird.
Johannes Franke: Okay, okay, ja, vielleicht das. Ich geb dir das mal. Übrigens hat Tom Tickler 1990 auch schon mal einen Kurzfilm gemacht, der ein ähnliches Konzept hatte. Ja. Der Film hieß Because und darin hat so ein paar unterschiedliche Handlungsverläufe auch durchlebt. Durch Detailveränderungen und Zufälle und so alternative Realitäten quasi durchgemacht. Also das Konzept ist sozusagen schon öfter mal da gewesen und ich finde es auch eine gute, ja, an sich eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, wir haben, also es war ja, Herr Tom Tick war wirklich erster großer Erfolg, aber wir haben noch gar nicht so viel zu Tom Tick war gesagt, der hat danach natürlich eine Mordskarriere hingelegt. Also zum einen hat er in Deutschland wirklich erfolgreiche Filme gemacht, sowas wie das Parfum zum Beispiel, das ja auch schon so ein bisschen internationalen Touch hatte.
Johannes Franke: Ja, voll.
Florian Bayer: Aber er ist dann auch zwischenzeitlich wirklich einmal nach Amerika und hat dann sowas wie The International gemacht. Und wahrscheinlich sein international bekanntestes Werk Cloud Atlas zusammen mit den Wachowskis, die ja auch dafür bekannt sind, sehr... irgendwie so diese Kombi zu machen aus Experimentellem und Blockbuster.
Johannes Franke: Ja, ja. Übrigens auch nochmal mit Sense8. Sense8 ist ja eine Serie mit 24 Folgen in zwei Staffeln. habe ich gesuchtet. Ich habe das sehr geliebt diese Ästhetik.
Florian Bayer: Ich bin irgendwann ausgestiegen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Es war mir irgendwann zu esoterisch.
Johannes Franke: Aber ich mochte die Ästhetik so sehr gerne.
Florian Bayer: Ja, die Ästhetik war super. Und die Geschichte, es war auch cool, so vom Style und es war auch... Ich meine, das war 2015, das ist 10 Jahre her. Das hat gerade was Identität betrifft, so viele Themen aufgegriffen.
Johannes Franke: Auch mit den Wachowskis, oder?
Florian Bayer: Genau. Die heute viel stärker diskutiert werden. Also auch vielleicht so ein bisschen seiner Zeit voraus. Ich fand von Tom Tick war sein... Für mich sein Nachfolgerfilm nach Lola Rent, obwohl dazwischen noch der Krieger und die Kaiserin war, Heaven, fand ich grandios. Das war ein richtig guter Film, auch so eine europäische Koproduktion mit Italien war drin und Frankreich war drin und England war offensichtlich auch mit drin. Mit Cate Blanchett und Giovanni Ribisi. Mit einer ganz einfachen Geschichte, wo eine Frau Rache nimmt für den Tod ihres Kindes. Und dafür einen Gangster töten will, aber dabei sterben auch Unschuldige und sie flieht. Und sie flieht dann mit Hilfe von diesem Polizisten und es ist so eine ganz merkwürdige, ruhige, traumhafte Liebesgeschichte. Ganz großartiger Film, so ein bisschen vergessener Klassiker, finde ich, des europäischen Kinos.
Johannes Franke: Ja, wenn du das sagst, dann muss man natürlich sagen, dass das auch das Drehbuch von Christoph Kieslowski ist. Das ist ein polnischer Autor. Der die Dekalog in drei Farben gemacht hat und so weiter, der ist auch für Tom Tikwa, für diesen Film, auch Vorlage gewesen mehr oder weniger.
Florian Bayer: Ja, auch dieses Spiel mit den Realitäten und mit dem, wie... wie kleine Dinge, die das Schicksal von mehreren Menschen beeinflussen können.
Johannes Franke: Der Zufall möglicherweise, Blind Chance im Englischen, von 1987. Die Idee hatte er schon 1981 und hat da irgendwie was draus gemacht und daran orientiert hat sich im Grunde Tom Tick war dann.
Florian Bayer: Ich finde, Tom Tikva ist wirklich, der hat Ideen und der arbeitet auch experimentell, aber er macht halt auch die irgendwie beim Publikum ankommen. Und deswegen ist es auch schön, dass er es wirklich nach Amerika geschafft hat, den Wachschaufskis zu drehen, ist natürlich total geil. Babylon Berlin war das Letzte, was er gemacht hat, was ich ja doof fand.
Johannes Franke: Das fandst du doof, richtig doof oder war das nur irgendwie dann irgendwann überladen oder was fandst du?
Florian Bayer: Ich habe nicht genug geguckt, um ein wirklich fundiertes Urteil abgeben zu können. Aber ich habe die erste Staffel, die ersten paar Folgen geguckt ... Und irgendwann gesagt, not my cup of tea.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Also ich fand Babylon Berlin großartig. Vielleicht, ja, vielleicht auch je nachdem, was für Vorlieben man hat, aber ich liebe diese Zeit einfach so. Ja, klar. Das ist mein Ding so. Und deswegen mochte ich das auch tatsächlich sehr gerne.
Florian Bayer: Das habe ich für dich gemacht. Ich glaube, mir war es zu wenig Gesellschaftsporträt und zu viel Krimi. Das hat mich genervt.
Johannes Franke: Das fand ich grandios daran. Weil die Gesellschaftspoträt, wozu brauche ich das? Ich kenne die 20er in und auswendig. Ich will eine ordentliche Geschichte da drin sehen. Und ich fand die tatsächlich sehr, sehr, sehr, sehr schön. Es bleibt gar nicht mehr so viel, ehrlich gesagt, was ich hier noch habe für diesen Film.
Florian Bayer: Ich wollte zumindest noch anschließen, dass wenn wir schon sagen, dass Tom Tick mal eine Wahnsinnskarriere gemacht hat, dürfen wir natürlich auch nicht die Karriere von Franka Potente vergessen. Die ist auch in den USA. A geschafft hat. Das stimmt, ja. 2001 an der Seite von Johnny Depp in Blow. 2002 an der Seite von Matt Damon in Born Identity. Mhm. Und vor mittlerweile mehr als fünf Jahren hat sie mit Home ihre Regie gegeben.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Dazwischen durfte sie auch in Dr. House in zwei Folgen mitspielen. an American Horror Story in zwei Folgen und in Country Ring 2.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Sie ist irgendwie so in Amerika angekommen, aber ich glaube, Home ist wieder was Deutsches. Und neben dem Musikvideo mit Thomas Dewish, hat sie 1999 mit den Banana Fish Bones getestet. deren Hit Easy Day neu gesungen. Also Easy Day war ein Song von einer deutschen Indie-Rock-Gruppe, Banana Fishbones. Und die haben 1999 eine Version mit Franka Potente rausgebracht. Woran ich mich sehr gut erinnern kann, weil ich die damals total geil fand, weil das ist einer der perversesten Ohrwürmer, die die es gibt. Also, Banana, Fishbones, Easy Day, hört es nicht, es geht nicht aus dem Kopf raus.
Johannes Franke: Okay, dann weiß ich ja, was ich die nächsten Tage mache. Okay, ansonsten fand ich noch ganz geil, wenigstens das nochmal zu sagen, ich find's super, dass er das Damsel in Distress ist, ne?
Florian Bayer: Absolut. Natürlich, total schön.
Johannes Franke: Also weil das auch in den 90ern jetzt nicht unbedingt selbstverständlich ist, dass das mal auf den Kopf gestellt wird. Normalerweise sind Frauen die Demsel in Distress, die Jungfrauen, die gerettet werden müssen. Und er ist jetzt die junge Frau, die gerettet werden muss. Finde ich super.
Florian Bayer: Und dass eine Frau so eine physische Rolle spielt, die in keinster Weise erotisiert oder sexualisiert wird.
Johannes Franke: Voll.
Florian Bayer: Sie rennt und sie sieht nicht gut aus beim Rennen, sondern sie sieht einfach aus wie jemand, der beim Rennen halt verschwitzt ist und abgeschafft ist und so weiter. Finde ich ganz toll, ist auch nicht selbstverständlich und ich könnte zehn Regisseure aufzählen, die sie mit Minirock hätten laufen lassen und einmal hinfallen und so.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Also insofern fand ich tatsächlich so, jetzt vielleicht aus feministischer oder heutiger oder proto-feministischer Perspektive, Ein ziemlich gutes Ding, vor allem, weil es auch unbemüht ist. Also es ist jetzt nicht so, dass man das Gefühl hat, da versucht aber jemand irgendwie was Feministisches zu machen, sondern es ist einfach selbstverständlich da. Und das finde ich super.
Florian Bayer: Und damit zu unserer Top 3.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Run, run, run, run, run, run, run, baby, run.
Johannes Franke: Okay, Floor. Floor wollte unbedingt run, run, run und deswegen bin ich halt gerannt. Wer muss anfangen? Ich muss anfangen. Ich würde gerne anfangen mit... 1917. Der ist 2019 rausgekommen. Das sind zwei Soldaten, die im... in den Schützengräben des Weltkriegs, welches Weltkriegsmoment? Des Ersten Weltkriegs wahrscheinlich? 1917. des Ersten Weltkriegs rumlaufen und verzweifelt versuchen, eine Botschaft loszuwerden. Der eine bleibt ohne groß zu spoilern auf der Hälfte des Films stecken. während der andere weiter rennt, um es irgendwie hinzukriegen, um eine riesige Division an Leuten nicht in den Tod zu schicken, weil da irgendeine Falle
Florian Bayer: Vor allem bekannt dafür, dass es ein Fake One Take ist. Ja.
Johannes Franke: Also man hat das Gefühl, das Ding ist durchgedreht ohne Pause, komplett einmal Kamera drauf, aber natürlich haben sie viele, viele verschiedene Drehtage gehabt. Aber trotzdem sehr, sehr lange Takes, muss man sagen.
Florian Bayer: Absolut beeindruckend. Von Sam Mendes, Regisseur von American Beauty und von Empire of Light. die wir hier auch besprochen haben vor ein, zwei Jahren.
Johannes Franke: Habe ich auch gerade erst gesehen den Film und fand ihn tatsächlich beeindruckend.
Florian Bayer: Mein Platz drei ist eine der berühmtesten Trainingsmontagen der Filmgeschichte. aus dem Jahr 1976. Rocky, der rennt und rennt und rennt zu großartiger Musik von Bill Conti. Wirklich toll und es steigert sich so mehr und mehr und dann rennt er diese Treppen hoch und in Philadelphia und zu dieser Statue und jubelt dann nochmal und es ist einfach eine wunderschöne, wirklich intensive Trainingsszene. Ganz großartig. Sylvester Stallone. In vielleicht seiner besten Rolle. Ich habe auf Platz 2 North by Northwest...
Johannes Franke: Oh ja, jetzt fehlt mir die deutsche Variante. Wie heißt das?
Florian Bayer: Es ist nicht der dritte Mann, der unsichtbare Dritte. Genierlicher Agentenfilmtitel aussehbar. Aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Johannes Franke: Der unsichtbare Dritte heißt das.
Florian Bayer: Der Mann, der zu viel wusste, der unsichtbare Dritte, der dritte Mann, der Mann im Schatten.
Johannes Franke: Cary Grant ist auf der Flucht. Sie wird verwechselt mit einem wichtigen Spion, glaube ich. Wir haben ihn besprochen, den Film. Und man sieht eine ganz, ganz geile Sequenz, wo er von einem Flugzeug kommt. angegriffen wird, mehr oder weniger verfolgt. Er rennt davon weg und das ist auch das Plakat geworden. Und dieser Run, den finde ich richtig geil. Es ist auch wirklich sehr, sehr gut inszeniert.
Florian Bayer: Eine der berühmtesten Action-Szenen der Filmgeschichte. Ich glaube, selbst Leute, die den Film nicht gesehen haben, kennen dieses Bild, wie Cary Grant auf diesem offenen Feld ist, das Flugzeug im Nacken. Tolle Szene.
Johannes Franke: Ganz toll, ja, ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei, König der Löwen aus dem Jahr 1994. Simba rennt zu seinem Final. gegen seinen bösen Onkel Scar und es läuft diese pathetische Musik und wir wissen, er rennt jetzt dahin, um das Land, aus dem er kommt, zu retten. Und das ist ein ganz großer Pathos. Und ich finde es schön, dass es mal nicht vor etwas Wegrennen ist, sondern zu etwas hin.
Johannes Franke: Okay, ja. Ich hätte auf Platz 1, vielleicht könntest du es erraten, Buster Keaton. Weil natürlich, und im Grunde könnte ich jetzt jeden Film nennen. Ich nehme mal Sherlock Junior, weil wir den auch besprochen haben. Ansonsten könnte ich euch noch Seven Chances ans Herz legen. In Seven Chances. rennt er vor Hunderten von Bräuten davon und riesigen Felsbrocken, die hinterher rollen. Es ist Wahnsinn. Was Buster Keaton an Action-Szenen gemacht hat, damals in den 20ern, 30ern. Er hat ganz krasse Filme gemacht und er ist derjenige gewesen, der so stoisch, so schnell rennen konnte wie niemand anderes. Und wenn man sich seine Filme anschaut und nicht mindestens einen ganz krassen Run von ihm sieht, dann hat man irgendwie den falschen Film erwischt. Dann ist kein Bastakiten-Film.
Florian Bayer: Ich überlege gerade woher, also Sherlock Holmes fand ich ja unfassbar gut. Der hat mich ja richtig umgehauen. Das ist einer meiner liebsten Slapstick-Komodien geworden. Wo rennt er da?
Johannes Franke: Da ist er vor allem auf dem Fahrrad erstmal und falschrum auf dem Fahrrad, weil der eine Typ dann, der eigentlich auf dem Fahrrad sitzt, der ist dann irgendwann runtergefallen und er fährt auf. dem Lenker und denkt immer noch, dass da hinten jemand sitzt. Und in diesem Zuge rennt er auch relativ viel.
Florian Bayer: Okay, geil. Ja, toller Film. Toller Typ. Also Buster Keaton auf jeden Fall. Da hast du mich auf den Geschmack gebracht. Ja. Mein Platz eins, ich finde, dann doch halt wegrennen. Und wovor rennt es sich am besten weg? Vor was Untotem. wo die Haut abflattert. Und man könnte jetzt natürlich einfach sagen, jeder Zombie-Film, every Zombie-Film ever, aber ich nehme 28 Days Later... der die Geschwindigkeit nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Zombies etabliert hat. Davor war es vor allem schnelle Menschenrennen vor langsamen Zombies weg. In 28 Days Later sind die Zombies verflucht schnell. Und sagt mir jetzt nicht, dass es keine Zombies sind. Natürlich sind es Zombies. Sie haben alle... Alles, was zu einem Zombie-Film dazugehört.
Johannes Franke: Das haben wir genau ausdiskutiert, als wir darüber geredet haben.
Florian Bayer: Großartig. Ich finde, es bringt eine neue Intensität. da rein und es ist ein wirklich toller Film, es ist einer der besten Zombie-Filme, die existieren. Millett, ihr lieben Puristen. Ich mag auch die George Romero-Dinger, aber 28 Days Later ist echt stark.
Johannes Franke: Schön. Cool. Danke für die Top 3. Ja, danke dir. Lass uns doch zurückgehen in unser Film. Lola rennt. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Und schauen wir doch mal, wenn wir zurückkommen, was mit diesem Film passiert ist, nachdem er veröffentlicht wurde. Wie gesagt, wir hatten schon gesagt, 2 Millionen Budget. Ja, dieser Film sollte am Box-Office das Zehnfach einnehmen.
Johannes Franke: Geil. Ja, und er ist wahnsinnig berühmt geworden. Auf der ganzen Welt. Also überall, wo man so Filme rezipiert.
Florian Bayer: Run Lola Run ist sein englischer Titel. Ja. Und absurderweise hatte er es nicht geschafft, zu den Ausgas zu kommen. Es war tatsächlich der Vorschlag von den Deutschen, aber er hat es nicht mal in die Auswahl geschafft. Er war nicht mal nominiert. Ja. For the Record in diesem Jahr hat Das Leben ist schön geworden von Roberto Benigni im italienischen Film. Ja. der es auch irgendwie verdient hat. Aber ich finde es krass, das ist wirklich ein Blunder, finde ich, von den Oscars, dass er es nicht geschafft hat. Weil unabhängig davon, wie gut man den Film findet, und du wirst mir bestimmt gleich sagen, wie du ihn findest, Es ist ein Film, den man sich irgendwie, den sieht man und ich finde, der gehört auf die Nominiertenliste.
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich. Also ich glaube auch. Ich glaube, das war irgendwie, ich weiß nicht, schlechtes Jahr für die Academy. Also natürlich, das Leben ist schön, er hat zurecht gewonnen. Ich fand ihn wirklich sehr gut.
Florian Bayer: Das war ein sehr schöner Film, auf jeden Fall. Er hat zahlreiche andere Preise abgeräumt. Und mehrere Dinge... mehrere Kunstwerke haben ihn als Inspiration genannt. Unter anderem Legend of Zelda, Majora's Mask. Das 2000 veröffentlicht wurde, eines der kontroverseren Zeldas. Also ich bin ja riesiger Zelda-Fan. Das gehört zu den Zeltas, die ich nicht so mochte. Aber einige Fans sagen, es ist sogar das Beste von der Story. Da wird halt auch erzählt, wie immer und immer wieder ein Tag wiederholt wird. Das Musikvideo It's My Life von Bon Jovi und?
Johannes Franke: Ja, und die Simpsons natürlich. Die Simpsons. Simpsons natürlich.
Florian Bayer: Aber die Simpsons haben alles gemacht. Das zählt schon kaum noch. Aber was ich auch sagen wollte und... Ein Bollywood-Remake aus dem Jahre 2020.
Johannes Franke: Nein, wie geil.
Florian Bayer: Loop Lapita.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Der nicht gut ist. Hast du gesehen? Ich habe ihn nicht ganz geguckt. Ich habe die erste halbe Stunde geguckt und dann dachte ich, okay, es dauert, sie rennt immer noch nicht los. Dann hab ich ein bisschen vorgespult und dann bin ich da in der Ecke gelandet, wo es losgeht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und viel zu ausgedehnt, viel zu lange Vorgeschichte. Ja. Viel zu viele Actionsequenzen, die nichts mit ihr zu tun haben und es ist ein Clusterfuck.
Johannes Franke: Aber muss man schon sagen, als Tom Tick für den Anruf zu bekommen, dürfen wir Lola Rent in Bollywood-Form machen. Also für mich wäre das die absolute Krönung meiner Karriere.
Florian Bayer: Absolut. Ich weiß nicht, ob Sie ihn angerufen haben. Aber in den Credits steht ganz klar inspiriert von oder nach, ich weiß nicht mehr genau, wie es da steht, aber Lola Rent wird ganz am Anfang vor dem Titel noch genannt.
Johannes Franke: Okay, ja, dann werden sie ihn angerufen haben.
Florian Bayer: Auf jeden Fall total toll, dass es dieses Remake gibt. Also ich werde ihn nicht ganz gucken. Das, was ich davon gesehen habe, hat mir gereicht. Er ist ein Kultfilm geworden. Ich glaube, wenn jemand fragt, nenn mir einen Film, der irgendwie so die Rave und Berliner Kultur der 90er rüberbringt, Dann wird dieser Film einfach als erstes genannt. Und ich glaube, wenn Amerikaner gefragt werden nach deutschen Filmen in den 90ern, nennen sie auch am ehesten diesen Film.
Johannes Franke: Wahrscheinlich schon. Und Sound of Music. Obwohl es kein Deutscher ist. Ja.
Florian Bayer: Womit wir zu der entscheidenden Frage kommen und zu dem Jingle, den du jetzt einspielen musst.
Johannes Franke: Das Urteil. Wie bewerten wir diesen Film?
Florian Bayer: Wie bewerten wir diesen Film?
Johannes Franke: Ist es ein Muss-man-sehen-Film, Flo?
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Schön, finde ich auch.
Florian Bayer: Er ist meiner Meinung nach erstaunlich gut gealtert. Ich gucke diesen Film an und denke, das ist alles so 90er. Ja, ja. Dieses Spiel mit der Videoästhetik, dieses Spiel mit digitalen Videobildern und Digital Video war halt einfach noch sehr jung damals und sah entsprechend aus. Diese Mischung aus Zeichentrick und Musikvideo und so weiter. Es ist so 90er und es ist so Deutsch-90er. Es ist erstaunlich, dass der so gut gealtert ist. Man guckt da draußen, man kann den ganz genau in dieser Zeit verorten, in der er gedreht wurde. Man sieht diesen Film und denkt 1998. Und trotzdem ist er gut gealtert. Absolut, ist großartig. Keine Ahnung, wie sie es geschafft haben.
Johannes Franke: Also ich muss sagen, ich finde vor allem, dass der Film es schafft... mich so hart mitzureißen und mit seinen schlanken 70 Minuten nicht ein einziges Mal zu langweilen. Wirklich durchzugehen, selbst die Szenen, wo die im Bett liegen und ich denke, um Gottes Willen. Aber ich schaffe es, die ganze Zeit zu denken, eigentlich muss ich nochmal gucken, um nochmal alles wirklich würdigen zu können, weil er wirklich schnell ist. Er ist wahnsinnig schnell und hat so viel Energie. Ich finde es ganz beeindruckend, vor allem, weil er eben auch so maximalistisch ist unter den Zeichnungen und die ganzen. Die Ästhetik der MTV-Generation und alles mögliche. Er kriegt das super gut hin.
Florian Bayer: Es ist ein extrem kurzer Film und ein extrem Kurzweil. Heiliger Film, das funktioniert beides und genau, du rast einmal drüber und natürlich guckt man danach da drauf und denkt so, okay, vielleicht war das alles so ein bisschen Style over Substance. Ja, schon ein bisschen meinst du. Aber es ist halt extrem unterhalten. Und dafür, dass er so experimentell ist und gleichzeitig zu unterhalten.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Kudos, Tom Tickler.
Johannes Franke: Absolut. Schön.
Florian Bayer: Danke, Johannes, dass du diesen Film geguckt hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du mir den gegeben hast. Großartig. zu sehen. Und endlich wieder einen deutschen Film in der Liste. Das ist schon wichtig.
Florian Bayer: Ihr Lieben, Euch vielen Dank fürs Zuhören. Es war wie immer eine Freude mit euch.
Johannes Franke: Ihr könnt in das... ausgedehnte Muss-man-sehen-Wörs in Social Media hineingehen. Das ist so größenwahnsinnig, von einem Muss-man-sehen-Wörs zu sprechen.
Florian Bayer: Ihr seid unsere Mussmannsenianer.
Johannes Franke: Ja, ja, um Gottes willen. Geht auf Social Media und kommentiert überall fleißig. Es macht richtig viel Spaß mit euch, die Filme auseinanderzunehmen und auch Perspektiven, die wir vergessen haben. Wir haben auch hier wahrscheinlich wieder Sachen nicht besprochen, wo ihr sagt, warum sind die da nicht drauf gekommen? Schreibt es uns gerne, weil es echt, darum geht es ja, Horizont erweitern.
Florian Bayer: Einfach nur, um die zu ärgern, die wieder sagen, ihr habt das nicht erwähnt, das solltet ihr erwähnen sollen. Ich habe hier zwei Seiten Notizen zum Thema Berlin in den späten 90ern und ich werde nichts davon erzählen.
Johannes Franke: Nein, tu es nicht. Okay, ich danke euch daraus. Bleibt uns gewogen. Kommt nächste Woche wieder. Und was wir nächste Woche besprechen, das werden wir gleich nach dem Jingle bekannt geben. Und dann dürft ihr euch vorbereiten. Bis dahin, alles Gute. Ciao. Ciao. So, Plur, wir haben da was. Was gibt's denn? Für nächste Woche. Wir machen was ganz Ungewöhnliches. Einen Film, der noch nicht mindestens 10, 20, 30, 40, 50 Jahre alt ist. Wir nehmen einen Film, der in diesem fucking Jahr rausgekommen ist. Und zwar Project Hail Mary.
Florian Bayer: Wir haben drüber geredet und wir hatten in der... letzten Episode, wenn ich mich richtig erinnere, hat mir kurz gesagt, habe ich mich gefreut über die neue Naivität, die das Hollywoodkino entdeckt hat.
Johannes Franke: Und den als Beispiel genannt. Und ich finde ihn grandios. Ich habe ihn halt angeschaut und habe gedacht, der muss unbedingt im Podcast landen. Habe aber nicht damit gerechnet, dass ich so schnell den reinwerfen werde. Aber jetzt komme ich nicht mehr drum rum. Ich muss ihn einfach reinwerfen und alle werden sagen ... Too late to the party. zu spät, um eine Review zu machen für Leute, die ihn noch nicht gesehen haben und zu früh, um zu sagen, übrigens Filmgeschichte.
Florian Bayer: Das stimmt, aber wir befinden uns im Streaming-Zeitalter, deswegen finde ich das mit dem too late to the party ein albernes Argument und wir machen keine aktuellen Filme, das ist einfach nicht unser Ding. Und zum Zweiten, wenn ein Film sehenswert ist, dann ist er fucking sehenswert.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ich glaube, wir werden nächste Woche nicht so viel darüber streiten, ob dieser Film sehenswert ist.
Johannes Franke: Nein, aber wir werden die ganzen kleinen Sachen auseinandernehmen, die in diesem Film stecken. Und du hast das Buch... Anscheinend angefangen zu lesen.
Florian Bayer: Ich habe das Buch ungefähr zur Hälfte gelesen. Das klassische Schicksal einer Sommerlektüre bei mir. Ich bin einfach nicht dazu gekommen.
Johannes Franke: Da bin ich mal gespannt. Dann hast du jetzt noch eine Woche Zeit, vielleicht kommst du noch mal rein.
Florian Bayer: Ich werde mich beeilen.
Johannes Franke: Okay. Und ja, vielleicht werden wir ein bisschen über Wissenschaft reden oder sowas. Du bist für die Astro.
Florian Bayer: Astrophysik verantwortlich. Ach du Scheiße, du mich auch. Bis nächste Woche, ciao.
Johannes Franke: Ciao.
