Episode 74: First Blood – Der erste Rambo-Film
Die Literaturverfilmung First Blood aus dem Jahr 1982 erzählt die Geschichte des Vietnamveterans John J. Rambo, der auf seinem Weg durch die nordamerikanische Kleinstadt Hope vom örtlichen Sheriff als Herumtreiber festgenommen wird. Die äußerst brutale Behandlung durch die örtlichen Polizisten führt bei Rambo zu Kriegsflashbacks. Er schlägt sich den Weg aus dem Polizeirevier frei und flieht in die umliegenden Wälder. Die Polizisten folgen ihm, werden aber Dank seiner im Krieg erlernten Überlebensfertigkeiten sehr schnell von Jägern zu Gejagten.
Wenn man an die Person Rambo denkt, hat man vor allem die Memes und Klischees im Kopf an denen vor allem die beiden 80er Jahre Fortsetzungen Schuld sind: Der heroische Einzelkämpfer, der wie durch ein Wunder jedem Kugelhagel entgeht und im Alleingang Kriege gewinnt und die Ehre der USA wiederherstellt. Aber vielleicht gelingt es diesem ersten Teil dann doch der Figur andere Facetten abzugewinnen… die Frage ist nur, welche Facette überwiegt.
Und damit spiele ich den Ball an dich weiter, Johannes. Wer ist dieser John J. Rambo in First Blood? Ein traumatisiertes Kriegsopfer? Ein Kind, das mit seiner Stärke nicht umgehen kann? Ein verwirrter Gewalttäter? Eine Kampfmaschine, die in der Zivilgesellschaft nichts verloren hat? Ein Terrorist? Oder vielleicht doch einfach nur ein überzeichneter, stereotyper konservativer Actionheld getarnt als tragischer Außenseiter?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 74: First Blood – Der erste Rambo-Film Publishing Date: 2022-06-01T12:44:47+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/06/01/episode-74-first-blood-der-erste-rambo-film/
Johannes Franke: Ja und das ist halt dann das, was der Film am Ende wirklich nicht durchzieht. Vielleicht wäre der Film ein bisschen besser gewesen, wenn er es wirklich knallhart durchgezogen hätte und wir am Ende schockiert dagestanden hätten. und gesagt hätten, okay, das ist meine Ansage.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Mach Rambo am Schluss grausamer und der Film wird stärker. Day True First Blood. Not me. Die dümmste Rechtfertigung der Filmgeschichte. Day True First Blood. Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zum Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Mit Florian Plor-Bayer.
Florian Bayer: Und Johannes, kein Nickname, Franke.
Johannes Franke: Immer musst du irgendwas dazu. Das funktioniert nicht.
Florian Bayer: Ja, herzlich willkommen. Eine neue Folge, eine neue Woche. Ein neuer Film, über den wir sprechen werden.
Johannes Franke: Wo wir uns gegenseitig immer wieder Filme geben, von denen wir hoffen, dass sie den Horizont des Anderen erweitern.
Florian Bayer: Und diese Woche war ich dran mit einem Film für Johannes.
Johannes Franke: Ja, und hast du ernsthaft versucht, meinen Horizont zu erweitern?
Florian Bayer: Ich hab ernsthaft versucht, deinen Horizont zu erweitern mit einem Genre, das nicht dein Genre ist, das aber auch nicht mein Genre ist. Nämlich dem guten alten amerikanischen Actionfilm.
Johannes Franke: Ja, jetzt bin ich mal gespannt, ob wir am Ende noch von einem Actionfilm reden. Das ist eine gute Frage. Ob du mir den gegeben hast, weil es eben nicht der Actionfilm ist, von dem ich glaubte, dass er das ist.
Florian Bayer: Full Disclaimer, Johannes kannte den Film überhaupt nicht. Ja. Es handelt sich um Rambo bzw. First Blood aus dem Jahr 1982. Wir müssen unbedingt irgendwann im Laufe dieser Episode über die absolut bescheuerte Namensgebung der Rambo-Filme reden. Und Johannes kannte den Film überhaupt nicht und kannte tatsächlich nur die Memes und Klischees, die man eben von dieser Figur John J. Rambo hat.
Johannes Franke: Mhm. Er hat auch noch einen Jay dazwischen. Ja, nur Jay ist ganz wichtig.
Florian Bayer: Und wofür steht Jay? Für Geronimo?
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Natürlich für Jay.
Johannes Franke: Ach so, okay.
Florian Bayer: Es gibt auch diese tolle Simpsons-Folge. Ja, genau. Huma Jay Simpson. Genau, und Johannes kannte nur die Klischees von ihm und daran sind natürlich die Fortsetzungen nicht unschuld und Rambo ist halt auch irgendwann zum Klischee und zum Meme geworden. Deswegen fand ich es ganz spannend, mal mit ihm zusammen draufzuschauen, wo die Klischees herkommen und was der erste Film anders macht als die Fortsetzung. Und vielleicht auch die Frage beantworten, die ich mir selbst immer mal wieder stelle, ob der Film erfolgreich dabei ist. eine Figur zu etablieren, die sich komplett von der Figur aus den Fortsetzungen unterscheidet. Ich bin sehr gespannt, was du zu dem Film zu sagen hast und was mit deinem Wissen oder Nichtwissen über Rambo geschehen ist im Laufe der Filmrezeption.
Johannes Franke: Bevor ich auch nur irgendeinen Hinweis gebe, was meine Meinung ist, möchtest du Teeplor?
Florian Bayer: Sehr gerne, bitte.
Johannes Franke: Unser ewiges Ritual hier.
Florian Bayer: He threw first tea, not me.
Johannes Franke: Ich sehe schon, wir müssen ganz viel rausschneiden am Ende. Du wirst die ganze Episode über so viel scheiße. Egal. Kluntje. Kluntje, ja.
Florian Bayer: Okay, und wie immer habe ich einen ganz kleinen Text vorbereitet, mit dem wir einsteigen werden und der ist hoffentlich nicht zu lange und danach geht es gleich rein in die Diskussion und den Streit. Ich würde einfach mal loslegen.
Johannes Franke: Ja, sehr schön.
Florian Bayer: Die Literaturverfilmung Der First Blood aus dem Jahr 1982 erzählt die Geschichte des Vietnam-Veterans John J. Rambo. der auf seinem Weg durch die nordamerikanische Kleinstadt Hope vom örtlichen Sheriff als Herumtreiber festgenommen wird. Die äußerst brutale Behandlung durch die örtliche Polizei führt bei Rambo zu Kriegsflashbacks. Er schlägt sich den Weg aus dem Polizeirevier frei und fliegt in die anliegenden Wälder. Die Polizisten folgen ihm, werden aber dank seiner im Krieg erlernten Überlebensfertigkeiten sehr schnell von Jägern zugejagten. Wenn man an die Person Rambo denkt, hat man vor allem die Memes und Klischees im Kopf, an denen vor allem die beiden 80er-Jahre-Fortsetzungen schuld sind. Der heroische Einzelkämpfer, der wie durch ein Wunder jedem Kugelhagel entgeht und im Alleingang Kriege gewinnt, der die Ehre der USA endlich wiederherstellt. Aber vielleicht gelingt es diesem ersten Teil dann doch, der Figur andere Facetten abzugewinnen. Die Frage ist nur, welche Facette überwiegt. Und damit spiele ich den Ball an dich weiter, Johannes. Wer ist dieser John J. Rambo in First Blood? Ein traumatisiertes Kriegsopfer? Ein Kind, das mit seiner Stärke nicht umgehen kann? Ein verwirrter Gewalttäter? Eine Kampfmaschine, die in der Zivilgesellschaft nichts verloren hat? Ein Terrorist? Oder vielleicht doch einfach nur ein überzeichneter, stereotyper und konservativer Actionheld, getarnt als tragischer Außenseiter.
Johannes Franke: Ich wähle Antwort F. Antwort F lautet ein schlecht geschriebener Hauptcharakter.
Florian Bayer: Ein schlecht geschriebener Hauptcharakter.
Johannes Franke: Der einfach zu wenig Motivation für alles, was er tut hat.
Florian Bayer: Ja, zu wenig Motivation. Was ist denn seine Motivation?
Johannes Franke: Das habe ich mich auch gefragt, Blor. Möchtest du mir das? Ich weiß es einfach nicht. Es ist unglaublich. Der läuft so viel in der Gegend rum und fängt so viele... bescheuerte Aktionen an, ohne wirklich eine Motivation dafür zu geben, ohne wirklich einem als Zuschauer mal einen Hint zu geben. Naja, so ganz grob. Aber immer der gleiche, nämlich sein kindliches Gesicht, das sagt, oh mein Gott, ich bin so verängstigt und ich habe noch Flashbacks und ich kann dadurch überhaupt nicht mehr reden und nicht mehr darüber reden, was eigentlich passiert. Wenn mir der Film das noch als Story mitverkaufen würde, wäre es okay, aber es muss nur sein Gesichtsausdruck das alles tragen und es klappt nicht.
Florian Bayer: Weil Sylvester Stallone kein guter Schauspieler ist.
Johannes Franke: Nein, weil das Drehbuch schlecht ist.
Florian Bayer: Weil das Drehbuch schlecht ist, okay. An dem Silvester Stallone ja tatsächlich auch einen nicht geringen Anteil hatte.
Johannes Franke: Wahrscheinlich auch einen relativ guten Anteil, wenn ich mir so überlege, was vorher drin stand oder was so... angedacht war, wie es sein sollte.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich total krass. Es ist ja ein Film, der sich wie andere Filme auch sehr stark von seiner Vorlage entfernt und wirklich radikal von der Vorlage abweicht. Das Buch selbst ist von David Morell. Aus dem Jahr 1972. Und das ging auch durch verschiedene Hände, bevor es dann endlich verfilmt wurde. Es gab 1972 schon die Idee, das zu verfilmen. Und von Columbia Pictures. Und das ist aber einfach schiefgegangen.
Johannes Franke: Da sind wahnsinnig viele Schauspieler, die dafür auch ins Radio gekommen sind.
Florian Bayer: Unglaublich viele Leute, die im Laufe der Zeit geplant waren als Rambo-Darsteller. Und es gab im Prinzip diese drei Versuche, der erste Versuch 1972, der zweite Versuch 1977 und die sind beide gescheitert. Und beim zweiten Versuch hatte sich das Skript dann aber schon so ein bisschen geändert und zwar mit einem der wesentlichen Änderungen, dass Rambo am Schluss den Film überlebt im Gegensatz zum Buch.
Johannes Franke: Aber sie haben ja auch beide Sachen gedreht. Sie haben ja sogar noch gedreht, wie er quasi sich selbst erschießt durch die Knarre des anderen. Aber...
Florian Bayer: Im Buch wird er tatsächlich umgebracht. Im Buch ist Rambo auch ... im Gegensatz zum Film eine absolut eiskalte Killermaschine. Also die Sympathieverteilung im Buch selbst ist eigentlich ziemlich klar, weil wir einfach die Perspektive des Cops einnehmen, dieses Tease, der ihn jagt. Und es ist eigentlich ganz klar, dass dieser Rambo eine Gefahr ist für die Gesellschaft. Und der hat auch einen ordentlichen Bodycount im Buch, im Gegensatz zum Film. Im Buch tötet er ...
Johannes Franke: 18 Leute, glaube ich, oder?
Florian Bayer: Eine zweistellige Zahl von Leuten auf jeden Fall. Ja, ich glaube, es war so irgendwas zwischen 10 und 20, eher Richtung 20. Während er im Film eigentlich nur für einen Toten verantwortlich ist und das wird sogar noch... als Unfall. Also es gab wirklich viele Änderungen. Sylvester Stallone hat tatsächlich beim dritten Versuch sehr viel am Drehbuch nochmal umgeändert. geschrieben, hat auch gesagt, er will diesen Rambo irgendwie anders darstellen.
Johannes Franke: Ich weiß immer nicht so genau. Seit ich mir das angelesen habe, bin ich hin und her geworfen zwischen, hätte das mal so gelassen und ja gut, die Idee ist natürlich gut, das in eine andere Richtung zu drehen. Vielleicht hätte der Film sich noch mehr entscheiden müssen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Tatsächlich, Pointe, David Morell mochte die Verfilmung.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Der hat sogar gesagt, er fand's besser als sein eigenes Buch.
Florian Bayer: Und er sagt, er hat... Er hat die Verfilmung so gelesen, dass weder der Polizist noch Rambo Protagonisten sind, beziehungsweise dass beide Protagonisten sind, dass es keinen wirklichen Antagonisten gibt oder dass beide Antagonisten sind. deren Perspektive wir nacheinander oder wechselnd annehmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass das eigentlich viel besser passt, weil er meinte so, man konnte im Jahr 1982 konnte man Rambo nicht mehr so inszenieren, wie ich das 1972 sagte. gemacht hatte, wie ich das 1972 im Kopf hatte. Das ist einfach ein anderer Film. Das ist einfach eine andere Zeit und es gibt andere Themen, die relevant sind. Und deswegen hat er das durchaus zu schätzen gewusst, dass so viel sich verändert hat.
Johannes Franke: Aber was sind denn die Themen, die relevant sind? Was sind die Themen, die dieser Film ansprechen will, beziehungsweise der Filmemacher? Und schafft er das und ist das schlau gemacht?
Florian Bayer: Ja, was natürlich... Grundsätzlich das Thema ist es, der Umgang mit Vietnam. Einige Zeit danach. Das ist vor allem der Hauptunterschied. 1972 war Vietnam noch total frisch und 1972 haben wir eine ganz andere Situation bei den Vietnam-Veteranen. Und der Film hat dabei natürlich eine gewisse konservative Stoßrichtung. Die kann man diesem Film nicht absprechen, die ist ganz klar vorhanden. Nicht nur in dem berühmten Monolog, den Rambo am Schluss hält, wo er sich furchtbar... darüber aufregt und in Tränen zusammenbricht und erzählt, dass er nach Hause kommt und dann stehen da die Leute und sagen, er wäre ein Kindermörder und So ein bisschen diese Deutsch-Stuss-Legende, dass die Friedensbewegung die patriotischen Soldaten nicht vernünftig behandelt hat und dass die deswegen irgendwie nie in der Zivilgesellschaft ankommen konnten. Er macht aber auf jeden Fall das Thema auf, was es da in Vietnam passiert, was es mit den einzelnen Soldaten passiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wie haben die versucht, das zu verarbeiten? Und wie ist das schiefgegangen? Was ja auch tatsächlich ein spannendes und auch ein wichtiges Thema ist. Einige Antikriegsfilme in der Zeit und davor und auch danach gemacht haben. Vietnam hat natürlich in der amerikanischen Seele ein großes Trauma hinterlassen. Und vor allem eben bei den Soldaten, die zurückgekommen sind. Das Problem bei diesem Narrativ ist natürlich immer, dass die... Wenn du so ein Opfernarrativ aufmachst von den armen amerikanischen Soldaten, die da im Dschungel alleingelassen wurden und vom bösen Vietkong... gefoltert wurden, dass komplett unter den Teppich gekehrt wird, dass die amerikanischen Soldaten dann natürlich auch ganz krass Täter waren. Dass das Leid, das in Vietnam stattgefunden hat, primär bei der vietnamesischen Zivilbevölkerung stattgefunden hat, Und dieses Narrativ vom amerikanischen Soldaten als Opfer ignoriert das natürlich so ein bisschen oder relativiert das auch und spielt das auch so ein bisschen klein, dass da unglaublich viel Gewalt von amerikanischen Soldaten stattgefunden hat.
Johannes Franke: Aber offensichtlich schert sich der Film ja nicht wirklich darum, das genauer zu beleuchten. Was vielleicht interessant gewesen wäre, aber er tut es nicht. Er tut es vielleicht auch deswegen nicht, weil er der Meinung ist, dass das im allgemeinen Köpfen... vorhanden ist, dass dieses Wissen um alle möglichen Geschichten um Vietnam, dass das alles irgendwie da ist und dass man da sich nur draufsetzen muss als Film. Aber eigentlich hätte ich es vielleicht spannender gefunden, wenn man da ein bisschen mehr Infos drin gehabt hätte, vielleicht mehr Geschichte, seinen Hintergrund, seine, er hat ja nur so ein paar Flash-Brecke.
Florian Bayer: Du meinst über das Vietnam-Trauma von ihm persönlich?
Johannes Franke: Ja, ihm persönlich oder eben auch... Du könntest natürlich auch einen globaleren Film draus machen, aber der Film setzt sich ja nun eindeutig auf eine Person. Was ja auch gut ist. Also es ist nicht schlecht. Es wäre halt ein anderer Film, wenn sie anfangen würden, den großen Bogen zu schlagen. Aber ich hätte dann mehr wissen wollen. Ich hätte dann mehr wissen wollen, was er erlebt hat und wie das, das erzählte mir am Ende mal ganz kurz in seinem kurzen Monolog, der auch ganz gut gemacht ist, den er auch gut erzählt. Da spielt Stallone tatsächlich auch, das ist wahrscheinlich eine seiner besten Momente in seiner ganzen Karriere.
Florian Bayer: Stallone hat tatsächlich später, so in den späten 90ern hinaus, hat Stallone durchaus einige Rollen gespielt, wo man dachte, oh, interessant.
Johannes Franke: Zum Beispiel Copland. Der hat ein paar humorvolle Sachen gespielt, die ich sehr gut finde.
Florian Bayer: Jetzt sag nicht Stop oder meine Mama schießt.
Johannes Franke: Es gibt so ein paar Momente, wo wo er einfach Humor beweist. Wo ich denke, okay, das ist Kudos für diese Chuzpe dann.
Florian Bayer: Das Interessante ist ja, Sylvester Stallone war damals wurde eigentlich als Kassengift angesehen. Die wollten den eigentlich nicht haben. Es gab enorme Widerstände gegen Stallone. Zum einen, weil es hieß, der kann diese Rolle eigentlich nicht stützen, der kann diese Rolle nicht tragen. Und Ted Kotchev, der Regisseur, hat wohl ziemlich dafür gekämpft, dass er Stallone kriegt, weil die Produzenten gesagt haben, ey, Der hat bis jetzt nur in Trashfilmen mitgespielt und hat einmal ein glückliches Händchen mit Rocky bewiesen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und sonst waren seine Filme auch alle Flops, ne? Rocky war eigentlich so das einzige Ding, was ihn irgendwie hat so ein bisschen leuchten lassen. Da hat er ja auch das Drehbuch geschrieben. Und ansonsten hat er halt so was gespielt wie der italienische Hengst. Ach der Scheiße. Und dann irgendwelche trashigen Actionfilmer. Und... Ja, ich finde, Stallone passt in die Rolle. Ich finde, er ist jetzt nicht ein überzeugender Darsteller, aber gerade diese Wortklarkeit von der Rolle... Und auch diese narrative Kargheit von dem Film macht es für mich passend. Ich bin froh, dass der Film mir nicht over-explained, was mit diesem Rambo passiert ist. sondern dass es eben wirklich nur so ein paar Momente gibt der Wahrnehmung, nicht mal der Reflexion, einfach wirklich diese Flashbacks.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das reicht für mich erstmal, um zu etablieren, okay, da ist ein Trauma offensichtlich. Wir haben hier ganz klar posttraumatische Kriegs...
Johannes Franke: Ich muss mal den Elephant in the Room, für mich Elephant in the Room, einfach ansprechen, dass wir damit mal umgehen. Der Film war ursprünglich über drei Stunden lang. Und der hat wahnsinnig viel Dialog auch von Stallone drin gehabt.
Florian Bayer: Verfolgungsjagd, wenn die Polizisten zum ersten Mal durch den Wald jagen. 40 Minuten oder sowas.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Und Stallone hat sich geschämt. Er hat sich das angeguckt und es war eben so peinlich.
Johannes Franke: Er wollte den Film kaufen und verbrennen. Und für mich ist das sehr symptomatisch für das, was ich gesehen habe, weil ich habe das Gefühl, dass der Film nicht so geplant war. wie er da vor mir liegt. Ich habe das Gefühl, dass diese Wortkargheit dem Film guttun könnte... Wenn sie geplant gewesen wäre, wenn sie so eingesetzt worden wäre, dass sie so funktionieren soll. Aber nein, das Konzept ist ja im Schnitt entstanden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das funktioniert für mich nicht. Ich habe das Gefühl, dass es nicht im richtigen Moment die richtige Erklärung gibt. Sondern die muss halt da jetzt hin, weil es im Schnitt einfach jetzt so zusammengebaut werden muss.
Florian Bayer: Was für eine Aktivität. Was für eine Art von Erklärung erwartest du? Oder was für eine Art von Narrativ erwartest du, das dir den Film näher bringt?
Johannes Franke: Ich will an ihn emotional andocken können. Und das kann ich sehr brachial am Anfang, weil sie ihn einfach auf 230 Grad kochen. Drangsalieren ihn bis ins Letzte? Man kommt also sozusagen einfach von einer Situation in die nächste, in der man sich... nur drangsaliert fühlt, in der man sich eingeklemmt fühlt zwischen Situationen. Natürlich ist es ein Gefühl, das man beim Zuschauer auslöst, aber eigentlich ist es nicht sehr differenziert. Das ist kein sehr buntes Gefühl, sondern sehr schwarz-weiß.
Florian Bayer: Und Rambo ist am Anfang ganz eindeutig Opfer.
Johannes Franke: Aber ich hätte gerne gewusst, warum er sich zum Opfer machen lässt. Also ich hätte zumindest ein emotionales Gefühl dafür haben wollen. Weil er am Anfang geht er zum Beispiel ganz normal zu dieser Frau und fragt, ich hab da so ein Foto, ich hol gleich mal das Foto raus, weil ich weiß, dass sie mir sowieso nicht glauben werden, hier sind wir beide drauf. Das ist so sehr over-explained.
Florian Bayer: Tatsächlich finde ich es total stark in dieser Szene, dass du das Gefühl hast, er ist ... nicht nur awkward, sondern er ist einfach, er kommt in der Zivilgesellschaft nicht wirklich zurecht. Er kann nicht kommunizieren, er kann überhaupt nicht sagen, was er eigentlich will und er scheint irgendwas zu suchen. Und ich meine, er ist ja das tatsächlich, was der Polizist... unser zweiter Protagonist, in ihm sieht, er ist ja irgendwie ein Herumtreiber. Er weiß nicht genau, wo er hin will. Er ist eher halt unterwegs mit seinem Rucksack.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er hat lange verfilzte Haare, er hat ein bisschen Bart.
Johannes Franke: Keine langen verfilzten Haare.
Florian Bayer: Für 1982er Standard. Das ist kurz vor Satanismus und Heavy Metal. Nein, nein, nein. Es ist übrigens lustigerweise reduziert. Im Roman hat er ein Vollbart und die Haare sind deutlich länger. Im Roman sieht er deutlich mehr nach Hobo aus als im Film.
Johannes Franke: Dann kann ich aber auch verstehen, warum der Polizist sagt... Alter, wer bist du denn? Was machst du denn hier? So wie Rambo im Film durch die Gegend läuft, in dieser Stadt, da würde ich 50 Mal vorbeifahren, bevor ich checke, dass der vielleicht gar nicht zur Stadt gehört.
Florian Bayer: Da haben wir die erste politische Schlagseite des Films tatsächlich. Der Film ist ein konservativer Actionfilm. Und er hat vor allem Spuren von diesem... Paläokonservatismus oder Paläolibertarismus. Also dem Konservatismus wird ja oft nachgesagt, dass er ein ... Einen starken Staat will, der irgendwie harte Gesetze hat, dass der ganz genau regelt, dass sich alles an der Bibel orientiert, also vor allem US-Konservatismus. und dass Homosexuelle nicht heiraten dürfen usw. Aber es gibt natürlich diese eine Richtung, die sich als radikal-libertär versteht. Und das ist die Richtung, die jetzt auch in der Trump-Ära noch mal stärker nach umgekommen ist, wo es den Konservativen vor allem darum geht, sich vor einem vermeintlich in alles eingreifenden Staat zu schützen. Das dazu gehört zum einen diese Sezessionenbewegung, dass man sagt, hey, wir Südstaaten müssen uns lösen von dieser Zentralregierung in Washington, die uns unterdrücken will. Aber dazu gehört natürlich auch so dieses klassische Waffending, From My Cold Dead Hands.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dieses, wir wollen das Recht darauf haben, Evolution in der Schule nicht unterrichten zu müssen. Wir wollen eine starke Wirtschaft, einen freien Markt. Das heißt, der Staat soll eigentlich so wenig wie möglich eingreifen und natürlich mit dem Grundkonzept die Macht des Stärkeren. Und dieser Film erzählt natürlich wie ein Soldat, ein ehrenhafter Bürger, der im Krieg gekämpft hat. von einer übertriebenen Staatsmacht in die Mangel genommen wird und nicht den Respekt kriegt, den er verdient hat. Das ist tatsächlich die erste politische Schlagseite, die wir in diesem Film haben. Und das macht der Film ja auch erfolgreich. In der ersten halben Stunde ist ganz klar unsere Sympathie auf Rambos Seite, weil diese Cops sind total ätzend, die haben überhaupt keinen Respekt vor ihm, die sind gewalttätig ihm gegenüber.
Johannes Franke: Aber was mich nervt ist ganz lange, dass er nicht den Maul aufkriegt. Dass er nicht in der Lage ist, wenigstens zu versuchen... Ich will wenigstens einen Versuch von ihm sehen. Ich will natürlich auch, dass der Versuch scheitert, um zu verstehen, wer Rambo ist. Aber ich will, dass der Versuch da ist.
Florian Bayer: Und dieser Moment, wenn der Sheriff ihn aussetzt auf der Brücke und wegfährt und er dann zurück. Und dann gibt es diesen Moment, wo er wirklich kurz überlegt, Und es gibt die klare Entscheidung, ich drehe mich jetzt um, gehe wieder zurück in diese Stadt, das ist mein Recht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Nein, das stimmt schon. Aber ab da gibt es halt keine ... Er steht dann nur noch stumm da und leistet irgendwie stummen Widerstand. Ohne ... Kurz irgendeine Form von Erklärung anzusetzen. Ich meine, fängt doch an, wenigstens zu sagen, ich... Was will ich in dieser Stadt oder ich suche jemanden oder ich möchte, ich weiß Ich weiß nicht, irgendein Versuch von einer Erklärung.
Florian Bayer: Das kommt eben in dieser Opferrolle als Traumatisierter, der in der Zivilgesellschaft wirklich funktioniert. Da passt das doch rein.
Johannes Franke: Ja, der passt es theoretisch rein, aber du müsstest sozusagen wenigstens den Versuch einmal nochmal sehen. Ich weiß nicht, ob mir das reicht, wenn er auf der Brücke zurückgeht.
Florian Bayer: Aber was sollte er machen? er reden? Soll der versuchen, sich zu erklären? Das würde doch noch weniger zu der Figur passen.
Johannes Franke: Es ist tatsächlich eine gute Frage, was es da braucht.
Florian Bayer: Wir haben hier ja auch eine resignierte Figur vor uns. Er sagt ja, irgendwann beschwert er sich ja drüber, dass er... er auch überhaupt keine Chance kriegt in der Gesellschaft. Und er sagt, da konnte ich einen Panzer fahren. Ich war verantwortlich für Millionen Dollar von Equipment. Und hier kriege ich nicht mal einen Job als Packwächter. Hier kann ich einfach nichts machen. Er ist ja auch irgendwie resigniert. Traumelt so ein bisschen durch diese Welt, weiß nicht, wo er hin soll. Offensichtlich sind alle tot, die ihm irgendwas bedeutet haben, nämlich die Leute, mit denen er in Vietnam gedient hat. Und er ist komplett auf sich allein gestellt und einfach hilflos. Also er ist für mich in diesen Szenen wie so ein hilfloses Kind, das irgendwie durch eine Welt irrt, das es nicht versteht.
Johannes Franke: Ja, ja, das gelingt auch schon auch. Das muss man schon sagen. Vielleicht liegt es auch ein bisschen mit daran, dass nicht nur er nicht ordentlich... ein Versuch startet, sich zu erklären oder einen ernsthaften Widerstand zu leisten, sondern einfach nur... Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Florian Bayer: Aber auch so als so... Auch schon so ein bisschen glorifiziert. Wir sind im Moment auf seiner Seite einfach durch die Art, wie er behandelt wird.
Johannes Franke: Kindisch, seine Arsch und Weile. Ja, total. Auf jeden Fall. Er ist so unglaublich kindisch.
Florian Bayer: Er ist ein Kind.
Johannes Franke: Und weißt du was, vielleicht... Könnte der Film es auch andersrum machen, dass er nicht von der Seite ein bisschen mehr drängelt, sondern dass er von der anderen Seite ein kleines bisschen weniger drängelt, weil die ganze Polizeistation. Jedes einzelne Individuum in dieser Polizeistation ist ein absolutes Arschloch. Es gibt nichts dazwischen. Es gibt keine Graufstufe.
Florian Bayer: Naja, es gibt diesen einen jungen Hilfssheriff, der irgendwann sagt, die haben ihn ziemlich hart drangenommen, der da auch irgendwie nicht dabei sein will, der dann irgendwann weggeht, wo sie sich noch über ihn lustig machen. Aber ja, das gebe ich dir auf jeden Fall. Die Polizisten in dem Film sind sehr eindimensional gezeichnet.
Johannes Franke: Richtig, richtig dolle. Sodass ich dann irgendwann auch als Zuschauer denke, ja, okay, ich hab's verstanden, ich brauch's nicht nochmal und nicht nochmal und nicht nochmal. Das ist irgendwie so...
Florian Bayer: Das wäre auf jeden Fall was, wo der Film facettenreicher hätte sein können. Ja, irgendwie... ein bisschen nachvollziehbarer hätte erzählen können, wie sich Menschen verhalten. Ändert für mich allerdings nichts dran, dass die Figur Rambo Facetten gewinnt. Das sind diese 10, wo er die Facetten eines hilflosen Opfers, eines Kindes, das irgendwie ... nicht weiß, wo es hingehört, gewinnt. Die zweite Facette ist halt diese Amokläufer-Facette. Die kommt kurz darauf, wenn er sich eben zur Wehr setzt. Es gibt ja diese ... Weißt du, woher der Name Rambo kommt?
Johannes Franke: Ich habe es, glaube ich, gelesen irgendwo.
Florian Bayer: Das war ein Apfel.
Johannes Franke: Ah ja, genau.
Florian Bayer: Die Frau des Autoren hat einen Apfel. Er hat irgendwas mit Äpfeln gemacht oder so und er hat dann geguckt, ah ja, oh Rambo. Und viele, die schreiben, wissen genau, das ist die Art, wie man auf Namen kommt, dass man irgendwas sieht und dann denkt, perfekt. Aber tatsächlich ist Rambo auch Zufall ein Lehnswort aus dem Japanischen, das so viel wie ungezügelte Gewalt ungefähr bedeutet.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und es gibt ja auch das malayische Lehnwort Amok. Das heißt in Blinderwut angreifen und töten. Es gibt ja durchaus eine gewisse phonetische Ähnlichkeit. zwischen den beiden und eine semantische Ähnlichkeit zwischen den beiden. Und das Thema Amoklauf war immer mal wieder in der Geschichte der Kultur Thema. Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es Bücher über Amokläufer. Ja. Es gibt Taxi-Driver aus den 70ern, also in New Hollywood war Amoklaufen Thema und dann natürlich durch die Schule Amokläufe in den 90ern. Ende der 90er wurde da ist wieder ein großes Thema. Und ich finde, Rambo ist auch noch mal so eine kleine Welle, wo dieses Amoklauf-Thema irgendwie aufgegriffen wird. Es passt zu dem, was man so als psychosoziales Profil von einem Amokläufer haben kann, dass sie... Dass sie Menschen sind, die sich entwurzelt fühlen, die sich in der Welt nicht akzeptiert fühlen und die dann, die darauf verheerend reagieren, indem sie halt... ihre Konflikte mit Gewalt lösen. Bei Rambo ist das natürlich nochmal besonders stark, weil er eben auch eine Person ist, die offensichtlich einfach gelernt hat, dass Konflikte sich mit Gewalt lösen lassen. indem er im Krieg täglich Konflikte mit Gewalt gelöst hat.
Johannes Franke: Ich hätte vielleicht mir gewünscht, dass ich ein kleines bisschen differenzierter in den Situationen zeigen, wie Rambo reagiert, weil es alles sehr, sehr schwarz-weiß ist, muss ich sagen. Den ganzen Filmen über kriege ich sehr, sehr dolle Vor- und Latz geklappt.
Florian Bayer: Aber hast du das Gefühl, der Film präsentiert ja Rambo zu sehr als Sympathieträger?
Johannes Franke: Ja, am Anfang, ich bin schnell verwirrt, weil ich am Anfang denke, oh, die arme Sau, der guckt rein, wie er hat so große Augen. Und läuft verloren in der Gegend rum.
Florian Bayer: Mit diesem Hundeblick. Das ist doch noch so ein tolles Hundeblick.
Johannes Franke: Gebt ihm doch mal was zu essen. Und dann flieht er da aus diesem Ding raus und ich denke noch, ja, okay, gut. Jetzt flieh auf deinem Bike und tu es gerne auch auf dem Gehweg, obwohl die Straße leer ist, kein Problem. Fahr auch auf dem Hinterrad nur, weil das das garantiert schneller macht. Auch egal. Aber was dann folgt... Das ist halt gleich der nächste Move, wo ich denke, ich hätte gerne... mehr gesehen, warum er denn jetzt so reagiert. Klar, ich habe zwei Flashbacks. Die ganz kurz sind, die auch sehr schlecht sind, muss ich sagen. So filmisch gesehen.
Florian Bayer: Sehr klischeehaft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, sind sie ja. Du schaust rassistisch.
Johannes Franke: Ja, also ich will das eigentlich nicht so sehen und deswegen kann ich da auch nicht andocken dann als Zuschauer. Und deswegen weiß ich nicht, hätte ich vielleicht mir was wirklich psychologisch fundierteres und differenzierteres
Florian Bayer: Aber siehst du dann, dass der Film auch umschwenkt? Also, dass diese Sympathie, die wir mit ihm entwickeln irgendwie am Anfang, weil er ein Opfer ist oder... die wir nicht entwickeln, weil es schlecht inszeniert ist, dass der Film die dann irgendwie auch brechen will, indem er eben diesem Rambo eine neue Seite gibt.
Johannes Franke: Nee, das ist das Problem, nee. Ich hab die ganze Zeit das Gefühl, der will mir verkaufen, dass ich Mitleid mit Rambo haben soll und Rambo soll gewinnen. Auf welche Art und Weise? Moral als Zuschauer hast du natürlich eine normale Moral und denkst dir, der soll natürlich sich nicht den Weg freischießen und verschwinden. Sondern der soll irgendwie auf gute Art und Weise da rauskommen, aber der bleibt ja trotzdem der Sympathieträger.
Florian Bayer: Ich finde, es wird tatsächlich gebrochen, spätestens in dem Moment, in dem wir eine außenstehende Person eingeführt bekommen, die Rambo kennt. Und die ihn von außen noch mal beurteilt. Und das ist eben dieser Troutman, dieser Körner. der unter dem Rambo gedient hat und der fast so eine Art Vaterfigur für Rambo geworden ist. Und wenn er quasi etabliert wird mit... Gott didn't make Rambo, I made him. Und dann wird Rambo als Soldaten Figur etabliert. Dann kommen am stärksten natürlich diese Aspekte aus dem Roman zur Geltung, dass Rambo eben als dieser Soldat und auch als diese Kampfmaschine gezeigt wird. die ja fast schon automatisch reagiert, wenn er zum Beispiel diesen Funkspruch von seinem Körner empfängt. Das ist ein praktischer Reflex. reagiert er da drauf und ist auch direkt in diesem Militärmodus. Und ich finde, da wird das aufgebrochen. Da wird diese Rambo-Figur... Auf jeden Fall. Also sie kriegt auf jeden Fall Sympathie genommen. Das wird nachher noch mal stärker, wenn so eine letzte große Facette von ihm noch mal gezeigt wird. Wir fangen gleichzeitig an, ein bisschen mehr zu verstehen und ich finde es ganz spannend, dieser Wechsel, weil wir haben dann ja auch einen Perspektivwechsel. Wir haben dann ja eine relativ große Szene im Film, wo wir nicht Rambos Perspektive haben, sondern die Perspektive seiner Verfolger, die zu Verfolgten werden, die zu Jagden werden und die dann versuchen irgendwie die Situation zu handeln. Großes Presse auflaufen, dann wird die Nationalgarde gerufen, dann kommt dieser Troutman dazu und dann diskutieren sie über diesen Rambo.
Johannes Franke: Können wir einmal festhalten, dass es völlig unmöglich ist, innerhalb von einem Nachmittagabend so viele Leute zu mobilisieren. Das alles zu machen, eine riesige Zeltstadt aufzubauen, da irgendwelche Camps zu machen, die dann organisieren, dass die dann finden. Das ist furchtbar.
Florian Bayer: Aber ist dir auch aufgefallen im Schnitt, man merkt tatsächlich, dass sie die Zeiten, also gerade was die Sonne betrifft, dass sie es teilweise echt... clumsy machen. Es gibt diesen Wechsel von, wir haben Dunkelheit und dann ist plötzlich wieder ein nicht heller Tag, aber irgendwie so Nachmittag. Und wir sind mitten in der Nacht und dann haben wir plötzlich den frühen Abend. Und das ist alles so ein bisschen ungeschickt zusammengeschnitten. Es gibt viele von diesen Momenten, wo du denkst, hoppla, Continuity? Wo befinden wir uns gerade in der Zeit? Okay, wollt ihr uns gerade erzählen, was davor passiert ist? Aber hättet ihr das dann nicht besser davor schneiden sollen?
Johannes Franke: Ich habe dann einfach irgendwann aufgegeben und habe gedacht, okay, vielleicht sind es doch mehrere Tage. Und habe dann nicht mehr darüber nachgedacht. Und dann aber am Ende ist mir aufgefallen, nee, es soll ja alles irgendwie an einem... Abend und dann nächsten Tag passieren, oder?
Florian Bayer: Wir haben eigentlich ein bisschen mehr als 24 Stunden. Gehen wir mal davon aus, dass er am frühen Mittag von der Polizei festgesetzt wird und dann flieht und am Nachmittag von ihnen gejagt wird. Dann rufen sie die Nationalgarde und es ist abends. Dann ist ja auch tatsächlich diese Übernachtung. Mhm. Und dann wird er nochmal angegriffen von denen, flieht durch diesen Tunnel. Und dann vergeht halt wieder ein Tag und in der nächsten Nacht greift er dann die Stadt an.
Johannes Franke: Was ich auch so absurd finde.
Florian Bayer: Ja, aber das ist tatsächlich nochmal eine spannende Facette, weil in dem Moment wird Trambo ja wirklich zum Terroristen.
Johannes Franke: Das ist krasse.
Florian Bayer: Ja, er trägt den Krieg in die Zivilgesellschaft.
Johannes Franke: Ja, und ich verstehe es nicht. Ich will doch die ganze Zeit, soll ich doch mit ihm mitführen. Warum macht er das? Warum bist du mit diesen Erwartungen ran?
Florian Bayer: Du kannst dem Film nicht vorwerfen, dass er deiner Erwartungen bricht, wenn er das mit Absicht macht.
Johannes Franke: Nein, aber der wollte ja schon vorher damit aufräumen. Hat er bloß bei mir nicht geschafft, weil ich die ganze Zeit so verwirrt war, dass ich dachte, hä, was jetzt wäre jetzt, wie jetzt? Und es ist ja auch kein anderer da. Es gibt ja keine andere Sympathiefigur.
Florian Bayer: Nee, natürlich nicht. Der Film hat keine wirkliche Sympathieträger.
Johannes Franke: Nichts, null. Wie der Troutman, der übrigens, als ich das erste Mal ihn gesehen habe und den ersten Worte gesagt hat, habe ich gesagt, oh, der Mann hat Mimik und der hat keine Angst, sie einzusetzen. Sehr gut. Es war schon ein bisschen so okay.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, was du meinst. Ich fand tatsächlich ... Die hat einen ganz merkwürdigen Habitus, diese Figur. Ich finde die tatsächlich interessant, gespielt von Richard Cranor. Ich finde, der hat so was Weiches an sich. Und ich hatte mal ... Ein paar Mal, als ich den Film gesehen habe und nicht zum ersten Mal, hatte ich das Gefühl, es könnte so eine homosexuelle Schlagseite haben. alle gehörtet werden, unbewusst vielleicht. Also der Film hat ja nichts, was in diese Richtung geht. Aber diese Nähe dieser Cranor, diese Figur Trotman, hat zu Rambo und wie sie über ihn redet. Das ist natürlich so ein bisschen eine Vater-Sohn-Beziehung.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber ich habe das Gefühl, da steckt so eine romantische Komponente drin. Und die wird halt dadurch noch verstärkt, dass er so eine, das was man gerade im 80er Kino als sehr klischeehaft als weibliche oder feminine Seite beschreiben würde. Ich finde, er wirkt nicht so wie der harte Colonel, der zähe Hund, der irgendwie die Leute rumkommandiert, sondern er hat was sehr Weiches an sich.
Johannes Franke: Das stimmt. Ich muss an Wings denken. Wir hatten ja vor kurzem Flügel aus Stahl, wir haben darüber gesprochen länger. ja auch so ein bisschen um Militär und Homosexualität und das wurde in dem Film natürlich nicht so ganz offensiv gezeigt, aber sehr interpretierbar. In der Recherche zu dem Film habe ich nochmal gelesen, dass doch viele Militärleute oder Ex-Militärleute... sagen, das ist ja nur eine männerdominierte Welt, inzwischen ändert sich das ein bisschen, aber gerade damals, wenn man so viel Zeit mit anderen Männern zusammen verbringt. Das wird einfach eine sehr enge Bindung. Und die ist unter Umständen auch ... romantisch oder hat sehr viel Ersatz für alles Mögliche in diesen... in diesem Trupp von Männern.
Florian Bayer: Man teilt ja auch das Bett.
Johannes Franke: Ja, also es ist gar nicht despektierlich gemeint, sondern ganz ehrlich und auch romantisch und auch spannend, was da passieren kann.
Florian Bayer: Übrigens auch eine wesentliche Änderung zwischen Buch und Film. Im Buch kennt Rambo diesen Trautman praktisch gar nicht. Stimmt, erinnert sich eigentlich nicht an ihn. Und es ist eine ganz andere Beziehung. Im Film wird diese Männerfreundschaft finanziert. viel stärker gemacht. Und dieser Trotman erschießt im Buch ja sogar Rambo. viel mehr Mitgefühl für ihn und ist eigentlich so die einzige Verbindung, die er noch irgendwie hat zu einem anderen Menschen. Umso stärker romantisierter wirkt diese Beziehung. Und eben nicht einfach nur im Testosteron-gestellten, wir sind Soldaten und halten zusammen Sinne. sondern eben auch in diesem, nehme ich bitte in den Armen Sinne. Rambo darf auch weinen bei ihm, ne? Rambo bricht komplett in Tränen zusammen.
Johannes Franke: Ganz am Ende, ja. Ich habe jedenfalls ganz lange das Gefühl, dass er so ein bisschen Kaspar Hauser der Soldaten ist. Weil er nicht viel redet und weil er kein soziales, nicht so richtig sozialen Interaktionen fähig zu sein scheint. Und der irgendwie wirklich... auf ganz rudimentäre Weise reagiert. Der sofort auf Gefahr mit, ich muss mich verteidigen und ich muss den Krieg ausrufen und so ... was ich irgendwie einfach leider nicht kaufen kann. Das hätten sie mir besser verkaufen müssen. Ich finde die Idee spannend. Ich finde auch das Thema PTSD wahnsinnig wichtig und finde es toll, dass der Film das versucht. Aber leider kriegt er es mir nicht verkauft. Ich komme damit nicht klar, dass dieser Typ plötzlich anfängt, Krieg zu spielen, ein Lagerfeuer macht und alle angreift, die ihm zu nahe kommen.
Florian Bayer: Okay, ich sehe schon die Diskrepanz in unserer Wahrnehmung. Das, was du als Konfus wahrnimmst. Ja. Und als irgendwie inkonsistent nehme ich tatsächlich als facettenreich wahr. Und als tatsächlich ... Ja, vielleicht so ein bisschen klamm sie aneinander gedrückt, aber ich finde dieser Rambo, diese Figur offenbart mehr und mehr Facetten. und dass es eben diese letzte große Facette ist, dass er wirklich zum Terroristen wird. Und es gibt in der Sozialwissenschaften, Gibt es unter anderem die Haltung, dass Terrorismus nicht als militärische Strategie gesehen wird? sondern als Kommunikationsstrategie, deren Ziel es ist, bestehende Ordnung zu verändern. Das heißt, ein Terrorakt ist immer auch irgendwie so eine Art Aufbegehren, Aufschreien gegen ein vermeintliches Unrecht oder gegen gesellschaftliche Missstände.
Johannes Franke: Also ich meine, das geht ja auch bei diesen ganzen Ammerkläufen in Schulen und so weiter. Es geht ja immer darum, dass jemand irgendwie die Hand hebt und sagt, huhu, hier stimmt was nicht. mit mir oder mit dem System nicht und läuft amok. Also das ist sozusagen der große Wink mit dem Zaun.
Florian Bayer: Der große Unterschied beim Terrorismus ist, dass er viel zielgerichteter ist. Und das ist das, was Rambo auch im letzten Akt Rambo macht, es ist ja ein sehr zielgerichteter Guerillakampf, den er macht gegen die Stadt. Und er weiß ja auch genau, was er will. Er weiß ja, er muss hier die Stromleitung kaputt schießen. Ja, ja, ja. damit im Polizeirevier das Licht ausfällt. Er muss hier in der Tankstelle Feuer machen, damit die Polizisten abgelenkt sind. damit er seinen Hauptantagonisten eben diesen Teasel finden kann und zur Strecke bringen kann.
Johannes Franke: Was übrigens eine der besseren Inszenierungen des Films ist für mich. Wo ich wirklich das Gefühl habe, oh, okay, hier wird sehr gezielt und sehr genau und auch sehr gut inszeniert mir verkauft, was Rambo machen muss. für bestimmte Sachen. Das passt nur zu der Figur nicht, die ich vorher im Kopf habe von ihm.
Florian Bayer: du in diesem Moment? Bist du in der Wahrnehmung des Teasel? Eigentlich diese klassische Horrorfilm-Wahrnehmung. Irgendwo ist das Böse, das mich jetzt zur Strecke bringen will und ich Oder bist du eher in der Perspektive des Rambo, der denkt, okay, ich habe ein ganz klares Ziel. Und jetzt muss ich diesen Wichser zur Strecke bringen.
Johannes Franke: Ich glaube, ich bin ja schon ausgestiegen aus dem Film an der Stelle. Deswegen habe ich da keine Perspektive mehr so richtig... Am ehesten vielleicht noch an Rambo selbst, weil ich da den intellektuellen Anspruch in mir... gekitzelt fühle weil ich merke okay der hat eine strategie im kopf das möchte ich jetzt wissen Schafft er es. Aber was zum Beispiel, als er anzündet, diese Tankstelle anzündet, denke ich als erstes, Die haben mir den ganzen Film überverkauft, dass Rambo keine Zivilisten oder keine Polizisten, auch Selbstpolizisten, wirklich tötet. Nur verletzt. Und dann zündet der eine fucking Tankstelle an. Das ist doch kein, was ist das, wieder Thema Konsistenz oder nicht. Für dich ist es eine Facette, für mich ist es ein, um Gottes Willen, warum macht der das jetzt, wenn er mir den ganzen Film über erzählt hat, dass er das nicht tut?
Florian Bayer: Aber ich Ich glaube, da bist du auf das Rambo-Selbstbild reingefallen. Das Rambo-Selbstbild sagt natürlich, ich will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Ich bin keine Gefahr für die Gesellschaft. Aber das andere Bild, was wir gezeigt kriegen, was wir unter anderem durch den Trotman vermittelt kriegen und auch durch seine Opfer. Er sagt, er will keine Zivilisten verletzen, aber dafür baut er schon ziemlich brutale Fallen auf. Ja, genau. eben doch doll zu verletzen.
Johannes Franke: Das ist schon ziemlich hart.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Dieser Rambo ist natürlich eine Gefahr auch für die Gesellschaft.
Johannes Franke: Aber wir wissen auch, immer wieder kriegen wir mit, dass er es ganz genau weiß, dort zu treffen, wo er jemanden nicht umbringt, sondern nur verletzt. Auf grausame Weise. Aber tatsächlich geht es darum, dass er niemanden tötet, dass er keinen Bodycount bekommt. Was ja auch zu dem passt, was Stallone damals gesagt hat. Der hat ja vorangetrieben, dass er eine moralische Instanz bekommt. Das sagt er auch so. Stallone hat gesagt, er will, dass dieser Typ in seiner eigenen Moral niemanden umbringt. Warum zündet der dann eine fucking Tankstelle an?
Florian Bayer: Genau, genau. Und da musst du natürlich auch von der Intention von den Filmemachern weggehen. Und zu dem Phänomen an und für sich kommen, was wir in diesem Film sehen. Und ich glaube, wir sehen in diesem Film, und das ist für mich auch ein Moment, wo dieser Film nämlich knickt, wo ja Rambo anfängt. als Actionheld zu etablieren. Es gibt mehrmals diese Actionmomente, angepeitscht von dieser Musik von Jerry Goldsmith, der ja auch einige Hollywoodfilme macht. dürfte, gibt es einfach diese Momente, wo der Film sich so ein bisschen selbst in diese Figurambo verliebt. Wo er ihn als Actionhelden inszeniert. Auch wenn wir sehen, wie Rambo als Überlebenskünstler ein Wildschwein schlachtet und über dem Feuer brät. Und boah, der hat es voll drauf und das geile Messer, das er hat. Das ist übrigens total ikonisch geworden. Ein Messer mit einem schönen Knauf, wo da noch ein Kompass drin ist. Hat sich wie doof verkauft nach dem Film. Der Film verliebt sich in Rambo als Actionhelden, aber natürlich wird Rambo in diesem Moment eigentlich, witzigerweise, wo der Film ihn zum Actionhelden Wird Rambo zum Terroristen und wird Rambo als das gezeigt, was er tatsächlich ist, nämlich eine Gefahr für die Zivilgesellschaft. Absolut. ein, zwei Mal zu oft geschubst wird und dann mit aller Härte zurückschlägt und Und es ist vielleicht auch tatsächlich eine Schwäche von dem Film, dass er am Schluss Teasel nicht umbringt, natürlich so sein Ziel dann irgendwie. Er hat ganz klar ein Ziel und er hat ganz klar ein Opfer und er wird dann halt von Trotman zurückgehalten. Aber eigentlich ist er gefährlich und natürlich ist er auch ein Killer.
Johannes Franke: Ja und das ist halt dann das, was der Film am Ende wirklich nicht durchzieht. Vielleicht wäre der Film ein bisschen besser gewesen, wenn er es wirklich knallhart durchgezogen hätte und wir am Ende schockiert dagestanden hätten und gesagt hätten, Okay, das ist meine Ansage.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Mach Rambo am Schluss grausamer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der Film wird stärker. Das Ding ist ja tatsächlich durch dieses Verschonen von der Figurambo in dem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: erleben wir ja quasi die Geburt des Rambos als Actionheld. Und das ist dann ja wirklich eine krasse Genese, die er durchmacht. auf den anderen Film und dann haben wir ja die Fortsetzung. Und die sind ja knallhart. Rambo ist dieser coole Einzelkämpfer, der es schafft, den Krieg zu gewinnen.
Johannes Franke: Und da frage ich mich, warum? Weil der Ansatz, die Idee des PTSD und dieses ganze Zeug, wie kommt man damit klar aus dem Krieg rauszukommen und eigentlich nur als Kriegsmaschinerie. erzogen und hochgezogen worden zu sein, das wäre doch was gewesen, was man weiter hätte entwickeln können. Ja. Warum muss man da so einen flachen Actionheld draus machen, der keine Tiefe mehr hat?
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, also Stallone ist mit daran schuld, weil Stallone einfach in dieser Zeit sich so als Actionfigur entwickelt hat. Mhm. Wir haben dann ja auch in den 80ern, im Laufe der 80er haben wir eine Menge Actionfilme, wo Stallone einfach nur der coole Held sein kann. Und so zusammen mit Schwarzenegger quasi die Speerspitze dieses Testosteron-gesteuerten Kinos ist. Und Stallone wollte das ja auch in diesem Film so ein bisschen, ne? Von ihm kam die Idee, dass er auf diesen Wildschweineber springt und ihn tötet. Der wollte doch viel mehr von dem Scheiß machen. Er hat gesagt ... Der hat sich offensichtlich total absurde Sachen ausgedacht. Der wollte gegen Berglöwen kämpfen. Was? Und gegen einen Hirschen. Und dann hatten sie so Ranger als Beratung. Und die meinten dann, du, also ganz ehrlich, du, wenn du gegen irgendwelche Tiere im Wald kämpfen willst, einen Hasen. Den würdest du vielleicht packen. Das können wir gerne machen, aber wahrscheinlich würdest du von dem Hasen gebissen werden. Das wäre auch nicht so geil. Ist das geil. Es gab wohl so eine ganze Liste von Stallone. Übrigens, diese Tiere will ich alle noch besiegen. Nein. Gott, wie doof.
Johannes Franke: Och Mann, ich habe ihm mehr zugetraut.
Florian Bayer: Aber das macht diesen Film tatsächlich für mich spannend. In seiner Zerrissenheit auch, weil er präsentiert uns Rambo eben als dieses Opfer, als dieses hilflose Kind. Er präsentiert uns Rambo aber auch als den Amokläufer, als den Terroristen. als den Soldaten, als diese Killermaschine, die gar keinen eigenen Willen mehr hat, nur konditioniert ist aufs Töten und Dann kommt er aber irgendwie auch auf diese Actionheld-Spur. Und das ist so eine innere Zerrissenheit, in der dieser Film kämpft. Und das macht den Film für mich tatsächlich sehr spannend.
Johannes Franke: Ja ... Ach, ich weiß nicht. Also für einen Actionfilm war es eindeutig zu toned down. Das gab dann nicht so viel Action. Die Action, die es gab, war gut eingesetzt. Das Auto, das da aus Versehen dann auch noch auf dem Kopf gelandet ist, was ja gar nicht beabsichtigt war. Das ist ja da runtergerollt, dem Hang und dann lag das da und der Regisseur hat es einfach genommen, hat es so gekauft und
Florian Bayer: Und der Fahrer hat sich verletzt dabei, ne? Hat er? Echt? Also nicht schlimm, nicht so verheerend, wie andere Verletzungen von Stuntman sein können. Aber den hat es schon ein bisschen erwischt.
Johannes Franke: Okay. Ja, das war so, das ist so ein Slow-Pace-Moment für Action, aber das mochte ich. Das fand ich tatsächlich sehr gut. Insofern so ein paar Action-Sachen in diesem Film fand ich tatsächlich gut. Dafür, dass ich Action-Filme sowieso nicht mag eigentlich. Aber irgendwie.
Florian Bayer: Ich finde ihn tatsächlich als Actionfilm stark, weil er eben diese Actionmomente so klein macht. Das Auto fällt halt nicht die Klippe runter und modiert dann noch groß. Richtig. Es hat alles diesen kargen Realismus, auch so ein bisschen diesen deprimierenden Realismus. Auch wir sehen echte Folgen. Also Menschen werden verletzt und sind dann nicht mehr fähig zu kämpfen. Inklusive Rambo selbst, der halt auch irgendwie ziemlich verletzt da liegt. Wir sehen halt auch lange Rambo einfach, der mit seinen Verletzungen kämpft und darunter leidet. Deswegen finde ich ihn als Actionfilm stark, als Drama. Wenn ich ihn als Drama rezipiere, denke ich auch, es gibt so viele bessere Dramen, die sich mit Vietnam-Trauma auseinandersetzen. Ja, genau. mit vermeintlichen Helden. Taxi-Driver, um das noch mal zu nennen, ist natürlich ein viel besseres Drama in der Hinsicht. Aber wenn ich ihn so als Hybrit sehe aus Drama und Actionfilmen und sage, okay ... Es hat irgendwie diesen Actionanspruch. Und es hatte ja auch das Buch. Also der Autor des Buches, David Morrell, hat selbst gesagt, sein Buch war ein Actionbuch. Und deswegen hat er auch einen Actionfilm erwartet, was ihn dann auch überrascht hat, ein bisschen als er aus dem Kino rauskam, dass es so wenig Actionfilm war. Dann denke ich, für einen Actionfilm ist es sehr gelungen, weil es das Beste macht, was ein Actionfilm machen kann, nämlich das Genre zu unterlaufen.
Johannes Franke: Ja, das gebe ich dir natürlich vollkommen recht. Aber ich habe ihn tatsächlich nicht als Actionfilm rezipieren können so richtig, weil mir die anderen... Teile natürlich sehr groß präsentiert wurden. Und die stimmten halt für mich nicht. Und deswegen war es halt insgesamt keine...
Florian Bayer: Das war für dich ein misslungenes Drama. Für mich war es ein gelungener Actionfilm. Das ist vielleicht so ein ganz guter Mittelweg, auf dem wir uns treffen können.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Vielleicht genau das.
Florian Bayer: Lass uns mal ganz kurz was zu den Fortsetzungen sagen, weil wie gesagt, mit der Figur, mit der Person Rambo, die überlebt. Jetzt wird diese Ikone Rambo geboren. Der erste Film hieß First Blood. Der hieß nicht Rambo. Im Deutschen hieß er Rambo. In Deutschland wurde er Rambo genannt. In Amerika hieß er First Blood.
Johannes Franke: Ja, ganz normaler Titel.
Florian Bayer: Weil es eben keine ikonische Figur ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der zweite Film hieß in Amerika Rambo, Doppelpunkt, First Blood Part 2. Okay, okay. Man hätte sagen können, First Blood 2. Man hätte das Part streichen können, Doppelpunkt Rambo, dann wäre es irgendwie klarer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Im Deutschen hieß er Rambo 2, der Auftrag ist konsistent tatsächlich. Ja, das stimmt. Der dritte Film hieß in Amerika Rambo 3. Wenn First Blood Part 2 Rambo ist, müsste dann der dritte Film nicht eigentlich Rambo 2 sein? Witzigerweise haben sie es im Deutschen tatsächlich geschafft, konsistenter zu sein als im Original in Amerika. 1988 war der dritte Film. Sehr viel später, nämlich genau 20 Jahre, 2008 kam der vierte Film raus. der in Amerika nicht Rambo 4 hieß, sondern Rambo.
Johannes Franke: Der hieß einfach nur Rambo?
Florian Bayer: Der hieß einfach nur Rambo. Und deswegen mussten sie ihn im Deutschen, konnten sie ihn ja nicht Rambo nennen, weil er sagt ja schon Rambo im Deutschen. Deswegen heißt er im Deutschen natürlich John Rambo. Wie sonst? Fuck, Alter.
Johannes Franke: Warum nicht... Rambo 4? Ich meine, können Sie nicht weiterzählen? Hat jemand irgendwie verlernt, wie es weitergeht?
Florian Bayer: Irgendwie haben Sie das total verkackt mit dem Titel. Und der fünfte Teil 2019, drei Jahre alt. Rambo, Doppelpunkt, Last Blood. Immerhin so eine Klammer drum gemacht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber wären Sie mutig gewesen, hätten Sie ihn nur Last Blood genannt.
Johannes Franke: Das stimmt. Ach, Mann.
Florian Bayer: Aber viel witziger als die Titel ist noch die Handlung von den Filmen. Hast du einmal kurz quer geguckt, worum es geht?
Johannes Franke: Nein, keine Ahnung.
Florian Bayer: Also... In Rambo 2, beziehungsweise Rambo First Blood 2, wird Rambo von dem Colonel Troutman zurück nach Vietnam geschickt. Weil er da irgendwie Leute retten muss, die festgehalten werden.
Johannes Franke: Er soll doch seine Sentence, also seine Gefängnisstrafe soll er...
Florian Bayer: Die wird ihm verkürzt oder erlassen, wenn er zurück nach Afghanistan geht und da halt irgendwie... der Action-Gedöns macht, sprich, ganz viel wird getötet und die Leute rausholt, die gefangen genommen sind. Und in diesem Film gibt es dann dieses berühmte Zitat, wo er sagt, werden wir diesmal den Krieg gewinnen? Und genau das ist dieser Film. Dieser Film ist purer amerikanischer Action-Revisionismus.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Wir gehen zurück nach Vietnam und Rambo macht das, was wir damals nicht geschafft haben. Wir gewinnen jetzt den Vietnamkrieg. Rambo gewinnt ihn für uns. Rambo macht es. Und da wird einfach mal diese Ikone geboren. Dieser Rambo, der halt einfach ... im Kugelhagel durchläuft. Tausend Vietnamesen schießen auf ihn. Keiner trifft ihn. Maschinengewehrsalen prasseln auf ihn nieder, er rennt durch den Dschungel und schafft es, alle zu retten. Und natürlich ist der Film blutig und brutal. Der Bodycount ist unglaublich hoch. Die Rambo-Filme sind berühmt dafür, dass ihr Bodycount eine Zeit lang zu den höchsten der Filmgeschichte gezählt hat.
Johannes Franke: Meine Güte.
Florian Bayer: Und er macht es ganz tapfer. Und er gewinnt den Krieg natürlich für uns. Viel besser ist aber noch Rambo 3, wo Rambo natürlich nach Afghanistan reist. wo er an Seite der tapfen Mujaheddin ... Okay ... Gegen die bösen sowjetischen Besatzer kämpft. Wir erinnern uns vielleicht an diesen Mujahedin, das sind nämlich nachher die, die wiederum den islamistischen Terror mit begründen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das heißt, wir befinden uns hier im Jahr 1988 und das sind die Guten, weil die kämpfen gegen die sowjetischen Besetzer. Und wir haben noch den Kalten Krieg. Und da sind das echte Helden.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Das heißt, wir haben einen Rambo für... in dem die Islamisten die Helden sind und Rambo zusammen mit ihnen gegen die bösen sowjetischen Besatzer kämpft. Dieser Film fängt übrigens an mit Mein Krieg ist vorbei. Okay. Und kurz danach hat er den höchsten Bodycount der Filmgeschichte ever.
Johannes Franke: Was ist, jetzt mal ganz kurz, hat da irgendeine Form von Hundeblick und PTSD-Anleihen und sowas?
Florian Bayer: Nicht wirklich, nee.
Johannes Franke: Das heißt, er hat sein Trauma überwunden. Er hat sein Trauma überwunden. Herzlichen Glückwunsch.
Florian Bayer: Schön. Also, die beiden Filme sind purer Trash. Das ist pure 80er-Jahre-Action-Trash. Inklusive dieser wirklich unangenehmen politischen Komponente. Ja. Und wir wissen genau, Ronald Reagan mag das. Ja, oh Gott. ist dieser Action-Konservatismus, den wir in den 80er Jahren in den USA oft haben, dass die Einzelkämpfer dazu in der Lage sind, weltgroße geopolitische Probleme zu lösen, halt ausgerüsteten Maschinengewehr und einem Bogen. Der erste Rambo-Film ist der einzige Film, wo er keinen Bogen hat.
Johannes Franke: hat.
Florian Bayer: Und ja, er gewinnt den Krieg. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Es ist wirklich ein schlechter Film. Also Rambo 2 und 3 Kann man sich angucken, wenn man ein bisschen Freude an Action-Kitsch hat, an Action-Trash.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und wenn man Leute sterben sehen will. Man muss ironisch distanziert gucken, weil sonst ist es nicht zu ertragen. Okay. Das Krasse ist ja, die Gewalt in diesem Film ist so trüber, dass es nicht mal irgendwie so ist, dass du denkst, es ist unangenehm, weil es ist einfach ... Die Gegner, mit denen Rambo konfrontiert ist, das sind NPCs, die sterben halt wie die Fliegen. Ja. Es ist vollkommen egal. Es ist wie, wenn man sich durch ein Computerspiel schießt. Es gibt null Empathie. Die sind auch wirklich entmenschlicht, weil die einfach von allen Seiten kommen wie so Horden von... von Orks oder Zombies. Was in Herr der Ringe halt gelöst ist, indem es Orks sind. Die darf man halt abschlachten. Da ist es egal, wie viele davon sterben. Und in dem Film sind es aber halt einfach mal Vietnamesen und sowjetische Besatzer.
Johannes Franke: Uiuiui. Okay. Und dann bleibt noch einer übrig, wenn ich möchte. Noch zwei.
Florian Bayer: John Rambo.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Oh Gott. Den habe ich gesehen, das ist wirklich lange her, deswegen kann ich dazu gar nicht viel sagen. Er geht wieder in den Dschungel und er kämpft wieder. Wie ich ihn in Erinnerung habe, ich war überrascht. Es war auch lange Zeit nach den 80ern natürlich. Es war 2008. sie haben es tatsächlich so ein bisschen geschafft, den Schrecken des Krieges wieder ein bisschen zurück in die Rambo-Filme zu bringen. Also, verstehe mich nicht falsch, es ist immer noch ein schlechter Actionfilm.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Oder nee, es ist ein durchschnittlicher Actionfilm und er hat immer noch diese Probleme, schleppt er immer noch mit sich, die die anderen Fortsetzungen hatten. Ja. Aber er nähert sich wieder so ein Stück dem ersten Film. Ich glaube einfach, weil er die Gewalt ein bisschen realistischer zeigt. Ein bisschen exzessiver auch noch mal, aber dadurch auch noch mal so eine düstere Komponente kriegt, die den anderen beiden Trash-Filmen komplett gefehlt haben. Und Rambo ist aber halt wieder der Söldner, der irgendwie, ich weiß nicht, woher kämpft, irgendwo im Dschungel gegen irgendwelche Leute, die böse sind.
Johannes Franke: Dann wissen wir jetzt aber, im ersten Teil hat er gar keinen PTSD. Ihm fehlt einfach nur der Krieg.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Rambo ist für die Zivilgesellschaft untauglich. Und wenn er wieder im Krieg ist, ist er voll in seinem Element und ist glücklich. Und dann gibt es tatsächlich den letzten Film, den ich nicht gesehen habe, den ich irgendwann auch gucken muss, einfach so aus Completionist-Gründen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: der wohl ziemlich harsch kritisiert wurde wegen seinem Rassismus, den er mit sich trägt. Und zwar geht es darum, dass Rambo sich... endgültig zurückgezogen hat. Sein Krieg ist vorbei, natürlich. Und er lebt irgendwo auf einer Farm. Und dann wird diese Farm, wenn ich das richtig verstanden habe, wird von Mexikanern überfallen. Oder auf jeden Fall hat er irgendwie einen Konflikt mit mexikanischen Gangstern oder so? und macht halt das, was er kann, Leute erschließen, um das Problem zu lösen.
Johannes Franke: Schiebt ihn der Pfleger im Rollstuhl in der Gegend rum, damit er schießen kann?
Florian Bayer: das an Silvester Stallone. Man kann zu ihm sagen, was man will. Aber der Mann ist jetzt mittlerweile... 60, 70 Jahre alt, über 70 Jahre alt.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Und der macht noch die Action. Also der bewegt sich noch da drin. Wow. Sylvester Stallone hat ja nicht nur Rambo wiederbelebt, sondern auch Rocky in den 2000ern. Mit wirklich guten Filmen. Also sowohl die 2006er-Fortsetzung Rocky Balboa, da fängt es schon wieder an mit dem Titel. Er hat den fucking Film Rocky by War genannt. Die fünfte Fortsetzung von Rocky. Die sechste. Der ist wirklich gut. Da spielt er gut. Er kann diese Rocky-Rolle einfach spielen. Sylvester Stallone ist kein begnadeter Schauspieler, aber mit dem richtigen Film kann er was. Und Rocky Balboa war wirklich ein guter Film. Und dann hat er ja die Krone weitergegeben in den beiden Creed Filmen, Creed Rockies Legacy, wo er den Sohn von Apollo Creed, der Adonis, der von Michael B. Jordan gespielt wird. den bildet er aus. Und da ist Rocky dann quasi nur noch Trainer. Das heißt, er bestreitet die Kämpfe nicht selbst. Und davon gibt es auch noch mal eine Fortsetzung. Und das sind gute Filme. Also Sylvester Stallone, man muss seine Filme wirklich nicht mögen, aber der Mann kann was und das ist auch tatsächlich ein ziemlich kluger Mann. Der malt ja auch. Und die Bilder können sich sehen lassen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und der ist mittlerweile mit Arnold Schwarzenegger, seinem großen Konkurrenten in der gesamten Filmgeschichte. Ja. Mit dem ist er wohl so irgendwie ganz okay befreundet? Okay. Und hat sich auch so ein bisschen politisch engagiert, glaube ich.
Johannes Franke: Aber Gruver Neur von Kalifornien wird er nicht mehr nochmal. Nicht, dass er seinem Freund im Geiste... Ich weiß nicht, ob ich da was durcheinander schmeiße.
Florian Bayer: Aber irgendwie habe ich immer so Arnold Schwarzenegger als den Republikaner von den beiden gesehen und Sylvester Stallone als den Demokraten. Das stimmt, aber tatsächlich nicht so...
Johannes Franke: Aber das Bild hatte ich auch und deswegen war ich so überrascht über diese konservative Haltung.
Florian Bayer: Anfang der 80er, da waren viele konservativ. Er hat tatsächlich auch Republikaner unterstützt und Demokraten. Er ist wohl irgendwie so ein bisschen dazwischen. So ähnlich wie Arnold Schwarzenegger eigentlich. Also weil Schwarzenegger gehört ja eigentlich auch eher zum linken Flügel der Republikaner. Muss man natürlich auch, wenn man in Kalifornien ist, weil Kalifornien ist eigentlich kein republikanischer Staat. Und zum Beispiel, also beide waren entschiedene Gegner von Donald Trump. Ja. Donald Trump ordentlich kritisiert haben.
Johannes Franke: Ja und Schwarzenegger muss ja wirklich auch ganz gut gewesen sein da als Gouverneur von Kalifornien.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber was sagt uns das jetzt? Also es hat ihm anscheinend nicht geholfen, dass er dann doch ein kluger Kopf ist, weil... Irgendwie inszenatorisch gesehen finde ich den Film dann doch nicht schlau genug. Sehr schwarz-weiß. Und es ist die Frage, was bleibt davon übrig? Es bleiben Themen, die man besprechen kann, davon übrig. Aber ich finde, dass der Film leider kein gutes Gefühl für die Themen mitgibt, sondern du musst ganz viel Arbeit leisten, selber dann noch irgendwie die Themen auseinanderzuklamüsern.
Florian Bayer: Ich glaube, er macht in seinem Kontext und zwar einen Actionfilm Anfang der 80er Jahre, orientiert an einem Roman, der wohl ein sehr einseitiges Bild von einem traumatisierten Soldaten zeigt. zeichnet, macht er sehr viel richtig. Und zwar einfach, indem er eine ziemlich facettenreiche Figur zeichnet und sich sehr auf diese Figur stürzt. Also der Film ... lebt durch diese Figur. Das heißt, wenn man die Figur Kacke findet, wenn man die Figur eindimensional findet, dann hat der Film nichts mehr.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dass er aber gleichzeitig eben auch spannend ist, weil er die ganze Zeit so balanciert an diesen Genre-Grenzen von Drama und Actionfilmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er stolpert dabei und er ist oft clumsy dabei und etwas hilflos auch und macht auch vieles falsch dabei. Aber er bleibt in dieser Zerrissenheit spannend. Nicht zuletzt eben auch, wenn man ihn in den Kontext drückt, dass er der erste Film ist mit einem ... der berühmtesten Actionhelden der 80er Jahre.
Johannes Franke: Ja, wenn man kein Actionfilm-Fan ist, dann ... Macht das halt auch nicht viel mit einem, wenn man sich das anschaut.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, dass viele Actionfilm-Fans, die mit Rambo 2 oder 3 eingestiegen sind, diesen Film total doof finden.
Johannes Franke: Ja, habe ich auch ein bisschen gelesen. Ich habe mich an Foren ein kleines bisschen durch Reddit und so und da gab es echt ein paar Leute, die gesagt haben, Boah, ich habe ihn jetzt ernst angeschaut. Fuck, furchtbar. Das gibt es ja gar nicht. Ich wollte einen Actionfilm sehen. Was haben die da Gefühle? Was soll das?
Florian Bayer: Aber er war wirklich erfolgreich. Es war ein richtig, richtig erfolgreicher Film.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Das war der erste Film von Stallone, der kein Rocky-Film war, der wirklich Geld gebracht hat und der ihn eben auch zum Actionhelden gemacht hat. 15 Millionen war das Budget, er hat 125 Millionen eingespart. Und von den 15 Millionen Budget ging übrigens ein Viertel fast an Stallone, der wohl ganz gut verhandelt hat, der 3,5 Millionen wollte. Und dann haben sie ihn auf 2 Millionen gekriegt. Und dann hat er aber nochmal extra 1,5 Millionen durch die TV-Auswertung gekriegt. Und der Film wurde ja auch sehr positiv aufgenommen von der Kritik. Also der ist durchaus, was so Actionfilmen betrifft, eher ein Feuilleton-Liebling.
Johannes Franke: Hm, seltsam. Ich weiß nicht, ich hab's nicht, ich hab auch durch die Recherche und so, es gab so viele Leute, die wirklich ganz viel Lob dafür übrig hatten und ich hab die ganze Zeit gedacht... Bin ich der Einzige, dem es so geht, bei dem das echt nicht überspringt?
Florian Bayer: Nein, die Rambo 2 und Rambo 3 Fans und die Michael Bay Fans sind auf deiner Seite.
Johannes Franke: Danke, ich bin keine gute Gesellschaft. Na toll. Und ich muss auch zur Musik mal noch was sagen, das ist so Heimatfilm am Anfang. Ich weiß nicht, irgendwie so viele große Gefühle und große Bilder für einen Typen, den ich noch nicht mal kenne. Wo ich nichts weiß.
Florian Bayer: Aber wirklich nichts gegen Jerry Goldsmith. Der gehört wirklich zu den großen Komponisten. für USA-Filme.
Johannes Franke: Ist ein großer Musiker und so, der macht gute Musik und die Musik für sich stehend ist vielleicht auch wirklich gut, aber irgendwie... Und verkauft er mir von Anfang an etwas, von dem ich noch gar nichts weiß, wo ich dann denke, ja, verkaufe mich nicht für blöd und versuche mir jetzt schon zu erzählen, dass das ein Superheld ist.
Florian Bayer: Hast du nicht auch gegen die Musik von Planet der Affen so gelästert? Ah, weiß ich nicht mehr genau. Diese Percussions, die sind nämlich auch von Jerry Goldsmith. Ah. Der nebenbei unter anderem noch Alien gemacht hat, Poltergeist, Total Recall, The Mummy. Er hat tatsächlich ein Händchen für sehr pathetische Scores. Ja, ja, sehr. diesem Film auch total durch, auch gerade in den Action-Szenen.
Johannes Franke: Weißt du, am Anfang die Musik, deswegen gehe ich da die ganze Zeit drauf. Die Musik am Anfang hat den Vibe von, ich habe jetzt schon anderthalb Stunden Film gesehen, einen heroischen Typen, dabei zugeschauten Haufen, krasse Sachen zu machen und jetzt hat er seinen sadden Moment.
Florian Bayer: Ja, perfekt. Dann hat die Musik das doch voll getroffen.
Johannes Franke: Ja, aber ich hab ihn ja nicht gesehen. für anderthalb Stunden, sondern ich habe ihn das erste Mal gucke ich da, wie er da einsam die Straße entlang läuft und habe schon das Großzock Bester und den Großen. Irgendwie ist das ein Einstieg, der mich verarscht, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Offensichtlich hat der Einstieg die richtige Stimmung gesetzt. Du wolltest sie einfach nicht akzeptieren.
Johannes Franke: Ja, genau. Ja, vielleicht war ich einfach nicht bereit. Vielleicht hatte ich einfach nur einen schlechten Tag.
Florian Bayer: Immer möglich. Dann wollen wir einfach mal ganz elegant rüberschwingen zu unseren Top 3.
Johannes Franke: Ja, du wolltest eine Top 3. Was für eine Top 3 hattest du für mich? Erstmal Jingle. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Top 3 zivile Kriegsfilme. Ich habe es bewusst offen gehalten. Perspektive von Zivilisten im Krieg gilt ebenso, wie Krieg, der in die Zivilgesellschaft getragen wird.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wie leben Zivilisten im Krieg? Was passiert, wenn Krieg ... oder Erfahrungen, die man im Krieg gemacht hat, im zivilen Leben plötzlich wieder zum Tragen kommen. Und ich bin sehr gespannt, was du für mich hast.
Johannes Franke: Ich glaube, du hast die Liste ernster genommen als ich. Nach deiner Beschreibung nach. Mal gucken. Muss ich anfangen?
Florian Bayer: Hast du noch eine
Johannes Franke: Ich habe keine honorable Menschen. Ich fahre einfach das Thema zu, weiß ich nicht, das ist nicht mein Filmgenre, deswegen bin ich so schlecht mit diesen...
Florian Bayer: Dann hau ich mal einen honorable Menschen raus, weil, also er hat es nicht ganz in die Liste geschafft, weil er halt doch so diesen... diesen Pathos mitträgt, der an manchen Stellen vielleicht ein bisschen viel ist. Aber trotzdem ein sehenswerter Film von Steven Spielberg aus den 80ern 1987, Das Reich der Sonne. Mit Christian Bale. Oh, als Kind. Wow. Christian Bale spielt Jamie. der mit seinen Eltern in Shanghai lebt. Dann kommt es zum japanisch-chinesischen Krieg. Der Film spielt Anfang der 40er-Jahre. Und er wird von seinen Eltern getrennt und landet auch in Kriegsgefangenschaft. Und ihr dann durch dieses Kriegsszenario zwischen Japan und China ... Bis hin zu, dass er quasi dem Atombombenabwurf auf Nagasaki beiwohnt. Und es ist ein... Es ist ein Steven Spielberg Film, das heißt, der hat sehr viel Pathos, sehr viel Größe und sehr viel Hollywood und ist auch so ein bisschen Oscar-Baity. Aber es ist ein wirklich starker und emotionaler Film, eben vor allem, weil er einfach Krieg aus der Sicht eines Kindes zeigt. Wow. Und wie dieses Kind mehr und mehr in den Krieg reingezogen wird und mehr und mehr dadurch auch einfach seine Unschuld verliert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sehr sehenswerter Film.
Johannes Franke: Okay. Mein Platz 3 wäre Harry Potter.
Florian Bayer: Okay, du hast es nicht ernst genommen. What the fuck? Harry Potter?
Johannes Franke: Was? Ich gucke diese Filme nicht. Ich will mir keine Kriegsfilme angucken. Es gibt so wenige Kriegsfilme, die ich ernsthaft gucken möchte. Und die meisten Kriegsfilme sind dann ja auch nicht nur zivile Kriegsfilme, sondern meistens dann doch sehr groß.
Florian Bayer: Prediction, Platz 2, Herr der Ringer. Platz 1, Twilight. Hunger Games. Platz 1 Hunger Games. Du hast ein bisschen mehr Stil. Für Twilight hast du zu viel Stil. Warum Harry Potter? Da musst du das zumindest begründen.
Johannes Franke: Ja, komm, die haben einen privaten Krieg am Laufen mit Voldemort. einen Haufen Zeug aufgefahren von hier, ich, du doof, ich doof.
Florian Bayer: Alter, wenn Zauberer gegeneinander kämpfen, das ist kein Krieg. Das ist ein Fantasy-Film. Das ist Krieg. Der berühmte Kriegsfilm Harry Potter von J.K. Rowling. Wir führen Krieg gegen Transsexualität. Oh nein, Flor.
Johannes Franke: Aua, aua, aua. Nein, aber es wird doch nach und in sieben Filmen aufgebaut, dass die am Ende eine riesige Schlacht um Hogwarts haben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber, oder nicht. Das ist nicht das, was du als Ziviler kriegst. Nein, natürlich wolltest du das nicht. Ich weiß das schon, aber ... Dieser Podcast ist hiermit beendet.
Florian Bayer: Das war die letzte Folge. Das muss man sehen, Podcast.
Johannes Franke: Ja, diese Folge des Podcasts heißt ja auch, kann man sehen, muss aber auch nicht.
Florian Bayer: Mein Platz 2. Ja. Mein Platz 3. The Killing Fields schreibt. Feindes Land aus dem Jahr 1984. Okay. Ein mit drei Oscars ausgezeichneter Film, nimm das, Harry. Der die Geschichte erzählt von einem Journalisten, der in Kambodscha in den 70er Jahren unterwegs ist und mit der Terrorherrschaft der Roten Khmer konfrontiert wird. Ein ziemlich realistischer Film, der menschliche Abgründe zeigt. Also die Rot und mir haben ja wirklich krasse Kriegsverbrechen verübt. Und das eben aus der Perspektive von einem Zivilisten, von einem Kriegsreporter und ein... wirklich harter film und einfach den atem raub teilweise wirklich nicht angenehm zu sehen ist aber verdammt gut okay Ja, komm Hausmaus. Dein Platz zwei.
Johannes Franke: Mein Platz zwei. Ich hab die Liste wirklich nicht ernst genommen. Ich fand's wirklich einfach...
Florian Bayer: zu. Hoffentlich hältst du dich jetzt wenigstens ein bisschen. Na los, komm auf. Kevin allein ist aus. Okay, aber den gebe ich dir. Der ist gut. Und tatsächlich wäre es total toll, mal ein Filmessay zu schreiben, Parallelen zwischen Kevin allein zu Hause und Rambo. Ich meine, die fallen von Kevin. Ja, natürlich. Definitiv. Und es gibt ja auch diese große Szene, wo er dann da steht mit diesem Luftgewehr und sagt, jetzt ist es soweit. Er steht wirklich da wie ein fucking Soldat.
Johannes Franke: Und er hat auch diese Fernsehzusammenschnitte, was er da alles anmacht, damit da draußen es klingt, als wäre da drinnen richtig was... Was ist los? Kriegsstrategie auf jeden Fall.
Florian Bayer: So zu hätte von Kevin lernen können.
Johannes Franke: Siehst du?
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Toller Platz zwei. Danke. So, wieder ernst. Ja, okay, werden wir wieder ernst. Das ist genau diese Inkonsistenz, die du Rambo vorwirfst. Die haben wir jetzt gerade bei unseren Top 3. Okay, los. Also mein Platz zwei ist tatsächlich, dann findet er sich auch mit Vietnam-Traumata befasst. Oh. Das war aus dem Jahr 1990 von Adrian Lün, Jacob's Ladder, der die Geschichte von einem Vietnam-Heimkehrer erzählt. der ganz krass von Paranoian geplagt ist und Schreckensvisionen hat und Und Albtraum und Realität vermischen sich dann auf eine ganz merkwürdige Art und Weise so ein bisschen. Er hat so sehr viele Surrealismus-Vibes, dieser Film. Er wird offensichtlich verfolgt und weiß nicht genau warum. Und wir erfahren dann nach und nach, dass er während des Kampfes, während des Krieges... offensichtlich irgendwelche Drogen gekriegt hat, um bei ihm und den anderen Soldaten irgendwie so eine Art Kampfeswut auszulösen, so einen Blutrausch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es ist ein ziemlich düsterer Film, der einen ganz interessanten Take hat auf Vietnam, weil er halt wirklich sich komplett auf dieses Trauma stürzt. Und das in so albtraumhaften Bildern erzählt. Mit Tim Robbins in der Hauptrolle, der, glaube ich, nie besser war als in diesem Film.
Johannes Franke: Okay. Mein Platz 1 ist ein bisschen ernsthafter. Das ist der einzige zivile Kriegsfilm, den ich tatsächlich als solchen auch gesehen habe, der aber natürlich auch nicht... so wahnsinnig viele Kriegsszenen zeigt, weil sonst wäre es wieder kein Film für mich. The General. Buster Keaton. Das, was wir auch besprochen haben, wo er dann die Lok klaut, um da hinterher zu kommen, den Dieben, die seine Lok geklaut haben. Spielt im Civil War in Amerika.
Florian Bayer: Ja. So. Okay, um deine Liste nochmal zusammenzufassen. Wir haben den Zauberlehrling, der von einer transfeindlichen Autoren geschrieben wurde. Wir haben das kleine Kind, das zum Psychopathen wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir haben den amerikanischen Revolutionismus-Film, der sagt, die Südstaatler waren eigentlich ganz cool. Und standen auf der richtigen Seite.
Johannes Franke: Und weißt du, ich habe damit sehr schön alle Aspekte des Films beleuchtet, die wir gerade besprechen.
Florian Bayer: Schön. Mein Platz 1. Ein Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1986, Wenn der Wind weht. When the Wind Blows, einer der traurigsten Filme. Der 80er Jahre überhaupt, einer der traurigsten Zeichentrickfilme überhaupt. Und zwar zeigt er ein älteres Paar. In den 80er Jahren. Und in Zeit des Kalten Krieges. Und es gibt einen Atombombenabwurf. Und die... wissen aber nicht genau, was sie machen sollen und hören dann halt auf diese ganzen Protect-and-Survive-Anweisungen dieses so ducken und ducken Cover und verstecken sich in der Badewanne, während das ab Abwurfs und dann sehen wir sehr lange die Folgen von diesem Atommommenabwurf und sie sterben halt einfach langsam. Ah, fuck. Und es ist ein Film, der einfach mal eine Stunde lang zeigt, wie ein älteres Paar nach einem Atombombenabwurf langsam dahin sieht, ohne Hilfe. Und es ist Wirklich, wirklich trauriger Film. Ein unglaublich guter Film, der aber in Mark und Knochen geht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: So, ja.
Johannes Franke: Mir fällt gerade noch eine andere Menschen ein, die auch nicht ernst gemeint sind. Jodorowsky, der in jedem Film in zivilen Krieg dem Zuschauer gegenübersteckt. Okay, zurück zu unserem Film.
Florian Bayer: Springen wir einmal ganz kurz in die Abschlussszene noch einmal. Die haben ja noch nicht viel besprochen. Wie stark fandst du den Monolog von John Rambo am Schluss? in Tränen zusammenbricht und irgendwie versucht, irgendwie Sinn zu finden in dieser ganzen Situation und von den Kriegsgeschehnissen erzählt und zwar so, dass man es kaum versteht, weil er einfach nur in sich reinmurmelt, während er heult und dann diese Geschichte erzählt, wie sein Freund von einem Vietcong-Anschlag in die Luft gesprengt wird.
Johannes Franke: Und er seine Beine nicht finden kann. Dadurch, dass ich die ganze Zeit nicht so richtig gut im Film drin bin und auch so ein bisschen Distanz habe. Brauche ich einen Moment, um da reinzurutschen? Ich kann mir vorstellen, wenn ich gut im Film drin gewesen wäre, hätte er mich sofort erwischt. So braucht er einen Moment, aber schafft es auch. Und das ist natürlich Stallone sehr hoch anzurechnen, dass er es schafft, selbst mich, der ich schon mit dem Film abgeschlossen habe. mich da reinzuholen in den Monolog und mich in die Situation reinzuholen und zu sagen, okay, kann ich dich einmal kurz in den Arm nehmen, bitte? Und dann verliert er mich wieder, wenn er dann doch sehr pathetisch am Troutman hängt und sich dann an seine Beine... Brust wirft und dann noch heult, weil das dann ein kleines bisschen inszenatorisch drüber ist. Aber ansonsten, er spielt es einfach sehr gut.
Florian Bayer: Ja. Ich fand die Szene tatsächlich ziemlich stark, auch weil sie ... Was halt auch ... im Actionkino der 80er Jahre, das folgen sollte, undenkbar ist, den Protagonisten wirklich einen radikalen Moment der Schwäche geben.
Johannes Franke: Ja, das ist gut.
Florian Bayer: Also normalerweise ist ja das Klischee, dass wenn ein Mann im Actionkino weint, dann vergisst der eine Träne. Augen röten sich, das ist auch so ganz oft zu sehen. Aber wirklich dieses Heulen und dieses wirklich verzweifelte Weinen, das sieht man leider nicht und das finde ich echt stark, dass der Film sich das traut und der Film das auch macht und auch lange durchzieht. Also die Szene dauert einfach mal.
Johannes Franke: Ja, das rechne ich ihm auch auf jeden Fall sehr hoch an. Und dann kommt er halt am Ende raus, handcuffed, Und man muss sagen, ich hätte diesen Mann auf gar keinen Fall die Handschellen vorne zugemacht, ich hätte sie eben hinter den Rücken zugemacht. Das ist auch so ein Problem des Films vielleicht an der Stelle, aber gut.
Florian Bayer: Er hat aufgegeben.
Johannes Franke: Er hat aufgegeben, ja. Aber natürlich ist es so ein Ende, wo man denkt, ja okay, ich habe jetzt nochmal ein emotionales Futter hingeworfen bekommen, das auch ganz gut war. Aber es rettet nicht den ganzen Film. Das tut mir leid.
Florian Bayer: Also dein Urteil eher kann man sehen, muss man nicht sehen, sollte man nicht sehen, blöd ...
Johannes Franke: Kann man natürlich sehen und man kann vielleicht auch appreciaten, was der Film will, was für Ideen der Film mitbringt. Oder was für Ideen der Cutter mitbringt, der am Ende einen Film draus gemacht hat. Aber ich sehe, dass der Film von vornherein eigentlich... eher mehr Schwächen als Stärken mitgebracht hat. Und dass auch der Editor das nicht retten konnte.
Florian Bayer: Ich finde, es ist ein wirklich guter Actionfilm, eben weil er so an der Klippe ist zum anderen Genre. Als Drama wäre er tatsächlich flach, aber ich kann ihn sehr gut als Actionfilm rezipieren, der viele spannende, interessante, dramatische Momente hat. Und der eine interessante, vielschichtige Figur erzählt. Ich sehe allerdings auch den Konservatismus, den der Film sich rumträgt. Und ich finde deswegen ist er auch als historisch gelesen ganz spannend, weil er nicht nur die Genese dieser Action-Ikone Rambo sondern auch so ein bisschen die Genese des Actionkinos in Amerika in den 80er Jahren. Er steht halt am Anfang der Epoche. Und was zurückliegt, war halt dieses sehr raue, sehr roughe 70er Jahre New Hollywood Action Kino. Und in den 80ern haben wir diese Entwicklung zu den stählernen, übermenschlichen Actionhelden, eben vor allem von Carver Drift Stallone und Schwarzenegger, Aber auch in ganz vielen anderen Stars und Figuren finden wir das. Und ich finde es ganz spannend, weil er ... so ein bisschen schon diese Stoßrichtung anzeigt, indem er einfach verliebt ist in diese Figur, obwohl er das nicht will. Und dadurch so eine gewisse Zerrissenheit mit sich trägt. Und deswegen ist er aus filmhistorischer Perspektive einfach super spannend, weil er zwischen dem meiner Meinung nach besseren, stärkeren New Hollywood Action Kino Und diesem späteren romantisierenden 80er-Einzelkämpfer-Action-Held-Kino steht.
Johannes Franke: Ja. Okay, ja. Also eigentlich wieder ein Film, der meine filmhistorischen Kenntnisse erweitern sollte.
Florian Bayer: Definitiv. Und das hat er ja auch offensichtlich geschafft. Ganz kurz noch, warst du überrascht? Ich hab dir ja schon ein bisschen angekündigt, dass du was ... Dass du was anderes sehen wirst, als du erwartest.
Johannes Franke: Deswegen war ich nicht mehr so überrascht, weil ich schon geahnt habe, worauf es hinausläuft. Aber in der Heftigkeit hab ich's tatsächlich nicht erwartet. Ich hab tatsächlich doch noch ein bisschen mit mehr sinnloser Action... gerechnet, weil ich gedacht habe, dass der vielleicht mehr so Anleihen hat, Wo du sagst, ja, aber dann muss man dann halt mit einem Vergrößerungsglas drauf finden, gucken und dann ist der Film gut. Ich finde die Themen gut und stark und auch mutig anzusprechen. Sie haben es halt leider... für mich nicht geschafft, das ordentlich umzusetzen. Aber an sich ist das Ansinnen gut. Auch aus der Zeit gesehen natürlich.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt, dann treibt noch dran.
Johannes Franke: Und wir unterhalten uns kurz darüber, was ich Plor als Revanche gebe.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt. Bis dahin. Bis dahin. Ciao.
Johannes Franke: Bleibt gesund.
Florian Bayer: Was hast du für mich? Hast du ein Genre, mit dem du dich rächen kannst, wenn ich dir schon einen Actionfilm vorgesetzt habe?
Johannes Franke: Neben rächen kann man sich bei dir ja nicht. Du bist ja immer so, oh ja, das finde ich ja auch interessant und das will ich auch noch sehen. Und dann kann man dich auch nicht mit Langsamkeit oder mit Action irgendwie ärgern, sondern du bist dann immer so... Habe ich auch da den Film und den Film und den Film gesehen. Schön, dass ich mal den Film sehe.
Florian Bayer: Vorletzte Woche mit French Dispatch hast du es doch geschafft.
Johannes Franke: Ah ja, das stimmt.
Florian Bayer: Da hast du mich doch ein bisschen herausgefordert.
Johannes Franke: Ja, aber nur weil ich wusste, dass du mit, du weißt ja, dass du ein bisschen auf Kriegsfuß gestanden bist seit der seit er immer noch dasselbe und dasselbe und dasselbe wieder gemacht hat. Was ich toll finde. Egal. Hört euch die Folge an. Ich würde dir gerne etwas aus meiner Vergangenheit geben.
Florian Bayer: Oh, ja?
Johannes Franke: ich, wie du weißt, aber alle anderen nicht, die zuhören, vielleicht, ich bin Zauberer. Ich weiß nicht ganz genau. Vielleicht ist man immer Zauberer, wie wenn man den Doktor gespielt hat bei Doctor Who, dann bleibt man immer der Doktor.
Florian Bayer: Wenn du jetzt Harry Potter sagst, ist dieser Podcast wirklich vorbei?
Johannes Franke: Nein. Nein, aus meiner Kindheit, nämlich meiner Kindheit, meiner... Vergangenheit als Zauberer, natürlich mit verschiedenen, mit Houdini und mit diesen ganzen Entfechtungskünstlern und so weiter. Und es gibt einen ganz großen... Nämlich Randy, den The Amazing Randy, der hat sich ausgedrückt, auf die Spuren von Houdini begeben und ist ein Fesselungskünstler geworden. Und es gibt einen Dokumentarfilm über ihn. Weil er nämlich nicht nur Zauberkünstler war, sondern auch gegen ein großer Verfechter von Wissenschaft war, sagen wir es so. Er hat sich gegen ganz viele Scharlatane gerichtet, die so Zaubertechniken benutzt haben, um Leuten zu sagen, dass sie irgendwie Wunder wirken können. Und den fand ich immer sehr spannend, weil mich der Film auch damals, als ich es gesehen habe, sehr wütend gemacht hat. Was eine spannende Emotion ist, wenn man einen Film guckt.
Florian Bayer: Wie heißt der Film?
Johannes Franke: Der Film heißt An Honest Liar.
Florian Bayer: Kenn ich nicht. Das ist gut. Und es ist eine Dokumentation, hast du gesagt.
Johannes Franke: Es ist ein Dokumentarfilm über diesen Zauberer und über seine Mission, die Welt ein bisschen besser zu machen.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt. Okay, euch eine schöne Woche und wir hören uns.
Johannes Franke: Wir hören uns. Bis nächste Woche. Tschüss.
