Episode 52: 2046
2046 ist das letzte Jahr von Hongkongs Sonderstatus als autonome Sonderverwaltungszone innerhalb der Volksrepublik China. 2046 ist die Nummer des Hotelzimmers, neben dem der Schriftsteller Chow Mo-Wan im Hong Kong des Jahres 1968 sein Quartier bezieht. Er mag die Zahl, nicht zuletzt auch, weil das Hotelzimmer, in dem er viele Jahre zuvor eine Affäre hatte, die gleiche Nummer besaß. 2046 ist der Titel des von Chow geplanten Romans. Es geht weniger um das Jahr 2046 als vielmehr um einen abstrakten zukünftigen Ort, 2046, ein Ort der Sehnsucht, durchzogen von einem komplexen Schienennetz, ein Ort, der sich – so sagt man – nie verändert. Menschen pendeln in endlos lange fahrenden Zügen dort hin… oder von dort weg, und einer der Passagiere verliebt sich in eine Androidin, die seine Liebe jedoch nicht erwidern kann.
2046 aus dem Jahr 2004 ist der achte Spielfilm von Wong Kar Wai, einem der wichtigsten Regisseure Hongkongs. Er erzählt von Chows Leben im Hotelzimmer 2047 und vor allem von den Frauen, denen er im Nebenzimmer 2046 begegnet. Da ist die Tänzerin Lulu, der er einst in Singapur begegnete und die sich nicht mehr an ihn erinnern kann. Da ist Jing-Wen, die Tochter des Hotelbesitzers, die in einen Japaner verliebt ist, der von ihrem Vater nicht akzeptiert wird. Da ist die Prostituierte Bai Ling, die sich schließlich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Chow einlässt. Dazwischen gibt es Erinnerungen an verflossene Lieben und Affären, Träume und Hoffnungen… und eine scheinbar stillstehende Zeit, zumindest zeitweise.
Der ultimative Liebesfilm, so wurde 2046 im deutschen Verleih genannt. Ein größenwahnsinniges Statement, aber durchaus ein passendes. In 2046 geht es um die Liebe als Sehnsuchtsort, als abstrakten Raum, als Gesuchtes und Nicht Gefundenes. Als Versprechen, dass es bei dem nächsten Mal vielleicht doch endlich klappen wird. Als Hoffnung und Enttäuschung. Das alles in elegischen Cinemascope-Bildern, die sich in ihrer beiläufigen Poesie immer wieder einer konkreten Erzählung entziehen. Und dann auch noch mit der kulturellen Barriere, die ein Film aus Hong Kong für uns als westliches Publikum praktisch zwangsläufig mitbringt.
Puh… trotzdem sehenswert? Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 52: 2046 Publishing Date: 2021-12-29T10:12:44+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/12/29/episode-52-2046/
Johannes Franke: Rise and shine, welcome everyone.
Florian Bayer: Leuchtendes Schweigen. So hat es sich gerade angefühlt, als Johannes seine Notizen sortiert hat und mich teilweise dazwischen verzweifelt angeschaut hat. Ich habe ihm diese Woche aber auch wieder einen Brocken aufgegeben, glaube ich.
Johannes Franke: Zuerst, Floor, wie war dein Weihnachten für dich?
Florian Bayer: Fantastisch. Alles, was dazugehört. So ein schönes Weihnachten. Freude, Freude, Freude. Ich hoffe, ihr habt Weihnachten gut überstanden. Hast du Weihnachten gut überstanden, Johannes?
Johannes Franke: Es war wundervoll. Was hast du geschenkt bekommen? Viele tolle Sachen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber man musste dazu sagen, dass wir das Anfang Dezember aufnehmen.
Florian Bayer: Du machst die ganze Illusion kaputt. Jetzt kommen die Leute aus der fröhlichen Weihnachtsstimmung und werden von uns in die Anfangs-Dezember-Depression zurückkommen.
Johannes Franke: Nein, wir haben natürlich ein wundervolles Weihnachten gehabt. Es gab keinen Lockdown. Karl Lauterbach hat seinen Job so gut gemacht, dass inzwischen alles wieder ganz normal ist und der Virus vor Schreck einfach abgehauen ist oder so.
Florian Bayer: Wir können uns aufs neue Jahr freuen. Okay. Johannes hat es jetzt ja auch nur erzählt, dass wir das Anfang Dezember aufnehmen, um zu verschleiern. Dass wir das eigentlich Anfang Februar aufnehmen. Also wir befinden uns schon im Jahr 2022, wenn wir das aufnehmen. So, andere Podcasts machen so, dass sie voraufnehmen und... Wir nehmen die Sachen danach auf und senden sie dann vorher.
Johannes Franke: Wir brauchen ja auch ein besonderes Konzept, weil ja alle anderen machen das so, also müssen wir es anders machen.
Florian Bayer: Und so ein bisschen chronologische Unordnung ist manchmal auch gar nicht so verkehrt. Damit kann man viel erreichen. Wie auch unser Regisseur Wonka Wei, den wir heute besprechen werden, weiß.
Johannes Franke: Deswegen werde ich es folgendermaßen machen, um euch gänzlich zu verwirren, werde ich wie Wonka Vai, wir werden die Episode so aufnehmen chronologisch und dann werde ich sie auseinandernehmen und Und dann ein Stück von hinten nach vorne schneiden und dann vielleicht aus der Mitte irgendwas nach hinten bringen und so. Und dann werdet ihr vielleicht einfach... rausfinden müssen, was damit gemeint ist und was der Regisseur sich dabei gedacht hat.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt, bleibt dran. Ich freue mich sehr, Johannes. Es war mir wie immer eine Freude. Ciao. Tschüss. Also.
Johannes Franke: Wie willst du das jetzt auflösen?
Florian Bayer: Dein Platz zwei ist... Das war aber jetzt wirklich eine schöne Liste, muss ich sagen. Johannes, braucht die Welt wirklich einen weiteren Podcast? Nein, aber ich. Falls es euch jetzt verwirrt, nichts geschnitten, das machen wir gerade alles live. Wir kommen zu unserem Film. Wir reden heute über einen Regisseur des Hongkonger Films über Wong Kar Wai. Und zwar über seinen Film 2046, einen seiner etwas schwereren Filme.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dazu muss ich sagen, ich hab letztes Mal, als wir überlegt haben, was für ein Film heute drankommt, hab ich gemeint, ach, ich könnte hier eigentlich Wong Kar Wai geben. Und dann hab ich... hab ich so geguckt und hab gesagt, ja, vielleicht Junking Express, den mag ich wirklich sehr, aber Fallen Angels ist auch toll. Die sind so beide ein bisschen lustig, ein bisschen tragisch, Episodenfilme. Und dann hat Johannes auf den Film gezeigt, die am meisten nach Science-Fiction aussah, denke ich. Und hat gesagt, den hier, den hier, den hier. den hier. Und das ist einer seiner jüngeren Filme, nämlich 2046. Und da meinte ich, okay...
Johannes Franke: Ich hatte halt damals das Plakat gesehen und dachte, es sieht sehr gut aus. Ich weiß sogar noch, wo ich lang gelaufen bin und welche Gedanken ich dabei hatte, um diesen Film, weil ich den Film gucken wollte, weil ich dachte, der sieht irgendwie interessant aus. Hätte ich mal nicht gedacht.
Florian Bayer: Du nimmst es schon vorweg. Das ist so traurig. Ich habe noch nicht mal meine Einleitung gebracht.
Johannes Franke: 2046, ich gebe dir jetzt eine Einleitung, Chlor. 2046 ist die Zahl der Momente, wo Wonka Wey den Film umgestellt hat.
Florian Bayer: 2046, das ist vor allem auch das letzte Jahr von Hongkongs Sonderstatus als autonome Sonderverwaltungszone innerhalb der Folgen.
Johannes Franke: Das ist alles intellektualisiert.
Florian Bayer: Und 2046, um das noch dazu zu sagen, ist die Nummer des Hotelszimmers. neben dem der Schriftsteller Chao Mo Wan im Hongkong des Jahres 1968 sein Quartier bezieht. Er mag die Zahl, nicht zuletzt auch, weil das Hotelzimmer, in dem er viele Jahre zuvor eine Affäre hatte, die gleiche Nummer besaß. 2046 ist auch der Titel des von Ciao geplanten Romans. Es geht weniger um das Jahr 2046 als vielmehr um einen abstrakten zukünftigen Ort 2046. Ein Ort der Sehnsucht, durchzogen von einem komplexen Schienennetz. Ein Ort, der sich, so sagt man, nie verändert. Menschen pendeln in endlos langen, fahrenden Zügen dorthin oder von dort weg. Und einer der Passagiere verliebt sich in eine Androidin, die seine Liebe jedoch nicht erwidern kann.« Okay, 2046 ist vor allem aus dem Jahr 2004 und der achte Spielfilm von Wong Kar-Wai, einen der wichtigsten Regisseure Hongkongs. Dieser Film erzählt von Chaus Leben im Hotelzimmer 2047 und vor allem von den Frauen, denen er im Nebenzimmer 2046 begegnet. Da ist die Tänzerin Lulu, der einst in Singapur begegnete und die sich nicht mehr an ihn erinnern kann.« Da ist Ying Wen, die Tochter des Hotelbesitzers, die in einen Japaner verliebt ist, der von ihrem Vater nicht akzeptiert wird. Da ist die Prostituierte bei Ling, die sich schließlich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Schau einlässt. Dazwischen gibt es Erinnerungen an verflossene Lieben und Affären, Träume und Hoffnungen und eine scheinbar stillstehende Zeit. Zumindest zeitweise. Der ultimative Liebesfilm. So wurde 2046 im deutschen Verleih genannt. Ein größenwahnsinniges Statement, aber durchaus ein passendes. In 2046 geht es um die Liebe als Sehnsuchtsort, als abstrakten Raum. Als gesuchtes und nicht gefundenes. Als Versprechen, dass es bei dem nächsten Mal vielleicht doch endlich klappen wird. Als Hoffnung und Enttäuschung. Das alles in elegischen Cinemascope-Bildern, die sich in ihrer beiläufigen Poesie immer wieder einer konkreten Erzählung entziehen. Und dann auch noch mit der kulturellen Barriere, die ein Film aus Hongkong für uns als westliches Publikum praktisch zwangsläufig mitbringt. Trotzdem sehenswert, Johannes.
Johannes Franke: 2046 ist nämlich auch die Zahl, wie oft man den Film geguckt haben muss, um zu verstehen, was er einem sagen möchte. Und die Anzahl der Frauen, die dieser Typ hatte, um den es geht. Und die Anzahl der Male, die man sich fragt. Hä? Hä?
Florian Bayer: Warum will ein Film... Ein Film will einem nichts sagen. Ein Film ist doch kein denkendes Lebewesen, das ein... Einen klaren Zug hat und ein klares Ziel. Ein Film ist erstmal ein Film, der irgendetwas aufmacht.
Johannes Franke: Doch, ich glaube schon, dass ein Film das ist, wenn man der Theorie folgt, dass jedes Mal ein Teil der Seele des Regisseurs in den Film übergeht.
Florian Bayer: Aber tatsächlich steckt in diesem Film sehr viel Seele von Wong Kar-Wai. Ja, das ist zu merken. Ich nehme deinem Kommentar schon raus, du warst nicht so begeistert von dem Film wie ich.
Johannes Franke: Nein, ich bin auf Krawall gebürstet.
Florian Bayer: Du bist auf Krawall gebürstet, okay. Verstehe. Was ich auch total nachvollziehen kann, natürlich, also um das gleich vorweg zu sagen, wir haben hier einen Hongkonger Film und wir haben hier einen speziellen Regisseur. eines speziellen Kinos aus Fernost. Das heißt, es folgt natürlich eigenen Gesetzen. einer eigenen Ästhetik, einer eigenen Art zu erzählen und Um das vielleicht noch dazu zu sagen, tatsächlich gehört 2046 zwar zu den schwereren Filmen, emotional schwereren Filmen von Wong Kar Wai, Aber dann doch zu denen, die sortierter sind. Die weniger Sprünge haben zwischen den Handlungen. Die weniger die Handlungen durcheinander werfen. Also Wong Kar Wai... Er zählt gerne nicht puzzelartig, weil er seine Filme eher weniger als Rätsel aufbaut. Aber er erzählt gerne so ein bisschen mosaikhaft. Weil er will am Schluss so ein Bild haben. Mhm. Und er bringt den Zuschauer dazu, immer andere Stellen von dem Bild zu fokussieren und das macht er manchmal krasser, indem er mehr durch die Zeiten springt und mehr durch die Handlungsebene. springt, wie zum Beispiel in seinen Episodenfilmen. In 2046 geht er von ein, zwei Ausnahmen abgesehen doch relativ chronologisch vor. Also ich finde zumindest, wenn man so die Grundhandlung sich betrachtet ... die auch zusammengehalten wird durch den Off-Erzähler, kann man der Geschichte folgen, oder? Hatten sich da schon die Probleme ergeben?
Johannes Franke: Man kann es nach, weiß ich nicht, einer halben Stunde oder sowas, kommt das so zum ersten Mal, dass man aneinanderhängende Erzählstränge hat, wo man sagt, okay, jetzt folge ich mal etwas wirklich länger. Das stimmt. Ja, du hast einen großen Block. Wo du dann verstehst, aha, es geht jetzt um diesen Typen, der in diesem Hotelzimmer ist und in dem Hotelzimmer nebenan sind bestimmte Dinge, die er... mit denen er zu tun hat. Frauen, Sex, Prostitution, solche Dinge. Aber es dauert erstmal einen Moment.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Man braucht ein bisschen, um da so ranzukommen und Es gibt bestimmt Leute, die das schon aufgegeben haben. Möglich. Aber das Interessante ist ... dass du zwar auf der erzählerischen Ebene plötzlich einen klaren Handlungsort hast, wo mal Leben reinkommt, wo du mal weißt, okay, da kann ich mich jetzt dran festhalten. Aber dann fängt er an, auf den anderen Ebenen irgendwie rumzuschwimmen und man irgendwie... Alle anderen Fäden, an denen man sich vorher vielleicht festhalten konnte, fangen an zu schwimmen. kein leicht zu genießender Film.
Florian Bayer: Definitiv nicht. Das ist auch, weil er eben dieses Abstrakten mitbringt, weil er diesen großen Rahmen drumherum Das ist ja diese fiktionale Handlung, also diese Geschichte, die Chau schreibt, dieses 2046 und darauf wird immer mal wieder referiert. Und das wird am Anfang so aufgemacht, als ob das der Raum wäre, in dem der Film stattfindet. Tatsächlich nehmen die Bilder aus der Zukunft einen sehr kleinen Teil des Films ein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann sind die Bilder aus der Zukunft natürlich auch noch parabolische Auseinandersetzungen von Zhao mit seiner Realität, wo er eigentlich über jemand anderen schreibt. aber dann irgendwann feststellt, dass er über sich schreibt. Und die Figur, über die er schreibt, die eigentlich jemand anderes ist, die er aber eigentlich ist, wird dann auch noch von einem anderen Darsteller gespielt. Das ist nämlich dieser Japaner. Chao selbst ist kein Japaner. Dieser Japaner, der in dem Zug eben nach 2046 ist oder von 2046, das verschwimmt dann auch so ein bisschen. Er ist eigentlich in diesem Zug unterwegs. Und es ist nie so ganz klar, was dieses 2046 sein soll. Es wird irgendwann mal beiläufig gesagt, naja, 2046... Im Jahr 2046 ist die ganze Welt von diesen Schienen durchzogen. Aber eigentlich geht es gar nicht um das Jahr 2046. Es geht nämlich um diesen Ort 2046, diese Stadt. Und die ist komplett abstrakt. Also was wir darüber wissen ist, sie verändert sich nie. Menschen wollen dorthin gelangen, aber es ist noch nie jemand zurückgekommen, der dorthin gelangt ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es bleibt komplett dieser abstrakte Raum. Hast du versucht, da eine Deutung zu finden? Hast du dir ... irgendwie eine Interpretation zurechtgelegt oder hast du einfach gesagt, okay, ich scheitere daran und das interessiert mich gar nicht?
Johannes Franke: Na, mein Gefühl war am Anfang eigentlich ... dass er mir erzählen will, dass der Zug eigentlich, also der Weg ist das Ziel, also der Zug ist eigentlich 2046. Ja, also dass du ja ewig in diesem Zug sitzt, um da hinzukommen und auf dem Weg dahin passiert eigentlich alles das, was du glaubst, was erst dort passieren soll. Du löst dich im Grunde auf in Erinnerung. Ja. Also 2046 ist der Ort, wo dann Erinnerung ewig ist und irgendwie alles. Und ich finde das Konzept an sich... das Gefühl, das ich am Ende bekomme, wenn ich mich ein bisschen mit dem Film beschäftige, dass Wong Kar Wai eigentlich ... das als Definition von Zukunft angibt, nämlich dass Zukunft definiert wird als Ort, wo die Gegenwart Erinnerung ist.
Florian Bayer: Wow. Das ist gut. Also, ja.
Johannes Franke: Und das finde ich spannend. Das finde ich einen schönen Gedanken. Das finde ich einen spannenden Gedanken.
Florian Bayer: Es ist natürlich dieser Zug, es ist auch so eine Verlorenheit. Offensichtlich In dem Film geht es sehr viel darum, loszulassen oder beziehungsweise zu vergessen, wen man verloren hat, was man verloren hat. Das ist ja auch das, was unser Protagonist mit sich rumträgt. Schau, der ist schon ziemlich klar der Protagonist des Films. Er hatte eine große Liebe und die hat er verloren. Und er versucht irgendwie zu vergessen, versucht irgendwie eine neue Zukunft anzufangen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es geht auch darum, was Neues zu suchen, was Neues zu finden. Dass es eben auch in diesem... in dieser Fahrt nach 2046 symbolisiert, dass du halt immer ... Du bist irgendwie auf der Suche nach Liebe. Liebe ist schon so das große, umfassende Thema. Es geht darum ... Ich möchte das vergessen, was ich an Liebe verloren habe. Ich möchte was Neues an Liebe finden. Und ich bewege mich in irgendeinem merkwürdigen Zwischenraum. Und das ist es natürlich, dieses Zugfahren. Du fährst und du kommst nicht an, du findest nicht diese ... Diese Erfüllung, diesen Ort, in dem die Zeit stillsteht, das ist natürlich auch, wenn man es runterbrechen will auf ein einfaches Bild, ist es vielleicht auch einfach eine glückliche Beziehung. Du willst den Ort, in dem die Zeit stillsteht, Indem du nicht mehr nach neuer Romantik strebst, sondern indem du dein Glück gefunden hast und sagst, so, jetzt bin ich hier irgendwie settled. Jetzt bin ich glücklich und jetzt bin ich da angekommen.
Johannes Franke: Womit er natürlich eine Utopie aufmacht, die unter Umständen, also für den Pessimisten... Ist das eine nicht enden wollende Aufgabe.
Florian Bayer: Und er ist der Pessimist in dem Film. Die Suche nach der Liebe ist in diesem Film eine nicht enden wollende Aufgabe. Und es gibt immer Sachen, an denen man sich festhalten kann. Auch immer dieses Gefühl, habe ich jetzt meinen Seelenpartner gefunden? Aber dann... geht irgendwas schief oder die Liebe wird nicht erwidert oder es verliert sich auch einfach in dem Nebel, der Leben heißt. Das passiert ja auch ganz oft. Die Beziehung, es hört halt einfach auf, es zerfließt und ich glaube, Jeder Mensch, der irgendwie ein bisschen länger gelebt hat, kann das auch nachvollziehen. Das ist natürlich so... Vielleicht auch bestimmte Episoden im Leben gibt, in denen man das Gefühl hat, dass Liebe so funktioniert, aber es gibt es halt einfach so dieses, und es geht gar nicht so um Serienmonogamie oder sowas, das ist ja auch nicht das, was der Film aufmacht. der geht ja nicht von einer Beziehung zur nächsten, sondern auch wirklich einfach dieses Frauen finden, Frauen verlieren. Eine Frau anhimmeln, eine andere Frau anhimmeln. In einer Frau was sehen, was man in einer anderen Frau hatte, obwohl es gar nicht das ist. Und ich finde, er ist da schon thematisch sehr vielfältig, weil er eben ... eben diese verschiedenen Figuren hat und weil er unseren Protagonisten und auch uns durch diese verschiedenen Beziehungsgeflechte, die sehr unterschiedlich sind, stolpern lässt. Und auch immer so ein bisschen verloren sein lässt.
Johannes Franke: Damit kommen wir zu dem großen Problem, wirklich den allergrößten Problem, was diesen ganzen Film überspannt für mich. ist, dass es ein einziges, allein dass wir jetzt als zwei weiße Männer darüber reden, es ist ein Sausage Fest. Die Frauen, es gibt natürlich einen Haufen Frauen, klar, aber eigentlich ist dieser ganze Film über, er ist der Bogart. Der Geschichte. Und er geht nicht gut mit seinen Frauen um und sagt Sachen, wo man sich denkt, Alter ... Ich hoffe, du kriegst niemals irgendwie nochmal jemanden dazu, dir auch nur zu vertrauen. Man will nicht, dass er irgendwas schafft. Und das finde ich an dem Film wirklich schwierig, weil mir das den ganzen Film über immer wieder mich in Situationen bringt, wo ich sage... Jetzt reicht es mir aber langsam. Ich unterstütze dich in gar nichts mehr.
Florian Bayer: Ich mache gleich einen Film aus. Dass er so ein Chauvinist ist, dass er wirklich eine unangenehme Art hat, mit Frauen umzugehen. Ja.
Johannes Franke: Das geht nicht. Also es macht halt den Film und ich will eigentlich auch keinen Film mehr sehen heutzutage, der so... Gut, der Film ist von 2005 oder sowas. 2004. Ist vielleicht ein bisschen her, aber trotzdem. Irgendwie habe ich das Gefühl... Die Zeiten sind vorbei, wo wir uns solche Filme angucken, die nicht genug kommentieren. Ich meine, der spielt in den 60ern. Okay, das ist damals anders gewesen. Da ist man so umgegangen miteinander. Aber du musst es als Filmemacher heutzutage, musst du das kommentieren. Du kannst es nicht einfach hinstellen und sagen... Das ist übrigens die alte schöne Welt, in der das so ist, in der Männer mit ihren Frauen so umgegangen sind. So, Punkt. Nee, das geht nicht mehr.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, der Film kommentiert das.
Johannes Franke: Ja, ganz wenig.
Florian Bayer: Ich will ganz kurz auf die Vorgeschichte eingehen, weil ... Was definitiv stimmt, wir haben die Perspektive von unserem Protagonisten. Das heißt, wir haben eine männliche Perspektive auf die Liebe und wir haben eine... heteronormative Perspektive auf die Liebe. Auch wenn sie jetzt nicht eben dieses klassische heteronormative Beziehungsmodell die ganze Zeit lebt, aber es ist trotzdem eine klare heterosexuelle Perspektive spannend ist, wo der Film herkommt. Es gab Vor 2046 gab es In the Mode for Love. Das war auch ein Liebesfilm von Wonka Wai. Mit dem selben Protagonisten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und Wong Kar-Wai hat selbst gesagt zu dem Film, er ist keine Fortsetzung von diesem Film, sondern er ist ein Echo. Was ich eine schöne Umschreibung finde. Weil tatsächlich eine Mud for Love anders ist. Aber er erzählt auch von diesem Chao. Wenn man den gesehen hat, ist es total merkwürdig, was für einen Charakter wir hier als Chao präsentiert bekommen. weil der wirklich sehr anders ist als den, den wir in dem Mutvorderlauf kennengelernt haben. Um da kurz die Handlung... Es geht darum, dass dieser Zhao lebt zusammen mit seiner Frau in Hongkong und sie kriegen Nachbarn. Er und die Nachbarin stellen fest, dass ihre Partner miteinander eine Affäre haben. Also Chaus Frau hat mit dem Mann ... von der Frau von seiner Nachbarin, die Su Lijan heißt. Die haben eine Affäre miteinander. Und dann kommen sie sich darüber auch so ein bisschen näher. Aber das Problem ist, dass diese Su Li Chen eigentlich die ganze Zeit hofft, dass ihr Mann zurückkommt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der Chau ist so ein bisschen verloren und er mietet sich dann im Hotelzimmer, nämlich 2046, um mit ihr eine Affäre haben zu können. Und es ist nie so ganz glaubt, dass es einfach nur eine Rache an ihren Partnern ist, dass sie sich quasi aufeinander einlassen, weil die sich aufeinander eingelassen haben. Oder ob sie wirklich zwei Verlorene sind, die irgendwie nach Liebe und Halt suchen. Und es kommt nicht zu dieser Affäre. Und deren Beziehung ist die ganze Zeit von so einer krassen Zurückhaltung geprägt. Also es ist so null... sexualisiert. Es gibt zwar diese Romantik und es gibt diese leichte Körperlichkeit, die wird aber nie ausdefiniert. Und es ist ein Film, der die ganze Zeit von so einer krassen Zurückhaltung lebt. Und dieser Chao in dem Film ist halt auch ein total zurückhaltender Mensch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und zu Beginn von 2046 erzählt er dann, er war irgendwie unterwegs in Singapur und er kommt zurück nach Hongkong. Und er will offensichtlich diese Beziehung vergessen, die da nicht funktioniert hat, eben mit dieser Sue. Und es werden tatsächlich auch Bilder von In The Mode for Love am Anfang gezeigt. Und dann steigt der eine, okay, ich bin jetzt hier gelandet und ich nehme mir dieses Hotelzimmer, weil mich das an diese verflossene Liebe erinnert. Und dann sagt der Offerzähler ja ziemlich offensiv auch, ich wurde zum Frauenhelden. Und dann sehen wir plötzlich einen ganz anderen Menschen. Das ist ganz spannend, weil am Anfang haben wir noch so dieses Echo, wo wir herkommen, wo dieser Chao ein ganz anderer Typ ist. Und ich habe das deswegen auch ganz viel so gedeutet, dass diese Art, wie er im Hongkonger Nachtleben unterwegs ist, Dass das so eine Verarbeitung ist von der misslungenen Beziehung, von dem nicht gekriegten Glück und dass er so einen radikalen Gegenweg einschlägt. Und sich dann erstmal versucht zu greifen, was er sich greifen kann. Und das ist ja diese große und Das ist das Thema von dieser großen Beziehung, die im Zentrum des Films steht, die auch die längste Beziehung ist, die er hat. Und das ist halt mit dieser Prostituierten, mit dieser Beiling. zu der er dann ins Zimmer geht. Und ich finde, ihre Beziehung ist von gegenseitiger Respektlosigkeit geprägt. Stärker von seiner Seite, definitiv. Also das ist auch ganz, wo dieses sexistische Motiv am krassesten rauskommt, weil er sie einfach teilweise wie ein Produkt behandelt, das er konsumiert. Aber es gibt auch die Momente, wo sie ihn so behandelt. Und es gibt die Momente, wo er rasend eifersüchtig ist auf sie. Und es gibt die Momente, wo sie rasend eifersüchtig ist auf ihn. Also es gibt schon dieses Gegenspiel. Und sie ist eine starke Gegnerin.
Johannes Franke: Aber sie ist es nur am Anfang.
Florian Bayer: Findest du?
Johannes Franke: Ja, also vielleicht gibt es ein, zwei Momente später, aber gerade am Anfang ist sie natürlich diejenige, die sich wehrt, aber das ist ein klassisches Motiv. Das ist ein Motiv für Männer, die Frauen als Beute sehen. Die Beute muss sich am Anfang wehren. Die muss am Anfang sagen, nee, habe ich keine Lust drauf, will ich nicht. Dann will man sie erobern, dann muss man sie brechen. Und dann ist sie da. Und dann ist sie aber nicht mehr interessant und dann muss man sie hinten runterfallen lassen.
Florian Bayer: Aber sie lässt sich doch nicht von ihm brechen. Beziehungsweise brechen sich gegenseitig.
Johannes Franke: Sie ist ihm irgendwann so erlegt, Das sind ganz klare Situationen, wo sie wirklich verzweifelt irgendwie sich ihm noch entgegenwirft und er sagt, nee, jetzt nicht mehr. Das finde ich ganz schrecklich. Er versucht das ein bisschen zu verschleiern durch dieses ganze Geschwurbel in der Machart des Films. Aber es ist ein eindeutiges Motiv, was ich einfach nicht mehr sehen will.
Florian Bayer: Ich glaube, ich verstehe total, was du meinst. Ich finde tatsächlich, also ihre Affäre ... Es ist ja weniger so, dass sie sich so krass gegen ihn wehrt, sondern ihre Affäre. Heere ist ja sehr schnell in diesem leidenschaftlichen Modus, der dann auch in so einer Montage gezeigt wird, wo sie ständig einfach zusammen ins Bett fallen. Übrigens auch tatsächlich, um das noch dazu zu sagen, Wong Kar-Wai war noch nie so sexuell in seinen Filmen. Das ist total krass. Also seine Romanzen, die er in seinen Filmen immer hat, Liebe spielt bei ihm immer eine große Rolle, sind meistens eher unschuldig und eher von zurück. und so einer unschuldigen, fast schon platonischen Art geprägt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und wir haben hier im Mittelteil dann diese Montage von ihrer Affäre, wo wir sie einfach ständig zusammen übereinander herfallen sehen und in das Hotel fliegen. Zimmer fallen sehen. Und ich fand schon, dass das auch oft ein Kampf auf Augenhöhe ist, dass es nicht darum geht, dass er sie rumkriegen will und sie dann irgendwann bricht und irgendwann sein ist und irgendwann komplett ihm verfallen ist. sondern dass es ein ständiger Kampf drumherum ist. Ich gebe dir auf jeden Fall recht, dass es dieses sexistische Motiv gibt. Und dass es grundsätzlich dieses Motiv gibt, dass Frauen irgendwie als Beute betrachtet werden in seiner Rolle. Aber ich finde, durch ihre Art wird es auch wieder aufgebrochen. Weil sie ihn eben auch als Beute betrachtet.
Johannes Franke: Ja, naja, ja. Aber sie ist eindeutig, sie zieht immer den Kürzeren. Sie ist eindeutig später.
Florian Bayer: Aber es gibt auch die Momente, wo er sie fragt, hast du jetzt einen Kunden schon wieder? Und sie sagt so ja. Wo sie das auch hat. Und er fragt dann auch, willst du mich bestrafen oder sowas?
Johannes Franke: Ja, und sie sagt eindeutig, ich will gucken, ob das wirklich nichts ausmacht. Und das ist, ja, weiß ich nicht, das ist so ein kindisches Ding, was irgendwie nicht gut ist. Das ist nicht stark. Das ist keine starke Aktion von einer Frau.
Florian Bayer: Also ich gebe mit, dass das auf jeden Fall, was da gezeigt wird, ist irgendwie eine Art von toxischer Beziehung. Weil sie sich nie klar darüber werden, wie viel Romantik da jetzt drin ist und wie viel Körperlichkeit da drin ist. Was aber auch, glaube ich, daran liegt, dass es bei beiden wechselt, dass sie beide sich selbst nicht darüber klar sind, wie viel Körperlichkeit und wie viel Romantik sie da gerade reinbringen. Und es gibt wirklich diesen unangenehmen Moment, wo er einfach mal so der Jäger ist und der... die Frau rumkriegen will. Aber ich finde sie hält schon dagegen und in ihrem Dagegenhalten wird das eben auch kommentiert sein Verhalten.
Johannes Franke: Nun ist die Frage, was will uns der Film dann erzählen? Respektive der Regisseur.
Florian Bayer: Ich finde es super, dass du anfängst zu stocken, wenn du den Satz sagst, was will uns der Film sagen. Damit habe ich dich schon ein kleines Stück gebrochen. Was uns der Regisseur sagen will, interessiert mich noch weniger.
Johannes Franke: Also mich interessiert schon sehr, was der Regisseur uns sagen will, weil das... Weil das einen großen Teil der Qualität des Films ausmacht. Ob der Film gut ist oder nicht, hängt ganz stark davon ab, was am Ende an Botschaft drinsteckt.
Florian Bayer: was der Film sagt. Bitte nicht, was der Regisseur sagt. Der Regisseur kann was ganz anderes sagen, als der Film. Der Regisseur kann was ganz anderes sagen wollen, als der Film nachher sagt.
Johannes Franke: Ja, aber dann hat er einen Film schlecht gemacht, wenn er nicht das sagt, was er sagen wollte.
Florian Bayer: Aber wenn der Film Film uns was sagt, was uns überzeugt dann und das nicht die Intention des Regisseurs ist, doch der Film super. Der Film kann doch nichts für seinen Regisseur.
Johannes Franke: Das stimmt. Oh Gott, jetzt ist der Film einständig.
Florian Bayer: Naja, ich glaube schon. Also jetzt mal einen grundsätzlichen Debattenraum aufzumachen. Ich glaube schon, dass ich ein Kunstwerk von seinem Schöpfer lösen kann. Und ich glaube, das sollte auch unser Umgang mit Kunstwerken sein. Sprich... Meinetwegen können wir uns über die Intention des Schöpfers unterhalten. Aber letzten Endes wollen wir doch wissen, was ist das Kunstwerk? Was sagt uns das Kunstwerk? Und das ist jetzt auch ein großer Appell an die Möglichkeit der Überinterpretation, der Umenterpretation. Das kann man machen. Man kann sich ein Kunstwerk, das vor 200 Jahren gemacht wurde, schnappen und sagen, okay ... dann hat sich eben Goethe das und das dabei gedacht. Das ist mir vollkommen egal. Pass auf, ich sehe jetzt diesen Film als eine Erzählung von dem und dem und dem und dem. Und dann einfach ein neues Kunstwerk damit quasi finden.
Johannes Franke: Okay, sampling.
Florian Bayer: Also gedankliches Sampling. Im Prinzip ja. Und das ist auch das, was ganz viel die zum Beispiel also was die postmoderne Literatur und Filmkritik ganz viel macht, was die feministische Postliteratur und Filmkritik auch ganz viel macht. Einfach dieses, wir nehmen uns aus dem Kunstwerk jetzt auch Neue Gedanken heraus, die damals überhaupt nicht intendiert waren, weil das Kunstwerk hat eine gewisse Autonomie, sobald es in die Wildnis entlassen wurde.
Johannes Franke: Fliegvögelchen. fliegen. Ist in Ordnung, aber Ronkawai, ich meine, das sind nicht mal 20 Jahre her.
Florian Bayer: Das gilt Abschöpfung.
Johannes Franke: Das ist gemein.
Florian Bayer: Der arme Regisseur. Das ist total gemein, aber damit musst du leben. Wenn du ein Kunstwerk schaffst ... und dieses Kunstwerk rezipiert wird, dann musst du dir klar darüber sein, dass der Rezipient, die Rezipientin, was ganz anderes in dem Kunstwerk sieht, als du gesehen hast.
Johannes Franke: Du hast vollkommen recht.
Florian Bayer: Je abstrakter das Kunstwerk, umso krasser ist das natürlich.
Johannes Franke: Trotzdem will ich über noch lebende, besonders Regisseure nachdenken. Was deren Intention ist, egal ob sie es geschafft haben, das zu transportieren oder nicht. Natürlich sind das dann zwei Felder, da hast du recht. Dann müsste man überlegen, was kann der Film uns sagen und was will der Regisseur uns sagen. Das Problem ist... Dass unser Hauptdarsteller am Ende eine zweite Chance hat, diese Frau zu bekommen und sie wieder wegschickt. Und sie damit als nicht besonders wichtig für sein Fortkommen und für das... erachtet, was in seinem Leben eine Rolle spielt. Da frage ich mich zum einen, warum erzählt er uns das überhaupt, wenn das nicht die wichtigste Episode seines Lebens ist? wenn diese Frau eigentlich gar nicht so wichtig ist. Was soll das? Was erzählt er uns da? Warum erzählt er uns das? Und zum anderen... Was für ein Bild macht mir das auf, was er tatsächlich von der Frau hatte?
Florian Bayer: Ich glaube, die Affäre, die er mit dieser Beiling hat, Und ich kann mir gut vorstellen, dass das auch die Intention von Wong Kar-Wai ist. Ist vor allem, dass diese ganze Art der Affäre, auch mit ihrer Schmutzigkeit... ja auch mit ihrer herablassenden Art, dass die eigentlich ein Ausdruck von seiner innerenten Traurigkeit ist. weil er eben diese Sehnsucht hat nach einer Liebe, die er nicht findet. Und dass das so eine Art, so ein Stück Kompensation ist, aber letzten Endes vor allem eine Ein Ausdruck auch von seiner Traurigkeit, weil unser Protagonist ist ein unglaublich trauriger Mensch. Und auch in den Momenten, in denen er nicht traurig ist, auch in den Momenten, in denen er das Nachtleben genießt, trägt ja immer so eine krasse Traurigkeit mit sich. Und ich glaube, darum geht es. Und darum geht es auch bei den anderen Frauen, die in dem Film vorkommen. Dass er letzten Endes eigentlich versucht, irgendwas zu finden, was er nicht wirklich finden kann. Und ich glaube, er macht darin auch eine Entwicklung durch. Eben vor allem in dieser Beziehung, die ja keine richtige Beziehung ist, mit der Ying Wen, die ja dann ja auch als Roboter, als Androiden in diesen Zug reinschreibt, die Tochter von einem Hotelbesitzer, die mit einem Japaner zusammen ist, der nicht akzeptiert wird. Und sie kommen irgendwann zusammen. Und mit ihr hat er ja eher eine platonische Beziehung, eine Freundschaft. Und er schreibt ja für sie ...
Johannes Franke: Man sieht es nicht wirklich.
Florian Bayer: Es wird nicht so ausgeschlachtet. Er glaubt in ihr, eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Er schreibt diese Geschichte eigentlich für sie und ihren Freund. Und er will ja auch, dass sie ihren Freund anruft. Er hilft ihr auch, mit ihrem Freund zu kommunizieren.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und stellt dann fest, dass er sich reinschreibt. Dass er sich als diesen Japaner schreibt. Und das ist so ein krasser Moment der Ernüchterung, wo er dann ja auch sagt, er schreibt die Geschichte von dem, der sich in die Androiden verliebt und sie kann die Liebe nicht zurückgeben. Und er grübelt, woran das liegt. Und dann stellt er fest, es liegt einfach daran, dass sie jemand anderen liebt. Die ist keine gefühlslose Androidin, sondern die liebt einfach jemand anderen. Und er lässt den Gedanken an sie dann ja auch los. Also ich finde, das ist so ein Moment des Wachstums. Er versucht, diese Traurigkeit irgendwie zu füllen. Er hat diese schreckliche Affäre mit der Bailing. Und dann hat er diese... spannende, auch überhaupt nicht toxische Beziehung zu dieser Ying-Wen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der stellt fest, es funktioniert aber nicht, weil sie einfach diesen anderen liebt. Und dann nicht einfach er lässt sie ziehen, sondern er ist einfach auch gereift und stellt das fest und akzeptiert das dann auch.
Johannes Franke: Das stimmt. Das ist auch tatsächlich einer der Momente im Film, wo er sich fängt, also wo der Film sich fängt, wo ich das Gefühl habe, okay, das ist etwas, was ich mir tatsächlich angucken will, wo ich auch... ein Gefühl dazu habe, weil das nicht auf Sex abgestellt ist, weil er nicht schlimm mit ihr umgeht. weil die irgendwie, obwohl sie am Ende ist sie auch nur seine Sekretärin, habe ich das Gefühl, es gibt das, was gezeigt wird, dass sie aufschreibt, was er sagt. finde ich wiederum scheiße. Eine schlechte Entscheidung.
Florian Bayer: Wirklich, das hast du rausgelegt? Ich finde, sie schreiben zusammen.
Johannes Franke: Ja, das sagt er, aber was gezeigt wird ist, Er sagt etwas, was sie aufschreibt. Es gibt da zwei Ebenen. Und in mir... Das ist dann eine Verwirrung, weil er das eigentlich sagt. Er sagt eigentlich, sie schreiben zusammen und sie hat irgendwie ganz tolle Ideen, aber was er zeigt, ist das andere.
Florian Bayer: Das ist sowieso, also das ist auch tatsächlich ein Moment, wo das so sehr ineinander fließt, weil dann haben wir auch diesen großen 2046-Block, das ist in der Mitte. Er hatte diese Affäre mit Bailing, die wirklich toxisch war. Und dann ist diese Affäre zu Ende. Und dann kommt diese Geschichte mit Ying Wen und wo er schreibt und wo er... Irgendwie versucht ihr eine Geschichte zu schreiben. Er schreibt diese 2046er-Geschichten, was dann später zum 2047-Roman wird. Und dann wären sie, und er findet es total schön, er fühlt sich wirklich wohl. Ich glaube, die haben eine platonische Beziehung. Ich glaube, da gibt es nichts Sexuelles zwischen denen.
Johannes Franke: Ich glaube, es wird schon irgendwann gesagt, dass sie was haben. Aber es ist nicht wichtig für den Film. Insofern kann man es als platonische Beziehung begreifen.
Florian Bayer: Und dann redet er natürlich darüber, was er schreibt. Und dann haben wir diesen 2046-Blog, wo der Japaner ... den er eigentlich als ihren Freund geschrieben hat. Aber eigentlich schreibt er über sich. Und dann ist es eine andere Figur. Ja, ja. in diesem Zug ist und sich, und das sind diese Androiden, die irgendwie als Zugbegleiterin da sind, um Dir zu helfen.
Johannes Franke: Und das sind natürlich die Frauen. Alle Frauen in diesem Film sind dann die Androiden in diesem Zug. Es ist auch ein bisschen frustrierend.
Florian Bayer: Definitiv. Das ist definitiv dieses heteronormative Moment. dieser männliche Blick. Wir haben nie einen radikal männlichen Blick auf die Liebe. Ich kann es nur nochmal wiederholen. Ich bin ganz bei dir. Auf jeden Fall. Und dann haben wir diesen Moment, wo er sich halt in diese Androiden verliebt, die einfach stumm bleibt und die nichts erwidert. Und er fragt sich halt, was ist mit ihr los? Warum funktioniert das nicht?
Johannes Franke: Dann gibt es im ersten Mal noch so eine Fake-Erklärung, dass sie irgendwie dadurch, dass sie so lange gereist ist, also so eine Fatigue, nennt er es, einsetzt. Also so eine Erschöpfung. Und dass sie deswegen irgendwie Stunden braucht, um eine Emotion dann auch zu zeigen, die sich entwickelt und die dann irgendwann am nächsten Tag rauskommt.
Florian Bayer: Man kann plötzlich am nächsten Tag über irgendwas lachen, was davor erzählt wurde. Aber es ist auch dieses Motiv, diese Fatigue, die tragen ja alle Figuren mit sich. Die ist ja permanent in dieser Geschichte vorhanden, dass irgendwie alle so ... So ein Gefühl von unterwegs sein und gleichzeitig stillstehen haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: So dieses Verloren in diesem ... stillstehenden, sich bewegenden Raum. Ich finde, das ist ein ganz merkwürdiges Gefühl, was damit transportiert wird. Aber ich finde es ein starkes Gefühl.
Johannes Franke: Das ist im Grunde das, was er mit 2046 beschreibt. Ja. Also der ganze Film ist im Grunde 2046, weil du im Grunde die ganze Zeit in Erinnerung bist. verhaftet bist, also selbst zur Erinnerung wirst mit jedem Moment, den du lebst und irgendwie feststeckst irgendwo. Und das in einer Melancholie, die man nur hat, wenn man an bestimmte Sachen sich erinnert, die irgendwie gleichzeitig Trauer und Glück sind. evozieren.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich ein starkes Gefühl, was da ausgelöst wird. Das ist etwas, was bei mir total klickt. Und ich habe jetzt, als ich ihn jetzt nochmal gesehen habe, hatte ich auch gedacht, oh ja, das ist ein krass heteronormativer Blick, das ist ein krass, man, gays, der aufgemacht wird und so weiter. Aber dieses Gefühl, was der Film vermittelt, das kriegt mich trotzdem, weil ich es einfach ... Ich finde es einfach stark. Ich finde, sowohl in der Erzählhaltung als auch in den Bildern wird das... sehr stark rübergebracht. Das fängt mich einfach ein, das kriegt mich einfach gefangen. Und das liegt natürlich auch an den Bildern. Kannst du auch noch mal was zu den Bildern sagen?
Johannes Franke: Das müssen wir auf jeden Fall. Ich habe auch gerade darüber nachgedacht. Er hat natürlich eine sehr spezielle Bildsprache. Irgendwie hat er es geschafft... jedes Bild sehr, sehr genau und sehr reich auszustatten. Die Beleuchtung ist eine sehr genaue und er hat wirklich sehr viel mit... mit sehr stimmungsvollem Licht, wie es in den Raum tritt und wie es sich im Raum verteilt, wie er Bilder aufbaut. Er hat, ich habe das Gefühl, es gibt diesen Spruch, Vordergrund macht Bild gesund. Es gibt wahnsinnig viel Vordergrund, der dann irgendwie so Hälfte von Gesichtern verbirgt oder irgendwie andere Sachen sich da vorstellt. Was aber ein sehr schönes Bild macht. Also wirklich. Also wenn jemand als Kampfer. Kameramann neu in etwas hineingeht. Guckt euch ruhig diesen Film an und nehmt es als Vorbild, weil ich mag die Art und Weise, wie er wir scheinbar unwichtige Dinge im Vordergrund einfach sehr weit entfernen. Also fast zwei Drittel manchmal des Bildes nimmt irgendein unscharfes Ding im Vordergrund ein. Was dann vielleicht später noch wichtig wird, also filmerzählerisch wäre es natürlich sinnvoll, wenn das was da zu sehen ist im Vordergrund, was wir jetzt nicht definieren können. im Umschnitt irgendeinen Sinn ergibt oder sowas. Macht das nicht immer, ist aber auch nicht so wahnsinnig wichtig. Hier findet sich ein schönes Bild. Und natürlich, was ich ganz seltsam fand am Anfang, diese Zeitlupen, die keine Zeitlupen waren. Also sie haben das nicht als Zeitlupe gedreht. Sondern im Nachhinein verlangsamt. Und dadurch, dass das so stark verlangsamt wurde, sie haben ja trotzdem nur 24 oder 25 Bilder in der Sekunde zur Verfügung. wird es so ein stockendes Ding. Und dieses stockende Ding hat mich am Anfang genervt, weil ich gedacht habe, ja, da hätten sie es nicht in Zeitlupe drehen können. Wenn sie eine Zeitlupe haben wollen, sollen sie doch eine Zeitlupe drehen. Ich weiß nicht, Ob das von Anfang an der Plan war oder ob Sie im Nachhinein im Schnitt gemerkt haben, Ah, nee, eigentlich wäre es viel geiler, wenn hier eine Zeitlupe wäre. Oh, guck mal, das sieht so ein bisschen künstlerisch aus, sieht nach Kunst aus, komm, lass uns das so machen. Weiß ich nicht genau, ich traue ihm beides zu. Ich weiß auch nicht, ob eine Zeitlupe, wenn man sie als Zeitlupe gedreht hätte, den gleichen Effekt gehabt hätte, wie das, was jetzt passiert ist. Jetzt hat es einen sehr künstlerischen Effekt.
Florian Bayer: Ja, trägt der ganze Film mit sich rum. So ein... Künstlerischen Schleier, also ich habe mir als Stichwörter aufgeschrieben, poetisch, elegisch, irgendwie so ein bisschen, also er zelebriert die Bilder so sehr, hat auch Cinema Scope drin die ganze Zeit.
Johannes Franke: Das hat er vorher nicht so gemacht.
Florian Bayer: Genau, hat er vorher nicht gemacht. Es sind auch sehr ruhige Bilder. Aber es ist jetzt nicht so, dass er krass in totalen Verharrt, sondern es sind eigentlich, wie du schon sagst, es sind eigentlich Nahen, die aufeinanderfolgen. Aber die Bilder werden dafür, dass es nahen sind, relativ lange gehalten auch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und erzählen auch mehr Raum, weil sich die Kamera auch langsam bewegt in diesen Nahen und auch immer ein bisschen mehr noch einfängt, als man auf den ersten Blick vermuten kann. würde. Ich glaube, bei diesem Film spielt es auch ganz krass eine Rolle, in welcher Qualität man sieht. Ich habe ihn leider nur auf DVD. Ich hätte ihn so gerne auf Blu-Ray. Das Problem ist, ich hätte auch gerne die anderen Filme von MomCover auf Blu-Ray. Das Problem ist, Es gibt von Wonka Wai tatsächlich ein Set mit allen seinen Filmen von Kriterion, die ja immer die guten Box-Sets machen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das Problem ist, das kostet 250 Euro.
Johannes Franke: What the fuck?
Florian Bayer: Genau. Und das ist USA. Und das heißt, ich kann es gar nicht bei mir zu Hause spielen. Es gibt den Film in unterschiedlichen Qualitäten. Ich habe den damals im Kino gesehen und ich weiß, es war einfach nochmal ein krasseres Erlebnis als auf DVD. Vor allem, wenn du DVD guckst auf dem modernen HD-Fernseher, ist es natürlich auch immer so ein bisschen verliert es einfach. Und ich glaube, wenn man den sieht in HD oder noch besser in 4K, vernünftig redigitalisiert, nicht einfach nur DVD kopiert. Und Kriterion macht das vernünftig. Dann ist es wahrscheinlich von den Bildern nochmal ein anderes Erlebnis und nochmal stärker. Und fängt das noch mal besser ein, aber 250 Euro für eine Blu-Ray-Box ist so teuer.
Johannes Franke: Ja, und kann man das abspielen? Also ich meine, die ganzen Geräte, die wir hier haben, sind nicht darauf ausgelegt. Aber kannst du das irgendwo in den Computer einfach reinstecken? Kannst du sie trotzdem lesen?
Florian Bayer: Man kann bestimmt irgendwas machen. Nee, aber im Computer nicht. Du brauchst einen Blu-Ray-Player, der für die Region ist. Ich glaube, es gibt ein UK-Box-Set, aber ich glaube... befürchtet das ist noch teurer und jetzt Das ist wirklich so eine Schmerzgrenze. Da sind auch schon einige Filme von ihm drin. Ich weiß nicht, ob ich so viel dafür ausgeben will.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: immer das Gefühl, es lohnt sich, weil die Bilder wirklich stark sind. Der Film lebt natürlich auch ganz viel von seinen Bildern. Also ich sehe die Probleme in der Handlung, gerade in der Perspektive. Die Bilder machen total viel weg für mich, weil die Bilder einfach diesen ... Dieses Gefühl der Sehnsucht und dieses Gefühl der Melancholie und dieses Gefühl des Verlorenseins in einer statischen Bewegung. Das ist auch so schwer, das zu beschreiben, weil das alles so abstrakt ist, weil die das wirklich gut einfangen, eben auch zum Beispiel durch diese etwas hakeligen Zeitlupen. Ja. Durch diese teilweise wirken die Bilder auch so ein bisschen verzerrt. Es gibt so ein paar Momente, wo du das Gefühl hast, da wurde ein 16 zu 9 Bild so anamorphisch ein bisschen gepresst.
Johannes Franke: Das kann ich mir nicht vorstellen. Er hat ja wirklich mit einer Mauer fischen Linsen gedreht.
Florian Bayer: Ja, ich weiß nicht. Es gibt auf jeden Fall so einen Effekt. Du guckst mich gerade so an, als ob dir das nicht aufgefallen wäre. Ich finde, es gibt teilweise so einen Verzerrungseffekt. Ich weiß nicht, mit welchen Linsen er das gedreht hat, aber es gibt so manche Bilder, die irgendwie gezerrt wirken.
Johannes Franke: In die Länge oder? Ne, das weiß ich jetzt nicht ganz genau. Also ich hatte auch ein, zwei Stellen, wo die Verzerrung drin war, aber dann auf eine andere Art und Weise. Wo das mehr ein offensichtlicher Effekt für den Moment war und nicht so ein verzerrt in die Länge. Nee, das nicht.
Florian Bayer: Und auf jeden Fall also in diesen 2046er-Bildern, die letzten Endes vielleicht so 20 Minuten von dem Film ausmachen, kommt. Die Ästhetik natürlich am stärksten zur Geltung, weil da auch sehr krasse Farben sind, weil er dieses Neonlicht hat. und weil wir diese Züge haben und diese Bilder der Verlorenheit in den Zügen, das fand ich schon beeindruckend. Tatsächlich, man sieht diesen Blog und man denkt sich, ach, Eigentlich wäre es spannend, davon mehr zu sehen. Eigentlich wäre es interessant, das Ganze noch mal eine Stunde daraus zu machen. Was wäre, wenn wir jetzt wirklich in dieser 2046er Handlung verloren gehen würden?
Johannes Franke: hat er sich auch gedacht. Der Science-Fiction-Teil war mal 50 Prozent des ganzen Dinges. Das haben sie aber wegkürzen müssen, weil es zu teuer geworden wäre. Ja und es ist, wir sind im Jahr 2004 und er hat das ja schon vier Jahre vorher angefangen. Oder fünf?
Florian Bayer: Ja, in dem Mutvoll Love hat er eigentlich schon Gedanken davon im Kopf. Also er hat das offensichtlich auch, es gibt auch diesen anderen Film, den ich noch nicht gesehen habe, von ihm, Days of Being Wild. wo diese Lulu, diese erste Frau, der er 2046 begegnet, die dann von ihrem Freund erschlagen wird, wo die eine Rolle spielt.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und er hat das offensichtlich sich irgendwie so als Kosmos gedacht. Was ganz spannend ist, weil wie gesagt, In the Mood for Love ist schon ein anderer Film. Obwohl es derselbe Protagonist ist, ist es eine andere Figur. Und es ist auch eine andere Erzählhaltung. Und ich finde dieses Bild, dass es ein Echo ist, finde ich so schön, weil es ist tatsächlich, man muss die Filme nicht gesehen haben, um diesen Film sehen zu können.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Also wenn man Verständnisprobleme hat, ist das total nachvollziehbar, weil der Film eben abstrakt erzählt und... Konfus erzählt. Aber es liegt nicht daran, dass man die vorangegangenen Filme nicht gesehen hat. Die sind nicht wichtig dafür. Es wird genug auf die referiert, dass man... als Fan sagen kann, ach schön, die, die kommen wieder vor, okay, interessant. Und dann ist man aber doch in diesem Film eben drin und der Film ist einfach anders.
Johannes Franke: Was ich ganz spannend finde, ist, dass der Film zur Cannes-Premiere drei Stunden, bevor er hätte gescreent werden sollen, erst am Flughafen war und sie das irgendwie ändern mussten.
Florian Bayer: Großes Drama.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Und dann haben sie da eine Version gehabt, wo die Special Effects eben... eher rudimentär drin waren. Also das war gar nicht die finale Fassung dann tatsächlich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist schon...
Florian Bayer: Das ist schon hart. Und er wurde trotzdem total gefeiert.
Johannes Franke: Ja, total krass, Mann.
Florian Bayer: Aber Cannes mag auch solche Filme. Das ist ein Film, ich finde, der hat Cannes schon so draufgelatscht. Also es ist überhaupt kein Wunder, dass der bei Cannes Standing Ovations kriegt, weil das ist einfach so in dieser... in dieser poetischen Art, die man auch als forciert empfinden kann. Natürlich kann man sagen, das ist auch ein bisschen Kunstgewichse, was da passiert. Ja. Es ist irgendwie klar, dass er da ankommt. Und wie gesagt, mich kriegt er auch auf einer emotionalen Ebene da mit. Also es ist nicht nur so, dass ich denke, ach, schöne Bilder. interessant, etwas kryptisch, mosaikhafter Handlungs, sondern ich merke wirklich, der Film löst in mir ein Gefühl aus und das funktioniert also so oft. Auf dieser affektiven Ebene ist der Film für mich auch sehr erfolgreich und sehr effizient.
Johannes Franke: Was ich interessant finde ist noch, dass die Figuren, was wir natürlich als Deutsche überhaupt nicht beurteilen können, jeweils ihre eigene Sprache sprechen. Ich sehe natürlich nur die Untertitel, die sind alle auf Englisch. Aber im Grunde müssten sie dann auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Polnisch sein oder so. Genau.
Florian Bayer: Also wir befinden uns im riesigen Staatsgebiet China und dann in diesem kleinen südöstlichen Teil Hongkong. der ja nicht wirklich zu China gehört. Und darauf referiert der Film ja auch direkt. 2046 ist ja auch ein besonderes Jahr für... für Hongkong.
Johannes Franke: Lass das mal ausdiskutieren, also beziehungsweise erzähl mir mal so ein bisschen was, du hast dich ja ein bisschen informiert.
Florian Bayer: Machen wir kurz unser Lexikon auf.
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: Also, der Film referiert auf das Jahr 2046 mit seinem Titel und ist das letzte Jahr, in dem Hongkong seinen Sonderstatus hat. Dieser Sonderstatus ist orientiert an dem Konzept Ein-Land-Zwei-Systeme. der Hongkong von der Volksrepublik China im Grunde versprochen wurde, in einer Art Verfassungs- Und zwar wurde das von Deng Xiaoping, dem Führer der Volksrepublik China von damals... Formuliert in den frühen 80er Jahren. Und das besagte, also eigentlich war seine Idee, es soll nur ein China geben. Das betrifft eben nicht nur Hongkong, sondern auch zum Beispiel Taiwan. China hat eine gewisse expansorische Zielsetzung und die wollen eigentlich alles in einem Land haben. Aber, das war Teil dieses Prinzips, diese autonomen Regionen... die irgendwie so einen Sonderstatus haben, weil sie ein bisschen länger zu Großbritannien gehört haben, dürfen ihr eigenes System behalten. Und das gilt unter anderem für Hongkong, das eben ein kapitalistisches und demokratisches System hat. Während im Rest von China halt eben dieser Sozialismus, der irgendwie sich als Volksrepublik bezeichnet und irgendwie auch demokratische Elemente beinhaltet herrscht. Und das merkt man auch. Also es gibt krasse kulturelle Gegensätze zwischen Hongkong und China. Hongkong ist einfach mal sehr westlich orientiert. und sehr an kapitalistischen Prinzipien angelegt und an sehr demokratischen Prinzipien angelegt. Das hat auch immer für Konfliktpotenzial gesorgt zwischen China und Hongkong. Im Jahr 1997 wurde die Kolonie Hongkong, die vorher britisch war, an China zurückgelegt. gegeben und in diesem Ein-Land-Zwei-Systeme-Prinzip wurde dann festgehalten, ihr kommt zurück zu uns, aber ihr dürft euren Kapitalismus und eure Demokratie behalten und Und wenn du von 1997 hochrechnest, dann ist 2047 das Stichjahr, in dem dieser Sonderstatus aufhört. Viele Experten sagen, der Sonderstatus hat eigentlich schon aufgehört. Und das ist vor allem das, was wir... in den letzten Jahren erlebt haben, wo es ja diese Unruhen gab in China. Und Vor allem verursacht durch das Sicherheitsgesetz von 2020, wo einfach ... die Kommunistische Partei von China noch mal festgelegt hat, wir dürfen hier eingreifen, wir dürfen hier eingreifen. Und diese Rechte als Sonderregion hat Hongkong eigentlich dadurch schon verloren. Und die kämpfen noch dagegen, die Hongkonger. Und es gibt ja diese politischen Proteste dagegen und es gibt auch offensichtlich eine starke, junge, revolutionäre Gruppierungen, mehrere Gruppierungen, die dagegen aufbegehren und sie haben aber keinen Erfolg damit und der Westen hält sich halt ziemlich raus. Es gab dann ja auch diese Skandale, dass dann wirklich politische Aktivisten aus Hongkong verschwunden sind einfach. Jahre später wieder in China irgendwo im Gefängnis aufgetaucht sind. Weil da darf man sich nicht täuschen lassen. China ist halt echt ein krasser Staat und China geht echt... echt krass gegen politische Dissidenten vor. Und da ist nicht so, dass du verhaftet wirst und dann kannst du deinen Anwalt anrufen, dann wirst du verhaftet. Keiner weiß, wo du bist. Deine Familie weiß nicht, wo du bist. Deine Anwälte wissen nicht, wo du bist. Und dann kannst du irgendwo in China in irgendeinem Gefängnis sitzen und ... Du bist einfach verschwunden von der Außenwelt. Und das ist halt krass einfach. Also das hat eine krasse Bedeutung für die Hongkonger Bevölkerung, weil es geht halt irgendwie um ihre Freiheit. Und dieses Jahr 2047 ist halt so ein bisschen auch so ein Damoklesschwert, was über Hongkong schwebt. Was jetzt schon so ein bisschen gefallen ist, also jetzt im Jahr 2021. Mhm. Gucken wir einmal drauf und sagen, okay, also vieles davon jetzt auch nicht mehr übrig, aber sie klammern sich so an die letzten. Reste von klassischem demokratischen Rechtssystem, das sie haben. wollen das eigentlich erhalten, aber sie werden das wahrscheinlich verlieren.
Johannes Franke: Schon nach der Hälfte der Zeit.
Florian Bayer: Ja, toll. Und wenn wir das Jahr 2047 haben ... Kannste fest davon ausgehen, wenn es nach der chinesischen Führung geht, wird Hongkong einfach ein Teil von China sein. Und es wird auch wirklich nochmal spannend, was im Rahmen dieser 20 Jahre, die das ja jetzt noch sind, Wo das eigentlich jetzt schon fast komplett vollzogen ist, was da noch passieren wird. Also wie werden die Hongkonger sich dagegen wehren? Wie wird der Westen darauf reagieren?
Johannes Franke: Das finde ich besonders spannend.
Florian Bayer: Was für eine Richtung schlägt der Westen da ein? Weil China ist einfach ein unfassbar mächtiger Staat mittlerweile. China hat eine unglaublich krasse wirtschaftliche Macht und China ist auch ein spannender Staat und auch ein spannendes Gesellschaftssystem, weil China tatsächlich… Imperialismus betreibt. Aber auf komplett andere Weise, als wir es von westlichen Staaten kennen. In China Und ich bin kein Experte, was chinesische Außenpolitik oder Innenpolitik betrifft. Aber China hat offensichtlich eher so einen kulturellen Imperialismusgedanken. Das heißt, sie halten ihre Art zu leben für die Beste und wollen die exportieren. Was man meinten könnte, was sehr nah an dem Amerikanischen ist. Bei den Amerikanischen ist es halt tatsächlich auch sehr stark dieses... politische, also die Demokratie. Und China ist glaube ich eher so, dass sie sehr auf ihre Kultur stolz sind. Und zu dieser Kultur gehört eben weniger zwingend das politische System als vielmehr so eine grundsätzliche Haltung, was das Verhältnis Individuum zu Gesellschaft, zu Staat betrifft. Und da gibt es halt viel stärker diesen Kollektivgedanken zum Beispiel.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Interessant dabei, China will tatsächlich, will eigentlich, will anderen Ländern zeigen, dass es überlegen ist. Deswegen erleben wir jetzt zum Beispiel das so in den Westen immer mal wieder große chinesische Produktionen rüberschwappen. Zum Beispiel auf Netflix lief ja dieser ... Diese fliegende Erde, wo die Erde so ein sehr großer Science-Fiction-Film, der Blockbuster von China, sauteurer Film. Okay. China versucht westliches Blockbuster-Kino, beziehungsweise chinesisches Blockbuster-Kino zu machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber nach... einigen westlichen Gedanken, um quasi zu zeigen, hey, wir können das auch. Wir brauchen nicht Hollywood, wir können Hollywood. Dann guckt man es sich an und stellt fest, nee, könnt ihr nicht.
Johannes Franke: Ihr habt das Geld.
Florian Bayer: Aber es ist einfach... Und entsprechend funktioniert es auch nicht so bei uns. Also guck ihn dir mal an.
Johannes Franke: Ich schau mir mal an, ja.
Florian Bayer: Guckt ihn euch an, es ist ganz interessant, wie China versucht, Blockbuster-Kino zu machen, mit dem Gedanken auch zu zeigen, wir haben auch eine starke Kultur. Und in China weiß ja halt auch jeder, wie es in Hollywood aussieht und dass es tolle Hollywood-Filme gibt und so weiter. Das ist halt so das Gegengewicht dazu. Mit dem Gedanken natürlich, wenn wir noch 50 solcher Blockbuster hinkriegen, die dann in den USA genauso viel geguckt werden, dann hat Hollywood gegen uns verloren. Das ist der chinesische Imperialismus-Gedanke. Aber dann guckst du die Filme und stellst halt fest, dass sie es nicht so schaffen, dass sie das so ein Das ist ein total spannendes Thema. Und chinesische Politik, Innenpolitik, Außenpolitik, China als Machtfaktor, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, super spannend. Ich weiß viel zu wenig drüber. Macht euch schlau darüber. Bei Crowdreporter gibt es einen tollen Text. mehrere tolle Texte zur chinesischen Politik und zum chinesischen Imperialismus Gedanken.
Johannes Franke: Das ist auf jeden Fall spannend und ich frage mich gerade, ob der Film dann eigentlich nur bei uns nicht so ankommt, weil wir einfach... kulturell anders ticken und die versuchen sich ja anzuschmiegen kulturell damit wir verstehen wovon die reden Aber das natürlich nicht geht, weil die... Ich meine, welcher chinesischer Filmemacher hat wirklich so den Zugang Zur westlichen...
Florian Bayer: Aber das ist ganz wichtig, das ist kein chinesischer Film, das ist ein Hongkonger Film.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Er hat natürlich den Hongkonger Background.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist... Das finde ich, sieht man auch an seiner Haltung. Also er unterscheidet sich von chinesischen Filmen. Wenn du chinesische Filme guckst, chinesische Blockbuster, ich habe nicht viele gesehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber die, die ich gesehen habe, auch die besseren, du siehst einfach diese kulturelle Haltung dahinter. Zum Beispiel, dass das Individuum... eine ganz andere Rolle einnimmt als in unseren Filmen. Bei uns, also wenn wir zum Beispiel das Blockbuster-Kino aus Amerika angucken, Die Helden, die die Welt retten, sind Individuen, die durch ihre kämpferische Tätigkeit Übermenschliches schaffen.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: In den chinesischen Blockbustern sind die Helden die, die sich dem Kollektiv unterordnen. Ein ganz krasses Beispiel ist dieser Hiro zum Beispiel. Das ist so ein Wusha-Film, so ein chinesischer Historien-Kampffilm. Und da geht es einfach darum, da wird einfach eine krasse Ideologie vermittelt und du siehst das und denkst erstmal, wow, das ist ganz schön kollektivistisch, was hier das sagt. Da wird einfach gesagt, opfere dich für die bessere Sache. Und dieser Film über die fliegende Erde ... Der funktioniert auch nach diesen Prinzipien. Da wird auch so gedacht, es ist nicht der individuelle Held, der gewinnt, sondern es ist der... der sich komplett dem Gemeinschaftssinn unterordnet. Und versuchen wir es mal wertneutral zu sagen, ohne das Wort kollektiv. Genau. Es ist tatsächlich und es ist ja durchaus was, worüber man debattieren kann, auch jetzt in Zeiten von Corona, wenn wir zum Beispiel sagen, wir wollen eine Impfpflicht. Wenn wir sagen, wir finden, dass wir uns impfen lassen sollten, um die Alten und Kranken zu schützen, hat das natürlich diesen Gemeinschaftssinn.
Johannes Franke: Ja, und die Impfpflicht, eine gesetzliche Impfpflicht... Würde dieses Kollektivistische nach vorne drücken. Auf jeden Fall. Die Frage ist, ab wann wird es problematisch?
Florian Bayer: Genau. Und das betrifft ja auch andere Sachen. Also alles Wirtschaftspolitische, was in die planwirtschaftliche Richtung geht. Eigentlich ganz traditionelle linke Ideen. haben natürlich auch diesen kollektivistischen Gedanken. Und das muss man dazu sagen, dass China kein mustersozialistisches System ist. China ist... ist irgendwie so ein staatskapitalistisches System, wo mittlerweile Planwirtschaft auch ganz viel durch ... Ja, ja, ja. Natürlich auch mit dieser ganz krassen Arbeitsmoral, die den Wachstum im Blick hat. die Arbeitszeiten in China sind ja absurd. Also wie die Leute in China arbeiten müssen, das ist einfach... Nicht vergleichbar mit dem, was wir hier haben. Also wir haben eine 40-Stunden-Woche, die echt schon, finde ich, hart ist. ist ein Luxus im Vergleich zu dem, was in China teilweise an Arbeitspensum aufgebracht werden muss.
Johannes Franke: Es lässt sich an der chinesischen Geschichte sehr klar definieren, an welchem Punkt die gesagt haben, okay, wir machen... unseren Staat jetzt auf für den Kapitalismus des Restes der Welt. Und das ist der Beginn der Aufstrebung des chinesischen Marktes, des chinesischen Staates, was ja im Grunde eins ist. Ja. Aber es natürlich nicht schaffen, rechtzeitig.
Florian Bayer: Und es ist wirklich spannend, weil Ich kann auch verstehen, dass es als Bedrohung wahrgenommen wird. Weil wenn ich mir anschaue, was es eben für ... Haltungen gibt zur Arbeitsmoral zum Beispiel in China, finde ich das wirklich krass bedrohlich. Also ich möchte nicht so leben.
Johannes Franke: Willen, nein. Aber das ist ein spannendes Thema für eine ganze Folge, sich damit auseinanderzusetzen, was passiert. gesellschaftsphilosophisch, wo man da landen möchte und wo nicht.
Florian Bayer: Die Frage Individuen, individuelle Freiheit versus gesellschaftliche Verantwortung. Das ist keine Frage, die man einfach so ein paar Sätzen abwischen kann.
Johannes Franke: Aber sehr spannend, aber sehr spannend. Gut, wie sind wir jetzt da hingekommen?
Florian Bayer: Wir waren bei unserem Lexikon, das wir jetzt so machen können.
Johannes Franke: Ah, genau. Das war Das muss man sehen. Lexikon. So, wieder weggepackt. Ab in den Bücherschrank damit. Und wieder zurück zum Film.
Florian Bayer: Ja. Um nochmal kurz zu diesem sexistischen Moment zurückzukommen. Weil... Was natürlich ganz stark in diesem Film verankert ist, ist, dass Frauen Projektionsflächen von ihm sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Am krassesten wird das dadurch deutlich, dass es diese zwei Lieben gibt, denen er hinterherhängt, die beide den gleichen Namen haben. Es gibt diese Su Li Chen, das wird dann eben ganz am Schluss angedeutet. Und zwar Su Li Chen ist die aus In a Mode for Love, in die er verliebt war. Diese Frau, deren Mann mit seiner Frau eine Affäre hatte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er erinnert sich aber eigentlich nur an sie, weil er zusätzlich in Singapur einer anderen Suli Chen begegnet ist, die eben den gleichen Namen hat. Und das ist offensichtlich auch eine Figur aus einem anderen Film von Wong Kar-Wai. Ich glaube, sie ist aus dem Days of Being Wild. Aber da will ich jetzt nichts Falsches sagen. Und die war eine Spielerin im Spielcasino. Und die hat ihm geholfen, nachdem er sein ganzes Geld verloren hat, das zurückzugewinnen. Er hat gesagt, ich ... um dir dein Geld zurückzuholen. Aber dann musst du mir versprechen, dass du dann aufhörst mit dem Spielen. Und in diesen beiden Figuren zeigt sich natürlich schon so ein bisschen, wie hier Frauen verstanden werden. Die Frauen sind eben die ganze Zeit Ziel männlicher Sehnsucht. Und des männlichen Blickes und der männlichen Projektion. Ihnen geht es irgendwie darum, Liebe zu finden und die Frauen dienen als Projektionsfläche. Natürlich verlieren sie dadurch komplett ihre Individualität und ihren Charakter, weil sie halt letzten Endes nur wahrgenommen werden durch die Augen des Mannes. Und das ist auf jeden Fall total ein problematisches Frauenbild, was damit schwingt.
Johannes Franke: Also ich finde nicht, dass man das auf Toten Teufel, dass man unbedingt das vermeiden muss. diesen männlichen Blick zu erzählen, weil das ist eine realistische Problematik, also gerade in den 60ern. Natürlich muss die erzählt werden, aber du kannst... Du kannst es nicht mehr so monokulturell erzählen. Da brauchst du eine ordentliche Diversität in den Themen.
Florian Bayer: Und irgendwie einen Kontrastpunkt. Der fehlt so ein bisschen da. Es gibt halt diesen einen Moment, den finde ich wirklich stark, dass diese Ying Wen, dass er versteht, dass sie eine andere Sehnsucht hat, dass sie auch liebt, aber halt nicht ihn, sondern eben diesen Japaner. Und dass er sie dadurch loslässt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass er sogar ... dass er ihr sogar hilft, dass er dieses Buch schreibt, dass er sich mit dem Japaner nochmal identifiziert, eben auch als die Sinnsucht könnte ich doch er sein. Aber dass er sie letzten Endes ziehen lässt. Und es gibt dann ja auch tatsächlich für sie gibt es das Happy End. Sie heiratet in Japan. Und er begegnet noch einmal diesem Hotelier und redet mit dem. Und er sagt dann, na ja, sie heiratet. Und ich hab mich jetzt entschlossen, da auch hinzufahren. Und sie hat auch übrigens ... den Roman von dir gelesen, die ist 2047. Hat dir gut gefallen, aber das Ende war viel zu traurig.
Johannes Franke: Das ist ein schöner Moment. Und wie er dann da sitzt und versucht, das noch zu ändern, aber irgendwie echt so zehn Stunden... Er hängt einfach fest. Er hängt einfach fest und kriegt es nicht hin.
Florian Bayer: Das ist dann ja auch diese letzte Begegnung bei Ling, die er dann auch irgendwie loslässt, wo er sagt ... er lässt sie einfach gehen. Er interessiert sich einfach nicht mehr für sie.
Johannes Franke: Aber er küsst sie doch noch so komisch.
Florian Bayer: Ja, aber... Und sie bittet ihn ja sogar zu bleiben und er haut einfach ab. Und dann sagt er so, eigentlich so en passant, es war unsere letzte Begegnung und dann sieht man ihn nochmal alleine im Auto sitzen. Man hat so ein bisschen das Gefühl, dass auch erzählt wird, dass es einfach ein Mensch ist, der die Einsamkeit für sich gewählt hat, weil er das, was er sucht, nicht finden kann. Also es ist kein optimistisches Ende. Überhaupt nicht. Er ist weiter irgendwie verloren in dieser Zwischenwelt, in diesem Fahren. Und dadurch, finde ich, wird eben dieses Frauenbild auch nochmal ein bisschen aufgebrochen, weil letzten Endes Ist ja er der Verlorene. Er ist der Einsame und der Traurige und das, was er da gemacht hat, das hat alles zu nichts geführt.
Johannes Franke: Aber das kannst du dir jetzt auch zurechtbiegen. Vielleicht will er auch einfach nur erzählen, dass er einfach... immer Pech gehabt hat im Leben. Ich weiß es nicht. Er kommentiert es ja nicht ausreichend, dass wir uns das irgendwie ordentlich... Nee, nee, der Film kommentiert nicht so viel. Nein, nee, deswegen. Und irgendwie verstehe ich am Ende immer noch nicht und ich hätte es gerne verstanden, warum er diese eine Frau, mit der er diese toxische Beziehung hatte... warum das so wichtig war, das zu erzählen und warum das so einen großen, also einen gigantischen Teil des Films ausgemacht hat und warum er dann nicht wenigstens kurz erzählt, Warum er sie hat gehen lassen müssen ausgerechnet, warum er nicht die zweite Chance, die sie ihm auch noch gegeben hat, dann gegriffen hat und gesagt hat, okay, mit dir mache ich das jetzt.
Florian Bayer: Ich glaube, sie ist halt so ein bisschen Spiegelung seiner Einsamkeit und seiner Traurigkeit. Und dabei auch so ein bisschen ... Er betäubt seine ... seine Traurigkeit auch in dieser Affäre. Ich finde das Bild ganz schön, dass er auch aufgemacht wird, dass er auch aus Indemut for Love ist. Das Zitat, dass die Menschen früher ... Wenn sie ein Geheimnis hatten, dass sie einen Berg hochgeklettert sind, zu einem Baum gegangen sind und da dieses Geheimnis rein geflüstert haben und es dann verschlossen haben, Mit Matsch, damit niemand das Geheimnis erfährt. Das ist ein schönes Bild und das ist halt auch einfach diese... Diese schweigende Einsamkeit, natürlich ist das auch so ein überholtes Bild, was männlicher Umgang mit Emotionen betrifft.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Letzten Endes geht es, glaube ich, darum, dass wir vor diesem ganzen Geschehen diese eine Liebesgeschichte haben, diese eine Frau, die er wirklich geliebt hat. Und die hat er verloren. Und das ist die Geschichte, die in The Mode for Love erzählt wird. Aber die muss man gar nicht kennen. Man muss eigentlich nur wissen, er hat das Gefühl, er hat die Liebe gefunden, er hat sie verloren. Und er sucht weiter und er sucht und er betäubt sich und er findet nicht. Und er glaubt, eine Seelenverwandte gefunden zu haben, aber sie erwidert nicht seine Gefühle und er sucht weiter und er findet nicht und er betäubt sich, er verhält sich scheiße. Aber letzten Endes ist es ja irgendwie verloren in dieser statischen Bewegung.
Johannes Franke: Auch wenn er nicht das so genau sagt, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass er uns... eine blöde Romantisierung aufmacht, die einfach aus den 50er, 60er Jahren halt auch ist. So dieses Bogart, dieser... einsame Reiter in den Sonnenuntergang, der am Ende immer wieder einsam bleibt und Der allein mit allem klarkommt und seine Gefühle nicht nach außen bringt, was irgendwie wohl mal ein gutes Bild eines Mannes gewinnt. Ja, muss es gewesen sein. Was ich völlig absurd finde.
Florian Bayer: Aber werdest du so krass romantisiert? Ich finde, er wirkt am Ende, bei diesen einsamen Reitern war es ja immer auch so ein bisschen... so eine Schönheit, die da mit geschwungen hat, so ein Ideal. Und das ist da nicht vorhanden, weil es ist eigentlich Einfach nur Verlorenheit.
Johannes Franke: Er zitiert das nicht so sehr, aber irgendwie... komme ich nicht drum rum, weil die Bilder auch so sind und das alles so verschwurbelt erzählt ist, dass er auch... romantisch verklärt in seinem Selbstmitleid hängt.
Florian Bayer: So ein bisschen, ja. Das würde ich dir geben. Es gibt eine gewisse romantische Verklärung. die bezieht sich aber vor allem auf diese Traurigkeit. Also der Film ist einfach, letzten Endes ist das alles nur traurig. Ja. Es gibt da wenig Hoffnung, wenig Freude. Am Schluss dominiert die Traurigkeit. Was ich durchaus spannend finde in einem Liebesfilm, weil Liebesfilme ja oft Liebesfilme ja doch dann oft darauf zielen, dass man eben seinen Partner findet. Mit Happy End und allem Dummes. Und wenn es nur ein trauriges Happy End ist, dass man zumindest sagen kann, das war der Partner und ich habe ihn verloren, aber trotzdem... Gibt es dieses Glück, dass ich weiß, es gab den richtigen, wenn auch nur für einen kurzen Moment? Aber selbst das gibt uns dieser Film ja nicht.
Johannes Franke: Was? Ich habe eine Idee. Ich habe eine ganz spontane Idee. Oh nein. Wir sollten vielleicht eine Top 3 dazu machen. Eine Top 3 Liebesfilme, egal ob Happy End oder nicht.
Florian Bayer: Perfekt.
Johannes Franke: Jingle. Als ob wir es verabredet hätten.
Florian Bayer: Ja, liebe Leute, wir haben eine Top 3. Und ich habe Johannes geschrieben, ich will Liebesfilme und ich will keine Rom-Coms, weil ich genau wusste, wenn ich das nicht dazu schreibe, dann klatscht er mir alles voll. Mit netten, lustigen, singenden Leuten, die sich am Schluss lieb haben. Singing in the rain. Und dazwischen ganz viel lachen dürfen. Ich will keinen lachen. Ich will melodramatisches Zeug. Ja. Ich will Schmerz, ich will Leid, ich will Tränen. Liebe soll wehtun. Gib mir schmerzhafte Liebe.
Johannes Franke: Also ich habe zumindest die Komödien weggelassen, aber dass es nun Tragödien sein müssen, hast du nicht gesagt.
Florian Bayer: Ach komm, aber wenn es keine Komödie ist, was soll es denn sonst sein? Oh, ich bin gespannt, was du für mich hast. Hast du drei, hast du vier, hast du fünf? Ich habe acht.
Johannes Franke: Ich habe, Moment, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht. Okay.
Florian Bayer: Sollen wir eine Top 8 machen? Also die letzten Plätze sind bei mir nicht sortiert.
Johannes Franke: Ja, bei mir auch nicht. Bei mir ist gar nichts sortiert bis jetzt. Okay. Okay, dann mach ich mir dran. Ja, los, Platz 8. Platz 8 wäre Fabelheft der Welt der Amelie. Wäre eine... Hast du das in deiner Liste ganz oben? Nein, habe ich nicht.
Florian Bayer: Das ist viel zu lustig.
Johannes Franke: Ja, deswegen ist es ja eigentlich nicht in der Liste gelandet. Genau sowas wollte ich. Deswegen wäre es die Honorable Mention geworden.
Florian Bayer: Viel zu viel Humor. Viel zu viel Freude. Freude und Märchen und Fantasie, sowas will ich nicht.
Johannes Franke: Mann! Deswegen ist es ja nicht in der Liste.
Florian Bayer: Ich glaube, Johannes musste gerade gegensteuern, als ich dieses Mann rausgebrüllt habe.
Johannes Franke: Das Mikro ist kaputt.
Florian Bayer: Meine Nummer 8 ist Amy und Jaguar.
Johannes Franke: Aber warum wäre er denn nicht in der Liste gelandet?
Florian Bayer: Der ist ja in der Liste gestanden.
Johannes Franke: Nein, nein, weil wir jetzt nicht Top 8 draus machen.
Florian Bayer: Ja, nee, der ist einfach, also ich liebe ihn, es gibt so viele...
Johannes Franke: Achso, okay. Es gibt einfach zu viele.
Florian Bayer: Es ist ein toller Liebesfilm über eine Beziehung von... Von der Frau eines Soldaten mit einer Jüdin während der Zeit des Nationalsozialismus. Die haben wirklich gut erzählt. Das ist ein wirklich guter deutscher Film aus den 90ern.
Johannes Franke: Noch eine lustige Sache. Ja, weil wir jetzt eine Top 8 draus machen. Ich hätte sonst Honorable Mention gehabt. Honorable Mention wäre bei mir jetzt noch gewesen 10 Things I Hate About. Nein, was? Ich komme damit nicht klar, wenn sowas nicht lustig ist.
Florian Bayer: Mann, Johannes. Du könntest dir wenigstens Mühe geben.
Johannes Franke: Kommt noch.
Florian Bayer: Platz 7. Kein Humor. Angst essen Seele auf. Von Fassbinder. Ganz großartig. Eine Seniorin verliebt sich in einen Gastarbeiter. Und Deutschland der 70er Jahre und die Beziehung einer alten Frau zu einem Schwarzen wird nicht gerne gesehen. Sie haben mit sehr viel gesellschaftlichem Widerstand zu kämpfen, aber sie halten zusammen und es ist wirklich ergreifend und wirklich ein toller Liebesfilm.
Johannes Franke: Toll. Okay, was wäre jetzt noch nicht in meiner Liste gelandet?
Florian Bayer: Die sagen wir... Ihr sagt nicht Chris, sonst erwürge ich dich.
Johannes Franke: Nein, ich hätte jetzt noch zu bieten. Jetzt wird es ernsthafter. A Star is Born. Lady Gaga, ja, ja, genau, Lady Gaga und Cooper, oder wie er heißt? Brandon Cooper? Nee, wie heißt er?
Florian Bayer: Ich weiß es nicht. Ich habe ihn nicht gesehen.
Johannes Franke: Ja, aber sehr schöner Liebesfilm. Und gibt es auch in verschiedenen Varianten Verfilmungen. früher und heute. Und ich finde den mit Lady Gaga tatsächlich sehr gut.
Florian Bayer: Den lasse ich durchgehen. Ich kann die 6 nicht nennen, sonst nehme ich dir einen aus deiner Top 3 weg. Deswegen mache ich mit der 5 weiter. Porträt einer jungen Frau in Flammen. Ein sehr junger Film. aus dem Jahr 2019, die Liebesgeschichte einer Künstlerin soll sie zeichnen. und soll ein Porträt von ihr entstehen und sie soll heiraten und sie ist da in Frankreich, in der Bretagne am Meer und alle Künstler haben bis jetzt aufgegeben, weil sie hat sich einfach nicht vernünftig zeichnen lassen und dann kommt diese diese Künstlerin dahin und sie verlieben sich ineinander und haben ein paar wunderschöne Tage dann dort. Es ist ein toller, poetischer Film, der sehr von seinen Bildern lebt und eine schöne Liebesgeschichte erzählt.
Johannes Franke: Okay. Cool. Da fällt mir ein...
Florian Bayer: Auch ein Cannesfilm.
Johannes Franke: Henry und June. Kennst du den? Über Henry Miller und Anais Nin.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Auch ein Liebesfilm. Eher Erotik sogar.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der ist auch nicht schlecht. Ja, 1990. Verklärt, aber ganz cool. Mit Tarantino-Liebling-Dingens? Mit Juma Thurman. Genau.
Florian Bayer: Und Fred Watt.
Johannes Franke: Der ist nicht in meiner Liste gelandet. Warum? Bring den nächsten. Okay, der nächste. Mein nächster wäre... Jetzt werfe ich den Oster Dings raus aus der Top 3. Das kommt jetzt einfach dahin. Die ganze Before Trilogy.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Ja, aber es ist weder Komödie noch Tragödie.
Florian Bayer: Das stimmt, ja. Das ist okay.
Johannes Franke: Also Leute, die durch Städte laufen und sich einfach nur unterhalten. Zwei Menschen unterhalten sich, verlieben sich. Das war's.
Florian Bayer: Und es gibt drei Teile davon und es wird erzählt, im ersten Teil haben sie nur eine kurze Affäre, im zweiten Teil kommen sie zusammen und im dritten Teil sind sie dann verheiratet. Mit Julie Delpy und Ethan Hawke. Und von Richard Linklater, der ein Händchen für solche Filme hat. Ein Talk-Movie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also ich bin jetzt schon bei vier, weil ich die sechs übersprungen habe. Auf der vier steht dann in dem Mut for Love. Den muss ich einfach noch mal reinbringen, weil es wirklich, also 2046 ist mein, den mag ich lieber von Wonka Wai.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber in dem Mutverlauf ist auch ein wunderschöner Liebesfilm, der ganz zurückhaltend ist, ganz zärtlich, poetisch, und tragisch und vor allem von dieser Zurückhaltung lebt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Da musst du jetzt 5 und 4 nennen, damit wir zur Top 3 kommen.
Johannes Franke: Eternal Sunshine of a Spotless Mind.
Florian Bayer: Das war meine 6, die ich dir nicht wegnehmen wollte.
Johannes Franke: Habe ich nicht in die Top 3 rein jetzt. Aber der ist wirklich wundervoll.
Florian Bayer: Ja, wundervoll und sehr traurig.
Johannes Franke: Magst du kurz was dazu sagen?
Florian Bayer: Ja, es geht darum, dass Jim Carrey als... nicht als Nobody, als 0815-Typ erfährt, dass seine Ex-Freundin, Kate Winslet, die Erinnerungen an ihn hat löschen lassen von einer Agentur, die für sowas spezialisiert ist. um schlechte Erinnerungen an vergangene Beziehungen zu löschen. Und dann entschließt er sich, das auch zu machen. Und der ganze Film spielt aber eigentlich nur in Jim Carreys Kopf, während dieses Löschvorgangs, wo er plötzlich feststellt, oh, ich will sie ja gar nicht vergessen. Und dann versucht die Erinnerung an sie zu retten. Das heißt, er flieht mit ihrer Erinnerung Mit Erinnerung an sie flieht er durch seinen Verstand und versucht, diesen Löscharbeiten zu entgehen. Ein großartiger Mix aus ... Drama, Liebesfilm und Fantasy.
Johannes Franke: Und auch ein unglaublich, also ich wüsste gar nicht, wie ich das schreiben soll. Also das hat ja Dingens geschrieben hier.
Florian Bayer: Kaufmann.
Johannes Franke: Kaufmann. Und der hat ja sowieso so einen seltsamen Kopf für solche Sachen. Aber ich wüsste gar nicht, wie ich da rangehen sollte, so ein Thema, wie... findet man Bilder dafür, dass ein Löschvorgang im Kopf stattfindet, dem man versucht zu entfliehen.
Florian Bayer: Und er schafft es auf so grandiose Weise.
Johannes Franke: Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Wirklich toller Film. Michel Gondry war übrigens der Regisseur und er heißt auf Deutsch Vergiss mal nicht.
Johannes Franke: Ja, auch ein guter Titel.
Florian Bayer: Ja, durchaus getroffen. Aber der Originaltitel ist einfach zu gut.
Johannes Franke: Das heißt, ich muss jetzt noch einen?
Florian Bayer: Ja. Bist du dann schon bei der 3? Dann bist du, glaube ich, bei der 3, oder?
Johannes Franke: Ja, dann wäre ich schon bei der 3.
Florian Bayer: Sehr gut. Dann sind wir genau richtig.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Da kann ich mich nicht entscheiden. Die sind alle eigentlich relativ nah aneinander. Ich würde jetzt einfach mal als drei her nehmen. wo sich der Typ in sein Betriebssystem verliebt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Einfach wie Windows so in der Zukunft ist gar nicht so weit. Es wird auch gar nicht so richtig definiert, wie weit in der Zukunft das spielt. Das Betriebssystem ist einfach eine KI, die einfach... sich mit Menschen unterhalten kann, wie als wenn du mit einer Person dich unterhältst und er verliebt sich. sich in diese Stimme und in das, was da von der KI kommt. Und die KI verliebt sich in ihn. Und dann sind sie ein Paar. Und es ist ein wunderschöner Liebesfilm. Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Ja, super. Und er ist auch wirklich, er hat auch so diese Melancholie, die er die ganze Zeit mit sich trägt und er erzählt aber wirklich eine schöne Liebesgeschichte. Und es ist so toll, dass es so irgendwann so eine Zeit lang gar keine große Rolle spielt, dass sie eine KI ist und sie haben einfach eine Beziehung. Das ist super.
Johannes Franke: Eine ganz tolle Sexszene.
Florian Bayer: Ja. Ja.
Johannes Franke: Oh, eine großartige Sechsszehne, ja.
Florian Bayer: Ja. Ja. Heaven von Tom Tück war aus dem Jahr 2002. Ja. Einer der weniger bekannten Filme von Tom Tück war.
Johannes Franke: Bin gerade unsicher, ob ich ihn gesehen habe.
Florian Bayer: Mit Cate Blanchett und Giovanni Ripsi. Ribisi, so wird er ausgesprochen. Kate Blanchett spielt eine Lehrerin, die verzweifelt darüber, dass die Drogendealer in ihrer Nachbarschaft die... ihre Schüler quasi total fertig machen, Drogen dealen und richtig krass organisiertes Verbrechen betreiben. plant den Chef von dem Ding umzubringen und legt eine Bombe. Allerdings kommt es dann zur Tragödie und zwar explodiert die Bombe im falschen Moment und es werden vier unschuldige Menschen getötet. Und sie wird verhaftet. Und ein Polizist, eben von Giovanni Ribisi gespielt, verliebt sich in sie, ein junger Polizist, und hilft ihr dann zu entkommen. Und sie fliehen einfach in die Einsamkeit, in die Einöde, in der Natur. sind dann da zusammen und es ist so eine Liebesgeschichte, die sich zwischen ihnen beiden entwickelt. Mhm. aber die die ganze Zeit so diesen großen Schatten über sich hat. Zum einen ihre Schuld, weil sie für den Tod von vier unschuldigen Menschen verantwortlich ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und zum anderen die Nahkatastrophe, weil man weiß, die Polizei ist hinter ihr her und sie werden nicht entkommen. Also man weiß einfach, ihre Liebe hat keine Zukunft.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und es ist ein super Film. Tom Tück war, kann einfach unglaublich dicht erzählen.
Johannes Franke: Krass, Tom Tück war, hat echt viele gute Sachen gemacht.
Florian Bayer: Ein sehr schwermütiger Film, aber wunderschöne Bilder, sehr poetisch. Und dieser krasse Kontrast, dieses Fegefeuer, durch das sie gehen und dann dieser Himmel, in dem sie sind, wenn sie einfach weg sind, draußen sind und nichts mehr von ihrer Vergangenheit. zumindest für einen kurzen Moment, nichts mehr von ihrer Vergangenheit um sich ist.
Johannes Franke: Auf Platz zwei wäre bei mir Brokeback Mountain.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Ganz toller, sehr emotional berührender Film.
Florian Bayer: Von einem Hongkonger Regisseur? Ich muss kurz gucken, das könnte auch ein chinesischer Regisseur sein, von Ang Lee, der ein, ah, oh, ich hab was falsch gesagt, taiwanesischer Regisseur ist. Okay. Aber Taiwan gehört ja... Taiwan und China haben auch eine sehr komplizierte Geschichte, ich kann nicht so viel dazu sagen. Taiwan nennt sich offiziell selbst Republik von China. Oh. Also das ist, Taiwan ist das, also wenn es nach China geht, ist glaube ich Taiwan das falsche China. Ich weiß, ich kriege es nicht zusammen. Angli, aber auf jeden Fall ein östlicher Regisseur, der es nach Amerika geschafft hat. Und ja, Brockback Mountain ist auch ein sehr amerikanischer Film, ne?
Johannes Franke: Sehr, muss man schon sagen. Deswegen bin ich gerade ein bisschen erstaunt. Ich habe nicht gewusst, wer die Regie geführt hat und dann so ein... ähm, taiwanisischen Schnauzer habe ich nicht erwartet.
Florian Bayer: Ja, toll, zwei Cowboys, die sich ineinander verlieben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch eine sehr kurze, aber sehr erfüllende Liebesgeschichte haben. Auch ein sehr tragisches Ende, ein sehr lange ausgedehntes Ende, dann die Tragik nach der Beziehung.
Johannes Franke: Ja, Mann. Ja, sehenswert, sehr sehenswert. Vielleicht gucken wir den irgendwann mal.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Es gehört schon auf die Liste der Filme, die man sehen muss.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. 2005. Ist auch mittlerweile schon über 15 Jahre alt.
Johannes Franke: Krass, ne? Dann Platz 2.
Florian Bayer: Mein Platz 2, ich habe tatsächlich relativ junge Filme dabei, aus dem Jahr 2017, Call Me By Your Name, von einem von Luca Guadagnino eine Liebesgeschichte zwischen einem Teenager und dem wissenschaftlichen Assistenten seines Vaters. Er kann ihn am Anfang überhaupt nicht leiden. Und findet ihn arrogant und so. Was aber auch so klar ist, er ist schon in ihn verliebt. Man merkt das irgendwie so ein bisschen. Aber gleichzeitig finden wir ihn arrogant und dann so gegenseitige Anziehung in Italien in den 80er Jahren. Und eine wunderschöne, ganz zurückhaltende Liebesgeschichte, die sehr glaubwürdig sich langsam entwickelt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und eigentlich gar nicht, keine tragische Geschichte ist, sondern wirklich einfach schön und auch so ein bisschen einfach von der Schönheit der Liebe lebt und und von so der Leichtigkeit davon und der Unbeschwertheit die da ist, wenn die Liebe ganz frisch ist und das perfekt auf den Punkt bringt. Wunderschöner Film. 2017 hat Oscars gewonnen. Moment, mal kurz gucken. Hat auch nicht abgeräumt, wenn ich mich richtig erinnere. Sollte er auf jeden Fall. Er hätte es verdient, ja. Nee, er war nur nominiert als bester Film 2018. Fürs beste Drehbuch hat er einen gewonnen. Hat er nicht gegen Moonlight verloren? Da war es aber auch wirklich schwierig. Lassen wir mal kurz gucken, Oscar Verleihung 2018, wie unfair es ist, dass er nicht gewonnen hat. Und nein, er hat gegen Shape of Water verloren. Also, Shape of Water war okay, aber nein. Und er war zusammen nominiert mit, das war ein gutes Oscar-Jahr, Free Billboards. Weil in dem selben Jahr nominiert der Seidene Faden, Lady Bird, Get Out, Dunkirk. Wow, das war ein gutes Jahr. Aber Call Me By Your Name ist der beste von denen.
Johannes Franke: Okay. Na gut. Ich glaube dir mal. Glaubt, Plur. Und guckt den Film. Und mein Platz Nummer 1. Einfach, weil ich ihn so großartig finde und ich weiß gar nicht, ob er all deine Kriterien für diese Liste erfüllt.
Florian Bayer: Ich glaube, ich weiß, was kommt, aber er ist trotzdem raus.
Johannes Franke: Only Lovers Left Alive.
Florian Bayer: Oh, nee, damit habe ich nicht gerechnet.
Johannes Franke: Hahaha. Womit hast du gerechnet?
Florian Bayer: Harold und Maud.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Oh, der wäre auch gut gewesen. Aber bei Harold und Mort hätte ich wahrscheinlich gesagt, zu komisch.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Das stimmt. Ja. Nein, Only Lovers Left and Alive. der gar keinen so... Also es ist kein... Es gibt nicht diese klassischen Sachen von der Liebesgeschichte... Ah, die lernen sich kennen, es gibt so Hürden und dann müssen sie irgendwie gemeinsam irgendwelche Widerstände überwinden oder sowas. Sondern es sind zwei Vampire, die schon ewig zusammen sind und die seit Ewigkeiten leben und sie ist eine ganze Ecke älter als er. Und das ist einfach so eine lakonische und so eine ruhige Art und Weise eine Liebe zu erzählen.
Florian Bayer: Einer der stylischsten, stilvollsten Filme der letzten 20 Jahre. Von Jim Jarmusch. Viel Rock'n'Roll, coole Bilder, coole Figuren. Tilta Swinton und Tom Hiddleston.
Johannes Franke: wahnsinnig gut. Auch er atmet so eine Zeitlosigkeit, sodass ich jedes Mal, wenn ich den Film sehe, überrascht bin, dass Tom Hiddleston drin ist, weil der für mich... noch gar nicht so lange im Geschäft ist, dass das irgendwie, dass er in dem Film sein könnte. Stimmt.
Florian Bayer: Es sieht in dem Film auch älter aus als in Thor. Stimmt.
Johannes Franke: Meine Güte. Aber Tom Hiddleston ist immer, immer es wert, einen Film anzugucken, nur weil er mitspielt und man wissen will, was macht er daraus.
Florian Bayer: Trotzdem ist Tilda Swinton die eigentliche Attraktion dieses Films.
Johannes Franke: Eigentliche Attraktion ist natürlich Tilda Swinton. Sie ist der Hammer. Es ist unglaublich, aber sie ist halt auch so eine, die... jeden Film aufwertet, egal wo sie mitmacht. Das ist wirklich krass. Ja, und dann kriegt Jim Jarmusch, der kriegt halt die Leute, weil der nicht diesen typischen Hollywood-Kram macht. Sondern weil man als Schauspieler weiß, okay, wenn Jim Jarmusch fragt, dann weiß ich, dann habe ich eine erfüllende Arbeit, die wirklich künstlerisch spannend wird. Guckt euch den Film an.
Florian Bayer: Toller Film, wenn ihr mehr drüber wissen wollt. Wir haben eine Episode, in der wir sehr lange über diesen Film reden. Das ist schön, das können wir immer öfter sagen, gerade bei unseren Top-Listen.
Johannes Franke: Ja, meine Güte. Ja, vielleicht wird es auch irgendwann langweilig, wenn wir nur noch uns... Wiederkeuen.
Florian Bayer: Da müssen wir radikale Horizonte erweitern. Nach unserem Horizont.
Johannes Franke: Nach über 50 Episoden. Und die Hälfte davon haben wir zwei Filme pro Episode gemacht.
Florian Bayer: Wir haben viele Filme geguckt.
Johannes Franke: Wir haben 150 Filme geguckt oder sowas. Nein, haben wir nicht geguckt. 150.000.
Florian Bayer: Zumal du bei jeder zweiten Episode Serien vorschlägst.
Johannes Franke: sehr viele Filme geguckt, Flo. Und irgendwann muss es sich doppeln. Tja, es ist so.
Florian Bayer: Mein Platz 1.
Johannes Franke: Dein Platz 1.
Florian Bayer: Und ich bringe wieder weit in der Zeit zurück, vor 50 Jahren. Ein Klassiker des Liebesfilms von François Truffaut, Jules und Jim. aus dem Jahr 1962. Ein Film, der eigentlich eine Dreiecksbeziehung erzählt zwischen einer Frau und zwei Männern. Und sie liebt beide irgendwie und sie kommt mit beiden auch irgendwie mal zusammen. Und die beiden sind richtig gute Freunde. Und ja, es ist einfach ein wunderschöner Film über die Liebe, über Beziehungen. Überliebesglück, Nouvelle Vague, 1962. Einer der schönsten Filme aus der Ecke.
Johannes Franke: Okay. Vielleicht auch etwas, was ich mal sehen muss.
Florian Bayer: Würde dir gefallen, denke ich.
Johannes Franke: Nouvelle Vague. Naja, ja, ja.
Florian Bayer: Nouvelle Vague-Filme sind ja nicht Nouvelle Vague-Filme. François Truffaut war keiner von den experimentellen Regisseuren. Das heißt, es ist ein sehr traditioneller Film aus der Zeit.
Johannes Franke: Okay, gut. Okay, ja, na dann, Flor, ich danke dir. Ich glaube, wir müssen nicht mehr so wahnsinnig viel Faziten. Wollen wir nochmal in den Film zurückspielen?
Florian Bayer: Ja, ich würde gerne mal, also du hast jetzt schon einiges kritisiert an dem Film. Versuch mal so ein Overall-Fazit zu ziehen, weil das habe ich nicht 100% raushören können.
Johannes Franke: Ja, das Problem ist ich auch nicht. Ich habe mich während des Films über viele Sachen, die mich stören, aufgeregt. Dieses Männer-Frauen-Ding, dieses Frauenbild, was einfach echt nicht gut ist. Der Typ, der sie... So furchtbar behandelt. Dabei sieht er dann aber wieder aus wie ein Typ, den ich jeden Tag knuddeln will am Anfang des Tages, einfach damit mir es gut geht darüber. Der ist cool, von der Ausstrahlung her. Aber es ist alles auch so verworren erzählt und gibt natürlich nur so ein Gefühl am Ende. Du hast einen Film, wo du am Ende wirklich lange da sitzen musst, um zu sortieren, gefühlstechnisch. Was ist denn jetzt eigentlich, was will mein Kopf und was will mein Körper mit diesem Film anfangen? Ich habe keine Ahnung. Und dann bin ich natürlich immer dankbar, dass ich mich damit auseinandersetzen muss. Wenn ich mit dir darüber reden will, muss ich einfach nochmal überlegen, ja, was ist das eigentlich? Und das hilft. Und dann ist das so ein Film, der einem mit der Beschäftigung, mit dem Thema immer besser gefällt. Das heißt, man hat dann plötzlich so ein fast schon nostalgisches Gefühl für diesen Film, den man irgendwie schwierig fand, aber irgendwie dann doch gut. Und dann guckt man sich den Film an und sieht schöne Bilder. Das kommt natürlich dazu. Und ich bin wirklich jemand, der sich sehr gerne von guten Bildern blenden lässt und der dann auch gerne mal sagt, scheiße auf die Geschichte. Hauptsache, die Bilder sind schön. Aber es ist schon viel dabei, was einen stört, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Als ich den Film 2004 gesehen habe, hatte ich das Gefühl, wow, das ist der beste Liebesfilm, den ich je gesehen habe. Das hat sich ein bisschen relativiert, als ich ihn jetzt noch mal gesehen habe. Aber auch jetzt in einem Gespräch tatsächlich noch mal. Also Horizonterwaltung funktioniert ja nicht nur in die eine Richtung, dass ich dir Filme aufgebe, sondern dass du auch meine Perspektive auf Filme nochmal ergänzt. Und ich kann viele von den Kritikpunkten, die du anbringst, nachvollziehen. Deswegen ist das ein bisschen abgeschwächt. Aber ich halte ihn nach wie vor ... für einen unglaublich starken, unglaublich poetischen Film, der natürlich auch... tatsächlich für mich durch die kulturelle Barriere gewinnt, weil es einfach was anderes ist, als was man sonst an jedes Filmen sieht, wenn man sich im westlichen Kino bewegt. Und ich bin immer dankbar, wenn ich was sehe, was anders ist als das, was man sehr oft zu sehen bekommt. Aber hier kommt natürlich auch dazu, dass ich ein totaler Wong Kar-Wai-Fanboy bin. Deswegen einmal noch mal, der macht seit 1988 Filme. Und auch sehr unterschiedliche Filme. Und seine Episoden, Tragikomödien aus den 90ern, Chunking Express and Fallen Angels, kann ich total empfehlen. In the Mood for Love ist auch ein großartiger Film. Schaut euch irgendwas von dem Regisseur mal an. Er hat auch einen amerikanischen Film gemacht, Mad Blueberry Nights, auch ein liebes Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wenn ihr schöne Bilder sehen wollt und etwas spezielle Handlungen, schaut euch auf jeden Fall einen Film von ihm an. Wenn ihr was leichteres wollt, was etwas konfuser und actionreicher ist, guckt euch Shunking Express an. Wenn ihr was sehr melodramatisches wollt, mit sehr schönen Poetchenbildern, dann kann ich 2046 nennen. nur empfehlen.
Johannes Franke: Ja, also ich kann auch auf jeden Fall eine Sehempfehlung weil ich das Gefühl habe, dass er genau das, was wir haben, diese Horizonterweiterung, die wir wollen, die macht er irgendwie. Weil anders erzählt als sonst und auch mehr interessante Ideen dabei sind als bei den meisten Hollywood Filmen, die man so sieht, die nur zur Unterhaltung da sind. sind. Kein leichter Film. Es ist kein leichter Film, aber es ist ja sehr sehenswert dann doch am Ende. Trotz all seiner Probleme.
Florian Bayer: Johannes, vielen, vielen Dank, dass du ihn geschaut hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du mir solche Sachen immer wieder rüberschaust, damit ich ein bisschen auch aus meinem Hollywood-Zeug rauskomme.
Florian Bayer: für deine Ideen und Gedanken auch zu dem Film. Ich fand deine Interpretation total schön, die du im Mittelalter gebracht hast, die ich gerade vergessen habe. Sonst könnte ich sie nochmal auf den Punkt bringen.
Johannes Franke: Ja, hört ihr die Episode nur von der Anchor?
Florian Bayer: Ja, sollte ich. Leute, wenn ihr die Episode jetzt gehört habt, hört sie auch nochmal am besten. Welches zweites Mal? Ansonsten, wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche machen, bleibt kurz dran. Dann gibt Johannes mir wieder was auf und ich bin schon sehr gespannt, womit er sich revanchiert.
Johannes Franke: Ich auch, ich weiß noch gar nicht genau. Ich überlege noch und dann gebe ich dir was.
Florian Bayer: Bis dahin eine gute Woche und rutscht gut ins neue Jahr hinein.
Johannes Franke: Ja, genau. Kommt gut ins neue Jahr. Ich hoffe, ihr hattet einigermaßen entspannte Feiertage und habt jetzt noch einen entspannten Rutsch. Ohne Geböller. Wir dürfen nicht böllern. Haltet euch dran. Brot statt Bücher. Ja, Brot statt Bücher. Was? Was? Brot statt Böller?
Florian Bayer: Kennst du das nicht? Nein. Ganz toll eigentlich. Ich weiß gar nicht von wem. Mysterio? Ich weiß nicht. Irgendeine Spendenorganisation hat das... jährlich eigentlich gemacht seit, machen sie glaube ich immer noch, seit keine Ahnung wie vielen Jahren. Okay. Seitdem ich ein Kind bin, wahrscheinlich Brot statt Böller. Und was, kauft euch keine Knaller, sondern spendet uns.
Johannes Franke: Oh, geil. Ja, dann bitte an alle, die das hören, rechnet mal aus, was ihr im letzten Jahr so ausgegeben habt, durchschnittlich für Böller. Und dann ab damit an dieser Aktion mit dem Geld. Sehr gut. Cool. Könnte man einführen für den nächsten Jahr. Wir sehen uns im neuen Jahr. Bis dann. Ciao. So plur, ich habe mir was überlegt.
Florian Bayer: Ja, ich bin gespannt. Was hast du mir im nächsten Jahr zu bieten?
Johannes Franke: Kommen wir erstmal wieder ordentlich ins Mikro ran. Wir haben jetzt ein bisschen rumgehangen und dann hat Plur immer so ein bisschen den Kontakt zum Publikum verloren.
Florian Bayer: Hallo, liebes Publikum.
Johannes Franke: Oh Gott, Hilfe. Mach uns keine Angst. Folgendes, ich muss mich wieder entschuldigen, Plur, unser Konzept ist ja, dass wir Filme angucken. Aber ich komme nicht drum rum. Wir müssen... Mein Gedankengang war folgender. Wir haben so wenig deutsche Sachen, die wir gut finden und die wir besprechen.
Florian Bayer: Das stimmt allerdings, da hast du vollkommen recht.
Johannes Franke: Und wir müssen irgendwie aufholen. Und was gibt es Gutes in Deutschland? Was fällt dir spontan ein, was es in Deutschland gute Sachen gibt im deutschen Fernsehen?
Florian Bayer: Gute Zeiten, schlechte Zeiten.
Johannes Franke: Okay, wir können dieses Gespräch an dieser Stelle abbrechen. Ach, du gibst mir gute Zeiten, schlechte Zeiten? Nein! Alle Folgen! Du bist gemein. Nein. Nachdem wir versucht haben, das müsst ihr euch unbedingt anhören, wir haben uns einen Tatort genommen und wir haben uns einen Rosamunde-Pilcher Pilcher genommen. Das war eine tolle Folge, weil ich das spannend fand, die beiden mal gegeneinander zu stellen und mal ein bisschen zu gucken, an welchen Enden im deutschen Fernsehen wir so ziehen.
Florian Bayer: Wir lästern auch nicht nur drüber. Wir versuchen wirklich damit auseinanderzusetzen.
Johannes Franke: wirklich Rosamunde Pilcher irgendwie zu verstehen, was uns nicht unbedingt gelingt leider, aber wir haben es versucht. Wir haben es versucht.
Florian Bayer: Welche Serie hast du denn für mich?
Johannes Franke: Jetzt ernst du schon, dass es eine Serie ist.
Florian Bayer: Das will ich nicht gucken.
Johannes Franke: Ja, aber ich bin dafür zuständig, dass ich immer wieder sage, okay, wir machen statt Filmen Serie. Ich gebe zu. Okay, es ist wirklich eine Serie und zwar die einzige deutsche Serie, die zurzeit wirklich... qualitativ hochwertig, also mehr fällt mir gerade nicht ein. Bessere Filme fallen mir nicht ein. Und zwar der Tatortreiniger.
Florian Bayer: Oh, cool. Aber, ähm, also es ist ja viel, ne? Ich hab vorhin die erste Staffel gesehen und auch so ein paar Folgen dazwischen, aber nicht wirklich viel. Es ist wirklich viel geworden.
Johannes Franke: Sieben Staffeln sind das geworden. Aber es ist nicht konsistent, dass die irgendwie in jeder Staffel 20 Folgen haben, sondern irgendwie mal vier Folgen, mal sechs Folgen, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger.
Florian Bayer: Aber das ist ein bisschen viel, also wir müssen das irgendwie einschränken.
Johannes Franke: Ja, ja, ich werde dir dann drei Episoden sagen. Ich würde sagen, die sind... Nazi-Episode müssen wir auf jeden Fall gucken. Dann irgendwo am Anfang irgendeine Folge, würde ich denken, wo sie einfach labern und Dann vielleicht den Schluss, weil der Schluss ist ja auch was ganz Besonderes geworden.
Florian Bayer: Okay, cool. Also Schluss habe ich definitiv nicht gesehen. Und wenn du jetzt drei Episoden für mich aussuchst, ist die Wahrscheinlichkeit auch relativ hoch, dass du welche... die ich nicht geguckt habe, weil ich bin beim Tatortreiniger irgendwo zwischen der ersten und der dritten Staffel stehen geblieben.
Johannes Franke: Und wir werden auch vor allem einfach über das Konzept reden und über die Leute, die das machen und wie das entstanden ist und wie... Wie die Dialoge, also es ist einfach eine spezielle Form der Dialogfindung und das finde ich ganz toll. Das sollten wir genauer auseinandernehmen.
Florian Bayer: Oh, ich freue mich sehr darauf. Spannend, ja.
Johannes Franke: Schön, cool. Okay, Plur, vielen Dank für diese Episode. Ich freue mich sehr auf nächste Woche.
Florian Bayer: Bis dann, ciao.
Johannes Franke: Bis dann, ciao.
