Episode 47: Fahrraddiebe und der italienische Neorealismus
Also dann… Machen wir wieder einmal einen Ausflug in die filmhistorische Hochkultur. Die Nouvelle Vague aus Frankreich haben wir ja in unserer “Außer Atem” Episode bereits abgehandelt. Mit Vittorio de Sicas Film Fahrraddiebe aus dem Jahr 1948 reden wir heute über die europäische Filmbewegung, die der Nouvelle Vague unmittelbar vorausging: Den italienischen Neorealismus. Dieser entstand in den frühen 40er Jahren, in der Endzeit des italienischen Faschismus unter Mussolini, und gehört zu den großen Filmschulen des 20. Jahrhunderts.
Fahrraddiebe ist ohne jeden Zweifel Peak Neorealismus, der Film, der am besten auf den Punkt bringt, was diese filmische Schule ausmacht: Erzählt wird in der (damaligen) Gegenwart, eine einfache Geschichte aus dem Arbeitermilieu: Dem Tagelöhner Antonio wird das Fahrrad geklaut, das er für seinen neuen Job als Plakatierer zwingend benötigt. Keine Banalität für den Familienvater, der dadurch die Existenz seiner gesamten Familie auf dem Spiel sieht. Verzweifelt zieht er mit seinem Sohn durch Rom, auf der Suche nach dem Diebesgut und den Dieben.
In dieser einfachen Geschichte, die vom Zufall geleitet wird, verbindet sich ein dokumentarischer Blick mit einem humanistischen Pathos, der den alltäglichen Kampf des Prekariats ums Überleben nuanciert und mitreißend darstellt. Auch heute noch, gut 70 Jahre später für mich absolut fesselnd und berührend, einfach einer der besten Filme aller Zeiten, ein Urteil das ich mit dem Gros des Feuilleton und der Filmkritik teile.
Also bitte Johannes. Hier ist wieder einmal eine heilige Kuh. Bereit für die Schlachtung?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 47: Fahrraddiebe und der italienische Neorealismus Publishing Date: 2021-11-24T20:18:07+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/11/24/episode-47-fahrraddiebe-und-der-italienische-neorealismus/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig.
Florian Bayer: Hallo, Plor. Hallo, Johannes. Hallo, liebes Publikum.
Johannes Franke: Wie hast du deine Woche verbracht?
Florian Bayer: Sehr gut. Sehr... Arbeitswütig, aber mit sehr zufriedenstellendem Endergebnis bis jetzt. Mal schauen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wir nehmen ja immer dienstags auf. Das heißt, die Woche ist noch lange nicht vorbei. Du musst es erst eher fragen, wie habe ich mein Wochenende verbracht?
Johannes Franke: Ach so, okay. Wie hast du dein Wochenende verbracht, Plur?
Florian Bayer: Rumhängend. Okay. Aber sehr entspannt rumhängend.
Johannes Franke: Mit Fahrraddieben nehme ich an.
Florian Bayer: Mit Fahrraddieben, genau. Mit Fahrradieben habe ich die Zeit verbracht, was in Berlin nicht sonderlich schwer ist, weil auch hier lauern sie an jeder Ecke.
Johannes Franke: Ja, und man fühlt sich die ganze Zeit, wenn man den Film guckt, so daran erinnert, ich habe drei Fahrräder in Berlin verloren.
Florian Bayer: Oh, krass.
Johannes Franke: Ja, wirklich. Sind alle geklaut worden. Ich habe keine Lust mehr gehabt, eins zu kaufen. Ich habe keins mehr.
Florian Bayer: Wow.
Johannes Franke: Ja. Aber da sind wir ja fast schon im Thema drin.
Florian Bayer: Karen, meine Freundin, hat einmal einen Fahrraddiebstahl beobachtet und dann die Polizei gerufen. Also ich glaube, sie war im S-Bahnhof und auf den Gleisen und hat dann gesehen, dass sich da jemand... Wie war denn das noch? Ich glaube, sie hat gesehen, wie sich jemand am Schloss zu schaffen gemacht hat, hat bei der Polizei angerufen. Und die kamen natürlich viel zu spät.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Und die meinten, naja, ja, ist halt so. Also auch etwas, dem wir im Film wieder begegnen werden.
Johannes Franke: Ja, genau. Ja, Plor, nur ganz kurz für alle Zuschauer, die Zuhörer, die ganzen Zuhörerinnen. Jetzt habe ich es. ZuhörerInnen. Es tut mir wahnsinnig leid. Ich versuche es. Ich bemühe mich. Und das zu mal, unser Konzept nochmal ganz kurz, wer zum ersten Mal reinhört, weiß noch gar nicht, was wir machen.
Florian Bayer: Ja, wir reden über Filme.
Johannes Franke: Meistens. Meistens über Filme.
Florian Bayer: Letzte Woche haben wir nicht über Filme geredet.
Johannes Franke: Letzte Woche? Was war letzte Woche?
Florian Bayer: Blackadder.
Johannes Franke: Ach, Blackadder. Ah, ja, ja, ja. Aber, ja, naja, komm.
Florian Bayer: Wenn Johannes was vorschlägt, dann kommen manchmal auch Serien. dabei heraus oder abgefilmte Theaterstücke. Aber unser Konzept ist, wir schlagen dem anderen jede Woche was vor, was er sehen muss, wovon wir glauben, dass unser Publikum das auch sehen sollte und dann reden wir über den Film.
Johannes Franke: Ja und hoffen, dass wir den Horizont des anderen ein bisschen erweitern oder wenn das nicht klappt, wenigstens den anderen geärgert haben.
Florian Bayer: Genau. Das sind eigentlich die schönsten Folgen. Im besten Fall Horizonterweiterung und ein heftiger Streit darüber, ob dieser Film wirklich gesehen werden muss. Und ich bin sehr gespannt ... Wo uns die heutige Episode hinführt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und genau, denn wir reden heute über einen... großen Klassiker des Kinos. Ein Film, über den sich die Kritiker meistens ziemlich einig sind und der regelmäßig in Auf den obersten Plätzen auftaucht bei Top-Listen Fahrraddieber aus dem Jahr 1948, einer der großen europäischen Filme.
Johannes Franke: Ich würde sagen, du führst uns einfach ein und dann werden wir uns mal rantasten.
Florian Bayer: Ja, machen wir einen Ausflug in die filmhistorische Hochkultur. Die Nouvelle Vague aus Frankreich, die haben wir ja schon in unserer Außer-Atem-Episode abgehandelt. Mit Vittoria des Siegers Film Fahrradieber aus dem Jahr 1948 reden wir heute über die europäische Filmbewegung, die der Nouvelle Vague unmittelbar vorausging. den italienischen Neorealismus. Dieser entstand in den frühen 40er Jahren in der Endzeit des italienischen Faschismus unter Mussolini und gehört zu den großen Filmschulen des 20. Jahrhunderts. Fahrraddiebe ist ohne jeden Zweifel Peak Neorealismus. Der Film, der am besten auf den Punkt bringt, was diese filmische Schule ausmacht. Erzählt wird in der damaligen Gegenwart eine einfache Geschichte aus dem Arbeitermilieu. Dem Tagelöhner Antonio wird das Fahrrad geklaut, das er für seinen neuen Job als Plakatierer zwingend benötigt. Keine Banalität für den Familienvater, der dadurch die Existenz seiner gesamten Familie auf dem Spiel sieht. Verzweifelt zieht er mit seinem Sohn durch Rom auf der Suche nach dem Liebesgut und den Dieben. In dieser einfachen Geschichte, die vom Zufall geleitet wird, verbindet sich ein dokumentarischer Blick mit einem humanistischen Pathos, der den alltäglichen Kampf des Präkariats ums Überleben nuanciert und mitreißend darstellt. Auch heute noch, gut 70 Jahre später, für mich absolut fesselnd und berührend. Einfach einer der besten Filme aller Zeiten. Ein Urteil, das ich mit dem Gros des Feuilleton und der Filmkritik teile. Also bitte, Johannes. Hier ist wieder einmal eine heilige Kuh. Bereit für die Schlachtung?
Johannes Franke: Fühlst du dich nicht ein bisschen schlecht, den Kritikern nach dem Mund zu reden?
Florian Bayer: In diesem Fall überhaupt nicht.
Johannes Franke: Was für mich sehr für diesen Film steht, ist... Das Erlebnis, was ich hatte nach so 10 Minuten oder sowas in den Film hinein. Ich dachte, die ersten 10 Minuten lang ... dieser Film gibt mir nichts, da passiert nichts, da passiert gar nichts, was soll mir dieser Film geben? Oh, und jetzt, was passiert jetzt? Oh mein Gott. Oh nein. Oh nein, der Arme. Nein, tu es nicht. So diese Entwicklung habe ich genommen während des Films. Ich habe echt zehn Minuten lang gedacht... ach nee, das wird nichts, ach schade eigentlich. Und dann irgendwie plötzlich war ich so drin und dachte, ach scheiße, nein, tu es nicht.
Florian Bayer: Das ist krass. Wir hatten das ja schon öfter bei einigen Episoden, dass wir über Filmklassiker diskutiert haben. wirklich tiefe Filmgeschichte, sowas wie Sunset Boulevard zum Beispiel oder Außer Atem. Und es gibt ja dieses Phänomen, dass man einen Klassiker sieht und denkt ... Ja, ich kann nachvollziehen, dass der in der damaligen Zeit Menschen bewegt hat und wirklich was Neues war. Aber wenn ich den heute sehe mit meiner filmischen Sozialisation, es ist irgendwie was anderes und ich sehe ihn vor allem als historisches Gut.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: So wie wenn ich mir, keine Ahnung, ein Gemälde aus dem Mittelalter betrachte, wo ich sage, wow, große Kunst damals, aber... Uff, die Perspektive, diese komischen deformierten Körper, das ist einfach... Ich sehe den historischen Wert, aber ich sehe nicht den Wert, den es mir jetzt gibt, emotional und intellektuell. Und Fahrraddiebe gehört eben zu jenen Filmklassikern, bei denen es bei mir zumindest nicht der Fall ist, bei denen ich wirklich gucke heute aus meiner heutigen Sozialisation und immer noch bewegt bin und immer noch berührt bin und ganz oft Momente habe, wo ich denke, wow, krass, das geht mir jetzt gerade richtig nah.
Johannes Franke: Und dieser Trick, den der Regisseur anwendet, wirklich eine ganz einfache Geschichte und nur menschliche Geschichte zu erzählen. Das hilft, glaube ich, einfach wirklich, dass über Jahrhunderte noch auch, ich glaube, dass es auch in 100 Jahren noch ein Film ist, der Leute dort packt, wo es weh tut, nämlich einfach nur an der Menschlichkeit dieser Geschichte.
Florian Bayer: Ja, es ist so diese Banalität. Das ist einfach authentisch. Und obwohl der Film ja auch in der Zeit spielt ... Und Themen behandelt, die uns auch teilweise fremd sind. Ich meine, es geht um den Kampf der wirklich prekären Arbeiterklasse. Es geht um Tagelöhner, die irgendwie versuchen rumzukommen. die ständig zum Funthouse pendeln müssen, um neue Sachen einzutauschen, um andere Sachen zurückzukriegen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist ja nichts, also unsere Lebensrealität, auch die prekäre Lebensrealität heutzutage sieht ja auch anders aus ein bisschen oder zumindest, also auch so rein ästhetisch. Und trotzdem schafft er es eben, diese universellen Themen anzusprechen und diese universellen Themen zu treffen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eben, wie ist das Los eines einfachen Menschen, der täglich ums Überleben kämpfen muss ... Und für den eine einfache Trivialität wie ein Fahrraddiebstahl richtig existenzbedrohend ist.
Johannes Franke: Und das wird sehr gut hergeleitet. Also das wird mir schon mit dem ersten Typen die Arbeit verteilt. Du hast sofort... Die Not der Leute. Du weißt sofort, worum es geht. Es geht um Essen oder Nicht-Essen. Und also wirklich ums Fundamentalste überhaupt im Leben. Da stehen die ganzen Männer und Frauen. hoffen darauf, dass sie irgendwie Arbeit zugeteilt bekommen. Und der eine Typ, um den es dann irgendwie geht, hat anscheinend auch schon aufgegeben, Der kommt viel zu spät und muss mehrmals herangerufen werden, weil ein Job für ihn da ist. Und das ist ja auch schon bezeichnend, weil die da jeden Tag stehen und jeden Tag hoffen, dass sie irgendwas bekommen.
Florian Bayer: Unser Protagonist, Antonio Ricci. Eine total interessante Figur. Also ich finde die Figur richtig toll, weil sie eben sehr ambivalent gezeichnet ist. Wir haben es hier nicht mit einem Helden zu tun, der ums Überleben kämpft. Und dem wir bedingungslos folgen wollen. Weil es ist eben zum Beispiel, wie du sagst am Anfang, ein Mensch, der... offensichtlich auch resigniert hat und in seiner eigenen Lethargie gefangen ist. Das ist jemand, der auch lügt, um halt irgendwie da rauszukommen, weil er wird dann gefragt, ja, du kannst als Plakatierer arbeiten, du hast doch ein Fahrrad und Und dann sagt er, ja, hab ich, klar. Und man sieht schon so ein bisschen die Angst in seinem Blick, weil er hat eben das Fahrrad nicht mehr, weil er es zum Pfandhaus gebracht hat, um eben Essen für seine Familie zu holen. Und im Laufe der Geschichte macht dieser Antonio Ricci ständig Dinge, die eben ... unserem ethischen Bewusstsein widersprechen, die falsch sind oder als schlecht. ansehen würden. Er schlägt seinen Sohn.
Johannes Franke: Ja, aber sehr spät erst im Film.
Florian Bayer: Ja, er...
Johannes Franke: Das sind wir sowieso schon sehr nah an den Tagen.
Florian Bayer: Er belügt seine Familie auch.
Johannes Franke: Er belügt seine Familie, ja.
Florian Bayer: Er lässt seine Frau halt auch so ein bisschen hängen, nachdem das Fahrrad geklaut wurde. Jetzt geht er erst mal ... zu seinen Kumpanen, natürlich um sich Hilfe zu holen, aber er redet nicht mit ihr.
Johannes Franke: Er sagte nicht, wie es aussieht. Ja, das ist ein bisschen das Ding. Ich weiß allerdings nicht, wie viel davon und da kommt es wieder dann in das Problem, dass wir es mit dem Film aus 1948 zu tun haben. Wie gesellschaftlich relevant das damals war, seiner Frau das alles auseinanderzunehmen, bevor man irgendwo anders mit seinen Kumpels darüber redet. Ja. Weiß ich nicht, keine Ahnung, wie normal das war oder ob das plotrelevant ist oder ob ich das nur aus der heutigen Sicht dann vergrößere.
Florian Bayer: Ja, interessant ist ja tatsächlich, dass sie zum Beispiel das Schlagen seines Sohnes kritisch reflektieren. Er schlägt seinen Sohn und sein Sohn spiegelt in diesem Moment, dass wieder was geschehen wird. Ja. Und diese Szene kulminiert dann ja in dem Moment, wo er Angst hat, dass sein Sohn im Tiber ertrunken sein könnte. Ja. Weil er kriegt dann halt mit, also sein Sohn ist dann halt irgendwie weg und dann hört er, Leute rufen Hilfe, da ist jemand im Wasser, oh mein Gott. Und dann hat er richtig Angst, dass sein Sohn ertrunken wäre. Und da wird das ja schon kritisch reflektiert. Und das, finde ich, macht auch ganz viel aus von dieser ambivalenten Erzählweise, dass der Film... gerne pendelt zwischen der Perspektive des Vaters und des Sohns, teilweise ziemlich beeindruckend mit der Kamera erzählt, indem einfach die Kamera mal auf Augenhöhe des Sohnes ist. Und mal auf Augenhöhe des Vaters und dazwischen gesprungen wird.
Johannes Franke: Das ist sehr gut gemacht. Vor allem für 1948, sage ich jetzt mal so. Ich habe auch eine sehr gute Qualität. Ich habe auf YouTube das Ding gekauft und das war eine sehr gute Qualität und war wirklich... gut durchzuschauen und hat nicht die Qualitätsverluste, die manche Filme aus der Zeit dann schon haben über die Zeit. Der muss irgendwie gut konzentrieren. serviert worden sein.
Florian Bayer: Da ist ein Film, dem sehr viel Liebe gegeben wurde. Ich habe eine remasterte Blu-Ray geguckt, von der ich allerdings jetzt in diesem Moment gerade abraten muss. Da gibt es nämlich ein ganz, ganz, ganz großes Problem. Der Film hat die italienische Tonspur und die deutsche Tonspur und keine Untertitel. Das heißt, du hast entweder die Wahl, du guckst diesen Film, wie er wirklich gedreht wurde und verstehst kein Wort. Oder du guckst dir den Film in der deutschen Synchro an und hast dann mit allen deutschen Synchro-Problemen der 50er Jahre zu kämpfen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Oder du machst es, wie ich es mache und du schaust ihn zweimal, um einmal die Atmosphäre aufzusaugen, beziehungsweise um danach die Atmosphäre aufzusaugen, nachdem du verstanden hast, worum es in dem Plot eigentlich geht.
Johannes Franke: Ja. Ich habe natürlich die deutsche synchronisierte Fassung gesehen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich fand sie eigentlich gar nicht so schlecht. Ich kann mir vorstellen, Und da kommen wir dann zum Entstehungsprozess dieses Films, dass die deutsche Synchronfassung diesen Laien-Schauspielern ein kleines bisschen... ihre beabsichtigte Leidenhaftigkeit weggenommen hat, weil es halt professionelle Sprecher waren. Was mir entgegenkommt ehrlich gesagt, ich bin ja immer auf der Seite dessen, dass ich sage, können wir vielleicht einfach mit Schauspielern arbeiten und nicht mit Laien, aber... Aber ich muss sagen, dass ich ihn wirklich sehr gut finde.
Florian Bayer: Ja, er ist ja stark. Erstaunlich gut.
Johannes Franke: Maria finde ich auch super. Ich habe den Namen der Schauspielerin gerade nicht im Kopf.
Florian Bayer: Ja, also er wurde gespielt, Antonio Ricci wurde gespielt von Lamberto Maciorani.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der hat ja ständig Sorgen gehabt wegen seines fehlenden Schauspieltalents. Der war die ganze Zeit verunsichert eigentlich am Set, weil er meinte, ich bin ein Amateur. kein Schauspieler. Ich bin ein Laiendarsteller. Und das gehört zum Konzept des Neorealismus, zu dem wir gleich zu sprechen kommen, bevor wir über Über die Produktionsbedingungen sprechen müssen wir, glaube ich, einmal kurz den Filmhistorischen Rahmen abklären.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Maria wurde gespielt von Lianella Carell.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und die hat zumindest danach auch ein bisschen mehr gespielt. Also, die hat so ein paar Filme in ihrer Vita drin. Und Lamberto Maciorani auch, aber der hat das eigentlich nie geschafft. geschafft, wirklich an den Erfolg von Fahrradliebe anzuknüpfen und der ist tatsächlich später wieder in seinen Handwerksberuf zurückgekehrt. Der war Handwerker. Es war ein einfacher Mann und Und offensichtlich konnte der sehr viel mit in die Geschichte einbringen, weil er es eben auch gewohnt war, als Tagelöhner zu arbeiten, weil das die Realität der damaligen Zeit war.
Johannes Franke: Ja. Das ist natürlich spannend. Lass uns mal kurz noch mal darüber reden, wie die Leute dazu gekommen sind und dann vielleicht in das Konzept an sich und die filmhistorische Einsortierung gehen.
Florian Bayer: Vittorio De Sica hat gesagt, er hat die beiden Protagonisten, also einmal den Schauspieler für den Antonio, also Lamberto Maciorani. Und den für den Bruno, für seinen Sohn Enzo Staiola nach ihrem Gang ausgewählt, weil ihm der Gang gefallen hat, weil ihm der Gang unglaublich wichtig war.
Johannes Franke: Und der Bruno, der Kleine, der Junge, den haben sie ja erst gefunden, nachdem sie schon angefangen haben zu drehen und dann stand der irgendwo in irgendeiner Crowd, die sich gebildet hatte, um die Dreharbeiten zu machen. wo alle einfach gegafft haben und geguckt haben, was drehen die denn hier, was machen die denn, wie geht denn das? Und dann stand der kleine Junge da und dann hat er gesagt, den brauche ich. Ja, den will ich haben. Besorgt mir diesen Jungen.
Florian Bayer: Und man kann sich natürlich die Frage stellen, ob das so ein bisschen Legendenbildung auch ist. Also gerade, dass er so im Nachhinein gesagt hat, ich habe sie vor allem nach dem Gang ausgewählt. Aber tatsächlich spielt der Gang eine große Rolle. Wir sehen diese beiden Figuren oft in Bewegung während des Films. Und es gibt einige Schlüssel-Szenen, vor allem die letzte Szene, wo wirklich einfach wie sie gehen total wichtig ist.
Johannes Franke: Ich fand es von Anfang an wahnsinnig wichtig. Ich habe sofort das Gefühl gehabt, das ist ein geschlagener Hund, der da in der Gegend rumrennt. Also wirklich einer, der müde ist, der gar keine Kraft zum Gehen so richtig hat. Der stolpert da mehr in der Gegend rum. Nicht übertrieben, hat sich keinen Slapstick-Gang angeeignet oder sowas, der dann übertrieben ist, sondern es ist einfach wirklich in
Florian Bayer: seinem Körper drin. Vittorio De Sica hat auch selbst gesagt, er wollte überhaupt nicht seine Nervosität aufbrechen. Er wollte ihn gar nicht beruhigen. Dieser Lamberto Maturani war die ganze Zeit total nervös. Ich weiß nicht, ich bewege mich doch irgendwie komisch und so weiter. Und das war natürlich genau die Nervösung. Nervosität, die auch zu dem Film passt. Wir haben ja einen Menschen, der eben verzweifelt ist und der auch nicht weiß, wo er hin soll. Er sucht sein Fahrrad rum, ist eine verdammt große Stadt. Wie soll er sein Fahrrad finden? stolpert dann oft orientierungslos über die Straßen. Und das Sieg hat dazu gesagt, die Art, wie er sich bewegt hat, die Art, wie er sich hingesetzt hat, wie er gestikuliert hat, Und so weiter. Das war genau das, was ich wollte, weil das war die Art eines Arbeiters, nicht von einem Schauspieler.
Johannes Franke: Ja. Weißt du, was mich dann als Schauspieler natürlich begeistert ist, dass er am Ende, es gibt diese Szene dann ganz am Ende, wo er das Fahrrad dann versucht, gerade zu klauen, erwischt wurde und das Ganze irgendwie, dann wird da von den Leuten verprügelt und umringt und dann kommt das Kind ja. Und nimmt seine Hand.
Florian Bayer: Ja, ganz am Schluss.
Johannes Franke: Ganz am Schluss. Und da... Sie berichten, dass anscheinend dieser Mensch, der kein Schauspieler war, in diesem Moment mehr oder weniger zum Schauspieler geworden ist, weil er... Weil er so drin war dann in dieser Situation und dann die Hand des Kindes kam, das ist... wirklich das Gefühl hatte, dass es sein Sohn, der jetzt seine Hand nimmt und die Tränen, die er dann hatte, wirklich echt waren. weil er so in der Situation war und in der Figur verschwunden ist. Und das ist natürlich ein sehr zufriedenstellender Moment.
Florian Bayer: Total. Das ist auch so eine starke Szene am Schluss. Wenn sie dann gehen und dann greift der Sohn die Hand und dann halten sie beide die Hand und es ist wieder dieser Wechsel zwischen der Perspektive des Vaters und des Sohnes. Und dann sind sie noch wieder in dieser Arbeitermasse. Und es sind so viele Emotionen, die dann aufeinander kommen. Weil der Film ist kein hoffnungsloser Film. Er zeigt zwar die ganze Zeit ... ein hoffnungsloses Szenario.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das zeigt ja auch am Schluss, der Sohn ist dann auch Teil von dieser Arbeitermasse. Ja. Der Vater fährt am Anfang den Sohn auch mit dem Fahrrad zu seinem Tagesjob. Und es ist irgendwie so ein bisschen schon klar, die Erzählung, dem Sohn blüht dasselbe Schicksal wie dem Vater. Die sind da gefangen in dieser prekären Lage und die werden da auch nicht rauskommen. Die werden ihr Leben lang als Tagelöhner arbeiten und der Sohn wird das übernehmen. Aber gleichzeitig zeigt sich in diesem Moment eben so viel Menschlichkeit, die da vorhanden ist.
Johannes Franke: Aber ob das Hoffnung ist? Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ja, ich bin hin und her gerissen am Ende. Ich fühle mich emotional bewegt. Empfinde wirklich tiefe Traurigkeit über die gesamte Situation. Ja. Auch dieser wirklich schreckliche Moment, dass der Vater das Gefühl hat, seinen Sohn enttäuscht zu haben, indem er selbst zum Dieb wurde.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der Sohn weint dann ja auch schon ganz früh, er weint ja nicht nur, weil sie ihn umringen, sondern er ist total fertig mit den Nerven, weil er einfach sieht, dass sein Vater jetzt aus Verzweiflung auch zum Verbrecher wird. Deswegen auch ganz wichtig, der italienische Titel Fahrraddiebe. Es geht eben um zwei Fahrraddiebe. Um den, der am Anfang das Fahrrad klaut und der Vater, der am Ende auch zum Fahrraddieb wird.
Johannes Franke: Ich glaube, es geht bei dem Titel nicht nur um die beiden Fahrraddiebe, sondern es geht um diesen Menschen. Es geht einfach Fahrrad über es als Bezeichnung für Menschen in solchen Situationen zu sehen, glaube ich.
Florian Bayer: Menschen, die aus Verzweiflung handeln.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das passt ja auch zu dem Dieb, der dann später gestellt wird. Es gibt ja diesen Moment, wo der Antonio endlich den Dieb findet, einen jungen Mann. Auch durch bloßen Zufall und der hängt ihm dann hinterher. Und dieser junge Mann ist ein armer Tropf, der noch viel schlimmer dran ist als er.
Johannes Franke: Also noch viel schlimmer weiß ich nicht genau, aber es sieht nicht besser aus, wenn nicht sogar schlimmer, ja.
Florian Bayer: Er sieht nicht besser aus. Man kann darüber diskutieren, ob den epileptischen Anfall, den er dann hat, ob das nur gespielt ist, um aus der Situation rauszukommen.
Johannes Franke: Weiß man nicht.
Florian Bayer: weiß man nicht. Ich glaube, es wird stärker dadurch, dass er echt ist und deswegen will ich daran festhalten, dass das ein echter epileptischer Anfall ist, weil das einfach ein armer, kranker Junge ist, der halt auch irgendwie versucht, seine Familie durchzubringen. Und Antonio wird dann... Geht dann zusammen mit einem Polizisten zu dem Elternhaus von dem Jungen und die Mutter sagt, naja, schaut es euch an, hier ist kein Fahrrad. Und dann sieht man die Wohnung von denen und da wohnen offensichtlich sehr viele Leute auf sehr engem Raum. Und das ist genau dasselbe Präkariat.
Johannes Franke: Ja, es ist halt nicht ... Es gibt halt keinen moralischen, echten Zeigefinger, der sagen kann, du darfst das nicht, du darfst das nicht, sondern wir sind alle im selben Boot und natürlich... Du machst, was du machen musst, um dich und die Leute durchzubringen.
Florian Bayer: Und die Instanzen, die Moral reinbringen könnten in das Szenario, die versagen ja auch komplett. Also wir haben einmal die Polizei.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: der es vollkommen egal ist. Die sagen, ja, das ist halt ihre Sache, kümmern sie sich drum. Wir kriegen hier tausend Fahrraddiebstähle jeden Tag gemeldet. Uns scheißegal, was jetzt mit ihnen ist. Und die zweite große moralische Instanz ist die Kirche und die ist nichts anderes als ein riesiges Auffangbecken und Gefängnis. Sie haben eine Abendküche direkt an der Kirche dran. Also irgendwann im Laufe der Handlung verfolgt Antonio einen alten Mann, der mit dem Fahrraddieb zusammen... offensichtlich eng einen Handel getrieben hat und will dadurch herausfinden, wer der Fahrraddieb ist. Und dann folgt er diesem alten Mann in die Kirche.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da sind die Leute offensichtlich nur, weil sie halt zur Abendspeisung wollen, aber sie müssen dann durch diesen Gottesdienst und während des Gottesdienstes werden die Türen verschlossen, Damit die Leute auch wirklich den verdammten Gottesdienst bis zum Ende ertragen.
Johannes Franke: Und er will eigentlich gehen und wird verfolgt von irgendwelchen Leuten von der Kirche. Sie bleiben hier, das gibt's ja wohl nicht, sie können nicht einfach gehen.
Florian Bayer: Wenn ihr was essen wollt von uns, wenn ihr unsere Almosen wollt, dann müsst ihr euch auch den Scheiß anhören, der da oben gepredigt wird. Das ist wirklich krass. Also ich finde, es ist harte Religionskritik, die da rauskommt. Ja, absolut, absolut.
Johannes Franke: Die Situationen werden halt auch nie wirklich richtig hoffnungsvoll. weiß ich nicht, hoffnungsvoll wird es nur dann, wenn er mit Leuten zu tun hat, die irgendwie... Was aus ihrer Situation machen, zum Beispiel die Leute, die da proben, ihre Aufführungen, die sie machen wollen. Das ist süß, das ist natürlich, die machen damit kein Geld oder sonst irgendwas. Ich denke, die sind einfach nur... Die wollen dem Prekariat, was sie vorfinden, noch ein bisschen Kunst abringen. Und das finde ich super. Und das gibt Hoffnung. Der etwas dickliche Typ, der ihm dann hilft, auf dem Fahrradmarkt noch rumzugucken, ob das Fahrrad irgendwo verkauft wird gerade. der ist ja auch herzlich und versucht zu helfen und das macht das irgendwie alles und so. Das sind die einzigen Momente, die mir Hoffnung machen. Ansonsten ist es Der Film zeigt sonst nicht so wahnsinnig viele Gesellschaft, die sich gegenseitig hilft, nur eher schwach im Film gesät.
Florian Bayer: Das sind für mich auch so die Hoffnungsmomente. Also die Momente, in denen der Egoismus, der ganz oft vorherrscht, Film aufgebrochen wird und man sieht, es gibt auch in diesen untersten eben sowas wie Zusammenhalt, dass es Genau, diese eine Szene, wie du gesagt hast, er geht in dieses Theater, um einen Freund zu fragen, ob er ihm helfen kann, das Fahrrad zu suchen. Und dieser Freund sagt direkt, na klar, das kriegen wir hin, das schaffen wir. Wir gehen morgen auf ein Fahrradmarkt und da finden wir das. In der Traum mit gleich noch drei andere Leute zusammen. Und es gibt überhaupt keine Frage nach irgendeiner Gegenleistung, sondern die gehen einfach zusammen auf den Markt und die suchen wirklich energisch, um ihrem Freund zu helfen. Tatsächlich fällt für mich da auch so ein bisschen rein, die Szene, darüber kann man bestimmt diskutieren. Wenn er den Gauner entdeckt hat und der seinen epileptischen Anfall hat, dann kommt nämlich die Nachbarschaft dieses Ganoven zusammen und sie sagen, raus aus unserem Viertel, du hast hier nichts verloren und die stellen sich alle schützend vor ihn und und versuchen, Antonio loszuwerden. Und es wird angedeutet, dass da offensichtlich ... irgendeine Art kriminelle Vereinigung noch im Hintergrund ist, weil es kommt so eine Art Mafia-Pater angefahren. Aber es wird trotzdem auch irgendwie so eine Art von nachbarschaftlichem Zusammenhalt gezeigt.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Der in dem Moment auch was Rührendes hat. Absolut. Sie verteidigen hier einen Gauner und sie wissen wahrscheinlich alle, dass der bekannt dafür ist, Fahrräder zu klauen und zu verhökern. Aber sie stellen sich schützend vor ihn. Und auch noch eine Szene, wo einfach mal so diese Alltagssongen komplett zur Seite gekippt werden für einen Moment ist, wenn ... Antonio nach sehr langer Verzweifel, das Suche zu seinem Sohn sagt, nach dem Streit, so Junge, jetzt gehen wir erstmal was essen.
Johannes Franke: Ah, so eine tolle Szene.
Florian Bayer: Und dann setzen sie sich in dieses Lokal und dann bestellt er ihm einen überbackenen Käse. Dann essen sie zusammen und er schenkt ihm Wein ein und sagt, heute darfst du mal Wein trinken. Mama wird sich bestimmt drüber ärgern, aber scheiß drauf.
Johannes Franke: Genau, sag's ihr nicht, sag's ihr nicht. Und einen Liter Wein. Die kriegen dann einen Liter Wein. Das ist schon echt.
Florian Bayer: Und keiner sagt was dazu, dass er dem Sohn ordentlich eingießt.
Johannes Franke: Und nebenan, die feine Gesellschaft, die da ist, ist auch schön gegeneinander geschnitten. Wie der Junge da irgendwie sein Ding isst und auch irgendwie damit rumspielt und so wie Kinder halt sind. Der ist so glücklich darüber.
Florian Bayer: Ja. Es ist eine Vorspeise, was sie essen. Am Nachbarstisch wird währenddessen nach und nach aufgedeckt. Das ist das Großbürgertum. Und da sitzt so ein kleiner, arroganter Junge, der hin und wieder verächtlich rüberguckt zu Antonio und Bruno. Und Bruno freut sich einfach über dieses einfache kleine Mal, über diese kleine Mahlzeit. Das ist total schön.
Johannes Franke: Und er spielt das so schön. Den Jungen haben sie gut ausgesucht. Der hat auch was gemacht danach. Der ist auch größer geworden.
Florian Bayer: Ja, Enzo Staiola, der hat danach noch ein paar andere Filme gedreht, man kann auch, der lebt noch, der ist 1939 geboren. Wenn man googelt nach Bildern, man erkennt immer noch seine Augen. Die Augen sind toll. Dieser entschlossene Blick ... Der auch irgendwie, er hat voll was auf dem Kasten. Er redet mit seinem Vater ... so als ob er ihm fast ebenbürtig wäre am anfang wenn sie über das fahrrad diskutieren und wenn er sagt ja und hier muss das noch gemacht werden und die Dieses scheiß Pfandleihhaus, die ziehen dich doch über den Tisch. Und der ist da einfach krass. Er ist viel erwachsener, als er eigentlich sein sollte. was aber natürlich auch an diesen Lebensumständen liegt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Genau, der Blick, die Augen, die Art zu gehen, die Art zu reden, das ist wirklich beeindruckend. Neun Jahre alt war er, als er das gespielt hat. Und er wurde so ein kleiner Kinderstar. 1954 durfte er dann mit Humphrey Bogart zusammentreten. Oh, okay. Die barfüßige Kräfin. Ein amerikanischer Film. Wer kennt die nicht? Eva Gardner und Humphrey Bogart zusammen auf der Leinwand.
Johannes Franke: Schön. Ach, das ist toll. Und das ist wirklich dadurch, dass das Konzept ja da ist, dass man... Lion-Schauspieler nimmt. Ich finde, man sieht es im Film an, auch in der deutschen Synchro. Ich kann das Italienische sowieso nicht beurteilen. Ich kann nicht beurteilen, ob das jetzt realistisch geschieht. Oder ob das jetzt dahergesagtes Claim so Theater ist oder was? Kann ich nicht beurteilen.
Florian Bayer: Also wenn ich Italienisch höre, wenn es authentisch gesprochen wird, und das kommt mir in diesem Film so vor, dann ist es vor allem schnell. Also gefühlt sagen die doppelt so viel wie in der deutschen Synchron, weil die einfach so krass schnell reden.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Mein Italienisch ist quasi null.
Johannes Franke: Willst du das mal machen, diese Neorealismus-Einsortierung? Vielleicht öffnen wir einfach unser Lexikon einmal.
Florian Bayer: Wir öffnen das Lexikon und sprechen über einen wichtigen filmhistorischen Begriff, den italienischen Neorealismus. Bitte. Das muss man sehen. Lexikon. Sehr schön, dann erzähl mal. Entstanden 1943 und ungefähr 1954 wird meistens so das Ende des italienischen Neorealismus verortet. Und es ist tatsächlich eine Filmschule, die einen großen Einfluss hatte auf viele Filmschulen danach, auf viele Regisseure der Nouvelle Vague, auch auf Regisseure des neuen deutschen Films und Grundsätzlich ging es den Neorealisten darum, ein... wie der Name schon sagt, Realismus und Wahrheit zurück ins Kino zu bringen. Und wie auch viele Filmbewegungen... Allerzeiten ist diese Schule tatsächlich durch Kritiker entstanden, die angefangen haben, sehr viel und sehr ausführlich über Kino zu schreiben. weil sie nicht über Politik schreiben konnten.
Johannes Franke: Darf ich vielleicht eine alternative Erklärung unterbringen? Ich glaube, es lag nur daran, dass nach dem Krieg einfach nichts mehr hatten. Die mussten einfach auf die Straße gehen und dort auf der Straße das erzählen und konnten dann nicht mehr ins Studio, weil im Studio einfach nichts mehr war.
Florian Bayer: Es gab große Studioproduktionen.
Johannes Franke: Aber da war das so viel kaputt.
Florian Bayer: Ja, es war viel kaputt. Aber Italien unter Mussolini ... Die Faschisten waren grundsätzlich filmbegeistert. Die Faschisten waren voll kunstbegeistert, weil die gesagt haben, hey, mit Kunst... Kriegen wir die Massen?
Johannes Franke: Aber wir sind ja hier kurz nach dem Krieg.
Florian Bayer: Ja, aber es war, also Italien war jetzt ja auch nicht so, es gab in Italien nicht so eine Stunde Null und nicht so eine Trümmerliteratur wie in Deutschland. sondern Italien hat ja schon so ein bisschen anders funktioniert auch. Und die haben große eskapistische Filme gemacht damals. Die haben ein richtig pompöses Unterhaltungskino gemacht. Das war auch ein Kritikpunkt der Neuralisten. Das Kino der weißen Telefone, so wurde das genannt. Oh. So haben sie drüber geschrieben und darüber haben sie gelästert und haben gesagt, das ist nicht das, was wir wollen. Und zwar war das wirklich so... Filme, die auf historische Stoffe gesetzt haben. Die ... die eine heile Welt gezeigt haben, die sich nicht um das Hier und Jetzt gekümmert haben, nicht um die Welt der einfachen Arbeiter. sondern die so eine Flucht ermöglicht haben, heraus aus der Realität hinein ins Kino. Und das war alles geleitet von der staatlichen Filmpolitik, eben die einfach dem italienischen Faschismus und Mussolini verpflichtet war. Und die teilweise Propagandafilme gemacht haben, also wirklich klassische, faschistische Propaganda und Kriegspropaganda. Aber eben auch große pompöse Filme, die halt irgendwie den Leuten ermöglicht haben, über was anderes nachzudenken als die harte Realität, die beherrscht war von Krieg und von Armut.
Johannes Franke: Das war ja in Hollywood genauso in der Zeit.
Florian Bayer: Und weiße Telefone, weil es gab eben immer diese Art Deco Filmsätze, da stand immer irgendwo so ein schönes weißes Telefon. bürgerliches Statussymbol, um zu zeigen, hier haben wir reiche Protagonistinnen und Protagonisten. Und das fanden die italienischen Neorealisten zum Kotzen. Okay. Und die Kritiker, ne? Und das Witzige ist, die... Politik von Mussolini hat sich diese Filmkritiker quasi selbst geschaffen, weil es waren Leute, die haben... die nicht frei über Politik schreiben konnten und gesagt haben, gut, dann schreiben wir jetzt über Filme. Es gab da so eine große Filmzeitschrift, Bianco e Nero. Die wurde auch vom Sohn Mussolini herausgegeben, von Vittorio Mussolini. der ab 1940 Herausgeber dieser Filmzeitschrift war. Und da konnten sie aber noch relativ freischreiben, weil wie gesagt, der Film, also über Filme durfte man... durfte man freier schreiben. Kunst, Freiheit war mehr gegeben als zum Beispiel im nationalsozialistischen Deutschland. Es war ja auch die Zeit eigentlich kurz vorm Ende der Mussolini-Herrschaft. Mussolini ist dann ja auch bald darauf gestorben. Und Umberto Barbaro ist einer der Filmkritiker und eigentlich der große Filmkritiker, von dem... von dem der Forderungskatalog des italienischen Neorealismus kommt. Und zwar 1943 hat er geschrieben, was will er. ich zitiere jetzt mal, nieder mit der naiven und manierierten Konventionalität, die den größten Teil unserer Produktion beherrscht. Ja. Nieder mit den fantastischen oder grotesken Verfertigungen, die menschliche Gesichtspunkte und Probleme ausschließen. nie damit jeder kalten Rekonstruktion historischer Tatsachen oder Romanbearbeitungen, wenn sie nicht von politischer Notwendigkeit bedingt ist. nie damit jeder Rhetorik, nach der alle Italiener aus dem gleichen menschlichen Teig bestehen, gemeinsam von den gleichen edlen Gefühlen entflammt und sich gleichermaßen der Probleme des Lebens bewusst sind. Also kurz zusammengefasst. Die Neorealisten wollten Geschichte im Heute verorten, im Hier und Jetzt, aktuelle Probleme ansprechen. Sie wollten weg von diesem bürgerlichen Blick auf die Welt hin zu einer Perspektive Arbeitermilieu-Präkariat. Sie wollten einen realistischen Stil. Sie wollten ambivalente Charaktere. Das heißt, es gibt nicht die hellen wie es eben in diesem Kino des weißen Telefons gab. Es gibt nicht die großen Helden, die alles schaffen, sondern es gibt nicht die super Bösewichte, sondern es gibt ambivalente Charaktere, die verschiedene Nuancen haben. Und Daran angeschlossen war eine ganz wichtige Forderung, was Konzept betrifft. Originalschauplätze, Laiendarsteller.
Johannes Franke: Ganz wichtig. Da bin ich immer so ein bisschen... Ich finde die grundsätzlichen Ideen gut, aber Laiendarstelle...
Florian Bayer: Ich glaube, es war die richtige Zeit für sowas. Es war ... Gerade wenn man sich betrachtet, dass sie eben vom Hintergrund von so einem pompösen, eskapistischen Kino, das sehr artifiziell war... agiert haben, macht es Sinn, einmal zu sagen, okay, wir wollen jetzt irgendwie nackte Realität abbilden. Natürlich ist das immer so ein Ding. Nein, nicht jeder ist ein Künstler. Nicht jeder ist eine Künstlerin. Ja. Aber natürlich kann man durch sowas eine Authentizität erzeugen. Und das ist auch vielen gelungen. Und man bringt eben auch man kommt diesen Themen leichter näher, weil natürlich die Kritik, Politiker und die Regisseure kamen auch aus dem Bürgertum und eben aus dem Künstlertum. Das waren auch keine Arbeiterleute. Und es waren aber auch alles Marxisten. Neorealismus ist ganz, ganz eng verknüpft mit der marxistischen Filmtheorie. Und dann ging es natürlich darum, wir wollen ein Kino für die Arbeiterschaft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: große Tragödie eigentlich des Marxismus oder der marxistischen Kunst, dass die ganze Zeit bürgerliche Menschen versuchen, Kunst für Arbeiter zu machen und dann doch nur Kunst für andere Bürger. machen weil sind wir ehrlich im volksbühnenpublikum ist jetzt das proletariat nicht so gerade vertreten.
Johannes Franke: Nicht so richtig.
Florian Bayer: Es war früher vielleicht mal anders.
Johannes Franke: Ja, aber... Ich will gerade Shakespeare. Zu Shakespeare-Zeiten Fußvolk. Du hast die Groundlings gehabt, die sich keine Sitze leisten konnten. Das waren dann vielleicht für fünf Pfund. Also was jetzt auch immer noch gemacht wird für fünf Pfund, dass du da stehen kannst die ganze Zeit, die zweieinhalb Stunden des Stücks.
Florian Bayer: Billy Joel. Billy Joel. Billy Joel. Piano Man. Kennst du?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Großer, großer Popstar. Ja. Verkauft keine Karten für die erste Reihe. Viele, also es ist ja so das klassische Konzertding, dass die teuren Karten die erste Reihe sind. Und er sagt, er hat keine Karten. keinen Bock, reiche Millionäre, die total gelangweilt sind, da vorne zu haben. Stattdessen lässt er die erste Reihen einfach frei und guckt dann, dass seine Fans, die wirklich die einfach Bock auf eine gute Show haben, nach vorne kommen und da tanzen und Spaß haben.
Johannes Franke: Okay, okay, das finde ich lässig. Sehr schön.
Florian Bayer: Tatsächlich war der Neorealismus dann ja auch eine sehr kurze Erscheinung, wie gesagt, so zehn Jahre. Und die großen Regisseure des Neorealismus, die sind ... alle irgendwann so ein bisschen abgewandert. Fellini war einer davon. Der ist dann irgendwie so Richtung Surrealismus und Richtung Symbolismus.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Vittorio De Sica hat versucht, nach Fahrradliebe mehr Fantastisches in seine Filme einzubringen. Er hat diesen Film gedreht, das ... Wunder von Mailand. Ich muss kurz gucken, ob ich das jetzt richtig gesagt habe. Genau, das Wunder von Mailand 1951. Und dann hat er viel mit Fellini zusammengearbeitet. Das heißt, der hat auch dann angefangen, eher nach fantastischen Stoffen zu suchen. Was ihm von der Kritik teilweise echt übel genommen wurde, weil dann hieß es, er hat den Realismus und das authentische Verraten zugunsten von neuem Eskapismus.
Johannes Franke: Ach, soll doch jeder machen, was er will. Da muss doch niemandem irgendwie einen Karren pissen.
Florian Bayer: Und so jemand wie Michelangelo Antonioni, der auch ein sehr großer Regisseur der Zeit war, ist halt irgendwann nach Großbritannien und in die USA abgehauen und hat da große experimentelle Filme gedreht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also ja, irgendwie hat sich das Ganze dann so ein bisschen verlaufen. Nach zehn Jahren war ... war die zeit so rom offene stadt gilt als einer der ersten filme Fahrraddiebe gilt als Höhepunkt und dann ist das Ganze schon so langsam abgeebbt.
Johannes Franke: Das war Das muss man sehen. Lexikon. Was ich glaube, was mir den Film, weil ich ja eben wirklich ein harter Kritiker von Laiendarstellern bin. Was mir den Film gerettet hat, ist vielleicht ein bisschen Synchro, aber das glaube ich nicht, dass das den großen, den den Kohl fett macht. Ich kann mir auch vorstellen, wenn ich das italienische Original verstehen kann, könnte, würde mich das nicht allzu sehr rausbringen, weil dieser Film auf allen anderen Ebenen sehr, sehr gut ist. Wenn ich mir jetzt zum Beispiel... Godard, Breathless, wie hieß er im Deutschen?
Florian Bayer: Außer Atem.
Johannes Franke: Außer Atem. Da war ja einfach auch improvisiert ganz viel. Und die Kamera war schon inzwischen so weit, dass man sie einfach irgendwie aufstellen konnte und irgendwelche verwackelten Bilder machen konnte. Und das konnte er jetzt noch nicht 1948. Der musste sich vorher überlegen, was er genau machen will und wie die Kamera was macht. welche Bewegung oder Nichtbewegung, wie die Kartrasch sein muss und so weiter. Dadurch, dass er das musste, Und alles viel überlegter ist, als bei Godard einfach gesagt hat, ich mach einfach. Ich komme mal morgens mit einer Idee ans Set.
Florian Bayer: Das ist auch eine ganz andere Herangehensweise an Filmen. Obwohl sie wenig Budget hatten. Hat er sehr viel Leidenschaft da reingesetzt. Das ist echt irre. Er hat zum Beispiel seinen Sohn, der Sohn von Dezica hat erzählt, er erinnert sich dran, dass er morgens ans Set gekommen ist. ist, auf dem Piazza Vittorio, wo sie viel gedreht haben und da stand dann schon Kameramann Carlo Montuori, weil er die ganze Nacht auf die Kamera aufgetast hat. Der stand da, der war wohl halb erfroren und dann haben die ewig lang draußen gedreht und es war, ich meine, wir sind in den 40er Jahren, also Urbanität ist schon ein Ding, das heißt, das Ständig Straßenbahn vorbeigefahren. Und dann haben sie einen Produktionsassistenten abgestellt, um Straßenbahn aufzuhalten. dass die nicht im falschen Moment losfahren. Der arme Typ hat sich eine Straßenbahn-Schaffner-Uniform angezogen. Er hat sich als Straßenbahn-Schaffner ausgegeben. Und hat angefangen, die Leute rumzuschubsen und zu sagen, da müsst ihr langfahren, da müsst ihr langfahren und so weiter und sie haben es geschafft, das ganze Ding fertig zu drehen und am Ende des Tages wurde er verhaftet. Ja.
Johannes Franke: Und die Chuzpe musst du erstmal haben, einfach dich hinzustellen und zu sagen, so, wir ziehen das jetzt durch, du tust es als ob. Und dann, bevor es irgendjemand merkt, haben wir schon alles im Kasten, das passt schon. Und dann landet der im Gefängnis für so ein Ding. Aber ich meine, da sitzt man vielleicht so zwei Tage oder drei Tage drin.
Florian Bayer: Ja, ich denke auch nicht, dass er nicht großen Ärger gekriegt hat. Es ist einfach auch eine total lustige Geschichte. Es war halt wirklich auch so ein Guerillatrain. Die haben die Original-Schauplätze, die haben in den Straßen rumsgetreten. Und sie sind viel unterwegs, sie sind auf vielen Plätzen unterwegs, auf vielen Straßen. Und dann haben sie halt irgendwie versucht... Hilfe zu kriegen. Dann haben sie teilweise auch Passanten eingefangen. Also man hat immer mal wieder unfreiwillige Statisten, die durchs Bild laufen. Aber sie wussten sich zu helfen. Zum Beispiel es gibt diesen plötzlichen Platzregen, der entsteht auf dem Fahrradmarkt. der nochmal so ein schönes Symbol für die Verzweiflung ist. Sie finden dieses Fahrrad einfach nicht und dann wird es auch noch anzuregnen. Das war die Feuerwehr Roms, die da geholfen hat. Die haben sie irgendwie angeschleppt, irgendwie wahrscheinlich ein bisschen Geld zugesteckt und dann haben die einmal die Hydranten aufgedreht und haben sie einen Platzregen verschafft.
Johannes Franke: Das ist voll großartig, ja. Und das ist auch eine schöne Szene. Was ich mich so ein bisschen gefragt habe, nachdem ich darüber gelesen hatte, was nun die Idee des Neorealismus und so weiter und dass man auch mal einfach... Einfache Szenen zeigt... Der Satz, den ich gelesen hatte, war, jede Szene im Film soll... die gleiche Wertung bekommen, das gleiche Gewicht bekommen. Ja. dass man nicht sagt, ich mache hier so einen dramaturgischen Zauber, sondern ich habe wirklich dadurch, dass es Alltag ist, Dadurch, dass ich den einfachen Mann zeigen möchte und die einfache Frau, aber damals eher den einfachen Mann leider, ist jede Situation, wie im Leben auch, erst mal gleich wichtig. Und das finde ich an sich einen interessanten, guten Gedanken. Dafür ist aber dieser Film fast schon, weil dann eigentlich diese Regenszene zum Beispiel als einfach Pate stand für diese Idee. Du hast dann den Regen, die stehen da. Und es passiert nichts Wesentliches für den Film. Aber das stimmt ja gar nicht. Es passieren ja wesentliche Sachen für den Film. Jede Szene folgt einer Dramaturgie und jede vorherige Szene bringt zwingend die nächste mit sich. Ja, also es ist kein Surrealist.
Florian Bayer: Nee, es ist kein Surrealist. Was halt fehlt, ist so eine klassische narrative Struktur von einer Heldengeschichte. Es gibt nicht diese Einschränkung. Hürde, die der Held überwindet. Es gibt nicht diesen einen Weg, den er geht, sondern Zufälle.
Johannes Franke: Er hat eine Aufgabe. Er hat die Aufgabe, dass
Florian Bayer: Er hat eine Aufgabe, aber er kann nichts machen, sondern es ist immer das Schicksal, was ihm irgendwie hilft. Er sieht die Leute durch Zufall. Es gibt nicht diesen großen Detektivplot, auch wenn er versucht, als Detektiv zu arbeiten.
Johannes Franke: Ja, versucht er auch.
Florian Bayer: Aber letzten Endes ist es halt so, ah, das ist doch der alte Mann, Moment, das ist doch der Fahrraddieb, dem muss ich jetzt hinterher.
Johannes Franke: Ja, das ist aber dann eine Frage der Ausgestaltung. Das grundsätzliche Konzept ist ja trotzdem das gleiche, dass du jemanden hast, der als Detektiv versucht, einen Fall zu lösen. Das ist, also ob am Ende der Zufall, das gibt es auch heute, dass du einen ganz klassischen Film hast, in dem aber mehr der Zufall dir der ganzen Sache hilft, als die detektivische Fähigkeit. des Hauptprotagonisten.
Florian Bayer: Ja, aber dieser Film hat ja gar keine dramaturgische Struktur, die... die auf dem Höhepunkt zugeht, dann wieder abfällt oder so. Sondern es sind halt wirklich Episoden. Also es gibt diese ... diesen alten Mann, den er verfolgt, dann gibt es die Szene, wo er mit seinem Sohn essen geht, das kommt dann irgendwie, aber es ergibt sich halt irgendwie, es ergibt sich. Ja, aber die Handlung wird nicht darauf hin forciert, sondern es ergibt sich.
Johannes Franke: Nein. Ja, das ist aber die Ausgestaltung, weil es gibt den dramaturgischen Bogen, egal ob du als Zuschauer jetzt das Gefühl hast, das ergibt sich oder nicht, aber es ist ja geschrieben, es ist ja vorher überlegt. Und der Höhepunkt ist eindeutig, wie er den Dieb tatsächlich da stellt und versucht das Fahrrad wieder zu kriegen, obwohl es halt leider nicht in der Wohnung ist. Aber das ist eindeutig der Höhepunkt der ganzen Geschichte. Darauf geht es hin.
Florian Bayer: Aber es ist auch nur eine Szene unter vielen. Und es ist auch immer so, es gibt immer dieses ... Antiklimaktische. Der Höhepunkt bei dem Dieb ist ja relativ banal, weil der Dieb hat dann eben seinen epileptischen Anfall, dann kommen die Leute und es führt ihn auch nicht weiter. Und es gibt mehrere Szenen, die Potenzial haben, den Film weiterzubringen, wo man denkt, jetzt kommt was Großes, was die Story voranbringt. Zum Beispiel, wenn er zu der Wahrsagerin geht. Am Anfang des Films macht er sich über seine Frau lustig, die bei der Wahrsagerin ist. Und dann geht er irgendwann in seiner Verzweiflung, nachdem er in der Kirche war übrigens, ganz witzig, geht er auch dahin. Und dann ist er bei ihr und dann könnte man meinen, jetzt passiert was, was dem Film einen neuen Schubs gibt, aber es passiert nichts. Er geht da hin und sie sagt, du wirst das Fahrrad heute finden oder du wirst es nie finden und jetzt hau ab.
Johannes Franke: Das ist wirklich sehr antiklimaktisch. Aber es ist geil, weil das natürlich diese Haltung des Films... dieser Geschichte gegenüber so ein bisschen illustriert. So dieses Alltägliche und dieses Achselzucken.
Florian Bayer: Ja, dieses Achselzucken, dieses Unterwegssein. irgendwie ein Ziel haben, aber das ist so ein verschwommenes Ziel, dass es so schwer ist, da überhaupt ranzukommen. Ich meine, wie willst du in so einer Millionenstadt wie Rom? Ein Fahrradfilm, das dir geklaut wurde. Das ist so verzweifelt. Und dann stolpern sie halt durch diese Stadt. Und deswegen ist das Gehen ja auch so wichtig, weil sie die ganze Zeit unterwegs sind. nicht wirklich zu einem Ziel kommen, sondern nur zu ihrer nächsten Episode. Egal, ob das erst die Wahrsagerin ist, die Kirche... das Restaurant, wo sie zwischendurch mal was essen oder eben der Tiber, an dem sie dann stehen, wo er Angst hat, dass der Sohn ertrinkt. Das passiert halt.
Johannes Franke: Ja. Aber ich glaube... Wenn man den grundsätzlichen Gedanken hat, dass man sagt, ich will jedem jeder Szene das gleiche Gewicht geben und ich will die Dramaturgie daraus nehmen, die die ganzen Hollywood-Filme vorher hatten oder die ganzen italienischen Großproduktionen. im Studio, dann würde ich sagen, nur so semi gelungen. Aber ich bin froh drum. Ich bin sehr froh drum, weil ich mag Filme mit Dramaturgie und deswegen ist der Film auch gut.
Florian Bayer: Es ist definitiv keine Experimentalfilm. Er setzt Spitzen, natürlich setzt der dramaturgische Spitzen. Die Musik trägt ganz viel auch dazu bei. Alessandro... Das ist jetzt die ganzen italienischen Namen. Nini. Entschuldigung. Nini. der viel mit Vittoria de Sica zusammengearbeitet hat. Und der hat tatsächlich später dann Don Camilo und Pepone die Musik gemacht.
Johannes Franke: Ach, geil.
Florian Bayer: Und das jetzt hier ganz, ganz große emotionale Momente. Deswegen, also wenn man von Neorealismus... redet, dieser Film ist nicht trocken und nicht nüchtern. Dieser Film hat sehr viel Pathos, sehr große Pathos-Momente.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: eben die Szene, die wir jetzt schon zwei, dreimal erwähnt haben, wenn sie am Ende Hand in Hand durch diese Arbeitermenge gehen und dann ertönen nochmal die Musik, aber auch davor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Jedes Mal, wenn wir in den verzweifelten Blick von Lamberto Maciurani gucken und wir wissen einfach, er weiß nicht wohin und er weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Johannes Franke: Und es ist zum Glück nicht das Abseufzen, was man manchmal bei Figuren sieht, die so verzweifelt sein sollen. Also man hat immer das Gefühl... Der Mann versucht, noch was rauszuholen. Er versucht es nochmal und setzt nochmal an, irgendwie das Fahrrad zurückzubekommen oder nochmal irgendwie... Eine Möglichkeit zu finden, da als Sieger rauszugehen aus der ganzen Geschichte. Das ist gut, weil sonst würde ich als Zuschauer ja auch verzweifeln und sagen, warum muss ich mir das jetzt antun? Aber man will wissen, man will es weiterverfolgen und es tut einem wahnsinnig leid. Und man hofft so sehr auf ein Happy End, aber es gibt natürlich folgerichtig kein Happy End.
Florian Bayer: Nee, es gibt überhaupt kein Happy End. Es ist... Enzo Staiola, also der Bruno, der macht natürlich ein ganz starkes emotionales Zentrum dann irgendwann aus, weil am Anfang denkt man noch, es geht tatsächlich primär um den Antonio. Und die Rolle des Sohnes wird im Laufe der Handlung größer und größer. Also zumindest mir geht es so, ich bin irgendwann emotional sehr stark involviert in diese Vater-Sohn-Beziehung, auch einfach durch den Perspektivwechsel.
Johannes Franke: Was ich mir gewünscht hätte, was ich glaube, was doch auch nochmal ein bisschen stärker gewesen wäre, wenn da noch ein kleines bisschen mehr... liebevolle Momente zwischen den beiden gewesen wären oder diese Verzweiflung, die die er hat, sich ab und zu mal mehr auf den Sohn noch beziehen würde, im Sinne von, ich musste auch dieses Kind durchbringen. Weil der ist schon sehr, sehr viel nur bei sich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die Hauptfigur. Und Ich glaube, dass es emotional noch ein bisschen stärker geworden wäre, wenn man das noch ein bisschen mehr... die Beziehung zwischen Vater und Sohn ein bisschen liebevoller noch gemacht hätte. Und noch ein bisschen mehr so dieses... Ja, man muss da nicht draufdrücken und nicht pathetisch werden, aber so ein kleines bisschen mehr seine Verantwortung dem Sohn gegenüber und die Liebe, die er dem Sohn gegenüber hat. Noch ein bisschen mehr in den Vordergrund zu rücken.
Florian Bayer: Das ist auch wie vieles, was in dem Film passiert, natürlich von dieser Pragmatik der Verzweiflung geprägt.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: nicht diese großen Momente, in denen man einfach emotional zusammen sein kann, weil dafür ist die Situation viel zu verzweifelt.
Johannes Franke: Jaja, das stimmt schon. Das ist mir nur aufgefallen. Irgendwann dachte ich, aber wenn er ihn jetzt noch schlägt und ja gut, man... Man spürt, dass er da ein schlechtes Gewissen hat, aber er kann sich auch nicht entschuldigen und er kann auch nicht so richtig, er kann auch wieder nur sagen, jetzt komm, wir müssen weiter.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weiß ich nicht. Schade. Schade ein bisschen. Kleines bisschen verpasste Chance. Das ist das einzige Minus, was ich jetzt so gerade geben würde.
Florian Bayer: Es ist vielleicht so ein Moment, was einfach auch schwer zum Schiffen ist, wenn man einen Film erzählt, der in einem prekären Milieu spielt oder im Arbeitermilieu, weil ... Weil einfach, lach nicht. Gib mir Zeit für den narrativen dramaturgischen Aufbau.
Johannes Franke: Führ uns langsam an die Top 3 ran, Flo.
Florian Bayer: Jetzt ist es viel zu spät, jetzt hast du es voll versemmelt. Dadurch, dass du gelacht hast, wissen alle, oh nein, er sagt ein Schlagwort. Und wir müssen... Ja, jetzt, es tut mir leid, ich habe es voll versaut. war einfach der Segway, den du da gewählt hast. So plump, ich weiß. Ja, wir sind in unserer Top 3 und es geht, wie ihr sicher ahnen könnt, um Filme, die sich mit dem Proletariat auseinandersetzen.
Johannes Franke: Oder in prekären Situationen oder Milieu. Genau. Okay.
Florian Bayer: Gar nicht so einfach. Also ich habe ja gedacht, ich gebe jetzt einfach einen marxistischen Film. Ja, genau. Und dann finde ich eine... Haufen Filme erstmal. Aber nee, tatsächlich, ich musste doch ein bisschen länger kramen und länger suchen. Es gibt auch irgendwie keine geilen Listen. Also bei vielen Genres und Themen findet man Listen und auch bei absurden Sachen. Besten Taschen in Filmen.
Johannes Franke: Ab einem Film echt Listen und ich dachte, hä, wir haben eine absurde Idee gehabt, aber nein, die hatten schon andere.
Florian Bayer: Also als kleiner Surftipp, IMDb oder Moviepilot haben meistens Listen zu wirklich allen wichtigen oder trivialen Themen, die in Filmen aufgemacht werden können.
Johannes Franke: Also wenn ihr mal Lust habt auf einen Film mit einem Reptil, dann gebt einfach die besten Filme mit Reptilien ein. IMDb hat auf jeden Fall was oder eben Moviepilot.
Florian Bayer: Also eigentlich müsst ihr diesen Podcast gar nicht hören. Ihr müsst einfach nur bei IMDb vorbeisurfen. Es gibt mehr als genug Inspiration. Aber ich finde, ich habe jetzt, ich habe tatsächlich fünf Filme gefunden. Fünf? Wir haben eine Top 3. Ja, ich hab ein paar honorable mentions.
Johannes Franke: Also wirklich.
Florian Bayer: Aber Filme, die man nicht einfach findet, wenn man nach Filme im Arbeitermilieu oder im Proletarische Filme oder sonst was.
Johannes Franke: Das funktioniert nicht so gut, ja.
Florian Bayer: Ja, und ich bin sehr gespannt, was du auch hast.
Johannes Franke: Ich muss ja als erstes, wa?
Florian Bayer: Ja, du musst loslegen.
Johannes Franke: Hast du Honorable Mentions? Habe ich, aber das würde ich am Ende sagen. Und zwar wäre auf Platz 3 für mich Metropolis.
Florian Bayer: Ja, schön. Ein Wiederkehrer in unseren Top 3.
Johannes Franke: Immer wieder, immer wieder. Und in diesem Fall passt da halt, ich hatte so ein bisschen schlechtes Gewissen, den schon wieder zu. zu wählen, aber er passt einfach zu gut. Weil das halt wirklich das... Diese Unterteilung zwischen da oben, die da irgendwie das mit dieser... die dann runtergucken und diese Maria aus dem Präkariat kommt, die dann als Roboter einmal
Florian Bayer: Ich glaube, wir müssen irgendwann mal über Metropolis reden.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir das wirklich mal.
Florian Bayer: oft mittlerweile in Listen gehabt und das ist einfach ein Klassiker des deutschen Kinos.
Johannes Franke: Aber ist das mein Vorschlag oder dein Vorschlag? Zu wem gehört dieser Film? Wem gehört dieser Film? Komm, wir gehen uns prügeln.
Florian Bayer: Ja, ein bisschen Streit muss ja noch sein heute. Wir sind uns schon zu einig.
Johannes Franke: Wir sind uns zu einig. Furchtbar langweilige Folge.
Florian Bayer: Mein Platz 3, ein ganz aktueller Film, der einfach wirklich großartig ist, Parasite, aus dem Jahr 2019. Ja. Die meisten von euch werden ihn wahrscheinlich schon gesehen haben, weil der einfach gerade so aktuell ist und immer wieder diskutiert wird, wenn es um die besten Filme der letzten Jahre geht. Die Geschichte eines Familienvaters aus dem Prekariat. der seine ganze Familie im Haus eines Großbürgers einschleust. Mit wirklich teilweise fiesen Methoden. Und es ist ein toller Film. über verschiedene Formen des Präkariats, die sich entweder so komplett arrangieren mit den Reichen, das kommt dann in den Plottwist, Oder die eben sie ausnutzen, aber man kann ihnen auch nicht böse deswegen sein, weil es entsteht aus einer Situation, aus einer extrem ungerechten Situation heraus. Ein toller Film.
Johannes Franke: Und der macht es aber auch extrem, dass er dieses Prekariat zeigt und dieses extrem furchtbare Housing, was die da haben, die Wohnung und das. Ich habe den Film nicht ganz gesehen, deswegen ist er nicht in meiner Liste. Ich habe Ausschnitte daraus gesehen. weil ich mich auf irgendwas vorbereitet habe und da reingucken musste. Und dann habe ich so die wichtigsten Stationen des Films gesehen Und dann habe ich ihn auf die Liste gesetzt, aber nie geguckt, weil ich schon so viel davon kannte. Aber ich muss ihn mal ganz sehen.
Florian Bayer: Es lohnt sich auf jeden Fall. Also kann ich empfehlen... hat jedes Lob verdient, das er in den letzten Jahren erhalten hat. Sehr schön.
Johannes Franke: Mein Platz zwei wäre dann Billy Elliot.
Florian Bayer: Das ist einer von meinen Honorable Mentions.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Ich habe mir schon gedacht, dass du ihn nimmst. Was für ein toller Film.
Johannes Franke: Ah. So großartig. Und wer Billy Elliot nicht kennt, es geht um einen Jungen, der... in irgendeiner Arbeiterstadt.
Florian Bayer: Es geht ums britische Arbeitermilieu.
Johannes Franke: Genau, in England. Alle gehen eigentlich in den Kohletagebau und dann gibt es da irgendwie Streik und so. Es ist dieses ganze Arbeiter, wirklich Leute, die gar nichts haben und nur diesen Job haben und wenn der Job wegfällt, dann ist nichts mehr. Und der will Tänzer werden. Das ist so toll. Und schafft es irgendwie da in so eine Mädchentanz-Truppe reinzukommen, wo die Lehrerin dann irgendwie ihn da entdeckt und feststellt, was für ein Talent der hat und... versucht das irgendwie durchzuboxen, dass er das machen kann gegenüber dem Vater, der überhaupt nichts damit anfangen kann, der das ganz schrecklich findet. Und dann setzt er sich durch und dann will er auf die große Schule in der großen Stadt. Oh mein Gott. Und diese Heldenreise ist einfach so toll gezeichnet.
Florian Bayer: Es ist eine so großartige Verknüpfung von einem Drama, das im Arbeitermilieu spielt und eben diesem... Feel-Good-Movie-Thema. Jemand, der seinen Träumen hinterherjagt. Und es wirkt nie forciert, sondern es passt immer wunderbar zusammen. Und es wird auch... es wird nie das eine zugunsten des anderen zu sehr in den Vordergrund getränkt, sondern die beiden Geschichten existieren nebeneinander und gleichberechtigt. Ja. kriegen sehr viel mit von dem Trouble, den die Leute da haben. Und trotzdem können wir gleichzeitig Bill Elliot bei seinen zumindest für damalige Zeit, außergewöhnlichen Träumen folgen.
Johannes Franke: Toller Film. Und dieser verzweifelte Versuch, es rauszunehmen. irgendwie hinzukriegen, dass der Sohn dann doch machen kann, was er will, nachdem man eigentlich gar nicht will, dass er das macht Und das ist einer der Filme, wo ich am Ende immer flenne, weil der Vater kommt dann irgendwann da in die große Stadt, wo er dann auf der Schule war und zum Abschluss... seinen Tanz und das ist so emotional. Er ist völlig überfordert von der großen Stadt und sitzt da dann im weinenden Publikum, weil sein Sohn da
Florian Bayer: Schwanensee, ne?
Johannes Franke: Schwanensee, glaube ich, ja. Das ist toll. So ganz echt weg. Hab's gerade wieder so ein bisschen. Okay, Billy Elliot. Auf jeden Fall gucken.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist ein Dokumentarfilm. Ich habe es nicht geschafft, einen Dokumentarfilm reinzukriegen. Nicht schlecht. Anvil, the story of Anvil. Falls dir oder euch Anvil nichts sagt, das ist eine Metal-Band. aus Kanada und die gilt als eine der einflussreichsten Metalbands der 80er Jahre.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber sie haben es nie geschafft, so den großen Durchbruch zu schaffen. Im Gegensatz zu ihren Weggefährten wie Metallica und Iron Maiden und so weiter, die hatten nie den großen Erfolg. Und dieser Film spielt, der ist aus dem Jahr 2008 und der wurde 2006, 2007 gedreht. Und er zeigt das Leben von diesen Metal-Ikonen, die von ganz vielen Leuten gefeiert werden. Und die gehen Tagesjobs nach, haben ganz wenig Geld und haben ab und zu mal Auftritt und versuchen irgendwie eine Tour hinzukriegen und ein Album. und kämpfen sich irgendwie so durch und haben dann aber Europa-Turnier die einfach scheiße gebucht war, wo nicht richtig Werbung gemacht wurde, wo sie dann teilweise in kleinen Bars sind und gar kein Publikum haben.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und sie sind die ganze Zeit frustriert deswegen, weil es einfach nicht so knapp ist. aber sie kämpfen halt die ganze Zeit weiter. Und sie sind auch irgendwie befreundet, halt wirklich so alte Dudes, die seit ... 30 Jahren zusammen Metal machen.
Johannes Franke: Geil, Mann.
Florian Bayer: Und es ist so ein schöner und so ein liebenswerter Film und unglaublich nah an den Protagonisten. Es ist ein Dokumentarfilm. Also wie gesagt, er schaut wirklich auf diese Band. Die Metal-Fans, Metal-Heads kennen diese Band. Und feiern die wahrscheinlich auch ab. Aber es bringt ihnen nichts. Fuck. Sie leben halt trotzdem prekär. Also der Frontmann ist, fährt Essen aus für Schulen. Und der Schlagzeuger arbeitet auf dem Bau. Und die sind halt alle irgendwie noch befreundet und wollen auch eigentlich die Musik machen, aber es reicht halt nicht, um davon zu leben.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Und großartiger Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Obwohl es ein Dokumentarfilm ist, toll erzählt, mit einer tollen Dramaturgie. Ja. großartigen Ende, das ich jetzt nicht spoilern will. Anvil. Die Geschichte einer Freundschaft auf Deutsch. Super Film. Nicht nur für Metal-Fans.
Johannes Franke: Geil, okay, das muss ich mal angucken, auf jeden Fall. Wow. Okay, auf meinem Platz 1 sind alle Honorable Mentions.
Florian Bayer: Okay. Jetzt bin ich voll gespannt. Hoffentlich nimmst du mir nichts weg damit.
Johannes Franke: Fast jeder Charlie Chaplin Film.
Florian Bayer: Oh, okay, ja. Ja, interessant.
Johannes Franke: Der hat sich da so abgearbeitet dran, weil das wirklich sein Thema war. Sein Leben ist unser Thema, das wir jetzt haben. Mutter hat sich irgendwann mit irgendeinem Woodville-Künstler, der die ganze Zeit getrunken hat, zusammengetan und dann kamen halt Charlie Chaplin bei raus und der Vater war eigentlich nur besoffen Sie war irgendwann, sie war ganz oft in irgendwelchen Anstalten, Nervenanstalten. weil sie einfach die Realität nicht mehr klargekriegt hat. Und er musste ... sich immer wieder irgendwo einladen, selbst einladen zum Essen bei Freunden, weil es einfach nichts gab. Und die haben oft in Heimen verbracht, in Kinderheimen und haben irgendwie ihre Mutter auch lange nicht gesehen. gab es mal wieder ein bisschen bessere Zeiten, weil die Mutter es geschafft hat, mit so kleinen Nähearbeiten Geld zu verdienen und so. Aber ganz, ganz schrecklich. Und das ist natürlich dadurch sein Thema. Und dann ist der Tramp, den er da entwickelt hat, diese Figur des Tramp, der in der Gegend rum watschelt. aus diesem Milieu. Und da hast du fast in jedem Film dieses Thema so sehr... wie jemand versucht, ohne Geld noch ein glückliches Leben zu führen. Und dann sind das eben die großen Filme wie The Kid, wo er dieses Kind findet und auch ohne Geld versucht, dieses Kind groß zu ziehen, obwohl es nicht seins ist? Und dann hast du natürlich auch solche Kurzfilme wie The Immigrant, wo er einen Immigranten spielt, der dann... Film wurde teilweise nicht gut aufgenommen, weil es eine Szene gibt, wo er als Immigrant eben gerade an der Freiheitsstation vorbeifährt und einem Ein Polizisten, der darauf aufpasst, dass die Immigranten alle schön hinter der Linie bleiben und wie so Vieh eingezäunt sind, dem gibt er einmal einen Arschtritt. Und das haben die damals nicht gern gesehen.
Florian Bayer: Ah, gegen die Obrigkeit. Nicht schön.
Johannes Franke: Ja, The Immigrant ist halt einer der großen Beispiele, weil es wirklich da genau darum geht, den Immigranten, der nichts hat und der irgendwie versucht, auf die Füße zu kommen. Aber auch Modern Times und so, der da irgendwie in dieser Fabrik arbeitet, die vollautomatisiert alles mögliche.
Florian Bayer: Fahrnrädern hängen.
Johannes Franke: Ganz genau. Sehr berühmtes Bild. Ikonische Szene. Genau.
Florian Bayer: Das war quasi Chaplins erster Tonfilm, ne? Also nicht richtig Tonfilm. Ja, genau, so halb, so ein Hybrid-Ding.
Johannes Franke: Und natürlich eigentlich der große Film, der große Diktator, wo es ja auch um dieses... Diese Klassenunterschiede zwischen dem Diktator, der dann einfach bestimmt, was jetzt mit dem Ghetto passiert. Und eben diesem kleinen Friseur, der seinen Friseurladen da im Ghetto hat und das Gedächtnis verloren hat und deswegen gar nicht weiß, warum die Nazis da jetzt kommen und seine... Scheibe zerschießen und dann denkt sich, hä, das könnt ihr doch nicht machen und wehrt sich da. Und alle anderen wissen, um Gottes Willen, warum wehrst du dich? Bleib klein, bleib klein, sonst kriegen wir noch mehr Ärger. Also, ganz toller Film.
Florian Bayer: Es ist so schön, dass du das erwähnst, weil Das Geeker war ja ein großer Chaplin-Fan tatsächlich.
Johannes Franke: Ja, ganz genau. Das habe ich auch gelesen.
Florian Bayer: Eine Hommage-Szene.
Johannes Franke: Ja, naja, ganz am Ende.
Florian Bayer: Ja, wenn sie von der Kamera weggehen. Das ist offensichtlich sehr Trump inspiriert.
Johannes Franke: Ja, weil Chaplin immer in seinen Filmen, eigentlich hat jeder Film mit dem Trump zumindest damit geendet, dass er entweder alleine oder auch ein-, zweimal mit Frau dann... in den Sonnenuntergang gelaufen ist. Wir sehen in seinen Rücken und in seiner Partnerin und die laufen da eine lange Straße runter, in den Sonnenuntergang, werde weniger. Und das Motiv haben auch viele sich, da haben sich viele bedient dran.
Florian Bayer: Es ist eigentlich schade, dass der einzige Chaplin-Film, den wir bis jetzt geguckt haben für den Podcast, weil du bist ja der Chaplin. Da war der so ein bisschen heraussticht. Du. In einer unserer ersten Episoden haben wir über Monsieur Verdoux gesprochen.
Johannes Franke: Was einfach auch ein ganz großartiger Film ist. Hört euch auf jeden Fall die Episode an, weil die ist auch sehr, sehr spannend, was so... Die Geschichte von Chaplin und wo der herkommt und was er alles gemacht hat und warum er zu diesem Film gekommen ist und wie er dazu gekommen ist, diesen Film zu machen. der eben einfach ein bisschen atypisch ist, weil er nicht mehr den Tramp spielt. Und das ist ein Tonfilm und behandelt ein sehr ernstes Thema, aber auf sehr gute und komödiantische Weise gemacht. Und vielleicht sollten wir tatsächlich mal einen klassischeren Chaplin gucken.
Florian Bayer: Würde ich sehr gerne machen. Unsere dritte Episode ist Monsieur Verdoux. Noch dazukommt, Monsieur Verdoux ist aus derselben Zeit wie Fahrraddiebe aus dem Jahre 1947. Wir sind hier wirklich auch enger zeitlicher Verwandtschaft. Ja, mein Platz 1 ist, ich glaube, ich mag es dann doch, wenn die Arbeiterfirma auch so ein bisschen... Optimismus versprühen. Ein modernes Märchen von Aki Kaurismäki, Der Mann ohne Vergangenheit.
Johannes Franke: Kaurismäki.
Florian Bayer: Ein finnischer Regisseur. Und der ist dafür bekannt, dass er Filme mit ganz lakonischem Humor erzählt ... Und sehr trocken und nüchtern. Und in der Mann ohne Vergangenheit erzählt er die Geschichte von einem Mann, der in Helsinki ankommt und bewusstlos geschlagen wird, weil er wird überfallen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann verliert er sein Gedächtnis und irrt so ein bisschen am Stadtrand von Helsinki rum und kommt durch Zufall halt in Kontakt mit den armen Leuten, die da leben und kriegt dann irgendwie... eine Wohnung in so einer ganz schlichten Containersiedlung, die mehr oder weniger in einem Obdachlosenlager ist, besorgt. Und fängt dann irgendwie an, als Tagelöhner zu arbeiten. Und das ist ein Film, der ganz schön zeigt, wie am untersten Rand der Gesellschaft zusammengehalten wird, wie die Menschen miteinander arbeiten, miteinander kämpfen und Irgendwie trotz ihrer prekären Situationszeit füreinander finden und Menschlichkeit, die ganz stark hervorgehoben wird, eben ganz unten. Und natürlich ist es ein bisschen märchenhaft dabei, aber es ist so ein schöner Film mit viel Rock'n'Roll und Polka 2002. Der Mann ohne Vergangenheit. Ich lese den Originaltitel nicht vor, weil ich mich da nur verhasple.
Johannes Franke: Oh, jetzt bin ich, oh, versuch's, komm.
Florian Bayer: Yes, via Mennays, und dann kommen sehr viele Ys und Ts und am Schluss ein Äh.
Johannes Franke: Mir wurde gesagt, dass im Finnischen jeder Buchstabe tatsächlich gesprochen wird. Das heißt, wenn du drei Is hast, musst du drei Is sprechen.
Florian Bayer: Mene is süü tete. Oder ähnlich.
Johannes Franke: Okay, ja, ist schon nicht schlecht.
Florian Bayer: Akikaurismäki, ein... großartiger Regisseur, der Mann ohne Vergangenheit, meiner Meinung nach sein bester Film.
Johannes Franke: Ich glaube, den muss ich auch gucken. Den musst du mir mal vorschlagen, Plot.
Florian Bayer: Ja, es könnte sogar sein, dass du den Film gesehen hast, dass wir den zusammen mal geguckt haben.
Johannes Franke: Das kann auch sein. Vielleicht. Ich erinnere mich irgendwas mit einem Taxi, das in Helsinki einfach einmal im Rund fährt, aber das ist ein anderer Film. Das können sehr viele Filme sein. Aber auch von Carlos Mekki, meine ich.
Florian Bayer: Ah, okay. Ja, könnte sein, dass der es war. Also es gibt von ihm viele großartige Filme und die spielen halt meistens so am Stadtrand oder irgendwie am Rand der urbanen Gesellschaft.
Johannes Franke: Ja, das waren die Top 3. Unsere... Top 3... Kommen wir zurück zum eigentlichen Film. Haben wir schon den großen Bogen geschlagen oder hast du noch irgendwelche Sachen, wo du sagst, Das muss noch erwähnt werden, sonst ist die Postcast-Folge nicht vollständig.
Florian Bayer: Ich glaube, einen kleinen Funfact kann man am Rande noch sagen. Eine Person, mit der wir uns auch schon auseinandergesetzt haben, nämlich Sergio Leone. Der große Italo-Western-Regisseur.
Johannes Franke: Welcher von denen war er denn jetzt, der da irgendwie im Regen steht bei dem?
Florian Bayer: Keine Ahnung.
Johannes Franke: Du weißt es nicht?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ach, schade.
Florian Bayer: Aber er hat am Set ausgeholfen und er war Assistent. Und er ist offensichtlich auch irgendwann mal als Priester kurz zu sehen, der neben Antonio und Bruno im Regen steht.
Johannes Franke: Ja, aber welcher der drei, die man erkennen kann, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ich hätte noch den großen Batzen daneben, Rezeption. des Films. Der wurde nämlich, der ist wie gesagt, der gilt als Klassiker und er gehört auch zu den Filmen, die seit ihrer Entstehung extrem positiv rezipiert wurden. Er hat ... Bei der Oscar-Verleihung hat er einen Ehrenpreis als bester fremdsprachiger Film gekriegt. Und er war nominiert für das beste Drehbuch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er wurde 1952 in einer Filmzeitschrift Side & Sound von Filmkritikern als der beste Film aller Zeiten gekürt. Und seitdem hat er auch immer wieder ... vordere Plätze belegt. Also meistens ist es so, wenn aktuell Umfragen gemacht werden unter Kritikern oder wenn... Rezensionen zusammengeworfen werden, irgendein Algorithmus dagegen geworfen wird. Dieser Film hat meistens so einen Top-30-Platz.
Johannes Franke: Ja, verstehe ich auch vollkommen. Absolut.
Florian Bayer: Es ist wirklich ein Film und das finde ich krass, das muss ein Film leisten, der so alt ist, der ist halt jetzt einfach mal fast 80 Jahre alt, also über 70 Jahre alt. immer noch so zu bewegen.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Er hat einfach was Zeitloses an sich. Und ich finde andere Filme, wie zum Beispiel ... Was für mich immer so das Musterbeispiel ist eines Klassikers, der so ein bisschen abgefallen ist, ist Citizen Kane, der ja auch gerne auf Platz 1 der besten Filme aller Zeiten belegt. Ich sehe immer noch die historische Größe von diesem Film. Aber Fahrraddieber ist ein Film, der mich tatsächlich emotional einfach viel mehr catcht.
Johannes Franke: Ja, Citizen Kane ist einfach, glaube ich, durch seine, weiß nicht, durch seine politische...
Florian Bayer: Es ist auch viel so spätere Gerechtigkeit, dass sie dem so gute Bewertungen geben. Und Fahrraddiebe hat das nicht nötig. Also ohne den ganzen Rezeptionsballast, ohne dass man weiß, dass die Kritiker jeden Abend darauf onanieren, Es ist ein verdammt guter und sehenswerter Film. Und deswegen wollte ich ihn dir auch zeigen. Nicht nur, weil er ein historisches Gut ist, sondern auch, weil er wirklich ein verdammt schöner Film ist.
Johannes Franke: Ja, schön. Freut mich. Ich habe gerade noch mal so ein bisschen meine Notizen geguckt, ob ich noch irgendwas habe. Aber ich glaube... Ich glaube, ich habe nicht mehr so viel. Ich finde den Film wirklich sehr gut. Ich bin mir nicht sicher, ob ich... Mit der Idee, Laiendarsteller zu benutzen werde ich wahrscheinlich nie warm werden. Aber er macht es hervorragend und sie macht es auch hervorragend. Das Kind ist auch wundervoll. Also man hat es im Grunde gar nicht so sehr mit Laiendarstellern zu tun. In den Nebenrollen merkt man es dann halt doch ein bisschen. Aber insgesamt finde ich es sehr schön. Und er hat auch wirklich sehr gute inszenatorische Ideen, Und gute Bilder und so, dass man darüber auch ... hinwegsehen kann, wenn mal irgendwie die eine Frau zum Beispiel, bei dem sie da das Fahrrad rausholen Ich glaube, in der Synchro ist es ein bisschen gerettet, aber ich glaube, sie war einfach nicht so richtig gut. Aber egal, geschenkt, weißt du? Das ist so, irgendwie macht der Film einfach ein zu großes Werk und ein zu... zu großes Bild auf, als dass ich mich daran aufhängen könnte, ob jetzt mal jemand schauspielerisch nicht ganz oben in der Liga mitspielt oder nicht.
Florian Bayer: Was für ein tolles Schlusswort. Danke Johannes, dass du den Film mit mir geschaut hast.
Johannes Franke: Danke Flo, dass du diesen Film vorgeschlagen hast. Ich kannte ihn tatsächlich noch nicht und hatte auch gar keine Ahnung davon, dass es dieses... dieser Neorealismus mich auch irgendwie packen könnte. Ehrlich gesagt, Neorealismus als Wort würde ich erstmal sagen, muss ich nicht haben.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche besprechen, dann wird Johannes sich mit einem ebenso wertvollen Film revanchieren. Dann bleiben wir kurz dran, nach dem Outro hören wir, was nächste Woche kommt. Ansonsten... wünsche ich euch eine schöne Woche. Danke dir nochmal, Johannes. Danke euch fürs Zuhören. Danke dir, Plur. Und wir hören uns. Wir hören uns. Bis dann. Bis dann. Tschüss. Ciao. Ja, Johannes, wie möchtest du einen so wunderschönen realistischen Klassiker toppen? Wie schaffst du das?
Johannes Franke: Ja, Neorealismus. Es ist ja auch... Jetzt habe ich mich ein bisschen anstecken lassen davon und dachte, wir machen mal Neoneorealismus. In heutiger Form, wie stellst du dir das vor? Neorealismus in heute?
Florian Bayer: Neorealismus in heute?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also entweder hyperrealistisch oder hyperunrealistisch.
Johannes Franke: Was gibt's denn? Okay, wir nehmen das Zweite. Okay.
Florian Bayer: Oh, okay. Ich bin gespannt.
Johannes Franke: Dann hätten wir also für den Super-Duper-Realismus... Superheldenfilme.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Haben wir Superheldenfilme gehabt schon in der Realistik?
Florian Bayer: Das ist eine sehr gute Frage. Hatten wir schon Superheldenfilme. Lass mich einmal kurz nachschauen. Es wäre tatsächlich erschreckend, wenn wir noch keinen gehabt hätten, weil Superheldenfilme dominieren einfach mal seit, keine Ahnung, mittlerweile fast 20 Jahren das Blockbuster-Kino. Soweit ich weiß, hatten wir noch keinen richtigen Superheldenfilm.
Johannes Franke: Tja. Dann wird es mal Zeit. Wir müssen einfach mal über dieses Phänomen reden.
Florian Bayer: Ja, wir hatten Batman The Dark Knight.
Johannes Franke: Oh, das stimmt. Wow, warum habe ich da jetzt nicht drin gedacht? Vielleicht war er nicht gut genug? Naja, war schon sehr gut eigentlich, vor allem wegen Joker.
Florian Bayer: Ich bin ja auch bekennender DC-Fans.
Johannes Franke: Du bist bekennender DC-Fan. Fuck. Wir werden jetzt prügeln das nächste Mal.
Florian Bayer: Hast du etwa, hast du, hast du, du hast doch nicht, hast du?
Johannes Franke: Ich habe einen Marvel.
Florian Bayer: Nein! Natürlich. Oh mein Gott, das Marvel Universe.
Johannes Franke: Ja, Cinematic Universe.
Florian Bayer: Welchen der 527 Filme wirst du mir denn vorsetzen?
Johannes Franke: Wie viele haben die inzwischen? 20?
Florian Bayer: Über 20, ja. Ich glaube mittlerweile über 20, aber... Also auf jeden Fall, es gibt ja noch ganz viele geplant. Es sind ja wieder zehn Fortsetzungen, die anstehen. Ja.
Johannes Franke: Also, liebe ZuhörerInnen, ihr werdet es... Ihr werdet nicht... eine nerdgetriebene Folge voller Superhelden-Nerdtum erhalten nächste Woche, nehme ich an. Du bist auch nicht so der Riesige, aber ich habe... Ich bin von Thor Ragnarok. durchaus begeistert gewesen, als ich im Kino war.
Florian Bayer: Aha, interessant. Damit hätten wir ja wieder einen Taika Waititi-Film.
Johannes Franke: Richtig, genau. Wow, der ist auch zum zweiten Mal dann in seiner Liste. Nicht schlecht.
Florian Bayer: Auf jeden Fall eine sehr spannende Wahl und ich bin dir auch ein bisschen dankbar, weil von all den generischen Marvel-Filmen da draußen... Ist das, soweit ich es in Erinnerung habe, ist auch schon etwas länger, da ich ihn gesehen habe, eher einer der nicht so generischen.
Johannes Franke: Ah, okay. Hattest du jetzt Angst, es gibt einen Spider-Man?
Florian Bayer: Ja, oder, keine Ahnung, Iron Man 2 oder Iron Man Freak. Das Problem ist ja tatsächlich, Tatsächlich bei den Marvel-Filmen, dass ich die teilweise einfach nicht auseinanderhalten kann.
Johannes Franke: Ja, ich auch nicht. Ich auch nicht. Deswegen wird es auch für Fans davon keine sehr zufriedenstellende Episode wahrscheinlich.
Florian Bayer: Das befürchte ich auch.
Johannes Franke: Aber es wird für uns wahrscheinlich eine. Ich bin sehr gespannt drauf. Guck's dir an. Ich bin gespannt, wie du das zum zweiten, du hast das schon mal gesehen, ne?
Florian Bayer: Ich hab ihn einmal gesehen, genau. Und ich hab ihn in guter Erinnerung.
Johannes Franke: Sehr schön. Bin gespannt, wie du ihn dann mit dem professionellen Auge... einmal bewerten wirst und wie wir uns dann nächste Woche streiten oder prügeln oder ob wir uns in den Armen liegen.
Florian Bayer: Okay, also nächste Woche, wir reden über das Marvel Universe. Wir reden über Thor, wir reden über nordische Mythologie. Das muss dann irgendwie mit rein.
Johannes Franke: Das stimmt, das muss auf jeden Fall rein, ja. Da bist du zuständig, Flor.
Florian Bayer: Oh Gott, okay. Und wir reden über Comedy und Action, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Cool. Sehr schön. Ich freue mich auf eine Blockbuster-Episode. Hatten wir auch schon länger nicht mehr.
Johannes Franke: Sehr gut. Okay. Bis dann. Bis dann. Ciao.
