Episode 101: Brief Interviews with hideous men
So. Nu isses soweit. Eine Art Zufallsfilm. Ein Film den wir beide noch nicht kennen, ein Film, der offenbar auch nie genug auf dem Radar der Filmwelt war, dass er sich uns mal angeboten hätte.
Was hat dieser Film zu bieten…?
Brief Interviews with hideous men. Jo. Damit wäre auch schon alles wichtige gesagt.
Vielleicht sag ich es nochmal auf deutsch. Kurze Interviews mit fiesen Männern.
Alles klar soweit, oder?
Jeder der Männer hat eine mehr oder weniger dümmliche bis streckenweise sehr harte Geschichte zu erzählen und weil der Regisseur sich nicht getraut hat, nur einfach die Interviews zu zeigen, hat er noch eine Interviewerin erfunden, in deren Leben wir auch noch Einblicke erhalten. Was auf dem Papier nur wenig actionreich und vielleicht sogar langweilig klingen mag, ist auf der Leinwand… ebenso actionarm und langweilig? Plor wie siehst du das?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 101: Brief Interviews with hideous men Publishing Date: 2022-12-07T13:45:37+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/12/07/episode-101-brief-interviews-with-hideous-men/
Johannes Franke: Bukowski plus Feminismus ist gleich verwirrter Mann, wie wir in diesem Film sehen. Geil, dass du mal das Intro singst, hätte ich nicht gedacht. Herzlich willkommen, wir haben überhaupt gar keinen richtigen Test gemacht, wir wissen gar nicht, ob es wirklich gut klingt. Ja, aber jetzt sind wir total committed, uns hier einfach so zu starten. Willst du sagen, was wir gemacht haben? Ja, also wir haben folgendermaßen uns eine Liste gemacht von Filmen, die gut klingen, die wir aber noch nicht kennen. Wo wir das Gefühl haben, nach dem Titel muss man diesen Film eigentlich gesehen haben. Aber war das nicht in der Singing in the Rain-Folge? Ah, jetzt wird's spannend. Das ist gut möglich. Ja, das ist nämlich die andere Jubiläumsfolge gewesen. Weil wir ja auch zwei Mitglieder dieses Podcasts sind, konnten wir natürlich nur zwei Jubiläumsfolgen machen. Genau, die 99 und die 100. Wir geben uns gegenseitig Filme auf, in der Hoffnung, dass wir den Horizont des anderen erweitern. Kanntest du den Film vorher? Ich kannte den Film vorher nicht. Wusstest du, dass dieser Film existiert? Ich wusste auch nicht, dass dieser Film existiert. Du auch nicht, oder? Nee. Ja, auch ein bisschen. Aber wir können ja gleich mal reingehen. Ich werde erstmal meinen Text kurz zum Besten geben, damit wir wissen, worum es geht und dann in die Diskussion starten. Let's go. So, nun ist es soweit. Eine Art Zufallsfilm. Ein Film, den wir beide noch nicht kennen. Ein Film, der offenbar auch nie genug auf dem Radar der Filmwelt war, dass er sich uns einmal angeboten hätte. Was hat dieser Film zu bieten? Brief Interviews with Hideous Men. Jo, damit wäre also auch schon das Wichtigste gesagt. Gehen wir also in die Diskussion. Nein, Moment. Also, vielleicht sage ich es nochmal auf Deutsch. Kurze Interviews mit fiesen Männern. So, alles klar, oder? Jeder der Männer hat eine mehr oder weniger dämliche bis streckenweise sehr harte Geschichte zu erzählen. Und weil der Regisseur sich nicht getraut hat, nur einfach die Interviews zu zeigen, hat er noch eine Interviewerin erfunden, in deren Leben wir auch noch Einblicke erhalten. Was auf dem Papier nur wenig actionreich und vielleicht sogar langweilig klingen mag, ist auf der Leinwand ebenso actionarm und langweilig. Naja, also um dem entgegenzuwirken, hat der Autor natürlich ein Thema unter alles drunter gelegt. Das Thema würde man vielleicht zusammenfassen mit, wie kommt der heutige oder vielleicht besser der ewig gestrige Mann mit der postfeministischen Gesellschaft klar. Um das mal arg zu verkürzen. Sprich, alle Männer stammeln mal mehr oder weniger und mal mehr oder weniger offensichtlich misogyne Scheiße. Im Glauben, im feministischen Sinne zu agieren. Zumindest ist es das, was ich im Wesentlichen herauszulesen glaube. Plor, kann dieser Themenunterbau den Film vor der Langeweile retten oder schiebt er ihm damit nur noch zusätzlich Prätenziösität unter? Ich glaube, das ist ein grundsätzliches Konzept von David Foster Wallace. Das spürt man im ganzen Film, dass der irgendwie versucht durch einen doppelten und dreifachen und vierfachen Boden der Reflexion seiner eigenen Worte versucht, sich eine Ausflucht zu ermöglichen und zu sagen, ich weiß ja Bescheid, was ich da mache. Aber das gibt er den Figuren, das gibt er sich selbst, das gibt er für allen Mitteln, versucht er diese Ausflucht zu ermöglichen. Ja, und noch dazu ist es ein Mittel, was er den Agierenden gibt, wo wir gleich in den einzelnen Figuren vielleicht, wenn wir da ein bisschen reingehen, das würde ich mir wünschen, dass wir vielleicht in die ein oder andere Geschichte reingehen, die erzählt wird. Dieses Mittel durch scheinbare Reflexion ein Verzeihen vom Gegenüber zu bekommen. Ja, ja, genau. Das ist der große Unterschied zwischen jemandem etwas verzeihen, also etwas entschuldigt etwas oder etwas erklärt nur etwas. Und natürlich erklärt der Film ganz viel, wie so ein misogyne Scheiße zustande kommt, aber ob er es entschuldigt oder nicht, ist eine ganz andere Frage natürlich. Überhaupt nicht. Ich habe allerdings, um mich vorzubereiten, das gesamte Buch einmal durchgearbeitet. Du hast das Buch komplett gelesen? Ich habe es nicht gelesen, ich habe es nur vorlesen lassen, aber ja. Willst du das vielleicht gleich abhandeln, wenn wir schon dabei sind? Also es gibt diese Frau, wie heißt sie mit Frau? Die dann irgendwann sagte, der hat auch sich sehr schlecht mir gegenüber benommen. Ja. Es klingt so ein bisschen wie Bukowski in ein bisschen reflektierter. Ja. Bukowski plus Feminismus ist gleich verwirrter Mann, wie wir in diesem Film sehen. Ja, ist krass, ne? Und deswegen habe ich auch bei dem Film so oft so Unbehagen, weil ich ganz ehrlich ganz große Schwierigkeiten habe, Autoren und Werk zu trennen. Weil man irgendwie in dem Film durchspürt, dass das alles von dem Autoren durchaus, ja, seine Probleme mit sich selbst widerspiegelt. Und es gibt, ich habe dann später auch nochmal eine Abhandlung über das Buch gelesen und darüber, wie das wahrgenommen wird. Und es gibt tatsächlich einfach Leute, die ganz klar darauf hinweisen, dass Werk und Autor in diesem Fall so stark übereinstimmen, dass es schwer ist, über das Buch eigenständig zu reden und dem die Kudos zu geben, die es verdienen würde, wenn es jemand geschrieben hätte, bei dem es nicht so problematisch ist. Es gibt Interviews, weiß ich nicht genau wie viele, aber so mindestens bis zur Hälfte sind es Interviews. Und der Rest ist aufgefüllt mit Kurzgeschichten. Das Ding ist, man kann es im Buch schwer auseinanderhalten, wenn du es nicht physisch vor dir hast und er dir einen setzerischen Cue gibt, wo du dich gerade befindest. Weil es gibt bei den Interviews immer das Cue dazwischen. Da gibt er einfach nur das Cue und dann wissen wir, ah, der Fragesteller hat irgendwas gemacht, wird aber nicht näher definiert. Die Frage wird nicht genannt, sondern nur das Cue als Question markiert? Genau. Und dann gibt es weiter eine Antwort. Das sind auf jeden Fall dann eindeutig Interviews. Allerdings kann ich das beim Hören, natürlich, dass ich nur ein Hörbuch gehört habe, nicht wirklich viel unterscheiden. Ich vergesse dann immer wieder, dass da jetzt ein Cue kommen müsste oder nicht müsste. Aber das Narrativ ist immer monologisierend. Und deswegen ist es schwer zu sagen, was ist Kurzgeschichte mit Handlung und was nicht. Weil eigentlich sind es alles Monologe von Männern. Ja. Und gibt es diese Frau, die das so ein bisschen zusammenhält und die kommt dem Buch gar nicht vor? Nein, die kommt nicht vor. Aber das Interessante ist, dass der Regisseur Krasinski mit Wallace nochmal geredet hat vorher, bevor er gestorben ist, bevor er sich umgebracht hat. Und mit ihm irgendwie über die Verfilmung geredet hat. Und Wallace gemeint hat, das ist eine sehr gute Idee, diese Frau einzusetzen, weil ich hatte den Gedanken beim Schreiben. Ah, interessant. Dass da eine Interviewfrau oder, also wahrscheinlich eine Frau sitzt und diese Interviews einsammelt für irgendein Research. Und hat das Buch denn Spaß gemacht zu lesen? Hast du zuerst das Buch gelesen oder zuerst den Film geschaut? Ich habe erst den Film geschaut und habe dann das Buch bei Audible einfach mir einmal rausgesucht im Original und habe mir es angehört. Die ersten beiden Kapitel waren unhörbar, war furchtbar pretentious und nicht zu, also man folgt irgendwann nicht mehr, weil man denkt, alter, komm mal zu irgendwas, komm mal irgendwie zum Punkt. Das eine ist nur eine Beschreibung, wie jemand am Pool sitzt und eine Zeitung einmal blättert oder zweimal. Also und diese Beschreibung ist einfach da und sie ist noch nicht mal irgendwie schön, wie man ein Gemälde beschreiben würde, Impressionist, der irgendwie eine Situation einfängt, sondern es ist einfach irgendwie pretentious und mit, ja. Aber der Rest, dann wenn es ins Geschichtenerzählen kommt und wenn dann die Monologe interessanter werden, weil Leute wirklich Situationen hochholen, wie im Film eben auch, dann wird es schon auch besser und es gibt auch sehr, sehr lustige Momente, die wirklich gut sind und die auch gut geschrieben sind. Und ich habe aber das Gefühl, dass er, dass Wallace sich sehr in seine Konzepte verliebt, wie er etwas Bestimmtes erzählen möchte, wie er das Buch setzt, wie die Form der ganzen Geschichte ist. Und dann unterscheidet die Form ganz stark, ob das Ding gut ist oder nicht in meinem Empfinden. Und dann kommt gar nicht sein schreiberischer Stil durch, sondern kommt nur die Form, die da drauf steckt irgendwie durch. Und das hilft mir nicht. Ja, irgendwie war es auch streckenweise anstrengend und streckenweise eben auch verstörend, weil das, was er erzählt, und dazu kommen wir natürlich gleich noch, auch nicht unbedingt leicht einzusortieren ist. Ja, kommen wir zur Umsetzung? Er hat alles gemacht. Wie krass. Aber ist es nicht so, dass wir vielleicht ein kleines bisschen ihn mit seiner The-Office-Rolle überidentifizieren? Oder ist einfach die Rolle ihm auf dem Leib geschrieben? Ja, klar. Man sieht es ihm auch an, muss man sagen. Ein bisschen muss ich mal das noch nach vorne stellen. Keine besonders gute Kamera, er hat kein besonderes Licht oder sowas. Es ist halt einfach, es sieht ein bisschen aus wie ein Studentenfilm. Das macht auch viel Gutes für den Film, würde ich sagen. Dann kann man in die Geschichten eher einsteigen, weil man einfach den Leuten erstmal vertraut gleich. Ja. Dass man zugucken möchte einfach auch. Es ist natürlich im Buch so, dass die Geschichten nacheinander erzählt werden und im Film werden sie miteinander verwoben. Was ich natürlich eine gute Entscheidung finde, dass man irgendwie das aufsplittet ineinander und dass man dann nicht einfach nur einen Block nach dem anderen hat, sondern dass es irgendwie zusammenkommt. Und dann versucht er dann auch noch mit der Geschichte, mit der Interviewerin, dass ihr Privatleben nochmal so. Und ich finde, das klappt nicht so gut, weil sie einfach zu blass bleibt. Irgendwie passiert bei mir nicht viel, was sie betrifft. Sie macht ja auch nicht wirklich viel. Sie ist ja wirklich die meiste Zeit Beobachterin. Er macht es ja nicht, genau. Aber sie macht das auch nur und das macht das Ganze noch schlimmer, damit das Gegenüber dann wieder reagieren kann. Also sie ist nur Stichwortgeberin. Ja, total, auf jeden Fall. Und das ist mein großes Problem damit und deswegen kann ich auch dem Film oft nicht generös folgen, weil ich die ganze Zeit denke, ja was soll denn das? Kannst du nicht einmal, ich will doch einmal wissen, wer das ist, wenn du dich schon einführst. Handle selber, bring was ins Rollen, anstatt einfach an den Tisch zu kommen und zu fragen, wie meint, if I turn this on. Ja, genau. Aber wäre es nicht geil gewesen, die ganze Zeit mit der Kamera auf ihr zu bleiben? Das wäre spannend gewesen, auf jeden Fall, da stimme ich dir zu. Das sind Sachen, das sind Entscheidungen, die man am Set treffen kann, wo man überlegen kann, wenn er schon, weil er musste sich für jede Geschichte, die da in dem Buch ist, überlegen, wie bringe ich das raus? Setze ich wirklich den Typen an den Schreibtisch, wie es ja oft genug ist, sitzt jemand da und erzählt? Oder bringe ich eine Geschichte, die ich genauso gut am Schreibtisch erzählen könnte, in eine Partysituation? Ja. Zum Beispiel der Typ, der sie am Klo anspricht. Ja. Das ist eine klare Dialogsituation geworden, was sie im Buch nicht ist. Ah. Also es gibt viele Ideen. Genau. Ja, ja, ja, genau. Lass sie einfach in Ruhe. Aber es ist, also das ist eine der Situationen, wo man wirklich als Zuschauer da sitzt und denkt, okay, es passiert wirklich oft genug, dass man Menschen, also Männer in dem Fall, einfach nur reden lassen muss. Ja! Und dass man einfach möglichst nicht reagiert und sie sich selbst in die Scheiße quatschen. Und es gibt halt einfach Männer, die können nicht aufhören zu reden. Und dann finden die sich irgendwo in irgendeinem riesigen Eimer von Fettnapf wieder, weil sie einfach nicht aufhören können. Weil sie auch nicht, weil sie so unsicher werden, weil keine Affirmation kommt. Ja! Das ist so krass! Und das, finde ich, zeigt der Film schon sehr gut. Das ist schon auch ein Verdienst des Films. Nur lauter. Ich weiß nicht, ob ich das wissen will, Flor, wie das klingt, wenn du das machst. Ja, also ich meine, es gibt natürlich wirklich schöne Ideen da drin. Das stimmt. Und die stecken auch im Buch schon drin. Es gibt ein ganz tolles Kapitel, was auch im Film anklingt. Nämlich, dass dieser Typ erzählt, dass er mit Bewitched seine erste Fantasie, erotische Fantasie hatte. Das ist Joseph Slotnik, der das spielt und das ist sowieso so ein Goofy. Ja, genau. Das ist so krass. Und ich weiß nicht mehr genau, wie weit er das im Film ausdehnt, aber im Buch erzählt er immer, immer weiter, dass er diese Fantasie hat, dass er mit einem Fingerwischen das Fitnessstudio anhalten kann, in dem er da ist. Wohlgemerkt mit seiner Mutter und seinem Bruder und dann eine Frau, die besonders interessant ist, dann von seiner sexuellen Attraktion, also dass sie dann einfach kommen muss und mit ihm zusammen da irgendwie, während der Rest in Time Frozen dasteht. Und dann fällt ihm irgendwann auf, Moment, meine Voraussetzung ist ja, dass alle anderen drumherum nicht mitbekommen, was hier geschieht. Das ist ja meine Fantasie. Und dann steigert er sich immer mehr rein und denkt sich, ja, aber dann kann ich ja nicht nur das Fitnessstudio anhalten. Ich muss ja dann auch noch alle drumherum anhalten. Also muss ich, okay, die Welt muss anhalten. Und ich muss nicht nur die Leute Frozen machen, sondern ich muss auch die Zeit anhalten. Und dann steigert er sich immer weiter rein. Okay, die Erde. Ach nee, die Galaxie, weil da ist ja Rotverschiebung und das würde der Wissenschaftler da drüben, würde ja verstehen, dass das nicht geht. Und würde dann entdecken, dass ich das gemacht habe. Also er wird so total nerdy über seine Fantasie. Und im Buch ist es halt so weit ausgereizt, dass es dann wirklich einfach sehr, sehr witzig wird, allein durch die schiere Aufsteigerung, Auftürmung der Bedingungen, die er noch weiter in seine eigene Fantasie stellt. Weil er einfach der Nerd ist, der nicht aus seinem eigenen Anspruch rauskommt, dass das alles folgerichtig und stimmt. Ja, und es ist schade, aber na gut, was soll's, irgendwo muss man kürzen. Und es sind auch Geschichten überhaupt nicht im Film gelandet, die im Buch sind und so. Gott sei Dank. Also insofern, es ist schon, aber es gibt einfach immer Dinge, die sich lohnen, wo man denkt, ah, das ist eine geile Idee, ist irgendwie auch gut ausgeführt. Aber irgendwie finde ich, dass der Film dann sein Timing nicht findet. Es ist großartig. Und im Buch ist das überhaupt nicht angelegt, dass da ganz viele Frauen damit... Also du kannst mir das denken so, dass dieser Vortrag, den er da hält, immer wieder passiert, immer wieder Frauen gegenüber. Aber es ist halt ein Vortrag im Buch. Es ist einfach nur ein Vortrag. Und es wird nichts darüber gesagt, wem er sie hält und wie oft er das gemacht hat oder nicht macht. Man könnte auch denken, er hält ihn jetzt einmal dieser Freundin. Und ich finde die Idee, die Krasinski da gehabt hat, einfach sehr, sehr gut. Dass er wirklich mit einem Zusammenschnitt von ganz vielen Beziehungen, die er genau mit dem gleichen Vortrag beendet, irgendwie hinkriegt. Und es ist super, super gemacht. Und ich glaube, dass der Film auch zu verdichtet, zu schlau sein will. Er will mit jedem Satz, mit allem, jeder Situation, will er, vielleicht habe ich es aber auch aus dem Buch rausgelesen, noch mehr. Das macht diese Prätenziösität aus, dass man als Zuschauer davor sitzen muss und sagen muss, oh mein Gott, was für ein Meisterwerk. Na, ist schon ein akademischer Film. Ja, natürlich. Und auch der... Aber du kannst auch, lass mal locker, weißt du, mein Gefühl dazu, lass mal locker, du musst ja nicht die ganze Zeit nur rumakademisieren. Ja. Und dann, das gehört, naja, wenn du das so machen willst, dann ist das ein Film für Vorlesungen, aber nicht fürs Kinopublikum. Ja. Das fand ich das absolute Highlight des Films und, ironischerweise, der absolute Lowpoint des Buches. Oh. Den Text zu lesen im Buch war völlig irrelevant. Ja. Und der Film hat das hochgehoben auf den absoluten Höhepunkt dieses Films, finde ich. Und es ist so geil, da sieht man, was Film eigentlich könnte und was auch Krasinski eigentlich könnte. Das ist doch jetzt sein Debütfilm gewesen hier, ne? Er hat ja vorher nichts anderes inszeniert, soweit ich das weiß. Also fast zehn Jahre später. Ja, dann hat er einiges dazugelernt, also beziehungsweise die Sachen zu selektieren gewusst. Er hat nicht viel dazwischen gedreht, ne, als Regisseur. Ja, ja, das ist halt auch, ich hab aufgeschrieben, als Debütfilm ist es schon okay. Kein Genie, aber auch kein hoffnungsloser Fall als Filmemacher. Ja, weiß ich nicht, aber man sieht schon, dass er das hinkriegt und dass er auch Ideen hat und gute Ideen hat, aber er kann in diesem Film, finde ich, noch nicht selektieren, was ist denn wirklich eine gute Idee und was hätte ich lieber nochmal überdenken sollen. Es reicht auch einfach nicht. Und noch kein Timing hat. Es ist zu viel geplätscher. Und was hätte man mit der Frau machen sollen? Vielleicht hätte man der Frau noch mehr Konklusionen geben können, dass sie was damit anfängt, mit dem, was sie da hat. Ich verstehe schon den Gedanken zu sagen, ich lege euch das mal hier hin, macht euch euren eigenen Gedanken. Aber dass sie irgendwas damit machen kann, weil sie macht überhaupt nichts. Steile These, wahrscheinlich hätte dieser Film, was Inszenierung betrifft, in Frauenhand gehört. Ja, absolut. Da bin ich, den Gedanken hatte ich auch. Ja, man müsste, ja, weiß nicht. Es ist aber auch so und ich muss das einmal kurz zugeben. Wir sind im Jahre 2022, wir haben MeToo unter uns. Das Buch wurde 1999 geschrieben und reflektiert natürlich absolut die Zeit. Genau, für die Zeit, ja. Deswegen denke ich, dass es schon auch ein sehenswertes Ding ist und auch so ein lesenswertes Ding ist. Und ich bin froh, dass ich auch mir das Hörbuch angehört habe, dann komplett die viereinhalb Stunden oder wie viel das waren. Es hat sich durchaus gelohnt und hat sich ein Bild bei mir vervollständigt von der Zeit, die man ja auch ein bisschen mitspürt, weil ich ja auch in der Zeit irgendwie so beginne, Avancen, also Interesse an Frauen und so. Und dann lernt man von der Generation, die gerade genau so ein Buch schreibt, wie das funktioniert mit dem Anbahnen von Liebesdingen und Einfangen von Sexualität und so. Und dann kann man das besser einsortieren. Ich fand das sehr hilfreich für mich. Ja, so ein bisschen. Ja, das Problem ist bloß, ich lache sehr selten. Also ein paar Mal herzlich, aber recht selten. Zum Beispiel, wenn dieser eine Typ wirklich einen großen Vortrag darüber hält, wie er glaubt, dass man Frauen im Bett befriedigen muss. Und dann ausholt zu seinem letzten Satz und sagt, ich sage euch jetzt, wie das ist.
Florian Bayer: Das secret ist.
Johannes Franke: Folgendermaßen. You've got to. Und dann kommt der Dialog von der nächsten Szene schon drüber. Und wir hören nicht mehr, was eigentlich sein Geheimnis ist. Was im Buch nicht so ist, im Buch erzählt das. Und was ist das große Geheimnis? Das, was er vorher die ganze Zeit sowieso schon erzählt. Ja, natürlich. Also, er kriegt es nur nochmal in einen Satz zusammengefasst. Insofern ist es egal. Ja, aber auch wodurch den Kontext. Weil ich glaube nicht, dass nur vom Hören, jetzt denke ich ans Buch, das wirklich so eine schlimme Steigerung hatte. Aber dadurch, dass der Film den Kontext herstellt. Das ist so krass. Männer, die sich darüber unterhalten, was Frauen wollen. Vor allem alleine schon dieser Überbau, was Frauen wollen. Oh mein Gott. Man will ihn die ganze Zeit in die Fresse schlagen. Ja, ist krass. Und im Buch ist es natürlich wieder nur Monolog. Und im Film ist es gut gelöst, ist eine gute Idee, dass sie eigentlich zusammensitzen in einem Café und sich unterhalten und dann aber direkt in die Situation geworfen werden. Und sich dort aber ganz normal weiter unterhalten, als wären sie weiter in einem Restaurant oder sind halt auch weiter im Restaurant. Es wird nur visualisiert. Das ist ganz gut. Aber da war es auch so Style over Substance, weil die Geschichte ist komplett hohl. Ja, die Geschichte hat nichts. Ja, ist richtig. Vor allem, weil die Geschichte auf genau dieser einen Idee basiert, dass sie sich eben darüber unterhalten, wie scheiße Männer sind und sich dabei scheiße verhalten. Das ist die einzige Idee da sonst dabei. Ich gehe mal kurz durch die Sachen durch, die hier an Geschichten noch drin waren, bevor ich zu dem großen anderen Ding komme, was noch erzählt wurde relativ am Schluss, was ich noch ein bisschen verstörend finde. Der mit dem Paper? Der Einarmige? Ich weiß nicht ganz genau, wie ich damit klarkommen soll. Ist das, ist das, ist das appropriate? Macht man das? Weiß ich nicht. Ich bin unsicher. Ich bin ein bisschen. Ja, ja, ja. Also ich weiß nicht ganz genau, ob das vielleicht eine komische Mischung aus misogymen Verhalten und dem Gedanken, man soll sich auch über Menschen mit Behinderung genauso lustig machen wie über Menschen ohne Behinderung. Ich weiß nicht, ob das irgendwie ein Gedanke mit war bei dem Autoren. Okay. Da gibt es noch diesen Typen, der sich alleingelassen fühlt, wenn sie kommt und sich selbst... Aber es ist so kurz, aber schmerzlos erzählt, wie er das so macht. Und ich fand das so ein... What? Moment, was ist da gerade passiert? Was hat er gerade erzählt? Es macht ihn traurig, wenn sie Freude hat. Und ich glaube aber, spätestens an dem Punkt bin ich auch voll, weißt du, bis oben hin voll mit irgendwelchen Situationen, wo Männer einfach seltsame Konklusionen führen und aus Situationen irgendwie nicht rauskommen und sich nicht erklären können, warum Frauen jetzt irgendwie, warum die Frau oder die Frau wie jetzt oder so reagiert hat. Also einfach überforderte Männer überfordern am Ende mich. Das heißt, ich kann auch, muss ich sagen, so ab zwei Drittel des Films den Sachen nicht mehr folgen. Weil ich so voll bin von Scheiße, also misogynäuer Scheiße, dass ich einfach nicht mehr... Die Toilette ist voll, ich kann nicht mehr. Weißt du? Ja. Was fängst du mit der letzten Story, ist das die letzte, ich weiß nicht, wo er von dem Hippie-Mädchen erzählt, dass sie vergewaltigt wird und die dann versucht irgendwie mit einer Verbindung, die sie herstellt, einer Gemeinsamkeit ihren Mord zu verhindern. Ich krieg das nicht, ich krieg das, ich krieg nicht so richtig einsortiert, was das soll. Was ist deine Interpretation? Ist er derjenige, der es erlebt hat oder ist er es nicht? Wobei ich gar nicht so böse sagen will, das ist der falsche Weg, weil dazu gehört auch, dass jeder Mensch seine eigene Art und Weise finden muss, mit Dingen umzugehen, die er erlebt hat. Ohne wiederum anderen Leuten wehzutun, natürlich. Ja, Dialog ist fast schon übertrieben. Und dass sie sich also nicht nur hingibt, sondern dass sie ihm Verständnis entgegenbringt. Ja, dass sie alles aufbringt, alles Liebe, was sie in sich hat, auf ihn projiziert, damit er dann nicht mehr in der Lage ist, sie umzubringen. Weil er damit nicht rechnet. Und das sagt auch das Buch, ich weiß nicht, ob es im Film gesagt wird, weil die meisten Mörder, Sexualstraftäter, die zum Mörder werden dann am Ende auch noch, ihre Opfer objektifizieren. Und wenn du dein Opfer nicht mehr objektifizieren kannst, weil dir zu viel personelles übermittelt wird, wie eben zum Beispiel Liebe, dann hast du Schwierigkeiten, das durchzuziehen. Ich finde die These an sich, ja, okay, ja, aber ich weiß nicht, was ich mit der Geschichte anfangen soll, weil das ist so gruselig. Das ist auch eine Konklusion, die im Buch noch viel weiter getrieben wird. Die wird so weit getrieben, dass sie am Ende, das Opfer der ganzen Geschichte, am Ende denkt, glaubt, dass ihr von einem Engel dieser Typ geschickt wurde, weil sie jetzt die Retterin dieses Menschen sein kann und dass sie was Gutes tut und dass sie wirklich diese Verbindung einfach nicht mehr loslassen kann, sondern ihm wirklich Liebe entgegenbringt. Auch darüber hinaus, wenn er dann wieder abhaut. Also sie überlebt ja und er haut dann irgendwann wieder ab. Er sagt ja, sie war dankbar dafür, auch im Film. Ich finde allerdings eben diese Geschichte am komplexesten und deswegen fast schon verantwortungslos auf diese Art und Weise in den Film zu packen, weil die durch den Film nicht lesbar ist. Die ist, wenn du ein Buch vor dir hast, vielleicht noch lesbar, weil du immer wieder ein Stückchen zurückgehen kannst und deine Gedanken machen kannst. Wie wenn du vor einem Bild stehst und dir das Bild anschaust, kannst du immer wieder Schritt zurück machen, angucken, dir Gedanken machen, das Bild weiterlesen. Wie eben in einem Buch. Ja. Und so finde ich es auf diese Art und Weise, wie das da drin ist, das ist zu komplex. Du musst eine Möglichkeit geben, da durchzukommen. Du musst als Zuschauer die Chance haben, zu verstehen, wenigstens Zeit oder irgendeine Möglichkeit haben, dich festzuhalten und zu verstehen, was da gerade passiert und was daraus resultieren könnte für dich. Ich finde es halt krass. Aber kommst du darauf, während du den Film guckst, während du dieses Ding anschaust? Oder was machst du damit? Ja, genau. Und deswegen, man kriegt das irgendwie, ich finde es zu harten Brocken für das bisschen, was er ihm an Raum gibt, diese Geschichte. Und es ist ja eine eigenständige Kurzgeschichte im Buch. Naja, also, aber ich glaube, dass es im Buch gar nicht so sehr darum geht, ich müsste es nochmal nachprüfen, aber im Buch ist es schon so, dass die Konklusion ja auf ihrer Seite zwar Dankbarkeit ist, aber auf seiner Seite, also des Vergewaltigers Seite, passiert die Vergewaltigung unter Tränen und unter Erkenntnis. Dass es nicht gut ist. Und ich glaube, das steht ja ein bisschen im Wege der Erkenntnis, dass der Typ eigentlich will, dass er sie vergewaltigen kann. Ich weiß nicht, ich kann mich, ehrlich gesagt, gar nicht, gar nicht erinnern, was da eigentlich passiert ist noch. Ja, deswegen reden wir ja vorher so lange über Wallace, weil der eben so eine Schnittmenge mit sich selbst, mit seinem eigenen Werk hat, dass das nicht auseinander behaltbar ist. Und vielleicht reflektiert unwissentlich der Film das nochmal. Ja, deswegen hatte ich so auch Schwierigkeiten die ganze Zeit beim Film gucken, weil ich die ganze Zeit gedacht habe, ah, irgendwie ist es mir unangenehm, weil ich glaube, dass ich mir etwas über Vergewaltiger von einem Vergewaltiger anhöre. Und das ist so, ah, komisch. Der Film ist einfach hochkomplex pervers. Ja, weil er sich selbst genug kennt, seine eigenen Muster genug kennt, also Wallace, und seine Probleme damit und seine Reflexion damit, aber nicht in der Lage ist, davon abzusehen. Und das Motiv haben wir ja ganz oft bei so Sexoffändern. Ja, genau. Oh mein Gott. Ja, ist schwierig. Ich finde, das ist ein sehr komplexer Film auf vielen Ebenen und deswegen schwer zu sortieren und einzusortieren. Wenn man es schafft, den Film vom ursprünglichen Autoren zu lösen, was ich finde, dass Krasinski nicht schafft, der kommt nicht weit genug vom Text weg, um eine Eigenleistung ausreichend hinzustellen. Das klingt ein bisschen gemein, aber ich glaube, er hätte stärker seine eigenen Ideen unterbringen müssen, um ein eigenständiges Werk zu schaffen. Ein bisschen mehr Mut. Ja. Der große... Also, ich will ihm natürlich trotzdem Kudas geben, dass er es versucht hat. Ich finde das wahnsinnig wichtig, das zu versuchen. Aber ich befürchte, er steckt da irgendwie... Es ist ein Schrödingers Film. Ob er scheitert oder nicht, entscheidet sich genau in dem Moment, wo man ihn guckt. Aber jeder einzeln. Okay, das ist vielleicht bei jedem Film so. Aber egal. Das war eine gute Metapher, Leute. Ja, jetzt sitzen wir da. Jetzt sitzen wir da und können nichts damit anfangen. Wollen wir einfach mal versuchen, eine Überleitung mit unserer Top 3 zu kriegen? Bitte. Django.
Florian Bayer: Unsere Top 3. Unsere Top 3.
Johannes Franke: Hideous Man. Ja, also ich meine, was anderes. Was gibt es sonst anderes als Top 3 zu nehmen als Hideous Man? Wie ist eigentlich deine Definition? Wie hast du das Wort Hideous für dich überhaupt interpretiert? Ich habe immer das Gefühl, dass es ein großes Wort ist für viele kleine Möglichkeiten, das zu interpretieren. Aber dann hast du zum Beispiel schon eine Konnotation auf diese misogyne Geschichte. Das spielt eine ganz große Rolle, auf jeden Fall. Was aber gar nicht sein muss bei Hideous. Wenn du einfach nur Hideous Men, können auch Männer sein, die einfach nur lachhaft idiotisch auftreten, dann ist der Gefahrenmoment ein Stückchen kleiner. Aber es gibt auch Hideous Men, die richtig gefährlich sind und hässlich und weißt du? Ich habe eine Frau drin. Du hast eine Frau drin? Oh, ich bin voll gespannt. Ja. Das Konzept von Hideous Men findet sich, aber du musst ja anfangen, oder? Also ich habe Hideous nicht in einem Vokabelheft gelernt. Ich habe das irgendwie durch eine Akquirierung von Sprache, durch einfach sprechen. Das heißt, ich habe nie eine Definition von Hideous von Anfang an gelernt. Und ich habe dadurch irgendwie am Anfang die Konnotation von lächerlich gehabt. Ah, die habe ich gar nicht drin. Also natürlich hässlich und so eine gefährliche Note, aber eben auch so eine Lächerlichkeit. Ja. Aber ich weiß nicht, wo die herkommt und ich weiß nicht, ob die kulturell unterlegbar ist oder ob ich das irgendwo einfach in meinem Kopf zusammengebastelt habe. Ja, aber ich habe ja im Zuge der Recherche für diese Liste dann nochmal nachgeschaut, was es denn eigentlich wirklich heißt. Und es deckte sich halt streckenweise, weil widerlich gehört auf jeden Fall dazu. Aber dieser humoristische Aspekt hat sich in der Recherche nicht gefunden, in dieser Wortbedeutung nicht so viel. Nur irgendwo in Synonymen ganz unten in Listen, wo dann tatsächlich mal dieser humoristische Gedanke mit reinkam. Aber das war so minimal, dass ich das in meiner Liste dann doch weniger untergebracht habe. Aber was unterscheidet dein Hideous Men von The Toxic Man? Nicht sehr viel. Aber es ist ja ein Unterschied, ne? Ja. Hm. Naja, das Wort Hideous gibt es jetzt nicht erst seit den 90ern. Na gut, das war es aber damals auch schon. Das ist ja kein neues Film. Das ist nur neu definiert. Genau. Spannend. Da versuchen zwei Gruppen auf unterschiedlichen Ebenen zu argumentieren und ich glaube, die Rechte versucht es immer, auf etwas runterzubrechen und runterzuziehen, wo sie es fällt, beherrschen. Ich glaube, das linke Feld, was die beackern, das beherrschen sie halt so schlecht und deswegen kommt das dann immer so runtergezogen. Das sieht man in Kommentarspalten ganz viel. Leute versuchen es auf irgendwas runterzuziehen, wo sie argumentativ stark sind. Fuck. Na gut. Mein Platz 3 ist, jetzt bin ich ja gespannt, was du sagst, Dolores Umbridge. Nein. Dolores Umbridge, nein. Okay, aber bitte rechtfertige dich. Ich finde, dass Dolores Umbridge voll so geschrieben ist wie der Hideous Man, bloß eben das... Oh, und dann hast du auch noch J.K. Rowling. Das ist ja doch viel schlimmer. Wir reden über Werk und Autor, musst du trennen. Ja, also die hat so viel, so viele furchtbare Kommunikationsmittel drauf, um Leid zu Gaslighten und so, also... Oh Mann, Flur. Aua, aua, aua. Das ist dein Platz 3, nicht meiner. Ron ist ein Kind. Ja, okay. Dolores Umbridge, was ist der Unterschied zwischen einem hideous Man und einer hideous Woman? Was ist denn der Unterschied dann? Ich wollte mit meinem Platz vielleicht ein kleines bisschen zu sehr das Konzept in Frage stellen oder schlau wirken. Aber weißt du, im Wort Shock Value ist ja auch das Wort Value. Value, das stimmt. Okay, okay, okay, okay.
Florian Bayer: Willkommen bei Flors Wrestling Wissen.
Johannes Franke: Natürlich, wer kennt Macho Man nicht? Das ist doch der, der da immer gekämpft hat und so. Und ich bin ganz froh, dass du sie nicht der Kämpfe wegen guckst, sondern wegen der ganzen schauspielerischen Eleganz, die dahinter steckt. Okay. Ja, wenn man als Produzent denkt, ja, der kann nicht spielen, aber wenn er nur sich selbst spielen muss, klappt das schon. Wrestler können nicht Schauspieler. Oh sorry, mein Uhr sagt gerade, dass deine Zeit für Wrestling-Themen um ist. Wow. Alles gut. Bitte mach weiter. Platz zwei. Platz zwei wäre Benjamin Braddock in The Graduate. Oh danke. Ich hatte die Hoffnung, dass du ihn aufführst. Du hast so viel über ihn hergezogen, als wir über den Film gesprochen haben. Ich fand den so schlimm. Es ist wirklich gruselig. Und gerade im zweiten Teil macht sich das natürlich sehr bemerkbar. Hört euch gerne die Episode an, wenn ihr euch anhören wollt, wie Plur im Unrecht ist. Widerlicher Typ, Arschloch, Faschist, Sexist, richtig ätzend. Aber das ist der Typ, an den sich ganz viele junge Männer gehängt haben und gesagt haben, boah, der ist cool, so will ich sein. Genau. Aber liest du das nur rein? Liest du das in den Filmen hinein, dass es so ein großer Kritikpunkt ist? Ich glaube auch, dass echte Anarchisten sagen würden, um Gottes willen, was wird denn da, das wird meinem Verständnis von Anarchismus ja noch überhaupt nicht gerecht. Ja. Also, Anarchismus versucht ja eigentlich nicht so. Ja, oh Gott, stimmt, fuck. Okay, Anarchismus, äh, äh. Nein, aber ich habe ihn als, als, als, äh, heranwachsende linke Socke gelesen. Ich auch, natürlich, ja. Und ich fand Anarchismus großartig. Ja, ich auch. Aber eben nur aus dieser Warte. Ja, was ich natürlich in meinem Kopf gerne mit dem entfesselten Kapitalismus vergleiche. Genau, ja. Und da wissen wir ja, wo wir dann hinkommen. Genau. Äh, äh, niemals bitte. Ja. Meine Güte, okay, wir machen eine eigene Podcast-Folge über den Anarchismus demnächst. Oh, vielleicht finden wir einen guten anarchistischen Film. Äh. Mir würde spontan keiner einfallen. Nee, mir auch nicht. Hm, naja. Okay, äh, mein Platz 1. Du hast deinen Platz 1 jetzt gerade gehört. Ja, das war Tyler Durden. Okay, äh, Jack Torrance. In The Shining. Was soll da schief gehen? Was soll schief gehen? Und diese Einsamkeit ist doch wundervoll. Ja, nicht schlecht. Ja, es ist natürlich psychologisch jetzt nicht sehr ausgefeilt formuliert, also es ist teilweise schon sehr haut drauf, aber der Film haut halt auch drauf mit der Axt. So ist das halt. Aber ich mag den Film. Ich finde ihn einer der besten Horrorfilme überhaupt. Ja, eine der wenigen guten Stephen King Verfilmungen und Stephen King hasst ihn. Ja, ja, ja. Und wir haben die Fortsetzung, die neulich erst gedreht wurde, besprochen. Wo wir unterwegs im Zug sitzen können und gucken. Ja. Auf jeden Fall auch ein ganz guter Film. Ich fand den, der hat das ganz gut gemacht, was er da als aufgegriffen hat. Du musst deine eigene Meinung nochmal nachhören in der Post-Fast-Folge. Nee, ich weiß, dass ich von Doctor Sleep nicht so begeistert war, dass ich ihn so ein bisschen, naja, fand. War okay. Ja. Okay. Und dann könnt ihr euch auch gleich anhören, wie ich über Thinking of Ending Things rante und am Ende doch Fan bin. Ja. Und zwar nicht mehr übereinbringt mit dem Film, den man gesehen hat. Geil. Okay. Nicht in der Vergangenheit Kram. Lass uns in die Zukunft gucken. Back to the hideous man. Back to the hideous man, die hier beide sitzen und versuchen, andere hideous men zu... Nein, sind wir nicht... Nein, okay. Jedenfalls, alte weiße Männer versuchen, andere alte weiße Männer zu begreifen, die über Menschen, über Frauen reden, die sie versuchen zu begreifen. Ein bisschen hideous man steckt in jedem von uns. Ja. Ja, das ist ein ongoing problem in unserer Gesellschaft und in jedem von uns irgendwie. Ja, wir versuchen's. Wir können's nur weiter versuchen. Hast du noch irgendein Fazit, was du ziehen möchtest, was den Film betrifft? Ja, es ist, also, irgendwie hab ich das Gefühl, es betrifft ganz viele Themen, die mich betreffen, die ich spannend finde und wichtig finde, aber irgendwie aus einer Zeit, die einfach nicht mehr, wo ich mich nicht mehr finde, wo ich bin, woanders. Ich stehe irgendwie sehr entfernt von diesem Thema und gucke mir das von außen an und denke, irgendwie, irgendwie ungutes Gefühl, irgendwie stimmt das alles nicht so ganz. Also, natürlich spannend reflektiert streckenweise und auch streckenweise sehr lustige Szenerien und so, aber irgendwie macht er ein ungutes Gefühl und ich kann ihm auf keinen Fall geben, dass er wirklich, also wirklich richtig Praktikat wertvoll gibt, kriegt er auf keinen Fall. Ja, genau. Oh, das ist es. Ich glaube, ich will Filme, die eine Hoffnung haben, in eine bestimmte Richtung sich zu entwickeln und dieser Film zeigt nur ein Status Quo und reitet uns weiter in die Scheiße rein. Und er hätte wenigstens kämpferlich sein können dabei. Ja, genau. Ja, tja. Guckt euch die Office an. Ja, schaut euch die Office an. Und schaut euch natürlich auch gerne diesen Film an und sei es nur, um zu verstehen, wie damals das Thema reflektiert wurde. Wir haben es schon gesagt, also es ist irgendwie ein bisschen das Gefühl, einem historischen Moment beizuwohnen, wie damals eben mit Feminismus und dem Konzept Postfeminismus und so weiter umgegangen wurde. Ein Haufen verwirrte Männer. Aber es erschöpft sich dann halt irgendwie sehr schnell. Ich möchte an dieser Stelle euch nochmal ermutigen, uns auch zu schreiben, wenn ihr das Gefühl habt, ich hab hier einen Film gesehen, der absolut sehenswert ist, den muss man sehen. Warum habt ihr den noch nicht besprochen? Schickt uns gerne Vorschläge, schickt uns gerne Feedback oder was auch immer. Ich höre ständig die Katze miauen, bitte stellt diese Katze ab oder was. Keine Ahnung. Wir freuen uns über jede Mail und antworten. Auf jeden Fall. Florian at muss man sehen.de oder Johannes at muss man sehen.de. Genau. Johannes, danke für dieses Gespräch. Vielen, vielen Dank, dass du diesen Film geguckt hast und dass wir uns darüber so doch recht lang unterhalten haben. Meine Güte, es ist schon spät.
