Episode 51: A Christmas Carol / Eine Weihnachtsgeschichte
Weihnachten. Die schönste Zeit im Jahr. No contest. Und was gibt es schöneres als die Vorweihnachtszeit zu zelebrieren, als sich mit den echten Klassikern der Weihnachtserzählungen zu befassen. Also, was hätten wir da denn? Die traditionellen evangelikalen Erzählungen? Näh… Zu alt, zu christlich, zu weit von all den schönen Weihnachtsbräuchen entfernt. Kevin allein zu Haus oder Stirb Langsam? Nähh… zu neu, zu amerikanisch, zu viel Yippee-ki-yay, Motherfucker.
Es muss doch irgendwas dazwischen geben… Irgendwas mit ein bisschen Action, ein bisschen Fantasterei, aber auch ein bisschen “God bless Us, Every One!”. Seien wir ehrlich, es kann unter den großen Weihnachtserzählungen nur eine geben, und das macht diese auch auch gleich mit ihrem Titel klar: Eine Weihnachtserzählung, a christmas carol… eigentlich viel zu bescheiden. Es müsste viel mehr DIE Weihnachtserzählung heißen, THE christmas carol, hat sich doch keine andere traditionelle Weihnachtsgeschichte so gut gehalten und wurde so oft adaptiert wie Charles Dickens Roman. Veröffentlicht im Jahr 1843, mit Bezug auf unzählige christliche und heidnische Tradionen und zugleich mit einer damaligen Aktualität und einem universellen Anspruch, der sie schlicht und ergreifend zeitlos werden lässt.
Erzählt wird von Ebeneezer Scrooge, einem alten Geizkragen, der für Weihnachten nichts übrig hat, es als bloßen Ahh Humbug empfindet, aber auch im restlichen Jahr weder sich noch seinen Mitmenschen auch nur ein bisschen Freude gönnt. Am Weihnachtsabend wird er daher von drei Geistern besucht, die ihn mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukunft konfrontieren. Erzählt wird dies irgendwo zwischen Märchen, Grusel, Sozialkritik und dem obligatorischen Kitsch, der diese Zeit umso schöner macht.
Also dann, lieber Grinch… lieber Johannes. Schauen wir mal, ob wir auch dich im Laufe dieser Episode zum Weihnachtsfreund bekehrt kriegen.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 51: A Christmas Carol / Eine Weihnachtsgeschichte Publishing Date: 2021-12-22T10:02:27+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/12/22/episode-51-a-christmas-carol/
Johannes Franke: Weihnachten!
Florian Bayer: Ja, Weihnachten! Seien wir ehrlich, kann es etwas Schöneres geben als die Weihnachtszeit? Einfach... Alles ist toll an Weihnachten. Die Musik, die Plätzchen, die Kekse, die Adventskalender, die Geschenke. Die Weihnachtszeit ist einfach die schönste Zeit im Jahr.
Johannes Franke: Weihnachten ist der Grund, warum Wham sich keine Sorgen machen muss um finanzielle Angelegenheiten. Es ist furchtbar.
Florian Bayer: Ja, ist es nicht toll? George Michael, er hat es wirklich verdient. Wir gönnen es ihm alle. Weihnachten ist fantastisch. Sprich für dich. So viel an Weihnachten. Der Kitsch, die Albernheiten, das Zusammensein, das Harmonische. Einfach alles an Weihnachten ist toll. Ich liebe Weihnachten.
Johannes Franke: Ich hasse Weihnachten. Bah, Hamburg.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebes Publikum. Willkommen zu einer very special Episode, zu unserer Weihnachtsepisode. Wir haben mehr als 50 Folgen und wenn man mehr als 50 Folgen von irgendetwas gemacht hat, egal was, dann kriegt man Inspiration.
Johannes Franke: Christmas Special.
Florian Bayer: Man muss ein Christmas Special machen und das machen wir heute, kurz vor dem Heiligen Fest. Kurz vor dem großen Höhepunkt der Weihnachtszeit, die ja viel früher anfängt, wie wir wissen. So Mitte September ungefähr, würde ich sagen.
Johannes Franke: Spätestens, also aller spätestens. Die Weihnachtsmänner in Schokolade bei Lidl Es sind alle schon im August gewesen dieses Jahr, glaube ich.
Florian Bayer: Und vergiss die Marzipankartoffel nicht. Vergiss bloß die Marzipankartoffel nicht.
Johannes Franke: Also ich mag ja tatsächlich diese Würfel, also die Dominosteine. Das ist Weihnachtssüßigkeit, okay, gut. Dafür darf es gerne Weihnachten sein. Aber es könnte auch das ganze Jahr über welche geben.
Florian Bayer: Es könnte auch das ganze Jahr über Weihnachten geben. Drei Monate Weihnachtszeit sind einfach zu wenig.
Johannes Franke: Ich würde so sterben.
Florian Bayer: Also liebes Publikum, wir kommen zu unserer Weihnachtsepisode und deswegen machen wir das heute ein bisschen anders als sonst. Es gibt Es gab keine Aufgabe von einem für den anderen, sondern wir haben gemeinsam beschlossen, uns einen großen Weihnachtsklassiker anzuschauen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht mehr genau, ob dieser gemeinsame Beschluss wirklich ein gemeinsamer Beschluss war oder ob ich mich einfach nur deiner bescheuerten Idee gefügt habe. sich 50.000 Mal die gleiche Geschichte anzuschauen und mitsprechen zu können. Das ist doch furchtbar.
Florian Bayer: Wir haben uns diese Woche für diese Episode wahrscheinlich wirklich der Weihnachtsgeschichte gewidmet, die die meisten Adaptionen erfahren hat, abgesehen vielleicht vom Evangelium und Jesus Geburt. Aber ansonsten ist das tatsächlich die Geschichte, wo es tausend Theaterstücke, Filme... Special-Episoden von irgendwelchen TV-Serien und so weiter gibt. A Christmas Carol von Charles Dickens.
Johannes Franke: Kannst du mir sagen, was an dieser Christmas Cal so besonders sein soll?
Florian Bayer: Das wird... herauszufinden sein, denke ich.
Johannes Franke: Okay, dann ist das unsere Aufgabe heute.
Florian Bayer: Ja, das werden wir auf jeden Fall versuchen herauszufinden. Um kurz was zu dieser Episode zu sagen, die auch ein bisschen anders funktioniert wird als andere Episoden. Wir werden uns zuerst ein bisschen mit dem ursprünglichen Text auseinandersetzen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und werden dann einfach reinspringen in die Geschichte der Weihnachtsgeschichtsverfilmung. Und natürlich das gleiche als Disclaimer. Wir können nicht über alle reden. Es gibt einfach zu viele. Es gibt so viele Filme. Und wir haben uns so ein paar rausgepickt, über die wir reden wollen. Wir wollen auch später so ein kleines Ranking machen. Wer ist der coolste Scrooge? Wer sind die coolsten Geister? Und so weiter. Und wir werden uns versuchen, da irgendwie durchzuhangeln und durchzuarbeiten. Es gibt viel Gutes, viel Durchschnittliches.
Johannes Franke: Wir sind heute für euch preisvergleich.de. Wir werden die verschiedenen Filme vergleichen nach verschiedenen Kriterien, die wir alle aufgestellt und wieder wegwerfen werden und dann am Ende werdet ihr wissen, welches Christmas Carol soll ich denn gucken?
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Das ist gleich die Verpflichtung, ihr müsst auch. Was auch immer bei uns auf Platz 1 liegt, müsst ihr am 24. um 17.30 Uhr gucken und danach gibt's Bescherung.
Florian Bayer: Ja, und vielleicht sind wir am Ende alle ein bisschen bessere Menschen geworden und haben den wahren Geist von Weihnachten gefunden.
Johannes Franke: Oder wir sind am Ende wie Scrooge und denken uns, oh mein Gott. Sie haben ihn da reingegaslighted, dass er jetzt gut ist, aber eigentlich hat er vollkommen recht gehabt.
Florian Bayer: Legen wir los. Ich würde uns einfach kurz einführen und dann... Geht's voll rein in den Trick.
Johannes Franke: Dann erzähl uns doch mal, worum geht's in Charles Dickens Weihnachtsgeschichte.
Florian Bayer: Um Weihnachten natürlich. Die schönste Zeit im Jahr. No Contest. Und was gibt es schöneres, als die Vorweihnachtszeit zu zelebrieren, als sich mit den echten Klassikern der Weihnachtserzählungen zu befassen? Also was hätten wir denn da? Die traditionellen evangelikalen Erzählungen? Zu alt, zu christlich. Zu weit von all den schönen heidnischen Weihnachtsbräuchen entfernt. Kevin allein zu Hause oder stirbt langsam? Zu neu, zu amerikanisch, zu viel Yippie-Ki-Yay, Motherfucker. Das muss doch... irgendetwas dazwischen geben. Irgendwas mit ein bisschen Action, ein bisschen Fantasterei, aber auch ein bisschen God bless us, everyone. Seien wir ehrlich, es kann unter den großen Weihnachtserzählungen nur eine geben. Und das macht diese auch gleich mit ihrem Titel klar. Eine Weihnachtserzählung. A Christmas Carol. Eigentlich viel zu bescheiden. Es müsste vielmehr die Weihnachtserzählung heißen. The Christmas Carol. hat sich doch keine andere traditionelle Weihnachtsgeschichte so gut gehalten und wurde so oft adaptiert wie Charles Dickens Roman. Veröffentlicht im Jahr 1843 mit Bezug auf unzählige christliche und heidnische Traditionen und zugleich mit einer damaligen Aktualität und einem universellen Anspruch, der sich schlicht und ergreifend zeitlos werden lässt. Erzählt wird von Ebenezer Scrooge, einem alten Geizkragen, der für Weihnachten nichts übrig hat als ein bloßes... Hamburg. Aber auch im restlichen Jahr weder sich noch seinen Mitmenschen auch nur ein bisschen Freude gönnt. Am Weihnachtsabend wird er daher von drei Geistern besucht, die ihn mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukunft konfrontieren. Erzählt wird dir es irgendwo zwischen Märchen, Grusel, Sozialkritik und dem obligatorischen Kitsch, der diese Zeit umso schöner macht. Also dann, mein lieber Cringe, lieber Johannes, schauen wir mal, ob wir auch dich im Laufe dieser Episode zum Weihnachtsfreund bekehrt kriegen. Und das machen wir am besten mit einem kleinen Einspieler.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Ladies and Gentlemen, ich präsentiere den Urwurm für die nächsten zwei Stunden.
Johannes Franke: Someone special, special.
Florian Bayer: Bist du schon in der richtigen Stimmung?
Johannes Franke: Ja, um alles zu verreißen, was hier passiert. Es ist ja unglaublich. Also dieser Song, ich habe auch diesen Song schon dieses Jahr gehört und natürlich hört man ihn jedes Jahr überall durch sämtliche Kaufhäuser, durch sämtliche Möglichkeiten, die öffentlich... wird dieser Song gebrüllt und man kann ihn nicht mehr hören. Sowieso, wenn man Weihnachten nicht so mag, so wie ich, dann ist das einfach nur... Und manche dieser Filme, die wir gesehen haben, fangen ja schon sehr mit diesem Geklimper und Klingelingeling. Und so an, wo einem schon schlecht ist. Und ich möchte zugeben, dass manch ein Film doch ein bisschen... Schwierigkeiten hatte bei mir zu landen, allein weil der Einstieg schon so, ich musste halt dann doch immer mal wieder brechen gehen.
Florian Bayer: A Christmas Carol ist tatsächlich, also zumindest in der Form, wie wir es heute kennen und wie es oft verfilmt wurde. Wirklich fast sowas wie die Quintessenz von Weihnachten. Komprimierter Weihnachtskitsch. komprimierte Weihnachtsfreude, aber auch komprimierte Weihnachtsfantasterei mit allem, was eben dazugehört.
Johannes Franke: Weiß ich nicht ganz genau, weil mich das zwischendurch ein bisschen verstört hat, dass so ein paar... auf so ein paar Trademarks zu viel Wert gelegt wird. Aber darauf kommen wir später zu sprechen, wenn ich... mal ein bisschen mein Herz ausschütten darf, warum Weihnachten für mich so schrecklich ist. Aber lass uns mal lieber erstmal bei den Filmen bleiben, mal gucken, was...
Florian Bayer: Um vielleicht kurz nochmal zum Aufhänger der Episode zu kommen, das ist tatsächlich so, Johannes ist einfach kein großer Weihnachtsfreund, das ist auch kein, das ist kein Gepose und kein Gespiele, Johannes ist von vielen Dingen, die Weihnachten ausmachen, genervt.
Johannes Franke: Ja, genervt und für mich macht... Vieles das, was für viele so Weihnachten und Menschlichkeit ausmacht, macht für mich Weihnachten weniger menschlich. Aber ich glaube, wir können uns gerade über die Filme da ein bisschen rantasten. Mit Sicherheit. Diese Punkte. Wir sollten aber, glaube ich, erstmal die Story einmal umfassen.
Florian Bayer: Genau. Fangen wir doch einfach mal mit der Ursprungsgeschichte an. mit dem Klassiker, mit A Christmas Carol in Perrault's Being a Ghost Story of Christmas. Wie der vollständige Titel ist von Charles Dickens Geschichte, die 1843 veröffentlicht wurde. Mhm.
Johannes Franke: Und wie ich das richtig verstanden habe, hat er auch schon vorher schon einige Christmas-Geschichten geschrieben.
Florian Bayer: Das ist eine dritte Weihnachtsgeschichte, glaube ich. Und er hat aber dann gesagt auch, dass die so ein bisschen ... So die Quintessenz von all dem ist, was er vorher geschrieben hat. Das ist auch so ein bisschen die Haltung von der Forschung, dass das, was er damals... geschrieben hat, dass es davor schon Geschichten gab, die dazu hinführen. Zum Beispiel gab es die ... Die Story of the Goblins who Stole a Sexton, die 1836 in den Pickwick Papers veröffentlicht wurde. Ja. Und da geht es auch um einen grumpy old man, der Bekehrung erlebt zu Weihnachten. indem er von Goblins, von kleinen Monstergeistern besucht wird, die ihm eben auch die Vergangenheit und die Zukunft von Weihnachten zeigen. Das ist sehr ähnlich. Es ist total ähnlich, genau. Und Charles Dickens hat sich in der Zeit viel mit den Themen auseinandergesetzt. Um vielleicht ganz kurz zu Charles Dickens zu kommen. Der hatte ja als Kind durchaus, wurde er mit Armut konfrontiert. Und hat das erlebt, wozu Armut führen kann. Und er hatte ... Dann mittlerweile schon als Schreiberling ziemlich Erfolg. Aber er hat sich sehr stark mit sozialen Themen auseinandergesetzt. Das war tatsächlich, bevor er Christmas Carol geschrieben hat ... hat er in Pamphleten und in Texten sich mit dem Leid der Arbeiter auseinandergesetzt. Und so nach seinen eigenen Worten hat er dann gedacht, dass eigentlich so eine Weihnachtsgeschichte, die so ein bisschen lighthearted ist. Dass die deutlich leichter seine politischen Ideen an ein Publikum bringen kann, als eben diese politischen Pamphlete.
Johannes Franke: Ja, wenn ich das richtig verstehe, sind allerdings die Kritiker mit seiner Art und Weise dieses Buch zu drucken nicht ganz so glücklich gewesen, was konträr zu seiner eigentlichen Idee stand. Weil das Buch eigentlich so teuer war. In der Produktion war das Buch so teuer, dass sich nur bestimmte Gesellschaftsschichten dieses Buch leisten konnten. Und sie haben gefordert, dass er das auf billigerem Papier in billigerer Form druckt, mit entsprechend billigerem Preis, sodass sich das die Leute leisten können.
Florian Bayer: um die es ja geht. Es ist ja auch tatsächlich ein Buch, das von seiner Moral eher an ein Besitzbürgertum gerichtet ist.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und auch Ja, teuer, aber auch wirklich schön mit diesen Illustrationen von John Leach, wenn man die sich anschaut. Die sind wirklich toll und die fangen den Geist der Epoche sehr gut ein und auch den Geist der Geschichte.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Wir befinden uns ja in so der mittleren Phase der viktorianischen Epoche. Und das ist ja eine Zeit, in der so zwei Dinge eigentlich zusammenkrachen. Wir haben zum einen... So ein bisschen so eine Rückkehr zum Mystizismus und zur Romantik und zu klassischen, traditionellen Geschichten, also auch so Grusel und Fantasy. Und gleichzeitig ist das aber auch eine Zeit, in der die Arbeiterbewegung sehr stark wird und am Ende dieser Epoche steht dann ja auch die Labour Party, die große englische Arbeiterpartei. die dann gegründet wird und die so ein bisschen in der ausgehenden Epoche quasi so das Endwerk dieses Arbeiterkampfes ist. Und man findet eben beides in dieser Geschichte.
Johannes Franke: Achso, jetzt denke ich an diese ganzen Gothic-Dinger. Wann war das? Das habe ich nämlich jetzt gar nicht...
Florian Bayer: Da komme ich jetzt erst drauf. Die waren so in der Frühzeit davon. Die waren ein bisschen früher, aber die gehören natürlich auch zu dem Gesamtpaket. Also jetzt lass mich nichts Falsches sagen. Mary Shelley's Frankenstein zum Beispiel war 1818.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Bram Stokers Dracula war Ah, 1897, also eher so Nachklang von der ganzen Epoche.
Johannes Franke: Okay, verstehe. Ja, weil ich denke nämlich bei dem, was ich durchscheinen sehe bei all den Filmen, bei Dickens dann tatsächlich an diese... gruselige Atmosphäre, die er ja doch durchaus gewillt ist, zu etablieren und auch oft schafft. An diese Gothic-Sachen, an diese Ästhetik, die diese Gothic-Schreiberlinge hatten.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Es hat auf jeden Fall diesen Gruseltouch. Und es hat deutlich mehr diesen Gruseltouch als klassische, traditionelle Weihnachtsgeschichten für Kinder. Und es hat ja auch eigentlich als Zielpublikum eben nicht die Kinder. Es ist keine Geschichte für die ganze Familie, sondern es zielt schon sehr stark auf ein erwachsenes Publikum. Zum einen was die Themen betrifft. Es geht eben um Geldgeschäfte und es geht um verschuldete Menschen. Es gibt Szenen, die später in den Adaptionen, die wir uns nachher angucken werden, komplett weggefallen sind, wo einfache Arbeiter beobachtet werden, wo Scrooge mit dem Geist der Gegenwärter Weihnacht sich einfache Arbeiter anschaut, wie die Weihnachten feiern. Und diese ganzen sozialkritischen Klänge sind natürlich ganz klar an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Das ist keine Kindergeschichte. Ja, es ist ein Märchen für Erwachsene. Und so war es auch angelegt und das sieht man auch, wenn man sich die Illustrationen anschaut und auch wenn man sich den Text anschaut.
Johannes Franke: Ja, vor allem, wenn man sich auch die Dialoge anschaut, die ja nicht unbedingt sehr kindlich geschrieben sind. Also sowas wie Are There No Prisons? Are There No Union Workhouses? Welchem Kind willst du das alles erklären?
Florian Bayer: Genau, genau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist auch tatsächlich, also es ist eigentlich schon im Anfang der Geschichte, es fängt eben nicht an mit, es war einmal, sondern die Die Geschichte beginnt mit der sehr lakonischen Feststellung, dass Jacob Marley tot ist. Und diese Feststellung wird mehrmals wiederholt. Jacob Marley war tot. Bla, bla, bla, bla. Wir kommen nicht drum herum zu sagen, dass Jacob Marley tot war. Jacob Marley war tot. Das ist unser Anfang. Wir starten mit einem Toten und dann geht es weiter mit dieser Scrooge-Figur.
Johannes Franke: Die das auch nochmal wiederholt gegenüber den anderen Leuten, die Geld von ihm wollen. Die sagen, J-Book und Marley habe ich für das Vergnügen mit Marley oder mit Scrooge. Und er sagt dann nochmal, seit sieben Jahren ist mein Partner tot.
Florian Bayer: Ja. Und dieser Scrooge ist ja auch kein sympathischer Charakter.
Johannes Franke: Ja. Ja.
Florian Bayer: Keiner mit jemandem sich anfreundet, das ist eigentlich auch fast so ein wandelnder Toter, weil es wirklich eine Figur ist, die weder sich noch anderen Menschen Freude gönnt. Das wird auch im Buch ganz oft wieder betont, dass es eben nicht nur so ist, dass er der Geizkragen ist, der nichts für andere übrig hat und sein Leben in Saus und Braus führt. sondern er ist einfach so ganz krass eine Karikatur fast schon von dieser puritanischen Ideologie. Arbeite hart, spare. Und dann bringst du es zu was und wer das nicht hinkriegt oder wer nichts hat, der hat es einfach nicht geschafft.
Johannes Franke: Das Wort Karikatur in dem Zusammenhang ist wichtig, das pinnt euch bitte in die Vorderhirnritze, in die Hypothalamalamus, das ist wichtig. Weil ich glaube, dass diese Karikaturartigkeit mancher Verfilmungen ein Problem bereitet hat.
Florian Bayer: Definitiv, ganz viele Sachen haben den Verfilmungen ein Problem bereitet. Vor allem der erste Geist, der ihn besucht, nicht Jacob Marley. Das ist ja der, der ihn vorbereitet auf die Geister. Da gibt es übrigens eine Szene, die alle Firmen machen. Das ist voll witzig. Also viele Filme sind nah an der Vorlage, aber viele lassen Zeug weg und erfinden Zeug dazu. Aber dass Jacob Marlies Gesicht auf dem Türklopfer erscheint. Ja. Das machen alle. Das scheint die Quintessenz dieser Geschichte zu sein. Das ist das Wichtigste überhaupt. Du findest keinen Film, wo nicht einmal dieses Gesicht auf dem Türklopfer ist.
Johannes Franke: Aber gewagte These, wenn der erste Film 1901 nicht das schon gemacht hätte ... Hätten es die anderen nicht auch gemacht.
Florian Bayer: Vielleicht, ja.
Johannes Franke: Vielleicht nicht gemacht.
Florian Bayer: Und das Geile ist sogar, die Filme aus aktueller Zeit machen das noch mit denselben Spielen. Special Effects, wie der Film von 1901.
Johannes Franke: Ganz genau so.
Florian Bayer: Wir haben einfach ein transparentes Overlay. Wir haben einfach quasi zwei Bilder, die übereinander liegen. haben sie 1901 hingekriegt, das kriegen sie auch 2019 hin. Vielleicht dann digital, aber vom Gedanken her dasselbe.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und dann der Geist der vergangenen Weihnacht ist tatsächlich ... Der, der den Verfilmungen später am meisten Probleme bereiten wird, weil der komplett undefiniert ist.
Johannes Franke: Der ist schwer zu fassen, ne?
Florian Bayer: Und der Originalgeschichte ganz großartig beschrieben. Es ist ein undefinierter Körper, man weiß nicht, ob er Mann oder Frau ist oder vielleicht sogar ein Kind.
Johannes Franke: Kind oder Kreis, das sind so die beiden. Kind oder Kreis, ja. Das fand ich besonders spannend, zwischen Kind und Greis was darstellen zu wollen. Und die Beschreibung ist für ein Buch natürlich ganz hervorragend, weil das den Kopf sofort verwirrt. Und den Kopf sofort in Schwulitäten bringt, sich irgendwie was vorzustellen, was natürlich im Filmemacher dann tatsächlich Probleme bereitet und so macht auch jeder Film was völlig anderes und da fände ich es spannend. Ich bin gespannt, was du sagst, was du für gelungen hältst und was nicht.
Florian Bayer: Ja, bin ich bei dir auch gespannt. Also es ist ja nicht nur das, also zwar mal ein dieser undefinierte Körper, man weiß nicht, ob Mann, ob Frau, ob Kind, ob Kreis. Und dann aber auch, manchmal scheint er, als ob er tausend Arme und tausend Beine hätte. Dann hat er wieder gar keinen Körper und ist nur ein Lichtschein. Dieser Geist bleibt die ganze Zeit unspezifisch. Es ist irgendwie eine Erscheinung, Scrooge kann sie nicht fassen. Die Lesenden können sie nicht fassen und dieser Geist nimmt ihn dann mit auf eine Reise in Scrooges Vergangenheit.
Johannes Franke: Also das ist sozusagen unsere Geschichte. Scrooge wird erstmal etabliert als Geizkragen, als freudloser Mensch, alter Mensch und dann… Es ist Weihnachten, wird er heimgesucht von seinem alten Partner, der sieben Jahre tot ist, Jacob Marley. Und Marley kommt aus dem Grab gestiegen oder wie auch immer aus dem Jenseits, um dann seinen noch lebenden Partner zu besuchen, um ihm zu zeigen, guck mal hier, Ich habe einen Haufen Ketten angelegt bekommen vom Tod.
Florian Bayer: Was für ein tolles Bild. Diese Ketten, die ich tragen muss. Und die Kette, die für dich gemacht wird, wird noch viel größer und viel schöner. schwerer sein.
Johannes Franke: Das setzen die Filme auch unterschiedlich um. Ich finde es sehr, sehr cool. Das ist auf jeden Fall ein tolles Bild, was Dickens da entwirft. Das ist super.
Florian Bayer: Was spannend ist, wie Scrooge darauf reagiert. Und zwar macht das Buch immer diesen Gegensatz auf zwischen dem, wie sich Scrooge im Inneren fühlt. Und wie Scrooge nach außen wirkt. Und zwar versucht er, nach außen immer sehr ruhig zu wirken. Das ist etwas, was die meisten Filme dann nicht umgesetzt haben. Dass Scrooge tierisch Angst hat im Innern. Aber er denkt sich, okay, ich kann es jetzt nicht ändern und dann setzt er sich ganz ruhig hin und frag den Geist, willst du dich setzen? Und überlegt sich noch kurz, kann sich ein Geist setzen? Funktioniert das? Und ist dann aber wirklich ruhig und gefasst und fragt, na und, warum bist du hier? Was willst du von mir?
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Also es gibt nicht diese Angst und Panik in Scoochs Stimme, sondern er versucht so lakonisch wie möglich zu sein.
Johannes Franke: Und das... Ist ein echtes Problem in den Filmen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Immer wieder. Definitiv. Immer wieder. Da werden wir gleich mal drauf zurückkommen.
Florian Bayer: Ja. Wie kriegt man diesen Scrooge gefasst? Weil das Buch kann natürlich viel mehr erzählen als die Filme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dass dieser Scrooge eben so ruhig reagiert, finde ich, ist ein ganz wichtiges Charaktermerkmal von ihm in dieser Geschichte und macht ein tolles Spannungsfeld auf. Und viele Filme ... haben Scrooge dann eben doch als ängstlichen alten Mann gezeigt, der sich irgendwo versteckt und zittert und bippert und was nicht eigentlich diese Haltung von der Geschichte trifft. Ja.
Johannes Franke: Ja ... Ich schüttel die ganze Zeit skeptisch den Kopf, was das betrifft, weil das wirklich etwas ist, mir fällt gerade nicht ein, welcher Film das tatsächlich am besten macht. Die haben alle irgendwann diese Pfade verlassen, die ich ja gerne gehabt hätte.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Auf jeden Fall wird Scrooge dann von dem Geist der vergangenen Weihnacht, der kurz nach Jacob Marley kommt, in seine Vergangenheit entführt. Und zwar gibt es verschiedene Stationen. Zum einen sieht er sich selbst als Kind. der einsam und zurückgelassen Schularbeiten macht. Und dann kommt seine Schwester und sagt, hey, du darfst nach Hause kommen. Und die Schwester spielt insofern eine große Rolle, weil Scrooge vorher seinen Neffen Barsch abgewiesen hat. Der ihm frohe Weihnachten wünschen wollte und der ihn eigentlich zu einer Weihnachtsparty einladen wollte. Und das ist der Sohn von dieser Schwester. Und dann erinnert sich Scooch, dass sie wirklich ein gutes Herz hatte und wirklich lieb war. Und sie ist eben gestorben.
Johannes Franke: Und dass er versprochen hat, er sich um den Neffen zu kümmern.
Florian Bayer: Genau, ja.
Johannes Franke: Und was er wohl nicht so richtig gut ausgefüllt hat. Was auch nicht jeder Film ordentlich darstellt.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Die zweite große Station ist die bei Mr. Fezziwig, dem Ausbilder von Scrooge.
Johannes Franke: Was fast immer eine schöne Szene ist.
Florian Bayer: Eine Weihnachtsfeier. Also es geht eigentlich darum, dass Scrooge mit seinem Kompagnon arbeitet, ganz jung ist, ausgebildet wird und dann Mr. Fessiwick ist so jemand, der sagt, hey, Weihnachten bringt Freude und Scrooge ist dann auch tatsächlich der alte Scrooge, während er das beobachtet, ist ganz beeindruckt davon, dass dieser Mr. Fazerwick mit so wenigen Dingen denen sehr viel Freude erzeugen kann.
Johannes Franke: Ja, dass es gar nicht der finanzielle Aufwand ist, der dafür sorgt, dass das geht, sondern dass es einfach nur wirklich gezielt und bewusst geht. diesen Raum zu schaffen für Freude.
Florian Bayer: Und da haben wir auch schon wieder was sehr Spannendes und sehr wichtiges Moment von der Vorlage. Die Läuterung von Scrooge setzt in der Vorlage ... Allen, direkt am Anfang. Das ist auch was, was nicht jeder Film so perfekt umsetzt. dass Scrooge von Anfang an schon beim Geist der vergangenen Weihnacht anfängt geläutert zu werden. Er widersetzt sich zwar auch, aber wir merken sehr früh in der Geschichte, dass Scrooge bereits registriert, was irgendwie falsch gelaufen ist, was schief gelaufen ist und dass er sich auch bessern will.
Johannes Franke: Ja, das erklärt einiges in den Filmen, das so ein bisschen holpert, wo man dann an einer Stelle, wo dann der Film da ja hin muss, dass der das wirklich auch selber will ... Dass du plötzlich einen Satz hast wie, oh ja, ich weiß ja, es ist alles irgendwie nicht so optimal gelaufen, ich will mich ändern. Und hast aber vorher so wahnsinnig lange so einen Starrkopf vor dir, der nichts preisgeben will. Irgendwie hat das hinten und vorne aufgefallen. oft nicht funktioniert.
Florian Bayer: Ja, es ist auch wirklich schwierig umzusetzen. Also auch dieses... Die dritte Geschichte, die lange Zeit wird, die dritte große Station der Vergangenheit, ist eben seine große Liebe. Die Isabel. Und die ... ihn quasi verlässt oder er verlässt sie. Das ist wirklich so eine etwas ambivalente Trennungsszene, weil sie sagt, er hat eine andere Leidenschaft in seinem Leben gefunden, nämlich das Geld. Und sie konfrontiert ihn dann auch damit und sagt, wie wäre es heute? Wenn ich arm wäre, würdest du mich immer noch nehmen? Der junge Scooch ist total perplex und kann damit gar nicht umgehen und versteht es nicht, kann aber auch nichts sagen, um sie zu halten. Und sie verlässt ihn dann, weil er einfach ein anderer Mensch geworden ist. Und sie wird dann, was oft übergangen wird, noch mal mit einem Verlobten und mit Kindern gezeigt. Also sie hat tatsächlich einen Pfad gewählt, der sie zu einem glücklichen Leben gebracht hat. Und das kann Scrooge gar nicht ertragen. Und der tötet dann den Geist. Man kann es nicht anders sagen. Ach so, ja, gut. Er nimmt dann so ein, wie heißen diese Dinger, so ein Kerzen-Ausmach-Pyramid. Einen Zylinder. Einen Zylinder. Und stülpt den über die Lampe, über die Kerze, über den Geist und der erlicht dann. Und damit ist diese erste Episode der vergangenen Weihnacht, die ist damit vorbei.
Johannes Franke: Ja, und dann kommt der zweite Geist, auch unterschiedlich in den Verfilmungen, ob er nochmal eine Nacht hat oder nicht oder was oder wie. Auf jeden Fall ist es meistens so, dass er nicht lange Zeit hat, sich zu erholen. Dieses riesige Gelächter von diesem riesigen Typen, der nebenan wartet. Das ist der zweite Geist, der Ihnen dann die gegenwärtige Weihnacht einmal zeigen möchte.
Florian Bayer: ein Konkrast zum ersten Geist, weil so unspezifisch der erste Geist ist, so ganz klar definiert ist der zweite Geist. Das ist einfach mal ein großer Wertiger Riese.
Johannes Franke: Und wenn man sich die Illustration, die Original-Illustration aus der ersten Ausgabe anschaut... dann haben sich fast alle Filme sehr exakt genau daran gehalten.
Florian Bayer: Ja, sklavig könnte man fast sagen. Manchmal haben sie so ein bisschen die Farben variiert von seinem ... Von seinem Anzug. Und er wird auch wirklich, er wird genau beschrieben. Ich glaube, hat er einen grünen Anzug an? Ich weiß es gar nicht mehr genau. Ich weiß es auch nicht mehr. Aber er wird ganz klar beschrieben, also wie sein Anzug aussieht, wie groß er ist, was für Essen da steht. Das ist eine sehr opulente Szene, also Scrooge, die im Nebenraum sitzen. Und da ist... Alles voll mit den verschiedensten Weihnachtsschmaus. Und dieser Geist ist auch so ein Hedonist.
Johannes Franke: Das war so der erste Moment, wo ich gedacht habe, vielleicht hat Dickens ihm einfach Todsünden geschickt. Das ist die Todsünde der Völlerei.
Florian Bayer: Oh, das finde ich interessant, aber passt eigentlich nicht zu der Botschaft, weil es wird ja gesagt, das ist toll, genieße Weihnachten. Er ist der Geist des Augenblickens.
Johannes Franke: Aber vielleicht ist auch Dickens einfach so ein Satanist gewesen. Dass sich das andersrum vorgestellt hat. Ich habe dann ein bisschen rumgeforscht und ein bisschen überlegt, was die Vergangenheit und was die Zukunft sein könnte für eine Todsünde, aber leider geht es nicht auf. Ich kam mir sehr schlau vor bei dem Gedanken, okay?
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall ein total spannender Gedanke, dass der Geist für die volle Reich steht und er sagt natürlich, Weihnachten ist eigentlich was, was man genießen soll. Und er ist wirklich radikal diesem Kairos-Gedanken, diesem Leben-im-Augen-Blick-Gedanken Er sagt auch, es gibt jedes Jahr einen neuen Geist. Er sagt, er hat mehr als 1800 Brüder, weil wir das Jahr 1843 haben. Und seine Lebensdauer auf dieser Erde ist nur eng begrenzt. Und das wird in der Geschichte sehr schön verdeutlicht, wie er peu à peu älter wird. Es wird mehrmals darauf referiert, dass Scrooge feststellt, dieser Geist altert langsam.
Johannes Franke: Ja. Also nicht langsam, sondern eigentlich schnell.
Florian Bayer: Er ist halt wirklich diese 24 Stunden da und er zeigt dann Scrooge... Was so die heutige Weihnachtszeit abgibt. Und dann kommen wir zu Sachen, die tatsächlich in Verfilmungen fast nie eine Rolle spielen. Es gibt diesen Besuch bei der Bäckerei kurz. Und dann, wo er mit seiner Fackel ist und dann unterhalten sie sich so ein bisschen über diese Fackel und Scrooge fragt, was diese Fackel kann. Und die Fackel kann offensichtlich ... Streitereien beenden und Freude in die Menschen pflanzen. Und sie ist unterschiedlich groß für unterschiedlich Bedürftige und Und natürlich am größten für die, die es am meisten brauchen. Und dann schauen sie auch noch bei so Kohleschippern vorbei und bei Leuchtturmarbeitern. Ja. Und es wird einfach gezeigt, wie die, die wenig haben, aus den kleinen Freuden viel rausnehmen. So die beiden Leuchtturmwärter sitzen dann da und haben so eine Kerze angezündet. Und das ist aber so, das reicht schon, um ihr Herz zu erwärmen. Und das sind aber alles nur so Kurzepisoden, um dann zu den großen Stationen zu führen. Das sind zwei, und zwar einmal ... Bei Scrooges Mitarbeiter, Bob Cratchit und dessen Familie und zum zweiten bei Scrooges Neffen und dessen Party.
Johannes Franke: Die beide natürlich zu Recht die sind, die immer für die Filme ausgewählt werden, weil die natürlich einen großen Bezug zu ihm haben, zu Ebene The Scrooge und zu seinem Leben. was mal mehr, mal weniger gut erzählt wird. Bei Tiny Tim zum Beispiel fragt man sich ganz oft, Was hängt das jetzt von Scrooge ab, dass der jetzt lebt oder nicht lebt?
Florian Bayer: Der kleine Timmy, der ist ja wirklich zum Meme geworden. Wenn man irgendwo ein todkrankes Kind, dem es nicht gut geht haben will, ist das der kleine Timmy. Der wird hier eingeführt, das ist der Sohn von Bob Cratchit und der hat eine Krücke und ein geschientes Bein und kann nicht richtig gehen und Und die Familie ist relativ arm, weil Scrooge seine Mitarbeiter wenig Geld bezahlt. Und trotzdem versuchen sie das Weihnachtsfest zu genießen. Bob Cratchit stößt sogar auf Scrooge an. Seine Frau findet das nicht ganz so geil, dass auf den Geizkragen angestoßen wird. Scrooge beobachtet das sehr ergriffen und fragt dann, hey, wie sieht es mit Timmy aus und wird es ihm besser gehen? Dann sagt der Geist einen wirklich traurigen Satz.
Johannes Franke: Ja, ich sehe einen freien Platz am Feuer, wo eine Krücke steht, die keinen Besitzer mehr hat.
Florian Bayer: Gefolgt von einem wirklich harten Satz, als Scrooge dann nämlich sagt, oh Gott, kann man da nicht was dagegen tun? Und dann zitiert der Geist ihn. Indem er sagt, naja, das bringt ja was, wenn er stirbt, weil dann was gegen die Überbevölkerung getan wird.
Johannes Franke: Was wiederum vorher von Scrooge als Argument ins Feld geführt wurde, als er hätte spenden sollen.
Florian Bayer: Gibt es denn keine Armenhäuser? Gibt es denn keine Gefängnisse?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der Geist zitiert ihn da sehr. Aber interessant ist tatsächlich, dass Scrooges Mitleid geweckt wird. Und der Geist ihn gleichzeitig dann eben mit seiner ... politischen Haltung konfrontiert und sagt, guck dir mal an, wie deine abstrakte politische Haltung plötzlich, wenn sie konkret wird, zu Leid führt. Und dann gehen sie noch bei dem Neffen Fred vorbei, der in einer wirklich geselligen Runde Charade spielt. Ja. So eine Art von Scharade.
Johannes Franke: Ja, dieses Ja-Nein-Spiel, ist das auch in dem Buch so, oder?
Florian Bayer: Das ist auch in dem Buch so. Die Gäste dürfen nur mit Ja-Nein beantworten und sie sollen irgendwie Wir raten, was für ein Wesen das ist. Und dann ist es ein grunzendes Wesen, das durch London zieht. Und es ist natürlich Scrooge, den er darstellt. Und sie machen sehr Witze drüber. Wobei Fred auch sagt, ihm tut Scrooge tatsächlich am meisten leid. Also es wird so ein bisschen gelästert in der Runde über Scrooge. Und Fred sagt dann schließlich, naja, ich hab Mitleid für ihn, weil ... Es ist ja nicht so, dass er uns nur Weihnachten vermiesen will, sondern er vermisst sich selbst auch Weihnachten und er gönnt sich selbst auch keine Freude.
Johannes Franke: Er verpasst das beste Dinner, was er hätte haben können dieses Jahr. Das ist so sein Fazit. Das ist auch ein überraschend akkurates Argument, weil man sich ja doch oft selbst mehr vermiest mit solchen Sachen, als dass man anderen vermiest. und das ist ein genereller guter Rat.
Florian Bayer: Das ist natürlich auch das, womit er die Leute catcht, die halt geizig sind. So, hey, Ihr macht euch doch selbst auch unglücklich. Ihr macht euch selbst glücklich, indem ihr andere Menschen glücklich macht. Seid mal ein bisschen spendabler, ihr alten Geizkragen. Und dann kommen wir... zur meiner Meinung nach unheimlichsten Stelle des gesamten Buches und die auch meistens in den Filmen am unheimlichsten ist. Das ist nicht der Geist der zukünftigen Weihnacht. Sondern das ist, wenn Scrooge zu dem Geist der gegenwärtigen Weihnachtszeit, nachdem sie die Station gegangen sind, Ich sehe da was an deinem Mantel, was ist denn das? Ach du Scheiße, ja. Und dann macht der Geist den Mantel auf und dann sind da zwei Kinder da runter und die sind so... unterernährt und so sehen ziemlich zerfallen aus und haben so leere, böse Blicke. Und dann fragt Scrooge, was ist das? Und dann sagt der Geist, They are men's. And they cling to me appealing from their fathers. This boy is ignorance. This girl is want. Beware them both and all of their degree. Und dann hast du wirklich diese Szene, wo diese Kinder da sind und der Geist fragt Scrooge noch, ob er sich jetzt nicht um die Kinder kümmern will, weil er ja bald sterben wird. Und es ist so noch... fucking unheimliche Szene.
Johannes Franke: Das ist so abgefuckt. Ignorance and Want. Und ich überlege die ganze Zeit, wie ist das genau gemeint? Ist das Bild irgendwie noch komplexer, als ich das im Kopf habe? Weil natürlich, okay, es sind die Kinder der Menschheit, Ignorance, vielleicht mehr im Sinne von Unwissenheit. Und Want im Sinne von, man braucht... Und dann die Menschheit, die ihre Kinder nicht ordentlich füttert mit Wissen und mit dem, was man so braucht als Mensch.
Florian Bayer: Und da kommt noch mal die Szene, wo Scrooge fragt, haben sie keine Zuflucht oder so? Und dann sagt der Geist noch mal ... Wiederholt der Geist dieses Zitat von Scrooge. Are there no prisons? Are there no workhouses? Und dann ist die Szene auch schon vorbei. Tatsächlich, ich hab ... Wirklich auch struggle mit dieser Szene, weil ich finde dieses Ignorance and Want, vielleicht fehlt mir da auch ein bisschen so der Zugang zu der englischen Kultur und Sprache, was damit genau... Gemeint sein könnte. Also Ignorance kann man sich ja noch irgendwie erklären, wie du gesagt hast. Unwissenheit. Unwissenheit, vielleicht auch gewollte Unwissenheit.
Johannes Franke: Ja, vielleicht das.
Florian Bayer: Sie achten nicht auf, wie es den anderen Menschen geht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Want aber ist so, die Gier vielleicht, also Want ist ja eigentlich ein eher harmloser Begriff, es ist halt nicht Greed.
Johannes Franke: Ich glaube, dass es in beide Richtungen ausdehnbar ist, weil Ignorance... ja auch ein weniger negativ konnotiertes Begriff sein kann. Also es kann auch wirklich ein... Man weiß es halt nicht. Unwissenheit aus Dösbatteligkeit.
Florian Bayer: Ja, das sind die Verlorenen. Und das ist so ein Bild, der... der verlorenen Menschen, weil die Bedürfnisse haben und vieles nicht wissen und irgendwie ... keinen Platz finden und sie sind auch irgendwie dadurch zu Monstern geworden. Ich finde, das ist ein krasses Bild und es ist wirklich beängstigend und ich glaube, es ist auch was ... Was speziell gemacht ist, um das Bürger zu triggern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es ist eben dieses klassische Bild von dem gut situierten Menschen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der Abscheu, Ekel und vielleicht sogar Furcht empfindet, wenn er durch die Straßen geht und dann Bettler sieht. Ich glaube, das Bild wird damit irgendwie so ein bisschen vermittelt. Er sieht zu bedürfen. Er sieht Menschen, denen es schlecht geht und sie machen ihm Angst, weil sie ihn damit konfrontieren, dass er vielleicht mehr machen könnte.
Johannes Franke: Aber das Bild ist trotzdem undurchsichtig so ein bisschen. Es ist nicht leicht zugänglich. Und deswegen weiß ich nicht ganz genau, wie viel damals... davon verstanden wurde und was wir jetzt davon haben. Vor allem eben auch in den Verfilmungen. die ja nun heute gemacht wurden, beziehungsweise vor, naja gut, die erste Verfilmung vor über 100 Jahren, Aber kann der Zuschauer wirklich was damit anfangen mit dem Bild? Ich konnte es während des Guckens eher nicht. Dafür ging es zu schnell, dafür habe ich dann keinen Kontext, in dem ich darüber nachdenken kann. Es ist einfach nur, plötzlich sind da so zwei Kinder, die furchtbar aussehen und Ignorance and Want heißen.
Florian Bayer: Ich habe damit auch kämpfen müssen. Ich finde, dazu können wir gleich nochmal kommen, was die Grundstruktur von der Handlung betrifft und warum ich die so großartig finde. Es geht dann halt sehr schnell von diesem freudigen Fest bei Fred. halt dieser Horrormoment und das ist dann auch der Moment, wo der Geist, wo seine Lebenszeit vorbei ist und er löst sich auf in der Originalgeschichte, dass es auch teilweise sehr unterschiedlich umgesetzt, was mit dem Geist passiert, wie er älter wird und wie er stirbt. Und es geht Schlag auf Schlag weiter, weil dann kommt eben der Geist der zukünftigen Weihnacht, der einfach nur noch... Ein Phantom ist tatsächlich, also er wird als Phantom beschrieben in der Geschichte. Und der wird gar nicht weiter vorgestellt, sondern er ist einfach da. Und er hat halt diesen schwarzen Umhang und diese schwarze Kapuze. Und man sieht nicht, was dahinter ist. Und das Einzige, was von ihm wirklich präsent ist, ist eben diese Hand und mit dem Finger, der zeigt. Und das ist ja auch was, was wir in den Umsetzungen Ganz oft sehen werden, weil es ein unglaublich starkes visuelles Bild ist, dass du nichts siehst, außer diese knöcherige Hand. Manchmal sind es tatsächlich Knochenfinger. Sind es in der Originalgeschichte nicht, es ist einfach nur, es ist einfach eine Hand. Aber es ist eine gruselige Hand und der redet auch nicht.
Johannes Franke: Das finde ich, das ist fast das Stärkste. daran, dass der wirklich nichts sagt eigentlich nur, sondern immer nur zeigt, was ich mir fast irgendwie mehr gewünscht hätte. Bei den anderen Geistern, dass die nicht so viel labern. Bei der einen oder anderen Verfilmung sagen sie mehr oder weniger, aber... Und der Geist wird eben sehr stark dadurch, dass er nichts sagt, sondern dass er wirklich nur zeigt.
Florian Bayer: Genau, und das ist der Geist Christmas yet to come, beziehungsweise Christmas future. Und der zeigt ihm dann verschiedene Stationen in einer möglichen zukünftigen Weihnacht. Und zwar einmal geht es um ein Abendviertel. wo über den alten Knauser gelästert wird, der gestorben ist und dessen Sachen wurden geplündert. Und Scrooge weiß eigentlich schon, dass er gemeint ist. Das ist tatsächlich krass. Es ist in den Verfilmungen sehr unterschiedlich. Manchmal ist es so, dass es wirklich dann so ein Reveal am Ende gibt erst mit dem ... Grab, das gibt's hier auch, aber es ist eigentlich von Anfang an klar, wir sehen eine Szene und Scrooge weiß genauso wie wir. es geht hier um ihn, er ist gestorben und er will dann auch tatsächlich wissen, gibt es denn niemanden, den der Tod irgendwie emotional bewegt hat von diesem Menschen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann wird, das ist eigentlich ein sehr schönes Bild, dann werden diese Schuldner gezeigt von ihm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: die total erleichtert sind, dass er gestorben ist.
Johannes Franke: Das ist so fies, das ist so zynisch eigentlich. Und dann eben das mit Tiny Tim ... Nach dem zweiten Film könnte ich kotzen. Ich konnte nicht mehr... Tiny Tim, was ist das für ein... Warum muss man ausgerechnet immer wieder Tiny Tim werden? Ja. Er ist klein. Ja, okay. Verstanden. Tiny Tim.
Florian Bayer: Papa, heißt das? Dieses Jahr gibt es kein Weihnachten.
Johannes Franke: Oh Gott. Gott bless us all.
Florian Bayer: Aber es war damals noch nicht so abgetauscht in der Originalgeschichte. Die darf das, sie hat das erfunden. Das ist auf jeden Fall der nächste emotionale Moment, der gezeigt wird. Scrooge will irgendjemanden sehen, der emotional bewegt ist von einem Toten. Dann kriegt er halt Bob Cratchit gezeigt, der ... Bewegt es nicht von Scrooges Tod, sondern vom Tod von seinem Sohn Tiny Tim.
Johannes Franke: Ja. Und man weiß überhaupt nicht, warum wird es im Buch beschrieben, warum zur Hölle... ist Tiny Tim dem Tode geweiht. Der geht vielleicht nur auf Krücken, aber was soll das? Das heißt doch nicht, dass er tot ist.
Florian Bayer: 1943, du hast eine Lungenentzündung und du bist weg. Du hast eine Blutvergiftung und du bist weg.
Johannes Franke: Hat er dann nichts damit zu tun, dass er humpelt?
Florian Bayer: Naja, er ist halt krank. Er ist krank. Das ist 1843. Du bist krank und du bist weg.
Johannes Franke: Aber nur weil du humpelst, bist du nicht krank.
Florian Bayer: Du humpelst und du kriegst eine Sepsis und du bist weg.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Du humpelst und du erkältest dich und du bist weg. Du humpelst und kannst nicht ausweichen, wenn eine Kutsche auf dich zugefahren kommt und du bist weg.
Johannes Franke: Aber nichts davon zeigt der Film. Also kein Film.
Florian Bayer: Es wird auch nicht näher erklärt.
Johannes Franke: Das finde ich ein bisschen schwach, muss ich sagen.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich auch in der Originalvorlage angelegt, wenn sich um Tim nicht vernünftig gekümmert wird und zwar mit finanziellen Zuwendungen. Wenn sich keine vernünftige Behandlung geleistet werden kann, dann wird Tim sterben. Der hat keine Ahnung, was er hat. Er ist halt krank. Er ist einfach so der Prototyp des kranken armen Kindes.
Johannes Franke: Ja. Na gut.
Florian Bayer: Und dann zum Abschluss geht es eben ganz klassisch zum Konflikt. Grabstein von Scrooge. Ja. So ein Grabstein, wo der Name dann offenbart wird, auch wenn wir es alle schon wissen und Scrooge auch. Scrooge hat davor noch, es gibt dieses Leichentuch und der Geist zeigt drauf und Scrooge sagt, nein, ich will es nicht aufmachen.
Johannes Franke: Und er weiß es ja auch schon. Er weiß es. Ist das schon klar?
Florian Bayer: Und dann sieht er aber nochmal den Namen auf dem Grab und dann kann er es nicht mehr ignorieren und dann... hält er verzweifelt den Zipfel des Geistes.
Johannes Franke: Aber was zur Hölle hat er erwartet? Er ist alt. Wie alt ist der Typ? Der sieht aus wie 80. Natürlich stirbt er irgendwann. Wenn ich irgendwann mal von einem Geist... in die Zukunft gezogen werde. Natürlich erwarte ich dann, dass ich irgendwo mal ein Grab von mir finden werde. Ich bin halt nicht unsterblich.
Florian Bayer: Was soll das? Ich glaube, es geht wirklich dann auch eher darum, wie er gestorben ist und dass sich keiner darum kümmert, dass Dass alle erleichtert sind, dass er tot ist, beziehungsweise Witze über ihn machen. Und dass das einfach... dass niemand, wirklich niemand irgendwie traurig über seinen Tod ist.
Johannes Franke: Ja, aber dann ist die Reihenfolge die falsche. Dann muss er erst das Grab sehen. Oh nein, ich bin gestorben. Ach so, ja, ich sterbe ja immer irgendwann. Und dann kommen die Leute, die sich lustig darüber machen. Okay, Das ist ein Höhepunkt, aber das andere ist irgendwie antiklimaktisch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Komische Reihenfolge.
Florian Bayer: Ja, nee, ich hab noch mal ganz kurz nachgeschaut jetzt im Text. Es steht nur Ebenezer Scrooge, das wär natürlich spannend. Das verstehe ich auch nicht so ganz. Da müsste ja eigentlich 1843 stehen. Da müsste ja das Jahr bestehen, in dem er sich befindet. Das wäre der große Reveal.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das steht da nicht. Also eigentlich ist das das Ding, was wir brauchen. Einmal die Jahreszahl, dass wir wissen, er stirbt jetzt. Er stirbt jetzt allein. Oder 1844, er stirbt nächstes Jahr. Aber eigentlich müsste er jetzt sterben. Und das wird eben nicht gezeigt. Sondern es ist wirklich nur Ebenezer Scrooge steht da. Und dann fällt Scrooge nochmal auf seine Knie und fragt, am I the man who lay upon the bed? Also wirklich, er ist nicht so schnell. Ja. Nicht so schnell.
Johannes Franke: Er braucht ein bisschen.
Florian Bayer: Und der Finger zeigt dann nochmal hin und her und Scrooge fleht und bettelt und sagt, ich bin nicht mehr derselbe, ich habe meine Lektion gelernt. Dann verschwindet alles und er umklammert halt den Bettpfosten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann ist die große Läuterung natürlich nochmal.
Johannes Franke: Ja, wie er da in der Gegend rumtanzt und... Genau, genau. Young is a schoolboy oder Mary is a schoolboy oder was, keine Ahnung.
Florian Bayer: Tatsächlich eine Szene, die dazu gedichtet wird in vielen Verfilmungen, dass er dann noch mal zu den Cratchits geht und mit denen Weihnachten feiert.
Johannes Franke: Ach so, ist das nicht im Buch?
Florian Bayer: Nee, im Buch ist es tatsächlich...
Johannes Franke: Ah, er schickt nur den Turkey hin, ne?
Florian Bayer: Genau, er schickt den Turkey hin. Also er hat einen kleinen Jungen, der den Truthahn zu denen bringen soll und dann gibt der Cratchit eine Gehaltserhöhung. Aber dann geht er zur Party von seinem Neffen. Aber das Ding, dass er ... Dass er mit den Cratchits dann irgendwie, dass er ihm wirklich hilft, das wird quasi so im Satz abgerissen. Und zwar ... Und zwar wird einfach gesagt, na ja, Scrooge sagt, ich will ein besserer Mensch werden. Und es endete dann damit, dass Scrooge zu seinem Wort gestanden hat. Und dass er ganz toll war. He did it all and infinitely more. And to Tiny Tim, who did not die, not quite. großgeschrieben in Großbuchstaben. Das Wichtigste. He was the second father. What? He became as good a friend as a good master and as good a man as the good old city knew. Und so weiter, bla bla bla. Er wird ein wirklich, wirklich guter Mensch. Er wird zum zweiten Vater für Little Timmy. Und Gott bless us all.
Johannes Franke: And everyone. Aber das sind ja die letzten Worte, die oft auch vom Film original verwendet werden.
Florian Bayer: Das sind die letzten Worte des Buches. Und zwar werden die auch im Buch Tiny Tim zugeschrieben. In der dritten Person. erzählt. Also wir haben keine Anführungszeichen, sondern einfach nur, and so as Tiny Tim observed, God bless us. Everyone. Ausrufezeichen. Die End.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und damit endet das Buch. Lange Geschichte. Warum ist es so toll?
Johannes Franke: Willkommen zur Buchbesprechung. Was will die Geschichte uns sagen und ist die Geschichte wirklich so toll? Ist natürlich nochmal interessant zu klären, bevor wir in die Verfilmungen gehen. ob die das dann auch eingehalten haben, was wir im Buch sehen. Was siehst du im Buch, Plur?
Florian Bayer: Also erstmal so von der Struktur der Geschichte, finde ich, was ganz wesentlich ist, ist, dass die Geschichte wirklich ein ganz tolles Wechselbad der Gefühle hat. Und das haben wir wunderbar strukturiert durch diese drei Geister. Wir haben den Geist der vergangenen Weihnacht. so eine melancholische Grundstimmung mit sich bringt. Also er kommt eben auch als so ein abstraktes Wesen. Er lässt sehr viel Zeit für Innerlichkeit, für Nachdenken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir kommen dann von dieser Melancholie zur puren Lebenslust bei dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht, der einfach nur diese Freude hat. Und auch wieder in dem Geist perfekt symbolisiert, aber auch in der Geschichte, die wir sehen. Wenn wir davor erlebt haben, wie Scrooge seine Liebe verliert und wie er um seine Schwester weint, erleben wir jetzt, wie Leute feiern und Leute Freude haben. Und dann haben wir halt diese krasse Fallhöhe von der Freude, von dem puren Hedonismus zu diesem wirklichen Horror und zu der Verzweiflung. Eben dadurch, dass diese beiden Kinder gezeigt werden und dadurch, dass dann der Geist der zukünftigen Weihnacht kommt ... Und dann haben wir aber auch nochmal diese krasse Fallhöhe, in dem es wieder zurückgeht zur Freude, nachdem Scooch feststellt, ja, ich lebe, ich habe es geschafft, ich will ein besserer Mensch werden und alle glücklich macht. Ich finde, das ist einfach super strukturiert. Das macht einfach unglaublich Freude und schickt dich durch so ein Wechselbad der Gefühle.
Johannes Franke: Könnte auch ein Grund dafür sein, warum es sich zum Verfilmen so sehr eignet. Warum überhaupt so viele Leute gesagt haben, ach lass uns das doch nochmal nehmen. Da ist alles so gut angelegt, da können wir uns gut anschmiegen und da muss man nicht viel machen, dass es einfach für sich das steht und da gibt es keine Rechte mehr drauf.
Florian Bayer: Oh, die rechte Frage ist ganz, ganz bitter. 1844 hat der Verlag für den... Charles Dickens gearbeitet hat, das Buch ohne seine Einwilligung nochmal neu gedruckt, in so einer billigen Version. Okay. Und da war Dickens wirklich pisst und hat dann auch den Verlag deswegen verklagt und War wirklich sauer, dass die dann Geld gemacht haben mit seinem Werk. 1844 war das. Das Buch war ein instant Erfolg. Ein riesiger Erfolg. Die ersten Theaterstücke, die ersten Adaptionen kamen auch schon im Folgejahr 1844. Wow. Das wurde... unzählige Male gedruckt. Das wurde in verschiedensten Auflagen gebracht. Das war einfach ein Instant-Erfolg und ein Instant-Klassiker. Und genau, die haben halt versucht, sich daran zu bereichern, indem sie das dann ohne Dickens Einwilligung gedruckt haben. Ja, aber bei den Theaterstücken war er tatsächlich dabei und hat ja auch unterstützt und hat ihnen auch geholfen. Also es gab... Die erste Produktion, 1844, die lief 40 Mal.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Im selben Jahr, Mitte des Jahres 1844, gab es acht verschiedene Projekte. Theaterproduktion von A Christmas Carol, die natürlich auch miteinander konkurriert haben. Also das Ding war einfach ein Selbstläufer.
Johannes Franke: Okay. Warum waren die anderen Geschichten von ihm nicht solche Selbstläufer vorher, die Weihnachtsgeschichten? Oder ist das einfach nur overshadowed von diesem riesigen Erfolg und die waren vorher? auch schon richtig gut.
Florian Bayer: Die waren vorher auch schon richtig gut. Charles Dickens war ja auch einfach mal ein großer Autor. Der ist 1870 gestorben Und der hat ja vor 1844 auch schon ... Oliver Twist ist von ... Lass mich nichts Falsches sagen. Oliver Twist ist von 1837. Naja, okay. Und der hat vorher auch schon geschrieben und nachher geschrieben. Der war einfach ein guter Autor. War einfach ein erfolgreicher Autor und der war auch entsprechend angesehen, obwohl er ja tatsächlich... wahrscheinlich nicht so den Erfolg hatte, den er gerne gehabt hätte, zumindest finanziell.
Johannes Franke: Echt, wirklich?
Florian Bayer: David Copperfield war 1849. Ja.
Johannes Franke: Aber stellen wir mal die Yesterday-Frage, wenn Charles Dickens nicht Charles Dickens gewesen wäre und nicht so riesig erfolgreich gewesen wäre und jemand anders diese Geschichte geschrieben hätte, aus dem Hut raus. Wäre die auch so erfolgreich gewesen? Ist sie so gut, dass du sagst, die hätte sich auch so durchgesetzt?
Florian Bayer: Das ist immer total schwer zu sagen, ne? Also ich finde sie fantastisch, aber ich bin natürlich auch ein bisschen davon geblendet, dass man einfach... seit 100 Jahren, 150 Jahren mit ständigen Variationen von dieser Geschichte konfrontiert wird. Ich finde, es ist wirklich eine ... unglaublich gute Geschichte. Sie ist toll strukturiert. Sie hat eine super Mischung. aus Abstraktheit und konkreten Aussagen. Und dadurch wird sie auch nie, also natürlich ist es eine moralische Geschichte, natürlich hat sie einen gewissen Missionarismus. Aber das wird nie zu anstrengend, weil es eben diese Wagenstellen gibt, wie zum Beispiel diese beiden Kinder. weil es auch einfach Momente gibt, in denen die Geschichte einfach nur ein bisschen fantastisch am Rad dreht mit den Geistern. Es funktioniert einfach als Mischung. Es ist eine großartige Geschichte und ich kann total gut verstehen, dass sie zu so einem Klassiker geworden ist. Und jetzt seien wir mal ehrlich, wenn wir an klassische, traditionelle Weihnachtsgeschichten denken, die irgendwie so älter als 100 Jahre sind, so viel gibt es da gar nicht, die sich in unsere Zeit gerät.
Johannes Franke: Das stimmt, absolut. Die Frage für mich ist ein kleines bisschen, warum muss Dickens mir die Geschichte mit Weihnachten kaputt machen? Also warum muss dieses scheiß Weihnachten da rein? Also die Moral ist doch vollkommen ausreichend. Warum muss das... ausgerechnet mit Weihnachten verknüpft werden.
Florian Bayer: Ist doch bescheuert. Ist nicht Weihnachten die beste Zeit, um das spielen zu lassen, weil man an Weihnachten eben diese ganzen Sachen... Nochmal zum Exzess treiben kann mit der Freigebigkeit, mit dem großen Truthahn für die arme Familie.
Johannes Franke: Ja, aber das macht das alles so singulär auf einmal. einen Punkt und du denkst dann, naja, den Rest des Jahres kann ich wieder machen, was ich will und Weihnachten bin ich dann halt mal wieder ein bisschen spendabel. Weißt du, das ist so ein, weiß ich nicht, Das hat wahrscheinlich Generationen von grießgrämigen Leuten dazu verführt, zu sagen, gar nichts. Ganzes Jahr über mache ich irgendwelchen Scheiß und Weihnachten kann ich mein Gewissen reinwaschen.
Florian Bayer: Nein, aber so funktioniert die Geschichte doch nicht. Und sie sagt doch ganz klar, dass er auch den Rest des Jahres gut war. Er ist einfach ein guter Mensch geworden. Grundsätzlich. Dank Weihnachten.
Johannes Franke: Das ist die große Schwäche dieser Geschichte. Der wird eigentlich nur zu Tode erschreckt, so dermaßen maltretiert und hin und her geworfen. So viel Horror erlebt dieser Mensch, dass er eigentlich keine andere Wahl hat, als vor Angst gut zu werden.
Florian Bayer: Ja, so funktioniert die Kategorie. christliche Moral.
Johannes Franke: Was soll das bitte? Deswegen mache ich Weihnachten auch nicht.
Florian Bayer: Wir kommen in der christlichen westlichen Moralphilosophie. Du machst den Leuten Angst, damit sie gute Menschen sind. Anders funktioniert das nicht.
Johannes Franke: Wie hart ist das denn? Wie absurd ist das? Was für ein Bild von der Menschheit musst du haben? Wenn du es für nötig hältst, die Leute einfach nur rein zu beängstigen. Also doch... Also das finde ich eben an der christlichen Welt und an den ganzen Weihnachten und den ganzen anderen moralischen Dingen. So schrecklich, weil du immer Angst vor dem Gott haben musst, der dich straft. Du musst Angst vor Konsequenzen haben, wenn du nicht gut bist. Wie wäre es mal mit einer Eigenverantwortlichkeit und einem Menschen, der sich hinsetzt und sich... Einfach nur zu dem Schluss kommt, ja stimmt, wäre ganz geil, wenn ich nett zu anderen bin und denen genauso helfe wie mir, weil vielleicht es mir auch gut gehen könnte, wenn es anderen gut geht. Warum muss ich da so eine Instanz reinhauen? Boah! Das ist ein ernsthaftes Gespräch. Nein.
Florian Bayer: Also, es ist total spannend, dass du das sagst, weil tatsächlich ist ja die Zeit, in der wir uns bewegen, in der die Geschichte geschrieben wurde ... Ist ja eigentlich die Zeit, in der eine ganz konträre Moralphilosophie aufgekommen ist zu diesem... zu diesem Gedanken, dass Moral so funktioniert und das ist ja eigentlich der Utilitarismus, der eben auch vor allem in Großbritannien im viktorianischen Zeitalter stark wurde. Vor allem John Stuart Mill ist so der bekannteste Philosoph davon.
Johannes Franke: Wollen wir das Lexikon kurz aufmachen und du erzählst kurz, was das ist?
Florian Bayer: Müssen wir nicht. Lass es mich kurz fassen. Utilitarismus war ja tatsächlich der Gedanke, dass man Moral als das definiert, was tatsächlich was Gutes bringt. Banal ist, aber wir urteilen moralisch anhand von den Ergebnissen. Und dann gibt es den egoistischen Utilitarismus. Wahrscheinlich das Was Scrooge zumindest so ein bisschen am Anfang ist. Und dann gibt es halt diesen sozialen Utilitarismus. Das heißt, du machst das ist gut, was für die Gesellschaft gut ist und für dich. Und da wird Scrooge ja auch ein bisschen hingeführt. Also es geht ja auch darum, Scrooge ist ja nicht nur verzweifelt, weil er seinen Tod sieht, sondern Scrooge ist ja auch verzweifelt, weil er tatsächlich Tiny Tims Tod sieht.
Johannes Franke: Aber warum setzt Dickens dann das Grab an den Schluss? Warum ist Dickens Pointe Das Grab von Scrooge, das ist doch bescheuert. Natürlich hast du dann als Leser das als die große Moral. Der hat einfach Angst, dass er stirbt. Was soll das? Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, du hast tatsächlich eine Schwäche aus diesem Buch ausgemacht. Danke. Das würde ich dir geben. Es wäre deutlich stärker, wenn das nicht die Pointe wäre, zumal es einfach keine Pointe ist. ist, weil alle wissen, außer Ebenezer offensichtlich, dass er es ist, der in diesem Grab liegt. Genau. So.
Johannes Franke: Und warum muss man dann eben einfach nur Angst machen? Ich finde, alle Filme... Fast eigentlich alle Filme, ja, machen ihm am Anfang einfach nur wahnsinnig Angst und verlassen sich zu wenig auf die Kraft dessen, was ja dann kommt. Es kommt ja dann, er ist in der Vergangenheit, sieht sich selbst da einsam in der Schule sitzen. Das ist an sich, wenn man allein, man kann es alles runterkürzen, alles runterkürzen. so viele nebensächliche Sachen rausschmeißen, was ja im Buch auch alles da ist, was in den Filmen auch viel rausgeschmissen wurde. Aber konzentrier dich doch bitte einfach nur darauf, dass ein Geist kommt, dich da hinführt... Und du einmal die Chance hast, als alter Mann zu sehen, ach du Scheiße, der Kleine sitzt da echt Jahr für Jahr. Hat nichts anderes gemacht, als irgendwie da für sich und alle anderen gehen da irgendwie Schlitten fahren. Und vor sich hin zu grummeln, das war vielleicht keine so geile Idee. Wenn du das richtig inszenierst, hat das eine wunderbare Kraft, die vollkommen ausreicht.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich. Aber ... Vielleicht überschätzt du die Menschen dabei ein bisschen?
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein. Niemals Publikum unterschätzen.
Florian Bayer: Nein, nein, nicht was das betrifft, nicht was den Unterhaltungswert betrifft und was die Stärke von der Geschichte betrifft, sondern einfach was die Stärke von deiner Moral betrifft. Weil natürlich hat Dickens diese Geschichte auch geschrieben, in erster Linie, weil er eben empört war über die sozialen Missstände, die ihn großartig geherrscht haben. Und sein Gedanke war natürlich, ich will das Bürgertum irgendwie erreichen.
Johannes Franke: Ja, und du willst auch möglichst alles reinwerfen, was dir einfällt, was an Argumenten da ist.
Florian Bayer: kannst du da mit Angst arbeiten, du kannst mit Trauer arbeiten, mit Verzweiflung. Das spricht eben die Menschen auf einer Gefühlsebene an. Das ist auch, wie politische Botschaften funktionieren.
Johannes Franke: Aber warum muss denn der Botschafter derjenige sein, der Angst macht, statt die Botschaft? Warum muss der Geist gruselig sein, wenn das, was passiert, was man sich anschaut, schon gruselig genug ist?
Florian Bayer: Naja, das ist einfach, weil wir es hier ja eben doch auch mit einem prosaischen Werk zu tun haben, mit einem Kunstwerk. Und das Kunstwerk erzeugt die Emotionen. Und das Kunstwerk darf natürlich in sich auch diese Emotion bergen. Ich geb's dir. Man könnte durchaus ein besseres Ende für diese Geschichte finden. Es ist nicht der geilste Höhepunkt, dass Scrooge sein eigenes Grab sieht. Aber ich glaube, der Tod von Scrooge ist trotzdem ein wesentliches Element davon.
Johannes Franke: Das ist natürlich ein wesentliches Element. Vor allem aber eben... Und das ist der Höhepunkt für mich, die Art und Weise, wie Leute reagieren darauf, dass er gestorben ist.
Florian Bayer: Und das ist wirklich hart. Und das sind auch wirklich düstere Szenen, wenn er dann sieht, die sich drüber kaputt lachen, dass dieser Knauser weg ist. Und sie jetzt seine Haarzähligkeiten ausbeuten können, weil sich kein Mensch dafür interessiert. Es sind einfach starke Bilder, die da aufgemacht werden.
Johannes Franke: Ja. Ich muss auch sagen, natürlich, ich finde die Geschichte an sich gut erzählt und ich will Weihnachten nicht da drin haben. Ehrlich, ganz ehrlich, ich will Weihnachten da nicht drin haben, weil mir das so... über ist, so diese Moral, die sich an einen Punkt festknüpft. Ich finde das furchtbar. Aber ich kann das seiner Zeit geben. weil ich das Gefühl habe, nachdem ich so ein bisschen gelesen habe, dass Weihnachten sowieso im Umbruch war damals. Es gab eine Neubewertung dieser Festlichkeiten und Der wollte da irgendwie Teil sein von der Umbewertung und der neuen Belebung dieser Weihnachten, dieser Feiertage.
Florian Bayer: Der Weihnachtsbaum ist in dieser Epoche entstanden oder popularisiert worden.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Weil die Queen... Und ihr Sohn, die haben Weihnachtsbäume aufgestellt. Und das war halt auch eine Zeit, in der so der Gossip angefangen hat und die Leute geguckt haben, was macht denn das Königshaus? Lassen wir uns davon inspirieren.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und vor allem was Mode betrifft, aber eben auch was Weihnachtsbräuche betrifft. Und der Weihnachtsbaum hat sich dank der Queen durchgesetzt und wurde in England immer populärer. Und schließlich hatten alle Leute Weihnachtsbäume zu Hause stehen, weil sie sich immer am Königshaus orientiert haben.
Johannes Franke: Und plötzlich sagen alle Merry Christmas.
Florian Bayer: Ja, Merry Christmas, genau.
Johannes Franke: Also ich meine, das gab es schon früher, 1500 noch etwas gab es, irgendwo tauchte das schon ein paar Mal auf und es wurde auch schon... Ab und zu gesagt, aber so richtig als Gruß zu Weihnachten gibt es seit diesem Scheißbuch... Merry Christmas, everyone.
Florian Bayer: Auf dieses Bahambag.
Johannes Franke: Ja, Bahambag.
Florian Bayer: Humbug ist ein Begriff, der auch... schon im 18. Jahrhundert gebräuchlich war. Also das erste Mal taucht er irgendwann so Mitte des 18. Jahrhunderts, glaube ich, auf. Aber er wurde wirklich populär, auch eben durch diese Geschichte. Dadurch, dass Scrooge das immer mal wiederholt als Reaktion auf die ganzen Weihnachtsbräuche.
Johannes Franke: Was wohl in England wirklich sehr viel verbreiteter ist, auch heute noch, wenn einem Weihnachten zu viel ist und wenn man das ein bisschen zu übertreibt. Dass Leute dann wirklich sagen, ah, bah, Hamburg.
Florian Bayer: Ist auch schön prägnant.
Johannes Franke: auf den Punkt gebracht. Ich glaube, ich sollte dieses Wort mehr in meinen Wortschatz aufnehmen.
Florian Bayer: Wollen wir uns aus dem 19. Jahrhundert rausbegeben?
Johannes Franke: Lass uns ins 20. Jahrhundert gehen.
Florian Bayer: Und zwar ganz an den Anfang des 20. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Gleich am Anfang.
Florian Bayer: In die Frühzeit der Filmgeschichte, in der wir schon mal waren.
Johannes Franke: Ich liebe diese Zeit. So viele Experimente und so viele schöne, interessante Ideen. Und natürlich gibt diese Geschichte... irgendwie durch seine Geister auch viel Raum zum Spielen für Leute, die gerade entdecken, wie man Filme drehen könnte.
Florian Bayer: 1901 und wir haben den ersten erhaltenen Scrooge-Film. 1901, wohlgemerkt. Wir sind in Zeiten, in der wirklich Filme noch... Was Besonderes waren.
Johannes Franke: Wir haben ja die ersten ernstzunehmenden Varianten 1897 oder 1889.
Florian Bayer: Genau, so die Reise zum Mond und sowas. Diese Milieu-Filme waren die ersten Spielfilme, die wirklich eine Handlung hatten.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und auch viel mit Tricks gearbeitet haben und wirklich Geschichten erzählt haben, fantastische Geschichten.
Johannes Franke: Also sagen wir, ein paar Jahrzehnte gab es das Medium schon, aber eben wirklich in der Experimentierphase. Und da kam das erste Mal eine Verfilmung dieses Stoffes.
Florian Bayer: Die tatsächlich gar nicht so sehr dem Geist von Millier folgt mit großen fantastischen Reisen, sondern vielmehr das ist, was viele Filme in der damaligen Zeit gemacht haben, dass sie einfach... Theateraufführungen als Vorlage genommen haben und so ganz klare Settings hatten mit totalen und klar definierte Räumen und da wurden dann einzelne Szenen gezeigt. Wir haben einen Elfminüter. Scrooge or Marley's Ghost?
Johannes Franke: Ich muss leider sagen, dass ich, ich liebe diese Zeit und diese Art Filme zu machen, aber leider... finde ich, hat er seine eigenen Grenzen nicht erkannt und seine eigenen Möglichkeiten nicht genutzt. Das ist vielleicht ein bisschen gemein zu sagen, für diese Zeit, 1901, okay, das ist wie, als wenn man Kindern sagen will... Romantikalisch korrekte Sprache, bitte. Aber ich finde, er macht ja dieses Bild an dem Türknopf von dem Geist. Und dann weicht er an der Tür zurück. Und natürlich ist dieses Overlay von diesem Geist auf diesem Türknopf zu sehen... Wenn der da lang stolpert und dann sieht man, dass es nur draufgepappt ist und zwar auch auf seinen Körper, weil er da drüber stolpert. Also funktioniert das Ganze nicht und man hätte es ganz leicht umgehen können, indem man ihn nicht dort lang stolpern lässt. Und ich finde, das zeigt ein kleines bisschen... dass der Regisseur sich damit jetzt nicht so aufgehalten hat. Und das will ich ihm nicht gönnen, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich, also das muss man ja auch wirklich dazu sagen, Millier hat das deutlich besser gemacht. Deutlich besser gemacht. Viele Jahre davor, also Walter R. Booth ist übrigens der Regisseur und der war auch ein Zauberer. Ja, genau. Was ist umso... merkwürdiger macht, dass er so einen Patzer da drin hat, weil es ist so ein ganz einfaches Prinzip. Achte nochmal drauf. wo du deine Tricktechnik offenbaren könntest.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das ist so eine Szene.
Johannes Franke: Und das hat er auch später. Also ich meine, es ist ... Es ist da, okay, passiert ihm das und er will vielleicht, vielleicht hat er tatsächlich... das nicht beachtet und das irgendwie erst später festgestellt und hat dann kein Geld mehr, das nochmal zu drehen. Aber er hat das auch durchgängig in den nachfolgenden Szenen, dass... auf die Projektion, die er da quasi drauf hat, nicht darauf achtet, dass vor dem schwarzen Vorhang, wo das alles projiziert wird, dieser Typ nicht davor läuft. Und das tut er immer wieder, er reicht immer wieder in diesen Raum rein und man sieht, dass auch auf ihn rauf projiziert wird, obwohl es hinten auf dem Vorhang sein soll.
Florian Bayer: Ich glaube, das Problem bei diesem Film ist, dass er sich nicht so ganz entschieden entscheiden konnte, ob er jetzt einfach eben ganz in dieser Theatertradition bleibt. Weil es gibt eben dieses Bühnensetting mit den Totalen. Oder ob er eben doch einen Film macht, der mehr in die Genre-Spillier-Richtung geht mit Schnitten und mit besonderen Momenten. Und dann hat er was dazwischen genommen. Er versucht, die Tricktechnik von einem Milieu-Film auf einen traditionellen Bühnenfilm zu übertragen. Und... Das fällt halt doch, wie du gesagt hast, immer wieder auf, dass das nicht so gut zusammengeht.
Johannes Franke: Aber es ist einer der ersten Filme, der diese Zwischentitel benutzt.
Florian Bayer: Es ist einer der ersten Weihnachtsfilme überhaupt, der wirklich Weihnachten als Thema hat. Und es ist einer der ersten Filme, der wirklich ... mit exzessiven Zwischentiteln Dinge erzählt.
Johannes Franke: Aber das sehr nüchtern, muss ich mal sagen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Also was er da reinschreibt, der hat natürlich nicht viel Zeit. Also klar, er will keinen ganzen Roman reinschreiben, also versucht er die Essenz. in die Zwischentitel zu packen, in kurzen, klaren Sätzen. Aber irgendwie ist das sehr unmagisch, muss ich sagen.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich an dem Film mag, ist, dass ... Die Sets sind sehr gut, die gefallen mir wirklich gut. Die gemalten Hintergründe. Es ist aus UK, es ist eine Zeit vorm expressionistischen Stummfilm in Deutschland. Aber diese schrägen Sets, die wir hier haben teilweise ... Und diese sehr, sehr kräftigen, nicht Farben, das ist natürlich schwarz-weiß, aber diese sehr kräftigen Kontraste in den Sets, alles wirkt so ein bisschen marmorisiert. Ja. Die haben so ein bisschen surreal-expressionistische Vibes, die mir sehr gut gefallen. Spannend ist tatsächlich, dass er was macht, was ... dem wir nochmal begegnen, auch in weiteren Filmen aus der Ära, dass es keine drei Geister gibt, sondern... Es gibt nur Marlies Geist. Und Marlies Geist zeigt Scrooge in Projektionen, vor die Scrooge viel zu oft stolpert, was... Was eben die vergangene Weihnacht, die gegenwärtige Weihnacht und die zukünftige Weihnacht zu bieten haben. Und dann wird auch manchmal in die Projektion reingegangen. Also es gibt dann diese Zehner in Bob Cratchits Haus mit einer viel zu großen Tafel, auf der Gott bless us everyone steht. So, what?
Johannes Franke: Ja und man muss schon dazu sagen, dass das eine Verfilmung ist, die darauf setzt, dass der Zuschauer die Geschichte kennt. Weil die Geschichte ist nicht so richtig gut erzählt. Man hat irgendwie, kommt man nicht so richtig mit, worum es wirklich geht, was das alles soll und wie... Also die ganze Magie der Geschichte ist eigentlich, die muss dort entstehen, wo man früher die Geschichte schon gelesen hat und dann kann man sie auf diesen Film projizieren. Aber nicht, wenn man sie nicht kennt.
Florian Bayer: Wobei ich glaube, es ist nicht too bold, davon auszugehen, dass 99 Prozent der Zuschauer, die das damals geguckt haben, die Geschichte kannten.
Johannes Franke: Aber ich finde es ein bisschen lazy, weißt du? So ein kleines bisschen erzählerisch. Man hätte das besser machen können, weil das auch schon einfach besser gemacht wurde. Nicht mit dieser Geschichte, aber zumindest als Geschichtenerzähler, also Film wirklich als Geschichtenerzählinstrument zu nutzen. Das haben ja andere vorher schon, also Georges Méliès zum Beispiel eben.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Vier Minuten davon sind erhalten. Fünf Minuten, man kann sie sich angucken bei Wikipedia. Es ist ein frühes Exempel von einer Scrooge-Verfilmung. Und es ist ganz spannend, weil ... Einfach zeigt, wie wenig damals noch gemacht wurde mit der Geschichte. Eben auch wirklich reduziert auf ihren Kern. Nicht mal die drei Geister tauchen auf. Und es ist einfach, also es ist vielleicht auch so ein bisschen in dem Kontext so eine, nicht eine Fingerübung für einen Regisseur, das wäre so fies, das zu sagen, dass er das so umprobiert hat. Aber es ist vor allem... ein spannendes, historisches Exempel. Es ist kein Scrooge-Film. Also ich habe jetzt nichts, wo ich sagen würde, das hat er besser gemacht als alle anderen Scrooge-Filme.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Habe ich nichts stehen, aber es ist natürlich spannend, das in dem historischen Kontext zu sehen und zu sagen, ah, so wurde das also 1901 gemacht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Und ich möchte bitte gerne bei jedem Film einmal feststellen, wie die Geister dargestellt sind. In diesem Fall Bettlaken.
Florian Bayer: Es ist auch so, es ist wirklich hart am Schluss, wenn er als Geist der zukünftigen Weihnachtsklutsch den Grabstein zeigt. Dann hat er dieses Bettlerhacken so über den Kopf gehölt und es ist schon so ein bisschen Highschool-Musical.
Johannes Franke: Er hält es einfach nur noch mit einer Hand so nur dürftig fest, dass es dann nicht runterfällt. Und es ist irgendwie so... Nicht so. Aber es ist schön. Es ist schön zu sehen, was... man damals mit Film einfach rumexperimentiert hat und welche Möglichkeiten es gab und was man ausgeschöpft hat. Und das ist eines der Beispiele.
Florian Bayer: Genau. Wir haben einen Film, der verschollen ist leider, der sieben Jahre später entstanden ist, von 1908, der wohl... Das ist der erste amerikanische Film, die erste amerikanische Scrooge-Verfilmung. Und die soll wohl relativ nah am Urstoff sein.
Johannes Franke: Die soll ganz gut gewesen sein. Auch ein bisschen länger, ne? Oder?
Florian Bayer: Die wurde auf jeden Fall hochgelobt deswegen...
Johannes Franke: Sind das die 55 Minuten?
Florian Bayer: Moment, ich gucke kurz nach. 15 Minuten. 15 Minuten und von der Kritik hochgelobt, weil er eben so nah am Originalstoff wäre. Ja. It's impossible to praise this film too highly. Moving Picture World.
Johannes Franke: Aber es ist traurig, dass der nicht existiert.
Florian Bayer: Ja, es würde mich wirklich interessieren. Also auch mit Zwischentiteln. Und in den SNA Studios entstanden. Mit Thomas Ricketts als Scrooge. Und viel mehr kann ich eigentlich nicht dazu sagen, weil es gibt den Film einfach nicht.
Johannes Franke: Schade.
Florian Bayer: Aber zwei Jahre später haben wir den nächsten großen Stumpffilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: der sich der Geschichte annimmt und von der Edison Manufacturing Company. Von James Earl Dolly, der unter anderem für die erste Frankenstein-Verfilmung verantwortlich ist.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: der gerne ein bisschen damit rumgeprotzt hat, dass er der erste professionelle, wirklich professionelle Regisseur überhaupt wäre. Ja.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Das ist A Christmas Carol. Diesen Titel werden wir sehr oft hören. Aus dem Jahr 1910 mit einem, wie ich finde, sehr gut getroffenen Screw.
Johannes Franke: Ja, tatsächlich, genau. Das ist mir nämlich auch als gleiches erstes aufgefallen. Man hat sehr schnell das Gefühl für diesen Scrooge und einen sehr guten Scrooge. der sehr genau das trifft, was ich mir vorstelle, wie es einer sein sollte.
Florian Bayer: Auch diese Mischung aus so ein bisschen verkürzt, also tatsächlich von der Haltung, so mit Zuckel und... gleichzeitig mit dem Resoluten auftreten und einem kaltherzigen auftreten.
Johannes Franke: So ein bisschen Mr. Burns.
Florian Bayer: Ja, Mr. Burns. Mr. Burns ist Scrooge inspiriert, ganz eindeutig. Ja, ja. dass der Film sehr viel von der Ästhetik von unserem ersten Scrooge-Film hat. Weil wir haben auch diese Projektion. Mhm.
Johannes Franke: die ein bisschen besser ist, noch nicht perfekt, aber schon besser.
Florian Bayer: Und wir haben auch keine wirklichen Geister, die man auseinanderhalten kann.
Johannes Franke: Nein, das ist auch nur einer mit großer Robe und mit Krone auf, die ich ganz gut fand. Also so von der Optik her hat es gut geholfen. Und er war auch gut projiziert, muss ich sagen. Also dieses Luzide auf dem... auf dem Celluloid. Das war wirklich eine gute Sache, auch wenn man dann natürlich Schwierigkeiten hat, das Spiel dieses Schauspielers, der den den geist spielt so richtig zu sehen genau das gab ein kleines bisschen schwierigkeiten dadurch
Florian Bayer: Und es ist halt auch ein bisschen schade, dass es halt wirklich dreimal offensichtlich die gleiche Person ist. Also es wirkt einfach nicht wie ... wie ein großer, kreativer Geister-Overkill. Nee, das ist einfach dreimal dieselbe Person, die dann mal diese ... Diese Krone hat als Geist der gegenwärtigen Weihnacht und dann als Geist der zukünftigen Weihnacht halt so ein bisschen Zauberer ähnlich ist mit so einem Bettlaken. Das ist wieder, diesmal ist es so ein halb transparentes Laken.
Johannes Franke: Achso, das habe ich gar nicht, ich habe die nicht unterschieden, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Ich fand es auch schwer, aber es ist dieselbe Person, aber es sollen wohl drei Geister sein?
Johannes Franke: Ach so, ich habe gedacht, das wäre einer derselbe einfach.
Florian Bayer: Es wird auch nicht genau gesagt, aber zumindest gibt es diesen Kostümwechsel.
Johannes Franke: Das habe ich, glaube ich, auch nicht mitbekommen. Ich habe ihn zumindest nicht aufgeschrieben.
Florian Bayer: Also ich fand tatsächlich die Geister eher uninspiriert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich fand den Scrooge Mark McDermott. Fand ich wirklich gut. Das ist wirklich ein sehr cooler Scrooge. Und der Film, der lebt auch von seinem Spiel.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Ich finde, dass der Regisseur sich gut seiner Mittel bewusst war, indem er einfach wirklich gesagt hat, okay, ich kann kann nicht viel anderes machen, als einfach einmal ein Kino draus zu machen. Scrooge schaut wie auf eine Kinoleinwand. was eigentlich da draußen passiert und was ihm der Geist zeigen will. Er kann ihn nicht aus seinem Haus rausholen und mit ihm in der Gegend rumfliegen, das geht nicht. Und das macht er ganz gut und hat die Mittel gut gewählt und manchmal funktioniert es ein bisschen besser und manchmal ein bisschen schlechter, aber eigentlich grundsätzlich ist das Mittel der Wahrheit. Wahl gut umgesetzt und gut genutzt. Er hatte ja auch nicht viel anderes.
Florian Bayer: Wir hatten ja nichts. Er macht es auf jeden Fall deutlich besser als der... Als der erste Scrooge von 1901. Und er arbeitet mit ähnlichen Mitteln?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und schafft es aber da ein bisschen mehr rauszuholen. Er ist einfach technisch ein bisschen extravaganter. Der Scrooge-Darsteller darf einfach ein bisschen mehr machen als nur ... Nur verzweifelt zuzugucken, was passiert und es ist alles in allem, es ist was, was funktioniert. Also ich finde, es ist einfach ein Film, den man sich angucken kann. Es sind 17 Minuten, die nicht verschwendet sind. Und er ist sehr traditionell. Und ja, die Geister sind einfach ein bisschen öde. Aber ansonsten ist es ein guter Film, vor allem dank der Scrooge.
Johannes Franke: Ich find auch hier die Zwischentitel eher emotionsfrei.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: es ist wirklich noch mehr so, er versucht ein bisschen mehr zu erzählen als in dem Moment davor. Davor diesen Zwischentitel tatsächlich so... Sehr rudimentär, aber hier versucht er so ein kleines bisschen mit was zu vermitteln, aber sehr emotionsbefreit.
Florian Bayer: Jetzt haben wir die lange Version, von der du vorhin erzählt hast, die erste langen Version, die 54 Minuten verloren gegangen ist. Genau, das sind fünf Reels, insgesamt 55 Minuten von Rupert Julian. Ja. A Christmas Carol, nicht A Christmas Carol, Gott sei Dank mal nicht A Christmas Carol, sondern The Right to be Happy aus dem Jahr 1916. Leider verschollen.
Johannes Franke: Sehr, sehr schade. Den hätte ich nämlich wirklich gerne gesehen, weil da auch die Beschreibung gut klang und auch die Schauspieler interessant klangen.
Florian Bayer: Ja, und Rupert Julian, das ist der Regisseur, der 1925 Phantom of the Opera gemacht hat. Aha. Also auch wieder so ein klassischer Horrorfilm. Das ist ja ganz spannend, dass wir davor einen Frankenstein-Regisseur hatten. Jetzt haben wir einen Phantom of the Opera-Regisseur. Ja. Wir bewegen uns noch in einer Zeit, in der die Scrooge-Verfilmungen dem Urstoff in der Form treu sind, dass sie an Erwachsene gerichtet sind. Dass sie weniger an Kinder gerichtet sind. Wir werden im Laufe des 20. Jahrhunderts, wenn wir merken, wie sich das langsam verschiebt. Ja. und die Scrooge-Geschichte mehr und mehr zur Kindergeschichte wird oder zur Familiengeschichte.
Johannes Franke: Man muss natürlich auch bedenken und das wird manchem jetzt ein bisschen durchgegangen sein, die Geschichte war. 1843, wir sind jetzt wirklich nur so 50, ein bisschen mehr als 50 Jahre entfernt von der Geschichte. Das heißt, wenn wir jetzt irgendwie, ach Gott, wir haben jetzt auch schon 2020, wenn wir jetzt 50 Jahre zurückgehen, dann... eine Verfilmung eines Buches, das aus den 80ern ist. Also aus den 70ern, 80ern, 70ern. Ja. Das ist nicht viel.
Florian Bayer: Nee, das ist auch nicht viel.
Johannes Franke: Da kannst du auch ganz schlecht... große, grobe Änderungen vornehmen, ohne dass nicht ein riesiger Mob mit Mistgabeln und Fackeln aufzieht und sagt... unser Charles Dickens, ich habe ihn noch persönlich gekannt. Es geht nicht, Götter nicht machen. Und natürlich, je mehr Entfernung du davon hast, umso mehr wird es zum... Public Domain, weißt du, so zu diesem, wir dürfen alle machen, was wir wollen mit der Geschichte, weil jeder hat eine eigene Version im Kopf und jeder macht was anderes draus. Und dann wird das irgendwie zur Kindergeschichte. Bei Weihnachten auch immer mehr noch für Kinder, für Kinder und dieses Geschenke und dieses ganze Kommerz-Scheiße. Nein.
Florian Bayer: Cringe! Halte deinen Zorn ins Raum.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Kommen wir zum ersten Tonfilm und ich... Stell das mit Fragezeichen, hast du ihn gesehen denn von 1935? Ganz kurz nochmal, also wir haben unterschiedliche Filme geguckt und wir haben zwar, die wichtigsten haben wir beide geguckt. Aber es gibt so ein, zwei Sachen, die Johannes angeguckt hat, die ich nicht gesehen habe. Ein, zwei Sachen, die ich geguckt habe. Wir haben den ersten noch erhaltenen Tonfilm von 1935, Scrooge.
Johannes Franke: Der ist einfach nur Scrooge.
Florian Bayer: Den hab ich, glaub ich, nicht gesehen. Von Henry Edwards aus Großbritannien. Und der ist wirklich interessant. Zum einen geht er ganz interessant mit den Geistern um.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben natürlich das Gesicht von Mali an der Tür, aber dann sehen wir Mali gar nicht mehr. Marley ist einfach nur eine Stimme, ein unsichtbarer Geist. Und wir sehen, dass Cooge mit ihm redet und mit einem leeren Sessel redet.
Johannes Franke: Ja ...
Florian Bayer: Und Angst hat und so weiter. Und es findet diese Interaktion statt. Und dann verschwindet er. Aber wir sehen ihn nicht. Und dieser Film hat meiner Meinung nach einen der besten Christmas-Past-Geister genannt. Indem er ihn nämlich tatsächlich nur als diffusen Lichtschein darstellt. Das ist der Film... der tatsächlich dieses Diffuse von dem Christmas-Past-Geist sehr gut einfängt, indem er ihm gar keinen Körper gibt. Das ist so ein Bisschen körperlich, ein bisschen human. Aber eigentlich ist es vor allem einfach nur Licht in das Scrooge reinguckt.
Johannes Franke: Aber wie machen sie das in dieser Zeit? Also ich meine, es sind 19... 30er Jahre, da gab es ja nicht viel an Technik, die du hättest bemühen können, um das wirklich glaubhaft geil hinzukriegen.
Florian Bayer: Ja, das ist eine gute Frage, wie sie das machen. Es ist einfach, es ist, glaube ich, eine Projektion. Du wirst bestimmt noch mal drüber meckern, dass er... dass er so ein bisschen drüber ist. Du kannst gerne mal rüberkommen und gucken einmal. Das ist unser Geist aus Christmas Carol 1935.
Johannes Franke: Aber das ist doch genial.
Florian Bayer: Das ist super. Es funktioniert total gut. Wir haben wirklich einfach nur diesen humanen Lichtschein. Und der Film erzählt dann auch tatsächlich eher wie die Stummfilme, dass er Bilder zeigt. Projektionen zeigt, die Scrooge sieht. Also es gibt nicht diese großen Reisen um die Welt.
Johannes Franke: Alles koloriert, ne?
Florian Bayer: Es gibt eine kolorierte Fassung. Es ist eigentlich ein Schwarz-Weiß-Film, der postkoloriert wurde. Und der ist sehr düster und sehr getragen. Und es ist wirklich ein spannender Film. Genauso der Christmas-Present-Geist ist sehr traditionell, aber zum Beispiel der Christmas-Future-Geist ist nur ein Schatten. Dieser Film drückt sich um die Darstellung der Geister, indem er ihnen wenig Körper gibt. Sie wenig zeigt, auch selbst der Ghost of the Christmas Past ist auch nur in wenigen Momenten zu sehen und meistens sind wir wirklich auf Scrooge geworfen und auf die Bilder, die er sieht. Und der hat auch so ein bisschen Expressionismus-Vibes und hat so sehr viel von einem klassischen Scrooge-Film. von einem sehr klassischen Geisterfilm. Und es gibt so ein paar merkwürdige Stimmungswandel. Also er hat schon so diese Kitschmomente mit drin. Dass es plötzlich so sehr kitschig wird und sehr sentimental. Aber es wird einfach dadurch aufgefangen, dass der Scrooge wirklich gut ist. Diese Verzweiflung, wenn er diese sentimentalen Bilder sieht, das passt. Das ist Sima Hicks als Scrooge. Es ist ein... Guter Film. Dauert 45 Minuten.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und ist der erste Tonfilm von Screw ... Quatsch, 45 Minuten, 78 Minuten. Ist der erste Tonfilm von Scrooge. Und aus dem Jahr 1935. Guter Film. Schön.
Johannes Franke: Ich habe hier meine Sortierung im Zeitgefüge nicht richtig. Ich habe einfach nur in irgendeiner Reihenfolge geguckt und meine Liste ist sozusagen ein bisschen durcheinander. Welcher käme denn als nächstes? Der 51er?
Florian Bayer: Tut mir leid, ich bin noch in den 30ern. Wow. Einen krassen Gegenentwurf davon. Und zwar A Christmas Carol aus dem Jahr 1938. 70 Minuten von Edwin Lee Marin. Und der wurde von der Kritik hochgelobt und wird bis heute hochgelobt. Als toller Scrooge-Film und es ist der erste Film, der die Familienkomponente ganz krass drin hat. Ich finde ihn nicht gut. Ich finde ihn sehr durchschnittlich, weil er unfassbar kitschig ist. Es ist total krass und zwar kitschig und sie lassen die Liebesgeschichte, lassen sie komplett weg. Oh, und zwar aus dem Gedanken, dass das ja nicht so wirklich für Kinder passt. Sie wollen einen Familienfilm drehen.
Johannes Franke: Aber das ist in der Zeit natürlich Kitsch hoch im Kurs, ganz hoch im Kurs.
Florian Bayer: Aber ich verstehe nicht, wie man einen Film so kitschig machen kann und gleichzeitig auf die kitschige Komponente der Vorlage, die Liebesgeschichte, die verflossene Liebe verzichtet. Und dann ist es tatsächlich der Geist der vergangenen Weihnacht. Da wussten sie wohl nicht, wie sie das familienfreundlich darstellen, sondern haben sie gesagt, okay, dann nehmen wir jetzt eine Fee. Und die ist so ein bisschen wie die Fee aus Wizard of Oz.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Passt aber nicht. Das ist einfach kein vernünftiger Geist. Das ist halt eine nervige Fee, die da rumspringt. Und Ja, die anderen beiden sind ganz gut getroffen, halt sehr traditionell. In der gegenwärtigen Weihnacht machen sie halt alle das, was Jiggins damit gemacht hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Bis auf einen. Und der Christmas Future ist auch nicht so schwer. Da haben sie halt auch ein schwarzes Laken und der ist irgendwie so ein Sensemann. Das ist okay, aber der Film ist ... auf Teufel komm raus, wir machen jetzt Unterhaltung für die ganze Familie, lass uns mal die Liebesgeschichte weglassen, die ist nervig, die wollen die Kinder nicht sehen, aber wir müssen das auch auffangen, indem wir es kitschiger machen, indem wir es sentimentaler machen und BÄM! Und würde ich sagen, extrem gelobt von der Kritik, wird als Klassiker gesehen, ist wahrscheinlich der erste Scrooge-Familienfilm, Kann man meiden. Kann man genauso meiden wie den von 1949, der nur erwähnenswert ist, weil Vincent Price als Erzähler fundiert. Ich weiß nicht, hast du den geguckt?
Johannes Franke: Nein, ich habe ihn nicht gesehen. Aber ich habe mich ein bisschen geärgert, dass ich ihn nicht noch gesehen habe. Weil Vincent Price natürlich... Der Große.
Florian Bayer: Winston Price war damals noch relativ jung. Es ist kein alter Märchenonkel, der da liest, sondern ein Winston Price aus dem Jahr 1949. Und der Rest drumherum, also man sieht ihn auch nicht so oft, der Rest drumherum ist wirklich eine sehr solide, langweilige TV-Produktion, die auch stark Bühne ist. Mehr Bühne als Film. Kann man skippen. Kommen wir zum School of 1951. Cool. Dem großen Klassiker.
Johannes Franke: Der große Klassiker, ja, der große Klassiker. 1951, das ist tatsächlich so der erste, von dem ich ernsthaft... Erwarte, dass er mir die Geschichte vollständig erzählt und auch richtig dramaturgisch sinnvoll und mit einer technischen... Versiertheit, die dem Jahr und der Art und Weise der Inszenierung, die damals schon herrschte, irgendwie gerecht wird. Und das tut er.
Florian Bayer: Er heißt nicht The Christmas Carol, das tut er auch. Er heißt einfach nur Scrooge. Ist im Jahr 1951 von Brian Desmond Hearst. Ja, tut er das. Offensichtlich tut er es für dich. Erzähl mal.
Johannes Franke: Ich habe nun die 30er-Version nicht gesehen, aber die 51er-Version... Ist ja irgendwie auch nicht umsonst so zu dem Klassiker geworden, den man immer noch ganz lange hergezogen hat, wenn man das Weihnachten sehen will. Das wurde immer wieder wiederholt im Fernsehen und geguckt. Ist auch wirklich eine gute, solide Sache und ich glaube, dass Scrooge in diesem Film einer der... ein Scrooge ist, den ich tatsächlich lange folgen kann, ohne dass ich denke, jetzt ist es aber seltsam.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Also es ist tatsächlich spannend. Ich finde ihn nur so okay. Ich kannte den vorher nicht. Ich habe den zum ersten Mal jetzt gesehen. Ich habe mir viel versprochen von dem Film. Ich habe mir das versprochen, was du jetzt auch gerade gesagt hast, was du erwartet hast. Und ich finde, er macht das alles so solide, aber es hat mich nicht 100% überzeugt. Also was hat mich gestört? Alice Tessim ist ein super Schauspieler.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er spielt das auch wirklich gut, aber er spielt das nicht so, wie ich mir Scrooge vorstelle. Ich finde, das ist eine tolle Rolle, ein toller Charakter, den er hier verkörpert. Aber hier muss ich tatsächlich mal so ein bisschen den Vorlagenfascho raushängen lassen. Wow. Ja, es ist eine super Figur, die durch den Film macht, aber das ist nicht Scrooge.
Johannes Franke: Wer ist es denn?
Florian Bayer: Er ist mir zu koordiniert in seinem Machtstreben und in seinem Reichtumsstreben. Das ist nämlich auch was, was mich an dem Film stört. Ich finde, der Fokus auf das geschäftliche Gebaren im Mittelteil, der ist mir zu groß. Also er macht ja wirklich zum ersten Mal als Film etwas ... was vorher noch kein anderer Scrooge-Film gemacht hat, er baut die Geschichte aus. Und zwar ganz krass. Er nimmt sich wirklich Zeit zu erzählen, wie wurde aus Scrooge dem einfachen Lehrling, der große Geschäftsmann, der mit seinem Partner Marley ein ... Unternehmen, das Bankrott gegangen ist, aufkauft und dann mehr Geld anhäuft und so zum großen Geschäftsmann wird. finde den Fokus ein bisschen merkwürdig für so eine Weihnachtsschichte. Das ist mir ein bisschen zu viel Wall Street und Börsenkrimi.
Johannes Franke: Aber ich finde das wahnsinnig wichtig. Ich glaube, das finde ich an dem Film tatsächlich das wesentliche Gute. Weil ich das Gefühl habe, ich lerne den kennen und weiß... woher das alles so tippeltappeltur kommt und der mit seinem Partner und Marley und wie man anfängt, Scrooge auf eine nicht nur oberflächlicher Art und Weise zu hassen, sondern festzustellen, okay, Da ist wirklich was. Bei vielen Verfilmungen habe ich nur oberflächlich von Scrooge zu sehen bekommen. Ah, Hamburg! und raus hier, ich spende nichts und all dieses Fiese, was so an so die so abstrakt sind, hergestellt wird. Und hier wird mir das wirklich erklärt. Und da sehe ich wirklich, wo Scrooge ist. Ich kann ihn dort abholen, wo er tatsächlich ist. Und weiß, wie schwer das ist, diesem Typen einmal zu entlocken. Dass er sieht, oh, war nicht so geil.
Florian Bayer: Das macht er ja tatsächlich, indem er mehr macht als Charles Dickens. Bei Charles Dickens ist der Scrooge-Charakter ja auch so angelegt, dass er einfach geizig ist und selbstsüchtig und gleichzeitig freudlos. Und hier wird er eben mehr. Hier wird er wirklich zu einem aufstrebenden Geschäftsmann, der nicht einfach nur freudlos ist, sondern der auch sehr viel Freude dabei hat, Reichtum anzuhalten und andere aufs Kreuz zu legen. Und es gibt tatsächlich eine gute Szene, das ist, wenn er bei Marley ist, wenn Marley im Sterben liegt. Das wird auch in der Christmas Past erzählt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Marley dann mit ihm redet, ne?
Johannes Franke: Mhm. Und dann Marley noch versucht irgendwie rauszuquetschen, ah, we were wrong.
Florian Bayer: Scrooge kann es gar nicht fassen und versteht es überhaupt nicht, was Marley ihm da sagen will.
Johannes Franke: Ich finde es eine ganz großartige Szene, weil Scrooge mit einem Sterbenden auf eine Art und Weise redet, der wirklich die ganze Zeit so, hä, jetzt red schon, was willst du sagen? Ja. Reiß dich zusammen. Du stirbst zwar gerade, aber krieg einen geraden Satz raus.
Florian Bayer: Das ist so ein bisschen der Actionheld, der einen Schurken erledigt hat und noch wissen will, wo die Bombe ist und sagt, rede! Bombe ist da. Und Moment, wo das? Ritter der Kokosnussburg von A. Wenn ich sterbe, nehme ich mir doch nicht die Zeit, noch A in die Wand zu kratzen.
Johannes Franke: Ich finde, das zeigt auch eben die Skrupellosigkeit und die Herzlosigkeit dieser Figur. Und das will ich gerne bei Scrooge auch sehen, ohne dass ich nur an Oberfläche kratze. Und nur so ein bisschen was hingeworfen bekomme, von dem ich weiß, das kann ich jetzt hassen.
Florian Bayer: sie, indem sie Teil von einer Charakterentwicklung macht, die plausibel ist. Das stimmt. Ich finde halt dadurch, dass sie diesen Fokus gesetzt haben,
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Geht viel von dem Fantastischen verloren und das zeigt sich eben besonders in den Geistern. Marley kommt total schmucklos daher. Marley trägt keine Ketten. Stimmt. nicht dieses Tuch um den Kopf. Mali ist einfach nur Mali, der da angeflogen kommt. Viel schlimmer noch, der ähm, der ähm, Christmas Past? Das ist ein total langweiliger alter Kerl.
Johannes Franke: Das ist so ein sedierter Jesus.
Florian Bayer: Ja, genau. Und sedierter alter Jesus, das gibt mir einfach nichts. Da fehlt jegliche Fantasie für mich.
Johannes Franke: Das stimmt, da hast du vollkommen recht. Und vor allem, wenn man sich das durchliest, was bei Charles Dickens irgendwie so an Indifferenz geschrieben ist und man Und man sich eben nicht festlegt und die machen halt wirklich ganz klarer... alter weißer CIS-Mann, der, weißt du, so dieses typische, wenn wir nicht wissen, was wir machen sollen, dann machen wir das.
Florian Bayer: Und es ist halt irgendwie dadurch, es ist so ein Fokus auf dem Wirtschafts-Drama und auf dem Charakter-Drama. Mir geht dadurch so ein bisschen der Fokus auf das Fantastische und auf das Schöne verloren. Der Film hat ja auch seine sentimentalen Momente. Ja, total. Diese ganze Cratchit-Geschichte ist halt echt super sentimental und mit Tiny... Timmy, der zehnmal sagt, dass jeder von God bless us, everyone. Es ist so ein merkwürdiges Kontrastspiel, weil wir haben zum einen dieses Charakterdrama, auf dem ein bisschen zu viel Fokus liegt. Dann haben wir ein bisschen zu viel Sentimentalität. Und das ganze bunte, ausufernde, kitschige, freudige, das fehlt irgendwie.
Johannes Franke: Aber ich habe immer bei allen anderen Verfilmungen, nur um den Bogen nochmal zu spannen, Schwierigkeiten zu verstehen, Vom jungen Scrooge, der sich bei der Party von seinem Arbeitgeber noch so wenigstens halbwegs animisiert. Wie kommt das mit seiner Frau dazu, dass er irgendwann das Geld mehr liebt als sie? Sie wirft ihm das einfach irgendwann vor. Und gut ist. Und wir wissen nicht, wie ist das dazu gekommen. Und diesem Film kommt einfach irgendwann ein Arbeitgeber und macht ihm ein Angebot. Und zwar auf eine Art und Weise, die ich total nachvollziehen kann, wo ich sofort denke, ja okay, na klar, so ist der Werdegang. Deswegen schafft er es, irgendwann seiner Frau zu sagen ... Du bist mit der Mitte im Rückstand, hau ab. Oder sowas.
Florian Bayer: Es wird schlüssig erzählt. Ich würde halt einfach mal die Frage aufwerfen, muss es schlüssig erzählt? Ja, natürlich muss es das.
Johannes Franke: Doch, ich bin ein großer Fan von schlüssiger Psychologie einer Figur.
Florian Bayer: Also Overexplaining. Man muss an der Figur nicht zu viel psychologische Geschichte mitgeben. Man kann die Figur auch einfach mal für sich stehen lassen und einen Rahmen aufmachen, in dem der Zuschauer auch spekulieren darf, was ist da passiert, wie ist er so geworden.
Johannes Franke: Aber ich will Scrooge zu Recht hassen können. Und nicht nur so, weil mir das hingeworfen wurde, dass es jetzt die Figur, die wir hassen sollen, sondern ich will sie wirklich hassen, weil ich sehe, was sie tut.
Florian Bayer: Aber der Hass wird da ja durchsicht ja eher so ein bisschen ab. abgefedert, weil du sagen kannst, ah, okay, das ist der Wertegang, ja, kann ich nachvollziehen. Natürlich entsteht dann irgendwann auch so eine Herzlosigkeit und so eine Gier, wenn man eben diese Treppe hochsteigt.
Johannes Franke: Ja, nee, für mich nimmt es nichts weg, sondern es wächst einfach nur die Tiefe der Geschichte.
Florian Bayer: Was ich dem Film gebe, er hat wirklich ein gutes Pacing, was Grusel betrifft. Das stimmt. Mal die wirklich gruseligen, überzeugenden Kinder unter dem Mantel vom Christmas-Present-Geist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist wirklich gruselig zum ersten Mal. Was auch dadurch gelingt, dass die Bilder einfach sehr kontrastreich sind und Es hat einen coolen Look. Also der Film hat einfach eine visuelle Stärke dadurch, dass die Bilder gut sind. Mhm. Und das macht gerade die Grusel-Szenen noch mal besonders stark. Auch der Christmas-Future-Geist mit seinem Finger, der ... sehr gut in Szene gesetzt. Eine Hand wird gut in Szene gesetzt, aber auch spannend, weil die Hand so ein bisschen vorweggenommen wird in der Marley-Sterbe-Szene, wenn Marley mit seinem Finger nach Skrull Und dann auch so den Finger ausstreckt und ihn irgendwie so angreift und versucht diese Szene ist so eine Spiegelung davon fast.
Johannes Franke: Ich finde auch, dass der Geist... Ich meine, sie haben ein schwarzes Laken drüber geworfen, über diesen Menschen, der... Aber diese schwarze Laken haben sie gut nicht beleuchtet, weil du hast immer eine Szene, da ist überall Licht. Du musst ja irgendwie die Schauspieler beleuchten. Aber es dann zu schaffen, das schwarze Laken nicht zu beleuchten und wirklich fast so ein Loch in der Leinwand zu haben. Das war schon wirklich gut. Das haben sie sehr gut hingekriegt. Das ist eine technische Herausforderung.
Florian Bayer: Also tatsächlich, man sieht schon, dass sich so das visuelle Niveau deutlich gehoben hat nochmal zu den vergangenen Filmen. Genau. Und auch für einen Film aus dem Januar 1951 ist das visuell schon stark. Die Geschichte macht es mir halt so ein bisschen kaputt. Es ist mir einfach zu viel Geschäftsgebaren. Wie, 50 Minuten oder so? Ist Christmas past?
Johannes Franke: Ist nur past, ja, das stimmt.
Florian Bayer: Es ist wirklich, wirklich lange viel Zeit für die Vergangenheit von Scrooge.
Johannes Franke: Ich finde, dadurch, dass er so zementiert wird, als dieser... Böse, der irgendwie wirklich in seinen Geschäften aufgegangen ist, nach und nach wird der Fall, den er durchmacht am Ende, schon noch stärker. Ich finde, dass die Fallhöhe dadurch stärker wird. Da funktioniert für mich das so ein bisschen... Bisschen stärker, dass du mit dem mitgehst und denkst, wow, okay, krass und jetzt muss er sich das alles mit ansehen und da ist noch eine Situation, wo... wofür man sich wirklich schämen müsste. Und er steht daneben von seinem Geist dahin gebracht und der schämt sich in Grund und Boden teilweise.
Florian Bayer: Du fandst alles das gut als Scrooge auch, ne?
Johannes Franke: Ich fand ihn schon ganz gut. Es ist trotzdem, also meine Kritik steht für fast alle Filme, dass du einen Scrooge hast, der als zynisch und abgeklärt und als völlig ohne Mitgefühl dargestellt wird und dann lässt er sich von dem Auftauchen des Geistes ins Boxhorn jagen und sagt sofort, oh, Gottes Willen, tu mir nix.
Florian Bayer: Ich mach alles, was du willst. Diese Angst, diese Verzweiflung. Er schafft's auch nicht, dem Scrooge diesen Bemühten, diese Bemühte lakonig zu geben.
Johannes Franke: Genau, das schafft er auch nicht.
Florian Bayer: Und das ist schade, weil das ist einfach, das wäre cool, wenn das mal einen Film schaffen würde.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ich will einen Scrooge, der sich bemüht, lakonig zu sein.
Johannes Franke: Und es wird ein bisschen... Auch in diesem Film lächerlich, weil diese Karikatur, die wir vorhin angesprochen haben, die dieses Buch quasi aus Scrooge macht. Wenn man die versucht, in einer Realverfilmung zu machen, musst du das irgendwie plausibel herstellen. Du musst irgendwie... es schaffen, dass dieser Mensch Sätze sagen darf wie »Are there no prisons?« »Are there no workhouses?« Sonst ist das nur lächerlich. Du musst es irgendwie herleiten, du musst es schaffen. Und dann kommen wir dann später zu den Comic-Verfilmungen, wo es echt, finde ich, leichter geht.
Florian Bayer: Haltet euch das mit dem Karikatur im Kopf und mit den Comic-Verfilmungen. Wir kommen nämlich jetzt... Wir bewegen uns jetzt nämlich langsam in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und einen deutlichen Tone-Shift, was die Scrooge-Verfilmung betrifft. Man könnte sogar sagen, 1954 war für lange Zeit, 1951, Entschuldigung, war für lange Zeit der letzte ernste, eher tendenziell an Erwachsene gerichtete Scrooge, auch wenn der als Familienfilm rezipiert wurde. Es ist trotzdem ein Film, der gerade auch durch den Fokus auf die Geschäftsgeschichte schon sehr stark Richtung Erwachsene zielt. Und dann haben wir 1954 nur kurz angeschnitten, die erste Musical-Verfilmung, ein TV-Musical. will ich auch nur deswegen erwähnen, stand nicht auf unserer Liste, war auch nur eine TV-Verfilmung und war ganz interessant als Variation, weil die Geister von Protagonisten dargestellt wurden. Und zwar war der Geist der vergangenen Weihnacht, war Isabel dieselbe Schauspielerin. Und Scoop sagt sogar, du erinnerst mich an Isabel. Und der Geist der gegenwärtigen Weihnacht ist sein Neffe. Was irgendwie ganz nett ist. Und es gibt ja keinen Geist der zukünftigen Weihnacht, sondern nur einen Vogel, der dann zum Friedhof fliegt. Das ist irgendwie ganz putzig, war das erste Musical. Dient vor allem natürlich als Vorbereitung für, wir kommen zum ersten meiner Meinung nach wirklich ernsthaften Familienfilm. Zum ersten richtig gelungenen, starken und wir machen jetzt Scrooge für die ganze Familie. Und für Weihnachten und mit allem drauf. Wir packen da Kitsch rein, wir packen da Humor rein, wir packen da Grusel und Fantasy rein und wir sind im Jahre 1971 bei Scrooge. Schon wieder Scrooge vom Titel. Bei dem großen Musical, der, sage ich jetzt erst mal durch die Nostalgie-Brille, für mich immer der Weihnachts- Christmas Carol Film war. Das ist für mich die Quintessenz des Christmas Carols Film. Nicht der beste Film, das auf keinen Fall, aber es ist so der, mit dem ich am ehesten das verbinde, weil das auch der erste war, den ich gesehen habe wahrscheinlich.
Johannes Franke: So was.
Florian Bayer: Scrooge, 1970, Großbritannien.
Johannes Franke: Wo ich mir als erstes aufgeschrieben habe, fünf verwachsene Kinder und Jugendliche, die ich auch weggescheucht hätte. Fängt halt an, wie die Kinder da singen, so Christmas Carols halt singen. Und Scooch öffnet die Tür und guckt sich diese furchtbaren Gesichter an und scheucht die weg. Natürlich scheucht er die weg. Hätte ich auch gemacht. Was soll das? Raus da.
Florian Bayer: Und was ist das für ein geiler Scrooge. Albert Finney, ein junger Schauspieler, das muss ich dazu sagen, der richtig jung ist, der Anfang der 30-Jahre ist. 30er ist, jünger als wir. Und er ist hier komplett auf alt geschminkt. Und es ist so fantastisch. Gerade dadurch, dass es ein junger Mann ist, der so alt gemacht ist. Ich liebe diesen Screw. Ich bin so großartig.
Johannes Franke: Es hat so ein ganz eigene Komik. Eine ganz eigene Stilrichtung dadurch, weil er sein Gesicht so verzieht auf eine bestimmte Artweise.
Florian Bayer: Er muss immer krimmig aussehen und böse und ich hasse Weihnachten. Wir sind im Podcast, deswegen kann ich es nicht zeigen. Aber man muss einfach nur die Kiefermuskeln anspannen und alles nach unten ziehen.
Johannes Franke: Oh Fini, bist du das? Ja, Plurs Interpretation sieht sehr gut aus. Leider lässt sich das jetzt nicht übertragen. Nein, der ist also... Was ja auch mit Maske und so weiter. Und ich finde es irgendwie auf eine abstruse Art und Weise nimmt man das einfach an. Ja. Und dann denkt man nicht weiter drüber nach und denkt sich, ja gut, okay, das ist jetzt der, da ist das halt.
Florian Bayer: So. Auf dem Poster stand, also ich glaube, die Leute, die den Film gemacht haben, waren sich dessen sehr bewusst. dem Poster, das für die Filmpremiere stand, what did Dickens have they done to Scrooge? Und das ist dieser Film. Es ist einfach nur so, es ist wie wenn du eine Weihnachtsbaum-Bombe baust. Und die einmal in die Vorlage reinschmeißt. Dann hast du halt ein Musical mit einem total überzeichneten Scrooge. Und mit ... Und ja, der Film ist unfreiwillig komisch an vielen Stellen. Der Film ist albern, der Film ist kitschig, der Film hat so ein paar wirklich dumme Gruselmomente. Ja. Aber es ist genau das, was für mich diese Familienmischung ausmacht. Einfach ein albernes Freudenfest.
Johannes Franke: Absolut. Und ich glaube, der hat sich zum Ziel genommen wirklich alle... Marx alles, was man so zitiert, aus diesem Buch zusammenzufassen. Der hat in den ersten fünf Minuten sagt er sofort Hamburg und immer wieder Hamburg. Ganz wichtig, das gehört dazu, damit man irgendwie, weiß ich nicht, ein Trinkspiel draus machen kann. Definitiv. Und irgendwie verliert er keine Zeit, weil da sofort alles kommt. Da kommen die Christmas Carol Singers, dann kommt sein Hamburg, dann kommt der Neffe, dann kommt das Gespräch mit Cratchit. Das ist alles so... cramped, ganz am Anfang, alles zusammengefasst.
Florian Bayer: Ich finde, der behält auch das Tempo. Der geht ja fast zwei Stunden. Ein super Tempo. Also es passiert einfach ständig was und So albern er ist und so kitschig er ist, man sieht einfach auch nochmal eine Steigerung, was visuelle Möglichkeiten betrifft. Er hat wirklich schöne Bilder, die sind alle so Bisschen in dieses bunte Musical-Ding getaucht. Also wenn zum Beispiel Marley da rumfliegt mit seinen Ketten und dabei so... macht, es ist total albern, aber es sieht gut aus, es ist fantastisch, es ist verspielt und es ist zum ersten Mal, wie gesagt, what did Dickens, did they to Scrooge? Das ist zum ersten Mal so. Wir machen aus der Vorlage jetzt wirklich unser eigenes Ding und das soll Spaß machen. Wir wollen Spaß haben. Das ist das erste Mal, dass ein Cruise-Film wirklich sagt, wir wollen einfach nur Spaß haben.
Johannes Franke: Das ist auch der Film, wo ich das erste Mal so richtig verstehe, welche Stationen das so durchmacht, wo, wo, was mit dem Neffen ist, was mit, mit Cratchit ist und so weiter, weil das da wirklich alles so stationenmäßig ist. abgearbeitet wird. Das wird gezeigt, das wird gezeigt. Und da gibt es ein Lied und da gibt es ein Lied und da gibt es ein Lied. Dafür gibt es ein Lied. Weißt du, das ist sehr, sehr so abgehakt Checkliste, aber nicht zu sehr, dass man irgendwie das Gefühl hat, nur nach einer Einkaufsliste zuzuschauen. Sondern schon gut.
Florian Bayer: Und man sieht auch einfach, sie protzen zum ersten Mal so mit den Kostümen. Wenn sie die Vergangenheit darstellen, dann machen sie das in seinem... Indem sie wirklich ein riesiges Bauernhaus zeigen, in dem ganz viele Leute tanzen, in dem tolle Kostüme zu sehen sind. In dem alles wirklich festlich geschmückt ist. Man merkt, da haben sich Leute wirklich Gedanken gemacht, wie können wir das setzen? so weihnachtlich wie möglich gestalten und so bunt wie möglich und so richtig schön mit Bildern protzen.
Johannes Franke: Und richtig drüber. Wo ich wirklich ganz oft, ich hab ganz oft aufgeschrieben, I'm with him. Alter, wenn du das anschaust, es gibt diesen Song I hate people. Ganz am Anfang. Und ich hasse sie auch alle. Ich hasse diese ganzen Idioten. Nein, ich bin total bei ihm und denke, ja, okay, klar, natürlich.
Florian Bayer: Das ist Weihnachten auf Ecstasy oder auf Speed oder so. Und er ist seine Schwächen, der Geist, der... Der vergangenen Weihnacht ist wieder wirklich lame eigentlich. Es ist eine alte britische Lady, so ein bisschen viktorianisch angezogen.
Johannes Franke: Aber das finde ich wieder süß, dass sie so eine viktorianische Lady dahingestellt haben. Sie macht leider nicht viel. Man könnte sie ausschlachten, man könnte ihr irgendeinen Charakter geben, aber das tun sie ja nicht.
Florian Bayer: Sie redet britisch und sie guckt streng und ernst. Sie ist so ein bisschen Typ... Lehrerin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und irgendwie, ich, nein, dafür ist der Geist in der Vergangenheit, in der Vorlage einfach zu stark und Eigentlich ist es bei jedem Film, den ich gucke, freue ich mich drauf, was machen sie mit dem Christmas-Past-Geist. Wir sind jetzt im Jahr 1970 und bis jetzt hat er es erst einmal wirklich getroffen. diesen Lichtkegel, den ich dir gezeigt habe.
Johannes Franke: Ah ja, genau, der Lichtkegel.
Florian Bayer: Und ansonsten ist es jetzt auch wieder so... Ach, schade. Ihr habt so einen bunten und wilden Film und dann ist das das Beste, was euch dazu einfällt?
Johannes Franke: Ja, leider. Aber ich finde, der hat einfach Spaß damit, mit den Tropes rumzuspielen. Und auch zu zeigen, wie er die Leute da, er geht ins Puppentheater und sprengt die Vorstellung, um dem Typen zu sagen, du schonst mir so und so viel Geld.
Florian Bayer: Und, also was wirklich, also ganz, ganz großartig, dass der Film, das ist... Das Mindset von dem Film wird am besten zusammengefasst beim Geist Christmas Future, der sich nämlich nicht damit begnügt, mit dem Finger zu zeigen, sondern der am Schluss seine Kapuze zurückzieht und dann sehen wir einen Skelettkopf. Dann wird Scrooge in seinen Grab gestoßen und dann landet er in der fucking Hölle. wo er mit Marley redet und Marley sagt, hey, willkommen, ich zeig dir mal dein Arbeitszimmer. Und es ist so... Wir haben einfach Extended Version. 10 Minuten Hölle. Scrooge in der Hölle. Das ist nur geil.
Johannes Franke: Ich find's super, also der hat wirklich ein paar an Stellen ausgebaut, die ich wirklich sehr unterhaltsab und irgendwie so einfach... Ja, wie du schon sagst, auf Ecstasy. Einfach irgendwie zu sagen, wir bauen da jetzt einfach ganz viel Zeug noch mit rein und gucken, was Spaß macht.
Florian Bayer: Und es ist tatsächlich auch ganz interessant, weil 1970 und vieles aus diesem Film, was zumindest was so die Herangehensweise an den Stoff betrifft, dürfte als Vorlage gedient haben für den Muppet-Film, zu dem wir 20 Jahre später kommen.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Er war einfach ... Er ist drüber und der Muppet-Film ist auch drüber und dafür liebe ich ihn. Und ich habe ihn jetzt nochmal mit sehr viel Freude geguckt und ich sehe ja auch so diese ganzen... So diese ganzen unperfekten Momente, diesen Kitsch und diese Albernheiten und wie du schon sagst, man fühlt oft mit Scrooge mit. der durch diese Welt geht, in der alle im Weihnachtshammel sind, als wären sie auf Drogen. Als hätte irgendjemand Drogen ins Wasser gemischt. Aber es ist so geil. Also wenn man in den Weihnachtsrausch kommen will, dann muss man sich diesen Film angucken.
Johannes Franke: Und es ist natürlich schon auch... Allein deswegen sehenswert, weil der Schauspieler eben jung ist und dann auch die junge Version von Scrooge natürlich spielt. Und dann irgendwie haben sie es natürlich auch geschafft, die beiden in ein Bild zu packen, den Alten und den Jungen, was auch technisch natürlich irgendwie eine Herausforderung ist. Ja, auf jeden Fall. Und was irgendwie schauspielerisch, da ist er natürlich auch irgendwie mit dem Pferd durchgegangen, dieses Alte gegen das Junge zu spielen und so, das ist natürlich... Natürlich als Schauspieler, wenn du dieses Angebot bekommst, einen alten und einen jungen gleichzeitig in derselben Film zu spielen, dann bist du natürlich... Wow, danke. Das ist der heilige Gral.
Florian Bayer: Bitteschön. Den hat er nämlich gekriegt dafür. Best Actor in a Musical Comedy. Ach geil. Golden Globe, 1971. Und vier Oscar-Dominierungen hatte der Film.
Johannes Franke: Oh, wow. Auch für Schauspiel?
Florian Bayer: Nee. Vorstellbar.
Johannes Franke: Also es sind wirklich schöne Sachen dabei, weil es irgendwie liebevoll und alle irgendwie Spaß damit hatten. Das ist wirklich toll. Und mit Tiny Tim kommt man da irgendwie auch tatsächlich ganz gut mit emotional.
Florian Bayer: Ja, es ist halt sentimental, ne?
Johannes Franke: Es ist sentimental und ich hatte schon auch so ein bisschen, manchmal so ein kleines bisschen Pipi in die Augen.
Florian Bayer: Nein, wirklich. Echt, bei diesem Film?
Johannes Franke: Ja, bei dem Film.
Florian Bayer: Also ich habe tatsächlich vor allem vom Lachen pipi in der Hand. Also Tiny Tim ist mir einfach zu viel Karikatur von dem armen Waisenknab. Ja. Es tut mir wirklich leid. Es ist nicht das, was mich emotional bewegt an Scrooge. Dafür ist es einfach zu trüber. Und in dem Film auch nochmal. Auch mit diesem, weißt du, der Junge, der dann auch noch lächelt und dann sagt der Papa und der Junge war so gut in der Kirche und war so nett und so alt und er hat das alles so toll gemacht, während er ihn auf den Schultern trägt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es ist einfach too much.
Johannes Franke: Kein Mitzeit für Tiny Timmy. Ich finde es ganz großartig, wie sie seinen Tod feiern. So richtig. Richtig ausführlich. Sie haben eine richtig riesige Musical-Nummer da reingehauen. Und er versteht einfach kein Wort. Sie haben ihn wirklich ganz ignorant gemacht. Er versteht nicht, dass es um ihn geht und er denkt, die ganze Zeit ist irgendwie sie feiern. Aber sie feiern ja seinen Tod und das kriegt er einfach nicht mit.
Florian Bayer: Das ist auch der erste Scrooge, der immer so ein bisschen Alterssenil wirkt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Er trägt so Alterssenilität mit sich rum. Ja.
Johannes Franke: Finde ich aber eine gute Entscheidung eigentlich.
Florian Bayer: Dann steht der da so geil in dieser Zukunft und tanzt so, schunkelt so ein bisschen mit und fängt dann an zu tanzen. Das ist einfach super.
Johannes Franke: Das ist aber allerdings auch der Film, wo ich gedacht habe, ist jetzt... nur Geld seiner Absolution oder was? Oder ist es jetzt wirklich nur noch die kapitalistische Botschaft, dass er jetzt allen Geld gibt und hinwirft und sagt... Merry Christmas, hier sind noch 5 Pfund. So geht's am schnellsten.
Florian Bayer: Der Film hat keine Zeit für andere Menschlichkeiten. Nee, aber guck mal, er tanzt doch auch am Schluss mit den Kindern. Er hat seinen Verstand verloren.
Johannes Franke: Und er lebte, bis er pleite war und starb als alter Mann ohne Geld.
Florian Bayer: Er zieht ein fucking Weihnachtsmann-Kostüm an. Er geht's... Er geht nicht einfach nur zu Bob Cratchit nach Hause. Nein, er geht im Weihnachtsmannkostüm zu ihm nach Hause. Und dann kriegen alle Geschenke. Es ist so doof. Und dann steht da Tiny Timmy noch und denkt so, oh, und für mich nix. Und dann, ich habe noch was ganz Besonderes.
Johannes Franke: Dich hätte ich ja fast vergessen. Und gibt ihm noch dieses riesige Karussell. Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist so. Wirklich dieses Karussell. Ich sterbe, alter Mann. Ich brauche Medizin. Ich brauche dieses karussell.
Johannes Franke: Fuck. Es ist auf jeden Fall, also das ist eine Verfilmung, die ist absolut lohnenswert zu sehen. Einfach aus ein kleines bisschen Trash-Faktor und ein kleines bisschen unfreiwilliger Comic, aber vor allem der Lust ... diesen Film zu machen und der Lust an den Ideen und an dem Spektakel einfach. Das ist schon gut.
Florian Bayer: Einmal richtig Spaß haben. Das war das Ziel. Und damit wurde wahrscheinlich die Geschichte der Christmas-Carol-Verfilmung neu geschrieben. In Folge ... haben ja einige Filme, die versuchen Spaß zu haben. 1971 lustigerweise nicht.
Johannes Franke: Ja, das ist ja dann schon wieder die andere Richtung so ein bisschen.
Florian Bayer: Krasser Kontrast von Richard Williams. der ein großer Zeichner war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der hat unter anderem als Animation-Director bei Roger Rabbit geschrieben.
Johannes Franke: Ah, verstehe.
Florian Bayer: Also der war einfach, genau, und hat dafür auch einen Oscar gekriegt für beste visuelle Effekte. Genau, wir haben A Christmas Carol aus dem Jahr 1971, einen 28-minütigen Zeichentrickfilm. der auch ebenso Oscar prämiert ist. Eigentlich fürs TV produziert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann ist der aber so gut angekommen, dass sie gesagt haben, okay, dann machen wir mal noch schnell Kino. Damit er für die Oscars laufen kann. Und zack, 1973, Oscar für den besten animierten Kurzfilm.
Johannes Franke: Ich habe bei dem gedacht, dass es eine Comic... Interpretationen wirklich sehr gut ist dafür, weil du einer Comicfigur viel mehr... Du gehst viel mehr mit, zu sagen, okay, der haut jetzt aus dem Nichts heraus irgendwelche fiesen Sachen raus. Weil das entkoppelt ist von der Realität einfach. Und du kannst es viel allegorischer sehen, du kannst viel mehr die Metapher in der ganzen Geschichte so sehen, als wenn du einen realen Schauspieler... vor dir hast und da finde ich es eben gelungen dass er wirklich dann einfach einfach fieser typ ist so und Und die Zeichnungen sind hervorragend und die haben echt ein paar schwindelerregende Effekte. Wow.
Florian Bayer: Am Anfang allein schon gibt es so diese Kameradrehungen über London, kopfüber und durch die Häuserschluchten. Die wird wirklich schwindelig.
Johannes Franke: Ja, du musst es wirklich mal sehen. Also schaut euch das mal an. Es sind 28 Minuten. Es lohnt sich. ja einfach, egal ob der Film wirklich gut ist oder nicht, schaut es euch einfach mal an, nur alleine der Effekte wegen, die sie da gezeichnet haben mit diesen Kamerafahrten von einer Szene in die nächste.
Florian Bayer: Es gibt so krasse Zooms auf die Gesichter. Ja, genau. Es ist alles so ein bisschen in Bewegung und es wird einem manchmal wirklich schwindelig und es gibt ganz extremen. Es gibt merkwürdige Blenden. Es hat alles so ein bisschen diesen AC-Faktor. Darüber kann man auch sprechen. streiten, ob das jetzt geil ist oder ob das auch so ein bisschen selbstverliebt Kunstgewichse ist?
Johannes Franke: Es ist selbstverliebte Kunstgewichse, aber ich mag sie.
Florian Bayer: Ja, es sieht wirklich gut aus und es ist wirklich eine spannende visuelle Umsetzung. die sich tatsächlich auch ganz stark an den Originalzeichnungen inspiriert. Ja, genau. Von den Originalzeichnungen inspiriert aus dem 19. Jahrhundert. Um nochmal ganz kurz zu John Leach zurückzukommen. Man findet online die Illustrationen aus dem Buch, von der ersten Ausgabe. Die findet man dann, wenn man einfach danach sucht. Und es sind wirklich düstere Zeichnungen teilweise. Es sind wirklich düstere und abgefuckte Zeichnungen.
Johannes Franke: Teilweise. Es gibt ein paar schönere.
Florian Bayer: Es gibt ein paar schönere, aber ich finde schon, die meisten haben sowas nicht abgefuckt. Abgefuckt ist das falsche Wort. Bizarr. Es sind teilweise wirklich bizarre Zeichnungen dabei, weil sie alles so ein bisschen verformt sind, so deformiert. Das sind keine realistischen Bilder und zeigen aber halt die Situationen. Und man sieht, dass der Film sich davon hat inspirieren lassen. Und das ist ihm wirklich gut gelungen. Es sind teilweise wirklich krasse Bilder dabei.
Johannes Franke: Da finde ich den ersten Geist eben auch ganz gut.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist mein liebster Geist auf The Christmas Past.
Johannes Franke: Ja, das kann gut sein.
Florian Bayer: Es ist das erste Mal, dass sie diesen Gedanken aus dem Buch wirklich getroffen haben. Der ist so anamorph, mehrere Gesichter manchmal.
Johannes Franke: Ja genau und irgendwie so luzides hin und her wabern, dann ist er mal ein Stückchen weiter links und mal ein Stückchen weiter rechts. Du kannst ihn nicht greifen. Ich finde es super.
Florian Bayer: Und es ist auch so zwischen Mann und Frau, das haben sie auch geschafft, diese Übergeschlechtlichkeit von diesem Geist einzufangen. Also ich war wirklich beeindruckt. Und den Film habe ich jetzt auch zum ersten Mal gesehen. Ich bin bei der Recherche drauf gestoßen. Ich wusste nicht, dass es diesen Film gibt vorher. Und es ist auch kein Familienfilm. Obwohl es ein Zeichentrickfilm ist, ist es definitiv eher... Ein älteres Publikum gerichtet der Scrooge-Film. Es hat mich total ungehauen, wie gut die diesen Geist getroffen haben, Gerade weil ich davor so viele Versionen gesehen habe, die es halt einfach nicht geschafft haben. Und dann kommt ein Zeichentrickfilm und macht wirklich genau das, was die Vorlage auch macht. ein undefinierbares Wesen darzustellen. Mit mehreren Armen, mehreren Köpfen manchmal ... Immer so wabernd ineinander.
Johannes Franke: Das ist super. Allerdings muss ich sagen... hat es damit auch schon fast sich erschöpft mit den guten Sachen, weil ich finde, dass ich emotional mit der Geschichte überhaupt nicht mitgehe.
Florian Bayer: Es ist kein emotionaler Film, ne? Ja.
Johannes Franke: Also ich komme da nicht rein in die Geschichte und kann nicht so richtig, natürlich kann ich Stationen abhaken und so. Aber eigentlich interessiert mich nichts davon emotional. Ich gucke gerne zu, aber das war es auch schon.
Florian Bayer: Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Ich hatte bei dem Film ein ähnliches Gefühl. Es hat mich vom... Feeling ein bisschen erinnert an den Herr-der-Ringe-Zeichen-Trickfilm. Aha. Der von Ralph Bakshi, der ja auch ungefähr aus der Zeit ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der mit einem ganz anderen Verfahren und so gearbeitet hat, aber der auch in so einem Zeichentrickset-up so sehr auf die visuelle Stärke gesetzt hat. Und dabei wenig Gefühl rübergebracht hat. Es stört mich tatsächlich nicht, weil es nicht das ist ... Also dadurch, dass ich am Anfang durch diese Kamerafahrten, durch diese Drehs und Zooms da so reingeworfen werde, ist es nicht mehr das, was ich von dem Film erwarte. muss von diesem Film nicht emotional gestreichelt werden. Das ist total okay, wenn er mich visuell beeindruckt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das schafft er die ganze Zeit.
Johannes Franke: Aber dann ist es mehr ein Galeriefilm, ne? Also dann hast du mehr so ein, komm, du sitzt mit dem Wein da und sagst, oh, Günstler, großer Günstler.
Florian Bayer: Naja, das ist so, ich genieße ihn, ohne mich dabei rumzuposen. Also es sind auch wirklich Bilder, die treffen zum Beispiel die Ignorance und Want untermantelt vom Geist der gegenwärtigen Weihnacht sind super umgesetzt. Die haben gar keine Augen, die haben einfach nur Höhlen. Schwarze Höhlen. Dieser Horroraspekt hat es einfach gut getroffen. Er trifft so viele andere Sachen richtig, dass ich das Emotionale, was mir ja sowieso oft zu sentimental ist, also vor allem die Tiny Team Geschichte, dass ich das nicht unbedingt brauche.
Johannes Franke: Aber mich interessiert eigentlich auch überhaupt nicht, was mit Scrooge ist und was nicht. Die Geschichte tritt für mich so weit in den Hintergrund, dass ich wirklich fast nur nach dem einem Galeristen dabei zuschaue, der mir das ein Bild nach dem anderen präsentiert. Also wirklich, ich habe davon nicht mehr viel und ich sitze am Ende da und denke mir, aber was wollte mir der Film erzählen?
Florian Bayer: So sehen gute Bilder für ein Christmas Carol aus. Für mich visuell wahrscheinlich der stärkste Christmas Carol Film. Aber ja, ich gebe dir mit, es ist kein Film, der emotional bewegt. Es ist kein Film, der die Geschichte... besonders originell erzählt. Es ist eine klassische Christmas-Carol-Geschichte. Wenn du drauf guckst, ist es so sehr barebone. Das Nötigste von ... Von Charles Dickens und auch wirklich schnell abgehakt, weil es nur 30 Minuten sind. Und ohne viel drumherum und dadurch... fehlt ihm halt zum Beispiel die psychologische Tiefe, die der 51er-Film hat, ihm fehlt die Fröhlichkeit, das Ausgelassene, was der 71er-Film hat und ihm fehlt auch so ein bisschen dieses emotionale Epizentrum, was zum Beispiel der Film von 1935 hat.
Johannes Franke: Wir sind fast wieder bei 1901. Weißt du, du showcased, was du für visuelle Möglichkeiten hast. Aber eigentlich die Geschichte richtig zu erzählen, haben sie nicht hingekriegt.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich finde, sie haben die Geschichte so geschafft zu erzählen, dass ich sie wiederfinde. Und ja. Das ist ein Film, den man wegen der Schauwerte guckt. Aber dafür lohnt es sich auch.
Johannes Franke: Ja, also das gebe ich dir natürlich absolut recht. Die Schauwerte sind da, was die visuelle Komponente betrifft. Ganz im Kontrast zu dem Jim Carrey, aber das gucken wir auch noch später.
Florian Bayer: Ganz interessant, dieser Film ist dafür verantwortlich, dass bei den Academy Awards nicht mehr Filme nominiert werden dürfen, die vorm Kinostart im Fernsehen gelaufen sind. Das fanden nämlich einige Leute aus der Filmindustrie richtig doof, dass der Film für einen Oscar nominiert wurde und den auch gewonnen hat, nachdem er im Fernsehen lief und dann erst ein Kinoveröffentlichung gekriegt hat. Und daraufhin hat die Academy ihre Policy geändert und gesagt, okay, ab sofort Filme, die zuerst im Fernsehen laufen und dann im Kino, sind ausgeschlossen. Du musst zuerst einen regulären Kinostart haben.
Johannes Franke: Jaja, der Film wird ja auch schlechter, wenn er im Fernsehen läuft.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Völlig logisch.
Florian Bayer: Und jetzt kommt Netflix und pinkelt sie alle an. Machen wir einmal Love Day im Kino und danach dürfen ihn alle Zuschauer gucken.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Leckt uns, Academy. Wir sind jetzt tatsächlich in so einer kleinen Zeichentrickreihe. Ich habe kurz reingeguckt im Kompletter Gegenentwurf. 1982 gab es einen australischen Zeichentrickfilm fürs Fernsehen.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und der ist einfach nur cheap. Also wenn du nochmal wissen willst, warum der 1971er als Zeichentrickfilm so gut ist. Ja. Kannst du dir als Kontrast dazu den australischen Christmas Carol von 1982 angucken, der wirklich schlecht ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann kommen wir zum zweiten großen Zeichentrickfilm, zum Mickey's Christmas Carol.
Johannes Franke: Mickey's Christmas Carol.
Florian Bayer: Wir sind nicht mehr im Kino, jetzt sind wir wirklich im Fernsehen gelandet. Ja. Im Jahr 1983 hat die Walt Disney Company gedacht, Moment, also eigentlich haben wir jetzt alles, was es so gibt, an klassischen Märchen umgesetzt. Was fehlt uns denn da noch?
Johannes Franke: Was fehlt denn da noch?
Florian Bayer: Jetzt müssen wir mal gucken, was wir noch alles so finden. Bernie Mattinson hat dann als Regisseur einen 25-Minüter-Gemacht fürs Fernsehen, Mickey's Christmas Carol, Mickey's Weihnachtserzählung. und Bernie Mattinson ist ein Veteran, was das in den Zeichen trägt. trifft. Der war bei allem dabei. Bei Sleeping Beauty, bei 101 Talamantina, bei Die Hexe und der Zauberer und Dschungelbuch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ich finde, das sieht man auch an den Filmen.
Johannes Franke: Ja, wobei die Rezeption ja schon so ein bisschen, also die... Die Stimmen danach waren schon so ein bisschen, dass sie nicht den absoluten Peak erreicht haben, den sie in den anderen Filmen kriegen. Also, dass man so mit 25 Minuten... Dass das wirklich wie so ein typisches Christmas Special, wie das oft so ist, auch heute noch. Von Serien, die sonst sehr beliebt sind und wenn du dann so ein Christmas Special bekommst. ist das vielleicht doch eher das Tiefe als das Hoch einer Serie.
Florian Bayer: Wie siehst du das denn? Also wo steht der für dich im Christmas-Carol-Pathion?
Johannes Franke: Und für mich ... Ganz im Gegensatz zu den kritischen Stimmen ist das wirklich einer der tollsten Mickey Mouse, Christmas, Walt Disney Sachen, die es gab. Ich liebe dieses Ding.
Florian Bayer: Ich verstehe diese Kritik auch nicht. Ich finde, der hat dafür, dass er 1983 ist, wir befinden uns in einer Zeit, in der Disney wirklich geschlingert hat. Die haben einige Filme gemacht, die kein Erfolg waren. und die komplett weg waren von dieser klassischen Disney-Atmosphäre. Und dieses kleine 25-minütige TV-Special bringt es nochmal zurück.
Johannes Franke: Absolut, 100 Prozent.
Florian Bayer: Den Geist von Fantasia, den Geist von Sleeping Beauty und Schneewittchen. Sie haben aber auch alle Figuren, ne?
Johannes Franke: Sie haben auch einfach alle Figuren auftauchen lassen, die irgendwie dafür verantwortlich sind, dass man so nostalgisch drauf schaut. Man denkt sich, ah stimmt und da ist ja auch noch diese Figur. Und Jiminy Cricket und diese ganzen süßen Dinger, wo man denkt, ach stimmt, und den Film wollte ich ja auch nochmal gucken.
Florian Bayer: Und nochmal, um das in Erinnerung zu rufen, wir befinden uns im Jahr 1983 und ich wusste nicht, dass der Film von 1983 ist. Ich habe das jetzt erst noch mal gesehen, dass der so neu ist. Also neu ist viel gesagt. 1983 ist auch 40 Jahre her. Ich hätte den eher in den 60ern oder so verortet, einfach weil der wirklich so schön klassisch Disney ist. Das ist ein Silly-Symphony-Film aus einer Zeit, in der es Silly-Symphony nicht mehr gab. Und das ist toll, das liebe ich daran.
Johannes Franke: Und man merkt es auch an der Art und Weise, wie es gezeichnet ist und es ist sehr liebevoll und es ist sehr detailreich und es ist wirklich... So ein, da sind alle, man hat das Gefühl, es ist ein Klassentreffen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und es ist tatsächlich, es ist die erste wirklich gute reine Kinderversion der Geschichte, das
Johannes Franke: Das kommt nicht dazu.
Florian Bayer: Weil der 70er Musical-Scrooge war eben doch für die ganze Familie. Und das hier hat ganz klar als Zielpublikum Kinder. Das heißt, der Horror ist raus.
Johannes Franke: Und ich finde ganz toll, wie Scrooge, der übrigens wirklich Scrooge McDuck heißt, weil Scrooge Scrooge ist,
Florian Bayer: Es konnte niemand anderes diese Rolle spielen aus dem Disney-Universum.
Johannes Franke: Ganz klar. Und der wird wahnsinnig gut eingeführt. Und es wird alles sehr schön... erzählt, welche Sparmethoden er hat und wie er damit umgeht, mit den Leuten umgeht. ganz wunderbar Humbug sagt und Donald kommt dann und ist auch nicht, man kann seine gute Laune nicht trüben. Und ja, als Neffe den dann einlädt.
Florian Bayer: Mickey Mouse darf Cratchit sein. Hat übrigens schon eine kleine Nebenrolle. Leider. Obwohl es Mickys Weihnachtsgeschichte heißt. Aber natürlich soll Mickey Scrooge. Spielen funktioniert nicht.
Johannes Franke: Nein, es geht nicht. Insofern, was ich noch viel schader finde, trauriger finde, ist, dass Minimaus dann dazu verdonnert ist, da irgendwie als... Die hatten was aufgenommen, die hatten Dialogzeilen für Minimaus, aber die sind nicht im finalen Schnitt gelandet.
Florian Bayer: Das ist wirklich traurig.
Johannes Franke: Sehr schade.
Florian Bayer: Was mich aber noch viel fertiger macht bei den Frauenrollen, ist, dass Isabelle, Love Interest von Scrooge, von Daisy Duck gespielt wird. Das geht doch nicht, weil Daisy Duck ist doch... Die gehört zu Donald. Die gehört zu Donald. Die kann doch nicht. Das geht doch nicht. Das ist wirklich merkwürdig. Da macht sich für mich wirklich so ein Problem. Blimmfeld auf. Nein, das geht nicht.
Johannes Franke: Ja, du bist so tief drin im Game. Ja, definitiv. Das sind alles Schauspieler. Das ist nicht die richtige Daisy Duck. Daisy Duck ist eigentlich mit Donald Duck Aber sie spielt das. Und Donald ist auch nicht eifersüchtig, weil sie das spielt. Okay?
Florian Bayer: Aber Donald darf der wirklich fröhliche Neffe sein von Scrooge McDuck und in seinem großen Donald-Ton fröhlich übernachten. wünschen und man ist direkt verzaubert, wenn man das sieht.
Johannes Franke: Und ich finde auch seine Argumentationskette ist so wunderschön. if you give money to the poor, they aren't poor anymore, dann hättet ihr keinen Job mehr. Genau.
Florian Bayer: Super, absolut stimmige Logik. Total. Genau, Klassentreffen. Ja, Mali ist goofy. Wie gesagt, der Horror ist weg.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Ufi kommt da rein als Mali und stolpert erst mal und wir haben Slapstick.
Johannes Franke: Ein Slapstickfest, das ich liebe. und da stolpert nur über das eine und das andere und dann fällt er noch die Treppe runter, auch Sehr schön alles vom Timing her. Die haben alles perfekt, so wie es einfach sein muss. Man denkt die ganze Zeit, ja, genau das. Genau so.
Florian Bayer: Ich finde es toll als Kinderfilm. Aber es ist natürlich ein bisschen schade, dass sie eben das nehmen, was sie haben. Und das wird auch später beim Mappe-Film für mich auch noch mal so ein kleiner Kritikpunkt. Dadurch... wird das alles so ein bisschen zu sehr entschärft. Also ich finde Jiminy Cricket toll.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es ist natürlich kein geiler Geist der vergangenen Weihnacht.
Johannes Franke: Ja, ach.
Florian Bayer: geschenkt. Es ist halt die nette Heuschrecke aus Pinocchio. Ja, genau. Und, gut, Christmas Present haben sie dann einfach einen traditionellen Riesen genommen.
Johannes Franke: Genau. Was ich so süß finde, weil der so eine Straßenlaterne nimmt als Taschenlampe. Der ist auch echt cool.
Florian Bayer: Der ist echt niedlich gemacht, süß, putzig, kann ich auf jeden Fall kaufen. Christmas Future finde ich richtig doof, dass das Kater Carlo ist am Schluss. Er ist ein ganz klassischer Geist der zukünftigen Weihnachten. Am Schluss zieht er die Kapuze weg und dann ist es ein lachender Katakalo. Das finde ich wirklich oll. Das hat mich gestört.
Johannes Franke: Aber wenigstens ein fies lachender Katerkater.
Florian Bayer: Ja, aber es ist so, nein, lass die kaputt. Macht es nicht. Ihr müsst nicht noch den großen Bösewicht aus allen Disney, aus allen Silly Symphonies mit reinpacken. Cata Kahlo hätte da nicht mit reingemusst.
Johannes Franke: Aber sie sind schon auch gruselig geworden mit diesem brennenden Grab. Also es ist schon ein bisschen was drin.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich der erste Christmas Carol Film, den mein Sohn gesehen hat. Den habe ich mit meinem Sohn zusammen geguckt. Irgendwann im Herbst, als die Weihnachtszeit angefangen hat, so Oktober, wenn Weihnachten anfängt. Und er fand ihn sehr schön und ich hatte auch wieder Spaß und es ist natürlich toll, auch wieder so ein Film, wenn man den dann mit leuchtenden Kinderaugen nochmal neu sieht, ist es einfach großartig.
Johannes Franke: Schön, ja. Und Mickey wird am Ende Partner. Er kriegt nicht nur eine Gehaltserhöhung, sondern wird er Partner.
Florian Bayer: Das ist ganz cool. Scrooge darf hier wirklich was Sinnvolles machen. Meist nicht mit Geld um sich, sondern erfindet tatsächlich eine Möglichkeit, das Klassenproblem zu überwinden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Weil davor sind wir halt doch in dieser klassischen amerikanischen Mentalität immer die Reichen, die den Armen spenden. Aber hier hat Mickey hart gearbeitet und hat es verdient, aufzusteigen. Wird Partner, genau. Es ist fast eine sozialistische Utopie, die am Schluss aufgeworfen wird.
Johannes Franke: Tada! Ja, da finde ich es auch alles irgendwie folgerichtig und in sich, dadurch, dass es ein Comic ist und dass man diese Überspitzung, die das ja alles hat, die das einfach immer die ganze Zeit mit sich rumzieht. trägt, funktioniert hier einfach ganz wunderbar. Also da gibt es einfach keinen... Ach, das ist jetzt aber unrealistisch oder so. Sowas gibt es da halt einfach nicht, weil du hast einen Comic. Was willst du da rummeckern?
Florian Bayer: Viele Freiheiten. Der nächste Scrooge-Film, den wir uns anschauen, der hat sich noch mehr Freiheiten genommen. Der hat nämlich einen Scrooge, der nicht Scrooge heißt und einen Mali, der nicht Mali heißt. Ah. Und ein Scrooge, der kein alter, geiziger Sack ist, sondern ein TV-Produzent.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Wir sind im Jahr 1988.
Johannes Franke: Reden wir über Bill Murray.
Florian Bayer: Scrooged.
Johannes Franke: Also, es ist so. Natürlich gab es sehr viele Verfilmungen bis dahin und dann will man etwas anderes machen. Man will vielleicht irgendwie... Wann war der? 1988.
Florian Bayer: 1988, ich hab ihn in die 90er gestellt in meinem Kopf. es ist auch wirklich eher End-80er, Anfang-90er.
Johannes Franke: Ja, also vom Feeling her. Ich glaube, der trägt schon viel mit, was später in den 90ern noch so kam. Und Bill Murray, ich habe den Film viel besser in Erinnerung, als er am Ende wirklich war. Ich bin ein bisschen enttäuscht gewesen.
Florian Bayer: Ja, es ist bei der Kritik auch kein so beliebter Film. Für mich ist es die definitive 80er- Blockbuster-Version der Geschichte. Mit allen Fehlern, die sie mitschleppt. Weil es ist ganz merkwürdig, weil es ist kein, es ist nicht mehr so viel Familienfilm, wie die da vor, obwohl er sich so viele Freiheiten nimmt und auch das alberne und das kitschige viel mehr betont. Er ist alberner als die Scrooge. Er ist kitschiger als die Scrooge davor. Aber er hat ganz viele Momente, die einfach nicht so familientauglich sind, weil er halt auch gleichzeitig versucht, edgy zu sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dieser Scrooge, den wir hier vor uns haben, eben Bill Murray als Francis Cross... Er ist ein wirklich zynischer Mistkerl. Und er ist so ein bisschen den Bemery, den man auch aus Groundhog Day und täglich Grüßt das Murmeltier kennt. Oder aus Ghostbusters. So ein bisschen sexistisch, so ein bisschen herablassen. Zynisch. Mobbing. Es ist echt ein Arschloch. Und es ist ein Arschloch auf eine andere Weise, als wir den Scrooge sonst kennen.
Johannes Franke: Was ein guter Spin ist, ne? Auf sowas. Absolut. Und Es ist natürlich immer so eine Mediensatire, ist natürlich großartig als Spielwiese für sowas. Finde ich eine tolle Idee. Mein Problem mit dem Film ist so ein bisschen, dass er in diesem Sexismus hängen bleibt. Total. Das wirklich nicht geil ist. Und da dann irgendwie auch dieser Spin, den er dann am Ende nimmt... was ja in der Geschichte einfach drin ist, der erlebt so viel Scheiße, dass er irgendwie dann doch gut aus der ganzen Sache wieder rauskommt und irgendwie ganz toll ist, dass er dann irgendwie einen halbstündigen Monolog am Ende hat. Boah, den ich echt zum Kotzen finde irgendwann.
Florian Bayer: Ja, ich mag ihn tatsächlich. Ich finde diesen Schlussmonolog... Der ist total drüber, der ist total albern. Weil das Kitschige einfach nochmal so überbetont wird, das Sentimentale. Das ist auch der erste Scrooge-Film, bei dem die Liebesgeschichte in Happy End Kriegen nachgezogen ist.
Johannes Franke: Was ich aber auch schlecht schlimm finde.
Florian Bayer: Dieser Scrooge, dieser Cross kommt am Schluss mit seiner Angebeteten, die er verloren hat wegen seiner Gier, wieder zusammen. Es ist sentimentaler als alles das, was vorher da war.
Johannes Franke: Und dann versuch mal dir vorzustellen, dass alle Szenen mit ihr, mit seinem Love Interest zusammengeschnitten sind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn du die zusammenschneidest, dann kommen nur solche idiotischen Gespräche zustande wie, es ist alles scheiße hier und sie guckt ihn an und sagt, du bist Teil. Was soll das? In jeder Pore ihres Körpers sagt sie die ganze Zeit, ich nehme dich jederzeit zurück, sobald du auch nur mit den Fingern schnippst. Was? Was? Was?
Florian Bayer: Und es ist nicht das Schlimmste, was sie mit den Frauenrollen in diesem Film machen. Es gibt ja diese Zensurbeauftragte, Die so als die klassische, ich sag's jetzt mal böse, ungefickt so verknöcherte Frau gezeigt wird, die keine Freude am Leben hat und die halt erstmal eingeführt wird tatsächlich als nerviger Charakter, der halt die ganze Zeit sagen muss, wir wollen aber hier keine Nippel im Fernsehen sehen. Mhm. Und die dann am Schluss diese merkwürdige Szene kriegt, wo sie sich auf den Typen... Es ist schrecklich. Den vermeintlichen Scrooge-Nachfolger und den dann abknutscht, obwohl er nicht will und es ist so daneben. Und ich weiß ganz genau, dass ich das
Johannes Franke: Dass ich das als Kind total witzig fand.
Florian Bayer: Ich fand das als Kind auch witzig, natürlich.
Johannes Franke: Und das erschreckt mich.
Florian Bayer: Ja. So wurden wir sozialisiert. Das ist das Frauenbild der 80er Jahre, mit denen wir groß geworden sind.
Johannes Franke: Meine Güte. Und was er auch an Sprüchen lässt. Ich bin sicher, ich habe über so viele Sachen ganz böse gelacht.
Florian Bayer: Ja, ich auch.
Johannes Franke: Es ist einfach nicht gut.
Florian Bayer: Es ist edgy und es versucht edgy zu sein und es ist dabei vor allem sexistisch und in sehr, sehr, sehr, sehr anachronistischen Bildern verhaftet. Kommen wir dazu, was Gutes an dem Film.
Johannes Franke: Aber es gibt wirklich gute Sachen an dem Film.
Florian Bayer: Ich liebe den Film. Ja, er ist moralisch teilweise wirklich grenzwertig. Ich finde Bill Murray großartig. Bill Murray hatte einen ständigen Twist mit Richard Donner. Der Regisseur war von dem Film. Richard Donner ist der 80er-Blockbuster-Regisseur. Der hat Toonies gemacht und Lethal Weapon. Ja. Und ist aber eigentlich kein Comedy-Regisseur. Und Bill Murray hat auch gesagt, ich glaube nicht, dass Richard Donner so gut Comedy kann.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und Bill Murray war total genervt von Richard Donner. Der hat mehrmals in Interviews nachher gesagt, ey, das war so schlimm. Und das hat so genervt. Und ich will Comedy machen. Ich will Adlib machen. Bill Murray improvisiert in seinen Filmen. Das ist einfach seine Art. Und Richard Donner hat das versucht einzufangen und so haben sie sich ständig in den Haaren gelegen.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und Mary hat gemeint, Misery, so hat er die Dreharbeiten bezeichnet. Oh Gott. Der hatte nach Ghostbusters eine lange Pause gemacht, weil er keinen Bock mehr hatte auf Filme.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und hat an dem Film nur mitgemacht, unter der Bedingung, dass er das Drehbuch nochmal umschreiben darf. Genau. Und hat es dann mit Leuten, mit denen er vorher gearbeitet hat... Hat er das Drehbuch nochmal umgeschrieben, damit es mehr Comedy ist. Und hatte wirklich Hoffnung, dass das ein lustiger Film wird. Und muss dann wohl beim Dreh festgestellt haben, Richard Donner kann kein Comedy. Richard Donner wollte immer, dass er es laut spielt.
Johannes Franke: Ja, genau. Lauter, lauter, lauter. Lauter schreit.
Florian Bayer: mehr, mach mehr. Und Bill Murrays Take auf den Film war, das hätte wirklich ein witziger Film werden können, wenn nicht Richard Donner gewesen wäre. Lustig, dass Richard Donner immer mal wieder gesagt hat, hey, das hat super geklappt. Also Bill Murray ist schwierig, aber alle Schauspieler sind schwierig, vor allem Comedians. Aber es waren gute Dreharbeiten, war alles gut. Ich bin zufrieden mit dem Ad-Produkt. Bill Murray sitzt da Haare raufen in den Talkshows und sagt, was für ein Albtraum die Dreharbeiten waren. Finde ich großartig. So zur Entstehung.
Johannes Franke: Ich glaube, ich kann Bill Murray gut verstehen.
Florian Bayer: Ich finde, es funktioniert. Man sieht oft, dass Bill Murray mehr macht, als er eigentlich will. Ja. wenn er so rumschreit und wenn er so drüber ist. Aber es gibt genug Szenen, in denen Bill Murray einfach nur Bill Murray sein darf. So zynisch, ein bisschen abgefuckt, ein bisschen einen lockeren, blöden Spruch auf den Lippen. Ich mag diese Scrooge-Variante, auch wenn es nichts mit Scrooge zu tun hat.
Johannes Franke: Aber ich muss wirklich sagen, Bill Murray kann bei weitem nicht zu dem auffahren, was er eigentlich kann. Und das merke ich halt die ganze Zeit. Das stimmt tatsächlich. Er hat die ganze Zeit so gedeckelt und irgendwie kann er nicht ausrasten. Er kann nicht raus aus dieser Zwangsjacke, die er da hat. Das geht einfach irgendwie ins Leere. Das ist schade.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt genug Mary-Momente. Es ist nicht der beste Bill-Mary-Film, auf keinen Fall. Es ist nicht der beste Bill-Mary-Auftritt. Es gibt genug Mary-Momente.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann mag ich auch tatsächlich diese Geschichte, dass unser Scrooge eben dieser TV-Produzent ist, der Weihnachten tatsächlich geil findet. Er sagt, er liebt Weihnachten, weil die Leute alle vor ihren Fernsehern sitzen. Und macht dann einen total irren Trailer für ein Meta-Ebene-Scrooge-Stück, das sie auch führen. Wo er sagt, es gibt Krieg da draußen, es gibt Verstümmelungen, ihr müsst Scrooge gucken, sonst werdet ihr alle sterben.
Johannes Franke: Und wenn man sich anguckt, was da geboten ist. Das ist natürlich ganz klassisch von den Kostümen und allem. Und plötzlich hast du so eine tanzende Mädchentruppe. Was zur Hölle passiert da?
Florian Bayer: Wo man so die halben Nippel sieht. Weil die Kostüme so ganz knapp geschnitten sind.
Johannes Franke: Und da gibt es diese ganz schlimme, woran ich das festmache, weil es leider einfach nicht mehr ist. Es funktioniert heute einfach nicht mehr. Du kannst nicht sagen, sie sagt, du kannst nicht ihre Nippel zeigen und er sagt, ich will aber ihre Nippel sehen. Willst du nicht auch ihre Nippel sehen? Du willst auch ihre Nippel sehen. Charles Dickens hätte gerne ihre Nippel gesehen. Was? Das geht nicht. Nee, irgendwie, ich weiß nicht. Es war bestimmt damals wahnsinnig witzig, aber irgendwie ist es nicht mehr, geht nicht mehr.
Florian Bayer: Ich finde halt, er wird wirklich als zynischer Arsch etabliert. Es gibt dann ja auch diese Szene, wo sie die Maus haben, der sie im Geweih festnimmt. machen sollen.
Johannes Franke: Ja, und er sagt, tackerts fest. Ja.
Florian Bayer: Das ist schon alles witzig. Und die Geister sind da natürlich auch so komplett drüber. Komplett anders. Nichts mit der Vorlage gemeint.
Johannes Franke: Ich liebe den Taxifahrer.
Florian Bayer: David Johnson, das ist ein Punk-Sänger. Ja, das ist großartig. Und er ist so ein abgefuckter, komplett kaputter Typ. und mit verfaulten Zähnen und er hat einfach nur Spaß dran.
Johannes Franke: Er ist wundervoll. Er hat die ganze Zeit, grinst er so vor sich hin und freut sich über das, was er machen darf. Und fährt mit dem Taxi, a la zurück in die Zukunft, mit dem Auto.
Florian Bayer: In die Vergangenheit. In die Vergangenheit. Also Scrooge wird eigentlich immer entführt, also in der Originalgeschichte ist es so, dass er beim ersten Geist nicht so wirklich mit will und hält sich dann fest, dann wird er mitgerissen. Und meinem zweiten Geist sagt er dann, ich komme mit dir. Der Erste hat mich entführt, jetzt komme ich freiwillig mit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Entführung wird hier wirklich deutlich gezeigt, weil Scrooge im Taxi sitzt, Panik hat und dann lacht der Geist und sie rasen durch die Nacht in die Vergangenheit. Schön, ja.
Johannes Franke: Ist schon schön.
Florian Bayer: Aber Höhepunkt, was die Geister betrifft, ist ohne jeden Zweifel Ghost of the Christmas Present ... Endlich kein alter, dicker, bärtiger Riese, sondern eine komplett durchgeknallte Elfe. Carol Kane.
Johannes Franke: Sie ist so gut. Sie ist so gut. Und ich habe sie nie auf dem Schirm gehabt, außer dann plötzlich bei Kimi Schmidt.
Florian Bayer: Da kommt sie vor.
Johannes Franke: Und da ist sie die Vermieterin von dem Schwarzen, der da ein guter Freund ist dann von Kimi Schmidt. Ich habe seinen Namen leider gerade nicht parat, aber der ist auch super.
Florian Bayer: Sie spielt ja in Annie Hall mit. Carol Kane ist wirklich ein Urgestein in Hollywood.
Johannes Franke: Sie spielt bei Annie Hall.
Florian Bayer: In Annie Hall ist Carol Kane eine von den Verflossenen von unserem Protagonisten.
Johannes Franke: Das habe ich gar nicht mehr...
Florian Bayer: Und sie hat nicht so eine große Rolle, aber er lernt sie kennen bei einer TV-Produktion. Sie ist die Supervisor hinter der Bühne oder so. Ach so. Und dann gibt es diese tolle Bett-Szene, wo sie sich furchtbar drüber aufregt, dass er die ganze Zeit in diesem Monolog über JFK und so drin ist. Und sie sagt ... Ich will doch nur Sex haben. Kannst du nicht mal aufhören damit?
Johannes Franke: Geil. Ja, sie ist großartig. Sie ist einfach großartig als Fee.
Florian Bayer: Und sie quält ihn. Und sie hat Bill Murray wirklich gequält. Es gibt Geschichten von den Dreharbeiten. Sie war nicht zimperlich. Ihre Aufgabe ist es, den Protagonisten zu verprügeln. Und sie macht das auf jede erdenkliche Weise. Und sie zerrt an seinen Lippen, sie haut ihm Zeug über den Kopf. sie hat retrospektiv gesagt, sie hatte unglaublich viel Spaß bei den Dreharbeiten.
Johannes Franke: Das glaube ich ihr.
Florian Bayer: Sie glaubt, dass sie hin und wieder zu weit gegangen Und Mary hat wohl gesagt, naja, und dann hatte ich das eine oder andere Mal da geblutet und die Lippen haben verdammt wehgetan danach und die hat das wirklich ernst genommen mit dem Verprügel.
Johannes Franke: Oh, wow. Ja, die geht halt all in. Ich habe echt das Gefühl, das ist eine Schauspielerin, die einfach gerne all in geht bei so einem Dreh.
Florian Bayer: Sie ist so geil, sie ist so trüber und sie prügelt ihn die ganze Zeit, sie pupst auf seinen Bauch und sie hat Spaß, ist so witzig. Und es tut gut, weil wir hatten jetzt zehn Filme und der Geist der gegenwärtigen Weihnacht sah immer gleich aus. Es war immer unser bärtiger Riesel. Und endlich haben wir was Neues und sie macht es so super.
Johannes Franke: Ja, das ist toll. Ich glaube, der Taxifahrer ist so ein bisschen mein Liebling der vergangenen Weihnachten. Aber eigentlich außer Konkurrenz, weil er ja nicht wirklich an Dickens angeschmiegt ist. Aber ja...
Florian Bayer: Ich finde, der Taxifahrer wäre einfach auch als Geist der gegenwärtigen Weihnacht gegangen. Das stimmt, ja. Clara ist eigentlich vom Typ her wieder angelegt, ist viel mehr Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Und ich finde, es ist eigentlich nicht die Figur, die zur vergangenen Weihnacht passt. So gut er ist, ich finde ihn wirklich toll. Und ich würde nicht sagen, hätte den doch besser als Geist der gegenwärtigen Weihnachten genommen, weil dann hätten wir Carol Kane nicht gehabt. Ich liebe Carol Kane.
Johannes Franke: Ja, sie ist toll.
Florian Bayer: Sie ist einfach so super.
Johannes Franke: Dann gibt es diese blöde Party. auf der sie sind. Und dann verschenkt diese eine Mitarbeiterin ihren Hintern, den sie fotokopiert hat. Ja. Was auch wieder so ein Ding, wo ich denke, nee, warum? Muss nicht sein.
Florian Bayer: Das ist ein 80er-Film. Das ist wirklich ein 80er-Film, das merkt man einfach.
Johannes Franke: Und dann Bill Murray. Wie alt ist er, als dieser Film gedreht wurde?
Florian Bayer: Oh, gute Frage.
Johannes Franke: Und wie alt soll der sein, als er seine Freundin da kennenlernt? 17?
Florian Bayer: 18? So oder so, man kauft es ihm nicht ab.
Johannes Franke: Man kauft es ihm einfach nicht ab. Es geht nicht. Also, ja.
Florian Bayer: Ich finde es toll, dass wir hier unseren Cratchit spannend haben. Weil den haben sie einfach mal anders besetzt. Unser Cratchit ist eine schwarze Frau, seine Sekretärin, seine Assistentin.
Johannes Franke: Ja, genau, genau.
Florian Bayer: Finde ich eine coole Idee. Ja, Bill Murray funktioniert eigentlich nicht als Scrooge. Bill Murray funktioniert einfach als Bill Murray. Els Francis Cross. Gott sei Dank haben sie ihn nicht Scrooge genannt, sonst hätte es mich mehr gestört.
Johannes Franke: Vielleicht, ja.
Florian Bayer: Und sonst finde ich tatsächlich, ich glaube, dieser Film hat meinen liebsten Mali. Der Mali, der ihn besucht, den finde ich super. Dieser... Lou Hayward, sein Mentor quasi, von John Frassoff gespielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der ist so ein total durchgeknallter Mali, der ihn dann aus dem Fenster hält und dann reißt er ihm den Arm noch ab. und dann kommen da Würmer rausgekrabbelt aus ihm und er hat einen Golfball im Kopf.
Johannes Franke: Ja, ein bisschen ekelhaft alles, ja.
Florian Bayer: Und ich finde, es ist ein super Mali, weil er auch sau witzig ist. Und er passt irgendwie so in die Atmosphäre des Films, bringt aber trotzdem rüber, was Mali halt macht. Der so drängend sagt, ey ... Ich rette dich jetzt. Ich erzähle dir von den drei Geistern, die dich besuchen werden. Ich liebe den Mali in diesem Film. Das ist für mich das, was ich jetzt beim Rewatch nochmal mitgenommen habe. Es ist, glaube ich, mein liebster Mali.
Johannes Franke: Kurze Frage. der Scrooge-Geschichte an sich entlanghangeln. Deswegen ist er ja auch in der Liste, der Film. Wie findest du die Entwicklung von Scrooge? Also nicht von Scrooge, sondern von Bill Murray.
Florian Bayer: Nicht so gut. Weil das, was also in der traditionellen Geschichte finde ich es gut, dass Scrooge während der Handlung immer wieder Läuterungsmomente zeigt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die hat er hier überhaupt nicht.
Johannes Franke: Gar nicht.
Florian Bayer: Er läutert sich nicht bis zur letzten Szene.
Johannes Franke: Bis zur letzten Szene und das zum Teufel, was soll das da? Eine halbe Stunde lang im Monolog, wie er dann doch geil ist. Was soll das?
Florian Bayer: Und da kommt auch noch mal der Punkt, den du gebracht hast, dass die Pointe ist der Grabstein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist problematisch, weil dadurch ist es wirklich nur die Angst vor dem Tod. Genau. Und das wird in den anderen Filmen und in der Urgeschichte halt aufgefangen dadurch, dass unser Scrooge schon während der Geschichte Läuterung zeigt, wenn er einfach Mitleid empfindet mit anderen Leuten, die er sieht. Und das fehlt hier tatsächlich.
Johannes Franke: Wobei ich es ganz lange noch mittrage gerne als Zuschauer, weil ich mag, dass er sich nicht sofort aufweichen lässt. Also er ist keiner, der sitzt zwar im Taxi und fragt sich, was zur Hölle soll das hier und wird in der Gegend rumgefahren und brüllt den Fahrer an. Aber er ist nicht so vom Geist irgendwie, er zittert nicht auf Knien bettelnd, lass mich nicht hier das durchleiden. Sondern er bleibt der zynische Idiot.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich mag, ist, wenn er den erfrorenen Obdachlosen sieht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und eigentlich sehr starke Szene. Und schade, dass das sonst in der Geschichte nicht vorkommt, weil das ist wirklich ein guter Take auf seinen Love Interest. dass er vom Geist der zukünftigen Weihnachts seine Freundin gezeigt bekommt, die zu einer richtig eiskalten Frau geworden ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also der Take of the Love Interest ist in diesem Film, dass sie seine Ex-Freundin ist. Und sie arbeitet in einer Abendküche. Und er kommt zu ihr und sagt dann, sie soll doch die Leute wegschicken und was soll das? Und Das ist halt voll ätzend. Und sie will aber armen Menschen helfen, weil Weihnachten ist. Und dann wird ihm halt in der Zukunft gezeigt, dass sie das verstanden hat, was er gemeint hat und sagt so, danke. Und schickt halt irgendwie so arme Weißenkinder weg, die was von ihr wollen. Und das finde ich ganz gut, dass er konfrontiert wird damit, dass er nicht nur für sich schlecht ist und für andere Menschen, sondern dass er auch tatsächlich andere Menschen dazu bekehrt hat, schlecht zu werden, finde ich ein starkes Bild. Und das ist auch so, dass er dann ja auch wirklich... Da schon Mitleid empfindet und dass es ihm leid tut, was aus ihr geworden ist wegen ihm.
Johannes Franke: Das ist der einzige Punkt, den ich ihm tatsächlich abnehme. Das Problem ist bloß, die Szene ist nicht gut.
Florian Bayer: Ja, diese ganze Zukunft ist so. Auch dieses komische, sie zeigen dann so ein Sanitarium, wo der Junge... Der stumme Junge, das ist übrigens unser Little Timmy, ist auch, also Cratchit ist ja seine Assistentin und ihr Sohn redet nicht, weil sein Vater gestorben ist. ist und er das gesehen hat. Und dann wird in der zukünftigen Weihnacht sieht man dann halt, wie er einfach in so einer weißen Zelle sitzt und sie ihn besucht. Und alles ist in so einem Nebel gehüllt. Und dann geht Scrooge halt zu seiner Freundin und sieht sie und auch alles in so einem Nebel gehüllt.
Johannes Franke: Und es stimmt alles nicht. Ich finde alles nicht gut gemacht. und ich verstehe auch nicht, warum der Junge jetzt in dieser Zelle sein soll. Das ist völliger Blödsinn, nur weil er nicht redet. Hallo?
Florian Bayer: Das sagt ja Scrooge auch. Du hast verstanden, was Scrooge ist. Wie kann das nur sein, dass er nicht seine Familie sehen darf? Ich glaube, sie wollen irgendwie so eine Fallhöhe hinkriegen. Das funktioniert nicht. Nein.
Johannes Franke: Und es ist wirklich jedes Mal so, dass ich nicht verstehe, was jetzt mit Tiny Tim, was da jetzt alles ist. Ich krieg's einfach nicht auf die Reihe, was soll das? Und warum, kein einziger Film hat es geschafft zu motivieren, dass Scrooge in dem Moment fragt. Und erzähl mir vom kleinen Tim, wird er überleben? Und ich denke mir, wieso steht das gerade außer Frage? Es hat niemand irgendwas erwähnt, dass es irgendwie wirklich problematisch sein könnte, dass er sterben könnte.
Florian Bayer: Wir haben 1843, du trittst in den Namen. Du verdirbst dir den Magen, du stirbst. Du trinkst Wasser aus dem Brunnen, du stirbst. Wir haben 1843, die du beritt.
Johannes Franke: Du gehst in die Kirche und du stirbst. Ja.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Gut, also Scrooge. Ein anderer Take auf die ganze Geschichte. Sexismusprobleme und so weiter. Aber er hat sehr unhaltsame Momente. Ist in Ordnung. Kann man machen.
Florian Bayer: bringen wir zu einem wahrscheinlich für uns beide auch großen Klassiker, den wir beide als Kind wahrscheinlich gesehen haben, auch zu den Muppets. Wir sind Anfang der 90er. 1992.
Johannes Franke: Das ist für mich... Ganz erwartbarerweise das absolute Highlight.
Florian Bayer: Habe ich mir schon gedacht. Wegen Nostalgiebrille? Grundsätzlich. Wegen Muppets oder grundsätzlich? Einfach grundsätzlich.
Johannes Franke: Weil es wirklich genau... Also in jeder Sekunde, in der ich in diesem Film bin, denke ich, ja genau das, genau so muss es sein. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen für diese Minute, wie es zur nächsten Minute geht. Zur nächsten Minute und zur nächsten Minute. Ah ja, da muss jetzt diese Figur auftauchen und der Salat muss sprechen.
Florian Bayer: Okay, springen wir rein. Brian Hansen, Sohn von Jim Hansen, hat 1992, nach dem Tod des Vaters, eine Muppets-Weihnachtsgeschichte gedreht, ein Musical. Natürlich ist es ein Muppet-Film. Muppet-Filme müssen Musicals sein. Ja. Und wahrscheinlich, also zumindest so viel gebe ich auf jeden Fall auch schon mal mit, der definitive Familienfilm, was Scrooge betrifft. Absolut. Das ist astreine Familienunterhaltung. Es ist ein Musical. Es hat... Erwartungsgemäß, weil es für die ganze Familie ist, wenig Kruse-Momente. Und es hat die Muppets drin, die singen und tanzen durch die Straße rennen. Wir haben eine Handvoll ... Realfilmschauspieler, allen voran Michael Caine als Scrooge. Und ansonsten haben wir tanzende Puppen. Kermit als Bob Cratchit, ganz großartig Gonzo.
Johannes Franke: Ja, Gonzo ist der Wahnsinn und mit der Kakelake zusammen oder was... Mit der Ratte zusammen.
Florian Bayer: Gonzo ist Charles Dickens und Gonzo ist der, der für uns die vierte Wand bricht.
Johannes Franke: Er ist nicht wirklich Charles Dickens.
Florian Bayer: Er erzählt uns die Geschichte.
Johannes Franke: Er ist der Erzähler. Aber was für eine geniale Idee, die beiden die ganze Zeit den Film über durchlaufen zu lassen und immer wieder zu kommentieren, was gerade passiert.
Florian Bayer: Und noch geiler die Idee, sie mit in dem Film wirklich handeln zu lassen. Ja, genau. Sie sind nicht einfach nur die Erzähler, die nebendran stehen. Nein, wenn Scrooge durch die Luft fliegt, dann hängen sie an ihm dran und dann haben sie auch Angst abzustürzen. Sie sind mitten im Geschehen drin.
Johannes Franke: Und die Ratte erwähnt immer mal wieder, dass sie nicht versteht, wie Gonzo jetzt die Geschichte erzählen kann und wissen kann, was da gerade passiert in dem Haus.
Florian Bayer: Es ist wirklich, wirklich, wirklich toll gemacht. Also das ist so, sie haben es wirklich gut hingekriegt, diese Muppet-Ästhetik und die Muppet-Figuren, sie haben bunt alle Muppet-Figuren da rein. mit der realen Geschichte zu kreuzen. Und ja, natürlich dadurch, dass die Geister Muppets sind ... verlieren die so ein bisschen ihren Grusel und ihr Fantastisches. Wobei ich sehr froh darüber bin, dass sie ... abgesehen von Marley, keine bekannten Muppets genommen haben, sondern dass sie ihn quasi neu besetzt haben, dass sie neue Puppen geschaffen haben für den Film.
Johannes Franke: Aber die Muppet-Opas zu benutzen als Jacob und Marley.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ich finde, also dadurch verliert, also Goofy hat das ja auch schon gemacht. Aber das war ein Kinderfilm. Ich finde, Jacob Marley's Erscheinen muss ein bisschen gruseliger sein. Und das ist so, das Ding, du siehst es rappeln, du hörst es rappeln und denkst, oh, jetzt? Und dann kommen Waldorf und Stedtler eingestolpert. Okay, das ist das, worauf ich mich jetzt einstellen kann. Hier wird kein Horror passieren. Hier sind die... Waldorf und Stedtler, die ständig die Mappetro kommentieren.
Johannes Franke: Was ein kleines bisschen Michael Caine den Job schwer macht. Weil der muss ja ehrlich beeindruckt dastehen und sagen, oh bitte, tut mir nix. Und du denkst dir die ganze Zeit, nein, die werden dir nix tun, die werden dich höchstens verstören. psychologisch fertig machen. Das war's.
Florian Bayer: Ich finde Michael Caine in diesem Film fantastisch und merkwürdig zu klein. Michael Caine ist ohne jeden Zweifel ein herausragender Schauspieler. Michael Caine ist überhaupt nicht so, wie ich mir Scrooge vorstelle. Ich finde, er spielt auch eigentlich keinen guten Scrooge. Aber ... Das ist so sau witzig, wie er durch diese Welt von tanzenden Puppen läuft und dabei die ganze Zeit versucht, seine Würde zu bewahren. Und noch erstaunlicher ist, dass es ihm gelingt.
Johannes Franke: Aber wirklich. Es ist beeindruckend.
Florian Bayer: Es ist total schräg. Es ist fast so, dass es wirkt verstörend, dass wir haben hier einen Menschen, der wirklich würdevoll durch diese Welt geht. Und manchmal sieht man seinen Blick so an what the fuck. Was sind das für Puppen, die da rumlaufen? Egal, ich muss weiter geradeaus. Ich habe hier einen Job zu erfüllen. Das ist irre.
Johannes Franke: so selbstverständlich durch eine Welt von Puppen, wo man nix in Frage stellt, weißt du, wo man als Schauspieler Wo man eigentlich beim Zugucken die ganze Zeit denkt, jetzt müsste Michael Caine privat aus der Rolle treten und sagen, was ist los, Leute? Könnt ihr euch mal irgendwie... Zusammenreißen, einigen, was hier los ist und was wir machen wollen.
Florian Bayer: Michael Caine hat zu der Rolle gesagt, I'm going to play this movie like I'm working with the Royal Shakespeare Company. Ja, ja.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: I will never wink. I will never do anything Muppety. I'm going to play Scrooge As if it is an utterly traumatic role and there are no puppets around me. Und genau das macht er. Und das ist so geil, weil es sind halt Puppen um ihn herum. Es sind überall Muppets. Die ganze Welt ist von Muppets bevölkert. Und er geht darum, als ob er ... Als ob er verdammt noch mal Shakespeare spielen würde. Es ist so geil.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich gut. Das Problem ist halt leider, da kommt das Problem mit den Geistern, dass die beiden eben, Waldorf und Stettler, eben einfach nicht ernst zu nehmen sind. Er das aber so spielt und wir dann eine Brücke schließen müssen, die manchmal schwer ist.
Florian Bayer: Ich finde Michael Caine als Scrooge nicht gut. Es ist nicht, was ich mir unter Scrooge vorstelle. Aber es ist einfach, es ist Michael Caine. Michael Caine ist als Michael Caine in diesem Film. Genau. Und dieser Kontrast ist einfach so super. Ja. Der Film ist auch drüber. Der Film ist kitschig und albern. Und genau wie die 1970er-Version. Aber durch diesen Kontrast, durch diesen Michael Caine, der das die ganze Zeit mit dieser würdenvollen Ernsthaftigkeit spielt, es macht so viel Spaß.
Johannes Franke: Der nimmt seine Rolle auch so ernst. Und jede Situation, die im Drehbuch steht, egal wie albern sie inszeniert ist, nimmt er das alles ernst. Und ich sehe ihn immer wieder, er hat so ein abgefilmtes Special aus den 70ern oder später 80er, weiß ich nicht genau. wo er Schauspielern, anderen angehenden Schauspielern erklärt, wie das geht. Und so ganz dramatisch und ganz ernsthaft und so, wie... kommt aus der ganzen Riege von Marlon Brando und so weiter. Und dieser ganze große Bogen des ernsthaften Schauspielers. Und da sehe ich ihn die ganze Zeit drin. Das wird aber alles konterkariert von den Muppets und das ist so geil.
Florian Bayer: Und das ist auch das, was den Film trägt, weil eigentlich ist ganz viel an dem Film auch was, wo ich sagen würde, habe ich schon besser gesehen. Zum Beispiel finde ich... Den Ghost of the Christmas Present finde ich sehr merkwürdig. Gefällt mir nicht.
Johannes Franke: Was ist mit dem Past?
Florian Bayer: Pass finde ich okay.
Johannes Franke: Den finde ich furchtbar.
Florian Bayer: Pass fand ich okay.
Johannes Franke: Pass fand ich wahnsinnig schwierig. Weil das so ein Kind, gruseliges, das war so dieses... Gruselig, ganz schlimm, ganz wabernd und irgendwie so kindlich und dann doch nicht da.
Florian Bayer: Aber das hat die Vorlage gut getroffen. Deswegen hat mir der Christmas Past gut gefallen, weil es halt wirklich auch so dieses undefinierte, ist es jetzt ein Kind? Geist? Was soll das sein? Auch ungeschlechtlich?
Johannes Franke: Aber es passt nicht in die Ästhetik des Rest des Filmes rein.
Florian Bayer: Ja, aber für mich, ich fand Christmas Presents zum Beispiel, der passt ... Ich glaube, es hätte dem Film besser getan, wenn die Geister keine Muppets gewesen wären, ganz ehrlich. Echt? Ja.
Johannes Franke: Ja, aber dann besteht der Film dann nicht mehr so gut aus, weil eigentlich ist es schon wesentlich...
Florian Bayer: Beziehungsweise Muppets, aber halt so wie Christmas Pass. Christmas Pass ist eine Puppe, aber ist gepimpt und hat von der ganzen Art und Haltung nicht mehr viel mit dem klassischen Muppet zu tun. Wäre ein Christmas Present halt so eine aufgedunsene Muppet-Version von dem Christmas Present?
Johannes Franke: Von Hagrid halt, ne?
Florian Bayer: Ja, der ist mir zu niedlich oder zu putzig. Ich weiß nicht, das ist irgendwie ...
Johannes Franke: Ich fand, da hat sich auch der Bart so schön bewegt. Ich fand das toll.
Florian Bayer: Nee, ich weiß nicht. Also ich fand Past gut, weil er weiter weg war von den Muppets. Christmas Present hätte ich mir, ich glaube, die hätten einfach einen Menschen nehmen sollen, ganz ehrlich.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Ich fände den gut.
Florian Bayer: Ja, ich weiß nicht.
Johannes Franke: Naja, auf jeden Fall geht all die Stationen ab, die Dickens mal einfach... Das ist ein klassischer... sehr nah am Original im Grunde. Und ich finde es ganz toll, dass dieser American Eagle noch mit auftaucht. The American Way. The British Way zu sagen bekommt. Und dass da so viele ... Christmas Future war kein Muppet. Christmas Future war, naja, doch, im Grunde schon. Du hast einen Laken.
Florian Bayer: Ja, aber du hast nicht so ein Muppet-Feeling bei ihm.
Johannes Franke: Ja, nein, das nicht. Aber trotzdem, das ist ein animiertes, also da ist jemand drunter, der... Genau. Und ich finde das einfach schön, dass sie diese ganzen Anspielungen haben zu den Figuren, wie die normalerweise so sind, wie wir sie aus der Muppet Show kennen.
Florian Bayer: Bär, Bär, Bär. Alfazibär. Alfazibär. Es ist ganz perfekt. Es ist großartig. Also wenn diese Rolle von diesem netten Vorgesetzten von Scrooge, wer soll die spielen? Natürlich er, wer sonst? Das ist so gut.
Johannes Franke: Ja, und dann hat er auch noch eine Frau, die genauso aussieht.
Florian Bayer: Es ist einfach, es ist das, was man sich vorstellt, wenn man diese Rolle sieht. freundliche, ein bisschen lustige.
Johannes Franke: Ja, genau. Und dann dürfen Waldorf und Settler nach oben sitzen und ihre Kommentare runterrufen. Super.
Florian Bayer: Es ist ein großes Muppet-Fest. Ähnlich wie bei Disney, es fühlt sich nach Klassentreffen an. Fühlt sich sogar noch mehr nach Klassentreffen an als Disney, weil eben die Straßen auch wirklich bevölkert sind von verschiedensten Muppets.
Johannes Franke: Es gibt so viele Details. Ja, stimmt.
Florian Bayer: So viele kleine Details. Jedes Mal, wenn Scrooge irgendwo durch die Straßen geht oder durch ein Gebäude geht, dann hast du da überall diese Figuren und Puppen rumtanzen. Das ist geil, weil du weißt, Wirklich nicht, wo du hingucken sollst. Weil überall sind sie. Und es ist eine gepimpte Muppet-Show. mit Weihnachten und einem Michael Caine, der die ganze Zeit dabei sehr ernst und böse guckt. Das ist super.
Johannes Franke: Aber dieser Film hat, genau wie alle anderen Verfilmungen, das gleiche Problem mit Scrooge, mit der Entwicklung von Scrooge. Scrooge ist gleich irgendwie so... ich lieber Geist, um Gottes Willen, ich mache, was du willst.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und dann gibt es immer mal Momente, wo er dann sagen darf, ach, aber du glaubst doch nicht, dass ich deswegen jetzt hier plötzlich gut werde und dann... Hat er seine Erläuterungsmomente, die im Kontrast dazustehen und irgendwie verheiratet sich das nicht so richtig.
Florian Bayer: Es gibt für mich in diesem Film einfach keinen richtigen Scrooge. Ich finde fast Bill Murray ist mehr Scrooge als dieser Michael Caine. Weil Michael Caine einfach der ernste Typ ist, der durch diese Muppet-Welt gestoßen wird, als wäre es eine Wette, weißt du? Ja. Wie lange schaffst du es, ohne zu lachen? Und hey, du hast die ganzen 90 Minuten durchgehalten. Super, Michael.
Johannes Franke: Ja, okay. Das stimmt. So ein bisschen Staring-Contest. Aber kommen wir mal in diesem Fall ganz wichtig zu Tiny Tim. Ja. Erste Frage, warum ist das keine Kaulquappe?
Florian Bayer: Kannst du dir eine niedliche Kaulquappe vorstellen?
Johannes Franke: Natürlich. Die muss sehr klein sein und die hat so einen kleinen Zahnstocher als Führungsstab. Und dann ist die ganz süß da auf dem Tisch so.
Florian Bayer: Viel wichtigere Frage, warum ist das nicht eine Kombination aus Frosch und Schwein?
Johannes Franke: Also das ist sowieso etwas... Also, das hat man sich sowieso immer gefragt, wenn man sich die Muppet Show angeschaut hat. Wie schaffen Kermit und Miss Piggy das irgendwie? Und dann haben die doch tatsächlich eine Familie. Die Mädchen sind alle Schweine und die Jungs sind... Frösche.
Florian Bayer: Aber ich finde es immer schön, dass Kermit und Miss Piggy sich gefunden haben.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Wenn auch nur als Schauspieler in diesem Fall. Die spielen ja nur.
Florian Bayer: Und Kermit und Miss Piggy haben auch echt in der Realität eine schwierige Beziehung. Die haben so eine schwierige On-Off-Beziehung. Ich weiß gar nicht, wie ihr aktueller Status ist. Sind die aktuell wieder zusammen?
Johannes Franke: Oh nein. Oh, jetzt ein bisschen Gossip. Was glaubst du? Sind Miss Piggy und Kermit zur Zeit zusammen? Nein.
Florian Bayer: Als die Muppets ihr großes Comeback hatten vor zehn Jahren oder so, da waren sie ja wieder kurzfristig zusammen. Aber es ist halt einfach schwierig. Es ist auch so viel passiert in der Vergangenheit.
Johannes Franke: Ich glaube, Kermit war auch nicht der Treueste. Ich glaube, der war ein bisschen schludrian und hat so ein paar Sachen gerissen, die nicht so gut waren für die Beziehung.
Florian Bayer: Das ist einfach so ein Punkt, wo man sagen muss, wir müssen rollen und reale Menschen voneinander trennen. Menschen? Der Kermit, den wir hier sehen, ist natürlich nicht der Kermit, der in der Realität rumläuft. Und der Piggy ist nicht die in der Realität. Was für schmussige Wäsche da gewaschen wurde hinter den Kulissen, wissen wir natürlich.
Johannes Franke: Es muss natürlich aber auch für Miss Piggy schwierig gewesen sein, diese Beziehung zu spielen, wenn es gerade kriselt eigentlich zwischen den beiden. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und gerade in den 90ern, Anfang der 90er, das war auch eine Zeit, was man so gehört hat. Sie hatten große Schwierigkeiten.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Was die im Disney Channel alles, was da gerüchtefrei so rumgingen. Oh, okay.
Florian Bayer: Es ist super hier. Hier haben sie eine glaubwürdige Beziehung mit einem glaubwürdigen Tiny Tim. Ja.
Johannes Franke: Und das ist aber wirklich süß und es zieht mich emotional rein und das ist glaube ich der Film, bei dem ich am meisten geweint.
Florian Bayer: Oh, wie geil. Nachher so ein kleiner Frosch mit so dicken Klipschaugen.
Johannes Franke: Und der hat ein Lied und der singt. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ich kann es total gut verstehen. Es ist krass, dass ... Punkt und sowas auslesen kann. Aber es ist wirklich ein Film, der ein Tiny Tim emotionales Highlight hat. Und ich glaube, ich kann da am besten mitgehen, weil es eben nicht schon wieder so ein kleiner, blonder Junge ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das nervt nämlich auch. Ich glaube, ich hasse kleine blonde Jungen. Was echt ein Problem für meinen Sohn ist.
Johannes Franke: Nein, aber dein Sohn ist nicht so lockig.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Und deswegen funktioniert das emotional, weil wir haben diese... kleinen Jungen zu oft gesehen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und deswegen, um noch mal ganz kurz zu Scrooge zurückzukommen, deswegen finde ich, glaube ich, bei Scrooge dieses durchaus auch emotional funktionierend, wie der kleine Tim, ich weiß nicht, wie er in dem Film heißt. Seine Geschichte, finde ich, berührt mich stärker, als die von den Christmas-Carry-Filmen davor. Einfach weil es ein bisschen was anderes ist.
Johannes Franke: Ich erfahre überhaupt nichts über den und der redet nur nicht und am Ende sagt er was. Was soll das denn?
Florian Bayer: Aber ansonsten, wie es ihm geht und wie er mitgenommen wird von seiner Mutter und wie sie sich auf Opferungsformen kümmert, Okay, zurück zu den Muppets. Alles nicht gut erzählt. Nein, nein, nein. Die Muppets machen das viel besser.
Johannes Franke: Zurück zu den Muppets. Und es gibt dieses wundervolle Bild, wie...
Florian Bayer: Wie tanzende Fröschen machen das besser.
Johannes Franke: Das ist ein wundervolles Bild, wie Kermit die Straße runterkommt mit Tiny Tim auf den Schultern. Und ich ja immer so ein bisschen Angst vor den Szenen habe, wo man die Beine der Mappe zieht, weil das ja doch durchaus schwierig ist. Manchmal funktioniert das, manchmal funktioniert das nicht. Und da funktioniert es ganz wunderbar. Sie gehen singend diese Straße runter, die im Grunde so eine Walze ist, die unter Ihnen sich bewegt und machen halt diese Gehbewegungen. Und es ist ganz toll und es sieht wundervoll aus und es ist eine ganz herzerwärmende Szene. Und dann kommt er halt nach Hause und ich finde das wirklich ganz, ganz, ganz toll gelungen und gut gelungen und dieser Song ist super. Und irgendwie ist das der Anfang dessen, dass ich mit der Tiny Tim Geschichte das erste Mal, dass ich diese Geschichte sehe. und da wirklich so schön mitgehe. Das stimmt nicht ganz das erste Mal, weil das Musiker hat das auch schon geschafft.
Florian Bayer: Das ist bei mir schon. Es ist tatsächlich, aber ich glaube, ich kann mit dieser Tiny-Themengeschichte auch mitgehen, weil es eben Weil es eben ein Frosch ist. Es ist einfach so weit abgehoben von der Realität, dass ich nicht dieses Klischeebild vom kleinen Timmy im Kopf habe. Ja, genau. sondern es ist einfach was anderes. Ich weiß total, was du meinst. Es ist wirklich süß, es ist wirklich herzerweichend.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist auch tatsächlich der Moment, wo ich Michael Caine, wenn er die Familie betrachtet, wie sie... wo er am ehesten kurz davor ist, diesen Staring-Contest zu verlieren, weil er wirklich auch so bewegt aussieht, wenn er guckt. Stimmt, das stimmt, ja. Also im Hintergrund steht und dann ... Und ja, er ist einfach, er sieht wirklich bewegt aus. Er sieht wirklich zum ersten Mal diese Fassade fallen und dann kriegt er... Hat er sogar Tränen in den Augen.
Johannes Franke: Ja, genau. Er hat Pipi in den Augen. Was wirklich gut ist. Wirklich eine schöne Szene. Ganz toll. Und wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich als Zuschauer da mitgehe, weil ich über ihn Zugang dazu nochmal zusätzlich bekomme.
Florian Bayer: Reaction Shot.
Johannes Franke: Klassisch. Ach, schön. Ja, also das ist absolut, muss man sehen und ist auch der einzige, wo Ebenezer Scrooge am Ende was geschenkt bekommt, nämlich den Schal.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was auch eine ganz schöne Idee ist, finde ich. Weil das so ein bisschen den Geist der Weihnacht... ihm vom Dorf drumherum, von der ganzen Bevölkerung einmal so einen Schritt auf ihn zu. Und das fehlt mir sonst bei den anderen so ein bisschen. Ich habe das Gefühl, Geist der Weihnacht nicht nur von den Geistern, sondern eben von der realen Welt einmal... Hier, ich schenke dir was völlig Bedeutungsloses. Das ist ein Schal. Der sieht nicht gut aus. Der ist rot. Aber irgendwie passt er zu ihm. Und das finde ich sehr schön. Das ist eine gute Geste.
Florian Bayer: Es ist ein wirklich schönes Symbol. Und wenn ihr einen Familienfilm gucken wollt von Christmas Carol, dann ist es dieser. Das ist der Familienfilm von Christmas Carol. Der ist hervorragend. Er ist ähnlich drüber wie die 1970er-Version. Er hat auch eine bizarre Komik drunterliegend, anders als der 70er-Film. Die Komik besteht hier halt drin, dass wir einen Scrooge haben, der durch Puppen stolpert. Ja. Wenn ihr Muppet-Fans seid, werdet ihr den Film sowieso gesehen haben. Deswegen muss ich nichts dazu sagen. Aber wer Muppet-Fan ist, muss den Film natürlich gesehen haben. Es ist tatsächlich einer der besten Muppet-Filme auch. Es ist nicht nur eine der besten Christmas Carol-Verfilmungen, sondern es ist auch einer der besten Muppet-Filme.
Johannes Franke: Ja, und wenn ihr über einen Frosch weinen wollt, dann sowieso den gucken.
Florian Bayer: Der beste Tiny Tim.
Johannes Franke: Die haben alle Hände im Arsch. Warum weine ich darüber? Man sitzt davor und denkt sich, was zur Hölle, warum bin ich jetzt so wahnsinnig bewegt? Keine von den Figuren hat auch nur ein bisschen Leben in sich, außer diese Hand.
Florian Bayer: Bring mir weiter in den 90ern.
Johannes Franke: Ja, lass uns weiter in den 90ern.
Florian Bayer: 1999, den du nicht gesehen hast, Patrick Stewart.
Johannes Franke: Wir müssen noch was dazwischen schieben. Und zwar müssen wir den von Blackadder. Dazwischen schieben. Ist der aus den 90ern? Ich kann sein, dass wir den auch verpasst haben, dass der noch früher kommen müsste. Ich habe es nämlich nicht aufgeschrieben, von wann der ist.
Florian Bayer: Verdammt! Das Problem ist, Johannes hat es nicht aufgeschrieben, genauso wenig wie ich, weil wir haben eine ganze Episode, in der wir uns um Blackadder kümmern, da reden wir auch über das Christmas-Special. Jetzt tun wir noch mal kurz hervor. Es ist von 1988. Ah ja. Die Serie Blackadder. Eine Serie, in der Robert Atkinson, der Mr.
Johannes Franke: Bean gespielt hat, kennt.
Florian Bayer: einen zynischen Diener slash Prinzen spielt oder auch Soldaten in verschiedenen Staffeln, die in verschiedenen Jahrhunderten spielen. Und so quasi vom Mittelalter bis heute. Und er ist aber immer der Zyniker, der an die Macht will. und der auch immer einen dummen Diener hat, der ihm zur Seite steht. Britisches Comedy Gold. Blackadder, eine Serie, die hierzulande eher unbekannt ist. Ganz großartig, wenn ihr mehr drüber wissen wollt, hört euch die Episode ran, die wir vor ein paar Wochen veröffentlicht haben.
Johannes Franke: Die ist großartig. Also die Serie ist großartig. Wir sprechen sehr lange darüber, muss man sagen. Ist ein kleines bisschen... Nacherzählungen dabei, aber es lohnt sich wirklich. Und sie haben dieses Christmas-Special, wo sie einen ganz anderen Spin darauf haben. wo ich sage, ich bin mir noch nicht sicher, ob das nicht vielleicht einfach meine liebste Version davon ist.
Florian Bayer: Ebenezer Plagg, Alter, von Ron Atkinson gespielt, ist in dieser Version ein unglaublich netter, freigebiger Mensch. Der netteste Mensch der Welt.
Johannes Franke: Und wird dann von einem Geist besucht, der ihm einfach nur Glück wünschen will dazu, dass er so nett ist. Das hast du schön gemacht, weiter so. Und dann kommt es aber irgendwie dazu, ich weiß nicht mehr genau wie.
Florian Bayer: Er zeigt Blackadder dann... Und hier siehst du übrigens Leute, die es nicht so gut gemacht haben und dann werden die Rollen aus, dann wird dieser Blackadder aus den verschiedenen Staffeln davor gezeigt, der halt hintertrieben ist, intrigant, böswillig und so weiter. Und Dann fragt ihn aber Ebenezer Blackadder, ah ja, ist ja alles schön, aber wie ist denn die Zukunft von solchen bösen Menschen? Und dann zeigt er ihm eine Zukunft, wo ein böser Blackadder Herrscher des Universums ist. Und dann denkt Blackadder, ah, vielleicht war das mit dem Nettsein und Freigiebigsein doch nicht so eine gute Idee.
Johannes Franke: Idee. Vor allem, weil sie das ganze Dorf ja eigentlich drumherum als sehr einnehmend zeichnen. Also sie kommen dahin Und nehmen denen auch noch die letzte Nussschale weg, weißt du? Ach, du hast noch das hier rumliegende, das Einzige zu essen, was Aber ich nehme es mal mit, du bist doch so freigiebig und er ist so gut, dass er einfach alles wegkippt und dann merkt er, na gut, okay, vielleicht bin ich doch besser dran, wenn ich zynisch und Arschloch bin.
Florian Bayer: Blackadder von Ron Atkinson bespielt der Geist der Weihnacht. Es gibt nur einen Geist von Robbie Coltrane, unser guter alter Hagrid.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Der darf hier den Geist spielen und das ist wirklich ein netter Spin. Wir erleben einen Blackadder, der all das verkörpert, was toll ist an Weihnachten. Und er wird von einem Geist der Weihnacht... Zum Bösen bekehrt. Unwissentlich, also er wollte ja nicht. Aber es bringt ihm ja nichts, ne? Die böse Pointe ist dann, dass ihm eigentlich ein Geschenk gegeben werden sollte als der netteste Mensch Englands.
Johannes Franke: Von der Queen.
Florian Bayer: Genau. Und die schmeißt er aber raus, als vor seiner Tür steht, weil er nichts mehr mit diesen Idioten zu tun haben will und verpasst so die 50.000 Pfund, die die er als Belohnung gekriegt hätte.
Johannes Franke: Aber ein schöner Spin auf die ganze Zeit. Die ganze Geschichte, ich finde die Idee ganz wunderbar, vor allem, weil sie Blackadder nicht in die Falle tappt, Blackadder, der sowieso zynisch und böse ist. Am Anfang zynisch und böse zu haben und dann zum guten Menschen zu werden, was irgendwie lame gewesen wäre, aber das andersrum zu machen, zu sagen, der ist der netteste Mensch der Welt und wird dann zu dem Blackadder diskutiert. den wir eigentlich kennen.
Florian Bayer: Mein Take darauf ist, man kann es nicht gucken, wenn man die Serie nicht kennt. Ich glaube, es ist als für sich stehendes... Christmas Carol funktioniert es nicht. Wer das guckt und Blackadder noch nie gesehen hat, wird daran keine große Freude haben.
Johannes Franke: Vielleicht. Vielleicht.
Florian Bayer: Damit sei ausgesprochen, guckt euch die gesamte Serie Blackadder an und dann noch das Christmas Carol dazu.
Johannes Franke: Es sind auch nur drei Staffel A sechs Episoden, also es ist jetzt keine Staffel... 18 Staffeln, wo jedes Mal 20 Episoden drin sind.
Florian Bayer: Und die Episoden sind auch schlanke 25 Minuten, das Christmas Carol dauert 42 Minuten. Ist schon irgendwie ein Christmas Special, ist eine TV-Produktion, das sieht man ja auch an. Ja. Britisches Sitcom-TV. 80er Jahre, trotzdem unterhaltsam. Aber wenn ihr sie sehen wollt, guckt euch zuerst ein bisschen Blackadder an. Wenigstens ein paar Folgen, weil sonst macht es keinen Spaß.
Johannes Franke: Und jetzt erzähl mir was von Captain Picker.
Florian Bayer: Ich kann nicht viel davon erzählen. Christmas Carol aus dem Jahr 1999 ist tatsächlich... Aus zwei Gründen erwähnenswert. Einmal, weil Captain Picard, Patrick Stewart, unseren Scrooge spielt. Und weil der Geist der zukünftigen Weihnacht leuchtende Augen hat, was so ziemlich die dümmste Entscheidung ist. die jemals in der Geschichte des Fernsehens getroffen wurde. Er hat die schwarze Kapuze, es ist alles schwarz drunter, so wie wir es kennen. Und dann hat er diese Scheinwerferaugen. Und es sieht einfach nur albern aus. Patrick Stewart ist kein guter Scrooge. Ich mag Patrick Stewart total. Er ist überhaupt kein guter Scrooge.
Johannes Franke: Schade.
Florian Bayer: Der Film ist visuell eher so auf der düstereren Seite.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Was ... ganz interessant ist. Er ist eher so an die 51er-Version angelehnt. Also er versucht, eine erwachsene Scrooge-Geschichte zu erzählen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er arbeitet sehr eng angelehnt an das Original, arbeitet er dann die Stationen ab. Und es ist lame. Oh, schade. Ich war gelangweilt davon. Ich fand Patrick Stewart ... Hat nicht in die Rolle gepasst. Und ja, Patrick Stewart ist okay. Ich mag Patrick Stewart natürlich als Captain Picard. Aber Patrick Stewart ist jetzt nicht so, dass ich sagen würde, wow, das ist ein großer Schauspieler. Und ja, also ich meine, der Mann hat... Viel gespielt, aber es ist halt, ich finde, man kann ihn skippen. Ich kann gar nicht viel mehr dazu sagen, außer es ist meiner Meinung nach eher einer der Schwächsten. Scrooge-Verfilmungen. Es ist so uninspiriert, dass man sich irgendwie so durchwurschtelt und dann denkt, okay, hab ich das auch geguckt.
Johannes Franke: Es ist ein Okay, okay. Schade. Na gut. Dann wären wir aber schon fast wieder bei der Jim Carrey-Variante, oder?
Florian Bayer: Wir springen zehn Jahre in die Zukunft. Jedes Jahrzehnt hat seinen Scrooge-Film. Der Scrooge-Film der 2000er-Jahre ist von 2009 von Robert Zemeckis. Nochmal A Christmas Carol.
Johannes Franke: Der sich versucht hat an neuer Technik.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und wie sehr er gescheitert ist, möchte ich jetzt von dir wissen, Plur.
Florian Bayer: Also, ich habe verschiedene Ansätze zu diesem Film. Kommen wir zuerst mal zur Technik. Die Technik ist ein großes Problem. Wir reden hier aus der Frühzeit der Motion Capture und Performance Capture Verfahren. Und Robert Zemeckis hat damals damit gespielt. Robert Zemeckis ist jemand, das muss man erst mal sagen noch mal, Robert Zemeckis ist ein Visionär, was Special Effects betrifft. Der hat Zeug gemacht, bevor es alle anderen gemacht haben. Der hat Roger Rabbit gemacht. Mit den wirklich, wirklich gut integrierten Zeichentrickfiguren. Der hat mit Back to the Future 2 einen der ersten Filme gemacht, wo Computer in Realfilme gesetzt wurden, Mitte der 80er, als das noch keiner gemacht hat. Der hat mit Forrest Gump Anfang der 90er einen Film gemacht, in dem er es geschafft hat, historische Szenen mit seinen Schauspielern zu kreuzen und dann Forrest Gump, John F. Kennedy die Hand geben lässt. Und es wirkt heute auch noch beeindruckend.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Der war wirklich immer Visionär und der sich immer an Neuem versucht. Und wenn man sich immer an Neuem versucht, dann fällt man damit auch mal auf die Schnauze.
Johannes Franke: Ist richtig.
Florian Bayer: Und diese Motion-Capture-Filme, die er gemacht hat, damals sind so ein bisschen das Google-Glas von ihm.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Problem. Es war ja schon mit dem Polarexpress.
Florian Bayer: Und Beowulf.
Johannes Franke: Und Beowulf habe ich nicht gesehen, aber ja.
Florian Bayer: es ist löblich, was zu probieren. Und das sage ich, hey, super. Er hat versucht, mit der Technik wirklich was Neues zu machen.
Johannes Franke: Aber muss man das dreimal hintereinander in den Sand setzen?
Florian Bayer: Offensichtlich ja.
Johannes Franke: Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Was Uncanny Valley betrifft, von CGI-Filmen aus vergangener Zeit, sind die von Robert Zemeckis ganz weit vorne. Es fühlt sich einfach unangenehm an. Es sind Gesichter, die irgendwie falsch wirken. Es ist so bemüht. Wir versuchen echt auszusehen. Ganz nah dran, aber eben nicht nah genug. Und dadurch fallen wir in dieses tiefe Tal, wo alle danken, Hilfe, was ist das?
Johannes Franke: Es ist schrecklich. Man hat echt von Anfang bis Ende das Gefühl, dass man so Cutscenes aus Computerspielen zusieht. Es ist automatisch.
Florian Bayer: Das ist es vor allem. Ich weiß noch, als ich es damals gesehen habe, die Bilder davon, ich habe die Filme damals nicht gesehen. Und ich dachte nur so, hm? Es sieht interessant aus, aber es ist auch komisch. Und heute sehe ich es und denke, nee, es sieht nicht mehr interessant aus, weil ich weiß, wie viel Besseres mittlerweile möglich ist. Das heißt, es ist nicht interessant und komisch, sondern es ist outdated und komisch. Das ist natürlich problematisch für Filme, die irgendwann mal eine visionäre Technik hatten. Damals war es noch ein bisschen anders. Damals hat es sich noch ein bisschen anders angefühlt. Aber ich habe noch mehr Takes auf diesen Film.
Johannes Franke: Ich habe auch noch mehr Takes auf den Film, die ein kleines bisschen Ehrenrettung geben.
Florian Bayer: Geht mir ähnlich.
Johannes Franke: Weil ich habe tatsächlich das Gefühl, dass er ein gutes Timing hat oft. Der hat oft Situationen, er schafft oft Dinge, die... Egal, wie gut sie animiert sind und egal, wie gut sich das anschaut, aber er hat ein gutes Timing oft. Er hat gute Ideen.
Florian Bayer: Ja, ich finde, was Arbeit mit dem Originaltext betrifft, macht es der Film am besten. Und zwar mit den Dialogen vor allem. Er legt seinen Protagonisten die Originalworte aus der Vorlage in den Mund. Und dadurch kriegt er so eine anachronistische Note, weil die alle nicht so reden wie... im 2009er Animationsfilm, sondern zu reden wie in der 1843 Schnauble. Ja. Und das funktioniert erstaunlich gut. Also ich finde, Jim Carrey ist der erste Scrooge, der es wirklich schafft, diese ... Dieses bemühte, ich will lakonisch sein, ich will mich nicht erschrecken lassen. Was willst du von mir, Geist? Erzähl mehr. das überzeugend rüberzubringen. Weil er das wirklich spielt und weil er wirklich auch diesen Dialog hat. Und was machst du jetzt hier? Was willst du von mir?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Jim Carrey, du hast vorhin gesagt, wir sollen das mit der Karikatur anpinnen. Jim Carrey ist die erste Scrooge, der diesem Karikaturengedanken gerecht wird, eben dadurch, dass er so schlagsig alt... sich bewegt, finde ich super.
Johannes Franke: Weißt du, was ich sehr beeindruckend finde, ist, dass man durch diese crappy Animationen immer mal wieder einen brillanten Moment von Jim Carrey durchsieht. Jim Carrey, der ein Timing hat, der einen bestimmten einen Blick drauf hat, der irgendwie nicht kaputt gemacht wurde durch die Animation, der irgendwie es schafft. durch sein Spiel, wenn der Geist zum Beispiel von Marley das erste Mal da ist und er fragt, willst du dich nicht setzen? Das tut er auf eine bestimmte Art und Weise. Und man sieht, dass all die Gedanken, die in dem Buch beschrieben sind, die er hat, den er versucht zu kontrastieren mit einem... relativ entspannten, aber nicht wirklich entspannten willst du dich nicht setzen. Das ist super.
Florian Bayer: Ja, das funktioniert sehr gut.
Johannes Franke: Und das macht er ganz oft, sieht man so kleine Sachen durchblitzen, wo ich denke, wow, das ist Jim Carrey, ich hab ihn gesehen, das ist sein Spiel.
Florian Bayer: Hinzu kommt tatsächlich die großartige Idee, alle drei Geister ebenfalls von Jim Carrey spielen zu lassen. Das ist das erste Mal, dass die drei Geister wirklich ausgeboten aus Scrooges... Welt, Sicht und Leben sind. Alle drei Geister von Jim Carrey gespielt, sodass man Aber sie sehen nicht aus wie Scrooge, sondern sie sehen schon anders aus. Aber sie haben trotzdem diese gewisse Ähnlichkeit. Das ist ein super Ansatz für die Geschichte.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Das Problem ist bloß, dass der erste Geist wiederum total scheiße ist.
Florian Bayer: Ach ja, ich finde den ersten Geist okay.
Johannes Franke: Nein, der ist furchtbar. Das ist eine Flamme. Und da ist dieses Gesicht von Harpo Marx... drin. Das funktioniert überhaupt nicht.
Florian Bayer: Wir haben zum ersten Mal einen Geist, der ausgemacht wird. Ja, das stimmt. Ich habe mich so darüber gefreut, dass es diese Szene gibt, wo er den Pyramiden-ähnlichen Zylinder über den Geist drüber stellt. Und ihn zu töten.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Das macht er gut. Aber dieses Gesicht, ich weiß nicht. Also ich habe da nochmal Harpo Marx. Ja, na klar. Der sieht genauso aus.
Florian Bayer: Ich finde, er sieht aus wie Jim Carrey in der Flamme. Ich finde es gut, weil es hat auch so dieses Diffuse von dem Geist. irgendwie rübergebracht. Es ist nicht perfekt. Es gibt bessere Geister der vergangenen Weihnacht. Aber ich mag den Gedanken, den diffus darzustellen. Und das haben so viele Filme falsch gemacht. Also es gibt vielleicht zwei gute Geister der gegenwärtigen Weihnacht. Oder drei vielleicht.
Johannes Franke: Hätten sie das Gesicht einfach weggelassen, wäre alles gut gewesen.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich. Und dann hätten sie ein bisschen mehr zündeln lassen. Aber der Ansatz ist gut, der Ansatz ist richtig. Nachdem es so viele gesagt haben, wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen, okay, stellen wir eine Elfe dahin.
Johannes Franke: Ja genau.
Florian Bayer: der hier mal wirklich wieder was Neues.
Johannes Franke: Und er spielt mit der ganzen Möglichkeit, jetzt Kamerafahrten zu machen, die im Realen nicht möglich sind. Und das, finde ich, hat er sehr gut ausgeschlagen.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich... ist total krass. Er ist so nah an der Vorlage und da gibt es zwischendurch plötzlich so eine total wilde Action-Sequenz. Zum Beispiel, er macht die Kerze aus und wird in den Himmel geschossen, fliegt nach oben, fällt wieder runter und Und es ist super. Es hat nichts mit dem Originaltext zu tun, aber es ist diese Gedanken erweitert, dass Scrooge durch diesen Nachtmalt retiert wird. Und immer so ein bisschen zwischen Schrecken und Slapstick.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Und ich finde, er erzählt ein paar Sachen auch ... besser als wenn man alles aussprechen würde. Er hat nämlich am Anfang zum Beispiel einfach die Kiste mit der Kohle, die einmal ein Schloss hat. Du musst nicht sagen, Chef, darf ich noch ein Stück Kohle aufs Feuer werfen? Sondern du hast einfach nur das Bild von dieser verschlossenen Kiste mit der Kohle. Reicht perfekt.
Florian Bayer: Ja. Er hat wirklich gute Bilder, also von den Ideen. Das Motion Capture macht immer so einiges kaputt. Zum Beispiel, wenn wir dann Bob Gratchit sehen am Anfang, das macht mir so viel kaputt, weil er so... so falsch aussieht. Aber dann gibt es wirklich krasse Bilder und auch... wirklich düstere Bilder. Das, wo eigentlich sowohl der 1999er-Film als auch Scrooge versagt haben, beim Versuch, edgy zu sein. Da ist der erfolgreich. Zum Beispiel, finde ich, macht der was mit dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht, was bis jetzt noch kein anderer Film gemacht hat. Und zwar die Sterblichkeit von dem so visualisieren, dass er ihn wirklich sterben lässt in den Armen von Scrooge. Es ist total krass, es ist eine sau unheimliche Szene, wenn dieser Geist lacht und dann lachend langsam zerfällt und stirbt. Es ist unglaublich stark und es ist so stark, dass man denkt, hey... Charles Dickens, warum hast du das nicht gemacht? Das ist super. Ich würde so weit gehen und sagen, das ist besser als das, was in der Vorlage mit dem Geist passiert. Dieses Sterben, krass, weil es auch vorbereitet dann auf die zukünftige Weihnachten.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und es sind definitiv Bilder, wo man sagen würde, okay, der eignet sich nicht so als Familienfilm, weil er wirklich düster ist in diesen Momenten. Ich habe den auch noch nicht mit meinem Kind geguckt. Ich weiß auch nicht, ob ich den meinem Kind zeigen will. Weil er hat wirklich düstere Horrormomente dadurch.
Johannes Franke: Ich finde, Robert Zemeckis hat es sowieso drauf, diese Horrormomente vorzubereiten und zu... Es ist wirklich gruselig, wie er dann zu Hause ankommt. Was ich auch gutes Storytelling finde. Zum Beispiel verliert er seinen Schlüssel. Mhm. Und erst als er hochkommt, ist dieser Türgriff verwandelt in den Geist von Marley. Und das ist eine ganz kleine Sache, aber das ist ein Unterschied im Storytelling, wie du das inszenierst. Und wie dann reinkommt und wie er dann da sitzt und wartet und es alles so gruselig wird mit der Zeit. Und dann Marley sich eigentlich ankündigt, indem seine Kisten und seine Ketten zuerst kommen und er dann erst reinkommt. Man sich fragt, was ist das, was kommt da jetzt?
Florian Bayer: Es ist auch ein Mali, der wirklich schleppt. Die Malis schleppen eigentlich immer ein bisschen zu wenig, dafür, dass sie sagen, hier sind meine Kämpfe. Und dann sagt man, ja, okay, du hast ein paar nette Ketten um dich rumhängen. Aber dieser Mali, der ist wirklich leidend und schleppend.
Johannes Franke: Ja. Er ist gut gemacht. Da sind wirklich erzählerisch einfach gute Ideen drin. Es ist halt leider durchs Bild oft kaputt gemacht worden.
Florian Bayer: Übrigens, im Mali ist Gary Oldman, der auch Bob Cratchit und Tiny Tim... Und Gary Oldman als Marley fand ich natürlich cool, weil er auch immer so ein bisschen diese Voldemort Reminiscenz mitschwingt, wenn er ihn anschreit. Also, nicht Voldemort, Quatsch. Es ist ja nicht Voldemort, es ist ... Jetzt habe ich Harry Potter gesagt, weil Gary Oldman spielt in Harry Potter den Serious Black. Aber eigentlich ist es vor allem Dracula, an das ich denken musste. Gary Oldman. hat eine sehr markante Stimme. Und ich hab den so in Erinnerung, als Gary Oldman war für mich immer der definitive Dracula, was Schauspieler betrifft. Er hat Anfang der 90er in der Dracula-Verfilmung von Francis Ford Coppola mitgespielt als Dracula. Okay. Und daran hat er mich die ganze Zeit erinnert, weil seine Stimme irgendwie auch, die ist so präsent irgendwie.
Johannes Franke: Das stimmt. Ich finde auch geil, er verliert seinen Kiefer oder wie war das? Das ist schon auch hart.
Florian Bayer: Es ist wirklich das merkwürdige Moment.
Johannes Franke: Genau. Das ist schon gut gemacht. Und ich finde auch, dass... dass zum Beispiel hier der Christmas Present, glaube ich, ist das, der ihn ja am Ende zitiert und ihm sagt ... was er gesagt hat und dann verändert sich sein Gesicht und er wird zu Scrooge.
Florian Bayer: Super Idee, ja.
Johannes Franke: Und das ist eine ganz hervorragende Idee.
Florian Bayer: Vor allem auch, weil es derselbe Schauspieler ist und trotzdem findet noch mal ein stärkerer Personenwandel noch näher zu Scrooge statt. Und das sind wirklich Ideen, also ja, es ist halt schade, dass die Technik da so viel dazwischen steht, weil man sieht, dass Robert Zemeckis wirklich gute Ideen hatte. Der Film wurde ja auch ein bisschen dafür kritisiert, dass er zu viel Slapstick hätte, dass zu viel Action dazwischen wäre.
Johannes Franke: Doch, aber ja, doch.
Florian Bayer: Doch?
Johannes Franke: Ich will nicht, dass der klein wird und dann quake Stimme hat und dann... Nein, das fand ich niedlich. Das fand ich furchtbar. Ganz, ganz schlimm. Alles raus, alles raus, komplett raus. Nix.
Florian Bayer: Ich fand, das war ganz cool, nochmal an den Stellen anzusetzen, zu sagen, wo kann man hier Action reinbringen? Auch diese Verfolgungsszene vom Geist der zukünftigen Weihnachtern mit der Kutsche. Ja. Das ist alles so, das bringt nochmal so eine neue Dramatik rein, die mir gut gefallen hat. Ich finde, das Pacing hat gut funktioniert in dem Film.
Johannes Franke: Also hinten raus mit der Verfolgungsjagd, mit der Kutsche, wo die aus ihren Schatten raustreten, weil der dritte Geist ist ja bei denen vor allem ein Schatten, was ich wünsche. Fantastisch gemacht. Und über diesen Schatten, der dann manchmal raustritt und man dieses Pferd zum Beispiel hat, was da so raus seinen Kopf rausbringt. Fand ich super. Das ist toll. Und als Action-Szene sehr gerne, aber nicht als verkleinerter Scrooge. Nein.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, also mich hat es nicht gestört. Tatsächlich ein Film, wo ich denken würde, man könnte nochmal mit dem Konzept ein Remake machen und nochmal mit neuerer Technik und nochmal... nochmal ein bisschen mehr versuchen, aber es sind so viele Ideen drin, dass es ein bisschen schade ist, dass die in dem Film untergehen, der halt vor allem wegen seiner... wegen seiner Motion Capture, wegen seinem Uncanny Valley so in Erinnerung bleibt. Weil es ist einfach das, was am prägnantesten ist, am präsentesten ist, während man einen Film schaut, dass es eben ... immer mal wieder so ein Unbehagen einsetzt bei den animierten Figuren und bei Mimik und Gestik. Man kommt da nicht ganz raus. Mhm.
Johannes Franke: Also wenn er das nochmal machen würde, ich fände es interessant zu sehen, das stimmt.
Florian Bayer: Für mich tatsächlich einer der besten Scrooges. Also, ich finde Jim Carrey als Scrooge wirklich gut, weil er eben so krass dieses ... karikaturenhafter hat. Die Technik steht dem ein bisschen im Weg, aber ich mag diese Mischung aus alter Mann und Schlagsicht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Das ist eine gute Mischung.
Johannes Franke: Ja, und auch dieser Gesichtsausdruck, den er die ganze Zeit mit sich rumträgt. der eben nicht sofort in nur purem Horror umschlägt und sofort in dieses, ich mache alles, was du willst, ich will nicht sterben. Das will ich nicht sehen. Ich will sehen, wie die Figur in sich konsistent bleibt und trotzdem eine Entwicklung durchmacht. Und eine glaubhafte Entwicklung und nicht so sprunghaft und jetzt mal das und jetzt mal das. Insofern finde ich, hast du recht, es gibt in vielen Stellen... ganz große Vorteile von dieser Verfilmung, aber irgendwie macht es mir, die Verfolgungsjagd am Ende finde ich wirklich nicht deutlich, dass er so miniaturisiert ist und so weiter, er macht sich alles kaputt, was er vorher aufgebaut hat, an Ernsthaftigkeit und an gutem, das ist sofort alles weg und du denkst dir, okay, Bernhard und Bianca.
Florian Bayer: Nichts gegen Bernhard und Bianca.
Johannes Franke: Ja, aber nicht in diesem Film, bitte.
Florian Bayer: Ähm, Dr. Who?
Johannes Franke: Dr. Who, du hast die Folge nicht gesehen.
Florian Bayer: Ich habe sie leider nicht gesehen.
Johannes Franke: Ja, du hast dich verweigert meiner schönen Dr. Who-Folge.
Florian Bayer: Ich werde sie mir aber noch angucken, jetzt musst du aber dafür werben. Nicht nur für mich, sondern auch für alle, die zuhören.
Johannes Franke: Folgendes, stell dir vor. Wir sind im Universum. Es gibt ein Raumschiff, das in einem Sturm gefangen ist eines Planeten, der... unerforscht ist, von dem wir nichts wissen. Sie sind da gefangen in einem Sturm und drohen zu zerschellen durch die Kräfte, die dort herrschen. Der Doktor, der mit seiner Zeitreisemaschine überall hin kann und so, reist voraus auf diesen Planeten und findet einen alten Mann vor. der die Wetterbedingungen dieses Planeten beherrscht. Durch eine Maschine, die auf ihn geeicht ist. Und er muss diesen alten Mann irgendwie dazu bringen, diesem Schiff zu helfen, damit die nicht alle sterben auf diesem Schiff. Dieser alte Mann ist natürlich Scrooge quasi. Der Typ... der einfach nichts, kein Herz für Menschen hat, die arm sind, die Hilfe brauchen zu Weihnachten, die irgendwie so... Der hat sein Geld damit verdient, dass er Menschen Geld leiht und dafür einen Mitglied der Familie erhält. in Gefrierhaft nimmt. Also die sitzen dann in einem Kryoschlaf, in so einer Tiefkühltruhe. Stehen die dann und dann sind die da in seinem Keller eine riesige Sammlung von Menschen aus Familien, die sie als Geiselhaft haben für das Geld, was er verliehen hat. Und diesem Menschen muss der Doktor irgendwie überzeugen, dass er, weil er hat natürlich kein Interesse, diesem Schiff zu helfen, sondern er kontrolliert das Wetter aus... bestimmten Gründen, die dann erzählt werden und will ihn dann nicht loslassen. Der Doktor reist in die Vergangenheit dieses alten Mannes. zeigt dem alten Mann gleichzeitig als wie so ein Beamer seine Vergangenheit auf eine Wand. reist dann in die Vergangenheit und taucht in diesem Film auf, den er gerade dem alten Mann zeigt. Und beginnt, das Kind zu beeinflussen. Schau mal hier, schau mal da. Ach, du bist ganz allein die ganze Zeit, wie halt Scrooge auch damals allein war, ne? Du hast nicht alles das Tolle miterlebt, was deine Mitschüler miterlebt haben, weil du an dem Tag krank warst oder was, solche Sachen und freundet sich mit dem Kind an. Und dann gibt es natürlich auch noch ein Love Interest, die ist unter diesen eingefrorenen Menschen. Da unten eine Frau, in die er sich verliebt hat als junger Mann. Das wird alles erzählt. Der alte Mann erinnert sich dann nach und nach wieder, was da alles war. Natürlich auch in veränderter Form, weil der Doktor Dinge verändert. Das ist sozusagen die Vergangenheit. Dann ist der Doktor natürlich wiederum der Geist der Weihnacht, die gerade ist und transferiert ihn auf das Schiff. wo die Leute gerade in Todesangst da kämpfen und hoffen, dass sie nicht zerschellen und nicht sterben. Und dann macht er das mit der Zukunft auch sehr clever. Er zeigt ihm die Zukunft, aber nicht die Zukunft des alten Mannes. Er zeigt dem Kind den alten Mann, sodass das Kind sieht, was aus ihm wird. Und das verändert alles.
Florian Bayer: Ah, cool. Das ist auf jeden Fall ein netter Ansatz. Gibt es Weihnachten in dieser Episode?
Johannes Franke: Natürlich ist es Weihnachten.
Florian Bayer: Es ist Weihnachten, okay.
Johannes Franke: Es ist Weihnachten.
Florian Bayer: Ich gucke gerade 2010, also wir sind ein Jahr nach dem Robert Zemeckis-Film.
Johannes Franke: Ja, wieder ein Jahrzehnt.
Florian Bayer: Ja, 2010, genau.
Johannes Franke: Und es ist eine ganz großartige Folge, wirklich voller Herz, voller Liebe, voller Veränderungen und Überlegungen, wie so Menschen so werden, wie sie werden.
Florian Bayer: Mit Michael Gammon, der den Dumbledore bei Harry Potter gespielt hat.
Johannes Franke: Oh! Habe ich nicht erkannt. Geil.
Florian Bayer: Ja, ohne Bart und ohne Spitz.
Johannes Franke: Ja, gut, ja.
Florian Bayer: Super Schauspieler. Welchen Doktor haben wir da vor uns? Matt Smith. Ah ja. Ah, der, okay, alles klar. Interessant. 45 Minuten kann man sich auch angucken, wenn man, 60 Minuten kann man sich auch angucken, wenn man kein Doctor Who Fan ist.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Also einfach als Folge in sich. Die Geschichten sind ja sowieso meistens in sich geschlossen und dieses ist es besonders. Es ist einfach ein Christmas Special.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und herzerwärmend erzählt und geschrieben und wirklich toll.
Florian Bayer: Okay. Ja, interessant. Wir kommen, glaube ich, schon zu unserem letzten Film, den wir auf unserer Liste haben. Ihr seid bald erlöst, wir haben es fast geschafft. Wir kommen zu Christmas Carol 2019. Ein BBC-Dreiteiler.
Johannes Franke: Also quasi eine Miniserie, die insgesamt aber dann auch nur drei Stunden hat. Also was heißt nur aber dafür, dass es drei Teile sind? Und zusammengefasst drei Stunden läuft.
Florian Bayer: Guy Pearce als Scrooge? Und wahrscheinlich der Film, der am radikalsten versucht aus der Christmas-Carol-Geschichte... einen düsteren Erwachsenenfilm zu machen. Also mehr erwachsen zu sein als die Vorlage und wie das so ist, wenn ein Kunstwerk oder ein Film besonders erwachsen sein will. geht das tierisch in die Hose. Und in diesem Fall geht das tierisch in die Hose.
Johannes Franke: Ich dachte an die Nolanisierung des Kinos so ein bisschen, aber er hat auch das ja nicht wirklich durchgezogen und nicht geschafft.
Florian Bayer: Er hat Ansätze.
Johannes Franke: Er hat gute Ideen, muss ich sagen. Er hat wirklich gute Ideen. Viele Sachen davon funktionieren nur deswegen nicht, weil...
Florian Bayer: Weil er schlecht ist.
Johannes Franke: Nein, weil die Scrooge-Figur auch überhaupt nicht gut angelegt ist.
Florian Bayer: Ja, das ist also... Er hat zwar ein, zwei gute Ideen, aber er hat auch ganz schlechte Ideen, hat schreckliche Ideen, hat Ideen, die wirklich blöd sind, die mich richtig geärgert haben.
Johannes Franke: Lass uns mal mit den schlechten Ideen anfangen. damit wir die guten Ideen am Ende noch ein bisschen hochholen, das Ganze.
Florian Bayer: Also, willst du ihn am Schluss wirklich hochholen? Lass uns meinetwegen mit den schlechten Ideen anfangen. Also. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn neue Ideen reingebracht werden in Geschichten. Finde ich erstmal, das ist grundsätzlich lüblich, dass man nicht versucht, sich, glaube ich, ans Original zu halten, sondern indem man versucht... neue Geschichten zu erzählen.
Johannes Franke: Jetzt machst du doch die Sandwich-Kritik.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Es gibt in diesem Scrooge-Film eine sexuelle Belästigungsgeschichte, die komplett daneben ist, die überhaupt nicht funktioniert, die nicht als Storytelling-Element funktioniert und Und die zudem meiner Meinung nach so ein bisschen diesen Exploitation-Charakter hat, dass sie eben diese sexuelle Belästigung als ... als Story-Element benutzt, die einfach kaputt ist. Ich fand's richtig schlecht. Ich hab's geguckt und dachte so ... Man fühlt sich schmutzig dabei. Eine der Erweiterungen ist, dass die Frau von ... von Cratchit zu Scrooge geht, weil sie oft von ihm Geld zu kriegen für eine Operation von Tiny Tim. Und Scrooge sagt dann, dass sie sich ausziehen soll. Und dann fängt sie an, sich auszuziehen. Lass mal, ich will dich ja gar nicht, aber guck mal, du prostituierst dich nur für ein bisschen Geld. Das zeigt doch mal wieder, wie verkommen die Menschheit ist. Es ist einfach eine billige, platte, plumpe Szene.
Johannes Franke: Vor allem, worauf sie hinaus wollen, ist... dass sie im Grunde die Geister gerufen hat.
Florian Bayer: Ja, das kommt noch dazu. Dann wird so eine Hexengeschichte draus. Sie ist die, die dann sagt, ja, du solltest aufpassen, mit wem du dich anlegst. Und sie ist... Sie versuchen das so ein bisschen zu erden, indem sie sie zur Erzeugerin dieser Geisterwelt machen, was überhaupt nicht gut funktioniert, weil am Anfang... Was ich von der Idee gut finde, was aber nicht zum anderen passt. Sie nehmen sich sehr viel Zeit für Marley. Sie zeigen Marley, der in der Hölle ist und der irgendwie dann nochmal auf die Erde geschickt wird und dann so ein bisschen da betadert, dass es eigentlich die erste Folge ist Mali.
Johannes Franke: Was ich eine gute Idee finde schon.
Florian Bayer: Aber überhaupt nicht gelungen in der Umsetzung. Ich finde es auch von der Idee ganz okay, dass mal geschaut wird, was ist mit Marley nach dem Tod. Warum ... Warum sucht Marley Scrooge heim? Es passt halt nicht zu dem anderen Plot, dass sie das ist. Und tatsächlich ist dieser Mali ganz gut. Ja, das gebe ich dem Film. Der Mali ist okay. Und zwar geht es darum, dass der Mali halt zurückgeschickt wird, weil er Scrooge Weil er die Möglichkeit hat, Scrooge zu retten. Stephen Graham spielt in Mali und der spielt das auch gut.
Johannes Franke: Ja, ich find das ... Solide, sehr solide.
Florian Bayer: Ja, ich finde es schon fast mehr als solide. Er ist halt so ein bisschen ängstlich, verunsichert, was soll ich jetzt machen, ich weiß es auch nicht genau und wird dann quasi so in diese Richtung geschubst. dass er mal Scrooge überzeugen soll. Aber das ist halt auch so ein Ding. Ja, die Idee ist ganz nett. Aber das ist unter anderem eins, was halt ein Dreiteil daraus macht. Wir haben hier über 170 Minuten, wir haben fast drei Stunden Film vor uns. Und dann haben wir halt eine Stunde an diesen Mali- an dieses Male-Ding verschwenden, dann habe ich das Gefühl, das ist alles so aufgebläht.
Johannes Franke: Ja, es ist natürlich alles aufgebläht. Sie nehmen sich auch viel Zeit für viele Sachen. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich eine Abschlussarbeit eines Drehbuchautoren beiwohne. der einfach alle Regeln einmal befolgt, um seinen Professor zufriedenzustellen.
Florian Bayer: Und sein Professor ist Christopher Nolan und er sagt dann, Christopher, Christopher, hat es dir gefallen? Ich hab doch deinen Geist ganz gut getroffen. Christopher Nolan. Nein. Also ich fand, genau, grundsätzlich ist die Geschichte total aufgebläht. Es gibt zwar einige ganz gute Bilder drin. Können wir gleich noch darauf zu sprechen kommen? Ja. Guy Pearce ist ein schrecklicher Scrooge. Nichts gegen Guy Pearce. Ich bin kein großer Guy Pearce-Fan, aber er fasst überhaupt nicht in diese Rolle.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Auch nicht in diese Rolle, wie sie hier angelegt ist. Es ist natürlich hier nicht angelegt als die Rolle des alten Mannes. der irgendwie quasi sein Leben fast schon hinter sich hat, sondern er ist halt irgendwie einfach ein Fiesling. Ein kalter Fiesling und es ist wirklich eine langweilige, lahme Rolle.
Johannes Franke: Ja, so ein Psychopath irgendwie. Ja. irgendwie nicht so nicht so schön und so ein paar sehr so Lego-Steine, die aneinandergereiht werden, die so ein Haus dann ergeben sollen, das aber irgendwie nicht bewohnt aussieht.
Florian Bayer: Und es schreit halt die ganze Zeit, hey, ich bin gruselig, ich bin realistisch, ich bin ein neuer Ansatz. Und das nervt. Und es gibt zwei, drei Bilder dazwischen, wo es gelingt, Also ich fand die Szene von ertrinkenden Tiny Tim wirklich gut gemacht.
Johannes Franke: Das muss ich auch sagen.
Florian Bayer: Und zwar sehen wir, dass Scrooge sitzt in seinem Condor und guckt dann... Contor? Contor. Er sitzt nicht in einem Vogel. Und er schaut nach oben auf die Decke und sieht dann dieses Eis. Also Tiny Tim stirbt in diesem Film, indem er in Eis einbricht und ertrinkt. Und er sieht dann diese Eisdecke auf seiner Decke. Und wie Tiny Tim draufläuft, wie das Eis bricht ... Und das Geile ist, die Szene endet nicht damit, sondern er sieht dann Tiny Tim durch die Decke durchbrechen und ertrinkend an seiner Decke hängen. Das ist wirklich gut gemacht.
Johannes Franke: Das ist ein starkes Bild.
Florian Bayer: Das ist ein super Bild, aber es ist halt Tiny Tim, der da erträgt. Da passen diese Horror-Vibes irgendwie nicht so ganz dazu. Es ist halt trotzdem eine Tiny-Tim-Geschichte. Das Bild ist super. Das Bild hätte in einem anderen Film gut funktioniert, aber in dem Film ...
Johannes Franke: Aber er bemüht sich halt auch so ein bisschen zu sehr so Shakespeare-Vibes zu erzeugen.
Florian Bayer: sein und düster sein. Ich bin die realistische, erwachsene Version von der Geschichte. Es gibt diesen Moment, wo Wo der Geist der zukünftigen Weihnacht hat einen zugenähten Mund. Das ist das erste Mal, dass wir einen Geist der zukünftigen Weihnacht haben, dessen Gesicht man von Anfang an sieht. Das finde ich einen spannenden Ansatz.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Aber das mit dem zugenämmten Mund sieht halt auch so ein bisschen aus wie ein Musikvideo von Merlin Manson aus den späten 90ern.
Johannes Franke: Ja, ja klar.
Florian Bayer: Ja, ja, Gothic, yay.
Johannes Franke: Ich finde der Hut mit der Projektion und mit dem Licht drin... Wenn das Licht nicht so hell gewesen wäre und das Ganze billig hat aussehen lassen, hätte es eine gute Idee sein können. Ja. Leider haben sie es nicht geschafft, das Maß zu finden, um das hinzukriegen. Aber an sich gab es gute Ideen bei.
Florian Bayer: Es ist halt auch einfach so ein Sensationalismus die ganze Zeit dabei. Also wie gesagt, die sexuelle Belästigung. Dann gibt es auch nochmal eine Geschichte, dass er als Kind missbraucht wurde und sein Vater wusste davon.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und das ist alles so für so Schock-Value. Und das ist so platt. Ich habe so das Gefühl, dass ... Das ist ein Film von 2019. Wenn jemand sowas 2010 gemacht hat, dann ist es irgendwie nachvollziehbar. Aber das muss man heutzutage so nicht mehr erzählen. Das ist... Boah. Nee, tut mir leid. Also ich tatsächlich, wahrscheinlich der schlechteste von den Christmas Carol Filmen, die ich gesehen habe in der letzten Woche.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Deswegen stolper ich auch gerade so durch Schwächen einfach mal. Es ist nichts hängen geblieben, außer zwei, drei gute Bilder und sehr, sehr viele unangenehme Momente, die so... versucht haben, was Geiles zu erzählen.
Johannes Franke: Der versucht noch mehr, diese Therapiesitzung zu machen. Der ist eine dreistündige Therapiesitzung für Scrooge. Aber er... Er versucht es ja auch, er will ja auch versuchen zu erklären, warum ist der so und was ist da alles schiefgelaufen und das Ganze irgendwie, die Dramatik nochmal hochzuziehen. Aber dafür ist er ein bisschen zu psychopathisch.
Florian Bayer: Ja, dieser Scrooge, genau. Dieser Scrooge kann keine Leutung kriegen, weil das ist einfach, das ist alles kaputt an diesem Charakter. Ja, ja, ja. Die Läuterungsgeschichte funktioniert dadurch nicht mehr.
Johannes Franke: Das ist das Problem. Ach man.
Florian Bayer: Obwohl er tatsächlich, was ja eigentlich ganz nett ist, dass sie ihm den wiederum Läuterungsmoment geben, den du eigentlich ganz cool finden müsstest, dass er sagt, ich brauche keine Vergebung. Ist okay, nehme ich mitten in die Hölle, aber bitte lass Tiny Tim leben.
Johannes Franke: Ja, ja, das finde ich gut. Das fand ich tatsächlich ganz gut.
Florian Bayer: Was ein starker Moment ist. Zumindest wenn man das halt problematisch findet, dass er immer nur Angst vorm eigenen Tod hat und deswegen gut wird.
Johannes Franke: Genau. Und das fand ich einen guten Ansatz, dass auch das der Moment ist, der dazu führt, dass er wieder in sein Leben zurück kann und in Ruhe gelassen wird. verstanden hat, was der Punkt der ganzen Geschichte ist. Selbstlosigkeit. Nicht etwa, ich bringe jetzt Geld unter die Leute, sondern so ein bisschen das eigene Ego ein bisschen runterzufahren und andere Leute nach vorne zu stellen. Ja, es gibt aber noch ein paar schönere Sachen. Es gibt auch ein gutes Spiel von ihr, Der Frau von Cratchit. Finde ich, ist wirklich ein gutes Spiel.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich das erste Mal, dass sie Mary Cratchit zu einer richtigen Protagonistin machen, die nicht mit sagt, auf den Scrooge will ich nicht anstoßen, sondern sie ist tatsächlich mal eine Rolle, die in der Handlung wirklich irgendwie eine Bedeutung hat, eine Relevanz hat.
Johannes Franke: Und sie spielt gut. Und ich habe einmal aufgeschrieben, sie hätte jetzt auch irgendwie die Bibel zitieren können, wenn sie das auf die Art und Weise gemacht hätte, wie sie es jetzt macht. wäre ich auch ergriffen gewesen. Also es geht schon fast vom Inhalt weg, weil sie, weil das was... vermittelt werden sollte in der Szene war nicht besonders geistreich aber aber wie sie es gespielt hat hat mich einfach mitgenommen
Florian Bayer: Total krass, wie Ned Robinson, die offensichtlich in jeder britischen Serie einmal mitspielen musste, die da draußen ist. mitgespielt, sie hat in Black Mirror mitgespielt, sie hat in Dr. Who Rosa Parks gespielt.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Und offensichtlich, wenn eine britische Serie gedreht wird, muss sie in irgendeiner Episode mal auftauchen.
Johannes Franke: Und ich bestehe auch drauf.
Florian Bayer: Sie war wirklich gut. Sie war tatsächlich, sie war auch ein schauspielreicher Lichtblick in diesem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wobei die Schauspieler, nee, die Schauspieler waren eigentlich, also Guy Pearce war wirklich blass. Ja.
Johannes Franke: Ja, wirklich.
Florian Bayer: Aber ich fand Andy Serkis gut als Christmas.
Johannes Franke: Ja, natürlich, klar.
Florian Bayer: Ich fand den Bob Cratchit, Joe Alvin fand ich gut.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ja, die Schauspieler waren eigentlich alle okay. Es war ja auch wirklich schon stark besetzt. Jason Fleming als Ghost of Christmas Future. Das war schon gut, aber dieser plasse Scrooge. Ja.
Johannes Franke: Und hier fällt der Satz, auf den ich auch gerne raufkotzen möchte. Nämlich der Satz, what they lack in money, they make up in love. Das ist so eine Romantisierung, wo du dann alles rechtfertigen kannst mit. Die brauchen doch kein Geld, die haben doch einander. Was soll denn das? Du kannst doch so einen Christmas Carol nicht machen und dann so einen Satz bringen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Das ist die... Charles Dickens rotiert in seinem Grab.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Okay, ganz nett. Chapter 1, The Human Beast. Chapter 2, The Human Heart. Chapter 3, A Bag of Gravel.
Johannes Franke: Stimmt. Also es gibt ein paar gute Ideen, es gibt ein paar visuelle Ideen, es gibt ein paar inszenatorische Ideen, die ich gut finde. Ein paar Timing-Sachen sind auch ganz gut, die Schauspieler haben streckenweise sehr gute Sachen, aber es ist insgesamt, leider fällt das ganze Ding unter deinen Fingern zusammen.
Florian Bayer: Leider. Kann man versuchen, einen wirklich düsteren Ansatz von Scrooge zu machen, Hier ist es nicht gelungen und ich glaube auch, weil sie eben zu sehr auf dieses Spektakel gesetzt haben und auf diese Shock-Value-Geschichte, sie haben halt versucht, wirklich düstere Themen reinzubringen. auf Teufel komm raus und das wirkt so ein bisschen wie so ein Film vor 10 Jahren, der das macht. Heutzutage. Also ich finde manchmal Filme aus den frühen, mittleren 2000ern, wenn man die guckt, denkt man, oh, Das ist aber peinlich, wie die versucht haben, hier nochmal einen Schockmoment zu setzen und dann sowas Plumps zu bringen. Und dass sowas 2019 auch noch so gemacht wird, finde ich...
Johannes Franke: Aber ich kann das gut heißen, dass sie es versucht haben, dass sie gesagt haben, wir machen mal nochmal was anderes damit. setzen uns auf ein paar andere Aspekte der ganzen Geschichte und versuchen, die noch rauszuarbeiten. Ich fand es spannend, Marley nochmal zuzuschauen.
Florian Bayer: Das fand ich auch ganz interessant, aber es war halt auch einfach, es war halt trotzdem das Gefühl, dass alles aufgebläht ist.
Johannes Franke: Ja, naja, gut.
Florian Bayer: Okay, kommen wir zu einem abschließenden, nachdem wir diesen riesigen Bogen gespannt haben über alle Scrooge-Filme. Alle Scrooge-Filme? Wir haben viel über Scrooge geredet. Das finde ich ist ein gutes Abschlusszitat hier.
Johannes Franke: Mach's aus.
Florian Bayer: Mach's aus. To someone special.
Johannes Franke: Special.
Florian Bayer: Johannes, was ist dein liebster... Dein liebster Scrooge. Also die Figur Scrooge. Wer ist der liebste von allen? Wer ist der beste Scrooge? Du musst einen Namen nennen, mehr nicht. Keine Top 3, keine Top 5. Ein Name will ich hören.
Johannes Franke: Scrooge McDuck.
Florian Bayer: Scrooge MacDuck, okay, sehr schöne Wahl. Ich finde tatsächlich den besten Scrooge, den aus... A Christmas, tatsächlich aus A Christmas Carol von 1910. Mark McDermott. Was? Ja. Ich fand den irgendwie von der ganzen Bewegung und von der Art zu spielen am spannendsten.
Johannes Franke: Aber ich sag dir eins, ich glaube, es hat nur was damit zu tun, dass die Qualität so schlecht ist, dass du Leinwand spielen kannst mit dem. Du kannst alles reininterpretieren, was du willst.
Florian Bayer: Vielleicht. Was ist der beste Mali?
Johannes Franke: Ihr sagt nicht Goofy. Wahrscheinlich ist der beste Marley der von Jim Carrey.
Florian Bayer: Auch interessant, ja, Gary Oldman.
Johannes Franke: Gary Oldman, ja.
Florian Bayer: Mein liebster Marley ist der aus Scrooged. Und um den besten Gratchet zu nennen, mein liebster Gratchet ist definitiv Kermit. Ganz klar. Oder ohne jeden Zweifel. Karmel ist der beste Cratchit. Wobei Mickey Mouse auf Platz 2 auch nah dran ist.
Johannes Franke: Stimmt, natürlich. Ja, du hast natürlich recht. Auf Platz 1 landet eigentlich immer die Muppets, aber ja gut.
Florian Bayer: Christmas Past, vergangene Weihnacht. Wer ist der beste Geist der vergangenen Weihnachten?
Johannes Franke: Der aus 1971.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Stich. Nehme ich auch. Okay. Present?
Florian Bayer: Present. Das ist schwer. Scrooge. Ich würde auch sagen zu Scrooge, aber ich habe Scrooge schon mal... Ach, die sind sich alle so ähnlich. Ich glaube tatsächlich... der aus dem Jim Carrey-Film. Und zwar wegen dieser Sterbe-Szene und weil er wirklich so opulent und so interessant ist. Den finde ich am coolsten als Christmas. Und dann haben wir noch Christmas Future, die auch alle gleich aussehen.
Johannes Franke: Da finde ich es von den Muppets am besten, weil die Muppets haben eine Struktur, so eine Steinstruktur in diesem Ding. Dadurch wird er noch mächtiger. Und dann steht er so in dem Set zwischen den beiden Häusern, die da diese Straße darstellen sollen, wo Cratchit wohnt. Und dann zeigt er ihm diese Sterbeszene von Tiny Tim, beziehungsweise er ist schon gestorben. Und da stehen die da zusammen... der dritte Geist und eben Scrooge in dieser einsamen Straße. Und das ist so ein krasses Bild. Dieser Monolith von Geist da steht in seiner steinernen Präsenz. Das finde ich toll.
Florian Bayer: Ich glaube, ich nehme den 1935er, der nur ein Schatten ist. Auch gut. Finde ich eine super Idee, den wir als Schatten darzustellen. Und hast du einen besten Christmas Carol Film?
Johannes Franke: Of all?
Florian Bayer: Ja, Muppets. Es ist hart, es ist schwer. Ich glaube, ich nehme den 1970er, das Musical, weil der so schön durchgeknallt ist. Aber die Muppets landen wahrscheinlich auf Platz zwei.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wenn ich nochmal drüber nachdenke, ist es wirklich so ein Zweikampf. Also 1970er oder den Muppet-Film.
Johannes Franke: glaube, ich bin da ziemlich nah bei dir dran. Also bei mir gewinnen die Muppets auf jeden Fall, aber der 1970er-Film ist schon wirklich, der ist so durchgeknallt, der hat so tolle Ideen und der ist so absurd mit diesem Schauspieler, der mit Mitte 30 den 80-Jährigen spielt.
Florian Bayer: Ja, das ist super, oder?
Johannes Franke: Ja. Das ist schön. Flor, warum? Es ist doch... Du willst mich ins Irrenhaus bringen, Flur. Was ist los? Zum Ende des Jahres nochmal so... Das Jahr war so gut, Plur.
Florian Bayer: Ich will dich einfach bekehren, so wie Scrooge bekehrt wurde.
Johannes Franke: Das kannst du voll vergessen.
Florian Bayer: Jetzt hattest du eine ganze Woche alte, knauserige Leute, die zum wahren Weihnachten bekehrt werden.
Johannes Franke: Bah, Hamburg.
Florian Bayer: Und ich glaube, damit können wir zu unserer Top 3 rüber schwenken, oder?
Johannes Franke: Ja, gehen wir zu unserer Top 3. Unsere Top 3. Ach, Floor, Weihnachten. Was gibt es an Weihnachten überhaupt noch Gutes?
Florian Bayer: Nichts. Also, wir haben uns unsere Top 3 an den Kopf geschmissen. Ich weiß gar nicht, wer angevergleitet. Ich glaube, ich habe gesagt, Johannes, ich will alles, was an Weihnachten toll ist von dir. Und dann hat Johannes gemeint ... Ich will dann von dir, was an Weihnachten nervig ist. Und so sind zwei Top-3-Listen entstanden jeweils von uns. Ich muss da aufschreiben, was ich an Weihnachten nervig finde. Hab trotzdem aufgeschrieben, was ich auch an Weihnachten toll finde.
Johannes Franke: Ja, und ich hab's auch andersrum gemacht. Ich hab beide Listen gemacht, aber ich würde sagen, wir werfen sie uns so an den Kopf, dass du... Das eine und ich das andere und dann andersrum.
Florian Bayer: Okay. Weihnachtsplätzchen!
Johannes Franke: Auf Platz 3 bei dir von den guten Sachen oder bei den schlechten Sachen?
Florian Bayer: Ich habe eine Top 300, was gute Sachen betrifft. Ich hatte total unsortiert einfach Sachen aufgeschrieben. Ich habe Weihnachtsplätzchen zweimal aufgeschrieben, weil ich so im Rausch war, als ich die Liste gemacht habe.
Johannes Franke: Ich habe ganz große Schwierigkeiten gehabt, gute Sachen an Weihnachten zu geben.
Florian Bayer: Weihnachtsplätzchen. Du hast Weihnachtsplätzchen gebacken. Er hat mich heute begrüßt mit einem Weihnachtsplätzchen, das wirklich gut geschmeckt hat, das süß war, mit Zuckerguss obendrauf, so wie es sein soll.
Johannes Franke: Naja, aber ich habe eine komplette Fuhre verbrannt und das ist alles irgendwie so.
Florian Bayer: Sprannte Weihnachtsplätzchen gehören genauso auf diese Liste.
Johannes Franke: Krebsweihnachtsplätzchen oder was? Was soll das?
Florian Bayer: einfach diese Freude, den Herd aufzumachen und festzustellen, wie war das von der Weihnachtsbäckerei. Die Weihnachtsbäckerei muss ich noch mit aufnehmen. Kennst du von Rolf Zukowski die Weihnachtsbäckerei?
Johannes Franke: Verbrannt. Ja, verbrannt.
Florian Bayer: Fantastisch, weiter. Was ist dein erster nerviger Punkt?
Johannes Franke: Also das Schlimme, okay, Platz 3. Eigentlich alle auf Platz 1. Man kann einfach nicht vernünftig weiterarbeiten. Ich will meine Sachen, meine Projekte. Am Anfang des Monats wird einem gesagt, ja, wir müssen vor Ende des Jahres noch dieses Projekt. zu Ende bringen und ich denke jedes Mal, ich gehe jedes Mal in die Falle und denke, ja gut, ich habe ja 31 Tage. Nein, ich habe 18 Tage, weil danach ist nichts mehr.
Florian Bayer: Das ist fantastisch. Ich nehme aus meinen Top 300 einfach immer die Gegenentwürfe zu deinem. Weihnachtsferien! Yeah! Wir machen bei uns meistens so, Mitte Dezember wird bei uns dicht gemacht. Ich habe noch eine Restwoche Urlaub. Ich habe den Dezember frei. Furchtbar. Großartig. Einfach nur mal Spaß haben, Freude haben.
Johannes Franke: Aber ich habe nur 18 Tage Zeit, irgendwie ein Projekt fertigzustellen, wofür ich eigentlich 31 Tage hätte. Was soll das?
Florian Bayer: Weihnachtsferien.
Johannes Franke: Fuck. Und das erwarten auch alle von einem, weil man das ja noch bis Ende des Jahres fertig machen muss, weil alle Projektanträge bis Ende des Jahres gewählt sind.
Florian Bayer: Das ist das falsche Mindset. Am Ende des Jahres musst du sagen, leck mich alle am Arsch, jetzt ist Weihnachten. Dein Platz zwei, los.
Johannes Franke: Nein, du musst deinen Platz. Ach, das war dein Platz zwei?
Florian Bayer: Ich habe hier wirklich eine große Liste. Ich kann es nicht ändern.
Johannes Franke: Okay, mein Platz zwei, was scheiße ist an Weihnachten, ist die ganze Erwartung, Die von allen Menschen auf einen lastet. Die Erwartung, dass es ein ganz, ganz tolles Treffen wird, dass sich alle vertragen werden, dass wir alle ganz tolle, die tollsten. Geschenke der ganzen Welt bekommen, dass das Essen schmeckt, dass nichts verbrennt, dass sich alle lieb haben, obwohl alle eigentlich die ganze Zeit nur genervt, ab der Hälfte des ersten Tages kracht es schon. Es ist alles so, nein, um Gottes Willen.
Florian Bayer: Nein, total. Tolles Weihnachtschaos, großartig. Und zu diesem Weihnachtschaos gehören auch die Streitereien. Man trifft sich mit der Familie, man isst zusammen, man diskutiert, man fängt an, sich über Impfungen zu streiten. Dieses Jahr wird großartig, allein deswegen. Und dann Geschenke, genau das. Letztes Jahr an Weihnachten, vorletztes Jahr bei meinen Eltern, ich habe ein Geschenk ausgepackt. Ich habe ihnen dasselbe geschenkt, wie sie mir hat. Nein. Die unendliche Geschichte illustriert, neue Illustrationen von der unendlichen Geschichte. Wir haben gleichzeitig das gleiche Buch ausgepackt. Und haben dann gelacht. Moment, das haben mir auch schon die Eltern von meiner Freundin geschenkt.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und dann hatte der... Der Mann von meiner Schwester hat eine Mütze geschenkt gekriegt. Das ist die Mütze, die ich jetzt gerade trage. Die habe ich nämlich dann gegen dieses Buch getauscht, weil ich das ja schon mal hatte. Das gehört zu Weihnachten dazu, dieses Chaos. Dass die Geschenke nicht perfekt sind. Dass man anfängt, die Geschenke auszupacken und sich trotzdem drüber freunden. Dass man dann anfängt, Geschenke zu tauschen. dass man zusammensitzt und zusammen ist. Natürlich ist das stressig und chaotisch, aber es ist auch schön, weil am Schluss sitzen alle zusammen unter dem Weihnachtsbaum und haben sich einfach nur lieb.
Johannes Franke: Und weißt du, was das Schlimmste ist? Geschenke, die gut sind. Dann bin ich auch noch gerührt. Und bin auch noch den Tränen nah, weil meine Mama wieder das ganze Jahr über gesammelt hat und irgendwelche ganz krassen Geschichten gefunden hat, die alle tatsächlich zu mir passen. Und ich dann denke, ach du Scheiße, wie so und heule vor mich hin und Und es ist emotional so anstrengend.
Florian Bayer: Ja, es ist so toll. Gute Geschenke zu kriegen und gute Geschenke geben und zu sehen, wie sich die Leute sogar freuen.
Johannes Franke: Und dann erwarten aber auch alle Menschen von mir, dass ich richtig gute Geschenke kriege. Und ich habe null Ideen für niemanden. Nichts. Für meinen Kater, dem schenke ich was zu futtern, was er letzten Tag auch bekommen hat. Der freut sich.
Florian Bayer: das ist nicht der Gedanke von Weihnachten. Du darfst nicht, du musst dich einfach darüber freuen, wenn du es geschafft hast, den anderen was zu schenken, über das sie sich freuen. Erwartungshaltung komplett ignorieren. Und manchmal kriegt man halt zu Weihnachten auch was, was man nicht so geil findet. Da kann man auch mal spielen, dass es trotzdem schön ist. Das funktioniert ja auch mal. meistens so halbwegs gut. Dann können die Leute in der Runde raten, freut er sich jetzt wirklich oder macht er nur so? Das gehört auf jeden Fall dazu.
Johannes Franke: Oh Gott. Okay, Platz 1. Das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist natürlich der Kapitalismus.
Florian Bayer: Aber der Kapitalismus ist nicht durch Weihnachten da. Der Kapitalismus ist das Ganze.
Johannes Franke: Das ist mir doch egal, aber das ist die... Manifestierung von Kapitalismus, diese ganze Geschenke und dieses ganze, wer schenkt wem was und wie viel, ab wann darf man beleidigt sein, dass man nichts ordentliches bekommen hat. Und wir zerren unsere Kinder da noch mit rein, die überhaupt nichts dafür können, dass wir den scheiß Kapitalismus erfunden haben und uns immer noch freuen, dass er da ist. Ich finde das totaler Scheiß.
Florian Bayer: Aber du gehst da mit dem falschen Gedankengang ran. Es ist einfach wichtig, und das steht auch auf meiner Liste, sich was Gutes tun. Sich was gönnen und anderen was gönnen. Das ist ja vor allem das Schöne. Und das eben nicht mit der Erwartung, ich will was Gutes kriegen, sondern nein, ich will was Schönes schenken. Ja, aber das ist es ja natürlich. nicht. Und das kann auch ein selbst gemaltes Bild sein. Ja, aber ich freue mich über ein selbst gemaltes Bild von meinem Kind. Mein Kind kauft mir nichts zu Weihnachten. Der ist nicht im kapitalistischen System gefangen. Der malt mir was. Und dann sage ich, geil, das ist ein Superheld. Und dann sagt er, nein, das ist ein Vulkan. Und ich sage, toll.
Johannes Franke: Und dann kommt es an den Kühlschrank und dann hast du das ganze Jahr über als Kind, also ich zumindest dann als Kind, dann hängt das da und ich denke die ganze Zeit... Ach du Scheiße, das ist doch ein totaler Scheiß. Wieso hängt meine Mutter sich das immer noch dahin, wo das technisch totaler Blödsinn ist? Also ich als Kind zumindest habe mir das dann gedacht, um Gottes Willen, warum hängt es da? Es ist peinlich.
Florian Bayer: Und dann kriegst du Sachen mit, den du gerechnet hast, du kriegst Sachen, mit denen du nicht gerechnet hast, du kriegst Sachen, die du total old findest, du kriegst Sachen, die total schön sind und du hast einfach Du hast dir einfach was gegönnt und ja, natürlich ist das irgendwie Konsum und das ist natürlich auch ganz oft Ramsch, die man nicht braucht. Aber Ramsch, den man nicht braucht, der macht das Leben ja auch ein bisschen schöner. Und es geht hier nicht darum, dass man was Cooles, Teures kauft. Ich rede hier nicht von Goldketten mit Schmuck und...
Johannes Franke: Aber das ist wenigstens noch einfach. Da kann ich jemandem Geld ins Gesicht werfen und sagen, gib her, ich schenke das jetzt meiner Frau.
Florian Bayer: Selbst Geldgeschenke können schön sein. Es geht ja auch einfach darum, dass man sagt, hey, ich denke an dich und ich habe mir ein bisschen Gedanken gemacht und du kriegst was von mir.
Johannes Franke: Ich habe mir Gedanken gemacht, ob ich den rosa Schein nehme oder den blauen.
Florian Bayer: Ja, der Akt des Schenkens ist einfach total schön. Weil es zeigt so, hey, ich... drücke meine Wertschätzung auf etwas unbeholfene Art und Weise aus, aber du weißt, was dahinter steht.
Johannes Franke: Ja, 5-Euro-Schein.
Florian Bayer: Weihnachtsmusik. Was ist mit Weihnachtsmusik? Weihnachtsmusik ist toll.
Johannes Franke: Ich bin ein ganz großer Fan von Frank Sinatra.
Florian Bayer: Danke.
Johannes Franke: Und zum Glück hat Frank Sinatra nicht nur Weihnachtsalben aufgenommen, aber selbst die Weihnachtsalben von Frank Sinatra und dem Rat Pack und so weiter sind schön.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, die Prattpack-Musik funktioniert auch an Weihnachten, ohne dass die Weihnachtsalben sind. Absolut. Weihnachtsmusik.
Johannes Franke: Ich finde es total großartig. Also das finde ich toll. Ich komme irgendwo in den Laden rein und es läuft Frank Sinatra zu Weihnachten. Meinetwegen das ganze Jahr, aber gut, wenn sie sich dann nur auf den Dezember stürzen, sollen sie machen.
Florian Bayer: Gutes Essen, mit der Familie zusammen sein. Weihnachtsplätzchen habe ich schon genannt. Last Christmas. Ein toller Popsong. Ich werde nie verstehen, warum Leute hier den Cringe spielen müssen, weil es einfach ein perfekt geschriebener Song ist. Willst du noch mal hören?
Johannes Franke: Nein, bitte nicht. Okay, jetzt möchte ich aber von dir, dass du die Sachen rausholst, die dir nicht gefallen.
Florian Bayer: Okay, wir werden jetzt kurz ernst.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Platz drei.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Vollkommen spekuliert aus der Luft heraus, aber weil es Thema ist in den letzten Jahren, glaube ich, der CO2-Abdruck. Weihnachten hat mit Sicherheit einen richtig, richtig, richtig, richtig miesen CO2-Abdruck.
Johannes Franke: Und dann haben die auch noch Cyber Monday und Black Friday erfunden.
Florian Bayer: Du bist bei deiner guten Liste.
Johannes Franke: Ups.
Florian Bayer: Du hast kein Recht mehr zu nörgeln. Du musst jetzt Sachen nennen, die positiv sind. Ich glaube, der CO2-Abdruck von Weihnachten ist echt beschissen. Und das ist auch so ein Ding, wo man sich fragt, wie kriegen wir das gehandelt? Weil so viel, was mit Weihnachten zusammenhängt. Und ich meine ... Weihnachtsbäume natürlich, obvious. Aber auch so was wie Geschenke, die von China und Japan nach Deutschland geschifft werden und so weiter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Eben so das Essen, was um die Welt fährt, damit man seinen Krabbencocktail hat und so weiter. Alles Kacke. Weihnachten hat wahrscheinlich einen richtig, richtig miesen CO2-Abdruck.
Johannes Franke: Positiv bitte. Was Positives, Moment. Die Menschen sind zu Weihnachten... oft spendenbereiter.
Florian Bayer: Stimmt tatsächlich, ja.
Johannes Franke: Und das ist schon... Wenn wir es nicht schaffen, das ganze Jahr über nicht schaffen, den Menschen irgendwie beizubringen, dass sie aufeinander achten sollen und dem anderen wenigstens... Also wenn man mehr hat als die anderen, sollte man geben. Und wenn man es nicht schafft, das ganze Jahr über das Menschen beizubringen und wenigstens irgendwas hat, woran man sich festhalten kann und sagt, tu es wenigstens zu Weihnachten. Ja, dann ist das halt so. Dann gut. Aber dann sind sie wenigstens in einer Phase ihres Jahres durchgeführt. dazu bereit, ein bisschen was von ihrem eigenen Reichtum abzugeben.
Florian Bayer: Platz zwei. Oh, das ist sehr schwer gefallen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Platz zwei, das Wetter. Also, ich rede natürlich von hier. Aber sind wir mal ehrlich, Weihnachten ist Kackwetter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Weihnachten hatte, wo gutes Wetter war. Es ist verregnet, es ist kalt. Man hat immer so ein bisschen die Hoffnung, eine Woche vorher fängt diese Hoffnung an, es könnte eine weiße Weihnacht geben. Man weiß genau, das Maximum, was wir an weißer Weihnacht hier in Ostdeutschland erreichen, ist Schneeregen. Vielleicht mit so einem kleinen Schneehaufen und unten drunter ist die Matschpfütze. Das Wetter ist einfach immer scheiße an Weihnachten.
Johannes Franke: Ja, aber wir haben Weiße Weihnachten erlebt als Kinder, oder?
Florian Bayer: Ja, aber auch nicht so oft. Ich bin im Südwesten groß geworden, da war die Chance höher, aber auch selbst da nicht. Wenn ich an Weihnachten zurückdenke, denke ich immer an schlechtes Wetter zurück.
Johannes Franke: Schade. Ja. Na gut. Ich bin immer noch in meiner guten Liste. Süßigkeitenteller. Ich mag den Süßigkeitenteller, den wir jedes Jahr bekommen.
Florian Bayer: Was ist da drauf?
Johannes Franke: Da sind so Marzipan... Kugeln und Marzipan. Wie heißen die Dinger? Ich weiß es nicht. Diese komischen Sterne, die so Zuckergusszeug drauf haben und so. Ich mag den Süßigkeiten-Teiler. Könnte ich gerne haben.
Florian Bayer: Und zwar, da schließe ich ganz viele mit ein. Das betrifft sowohl die konservativen Christen, die sagen, ach, nee, nicht dieser ganze Konsumwahn und Weihnachten ist doch das Fest, wo wir die Geburt unseres Herrn feiern sollen. Die schließt sich genauso ein, wie die... keine Ahnung, die reichen Leute, die ja im modernen Christentum in Amerika anhängen und sagen, Nein, Weihnachten müssen wir das Teuerste vom Teuersten kaufen und die besten Geschenke und so weiter. Aber da schließe ich halt auch die mit ein, die sagen ... Nein, Weihnachten soll man nur zusammen harmonisch mit seiner Familie sein und am besten gar nichts schenken. und ich möchte nicht ins Geschenk kriegen, ich möchte, dass ihr Spenden macht. Das ist alles okay. Aber diese Diskussion darüber und diese Haltung, vor allem diese missionarische Haltung, damit habe ich den Geist... Ich weiß, was der echte Geist von Weihnachten ist. Weil Weihnachten, der wahre Geist von Weihnachten, das gibt es einfach nicht. Weihnachten ist ... Weihnachten zelebriert jeder anders und jeder hat seine eigenen Traditionen. Und ich glaube, darum geht es auch an Weihnachten letzten Endes. Es ist so ähnlich wie zu sagen, was der wahre Geist der Sommerferien. Manche sagen wandern gehen, andere sagen am Strand rumhängen und wieder andere sagen arbeiten, weil ich dann endlich mal Zeit habe, die Arbeit zu machen, die liegen geblieben ist. Der wahre Geist von Weihnachten ist, dass man seine eigenen Traditionen mitbringt, neue Traditionen erschafft. einfach guckt, wo man sich da drin bewegt. Und das macht jeder anders. Und wenn die Leute in die Kirche gehen wollen und danach ... aus dem Evangelium lesen und so weiter, total cool. Und wenn die Leute einen kitschigen Plastikweihnachtsbaum haben wollen und Weihnachtsmusik von Frank Sinatra hören, auch total toll. Wenn die Leute sich mit Geschenken zuscheißen wollen, auch total toll. Aber hört mit diesem Missionarismus aus. Jeder darf Weihnachten feiern, so wie er möchte. Und es gibt keinen wahren Geist von Weihnachten. Und es ist nicht so, dass der wahre Geist von Weihnachten Frieden auf Erden und God bless us all ist. Nein, der wahre Geist von Weihnachten ist einfach, mach dein eigenes Ding, mach deinen eigenen Shit.
Johannes Franke: Der wahre Geist von Weihnacht ist zusammenzustellen, an welchen Zeitpunkten man zu Silvester Dinner for One gucken wird.
Florian Bayer: Das gehört auch zu Weihnachten dazu übrigens, auch so wie so grundsätzlich ganz großes Ding, das TV-Programm, das Filmprogramm an Weihnachten. Es gibt so viele Möglichkeiten, was man an Weihnachten gucken kann. Von die 10 Gebote bis zu Kevin allein zu Hause.
Johannes Franke: Du bist in einer negativen Liste, nicht in einer positiven.
Florian Bayer: Du musst noch den letzten positiven Punkt bringen.
Johannes Franke: Dann bist du erlöst. Letzter positiver Punkt, okay. Es ist doch ganz gut, vielleicht zusammen zu sitzen und aus dem Alltag raus katapultiert zu sein. Vielleicht.
Florian Bayer: Ich darf nicht. Ja komm, Flo, lass es raus. Weihnachten! Weihnachten! Leute, wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche besprechen, dann kommt nämlich ein Film, den ich Johannes aufgebe. Bleibt dran, wir sehen uns nach dem Outro.
Johannes Franke: Höfe. Tschüss. Höfe. Tja, da hätten wir dann noch etwas zu erledigen, Plur. Du musst mir noch was geben für nächste Woche.
Florian Bayer: Ja. Stimmt, diese Woche hatten wir ja jetzt so einmal voll den Weihnachtskitsch.
Johannes Franke: Ja, ich bin auch echt bereit. Also mein Hirn will nicht mehr richtig mitmachen. Kannst du vielleicht noch irgendwas rüberwachsen lassen und dann gehen wir schlafen? Für heute.
Florian Bayer: Okay, dann machen wir es kurz. Nach der Sentimentalität muss das Melodramatische kommen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich gebe dir einen Film von Wong Kar-Wai.
Johannes Franke: Das sagt mir gerade gar nichts. Aber sagt mir, dass du mir mal wieder Kunst geben wirst.
Florian Bayer: Wir müssen jetzt kurz, weil... Wir haben davor schon kurz drüber geredet, vor dieser Aufnahme. Und wir sind nämlich durchgegangen, weil es gibt viele Wonka-Wai-Filme, die toll sind. Und das Milieu-Dramatische ist gar nicht bei ihm zwingend vorhanden. Aber in dem Film, den ich Johannes gebe, weil Johannes draufgezeigt hat und gesagt hat, dann nimm doch den, der sieht gut aus. Und da kann ich nur sagen, okay Johannes, dann nehme ich den.
Johannes Franke: Oh Gott, das klingt gemein. Ich habe den damals gesehen als Plakat und dachte, das ist bestimmt toll. Ich weiß auch nicht, wer Wonka Wai ist.
Florian Bayer: Ein Hongkonger Regisseur. Und das ist ein... Liebesdrama? 2046, und Johannes hat sich dafür entschieden, weil das Plakat so schön nach Science-Fiction aussieht. Und ich sage ihm jetzt nicht, dass in dem Film vielleicht so 10 Minuten Science-Fiction vorkommen.
Johannes Franke: Oh, Manuel, Mist.
Florian Bayer: Aber ich bin sehr gespannt, was du davon hältst. Also ein großartiger Film. Okay. Ja, ein Hongkonger abstraktes Liebestrama, nicht der leichteste Film.
Johannes Franke: Ist das einer, der dann irgendwie nur mit englischen Untertiteln oder mit spanischen Untertiteln irgendwo zu finden ist und man sich zusammenreiben muss, worum es geht.
Florian Bayer: Die Suche gehört zum Spaß dazu.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Zur Not habe ich ihn auch auf DVD.
Johannes Franke: Okay, vielleicht komme ich darauf zurück. Ich weiß nicht, wo der im Internet zu finden ist. Okay.
Florian Bayer: Dann eine schöne Woche dir noch und danke für diese wundervolle Episode.
Johannes Franke: Ich hoffe, ihr guckt euch alle den richtigen Christmas Carol an. Und wir sehen uns dann, hören uns dann nächste Woche. Bis dann. Bis dann. Ciao. Einsam wacht nur das traute Hochheilige. Vielen Dank. Schlaf in Himmel. Schlaf in himmlischer Ruh.
Florian Bayer: Oh mein Gott, Flo. Lass uns mal einmal kurz anhören, aber ich glaube, genauso muss es klingen.
