Episode 100: Jubiläum mit Citizen Kane… dem besten Film aller Zeiten?
Hollywood 1940: Gefeiert für seine Theaterinszenierungen und Hörspiele und mit einer Carde Blanche seines Studios ausgestattet dreht der gerade mal 25jährige Orson Welles das fiktive Biopic Citizen Kane. Der Rest ist Geschichte: Wegen seiner eindeutigen Referenz auf den Mogul William Randolph Hearst wird der Film von dessen Medienimperium ignoriert und boykottiert. Erst später erfährt er peu à peu die Gerechtigkeit die er verdient: Zahllose Lobpreisungen, Auszeichnungen, ein Ehrenoscar für Orson Welles 1971, Aufnahme in den Filmkanon und dort wird er ganz nach oben gespült, bis er den berüchtigten Ruf hat, der beste Film aller Zeiten zu sein.
Dabei erleben wir hier doch eine recht simple Geschichte: Aufstieg und Fall des Charles Forster Kane. Als Erbe eines gigantischen Fonts und mit wenig Interesse für Wirtschaft und Industrie baut er mit der Tageszeitung Inquirer ein Medienimperium auf, heiratet zweimal, baut seiner zweiten Frau ein Opernhaus und schließlich einen gigantischen Palast im nirgendwo. Und dennoch scheint er in seinem Leben kein Glück gefunden zu haben, was seine letzten, voll Bedauern ausgesprochenen Worte “Rosebud” allzu deutlich machen. Die Handlung des Films selbst ist dann auch nicht mehr als die Jagd eines Reporters nach dem Sinn dieser Worte mit der Hoffnung, dadurch den Bürger Kane verstehen zu können.
Also wie kommen wir ran an das vermeintliche oder echte Meisterwerk? Versuchen wir es mal so: Johannes, du hast endlich deinen Lehrstuhl an einer der renommiertesten Filmschulen des Landes erhalten. Was aus Citizen Kane nimmst du mit für deine erste Vorlesung?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 100: Jubiläum mit Citizen Kane… dem besten Film aller Zeiten? Publishing Date: 2022-11-30T13:45:01+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/11/30/episode-100-jubilaeum-mit-citizen-kane-dem-besten-film-aller-zeiten/
Florian Bayer: Ladies and Gentlemen, live on tape aus den legendären Muss-Man-Sehen-Studios in Berlin, die hundertste Folge des Muss-Man-Sehen-Podcasts. Und hier sind sie, ihre Gastgeber Florian Bayer und Johannes Franke. Oh mein Gott. Und wie ihr vielleicht an der Musik erkannt habt, weil ihr kennt den Film natürlich und auch das berühmte Lied in diesem Film. Heute reden wir über einen ganz großen, über den großen, über das Meisterwerk der Filmgeschichte. Also Citizen Kane, den besten Film aller Zeiten, den mutmaßlich besten Film aller Zeiten. Denn wir werden heute den Mythos debunken oder sowas. Werden wir das? Ich weiß nicht. Ja, ich weiß es auch noch nicht. Also es wird auf jeden Fall total spannend. Ich habe Johannes den Film aufgegeben, weil ich gedacht habe, okay, ja, Citizen Kane ist einfach der Film, der immer genannt wird, wenn es um Top-Listen geht. Wir werden auf jeden Fall in die Geschichte gehen, woran das liegt, warum wird der Film immer wieder genannt als bester Film aller Zeiten oder als zumindest irgendwo in den Top Ten. Ganz weit oben als größter amerikanischer Film. Such dir irgendwas aus. Es gibt großen Club-Arien darauf. Und ich dachte, für eine Jubiläumsepisode, für eine hundertste brauchen wir was Großes. Und ich glaube, das passt dann auch.
Johannes Franke: Erstmal herzlichen Glück und Spur, dass du durchgehalten hast, mit mir 100 Episoden lang hier an meinem Küchentisch zu sitzen, meinen Scheiß zu ertragen, zu deinem hervorragenden, wissenschaftlich sehr fundierten Zeug.
Florian Bayer: Es war eine große Freude. Die letzten 100 Episoden, die letzten 99, die waren immer ein großes Vergnügen. Das freut mich. Egal, ob wir einer Meinung waren, egal, ob wir gestritten haben, es kommt beides. Also Leute, hört euch durch unser Archiv durch. Wenn ihr hören wollt, wie wir streiten, dann empfehle ich, um aus den Nähkästen zu plaudern, gar nicht so lange her in der relativ aktuelle Folge die Reifeprüfung. Da streiten wir ordentlich. Ja, zu Recht. New Hollywood-Klassiker vs. Feminism. Aber es gibt noch viel mehr, worüber wir streiten. Wir streiten über sowas wie The Wizard of Gore.
Johannes Franke: Einer der ersten. Schrecklich, schrecklich. Einer der ersten Episoden. Es war, oh Gott. Da habe ich schon gedacht, sollten wir diesen Podcast weitermachen? Ich weiß ja nicht. Habe ich mir da zu viel aufgeheizt.
Florian Bayer: Gleiche Episode, was da du?
Johannes Franke: Oh ja, stimmt.
Florian Bayer: Wo wir auch unterschiedlicher Meinung sind.
Johannes Franke: Und da habe ich gedacht, ja, wir sollten diesen Podcast weitermachen. Das ist unbedingt... Ich will Flo zwingen, Sachen zu gucken.
Florian Bayer: Und ich möchte, dass sie vor dem offenen Lieblings fertig gemacht wird. Die Dinge, die ich liebe. In der Geschichte dieses Podcasts haben wir sehr oft gestritten, zum Beispiel über Wes Anderson, den wir mehrmals gesprochen haben.
Johannes Franke: Ja, aber eigentlich in deinem Herzen liebst du ja Wes Anderson weiterhin. Oh nein, Flo. Das sagst du jetzt so, damit die Leute glauben, dass wir kontrovers sind. Aber eigentlich bist du immer meiner Meinung, ne?
Florian Bayer: Johannes ist der große Wes Anderson-Liebhaber von uns beiden. Ich bin da doch konträrer Meinung. Immer Kritisches einzuwerfen, egal ob... Ja, sehr gerne. Egal ob der fantastische Mr. Fox oder... ...hatten wir den jüngsten Film von Chris Anderson, wo wir auch geteilter Meinung waren. French Dispatch.
Johannes Franke: Wenn ihr überspringen wollt, wie wir uns gegenseitig den Arsch küssen, dann geht mal 20 Minuten weiter in die Episode rein oder so.
Florian Bayer: Johannes kann dich immer mit Actionfilmen ärgern. Also unvergesslich die großartige Episode, in der wir über Kommando reden. Oh, fuck, Alter. Johannes war begeistert. Total. Aber Johannes kann man auch sehr gut mit Sorealismus ärgern. Deswegen kann ich nur empfehlen, in die Episode reinzuhören, wo ich ihm The Holy Mountain vorsetze. Mhm.
Johannes Franke: Ja, Plor ist immer ein bisschen der Typ, der mir unbedingt Bildung anempfehlen will. Ich hab das Gefühl, dass Plor der Meinung ist...
Florian Bayer: ...in den Tee, obwohl ich gar keine...
Johannes Franke: Oh, stimmt. Verdammt. Oh, es tut mir leid. Das war so ein Automatismus, weil ich das bei mir mache. Äh, Plor, wie schmeckt der Tee jetzt mit Hafermilch? Auch gut. Auch gut? Ja. Dann mach ich das jetzt öfter. Okay. Äh, vielen Dank, Plor, dass du das 100 Episoden durchgehalten hast und dass du das die nächsten 500.000 Episoden auch noch durchhalten wirst.
Florian Bayer: Es war immer eine Freude und ich glaube, es wird auch heute eine Freude. Und ich bin total gespannt, was du zu Citizen Kane zu sagen hast, den du vorher nicht kanntest.
Johannes Franke: Diese Episode schon mal vorweg wird die Hölle, weil wir 200.000 Stunden über diesen Film reden könnten und ich weiß nicht, wie viel davon wir durchziehen, aber es gibt so viel zu wissen und es gibt so viel Spannendes zu wissen. Egal, wie gut der Film ist oder nicht oder ob wir jetzt finden, dass der Film toll ist oder nicht, aber es ist wahnsinnig interessant, sich darüber zu informieren und es gibt immer mehr und immer mehr. Es ist eine Pandora's Box, die man da aufmacht.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch, es ist ein Fass ohne Boden, die Recherche. Ja, absolut. Und ich habe den Film auch ausgesucht, weil ich dachte, okay, lass uns mal gucken, ob wir zusammen den Mythos dieses Films debanken können, wie du schon gesagt hast. Es ist schon lange her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Ja. Und ich sage gerne, wenn es so um Filmgeschmäcker geht, rede ich gerne vom Citizen Kane-Effekt. Ja. Filme betrifft, die allgemein hochgeachtet werden und man dann guckt und sieht so, ah ja, ich verstehe warum, aber ich kann nicht ganz mitgehen. Und das hat sich bei mir so eingebrannt, das Citizen Kane-Effekt zu nennen. Ich habe es bei Sunset Boulevard zum Beispiel genannt. Ja, stimmt. Und es ist vielleicht auch ein bisschen unfair, dass ich das gemacht habe und war auch einfach, weil das bei mir so im Gedächtnis war. Vielleicht hat sich das jetzt auch wieder ein bisschen geändert.
Johannes Franke: Na, jetzt bin ich mal gespannt. Oh, Teaser, Teaser.
Florian Bayer: Lass uns drüber reden. Ich habe einen Einstiegstext, um mich ran ansprechen.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt. Erzähl mal.
Florian Bayer: Hollywood 1940. Gefeiert für seine Theaterinszenierungen und Hörspiele und mit einer Kaplanche seines Studios ausgestattet, dreht der gerade mal 25-jährige Orson Welles das fiktive Biopic Citizen Kane. Der Rest ist Geschichte. Wegen einer eindeutigen Referenz auf den Medienmogul William Randolph Hearst wird der Film von dessen Medienimperium ignoriert und boykottiert. Erst später erfährt er pöpödie Gerechtigkeit, die er verdient. Zahllose Lobpreisungen, Auszeichnungen, ein Ehrenoscar für Orson Welles 1971, Aufnahme in den Filmkanon und dort wird er ganz nach oben gespült, bis er den berüchtigten Ruf hat, der beste Film aller Zeiten zu sein. Dabei erleben wir jedoch eine recht simple Geschichte. Aufstieg und Fall des Charles Forster Kane. Als Erber eines gigantischen Fonds und mit wenig Interesse für Wirtschaft und Industrie baut er mit der Tageszeitung Inquire ein Medienimperium auf, heiratet zweimal, baut seiner zweiten Frau ein Opernhaus und schließlich einen gigantischen Palast im Nirgendwo. Und dennoch scheint er in seinem Leben kein Glück gefunden zu haben, was seine letzten vollbedauernd ausgesprochenen Worte Rosebud allzu deutlich machen. Die Handlung des Films selbst ist dann auch nicht mehr als die Jagd eines Reporters nach dem Sinn dieser Worte, mit der Hoffnung, dadurch den Bürger Kane besser verstehen zu können. Also, wie kommen wir ran an das vermeintliche oder echte Meisterwerk? Versuchen wir es mal so. Johannes, du hast endlich deinen Lehrstuhl an einer der renommiertesten Filmschulen des Landes erhalten. Was aus Citizen Kane nimmst du mit für deine erste Vorlesung?
Johannes Franke: What the fuck, Blor? Hast du dir für die hundertste Episode gesagt, heute gebe ich mal den größten Fettnapf direkt vor Johannes' Füße, dass er auf jeden Fall reintritt, weil die Frage kann man ja... Okay, also nochmal, ich versuch's. Die Frage ist, nochmal.
Florian Bayer: Was würdest du aus diesem Film mitnehmen? Und ich meine, du bist einästhetisch, du findest mit Sicherheit irgendwas, was du deinen Filmstudentinnen zeigen würdest, um zu sagen, Leute, hier könnt ihr was lernen.
Johannes Franke: Also, ich zeige diesen Film in voller Länge, setze dann ein zweites Screening an und schreibe jeden auf, der nicht kommt. Der fällt auf jeden Fall durch. Und sage dann, macht euch euren eigenen Gedanken.
Florian Bayer: Okay, versuch's jetzt mal mit einer anderen Frage.
Johannes Franke: Was hast du gedacht, was ich machen würde? Es ist so viel, der Film hat so einen riesigen Kanon an Sachen, die man sagen könnte, wo man sagen könnte, das müsst ihr unbedingt mitnehmen aus dem Film. Was soll ich denn da rausziehen?
Florian Bayer: Ich habe gehofft, dass ich von dir so ein pointiertes Ding kriege, wo ich zumindest schon mal einschätzen kann, wie du den Film wahrgenommen hast und den Film erkunden hast. Und was jetzt, das war jetzt genauso nicht zu sagen, wie dieses Rosebud, wenn man es hört. Das war dein persönliches Rosebud. Also, Johannes, vielen Dank dir der Film gefallen.
Johannes Franke: Also, gehen wir mal von einer ganz anderen Seite ran. Masterpiece ist ja das Wort für das eigentlich Gesellenstück. Also, das Stück, was man, wenn man fertig ist mit der Ausbildung, den Leuten präsentiert und sagt, guck mal, das ist jetzt die Höhe meiner Fähigkeiten, die ich gelernt habe. Das ist das Beste, was ich jetzt in dem Moment zusammenbekomme, weil ich ausgelernt habe. Bin ich jetzt im Kreise der Masters, also eine Meisterprüfung quasi. So, bin ich jetzt aufgenommen, ja oder nein? So, und dann gibt's dieser Bursche, der hat mit 24 angefangen, das Ding zu machen, dieses Ding ab und sagt, darf ich jetzt Filmemacher sein? Das ist normalerweise der letzte Film, den du abgibst und sagst, ich habe über die Jahre so viel gelernt. Und ich gebe jetzt das hier ab und vielleicht, in my humble opinion, das ist das Beste, was ich in 80 Jahren machen konnte. Verdammte Scheiße!
Florian Bayer: Und das Geile ist, der hat das abgegeben und sagt, ist das okay? Und das Filtor hat gesagt, ja. Und wir reden ja nicht, dazu kommen wir noch, wir reden ja nicht von Hearsts Medienimperium, das es ignoriert hat, sondern wir reden von der Kritik der damaligen Zeit. Die haben gesagt, ach, vielleicht ein bisschen konservat. Oder die haben gesagt, was soll denn der Mist? Also, du hast überhaupt keine Ahnung vom Film machen, sowas macht man nicht. Also, der spricht allen Gegend. Oder die haben gesagt, oh, das ist viel zu lang.
Johannes Franke: Also, ich meine, es gab auch gute positive Stimmen. So ist es nicht. Es gab schon wirklich viele positive Stimmen auch. Aber es ist natürlich so, dass man natürlich sich absolut bewusst war in der Zeit, dass das ein 25-jähriger Bursche ist, der da irgendwie was abgibt, was völlig größenwahnsinnig ist. Und du dann natürlich eigentlich als gestandener Filmemacher oder als gestandener Filmkritiker dir fast nicht die Blöße geben kannst und sagen kannst, what the fuck, wie krass ein Meisterwerk. Das kannst du am Anfang nicht. Ich glaube, dass die meisten einfach mit ihrem Ego sich selbst im Weg standen und einfach nicht zugeben konnten, dass dieser Typ es einfach mal geschafft hat, alle Filmgeschichte bis dato einmal in einen Film zu packen und die besten Entscheidungen für die besten Szenen zu fällen. Woran die meisten Regisseure ihr Leben lang scheitern.
Florian Bayer: Versuchen wir mal ganz kurz auf diesen 25-jährigen Burschen zu sprechen. Ja, okay. Orson Welles ist unser 25-jähriger Bursche. Und auch wenn das sein quasi Filmdebüt war, er hat davor Too Much Tanzen gedreht, eine Stummfilmkomödie über 1938. Ignorieren wir das kurz. Er war ein Star. Er war kein Filmemacherstar, aber er war ein totaler Star und deswegen wollte ihn Hollywood auch. Aber genau genommen Hollywood in diesem Fall verkörpert durch RKO-Pictures. Die wollten ihn haben.
Johannes Franke: Die wollten ihn schon lange. Es gab ja schon wirklich viele Angebote. Hier, mach doch mal das. Mach doch mal hier. Mach doch mal da.
Florian Bayer: Er galt einfach als Wunderkind. Und zwar zum einen wegen seiner Theaterarbeit.
Johannes Franke: Shakespeare. Er hat richtig viel Shakespeare gemacht und richtig tolle Sachen.
Florian Bayer: Ja, und seine Shakespeare-Insinierungen gelten als die besten Shakespeare-Insinierungen der damaligen Zeit. Er hat wohl ganz krass modernisiert am Broadway Julius Cäsar interaktiv aufgeführt. Beteiligung des Publikums. Wahnsinn. Und auch wirklich dieses, eben nicht, wir machen eine Exegese von Shakespeare's Ästhetik, sondern wir versuchen das in die Moderne zu holen. Ja. Was damals einfach was Neues war. Er hat einen Voodoo Macbeth gemacht. Er ist einfach einer der Gründerväter des modernen und postmodernen Theaters mit dem Konzept, wir bringen Stücke nicht einfach nur in der Exegese auf die Bühne, sondern wir machen was Neues damit. Wir bringen die in die Moderne. Und das war nur das eine. Das zweite waren seine Radiosachen. Ja, ja, ja. Und die Geschichte kennt jeder. Krieg der Welten. Krieg der Welten. 1938 eine große Hörspiel-Radio-Produktion, unglaublich gut rezipiert. Es gibt diese Geschichten von Massenpanik, die er ausgelöst hat, die Leute dachten, das kommen wirklich aliens. Ja. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Pressefabrikat, weil die Boulevardpresse ja immer was dran hatte. Ja, natürlich. Und Propaganda des Radios, also Werbung. Wir machen, Orson Welles hat hier ein so gruseliges Hörbuch eingesprochen, dass die Leute gedacht haben, es kommen wirklich aliens auf die Erde. Das müsst ihr hören. Auf jeden Fall, er war famous. Das war einfach. Und genau, wie du schon gesagt hast, die haben sich mehrmals um ihn beworben. Und 1939 ist er dann endlich in Hollywood gelandet, nachdem er davor an der anderen Seite Amerikas war, an der Ostküste.
Johannes Franke: Ein Plus mal kurz für die Klärung der Situation damals. Viele würden sich jetzt heute wundern und sagen, der hat Theater gemacht, das interessiert doch keine Sau. Was ist das denn? Das ist eine andere Zeit. Also wenn es jetzt um die 40er, 50er geht, also eigentlich eher die 40er oder 30er, 40er, dann hast du zwar ein Hollywood, das schon irgendwie besteht und das irgendwie auch famous ist und das irgendwie tolle Leute hervorgebracht hat, aber Theater ist immer noch ein riesiges Ding. Das ist das Entertainment-Ding überhaupt. Es gab noch kein Fernsehen. Es gab einfach, es war einfach, viele berühmte Leute hast du wegen ihrer Theaterarbeit gesehen. Du hast als Persönlichkeit nicht stattgefunden, weil du Filmschauspieler warst, sondern größtenteils, weil du ein großartiger Theaterschauspieler warst. Und das ist heute einfach völlig anders und das muss man ein bisschen verstehen für die Einordnung der Zeit und woher er kommt und warum er so famous war.
Florian Bayer: Er war auf jeden Fall ein großer Mann. Das Studio wollte unbedingt haben und er war zwar erst 25, aber die waren froh, ihn zu kriegen und deswegen wurde er wirklich mit dieser Carte Blanche ausgestattet und gesagt, hey, du kriegst Budget, du kriegst Möglichkeiten, du kriegst kreative Freiheiten, was damals schon ungewöhnlich war.
Johannes Franke: Also fast gar nicht zu machen. Griffith. Ich würde Griffith als einzigen nennen, der damals tatsächlich von Produktionsseite so eine Karte bekommen hat, hier mach, was du willst und egal, was du am Ende abgibst, das ist in Ordnung. Ja.
Florian Bayer: Dass den Ku Klux Klan als großer Helden auftreten.
Johannes Franke: Ja, genau. Dazu kann es halt auch führen. Und ansonsten sind es halt dann irgendwie Leute wie Chaplin oder sowas, die auch machen konnten, was sie wollten, aber nur weil sie ihre eigene Produktionsfirma besaßen. Ja. Der durfte dann, als er das selber bestimmen konnte, natürlich machen, was er wollte, weil er war ja selber.
Florian Bayer: Damit ein Grund war, warum viele Regisseure, die sich als Otto Klan verstanden haben, ihre eigene Produktionsfirma gegründet haben, weil das im Studiosystem nicht möglich war. Ja. Zuerst wollte er Herz der Finsternis verfilmen. Die berühmte, das berühmte Buch von Joseph Conrad.
Johannes Franke: Aber stimmt das Wort wollte oder eher das Wort sollte?
Florian Bayer: Ich glaube, irgendwas dazwischen. Also Herz der Finsternis ist, so was Orson Welles gedreht hat, es passt zu ihm. Es passt zu seinem Beuteschimmer. Und das Ding ist dann ja auch in der Finanzierung gescheitert. Ich glaube schon, dass das auch ein bisschen Wunsch von ihm war, dass er das gespielt hat. Und Herz der Finsternis wurde sehr viel später komplett anders verfilmt von Francis Ford Coppola als Apocalypse Now. Herz der Finsternis handelt eigentlich von einem Handelsreisenden, glaube ich, der durch Afrika reist und da im tiefsten Urwald quasi auf die düstere Seite des Menschen trifft. Also auf seine eigene düstere Seite. Okay. Und Coppola hat es dann später in den Vietnamkrieg verlegt. Tolles Buch, tolle Filmung. Hat nicht geklappt mit der Finanzierung und deswegen hat er dann Citizen Kane gedreht. Und dann gab es diesen Stress mit Hurst, auf dem wir noch zu sprechen kommen. Und der Film war nicht so erfolgreich, wie er sein sollte. Er war kein Flop, das ist zu viel gesagt. Ja, das stimmt doch nicht. In der mythologischen Erzählung wird es gerne gesagt, der Film war ein kompletter Flop, ist bei allen durchgefallen, alle haben ihn ignoriert.
Johannes Franke: Das stimmt nicht.
Florian Bayer: Er hatte viele Oscar-Dominierungen. Ja. Er wurde auch davon ausgegangen, dass er mehr Oscars gewinnt, als er dann letzten Endes gewonnen hat.
Johannes Franke: Er hat ja nur einen gewonnen, ne?
Florian Bayer: Genau. Es wird auch so ein bisschen, das Drehbuch, es wird auch so ein bisschen kolportiert, dass das auch damit zusammenhing, dass Hurst Stumm gemacht hat. Und definitiv die Rolle von Hurst kann man nicht unterschätzen, was das betrifft. Ja. Der hat nicht nur, dass der hatte einfach die meisten Tageszeitungen und so. Und der hat einfach dann die Agenda aufgegeben, die ignorieren den Film, die schreiben nicht drüber. Und dann hat er auch Kinos angesprochen und gesagt, ey, wenn ihr nochmal irgendwas mit mir zu tun haben wollt, der hat auch eine Produktion gespielt hat, dann zeigt ihr diesen Film nicht.
Johannes Franke: Nur um das ganz kurz zu klären, der Film spielt ein bisschen mit Hursts Leben und Hurst wird nicht besonders gut dargestellt, wenn man das so interpretieren möchte. Aber über Hurst können wir ja später nochmal ausführlicher reden.
Florian Bayer: Genau. Und dann war es tatsächlich so, ja, okay, von der Kritik gefeiert, er war halt schon irgendwie ein Star auch, aber nicht so erfolgreich, wie er gedacht hätte. Und er ist dann tatsächlich, ein paar Jahre später ist Austin Wells nach Europa und hat da dann gedreht mit Rita Hayworth verheiratet. Ah ja. Seit 1943 hat er Rita Hayworth verheiratet, 1947 ging die Ehe zu Ende. Und er hat dann auch die Filmografie von Austin Wells, was große Filme betrifft, ist relativ überschaubar. Aber Ende der 40er hat er das Drehbuch geschrieben und die Hauptrolle in Der dritte Mann gespielt. Das ist so ein zweiter großer Film, mit dem er assoziiert wird. Aber das war eine Zeit der sowohl privaten als auch künstlerischen Misserfolge. Er hat in ganz vielen Sachen mitgespielt, um seine Filme selbst finanzieren zu können. Ja. Und dann hatte er irgendwann den Ruf so Quantität über Qualität. So, oh nee, nicht schon wieder was mit Austin Wells, ey, ich muss nicht mehr sehen. Weil er wirklich alles gespielt hat, um Geld zu kriegen. Und er hat dann zumindest Mitte der 40er, stand er dann in der McCarthy-Ära auf der schwarzen Liste. Bis in die 50er hinein galt als Kommunistenfreund oder sogar Kommunist, was es ihm auch schwer gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, aber das ist ja vor allem wegen Hearst, ne? Hearst hat ihn ja sofort als Kommunisten bezeichnet. Und die McCarthy-Leute, die waren ja sehr, die sind ja sehr auf sowas aufgesprungen, sofort. Also sieht man auch bei der Chaplin-Geschichte und so weiter. Charlie Chaplin hat ja jetzt das Problem auch.
Florian Bayer: 1958 kam sein zweiter richtig großer Film, das ist Im Zeichen des Bösen, den viele noch, viele, viele kennen, die sich irgendwie so ein bisschen mit Austin Wells auseinandersetzen. Und dazwischen halt immer so ein bisschen was. Er hat Shakespeare versucht zu verfilmen, er hat Shakespeare zweimal verfilmt, Macbeth und Nutello. Er hat den Prozess von Transkafkan, das hat er 1962 verfilmt. Und er hat so einen Shakespeare-Episode-Film gemacht, den ich nicht gesehen habe, der heißt Fallstuff. Da sind so verschiedene Shakespeare-Episode reingekommen, auch 60er Jahre. Und sein letzter komplizierter Film ist aus dem Jahr 1974 ein Fernsehfilm, Effi Fälschung. Das ist so eine Fake-Dokumentation, die sich mit einem Kunstfälscher auseinandersetzt und selbst so ein bisschen Wahrheit und Fiktion füreinander spielt. Also, ich will sagen, Austin Wells hatte diesen großen Film, wurde auch gefeiert dafür. Ja. Aber er ist dann in den folgenden Jahren, hat er die ganze Zeit gekämpft. Er hatte so zwei, drei große Sachen, eben im Zeichen des Bösen und der Prozess zum Beispiel und der dritte Mann. Und ansonsten war er eher dafür bekannt, dass er einfach alles Mögliche macht. Und es hat sich so ein bisschen geändert, erst Anfang der 70er Jahre hat er einen Ehren-Oscar gewonnen, das war 71, was ein bisschen späte Gerechtigkeit war. Ja. Und das ist auch so die Zeit, in der dann die nachgeholte Rezeption von Citizen Kane fällt, auf die wir auch noch zu sprechen kommen. Ja, ja, ja, ja, ja. Die Leute, die Episode zu strukturieren, war wirklich schwer, war schwer und wird schwer. Wir werden deswegen eventuell ein paar Mal sagen, wir kommen darauf zu sprechen. Die Rezeption von Citizen Kane holen wir später nach. Ja. Und gestorben ist Austin Wells dann 1985, aber er hat vor seinem Tod, hat er noch sehr viele Ehrungen erhalten für diesen Film und konnte wahrscheinlich auch recht zufrieden feststellen, dass der Film doch nochmal stärker rezipiert wurde. Aber gehen wir zurück zu dem 25-jährigen Burschen, der in Hollywood ankommt und sagt, das ist ja wie the greatest electric train set a boy ever had.
Johannes Franke: Ja, also Spielplatz. Man kann da irgendwelchen Scheiß machen, man kann alles Mögliche damit anfangen, aber richtig ernst genommen hat das halt auch nicht, habe ich das Gefühl. Er ist so ein bisschen, das was ich von außen sehen würde als Hollywood-Filmemacher, der großes Studio leitet. Lieber Herr Wells, wir hätten da ein Angebot für Sie, Sie können machen, was Sie wollen. Und der sagt dann, oh ne, interessiert mich nicht, ich mache lieber weiter Theater. Das ist eine Ignoranz und Arroganz, die man sich erstmal erlauben muss. Und er hat es sich natürlich erlauben können, wegen seiner Berühmtheit und so weiter. Und möchte ich ihm das natürlich auch gönnen, weil man vielleicht wirklich gar kein Interesse an Filmen hat. Aber es kommt natürlich erstmal komisch rüber.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er hat anscheinend tatsächlich nicht so viel Interesse an Filmen gehabt.
Florian Bayer: Er hat sich nicht auf mit Filmen.
Johannes Franke: Und dann hat er dann angefangen und hat dann plötzlich gemerkt, hu, wow, okay, Pandoras Box, da gibt es so viele Möglichkeiten, man kann so viel machen. Und dann hat er sich wirklich Filme teilweise 40 Mal angeschaut und wieder und wieder und wieder und hat sich alle möglichen Techniker rangeholt, hat sich den Lichtmenschen rangeholt, hat mit dem zusammen den Film geguckt und hat gesagt, jo, wie macht man das dann? Wie macht man das? Wie macht man das? Wie macht man das? Und hat echt sich in seiner eigenen Filmstuhl zusammengebaut.
Florian Bayer: Retrospektiv hat er gesagt, ich habe nach Sachen gefragt, die eigentlich nur ein blutiger Anfänger hätte fragen können. Ich wollte Sachen, um die zu wollen, muss man ignorant genug sein, um zu denken, ach, das ist ja kein Problem. Und Gott sei Dank waren die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, da und haben gesagt, ja, das machen wir mit dir.
Johannes Franke: Allen voran der Kameramann.
Florian Bayer: Allen voran der Kameramann, ich wollte, Craig Toland, ich wollte ganz kurz, bevor wir zur Kamera kommen, Herman J. Mankiewicz, sein Autor slash Co-Autor für diesen Film.
Johannes Franke: Slash drunk.
Florian Bayer: Perfekte Besetzung dafür, weil der war oft Gast in Hearst Castle, um nochmal auf unseren Medienmogel zurückzukommen, war das Xanadu von diesem Hearst. Das war der Ort, wo die großen Partys stattgefunden haben. Das heißt, er kannte diese Welt, er kannte die Welt des Medienimperiums, des Medienimperialisten. Wells hatte so ein Theaterstück entwickelt, wo es irgendwie um das Leben eines Menschen geht, Lebenslauf eines Menschen erzählt aus der Sicht seiner Mitmenschen, seiner Zeitgenossen. Und daraus hat er zumindest die Idee entwickelt. Aber es kam dann ganz viel von Mankiewicz. Ja. Und es ist bis heute, es ist Teil von hitzigen Debatten im Feuilleton, wie viel Wells gemacht hat und wie viel Mankiewicz gemacht hat.
Johannes Franke: Ich glaube, ich glaube, die richtigen Stimmen gefunden zu haben, die das wirklich nochmal aufgeschlüttelt haben, die wirklich alles nochmal durchgearbeitet haben und eigentlich Tag für Tag geschaut haben, wie hat sich das Skript entwickelt und wer hat dabei was beigetragen. Und es scheint wirklich so zu sein, als dass Orson Welleson wirklich beträchtlichen, riesigen Batzen beigesteuert hat.
Florian Bayer: Es gab, in den 70ern gab es von einer Filmwissenschaftlerin ein Essay, das ziemlich hart mit Wells ins Gericht gegangen ist und gesagt, und Inhalt war eigentlich, das Ding ist zu 100% von Mankiewicz geschrieben, Wells hat allen Credit für sich beansprucht und das ist total ungerecht und jetzt stellen wir Gerechtigkeit her. Ja, wie das so ist bei solchen Debatten, wurde dieser Text wiederum heftig angegriffen in den 80er Jahren. Ja. Nicht nur, weil die Autorin einfach sehr ungerecht Wells gegenüber war, sondern weil sie offensichtlich sich auch bei Ideen von jemand anderem bedient. Ja, genau. Ja, also es ist davon auszugehen, dass Wells sehr viel beigetragen hat und Wells war auch, Wells war nicht so, dass er alles für sich beansprucht hat. Ja, der hat zum Beispiel, Wells hat gesagt, Mankiewicz ist Rosebud, der von dem kommt die Rosebud-Idee. Absolut, ja. Er hat das nicht geleugnet. Im Studio war ja das Problem, ne, weil es gab einen Vertrag mit Mankiewicz, das hieß, er ist eigentlich nur Script-Doktor, also der einfach korrigiert, dass er gar nicht in den Credits erwähnt wird. Mhm. Als er dann erfahren hat, dass RKO, das Studio, ihn nicht in den Credits nennen will, hat er für Trouble gesorgt und hat sich mit der Screenwriter-Skilt zusammengetan und hat den einfach gedroht und hat gesagt, ich verklage euch und ich kann hier richtig Ärger machen.
Johannes Franke: Man muss bloß dazu sagen, dass das ihm eigentlich von Anfang an klar war, ne, er war ja wirklich als Script-Doktor angestellt und das war common knowledge, ne, also es war für jedem klar, dass als Script-Doktor du nicht erwähnt wirst, du kriegst keinen Credits. Und er hat halt dann irgendwann gemerkt, ja, meine Arbeit wird so groß, dass ich das irgendwie einklagen muss, dass das, er wusste schon, dass er keine Credits bekommen würde und dann hat eben die Arbeit so einen Anteil eingenommen, dass er gesagt hat, ich werde jetzt anfangen zu versuchen, einen zu bekommen. Was auch irgendwie Sinn macht.
Florian Bayer: Natürlich, volle Kanne. Ich bin mir eigentlich ganz stark mit Triebung auf, wenn ich einfach nur jemand, der ein bisschen was korrigiert, dann will ich dafür auch irgendwie gewürdigt werden. Natürlich. Und das Studio hat nachgegeben. Ja, ja, ist auch richtig. Er wurde in den Credits erwähnt und er hat dann ja auch den Oscar gekriegt, den einzigen Oscar. Der Film gekriegt hat für den besten Drehbuchautor. Genau. John Houseman ist der zweite Co-Autor, der allerdings tatsächlich ein bisschen untergegangen ist in der Rezeption, der aber wohl auch wirklich nicht viel am Drehbuch beigetragen hat. Ja, Kamera.
Johannes Franke: Ja, stimmt, der Kamera. Also wenn es einfach darum geht, ich glaube, in der großen Blase bewegen wir uns jetzt gerade, was für krasse Leute sich Orson Welles rangeholt hat, beziehungsweise was für Glück er hatte, das, was für Leute sich angeboten haben, mit ihm zusammenzuarbeiten, dann ist natürlich der Kameramann eine der wichtigsten Personen. Orson Welles hat ihn, Credit mit ihm zusammen, also es gibt ja diese Abschlusskarten, diese Creditkarten, Regie Orson Welles. Und auf der gleichen Karte hat er den Kameramann erwähnt, weil der wirklich, Orson Welles hat gesagt, 50% des Films ist ihm zu verdanken und 50% ist schon echt viel. Also, weil dann natürlich Licht und Sound und die Schauspieler und so weiter, die kommen ja alle dazu und dann haben die alle zusammen nur noch 50% beigetragen.
Florian Bayer: Also, ich würde nicht so viel Zahlen, Zahlen, Pornografie betreffen.
Johannes Franke: Naja, aber es bedeutet einfach sehr viel, dass er sagt, 50% des Films ist von ihm, weil das kannst du nicht mal überbewerten. Und was der für Arbeit geleistet hat für den Film ist echt krass.
Florian Bayer: Greg Toland war sowas, was man als Hollywood-Urgestellte zeichnen könnte, wo Citizen Kane sehr viel mit Howard Hawks zum Beispiel gearbeitet. Und mit John Ford, um einen Film zu nennen, Früchte des Zorns, so ein Klassiker des alten Good Old Hollywood, wo er die Kamera gemacht hat. Der hat was von seinem Geschäft verstanden. Aber man darf, glaube ich, auch nicht unterschätzen, wie Orson Welles ihn dazu getriezt hat, unkonventionell zu arbeiten und ungewöhnliche Ideen auch einzubringen. Weil Orson Welles hat, glaube ich, viel, viel out of the box gedacht, weil er nicht in diesem Kamerasystem drin war. Und auch, weil er die richtigen Filme geguckt hat, auf jeden Fall. Ja, ja, ja. Orson Welles hat sich in deutschen Stummfilmen herumgetrieben. Also Murnau war einer, oder Robert Wiene war einer von denen, mit denen er sich beschäftigt hat. Und er hat vor allem angetan von den Bildern des deutschen Stummfilms, des Rassionismus.
Johannes Franke: Und das sieht man natürlich auch. Ja, definitiv. Aber man muss natürlich dazu sagen, dass der Kameramann auch sich vorgeschlagen hat, er hat sich selbst beworben. Und er hätte eigentlich sich niemals bewerben müssen irgendwo, als in dem Standing, was er hat, hätte er sich nicht hinsetzen müssen und sagen, ich würde gerne mit Welles arbeiten, sondern der kriegt alles, was er will eigentlich. Und ist wirklich zum Interview gegangen, hat wirklich für den Job ein Interview geführt und gesagt, ja, ich möchte mich gerne bewerben. Und seine Begründung ist, er hat so viel gemacht, er hat so viel gelernt in seinen Jahren, das ist so festgefahren, dass er einfach jemanden braucht, der völlig neu auf die Sachen drauf schaut und mit dem er ganz neue Sachen ausprobieren kann. Andere Regisseure wollen das nicht, ne? Es gibt ja so viele alteingesessene Leute, die dann sagen, ja, ich weiß, wie ich das mache, da wird aufgelöst, da, dann haben wir einen Gegenschuss und den Totale und alles Gutes. Und er wollte halt neue Sachen probieren. Er hat ja auch selbst neue Ideen gehabt, schon vorher, die er einfach mal ausprobieren wollte. Und deswegen hat er sich Welles ausgesucht und hat gesagt, ich arbeite mit dir zusammen und du darfst gerne alles mögliche von mir verlangen. Also ich glaube, dass das für beide sehr, sehr gut war einfach.
Florian Bayer: Soll ich einfach mal was einschmeißen? Schmeiß mal. Wir sind bei den Bildern und die Bilder, also es ist schon krass, was in dem Film passiert. Ich finde, es ist nicht nur krass für die damalige Zeit, sondern es ist wirklich krass. Und vielleicht einfach, fangen wir mit der Eröffnung an. Wenn man mal so eine Horrorfilm-Atmosphäre hat, wir haben diesen Kran, der uns in der Ferne Xanadu zeigt, aus dieser Villa, die Kane gebaut hat. Und die Kamera fährt da langsam hin, sie geht über den Zaun drüber. Und zwar, wir sehen dieses riesige Tor, wir sehen den Zaun, wir brechen da jetzt ein, wir fahren da rein, wir fahren zum Fenster. Das ist wirklich so ein Eindringen in die Privatsphäre. Und dann fahren wir da rein und dann haben wir den Schnitz, zum Schnitz können wir später noch kommen, die Schneekugel. Ganz berühmte Szene, wir haben den Schnee, wir haben die Kamera an der Schneekugel, Rosebud, die Schneekugel fällt hin, zerspringt. Aber wir haben dieses Fischei, haben wir weiterhin in den Raum hinein. Das würden wir durch irgendwie so eine invertierte Schneekugel fast sehen. Ja, ja. Das ist ja so ein Fischei, man sieht ja eher von innen der Schneekugel nach außen und sieht durch dieses Fischei, wie die Pflegerin reinkommt, um festzustellen, dass Kane tot ist.
Johannes Franke: Das ist toll, absolut. Großartig. Also da sieht man natürlich, dass Orson Welles vom Theater kommt, keine Ahnung davon, wie schwer was ist, einfach rumspinnt und sagt, ja, okay, dann machen wir das, machen wir das so, machen wir das so, ist doch geil. Okay, und da finde ich natürlich diese Chuzpe, mit der er das gemacht hat, einfach weil er vom Theater kommt und im Theater einfach viel mehr Experiment gemacht wird. Und das ist auch heute noch so. Wenn ich ins Theater gehe, sehe ich Dinge, die einfach behauptet werden, die einfach gemacht werden, Experimente, die gemacht werden, die beim Film einfach nicht passieren. Und natürlich, klar, kommt man dann mit der Haltung zum Film und sagt, ja, ich möchte dann gerne so eine Perspektive durch den Snowglobe. Geht das? Und der Kameramann so, äh, natürlich, kein Problem, lass mich kurz nachdenken.
Florian Bayer: Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Bei Schneiden, bei Schneiden reden wir eigentlich nicht davon, dass man mit der Schere in den Boden einfach in irgendwelche Holzdinger mal mit einer Säge oder sowas, das waren concrete walls. Also das war wirklich Beton. Da musst du einigen Aufwand betreiben, um das auszuheben, um da eine Kamera tiefer setzen zu können. Das heißt auch, das musste man sowieso damals, aber noch mehr dadurch, dass du jeden Shot 100% vorher vorbereiten musst, wochenlang und überlegen musst, was machst du wie. Und du nicht zufälligerweise am Set dann sagen kannst, oh, jetzt wäre geil, wenn ich von unten käme. Äh, äh, das geht nicht, wenn du das nicht zwei Wochen vorher festgelegt hast.
Florian Bayer: Sie haben ja auch ganz viel präpariert, auch mit, sie haben ganz viel mit diesen Matte-Paintings gearbeitet. Ja, genau. Um mir Hinterkonten zu zeigen, ganz kurze Erklärung. Wenn du einen großen Raum simulieren willst und du hast keinen großen Raum zur Verfügung, dann klebst du halt ein Bild von einem großen Raum dahin. Und das ist das, was sie damals gemacht haben. In vielen Filmen ist es offensichtlich, in vielen Filmen ist es sehr gut versteckt. Hier ist es irgendwie so dazwischen. Manchmal ist es ein bisschen offensichtlicher, auch fast so verzerrt, so real. Manchmal ist es, weiß man es gar nicht, bis man dann gelesen hat, dass hier gearbeitet, mit Betricks gearbeitet wird. Ja, ja, genau. Wir haben zum Beispiel, wenn die Frau von Kane, Susan, auf der Opernbühne steht und zum nächsten Mal singt, haben wir eine Kamerafahrt von ihr hoch. Oh Gott, ja, stimmt. Und dann fahren wir die Aata-Bühne hoch und dann sehen wir an den Balken vorbei durch ein Fenster im Hintergrund die Häuser von der Stadt, die Miniatur aufgebaut haben, um diesen Effekt zu erzeugen von Höhe, während die Kamera hochfährt. Während an anderer Stelle zum Beispiel, wenn wir Xanadu innen sehen, das sind diese bizarren Türen, die aufgemalt sind, wo man teilweise auch direkt sieht, dass das irgendwie nach Kulisse aussieht und es verstärkt aber den Effekt dieser Verlorenheit des Raumes.
Johannes Franke: Ja, absolut. Also kameratechnisch ist einfach wahnsinnig viel sehr clever gemacht worden und wie die Kamera sich bewegt teilweise. Allein wenn am Anfang die ihr Kind da weggeben, also Kane, und die Kamera geht mit den Figuren mit nach hinten vom Fenster weg in ihr Wohnzimmer, wo sie sich dann an den Tisch setzt. Man sieht noch, wie sich der Hut, der auf dem Tisch liegt, wie der sich ein bisschen bewegt, weil nämlich die Kamera da lang läuft, wo eigentlich der Tisch stehen würde. Die haben in dem letzten Moment den zersägten Tisch schnell zusammengeklappt, als die Kamera durch war, sodass sich die Frau direkt an den Tisch setzen konnte. Und du fragst dich, wie kommt die Kamera da lang? Da ist noch ein Tisch. Das ist halt krass.
Florian Bayer: Und dann haben sie dieses fantastische Bild, wo die Eltern sich mit dem reichen Gönner, der Charles Kane adoptieren will, unterhalten. Und im Hintergrund sehen wir durch das Fenster den kleinen Kane im Schnee spielen. Ja. Und beide Bilder haben ihre Schärfe, ne? Wir sehen beides. Und das ist so, wo man sagen würde, das ist eigentlich simpel, aber es ist so großartig den Raum gedacht, großartig den Raum eingeteilt, um auch einfach zwei Geschichten parallel zu erzählen. Ja. Die Eltern, die ziemlich kalt sind dabei, also vor allem die Mutter. Die Mutter, ja. Und dann den jungen Kane, der allein für sich spielt und halt irgendwie so in seiner fantastischen Welt ist und so eine beschwerte Jugend. Und es tut im Herzen schon weh, ne?
Johannes Franke: Ja, es ist krass. Und das ist natürlich nur möglich, wenn du dieses Bild wie ein Gemälde wirken lässt, ne? Heutzutage würde man das auflösen. Man würde sagen, wir haben eine Nahe von der Mutter, die sagt, ja, hier, nimm das Kind. Dann haben wir einen Schnitt auf das Kind, das spielt. Und dann haben wir einen Schnitt auf den Mann, der sagt, nein, lassen Sie das Kind doch selber großziehen. Und dann wieder einen Schnitt auf die Mutter, die sagt, nee, weg damit. Und hier sehen wir alles ohne Schnitt, einmal im Ganzen und der Hintergrund ist genauso scharf wie der Vordergrund, damit wir genau sehen, wie das Kind seine letzten unbeschwerten Sekunden verlebt. Das ist schon eine krasse Entscheidung und es ist eine technisch sehr aufwendige Entscheidung, weil du viel, viel mehr Licht brauchst und weil du ganz krassen Filmstock brauchst, der das schafft, mit wenig Licht klarzukommen, weil du eine sehr, sehr geschlossene Linse brauchst, die dann den Fokus überall hat.
Florian Bayer: Austin Wells hat teilweise die Schärfen manipuliert. Er hat Objekte abgefilmt von einem kleinen Hintergrund, um die dann aufwendig wirklich Special Effects, wir reden hier von Special Effects, in Schnitt reinzubringen. In der Selbstmordszene zum Beispiel, die Frau von Kane, die zweite Frau versucht Selbstmord zu begehen, nachdem ihre Opernkarriere scheitert, zu der er sie immer weiter trägt. Und dann haben wir diese Szenen, wie sie im Bett liegt und die Tabletten, die sie geschluckt hat, sind im Vordergrund. Also wir haben so diesen kleinen Nachtisch im Vordergrund. Und aus dem Hintergrund kommt Kane mit jemandem, um zu gucken, wie es ihr geht. Und das ist alles scharf. Und was im Vordergrund ist, wurde nicht Greenscreen, also Greenscreen gab es damals, sondern nicht im schwarzen Hintergrund getreten. Das ist natürlich statisch, das heißt, es lässt sich einfach leichter ausschneiden und dann nachher auf den Film drehen. Aber das sind so Tricks, mit denen gearbeitet wurde.
Johannes Franke: Haben die nicht das so rumgemacht, dass, also es ist Onset, du hast dieses Set, sie liegt im Bett, hinten ist das Licht aus, also nicht beleuchtet, was auf der Kamera aussieht wie schwarzer Hintergrund. Dann haben sie das gedreht und dann haben sie den Film zurückgedreht und da sozusagen nichts ausgeschnitten, sondern einfach genau an derselben Stelle den Film nochmal belichtet. Und zwar vorne diesmal dunkel und hinten das Licht an. Sozusagen kein im Nachhinein im Schnitt passiertes Sache, sondern das ist in der Kamera ein Trick. Live in der Kamera und das ist schon krass. Ziemlich heftig, ne? Finde ich schon ziemlich geil, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es sind auch so, es sind die großen und die kleinen Sachen. Wie gesagt, das ist eine kleine Szene, man weiß nicht, dass das ein Trick war, bis man sich gelesen hat. Ja, genau. Man ist oft beeindruckt davon, dass Sachen, dass es so eine Tiefe gibt und so eine Tiefenschärfe und ohne sich darüber Gedanken zu machen, wurde das damals gemacht. Wir befinden uns halt im Januar 1941. Ja, ja. Wir befinden uns am Zweiter Weltkrieg. Ja, es ist unglaublich.
Johannes Franke: Und dann wird aber oft gesagt, dass dieser Deep Focus, wie man das nennt, dass das irgendwie so nah am Erleben des Menschen dran ist und deswegen so realistisch wirkt und so weiter. Aber das stimmt eigentlich nicht, weil wenn man sich mal auf seine Hand direkt vor der Nase konzentriert, dann merkt man ja, dass was alles weiter hinten ist, dass das schon verschwimmt. Also eigentlich ist das nicht der natürliche Blick des Auges, obwohl das viele Leute immer dann behaupten, weil sie glauben, dass das irgendwie besonders toll ist. Aber es stimmt nicht. Es ist artifiziell. Es ist artifiziell. Und es ist irgendwie der Blick eines Malers, der ein Gemälde malt, in dem es keine Unschärfung gibt, sondern einfach immer alles scharf gemalt ist.
Florian Bayer: Wobei er ja schon mit Unschärfen arbeitet. Also der Film hat nicht alles immer im Fokus. Nein, nein, nein.
Johannes Franke: Also es ist nicht Roy Anderson.
Florian Bayer: Roy Anderson, stimmt. Der hat immer alles im Fokus. Genau, ja. Und gerade was so die Totalen betrifft, ist Roy Anderson wahrscheinlich auch ein bisschen von Orson.
Johannes Franke: Garantiert, bin ich mir ziemlich sicher. Natürlich.
Florian Bayer: Also wir haben sehr oft auch bewegliche Kameras, diese unruhigen Szenen. Wir haben aber auch sehr oft diese krassen Totalen. Zum Beispiel, wenn Kane mit seiner zweiten Frau in Xanadu sitzt und sie so extrem weit voneinander entfernt sind, in diesem riesigen Wohnzimmer. Und dann wird dieses Totale gehalten und es ist so schmerzhaft, wie weit sie voneinander entfernt sind. Ja, das ist krass. Also Entfernung ist ein ganz großes Ding bei dem Film. Ja. Allein die Szene, wie Kane und seine erste Frau am Tisch sitzen, am Fotokalisten sitzen. Und dann über diese Transitions, in denen so wir sind, wird erzählt, wie die Zeit vergeht. Und der Tisch scheint von Szene zu Szene größer zu werden. Ja, ja, ja. Und die Distanz wird von Szene zu Szene größer. Es war immer derselbe Tisch, aber es ist einfach geschafft, durch Kameraspektive und gute Platzierung.
Johannes Franke: Und Linsen.
Florian Bayer: Und Linsen, den Druck entstehen zu lassen. Wow, hier distanzieren sich zwei Eheleute im wahrsten Sinne des Wortes voneinander.
Johannes Franke: Er hatte auch irgendeinen Ursprung genannt. Ich habe es auch irgendwo aufgeschrieben, aber ich suche da jetzt nicht danach. Er hat irgendwo gesagt, dass er das bei irgendeinem Film geklaut hat, diese Idee. Diese Passage of Time, also der Verlauf der Zeit durch so eine Montage darzustellen.
Florian Bayer: Ich glaube, da gibt es vor allem Robert Weiss, der für den Schnitt verantwortlich war, auch so ein bisschen Credits.
Johannes Franke: Der hat lange gebraucht für den Schnitt, für diese Szene.
Florian Bayer: Und insgesamt, der hat auch viel, also vielleicht nur die zweite Magie in der Kamera, die manchmal vergessen wird, wenn man von den Bildern total beeindruckt ist, der Schnitt. Ja, das stimmt. Der wird gemacht, auch in diesem Film, gerade in diesem Film, der ja nicht chronologisch erzählt ist, wird sehr viel mit Schnitt gearbeitet, um Zeiten vergehen zu lassen, um Stimmung vergehen zu lassen.
Johannes Franke: Da muss man sagen, Orson Welles hat sich auch wirklich darum gekümmert. Also, der hatte ja vorher einen anderen Cutter. Der war ihm allerdings zu alt. Der wusste nicht, wovon er redet. Der hat wirklich, Orson Welles hat gesagt, ich brauche jemanden, der in meinem Alter ist und der weiß, wovon ich rede. Sonst brauchen wir hier 200.000 Jahre, um diesen Film zu schneiden.
Florian Bayer: Ja, das Problem war wirklich, also das darf man nicht unterschätzen, wie sitzen Kane erzählt ist, wie er strukturiert ist, das ist ungewöhnlich für die Zeit. Ja. Weil er ist, also lassen wir mal beiseite, dass er große Zeitsprünge macht. Er ist nicht chronologisch erzählt, er ist perspektivisch erzählt. Also wir haben, das Ganze ist aufgebaut um die Ermittlungen von dem Reporter, der verschiedene Leute besucht. Wir haben die Storys von mehreren Leuten, im Prinzip sind es so vier, fünf, sechs, ungefähr so sechs verschiedene Perspektiven. Und die erzählen aber auch das Leben nicht chronologisch, sondern wir haben quasi einmal das ganze Leben zusammengefasst.
Johannes Franke: Welcher Film schafft es tatsächlich davon zu kommen, mit dem Gedanken, am Anfang den ganzen Film schon mal zu erzählen? Ja, wirklich, wir sehen die News-Report da und sehen im Grunde alles, was wir später im Film nochmal sehen. Bloß halt in kürzerer Zeit zusammengefasst. Das ist total dämlich eigentlich, aber es klappt total gut. Jeder würde dir das um die Ohren hauen als Filmstudent, würde der Professor sagen, meine Güte, du kannst doch nicht vorher den ganzen Film einmal erzählen schon vorher.
Florian Bayer: Ja, und es geht ja noch weiter, dann haben wir ja wirklich diesen, quasi einen Blick in die Gegenwart, weil wir kurz diese Susan Alexander sehen, als zweite Ehefrau verheiratet waren. Wir wissen ja, sie ist fertig, aber sie erzählt nichts. Ja. Und dann haben wir diesen Besuch im Privaterstief, wo wir nochmal das ganze Leben von Cain, wirklich bis zum Schluss, bis 1929, wenn die Börse crasht und er sein Imperium verkaufen muss oder zumindest die Hoheit abgeben muss an seinen verhassten Ziehvater. Und dann springen wir aber wieder zurück, weil wir dann bei Bernstein sind und der erzählt dann wieder vom Anfang, was da passiert ist. Und es funktioniert trotzdem. Also ich bin wirklich beeindruckt, wie der strukturiert ist, weil es ist auf den ersten Blick chaotisch und man muss auch aufpassen. Also es macht durchaus Sinn, danach nochmal zu gucken, okay, wie war die Timeline der Ereignisse? Wann hat er das Opernhaus gebaut? Wann musste er seine Zeitung verkaufen? Wie ist er da an das Geld gekommen? Es macht durchaus Sinn, nochmal am Ende des Films oder davor auch drauf zu gucken und zu sagen, ah, da war das Ereignis, da war das Ereignis, da war das Ereignis. Weil der Film selbst uns immer die Perspektiven auf verschiedene Ereignisse über kürzere oder längere Zeiträume zeigt.
Johannes Franke: Wobei die Frage ist, wie wichtig ist das eigentlich? Wie wichtig ist mir als Zuschauer tatsächlich die Abfolge der Ereignisse? Weil ich fast finde, dass das Mysterium dieser Figur viel besser aufbaut, wenn ich nicht weiß, was, wie, wann, wo ich irgendwann durcheinander komme und dann irgendwann denke, ja, dann hat er irgendwann das gemacht und dann hat er irgendwann das gemacht. Und dieser Typ hat ein ganz anderes Bild von ihm als dieser Typ und diese Frau liebt ihn irgendwie immer noch und fand ihn immer toll und die andere überhaupt nicht mehr. Also, dass man irgendwie so ein Mysterium aufbaut, ist, glaube ich, dafür ist wichtig, dass der Film so durcheinander erzählt wird. Weil man einfach immer wieder das Gefühl hat, ich muss das Bild weiter vervollständigen. Ich will noch mehr über ihn wissen. Ich will noch mehr wissen, wieso dieser Typ so ist, wie er ist.
Florian Bayer: Nicht ganz ohne Grund werden gerade in der letzten Hälfte, in den letzten Dritteln des Films, werden sehr oft Puzzles gezeigt. Ja, ja, ja. Überständige Puzzles, Puzzles, die gerade zu Ende gestellt werden und ich mir doch die Frage gestellt, was ist überhaupt der Sinn dahinter? Kane selbst sagt, was soll das mit diesen ganzen Dingen, warum machst du das die ganze Zeit? Der Film hat, also es ist ein bisschen eine Binse, weil das, glaube ich, sehr oft über den Film gesagt wird, er hat seine Puzzle-Vibes.
Johannes Franke: Ja, ja, er hat sehr viel Symbolismus in den Dingen, die er tut. Es ist ja nicht nur der Puzzle, sondern es hat einfach sehr viele Symbole drin.
Florian Bayer: Und wir folgen ja auch dem, der versucht, das Puzzle zusammenzusetzen. Mhm, genau, ja. Ja, glaubst du, also du sagst Mysterium, gibt uns der Film genug an die Hand, um diesen Kane besser zu verstehen, um das Mysterium vielleicht nicht zu lösen, aber zumindest sagen, ja, wir haben hier ein gutes Gefühl für diese Figur, wer das ist, was der gemacht hat. Nee. Warum er das gemacht hat.
Johannes Franke: Ich glaube, das will der Film auch nicht am Ende. Ich glaube, Orson Welles hat zwischendurch, also er hat angefangen damit, das zu schreiben oder damit sich auseinanderzusetzen in der Absicht, hat dann aber beim Schreiben oder beim Filmemachen erst, weiß ich nicht, festgestellt, dass es besser ist, wenn es nicht ganz aufgeklärt ist. Wenn man nicht ganz genau weiß, wieso ist dieser Mensch so. Weil es geht ja auch um Hearst, die Originalfigur, die damals, die er sich wirklich sehr zur Brust genommen hat und gesagt hat, was ist das für ein krasser Typ, der dieses Monument für sich baut, der hat ja auch so ein riesiges Schloss gehabt.
Florian Bayer: Krass, krass. Kane von Orson Welles ist nicht mal so selbstverliebt. Ja. Er ist nicht Hearst, sondern er gibt ihm so einen mythologischen Namen. Ja, er wollte ihn verstehen, aber dann hat er irgendwann gemerkt, es macht keinen Sinn.
Johannes Franke: Es macht keinen Sinn, genau. Ich glaube, es muss dieses, weil man kann ihn nicht entschlüsseln und es wäre fast weniger magisch und fast enttäuschend, wenn man ihn wirklich entschlüsselt am Ende. Und das nimmt dem Film was weg, glaube ich.
Florian Bayer: Das ist ja so ein bisschen das Fazit, zu dem der Reporter kommt. Ja, stimmt. Ein einzelnes Wort, weil es sucht die ganze Zeit nach diesem Roast-Bund-Wort. Ein einzelnes Wort kann das Leben eines Menschen nicht erklären. Und das ist total sinnlos, was ich hier mache. Und ich glaube, es gibt nur diese Teile und letzten Endes wird es nicht aufgeklärt. Es ist halt einfach nur, Roast-Bund ist auch nur ein Puzzleteil, zwar im großen Puzzle, aber es gibt auch ganz viele andere Teile und wir haben ganz viele Teile gefunden. Ja. Wird natürlich ein bisschen konterkariert durch den Film selbst, der uns am Schluss so sehr bedeutungsschwanger zeigt. Ja. Spoiler-Aleur. Der Schlitten verbrannt wird im Film, als ich das Kind hatte. Und da ist Roast-Bund drauf. Ja. Das ist es. Das ist die Lösung. Das ist der Schlitten. Und man könnte natürlich sogar so weit gehen und sagen, das ist aber ziemlich plump. Weil, ey, ich meine, okay, ja, Citizen Kane, ich sollte ihn bei seinem richtigen Namen nennen, Charles Foster Kane, hat eigentlich immer nach dieser Geborgenheit gesucht, die er als Kind verloren hat, weil er wegkam. Und er wollte eigentlich das wiederfinden, was er als Kind verloren hat. Und das hat er versucht auf verschiedene Arten, indem er eine Zeitung gekauft hat, indem er eine Frau gekauft hat, indem er dieser Frauen-Opern-Karriere gekauft hat, indem er sich ein Schloss gekauft hat, indem er das Schloss vollgestellt hat mit Figuren, die er gekauft hat. Und er hat die ganze Zeit versucht, das wiederzufinden, aber er hat es nicht geschafft. Das ist ja eigentlich ziemlich platt.
Johannes Franke: Na ja, so platt vielleicht auch nicht. Vor allem nicht für die Zeit, weil ich glaube, das ist so ein Thema gewesen, was irgendwie, na ja, freut es nicht so lange her, dass der angefangen hat, sein Zeug zu machen. Und diese Mutter, ja, na ja, ne, und das ist alles irgendwie, ich glaube, es ist der Zeit geschuldet und für die Zeit gar nicht so platt, sondern tatsächlich ein spannendes Thema. Wie kriege ich die Liebe meiner Mutter wieder, die mich irgendwann mal verkauft, na ja, nicht verkauft, aber irgendwann mal weggegeben hat.
Florian Bayer: Sie hat es ja eigentlich gut gemeint, dass er die besten Chancen hat.
Johannes Franke: Darüber müssen wir vielleicht auch mal reden, wenn wir anfangen, mal inhaltlich über den Film zu reden. Wird es natürlich spannend. Zum einen eben diese Mutter. Was, warum? Und können wir die Mutter verstehen oder können wir sie nicht verstehen? Und ist der Vater eigentlich das Problem? Weil sie sagt irgendwann, ich gebe dieses Kind weg, damit es nicht mehr unter deiner Fuchtel stehen muss.
Florian Bayer: Und der Vater ist ja offensichtlich so gabauke.
Johannes Franke: Ja, na ja, er ist drunk.
Florian Bayer: Ja, genau. Schon noch ein bisschen mehr. Also man kann sich vorstellen, dass er auch drunk.
Johannes Franke: Abusive ist. Genau. Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und sie will, und das kaufen wir ihr auch ab, sie will das Beste für den Film.
Johannes Franke: Ja, ja, aber sie ist dabei sehr kalt.
Florian Bayer: Ja, sie ist dabei krass kalt. Ja. Aber das ist vielleicht auch einfach so eine Art der bürgerlichen Erziehung. Ja, ja. Die der Film aus der damaligen Zeit, die der Film bewusst auch kritisch hinterfragen will. Also quasi ihre gute Motivation wird nicht in Abrede gestellt. Aber das Ergebnis dieser Art von Erziehung, hey, du kommst jetzt zu diesem privaten Geschäftsmann, Fetcher, der wird dafür sorgen, dass du die beste Bildung hast. Scheiße auf die Liebe und Geborgenheit, die brauchst du nicht mehr. Das wird trotzdem kritisiert. Also ich glaube, dem Film gelingt ja bei Lausse Akt, dass wir irgendwie das Gefühl haben, wir verstehen, was die Mutter will. Ja. Aber wir können sie trotzdem nicht, wir können sie nicht freireden von Schuld.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht. Der Vater ist genauso schuld, ne, irgendwie, weil er eben einfach dieser abusive Typ zu sein scheint. Ich kann trotzdem aus der Zeit verstehen, die scheinen ja gerade erst reich geworden zu sein durch irgendeinen Goldfund. Genau. Und das heißt, sie sind eine einfache Familie, sie haben keine Ahnung, sie haben keine Bildung, sie haben nichts.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die müssten sich jetzt lange in gute Gesellschaft hineinkaufen. Bevor sie irgendwie eine Möglichkeit haben, dem Kind das auch zu bieten, was sie mit dem neuen Geld könnten. Das heißt, ich kann verstehen, dass sie sagt, also in Gedanken verstehen, dass man sagt, okay, wir kaufen uns jetzt lieber jemanden, der sich darum kümmert, dass das Kind direkt in der richtigen Umgebung aufwächst, bevor wir jetzt anfangen, uns aufwendig damit zu beschäftigen, wie das geht.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend, weil das einen Aspekt von Kane schon erklärt. Ja, ja. Und zwar, er sucht eigentlich immer nach zwischenmenschlichem Halt, den er da verloren hat, weil das waren seine Vertrauenspersonen. Egal, wie schlimm der Vater war, egal, wie kalt die Mutter war, das war irgendwie so eine Art, so ein Stück Geborgenheit. Das hat er verloren. Ja, und wenn wir uns anschauen, mit welchen Menschen arbeitet Kane wie zusammen, sind es immer Leute, von denen er eigentlich eine Art von Liebe erwartet. Ja. Und seine engsten Mitarbeiter, seine wichtigsten Mitarbeiter sind auch seine besten Freunde. Das ist nämlich dieser Jebediah Leland, den er schon sehr lange kennt. Ja. Und da war auch dieser Mr. Bernstein, der trotz aller Distanz, die irgendwie da ist, er wird konsequent Mr. Bernstein genannt.
Johannes Franke: Ja, wir kennen seinen Vornamen überhaupt nicht, ne? Nicht ein einziges Mal. Mr. Bernstein, ja, ja.
Florian Bayer: Das sind auch gleichzeitig seine besten Freunde.
Johannes Franke: Hm, ja.
Florian Bayer: Und er sucht auch irgendwie, also bis zum gewissen Punkt auch immer so ein bisschen Bestätigung bei ihm. Mhm. Und dann genau dasselbe auch mit den Frauen, mit denen er sich umgibt. Also es gibt ja diese zwei großen Ehen, wo man das Gefühl hat, er geht da mit sehr viel Hoffnung rein, beides Mal. Ja. Und er verwasselt. Ja, ja, ja, genau. Er verwasselt grandios. Aber man sieht, er will halt trotzdem irgendwie, er will eine zwischenmenschliche Nähe, er will das wirklich haben. Das geht nicht darum, Menschen zu kaufen, einfach. Ja. Was man so leicht sagen könnte, hey, dieser Typ ist skrupellos, der kauft Menschen wie Besitztümer und der interessiert sich eigentlich für niemanden außer sich selbst. Mhm. Das ist es nicht. Der hat schon, der hat klare Bedürfnisse nach Nähe und der ist auch cool zu seinen Leuten. Der kann auch nett sein und charmant und auch wirklich sympathisch.
Johannes Franke: Also mindestens in der ersten Hälfte des Films findet man den Typen total geil.
Florian Bayer: Also ich gucke mir den Typen. Das würde ich nicht gehen, ich finde so, also die Arroganz hat er schon von Anfang an.
Johannes Franke: Ja, mit der Arroganz kann ich aber umgehen, weil er die ganze Zeit Reden schwingt, die dazu führen, dass man denkt, wow, okay, der interessiert sich wirklich für die Arbeiterklasse. Oder er will wirklich dem Volk helfen und so und schwingt Reden in die Richtung. Dummerweise sehen wir in einer Szene, die so auf der Hälfte des Films ist, glaube ich, wie er kurz nachdem er sich gerade für die Arbeiterschaft eingesetzt hat, sagt, ja, wir sollten diesen, also du lieferst mir die Bilder aus Kuba und ich liefere dir den Krieg in Kuba zu den Bildern. Was übrigens Hearst irgendwann mal wirklich gesagt hat.
Florian Bayer: Ja, diese Demagogik kennt man ja aus der, das ist die Yellow Press, nicht nur der damaligen Zeit, sondern auch der heutigen Zeit. Deswegen würde ich ganz, ganz großes Fragezeichen dahinter machen, ob er sich wirklich für die Arbeiterklasse interessiert. Er ist eigentlich so dieser typische Redenschwinger, der sagt, ich will das Beste für die Leute und deswegen geht es euch korrupten Politikern jetzt an den Kragen. Aber die Gruppenpolitiker, denen es an den Kragen gehen soll, sind eben tendenziell eher die Politiker, die links stehen. Der Rupert Murdoch-Vergleich wird oft geprägt. Ja, absolut, zu Recht. Er sagt, hey, er macht diese Declaration, wo er sagt, ich will das Declaration of Principles, ich möchte für euch da sein, der Leser, wo sein Gesicht komplett im Schatten ist. Und dann Leland noch sagt, ey, das Papier will ich aufheben, das ist was Besonderes. Ja, ja, ja. Überlegkeitserklärung, uh, uh. Ja, ja, ja. Aber was er eigentlich machen will, ist ja Yellow Press. Er sagt hier so, die Überschrift, der Titel, die Schlagzeile ist das Wichtige. Wenn wir eine Schlagzeile haben, haben wir eine Story. Er macht Boulevardpressen, ne?
Johannes Franke: Ja, aber ich glaube schon, dass er es ernst meint am Anfang. Ich glaube schon, dass das so ist, weil dieser typische Rückgriff, den er ja später hat, er bekommt ja irgendwann diese Declaration nochmal als Post wieder zurück, soll ja diesen Bogen schlagen zu, guck mal, was du mal wolltest. Das ist ja der eigentliche Sinn dieses Rückgriffs auf die Declaration. Kann man natürlich umdeuten oder so, aber ich glaube, es ist filmemacherisch der stärkere Move zu sagen, das wollte er wirklich mal.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist in diesem Moment schon pervertiert. Vielleicht auch das, worauf der Begriff Populismus sehr gut passt. Er sagt, ich bin für euch da, ich bin des Volkes Stimme, aber in Wirklichkeit ist das, was ich mache, ist dem Volk Angst zu machen, also dem Volk Angst zu machen, dem Volk, das Volk zornig zu machen, das Volk zum Lachen zu bringen, indem ich übertreibe.
Johannes Franke: Es ist ja auch dieselbe Szene, in der, weiß nicht, über Bernstein oder so oder Leland zu ihm sagt, du hast gerade den zweiten Satz deiner Declaration mit ich angefangen.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist Leland. Bernstein ist nämlich, also so witzig Bernstein ist, Bernstein ist niemand, der ihm widerspricht. Das stimmt, ja. Bernstein ist ein sehr treuer Typ und Leland ist der Einzige, der sich traut, ihn öfter mal anzugehen und ihm Paroli zu bieten.
Johannes Franke: Also es deutet sich natürlich schon an, aber ich glaube, dass er schon das noch ernster meint, als es dann später wird.
Florian Bayer: Ja, ich würde auch nicht sagen, dass er es nicht ernst meint, aber ich glaube, es liegt einfach dieses Missverständnis vor. Das ist so eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt. Weißt du, du sagst, ich bin des Volkes Stimme und ich gebe dem Volk jetzt die Headline, hier ist ein Mörder unterwegs. Dann lest das Volk die Headline und sagt, oh mein Gott, wir haben Angst. Dann sagt er, hey, ich bin des Volkes Stimme. Seht ihr nicht, dass das Volk Angst hat, deswegen schreibe ich jetzt eine Schlagzeile, da ist ein Mörder unterwegs, dein Kind könnte der Nächste sein. Mehr Polizeipräsenz in diesem Viertel und dann sagt das Volk, oh mein Gott, ja genau, er sagt das, was wir wollen. Ohne, dass eben dieser Rückgriff kommt, die Angst ist eigentlich dadurch entstanden, dass er vorher die Angst gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Ja, natürlich Murdoch, der vergleicht so heute und ich würde Donald Trump natürlich volle Kanne reinhauen.
Florian Bayer: Trump würde ich außen vor, ich weiß, Trump wird oft genannt, ich finde, er ist nicht sonderlich Trump-Typ, dafür ist er zu, dafür finde ich ihn wiederum zu intelligent. Zu sympathisch und auch, also er hat ein bisschen was davon, natürlich diese politischen Ambitionen von einem reichen Geschäftsmann.
Johannes Franke: Darf ich nur kurz, Crooked Hillary, lock her up? Also ich meine, das ist das, was er sagt, was Citizen Kane in seiner Rede sagt, als erstes werde ich den jetzigen Amtierenden immer ins Gefängnis werfen. Was, wie plump ist das bitte? Und ich habe dann sofort gedacht, oh mein Gott, Trump hat das gesehen und stellt sich raus, Trump liebt diesen Film und hat echt gesagt, ich will sein wie Citizen Kane.
Florian Bayer: Ich glaube, Trump wäre gerne Charles Foster Kane, aber Charles Foster Kane ist besser als Trump.
Johannes Franke: Ja, natürlich, ja.
Florian Bayer: Und genau, jetzt sind wir schon bei den politischen Ambitionen, er tritt an gegen diesen Jim Gattis und er will Governor werden. Und das ist dann ja, wo es zu den ersten großen Bruch in seinem Leben gibt, die erste wirkliche Niederlage, nämlich zum einen, dass die Ehe mit seiner Frau scheitert, die schon vorher sehr brüchig war. Ja. Wegen dieser Affäre? Ist es nicht eine Affäre? Ist es eine Affäre?
Johannes Franke: Ja. Ist es eine Freundschaft? Ich glaube, es ist eine Affäre.
Florian Bayer: Nie so 100% konkretisiert.
Johannes Franke: Das stimmt. Aber man sieht es in seinem Gesicht. Als sie sagt, ich habe hier Notiz, ich soll dort und dorthin kommen und sie die Adresse sagt und ihm alles aus dem Gesicht fällt, sieht man, dass das vielleicht eher eine Affäre ist als eine Freundschaft.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Und wegen dieser Affäre platzt dann auch sein Wahlkampf. Er schafft es dann einfach nicht, weil das ist ein großer Skandal. Sein politischer Konkurrent nutzt das aus und zwar wirklich gemein. Aber damit ist einfach die politische Karriere von ihm besiegelt.
Johannes Franke: Und da sieht man das erste Mal, vielleicht nicht das erste Mal, aber am deutlichsten, wie krass sein Ego ist, weil er nicht in der Lage ist, auf alle drei anwesenden Menschen zu hören und zu sagen, du musst von selber dich zurückziehen aus diesem Wahlkampf. Ja. Und er sagt, ich mache nur, was ich will und höre auf niemanden. Und scheitert natürlich grandios dann damit.
Florian Bayer: Und andererseits Kudos für ihn, dass er, also seine Ehe ist ja oft nicht um Fremdgehen zurechtverliegen, aber seine Ehe ist offensichtlich schon sehr lange in die... Ja, natürlich. Und er steht zu seiner Geliebten, weil er die wirklich liebt. Das stimmt. Die Susan ist wirklich die Liebe seines Lebens und ich glaube, es ist Bernstein oder vielleicht Lien und einer von beiden sagt, dass es ziemlich eindeutig ist, dass die Ehe in die Brüche gegangen ist und es ist ziemlich klar, dass Susan passiert ist. Ja. Dass sie für den endgültigen Bruch gesorgt hat. Aber wir sehen davor schon, dass in vielen Szenen, also zu diesen Coffee-Table-Szenen, aber auch so andere Momente, zum Beispiel seine Frau, mit der er verheiratet ist, Emily heißt sie, glaube ich, seine erste Frau.
Johannes Franke: Ich weiß es leider gar nicht mehr.
Florian Bayer: Die so krass den Mr. Bernstein ablehnt. Mhm. Mir ist das nie aufgefallen, dann gucken, ich muss das erst nochmal nachlesen. Da thematisiert Orson Welles Antisemitismus. Weil sie redet die ganze Zeit so über Mr. Bernstein, der ja tatsächlich so ein, es ist einfach ein jüdischer Charakter, inklusive der Stereotype, die so dabei sind, so der witzige.
Johannes Franke: Da bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich, also es wird nicht im Film gesagt zum Beispiel erstmal.
Florian Bayer: Also unabhängig davon, finde ich es krass, wie seine Frau so über die Gesellschaft redet, in der er sich bewegt und über das, was er macht und diese Wertung und diese Abwertung, an der man einfach merkt, da ist, es ist nicht die Affäre mit Susan, die die Ehe zerstört hat, sondern die Ehe war vorher schon kaputt. Ehe durch diese, durch diese krasse Spannung zwischen, also die Coffee-Tabelszene, wo zwei Minuten, und man weiß, man sieht in zwei Minuten so zehn Jahre, eine zehn Jahre Spanne, in der man in die Brüche geht, und man hat das verstanden.
Johannes Franke: Absolut, ja, ja, super, super Methode, das zu erzählen. Lass uns mal in der Geschichte bleiben, ich weiß allerdings gerade nicht, wo er...
Florian Bayer: Also Susan, kommen wir zu Susan, die er wirklich, also wirklich liebt, ich finde diese Momente, die von ihnen zusammen gezeigt werden, zum Beispiel in diesen Schattenspielen, total süß.
Johannes Franke: Aber es kann auch sein, was ich nicht, ich möchte es nicht beurteilen abschließend, aber ich habe auch das Gefühl, dass es der Film auch sagen könnte, dass sich Orson Welles mehr, dass sich Citizen Kane mehr in das Bild verliebt, was er von ihr hat, als Opernsängerin und so weiter, weil er ja das Ding baut und so weiter. Also es ist ja, also ich meine, es ist ein common Ding, dass viele Menschen sich in einer Beziehung dann eher in das Bild verlieben, was sie von der Beziehung oder von der Frau oder von dem Mann respektive haben, als in die Person tatsächlich selbst. Das ist etwas, was jetzt leider sehr verbreitet ist, psychologisch einfach. Und ich kann mir vorstellen, dass das bei ihm sehr stark der Fall war, weil er einfach auch wirklich immer auf dieses Bild von ihr gedrängt hat und ihr immer wieder gesagt hat, nein, du musst singen, du musst das und das machen, damit sein Bild von ihr und von ihrer Beziehung irgendwie besteht.
Florian Bayer: Wobei wir hier ja doch, also die intimsten Szenen auch des Filmes haben, wenn wir in kleinen Zimmern zusammen sind, wir haben sonst sehr große oder hektische Räume, so wie eben, also nachher gesagt, aber auch zum Beispiel den Inquirer, dieses Redaktionsbüro, wo alles hektisch ist und Leute durcheinander laufen und durcheinander schreien oder die Straßen und so, es ist sehr viel Hektik, sehr viel Größe und dann haben wir dieses kleine Zimmer, dieses kleine Apartment, in dem sie zusammen sind und dann sitzen sie vor einer Öllampe und er macht diese Schattenspiele und sie freut sich drüber und dann reden sie drüber, dass sie ihn nicht kennt. Ja. Und was sie auch irgendwie sieht, es ist schon, ich finde, es ist eine intime Szene und ich glaube, es nimmt so ein bisschen was von der Liebesgeschichte, wenn man einfach so sagt, ja, er hat sich da in dein Bild verliebt. Natürlich stimme ich dir komplett zu, dass das, was er nachher aus ihr machen will und was er nachher in ihr sieht, als einziger, nicht mal sie selbst sieht, ist, das ist total krass und das ist irgendwie wirklich schräg und kaputt. Ja, absolut. Aber ich glaube, in dem Moment spielt das doch gar nicht so eine große Rolle, sondern da ist es einfach, zum ersten Mal hat er wieder sowas wie Intimität mit einer Person, die nicht von ihm eingeschüchtert ist und die, ja, bei der er einfach nah sein kann, die ihn nicht hasst, die nicht von ihm eingeschüchtert ist und das ist schön. Auch wenn es traurig ist und auch wenn wir wissen, dass es traurig endet, gibt es da Momente von einfach Frieden.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Umso schlimmer, was danach passiert.
Johannes Franke: Ja, die Entwicklung seiner Person dann zum wirklich verachtenswerten Charakter, beziehungsweise eigentlich hängt es immer davon ab, mit wem man redet, ne? Sie reden ja dann mit diesem, der hat dieses komische Käppi auf und diesen Schnäuzer und sieht gar nicht so alt aus, wie er sein soll. Jebediah Leland. Jebediah Leland.
Florian Bayer: Der war eigentlich ganz gut, wie er ihn redet und dann ganz schlimm.
Johannes Franke: Ja, und da finde ich, muss ich sagen, liegt der Lowpoint des schauspielerischen Könnens, dieses Schauspielers, weil während des Films ist er ganz großartig, aber den alten kriegt er nicht gespielt.
Florian Bayer: Es ist ein bisschen mit der Maske, es ist ein bisschen Hit and Miss.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde es teilweise unfassbar, wie Orson Welles, der, du hast es schon erwähnt, dass er die Hauptrolle spielt, wie er es schafft, einen wirklich Jugendlichen vor auch ganz trotzenden Kane zu verkörpern und dann den alten und dann den alten und es ist wirklich gut.
Johannes Franke: Ja, es gibt wahnsinnig viele Stadien dazwischen, ne? Die Maske hat wirklich, weiß ich nicht, wie viele, 10, 12, 18 Stadien, unterschiedliche Stadien seines Alterungsprozesses und es ist jedes Mal bei ihm, finde ich, fast jedes Mal großartig und überzeugend. Aber eben bei Leland nicht so geil.
Florian Bayer: Bei Leland ist es nicht so ganz, ich finde den Charakter irgendwie ganz witzig, so in seiner christlichen Art, wenn er da so im Altersheim sitzt und offensichtlich nichts anderes mehr zu tun hat, als Krankenpflegerinnen anzukramen, um nach Zigarren zu verlangen, was er kochen darf. Deswegen habe ich das so ein bisschen verziehen, aber es stimmt, dass der eigentlich seine starken Momente hat, wenn wir ihn als jungen Freund von Kane sehen, der die ganze Zeit, hat, der zum einen Vertrauensperson von ihm ist, weil sie zusammen durchs halbe Leben gegangen sind und dann aber der ist, der ihn immer kritisch hinterfragt. Es gibt ja diesen großartigen Moment, wo der Song gespielt wird, dieses Charlie Kane Lied. Ja. Und dann sehen wir Kane im Hintergrund tanzen und fast wie eine Reminiscenz an diese Szene, wo er als Kind im Fenster gespielt hat, sehen wir ihn wieder durchs Fenster, wo er halt gespiegelt tanzen, während sich im Vordergrund, der eigentlich der Hintergrund ist, Leland und Mr. Bernstein unterhalten und Leland so fragt, ey, was glaubst du eigentlich von, wohin entwickelt sich dieser Kane? Ja. Und wir sehen schon, Leland spürt, dass da was brechen könnte. Und Leland ist ja auch der Typ, der die zwei stärksten Momente hat, in denen Kane widersprochen wird und zwar in beiden Szenen ist er betrunken. Ja, ja. Also dem anderen widerspricht er nicht wirklich, sondern wir sehen nur, dass es den Widerspruch gibt, mit dem Kane auch schon ein bisschen gerechnet hat, aber in der ersten Szene ist es ja, nachdem Kane als Governor kandidiert hat und verloren hat. Ja. Und dann haben wir dieses krasse Chaos von dem Wahlkampfbüro, wo wirklich alles eigentlich in Fetzen liegt, fast so ein bisschen so Foreshadowing, was später passiert, wenn er das Zimmer von seiner zweiten Frau zerlegt. Ja. Und da haben wir den betrunkenen Leland, der ihn dann auch irgendwie konfrontiert und sagt, ey, ich will raus hier.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und der macht das sehr gut und Kane kann das akzeptieren.
Florian Bayer: Ja, aber Kane ist tatsächlich erst mal verletzt und seine erste Reaktion ist, ja, du bist mir eigentlich zu wichtig. Ja. Und er sagt es nicht mal so, er sagt eigentlich, deine Arbeit ist mir zu wichtig hier. Aber was er eigentlich sagt, ey, ich will dich nicht verlieren. Mhm. Was er nicht sagen kann.
Johannes Franke: Ich finde das toll inszeniert und toll geschrieben auch in dem Moment. Es gibt auch mehrere Momente später auch, wenn die Frau da irgendwie sagt, hier, ich habe diese Notiz und wir müssen da jetzt hinfahren. Also ich muss da jetzt hinfahren, willst du mitkommen und dir das um die Ohren hauen lassen, dass du da eine Affäre hast. Ähm, ist er auch jemand, der sagt, okay, ich stelle mich dem jetzt.
Florian Bayer: Ja, das ist, das sind diese Momente der Menschlichkeit, die ihm gegeben haben. Ja. Und ganz wichtig finde, dass er nicht, er ist halt nicht einfach nur so der, das Arschloch vom Reißbrett, sondern er hat seine menschlichen Momente und er hat seine sehr starken Momente. Er ist natürlich vor allem, was auch das maturistische Klischee betrifft, ein sehr starker Mann. Er ist auch ein sehr starker Mensch in bestimmten Momenten und das ist, sind zwei Szenen, zwei Momente, wo er stark ist auch. Ich finde auch, dass er zu Susan so steht und dass er sie dann auch heiratet. Obwohl die Schundblätter, große Ironie, eigentlich genau mit den Titeln, mit denen er aufmacht, mit der selben Art von Titeln dann aufmachen, Loveness. Und auch wenn er weiß, dass er seinen besten Freund verliert, wenn er jetzt nach Chicago geht, was dann ja auch passiert, er redet jahrelang nicht mit ihm, bis es zu dem Entlassen kommt.
Johannes Franke: Was auch krass ist, dass er eben diese schlechte Review für seine Frau schreibt.
Florian Bayer: Ja, das ist krass. Das ist auch so ein Ding. Zu der Operngeschichte. Ah, ja, ja. Wir müssen das, glaube ich, das ist sehr verwoben ineinander. Die Geschichte von Susan ist natürlich sehr relevant für diesen Moment. Ja. Er heiratet Susan, seine Affäre. Und sie hat Sängerambitionen und er steigt da nicht nur voll drauf ein, sondern er pusht das in eine bestimmte Richtung, die sie eigentlich sehr früh schon ablehnt und nicht will. Ja. Und er zwingt sie ziemlich klar dazu, seinen Ambitionen für sie zu folgen. Ja. Und naja, sie will, sie will, sie machen Witze drüber. Also er macht Witze drüber und sagt, naja, wenn sie nicht angenommen wird da bei den Opern in New York, dann fehlt ein Opernhaus. Schnitt? Er hat ein Opernhaus für sie gebaut. Ein Opernhaus in Chicago gebaut, weil sie einfach nicht gut genug ist für die New Yorker Opern. Ja. Und dann zwingt er sie zu singen und dann muss sie auf der Bühne stehen und finde ich auch gut, dass der Film das so macht. Sie ist nicht katastrophal schlecht.
Johannes Franke: Das ist geil. Ich finde es so großartig, dass er sich dafür entscheidet, sie nicht katastrophal schlecht zu machen, sondern einfach zu sagen, okay, es reicht halt nicht ganz. Und die Frau, die das gemacht hat, diese Stimme geliehen, war eine echte Opernsängerin, die dann, um gerade so nicht gut genug zu sein, Stückchen über ihrer Range war. Sie hat einfach Dinge gesungen, die ein bisschen zu hoch waren für sie. Und dann hört man raus, dass es eigentlich eine Opernsängerin ist, mit der Attitude einer Opernsängerin, aber leider die Töne nicht ganz richtig sind.
Florian Bayer: Dorothy Comingor spielt das sowieso ganz großartig, die Susan Alexander. Ja. Und Kudos an den Film, dass er das so macht. Weil wir hören sie und wir merken sie, es reicht nicht.
Johannes Franke: Aber die Stimme ist ja nicht die Schauspielerin, das war eine Opernsängerin, eine andere.
Florian Bayer: Dorothy Comingor ist die Schauspielerin und wird gedappt von...
Johannes Franke: Das habe ich leider gerade nicht da.
Florian Bayer: Habe ich auch nicht griffbereit. Ach, ihr könnt ja auch mal was selbst nachschlagen. Auf jeden Fall, es ist wirklich gut, weil wir hören sie singen. Ich bin kein Experte für Gesang, das heißt, ich könnte es gar nicht sagen, aber wir sehen es natürlich auch durch die Reactions. Wir sehen dann eben diese krasse Kamerafahrt nach oben und dann sitzen da zwei Handwerker am Gucken runter und einer hält sich die Nase zu. Ja. Und dann sehen wir natürlich ihren Leidensweg, der dann aus ihrer Perspektive später nochmal erzählt wird, wie sie gezwungen wird, nach und nach immer mehr zu singen. Und es ist wirklich traurig, weil es ist purer Stress für sie. Sie hat diesen Gesangslehrer, der sie die ganze Zeit anschreit und sagt, sie soll es singen. Und der Gesangslehrer sagt dazu, Kane, es klappt nicht. Ihr reicht das Talent nicht. Ich kriege sie nicht dahin. Und Kane sagt, naja, naja, naja.
Johannes Franke: Das ist nicht dein Job, das zu beurteilen, sondern es ihr beizubringen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Das ist schon krass.
Florian Bayer: Und sie merkt es ja auch. Sie merkt die Reaktion und sie wird weiter gezwungen. Und es ist für sie einfach Stress, bis sie dann halt zusammenbricht und sie versucht, umzubringen. Ja. Und Caines Rolle darin zu verstehen, gibt es halt diese wirklich krasse Szene, wo sie singt und er mahnisch klatscht. Eine Szene, die auch ikonisch geworden ist. Ja, ja, ja. Als Meme verwendet wird, wenn es darum geht, laut zu applaudieren für jemanden mit Energie. Und er klatscht, um das Publikum dazu zu bringen, weiter zu klatschen, das halt vorher so ein hüftiges Applaus gegeben hat. Ja. Und es ist so viel Tragik da drin. Wahnsinn, ja, ja. Von ihm, dass seine Ambitionen nicht erfüllt werden, dass er hier gegen eine Mauer läuft und dass er trotzdem weiter pusht. Weil das ist so, wie er es gelernt hat, so wie er es immer macht und wie er es immer machen wird. Er hat Misserfolg, aber er kämpft weiter, bis er Erfolg hat und er merkt gar nicht, wie er sie damit fertig macht. Ja, ja. Und dann gibt es eine Review von Leland, seinem besten Freund, der betrunken über der Rezension eingeschlafen ist, die er schreiben sollte, also Kultur. Alle anderen haben was Positives geschrieben. Natürlich, klar. Kane gehören die ganzen Zeitungen, die sich dann auch schon euphorisch über sich schreiben. Und nur Leland, der wirklich Ahnung davon hat, liegt dann betrunken über seiner Review, die einfach ein kompletter Fach ist. Kane liest ihn, lacht laut und schreibt das Ding fertig.
Johannes Franke: Und zwar in seinem Sinne, also in Lelands Sinne. Das heißt, er macht seine eigene Frau fertig.
Florian Bayer: Er ist prinzipientreu. Ja. Das ist schon krass, ne?
Johannes Franke: Das ist ziemlich krass.
Florian Bayer: Das ist so, oh, es ist so viel gegen den Kross, weil natürlich erstmal so Respekt für ihn, dass er das macht. Also er steht zu seinen Prinzipien.
Johannes Franke: Ja, aber irgendwie.
Florian Bayer: Und was für ein krasser Asozialand.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und sie schreiten ja auch zu Recht dafür an, dass ausgerechnet von ihm das dann so, also sie weiß natürlich nicht, dass er das weitergeschrieben hat, aber sie weiß, dass das sein bester Freund war und dass er das hat geschehen lassen und einfach gesagt hat, in meiner Zeitung gibt es jetzt den größten Verriss meiner Freundin. Also das ist schon, naja. Okay, Integrität auf eine sehr seltsame Art und Weise.
Florian Bayer: Und es ist fantastisch. Es zeigt so viel über Kane und selbst wenn man nicht genau weiß, was man danach von ihm kennenhalten soll. Es ist so ein vielschichtiger Charakter. Ja. Diese Szene zeigt diese Vielschichtigkeit, weil das Verhältnis zu seinem Freund, zu seinem besten Freund, den er wahrscheinlich auch vermisst seit zehn Jahren. Ja. Und das Verhältnis zu seiner Frau, die er wirklich liebt und die er wirklich als Opernsänger sehen will. Und das Verhältnis zu seinem Medienimperium, zu seiner Zeitung, zu seinen Prinzipien als Reporter oder Chefredakteur. Ja.
Johannes Franke: Vor allem bleibt er ja dann an einer sehr seltsamen Stelle seiner Prinzipien treu und verrät über Jahre das eigentliche Manifest, was er mal geschrieben hat. Also es ist so eine seltsame Art und Weise, aber man versteht es trotzdem. Man versteht, an welche Stelle es bei ihm bricht und wo er so, obwohl man ihm sonst natürlich das Mysterium nicht wirklich Herr wird, aber an der Stelle, finde ich, ist es sehr logisch und sehr gut erzählt.
Florian Bayer: Das Ding ist wahrscheinlich, warum es so schwierig ist, ihn zu fassen, weil er sich selbst auch nicht fassen kann. Ja, ja, ja. Weil er sieht, er hat ein Selbstbild von sich, das ihm sehr wichtig ist, wo er auch diesen Anspruch an sich selbst hat und er sieht aber gleichzeitig, dass dieser Anspruch an sich selbst scheitert. Ja. Das ist auch so ein Problem der kognitiven Dissonanz. Und dieses Meandern zwischen Anspruch und Realität, das trägt er halt auch in sich. Weil er sich dabei selbst nicht begreifen kann, hat er auch Probleme, ihn zu begreifen.
Johannes Franke: Ich habe nur eine Theorie, was den Film betrifft und was der Film eigentlich behandelt und so. Das bestätigt das alles gerade, aber da sind wir noch nicht. Aber ich würde gerne so ein bisschen in die Rezeption gehen, damit wir so ein kleines bisschen ein Gefühl dafür bekommen, wie der Film angekommen ist und wie der Film interpretiert wurde und auch ein bisschen, vielleicht reden wir nochmal darüber, was der Film überhaupt behandelt und was das eigentlich soll.
Florian Bayer: Ja, der Film, was der Film versucht und das gelingt ihm meiner Meinung nach auch, ist, den Menschen zu greifen. Er nennt ihn Citizen Kane, er will einen Bürger begreifen. Ja. Auch wenn der aus der Oberschicht kommt und die ganze Zeit sich in der Oberschicht bewegt, versucht er trotzdem daraus auch universell Menschen in ihrem menschlichen Handeln zu begreifen. Mhm. Und er macht das, indem er sehr viel springt zwischen den Stimmungen. Ja. Wir haben zwei Momente, wo der Film fast zum Horrorfilm kippt, ganz am Anfang, wenn wir in Sanadu einbrechen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das ist, da denke ich die ganze Zeit, okay, Schloss Dracula.
Florian Bayer: Genau. Ja. Und dann auch diese Opernszene, diese Montage, wenn sie gezwungen wird zu singen, dann haben wir den Schrecken und den Schrei, der abbricht, der Gesang zum Schrei wird und abbricht, da haben wir diese Horrormomente. Mhm. Und er kombiniert die mit Momenten der Tragik, aber auch mit Momenten der Komik und der Lebensfreude, der Romantik. Mhm. Also dieses, wenn Kane sich selbst feiert, man muss da schon ein bisschen mitgehen, oder?
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich.
Florian Bayer: Auch wenn er da schon so seine asozialen, egomanischen Züge zeigt. Mhm. Er hat einen Song über sich schreiben lassen. Es ist trotzdem sowas, wo wir mitfeiern auch. Ja. Und zu freuen für ihn. Und das ist dieses, es ist schon so ein bisschen die Suche nach dem Menschen an und für sich, um es mal ganz groß zu machen. Mhm. Aber bitte, du hast offensichtlich einen anderen Take noch.
Johannes Franke: Ich glaube, der Film geht überhaupt nicht um Hearst.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Ich glaube, der Film geht um Orson Welles.
Florian Bayer: Du meinst, Orson Welles stellt sich selbst dar?
Johannes Franke: Ich glaube, Orson Welles reflektiert darüber, was aus ihm werden könnte.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Seine eigene Angst davor, weil er so erfolgreich, so jung ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und mit so viel durchkommt.
Florian Bayer: Und so gefeiert wird.
Johannes Franke: Und so gefeiert wird dafür, dass er dort enden könnte. Das ist seine Angst. Ja. Und das Leben danach von Orson Welles gibt der Angst vielleicht auch ein bisschen recht.
Florian Bayer: Das stimmt allerdings. Wenn wir Bilder vom alten Orson Welles sehen, dann sehen wir da auch viel Verbitterung. Und vor allem Orson Welles hat ja auch sehr lange gesundheitliche Probleme, weil er einfach sich so krass auch seinen Medikamentismus hingegeben hat. Mhm. Der war Ende seines Lebens in den letzten Jahrzehnten extrem übergewichtig. Und zwar so, dass es halt auch zu konkreten Gesundheitsproblemen geführt hat. Er ist ja auch relativ jung dann gestorben. Also mit 70 Jahren ist das nicht gut.
Johannes Franke: Ja, das, nee. Vor allem nicht für die Zeit.
Florian Bayer: Und dann auch dieses, ja, diese Ansprüche haben und diese Ansprüche nicht verwirklichen können.
Johannes Franke: Ja. Also es gibt so viele Motive in dem Film, die absolut auf Orson Welles passen. Ich weiß nicht, ob, ich bin bestimmt nicht der Erste, der auf diesen Gedanken kommt. Aber ich hab's in der Recherche nicht gefunden. Ich weiß nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Es gibt auf jeden Fall, ich hab immer mal wieder gesagt, dass Orson Welles, dass es nicht nur Hearst ist, sondern dass das von Howard, von Howard Hughes, den Filmproduzenten, den großen, der Aviator, mit Aviator wurde sein Leben, der hat sich extrem für Luftfahrt begeistert und hat sehr viele große Filme produziert und auch teilweise Regie geführt, die einfach legendär sind, das ist auch legendär, dass er den hat einfließen lassen und dass er zumindest so einige Ideen von seiner ersten Ehe, also von sich selbst, von der Person Orson Welles hat mit einfließen lassen. Ja. Ich finde den Gedanken ganz reizvoll. Wir können ja mal ganz kurz reingehen. Jetzt sind wir, glaube ich, an dem Punkt, wo wir sagen können, Citizen Kane, der ist es. Du sagst Orson Welles.
Johannes Franke: Ich sage eindeutig Orson Welles. Und ich glaube auch, dass das am Anfang gar nicht so sehr gedacht war auf Hearst von Orson Welles, aber der natürlich gesehen hat, okay, der Autor, mit dem ich jetzt zusammenarbeite, der Münster ist volle Kanne auf diesen Typen und ich weiß auch, was da drin steckt und ich habe aber sehr viel Angst und sehr viele, sehe sehr viele problematische Züge in meiner eigenen Person, die dazu führen könnten, dass ich genau dort ende und so viele Ängste stecken in diesem Film drin und so viele Reflektionsvermögen und so viel fiese Premonition, wenn man sich das Leben von Orson Welles anschaut, dass ich das fast ein bisschen spooky finde.
Florian Bayer: Was natürlich dafür spricht, ist, dass das Ganze auf einem Theaterstück basiert von Orson Welles, wo es viel mehr einfach um die Darstellung eines Bürgers ging. Ja. Ohne, dass es schon so einen konkreten Entwurf gab, dass es ein Medienmogul. Genau, ja. Und das ist, ja, dass er nach Möglichkeiten seines Lebens geguckt hat als junges Wunderkind, als ein gefeierter Held, der dabei ist, sich irgendwie eine Art von künstlerischem Imperium aufzubauen. Ja. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das ist so wahnsinnig reflektiert und ich glaube, dass wenn Orson Welles im Alter von 25 Jahren sich wirklich Hearst nur genommen hätte, dann wäre das viel schwarz-weißer abgelaufen. Ich bin mir ganz sicher, dass ganz viele Sachen davon, warum dieser Typ, warum Citizen Kane so viel Sympathie mitträgt und so viele tolle Momente auch hat und wo man ihn wirklich mag und wo man wirklich sagt, okay, go girl. Das sind die Sachen, wo einfach Orson Welles seine eigenen positiven Sachen mit reinbringt und sagt, okay, das bin ich, das ist, das will ich eigentlich. Ich will eigentlich dorthin, hab aber Angst, dass ich divertet werde vom Leben und dass der Frust über die Dinge mich irgendwo anders hintreibt.
Florian Bayer: Ja, es gibt diese berühmte Geschichte von Kane, der mit Hearst zu tun hatte und der ihm, glaube ich, im Fahrstuhl begegnet.
Johannes Franke: Achso, du meinst Orson Welles, der im Fahrstuhl mit Hearst stand und ihn dann eingeladen hat zur Filmhomere und der dann abgelehnt hat und dann gesagt hat, hey, Kane wäre gekommen.
Florian Bayer: Genau. Was ganz witzig ist, weil es damit sagt, hey, du bist nicht so viel Kane, wie du denkst. Ja, genau. Komm mal von deinem hohen Ross runter. Richtig. Und gleichzeitig sagt, Kane ist nämlich viel cooler als du.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: William Randolph Hearst, Entschuldigung, William Randolph Hearst, ab 1863 geboren, war verlegert und ein Medientycoon, genau wie Kane. Er hat als erste Zeitung den San Francisco Examine übernommen und hat den auch zu so einer Art Yellow Press Boulevard Zeitung gemacht im Jahr 1887. Also auch sehr ähnlich, wie das von Kane dargestellt wird. Und er hat, als sein Vater gestorben ist, 1891, ein großes Erbe erhalten. Ja, 7,5 Millionen Dollar. Ja. Um, inflationsbereinigt, unsere Zeitung, es werden 217 Millionen Dollar. Und damit hat er dann die New Yorker Zeitung Morning Journal gekauft. Ja. Und hat auch einige der bekanntesten Journalisten eingekauft. Ja. Der Konkurrenz abgeworfen. So wie das Kane auch macht. Der Absolut ist. Ja, das ist eine Szene, wo wir die besten Journalisten des Chronicles sehen. Und dann sehen wir plötzlich Kane dran vorbeilaufen an diesem Standbild, das vorher so ein Standbild war. Und dann kommt Kane da vorbei und sagt, hey, und jetzt gehören die Allons. War gar nicht so teuer. Und er hat auch als, für die Demokraten hat er kandidiert und hatte Erfolg. 1902, 1904 wurde Hearst Mitglied des Repräsentantenhauses. Hat da allerdings wohl relativ wenig gearbeitet, weil er zu viel zu tun hatte. Und hat sich dann auch 1905 der Wahl zum New Yorker Bürgermeister gestellt und 1906 versucht gewonnen zu werden. Was sehr, eine sehr starke Parallele zwischen Kane und Hearst ist, dass sowohl Kane als auch Hearst klare Isolationisten sind. Und Orson Welles war, wie man weiß, das genaue Gegenteil, nämlich Interventionalist. Ganz kurz, ganz kurz, schlicht ich hier Recap. Okay. Als der Erste Weltkrieg war, war die Frage im Raum, mischen sich die Amerikaner ein auf Seiten Großbritannien und Frankreich. Die Isolationisten haben gesagt, nein, es war so ein bisschen die erste America's First Movement. Und zwar in dem Sinne so, die sollen das unter sich ausmachen. Uns ist egal, wenn Ungerechtigkeiten auf der Welt passieren. Wir machen unser Ding. Und die Interventionalisten haben gesagt, hey, hier ist die Demokratie in Gefahr. Hier sind unsere Freunde in Gefahr. Wir müssen eingreifen. Orson Welles war Interventionalist. Der wollte, dass Amerika sich engagiert weltpolitisch. Während Hearst Isolationist war. Kane wird im Film auch eher als Isolationist dargestellt. Hearst hat geheiratet, hatte fünf Söhne und hat sich ein Riesenschloss gebaut. Das Hearst Castle. Das war ein bisschen ein Dreh- und Angelpunkt der Medienszene, in dem Sinne, dass da alte weiße Männer und junge weiße Männer zusammen gefeiert haben. Es gab bestimmt viele Prostituierte und Stripperinnen und es wurde ordentlich gesoffen und es wurde ordentlich gesündigt.
Johannes Franke: Kennst du Succession, die Serie? Nee. Succession geht ein bisschen in diese Richtung. Geht es auch um Leute, denen die Zeitung gehört und die Meinung bilden. Beziehungsweise, nee, ein Sender. Ach, verdammt. Ich bring's durcheinander. Oder beides. Auf jeden Fall wird der Vergleich auch zu Succession gezogen und Succession hat sich wahrscheinlich bei Citizen Kane ziemlich inspirieren lassen.
Florian Bayer: Und ja, politisch ist er so ein bisschen geschlingert. Also wie gesagt, er war Isolationist und zwar so weit, dass im Ersten Weltkrieg wurde er teilweise von der Konkurrenz Hamish als Spokesman of the Kaiser bezeichnet, weil er sich so dafür eingesetzt hat, dass nicht gegen die Deutschen gekämpft wird. Er ist vielleicht doch ein bisschen mehr auf der Seite des deutschen Kaiserreiches als auf der Seite der Demokratie. Und er war auch in den 30ern sowohl vom italienischen Faschismus als auch vom Nationalsozialismus ein.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Gleichzeitig Anhänger von Roosevelt. Also damals ging das alles so ein bisschen drüber und drüber und viele haben versucht Hitler und Mussolini zu verstehen und leider haben es viele nicht verstanden. Hurst hat es dann verstanden, nämlich als die Novemberpogrome waren 1935 und das war so ein Wendepunkt und er hat sich sehr stark dann abgewendet von dem Nationalsozialismus. Okay. Und Cain wird ja auch zumindest in einer Szene so in einem Standbild als Buddy von Hitler gezeigt. Zusammen auf dem Balkon schieben.
Johannes Franke: Ja, ja. Das ist die Szene, wo er kurz nacheinander einmal als Kommunist und dann wieder als Faschist bezeichnet wird.
Florian Bayer: Und was sagt er, ich bin Amerikaner. Das ist auch so ein amerikanisches Ding. Ja, ja. Hätte Robert Murdoch auch sagen. Ja, absolut. Und Hursts Vermögen hat auch unter den Börsenkurschreiber 1929 sehr stark gelitten. Mhm. Allerdings nicht so krass wie bei Cain. Ja. Sondern er hat auch in den 30er Jahren war er noch unfassbar reich. Er war einer der reichsten Menschen in der Welt. Mhm. Und er besaß, am Höhepunkt seiner Macht besaß er 25 Tageszeitungen, 24 Wochenzeitungen, 12 Radiosender, 2 weltweite Nachrichten. Wahnsinn. Ein Filmstudio und diverse andere Medienfirmen, die man jetzt gar nicht alle aufzählen könnte.
Johannes Franke: Was für ein krasser Typ. Ja, so ein Monopol, von dem man echt Angst haben muss. Wie wir zum Beispiel hier in Deutschland, ja, Springer und so weiter. Die ganze Mediengruppe, die da mit dran hängt, das ist ja auch quasi Monopol hier.
Florian Bayer: Und um jetzt nochmal stark zu machen, dass Wells in seinem Film durchaus Parallelen gesehen hat zu Hurst. Der hat sich sehr darum bemüht, dass so wenig wie möglich während der Dreharbeiten an die Publikation von Hurst rankommt. Und er hat dann, es gab so im Stage Magazine gab es eine Story, also seit 40, bevor der Film rauskam, da meinte er, naja, es ist so eine Faustgeschichte. Ja, sonst nichts. Also er hat nicht im Geringsten erwähnt, dass er irgendwie...
Johannes Franke: Er hat ja einen Trailer gedreht, extra dafür.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der Trailer, ich hab mir den angeschaut, der hat nichts mit der Story zu tun. Er sagt immer nur die ganze Zeit, ihr dürft gespannt sein, was kommt. Und er taucht überhaupt nicht auf, Orson Welles taucht nicht auf in dem Ding, sondern ist nur Stimme und präsent.
Florian Bayer: Aber es ist irgendwie schön, ne? Ja. Der Trailer ist super, wir sehen halt einfach und da kommt der, und da kommt der. Genau. Und die Jungdarsteller übrigens auch. Orson Welles hat wirklich mit jungen Leuten besitzt, die man kaum noch kennt, die ihr wirklich diesen Namen merken müssen. Sollt ihr euch auch merken.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Luella Parsons, sehr wichtig an Luella Parsons war Kritikerin bei einer Hurst-Zeitung. Und die war freundschaftlich verbunden mit Orson Welles. Und er hat viel mit ihr geredet und offensichtlich auch über Hurst. Und er muss wohl so im Nachklang gesagt haben, Gott sei Dank hat die das nicht mitgekriegt, Okay. Und dann gab es eine zweite Kritikerin bei Hurst, die war bei einer Vorführung, bei einer Preview für die Presse von dem Film, die hieß Hedda Hobber. Und die meisten Kritiker, die bei dieser Preview waren, Pressevorführung, haben eigentlich relativ gut über den Film geschrieben. Und sie hat geschrieben, dieser Film ist eine vicious and irresponsible attack on a great man. Und hat den Film komplett vernichtet. Na ja, klar. Und hat das dann veröffentlicht in ihrer Zeitung. Und zwar Friday war das. Und Hurst hat das gelesen. Und dann hat Hurst, wir kommen wieder zurück zu Luella Parsons, die eben so mit Orson Welles irgendwie befreundet war, Hurst hat an Parsons einen richtig, richtig wütenden Brief geschrieben. Hat gesagt, hey, du hängst die ganze Zeit mit diesem Orson Welles rum. Und jetzt muss ich eine negative Kritik zu dem Film lesen, den er gerade macht. Nicht nur das. Ich muss in dieser Kritik erfahren, dass der Film über mich ist und du sagst kein Wort zu mir und das wiederum hat die Beziehung zwischen ihr und Welles komplett zerstört. Ab diesem Punkt war Luella Parsons Erzfeindin von Welles und hat angefangen in ihren Sachen, die sie geschrieben hat, einfach mal Welles immer wieder so anzugehen. Und bevor der Film veröffentlicht wurde, immer mal wieder so negative Sachen einzubauen. Und man kennt diese Geschichte von dem römischen Politiker, der immer seine Rede beendet hat. Und übrigens glaube ich, dass Carthago vernichtet. So stelle ich mir das ungefähr vor, dass sie in ihren Kolumnen immer mal wieder geschrieben haben. Übrigens sollten wir immer daran denken, dass Orson Welles ein schrecklicher Regisseur ist, der einen richtig hässlichen, schlimmen Film rausbringen wird.
Johannes Franke: Oh Mann. Aber ist das auch Publicity? Haben die das damals nicht verstanden, dass das auch so einen Streisand-Effekt gibt?
Florian Bayer: Ja, vielleicht hat man damals nicht so weit gedacht, aber sie hat sich dafür eingesetzt, dann auch, dass der Film nicht veröffentlicht wird. Und zwar hat sie sich dafür eingesetzt, dass sie den Film auch mal sehen kann. Und zwar gab es dann eine extra Vorführung für sie mit zwei Anwälten zusammen. Das heißt, sie hat den Welles richtig zur Schnecke gemacht, hat ihn attackiert und hat gesagt, ey, du musst mir jetzt diesen Film zeigen und nur, wenn es sein muss, dann der Rechtsweg. Und man kann sich das vorstellen wie Orson Welles, sie und dann zwei Anwälte und er hat vielleicht auch noch zwei Anwälte um sich herum sitzen für das Studio, das natürlich auch Sorge hatte. Ja. Und dann gucken die sich diesen Film an und danach hat Luella Parsons gesagt, wenn ihr diesen Film veröffentlicht, dann überhäufen wir euch mit Klagen.
Johannes Franke: Gott sei Dank hat das Studio sich stark gezeigt und gesagt, ja komm, mir egal, mach.
Florian Bayer: Studio hat sich stark gezeigt und Hurst hat sich auch stark gezeigt. Also Luella Parsons war halt eine Journalistin, eine wichtige Journalistin, aber Hurst war natürlich der mächtige Mann. Und auch, er hat nochmal geguckt, ah, wie könnte ich es schaffen, dagegen zu klagen. Er hat überlegt, ob es irgendwie so Privatsphärenverletzung sein könnte, weil Wells offensichtlich wirklich private Sachen von ihm damit eingebaut hat. Oder zumindest dachte er das, dass über die Beziehung mit Luella Parsons, dass da private Sachen reingekommen sind?
Johannes Franke: Also zum Beispiel das Wort Rosebud.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das war Code-Wort bei Hurst für seine Liebschaften. Also es gab irgendwie eine, ich weiß nicht, ob das ein Code-Wort für einen Ort war, wo sie sich getroffen haben oder sowas, aber es war eine sehr private Sache, ein Wort, was bei Hurst einen Wert hatte, einen privaten Wert.
Florian Bayer: Ja, viele sagen, dass ein ganz wesentlicher Punkt war, dass Hurst in der Figur der Susan Alexander seine Frau erkannt hat, Marion Davis.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Die Schauspielerin war und von ihm auch sehr stark gepusht wurde.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dass er das als Bloßstellung empfand, weil seine Frau war natürlich eine gute Schauspielerin und wahrscheinlich war sie es auch.
Johannes Franke: Ja, sie hat auch vorher eine gute Karriere gehabt und danach auch, also ich meine...
Florian Bayer: Er hat ihr Filmrollen besorgt, weil er eben die Spüche hatte. Ja. Und dann hat er natürlich gedacht, oh, sie wird da krass bloßgestellt und ich kann das nicht zulassen. Das ist für sie auch total schlimm, wenn sie verglichen wird mit so einer schrecklichen, dilettantischen Opernsängerin, die nur Erfolg hat wegen mir und das kann ich auch irgendwie verstehen, dass da persönliche Verletztheit drin ist. Ja, ja. Er war wirklich wütend und hat dann gesagt, okay, es wird keine Reviews, keine Werbung und überhaupt keine Erwähnung in irgendeiner von meinen Veröffentlichungen gehen. Das Ding wird totgeschwiegen, das Ding wird boykottiert.
Johannes Franke: Ja. Was wahrscheinlich der schlauste Move in dem Moment ist.
Florian Bayer: Es ging gar nicht mal, nachdem dieses Luella Parsons Geschichte, die er dazu geführt hatte, dass es so negative Geschichten über ihn gab, gab es jetzt erstmal so ein komplettes Embargo. Orson Welles wird ignoriert. Orson Welles hat nichts von mir zu erwarten und wenn jemand wie Hurst es sagt, der so viele Zeitungen und Zeitschriften unter seinem Männer hat, da hat das sowas zu bedeuten. Auf jeden Fall. Das hat einen Einfluss auf den Erfolg von einem Film.
Johannes Franke: Und man muss aber, um die Geschichte mal an der anderen Stelle noch kurz zu Ende zu erzählen, Orson Welles hat das sehr leid getan, was mit der Frau zu tun hat. Also nicht Hursts wegen, sondern der Frau wegen, weil er das gar nicht beabsichtigt hatte, dass der Vergleich mit seiner Frau tatsächlich stattfindet. Was ich ein bisschen kurzsichtig finde, weil ihm ist ja klar, dass er Hurst erzählt und dann muss ihm klar sein, dass seine Frau in seiner Geschichte mit der tatsächlichen Frau von Hurst verglichen wird. Und das ist ein bisschen fies. Und das tat ihm tatsächlich sehr, sehr leid, weil das gar nicht seine Absicht war.
Florian Bayer: Ja. Genau. Hurst hat übrigens auch, er hat Kinobetreibern teilweise gedroht. Einige Kinobetreiber haben ihm vor allen Gehorsam gesagt, weil sie nicht wollen, dass die Filme aus Hurst Studios nicht mehr gezeigt werden. Und der Film lief gar nicht so schlecht am Box-Office, als der in der Stadt ist. Es gibt so diese Legende davon, dass das den Film vernichtet hat, dass der ein totaler Flop war. Aber es war kein Flop, der hat durchaus Geld eingespielt. Es war okay. Es war der sechsthöchste Film seines Jahres. Der hat aber... Ganz guter Erfolg und die Finanziers und die Studioproduktion, die haben da gesagt, ist okay.
Johannes Franke: Ja, also man muss dazu sagen, der Film hat auch nicht viel gekostet, ne? Das war eine Low-Budget-Produktion.
Florian Bayer: Ja, sie haben sehr viel mit den Tricks, über die wir schon geredet haben, haben sehr viel um das Budget herumgearbeitet.
Johannes Franke: Ja, also wirklich krass, weil der Film sieht nach sehr, sehr viel mehr Budget aus, als er hatte.
Florian Bayer: Und es war eigentlich, es war okay, aber Orson Welles war zufrieden damit. Aber um diese Fallöne nochmal klarzumachen, da ist so viel Legendenbildung um die Rezeption dieses Filmes. Es war okay. Er wurde von Hearst totgeschwiegen. Und auch 1945 hat ein Hearst-Journalist, nämlich Robert Shaw, nochmal geschrieben, dass der Film hat extrem viel Wut von Hearst und seine Kommunikationen abgekriegt, wurde ignoriert. Aber das hat dann auch irgendwann aufgehört. Es war auch, irgendwann wurde auch mal der Name Orson Welles wieder in der Zeitung von Hearst erwähnt. Ja. Und es war nicht mehr so, dass es diesen Zorn gab. Allerdings ist trotzdem Orson Welles Ruf bei diesen Zeitungen, war schon so ein bisschen unten durch. Das heißt, es wurde immer so ein zweistelliges Spiel. Man kennt das in Deutschland, auch wenn man sich mit dem Axel Springer Verlag verscherzt wird als Promi. Ja. Dann hat man Probleme, dann wird man, dann kriegt, dann gibt es immer Ärger, selbst wenn sie positiv über einen schreiben, machen sie das irgendwie mit so einem negativen Twist. Ja. Und es gibt ja so eine Liste an Promis, die sich mit Axel Springer angelegt haben und die in der Bild-Zeitung durch irgendwelche Boulevard-Stories runtergezogen werden oder schlecht berichtet wird. Die Verlierer der Woche sind dann und so weiter. AKO hat sich dann doch stark gemacht für den Film. Die haben sich sehr lange zurückgehalten, die haben sehr lange gezaudert und Orson Welles hat irgendwann gesagt, ey Leute, dann kaufe ich den Film jetzt, damit ich ihn zeigen kann. Dann kann ich sagen, komm, jetzt veröffentlichen wir das Ding. Und dann hat er ja auch, wie gesagt, er war so ein mittlerer Erfolg, er wurde für einiges nominiert für ein Drehbuch, Schauspieler, Regie, so, so, so. Zeug, ja, ja. Also es war irgendwie so alles dabei, aber er hat dann eben nur das Drehbuch gewonnen. So, 1942 war er ausgelaufen im Kino, hat seinen Oscar-Run gehabt und ist dann irgendwie so ein bisschen, ist der öffentlich.
Johannes Franke: Bisschen untergegangen. Bis er dann einen Re-Release hatte, irgendwann auch nochmal. 58, glaube ich.
Florian Bayer: Ja. Zwei Ebenen gibt es dann. Ja. Einmal die Popularität in Amerika, einmal die Popularität in Europa, insbesondere in England. Okay. Ja, zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten gab es quasi ein Wiederentdecken des Films. Ja. Und zwar zum einen, springen wir ein ganz kleines bisschen nach vorne in der Zeit, Ende der 50er Jahre wurde er in Amerika neu entdeckt. Dafür gab es eigentlich so drei große Gründe. Zwar zum einen der pure Zufall, dass RKO das Studio eines der Ersten war, das erkannt hat, wie viel Potenzial im Fernsehen steckt. Und die haben angefangen, große, ihre Filme auszurollen im Fernsehen und an die Sender zu verkaufen. Und Citizen Kane war einer von den Filmen, der dadurch öfter im Fernsehen gelaufen ist. Das heißt, es haben mehr Leute gesehen und damals war die Filmauswahl fürs Fernsehen einfach kleiner. Ja. Das zweite war, dass er, wie du schon gesagt hast, einen Re-Release hatte im Kino, wegen Wilde Wells zur gleichen Zeit auf der Bühne New York King Lear gespielt hat. Und das war so Fame mitnehmen, hey, da können wir nochmal ein bisschen Kohle machen. Ja. Und das dritte war ein Essay von dem amerikanischen Filmkritiker Andrew Sarris, Citizen Kane, The American Baroque. Und in dem bezeichnete er Citizen Kane als den großen amerikanischen Film. Und hat gesagt, dass dieser Film hat das Kino mehr beeinflusst, kein anderer Film hat das Kino so sehr beeinflusst, seit Birth of a Nation. Ja.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Ein bisschen früher hat es schon in Großbritannien angefangen. Und zwar die Zeitschrift Side and Sound macht alle zehn Jahre eine Liste der besten Filme aller Zeiten. Und seit 1932 gibt es die Zeitschrift, glaube ich. Alle zehn Jahre gibt es diese Liste. Und die entsteht dadurch, dass verschiedene KritikerInnen, RegisseurInnen, DrehbuchautorInnen, auch das Publikum für die Turnisten querbeet gefragt werden. Und dann wird diese Liste zusammengestellt. Und die hat ein enormes Renommee. Filme, die auf dieser Liste landen, sind im filmischen Kanon fest verankert. 1952 ist Citizen Kane zum ersten Mal aufgetaucht auf Platz elf als Runner-up zur Top Ten. Ganz knapp den Einstieg verfehlt. Ja. Platz eins war damals Fahrraddiebe. Deswegen, da ist er in Großbritannien, über Fahrraddiebe haben wir auch geredet, in Großbritannien ist er dadurch wieder ins Gedächtnis gekommen. Und zwar die nächsten zehn Jahre hat er Zeit, in diesem Gedächtnis zu reifen. 1962 war er bei Side and Sound auf Platz eins dieser Liste.
Johannes Franke: Und hat die Liste wahrscheinlich sehr, sehr lange angeführt.
Florian Bayer: Bis zum Jahr 2012. Alles zwei Jahre. Jedes Mal war er auf Platz eins der Liste. 2012, das ist die letzte Liste im 2022, er ist noch nicht veröffentlicht. 2012 wurde er abgelöst von Vertico, von Alfred Hitchcock. Er ist auf Platz zwei gelandet. Das war eine Kontroverse. Darüber wurde richtig gestritten. Im Filmkreis war das ein riesiges Thema. Citizen Kane, nicht der beste Film aller Zeiten. Witzigerweise Apollos durch Vertico, der, als er veröffentlicht wurde, auch eher so um arme Kritiken gekriegt hat und eher so als Hitchcocks schwächerer Film galt.
Johannes Franke: Obwohl ich den auch großartig finde.
Florian Bayer: Ich liebe Vertico auch. Und übrigens Vertico, der auch den an seinem Musiker hat.
Johannes Franke: Ach so, okay.
Florian Bayer: Über den müssen wir gleich noch ganz gut sein.
Johannes Franke: Ja, für die Musik haben wir noch gar nicht besprochen.
Florian Bayer: Und das war es dann eigentlich, was so der Durchbruch war. Also diese Kombination, dass er Ende der 50er Jahre in Amerika wiederentdeckt wurde. In Großbritannien bis im Frühjahr in den 50ern. Das hat kulminiert in dieses, 1962 führte er plötzlich die Liste an. Und seitdem hat er diesen berüchtigten Rufen. Diese Liste, diese Sight- und Soundliste ist auch die, die ihm, das ist das Ding, was eigentlich zitiert wird, wenn das in aller Zeiten bezeichnet wird. Aber wie es so ist, Kritiker und Furrytonisten sind Herdentiere. Da ziehen alle mit. Und seitdem ist er bei unzähligen besten Listen ganz oft ganz weit oben. Zum Beispiel Expo 58. 100 Filmhistoriker wurden befragt und haben sitzen, kennen zumindest die Top Ten aufgenommen. Schlachtschiff Potemkin war damals auf Platz 1. Und er wurde immer wieder ganz zitiert. Es wurde immer wieder genannt, das ist der beste Film aller Zeiten. Und um vielleicht einmal Roger Ebert, den großen Film zu zitieren.
Johannes Franke: Der hat den Kommentar auf der DVD gemacht.
Florian Bayer: But people don't always ask about the greatest film. Ja, er hat auch ein ganzes Buch über den Film geschrieben.
Johannes Franke: Echt, wirklich krass.
Florian Bayer: They ask, what's your favorite movie? Again, I always answer Citizen Kane. Also es ist nicht nur der größte Film aller Zeiten, sondern es ist auch sein Lieblingsfilm. Okay. Ja, und das hat zu dieser großen Rezeption geführt. Musik! Ganz kurz. Wie heißt der?
Johannes Franke: Jetzt haben wir so, wir sind, liebe ZuhörerInnen, wir sind, was die Zeit betrifft, sehr ausschweifend diesmal, weil das einfach wirklich ein großer Film ist. Und ich hoffe, ihr habt das Sitzfleisch uns weiter noch ein bisschen zuzuhören. Weil es gibt immer noch ein paar Themen, die wir machen müssen. Musik zum Beispiel eben.
Florian Bayer: Musik ist verpasst. Leonard Herrmann, der mit Wels beim Radio gearbeitet hat. Citizen Kane war sein quasi Filmdebüt. Er wurde in der Folgezeit quasi Hitchcocks Hauskomponist. Ja. Auch andere Filme großartig vertont.
Johannes Franke: Er hat vorher Theater, glaube ich, und so Radio gemacht.
Florian Bayer: Genau. Und mit Welsen-Kantinchen. Wels wusste, welche Leute er sich besorgen musste.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Allerdings, die Musik ist gut. Ich weiß nicht, was man dazu noch sagen soll, außer die Musik ist halt toll. Sie ist wirklich gut eingesetzt. Die haben eine bombastische Musik, teilweise größenwahnsinnig, aber die passt eben zu diesem Typen oder eben mal was ruhigeres und sensibleres. Es ist wirklich sehr, sehr gut gemacht und sehr gut eingesetzt. Auch allgemein der Sound, muss man sagen, ist von dem Film wirklich toll. Es gibt so Stellen, wo das Set an sich größenwahnsinnig sein soll, aber eigentlich gar nicht da ist. Wenn man sich nur, muss man den Sound ausmachen, nur angucken, plötzlich sind die Sets gar nicht mehr so riesig.
Florian Bayer: Ja. Ich habe, ganz witzig, um das Invertierte zu bringen, zwei Filmkritiker, die sich drüber unterhalten haben, ich habe eine Podcast-Episode gehört von zwei Filmkritikern, die sich drüber unterhalten haben und der eine meinte, man spürt sehr stark, dass Orson Welles vom Radio kommt, weil dieser Film ist komplett auf der Tonebene. Du kannst das Bild die ganze Zeit wegmachen. Du verstehst den gesamten Inhalt dieses Films, wenn du ihn nur hörst, und zwar natürlich durch die Dialoge, aber auch durch die Musik. Das Einzige, was du nicht verstehst, ist, was Rosebud bedeutet.
Johannes Franke: Ja, stimmt, weil du das nur sehen kannst.
Florian Bayer: Das ist das Einzige, was visuell, der einzige visuelle Key, der notwendig ist. Okay, ja. Und dazu trägt natürlich die Musik von Bernard Herrmann sehr viel bei dir, hat deutlich mehr Zeit gekriegt für die Verkaufung. Ja, als sonst, ja. Eigentlich waren so drei Wochen, oder sogar nur zwei Wochen so der Usus. Welles hat Herrmann zwölf Wochen gegeben und der hatte dadurch genug Zeit, sich wirklich um das Orchester zu kümmern und sich den Film anzugucken und zu schauen, wo passt welche Musik. Ja. Und es tut dem Film so gut, weil, wir haben ja schon gesagt, es geht so durch die Stimmung. Ja. Und der Film schafft von Horrormusik zu sowas beschwingtem, fröhlichen, lustigen, übertragliches, also er schafft diese Emotionen. Ja, ja, ja. Einfach im musikalischen.
Johannes Franke: Absolut. Manchmal hatte man das Gefühl, dass er so richtig albern wird, weil er so ein Zwischendurch drin hat und so Sachen, wo eine Punchline war von irgendjemandem und die Musik kommentiert es nochmal irgendwie. Es ist wirklich spannend und dieses zwölf Wochen Zeit geben und so, das bringt mich noch ein bisschen darauf, dass Orson Woltz ja alles unter dem Deckmantel von, wir sind neu, sorry, wir brauchen mehr Zeit und sich dann auch eben diese Zeit erkauft hat damit und gesagt hat, wenn ihr mich schon haben wollt, der ich keine Ahnung von Film habe, dann müsst ihr uns mehr Zeit geben. Und dann hat er auch ganz am Anfang einen Monat Zeit gehabt, Testshoots zu machen. Das Ding ist bloß, die Testshoots waren am Ende gar keine Testshoots. Der hat ja eigentlich schon angefangen, den Film zu drehen. Der hat sich ermogelt, dass er mehr Zeit zum Drehen des Films hat und hat so getan, als wenn er irgendwelche Testshoots macht. Aber er hat ja in der Zeit schon einen Film gedreht. Das waren zum Beispiel diese Szenen, wo die Journalisten am Anfang fast so silhouettenhaft dastehen und vor dieser Leinwand stehen und sagen, wir müssen aber herausfinden, was wir Besonderes über diesen Typen zu sagen haben. Weil das, was wir gerade gesehen haben in dem Newsreel, das wissen wir ja alles. Wir brauchen was Neues.
Florian Bayer: Ja, er hat sich schon einiges rausgenommen. Er hat, also, Citizen Ken would auch gerne als eines der ersten Beispiel, wenn nicht sogar das erste Beispiel des amerikanischen Autorenfilms. Ja, ja. Das ist ja von New Hollywood genannt. Ja, und es war, also, Wells hat sehr viel gemacht mit der Card Blanche, die die Studie hatte. Ja, ja. Gott sei Dank hat er genug Dreistigkeit, um den reinzubringen, zu pushen und stell dir mal vor, jemand von Hearst hätte erfahren, was er da dreht. Hätte das nicht mehr gegeben, das Projekt wäre tot gewesen. Absolut, absolut. Und dann war es halt doch zu weit, dass es ein bisschen leichter war, Guts zu zeigen und zu sagen, als Studio, okay, jetzt veröffentlichen wir das Ding. Ja. Jetzt ist sowieso Kind in den Brunnen gefallen.
Johannes Franke: Genau. Ja, ja. Ich finde, das Krasse an Orson Welles ist einfach, dass der an den richtigen Stellen die richtigen Entscheidungen betroffen hat und zwar so in einer Masse, weil du musst ja als Regisseur wirklich alles entscheiden. Und die meisten Regisseure, die gut sind, wie Spielberg und so weiter, treffen so bei 80 Prozent der Fragen die richtigen Entscheidungen. Und ich habe das Gefühl, dass Orson Welles mit 24, 25 eine unglaublich hohe Trefferquote an richtigen, korrekten oder außergewöhnlich guten Entscheidungen getroffen hat. Und das als jemand, der keine Ahnung hat.
Florian Bayer: Ich glaube, das kam ihm teilweise gelegen. Weil er, also, man kennt das, wenn man unbefleckt an was rangeht, ist es leichter out of the box zu machen.
Johannes Franke: Ja, absolut, natürlich, klar.
Florian Bayer: Und das hat er auch genutzt und er hatte natürlich auch das Glück, dass er die richtigen Leute dran hatte, die einfach gesagt haben, okay, wir setzen das jetzt um. Ja, ja. Wir machen das, was du willst. Also, genau, wir können den Namen ruhig nochmal sagen, weil er einfach so wichtig ist für das Gelingen dieses Films.
Johannes Franke: Der Kameramann.
Florian Bayer: Crack Tolland.
Johannes Franke: Ja, Crack Tolland. Es gibt diese tolle Anekdote, dass Crack Tolland der Meinung war, dass man ein Set sehr ruhig und still ohne großes, aufgeregtes Plappern haben sollte. Und dass diese ganzen Anweisungen von, wir machen das so und die Kamera muss dorthin, das Licht muss mehr nach links, mehr nach rechts und so weiter, dass das alles mit Fingersignalen, Handsignalen gemacht werden sollte. Sodass er mit seinen Leuten am Set, also seinen Lichtleuten und so weiter, der Kameramann ist ja viel mit den Lichtleuten, hat er zu tun, einfach Handsignale hatte, sodass keiner richtig wusste, was die eigentlich gerade absprechen. Und Orson Welles kommt vom Theater. Der kommt also ans Set und tut so, als wäre er am Theater und macht die Lichter selber und sagt, okay, ich stelle jetzt diese Lampe hier hin und die leuchtet jetzt dorthin und hat keine Ahnung, was er da macht. Und der Kameramann, sein Ego ist so klein und so unwichtig für ihn, dass er sich einfach hinter Orson Welles stellt und mit Handsignalen den Lichtleuten sagt, ja, mach mal mehr so oder mach mal mehr so. Und Orson Welles denkt, oh ja, das habe ich gut hingestellt da. Und da hat er irgendwie tolles Licht und denkt, er wäre der King am Set und der Kameramann lässt ihn gewähren. Und dann hat aber leider nach einer Woche einer der Lichtleute gesagt, du, sorry, aber was du hier machst, das macht eigentlich alles der Kameramann. Oh Gott, das tut mir furchtbar leid, ich wollte nicht. Aber das Krasse ist, der Kameramann war total sauer und hat gesagt, nein, ich wollte, dass der das selber alles irgendwie und dann lernt er das doch viel besser, wenn er das selber irgendwie hinkriegt und so und wollte seinen Anteil daran gar nicht so sehr nach vorne stellen.
Florian Bayer: Das ist cool, weil da wirklich zwei Leute, die großkünstlerisch waren, Greg Toland war damals schon ein großer Kameramann und das haben wir jetzt schon, wenn wir es gesagt haben, war schon gefeiert, trotzdem keiner von beiden zu sehr mit Ego. Weil Welles war wirklich bestürzt, weil er wollte das richtig machen. Es geht auch die Anekdote darum, dass er von Miriam Geiger, die damals so was Production Advisor, die an der Produktion mitgearbeitet hat, dass er von ihr so eine Art Tutorial bekommen hat und zwar, was sie selbst zusammengestellt hat mit so Filmtechniken, die einfach aufgeführt werden. Das kann man machen. Dass in die Winkel und wegen der Arbeit wird und er muss das nun mehrmals gelesen haben. Er muss das richtig studiert, ja. Mit sehr viel, mit sehr viel Sorgfalt sich damit beschäftigt haben. Und du hast vorhin schon erwähnt, er hat die Filme gekriegt, er hat sich Filme bestellt und hat dann vor allem die deutschen Expressionisten geguckt, aber die Franzosen und auch die amerikanischen Klassiker. Ja. Er kam nicht an das Set mit dem Habitus, ich bin hier das Wunderkind, ich zeige euch jetzt, wie man einen Film macht. Gar nicht. Sondern er kam da hin und sagte, wow, große Spielwiese, aber ich kann hier auch ganz viel lernen, ich will was Gutes machen, aber ich kann hier auch, hey, ja, ich hab die Ideen, lieber Craig, kannst du das umsetzen?
Johannes Franke: Ja. Das ist toll. Also mit dieser Haltung kommst du viel, viel weiter, als wenn du sagst, ich bin jetzt derjenige, der alles weiß und genau so wird's jetzt gemacht. Sondern wirklich zu sagen, okay, ich hab die Weisheit zu wissen, dass ich mich auf die richtigen Leute verlassen muss und dass ich auf die hören muss. Die haben alle wesentlich mehr Filme gedreht, als ich in meinem Leben. Also muss ich mich darauf verlassen und mir die Expertise ranholen, statt so zu tun, als hätte ich die Expertise.
Florian Bayer: Ja. Und es hat sich ausgezahlt.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Bevor wir weiter in unsere Rezeption gehen, wollen wir einmal kurz einen kleinen Jingle einspielen, der sagt, jetzt kommt eine Liste.
Johannes Franke: Wir machen also eine Liste, eine Liste zwischendurch.
Florian Bayer: Ja, ich wollte von dir und du warst richtig pisst, dass ich dir diese Liste gegeben habe. Du hattest überhaupt keinen Bock auf diese Liste. Und ich hab gesagt, doch, wir machen das. Ich wollte Konsensfilme. Auch wenn Citizen Kane keiner ist.
Johannes Franke: Naja, aber Konsensfilm habe ich jetzt schon auf Citizen Kane bezogen und hab gedacht, naja gut, das ist der Film, der immer auf Platz 1 ist, was die besten Listen betrifft. Also es ist ein Film, wo alle mit sich einig sind, okay, das ist ein guter Film.
Florian Bayer: Ich finde es spannend und es geht nicht um Filme, die wir absolut vergöttern. Ich finde es spannend, kann man so einen Film finden, der nicht der kleinste gemeinsame einander ist, weil das wäre plump, das finden ganz viele Leute doof, sondern eher der größte gemeinsame einander. Gibt es so einen Film, wo du das Gefühl hast, okay, es wird wirklich schwer eben, Leute zu finden, die sagen, ich verachte diesen Film abgrundtief. Es wird wirklich schwer, Leute zu finden, die sagen, ach, ich finde diesen Film mittelmäßig. Sondern die meisten Leute, die den Film gesehen haben, egal ob Kritiker oder Zuschauer, egal wie habe ich geschrieben, ob Onkel Heinz oder...
Johannes Franke: Oder der 10-Jährige.
Florian Bayer: Oder der 10-Jährige.
Johannes Franke: Hallo, der 10-Jährige Pokémon-Fan.
Florian Bayer: Filme, die alle die ansprechen. Und es ist unmöglich natürlich, aber versuchen wir es mal. Wir versuchen mal so krass, wie möglich zu finden und es ist eine Herausforderung. Ich weiß auch noch nicht, ob ich glücklich bin in meiner Liste.
Johannes Franke: Weil ich habe als erstes gedacht, na gut, dann gehe ich jetzt einfach die IMDb-Liste durch, was sind die besten Filme, bestbewerteten Filme und dann kann ich das machen, aber dann...
Florian Bayer: Dann habe ich geschrieben Bullshit, das sind die IMDb-Jusers. Die haben doch einen ganz anderen Filmgeschmack und dann ist auch zwei der Pate.
Johannes Franke: Ja, und dann wird natürlich der 10-Jährige Pokémon-Fan mit der Pate nicht viel anfangen können.
Florian Bayer: Tante Liesel wird sagen, ach nee, der Pate, oh, nervig, die sind so blöd.
Johannes Franke: Also meine Tante Liesel findet den toll. Ja, okay. Ja, aber das sind dann schon wieder nur langweilige... Also das ist dann wieder der kleinste gemeinsame Filme-Fache.
Florian Bayer: Nee, das darf nicht passieren. Dann sagen ja die ganzen Filmkritiker, ach, das ist der kleinste gemeinsame Nenner, das funktioniert nicht. Filmkritiker müssen die auch nennen. Alle müssen ihn mögen. Alle müssen ihn mögen. Okay. Versuchen wir es. Was ist dein Platz 3?
Johannes Franke: Fuck, Alter. Mein Platz 3 ist Zurück in die Zukunft.
Florian Bayer: Ja, sehr gut. Genau sowas wollte ich hören. Zurück in die Zukunft. Perfekt. Okay, Comedy, Romantik, Excitement und auf jeden Fall. Ich habe auch überlegt, ob ich ihn mit reinnehme. Habe ich nicht gemacht, aber auf jeden Fall. Okay, sehr gut. Funktioniert. Puh. Toller Platz 3.
Johannes Franke: Okay, aber dafür musste ich jetzt leider Casablanca über Bord werfen.
Florian Bayer: Oh, Casablanca wäre auch gut gegangen.
Johannes Franke: Nein. Warum? Welcher 10-jährige Pokémon-Fan kann Casablanca durchhalten? Der sitzt davor und denkt sich, äh, was will der Typ? Ich schaue dir in die Augen, Kleines. Was ist das für ein Satz?
Florian Bayer: Ich hatte das Gefühl, ich musste die großen Regisseure nennen. Ja. Also die großen Blockbuster-Regisseure. Und dann habe ich überlegt, welchen Star Wars nehme ich. Weil irgendwie Star Wars ist so ein Konsensfilm. Aber welcher? Und ich glaube, es ist nicht der erste, sondern ich glaube auch. Das ist der zweite. Ich glaube, es ist auch nicht der zweite. Der ist nämlich zu düster und zu brutal. Ach so. Ich glaube, es ist der dritte. Also Episode, nicht Episode 3, sondern Episode 6. Rückkehr der Jedi-Ritter. Der hat alles. Zum einen diese schwere Thematik mit Darth Vader ist der Vater von Luke Skywalker. Er hat auch niedliche Ewoks. Er hat ein großes Action-Spektakel. Ja. Aber er hat auch Romantik zwischen Prinzessin Leia und Han Solo. Er hat Jabba Dahat und diese ganzen komischen Monster. Aber er hat auch wunderschöne Aufnahmen von dem Planeten, wo die Ewoks leben. Das ist für mich eine bunte Mischung. Und ich glaube, das ist ein Film, wo es schwer wird, jemanden zu finden, der sagt.
Johannes Franke: Ja. Das stimmt vielleicht. Star Wars kann man auch als Kind gut gucken und freut sich über die Dinge, die man vielleicht nicht versteht, aber auch über die ganzen lustigen Sachen. Gerade die Ewoks und so. Das stimmt schon. Bei mir Platz 2. Das Ding ist, man ist ja dann automatisch bei Klassikern.
Florian Bayer: Natürlich, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Aber muss man gar nicht. Nee. Weil ich glaube, dass ein Konsensfilm, der wirklich überall gut ankommt, ist, Alles steht Kopf.
Florian Bayer: Oh, sehr gut. Ja. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und es ist noch kein Klassiker. Und vielleicht wird es noch ein Klassiker. Ich weiß es nicht genau. Die Zeit wird es zeigen.
Florian Bayer: Alles steht Kopf ist super. Pixar, Disney. Und du hast Alles steht Kopf genommen statt der Eiskönig. Ja, ja, natürlich. Weil es universeller ist, weil es weniger so klassisches Märchen ist oder weniger Kitsch?
Johannes Franke: Na, weil Alles steht Kopf, die ganzen Psychologen und diese ganzen Leute, die dann auch noch denken, oh ja, und da ist auch noch intellektuell, psychologisch was Spannendes drin und darüber kann man sich gut unterhalten.
Florian Bayer: Du hast dich so geärgert, wenn du einen müssten vorschlagen, jetzt haust du voll Goldstücke raus. Super. Ich hab gedacht, so Disney, Pixar müsste sein, aber das ist natürlich der Beste von allen, weil ich dachte, die König der Löwen, ah, ich weiß nicht. So, ah, Kolonialismus. Nee, richtig, genau. Schwierig, aber super. Mein Platz 2, auch ein Film, der Romantik hat, der Action hat, der Aufregung hat, der strahlt und auch relativ neu ist. Das ist nämlich wichtig, weil Klassiker, je älter sie sind, umso schwieriger ist es ein heutiges Publikum.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Jurassic Park, Special Effects funktionieren immer noch. Okay. Es gibt das Aufregende mit den Dinosauriern, die angreifen, aber es gibt auch das Schöne mit den Dinosauriern in der großen Landschaft. Es gibt die wirklichen Kinder, Kinder haben Spaß an diesem Film, Erwachsene haben Spaß an diesem Film. Die Filmkritik darf sich an den tollen Special Effects freuen, die wegweisend sind für das Kino der 90er Jahre und das Feuilleton darf sagen, ah, da werden Umweltthemen behandelt.
Johannes Franke: Ja, aber ich glaube, dass du viele Leute verlierst, die so mit Dinos und so weiter überfordert sind, die dann sagen, ach, weiß ich nicht, ist nicht meins. Es gibt tatsächlich Leute, die nicht als Kind große Dino-Fans waren.
Florian Bayer: Ich war nicht so ein großer Dino-Fan als Kind.
Johannes Franke: Ja, und dann gibt es Leute, die das einfach, die sagen, naja, aber was interessiert mich, ob da jetzt ein T-Rex rumläuft.
Florian Bayer: Aber es sind trotzdem schöne Bilder, auch wenn du nicht Dino-begeistert bist. Ich mochte den Film, obwohl ich nicht Dino-begeistert war.
Johannes Franke: Ich mag den Film, aber ich mochte ihn damals nicht.
Florian Bayer: Oh, interessant.
Johannes Franke: Als er als erstes rausgekommen ist, beziehungsweise als ich ihn erst erst gesehen habe, habe ich ihn nicht so sehr gemocht. Er ist erst an mich angewachsen mit der Zeit. Also, ah. Okay.
Florian Bayer: Zurück ans Reißbrettblor. Hey, Fragezeit. Erst bei meinem ersten Platz wirst du auch eine große Fragezeite.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Was ist dein Fragzeit?
Johannes Franke: Ja, ich hatte so ganz viele Sachen, denn Klassiker wäre noch, manche mögen es heiß, der wirklich auch alle begeistern würde, glaube ich. Aber den habe ich dann nicht reingenommen, weil es gibt noch den größeren Platz, und wir haben es besprochen, Wizard of Oz.
Florian Bayer: Oh, ja. Ja?
Johannes Franke: Ich glaube, der wird immer, immer alle Zuschauer, die da vorsitzen, begeistern. Ich glaube, es gibt sogar richtig grummelige 15-jährige Jungs.
Florian Bayer: Ich hätte jetzt gesagt, die verlierst du bei Wizard of Oz.
Johannes Franke: Das glaube ich nicht. Ich glaube, Jungs, die entdeckt haben, dass sie männlich vor Fußball sitzen müssen, schaffen es trotzdem, Wizard of Oz was abzugewinnen.
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall, also war bei mir auch bei den Überlegungen dabei. Also kann man auf jeden Fall machen, ich weiß, aber ich glaube, du verlierst die pubertierenden Jungs. Genau die verlierst du, aber die verlierst du wahrscheinlich meinen Platz 1 auch. Jetzt bin ich mal gespannt. Mein Platz 1 ist, weil ich dachte, okay, und Hollywood ist ja kacke, Hollywood ist so Studiosystem und so. Und wir brauchen noch ein bisschen mehr für die Tonbegeisterung. Ein bisschen mehr, wie vor das ist, was man feiert. Aber es muss nah genug an unserer Zeit sein. Trotzdem Spaß machen. Mit dieser Formel kommen wir zu dem Schluss, dass der Konsensfilm, aller Konsensfilme, die fabelhafte Welt der Hammer ist.
Johannes Franke: Nein, nein, den finden viel zu viele Leute, viel zu süß.
Florian Bayer: Glaubst du? Weil er hat immer noch genug diese ein bisschen absurden, aber nicht zu absurden Momente, die das abfedern. Also ja, er ist sehr kitschig. Ja. Er hat manchmal diesen bizarren Humor, der es aufhängt und dem Niedlichen immer so in Augen ziehen kann. Ja. Großer Vorteil, er hat glaube ich die Fähigkeit, beide Geschlechter abzuholen. Ja, das stimmt. Er hat den Vorteil, dass er das Feuilleton begeistern kann, weil es ist ein Film von Jeunet, ein französischer Autor. Ja, natürlich. Das heißt, das Feuilleton ist bei diesem Film auf jeden Fall dabei. Und ich glaube, er ist unterhaltsam genug, um ein Massenpublikum zu begeistern. Das hat er ja auch irgendwie. Er ist ja auch in den Kinokassen sehr erfolgreich. Und die Jungs dürfen sich in Amélie Pola verlieben.
Johannes Franke: Ja, ja. Ich glaube, du verlierst die Leute. Und jetzt wird es spannend. Du verlierst die Leute, die den Film zu oft gesehen haben.
Florian Bayer: Oh, nein, das ist mies. Das ist dreckig. Also, Respekt für dieses Argument, aber das ist wirklich dreckig. Ich habe so das Gefühl, dass so ein bisschen Schlag unter die Gürtelin geht. Wenn hier jetzt ein Ringrichter sitzen würde, würde er sagen, nein. Das ist die Pallity. Danke für deine tolle Liste.
Johannes Franke: Wir kommen zum Fazit und zum... Ja, es gibt... Oh, ich habe hier so viel noch stehen, aber das können wir nicht alles reinbringen. Das geht einfach nicht. Wir haben jetzt schon eine über zwei Stunden Episode. Ja. Ich habe gehofft, dass wir unterzwecken können. Nein, nein, nein, nein. Es ist Citizen Kane und wir müssen ja auch Citizen Kane ein bisschen gerecht werden.
Florian Bayer: Und okay, wenn du es schon so sagst, hat dir der Film gefallen?
Johannes Franke: Oh, jetzt kommt noch eine weitere zweistündige Pause, bevor ich das beantworten kann. Also, man braucht Sitzfleisch für den Film. Und überraschenderweise hatte ich das Sitzfleisch gerne, aber ich verstehe, wenn man das nicht hat und wenn man dann sagt, jetzt irgendwie wird er dann doch langwierig. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass da ist jemand, der irgendwie einfach alles reinwerfen will, der jede... Every trick in the book muss mal ausgetestet werden, was mir dann in der Recherche recht gegeben hat, weil einfach der 24, 25-jährige Junge einfach gesagt hat, so, hier war jetzt alles, was mir irgendwann mal begegnet ist. Wir machen den Low-Shot, wir machen den Trick-Shot da, wir machen das. Das ist einfach unglaublich. Aber natürlich... Und es sind ein paar Sachen, wo ich denke, irgendwie hat es so ein Geschmäckle von immature, wo man denkt, ah, irgendwie hat er doch nicht die Lebenserfahrung für das, was er da erzählt. Weißt du, was ich meine? So ein kleines bisschen. Aber das sind alles so... Das ist so Meckern auf hohem Niveau. Es ist halt bloß etwas, was unten drunter mitläuft, wo ich dann... Was mit dem Film ein kleines bisschen... Weiß ich nicht genau. Wo ich dann denke, ja, der ist so ein arroganter Bursche, der mir dann versucht zu erzählen, wie das im Alter funktioniert. Das Blöde ist, er trifft das ja richtig eigentlich. Wo ich dann denke, ah, irgendwie, warum darf der mir das erzählen? Aber er erzählt es halt leider richtig. Damn. Verdammt. Und vielleicht sehe ich das auch in 30, 40 Jahren nochmal ganz anders und denke, ja, der hat ja totaler Scheiß erzählt. Aber jetzt gerade denke ich noch, ja, okay, er hat es leider getroffen. Und um den Punkt nochmal ganz, ganz stark zu machen, dass es nicht um, also auf der Oberfläche geht es um Hearst, aber eigentlich, wenn man das Drehbuch außer Acht lässt, geht es eigentlich um Orson Welles. Orson Welles hat seine Mutter verloren, als er acht war, seinen Vater, betrunkenen Vater, als er 15 war. Es ist ganz viel, wo ich denke, okay, das passt jetzt volle Kanne in sein Leben rein. Als Kane das erste Mal seine Zeitung bekommt, sagt er, ich habe keine Ahnung, wie eine Zeitung funktioniert, ich mache einfach, was mir Spaß macht. Das ist Orson Welles 1 zu 1. Der sitzt da und denkt sich, ich habe keine Ahnung, wie ein Film funktioniert, aber ich habe jetzt einfach Spaß damit. Volle Kanne. Und ich glaube, dass der Film umso mehr Spaß macht, wenn man sich anguckt, dass es vielleicht einfach um Orson Welles geht.
Florian Bayer: Ich glaube, es geht um den Menschen und für sich. Es geht um den Amerikaner, um den amerikanischen Bürger. Und es geht auch um ein, naja, darum, wie, vielleicht auch weniger um den amerikanischen Bürger, sondern wie funktioniert Amerika. Und leider ist es so, dass eben Reiche und Mächtige sind, die große Rolle dabei spielen, wie Amerika funktioniert. Das war's wie heute. Robert Murdoch. Der Film ist über Robert Murdoch. Und das schafft er wirklich auf den Punkt zu bringen. Ich dachte ja eigentlich, wir gucken das Ding jetzt, um das nochmal so ein bisschen zu dekonstruieren, nochmal so ein bisschen auseinanderzunehmen. Ich habe auch jetzt nochmal eine Vorbereitung, nachdem ich den Film geguckt habe, einen Podcast gehört, wo drei Dudes sich ein paar Stunden drüber lustig machen und sagen, was das ein Kackfilm ist. Ja, ah, okay. Und die ganze Zeit drüber herziehen und sich wundern, warum der so erfolgreich ist.
Johannes Franke: Hast du dir gewünscht, dass wir mehr über ihn herziehen über den Film? Nein, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Das Problem ist ja, ich habe es mir gewünscht, bevor ich ihn gesehen habe nochmal. Und jetzt habe ich ihn nochmal gesehen und habe nochmal festgestellt, also ich hatte ihn schon in guten Erinnerungen gelassen, was ich einen starken Film fand, aber dass ich so eine gewisse Distanz dazu hatte, emotional. Ja. Weil, die hatte ich diesmal nicht. Und dann habe ich mich nochmal drauf eingelassen und vielleicht haben sie auch einfach alle recht. Vielleicht ist es einfach der beste Film aller Zeiten. So ganz objektiv, ohne irgendwelche subjektive Maske. Ich bin, also, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich Sitzfleisch brauche. Ich wurde wieder, ich wurde, und ich kann nicht mal wieder sagen, weil das letzte Mal, als ich ihn geguckt habe, hatte ich das Gefühl, dass ich nicht so aufgesungen habe. Da war ich schon alt genug, um zu sehen, ah, das ist wirklich Meisterliebe. Aber ich habe so eine Distanz dazu. Ich sehe, warum ich so viele Leute abfeiern. Ja. Aber ich komme nicht rein. Und ich kann es betrachten als historisches Stück. Und sagen, oh, schöne Büste, liebe Griechen. Guckt euch mal das an, was wir heute mit dem Internet machen. Ja. Und das war diesmal nicht so. Ich wurde da wirklich reingesungen. Ich bin emotional mitgegangen. Und ich habe den Film, habe ihn als unglaublich kondensiert und voll und voller Gehalt und voller toller Bilder wahrgenommen. Ja. Das ist irgendwie beide, so, so, beides von mir angesprochen hat. Das Eskapistische. Wow, krasse Bilder. Wow, schön. Tolle Szenen. Tolle Atmosphäre. Und aber auch das Intellektuelle. So, oh, spannende Auseinandersetzungen mit der Person. Spannende Auseinandersetzungen damit. Oh, viele Ambivalenzen. Ja. Es ist ein verfluchtstarker Film. Ich kann es nicht anders sagen. Ich bin wirklich mit dem Vorhaben rangegangen, ey, man kann ihn bestimmt noch mal ein bisschen mehr auseinandernehmen. Ein bisschen mehr kritisieren und so. Oh, der ist viel zu gut dafür. Es klappt nicht. Und ich würde es gerne machen. Das ist so ein Film, wo, ja, natürlich ist es voll doof, den Film genial zu finden, weil ihn jeder genial findet. Mhm. Aber vielleicht ist er doch einfach. Und vielleicht sind diese Party-Puper, die sagen, ja, ja, ich fand, die in den Listen zu landen. Das sind einfach die Nullchecker, weil der Film ist einfach ein krasses Meisterwerk.
Johannes Franke: Ich glaube, dass die das auch wissen und das nicht zugeben wollen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Und vielleicht, was du gesagt hast, spielt das auch mit eine Rolle, dass es echt schockierend ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ärgerlich und provozierend, dass so ein junger Heini, der vom Radio kommt, mit 25 Jahren, im Jahr 1945, als jedes Jahr, wenn jedes Jahr tausende Filme entstehen, die einfach nur Bullshit sind, so ein Meisterwerk bringt, dass sich so lange hält und so eine Stärke hat, dann, ja, natürlich ist es schwierig, das zu akzeptieren. Ja. Ja, großartiger Film. Ich finde, der ist immer noch, immer noch wert, gesehen zu werden. Und er hat es total verdient, so gefeiert, zu sein Jahr vielleicht überkompensiert, weil er von Hörst totgeschwiegen wurde, was ja offensichtlich nicht so lange war. Ja, vielleicht ein bisschen übertrieben, dass er jedes Jahr auf der Top-Liste auftauchen muss, immer auf Platz 1 ist. Ja, das ist vielleicht zu viel. Aber er ist verdammt stark. Er hat es verdient. Das ist wirklich ein großartiger Film. Und es ist nicht nur ein Film für FilmemacherInnen, könnte man ja auch meinen, weil diese tollen Bilder sind. Er ist ein Film, wenn man sich darauf einlässt, dann kann er einen wirklich reinziehen und auch emotional bewegen. Es ist nicht nur so eine technische Fingerübung und so ein Kunstprodukt, sondern es ist wirklich ein starker Film, der dich emotional mitnehmen kann und aus dem du total viel mitnehmen kannst über den Menschen, über Amerika, über das Funktionieren der menschlichen Psyche über Macht und der trotzdem nicht alles auf dem Silbertablett serviert, sondern genug offene Stellen lässt, genug fehlende Puzzleteile, dass du irgendwie auch mit weiterdenken kannst.
Johannes Franke: Bevor wir schließen, vielleicht führt die Frage jetzt auch, führt die Frage dazu, dass wir jetzt nochmal zwei Stunden aufnehmen, aber wichtige Frage, was lernen wir daraus?
Florian Bayer: Aus dem Film?
Johannes Franke: Nicht nur aus dem Film, auch aus seiner Entstehungsgeschichte, 25-Jähriger, der keine Ahnung von Film hat, macht den besten Film aller Zeiten. Was ist das für, was lernen wir daraus für den Film? Was bedeutet das für ein Film? Bedeutet das, dass wir alle so tun, als wäre Filmhexenwerk und das ist eigentlich, wenn man ehrlich an den Film rangeht und einfach naiv sagt, ich möchte das und das und sich die richtigen Leute ranholt, dass man ganz easy den besten Film aller Zeiten macht? Was heißt das? Was heißt das? Mich irritiert das total.
Florian Bayer: Wenn du einen extrem guten Drehbuchautor, einen extrem guten Kameramann, eine extrem gute Kamerafrau hast und Erfahrungen mit Theaterinszenierungen und Radio, wenn du Backup hast von einem Studio, das dir gute Kulissen zusammenstellen kann, das dir helfen kann mit technischen Fragen und das finanziert und auch 200.000 Dollar über das Budget geht, was damals ja auch schon war. Na ja. Dann ist es ein Hexenwerk, aber es sind so viele Vans, dann, also weißt du, es war einfach ein extrem glückliches Zusammentreffen, nicht nur Ostenwaldschen, die Ostenwalds natürlich großartig, aber auch Mankiewicz, auch Greg Toland, auch Bernard Herrmann, das waren alles die richtigen Leute und der ganze Cast, alles junge, unerfahrene Leute, die das wirklich toll gemacht haben.
Johannes Franke: Total krass, er hat ja das alles aus seiner eigenen Riege, er hat die ja alle vorher gekannt, er hat ja mit denen zusammen eine Theatergruppe gegründet und dann hat er die Leute auch noch genommen für seinen Film, es ist ja im Grunde ein Familienprodukt.
Florian Bayer: Das waren die Leute im Schnitt, er hat einfach, ich weiß nicht, ob er einfach Glück hatte Ostenwaldschen oder ob er einfach die richtigen Leute kannte, also ganz viel liegt auch an ihm, aber es sind einfach, es ist sehr viel Talent zusammengekommen, das war nicht ein Hexenwerk, sondern es ist sehr viel Talent und sehr viel Arbeit zusammengekommen und dann kriegst du so einen Film hin. Aber es war nicht so ein junger, unerfahrener Mann, schnippt einmal mit dem Finger und dann steht da das Meisterwerk.
Johannes Franke: Naja, nee, das nicht, das Ding ist, ich kann ja auch nicht jemandem, der noch nie Fotos gemacht hat, eine Kamera, eine gute Kamera in die Hand geben und sagen, du kannst jetzt gute Fotos machen, weil es ist eben nicht nur die Technik.
Florian Bayer: Aber wenn diese Person bereit ist, sich ein Buch über Fotografie durchzulesen oder auch zwei, sich 200 Fotografien anzugucken und sich zwei Lichtmenschen zu holen und zu sagen, zwei Lichtmenschen, die schon seit Jahren Fotos belichten und sagen, können die mir mal helfen, ich will das und das erreichen und macht mal, stellt mal das Licht und ich stelle dann das Licht, dann kriegst du diese Person, glaube ich, schon dazu, gute Fotos zu machen. Vor allem, wenn diese Person sich vorher, bevor sie vorher Gemälde gemalt hat und realistische Bilder gemalt hat und Comics und Zeichnungen, weißt du, ja, dann kriegt diese Person vielleicht auch, wenn sie zum ersten Mal eine Kamera in der Hand hat, wirklich gute Fotos hin.
Johannes Franke: Am Ende geht es um die Vision, glaube ich. Es macht mich so fertig, deswegen denke ich jetzt so viel darüber nach, weil ich denke, okay, der hatte nie eine Ahnung davon, aber er ist einfach jemand, der eine Vision hatte, eine Idee davon und das vielleicht auch nicht sein Leben lang schon mit sich rumgetragen hat, sondern einfach, wenn irgendwie jemand hat gefragt, ja, wir machen jetzt einen Film und er hat dann irgendwann gesagt, ja gut, lass uns einen Film machen. Dann haben die mehrere Ideen hin und her jongliert. Das war noch nicht einmal die Idee, weswegen er zum Film gegangen ist, sondern das kam halt irgendwann auf, ja, gut, okay.
Florian Bayer: Er hatte die Gatze zum Umzusetzen. Es ist schwer, einen Parallel zu werfen. Tommy Lee Sohn, ne? Hat er auch künstlerische Projekte davor gemacht und hat dann beschlossen, einen Film zu machen, wo er Regie führt und sich als Hauptrolle besetzt. Und dann hat er halt auch so Schauspieler zusammengesucht, die er kannte und hat sich darauf verlassen, dass er gute Kameraleute hat und hat ihnen gesagt, wir drehen analog und digital. Leichtzeit. Ist die Vision?
Johannes Franke: Fuck. Es ist einfach hart. Wenn ihr da draußen irgendeine Erklärung dafür habt. Es ist ja nicht nur sein Genie, weil man muss auch sagen, er hat ja danach auch Misserfolge gehabt. Es war nicht immer alles Gold, was er geschissen hat.
Florian Bayer: Ja, genau das. Und ich habe auch, also wie gesagt, Touch of Evil, ich würde ja gerne als sein zweiter großer Film, der hat mir bei weitem nicht so viel Freude bereitet. Und der Prozess ist ein extrem guter Film. Aber auch der Prozess ist so, das ist John Citizen Kane, das ist schon was anderes. Ich weiß nicht, vielleicht ist das so One-Shot. Einmal macht man im Leben sowas und er hat halt das Glück oder vielmehr das Pech wahrscheinlich, dass es bei ihm halt mit 25 war.
Johannes Franke: Wahrscheinlich ist es die Naivität, mit der man dann rangeht und sagt, okay, ich mache jetzt ein paar geniale Ideen und später, wenn man so eine geniale Idee hat, verwirft man die sofort beim Drehbuchschreiben, weil man weiß, ach, das ist viel zu aufwendig. Das mache ich so nicht.
Florian Bayer: Und John Wiles hat ja tatsächlich schon ein paar mehr von diesen Schüssen. Also, hat Krieg der Welten gemacht ein paar? Hat das definitives Science-Fiction-Hörbuch fürs Radio gemacht?
Johannes Franke: Ach, Mann. Ja. Ist das ein Film, bei dem man dann sagt, ach, ich höre auf. Ich kann sowieso nicht erreichen. Oder ist es ein Film, bei dem man sagt, okay, jetzt muss ich unbedingt machen.
Florian Bayer: Jetzt hast recht. Keine Ahnung. Ich betrachte es nicht so aus der Filmmacherperspektive.
Johannes Franke: Ich schon.
Florian Bayer: Als Zuschauer so begeistert, weil ich keine Zeit habe mir.
Johannes Franke: Weil ich glaube, das ist der erste Film, bei dem ich eben nicht sofort denke, oh ja, jetzt muss ich auch wieder einen Film machen. Das ist der erste Film, wo ich denke, vielleicht sollte ich aufhören.
Florian Bayer: Oh Mann, Orson Welles, wie viele Filmkarrieren hast du versprochen?
Johannes Franke: Ich will nicht mit einer depressiven Note enden, ganz im Gegenteil. Eigentlich sollte dieser Film dazu führen, dass man sagt, ja, geil, ich habe zwar nicht genug Budget, wie Orson Welles hatte auch zu wenig Budget eigentlich für das, was er gemacht hat. Er hat einfach was draus gemacht. Er hatte geniale Ideen. Er hatte überlegt, wie kann ich das und wie kann ich das erzählen mit den Mitteln, die ich habe. Er wusste einfach auch, wie man Sachen zweitverwertet. Er hat ganz viel in Sets gedreht von Leuten, die gerade eben was anderes abgedreht haben und hat gesagt, oh, können wir da mal rein? Wir würden gerne diese Nachtclub-Szene da drehen. Und die Leute gesagt haben, ja gut, okay, dann benutze es halt noch. Er weiß einfach, wie man aus kleinen Mitteln was rausholt. Ja, total. Und das ist toll und das ist vielleicht das, was man lernen sollte daraus. Nicht zu sagen, ich komme da sowieso nicht ran, sondern zu sagen, okay, ich nehme diese Guts, zu sagen, okay, ich kann aus kleinen Sachen, ich muss mir meine Fähigkeiten bewusst sein und daraus das Beste rausholen.
Florian Bayer: In diesem Sinne, Johannes, vielen Dank, dass du hier geguckt hast.
Johannes Franke: Der Wahnsinn, oh mein Gott.
Florian Bayer: Jetzt müssen wir einmal richtig feiern und nächste Woche zur hundertersten Episode.
Johannes Franke: Wo alles anders wird, wir werden das Konzept komplett umschmeißen, wir machen ganz andere Dinge.
Florian Bayer: Ja, ich werde ersetzt durch einen Esel.
Johannes Franke: Macht das einen großen Unterschied? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Nein, wirklich. Okay. Moment, verwandelt er jetzt nicht. Doch, das war doch mal.
Johannes Franke: Natürlich. Okay. Gut, dann hören wir uns nächste Woche. Eh, ah. Und werden dann, weiß ich nicht, was machen wir denn?
Florian Bayer: Wenn ich mir wissen wollte, was Johannes für die erste Episode dieser neuen Ära für mich zu bieten hat und es muss was Gutes sein.
Johannes Franke: Bleibt dran. Ich glaube, es gehört zu den Filmen, die wir letzte Woche besprochen haben. Oh shit.
Florian Bayer: Letzte Woche, falls ihr es nicht gehört habt, hatten wir Filme mit merkwürdigen Filmtiteln, die so krass sind, dass wir denken, oh den Film müssten wir unbedingt mal sehen, obwohl wir ihn noch nicht gesehen haben. und jeder von uns hat drei Filme vorgeschlagen. Wir haben wirklich ein paar absurde Titel dabei gehabt und jeder durfte von der Liste des Ära rauspicken. Und ich befürchte, es könnte Trash sein. Hat sich was ziemlich Interessantes bei mir rausgepickt. Ah, ich erinnere mich. Okay, ich will nicht so viele Spoilern. Wenn ihr wissen wollt, was für einen absurden Titel Johannes Schaus gesucht hat, seid noch kurz dran. Sehr schön. Hört ihr das. Ansonsten euch eine schöne Woche. Vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Vielen Dank für die Episoden, für die tollen.
Florian Bayer: Und wir hören uns hoffentlich weitere 100 Episoden.
Johannes Franke: Bleibt gesund. Bis dann. Bis dahin. Ciao.
Florian Bayer: Wir haben in der Zwischenzeit geguckt, ob wir diesen obskuren Film überhaupt finden. Das war nämlich wirklich eine Liste von Filmen. Und wir hätten wahrscheinlich mit jedem Film oder fast jedem Film dieser Liste Probleme. Du hast mal einen Link zu einer dubiosen russischen Seite geschickt, Floor. Das ist ein Klassiker und Turner-Klassik-Movies hätte ihn auch, aber wir befinden uns ja leider nicht in Amerika und ich weiß auch nicht, ob das mit Pay und so. TCM.com hat ihn offensichtlich im Angebot. Das ist ein Turner-Klassik-Movie und jetzt habe ich zumindest, weil ich halt danach gesucht habe, bin ich über ein paar Infos gestoßen. Okay. Und zwar, ah, the three main supporting cast of the hugely popular Dick Van Dyke Show.
Johannes Franke: Ah, ich liebe die Dick Van Dyke Show.
Florian Bayer: Kenne ich überhaupt nicht. Was? Und das werden die DarstellerInnen da auch nicht erkennen. Okay. Ich kenne es vom Namen, aber ich kenne es vom Namen.
Johannes Franke: Magst du den Titel des Films erstmal nochmal sagen?
Florian Bayer: Don't worry, we'll think of a title. Offensichtlich. Wahrscheinlich. Ich hatte ja, als ich das gelesen habe, dachte ich, ah, geil, das ist ein Metafilm. Das klingt so wie so ein Metafilm, ist es aber wahrscheinlich nicht. Ah, verdammt. Ich glaube, es ist einfach eine klassische amerikanische Komödie aus den 60ern. Hm. Naja, bin mal gespannt. Und ich habe, Spy habe ich gelesen. Also, Spy und, äh, Spy ist Mistake a Dinner Cook. Weil er muss nicht lesen. Ich kann mir ungefähr vorstellen. Das heißt, wahrscheinlich geht es darum, wahrscheinlich ist es so ein Hitchcock-Thema, ne? Mhm. Ein normaler Typ wird für einen Spion gehalten oder so. Ja. Und, äh, keine Ahnung. Mal schauen, vielleicht überrascht er uns. Mhm. Interessant. Ich, äh, ich gucke immer gerne neue. Ich glaube, ich weiß nicht, ob dieser Film hier gefällt.
Johannes Franke: Nur kurz für die Entstehungsgeschichte, wer es nicht gehört hat. Wir haben letzte Woche über einen Film gesprochen, äh, wo die Top 3 dann war. Ähm, Titel von Filmen, die wir irgendwie spannend finden, ähm, obwohl wir den Titel, den Film nicht gesehen haben. Wo der Titel aber sagt, ich muss diesen Film sehen. Ja.
Florian Bayer: Und, äh, ich habe eine Liste gemacht mit, mit drei Filmen. Und Johannes hat eine Liste gemacht mit drei Filmen. Und, ähm, wir haben dann jeweils aus der Liste, einen Film gewählt für, äh, für den anderen. Zum Gucken. Johannes gibt mir nächste Woche einen Film aus meiner Liste auf. Mhm. Johannes die Woche drauf. Einen Film aus seiner Liste auf. Das heißt, wenn ihr wissen wollt, welcher dubiose, merkwürdige Titel von Johannes kam, aber von mir als Film auserwählt wurde, das ist der nächste Woche wieder rein.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Vielen Dank für 100 Episoden, Johannes.
Johannes Franke: Vielen, vielen lieben Dank. Wir haben uns jetzt genug, äh, Honigjumsmau geschmiert. Äh, die Hefte davon schneide ich sowieso raus. Und, äh, die andere Hefte bleibt drin. Und wir, äh, freuen uns einfach, dass wir 100 Episoden haben. Und ich freue mich auf die nächsten 100 Episoden an euch da draußen. Vielen Dank, dass ihr so lange dabei wart. Und dass ihr auch noch weiterhin, äh, zuhört. Und dass ihr, äh, unsere Statistik immer weiter füttert. Äh, es werden ja immer mehr, äh, ZuhörerInnen. Und das finde ich ganz toll. Vielen Dank. Gut.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Bis dann.
