Episode 301: The Lighthouse – Halloween und Seemannsgarn
Ephraim Winslows Traum ist es, genug Geld zu verdienen, um sich eine kleine Hütte mit ein bisschen Land leisten zu können, und sich dort in Ruhe zurückzuziehen. In den 1890ern bedeutet das für einen einfachen Arbeiter, von einem potenziell gefährlichen Knochenjob zum nächsten zu ziehen.
Bei seiner Arbeit im Leuchtturm wird er von einer erbarmungslosen Natur und seinem hartgesottenen Kollegen Thomas schikaniert, aber er zieht es stoisch durch, soll es doch nach nur vier Wochen schon zu Ende sein. Doch ein Jahrhundertsturm verhindert seine schwer ersehnte Abfahrt und so beginnt ein Abstieg in die dunkelsten Ecken der Psyche beider Männer.
Als herauskommt dass Ephraims Vorgänger dem Wahnsinn verfallen gestorben ist, ahnen wir warum: Die Einsamkeit, die harte Arbeit, der unweigerliche Streit und der Aberglaube an übermächtige mystische Kreaturen macht den Männern zu schaffen. Eine Meerjungfrau liegt wie eine Sirene verführerisch auf den Klippen, Möwen scheinen reinkarnierte Seemänner zu sein und das Licht des Leuchtturms einen Sog zu haben der die beiden in erbitterten und tödlichen Konkurrenzkampf stürzt.
Ein Film, der von Seemannsgarn, von Mythen und Legenden lebt und toxische Männlichkeit als Vorhölle erzählt. Frei nach Sartre “Die Hölle sind die Anderen”.
Plor, was glaubst du welches Schicksal würden wir erleiden, 4 Wochen in einem Leuchtturm ohne Internet gefangen?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 301: The Lighthouse – Halloween und Seemannsgarn Publishing Date: 2026-10-07T07:49:46+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/10/07/episode-301-the-lighthouse-halloween-und-seemannsgarn/
Florian Bayer: komplett brechen mit dem, was du erwartest, weil es einfach knallhart wechselt von wir schreien uns an und feiern miteinander und wir trinken zusammen Brüderschaft und im nächsten Moment prügeln wir uns. Wir küssen uns fast und dann wollen wir uns gegenseitig umbringen. Es geht so Schlag auf Schlag, dass du halt diese Eindrücke einfach auf dich einprassen lassen musst.
Johannes Franke: Wir sind im Horror-Monat gefangen. Und wenn ich schon bloß eigenwillige Liebe zu obskuren Horrorfilmen mitmachen muss, dann richtig. Kommt, kommt und scharrt euch ums Feuer, denn ich will euch eine Schauergeschichte erzählen. die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen wird. Eine wahre Geschichte, die später einen Film namens »The Lighthouse« inspirieren wird. Denn wie jedes gute Seemannsgarn hält auch diese einen schaurig wahren Kern. Wir sind im Jahre 1801, draußen auf den Smalls Rocks, 20 Meilen vor der Küste von Pembrokeshire. wo die irische See ihre Zähne fletscht. Dort stand ein ungewöhnlicher Leuchtturm, Eine knarrende, schwindeldürre Holzkonstruktion auf neun Eichenpfählen. In einer winzigen Holzkabine direkt unter der Laterne hausten zwei Männer. Thomas Howell und Thomas Griffith. Man hatte sie gemeinsam auf den Felsen geschickt, das Licht zu bewachen, obwohl an Land jeder wusste, dass sie sich abgrundtief hassten. Ein tiefer Groll, der schon lange zwischen den beiden herrschte. Die ersten Wochen vergingen in zähem Schweigen. bis Thomas Griffith eines Tages über Leibschmerzen klagte. Tagelang krümmte sich der Mann in seiner Koje, während Howell allein das Öl hiefte. Die Dochte schnitt und die Scheiben putzte. Kein Arzt, keine Medizin, nur das endlose Heulen der Stürme. Griffith siegte dahin, von Fieberfantasien geschüttelt, bis sein Atem an einem grauen Nachmittag rasselnd aussetzte. Plötzlich war Howell allein in der winzigen Stube mit der Leiche seines Erzfeindes. Nun hätte er den Toten einfach den Wellen übergeben können. Aber an Land wusste man von ihrem Hass. Warf er Griffith über Bord? würde man ihn des Mordes anklagen und am Galgen baumeln lassen. Er brauchte den Leichnam. als Beweis seiner Unschuld. Doch die See kochte und kein Versorgungsschiff wagte sich an die Klippen heran und der leblose Körper begann zu verfallen. Als der Gestank im engen Wohnraum unerträglich wurde, zimmerte Howell in seiner Verzweiflung aus Brettern, die er in der Werkstatt fand. einen notdürftigen Sarg. Er wuchtete den toten Griffith hinein, schleppte die schwere Kiste auf die schmale äußere Plattform und verteute sie fest am Geländer, direkt vor den Fenstern des Laternenhauses. Das Unwetter riss tagelang an der Hütte. Wellenkämme schlugen empor bis zur Galerie. Die Tauern hielten, doch die Wucht des Wassers und der Wind zertrümmerten den Sarg. Das Holz splitterte ab und gab Griffith Körper wieder frei. Der Wind packte die Leiche, richtete sie halb auf und fing an, einen Arm der Gestalt durch die Luft zu schleudern. Jedes Mal, wenn Howell in die Laterne stieg, Um das Licht für die Schiffe auf See am Leben zu erhalten, stand Griffith draußen im tosenden Regen.
Florian Bayer: Was für eine Arbeitsmoral.
Johannes Franke: sah es so aus, als würde der tote Rivale ihm ununterbrochen zuwinken. Stunde um Stunde, Nacht für Nacht, klopften die Überreste zum Pfeifen des Windes an das Glas. Howell schlief nicht mehr. Er aß kaum noch. Sein Verstand stahl sich still und leise davon. Aber er tat seine Pflicht. Er ließ das Leuchtfeuer keinen einzigen Abend erlöschen. Als der Sturm nach schier endlosen Wochen endlich abflaute und ein Boot die Felsen anlaufen konnte, bot sich den Rettern ein grausiger Anblick. Sie fanden Thomas Howell zusammengeduckt in einer Ecke. Der Mann, der als kräftiger, dunkelhaariger Bursche auf den Felsen gegangen war, saß dort mit schneeweißem Haar, eingefallenen Augen und einem Blick, der durch die Wände starrte. Selbst seine engsten Freunde erkannten ihn nicht wieder. Er hat nie wieder zu sich gefunden. Und damit herzlich willkommen, Plur.
Florian Bayer: Gott, who hears the searcher's roll, deign to save our supply and soul. Auf gute anderthalb Stunden.
Johannes Franke: Flo, ich hab dich genauso wenig verstanden wie das Original. Sehr schön. Aber ich glaub, bei dir aus anderen Gründen.
Florian Bayer: So soll es sein. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zum Halloween-Moment. Oh mein Gott. Und was für ein großartiger, passender Einstieg. Vielen Dank. Weil ich meine natürlich, wenn wir an Halloween denken, Denken wir auch an Gruselgeschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt.
Johannes Franke: Ach, ist das schön. Ja, also dieses Grusel-Lagerfeuer finde ich schon geil. Aber ich habe mit Horrorfilmen, das muss ich mal wieder betonen, nicht so wahnsinnig viel am Hut.
Florian Bayer: Und deswegen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Johannes dieses Genre näher zu bringen, indem ich ihn jedes Jahr zu Halloween einen ganzen Monat lang quäle. Und nicht nur sage, ich gebe dir Horrorfilme, das wird auch noch kommen, sondern vor allem auch sage, und jetzt such du mal gute Horrorfilme raus.
Johannes Franke: Irgendwann wird es mal ausgehen, Flo. Irgendwann werde ich keine mehr finden und dann werden wir das Publikum fragen müssen und dann müssen die uns Horrorfilme geben. Wir fragen ja sowieso öfter mal euch, aber dieser Horror-Mondort steht nur uns beiden zu? Und danach gibt es wieder Publikumswünsche. Podcast, der großartige Filme gemacht hat. Hast du den, welchen hat er als letztes rausgehauen? Das war nämlich so ein bisschen ein Problemfall.
Florian Bayer: Der Nosferatu.
Johannes Franke: Der Nosferatu, ja.
Florian Bayer: Habe ich gesehen und, naja, Licht und Schatten. Ich fand ihn generell ganz gut. Wir haben drüber geredet, wir hatten eine Nosferatu-Folge. Ich glaube letztes Jahr oder vorletztes Jahr, auf jeden Fall hatten wir eine Nosferatu-Folge, wo wir über den Klassiker von Murnau gesprochen haben und ein bisschen über ihn doch auch. Und dann haben wir den natürlich auch gestreift, auch das Remake von Werner Herzog aus den 70ern.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und wir waren auch ziemlich auf einer Wellenlänge, was diesen Film betrifft. Wir waren sehr enttäuscht über das Creature-Design von Nosferatu selbst.
Johannes Franke: Und dieses seltsame CGI-Monster, was zwischendurch, also nicht das Monster, sondern das CGI-Ungetüm im Sinne von, sie haben überhaupt CGI benutzt. Das ist nicht so geil gewesen.
Florian Bayer: Aber wir mochten wie bei allen Eggers Filmen diese historisch akkurat wirkende Atmosphäre, dieser Versuch. Ja. Nicht nur mit Kostümen und Sets, den Geist der Zeit einzufangen, sondern tatsächlich auch in den Bildern. Was er hier wahrscheinlich am radikalsten gemacht hat, also ich meine The Witch, den haben wir auch besprochen, da hat er komplett auf natürliches Licht gesetzt, das macht er in diesem Film nicht. Aber dafür setzt er in diesem Film auf anderes, was diese historischen Vibes Ende 19. Jahrhundert, Anfang 20. Jahrhundert erzeugt.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig spannend, weil der Film natürlich nicht historisch akkurat ist wegen der ganzen Mythologie, die da drin steckt. Aber wir haben trotzdem das Gefühl, dass wir sehr physisch etwas sehr Historischem und historisch Akkuratem beiwohnen. Das finde ich total spannend. Ich habe auch noch einen kleinen Text über diesen Film, diesen tatsächlichen Film, was tatsächlich in diesem Film passiert. damit ihr da draußen, die ihr den Film vielleicht nicht gerade gestern gesehen habt, ein bisschen reinkommt. Den würde ich auch nochmal verlesen, wenn es okay ist. Nicht los. Ephraim Winslows Traum ist es, genug Geld zu verdienen, um sich eine kleine Hütte mit ein bisschen Land leisten zu können, um sich dort in Ruhe zurückzuziehen. In den 1890ern bedeutet das für einen einfachen Arbeiter, von einem potenziell gefährlichen Knochenjob zum nächsten zuziehen. Bei seiner Arbeit im Leuchtturm wird er von der erbarmungslosen Natur und seinem hartgesottenen Kollegen Thomas schikaniert. Aber er zieht es stoisch durch. Soll es doch nach nur vier Wochen schon zu Ende sein. Doch ein Jahrhundertsturm verhindert seine schwer ersehnte Abfahrt und so beginnt er. und ein Abstieg in die dunkelsten Ecken der Psyche beider Männer. Als rauskommt, dass Ephraims Vorgänger den Wahnsinn verfallen, gestorben ist, ahnen wir warum. Die Einsamkeit, die harte Arbeit, der unweigerliche Streit und der Aberglaube an übermächtige mystische Kreaturen macht den Männern zu schaffen. Eine Meerjungfrau liegt wie eine Sirene verführerisch auf den Klippen. Möwen scheinen reinkarnierte Seemänner zu sein und das Licht des Leuchtturms. einen Sog zu haben, der die beiden in erbitterten und tödlichen Konkurrenzkampf stürzt. Ein Film, der von Seemannsgarn, von Mythen und Legenden lebt und toxische Männlichkeit als Vorhölle zeigt. Frei nach Sartre, die Hölle sind die anderen. Plur, was glaubst du, welches Schicksal würden wir beide erleben? Vier Wochen in einem Leuchtturm ohne Internet gefangen.
Florian Bayer: Ich wäre so am Ende. Und zwar nach fünf Minuten.
Johannes Franke: Natürlich!
Florian Bayer: Krasse ist ja, es ist nicht mal die Isolation. Ich habe tatsächlich, glaube ich, gar nicht so ein Problem mit Isolation.
Johannes Franke: Das haben die auch gesagt.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist auch nicht die Arbeit, obwohl die natürlich krass hart ist, ein furchtbarer Knochenjob. Was mich wirklich stressen würde, wäre Sehkrankheit und Das hatte ich bei diesem Film auch. Ich bin seelkrank geworden. Sie haben Stein unter den Füßen. Sie stehen auch fest. im Boden. Und trotzdem diese permanenten Wellen, die gegen die Felsen schlagen, auch dass diese Insel, auf der sie sind, Immer so halb unter Wasser zu sein scheint. Es gibt irgendwie nicht so wirklich eine Sicherheit, weil diese Zeiten wüten gegen diesen kleinen Vorposten, der kaum als Insel zu bezeichnen ist. Und dann hast du dieses Gefühl von, überall tosen die Wellen um dich rum. Du hast diese Stürme. Und dann natürlich auch die ganze Zeit diesen Meer- und Salzgeruch und diesen Fischgeruch. Und dann bist du so in deinem eigenen Siff gefangen. Mir wäre so speiübel die ganze Zeit.
Johannes Franke: Also es ist sozusagen nicht das schwankende Boot, was dich seelkrank werden lässt, sondern die Unsicherheit und der Gestank?
Florian Bayer: Also das schwankende Boot, ich bin jemand, der sehr anfällig ist für Sehkrankheit und für Motion Sickness im Allgemeinen. Natürlich ist es das, was mich sehkrank macht auf dem Wasser, aber es ist erstaunlich, wenn ich diesen Film sehe, spüre ich so ein ähnliches Beklommenheitsgefühl. Ich spüre so eine Art von Seekrankheit, die da irgendwie die ganze Zeit drüber wabert, einfach weil... Du hast eben nicht diesen sicheren, festen Boden unter den Füßen. Du bist ständig den Gezeiten ausgeliefert. Du bist so hilflos.
Johannes Franke: Ja. Ich muss sagen, die erste halbe Stunde des Films habe ich was anderes mit Sehen. Nicht Seekrankheit, sondern Sehensucht. Nein, nach diesem Ort? Ja, und nach dieser Romantisierung, die da ein bisschen mitschwingt.
Florian Bayer: Wow, ich finde es faszinierend, dass du da Romantisierung siehst, weil ich sehe da einfach nur Schmutz und Dreck und Gestank.
Johannes Franke: Es gibt so viele russische Autoren, die Arbeit romantisieren. Ja, das ist volle Kanne, genau das.
Florian Bayer: Aber zum Arbeitromantisieren gehört doch nicht, dass du ganz am Anfang den Leuchtturmwärter ordentlich furzen hörst. Das sieht beide die ganze Zeit so aussehen, als würden sie wie die Hölle stinken. Dass der ganze Raum auch aussieht. Das ist aber so verwahrlost. Ich meine, witzig.
Johannes Franke: Er gibt sich alle Mühe, das sauber zu halten. Er kriegt zwar immer wieder auf die Mütze dafür, aber er gibt sich wirklich alle Mühe.
Florian Bayer: Es sieht alles so nach Gestank aus. Und dann die Arbeit. Ich meine, Ephraim muss den Nachttopf leeren. und dann hat er diese Güllegrube und dann passiert Scheiße und dann fliegt ihm Scheiße ins Gesicht, weil der Wind ihm entgegenkommt. Ich finde nichts romantisch an dieser Arbeit. Es gibt natürlich dieses Wabern von dem Leuchtturmlicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was immer so im Hintergrund ist und wo wir ja auch sehen, dass Thomas... offensichtlich eine sehr, sagen wir mal, libidöse Beziehung zu seiner Leuchtturmlampe hat. Ja. Aber ansonsten finde ich das vor allem schmutzig, dreckig, ekelhaft. Ich sehe keine Romantik da drin. Also ich würde da keine Minute aushalten.
Johannes Franke: Also ich finde natürlich Furzen und diese... Jauchegrube und so, wo sie dann Löschkalk raufwerfen, damit das nicht so stinkt. Das ist... Natürlich nicht romantisch und es lässt sich auch nicht romantisieren, aber die Natur drumherum... Und diese raue See und dieses Bild von den beiden, wie sie am Anfang dastehen und fast in die Kamera gucken. Und einfach wie so ein Gemälde dasteht. Ich find's großartig.
Florian Bayer: Ey, es ist großartig von den Bildern, aber ich find's von vorne bis hinten abstoßen von den Bildern. Was für Natur siehst du da? Das sind Felsen und das ist Meer. Die einzige Natur sind die scheiß Möwen, die dich angreifen. Es ist Felsen und Meer.
Johannes Franke: Das ist Natur pur.
Florian Bayer: Das ist keine Natur.
Johannes Franke: Ach, ich find's großartig. Aber es ist vielleicht, ich weiß nicht, ist das ein... Ich... Ich finde es total spannend, weil ja auch viele Romantiker in der Romantik, also in der Epoche der Romantik, sowohl in der Malerei als auch in der Literatur das Jahr auch genommen haben. Also das ist nicht selten, dass genau sowas auch romantisiert wurde.
Florian Bayer: Ganz bekannt ist ja dieses Caspar-David-Friedrich-Bild von dem Typen, der am Felsen steht.
Johannes Franke: Allein das schon.
Florian Bayer: Da gibt es halt diese Romantik der Einsamkeit und auch diese Romantik der Natur, die irgendwie was Unheimliches hatten, was Bedrohliches. Was hier halt dazukommt, und ich finde, das ist so ein Eggersverdienst, ist dieser Realismus.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: der es einfach schmutzig macht. Absolut, ja. Der das Romantisierende so rauszieht und so absorbiert.
Johannes Franke: Aber tatsächlich erst ab einer halben Stunde, muss man sagen.
Florian Bayer: Pah! ich weiß nicht, also ich habe das tatsächlich relativ früh gesehen und dann hat es mich nicht losgelassen. Die Bilder sind einfach, natürlich sind die Bilder großartig, aber Aber die Bilder sind alle so schmutzgetränkt, die sind alle so dunkel und alle so verloren und eben nicht in diesem düsterromantischen Sinne, so meine Seele wird hinfortgewählt von dämonischen Kräften. sondern die Scheiße schlägt mir ins Gesicht.
Johannes Franke: Übrigens, wenn du es schon ansprichst, jetzt müssen wir einmal die Scheiße im Raum ansprechen. wie er diesen Nachttopf im Wind ausleert und ihm das wieder ins Gesicht zurück. Es ist so geil, weil er auch ein sehr gutes Timing hat mit diesem Fuck, was er dann sagt. Robert Eggers hat gesagt,
Florian Bayer: In The Witch hat er so einen historischen Horrorfilm erzählt und hat wirklich das ganze Düstere und Miserable aus den Zeiten, über die er erzählt, rausgeholt. Und er dachte, okay, wenn ich jetzt nochmal so einen Film mache, dann muss ich da fucking Humor einbauen. Das geht nicht anders.
Johannes Franke: Genau. Das geht so weit, dass Robert Pattinson gesagt hat, das ist ein reines Film. Er hat wirklich immer wieder behauptet, das ganze Ding ist eigentlich nur eine riesige Komödie und er sieht da nur lustige Szenen drin. Was er natürlich auch so ein bisschen macht, um die Leute zu foppen. Auf jeden Fall. Aber es ist schon auch... tatsächlich viel Humor drin.
Florian Bayer: Es ist ganz oft so eine Pizarrerie. Wir haben diese zwei wirklich schrägen Typen. Zum einen den sehr tump aussehenden Hilfsarbeiter, der auch am Anfang wirklich dumm wirkt.
Johannes Franke: Ja, aber vor allem, weil er nicht viel sagt.
Florian Bayer: Weil er nicht viel sagt und weil er so ein bisschen so einen leeren Blick hat. Und dann haben wir diesen alten Seebären, der ja fast wie so eine Karikatur von einem Captain Nemo wirkt mit seinem krassen Bart und mit der Pfeife im Mund.
Johannes Franke: Captain Igloo.
Florian Bayer: Irgendwas zwischen Captain Igloo und Captain Nemo, halt irgendwie so ein alter Seebär, der so wirklich rau ist, aber auch ein bisschen herzhaft, der ordentlich trinkt und immer einen flotten Spruch auf dem
Johannes Franke: Warum hat Robert Eggers keine Fischstäbchen als Werbeplatzierung?
Florian Bayer: Egal, Fischstäppchen gab es im 19. Jahrhundert noch nicht.
Johannes Franke: Übrigens nur, weil ich es sagen wollte, weswegen ich überhaupt darauf hingen wollte. Big Lebowski. Ist tatsächlich das erklärte Vorbild für diese Szene, wie er die Scheiße in den Wind schießt. Es ist tatsächlich, also man kommt natürlich drauf, wenn man die Filme kennt und in nicht allzu großem Abstand voneinander gesehen hat und feststellt, oh. Der eine wirft Asche in den Wind und der andere wirft Scheiße in den Wind und es kommt ihnen beides wieder zurück entgegen und das ist sehr lustig. Aber Robert Eggert hat es zugegeben und hat gesagt, ja, das ist wirklich eine Hommage an den Film.
Florian Bayer: Es ist auch von der Perspektive, es trifft es ganz gut, aber natürlich, dass es scheiße ist, ist einfach nochmal eine Nummer krasser, als dass es die Asche eines Verstorbenen ist. Robert Eggers und sein Bruder, sein jüngerer Bruder Max Eggers haben das Ding entworfen.
Johannes Franke: Man hat so ein kleines bisschen das Gefühl, dass da so der große Bruder dazukommt und sagt, kommst du nicht voran mit deinen Hausaufgaben? Komm, ich helfe dir mal ein bisschen. Und hat es ein bisschen übernommen.
Florian Bayer: Max Eggers hat grundsätzlich eine Idee entworfen für irgendwie sowas wie eine Geistergeschichte und so. Seemannsgarn im Prinzip, rund um einen Leuchtturm. Und das hatte den Arbeitstitel Burned Island und war von Anfang an orientiert an einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, die zu seinen weniger bekannten Texten gehört oder zu seinen sehr bekannten Texten, weil es war nämlich wirklich das Letzte, was er verfasst hat. Die kurz, kurz, kurz, kurz, kurz Geschichte The Lighthouse. aus dem Jahre 1849, tatsächlich 1849 entstanden, also im Jahr seines Todes. Ja. Und 1909 aber erst veröffentlicht zu seinem 100. Geburtstag.
Johannes Franke: Sie ist ja auch nicht vollendet, ne?
Florian Bayer: Sie ist nicht vollendet. Es ist wirklich ein kurzer Text. Also ich habe es einmal durchgelesen innerhalb von fünf bis zehn Minuten. Es ist ein Vierseiter. Und es ist einfach ein Tagebuch von einem Leuchtturmwärter, der halt an seinem Leuchtturm ankommt und einfach nur schreibt, wie er sich fühlt und was er da macht. Es wird auch nicht gesagt, wer das ist und was sein Problem ist, aber im Text kriegen wir halt irgendwie mit, dass er offensichtlich... dass diese Einsamkeit in dem Leuchtturm ihm irgendwie nahe geht. Und das ist krass, weil der Text ist tatsächlich, das sind die ersten drei Tage da. Und es endet dann mit einem, es endet einfach am vierten Tag und es hat einfach nur noch den Datumseintrag 4. Januar, das ist im Tagebuch verfasst. Und damit hört es auf. Das Geile an diesem Text ist, dass es so ein bisschen im wahrsten Sinne des Wortes fast sich wie eine Metapher auf den Tod des Autoren lesen lässt. Der Autor stirbt, bevor er das Ding vollendet. und dann wird angefangen zu spekulieren und der Text gerät in die Hand der Rezipienten und dann spekulieren manche, dass Poe genau das geplant hat, Also dass der 4. Januar als Tagebucheintrag das letzte ist, dass das der Horror da drin ist. Andere versuchen, das weiterzuschreiben. Es gab Versuche, das quasi in Gedanken von Po weiterzuführen und daraus eine längere Geschichte zu machen. Und Leute setzen sich generell ganz unglaublich viel damit auseinander, mit diesem kurzen Text, weil der Autor halt wie... möglicherweise der Erzähler, während er an diesem Text saß, gestorben ist. Und das ist großartig, weil wir wissen halt nicht, ob es vollendet ist oder was. Genau. Und vielleicht ist es wirklich ganz banal und Poe ist gestorben und konnte das Ding nicht weiterschreiben, was der nächste Roman werden sollte. Niemand weiß es. Ja. Aber es ist halt dadurch so ein schönes Sinnbild darauf, dass das Publikum sagt, Alter, du bist tot, der Text gehört jetzt uns, jetzt machen wir damit, was wir wollen.
Johannes Franke: Das Schöne ist, und deswegen hast du ja vorhin auch das mit dem, du hältst da nicht lange durch, du willst aber gerne alleine sein. dass es vielleicht nicht unbedingt das ist, was dich dann am Ende zerstört, aber hier ist es das ja. Also der Erzähler erzählt ja, dass er sich zurückzieht, oder?
Florian Bayer: Er wirkt, es sind, wie gesagt, es sind drei Tage und er wirkt an einem Tag, wirkt er halt sich so zu orientieren, an einem Tag wirkt er euphorisch und an einem Tag wirkt er depressiv. aber es ist kein Ziel erkennbar. Es ist vor allem, ich meine, er beschreibt... relativ wenig über sich und nimmt sich stattdessen unglaublich viel Zeit, einfach so zu beschreiben, wie der Leuchtturm funktioniert. Und es endet auch damit, dass er einfach den Leuchtturm, dass er am dritten Tag... Dass er weiter den Leuchtturm beschreibt. Das sind eigentlich die letzten Sätze. Er sagt, was er sieht und wo das und das steht und wie das und das aussieht. Und das ist es. Also es gibt nicht so... Es gibt nicht eine Bewegung, die sagt, okay, und jetzt könnte ich mir vorstellen, dass er sich umbringt, dass er sich in die Wellen stürzt, dass er an Einsamkeit stirbt, dass er nicht mehr schreiben kann. Das ist nicht so, sondern es bleibt einfach... Wirklich eine Unvollendete.
Johannes Franke: Schön. Nur hat Max Eggers zwar Edgar Allan Poe sich genommen, aber sein Bruder guckt dann da drauf und sagt sich, ja, da kann man doch noch ein bisschen was mehr draus machen. Das muss ja jetzt keine Kurzgeschichte bleiben, das kann ja ein bisschen mehr Fütter bekommen und hat auch weitere literarische Vorbilder dazu geholt.
Florian Bayer: Unter anderem nicht nur literarisches Vorbild, sondern tatsächliches Vorbild. Das, was Johannes am Anfang erzählt hat, die Smalls Lighthouse Tragedy, die sich tatsächlich... nicht in diesem ausgeschmückten Status, wie Johannes ihn jetzt erzählt hat.
Johannes Franke: Wer weiß? Wir wissen es nicht.
Florian Bayer: Die sich aber tatsächlich Anfang des 19. Jahrhunderts so zugetragen hat. Zwei Leuchtturmwärter, die tatsächlich beide Thomas heißen. Sie sind verstritten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Einer stirbt und der andere denkt sich, oh shit, den Tod könnte man mir anlasten, ich muss die Leiche aufheben. Damit nachher ein Gerichtsmediziner drauf gucken kann und sagen kann, nee, nee, du hast nichts falsch gemacht. Was man halt so tut in so einem Fall.
Johannes Franke: Ja und das hat auch da zur Folge gehabt, dass ab da drei Leute an so einem Leuchtturm sein mussten. Also das war wirklich dann eine festgesetzte Regel, weil das so tragisch geendet ist, die gesagt, nee, das geht nicht mehr, zu zweit ist nicht mehr.
Florian Bayer: Ja, die Geschichte der Leuchttürme ist unglaublich spannend. Wir werden bestimmt nochmal drauf zurückkommen. Im 19. Jahrhundert, um so viel vorwegzunehmen, ist vieles passiert, was Leuchttürme betrifft. Vor allem technisch, aber auch so sozial und wirtschaftlich. Und Die Leuchttürme haben sich in der Zeit zu krassen Maschinen entwickelt und das sehen wir in diesem Film ja auch wieder gespiegelt. Dieser Leuchtturm mit dieser Drehvorrichtung, die mit Kohle betrieben wird.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Das ist eine richtig krasse Maschine, die da unten wütet und die laut ist und die schmutzig ist und die halt einfach so diesen... die so ein bisschen diese Atmosphäre von Industrialisierung vermittelt.
Johannes Franke: Ich wollte das beim Gucken schon anzweifeln, weil ich gedacht habe, was, hast du da ein Schiff da unten oder was ist los? Aber nein, tatsächlich, es ist krass. Und Eggers ist ja auch jemand, dem dann sowas wichtig ist, der dann auch wirklich guckt, okay, was wurde damals gemacht und wie sah das aus und ich mach da keinen Scheiß.
Florian Bayer: Naja, sie haben eine krasse Rotationsbewegung in diesem Turm. Die Lampen wurden zu der damaligen Zeit, da hat schon so ein bisschen eine Umstellung stattgefunden. Also Petroleum als Mittel der Lampen war noch nicht so... War noch relativ jung. Und irgendwann sollte dann ja auch die Elektrizität kommen. Wir sind wirklich in krassen Zeiten des Umbruchs. Und das sind so ein bisschen die Vibes, die dieser Film generell versprüht, dass wir hier so zwei Typen vom alten Schlag haben. Also natürlich vor allem den von Defoe gespielt. gegen Thomas, dass der wirklich so ein alter Seebär ist, der das alles noch mitgekriegt hat. Sie sind die, die ganz stolz auch darauf sind, dass sie sich als Wikis bezeichnen. Mhm. Weil der doch unglaublich wichtig ist bei diesen Petroleumleuchttürmen, dass sie sich da wirklich drum kümmern und den vernünftig schneiden und so.
Johannes Franke: Und das ist ein Wiki oder was?
Florian Bayer: Das ist ein Wik. Wik ist der Docht.
Johannes Franke: Wik ist der Docht.
Florian Bayer: Und die Wikis sind die, die sich um den Docht kümmern.
Johannes Franke: Geil, okay. Ja, Plur ist tiefer in die Leuchtturmutgeschichte reingegangen als ich. Möchtest du übrigens Tee, Plur?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte. Aber der Film hat natürlich auch die Spuren davon, dass das, was sie noch mit ihrem Beruf... mit dem hohen Ansehen dieses Berufes verbinden, dass das etwas ist, was aussterben wird.
Johannes Franke: Das ist das Ding. Man hat so das Gefühl, dass sie sowieso auf einem untergehenden Schiff sind.
Florian Bayer: Ja, genau. Es werden einfach nach diesem Film, es werden große Änderungen stattfinden. dann haben wir irgendwann das Öl, dann wird alles ein bisschen sicherer und dann haben wir vor allem die Elektrifizierung und vor allem die Automatisierung von Leuchttürmen.
Johannes Franke: Wann war das mit der Elektrisierung? Da bin ich gerade ein bisschen überfragt.
Florian Bayer: Das hat relativ früh angesetzt. Das haben wir eigentlich schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Also wir leben ja... The Lighthouse spielt ja in einer Zeit, in der wir schon quasi, in der Elektrizität noch keine Massenware ist, aber in der es In der Elektrizität passiert und in der Elektrifizierung passiert. Tatsächlich ist das natürlich was krasses, wenn sehr viel von dem wegfällt, was so an harter Arbeit da ist. Wobei auch da, wir sehen ja, was noch sehr lange so funktionieren wird, so industriell ist diese Leuchttürmbewegung. Und dann haben wir natürlich Anfang, Mitte des 20. Jahrhunderts haben wir ja auch irgendwann das Dass sowas dazu kommt wie Funk. Und dann noch später natürlich auch sowas wie GPS und so, dass Leuchttürme komplett irgendwie ihre Aura verlieren. Aber in der Zeit, so diese Peak-Leuchtturm-Zeit, irgendwie so 17. bis 19. Jahrhundert, bis Anfang 20. Jahrhundert. war das wirklich auch ein angesehener Beruf. Leuchtturmwärter waren unglaublich wichtig und die haben einfach, die haben Menschen gerettet und die hatten auch Die hatten auch eine Ausbildung über das Leuchtturmbewachen hinausgehend. Die wussten, wie man Schiffen in Seenot trifft. Die wussten, wie man Leute birgt, die vor der Küste gestrandet sind. Und es war einfach ein großer, komplexer Beruf, der als unglaublich schwer galt. Harte Arbeit, sehen wir auch in diesem Film. Du hast viel geschleppt, du hast viel geschaufelt, du hast wirklich harte Sachen gemacht. Und gleichzeitig Isolation, wobei das natürlich hier das Extrembeispiel ist. Also viele Leuchttürme waren noch. Einfach Familienbetriebe an der Küste, auf dem Festland.
Johannes Franke: Ottos Leuchtturm ist eine andere Nummer.
Florian Bayer: Genau. Ottos Leuchtturm ist eine andere Nummer. Dann waren Leuchttürmer auch einfach so schillernde Dinge, weil jeder Leuchtturm hatte seine individuelle Note. Mhm. Auch um Seefahrern zu helfen, sich zu orientieren. Der Leuchtturm war so und so angemalt. Jemand hat im Schiff diesen Leuchtturm gesehen und wusste direkt, ich bin vor der Küste von Wales oder ich bin irgendwie vor der kanadischen Küste. Und deswegen sehen Leuchttürme auch sehr individuell aus.
Johannes Franke: Wenn der sich fragt, ob er jetzt vor Wales oder vor Kanada ist, dann ist er entschuldigt.
Florian Bayer: Schlechter Navigator. Okay. Das können wir auf jeden Fall festhalten. Das Geile ist, als die Leuchttürme angefangen haben, jetzt bin ich doch voll in der Leuchttürm-Geschichte, aber das ist so ein schöner Funfact.
Johannes Franke: Spannend, ja.
Florian Bayer: Die Menschen, die in den Küstenregionen gelebt haben, Anfang des 17. Jahrhunderts, als der Staat gesagt hat, wir müssen aufhören damit, dass die Schiffe die ganze Zeit untergehen, wir müssen jetzt gezielt Leuchttürme bauen.
Johannes Franke: 1600 irgendwann.
Florian Bayer: Ja, die fanden das richtig kacke.
Johannes Franke: Wirklich?
Florian Bayer: Ja, weil es galt die Regel, wenn den Schiffbrüchigen geholfen wurde und die an Land geschafft wurden und gerettet wurden... Dann war das Zeug von den gestrandeten Schiffen Gemeingut. Das hat denen gehört, die da an der Küste gewohnt haben. Und es gab wirklich Siedlungen, an Küstensiedlungen, die davon gelebt haben. Die ein richtig gutes Einkommen davon hatten, dass ständig Schiffe auf Grund gelaufen sind, ständig Schiffe gegen Felsen gefahren sind oder in Untiefen stecken geblieben sind. regelmäßig vorgekommen. Wie gesagt, das ist ein Geschäftsmodell? Das war ein Geschäftsmodell. Und nicht mal mit bösem Willen. Die haben das einfach, das war klar... Oh shit, da ist ein Schiff untergegangen, wir gehen jetzt da raus, wir helfen den Menschen, das haben die auch gut gemacht. Und jetzt schnappen wir uns die Beute. Leuchttürme haben sich immer weiterentwickelt. Es wurde diese Vorposten-Leuchttürme, wie wir ihn hier haben, die wirklich auf so Felsen im Meer sind, Das haben sie Anfang des 19. Jahrhunderts gemacht oder Ende des 18. Jahrhunderts. Haben sie damit angefangen, weil das natürlich... eine riesige Herausforderung war für die Bauindustrie der damaligen Zeit, die nicht existiert hat. Es waren halt Leute, die dann da ... Hingekarrt sind mit Schiffen und angefangen haben da große Ungetüme aufzustellen. große technische Entwicklung war, wie gesagt, dass es so die Argon-Lampe, 1782, die Franzosen waren voll gut bei den Leuchttürmen, Ich verstehe das gar nicht, weil eigentlich müsste man meinen, die Briten und die Amerikaner machen das, weil bei denen das... viel größeres Problem ist, die haben einfach mehr Küste, aber die Franzosen. Die Arganlampe 1782 und noch krasser, was wir hier in diesem Film auch sehen, Die Fresnel-Linse 1822, diese berühmten Leuchttürmlinsen, die man auch so kennt. so sehr viele Rillen haben und aus sehr vielen verschiedenen Teilen bestehen. um diese spezifischen Lichter zu machen.
Johannes Franke: Fresnel wird auch noch heute benutzt viel bei Lichtern für... Dreharbeiten und so. Das ist einfach ein Konzept, wie man Licht entsprechend direkt in eine Richtung gibt.
Florian Bayer: Das sind riesige Objekte und die bestehen aus ganz vielen verschiedenen Glasprismen. Die haben so einen metallenen Rahmen und die sind einfach unglaublich schwer und die sind mehrere Meter große. Das sind wirklich beeindruckende Objekte, wenn man die so vor sich sieht.
Johannes Franke: Und da sind ja auch mindestens fünf bis acht Lampen drin, ne? Also so Dochter, die dann angezündet werden, riesige Dinger.
Florian Bayer: Und die haben ja auch mit den Lichtern, konnte dann ja auch wirklich so ein bisschen kommuniziert werden. Deswegen gibt es auch diese... Diese sehr komplexe Bewegungsmechanik, weil du konntest dann wirklich die Lichter so streuen, dass du spezifische Signale raussenden konntest. Und was natürlich auch eine große Sache war, die gab es auch schon ewig, aber die haben sich auch immer und immer verbessert. Wir hören das in diesem Film sehr viel. Die Nebelhörner, die wirklich laut waren. Und die wirklich auch in der Zeit, in der der Film spielt, wirklich laut nach draußen getrönt haben und alles überdröhnt haben. Also der Film übertreibt da nicht. So konnte ein Nebelhorn klingen.
Johannes Franke: Krass, ne? Ich habe jetzt gerade nochmal die Perspektive der Anwohner. Kein Vergleich zu heute oder sowas, aber... Die armen Vögel, die werden davon ja geblendet. Was ist, wenn so ein Film, wenn so ein Turm umfällt? Also als Anwohner... Jetzt also, hat jetzt nur zufällige Weise so ähnlich geklungen wie bei Windrädern, die Argumentation, aber...
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Kann man eins zu eins übertragen. Und es wurden wirklich viele Menschen gerettet dadurch. Also was Leuchttürme... in der Geschichte gemacht haben. Weil früher war das auf gut Glück und es gab Untiefen, es gab Felsen und so weiter. Du bist losgefahren und hast gehofft, dass du irgendwie ankommst mit deiner Ladung. ohne dass du untergehst. Geil ist, dass es halt, es gibt, habe ich gefunden, Instructions to Lighthouse Keepers. Das US Lighthouse Board, das war quasi die Behörde, die sich darum gekümmert hat in Amerika Ende des 19. Jahrhunderts und die haben 1881 ein Buch rausgebracht. Wir können davon ausgehen, dass dieses Buch auch von unseren beiden Typen in diesem Film gelesen wurde. Und da steht dann sowas drin, wie dass die Stationen niemals unbeaufsichtigt sein sollen. Ganz wichtig, dass Besucher durften nichts anfassen. Betrunkene dürfen auf Kein Fall in die Nähe des Leuchtturms, dass alles sauber gehalten werden muss, finden wir in dem Film widergespiegelt. es wird in der Diskussion deutlich, dass es Schichten geben muss, dass jeder mal zum Licht geht, dass nicht einer allein sich ums Licht kümmert.
Johannes Franke: Das sehen wir in diesem Film nicht.
Florian Bayer: Nein, aber das war festgehalten und Thomas, nicht Thomas, beziehungsweise ja Thomas, aber Ephraim noch zu dem Moment. bezieht sich dann ja auch darauf, dass das wirklich, dass es vorgeschrieben eigentlich ist. Und das, was Thomas macht, dass er sagt, das Licht gehört mir und du machst hier unten das Zeichen. dass das nicht korrekt ist. Alles muss gereinigt werden. Das war tatsächlich einer der Hauptjobs des Leuchtturmwärters. Lampen sauber machen, Fenster sauber machen, da war viel Ruß, da war viel Dreck und so, die Fenster sind die ganze Zeit beschlangen, du musstest die ganze Zeit schruppen.
Johannes Franke: Und auch die Fassade. Das sehen wir auch im Film, dass du die Fassade irgendwie weißt nochmal. Es ist halt wichtig, dass du... dass der Turm nicht sich plötzlich in seine Umgebung wie so ein Camouflage Plötzlich in der Umgebung verschwindet. Er muss halt strahlen.
Florian Bayer: Und das Führen von Lockbüchern war schon vorher, seit 1872 fest vorgeschrieben. Du musstest Logbuch führen, was für ein Wetter war, ob es Betriebsstörungen gab, ob was repariert werden musste, wer da war und natürlich, welche Schiffe haben Hilfe gebraucht, welche Schiffe... Sind fast untergegangen oder brauchten Rettungsaktionen.
Johannes Franke: Und wer ist gestorben?
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und konnte keinen Eintrag mehr machen.
Florian Bayer: Also es war wirklich ein großer Job und Eggers finde ich es echt gut darin. uns zu zeigen, wie dieser mühsame Alltag auf so einer Insel am Leuchtturm aussieht. Was da alles sauber gemacht werden muss, was alles in Stand gehalten werden muss. Und was alles bedient und befeuert werden muss. Also du musst halt auch verdammt viel Kohle schaufeln.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, dass natürlich Defoe, also Thomas, den Neuankömmling, so hart in der Gegend rumschickt, dass wir das besonders eindrucksvoll sehen, was alles gemacht werden muss. Vor allem, weil er das alleine alles... machen muss, was normalerweise zwei Leute machen, beziehungsweise dann später eben drei Leute nach diesem Vorfall. Eigentlich seit 1802 oder sowas. mussten sie zu dritt sein. Und das jetzt gegen Ende, 1890 irgendwann, dass dann noch nur zwei Leute sind, ist eigentlich fast unrealistisch.
Florian Bayer: Um eine sehr... Sehr spekulative Frage in den Raum zu werfen. Vielleicht sind sie zu dritt. Wir haben hier nämlich einen radikalen Fall von unzuverlässigem Erzähler. Der Film ist konsequent aus der Perspektive von Ephraim erzählt. Ich sage immer noch Thomas. Wir wissen noch nicht, dass er Thomas heißt. Ephraim, der eigentlich auch wie Thomas Thomas heißt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der Film ist konsequent aus seiner Perspektive erzählt und zwar so weit, dass wir in seine Träume reingehen, in seine Wahrnehmungsstörungen reingehen. aber vor allem in seiner Wahrnehmung die ganze Zeit sind. Wir wissen nicht, was Thomas, also der alte Thomas, denkt, fühlt, macht, außer durch die Brille von Ephraim.
Johannes Franke: Wobei das Ganze so unzufällig ist, dass wir nicht wissen, ob wir nicht vielleicht sogar aus der Sicht... von Thomas sind, der sich ganz andere Sachen denkt und der eine andere Absicht da in der Gegend rumträgt. Vielleicht ist es aus der Sicht der Meerjungfrau. Vielleicht ist es aus der Sicht des Leuchtturms, weil du weißt am Ende eigentlich nicht, wer jetzt der Verrückte ist und wer nicht und was.
Florian Bayer: Wir gehen ja ins Innere. Also wenn wir Visionen haben, wenn wir irgendwelche Bilder haben, die ins Fantastische abgleiten, dann ist es immer die Perspektive von Ephraim, der darüber erschrickt. Der glaubt, ich sage es bewusst, der glaubt zu sehen, wie Thomas im Leuchtturm masturbiert und dann kommen plötzlich so Tentakel raus. Der glaubt, diese Meerjungfrau auf dem Felsen liegen zu sehen. Der glaubt, Sex mit der Meerjungfrau zu haben. Und der diese verschiedenen, wirklich krassen, mythologisch aufgeladenen Bilder hat von Thomas, der sich abwechselnd in eine Meerjungfrau und seinen ehemaligen Vorarbeiter und sonst was verwandelt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Super krass. Sind wir jetzt in der Geschichte drin? Wollen wir über die Geschichte reden?
Florian Bayer: Wir sind voll in der Geschichte drin und wir sind voll bei Ephraim. Gespielt von... Robert Pattinson, der sich versucht, von seinem Twilight-Image freizuspielen, wie er seine gesamte Karriere über getan hat. Jeder versucht sich von irgendwas freizuspielen. Robert Pattinson. Cedric Diggory. Robert Pattinson. Edward. Bist du übrigens Team Edward oder Team, wie heißt der andere?
Johannes Franke: Ich bin Team Verbrennen.
Florian Bayer: Wie kann ich das nicht wissen? Edward oder... Quatsch. Team...
Johannes Franke: Du meinst der andere?
Florian Bayer: Ja, den Werwolf.
Johannes Franke: Der Werwolf. Mann. Wir haben es doch alle gesehen. Ich leugne es nicht.
Florian Bayer: Was? Moment, das muss ich einmal kurz gucken. Das nervt mich jetzt, dass ich das nicht weiß. Team Jacob, Team Edward oder Team Jacob? Schwierige Entscheidung. Bist du für den Vampir oder für den Wehrwolf?
Johannes Franke: Ich bin für den Regisseur.
Florian Bayer: Robert Pattinson, der danach wirklich sich bemüht hat, gute Sachen zu drehen und zu zeigen, dass er mehr kann.
Johannes Franke: Genau, und er hat es auch geschafft, würde ich sagen. Also es sei ihm verziehen. Und es ist auch, ich meine, natürlich darf jeder Schauspieler in seiner Karriere Geld verdienen. Ja. Und dann macht er eben sowas wie Twilight.
Florian Bayer: Er war jung und brauchte das Geld.
Johannes Franke: Ja, und selbst wenn er nicht gebraucht hätte, er will Schauspieler sein, also soll er gefährlichst spielen dürfen. Und wenn es halt GZSZ ist oder ob das... Twilight ist, dann soll er doch.
Florian Bayer: Ich finde Robert Pattinson faszinierend als Schauspieler. Also ich finde, er macht das sehr oft sehr gut. Ich habe so das Gefühl, er hat so eine gewisse Plässe.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nicht wegen dem Vampir, sondern tatsächlich so eine Plässe in der Charakterdarstellung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Zum Markenzeichen gemacht und er spielt oft so Figuren, die eine gewisse Zurückhaltung haben, eine gewisse Blässe haben. Die aber sehr gut zu diesen Figuren passt und die auch Raum lässt dann für die quasi Hauptfiguren oder Raum lässt für die Hauptgeschichte, um sich zu entfalten. Also ich denke jetzt zum Beispiel an Terrorismus. Wo er dieser sehr fast schon anonyme Agent ist, der irgendwie da mitläuft und man kriegt ihn kaum gegriffen. Oder auch... Neueres Beispiel in der Odyssey. Da spielt er einen von den Verehrern von Odysseus Frau und ist so ein bisschen so ein arroganter Prick und man hasst ihn und er ist irgendwie... Er funktioniert irgendwie so als Willen, der aber relativ wenig Charakter hat. Schwierig finde ich es dann, wenn er tatsächlich einen Film tragen muss. Zum Beispiel, ich fand ihn... unglaublich öde als Batman, also als Bruce Wayne, in dem Batman-Film von Matt Reeves aus dem Jahr 2022. Und ich fand ihn auch leider ziemlich öde, wo ich sehr drauf kauft hatte, dass das ein guter Film wird, in dem... David Cronenberg, Film Cosmopolis aus dem Jahr 2012. Das heißt, es ist so ein zweischneidiges Schwert. Ich finde, Robert Pattinson ist als Supporting Actor. Manchmal als Hauptdarsteller, manchmal ein bisschen zu glass.
Johannes Franke: Aber sind das nicht alles Helden, die er da gespielt hat in den Hauptfiguren?
Florian Bayer: Naja, nicht Helden, eher so Anti-Helden. Also wenn er in Cosmopol... Cosmopolis... Er spielt keinen Helden in diesem Film. Er ist eher so ein Widerling auch ein bisschen.
Johannes Franke: Ich könnte mir gut vorstellen als Massenmörder in so einer Hauptrolle.
Florian Bayer: So ein American Psycho könnte er gut spielen.
Johannes Franke: Ja, ich glaube.
Florian Bayer: Das ist auch so ein bisschen so, da ist er so ein bisschen der American Psycho Typ, so dieser Juppie Typ, der irgendwie in der Apokalypse unterwegs ist quasi.
Johannes Franke: Aber hier ist er ja auch laut deiner Interpretation dieses Films die Hauptrolle. Also auch seine Perspektive wird gezeigt. Und ich finde, es funktioniert hervorragend.
Florian Bayer: Hier spielt er viel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich hab ihn sonst noch nie so viel spielen sehen im Film. Und es ist natürlich auch so ein bisschen ein Overacting-Wettkampf mit Willem Dafoe, den er da führt.
Johannes Franke: Genau das ist es nämlich. Ich habe das Gefühl, er wird so sehr von Willem Dafoe vor sich her gescheucht, Dass er einfach muss. Er kann nicht anders. Er muss da mithalten.
Florian Bayer: Die Legende sagt, dass Willem Dafoe, also Robert Pattinson hat während der Dreharbeiten im Hotel übernachtet, mit Cast und Crew zusammen, wie alle anderen. Während Willem Dafoe tatsächlich in dieser kleinen Hütte am Leuchtturm geschlafen hat. Gleichzeitig sagt die Legende auch Robert Pattinson dafür, hat am Set nicht mit den anderen gegessen, sondern hat sich komplett zurückgezogen und in sich reingeschaufelt. Essen in sich reingeschaufelt, still und so ein bisschen irgendwie zwischen Method und sonst wie. Und Robert Pattinson und Willem Dafoe hatten dadurch relativ wenig Kontakt miteinander. Unabhängig vom Dreh und Legenden sagen, ein paar Monate später, nachdem der Film fertig gedreht war, haben sie sich mal unterhalten und festgestellt, dass sie sich total mögen. Das ist süß.
Johannes Franke: Und ich kann mir es sehr gut vorstellen, weil beide auf ihre verschiedene Art und Weisen so sehr in der Rolle verschwinden. Und auch in der Arbeit verschwinden. Also Patterson mehr in der Rolle und William Dafoe mehr in der Arbeit verschwinden. verschwindet und sich isoliert, also auch einfach emotional isoliert, um eben in dieser krassen unwirklichen Umgebung. Die waren ja wirklich auf dieser scheiß Insel.
Florian Bayer: Sie haben den Leuchtturm gebaut.
Johannes Franke: Und sie haben den scheiß Leuchtturm gebaut, der wirklich diese Windböen ausgehalten hat. der da auch hätte stehen bleiben können, wenn nicht die Baubehörde gesagt hätte, Leute, da gibt es noch ein paar mehr Auflagen als nur nicht umfallen. 20 Meter hoch war das Ding. Super krass. Innenaufnahmen mussten sie im Studio machen, einige. Also die meisten, weil sie zu wenig Platz hatten sonst. Aber alles, was da draußen passiert ist und was so mit Wind und Wetter zu tun hatte, haben die tatsächlich da draußen gemacht und Wind und Wetter war wirklich erbarmungslos. Die haben da wirklich in diesem peitschenden Regen gestanden und mussten auch einiges aushalten. Und das Einzige, was sie nicht im Wind und Wetter gemacht haben, war wo er da wirklich ins Wasser gegangen ist und da so untergetaucht ist, weil das wirklich zu gefährlich wurde.
Florian Bayer: Ja, kann ich mir vorstellen. Man sieht das und man fühlt sich wirklich den Gezeiten ausgesetzt, wie Pattinson und Defoe.
Johannes Franke: Und da kommt die Romantisierung durch.
Florian Bayer: Aber das ist doch nicht romantisch, wenn du Angst hast, dass du jämmerlich ertrinkst.
Johannes Franke: Na, nicht im Wasser. Aber wenn die da stehen und wenn die da draußen sind und durch diese peitschende Regen gehen... Ich will es nicht erleben müssen, aber es ist doch romantisch.
Florian Bayer: Auf keinen Fall, das fühlt sich einfach nur scheiße an. Robert Pattinson spielt es toll. Und Willem Dafoe spielt es auch toll, um es gleich mitzusagen. Willem Dafoe, der der im Gegensatz zu Pattinson eine große Geschichte von Overacting hat, der das einfach kann, der als Overactor geboren wurde. Er hat Jesus gespielt für Martin Scorsese. Er hat den Max Strack gespielt, den Hauptdarsteller von Nosferatu. In dem Film Shadow of the Vampire, wo es darum geht, dass der Darsteller tatsächlich ein Vampir sein könnte. Ganz großartig. Ja. Er hat Antichrist gespielt.
Johannes Franke: Ah ja, krass, ja.
Florian Bayer: Von Lars von Trier.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott. Über den wir noch nicht geredet haben, oder? Das war so... Ich weiß nicht, ob ich ein... Ja, vielleicht müssen wir ihn, aber das ist schon wirklich hart.
Florian Bayer: Das wäre auch mal was für ein Horrormonat. Vielleicht nächstes Jahr.
Johannes Franke: Ja, genau. Ach, uns geht das nicht aus wahrscheinlich.
Florian Bayer: Willem Dafoe ist ein krasser Schauspieler. Ich mag Willem Dafoe, weil ich habe ein Fable für so Overacting. Ich mag auch Nicolas Cage. Ich finde dieses extrem dramatisch. und dieses komplett drüber sein finde ich sehr attraktiv.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt. Wie würdest du Overacting definieren?
Florian Bayer: Wenn die Dramatik unrealistisch wird, die Melodramatik, die eine Person in einen Akt setzt ...
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das heißt, man kann tatsächlich sowas auch machen, wenn man eine Person spielt, die gerne dramatisch ist, dann ist das Overacting natürlich auch ein Mittel, um zu zeigen, aber dann spielt man auch eine overactende Person. Also wenn man jemanden spielt, der aus allem ein großes Drama macht und dann ist man so. Overacting ist einfach drüber. Du bist über der Realität.
Johannes Franke: Ich hätte da jetzt gerne ein Gift draus gemacht, wie du gemacht hast, weil dein Gesicht war großartig. Danke. Ich habe eine andere Perspektive darauf. Ja, ich habe als Schauspieler ist ja Overacting eine andere Nummer, von innen gefühlt, wenn ich es von außen anschaue, geschenkt ungefähr so wie du. Ich glaube, für mich ist Overacting als Schauspieler sehr eng verbunden mit schlechtem Spiel. Und wenn ich wirklich fühle, was ich da spiele, dann kann ich das noch so groß spielen. Es ist nicht overacted.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, was du meinst. Aber das ist natürlich auch der realistische Ansatz. Es ist ja die Frage, was du spielst. Dieser Film hat ein unglaublich realistisches Setup. Wenn wir das Set uns angucken und die Kostüme, die Maske. Beleuchtung und Kamera können wir gleich auch noch was dazu sagen. Es ist sehr realistisch vom Setup, aber das ändert ja nichts daran, dass dieser Film eine große Räuberpistole ist.
Johannes Franke: Ja natürlich.
Florian Bayer: Film erzählt ja vollkommenen Quatsch. Das heißt... Dieser Film bewegt sich nicht im Realen. Und dann ist das Overacting, das ist halt bizarr. Das ist... Es ist wie, wenn du sagst, die Nase ist viel zu groß gezeichnet. Wenn du eine Karikatur anguckst, ist die Nase zu groß gezeichnet. Das gehört einfach dazu. Und so ist es hier mit dem Schauspiel. Ja, es ist drüber, es ist nicht realistisches Schauspiel. Ich finde nicht, dass sich die Charakteristik Also es gibt Momente, wo sie sich realistisch verhalten, wie sich zwei Männer in der Isolation verhalten. Aber ganz oft sind sie viel zu sehr drüber. Und sie spielen in diesem drüber dann auch Rollen. die sie eigentlich nicht sind. Zum Beispiel, wenn sie das zankende Ehepaar spielen und Willem Dafoe wirklich... Weinerlich sagt, do you fancy my lobster? Und ihm ist wirklich wichtig, dass sein Hilfsarbeiter den Lobster, den Hummer, den er kocht, gut findet. Das ist ja nicht das, wie sie sich verhalten würden.
Johannes Franke: Das ist großartig. Es ist Ehestreit. Es ist ein Ehestreit. Ich find's so geil. Und vielleicht doch auch richtig. als du jetzt darstellen willst. Ich finde es geil. Und ja, ich finde, das ist natürlich eine dramaturgische Überhöhung, das Ganze.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber da kommt der Unterschied zum Schauspiel übertreiben oder zum Overacting übertreiben? Die fühlen ja alle wirklich, was sie meinen, während sie das spielen. Es ist nicht schlechtes Overacting, sondern es ist echt gefühltes Ding. Bloß eben so vergrößert, dass es dramaturgisch eine Überhöhung darstellt.
Florian Bayer: Das Karikaturistische gehört dazu. Und du hast vorhin schon gesagt, es gibt fast einen Bruch der vierten Wand ganz am Anfang. wenn sie zu uns schauen. Und es gibt ja noch mehr von diesen fotografischen Szenen, wo du einfach merkst, Das ist kein Setting mehr, das realistisch stattfindet. Das sind keine Gespräche, die so stattfinden, sondern das ist was anderes. Das ist teils auch eine Kunstinstallation.
Johannes Franke: Definitiv, ja. Was die Frage aufwirft, wenn wir kein realistisches Bild vor uns haben, was haben wir denn da vor uns?
Florian Bayer: Eine wüste Mischung, also eine wirklich wüste Mischung, weil Robert Eggers wirft hier natürlich unglaublich viel rein, also wir haben die ganzen mythischen Anspielungen. Wir haben diese ganze klassische Seemannsganz-Zeug von ... offensichtlich riesigen Seeungeheuern über Meerjungfrauen bis hin zu Geistern der See, die sich plötzlich zu Wort melden.
Johannes Franke: Die Möwen, die Reinkarnationen von irgendwelchen Seemännern sind, großartige Geschichte.
Florian Bayer: Wir haben einfach so eine absurde Mischung. Das ist wirklich so ein Seemannsgeschichten, so ein Tall Tales Remix. Deswegen gibt es diesen Film auch nicht so als einfache Parabel zu greifen, dass du sagst, es geht darum, was Einsamkeit mit den Menschen macht oder so. Weil es einfach sehr viele verschiedene kleine Themen sind, die in den Topf geworfen werden, ordentlich rumgerührt werden. Und dann werden sie halt wirklich so fast improvisiert wirken, rausgespuckt. Und dann passiert das und dann passiert das. Und dann sind Sachen, die komplett brechen mit dem, was du erwartest, weil es einfach knallhart wechselt von wir schreien uns an und feiern miteinander. Und wir trinken zusammen Brüderschaft und im nächsten Moment prügeln wir uns. Wir küssen uns fast und dann wollen wir uns gegenseitig umbringen. es geht so Schlag auf Schlag, dass da, dass du es nicht gegriffen kriegst, sondern dass du halt diese Eindrücke einfach auf dich einprassen lassen musst.
Johannes Franke: Ja, Das ist auf der dramaturgischen Ebene. Auf der erzählerischen Ebene macht es vielleicht dann auch wieder Sinn, was der... ältere Thomas mit dem Jüngeren macht und so und wie er das auch orchestriert als fast schon Gaslighting, also nicht nur fast,
Florian Bayer: Hast du eine Perspektive darauf? Du sagst das nämlich jetzt sehr extrem und ich würde fast sagen, man könnte ins andere Extrem gehen. Kann man total. Der ältere Thomas macht kein Gaslighting, sondern Ephraim dreht total durch und Thomas denkt, oh nee, das ist der nächste, der durchdreht, weil ich hab den anderen, der durchgedreht ist, den hab ich schon da hinten im Korb liegen, damit niemand glaubt, ich hätte ihn umgedreht.
Johannes Franke: Oh, guter Punkt. Ja, ich finde es total spannend, weil du wirklich alles mögliche daran rein interpretieren kannst. Ich würde gerne nochmal einen Schritt zurück machen, um das ganz große Picture nochmal zu kriegen und dann in die kleinen Dinge reinzugehen. Ich finde, dass sich das komplett wie eine Vorhölle anfühlt. Ja. Und es steht für mich im Raum... dass beide längst tot sind und da einfach nur im ewigen Kreis des Streites sich gegenseitig das Martyrium sein müssen.
Florian Bayer: Fair enough. Finde ich, kann man absolut da reinlesen. Ich habe tatsächlich die Vorhölle und das liegt daran, dass wir sehr viel diese Ephraim Perspektive, dass wir nur diese Ephraim Perspektive haben. Ich habe die vor allem gelesen, dass Ephraim in dieser Vorhölle ist.
Johannes Franke: Das kann sein, ja.
Florian Bayer: Gerade weil wir so Momente haben, zum Beispiel, dass ihm am Ende quasi wirklich exakt eins zu eins das gleiche Schicksal widerfährt wie seinem Vorgänger. Wir sehen ihn mit dem ausgepickten Auge. Genau, ja.
Johannes Franke: Also er ist im Grunde der Vorgänger. Er ist verdammt, das alles wieder zu wiederholen und zu wiederholen.
Florian Bayer: Genau das. Und weil wir einfach, das ist halt das Ding, wenn Thomas zu Ephraim sagt, ey Junge, wir sind hier schon seit Wochen und du glaubst es wäre erst gestern gewesen, du kannst jetzt nicht durchdrehen. Dann glaube ich Thomas einfach, weil ich da vorgesehen habe, was Ephraim für krasse Bilder sieht. Ephraim wirkt verrückt.
Johannes Franke: Definitiv. Aber ich finde es interessant, dass es möglich ist, das auch so zu lesen, dass er die ganze Zeit gegastleitet wird. Finde ich total spannend.
Florian Bayer: Was natürlich am radikalsten ist, ist diese Szene, in der Thomas das Boot kaputt schlägt. Dann rennen sie ins Haus, er verfolgt ihn mit der Axt. Und sie sind wirklich, es ist fünf Minuten, nachdem das passiert ist und dann sagt er zu Ephraim, du hast das Boot kaputtgeschlagen, obwohl wir da vorgesehen haben, aus Ephraims Perspektive, dass Thomas das Boot kaputt schleckt. Und Thomas sagt, lass mich nicht alleine. Das ist natürlich so ein sehr krasser Moment von, es fühlt sich an wie Gaslighting.
Johannes Franke: Und wer glaubt wem? Ich kann als Zuschauer in dem Moment wirklich beide Filme sehen. Und ich finde es total gut.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Es bleibt offen. Natürlich lässt sich das nicht beantworten. Das lässt sich auch genau... Genauso wenig, wie sich beantworten lässt, was ist Fantastik und was ist Psychologie. Was sind einfach nur komische Visionen und was ist tatsächlich das Übersinnliche?
Johannes Franke: Ich glaube, da sind einfach so viele Ebenen, auf denen wir den Film gucken können und dann entscheiden wir uns bei einer Sichtung mal dafür, dass wir nur das Fantastische sehen. Und dass es einfach ein Seemannsgarn, ein Tall Tale ist. Oder wir entscheiden uns einmal, wirklich den psychologischen Pfad zu nehmen... Und werfen uns auf eine Seite der beiden und gucken uns mit der Brille den Film an. Ich finde es total geil. dadurch sehr reich wird und du auch sehr viel sehen kannst darin, auch durch drittes oder viertes Mal gucken.
Florian Bayer: Um trotzdem nochmal die psychologische Perspektive stärker zu machen. Wir haben nur die Perspektive von Ephraim. Und wir sehen von Ephraim, wenn er alleine ist, wenn Thomas nicht in der Nähe ist, sehen wir Wahnsinns-Taten, die nichts mit Gaslighting zu tun haben. Wir sehen Ephraim, wie er vor dieser Meerjungfrau masturbiert, vor dieser Meerjungfrauenfigur und wie er sie dann irgendwann kaputt wirft. Wir sehen, wie Ephraim eine Möwe auf brutalste Weise totschlägt.
Johannes Franke: Wie lange braucht man, um eine Möwe kaputt zu schlagen? Das ist so schrecklich. Absurd. Vielleicht zwei Schläge. Aber wie lange hat er das... Uns sind keine Möwen zu Schaden gekommen.
Florian Bayer: Ich habe extra nachgelesen. Davon gehe ich ja fest. Dass ein Film, der in diesem Jahr gedreht wurde, 2019, dass der nicht Möwen tötet für so eine Szene.
Johannes Franke: Aber ist geil und die haben das sehr gut gemacht. Also es sieht ja wirklich echt aus, weil die Möwen ja um ihn drum rum und er greift dann einmal in die Luft und holt sich diese Möwe da raus. Und man denkt so, aber die war ja wirklich lebendig. gerade noch und dann hat er halt diese Gummimöwe in der Hand. Aber es ist krass, sie haben es sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, voll. Also wir sehen einfach diese Momente, in denen Thomas wahnsinnige Sachen macht und er kann nicht gegasleitet worden sein, dass er was gemacht hat. Wir wissen einfach, dass er diese verrückten Sachen gemacht hat. Und das ist halt was, was mich zu dem Punkt bringt, wir sind voll in der Perspektive von Ephraim. Wir sollen mit ihm fühlen und mit ihm leiden, aber wir wissen halt auch irgendwann am gewissen Punkt, dass er in seiner Vergangenheit schlimme Dinge getan hat, dass die ihn verfolgen. Und wir wissen, dass er sehr viele Dinge sieht, die sich nicht natürlich erklären lassen.
Johannes Franke: Wir haben allerdings auch einen alten, der unter Umständen, wenn man es richtig interpretiert, seinen Vorgänger umgebracht hat. Oder es zumindest hat geschehen lassen, ohne ihnen zu helfen.
Florian Bayer: Aber was weist darauf hin? Wir haben die Leiche, die offensichtlich im Meer liegt, mit dem ausgepickten Auge.
Johannes Franke: Und das, was er erzählt halt, das wirkt ein bisschen so.
Florian Bayer: Also wir haben natürlich, klar, dieser Thomas verhält sich schräg. Er will die Lampe auf jeden Fall beschützen. Er will auf keinen Fall, dass die... dass Ephraim an die Lampe kommt.
Johannes Franke: Das ist eine Gottheit für ihn.
Florian Bayer: Genau. Und dann ist aber natürlich die Frage, wir sehen, wie Thomas ihn beobachtet, wie er sich zum Beispiel auszieht und wirklich so eine Objektophilie hat. dass er wirklich diese Lampe begehrt. Aber da ist natürlich auch die Frage im Raum, Was sieht Thomas, was er sehen will? Ja, was sieht Ephraim, was er sehen will oder was er sich vorstellt, weil Ephraim sieht halt auch wirklich andere krasse Sachen, die mit Thomas passieren. Ja. Und wenn wir sagen, das Übernatürliche findet nicht statt, dann muss Ephraim der Verrückte sein. Wie Thomas mutiert in eine Meerjungfrau und in ein Seeungeheuer und dann diesen hypnotischen Lichtstrahl aus seinen Augen macht. und ihn mit Tentakeln angreift. Also er sieht wirklich krasse Sachen, die keinen Sinn ergeben.
Johannes Franke: Wobei wir das mit den Tentakeln nicht genau zuordnen können. Es könnte auch irgendwas anderes noch dort sein. Es muss nicht Thomas gewesen sein, der sich da irgendwie mit Tentakeln dann
Florian Bayer: Ja. Es könnte irgendein Monster sein, meinst du? Aber es gibt ja diesen Moment, wenn Ephraim Thomas in diesem, das ist dann wirklich Brothäus-Mythos, so umarmt und festhält und mit ihm ringt und dann sieht er, wie Thomas sich verwandelt. Und dann haben wir irgendwann diesen Thomas mit Tentakeln, der ihn wirkt mit den Tentakeln. Also so ziemlich offensichtlich, er sieht ihn jetzt als dieses Seemonster.
Johannes Franke: Ich finde, dass Thomas dadurch etwas sehr... Mythologisches an sich bekommt.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Also dass Thomas eigentlich eine mythologische Figur zu sein scheint auch. Und das schlägt sich auch nieder in etwas, worüber ich auch unbedingt mit dir reden muss, diese krasse Sprache. Dieser Thomas, der Ephraim, der da kommt, hat ja so eine bäuerliche Ausdrucksweise. Die ist nicht so... arg wie so ein Seebär, wie man das sich vorstellt. Aber Thomas geht ja fast schon ins Shakespeare-Sche.
Florian Bayer: Thomas hat so eine geile Sprache und Robert Eggers hat sich sehr, sehr, sehr viel Gedanken über die Sprache gemacht. Genau im Drehbuch festgehalten. Und er muss wohl am Set sehr genaue Anweisungen gegeben haben, wie die Silben betont werden müssen, wie die Geschwindigkeit sein muss von den Sätzen. dass es wirklich zwei, obwohl beide eine antiquierte Sprache sprechen, dass das unterschiedliche Dialekte, unterschiedliche Soziolekte sind, die sie da reden.
Johannes Franke: Total, ja.
Florian Bayer: Und ja, Thomas ist shakespearig auf jeden Fall.
Johannes Franke: Es ist total krass. Also Eggers hat sich bei der Schriftstellerin Sarah on Hewitt bedient. Das ist relativ lange her, dass die sich, ich habe diese Zahl, ich habe diese Jahreszahl nicht dabei. Sie hat einen Großteil ihres Lebens in Maine, also in den USA, zugebracht und hat dort... die Arbeit ganz minutiös aufgeschrieben und eben auch die sprachlichen Eigenheiten der Bevölkerung von dort. Weißt du da die Zahl gerade, wann das war?
Florian Bayer: Das war, also wir sind im 19. Jahrhundert, die wurde 1849 geboren und ist 1909 gestorben.
Johannes Franke: Und sie hat dieses Buch »The Mate of the Daylight« geschrieben und dort ist eben auch sehr phonetisch aufgeschrieben, was sie an Interviews hatte mit Captains, mit Fischern, mit Seeleuten und so weiter. Und Diese altertömische Seemannssprache und den Rhythmus davon, den hat sie so spezifisch und so genau aufgeschrieben, dass Robert Eggers tatsächlich nur diese Sache als Anleitung nehmen musste und gesagt hat, okay, du nimmst genau das, was da drin steht und das... stülpe ich jetzt eben auf den Monolog von Willem Dafoe. Und es ist großartig.
Florian Bayer: Das klingt fantastisch. Ich finde es unglaublich, ohne Untertitel zu verstehen. Ich finde es unglaublich schwer mit Untertiteln zu verstehen, weil es ist halt wirklich so diese, ich sag mal, folkloristische Sprache. Es ist so ein sehr rauer Dialekt, es sind so sehr viele... Es sind so sehr viele Eigenheiten drin, die es für einen nicht englischen Muttersprachler schwer machen reinzukommen, weil er macht natürlich so, er vertauscht einfach. Fälle und sowas. Es ist einfach eine Sprache, die grammatikalisch ganz oft nicht korrekt klingt. Und da muss man sich überhaupt in diesen Sätzen orientieren. Und gleichzeitig hat sie so einen unglaublich sakralen Pathos. Genau, alles ist sakral aufgeladen, wie oft dieser Mann Poseidon heraufbeschwört. Götter der See und wie oft er sagt, es ist Unglück im Gange und so weiter. Es ist eine sehr große und Sehr lebendige Sprache.
Johannes Franke: Und deswegen glaube ich, dass er als Mythos, selber als mythische Figur dasteht, weil er auch quasi in Rätseln redet. Und der auch ein bisschen der Hüter der Sprache und damit auch der Hüter des Geheimnisses dieses Leuchtturms und dieses Lebens ist. Und dann kommt eben Airframe da rein und ist 100% unterlegen. Er ist die ganze Zeit nur am Reagieren und kann... selbst kaum was selber schaffen oder selber anstoßen oder sowas. Und das ist ja im Grunde auch ein Befreiungsschlag, der dann nach und nach passiert. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo.
Florian Bayer: Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung. Danke.
Johannes Franke: könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag ohne Geld und Feedback gerne an johannes. muss man sehen.de und Florian at muss man sehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über
Florian Bayer: Jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Wenn ihr uns fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Und dann sind wir wirklich in der ganz klassischen Mythologie. Dann sind wir nämlich bei Protois und Prometheus. nicht miteinander interagiert haben. Aber die Geschichte, wir haben so eine Crossover. Wie gesagt, wir haben sehr viel Remix. Und Proteus war ja tatsächlich ein Sohn Poseidons, eine alte Meeresgottheit. und vor allem jemand, der, wie du sagst, die Weisheit hatte, besaß.
Johannes Franke: Wenn du sagst, er war ja tatsächlich, dann meinst du nicht,
Florian Bayer: Tatsächlich. Nein, da meine ich vor allem nach dem homerischen Sinne, weil wir haben verschiedene Proteussagen und Die in der antiken Mythologie sich zurechtzufinden ist ganz schön wild, aber darauf komme ich gleich. Auf jeden Fall ist es ein Sohn Poseidons, der die Weisheit besitzt. Und es gibt auch eine Möglichkeit, an die Weisheit zu kommen. Und zwar muss man ihn festhalten. Und er hat da aber keinen Bock drauf. Das heißt, er will entkommen. Und wie macht er das? Wie man das halt so macht als Sohn einer Gottheit, indem er sich verwandelt. Und zwar in Tiere, in Feuer, in Wasser, in Pflanzen und in alles mögliche andere. Das heißt, du ringst mit ihm und hältst ihn fest und musst irgendwie darauf klarkommen, dass du plötzlich eine riesige Schlange in deinem Arm hast oder eben eine Meerjungfrau oder einfach auch nur Frau. Feuer umarmst. Und wenn du das überstehst, dann wird er dir irgendwann sagen, was Sache ist. Wird er seine Weisheit mit dir teilen. Und einer zum Beispiel... Eine der berühmtesten Geschichten davon ist die Menelaos-Geschichte. Wir wissen ja, die Griechen waren in... Oh, ihr habt ja alle die Odyssee gesehen, Mann. Ihr seid ja alle so, ihr seid 2026, wir haben ein mythologisch geschultes Publikum. Vielen Dank, Christopher Nolan. Ihr wisst, nach dem Trojanischen Krieg sind die ganzen Griechen, die da hingefahren sind, um Helena zurückzuholen. wieder nach Hause gefahren und Odysseus hat sich mit den Göttern angelegt und ist dann irgendwie jahrzehntelang umhergeirrt Und Agamemnon hatte sowieso irgendwie Kacke gebaut und wurde dann von seiner Frau und deren Liebhaber umgebracht. Und Menelaos hat auch zu denen gehört, die nicht genau wussten, wie sie nach Hause kommen sollen. Und Menelaos war der mit Talena, weswegen der ganze Krieg überhaupt stattgefunden hat. Und der wollte und der hat gedacht, naja, dieser Brothäus weiß das schon, wie ich nach Hause komme. Und der ist zu ihm gefahren und hat ihn festgehalten. Und dann hat Brothäus sich in den Löwe, eine Schlange, einen Panther... einen Eber in Wasser und in einen Baum verwandelt. Und Menelaus, cooler griechischer Macker, hat gesagt, ich lasse nicht los. Und dann hat Proteus gesagt, oh, Okay, da lang geht's. Das ist, glaube ich, so die bekannteste Geschichte von diesem Brothäus, der halt Wissen hat und mit dem gerungen werden muss, um an dieses Wissen zu kommen. Ganz interessant, dieser Protoy spielt natürlich noch in ganz vielen anderen Mythen eine Rolle. Es gibt eine alternative Troja-Geschichte. In der Paris, der Helena, entführt hat, jetzt sind wir vor dem Trojanischen Krieg, deswegen haben die alle gegen Troja gekämpft. Guckt euch ruhig die Ottis hier nochmal an. Das ist wirklich eine gute Schulung in antiker Mythologie. Ähm... Dass Helena gar nicht nach Troja kam, sondern dass Paris mit Helena in Ägypten vorbeigefahren ist, wo Proteus König war. Das ist so ein bisschen ... Es ist alles so ein bisschen ein Mix, wie gesagt. Es ist schwierig, antike Mythologie. Es gibt einen ägyptischen Königbrotheus und es gibt diesen... Sohn des Poseidon-Brottoys und die werden aber von vielen als eine Person betrachtet. Auf jeden Fall ist Paris mit der Helena, die er gerade entführt hatte, da vorbeigefahren in Ägypten und Proteus hat gesagt, ey pass auf, die werden doch Krieg gegen Troja führen und so macht das lieber nicht. Ich behalte die bei mir. Und Paris hat gesagt, okay. Sprich, Paris ist ohne Helena nach Troja gefahren. Stattdessen hatte er ein... ein aus Wolken geschaffenes Ebenbild von Helena mit dabei. Die ganzen Trojaner sind nach Troja, um diese Helena zu retten. gar nicht da. Die war bei Pro Toys. Dem alten Fuchs. Oder dem alten Seebären. Oder wie auch immer.
Johannes Franke: Was hat das Ganze mit Prometheus zu tun?
Florian Bayer: Na, Prometheus hat nichts mit Protois zu tun. Prometheus ist viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte vorher, Prometheus ist ja der große Gott, der aus einem spezifischen Göttergeschlecht kommt, ich hab's gleich, den Titanen, die sich ja mit den Göttern angelegt haben, Wir sind jetzt wirklich ganz am Ursprung griechischer Mythologie und wir haben Zeus, der gegen die Titanen kämpft. Und die dann nach und nach bestraft werden und Prometheus ist einer von denen, der irgendwie, der richtig sauer auf Zeus ist. Vielleicht kennt ihr das berühmte Prometheus-Gedicht von Goethe. Prometheus ist der, der den Menschen geschaffen hat und Prometheus ist der, der Zeus überhaupt nicht leiden kann, der wie so ein Wie so ein schlecht gelaunter Teenager sagt, bedecke deinen... Moment, ich kann das zitieren.
Johannes Franke: Bedecke deinen Himmelshäus.
Florian Bayer: Ja, ich wollte es ja weiter zitieren. Bedecke deinen... Der sagt, bedecke deinen Himmelshäus mit Wolkendunst und übe dem Knaben gleich der... Disteln, Köpft an Eichen, Dich und Berges. Er meckert die ganze Zeit über die Götter. Geiles Gedicht, geiler Text. Prometheus, krasser Typ. hat gesagt, ich bringe den Menschen das Feuer. Gott wird das, Zeus wird das nicht geil finden, wenn ich den Menschen das Feuer bringe und sie damit quasi zu, dass ich sie damit zu, damit ich, dass ich ihnen dadurch Erkenntnis gebe. Das ist im Prinzip die Ursünde. So das, was die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist in der christlichen Mythologie, ist in der kirchlichen Mythologie Prometheus, der den Menschen das Feuer bringt. Und er hat vollkommen recht. Zeus findet das überhaupt nicht geil. Was ist die Bestrafung für Prometheus? Er wird an einen Berg gebunden. Ein Adler pickt ihm jeden Tag das Auge aus und er wird immer wieder geheilt, damit es dann weitergeht.
Johannes Franke: Ich dachte, das wäre die Leber gewesen.
Florian Bayer: War es die Leber? Du hast recht, es ist die Leber. Jetzt bin ich wieder in der Geschichte von dem Film. Es ist die Leber? Und er wird aber irgendwann gerettet und zwar irgendeiner von diesen ganzen Helden, die sind ja ständig irgendwelche Helden losgezogen, um irgendwelches Zeug zu machen.
Johannes Franke: Ja, da kommt die nächste große Abenteuergeschichte. Das ist dieses Tausend-und-eine-Nacht-Prinzip. Noch eine und noch eine und der nächste Cliffhanger kommt für die nächste Geschichte.
Florian Bayer: Irgendeiner von diesen Helden hat als Aufgabe, ihn zu befreien. Diese griechischen Heldenmythen sind ja wirklich so einfach. Wir haben einen großen Helden und um sich zu beweisen, muss er jetzt zwölf Aufgaben lösen. Dazu gehört es, die Medusa zu Köpfen und irgendeinen Stier zu reiten. Und die Steuererklärung.
Johannes Franke: Steuererklärung 26 zu machen.
Florian Bayer: Die Steuererklärung zu machen. Und dazu gehörte auch irgendwann Prometheus zu befreien. Wir kommen zurück zum Film. Wir haben Proteus, der das Wissen schützt, nämlich diesen Leuchtturm. Wir haben Prometheus, der quasi als Vertreter der Menschen an dieses Wissen ran will. Und wir haben diese beiden in einem wirklich, wirklich klassischen, mythischen Zweikampf. Und Thomas will das Licht, die Erkenntnis, die er hat, nicht mit Ephraim teilen. Und Ephraim... ist quasi sowas wie ein moderner Mensch, der dann dieses Licht will, der diese Erkenntnis will.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und so wirklich ganz prometisch wird dieser Wunsch, wird ihm zum Verhängnis, denn er stirbt an dieser Erkenntnis oder wird zumindest irgendwie verflucht.
Johannes Franke: Er wird an die Felsen gefesselt, mehr oder weniger, und die Möwen kommen und picken ihm die Leber aus. Also das Bild ist ja geil am Ende des Films. Es ist ja wirklich krass.
Florian Bayer: Es ist das absolute Prometheus-Bild. Und wenn wir das, wir können da ein, also gerade weil dieser Film ja auch auf dem Sprung zur Moderne spielt, Können wir wirklich dieses Bild aufmachen? Wir haben diesen alten Weisen, der dieses Licht hat. mütig überhöhte, dass irgendwie ein Stück Erkenntnis ist, ein Stück Aufklärung, ein Stück Moderne. Und das will er nicht rausgeben. Er weiß mehr und er will es nicht rausgeben. Und er hat seine Gründe, das nicht rausgeben zu wollen, weil er weiß, das kann ja zum Verhängnis werden. Weil er weiß, du kannst daran verrückt werden, du kannst daran zerbrechen. Natürlich auch aus egoistischen Gründen, weil er sagt, das gehört mir, das ist meine Sache.
Johannes Franke: Also das Interessante ist, er spricht ja von dem Licht sehr weiblich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Er muss sie noch füttern oder sowas, in der Richtung sagt er. Und man... hat schon, auch ohne die Visionen von A-Frame, hat man schon das Gefühl, dass er ein sehr erotisches Verhältnis zu diesem Licht hat.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Das finde ich interessant. Also er ist für mich eben nicht nur der Mann, der von der Moderne Wissen hat, dass er nicht rausgeben will, sondern er hat auch irgendwie dieses Archaische und dieses Gatekeeperische.
Florian Bayer: Ja, absolut. Und gerade das Libidöse, das ist ja in der Mythologie gibt es immer wieder diese Verzahnung von der Fleischeslust. Und der Erkenntnis. Also wenn wir uns zum Beispiel angucken, Adam und Eva, die Frucht vom Baum der Erkenntnis essen. dann geht es natürlich auch darum, dass der Mensch sich bewusst wird, was die Welt ist und wie er die Welt verändern und formen kann und so weiter. Aber sie erkennen sich auch, es ist auch der Mensch, der geil wird und der anfängt Sex zu haben. Und dann zum Beispiel die Sirenen in der Odyssey, jetzt sind wir wieder dabei in Ulm. Ihr habt alle die Odyssey gesehen, ihr habt eure Hausaufgaben gemacht.
Johannes Franke: Ich habe den nicht gesehen, noch nicht. Ich weiß. Aber wie werden die Serien dargestellt?
Florian Bayer: Die Sirenen werden praktisch kaum dargestellt. Die Sirenen spielen im Originaltext ja auch Nur eine ganz kleine Rolle, auch nur so ein Nebensatz. Es wird einfach gezeigt, wie Odysseus festgebunden ist und den Gesang hört und das kaum ertragen kann. Und er hört es und er will freigemacht werden. Es gibt zwei Interpretationen für die Serien. Es kann sein, dass es die sexuell reizvollen Wesen sind, die dich in den Untergang locken, weil du unbedingt... Weil du unbedingt an sie ran willst, weil sie so verführerisch sind. Aber es gibt auch die Interpretation, dass sie einfach, dass es sie... Erkenntnis rufen. Dass sie dich locken mit Erkenntnis und mit Erleuchtung. Und dass es gar nicht um dieses Sexuelle geht, sondern um dieses... mehr Wissen von der Welt, mehr Verstehen von der Welt. Und diese Zweigleisigkeit haben wir in ganz vielen von diesen Mythen, also das Sexuelle, Und das Aufklärerische, dass das irgendwie so nebeneinander fährt und manchmal verzahnt ist, der ganze Meerjungfrauen-Mythos. Wir haben hier ganz prominent die Meerjungfrauen platziert.
Johannes Franke: Ich hab ganz viel mehr Jungfrau.
Florian Bayer: Aus den Sirenen, wir kommen gleich zu den mehr Jungfrauen und dann bin ich auch fertig mit meinem Gelaber, dann kannst du weiter labern. Die Meerjungfrauen, der ganze Meerjungfrauen-Rethos ist ja auch, es geht zum einen bei den Sirenen um die Erkenntnis und was Wissen und zum anderen ist da das Sexuelle. Und jetzt machen wir weiter mit den Meerjungfrauen.
Johannes Franke: Die Sirenen, wenn wir jetzt gerade dabei waren, sind ja am Anfang wirklich auch in der Beschreibung offenbar. nicht sehr figürlich und nicht so, dass man wirklich sich vorstellen könnte, wie die sind. Und die waren später irgendwann als Meerjungfrauen dargestellt, obwohl Obwohl die erste Darstellung von Sirenen eher so eine Vogel-Mensch-Kombination war. Und dann hat sich das irgendwann entwickelt in Richtung Meerjungfrau, weil Meerjungfrauen schon tatsächlich seit es Wandmalerei gab. Mhm. Hat irgendjemand gedacht, da ist Wasser, da ist ein Fisch, wir sind Menschen, was passiert, wenn wir die zusammentun? Es gibt krasse alte Darstellungen von mehr jungen Frauen in der einen oder anderen Form. Und ich finde es total spannend. Und auch in allen Kulturen, überall findet man sowas. Und ohne moralische Zuordnung bisher, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann hat irgendwann die Kirche sich gedacht im Mittelalter, wir gucken mal, ob wir das als Symbol für sexuelle Verführung und Sünde unterbringen können. Und das geht dem halt so ein bisschen entgegen dann auch mit den Sirenen und so weiter, dass das dann irgendwie verknüpft wurde, obwohl das gar nicht unbedingt zusammen gehört.
Florian Bayer: Ein ganz traditionelles Bild aus der Zeit zum Mittelalter, Renaissance, frühe Neuzeit, die Meerjungfrau mit zwei Flossen und gespreizten Flossen.
Johannes Franke: um die sexuelle Verfügbarkeit darzustellen. Also die Sünde, die Verführung. Und zwar wirklich krass, so gespreizte Beine.
Florian Bayer: Das ist pornografisch. Wenn ihr guckt euch Meerjungfrau Fresken oder Skulpturen aus der Zeit an, Es ist schwierig, was anderes als eine Eindeutigkeit da reinzulesen, wenn man die sieht mit diesen gespreizten Flossen.
Johannes Franke: Das Interessante ist, zu der gleichen Zeit, weil das alles nicht einheitlich war, gab es auch zwischendurch Darstellungen von Mermonks. Mhm. Also wirklich kirchliche Vertreter mit Schwanzflosse, die irgendwie auch als mystische Wesen in der Gegend rumgeisterten. Weil sich einfach niemand einigen konnte darüber, ob die jetzt moralisch wertvoll sind oder nicht. Ob sie jetzt die Heilsbringer sind oder nicht. Es ist geil.
Florian Bayer: Ja, voll. Kurzer, ganz kurzer Exkurs in eine andere Richtung, weil ich bin ja eigentlich gar nicht so der Meme-Scrawl-und-Surf-Typ, aber was ich wirklich geil finde auf... Facebook oder Twitter sind diese Meme-Threads, die irgendwelche alten Bilder nehmen aus dem Mittelalter. Also auch zum Beispiel die Initialen bei Texten und so weiter und dann irgendwie sich so Gespräche vorstellen zwischen denen, die das Bild machen. Weil diese Bilder sind teilweise wirklich verrückt. Wenn du dann so einen Mönch hast mit einem Vogel auf dem Kopf und daneben tanzt ein Hund und hat eine Flöte im Mund oder wirklich solche ganz absurden Sachen. Ich steh total drauf und daher kamen dann auch wirklich diese absurden und verrückten Mürmerungen. Mörmungs-Scheiße. Das ist geil. That's new for me. Mörmungs kannte ich noch nicht, die werde ich mir gleich anschauen wissen.
Johannes Franke: Das ist geil. Und das Interessante ist, dass es ja eine Zeit lang gab, auch in Richtung Aufklärung und so weiter schon, aber ebenso praktisch. Typische Seefahrerzeit, hat das ganz stark zugenommen. Christopher Columbus hat zwischendurch geschrieben, ja, wir sind halt Mermaids begegnet. Wir hatten Begegnungen mit mehreren Frauen, natürlich. Die sehen folgendermaßen aus, hat ein bisschen was beschrieben und so. Und es war so selbstverständlich zwischendurch, dass es halt sowas geben muss, weil... So genau wusste man halt auch nicht, was da alles rumkreucht und schleucht und da war so eine Meerjungfrau genauso plausibel wie ein Buckelwal. Also es gibt da keine Unterscheidung, die man machen kann, sondern es ist halt alles Zeug, was man irgendwie untersuchen muss. Und? Man hat sich gedacht, naja, so eine Kreuzung zwischen Mensch und einem Fisch, warum nicht? Das kann doch... Jetzt nicht so sehr auf Darwin eingehen zu wollen, aber es war eine Art von Missing Link, den man angenommen hat zwischendurch.
Florian Bayer: Interessant ist, dass es auch damals schon durchaus so den Versuch gab, auch rational zu erklären. Also Thomas von Cantinbree ist ein ziemlich bekannter Enzyklopädist aus dem 13. Jahrhundert und der hat über mehr Jungfrauen geschrieben, unter anderem in seinem Liebe an der Natur... wo er einfach alles möglich an Geschöpfen festgehalten hat. Und da hat er diese ganzen Geschichten erzählt, dass sie Klauen haben und Fischfenzen. Hat aber zumindest kurz erwähnt, Es könnte auch sein, dass die Seeleute, die sagen, ich bin an diesem Monstrum vorbeigefahren, dass die einfach Prostituierte gesehen haben, die auf der Insel standen und gewunken haben. Und dass die Seeleute darauf nicht klargekommen sind und dann gesagt haben, böse Verführerin!
Johannes Franke: Okay, sehr lustig. Naja, was ich spannend finde ist, dass das einfach... eine naturwissenschaftliche Sache wurde zwischendurch. Dass Leute gedacht haben, okay, das scheint es zu geben. Und jetzt gucken wir uns das mal genauer an. Und dann haben die... tatsächlich einfach Seekühe gesehen und haben die Seekühe als Meerjungfrauen beschrieben. Dann schreibt einer tatsächlich, ja Leute, ich habe da mehr Jungfrauen gesehen, man muss sagen, die Gesichtszüge sind doch eher männlich. Aber gut. Und hat das dann auseinander und hat wirklich geschrieben, ja, da ist irgendwie so eine Nase, die ist ein bisschen breiter und der... Mund ist ein bisschen kleiner da drunter. Irgendwie haben die auch nicht so einen richtigen Hals. Und die Hände sind auch so flach. Und dann hat der einfach eine Seekuh beschrieben.
Florian Bayer: Also ich möchte wirklich nicht urteilen, aber wie sieht dein Frauengeschmack aus, wenn du eine Seku siehst und sagst, oh ja, das ist eine verführerische Meerjungfrau.
Johannes Franke: Ich habe wirklich aufgeschrieben. Das ist eine sexy Seekuh.
Florian Bayer: Die wollte das doch auch. Die hat mich verführt.
Johannes Franke: So kommt das zustande.
Florian Bayer: Oh mein Gott. Hätte sie nicht so sexy den Ball auf der Nase balanciert, dann wäre ich gar nicht...
Johannes Franke: Aber wir lachen da jetzt drüber, aber die kannten halt keine Seekühe. Und dann denkst du dir, naja... Wie plausibel ist das eine oder das andere? Ich meine, Buckelwal oder Mehrgangfrau? Ich weiß es nicht. Und dann verstehe ich das auch ein bisschen, dass man sagt, okay... Lass uns das mal katalogisieren und dann heißt das halt... Meerjungfrau, das Vieh.
Florian Bayer: Ja. Gut, okay. Wir haben, als wir über Einhörner gesprochen haben, wir haben schon mehrmals über Einhörner gesprochen, manchmal bringt einem das Leben auf merkwürdige Pfade. Als wir über Einhörner gesprochen haben, haben wir auch darüber geredet, was für Tiere das gewesen sein könnten und hatten dann ja auch so, das ist einfach... Dass Menschen einfach auf Reisen in ferne Länder Tiere gesehen haben, die sie noch nie gesehen hatten. Und dann haben sie die versucht irgendwie einzuordnen, dann haben sie die beschrieben. Und versuch mal jemandem eine Seekuh zu beschreiben und guck mal, was dann passiert, wenn der versucht, diese Seekuh zu malen. Dann hast du schnell eine Meerjungfrau.
Johannes Franke: Ich muss an diesen Krypsäum-Löwen denken. Diesen Löwen, den sie versucht haben, ohne hier einen Löwen gesehen zu haben. Nachzubauen, also zu Taxidermy, also dieses Ausstopfen. Das heißt, sie haben einen toten Löwen gehabt, der schon sehr weit verwest war, aber da gab es halt noch die Hülle und die haben sie versucht auch zu stopfen. Google mal Gripssäumenhöfe. Der sieht richtig, richtig schlimm aus.
Florian Bayer: Ist das nicht geil? Dein Name, der heißt Leo. Oh mein Gott. Ihr müsst das googeln, das ist großartig. Die wussten halt nicht, wie das Ding aussieht. Unsere Ahnen waren so planlos. Sie haben es wirklich versucht. Wir haben es die geschafft zu überleben. Das ist ein Wunder, dass wir existieren. Ja, nein, nein.
Johannes Franke: Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich jetzt damit zur Flachlägeflur habe. Das ist geil. Oh, wie geil. Ganz toll.
Florian Bayer: Mein neues Lieblingstier.
Johannes Franke: Und sowas gibt es tatsächlich, wenn man sich ganz alte Exemplare in Naturkundemuseen anschaut. Manchmal gibt es Ausstellungen. wo man sich ganz alte Versionen von ausgestopften Tieren, die exotisch waren, damals anschauen kann. Und dann sieht man echt sehr, sehr seltsame Viecher. Oh mein Gott. Es ist geil.
Florian Bayer: Um die Meerjungfrauengeschichte weiter zu erzählen. Es gab natürlich auch... früher schon diesen Strang von Meerjungfrauen, die nur eine Schwanzflosse haben. Das wurde im 19. Jahrhundert immer populärer. Und das ist die Meerjungfrau, wie wir sie heute kennen. Die hat keine zwei Flossen, sondern eine Flosse. Und dann hat sie teilweise auch keine Brüste, weil das alles hochgeht bis nach oben oder halt so, dass es jugendfrei ist. wir schon bei Disney's Ariel gelandet. Robert Eggers wollte die nehmen, weil, natürlich befinden wir uns in der Zeit des viktorianischen Englands, da waren die die Populären, die Süchtigen, Aber Robert Eggers hatte auch sehr bestimmte Vorstellungen, wie Ephraim diese Vision hat von der Meerjungfrau und die sollte sehr sexuell aufgeladen sein. Diese Meerjungfrau braucht eine Vagina. Auch wenn sie keine zwei Flossen hat.
Johannes Franke: Wo nehmen wir die her? Aus der Tierwelt. Ein Wal?
Florian Bayer: Ein Hai.
Johannes Franke: Ein Hai, sowas, genau.
Florian Bayer: Haie sind Fische, aber Haie sind teilweise Lebendgebärer. Ist das der richtige Begriff?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Haie haben eine offensichtlich sehr interessante Anatomie, vor allem die weiblichen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da hat sich Eggers frei bedient und hat gesagt, wir packen da jetzt eine Hai-Vagina drauf. Aus Silikon.
Johannes Franke: Ja. Ganz ehrlich, wo ist der Unterschied? Sie ist halt größer und hat ein bisschen mehr...
Florian Bayer: Oh, also dazu möchte ich mich nicht äußern, weil ich echt kein Biologe bin, aber ich weiß, im Tierreich passieren... Gerade auch bei der Fortpflanzung teilweise wirklich Sachen, die wir im Vergleich zur menschlichen Anatomie... als sehr weird bezeichnen würden. Und ich kann mir vorstellen, dass eine Hai-Vagina auch sowas, keine Ahnung, es sind fünf Lippen oder so, wie auch immer.
Johannes Franke: Ja, ob jetzt, naja.
Florian Bayer: Auf jeden Fall haben sie das Ding wirklich aus Elikon gebaut. Das Kostüm war wahrscheinlich eine funktionierende Sexpuppe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also ich meine eine Silikonvagina, also eine Sexpuppe ist nichts anderes, oder?
Johannes Franke: Was für Geheimnisse sind an diesem Set passiert? Robert Pattinson.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese krasse Sexualisierung. Also Robert Pattinson sieht diese Meerjungfrau, er geht zu ihr, er tastet sie ziemlich krass ab, was auch sehr unangenehm ist, weil es wirklich so überrascht. Übergriffig ist.
Johannes Franke: Sehr, sehr, sehr, sehr.
Florian Bayer: Sie schreit ihn an und er rennt weg, aber wir haben eine spätere Szene und da hat er einfach Sex mit ihr.
Johannes Franke: Ja. Also das sind so die Stellen, die das Ganze sehr stark in Richtung Horrorfilmen bringen. Wir haben noch gar nicht darüber geredet. Es ist ja nicht nur ein reiner Horrorfilm. Genre-mäßig kann man sich ein bisschen streiten, würde ich sagen.
Florian Bayer: Finde ich auch. Man kann sich auch mit sich selbst streiten, weil ich dachte so, als du ihn mir gegeben hast, ich kannte ihn ja schon, dachte ich so, ach, ist das noch Jetzt beim Sehen hatte ich nochmal das Gefühl, oh ja, das hat sehr, sehr, sehr viele Horrorfilmmomente und ich finde es absolut okay zu sagen, das ist dieses Genre. Aber ja, natürlich hat er das komische, bizarre.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Er hat dieses sexualisiert, psychologische, was ganz krass ist. Er hat was von einem Psycho-Thriller ganz banal.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Aber ja, es gibt natürlich diese übernatürlichen Bilder, die ganz unabhängig davon, ob hier wirklich Fantastisches passiert. Einfach ganz traditionelle Horror-Tropes und wir haben Schocksequenzen.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Wir haben Jumpscares, wir haben Bodyhorror, wir haben wirklich merkwürdige Sachen, die mit dem menschlichen Körper passieren.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist schon alles, finde ich, okay so.
Johannes Franke: Übrigens, wo du gerade Bild sagst, vielleicht gehen wir auf die Kamera kurz ein. Also, es ist fantastisch gefilmt.
Florian Bayer: Alter.
Johannes Franke: Und die haben sich in Unkosten gestürzt... Und in einen riesigen Aufwand, um rauszufinden, wie sie das drehen. Hast du natürlich auch Film gedreht?
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Und sie haben es eben nicht in Breitfilmen, wie wir das heute kennen, so weder 16 zu 9 noch Academy noch irgendwas anderes, sondern sie haben eins bezeichnet, Punkt 19 zu 1.
Florian Bayer: Die Geschichte dahinter ist, angeblich, Jarin Plaschke, der Kameramann.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Robert Eggers sagt zu ihm, pass auf, ich will, dass das so beengt wie möglich ist und so traditionell wie möglich und pass auf. Lass es uns im 4-zu-3-Format machen. Also so ungefähr 1,33 zu 1. Also ein bisschen mehr so ein klassischer Fernseher aus den 90ern. Mhm. Flaschka hat daraufhin angeblich gesagt... Dann lass es uns richtig krass machen. Lass uns 1,19 machen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Als Witz. Und Robert Eggers hat gesagt, geil.
Johannes Franke: Dazu muss man ein bisschen wissen, woher das kommt. Dieses Format ist nicht einfach erfunden. Die haben nicht jetzt einfach gesagt, gut, wir machen es noch größer. sondern das ist ein Format, das hieß Movietone-Format. Das war in zwischen 1927 und 1932. Und warum war es in? Weil der Tonfilm langsam dazu kam.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das Problem war, man hätte entweder eine Schallplatte laufen lassen können, was sie auch gemacht haben, es gab auch dieses Prinzip, um den Ton... zum Bild zu haben, aber das synchron hinzugekommen. Gleichzeitig... Der Projektor an und gleichzeitig die Platte und dann springt die Platte an der Stelle und dann schon hast du es wieder ein Problem. Das Synchron hinzubekommen ist ein Problem. Deswegen haben die dieses... diesen Film, der ein bisschen Breitformatiker war, einmal aufgeteilt haben, gesagt, okay, auf der Seite ist jetzt Platz für fast ein quadratisches Bild. Und daneben auf den gleichen physischen Film, die Filmrolle, kommt eine Spur für den Ton. Und wenn ihr so Soundspuren aus dem Internet, so Darstellungen davon kennt, wie so eine Waveform ist, im Grunde so eine Tonspur, wie die aussieht... Dann ist das ungefähr das, was auf diesem Film war. Es wurde damals aus dem Mikro elektrische Impulse umgewandelt. an eine Lampe weitergegeben. Diese Lampe hat geflackert, je nachdem wie der Ton war. Ob er lauter war, dann war sie eben heller oder dunkler. Wenn der Ton höhere Töne oder tiefere Töne war, hat die Lampe schneller oder weniger schnell geflackert. Und das hat sich dann auf diesem Film... Und das konnte man dann auslesen, indem man die Lampe im Grunde wieder drunter gelegt hat. Dann hat der Film nur das Licht durchgelassen, was er ja auch aufgenommen hat. als es aufgenommen wurde.
Florian Bayer: Geiler Scheiß.
Johannes Franke: Das ist total absurd. Und wer es sich noch nicht vorstellen kann, ich auch nicht. Ich finde es total krass.
Florian Bayer: Wenn man sich vorstellt, dass dieselbe Spezies, die noch 200 Jahre davor einen Löwen zusammengebaut hat, der so aussieht, Dass die sowas Technisches hingekriegt hat, ist eigentlich komplett unwahrscheinlich.
Johannes Franke: Es ist absolut irre.
Florian Bayer: Krass. Und sie haben das tatsächlich gemacht. Also dieser Film sieht unglaublich vertikal aus. Das fällt einfach jedem auf. Selbst wenn man kein Filmgeek ist. Man merkt einfach, das sieht komplett anders aus als die Firmen, die man kennt. Wir sind nicht ganz in der TikTok-Vertikalen, aber wir sind wirklich in einem quasi quadratischen Bild. Und dann zusätzlich ein sehr hartes Schwarz und Weiß.
Johannes Franke: Ja, dazu kann ich auch noch kurz was erzählen. Ja, bitte. Das ist schwarz und weiß. Also das ist ja die Kodak XX5222 schwarz-weiß. 35 Millimeter, so ist das. Und sie haben sich einen extra Filter überlegt. Weil diese Bilder sehen sehr rough aus, ne? Ja. Und das kommt zustande, weil sie einen Blaufilter erstellt haben, Cyanfilter, der die Rottöne, die menschliche Haut normalerweise auch hat. sehr dunkelschwarz darstellt, weil dieser Blaufilter dafür sorgt, dass das Rot gar nicht erst richtig auf den Film kommt. Das heißt, jede kleine Unreinheit, alles was im Gesicht so passiert, wirkt wie als wenn du 50 Jahre lang... reines Salzwasser drauf geworfen hättest. So gegerbt wirkt die Haut. Und ich finde es so geil, diese Entscheidung. Und das ist auch wieder eine Anlehnung an den Film zu dieser Zeit. Also in den 20er, 30er Jahre. Weil es da Bestrebungen gab und auch... erste Farbfilmexperimente gab und da gab es eben diese Schwierigkeit, dass man Rot nicht so gut darstellen konnte. Orthochromatischer Film ist das. Wer es mal googeln möchte. Ich find's total spannend und total geil, dass die sich so technisch nerdy damit auseinandergesetzt haben, um das hinzukriegen.
Florian Bayer: Ein Problem ist dabei entstanden, sie haben... relativ langsam gedreht. Sie hatten einen relativ langsamen Filmspeak, eine relativ langsame Filmgeschwindigkeit. Was dazu geführt hat, dass der ursprüngliche Plan, den Robert Eggers schon bei The Witch umgesetzt hat, nur auf natürliches Licht zu setzen. dass der nicht funktioniert hat.
Johannes Franke: Gar keine Chance.
Florian Bayer: Sie mussten Licht anschaffen. Und weil sie so langsam gedreht hatten, war, das Material, was sie benutzt haben, hat wirklich nicht gut auf Licht reagiert. Das heißt, sie brauchten Vielleicht.
Johannes Franke: Können wir ganz kurz klären, was du mit langsam meinst? Ja, bitte mach du mal.
Florian Bayer: Ja, versuch du es mal bitte. Du findest das viel besser. Du bist der technische Nerd von uns. Du bist der Kameramensch.
Johannes Franke: Langsam ist jetzt eine Übersetzung, Slow Film ist eigentlich die ISO. Die ISO bezeichnet die Empfindlichkeit des Films. Wie viel Licht brauchst du, um den Film zu beleuchten? Und wenn draußen Tageslicht ist, dann holst du einen Film raus, der ISO 100 hat. Und wenn du aber weniger Licht hast, dann brauchst du einen ISO 800. Die hatten nur einen Film, der ISO 80 hatte. Das heißt, sie brauchten mehr als normales Tageslicht draußen. Und deswegen brauchten sie die Lampen.
Florian Bayer: Ja, und die Lampen mussten so hell sein, dass offensichtlich die Crew mit Sonnenbrillen am Set aufgetaucht ist,
Johannes Franke: Ja, und die armen Schauspieler mussten das echt schlimm aushalten. Es war echt krass.
Florian Bayer: Aber herausgekommen sind unglaublich schöne Bilder. Also und zwar schön, nicht im Sinne von, wir haben schon drüber geredet, du findest es teilweise offensichtlich auch schön romantisch. Ich finde es vor allem dreckig, rough und unglaublich beklemmend.
Johannes Franke: Und vor allem wegen dieses schmalen Bildes. Wenn du jetzt so ein Breitbild hättest, wie beim Western... Das ist ja das erklärte Ziel des Westerns, deswegen ist Western so im Breitbild, dass du die ganze Landschaft sehen kannst. Uh, mal die Berge da, Berge da und so weiter. Und hier siehst du nicht die schöne Landschaft des Wassers. Das ist keine schöne Landschaft. Nee, nee, das wollen die nicht, sondern es sind die engen Räume dieses furchtbaren Leuchtturms. Und das ist wichtig und das finde ich total geil umgesetzt.
Florian Bayer: Du bist die ganze Zeit eingesperrt mit diesen Menschen. Es gibt ja auch tatsächlich wenig... die im Leuchtturm selbst spielen. Die sind ja meistens in dieser kleinen Hütte, die am Leuchtturm dran ist. Und die Räume sind immer so eng in diesen Momenten. Und die sind ja immer zusammengefärscht und die Tage wiederholen sich. Wir haben so oft Montagen von sie streiten, sie schreien sich an, sie trinken miteinander. Küssen sich?
Johannes Franke: Ja, genau. Und dann geht es wieder an die Arbeit. Und deswegen kommt mir das so vor wie die Vorhülle, weißt du? So dieses... Immer wieder repetitive, du machst das, du machst das, du kommst aus diesem Kreislauf nicht mehr raus und die Vorhölle, beziehungsweise die Hölle an sich, Es wird ja oft so dargestellt als einfacher, als ewiger Kreislauf des Martyriums.
Florian Bayer: Sie sind darin gefangen. Und vor allem, wie gesagt, vor allem weil wir F-Frames Perspektive sehen, vor allem F-Frame ist darin gefangen. Und er hasst es ja jede Sekunde. Also es ist wirklich, es gibt ja diesen einen Complain-Moment, wo er alles Mögliche bringt und dann ganz am Schluss und oh, diese Fürze. Diese Fürze. Aber er regt sich ja auch über so viele andere Sachen auf.
Johannes Franke: Aber ich finde auch, dass Thomas seinen Fluch, den er da bekommt, diesen Monolog, ich finde den auch großartig. Großartig. Es ist ja unglaublich, was der da loslässt auf diese Typen. Man erwartet fast, dass da gleich der Blitz einschlägt, nachdem er dieses krasse Ding auf ihn ausriss. Dieser Fluch. Das ist so unglaublich und da kommt dieser mythische Charakter, den wir vorhin gesagt hatten, so sehr durch.
Florian Bayer: Und deswegen auch, also meine Interpretation von Ephraim als modernen Menschen rührt auch daher, dass er den Mythos irgendwann klein kriegt. Also wir haben diese Größe von Thomason, wir haben diesen promettischen Fluch und wir haben wirklich diese Kraft und Poseidon vernichte ihn. Und dann haben wir aber diesen Moment, wenn Ephraim Thomas niedergerungen hat, Und ihn dann wie einen Hund an der Leine rausführt, ihn zum Bellen bringt, um ihn lebendig zu begraben. Das ist krass, ne? Wie sexuell ist das zwischen den beiden? Wie sexuell? Es gibt ja Also es ist nicht größenwahnsinnig reinterpretiert, wenn wir hier S&M sehen, weil... Wir haben davor wirklich Momente, wo sowas wie eine sexuelle Wolllust zwischen den beiden gezeigt wird, wie Ephraim. Thomas Hintern betrachtet. Und dann diesen einen Moment, wo sie miteinander tanzen und sich fast küssen. Es ist wirklich ein romantischer Liebesmoment.
Johannes Franke: Ja, und man möchte ja eigentlich schnell sagen, ja, die Einsamkeit, was Einsamkeit aus Männern macht und so. Dann kommt der Vergleich mit der Bundeswehr und allem Möglichen. Aber wir sind in dem Film so weit, dass wir noch nicht die vier Wochen überstreiten. Schon fängt das an.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also man hat schon das Gefühl, dass das jetzt nicht daran liegt, dass die einfach nur... seit Ewigkeiten zusammengesperrt sind. Es sei denn, man glaubt, diese Höllensache, dass er in einem ewigen Kreislauf gefangen ist. Aber selbst dann würde er es ja vielleicht auch selber gar nicht merken, dass er in diesem Kreislauf ist, weil er ja da immer frisch ankommt. Insofern, eigentlich ist da mehr. Und es ist nicht einfach nur, ich habe keine Frau, also brauche ich irgendwas. Sondern es ist tatsächlich... Ich glaube, dass dieses Ringen um das Leben und Ringen um... um dieses Mystische, dass das einfach eine sexuelle Komponente hat, einfach von Natur aus.
Florian Bayer: Ich habe ja das Gefühl, dass das Väterliche zwischen den beiden auch eine Rolle spielt, dass Thomas immer so ein bisschen so eine Art Vaterfigur ist. Ephraim sagt einmal ganz krass, du bist kein Kapitän und du bist auch nicht mein Vater. Also fast so als Befreiungsmoment.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir ja wirklich auch wieder dieser gottgleiche Vater, der die Kenntnis nicht teilen will, der nicht will, dass sein Sohn irgendwie weiter wächst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir aber, ja, es ist auch ein sexuelles Moment. Wir haben wirklich früh, haben wir diese Szene... wo Ephraim offensichtlich mit einem wollüstigen Blick auf den Hintern von Thomas guckt. Und dann haben wir diesen Moment, wo sie sich fast küssen beim Tanzen und es ist so... Es ist so ein echter Moment. Und es gibt ja dazwischen auch immer Momente der Annäherung zwischen den beiden, wo sie sowas wie... mehr als nur eine Brüderlichkeit haben, wo sie fast wie die besten Freunde wirken und es ist einfach die logische Folge davon, dass sie sich dann körperlich begehren. Und dann wird in diesem Film ja auch wirklich verdammt viel masturbiert.
Johannes Franke: Jeder hat seinen Spaß. Ist doch schön, gönne ich doch allen. Aber es ist so ein verzweifeltes, ne?
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Das finde ich so krass, weil das alles immer mit Schmerz zu tun hat.
Florian Bayer: Ja, und auch so ganz schnell und so einfach nur loswerden und einfach nur rauslassen, dass wir keine Obwohl, wenn relativ früh Thomas sich nackt um diese Leuchtturmlampe schlängelt und dann draußen ist ... Da finde ich, da hat es schon auch so eine erotische Kraft, so eine sexuelle Kraft, die auch wirklich leidenschaftlich ist. Aber ansonsten stimme ich dir zu, also wenn Thomas, wenn Ephraim auf die Meerjungfrauenfigur masturbiert, dann ist da keine Lust dabei.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Und wenn Aphraim mit der Meerjungfrau Sex hat, dann wirkt das ja auch eher, als ob das ein Zwang wäre und als ob da keinerlei Freude wäre. Hatter Cut, ganz kurz zum Sounddesign und zur Musik.
Johannes Franke: Ja, großartig.
Florian Bayer: Marc Cowen ist für die Musik verantwortlich, der für Cube die Musik gemacht hat, für den Film aus dem Jahr 1997, der glaube ich nicht so gut gealtert ist, der... der so ein kleiner Kultfilm ist, ich glaube ich finde den nicht mehr so gut. Aber egal, die Musik ist großartig und hat viel mit Robert Eggers zusammengearbeitet bei The Witch. Hat er Musik gemacht und minimalistisch und vor allem geprägt durch diese permanenten Störgeräusche, dieses Nebelhorn, dieses Verdammt. Verdammte Nebelhorn.
Johannes Franke: Ich finde das so gut gemacht. Eggers wollte ja tatsächlich nur Instrumente, die durch Wind, also Blasinstrumente im Grunde, funktionieren. Hat nicht ganz funktioniert. Korven hat ihnen gesagt, du, ich versuche das hier, aber leider, wir müssen hier da und da, müssen wir doch nochmal ein bisschen was unterfüttern. Und Eggers hat dann gesagt, ja gut, okay, wenn das so weit verfremdet ist, dass man es nicht mehr so richtig raushört, dann ist das okay als Unterbau. Und dann haben sie einen Cellisten mit angebracht und einen Kontrabassisten. Und die haben dann noch so ein bisschen experimentale Sounds im Grunde hinzugefügt.
Florian Bayer: Und es ist Wahnsinn, was sie mit Musik und Sound schaffen, weil der Film ist ja auch, also hat ja dieses... diesen Primitivismus, nenne ich ihn mal, den er bei der Kamera hat, also dieses wir wollen alt aussehen, das hat er ja auch beim Tod.
Johannes Franke: Er hat das Mono abgemischt. Und schon im Drehbuch stand das. Ich möchte... dieser Film mono abgemischt wird, sodass es keine Verortung gibt der Geräusche. Dass ich im Kino nicht sagen kann, der ist links und der ist rechts, sondern es kommt einfach Alles aus einer derselben Richtung, nämlich vorne auf dich eingeprallt. Ich finde die Idee geil.
Florian Bayer: Ein Anti-Surround.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und trotzdem, oder gerade deswegen fühlt man sich so da reingerissen. Ja. dieses Trönen hat und zwar nicht dieses Nolan-Trönen, das irgendwie Pathos erzeugt, sondern wirklich einfach dieses Störgeräusch. Und du denkst irgendwann, ich würde allein wegen diesem Nebelhorn wahnsinnig werden.
Johannes Franke: Das stimmt, ja, absolut. Krass, ne? Okay, wir haben im Grunde wahnsinnig viel schon abgedeckt, oder? Was heißt hier schon? Wir haben ja bald... Wir sind ja jetzt schon wieder.
Florian Bayer: Wir sind fast auf zwei Stunden und wenn wir fertig sind, werden wir auf zwei Stunden kommen, denn jetzt kommt nochmal eine unserer beliebtesten Sections, nämlich unsere Top 3.
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob das die beliebteste Section ist. Wir kriegen kaum Feedback zum Top 3, muss man sagen. Wenn das Leute ihre Top 3 posten, Feedback zur Top 3 ist, dann scheint das relativ... gut anzukommen.
Johannes Franke: Jeder mag Listen. Wir mögen Listen. Wir haben eine Liste. Wie war das Thema? Das Thema war Seemannsgarn. Und wir haben beide schon. Ich habe dir das geschrieben und habe gesagt, aber ich weiß gar nicht, ob ich da richtig gut was finde. Und du hast geschrieben, ja, es ist ein schwieriges Thema.
Florian Bayer: Es ist ein tolles Thema, aber auch ein schwieriges Thema. Ich glaube, ich bin ganz glücklich mit meinen Picks jetzt. Ja, geil, okay. Und ich habe es tatsächlich auch geschafft, dass alles so nicht einfach nur Tall Tales im weitesten Sinne sind, sondern auch irgendwie Meerwasser verbunden sind. Und mein erster Pick wäre einer der Filme, wo alle gesagt haben, jetzt dreht Shyamalan durch. Und ich sehe das noch anders, der gehört für mich noch zu den Filmen, die wirklich interessant sind, auf ihre eigene schräge Art und Weise. Lady in the Water, das Mädchen aus dem Wasser aus dem Jahre 2006. Wo M. Night Shyamalan so eine Meerjungfrauengeschichte in so einen Wohnblock verfrachtet. Da verschiedene Charaktere auftauchen lässt, aber vor allem eben ein Mädchen, das im Wasser lebt und gerettet werden muss vor irgendwelchen bösen Monstern. ein ganz merkwürdiges Märchen, wirklich schräg erzählt und wirklich auch teilweise, wo man nie genau weiß, ist es Absicht oder ist es doch ein bisschen einfach nur... Es funktioniert und es ist ein wirklich interessantes Märchen und es entpuppt sich... auf ganz vielen Ebenen als Seemannsgarn und es wird sogar im Film darüber geredet, wie das, was da passiert, Seemannsgarn ist und wie das einfach großer Quatsch ist. Sehenswerter Film.
Johannes Franke: Ja, natürlich toll. Wenn der Film schon von alleine sagt... Kommt und lasst euch eine Geschichte erzählen. Ein bisschen so in die Richtung. Was ich habe ist, ich bin tatsächlich nicht zufrieden mit meiner Liste. nicht so richtig Sachen gefunden habe, die ich wirklich uneingeschränkt empfehlen kann, aber die sehr gut da reinpassen. Ich hätte auf Platz 3 einfach mal die Braut des Prinzen.
Florian Bayer: Ah, schön.
Johannes Franke: Weil die Geschichte des grausamen Gräuelpiraten Roberts erzählt wird. Und das ist natürlich... Großes Augenzwinkern in Richtung Seemannsgarn und dieses überhaupt das Thema von... Den Piraten, die die sieben Weltmeere unsicher machen und der stärker ist als alle anderen und so. Finde ich super. Vor allem aber auch, weil der Film und aber vielmehr das Buch noch und wir haben den Film auch besprochen und damit auch das Buch besprochen. sehr davon lebt, diese Liebe zu Geschichten zu haben, zu diesen... Märchen, die man sich erzählt und diese Gute-Nacht-Geschichten, die der Vater seinem Sohn einfach erzählt. Was ich total schön finde. Und das sind alles quasi Seemannsgaben.
Florian Bayer: Ja, voll geil. Mein Platz 2 aus dem Jahr 1980 von John Carpenter, The Fog, Nähe des Grauens. Der Film da mit dem berühmten Edgar Allan Poe-Gedicht beginnt, Dream of an a Dream. All that we see or seem is but a dream within a dream. Und die Geschichte ist eigentlich eine ganz klassische... Gruselgeschichte erzählt von Seefahrergeistern, die aus Festland kommen, um die Lebenden zu martern. Startet auch mit einer Seemannsgeschichte, eben mit einem alten Seemann der Kindern am Lagerfeuer. Die Geschichte von diesen Geistern erzählt die im Laufe des Films dann tatsächlich die Bevölkerung dieses Dorfes, wo das spielt, heimsuchen. Klassischer 80er Jahre Horrorfilm, aber mit einer wirklich tollen Atmosphäre. Und einfach großer Quatsch vor allem.
Johannes Franke: Ich hätte auf Platz 2, klingt erstmal lame, Aber mehrere Ebenen hat das Ding. Ariel, die Meerjungfrau. Einfach nur Ariel. Ariel einfach als... Mythologische Figur, die aus Seemannsgarn irgendwie sich entspinnt, die als Figur so, also als... Nicht Arielle selbst, sondern die Meerjungfrauen an sich, was wir jetzt lang genug besprochen haben. Aber, was ich interessant finde, wenn man den Film auf eine bestimmte Art und Weise guckt, ist das Seemannsgarn im Grunde die Menschenwelt, ne? Ja. Weil die erzählt sich da unten, was in der Menschenwelt alles Geiles möglich ist. Und Ariel will unbedingt dahin. Und die Liebe und alles mögliche. Und das ist der Seemannsgarn unter den Leuten, die da unter dem Meer leben.
Florian Bayer: Ja, die haben zwei Beine. Wie funktioniert das?
Johannes Franke: Da schwimmen die. Finde ich eigentlich ganz geil.
Florian Bayer: Total schön, ja. Mein Platz 1, was relativ jung ist und es ist ein Manga, es ist eine Anime-Serie und vor allem ist es aber auch eine Live-Action-Serie, die jetzt auf... Netflix gelaufen ist. One Piece 1997 als Manga gestartet. Handelt von einer Piratengruppe in einer fiktiven Welt, die so ein bisschen an unsere große Piraten-Karibik-Zeit erinnert, aber doch ganz anders ist. und mit viel fantastischen Elementen und es geht um Monkey D. Ruffy, der irgendeine Frucht gegessen hat und sich deswegen krass ausdehnen kann und es ist alles komplett drüber und der will der größte Pirat werden und will diesen ominösen Schatz suchen. Und es steckt voller Seemannsgan und voller Quatschgeschichten. Dann gibt es Bösewichter wie einen Clown, der... auch leben kann, wenn sein Körper in verschiedene Teile zerfallen ist, der quasi unsterblich ist. junge Leute, die verrückte Piraten-Geschichten erzählen, weil sie Pirat werden wollen und dann doch die Chance dazu haben. Und es ist ein großes Fest. Und die Comics sind natürlich irgendwie cool, wenn man auf Mangas steht. Aber die Netflix-Serie, Die Live-Action-Serie, die ist auch absolut sehenswert und es ist wirklich auch großer Quatsch und vollkommen drüber und so die beste Art, wie man sich Seemannsgarn in unserer Zeit hat.
Johannes Franke: vorstellen kann. Ich habe auf Platz 1 einen Film, über den ich mit dir sehr viel gestritten habe. Ja. The Wild Boys von Bertrand Madigan.
Florian Bayer: Nein, schön, aber warum hast du den? Ich dachte, du würdest Big Fish nehmen. Ich habe so fest damit gerechnet, dass du Big Fish nimmst.
Johannes Franke: Big Fish ist bei Online Mansion gelandet. Aber deswegen, weil Big Fish, ehrlich gesagt, der schlechtere Film ist.
Florian Bayer: Ja, nein. Es ist halt leider so. Was? Du hast so abgeworfen. Abgehatet, als ich dir die Wild Boys gegeben habe.
Johannes Franke: The Wild Boys, vor allem deswegen der bessere Film, weil er sich mehr traut. Weil er mehr abgefahrenes Zeug macht. Ein bisschen Abstand brauche ich ja manchmal auch zu den Filmen. Und dann sagen zu können, ja, ich habe mein Trauma überwunden, das ich beim Gucken eingesammelt habe und dann kam man nochmal anders auf den Film.
Florian Bayer: Wow, ein bisschen nehme ich dir diesen Pick übel, weil ich habe wirklich für diesen Film gekämpft in unserer Diskussion. Und du warst so abgeturnt und du hast so... Ich habe auch positive Sachen gesagt, so ist es nicht. Aber du hast ihn so als Horror bezeichnet und als so ätzend und unangenehm. Ich hatte wirklich eine schwere Zeit in dieser Episode, als wir über den Film geredet haben.
Johannes Franke: Hört euch die Episode auf jeden Fall an. Ich glaube, Plur hat ein Trauma davon getragen und hat deswegen gerade so ein schlechtes Bild davon, wie wir darüber geredet haben. Ich glaube, ich habe mehr Positives dran gelassen.
Florian Bayer: The Wild Boys aus dem Jahr 2017. Ein wirklich schräger, surrealer, fantastischer Film, in dem vor allem ganz viele geile Spiele mit Gender-Identität stattfinden.
Johannes Franke: Ja, Frauen, die Jungs spielen, die in der Gegend rumgeschickt werden, weil sie Kriminelle sind. Und die stranden auf einer Insel, die nicht einfach nur eine Insel ist, sondern ein lebender Organismus im Grunde mit einer... Sehr triebhaften Flora, sagen wir so, die Säfte absondert und eine hypnotische Wirkung erhält. und dann die Geschlechter der Anwesenden verändert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist wirklich sehr surreal und sehr albtraumhaft gemacht und sexuell sehr stark. Schwierig fand ich, damit umzugehen teilweise. Ja, und so Horrorfilmartig. Aber ... Vielleicht muss man sich den mal anschauen, wenn man in der Verfassung ist, dazu das zu tun. Hört euch vielleicht zuerst die Episode an, dann wisst ihr, was euch erwartet. Und dann könnt ihr euch den Film anschauen. Aber es lohnt sich wahrscheinlich irgendwie.
Florian Bayer: Wir haben den komplett unterschiedlich gelesen. Ich habe den so als hedonistisches Fest wahrgenommen. mit Geschlechtsidentität und mit sexueller Lust und so gespielt. Und du fandst ganz viel davon unangenehm, weil das so in die Body-Horror-Richtung geht.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ja, also das war wirklich krass, weil der hat auch so Clockwork Orange Elemente und dann hat er natürlich diese Seemannsgeschichte und diesen Kapitän, der so ganz männlich ist, so fast so ein Prototyp von einem Mann.
Johannes Franke: Genau, absolut. Und das macht so dieses Seemannsgarnartige, weil das ja auch so dieses Fantastische ist, was da irgendwie mitgeliefert wird, wenn man einen Seemannsgarn spinnt.
Florian Bayer: Toller Film und wie schön, dass du den genommen hast, das Platz 1. Und trotzdem bin ich sauer auf Ich hab so fest damit gerechnet, dass du Big Fish nimmst und ich dann noch einmal sagen kann, oh, Burton, der olle Sesse.
Johannes Franke: Wir haben ja über Big Fish geredet und wir waren nicht so wahnsinnig zufrieden damit. Wir haben es besser in Erinnerung gehabt, also ich habe es besser in Erinnerung gehabt, als er wirklich war. Und ich habe noch ein, zwei andere honorable mentions. Ja, bitte. Und zwar hätte ich gerne Nosferatu noch mit drin, von 1922, weil der da über das Schiff... dann eben danach, wie heißt das, nach Deutschland kommt. Und auf diesem Schiff mit diesem Sarg, das ist ja auch... Wenn Leute auf See sind und Skorbut bekommen oder irgendwelche Krankheiten oder die irgendwelche... Und dann ist das ganze Schiff dahin gerafft nach und nach und kommt im Grunde als Geisterschiff. nie zu Hause an. Das ist ja auch so ein Seemannsgarm. Absolut. Das ist so krass. Und Nosferatu da irgendwie mit drin, das fand ich tatsächlich ganz geil, muss ich sagen.
Florian Bayer: Eine kleine Honorable Mention, die ist, glaube ich, kein Top-Film, aber The Life of Pi fand ich wirklich schön sehen. Ja, absolut. Purer Eskapismus, aber ein wirklich süßer Film. auch so ein bisschen die ganze Geschichte dann am Ende nochmal in Frage stellt und sagt, okay, vielleicht war das ganz viel Seemannsgarn um tatsächlich ein Trauma zu verarbeiten.
Johannes Franke: Und ich habe den Film halt nicht gesehen, deswegen habe ich ihn nicht mit drin. Sonst hätte ich ihn nämlich mit reingenommen, weil ich das Buch total geil fand, muss ich sagen. Das ist ein richtig gutes Buch. Ganz toll.
Florian Bayer: Ich habe das Buch nie gelesen. Ich habe nur den Film gesehen und ich fand den Film wirklich sehr süß.
Johannes Franke: Ich habe das Buch gehört.
Florian Bayer: Aha, auch gut.
Johannes Franke: Und honorable mention, Spongebob Schwammkopf, finde ich großartig, Davy Jones locker, also ich finde ganz viel Tolles. Anspielungen bei SpongeBob Schwammkopf. Du bist wahrscheinlich nicht der größte Fan.
Florian Bayer: Ich kenn das so gut wie gar nicht und das, was ich davon gesehen habe, fand ich tierisch nervig.
Johannes Franke: Das ist großartig. Ganz toll. Das ist der große Unterschied zwischen euch beiden, glaube ich. Wenn ihr wissen wollt, was... was charakterlich zwischen uns liegt. Es ist Spongebob Schwammbob. Ja, genau. Und eine noch, Monkey Island. Oh ja, bin ich voll bei dir. Finde ich total geil, weil die sich da so tief reinbegeben. Fantastisch. Weil es im Grunde auch in einem Vergnügungspark spielt, wo sich Kinder vorstellen, dass sie die Helden dieser... weirden Geschichten sind und die dann so viel in diese Mythen reingehen und in irgendwelchen, aber auch mit einer ironischen Art die ich geil finde. Du meinst das Spiel, ne? Spiel, ja, ja.
Florian Bayer: Du bist bei Point & Click Adventures, cool. Total geil. Ganz klassisch, ja.
Johannes Franke: Monkey Island, 1, 2, 3, 4, wie viel haben sie gemacht? Oh, viele.
Florian Bayer: Ich habe nur die ersten beiden gespielt. Und am dritten war ich dann so ein bisschen abgetannt, weil mir der Grafikstil nicht gefallen hat.
Johannes Franke: Die waren alle großartig. Alle großartig. Jeder auf ihre Art. Ich warte noch darauf, dass es endlich eine Verfilmung von Monkey Island gibt.
Florian Bayer: Oh ja, stimmt. Das wäre so geil. Ich fand die Fechtkämpfe vor allem cool. Ich kann jetzt leider gerade keinen zitieren, aber ich konnte die mal alle auswendig, diese, wenn man fechtet, aber der Fechtkampf ist eigentlich ein Kampf mit Worten und man muss den richtigen Satz nehmen. Vor allem muss man dann den richtigen Konter nehmen auf die Beleidigung, die einem der Gegner entgegenwirft.
Johannes Franke: Großartig.
Florian Bayer: Dann lass mich zumindest noch eine Sache reinwerfen. Trash, aber Guilty Pleasure, aber trotzdem Spaß. Lost. Die Serie, wo sie auf dieser einsamen Insel stranden und von Staffel zu Staffel wird es mehr zu Seemannsgarn, weil die Macher der Serie einfach noch mehr Mythen. und noch mehr Mystery reinwerfen wollen in den Ring, damit das Publikum dran bleibt und irgendwann die Orientierung verlieren und ihre Story selbst nicht mehr vernünftig gegriffen kriegen. Und dadurch macht es einfach Spaß, aber man darf es nicht zu ernst nehmen.
Johannes Franke: Das war eine tolle Top 3.
Florian Bayer: Ja, dafür, dass es so schwer war, sind uns jetzt verdammt viele Sachen eingefallen. Stimmt. Und damit zurück in den Film.
Johannes Franke: Das war Unsere, äh, Top 3. Zurück im Film. Es gibt ja nicht mehr viel zu sagen, oder? Lass uns schnell eine Schleife drumrum machen. Gib mir nochmal eine Zusammenfassung.
Florian Bayer: Also die Schleife drumherum ist natürlich, dieser Film ist ein absoluter muss man sehen Film. Wahrscheinlich der beste Film von Eggers, wenn ich jetzt nochmal drüber nachdenke, was so Atmosphäre betrifft, was Themen betrifft. Nichts gegen seine anderen Filme, aber Lighthouse ist... sticht meiner Meinung nach wirklich nochmal ein Stück hervor. Es ist definitiv ein Horrorfilm, aber es ist auch eine absurde Komödie. Es ist eine Bizarrerie. Es ist ein surreales Fest und es ist vor allem ganz, ganz, ganz viel toller Seemannsgarn.
Johannes Franke: Ich kann nicht viel dazu hinzufügen, weil du das ganz gut gesagt hast, aber ich finde es vor allem geil, dass dieser Film überhaupt gemacht werden durfte. Eggers hat ja vorher nur The Witch gemacht und das war natürlich ein großer Erfolg und so. Das hat ihm irgendwie das Standing dafür gegeben, diesen Film machen zu können. Aber dass sich alle auf dem Weg dahin eingelassen haben und gesagt haben, wir machen das für 11 Millionen. Und dann tatsächlich auch 18 Millionen Einnahmen bei rumgekommen sind. Was heißt, dass sie kostendeckend arbeiten konnten?
Florian Bayer: Gerade so. Ich weiß nicht, wenn ein 11-Millionen-Dollar-Film 18 Millionen einspielt, kann ich mir sogar vorstellen, dass es eher eine... vielleicht knapp eine Null ist, vielleicht aber auch in den roten Zahlen.
Johannes Franke: Je nachdem, wo das Geld noch landet, ne?
Florian Bayer: Ja, du musst ja irgendwie immer noch so Marketing und sowas mit reinrechnen.
Johannes Franke: Ja, ich weiß aber nicht, ob in den 11 Millionen nicht Marketing schon drin ist.
Florian Bayer: Das könnte sein. The Witch war natürlich viel größer. Auf 4 Millionen Dollar hatte der 40 Millionen Dollar. Und ja, wie gesagt, deswegen konnte er das überhaupt drehen. Und Eggers war auch ziemlich angepisst. Der war zu der Zeit, als sie diese Idee mit Lighthouse rum rumgespielt haben, war ja angepisst, weil er es einfach echt schwierig hatte, mit seinen Ideen an Finanziers zu kommen.
Johannes Franke: Die Idee hatte er ja schon vor The Witch. Genau. Und dann haben sie The Witch gemacht und das hat ihnen erst die Möglichkeit gegeben. Naja. Naja, also ich bin total froh um diesen Film. Ich find's geil aus Seemannsgarn und aus dieser... Psychologie und aus dieser Idee tatsächlich so ein geiler Film geworden ist. Schaut es euch an, wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt und es jetzt einfach so zugehört habt. Ansonsten, es gibt noch mehr Filme, die ihr sehen müsst, nämlich zum Beispiel den Film, den wir nächste Woche besprechen.
Florian Bayer: Ja, es geht Weiter in unserem Horrormonat. Nächste Woche bin ich dran.
Johannes Franke: Aber wir spielen euch nochmal den Jingle ein, um euch ein bisschen zu quälen. Und danach erklärt mir Plor, was er von mir haben will. Schön, dass ihr da wart. Vielen Dank für eure ganze Beteiligung. Hör auf, nicht schon einspielen. Danke an euch da draußen, dass ihr immer dabei seid. Danke dir, Flo. Und wir sehen uns das nächste Mal. Okay, Flo, was gibt's denn?
Florian Bayer: Ich bin dieses Jahr frisch. Das heißt, ich... Wir sind so viel durch die Horrorfilmgeschichte gesprungen in den letzten Jahren. Ich will dieses Jahr gucken. Was kann das Jahr 2026 sein? Und vor allem, was können die jungen RegisseurInnen im Horror 2026? Und alle, die dieses Horrorfilm ja verfolgt haben, werden jetzt wahrscheinlich schon ahnen, was sich Johannes Diese... Und übernächste Woche dann geben werde. Weil dazwischen ist nochmal Johannes dran. Und zwar wirklich zwei Filme aus dem Jahr 2026. Wir starten mit Backrooms.
Johannes Franke: Ach Gott.
Florian Bayer: Und so viel kann ich schon mal spoilern. Auch der zweite Film, den ich Johannes geben werde, wird aus dem YouTube-Universum kommen. Nächste Woche aber erstmal Backrooms. Wir gucken uns Liminal... Liminal? Wir gucken uns Liminal Spaces an. Wir fürchten uns, wenn wir durch irgendwelche Gänge irren. Du hast den Film auch schon gesehen, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Vielleicht reden wir über Creepypasta.
Florian Bayer: Wir reden bestimmt auch ein bisschen über Creepypasta und wir vergleichen den vor allem mit dem anderen quasi Creepypasta-Film, den wir vor einigen Jahren besprochen haben, Skin in a Ring und gucken, wo er... was anders macht, wo er was besser macht oder wo er vielleicht was schwächer macht. Und ich bin sehr gespannt. Ich freue mich total auf dieses Gespräch. Backrooms aus dem Jahr 2026. Guckt euch den Film an. Dann macht die Folge nächste Woche noch mehr Spaß.
Johannes Franke: Geil. Okay, dann bis nächste Woche.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
