Episode 73: The French Dispatch – Ein Wes Anderson Kondensat
The French Dispatch aus dem Jahr 2021 ist Wes Andersons zehnter Film und – Ooooh Boy! – hat er seinen Stil perfektioniert über die Jahre, die er Filme machen durfte.
Wer einmal einen Wes Anderson Film gesehen hat, dürfte jeden Folgenden schnell erkennen. Sein visueller und auch narrativer Stil ist unverkennbar. Seine Art mit Symmetrien zu spielen, Farben einzusetzen, Szenen rhythmisch aufzubauen sowie Dialoge zu schreiben und zu inszenieren, dürfte in der Kombination einmalig sein.
The French Dispatch ist eine Liebeserklärung an den Journalismus und an eine Blütezeit des Selbigen, die es eigentlich so nie gab. Unterstelle ich mal. Und doch sind seine Referenzen zu tatsächlich existierenden Autoren sehr konkret. Der Film ist anthologisch und unterteilt sich in eine Rahmenhandlung, und vier oft sehr absurd erzählte Stories der Journalisten für das titelgebende Magazin. Vier Stories, die nicht viel miteinander zu tun haben, außer der Liebe zum Geschichtenerzählen.
Plor, der Film hat bei seiner Premiere in Cannes neun Minuten Standing Ovations erhalten. Zurecht? Was meinst du?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 73: The French Dispatch – Ein Wes Anderson Kondensat Publishing Date: 2022-05-25T08:41:06+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/05/25/episode-73-the-french-dispatch-ein-wes-anderson-kondensat/ In dem Spannungsfilm bewege ich mich als Schauspieler zu sagen, ich will alles Mögliche behaupten können auf der Bühne, kann aber nicht, weil der Film mir diese Möglichkeiten nimmt, weil wir immer sagen, es muss alles naturalistisch sein. Und verheiratet diese Dinge einfach so, und es funktioniert. Es ist großartig. Beim Theater ist dieser Stil ja oft auch aus Not geboren. Wenn wir die postmoderne Stoßrichtung aus dem Vorlassen, die gesagt hat, wir machen aus der Not einen Tugend. Jóhannes will unbedingt einsteigen mit einem Dialog. Das darfst du nicht vorher sagen. Wir müssen das einfach machen, Plur. Modern Art. Modern Art, our specialty, starting now. I don't get it. Of course you don't. Am I too old? Of course you are. Why is this good? It isn't good, wrong idea. That's no answer. My point. You're still young. You're still young. I don't get it. Of course you don't. Am I too old? Of course you are. Why is this good? It isn't good, wrong idea. That's no answer. My point. You see the girl in it? No. Trust me, she's there. Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen. Hier bei muss man sehen Podcast, wo wir uns Dialoge um die Ohren hauen. Und wo wir uns gegenseitig Filme zuwerfen. Diese Woche hat Jóhannes mir einen Film zugeworfen. Jawoll. Und zwar einen, von dem ich schon ahne, dass Plur ihn streckenweise zerfetzen wird. Plur guckt schon so. Fuck, fuck, fuck, fuck, fuck. Mensch, Dispatch von meinem Lieblingsregisseur Wes Anderson. Willst du ganz kurz noch mal reviewn, warum Wes Anderson für dich so ein bisschen ein rotes Tuch geworden ist? Also, ich mochte Wes Anderson sehr, sehr lange. Und ich seh natürlich sein künstlerisches Genie. Wahrscheinlich tut das mir besonders weh, dass er wirklich ein unglaublich begabter Regisseur ist. Aber er macht seit Jahren immer dasselbe. Und er hat sich so in seinem Stil verloren, dass er keine Filme mehr außerhalb dieses Stils machen kann. Ich möchte Wes Anderson gern mit einer Rockband vergleichen. Es gibt Rockbands, die machen immer die gleiche Musik, aber die kann man auch zehn Alben lang anhören. Das geht. Hast du nicht so was? Hast du nicht Musiker, wo du sagst, okay, ich hab zehn gleiche Alben von denen, aber ich hör sie einfach alle gern? Nenn mir ein Beispiel. Fuck. Hahahaha. Moment. Das hätt ich vorbereiten müssen. Ich kenne keine einzige Band oder keine einzige Künstlerin, wo ich sagen würde, wow, die hat zehn Alben lang dasselbe gemacht. Find ich voll geil, ich will das elfte Album. Mountain Goats vielleicht so ein bisschen. Mountain Goats, genau. Aber die haben ... The Ailes. Ja, aber das ist tatsächlich auch genau dasselbe Problem. Genau, genau. Diese ganzen Indie-Rockbands, so Anfang der 90er, wie Dinosaur Junior, The Ailes und so weiter, genau dasselbe Problem. Wenn ich da ein neues Album sehe, obwohl ich die in den 90ern total geil fand, denke ich so, okay, vielleicht mal irgendwann reinhören. Wenn man sich mit den Stones nicht auskennt, würde man da auch immer wieder sagen, das ist alles das Gleiche. Und findet es vielleicht trotzdem gut. Die Stones mag ich nicht. Verdammt. Und wenn ich jetzt drüber gucke, Leute, deren Kunst ich sehr schätze, sind es meistens welche, die sich radikal verändert haben. Vielleicht nicht von Album zu Album oder von Film zu Film, aber zumindest so stetig und mal Sprünge gemacht haben, mal Neues ausprobiert haben. Und das hab ich bei Wes Anderson ab einem gewissen Punkt nicht mehr gesehen. Aber wir können ja gleich drüber diskutieren, ob das vielleicht bei diesem Film der Fall ist. French Dispatch aus dem Jahr 2021. Johannes, du hast bestimmt einen kleinen Text vorbereitet. Ich hab einen Text vorbereitet, ja. Den werd ich mal ganz kurz raussuchen. Ich hab ja noch ein paar Notizen drüber, die ich hier gemacht hab. Ich hab sehr viele Notizen bei diesem Film. Und wir müssen das alles besprechen. Ich hoffe, wir haben Zeit mitgebracht. The French Dispatch ist Wes Anderson's 10. Film. Und, oh boy, hat er seinen Stil perfektioniert über die Jahre, die er Filme machen durfte. Wer einmal einen Wes Anderson-Film gesehen hat, dürfte jeden Folgenden schnell erkennen. Sein visueller und auch erzählerischer Stil ist unverkennbar. Seine Art, mit Symmetrien zu spielen, Farben einzusetzen, Szenen rhythmisch aufzubauen und Dialoge zu schreiben und zu inszenieren, dürfte in der Kombination einmalig sein. The French Dispatch ist eine Liebeserklärung an Journalismus und eine Blütezeit derselbigen, die es eigentlich so nicht gab, unterstelle ich mal. Und doch sind seine Referenzen zu tatsächlich existierenden Autoren sehr konkret. Der Film ist anthologisch und unterteilt sich in eine Rahmenhandlung und vier oft sehr absurd erzählte Storys der Journalisten für das Rahmen handlungsgebende Magazin, die nicht viel miteinander zu tun haben, außer der Liebe zum Geschichten erzählen. Plur. Der Film hat bei seiner Premiere in Cannes neun Minuten Standing Ovation erhalten. Zu Recht? Und beachte, dass die Antwort Ja ist. Natürlich nicht zu Recht. Wie kannst du das sagen? Also, ich glaube, wir müssen das in verschiedene Aspekte unterteilen. Zum einen die Ästhetik von Wes Anderson. Ich hab das Gefühl, wir haben in French Dispatch extrem kondensierte Wes Anderson-Ästhetik. Absolut. Und es ist natürlich mal wieder ein Augenschmaus. Das kann man nicht anders sagen. Egal, was man von Wes Anderson als Geschichtenerzähler hält und was man von Wes Anderson Konservatismus hält, er hat einfach ein unglaubliches Gespür für unfassbar gute Bilder. Davon lebt natürlich dieser Film. Und das Krasse ist, es ist nicht so, dass er sich einen Kameramann sucht, mit dem er immer zusammenarbeitet, der genau das liefert, was er irgendwie cool findet, sondern er geht selbst an die Kamera. Es gibt von ihm Aufnahmen, wie er sich die Kamera aufschultert und damit in der Gegend rumläuft. Und wahrscheinlich seinem Kameramann gesagt hat, so, genau so machst du das jetzt mit. Das ist einfach wirklich, und der Kameramann hat das auch gesagt in einem Interview, das bringt Wes Anderson mit. Ja, man sieht es auch, die Bilder sind natürlich wieder typischer Wes Anderson-Style, das heißt zum einen eine unglaubliche Verspieltheit, was die Katarsche des Films betrifft. Der Film ist größtenteils tatsächlich im, ähm, wie heißt es? Academy Ratio? Academy Ratio, also was wir als 4 zu 3 bezeichnen würden gefilmt. Und der Film nutzt seine Katarsche, zum einen, indem er mit der Katarsche spielt. Es gibt Szenen, die teilweise auf 35 Millimeter an Amorph gezogen werden. Es gibt viele Bilder, wo wir Splitscreens haben, wo wir zwei Bilder nebeneinander haben, wo parallel erzählt wird, wir haben Subtitles, die durchs Bild springen, die nicht einfach nur von oben nach unten sind, sondern die zwischendurch springen und so weiter. Wir haben Vignetten von Häusern, die von Querschnitt von Gebäuden, Querschnitt von Flugzeugen, wo ganz viele Parallel-Sets aufgebaut werden. Miniaturen, Puppenhäuser, alles. Wir haben Theaterstilisierungen, wo plötzlich das Geschehen in einer Kaserne zwischen Soldaten auf einer Theaterbühne stattfindet. Wir haben eine Comic-Verfilmung in der Sequenz. Wir haben ein 10-Minuten-Segment, wo quasi einmal vor Hergé und dem französischen, belgischen Zeichensstil, der der 60er-Jahre sich verbeugt wird. Wir haben diese ganz klassischen, strengen Bilder, die man von Wes Anderson kennt, wo das wesentliche Objekt ganz zentral im Bild ist und man das Gefühl hat, scheiß auf den goldenen Schnitt, ich will eine radikale Symmetrie haben. Das ist so Wes Anderson, ist das unglaublich. Ich finde, das ist auch schon eine Schwäche des Films, weil dieser Film zerfällt nicht nur in die Episoden, die er hat. Es ist ein Episodenfilm, das werf ich ihm gar nicht vor, sondern diese Episoden an und für sich zerfallen auch noch in diese Anderson-Vignetten. Man hat das Gefühl, der Film springt von wunderschönem Bild zu wunderschönem Bild, vom skurrilen Bild zu lustigem Bild, zu abstraktem Bild. Es ist ein Augenschmaus, ohne jeden Zweifel. Aber es ist zum einen total überwältigend. Weil man sieht die Bilder auch wirklich nur für ein paar Sekunden, das sind krasse Bilder, und man denkt, da geht so viel rauszuholen. Warum zeigst du dieses Bild uns nur fünf Sekunden? Und dann ist es aber auch, der Film hetzt von Bild zu Bild. Man hat das Gefühl, er macht das, um alle diese ganzen Bildideen, nach und nach unterzubringen. Tut mir leid, aber da seh ich einen krassen Style over Substance. Es ist halt äklektisch ein bisschen dadurch. Weil du wirklich denkst, was, was, wie, da, dort noch, das noch und dort noch. Ich hab für einen Film, der 107 Minuten oder so was dauert, weiß ich nicht genau, 108 Minuten, hab ich mehrere Stunden gebraucht. Ich hab wirklich immer wieder Stopp gemacht, hab mir Sachen aufgeschrieben, hab das Bild genossen und hab dann weitergemacht. Aber ich find tatsächlich, dadurch hat der Film ... Dadurch macht er sich seinen eigenen Fluss kaputt, weil er sich's nicht gönnt, auf Bildern zu bleiben. Wir haben zum Beispiel diese tolle Szene, wenn die Kunsttentler im Flugzeug sitzen. Oh Gott, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht durcheinanderwerbe. Diese Flugzeugszene, wo wir die Querschnitt von einem Flugzeug sehen. Dann haben wir wirklich so ein Diorama. Wir haben einmal das Flugzeug aufgeschnitten und dann haben wir verschiedene Kabinen, in denen verschiedene Dinge passieren. Für ... keine Ahnung, ein paar Sekunden. Und dann passiert so viel. Man kann so viel sehen. Man möchte was sehen, man möchte auch da eintauchen, man möchte sich da reinfühlen. Und Wes Anderson nimmt's einem so ein bisschen, weil er sagt, Moment, ich hab hier noch ein anderes geiles Bild. Guckt euch mal das an. Und hier noch, guckt mal diesen Freeze-Frame, den ich aufgebaut habe. Ich mach keinen richtigen Freeze-Frame. Nein, nein, ich lass meine SchauspielerInnen alle stillstehen. Und einen bewegen, und man sieht, dass sie so ein bisschen zittern. Ja, es ist ein geiles Bild. Aber guckt mal hier, ich hab hier noch ein Fresco. Wir müssen noch mal diese Gemälde sehen. Moment, Moment, Moment. Seht ihr die Autorin auf der Bühne? Und jetzt zeigt sie ein Nacktfoto von sich. Es ist so, ja, okay, ich hab's verstanden, du hast schöne Bilder. Aber dann mach doch meinetwegen einen Vier-Stunden-Film draus, damit ich auch ein bisschen Zeit habe, mit den Bildern zu arbeiten und die Bilder mir eine Geschichte zu erzählen. Sonst ist es einfach nur eine Diashow. Okay, folgendes. Dieser Film ist ein Gedicht. Gedichter sollte man nicht in der Erwartung lesen, beim ersten Mal durchlesen, alles erfasst zu haben. Gedichte sind dazu da, wie Lieder, refranartig teilweise oder wieder und wieder gehört oder gelesen zu werden, um nach und nach das zu entfalten, was drinsteckt. Dieser Film will nicht beim ersten Mal verstanden werden. Okay, anderer Ansatz. Dieser Film ist ein Magazin. Wir haben den New Yorker vor uns. Wir sind quasi die Leserin, die durch den New Yorker plättert. Deswegen ist übrigens das Ding ... Wenn man sich zurückerinnert an den Film, denkt man, drei Episoden. Aber es hat ja eigentlich vier. Die erste Episode ist Owen Wilson, der auf dem Fahrrad durch eine französische Stadt fährt. Die ist vier Minuten lang, weil man gelangweilt ist, weil der Leser schnell weiterplättert. Weil, okay, jetzt hast du genug über Huren und Obdachlose geschrieben und du hast keinen Blumenladen eingebaut. Dann plättert man schnell weiter. Aber ist das nicht geil? Weil das ist der Kommentar auf den eigenen Film wieder. Und er macht das ja absichtlich. Nee, er macht das. Aber dafür, um es dann mehrmals zu lesen, ist es mir zu flach. Dafür fehlt mir die Substanz dahinter. Wenn ich ein Gedicht lese, wo ich merke, dass es eine Tiefe gibt und eine Substanz, dann lese ich das gerne ein zweites Mal. Aber ich habe das Gefühl, The French Dispatch findet die ganze Zeit an der Oberfläche dieser schönen Bilder statt. Es gibt nicht viel dahinter. Es gibt zwei Ebenen. Das eine ist die visuelle und das andere ist die inhaltliche. Bei allen vier Stories finde ich etwas, was ich noch mal haben möchte. Bei Owen Wilson ist es nicht der Inhalt. Da sind es die Bilder. Da ist es vor allem das Timing des Bilds. Du hast am Anfang dieses Bild von der einen Straße, die am Anfang leer ist, und dann die Leute nach und nach rauskommen. Ich find's total geil. Ich liebe es, in welchem Tempo jeder Einzelne seine Bühne betritt und das Ganze ins Leben kommt. Das sind wunderschöne Bilder, sich mal anschauen. Ich glaube, das, was du in der ersten Episode siehst, dass das diese Bilder sind, das sehe ich in allen Episoden. Ich sehe überall dieses von Bild zu Bild gespringe. Mir fehlt tatsächlich ein bisschen die Tiefe dahinter. Ich sehe auch total, dass das ein Ansatz ist des Films. Der Film hat ja diese Referenz zum New Yorker. Er ist eine Liebeserklärung an den New Yorker. Der Film ist natürlich so gedreht, wie der New Yorker auch geschrieben ist. Das heißt, so ein bisschen ... so sehr ausgeschmückt. Man könnte sagen, auch ein bisschen blasiert, fast snobbt. Genau. Wir feiern das hohe Leben. Wir haben keinen krassen Sex, keine krasse Gewalt da drin. Sondern es findet alles auf so einer blumigen Oberfläche statt. Und das ist mir einfach ein bisschen zu dünn. Mir fehlen die Abgründe. Ah! Und die Momente sind da, um die Abgründe reinzubringen. Aber der Film macht das irgendwie nicht. Gibt es Filme von Wes Anderson, die besonders abgründig sind? Ja, total, Alter. Gerade zum Beispiel Royal Tenenbaums. Da gibt es irgendwann wirklich ziemlich krasse Selbstmordszene. Ja. Und jetzt fange ich wieder an, die alten Filme zu zitieren. Vielleicht ist das auch mein Problem, dass ich mit Wes Anderson habe. Vielleicht war er früher ein bisschen abgründiger und jetzt ist er immer stilverliebter geworden. Lass mich kurz auf die Filmografie von Wes Anderson schauen. Also, Royal Tenenbaums ist, glaube ich, mein Lieblingsfilm von Wes Anderson. Das war sein dritter Film aus dem Jahr 2001. Der hat auf jeden Fall diese Abgründe. Aber Wes Anderson hat sie nicht so oft. Das stimmt tatsächlich. Zum Beispiel Die Tiefseetaucher aus dem Jahr 2004 ist einfach ein putziger Abenteuerfilm. Schön zu sehen, ne? Da gibt es keine großen Tragödien. Da G-Ling Limited ist eigentlich auch ein netter Reisefilm. Das ist quasi ein Action-Buddy-Movie. Fantastic Mr. Fox ist halt im Kinderbuch so ein bisschen düsterer erzählt, aber letzten Endes. Über Fantastic Mr. Fox haben wir auch lange geredet. Den haben wir schon besprochen. Also tatsächlich ist Wes Anderson niemand, der große, tiefe politische oder gesellschaftspolitische Themen anspricht. Was noch andere Probleme aufwirft, sein Stil einfach. Ich weiß nicht, ob du mit irgendeiner Figur emotional mitgelitten hast. Nein, aber das erwarte ich von dem Film auch nicht. Genau. Dieser emotionalen Distanz, die ihm oft vorgeworfen wird, das gibt keine Figur, in die ich mich reinversetzen kann. Außer am ehesten noch die Frances McDormand-Journalistin. Weil die den Film auf einer Meta-Ebene hebt. Weil sie reflektiert das Gewerbe des Journalisten. Davon habe ich mir viel mehr gewünscht. Und da ist halt die Substance, die du vorhin gesagt hast, die fehlt. Da sehe ich die Substance, da bin ich viel mehr drin als im Visuellen. Obwohl auch da visuell wahnsinnig viel los ist. Aber Lucinda Cramans, so heißt sie, ist dann halt in dem Film doch zu sehr im Hintergrund. Wir konzentrieren uns auf Zeffirelli. Und bevor wir tief reingehen können in diesen Konflikt, Journalismus versus Aktivismus, Bericht über Politik und gleichzeitig Politik machen und so weiter, springen wir auch schon zu der Szene, wo dieser Zeffirelli mit seiner Freundin Juliette auf dem Motorrad sitzt. Und dann haben wir einfach mal fünf Minuten Fahrbrausch auf dem Motorrad. Wir wissen von Royce Anderson, wir kriegen von Royce Anderson hingeschmissen. Mir ist dieses ganze politische Zeug, diese Revolution, vollkommen egal. Nein, so schlimm ist es nicht. Aber Ihnen interessiert mehr die menschliche Ebene dahinter. Ich glaube, wir bewegen uns auf dem Spannungsfeld zwischen der Journalistin, die sagt, die Arroganz der Jugend, die hier in der Revolution sich einmal widerspiegelt, wo der philosophische Überbau angedeutet wird von ihr in ein paar Sätzen. Und auf der anderen Seite dem jungen Typen, der in der nackten Badewanne sitzt und sagt, I'm shy about my new muscles. Ich find das so großartig. Ja, aber genau, darauf konzentriert er sich dann, ne? Ja, natürlich. Ihre Rolle ist, dafür, dass sie so eine spannende Rolle ist, ist ihre Rolle extrem unterrepräsentiert. Dafür, dass dieser, ich mein, Timothy Chalamet ist ein großartiger Schauspieler. Aber dafür, dass diese Rolle dann doch so ziemlich plass ist. Ja. Also, natürlich, er spielt das großartig, aber es ist jetzt keine Rolle, wo man denkt, wow, die hat aber Tiefe. Die macht keine große Entwicklung durch und so, ne? Dafür fahren wir viel zu lange bei ihm und viel zu wenig bei ihr. Ich finde, Wes Anderson ist halt für Momentaufnahmen gut. Ja, genau, perfekt, du bringst das auf den Punkt. Wes Anderson ist für Momentaufnahmen gut. Und dieser Film ist schon so ein bisschen kontensiertes Wes Anderson-Kino. Weil er ganz krass diese Momentaufnahmen nimmt und aneinanderreit. Und noch mal, diese Momentaufnahmen für sich sind fantastisch. Also, ich glaub, wir könnten uns stundenlang drüber unterhalten. Man könnte jedes einzelne Bild einmal einrahmen und an die Wand hängen und könnte sich stundenlang drüber unterhalten. Es ist dann halt sehr viel in der Masse, ne? Du hast sehr viele Bilder, die aufeinanderfolgen. Ich kann diesem Film vieles verzeihen, zum Beispiel seine ... Ich mag grundsätzlich den Ansatz, einen Film zu machen wie ein Magazin, mit dieser zerfahrenen Struktur. Der hat einen gewissen Groove dabei, der hat ein schönes Tempo. Auch, dass er die Katerierung immer wieder ändert, dieses 4 zu 3 gegen das Breitbild und 16 zu 9 und so weiter. Das hat ja auch was von Magazinen, ne? Du blätterst durch und jedes Bild hat seine eigene Katerage im Text eingebettet. Das find ich halt großartig, ne? Da ist aber auch wieder Style over Substance, das geb ich zu. Und dann auch dieses Springen von Schwarz-Weiß zu Farbe. Genau. Und die spazifischen Szenen, die herausgestellt werden, eine Schwarz-Weiß-Szene und dann wieder zurück zum Schwarz-Weiß. Und auch dieses, okay, ich pack noch mal zehn Minuten Zeichentrick rein. Wes Anderson komponiert das alles so, dass es einen Groove hat, ne? Man guckt sich durch den Film durch und man spürt das Tempo des Films. Und das macht Spaß, ohne Zweifel. Was ich auch toll finde, ist eben auch, dass man spürt, dass Wes Anderson das nicht nur macht, weil er kann. Es gibt ja so viele Filme, die dann anfangen, rumzuspielen mit irgendwelchen, mit Cadrage unterschiedlich und Schwarz-Weiß und Farbe und so weiter, ohne Sinn und Verstand. Sondern sich nur einen darauf runterholen, dass sie das können und da irgendwie kein Konzept sieht. Aber in diesem Film ist alles folgerichtig. Absolut. Das find ich ganz beeindruckend. Der hat eine total geschlossene Ästhetik. Seine Ästhetik ist natürlich, ich bin verspielt. Ich habe total viel Spaß an meinen Referenzen. Wir haben in einer sehr frühen Episode über Tati unterhalten, über modern Playtime. Und mit Tati hab ich ja auch so meine Schwierigkeiten. Man sieht zum Beispiel, dass Wes Anderson sehr von Tati inspiriert ist. Er baut diese Querschnitte auf, wo wir aus einer Distanz etwas sehen. Und dann passiert sehr viel in dem Bild und du weißt gar nicht, worauf du dich konzentrieren musst. Diese Verspieltheit passt total gut rein. Man hat nicht das Gefühl, dass das einfach nur ein Zitat reingeworfen ist und man denkt, das ist jetzt aber echt so krass narzisstisch. Ich kenn mich aus mit Filmgeschichte. Das Gefühl hat man bei Wes Anderson nicht. Die Bilder folgen aufeinander und ergeben ein großes Ganzes. Der Film hat einen wirklich guten Rhythmus. Nicht nur durch die Episoden, sondern auch innerhalb der Episoden. Aber, um das noch mal starkzumachen, er besteht vor allem aus diesem Rhythmus. Und das ist halt Bild, Bild, Bild, Bild, Bild, Bild, Bild, Bild, Bild. Und dann Bild und Bild. Genau. Aber tatsächlich, du hast, als wir letzte Woche drüber geredet haben, hast du gesagt, das ist ein Film, der sich lang anfühlt. Ja. Fand ich gar nicht. Fandest du gar nicht? Sehr gut. Weil er halt so durchrast, aber danach hat man Kopfschmerzen. Ich hab halt, als ich beim ersten Mal im Kino gesessen habe, war ich halt, ich hab irgendwann aufgegeben. Deswegen hat sich der irgendwann lang angefühlt. Weil ich tatsächlich in der vierten Story irgendwann gedacht habe, okay, ich kann nicht mehr, ich bin fertig mit dem Nerven, ich hab zu viel Input bekommen, kannst du bitte letzten Pause machen. Intermission, Intermission. Und das war halt so ein bisschen das Problem. Aber jetzt beim Seiten mal gucken, ich konnte mich besser drauf konzentrieren, weil ich einfach schon ein bisschen mehr wusste und ein bisschen mehr reinkam. Ich glaube, Wes Anderson hasst unter anderem FilmkritikerInnen. Weil dieser Film ist für jeden, der drüber schreiben will, ein Albtraum. Normalerweise machst du es ja so, dass du dich hinsetzt und du hast einen Blog oder ein Tablet oder einen Laptop auf dem Schoß und machst Notizen während des Films. Weil du dann zehn Bilder verpasst hast. Es ist auch großartig, deswegen hab ich ja auch so lang gebraucht, um diesen Film zu gucken am zweiten Mal, weil ich echt immer wieder Pause gemacht hab. Du musst ständig pausieren und manche Bilder huschen weg. Du verlierst mal kurz die Aufmerksamkeit, denkst über ein anderes Bild nach, was gerade passiert ist, und dann merkst du, wow, ich hab irgendwas verpasst. Dann sputzt du so das Fest, okay, da ist gerade ein nackter Badriss-Bild getanzt. Oder so. Der Film ist krass überladen mit wirklich, wirklich guten Bildern. Es sind nicht nur die großen Sachen wie diese Querschnitte oder diese echt geilen Standbilder, diese Pseudo-Free-Frames, sondern auch so kleine Sachen, wenn man die Vogelperspektive auf eine Schreibmaschine hat. Ja, genau. Wenn man einfach mal ein Gebäude sieht mit einer Tür, und das ist alles schön platziert, wo man weiß, wie er Sets platzieren muss. Klar, jedes einzelne Bild ein Traum. Also, wenn man einfach nur Spaß, Freude an tollen Bildern haben will, ist dieser Film ein Hochgenuss. Wahnsinn, oder? Und was mich halt dann zusätzlich packt, ist die Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen, was so dolle zu mir überschwappt, dass ich sofort 20 Filmedien habe. Das ist unglaublich. Kaum ein Film ... Ich wage zu behaupten, dass dieser Film mein neuer Lieblingsfilm ist. Oh, okay. Wirklich, es geht so weit. Tut mir leid, dann werd ich jetzt ... Meine heilige Kuh ein bisschen ... Ja, ich hab aber damit gerechnet. Weil diese Leidenschaft zum Geschichtenerzählen, er macht das jetzt über den New Yorker und so. Also, ich bin kein großer Schriftsteller, aber ich hab das Gefühl, dass ich eine große Leidenschaft zum Geschichtenerzählen an sich über Filme oder übers Schauspiel habe. Und das trifft mich einfach. Also, im positivsten Sinne, was er mir da an Leidenschaft entgegenbringt. Reden wir kurz über den New Yorker. Liest du den New Yorker? Nein. Keine Ahnung, was der New Yorker ... Ich hab nur diesen Schriftzug vor meinen Augen und dieses Cover, was die einfach immer hatten. Und ich hab noch nie einen New Yorker aufgeschlagen und gelesen. Ich bin kein großer New Yorker-Leser. Mein Take auf den New Yorker ist, wenn du in einem grobenen Spar bist, mit Sauna, und mit internationalem Publikum, und in Berlin gibt's so was, und dann bist du im Ruheraum und schnappst dir ein kleines, formatiges Magazin zum Lesen, während du dich ausruhst, dann ist das in 90 Prozent der Fall der New Yorker. Das ist mein Take auf den New Yorker. Das ist tatsächlich das Setup, das ich nicht so oft in diesen Etablissements bin. Aber ... Das schreibt ja schon fast an Klo-Literatur vorbei. Deine Beschreibung. Na ja, nee, es ist halt so ein bisschen zum Drin versinken. Und das war ja auch das Ziel vom New Yorker. Also, um ganz kurz auf die New Yorker-Geschichte einzugehen, 1925 gegründet von Harold Ross. Und der wollte ja irgendwie so ein Magazin haben, was so ein bisschen Journalismus und ... ... ein Magazin haben, was so ein bisschen Journalismus und ... Narration verbindet. Also, dass das quasi Kurzgeschichten gleichberechtigt sind neben Essays, neben Lyrik, neben Cartoons, die auch eine große Rolle spielen. Das heißt, dass dieser Journalismus eingebettet ist in so einem gewissen künstlerischen Anspruch. Dazu passt ja auch, dass die Titelbilder nur Illustrationen sind. Auf dem Cover gibt's keine Fotos, sondern wir haben immer diese sehr spezifischen Cartoons, die gezeichneten. Und die Texte, die ich im New Yorker gelesen habe, die haben auch alle so ein bisschen diesen Ton. Das ist so das, was Anderson auch in dem Film hat. Man könnte es plasiert nennen, fast snobbt nennen. So ein bisschen feingeistig, verblümt. Heile Welt. Genau, auch heile Welt. Und trotzdem halt mit einem gewissen journalistischen Anspruch. Es ist tatsächlich, und das macht's dem Film nicht so leicht, dass ich meine Probleme mit dieser Art von Journalismus habe. Okay. Also, gerade in unserer Zeit ist diese Art von Journalismus auch zu Recht ein bisschen in Verruf geraten. Weil was wir hier vor uns haben, ist natürlich das, was man Relotius-Journalismus nennen könnte. Kurz noch mal an diese Klaas-Relotius-Geschichte zu erinnern, der beim Spiegel war. Gefeierte Autor, der wunderschön schreiben konnte. Und dann ist vor einigen Jahren rausgekommen, dieser Mann hat seine Reportagen teilweise komplett erfunden. Ja. Und wenn ein Journalismus das Narrativ über die Authentizität stellt und über das ehrliche Darstellen was ist, dann kann so was passieren. Und dieses stilverliebte Schreiben, das führt natürlich genau zu so einem Journalismus. Zum einen ist das in unserer heutigen Zeit schwierig, weil gerade der Journalismus ja auch in der Sinnkrise steckt. Ich hab so ein bisschen das Gefühl, Wes Anderson macht in diesem Film eine Liebeserklärung an den Journalismus und auf die Krise des Journalismus einzugehen, ist einfach Nostalgie. Nostalgie in Richtung dieses New-Journalism, dieses wir sind alle Storyteller. Und was mit der Wahrheit ist, ist ja gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es eine schöne Geschichte ist. Schreib es so, als hättest du alles geplant. Also der Satz des Chefredakteurs. Das ist die Form von Journalismus, die der Film feiert. Dieser nostalgische Storyteller-Reportagen, New-Journalism. Es ist auch, ich hab das viel auch gedacht beim Gucken und hab auch viel mich an andere Filme erinnert. Mir fallen die gerade nicht so richtig ein. Es gibt auch so viele Filme in letzter Zeit, wo man sagt, ja, also jetzt zum Beispiel Once Upon a Time in Hollywood, der ja auch so in eine nostalgische Variante einer Institution geht, die so gar nicht existiert hat. Ja, absolut. Und tatsächlich ändern sich die beiden Filme da enorm. Ja, deswegen. Das sind beide Märchen aus einer Welt, die so nicht so stattgefunden hat. Und ich find' Once Upon a Time in Hollywood trotzdem einen sehr guten Film. Das stimmt, das stimmt. Also, aber ich muss natürlich trotzdem als Zuschauer die Transferleistung bringen, zu sagen, okay, ich hab dann Märchen vor mir. Ich weiß, das hat so nicht existiert, aber da hat jemand eine Vorstellung davon, wie das gewesen sein könnte oder wie er das gerne gehabt hätte, dass es gewesen ist. Ja, es ist ja tatsächlich so, bei Anderson ist ja ein totaler New Yorker Fan. Der hat ja offensichtlich das Archiv gekauft. Ja, das ist unglaublich. Der hat jetzt richtig Geld in die Hand genommen, weil er diese Dinger haben wollte. Das ist so krass. Aber er gibt auch so viel Geld für so krasse Sachen aus. Also, wenn man den Ausstattern von Wes Anderson Filmen zuhört, dann weiß man auch, oh mein Gott, was der alles ... Also, was ich unbedingt, das muss ich jetzt anbringen. Wes Anderson gibt allen Leuten, die in seinem Film irgendeine Form von Rolle spielen, ob das Beleuchter ist oder ob das der dritte Statist von hinten ist, die vielleicht nicht, aber gibt denen Filme zum Gucken. Ja. Immer, jedes Mal, wenn er was anfängt, sagt er, okay, das ist die Liste der Filme, die ihr jetzt guckt als Vorbereitung für meinen Film. Und das finde ich eine ganz geile Sache eigentlich, weil man hat so ein bisschen, man kriegt ein Gefühl dafür. Einer der Ausstatter hat zum Beispiel den Film The Red Balloon einmal angesprochen aus dem Jahr 1956. Das ist einfach nur ein Kurzfilm, der sehr grau und fast schwarz-weiß daherkommt. Und da gibt es einen roten Luftballon. Ja. Und der geht halt durch den Film durch. Und auf diese Art und Weise sollte dann die Farbigkeit des Films sein. Und dann holt er einfach immer Beispiele hervor. Und in die Liste gehörten halt auch Jacques Tati, also in diesem Fall Mononkel von ihm, und dann Orson Welles' The Trial. Godard war dabei? Mhm. Ja, den Nouvelle Vagueinfluss. Das finde ich tatsächlich ganz schön an den Bildern, dass dieser Nouvelle Vagueinfluss ganz stark zu spüren ist. Vor allem in der dritten Episode, beziehungsweise in der vierten, also The Private Dining of the Police Commissioner, haben wir ganz viel diese Anleihen an den französischen Kriminalfilmen der Nouvelle Vague. Genau. Genau, Godard und Melville hab ich da auch teilweise ganz stark drin gesehen und klar, super. Und es ist toll natürlich von Wes Anderson, dass er auch so für einen Film, der in Frankreich spielt ... Das ist witzig, dass er sich vor einem New Yorker-Magazin verbeugt, in dem er ein fiktives, französisches Magazin erfindet, dass ein Ableger eines fiktiven, amerikanischen Magazins ist. Ja, genau. Wobei ich stehengeblieben bin. Es ist toll, dass er für einen Film, der in Frankreich spielt und sich auch um französische Kultur kümmert, viele französische Filmmacher als Vorbild nimmt. Das ist wirklich schön. Und man merkt es dem Film an, dass so viel Substanz dahintersteckt. Eine Referenz ist für mich keine ausreichende Substanz. Das ist erst mal nur eine Referenz. Ja, okay. Es ist eine Hommage, aber eine Hommage, das ist halt ... Es fehlt halt die Tiefe dafür. Und du hast Tarantino erwähnt, und ich weiß, ich überlege gerade, warum ich das Tarantino in seinen Filmen verzeihe. Vielleicht, weil Tarantino nicht mit dieser gehobenen Attitüde eines Intellektuellen da herkommt. Anderson-Filme atmen so einen intellektuellen Grundgehalt. Und das macht Tarantino nicht. Tarantino erzählt so rau und dreckig. Und Anderson, hast du das Gefühl, der sitzt immer so mit einer Zigarette, die in einem Filter ist. Auf seiner Couch. Aber Tarantino macht das genau auf der anderen Seite. Tarantino ist so verliebt in diese, ich bin ja von der Straße. Das ist genau der gleiche Scheiß von der anderen Seite. Ja, aber dabei erwartet man dann keine Tiefe. Der Scheiß von der Straße, da brauch ich keine Tiefe, sondern das ist genau das, was ich will. Aber wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, Anderson versucht immer, das Publikum auszudricksen, indem er seine fehlende Tiefe eben kompensiert, dadurch, dass er ganz viele Bilder hat, die vorgeben, dass hinter ihnen noch mal eine tiefere Ebene ist. Aber sie ist nicht da. Okay, also, ich glaube, dass die Tiefe da ist. Aber die ist natürlich anders erzählt und anders drin als in einem klassischen erzählten Film. Ich glaube, dass nämlich Anderson einfach ganz viele Sachen in komischen Dialogen einfach anpiekst. Und dann muss entweder, macht der Zuschauer sich Gedanken dazu oder nicht. Wollen wir in einzelnen Episoden reingehen? Der erste wäre The Cycling Reporter. Beziehungsweise, vorher gibt es so einen Prolog, das kurz vorgestellt, das Magazin, wie der Chef da sitzt und sich um seine Leute kümmert und erzählt, dass mit ihm das Magazin untergehen soll, wenn er stirbt. Und dass er nicht will, dass dann andere weiterführen. Und in seinem Büro wird nicht geweint. Ganz wichtig. No crying in my office. Genau, dann haben wir eben diese vier Episoden. The Cycling Reporter, Concrete Masterpiece, Revision to Manifesto und Private Dining beim Police Commissioner. The Cycling Reporter, da passiert ja nicht viel. Passiert nicht viel. Wollen wir einfach sagen, das ist ein Bilderrausch, der toll ist? Auf jeden Fall. Wir genießen diese Stadt, den Namen finde ich sehr witzig. Onnui. Moment. Ich hab's auch aufgeschrieben. Es ist ein sehr deprimierender Name, so viel sei schon mal gesagt. Sur Blas, oder wie das? Sur Blasais. Man würde heißen Boredom upon Apathy. Also Langeweile auf ... Ja. So ein bisschen wie ein Gericht. Ja, genau. Aber wie auch französische Orte oft heißen, auf dem Berg, so und so auf dem Berg, oder schöner Ausblick auf Tal. Und dann haben wir diesen Erbsa Sassarac von Onnui gespielt, der mit dem Fahrrad durch das Städtchen fährt und in der Metro verschwindet. Genau, und er erzählt halt so ein bisschen aus der Stadt und präsentiert, wie sie früher aussah, wie sie heute aussah. Es hat sich nicht viel verändert. Also wir sehen diese Bilder nebeneinander, auch in Splitscreens teilweise, da wird schon sehr viel mit der Cartrage gespielt. Ja. Und am Schluss ärgert sich dann Howitzer darüber, dass nichts Schönes drin ist in seiner Erzählung. Und er könnte doch mal einen Blumenladen reinpacken. Warum die ganze Zeit Prostituierte und Kriminelle. Das ist aber sehr schön. Und auch das Bild, wie sie dann da im Office sitzen und er an seinem Fahrrad arbeitet und das irgendwie nebenher dann irgendwie noch so. Ich hätte mir tatsächlich mehr dieser Szenen gewünscht und ich war dann so ein bisschen enttäuscht, dass nach den weiteren Episoden dieser Redigiervorgang, dass der überhaupt nicht mehr thematisiert wurde. Nicht überhaupt nicht, aber nicht mehr so viel. Sehr, sehr wenig. Also wir haben hier halt wirklich so eine Art Lektorat dann und sie diskutieren drüber und Howitzer macht noch mal Vorschläge, was er in den Artikeln kann und sie streiten auch ein bisschen drüber. Und davon hätte ich gerne zum Beispiel mehr gesehen. Dass einfach die Episoden noch mal abgerundet werden dadurch, dass es nicht so ein solcher Ansatz ist. Weil das Magazin, wenn es eine Verfilmung des Magazins ist, muss es nicht die ganze Zeit seinen eigenen Entstehungsprozess kommentieren. Aber ich hätte es schön gefunden, so ein bisschen mehr da einzutauchen in die Arbeit dieser Redaktion. Weil die wird am Anfang so wunderbar skurril dargestellt und vorgestellt. Und wir erfahren nicht viel über sie, aber wir wissen, das ist ein total witziger Ort, weil jeder hat so seine Macken und Neurosen und pflegt die und der Chefredakteur hält seine Hand über alle drüber und er ist da für seine Reporter und er gibt ihnen das Geld und er kann auch richtig coole Sachen machen. Das klingt alles total spannend, aber dann wird halt nicht viel davon erzählt, außer dass er sich mal drüber beschwert, dass die eine Reporterin so teuer übernachtet hat für diese Geschichte. Ja, sie wollte sich erinnern, weil sie mal was mit jemandem hatte in diesem Hotelzimmer. Das ist so schön, ich finde das ganz toll. Aber du hast recht, ich hätte tatsächlich auch gerne mehr davon vertragen können, von diesem Prozess dann darüber zu reden, was ist gut und was ist nicht gut. Da passiert auch eine der wenigen Schwächen, finde ich, des Films in einer solchen Situation. Aber da kommen wir gleich zu, wenn wir in der Geschichte sind. Gehen wir weiter zu der nächsten Geschichte, oder? Concrete Masterpiece, die tatsächlich meine liebste Episode war. Sowohl erzählerisch als auch... Na gut, ästhetisch kann ich nicht sagen, weil ästhetisch passiert in allen Episoden so viel. Aber erzählerisch fand ich es tatsächlich die spannendste. Ja, und auch die am witzigsten eingeführte Geschichte, finde ich. Weil du hast diesen Typen, der malt, der malt diese Frau. Er geht so in ernster Mine an sie ran, malt da irgendwie auf ihrem Körper, mischt da irgendwie Farbe zusammen. Und sie lässt das erst geschehen und so. Und man denkt so, okay, da wird ein Verhältnis zwischen einem großen Künstler und seinem Modell aufgebaut. Und dann haut sie ihm auf die Finger. Und er geht wie so getreten auf, um zurück zu sein an seiner Leinwand. Und dann stellen wir fest, sie, er ist im Knast als Gefangener. Und sie passt eigentlich auf ihn auf. Und es ist so großartig. Ja, wir haben auch diese wirklich schöne Offenbarung des Gemäldes. Wir sehen halt, wie er malt und sie steht Modell. Und er achtet wirklich sehr genau auf sie. Und dann sehen wir, es ist ein abstraktes Bild, was er malt. Es ist nichts von ihrem Körper, darauf zu erkennen. Es ist so toll. Und aus dieser Episode stammt auch das Zitat, was wir ganz am Anfang einmal gelesen haben. Weil er natürlich als moderner Künstler, und was auch immer das sind, führt das schön ein. Kunst macht, die den Kunsthandelnden eigentlich nicht so viel sagt. Moses Rosenthaler, der wegen Doppelmordes im Gefängnis sitzt. Das eine war offensichtlich, aber er gehörte eigentlich gar nicht hin, weil das eine war Notwehr. Und das andere, er redet irgendwann vor so einem Bewährungsausschuss. Dann sagt er, wie war das? Das eine war ein Unfall, das andere war Notwehr. Und er hat beide geköpft. Mit einer Säge. Mit einer Säge. Man stelle sich diese Notwehrsituation vor. Vor allem, weil er kurz vorher noch sagt, es war beides ein Unfall. Und dann sagt der Richter mit einer Säge zwei nacheinander. Und er so, okay, das erste war ein Unfall. Und das andere war Notwehr. Und dann bespricht er sich auch noch mit seinem Anwalt zwischendurch. Das ist wirklich sehr süß. Und dieser Moses Rosenthaler, ganz toll gespielt von Benicio del Toro. Und seine Muße, die Aufseherin, die er malt die ganze Zeit, die auch seine Geliebte ist. Ganz toll gespielt von Lea Sedoux. Ja, wundervoll gespielt. Ich finde, diese Beziehung zwischen den beiden, die schwappt voll über. Ich weiß sofort, was mit denen los ist. Und dann, um noch mal zu betonen, wie krass Anderson diversifiziert, erzählt. Das Ganze hat noch mal einen Rahmen, und zwar von der Kunstkritikerin J.K.L. Barronson, die das Ganze vorträgt, die das erzählt vor einem großen Publikum. Von Tilda Swinton gespielt. Von Tilda Swinton gespielt. Unglaublich, man erkennt sie nicht. Und das ist tatsächlich so der Rahmen davon. Und zu diesem Rahmen springen wir auch immer zurück. Und die ist angelehnt an Rosamond Bernier, die das Magazin Loelle gegründet hat. Und man findet online Aufnahmen von ihr, wie sie genau das macht, was Tilda Swinton in dem Film macht, wie sie vor einem Publikum steht und Diaschos hält und dabei redet. Und es ist verdammt gut getroffen. Aber wirklich, ja. Die Bilder, die ich gesehen habe, die Aufnahmen, da redet sie nicht so vor riesigen Auditorien. Das ist dann eher so, wir stehen hier vor ein paar Gemälden, und hier stehen so 20 Stühle, und wir reden über Kunst. Aber offensichtlich eine Autorin, die sich sehr darin versteht, DIA-Vorträge wirklich spannend und interessant zu erzählen. Und insofern ist diese ganze Geschichte auch ein kleiner DIA-Vortrag. Und es geht eben darum, wie durch einen Zufall ein Kunsthändler, der auch im Gefängnis sitzt wegen einem kleinen Delikt, auf das Bild von diesem Moses Rosenthaler stößt und dann sagt, wow, das ist Wahnsinn, dieses Gemälde. Und wir brauchen mehr davon, und ich will das verkaufen, und ich will das abkaufen, und aus dir machen wir einen Star. Und der dann Rosenthaler quasi freie Hand gibt und sagt, mal uns was. Und es ist auch so schön erzählt, wie Moses als junger Mensch in dieser Kneipe sitzt und da dann so typisch Ebbers Anderson-mäßig die Fahrt rüber zu ihm und dann das Licht, das auf sein Gesicht fällt und er dann anfängt zu knurren, weil er das, was dort gerade passiert am anderen Ende, das der Kneipe nicht akzeptieren kann, und wir wissen, okay, jetzt kommt gleich der Doppelmord. Und dieser junge Schauspieler, der die junge Version von Moses spielt, wird dann einfach irgendwann im Bild live vom alten Darsteller ausgetauscht. Die schlagen einen mal ein oder so was, nicht wirklich, aber der kommt einfach ins Bild, der andere steht ruhig auf, guckt sich einmal an, nicken sich so quasi zu, und dann sitzt sich der Alte hin und ist dann halt ab dem Moment der alte Schauspieler. Diese Theater-Inspiration von Moses Anderson. Ich find's so großartig. Man hat die auch in früheren Filmen, aber ich finde, in dem Film kommt sie so stark durch wie noch nie vorher. Und da sagst du was. Dass er sich unglaublich stark an der Theater-Ästhetik orientiert. Da sagst du was, was ich die ganze Zeit des Films auch später bei der Revolution und so ganz doll zum Tragen kommt. Was ich wahnsinnig toll finde. Das, was Filme sich oft nicht erlauben, diesen Einfallsreichtum, den Theater hat. Ja. Den seh ich hier so sehr und den seh ich so leidenschaftlich bedient und so voller Spielverliebtheit und Lust und so. Und das hab ich beim Film oft nicht. Und das ist so, in dem Spannungsfilm bewege ich mich als Schauspieler, zu sagen, ich will alles Mögliche behaupten können auf der Bühne. Kann aber nicht, weil der Film mir diese Möglichkeiten nimmt. Weil wir immer sagen, es muss alles naturalistisch sein. Und verheiratet diese Dinge einfach so. Und es funktioniert. Es ist großartig. Beim Theater ist dieser Stil ja oft auch aus Not geboren. Wenn ihr die postmoderne Stoßrichtung aus dem Vorlasset, die dann gesagt hat, wir machen aus der Not einen Tugend. Es ist so ein bisschen manieristlich, so was dann beim Film einzubauen. Weil der Film braucht es natürlich nicht. Es wird quasi eine Notsituation erzeugt, die gar nicht da wäre. Und es ist natürlich auch vor allem ein Referenzspiel. Ich mach hier ein bisschen postmodernes Theater noch mit rein. Passt aber in dem Fall auch gut zu der Handlung, weil es dreht sich natürlich auch um moderne Kunst. Also diese Abstraktheit seiner Gemälde und vor allem diese Unverkäuflichkeit, die er provoziert, indem wir dann daraus in Fress kommen. Das ist so geil. Das ist so eine geile Idee. Er ist der geschlagene, leidende Künstler. Der eigentlich in diese Wärterin Simon total verliebt ist. Die seine Liebe nicht nur nicht erwidert, sondern auch richtig kalt abweist. Ich will das gar nicht hören, rede gar nicht erst weiter. Ich weiß, was du sagen willst. Ich liebe dich nicht, Punkt, lass uns was anderes machen. Und er sagt, wow, woher weißt du das? Jetzt schon? Das tut weh. Jetzt schon. Das ist wirklich so schön erzählt, finde ich. Und ich verstehe, wenn man sagt, ich komm an die Figuren nicht ran, weil ich keine emotionale Bindung dazu habe, weil Wes Anderson immer eine kleine Distanz da drin hat. Aber ich finde, dass die Distanz sich irgendwie überbrücken lässt durch kleine, liebevolle Momente, die einem die Figur dann doch näherbringen. Ich find's tatsächlich cool, weil in dem Fall ist es auch einfach so ein nettes, skurriles Piece, das ich mir vorstellen könnte, im New Yorker zu lesen. Es ist einfach eine nette Geschichte. Man glaubt auch nicht alles, was man da liest, was da erzählt wird. Man merkt, dass sie deutlich übertreibt. Die Autorin beziehungsweise Vortragende ist ja auch so sehr exzentrisch und liebt es ja auch, alles etwas größer zu machen und baut die ganze Zeit diese Übertreibungen ein. Aber es ist trotzdem eine schöne, logische Handlung, auch wenn sie zurückkommen und sagen, zeig uns endlich dein Werk. Dann sehen sie das Werk, und es ist fantastisch. Sie sind alle überwältigt, und dann sagt eine Kritikerin, das ist ja ein Fresco, toll. Und er sagt, ja, ein Fresco. Was? Ein Fresco? Weil das nicht verkaufbar ist, kannst niemandem ins Wohnzimmer hängen. Die Gefängniswände, einmal komplett mit einer Reihe abstrakter Gemälde, die übrigens tatsächlich, ich bin kein großer Kunstkenner, aber das sind wunderschöne Gemälde. Und da hat sich auch jemand sehr, sehr lange mit beschäftigt. Ich hab auch darüber ein bisschen was gelesen, ich hab den Namen jetzt wederleinig. Genau, die Bilder wurden tatsächlich von einem deutsch-neuseeländischen Künstler gemalt. Und zwar Sandro Cobb, der lustigerweise mit Tilter Swinton zusammen ist. Ach so! Das ist der Partner von Tilter Swinton. Das hab ich nicht mitbekommen. Das ist geil. Die Filme von Wes Anderson sind so vollen Nepotismen, weil der seine ganzen Freunde und so da reinbringt, die er alle schon mal drin hat, und die bringen dann offensichtlich noch mal ihre Partner mit. Sandro Cobb heißt der, und er bezieht sich wohl auf einen Künstler namens Frank Auerbach, von dem ich allerdings noch nie gehört habe. Der hat noch ganz viele andere Inspirationen und hat gesagt, er wollte auch tatsächlich, dass die Bilder einzigartig sind. Er wollte tatsächlich Bilder erschaffen, die man so in der Kunstgeschichte nicht findet, um eben zu betonen, dass dieser Künstler, der da dargestellt wird, wirklich ein einmaliges Genie ist. Und die Bilder sind wirklich geil. Ich hab die Bilder gesehen und dachte, wow, es ist kein Witz, der da gemacht wird. Man könnte so leicht einen Witz damit machen, mit diesem abstrakten Bild, so er malt seine Muse Simone, und dann ist es nur geklexte auf dem Papier. Man sieht das erste Gemälde und denkt, das ist gut. Ja. Und trotzdem ist der Film nicht ironiefrei damit. Nein, überhaupt nicht. Er spielt natürlich nicht in unserer Zeit, sondern in der Vergangenheit. Wes Anderson, Nostalgie. Ja, natürlich. Und dann diskutieren sie natürlich über moderne Kunst. Sie kennen das Konzept, aber offensichtlich sind die Kunsthändler, die dieser Julian Castasio, übrigens von Adrian Brody gespielt, um noch mal einen brümpenden Schauspieler reinzuwerfen. Dieser Stab ist unglaublich. Es gibt so wahnsinnig viele tolle Schauspieler darin. Er ist von einer großen Kunsthändlerfamilie und er hat seine Onkel dabei. Die gucken sich das an und verstehen es natürlich nicht. Aber sie glauben ihm, dass sich das Zeug wie blöd verkaufen lässt. Womit er ja auch recht hat. Also, wenn es nicht in der Gefängniswand drin wäre, die sich nicht abreißen lässt. Und dann haben wir wirklich diese fantastische Freeze-Frame-Szene. Mhm. Die einfach super ist. Es gibt einen Gefängnisaufstand. Sie haben vorher die Wärter geschmiert. Ja. Gott, war das ständig auch eine schöne Szene. Wir sehen, wie das Geld reingelegt wird in die Hände. Wenn ich jetzt noch mal durchgehe, stelle ich fest, ja. Diese Geschichte wird erzählt in Millionen einzelnen Bildern. Wir haben diese wirklich nette Szene, wo wir sehen, wie die Gefängniswärter geschmiert werden und nach und nach so Fron in ihre Hand gelegt werden. Es gibt einen Counter, der langsam hochgeht. Dann wollen die Gefangenen aber auch geschmiert werden. Als die Kunsthändler das nicht machen, gibt es einen Sturm auf die Ausstellung. Es wird einfach nur gesagt, es gab so viele Tote und Verletzte. Aber unser Moses Rosenthaler wurde freigelassen, weil er sich besonders heldenhaft verhalten hat, als er die beschützt hat. Gerade diese Teil, finde ich, lebt von Wes Anderson's Metrix. Ich hab das Gefühl, ich könnte einen Metronom mitlaufen lassen. Und das funktioniert immer im Schnitt. Er hat einen unglaublichen Rhythmus im Schnitt. Und nicht nur im Schnitt. Man hat fast das Gefühl, dass er am Set auch einen Metronom oder Musik oder so hat laufen lassen, sodass Leute auf Cue bestimmte Sachen machen können. Ja. Es ist der Hammer. Ja, es ist schon krass. Es ist wirklich beeindruckend, das ist bei jedem Wes-Anderson-Film so. Bei diesem Film ist es noch mal ein bisschen konzentrierter, weil er aus so vielen Szenen besteht. Dieser Mann hat ein unglaubliches Talent, dafür Szenen zu arrangieren, Personen sich bewegen zu lassen. Wir haben ganz viele ... Das ist auch so was. Wes Anderson arbeitet mit einer sehr statischen Kamera. Wir haben oft statische Kameras. Die Kamera bewegt sich nicht viel. Sein Kunst besteht darin, eine statische Kamera zu haben und das Bild in Bewegung zu versetzen. Dann bewegt sich alles nach einem sehr einheitlichen Rhythmus. Die Bewegungen im Bild ergeben alle einen Sinn, auch aufeinander bezogen. Das ist so ein bisschen wie, wenn man ein klassisches Gemälde nach goldenem Schnitt sieht, wo sehr viele Details sind, denkt man, das passt da gut hin, das links oben in der Ecke. Sonst würde das Bild in sich zusammenfallen. Das macht Wes Anderson mit Bewegung. Die eine Hand, von dem da oben rechts, muss sich bewegen, genauso wie sich der Fuß von dem unten links bewegt, damit alles in einer flüssigen Bewegung ist. Absolut, das ist unglaublich. Und das mit Farben genauso und wo was verteilt wird, unglaublich. Und das bezieht sich natürlich auch auf die Inszenierung. Du hast kaum einen Satz, der sehr naturalistisch gespielt ist. Die sind alle auf einen bestimmten Ton getrimmt. Das ist alles artificiell, alles stilisiert, verblumt. In dieser Episode haben wir die meisten Untertitel. Da wird am meisten Französisch gesprochen von allen. Nee, in der Revolution, oder? In der Revolution wird auch viel Französisch gesprochen, das stimmt. Vielleicht ist mir am stärksten aufgefallen, weil es da zum ersten Mal vorkommt, dass er mit diesen Untertiteln spielt. Er macht das wirklich schön, weil die Untertitel werden ins Bild reingeworfen. Man muss aufpassen, dass man die richtigen Zeile erwischt. Man hat mal Zeilen drüber, mal drunter geschrieben. Und sie sind einfach Teil des Bilds. Bei Wes Anderson hab ich das Gefühl, er ist fast schon ein Diktator der Katrasch. Da wird alles der Katrasch geopfert. Das heißt, diese Untertitel können nicht schnöde unten drunter stehen und fortlaufend sein, sondern allein. Die müssen ins Bild rein, und die müssen auch leben. Die müssen auch ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Bewegung, ihren eigenen Stil haben. Dann kommen wir zum nächsten, oder? Genau. Was auch ein gigantisches Teil ist, find ich. Ja, die Schachbrettrevolution, ne? Wir haben Studentenproteste. Wir haben den Kampf gegen die Obrigkeit und gegen festgefahrene Strukturen und eine Journalistin mittendrin. Wo sich natürlich Anderson auch auf irgendwelche Sachen bezieht, die tatsächlich passiert sind. Lucinda Crammons ist unsere. Genau, und auf Leute, die tatsächlich diese Geschichten geschrieben haben. Und es gibt tatsächlich Versatzstücke aus Originalartikeln, die im Film dann vorkommen. Mavis Galland hat ziemlich ausführliche Tagebücher aus der Revolution in Paris geschrieben, aus den 60er-Jahren, Studentenrevolte. Und das wird hier teilweise eins zu eins zitiert. Ich weiß gar nicht, ob die Figur an sie so konkret angelehnt ist, aber zumindest die Stilistik, die Art, über Politik zu schreiben und die Art, darüber zu schreiben, involviert zu sein und gleichzeitig zu versuchen, eine journalistische Distanz zu bewahren, was ja komplett misslingt, was aber eben die Spannung von dieser Episode ausmacht. Dass diese Lucinda Crammons zum einen eine Affäre anfängt mit einem Studentenführer. Und zum zweiten sich dann irgendwann auch in die Politik einmicht, zu den Studenten spricht und dann sogar eine Kontrahentin unter den Studentinnen hat, nämlich Juliette, die Geliebte ist, mit dem sie eine Affäre hat. Ich find das sehr süß und liebevoll gegenüber der Jugend, find ich. Diese Folge. Und ein bisschen herablassend durch den Blick der wisen Journalistin, die alle wie Kinder urteilt. Ja, ist richtig, aber trotzdem nicht ohne Liebe. Und das find ich schön. Es hätte auch abgleiten können in die dummen Jugendlichen, die keine Ahnung haben, wie es läuft. Nein, die haben ein eigenes, berechtigtes Interesse und vielleicht noch nicht die Erfahrung, das alles so durchzuziehen, wie sie es müssten. Wir haben natürlich sehr starke Ihre Perspektive. Ich finde es ein bisschen immer draufzugucken, wie auf kleine Kinder, die irgendwie spielen wollen und die nicht begriffen haben, worauf es ankommt. Das führt dann ja auch dazu, dass sie sich irgendwann einmicht und dass dann die Juliette sagt, du kannst dich nicht einmischen. Hallo, journalistische Integrität, was machst du hier? Du bist keine Aktivistin. Das sind die Situationen, die mir wiederum sagen, dass der Film seine eigene übergeordnete ironische Brechung der ganzen Sache gegenüber hat. Also nicht nur, dass sie, wie sie gucken, nicht nur durch die journalistischen Augen, sie gucken auch noch mal durch Wes Anderson's Augen auf diesen journalistischen ... Dafür bleibt das ja relativ dünn, die Kritik an ihr. Es ist ein bisschen Selbstkritik, um der Kritik quasi zu entgehen. Sie thematisiert das einfach, um für sich selbst ein Schutzschild aufzubauen, dass man ihr das nachher nicht vorwerfen kann. Am stärksten fand ich in der Episode tatsächlich die Geschichte um den jungen Soldaten, dem Verrat vorgeworfen wird und von den Studenten, der dann zurückkommt und dann diese Kasern-Szene erzählt mit dem Selbstmord, die wie so eine Theater-Szene aufgebaut ist. Aber da war es vor allem der visuelle Reiz, dass wir einmal so spot-on, wir sehen diese Kaserne, die jungen Soldaten, die sich unterhalten, und ein Soldat, der irgendwie nichts mehr da drin sieht und dann aus dem Fenster springt, und dann treten die alle nach vorne zur Bühne und gucken, lebt er noch, bewegt er sich, und dann haben wir tatsächlich die Bühnenlichter unter ihnen. Es war einfach wieder eine sehr schöne Vignette. Absolut. Ach, und ich hab mich so gefreut über jede kleine Idee, die dazu kam. Wirklich so schön. Und dann fahren Sie mit dem Motorrad in die 80er? Nein, die haben Sex. Ach so. Aber dann sind wir plötzlich in so einem Musikvideo aus ... Ja, natürlich. ... mit Farben, ne? Also, wir kommen aus Schwarz-Weiß, und dann sitzt Sefirelli mit Juliette auf dem Motorrad. Und das ist ganz romantisch, und die Romantik wird betont. Dann haben wir diese krasse Perspektive von unten nach oben zu Ihnen. Und dann ist es rot, blau, rot, blau, rot, blau. Plötzlich haben wir wirklich diesen Farbenrausch, der so ein bisschen ... Eigentlich wirkt er wie so ein Musikvideo von heute, das versucht die Musikvideos der 80er so ein bisschen zu imitieren. Weiß ich nicht genau, aber Sie sagt ja ein paar Minuten vorher, go make love. Stimmt. Und natürlich ist das der Zug, der in den Tunnel fährt. Jetzt ist Sex. Wahrscheinlich ist es so banal. Ein weiterer Punkt gegen Wes Anderson. Nein! Es ist wirklich schön. Und dann haben Sie irgendwie Ihre Revolution hat nicht funktioniert, weil Sie zu lange diskutiert haben. Sie auch überhaupt nicht wissen, wo Sie hinwollen, und weil Sie sich in diesen Flügelkämpfen auch selbst aufreiben. Letzten Endes diskutieren Sie eigentlich nur darüber, wer der richtige Revolutionär ist und wer von Ihnen der beste Revolutionär ist. Das ist so wahr, aber trotzdem liebevoll, finde ich. Ich finde es trotzdem sehr liebevoll erzählt. An der Episode mag ich auch vor allem, dass er so mit der Katrasche spielt. Weil das ist die Episode, die sehr oft die Academy-Ratio aufbricht für großes CinemaScope. Ja, das stimmt. Und dann auch noch mal das rausfährt, zusammenfährt, dann gibt es noch mal ein Splitscreen, dann gibt es noch mal Text links, Bild rechts. Und das Spiel mit der Katrasche in dieser Episode ist einfach stark. Dann gehen wir weiter. The Private Dining Room of the Police Commissioner von Roebuck Wright, der angelehnt ist an den Autoren James Baldwin. Der offensichtlich, in meiner Recherche, ich hab von James Baldwin beschämenderweise nicht viel gelesen, der ja vor allem diese Einsamkeit des Künstlers nach vorne stellt, streckenweise, ich weiß nicht genau. Ja, und vor allem aus der Perspektive eines Menschen erzählt, sowohl wegen seiner Sexualität als auch wegen seiner Hautfarbe ausgegrenzt ist. Also, James Baldwin war auch 1929 geboren und war dann, hat lange in Frankreich gelebt, weil er den Rassismus in den USA nicht mehr ertragen konnte. Und ist dann allerdings auch wieder in die USA zurück und hat sich sehr stark in der Bürgerrechtsbewegung engagiert. Und der wurde, ich musste meiner Schande gestehen, ich kenne ihn auch nicht, der wurde wiederentdeckt im Zuge der Black Lives Matter-Bewegung. Ah, in unserer Zeit jetzt. Okay. Weil der Name, den hab ich schon ein paarmal gehört, und ich dachte, das ist so eine ganz normale geschichtliche Popkultur, die kennt halt jeder, nur ich wieder nicht. Nee, ich kann das auch nicht. Also, was ich gelesen habe, ganz spannend, weil offensichtlich war er tendenziell eher ein politischer Autor, der sich sehr stark mit politischen Ungerechtigkeiten auseinandergesetzt hat. Und die Geschichte, die wir hier hören, ist ja so komplett überhaupt nicht politisch. Also, ich hab das Gefühl, hier ging es Anderson darum, die Manierismen von dieser Person zu übernehmen, dieses Verhalten, das Ganze wird wieder gerahmt durch eine Talkshow, in dem Fall, wo dieser Robo-Cry von einem Talkshow-Host befragt wird. Robo-Cry gespielt von Jeffrey Wright, der Talkshow-Host, gespielt von Leif Schreiber. Und in der Episode tauchen dann auch noch irgendwo Willem Dafoe und Edward Norton und Sorce Ronan auf. Nur noch mal kurz zu sagen, hier sind lauter Stars. Das ist unglaublich. Und die haben echt alle gesagt, wir haben noch mal einen Film geguckt dazu, gesagt, selbst wenn ich keinen Text gehabt hätte, ich wäre für Wes Anderson gekommen. Es ist unglaublich. Sie haben ja auch teilweise praktisch keinen Text. Ich mein, wie viel Sprechrolle hat Edward Norton in diesem Film? Und wie viel hat Christoph Walz zu sagen? Auch nichts. Fuck, wo war Christoph Walz noch mal? Er war in der Szene, wo sie, also in der Revolution war das, und sie geht mit ihm dann mit dieser Gasmaske raus. Und da ist gerade der Freund der Familie zu besuchen, das ist Christoph Walz. Genau, hallo, hier bin ich auch noch. Ich winke mal kurz ins Bild, dann bin ich wieder weg, so in der Art. Auf jeden Fall unterhalten die sich in dieser Talkshow darüber, dass das Robo-Cry irgendwann mal eingeladen war zu essen bei einem berühmten Koch, der gleichzeitig Polizist ist, und der für seine Kochkunst total berühmt ist. Er will eigentlich über Essen schreiben, über dieses besondere Essen schreiben, was dieser Nescafé zu bieten hat. Und während dieses Essens wird allerdings der Sohn des Police Commissioners namens Gigi entführt. Und dann wird halt diese Geschichte erzählt, wir haben plötzlich einen Krimiplot. Worüber sich der Editor des Magazins auch später beschwert. Wir erfahren immer am Anfang der Episoden, für welche Kategorie hier geschrieben wird, es geht einfach mal um Essen, und er schreibt hier diesen Krimi von dem entführten Gigi und von dem Nescafé, der das Essen vergiftet, um die Entführer alle zu vergiften. Und es ist diese Episode gewesen, wo ich beim ersten Mal gucken im Kino echt abgedriftet bin und einfach ausgesch... Mein Kopf war einfach zu voll, ich hab's nicht mehr geschafft. Und jetzt beim zweiten Gucken, konnte ich viel mehr genießen, fand's auch ganz cool. Aber ich finde, irgendwie kommt man da nicht so richtig gut durch wie bei den anderen Geschichten. Aber irgendwie so viele Abschweifungen, die mir irgendwie Schwierigkeiten bereiten, dieser Geschichte zu folgen, das knirscht ein bisschen. Ja, ich glaube, er springt da so ein bisschen zu sehr zwischen den Zeiten und zwischen den Themen. Aber vielleicht will er auch, um mal Wes Anderson zu retten, ja, okay, jetzt bist du. Vielleicht will er tatsächlich auf die Problematik des Textes hinweisen, weil unser Herausgeber ist ja offensichtlich auch nicht so wirklich glücklich mit diesem Text. Der sagt ja auch so, ich hab eigentlich was anderes erwartet. Und du hast wirklich den besten Teil, willst du draußen lassen? Ja, was für mich die Schwäche des Films ist an der Stelle. An der Stelle denke ich nämlich, du hast uns erzählt, dass dieser Editor richtig gute Autoren da hat. Und dann passiert dem Autoren, dass er das Wichtigste rauslässt? Ich glaub's ja nicht. Na ja, es ist halt so eine Haltungsfrage, ob man das als das Wichtigste ansieht. Nein, das ist doch das, das ist ganz eindeutig das Beste. Es ist ja auch so geschrieben, dass es eindeutig das Beste ist. Es ist die Frage, wo man herkommt. Also, was die Geschichte erzählen will. Und diese Geschichte schlingert ja total, weil er will eigentlich von gutem Essen schreiben, ne? Es geht ihm eigentlich um gutes Essen. Und dann haben wir ja, die Entführer werden vergiftet und dann wird dieses Essen gezeigt, womit sie vergiftet werden. Dieser Krimiplot ist eigentlich total unwichtig, weil wir sollen erst mal sehen, was da alles Leckeres aufgeticht wird. Aber natürlich ist doch gerade, wenn man über Essen schreibt, das Wichtigste, dass der Koch einen Geschmack hatte, den er vorher nie geschmeckt hat. Zu tragisch. Ganz eindeutig zu tragisch. Ja, ich keine Ahnung. Aber das ist die Pointe des ganzen Dings. Und die wegzuschmeißen, das würde einfach keinem passieren. Das glaube ich einfach nicht. Um die ZuhörerInnen kurz abzuholen, der Koch wird dann beauftragt, die Entführer zu vergiften. Also er bringt ihnen Essen und das ist vergiftet. Und die Entführer sagen dann zu ihm, ne, wir essen das nicht, das ist doch bestimmt vergiftet. Und dann nimmt der Koch das und isst das Stück für Stück, weil er hat einen sehr robusten Magen und überlegt deswegen. Die tragische Pointe ist, dass er am Schluss noch mal mit unseren Autoren redet und ihm dann sagt, das war ein einzigartiger Geschmack, das war das Beste. Ich hab so was noch nie schmecken können. Und das ist doch großartig, das ist doch toll. Das ist ein toller Pointe. Ja, bin ich ganz bei dir auf jeden Fall. Ich glaube, je nachdem, wo man herkommt, kann man sagen, es ist einfach nicht so wesentlich, weil hier keine tragische Geschichte erzählt werden soll, sondern einfach eine nette Verquickung von kulinarischem mit Thriller-Handlung. Mit einem Comic-Einspringsel. Ja, genau, sag mal was dazu. Zeichentrick-Szene, wir haben hier eine Zeichentrick-Szene. Ich find's ganz großartig. Rin Tin Tin, also oder wie heißt es? Tin Tin, nur Tin Tin. Tim und Struppi, bzw. dieser ganze thematische Zeichensstil aus Frankreich und Belgien aus der Zeit, aus den 60er-Jahren, wird hier zitiert. Ich hoffe, ich sprech das richtig aus. Lignes Claire ist dieser belgische Stil, den man hierzulande vor allem aus Tim und Struppi kennt. Ja. Hergé ist der bekannteste Künstler, der das gemacht hat. Aber es gibt offensichtlich in Belgien eine ganze Reihe von Comics und auch Zeichentrick-Filmen, die in diesem Stil gezeichnet wurden. Und zwar sehr reduziert, sehr klare Linien, sehr einfache Zeichnungen und viel Bewegung. Und ganz wichtig, einen kurz angeheuerten Gewichtheber, der aufs Auto springt und die ganze Zeit auf dem Auto hängt, wenn die Verfolgungsjagd ist. Und dann machen die irgendwo halt, er fällt da in so ein, weiß nicht, macht ein Loch in die Wand, weil er da gegenfällt. Und dann machen die irgendeinen Umweg, kommen aber da wieder an, und dann springt dieser Typ da einfach wieder aufs Auto, auf die Motorhaube, und es geht weiter. Das ist so bizarr. Diese Figur ist vollkommen überflüssig für den Film. Sie wird einfach dann gezeigt, und der war übrigens auch noch da, als der starke Mann, der uns helfen soll, die Entführer aufzuhalten. Und dann sind alle vergiftet, Edward Norton als Einziger nicht, weil ihm das Essen nicht geschmeckt hat. Er flieht dann mit dem Kind, und dann haben wir diese wilde Verfolgungsjagd mit dem Auto, wo dieser Typ die ganze Zeit an der Frontscheibe klebt. Dieser stämmige Typ, der sich an der Frontscheibe festhält, weil es seine Aufgabe ist. Der hat 15 Leute, die das Ganze animiert haben und so, engagiert, die sieben Monate gebraucht haben, das hinzukriegen, alles. Sieben Monate für diese Sequenz. Ja. Das ist unglaublich. Es ist eine wunderschöne Sequenz. Aber tatsächlich das erste Mal, wo ich das Gefühl habe, der Film verliert so ein bisschen seinen Rhythmus, weil das jetzt auch noch reingestoft werden muss. Weil es wirklich toll ist. Ja, das stimmt. Aber dafür, dass davor überhaupt nicht mit so was gespielt wurde, wirkt es so ein bisschen noch, oh, da haben wir noch Platz, das müssen wir jetzt auch noch reinfropfen. Was vielleicht auch im Magazin Gedanken sehr logisch ist. Vielleicht. Gut hergeleitet, vielleicht. Aber das ist so die einzige Schwäche, finde ich, dass dieser vierte Teil ein bisschen wonky zusammengebastelt ist. Bisschen neugierig, ne? Genau. Und dass irgendwie, weiß ich nicht, dem Schriftsteller da irgendwie das passiert, das hat die wichtigste, die Pointe der Story. Nee, das würde ihm nicht passieren, glaube ich. Auch wenn du das vielleicht anders siehst. Aber na ja. Dann haben wir noch unseren Epilog. Unseren Epilog, der Editor des Magazins stirbt. Die haben alle noch ein paar nette Worte zu sagen. Kein Weinen. Es darf nicht geweint werden, ja. Und dann wird er davongetragen. Ja, und sie schreiben wirklich schön zusammen diesen Nachruf. Da wird noch mal gezeigt, was diese Redaktion für einen Zusammenhalt hat. Weil sie dann wirklich ... Jemand setzt sich an die Reppmaschine und fängt an zu tippen. Und die anderen werfen Nach- und Nachsätze ein. Und zwar wirklich so einer nach dem anderen. Das ist ein gemeinsamer Nachruf. Dann sind sie alle arbeitslos, weil der Arsch von Herausgeber gesagt hat, wenn ich sterbe, dann stirbt das Magazin. An der Stelle dachte ich auch, vielleicht hab ich die Hoffnung, dass Plor der Film doch gefällt. Weil das so an dieses Schriftstellerding, an diesen Ethos, der vielleicht auch ein bisschen in Pathos endet, gefallen könnte. Also, ich finde, dieser Schriftsteller-Pathos, der in dem Film aufgebaut wird, ist ein unglaublich konservativer Pathos. Und ich möchte mal einmal was zitieren noch. Ja. Und zwar Thomas Asseuer, der sich zur Zeit dieser Relotius-Affäre des Spiegels mit einem Text für die Zeit damit auseinandergesetzt hat. Und der hat gesagt, na ja, Claas Relotius hat so ein bisschen was Postmodernes an sich. Mhm. Aber er hat auch was ganz krass Konservatives an sich. Und ich glaube, das ist was, was man grundsätzlich in diesem verplümten Reportagenstil findet. Und Thomas Asseuer schreibt dazu. Indem man ihre Modernisierungsschäden durch tröstende Erzählungen kompensiere. Und ich glaube, noch mal kurz weiterzutrinken, um das Postmodern noch mit reinzubringen, die Postmoderne Denkschule behauptet, die Realität existiere gar nicht, sie sei ein Konstrukt. Und Konstrukte soll man besser nicht anrühren, denn am Ende machen man sie noch kaputt. Ich glaube, dieser Konservatismus, der trägt sich durch den ganzen Film, dass es diese tröstende Erzählung gibt, diese knallharte Nostalgie und dieses Romantisieren einer bestimmten Art, Journalismus zu betreiben. Und ich glaube, in unserer Zeit, wenn man sich filmisch mit Journalismus aussetzt, ist das wirklich schwierig. Weil das ist ein Teil, eine Krisenerscheinung des Journalismus. Genau diese Nostalgie und genau diese Art zu erzählen, hat den Journalismus mit in diese Krise geritten. Aber kann man das nicht einfach als Nachruf begreifen? Wie wenn du ... Ich meine, natürlich, ich beerdige meinen Opa meinetwegen. Und er lebte nicht mehr in unserer Zeit so richtig. Aber man hat ihn doch gern gehabt. Aber dafür wird es zu sehr als Gegenkonzept zum Heute entworfen. Ich glaube nicht, dass Royce Anderson sagen will so, und das ist jetzt das, wie wir unsere Nachrichten stricken sollten. Ich glaube, Royce Anderson sagt in diesem Film, alle fünf Minuten früher war alles besser. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Nein, das glaub ich nicht. Wirklich nicht. Dafür ist es einfach, so entrückt es auch Royce Anderson nicht. Entschuldigung. Ich glaube, es ist ein Visuell, auch für Royce Andersons Verhältnis, weil er wirklich noch mal ein draufsetzt, was so das Verspielte betrifft. Visuell ist es ein sehr progressiver Film, aber inhaltlich ist es ein sehr konservativer Film. Ja, vielleicht. Aber das stört mich null. Ach. Aber ist das nicht vielleicht auch einfach, wo man sagt, okay, es gibt verschiedene Ansätze und man kann an jedem ... alles braucht auch seine eigenen Darreichungsformen? Ja. Ja, auf jeden Fall. Ich würde dem Film auch nicht sein Existenzrecht absprechen. Aber das macht es zumindest für mich persönlich schwierig, diesen Film einfach so schauen zu können, weil ich seh in ihm dafür einfach zu viel naive Nostalgie. Und zu wenig kritische Haltung und zu wenig hinter das Ganze blicken. Ich seh in diesem Film eine große Fassade. Das, was Royce Anderson macht, er baut ein wunderschönes Haus auf. Aber hinter der Fassade ist halt nix. Wir können das natürlich 100 Minuten lang betrachten und finden das total schön und so weiter. Aber sobald wir reingehen, stellen wir fest, das ist ziemlich leer. Ach, mich stört das nicht. Das ist ein Märchen. Es ist ein Märchen, ja. Und ich glaube, auch als Märchen kann man das genießen. Wie gesagt, der Film, der überrennt einen ja damit. Es ist ja wirklich so ... Und das kann man so negativ ausdeuten, dass man erschlagen wird, aber dafür bin ich dann eben doch zu bildverliebt. Dafür hab ich dann doch zu sehr eine Schwäche für starke visuelle Erzählungen und für originelle Ideen. Und davon ist dieser Film übervoll. Und das kann einen auch nerven. Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die das nervt, dass die sagen, das ist zu viel. Das erschlägt mich. Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn da noch mal ein schönes Bild kommt. Aber das nehm ich dem Film alles ab. Dafür hatte ich halt auch wirklich 108 Minuten lang und hab die Freude daran, einfach diese Bilder zu genießen. Aber es ist halt flach. Oh, den letzten Satz schneid ich raus. Wollen wir mal zu unserer Top 3 springen? Ja, springen wir mal zu unserer Top 3. Schnell. Unsere ... ähm ... Top ... 3. So, was haben wir denn? What the fuck? Ja, ich hab gedacht, weil ich beim ersten Mal aus dem Kino kam, gedacht habe, what the fuck did I just see? Weil ich einfach nicht ... Ich hatte nicht genug Kapazität mehr im Kopf, um das wirklich zu überblicken. Und deswegen dachte ich, wir machen mal ne Top 3, wo man den Film sieht und denkt, what the fuck did I just see? Kannst du in beide Richtungen deuten, also positiv wie negativ. Also honorable wie dishonorable. Ich hab beides drin. Ich auch. Ich hab sogar zwei Listen. Oh, eine negative und eine positive. Das ist doch großartig. Dann kann ich mal ne honorable Mansion reinschmeißen. Mach mal. Den haben wir zusammen gesehen, aber ich weiß es nicht mehr. Ich hab ihn mit Leuten aus dem WG-Umfeld gesehen. Ich weiß, Maya war dabei. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass du auch dabei warst. Aus dem Jahr 2004 von Takashi, Mieke, Iso. Und alle saßen da und haben ... Äh ... Danach ... Also, außer mir, ich hab gesagt, geil. Haben genau so reagiert, what the fuck. Ich war nicht dabei geglaubt. Iso ist ein Film von über einen untoten Samurai, der durch die Jahrhunderte reist und dabei Menschen abschlachtet, begleitet von Kazuki Tomokawa, einem der besten Liedermacher aller Zeiten. Japanischer Liedermacher. Wenn ihr mal wirklich geilen, abgefahrenen Folkshit aus Japan hören wollt, hört euch Kazuki Tomokawa an, der auch der schreiende Philosoph genannt wird. Und zwar ... Brüllt er in der Gegend rum? Der macht Gitarre und er singt. Und er singt auch sanft und fragil. Und dann fängt er plötzlich an zu schreien. Und es ist einfach großartig. Du kannst mal Conny fragen, die mit mir eine Zeit lang zusammen in der WG gewohnt hat. War ziemlich genervt, dass ich mal so eine Faser hatte, wo ich ein halbes Jahr lang jeden Tag Kazuki Tomokawa gespielt habe. Iso ist ein total schräger Film, es geht um diesen untoten Söldner, Geist, whatever, der durch die Zeiten reist und dann immer irgendwie philosophische Fragen gestellt kriegt. Und er reagiert damit, dass er die Leute auch umbringt. Und es ist so ein Film, der sich auf japanische Folklore und Mystik und Philosophie bezieht, von der man als westlicher Zuschauer zehn Prozent versteht. Okay. Wenn überhaupt. Und es ist total schräg abgefahren. Ich hab den auch nicht verstanden. Ich weiß nicht, was mich bezogen hat. Ich kenn mich zu wenig aus mit diesem ganzen Symbolismus. Aber es war einfach ein Erlebnis. Für What-the-Fuck-Filme ist Takashi Miike immer gut. Der macht schon seit 40 Jahren Filme und bringt mehrere pro Jahr raus. Und alles querbeet, auch tatsächlich mal einfache Geschichten, aber halt auch so was wie ein Zombie-Musical. Ja. Und einen kaputten Superheldenfilm oder einen Yakuza-Film, in dem der Protagonist in der Hälfte des Films zu einer Frau wird. Und ... Okay. Macht fantastische Filme, die wirklich sehr komisch sind. Und ich glaub, ich muss dir mal einen Takashi-Miike-Film geben. Okay. Soll ich einfach mal meine Dishonourables raushauen? Haus sie raus. Genau. Ich hab tatsächlich beide Listen vor allem aus dem zusammengestellt, was wir schon geguckt haben. Oh, interessant. Dann sind ganz viele Filme da, die ich dir vorgeworfen hab. Ganz genau. Dishonourable, ich bin gespannt. Ich will dir mal ... einmal zeigen, was du mir alles für Scheiße vorsetzt. Also, Dishonourable, die schlimmsten Filme, die wir zusammen geguckt haben. Wo man danach sagt, what the fuck ist das? Und zwar auf Platz drei. Nicht ganz oben, Gott sei Dank. Hausu. Oh Mann, warum? Der war so toll. Weil man wirklich danach da vorsitzt und denkt, oh mein ... Und deswegen auf Platz drei, nicht Platz eins, weil man noch denken kann, ja, okay, ein paar ... Also, es gibt schon Vergnügen in bestimmten Dingen. Wir haben darüber geredet, ihr könnt euch das gerne anhören. Ich bin nicht gänzlich zerstörerisch beim Besprechen. Ein surreales Spukhausmärchen aus dem Jahr 1977, auch aus Japan. Ganz tolle Mischung aus Teenager-Romantik und Horrorfilm. Und ein ... und Blut, in dem man dann schwimmt am Ende. Ja. Nein. Und viele lustige Momente. Es wird auch gesungen dazwischen, und alle haben Spaß gehabt. Mit einem Lächeln und vielleicht einer Träne. Danach kommt sehr nah an den Platz eins. Auf Platz zwei kommt Holy Mountain von Jodorowsky. Nee. Jaja, Alejandro Jodorowsky, 1973, warum tust du mir das an? Es ist so ... Aber das hab ich dir schon anderthalb Stunden um die Ohren gehauen. Es ist unglaublich. Du weißt überhaupt nicht, was das soll. Du denkst dir die ganze Zeit, boah, hör auf, ich will nicht mehr ... Ich hätte ihn ausgemacht, wenn wir nicht hätten drüber reden müssen. Was für ein großartiger, surrealer Mystizismus. Es ist halt Surrealismus, ne? Man kann Surrealismus akzeptieren, wenn man vorher das weiß, dass es kommt, dass es surreal wird. Ich wusste es und konnte es trotzdem nicht akzeptieren. Weil Jodorowsky so viel Scheiße gebaut hat, so viel auf einen Haufen geworfen hat. Und so viel ... Guck mich an, ich bin bedeutungsvoll. ... dabei hatte. Zu viele schöne Bilder, zu wenig zusammenhängende Geschichte. Sind wir etwa wieder bei Wes Anderson? Ich hab noch nicht gesagt, dass er schöne Bilder hat. Aber der Film war voll mit schönen Bildern. Ja, es gab ein paar schöne Bilder. Aber nicht bei weitem so viele, wie du jetzt andeutest. Nein. Und auf Platz eins, der schlimmsten, what the fuck, was hab ich gerade gesehen, ist Inland Empire. Oh, David Lynch, 2006, Surrealismus. Noch mehr Surrealismus. Wo mir Laura Dern so weh tut. Aber ich mag sie eigentlich. Aber dass sie auch immer wieder solche Sachen mit ihm machen will, finde ich verstörend. 180 Minuten, Laura Dern stolpert durch ein von David Lynch aufgebautes Set, spricht ein bisschen Polnisch und am Schluss. Zwischendurch wird der Locomotion getanzt. Ah ja, ganz toll. Und Hasen kommen. Und Hasen kommen vor in einer Sitcom. Eine Freude für die ganze Familie. Unglaublich, ganz toll. Mit einer wirklich professionellen Kamera, wo alles ein Film, wo alles stimmt. Wenn man sich daran erinnert, wie wir darüber geredet haben. Einer der Pioniere des digitalen Videos. Das sieht aus wie ein Hochzeitsvideo von einem, der noch nie eine Kamera in der Hand hatte. Aber was für ein Hochzeitsvideo. Wenn ich heirate, soll mein Hochzeitsvideo genauso aussehen. Ich werde David Lynch anrufen und fragen, ob er dann Hochzeit filmen kann. Okay, jetzt muss ich meinen Platz drei von meinen durcheinander geworfenen Honorable und Dishonorable reinwerfen. Ja. Mein Platz drei ist tatsächlich ... Also, auf jeden Fall Honorable. Aber ein Film, ich weiß, es ist ein Klassiker. Ich bin ... Ich hab's mehrmals versucht. Und ich hab's nie so ganz verstanden, warum. Es ist auch Surrealismus. Und zwar einer der surrealen Filme schlechthin. Letztes Jahr in Marienbad von Alain Renet. Ein Film, der wie ein Gottesdienst gebaut ist. Du hast die ganze Zeit diesen Orgel-Sound. Und die Kamera schwebt durch ein Hotel. Ja. Und ein Mann und eine Frau unterhalten sich darüber, was letztes Jahr in Marienbad vorgefallen ist oder nicht. Ja. Und dann sehen wir Menschen da stehen wie so Puppen, die sich nicht bewegen. Und die Kamera ist die ganze Zeit eben durch diesen Raum und durch dieses Gebäude am Schweben. Wir sehen keine Handlungen, sondern wir hören sie eigentlich nur. Und ich versteh ihn nicht. Ich versteh ihn einfach nicht. Ist das gut oder ist das schlecht? Also, ich hab ... Ich glaube, er fällt nie in die Richtung. Ich hab versucht, diesen Film zu mögen, aber ich schaff es nicht, ihn zu mögen. Es gelingt mir einfach nicht. Ich hör immer mal wieder, dass er sehenswert ist und dass er gut sei. Man muss diesen Film gesehen haben, aber ich weiß nicht, ob ich ihn als gut bezeichnen würde. Es ist wirklich ein krasser Film. Der diesen Pathos und diese Gewalt von einem Gottesdienst die ganze Zeit vor sich herträgt. Mhm. Der dabei aber nirgendwo hinläuft und der Realität nicht ernst. Man weiß wirklich nicht, was real und was irreal ist. Was ausgedacht ist, was Geschichte ist, was stattfindet. Man weiß nicht mal, wo man ist in der Zeit, in welchem Jahr man sich gerade befindet oder in welchem Jahr man sich befindet hat, wie lange die reden. Ich hab mich gestört, dass du nicht weißt, wo man ist. Aber bei dem Film macht sich so viel Spaß. Okay. Vielleicht müssen wir den irgendwann mal gucken. Wahrscheinlich. Ich fänd's spannend, weil ich hab das jetzt schon von ein paar Seiten gehört. Mein Platz 3, der honorable Version, wäre Eraserhead. Oh, ja. Nochmal David Lynch, den ich tatsächlich gut ... Was mir bei Indian Empire schwergefallen ist, ist der Eraserhead tatsächlich einigermaßen leichtgefallen. Auch wenn man natürlich da sitzt und denkt, hä, hä, hä, nein, zeig mir das nicht und solche Sachen. Auch ekelhafte Sachen dabei, wo man echt denkt, äh. Aber im Großen und Ganzen, wenn man danach davor sitzt, denkt man sich schon, ja, gut, irgendwie. Aber es ist auch lange her, dass ich den gesehen hab, vielleicht würd ich das heute anders empfen. Weiß ich nicht genau. Eraserhead. Mein Platz 2. Ist ... vielleicht muss ich den auch mal geben. Vielleicht müssen wir den mal gucken. Ein relativ aktueller Film. Faithful Findings von Neil Preen. Neil Preen ist einer von den Regisseuren, die alles machen. Also Hauptdarsteller schreiben, produzieren. Oh, okay. So ein Tommy Vizot. Oh, wow. Und in Faithful Findings geht es darum, dass ... Okay, du weißt nicht, worum's geht. Weil das Film nicht verreitet, worum's geht. Ein von Selbstzweifeln geplagter Schriftsteller wird angefahren. Du musst das ablesen, Flor. Und hat seitdem merkwürdige Träume. Und trifft dann eine Psychologin, die er schon aus Kindertagen kannt. Eine Ärztin, die war zufällig im Krankenhaus, die kannte er schon aus Kindertagen. Und sein Freund wird von seiner Frau umgebracht. Und dann kann er Krebs heilen. Nee, Krebs heilt er in einem anderen Film. Aber er kann sich teleportieren. Und dann gibt's diese mystischen Steine. Und jemand jagt ihn und schießt auf ihn. Okay, wir müssen diesen Film nicht gucken. Es ist ein total absurder Film, er ist wirklich schlecht. Es ist ein totaler Trashfilm. Neil Preen ist ein bisschen der David Lynch des Trashfilms. Was? Weil man weiß nie so genau, ob seine Handlungen inkohärent sind, weil er das will, weil er surreal sein will. Oder einfach, weil er es nicht kann. Okay. Es ist wirklich auf eine absurde Art unterhaltsam. Weil es gibt so viel komisches Zeug, was da passiert. Okay. Und es ist total schräg. Er entscheidet sich dann irgendwann, dass er sich in die Regierungstateien einhacken will, um deren böse Geheimnisse aufzudecken. Wir erfahren nicht genau, was es ist. Neil Preen hat immer diesen libertären Schlag, dass die Regierung korrupt ist und will das herausfinden. Dann sitzt er da mit seinen Laptops, der Film ist aus dem Jahr 2012. Laptops aus dem Jahr 2000. Man sieht, dass das so Props sind, die er günstig gekriegt hat. Tippt dann einfach wild auf den rum und schmeißt sie durch die Gegend. Am Schluss begehen die Politiker alles Selbstmord, weil er ihre dunkelsten Geheimnisse offenbart hat. Ein fantastischer Film, unbedingt gucken. Faithful Findings, Neil Preen, großartiges Werk. Okay, mein Platz zwei ist in diesem Fall I'm Thinking of Ending Things. Oh, toller Film. Der erst in der Nachbesprechung gut wird. Und ist er noch ein What-the-Fuck-Film, wenn man die Nachbesprechung hinter sich hat? Ja, immer noch, natürlich. Gut. Also, es ist nur so, dass man so ein paar Brocken dann rausfindet und sich denkt, ah ja, okay, es gibt so ein paar Hinweise für bestimmte Dinge, und man kann den Film auf eine bestimmte Art und Weise lesen. Und dann denkt man, oh, voll cool. So irgendwie. Aber während man ihn guckt, ohne Vorwissen, ohne zu wissen, dass man jetzt ein surreales Werk vor sich hat, denkt man die ganze Zeit, äh, ich komm nicht mehr mit. Ich weiß nicht mehr, was, welches Verhältnis hat er zu ihr? Welches Verhältnis hat sie zu ihm? Um wen geht es hier eigentlich? Hat sie jetzt dieses Gesicht oder hat sie doch das andere Gesicht, was da plötzlich irgendwo zwischendurch ist? Wie sind die Eltern drauf? Sind die, wie alt sind die Eltern eigentlich? Weil so viel gesprungen wird in verschiedenen Varianten dieser Geschehnisse, dass du einfach nichts mehr weißt. Ja. Ich muss dir was sehr Radikales machen auf einer Podcast-Meter-Ebene. Und zwar muss ich Postum die Top 3 aus der letzten Episode ein bisschen abändern. Was? Wir hatten in der letzten Episode Top 3 ohne Ausweg. Ja. Und ich finde, ein Thinking of Ending-Thinks passt perfekt in diese Top-3-Liste rein. Sie ist in seinem Kopf gefangen, wie wir später erfahren. Und ist so eine Wunschvorstellung von ihm, die einen in seiner Fantasie umherirrt. Das erfahren wir aber nicht später. Der Film erzählt uns das nicht. Äh, äh, äh, äh, äh, das ist etwas in der Recherche. Ich finde, das kann man durchaus in den Filmen schon reinlesen, während man die ganze Zeit What the fuck gegen den Bildschirm schreit. Äh, ja. Na gut. Ja, ohne Ausweg, auf jeden Fall. Denkt man während des Films, das stimmt. Okay, zurück zu What the fuck. Ja, mein Platz eins ist von Gaspar Noé, Enter the Void. Weil es ist extrem mutig, einen Film aus der Ego-Perspektive von einer Person zu erzählen. Noch mutiger ist es, diesen Film aus der Ego-Perspektive nicht nur vor dem Tod zu erzählen, sondern auch nach dem Tod. Und dieser Film ist radikal die Ego-Perspektive eines Sterbenden, dessen Geist seinen Körper verlässt und irgendwo in einer Leere umher meandert, wo er dann Spuren aus seinem Leben aufgreift, Spuren aus der Gegenwart, aus der Vergangenheit. Und dieser Film ist einfach radikales Motivkino, wo man nie genau weiß, wo man gerade ist, weil man einfach von Bildern zerdrückt wird. Und dann irgendwann wird es auch albern und absurd. Und dann schließlich gibt es die POV eines Penis, der in eine Vagina eindringt. Und man weiß, man sieht etwas ganz Besonderes und fühlt sich auch irgendwie ein bisschen erleuchtet. Ähm, hast du diesen Satz gerade nach dem, eine Kamera in eine Vagina eindringt, gesagt, du fühlst dich erleuchtet und du warst was Besonderes, egal. Ja, sie haben tatsächlich, dieser Film ist total bizarr und laut und wild und dreckig und dauert 160 Minuten. Und es ist, wie gesagt, eine POV von einer Seele, die den Körper verlässt. Ein ziemlich, ziemlich, ziemlich abgefuckter Film. Einer der abgefucktesten Filme, die ich je gesehen habe. Echt? Jede Sekunde wert. Okay. Na gut. Na gut. Dein Platz eins. Glaub ich dir mal. Mein Platz eins ist The Lighthouse. Ja, okay. Ja, stimmt das. Ja, bei dem kann man das auch hin und wieder denken. Hä, hin und wieder? Hallo? Also, am Anfang ist es schon noch einigermaßen stringent, muss man sagen. Also, man hat schon noch das Gefühl, okay, hier wird eine Situation etabliert, ist ein bisschen seltsam alles, aber okay. Aber es wird dann schon echt mit der Zeit sehr abgefuckt und seltsam und weird und what? Ich finde, dieser Film ist so ein aufs Zillow-Leut gepresstes Seemannscarn. Ja, genau. So, wenn dir ein besoffener Matrose in einer Bar eine wirklich gruselige Geschichte erzählen will und dann zwischendurch denkst du, Moment, ist das noch gruselig? Muss ich drüber lachen? Ich weiß es nicht. Moment, warst du da nicht schon? Was erzählst du da? Okay, du hast eine Sexfantasie mit einer Meerjungfrau mit eingebaut. Alles klar, alles klar, mach weiter. Und es ist aber auch tatsächlich, wenn man richtig einsteigt in den Filmen, wenn man es schafft, sich einsaugen zu lassen, dann ist das ja nicht nur die Geschichte eines Betrunken in einer Bar, wo man eine Distanz aufbauen kann, sondern dann wird es wirklich, und das würde ich jedem empfehlen, zu versuchen, sich auf den Film einzulassen, dann wirkt es wirklich wie der Albtraum, den sich früher die Seemänner wirklich ernsthaft erzählt haben. Der ist krass immersiv, der Film, ne? Unglaublich. Und das, obwohl er auch so hardcore 4 zu 3, schwarz-weiß Bild, wirkt so ein bisschen wie eine historische Aufnahme fast, also eine pseudo-historische Aufnahme, die irgendwo gefunden wurde aus dem 19. Jahrhundert. Und trotzdem zieht er dich krass mit rein. Von Robert Eggers aus dem Jahr 2019. Der auch The Witch gemacht hat, den wir auch besprochen haben. Und der jetzt einen neuen Film rausbringt, The Northman, auf den ich wirklich sehr gespannt bin. Da ist Diggins dabei auch wieder hier. Anja Teller-Joy. Anja Teller-Joy, genau. Und Nicole Kidman. Aber es ist eine Hamlet-Geschichte, und der Protagonist ist sogar in einer Krampf von Hamlet. Geil. Tatsächlich habe ich heute den Trailer dazu gesehen und dachte, oh, das sieht gar nicht so gut aus. Oh, echt? Oh, schade. Es kann auch sein, dass der Trailer einfach kacke geschnitten war. Oh, ich hoffe es. Okay. Aber so, es wirkte so ein bisschen plump. Ich weiß nicht, wie gesagt, der Trailer, ich finde gerade bei den Filmen von Robert Eggers kann der Trailer auch echt eine Ehre führen. Ja, ich bin gespannt. Okay, ja, das waren unsere Top 3. Das war unsere Top 3. Plor, wir sind wieder bei anderthalb Stunden. Wollen wir noch schnell Fazit und dann Robert ab? Ja. Okay, also, The French Dispatch. Eine absolute Sehempfehlung. Vielleicht muss man ihn mehrmals gucken, vielleicht muss man ihn auch in Abschnitten gucken. Das könnte man vielleicht tun, indem man einfach sagt, okay, ich habe so viele Bilder gesehen, ich muss erst mal verarbeiten, was da passiert ist, und mache einfach mal Stopp nach der ersten Geschichte und gucke mir den jetzt weiter an, oder an der Desurter oder so. Aber auf jeden Fall, auf jeden Fall gucken und Wes Anderson in seiner Reihenform einmal genießen. Wenn du Wes Anderson magst, wirst du diesen Film lieben. Wenn du Wes Anderson liebst, wirst du diesen Film wahrscheinlich vergöttern. Wenn du Wes Anderson okay findest, wirst du diesen Film auch sehr viel abgewinnen können. Wenn du von Wes Anderson so ein bisschen genervt bist, dann kann es sein, dass du mit diesem Film Probleme hast. Auf diesem Spektrum bist du eher weiter unten, oder wie ist das? Das Fiese ist ja, dass er einfach audiovisuell zu gut ist. Es ist fies, dass der gut ist. Das ist wirklich ungemein bösartig. Ich kann nicht sagen, dass ich während dieses Films genervt war. Also, ein bisschen erdrückt, ein bisschen erschlagen. Er hat mir 108 Minuten einfach mal verdammt viel Spaß gemacht. Yes! Aber sobald ich von den Bildern nicht mehr erschlagen werde und anfangen kann, über die Handlung nachzudenken, dann denke ich, okay, so viel wird davon jetzt nicht bleiben für mich. Ist bei vielen Magazinen so, die man durchblättert? Ja, das stimmt tatsächlich. Gerade bei so Reportagen, wie sie vom New Yorker geschrieben werden, man nimmt letzten Endes doch nicht so viel mit. Man hat vielleicht eine nette Anekdote, die man erzählen kann. Aber dass man wirklich was tiefgreifend dazugelernt hat oder tiefgreifend infrage gestellt wurde in seinen eigenen Ansichten, das findet da eher nicht statt. Ein Hoch auf die Zerstreuung auf dem bürgerlichen Sessel mit Pfeife in der Hand und einer Leselampe. Das kann ich voll und ganz unterstreichen. In diesem Sinne. Sehr schön. Vielen Dank fürs Zuhören und vielen Dank dir, dass du diesen Film angeschaut hast. Vielen Dank, dass du mir mal wieder einen Wes Anderson vorgesetzt hast. Sonst würde ich den ja nicht gucken. Ja, genau. Ich warte auf den nächsten, den ich dann ignorieren kann. Oh Mann, ist wieder einer in der Mache übrigens. Ich bin sehr gespannt, was kommt. Ich bin froh, dass ich den gesehen habe, aber er hat mir mehr Freude gemacht als die letzten Wes Anderson-Filme, die ich gesehen habe. Einfach weil er so krass kondensiert war, hat er mir mehr Freude gemacht. Das dachte ich nämlich auch und hatte es ein bisschen gehofft. Ich hatte ein bisschen mehr erhofft noch, aber ich glaube, ich kann zufrieden sein mit dem, was ich erreicht habe bei dir, Flor. Deinen Horizont vielleicht noch mal wieder ein bisschen aufgemacht in die Richtung. Audiovisuell auf jeden Fall. Also ich habe so viele neue, oh, das kann man auch machen, Filmic-Bilder gesehen. Das reicht auf jeden Fall für die nächsten Wochen. Sehr schön. Jetzt bist du erst mal wieder satt. Ja, definitiv. Okay. Also, euch eine schöne Woche. Wenn ihr wissen wollt, was als Nächstes passiert, also nächste Woche, dann bleibt noch dran. Wir werden euch nach dem Jingle noch mal erzählen, was wir nächste Woche machen. Nächste Woche kann ich mich an Johannes für diesen Film rächen. Oh nein! Ah! Wir haben noch nicht immer das Fenster wieder zugemacht, Flor. Wir müssen jetzt einfach mal reden. Mit offenem Fenster. Mit offenem Fenster. Scheiß auf den Sound. Also, ich habe dich gerade auf den Mic gefragt und du hast mir was gesagt und ich habe gesagt, du musst das wiederholen, wenn ich dir den Film jetzt mit offenem Mikro vorschlage. Man kann mit dir nichts entzündet haben. Du hast mir was gesagt und ich habe gesagt, du musst das wiederholen, wenn ich dir den Film jetzt mit offenem Mikro vorschlage. Man kann mit dir nichts entzündet haben. Man kann mit dir nichts entzündet haben, Flor. Alles immer transparent. Also, Johannes. Ja. Was assoziierst du mit Rambo? Rambo ist für mich immer Hau drauf Action-Bar. Sehr gut, hervorragend. Dann habe ich eine gute Horizontherweiterung für nächste Woche. Und zwar den ersten Rambo-Film. First Blood aus dem Jahr 1982, der nur in Deutschland Rambo hieß. Heißt der schon ... Als er rauskommt, First Blood, haben die da schon gesagt, oh, das ist ein Konzept, das sich 20 Filme lang trägt. Er heißt natürlich First Blood, wegen dem ersten Blut, das vergossen wird. Okay. Ich kann mir vorstellen, was du mit Rambo assoziierst. Das tun viele, die in den ersten Rambo-Filmen nicht richtig gesehen haben oder nicht in Erinnerung haben. Weil sie vor allem die Fortsetzung kennen. Ich bin gespannt, was du davon hältst. Okay, ich auch. Na gut, dann habe ich halt mal ein bisschen Haut drauf Spaß. Was soll's? Genau mein Genreplor. Perfekt, wir sehen uns nächste Woche. Bis dann, ciao. Ciao.