Episode 104: 28 Days Later und das Genre des Zombiefilms
Es ist mal wieder Zeit für Horror, und darüber hinaus für ein Subgenre des Horrorfilms, das ich Johannes schon lange vorsetzen wollte. Der Zombiefilm wurde von George A. Romero mit seiner herausragenden Living Dead Trilogie in den späten 60ern und frühen 70ern definiert, verkam dann aber sehr schnell zum Synonym für billige, alberne und vor allem überflüssig Brutale Splatter-B-Movies. Erst in den 2000ern erlebte er ein unfassbares Revival, das ihm zu einer Popularität verhalf, die – The Walking Dead sei Dank – bis zur heutigen Zeit anhält.
Verantwortlich für dieses Revival ist unter anderem Danny Boyles “28 Days later” aus dem Jahr 2002: Der Fahrradkurier Jim wacht nach einem Koma in einer Welt auf, die von Menschen, die mit “Wut” infiziert sind, überrannt wurde. Die Infizierten haben keinerlei Vernunft mehr in sich, keinerlei Moral und keinerlei Menschlichkeit. Alles was sie wollen, ist verletzen und töten. Wer mit ihrem Blut in Berührung kommt, wird innerhalb von Sekunden selbst infiziert. Jim irrt durch das evakuierte, immer noch von Infizierten heimgesuchte London. Er findet in Selena eine Retterin und Mitstreiterin und flieht schließlich mit ihr und Frank, sowie dessen Tochter Hannah aus der verlorenen Stadt. In der Nähe von Manchester hoffen sie, Rettung in Form einer paramilitärischen Zufluchtstelle zu finden.
Zombie-Puristen mögen anmerken, dass es sich bei den Infizierten in 28 Days Later ja gar nicht um Untote handelt, aber ansonsten besitzt der Film alle Ingredienzen eines Zombiefilms: Eine Postapokalypse, in der der Schrecken hinter jeder Ecke lauert, ein soziopolitischer Subtext sowie ein Mäandern um Themen wie Verlorenheit, Einsamkeit, Hilflosigkeit. Gedreht in dreckigem Digitalformat gehört er zum Realistischsten, Bedrückendsten und Immersivsten, was das Genre aufzuweisen hat.
Also dann Johannes: Meckere erst mal über die Technik, die räudigen Bilder und die übertriebene Gewalt… und dann lass uns zum Kern dieses Meisterwerks vordringen.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 104: 28 Days Later und das Genre des Zombiefilms Publishing Date: 2022-12-28T15:15:23+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/12/28/episode-104-28-days-later-und-das-genre-des-zombiefilms/
Florian Bayer: Viel später, als ich mich nochmal mit Zombies beschäftigt habe, habe ich gedacht, das ist es. Und shit, das ist viel, viel älter als Night of the Living Dead, der als erster Zombiefilm genannt wird. Mhm. Es sind die schwarzen Schlümpfe. Brains. Herzlich willkommen. liebes Publikum zu einer neuen Episode vom Muss-man-sehen-Podcast. Mir gegenüber sitzt der leicht zombifizierte Johannes Franke.
Johannes Franke: Ja, und vor mir der im Endstadium-Zombie Florian Plor Bayer.
Florian Bayer: Damit kommen wir auch gleich zur wesentlichen Frage. Herzlich willkommen, Zombies. Kennst du dich mit Zombies aus? Kanntest du dich mit Zombies aus?
Johannes Franke: Ich kenne mich auch jetzt noch nicht mit Zombies aus, weil, das werden wir auch noch feststellen, das sind ja gar keine Zombies.
Florian Bayer: Oh, voll reingelegt. Und das sagst du als Nicht-Zombie-Filmpurist. Wir werden heute über 28 Days Later reden. Vor allem aus dem Grund, weil ich Johannes einen Zombie-Film geben wollte. Und Zombie-Puristen, ihr müsst jetzt alle ganz stark sein. Für mich ist 28 Days Later. Der beste Zombiefilm aller Zeiten. Und es ist ein Zombiefilm. Und wir können gerne darüber diskutieren. diskutieren und gerne darüber streiten. Ich weiß nicht, ob Johannes der Richtige ist, um darüber zu streiten.
Johannes Franke: Um die Frage kurz noch zu beantworten, ich habe keine Ahnung von Zombie-Filmen. Also ich bin einfach kein großer Fan von, allgemein von Horror-Genre. Es gibt so ein paar Horrorfilme, die ich tatsächlich sehr gut finde. Das sind dann meistens Filme, wo du dann gesagt hast, das ist Post-Horror? Ich weiß nicht, wie viel Sinn diese Einordnung gibt, aber so, dass man das Gefühl hat, okay, da hat jemand über das Genre hinaus gedacht und eigentlich ein anderes Genre mit eingebracht.
Florian Bayer: Post-Horror ist eigentlich nur guter Horror und Post-Horror gibt es seit der Erfindung des Horrorfilms. Es gibt halt nebendran auch immer so den Dumpster-Fuck-Horror, keine Ahnung.
Johannes Franke: Okay. Für die Leute, die übrigens nicht wissen, was wir eigentlich tun, werde ich schon geraten haben, wir reden über Filme. Aber das Konzept ist... Ich schlage Plur einen Film vor und sage, du musst den jetzt gucken und Plur kann nicht drum rum und nächste Woche schlägt mir Plur einen Film vor. Diese Woche ist er dran und wir kommen nicht drum rum, wir müssen den Film des anderen gucken und egal ob wir den mögen oder das Genre mögen oder nicht, sonst hätte ich nämlich zu diesem Film gesagt, nein danke.
Florian Bayer: Lass mal lieber irgendwas, irgendein Musical nochmal nehmen aus den 50ern. Okay, aber legen wir einfach los. Ich habe einen kleinen Text vorbereitet, den werde ich kurz vorlesen. Und danach werden Johannes und ich über den Film reden, diskutieren, streiten. Wir werden lachen, wir werden weinen und wir werden ein paar Brains fressen. Es ist mal wieder Zeit. für Horror und darüber hinaus für ein Subgenre des Horrorfilms, das ich Johannes schon länger vorsetzen wollte. Der Zombiefilm wurde von George A. Romero mit seiner herausragenden Living-Dead-Triologie in den späten 60ern und frühen 70ern definiert. verkam dann aber sehr schnell zum Synonym für billige, alberne und vor allem überflüssig brutale Splatter-Movies. Erst in den 2000ern erlebte er ein unfassbares Revival, das ihm zu einer Popularität verhalf, die Walking Dead sei Dank bis zur heutigen Zeit anhält. Verantwortlich für dieses Revival ist unter anderem Danny Boyles »28 Days Later« aus dem Jahr 2002. Der Fahrradkurier Jim wacht nach einem Koma in einer Welt auf, die von Menschen, die mit Wut infiziert sind, überrannt wurde. Die Infizierten haben keinerlei Vernunft mehr in sich, keinerlei Moral und keinerlei Menschlichkeit. Alles, was sie wollen, ist verletzen und töten. Wer mit ihrem Blut in Berührung kommt, wird innerhalb von Sekunden selbst infiziert. Jim ehrt durch das evakuierte, immer noch von Infizierten heimgesuchte London. Er findet in Selina eine Retterin und Mitstreiterin und flieht schließlich mit ihr und Frank sowie dessen Tochter Hannah aus der verlorenen Stadt. In der Nähe von Manchester hoffen sie, Rettung in Form einer paramilitärischen Zufluchtsstelle zu finden. Zombie-Puristen mögen anmerken, dass es sich bei den Infizierten in 28 Days Later ja gar nicht um Untote handelt. Aber ansonsten besitzt der Film alle Ingredienzen eines Zombie-Films. Eine Postapokalypse, in der der Schrecken hinter jeder Ecke lauert, ein soziopolitischer Subtext, sowie ein Meandern um Themen wie Verlorenheit, Einsamkeit und Hilflosigkeit. Getreht in dreckigem Digitalformat gehört er zum realistischsten, bedrückendsten und immersivsten, was das Genre aufzuweisen hat. Also dann, Johannes, meckere erstmal über die Technik, die räudigen Bilder und die übertriebene Gewalt. Und dann lass uns zum Kern dieses Meisterwerks vortrinken.
Johannes Franke: Okay, also das Erste, was hast du gesagt? Das Erste ist die Technik. Die Technik. Alter, wenn du einen Film machst, dann besorg dir ordentliche Technik. Willst du mit einer... DV-Kamera von Canon aus dem Jahre 2000 oder sowas. Diesen Film. Ich fand's sehr gut eingesetzt. Tatsächlich. Okay. Ich fand das tatsächlich den ersten Film, den ich gesehen habe, wo ich gedacht habe, oh, macht Sinn, ist voll gut.
Florian Bayer: Das kommt jetzt voll schockierend, Shit. Ja. Darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich wollte gerade dazu ausholen und rechtfertigen, warum das eingesetzt wurde. Jetzt lieferst du die Rechtfertigung gleich mit. Aber es ist schon krass. Es fällt als erstes auf. Das Erste, was an diesem Film auffällt, sind die Bilder. Und zwar... Wir sind Anfang der 2000er Jahre, digitaler Film wird noch nicht viel eingesetzt. Die Firmen, die digital gedreht wurden zu der Zeit, haben das alle, dass sie technisch so ein bisschen angestaubt werden. Und bei dem Film ist es nochmal besonders krass. Also vor allem was die Technik betrifft, hast du einfach diesen Home-Video-Look.
Johannes Franke: Ich finde nicht, dass er angestaubt wirkt, weil er genau das so einsetzt, dass man nicht das Gefühl hat, okay, die hatten damals keine bessere Technik, sondern... es ist halt wirklich genau das, was es sein soll. Deswegen machst du überhaupt keine Gedanken, fand ich, darum, ob das jetzt angestaubt ist oder nicht, sondern es ist halt das Mittel für sein Konzept.
Florian Bayer: Hast Hast du auf der Leinwand geguckt bei dir? Ich habe auf dem Fernseher geguckt. Wir haben auch einen relativ großen Fernseher, würde ich sagen. Und ich finde, das ist schon krass. Es sieht so aus. Und ich habe die Blu-Ray geguckt und ich dachte so, wow. krass, da ist nichts remastered und nichts, das sieht schon heftig aus.
Johannes Franke: Was willst du remasteren, wenn die Scheiße in, Scheiße out? Also das ist halt so.
Florian Bayer: Naja, man kann mit moderner Technik schon einiges machen, mit Zwischenpixel-Berechnungen und so weiter.
Johannes Franke: Aber dann hast du wiederum das... Thema verfehlt. Also es geht ja wirklich darum, dass es so aussieht, wie es aussieht. Und ich muss sagen, dadurch, dass ich es vorher nicht wusste und so weiter, Wie jedes Mal, wenn du mir so einen Film gibst, der so ein bisschen, also wie bei das Inland Empire, da habe ich auch, ich habe ihn angemacht und habe gedacht... ach scheiße, ich muss eine bessere Version finden, da hat irgendjemand was gerippt, die sieht scheiße aus. Und dann habe ich weitergesucht und auch bei dem jetzt, wirklich, ich habe wieder nochmal, ach nee, ich mache nochmal einen anderen. Das finde ich super. Ich suche nochmal woanders und habe aber dann irgendwann festgestellt, okay, das ist anscheinend so. Das muss so.
Florian Bayer: Wie gesagt, ich habe die Blu-ray-Variante, die noch nicht so alt ist. Und zwar gab es Es wurde irgendwann mal vor fünf Jahren oder so ein Zweierpack veröffentlicht zusammen mit dem Nachfolger 28 Weeks Later.
Johannes Franke: Ah ja.
Florian Bayer: Und das sieht genauso aus. Du guckst dir das an und denkst, das ist schlechter als DVD-Qualität. Du siehst, von der Auflösung ist es nicht geil. Ich rede jetzt technisch. Von der Auflösung ist es nicht geil, dass... Es wirkt alles so ein bisschen verschwommen, es wirkt alles wie durch so einen Filter, es hat dieses Home-Video-Feeling. Canon XL1 war die Kamera, mit der sie gedreht haben, eine TV-Kamera, wie du gesagt hast. hast. Und zwar eine kleine Kamera, die relativ mobil ist. Also relativ mobil war zur damaligen Zeit, wie gesagt, wir sind vor 20 Jahren.
Johannes Franke: Ja, Dancer in the Dark fällt mir noch ein. Da hast auch das Ding. Und da hat genau das gleiche, da fand ich es nicht gut, aber da hat das gleiche Konzept gezogen. Du hast dann zehn Kameras, die du dir leisten kannst, statt einer, weil einfach das Budget dafür dann da ist. Die haben ja auch genug Budget gehabt. Acht Millionen ist jetzt nicht das krasseste, aber es ist okay. Da kann man sich auch eine gute Kamera eigentlich leisten, aber sie haben sich einfach zehn schlechte Kameras geleistet für die Aufnahmen, für die sie nur eine Minute oder so Zeit
Florian Bayer: Genau, das war das Budgetproblem. Das Budgetfressen wären nicht die Kameras gewesen, sondern das, was sie drehen wollten. Und zwar verlassene Plätze in London. Die ersten, es ist gar nicht so viel, es sind die ersten 15 Minuten des Films, handeln davon, dass unser Protagonist Jim... durch das verlassene London irrt. Und wir haben wirklich markante Plätze, markante Brücken... markante Orte, über die ihr drüber geht und die sind komplett verlassen und menschenleer. Und wie sie das gemacht haben, ist unter Zeitdruck.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Dann kommen da ein Haufen Polizisten, bringen ganz langsam den Verkehr zum Stehen, also dass sie wirklich den Slowdown machen. Und dann haben die eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, vielleicht zehn Minuten Zeit, diesen Shot, diesen einen goldenen Shot zu kriegen. Und dann geht's weiter mit dem Verkehr.
Florian Bayer: auch Set aufbauen, weil die haben nicht nur ein verlassenes London, sondern auch ein zerstörtes London. Das heißt, wir haben auch eine Szene, in der ein typischer London-Doppeldecker-Bus auf der Seite liegt. Und den mussten sie da hinlegen, innerhalb von 20 Minuten. Das ist unglaublich. Das Ding drehen, wie er da dran vorbeigeht. Und dann das wieder wegräumen, damit der Verkehr wieder durchfahren kann.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob sie nur 20 Minuten Zeit hatten oder ob sie es in 20 Minuten dann geschafft haben. Einfach weil sie gedacht haben, wir haben so einen Zeitdruck, wir müssen das jetzt irgendwie. Und dann nach 20 Minuten waren sie schon fertig. Bin mir nicht sicher. Aber es ist halt auch wirklich so, mit den DV-Kameras... Die kannst du halt in die Hand nehmen und loslegen. Du kannst mit einer Filmkamera, also gerade zu der damaligen Zeit... Was ich heute digital habe, bei mir funktioniert auch ungefähr so. Da kann ich auch einfach loslegen. Aber wenn du so eine richtige Filmkamera hast, da kannst du mit einer Stunde Aufbau rechnen, bevor irgendwas passiert. Ja. Und das ist halt das Krasse. Und natürlich hat es dann den Produktionsprozess irgendwie beschleunigt und überhaupt befähigt, irgendwie einen Film zu drehen. Aber wirklich nochmal das stark zu machen, abseits davon, wie praktisch das war, so Scheißkameras zu nehmen, so effektiv ist es halt auch im Konzept des Films.
Florian Bayer: Ja, genau. Danny Boyle hat selbst dazu gesagt, ja, ein Grund dafür, dass wir das gemacht haben mit diesen Kameras, war ... Und war der Zeitdruck und war das Budget und war die Möglichkeit, halt schnell in London zu drehen und diesen verlassenen Orte zu zeigen. Aber der andere Grund war auch, dass... dass diese Kameras es irgendwie schaffen, dieses Gefühl von, wir sind Überlebende in einer Apokalypse rüberzubringen. Boyle, Um ihn zu zitieren. Ja genau. Und das ist auch das Gefühl, das man hat, wenn man diese Bilder sieht. Das ist wirklich eine Apokalypse. auch wenn es nur eine Small Portion in dem Film selbst ist, diese ersten Szenen, wenn Jim durch London geht. Aufgewacht aus dem Koma. Und dann ist alles verlassen. Wir sind keine Zombies, wir sind einfach nur die verlassene Stadt. Und dann läuft im Hintergrund East Hastings, ein Lied von der Post-Rock-Band Godspeed, Your Black Emperor, die ich unglaublich liebe. Um mal kurz Werbung zu machen für PostDrog aus Kanada.
Johannes Franke: Das macht bei dir gleich große Gefühle auf, ja?
Florian Bayer: Ja, total. Okay. Es ist, ich finde, das löst bei mir immer noch total Gänsehaut aus, diese Szenen. Die sind einfach fantastisch. Diese Verlassenheit, diese Verlorenheit, auch diese Hilflosigkeit. Wir haben hier keinen Held vor uns, wir haben hier keinen Überlebenskünstler, sondern der kommt aus dem Krankenhaus, der stolpert rein. raus. Dem merkt man das Koma auch an. Er trägt nur diesen Krankenhauskittel. Das ist auch irgendwie so ein bisschen entwürdigend, wie er da rumläuft. Und er ruft Hilfe, ist da irgendwer? Und er läuft dann über diese verlorenen, verlassenen Plätze und dieses Gefühl von Hilflosigkeit, von Verlassenheit und Shit, wo bin ich gelandet, was ist passiert? Es ist total krass, wie der Film das umsetzt mit diesen wenigen Mitteln, mit diesen Bildern und dieser Musik.
Johannes Franke: Das ist die erste Frage, die ich auch sofort aufgeschrieben habe, weil es mich eben auch so beeindruckt hat. Stell dir das echt vor. Was machst du, wenn du in einem Krankenhaus aufwachst? Ist keiner mehr da. Null. Nada. Du gehst raus, auch keiner da.
Florian Bayer: Alter, es ist so schrecklich. Urängste werden da auch irgendwie ausgelöst. Dieses Verlassen werden. Man fühlt sich auch so an die Urängste, die man als Kind hatte, zurück. Ich weiß das auch von meinem Kind, der ist ja mittlerweile schon sechs, aber trotzdem. Trotzdem ist es so, wenn er mal allein in der Wohnung ist und er wartet allein in der Wohnung, weil wir gerade irgendwas machen, vergessen haben zu sagen, ich gehe kurz mal in den Keller, gehe Wäsche machen oder so. dann ruft er nach uns und dann wird das auch ganz schnell intensiver. Und ich weiß das auch noch, wie ich mich als Kind gefühlt habe, wenn meine Eltern irgendwie... weg waren, unerwartet weg waren, wenn ich plötzlich allein war. Jeder kennt das wahrscheinlich. Zum Beispiel im Supermarkt plötzlich mal aus den Augen verloren oder so. Und diese Ängste werden in den Bildern wirklich super widergespiegelt und das ist krass. Ich fühle sehr stark mit ihm, mir macht das Angst.
Johannes Franke: Absolut, ja, ja. Ist auch wirklich sehr gut geschnitten und sehr gut zusammengebracht, einfach... Fand ich wirklich, wirklich toll, dass ich das soweit toll finde, dass ich denke, okay, jetzt ist es fast ein bisschen traurig, dass es in Action geht. Ja. Dass dann wirklich was passiert. Also ich finde noch sehr gut, wie dann passiert, dass so ganz verwackelt und völlig undurchsichtig irgendwelche Leute in der Gegend rumrennen und Sachen älteren. explodieren und man einfach nicht weiß, was passiert jetzt gerade? Was ist los? Das finde ich auch noch sehr gut, weil das genau die Desorientierung von ihm widerspiegelt und ich genau in seiner Haut stecke und denke, okay, Was nun? Aber sobald sie dann auch irgendwann anfängt zu erklären, was passiert ist und sowas, denke ich ganz kurz... ach, eigentlich hätte ich gerne weiter Oblivious in der Welt gelebt, ohne zu wissen, was los ist.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt so eine sehr starke Entwicklung dahin. Das Ding ist natürlich... Zuschauernde wissen wir bereits, was passiert ist, weil wir haben ja diese Prämisse, die vorgestellt wird, diesen Prolog. Wo wir sehen, wie Ökoterroristen garantiert die letzte Generation, jetzt kleben sie sich nicht nur an Autobahnen, sondern befreien auch noch zombifizierte Affen. Wie die in das Labor einbrechen und Affen befreien. Das ist unser erster Shot. Wir sehen, wie die da reinkommen und die Tiere befreien wollen. Und die Ärzte, die da sind, sagen, das könnt ihr nicht tun. Die Affen sind infiziert mit Wut. Und dann kommt der Affe frei, jemand wird gebissen und wird auch wütend. Also wir als Publikum wissen schon mehr als unser Protagonist. Das ist auch so ein bisschen dieses klassische Hitchcock-Suspense-Ding.
Johannes Franke: Ja, sowas ...
Florian Bayer: Aber wir werden trotzdem reingerissen in diese Orientierungslosigkeit.
Johannes Franke: Können wir ganz kurz darüber hinwegkommen, dass das Ding Wut heißt? Ich war... Also einfach nur ein Virus Rage zu nennen und dann auch einfach, ich verstehe das. Ich verstehe das als Filmemacher, man steht da und denkt sich, die Szene entwickelt sich so. Und das ist dramatisch und der Professor, der da steht, oder der Arzt, der da steht, der die ganzen Experimente macht, wird bedrängt, wird bedrängt und dann hat kurze Pause und dann sagt er einfach nur... Rage. Und du denkst dir, ja, das ist cinematisch, das ist geil, aber eigentlich ist es total cheesy und irgendwie doof.
Florian Bayer: Aber er benennt das Virus. doch in dem Moment nicht. Sondern er sagt einfach, er nimmt das Wort, was am ehesten verstanden wird.
Johannes Franke: Ja, aber er macht das Ding. Er macht die ganzen Experimente. Natürlich weiß der, wie das Virus
Florian Bayer: Ja, aber soll er Ihnen jetzt sagen?
Johannes Franke: Ja, folgendes.
Florian Bayer: Koffa 17. Ja, ja, ja. Ist das das Wort, was ihr ihnen an den Kopf werfen, sondern sagen sie, ach so, na wenn es so ist, befreien wir die Affen nicht.
Johannes Franke: Natürlich würdest du einen sehr kurzen Film, wenn der Typ einmal die Fresse aufgemacht hätte und gesagt hätte, also folgendes, diese Affen sind hoch contagious, wir sollten auf gar keinen Fall irgendwas damit machen. Also allein das Wort hochcontagious wäre zum Beispiel eine Möglichkeit gewesen. Da mal so ein bisschen.
Florian Bayer: Und um dir zuzustimmen, sie nennen das Ding tatsächlich Rage Virus. Ja. auch in den Fortsetzungen, es bekommt dann einfach diesen Namen. Aber andererseits sind wir auch nicht sonderlich kreativ, was die Benennung von... neuen Krankheiten angeht. Ich meine, wir haben Vogelkrippe, wir haben, ja, Schweinepest, wir haben, was war das, Rinderwahnsinn? Also, Hättest du in einem Film gesehen, wie jemand sagt, ihr werft die Kühe nicht fressen, sie haben Rinderwahnsinn, hättest du auch gesagt. Das ist aber cheesy.
Johannes Franke: Das stimmt vielleicht. Aber ja, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Es ist einmal direkt auf die Fresse.
Johannes Franke: Man hätte wenigstens den Unterbau bringen können, dass man sagt, okay, irgendjemand, der keine Ahnung davon hat, nennt das jetzt einfach Rage, während es natürlich einen offiziellen Titel dafür gibt.
Florian Bayer: Ja. Wäre auf jeden Fall eine einfache Möglichkeit gewesen, für ein bisschen mehr wissenschaftliche Glaubwürdigkeit.
Johannes Franke: Es ist so viel Bullshit-Seins in diesem Ding. Es ist so viel Bullshit-Seins.
Florian Bayer: Natürliches Bullshit-Seins. Es ist ein Zombiefilm. Zombiefilme haben Bullshit-Seins. Es ist kein Epidemiefilm und es ist auch kein Pandemiefilm. Darüber können wir auch noch mal reden. Ja, müssen wir auch. Aber was wirklich ganz spannend ist, ist eben die Tatsache, dass wir mehr wissen als unser Protagonist, aber trotzdem in diese Orientierungslosigkeit reinkommen. Und wir haben dann ja auch noch diesen Moment, wo er mit Silina redet, bevor sie erklärt und er sagt so, ey, ich war im Krankenhaus. Ich weiß nicht, ich muss halluzinieren. Und wir können auch so gut mit ihm fühlen, dass er das Gefühl hat, ich war im Koma. Ich stehe unter Drogen, ich halluziniere da irgendwelche monströsen Menschen, die da rumlaufen und Leichen, die da rumliegen. Es macht alles total Sinn in seiner Wahrnehmung. Ich finde es wirklich stark, dass wir hier einen Protagonisten haben, der eben... kein Held ist, der übers Ende kann man auch mal reden vielleicht, aber bis zum Ende eigentlich nie diesen wirklichen Heldenstatus hat, sondern ziemlich schwach ist. Und sehr angewiesen auf die Hilfe von anderen, vor allem von Selina, die ja dann irgendwie so seine Beschützerin auch wird.
Johannes Franke: Aber da müssen wir wirklich übers Ende reden. Da verlässt der Film seine Pfade so ein bisschen.
Florian Bayer: Kommen wir auf jeden Fall hin. Du als Nicht-Zombiefilm-Gucker. Die Bedrohung von diesen Infizierten. Du hast gesagt, natürlich, der verliert für dich ein Stück ein bisschen, weil er in Horror-Trops wandelt. Findest du die schreckend? Findest du die gruselig? Findest du die unangenehm? Was empfindest du bei diesen Menschen, die voller Wut auf dich losrennen? versuchen, dich zu beißen oder zu zerreißen.
Johannes Franke: Ich glaube, das hat der Film gar nicht so richtig gut gemacht, muss er aber auch gar nicht, finde ich. mir wirklich diesen Zombie zu sehr nahe zu bringen. Also mir zumindest. Ich weiß, dass es anderen anders geht. Vor allem, wenn man sich so Internet-Kommentarspalten durchliest. Aber ich finde, dass der Virus und die Zombies an sich... gar nicht so das Wesentliche sind. Vor allem im zweiten Teil des Films ja schon gar nicht mehr. Und irgendwie zeigt das der erste Teil schon, der ist zwar darauf angewiesen, dass das als Prämisse da ist, aber irgendwie, weiß ich nicht, ja, das ist halt die Bedrohung, die... die hergestellt werden muss, damit der Film läuft. Aber eigentlich ist die gar nicht so wesentlich. Es ist nicht das, wovor ich Angst habe. Ich habe mehr vor den Menschen Angst.
Florian Bayer: Vor den Menschen Angst.
Johannes Franke: Das will der Film ja auch irgendwie.
Florian Bayer: Natürlich. Das ist auch Zombies. Bei Zombie-Filmen ist es oft so, dass es diesen Subtext gibt. Bei The Walking Dead ist das nochmal ganz stark geworden. dass die eigentliche Bedrohung mehr und mehr die anderen Überlebenden sind, dass es nicht die Menschen sind. Nicht die Infizierten oder nicht die Zombies. Trotzdem ist mir jetzt nochmal aufgefallen, ich habe den Film schon ein paar Mal geguckt, aber ich hatte das nicht mehr so in Erinnerung, dass es wirklich für einen Zombie-Film ausgesprochen wenig Zombie-Attacken gibt und ausgesprochen wenig bedrohliche Momente von Zombies.
Johannes Franke: Wobei die Momente, die sie haben, zum Beispiel in diesem Tunnel, sehr effizient erzählt sind, weil sie sofort unter Zeitdruck sind und sofort. Das macht sofort Spannung und sofort. Vor Taktik und sofort, oh, oh, schaffen die das, schaffen die das oder stirbt einer von denen jetzt schon so in der Richtung. Wobei natürlich viele Sachen davon so hergestellt sind, dass man denkt, wäre vermeidbar gewesen, wie das in vielen Horrorfilmen so ist, wo du denkst, Warum musst du einen dummen Charakter hinstellen, der dann einfach in die Falle tappt?
Florian Bayer: Noch schlimmer, warum musst du kluge Charaktere dumme Dinge tun lassen?
Johannes Franke: Ja, das ist noch schlimmer.
Florian Bayer: Weil die sind ja eigentlich alle, also so einen richtig dummen Charakter haben wir ja eigentlich nicht dabei.
Johannes Franke: Ja, eigentlich nicht, genau.
Florian Bayer: Und das haben wir auch oft. in Horrorfilmen kluge Charaktere oder vermeintlich kluge Charaktere, die halt sehr dumme Dinge machen und die Idee, in diesen Tunnel zu fahren, du siehst sie auf den Tunnel zu fahren und du weißt schon, Leute, Das ist der Moment in jedem Horrorfilm, in dem man einmal auf die Bremse tritt, umdreht, rückwärts fährt und sich irgendeinen scheiß anderen Weg sucht. Ja, genau. Ihr habt alle Zeit der Welt. Ihr müsst jetzt nicht in diesen Tunnel fahren, wo garantiert Scheiße passieren wird.
Johannes Franke: Ja, die haben so viel Zeit. Was ist da los? das auch motivieren können. Man hätte motivieren können, warum die durch den Tunnel müssen, weil alles drumherum nicht funktioniert. Aber dann hätten sie es erzählen müssen.
Florian Bayer: Naja, ich glaube, was sie erzählen wollen, ist so ein bisschen, dass Frank ist halt so ein bisschen ein impulsiver Mensch.
Johannes Franke: Ja, aber... Ja, ist gut.
Florian Bayer: Ist ja nicht toll?
Johannes Franke: Ja, ist wirklich gut.
Florian Bayer: Und Frank ist so ein bisschen einer, der schon sagt, jetzt haut drauf, jetzt machen wir das. Jetzt packen wir das an. Und wir haben dann ja auch diese Szene, in der Frank da lachend durchfährt. Und Jim, Cillian Murphy übrigens in seinem... Nicht Debüt, aber seine erste große Rolle.
Johannes Franke: Ja, sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Der die ganze Zeit rummelt und sagt, das ist eine Scheißidee, das ist eine Scheißidee, lass uns das nicht tun.
Johannes Franke: Ich find's super, das sagst du ja auch, dass der so hilflos ist die ganze Zeit eigentlich. Dass der eigentlich fast gar nicht richtig... Er jammert sehr viel und irgendwie finde ich es immer nervig in Filmen, wenn wir eine Hauptfigur haben, der wir folgen sollen, der wir Sympathie entgegenbringen sollen, die irgendwie dann aber nur passiv rumjammert. Aber in dem Fall funktioniert das irgendwie. Weil die Situation so überbordend ist, dass du volle Kanne verstehen kannst und dass du natürlich dann trotzdem einen Charakter mit ihr bekommst, wo du dich ranhängen kannst und sagen kannst, okay, die wuppt das schon. Da vertraue ich jetzt, dass das funktioniert. Dass auch der Film funktioniert, weil ich ihr vertraue.
Florian Bayer: Was sollst du ihm auch sagen? Hey Junge, es ist nicht das Ende der Welt. Doch, es ist das Ende der Welt. Genau das ist es gerade.
Johannes Franke: Ja, ich finde, der Film macht sehr viele Sachen sehr richtig und sehr effizient. Aber eben zum Beispiel, dass sie dumme Entscheidungen treffen, ist einfach ein bisschen unverzeihbar, muss ich sagen.
Florian Bayer: Wobei die dummen Entscheidungen, die halten sich im Rahmen, oder? Also ich meine, wir haben diese Tunnelzähne, gebe ich auf jeden Fall mit.
Johannes Franke: Volle Kanne. Er geht in diesen Burgerladen. Was soll das, Alter?
Florian Bayer: Das fand ich...
Johannes Franke: Sie sagt noch, nee, geh da nicht hin.
Florian Bayer: Das fand ich... Interessante Szene, aber daraus entsteht ja keine richtig krasse Bedrohung, sondern es hätte auf jeden Fall. Aber die Szene finde ich stark, weil, also ganz kurz, sie fahren nach Manchester zusammen, also zu viert. Und dann halten sie irgendwo und sie sagt, bleib bei mir. Und er fühlt sich genervt von ihr und gegängelt, weil sie... Ja, wie gesagt, sie hat halt die Situation im Griff. Sie ist so ein bisschen die Einzige mit Kampferfahrungen aus dem Team. Und sie sagt dann zu ihm, bleib hier. Und er sagt, ach nee, ich gehe mich mal ein bisschen umgucken. Und dann kommt er in diesen Burgerladen und da ist ein infiziertes Kind. Und die Situation endet damit, dass er das infizierte Kind erschlägt mit einem Baseballschläger und dann rausgeht und drauf gefragt, was los war, sagt er halt nichts, lass uns fahren. Das ist sein erster Mord. Also es ist sein erster Mord an einem Infizierten.
Johannes Franke: Ich finde ihn ehrlich gesagt nicht ganz so toll inszeniert, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte mehr... mir noch mehr gewünscht, dass ich mehr spüren kann, was er für ein Problem damit hat. Das wird dann später viel stärker gemacht, wenn Christopher Eccleston ihn dann fragt. Aber in dem Moment selbst kriege ich gar nicht genug mit von ihm und von seinem Problem damit, dieses Kind umzubringen.
Florian Bayer: Aber es ist ja auch so, es ist ja in dem Moment auch einfach nur überleben, ne? Ja, natürlich. Er hat totale Angst, er ist einfach von Pein gesteuert, er erschlägt einfach... ohne groß nachzudenken.
Johannes Franke: Aber ich finde dann, selbst wenn er in der Situation das nicht hätte haben müssen, hätte er es kurz danach haben müssen. Das erste Mal, wenn man dann anfängt, eine ruhige Minute zu haben und zu reflektieren, müsste das bei ihm irgendwas machen. Und wir sehen es nicht. Wir sehen das nicht. Wir sehen das Erste, wenn Christopher Eccleston fragt.
Florian Bayer: Das stimmt. Wobei wir ja tatsächlich relativ viel von ihm sehen und von seinen Ängsten. Dann wirklich diese sehr lange Szene im Mittelteil, wo sie nach Manchester fahren und dann halten sie irgendwann mal draußen. Sie haben wirklich eine schöne Zeit zusammen. Sie gehen einkaufen und es ist wirklich so eine Familie, die sich bildet, was... Auch ein ganz klassisches Trope für einen Zombiefilm ist, dass Überlebende sich zusammenfinden und dann irgendwie so ein eine harte Gemeinschaft werden, dass sie sich auch wirklich füreinander einsetzen und verteidigen. Und dann sind sie zusammen shoppen, dann haben sie Spaß zusammen, dann machen sie ein Picknick und übernachten unter freiem Himmel. Und dann hat er einen Albtraum, einen ganz banalen Albtraum.
Johannes Franke: Er wird wach und ist allein. Super Albtraum. Ich fand das eine ganz, ganz großartige Stelle. Weil es wirklich nur... Die eine Angst, die... völlig nachvollziehbar in dieser Welt ist. Er ist allein. Und das war's. Es ist ganz underplayed und total ruhig inszeniert. Natürlich innerhalb seiner Ängste und Rage, aber sehr gut einfach hingelegt und ohne irgendwie groß das noch größer machen zu wollen, als es ist. Ist wirklich toll gemacht an der Stelle.
Florian Bayer: Das ist ja sowieso, dieser Mittelteil ist krass, weil wir da so viel Harmonie haben. Sie fahren durch diese Landschaften, wir sehen Plumenwiesen, richtig bunte Plumenwiesen. Wir sehen, wie sie an Windrädern vorbeifahren, so einfach Bilder von der Landschaft und sie sind unterwegs und dann läuft auch diese harmonische Musik. Und sie sind wirklich glücklich zusammen. Sie haben so einen Moment des absoluten Friedens. Und dann haben wir diesen Albtraum dazwischen, wo er halt einfach, genau, er ist allein gelassen und er schreit um Hilfe. Und es ist niemand da. Und dann auch ohne großen Schock, sondern irgendjemand sagt, hey, du hattest einen Albtraum, alles gut. Das war es schon. Aber ja, es zeigt einfach, was diesem Film im Kern wichtig ist. Und das ist eben diese Einsamkeit, diese Verlorenheit. Genau. Natürlich ist Horror, apokalyptischer Horror ist natürlich ein guter Weg, solche Ängste nochmal zu verstärken und darzustellen.
Johannes Franke: Ich frag mich dann immer, wo ist denn eigentlich der Horrorfilm, wenn es vor allem um diese... um Ängste geht einfach nur. Und natürlich ist das eine gewisse Form von Horror. Aber wenn ich so viele Horrorfilm-Fans von Horrorfilmen reden höre, dann reden die meistens von so Splatter-Zeugs, von so krassen... Szenen, wo ich dann sage, es ist nichts für mich. Aber dass dieser Film unter Horror läuft... Führt dazu, dass ich ab und zu mal sagen muss, ja, ich mag den Horrorfilm hier. Was mir seltsam vorkommt, weil ich Horrorfilme nicht mag.
Florian Bayer: Naja, ich würde behaupten, ein guter Horrorfilm muss in seinem Subtext Ängste haben, die gerechtfertigt sind. Und diese Ängste entweder steigern oder karikieren, um so eine Art Katharsis auszulösen oder eben in was Metaphorisches umzuwandeln. Zum Beispiel die Angst. Davor verloren, verlassen zu sein. Wir bauen irgendwie so eine apokalyptische Landschaft auf. Oder die Angst vor Krankheiten. Also die Zombie-Filme in den späten 70ern, 80ern hatten natürlich auch das Thema HIV. Diese Angst vor einer Infektion, die man nicht einzuschätzen weiß, wo man nicht genau weiß, was passiert. Und das wurde dann genommen. Godzilla, japanischer Horrorfilm, ist im Prinzip eine Metapher auf den Abwurf der Atombomben. Die Japaner haben da den Schrecken verarbeitet, den sie hatten von einer so zerstörerischen Urgewalt, die ganze Städte hinreißt. Und ich glaube, das ist ein ganz wesentliches Momentum von guten Horrorfilmen, dass sie es eben schaffen, diese nachvollziehbaren Ängste zu nehmen und damit irgendwas zu bauen. Egal ob als Analogie oder als Übertreibung. Und das machen eigentlich alle guten Horrorfilme. Von angefangen bei ... Nosferatu bis hin in unsere heutige Zeit.
Johannes Franke: Ja, wobei Nosferatu natürlich auch nicht in... in das Genre hineingehört, wo ich sage, das mag ich nicht mehr. Das sind Horrorfilme, die ich nicht mag. Weil Nosferatu einfach zu... Für unsere Sehverhältnisse natürlich viel zu naiv ist und viel zu süß und man viel zu oft denkt, guck mal, da haben sie tagsüber gedreht und wollten es uns als Nacht verkaufen.
Florian Bayer: Aber natürlich auch der Vampirismus. Da geht es ja auch um sexuelle Verführung. Ja, ja, ja. Um das Verlieren der Unschuld. Also ja. Du findest, wenn du tiefer kräbst in diesen klassischen Horror-Drops, findest du eigentlich immer irgendeine Angst, die das getriggert hat. Und die auch sehr gut erklärt, warum sind zum Beispiel, warum haben Zombie-Filme ausgerechnet in den 70ern und dann wieder in unserer Zeit so einen Erfolg oder warum haben Vampir-Filme da gerade in den 70ern. ihren Höhepunkt.
Johannes Franke: Warum haben Zombie-Filme den 70ern Erfolg und heute? Was ist das?
Florian Bayer: Machen wir ein Lexikon auf.
Johannes Franke: Oh, jetzt machen wir ein Lexikon auf. Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: Zombie-Filme. Oh, es ist so spannend. Das ist so ein tolles Thema. Es ist so ein tolles Thema, weil die Frage natürlich ist, was ist ein Zombiefilm und wann entsteht überhaupt der Zombiefilm? Also Zombies gibt es im Film und in der Kultur schon länger. Und auch schon länger als der Zombie-Film, wie wir ihn heute kennen. Und zwar wie so vieles, wie so viele Tropes aus Horrorfilmen und Fantasyfilmen ist Ja, vor allem eine Missinterpretation von afrikanischer Kultur oder schwarzer Kultur, in dem Fall vor allem von haitianischer Kultur. Mhm. Wo europäische Kolonialisten kommen, was sehen, irgendwelche Bräuche sehen, das überhaupt nicht verstehen und dann daraus so ein Horror-Meme machen. Ja.
Johannes Franke: Na toll. Das heißt, wir müssen sie canceln.
Florian Bayer: Ja genau, das wollte ich damit sagen. Und das Drop Zombie ist entstanden, weil es Totenrituale gab, vor allem im Voodoo. die Leute nicht verstanden haben und dann gesagt haben, oh shit, da geht es um Untote.
Johannes Franke: Ja, Gott, okay.
Florian Bayer: So ungefähr. Und dann haben Zombies im Film schon in den 20ern eine Rolle gespielt. Viele sagen, der erste wirkliche Zombiefilm ist vielleicht das Kabinett des Dr. Caligari, könnte man sagen. Wir haben hier eine Figur in diesem Schlafwandler. Ja. Der fremdgesteuert ist, der keine Ratio mehr hat und der willenlos Befehle befolgt. Das ist das Motiv des traditionellen Zombiefilms, bevor wir zum Modernen kommen. dass Zombies von außen gesteuerte Wesen sind. Irgendein böser Magier, irgendein böser Herrscher beschwört Zombies. Und die dienen ihm dann und machen für ihn Arbeiten und meistens böse, schäbige Arbeiten.
Johannes Franke: Muss also nicht untot sein. Der Sonnambule. Das ist ja kein Untoter.
Florian Bayer: Das ist schon sehr weit gefasst. kann man dann auch diskutieren. Es ist eigentlich kein Zombie. Viele sagen, die ersten klassischen Zombie kommen in dem Film White Zombie aus dem Jahr 1932 vor von ... Victor Halberin. Und da sind es Untote. Und da sind die Untote beschworen von irgendeinem bösen Magier mit irgendwelchen Voodoo-Zeugs und machen dann für ihn Arbeiten. Sind so eine latente Bedrohung, aber eben nicht unbedingt tödlich, sondern einfach so Arbeitssklaven. Und damals war es meistens entweder das oder außer ehrlich, die Zombies beschwören. Play Nine from Outer Space. Zombies, die von Aliens gesteuert werden.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Aber das war das Ding des traditionellen Zombiefilms. Und viele würden sagen, mich eingeschlossen, das ist noch nicht das Genre-Zombiefilm. Weil das sind einfach Zombies, die wie andere Monster, wie Werwölfe und Vampire in Horrorfilmen auftauchen. Also Monsterfilme halt. Ein Monsterfilm, genau. Die nicht so klar definiert sind, die vielleicht sogar noch nicht mal so krass im Mittelpunkt stehen und da halt irgendwie rumlaufen. Der moderne Zombiefilm, Das Genre definierende Zombie-Film entsteht im Jahr, und jetzt werden mich ganz viele steinigen, 1959. In einem Comic.
Johannes Franke: Ist das die Steinigung, weil es zu früh oder zu spät ist?
Florian Bayer: Zu viel zu früh.
Johannes Franke: Viel zu früh.
Florian Bayer: In einem Comic. Und ich muss das unbedingt einwerfen, weil das war mein erster Kontakt mit dem Zombie-Trope. Und ich fand es damals total großartig. Ich habe es als Kind gelesen, Es hat mir eine tierische Angst gemacht. Und viel später, als ich mich nochmal mit Zombies beschäftigt habe, habe ich gedacht... Das ist es. Und Shit, das ist viel, viel älter als Night of the Living Dead, der als erster Zombie-Film genannt wird. Es sind die schwarzen Schlümpfe. Stay with me. Kennst du die? Nein. Es gibt von den Schlümpfen eine Ausgabe. Und dann wiederkehrend, das Motiv wird immer mal wieder aufgegriffen, da werden Schlümpfe von irgendwas gebissen. Und werden dann schwarz, also richtig rabenschwarz. Und diese Schlümpfe... haben keine Ratio mehr und haben nichts anderes im Sinn, als andere Schlümpfe, die normalen Schlümpfe, in den Hintern zu beißen. In den Hintern. Und wenn sie die anderen Schlümpfe in den Hintern gebissen haben, werden die auch zu schwarzen Schlümpfen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist aus dem Jahr 1959. Das war mein erster Kontakt mit diesem Trope. Und es ist alles drin, was zum Zombiefilm dazugehört. Ich würde behaupten, George Romero, der Vater des Zombiefilms, hat für seinen Film fast zehn Jahre später diese Idee, wie auch immer, irgendwie geklaut.
Johannes Franke: Okay, du trittst da jetzt etwas los, was noch jahrzehntelang Rechtsstreit hervorrufen wird.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Machen wir es nur mal kleiner. Das war mein erster Kontakt als Kind mit dem Topboy. Und es ist halt wirklich alles vorhanden. Zum modernen Zombiefilm gehört, dass wir diese Bedrohung in Massen haben. Es gibt sehr viele Zombies. Wenn du das Virale, wenn du von einem Zombie gebissen wirst oder irgendwie mit ihm in Kontakt kommst, Es gibt unterschiedliche Interpretationen, aber letzten Endes läuft es daraus hinaus. Auch du kannst zum Zombie werden und Die Menschheit stirbt dadurch nach und nach. Die Zombies werden mehr. Es ist quasi ein Wettlauf Menschen gegen Zombies und die Menschen verlieren, weil es gibt keine Möglichkeit vom Zombie geheilt zu werden.
Johannes Franke: Man konnte als schwarzer Schlumpf nicht wieder normal werden?
Florian Bayer: Doch, man konnte als schwarzer Schlumpf normal werden.
Johannes Franke: Aha, ich hab dich widerlegt, das ist nicht der erste Zombie.
Florian Bayer: Die Schlümpfe wurden dann auch nicht geköpft oder erschlagen und haben keine Organe gefressen. Aber das Wesentliche vom Zombie-Film, um es nochmal zusammenzufassen, die Zombies kommen in Massen. Die Zombies können dich anstecken und mit den Geschichten der Zombies einher geht so eine grundsätzliche apokalyptische Welt, weil die Menschen eben ausradiert sind. Und dann können in dieses Fenster ganz viel gepackt werden, was es an Subtexten gibt, was es an Themen gibt. Der erste Zombie-Film, der den modernen Zombie-Film erschaffen hat, war 1968 George M. Romero's Night of the Living Dead. Und ich glaube, es war auch der erste Zombie-Film, den ich gesehen habe. Ich weiß es nicht mehr ganz sicher. Ich habe den auf jeden Fall als Jugendlicher gesehen. Ich glaube, es war der erste... Und Schwarz-Weiß, Debüt von George A. Romero, mit minimalem Budget gedreht.
Johannes Franke: Ja, sieht man ihm auch an.
Florian Bayer: Hast du den gesehen?
Johannes Franke: Den haben wir zusammen gesehen mal.
Florian Bayer: Wir haben den zusammen gesehen?
Johannes Franke: Ich glaube, wir haben den zusammen gesehen mal.
Florian Bayer: Oh, interessant. Das ist ein großartiger Film. Ich mag diesen Film immer noch. Ich finde, der funktioniert auch noch. Der hat natürlich so ein bisschen diese 68er-Corniness in sich drin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber er bringt all diese Drops zum ersten Mal wirklich raus. Verbindet die zu einer stimmigen Gesamtgeschichte. Und er hat vor allem auch seinen politischen Subtext. Wir sind nämlich in den späten 60ern und es geht unter anderem um die Bürgerrechtsbewegung. Wir haben einen Film mit einem schwarzen Protagonisten. Und dieser schwarze Protagonist, der die ganze Zeit gegen die Zombies besteht, der im Prinzip der Held des Tages ist, der es schafft, mehrere Leute zu retten im Haus und ... Dann werden sie trotzdem von Zombies überfallen, dann sterben sie nach und nach. Aber er überlebt als Einziger. Er schafft es. Er wird dann am Schluss von einer Bürgerwehr erschossen.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Von Weißen, die als Bürgerwehr da rumlaufen, um Zombies zu erledigen und die sehen ihn am Fenster und sagen, da ist noch einer, erschießen ihn und dann ist der Film vorbei.
Johannes Franke: Das heißt, wir haben in diesem Film schon alles drin, was später noch an Motiven kommt. Weil der Mensch scheint ja auch in diesem Film die größere Gefahr zu sein als der Zombie. Und irgendeine Allegorie auf irgendein gesellschaftliches Ding ist es halt auch hier.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ich dachte immer, es geht bei Zombies um so Kapitalistenscheiße.
Florian Bayer: Wenn wir von den frühen Zombie-Filmen reden, sind wir auf jeden Fall bei George Romero. Was daran liegt, dass viele haben das kopiert. Also... George Romero hat damals einen Zombie-Hype ausgelöst, in den 60ern, aber dann vor allem in den 70ern. mit der Fortsetzung von Night of the Living Dead. Der war von, lass mich jetzt nichts Falsches sagen ... Genau, von Dawn of the Dead aus dem Jahr 1978. Zehn Jahre später hat er seinen zweiten Teil gedreht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und hat damit den Hype erst so richtig ausgelöst. Aber auch schon nach Night of the Living Dead wurden so in den 70ern, Ende der 70er sind sehr viele Zombiefilme entstanden, aber die waren alle kürzer. Du findest kaum einen guten Zombiefilm aus der damaligen Zeit, weil die eben diese Grundideen nehmen... Und damit aber nichts machen, also nichts politisches einbauen, nicht irgendwie mit Ängsten sprechen. sondern das Ganze nur als Tableau benutzen, um viel Splatter zu erzählen. Wenn du Zombies hast, kannst du wunderbar Körper auseinanderreißen, Organe fressen. Du kannst wunderbar Blut rumspritzen, macht alles toll Spaß, aber ignoriert so ein bisschen den Kern vom Zombiefilm, eben Ängste zu nehmen und gleichzeitig diesen gesellschaftlichen Subtext im apokalyptischen. Zombie, Dawn of the Dead aus dem Jahr 1978, der einfach mal ... vielleicht der beste Film von dieser Living-Dead-Trilogie ist. Und zwar handelt er von Überlebenden während dieser Zombie-Apokalypse, die aus einem Fernsehstudio fliehen. Der Film fängt total krass an mit so einer hektischen Collage aus Nachrichtensendungen. während die im Studio und in der TV-Produktion schon alle abhauen und wegrennen, weil klar ist, die Zombies überrennen alles. Die fliehen dann und landen in einem Supermarkt. Ganz kleine Gruppe von Überlebenden, auch wieder so eine Kernfamilie quasi, die aber zusammengewürfelt sind und dann sind sie in den Supermarkt und dann konsumieren sie erstmal. Dann haben wir dieses großartige, was macht der Mensch im Angesicht der Apokalypse, konsumieren. Sie gehen durch diese Geschäfte, sie nehmen sich die teuersten. Sachen, die besten Parfums, das beste Essen und haben einfach Spaß. Und dann kommt so eine Rockerbande in diesen Supermarkt. Und dann kämpfen sie gegen die, aber verbinden sich auch teilweise mit ihnen und dann kommen natürlich auch die Zombies in den Supermarkt, dann hast du auch diese tolle Szene, wo du so eine klassische amerikanische Mall hast. Mhm. Und dann die Zombies da durchwandeln und denkst, okay, der Unterschied zu den Lebenden, die einkaufen gehen, die shoppen gehen, der ist nicht besonders groß.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Auch fantastischer Film. Sehr blutig, sehr brutal, war auch auf dem Index in Deutschland. Und das war so das zweite George-Romero-Meisterwerk. Und der dritte Teil kam dann auch ... Erst in den 80ern.
Johannes Franke: Hat er auch noch andere Sachen gedreht? Außer jetzt Zombies oder irgendwelche Horrorfilme, hat er auch noch normale Filme in Anführungszeichen?
Florian Bayer: George A. Romero hat Horrorfilme getreten, aber sehr gute Horrorfilme. Er hat zum Beispiel auch Crazies gemacht, der auch das Zombie-Thema zumindest so latent drin hatte. Auch ein sehr guter Film, da geht es darum, dass auch eine Krankheit tobt, die Menschen wütend macht. Rage! Ja, es ist ein Rage-Virus auch. Und dann wird gezeigt, der fällt aber nur über eine Kleinstadt her. Und das Militär kommt, um die Quarantäne durchzusetzen und dann haben wir die ganze Zeit Militär, das gegen einfache Bürger kämpft. Die Bürger wirken gar nicht infiziert und du weißt gar nicht so genau, wer ist infiziert und wer wehrt sich einfach gegen diese militärische Willkür hier. Auch ein sehr guter Film, sehr interessant. Okay. Zombie 2, der dritte Film, der Abschluss der Living Dead Trilogie ist aus dem Jahr 1985 und heißt Day of the Dead. Und handelt davon, dass in einem Bunker wenige Überlebende versuchen, irgendwie eine neue Zivilisation aufzubauen. In diesem Bunker und der wird von Militärs beherrscht, aber da gibt es auch einen Wissenschaftler, der mit Zombies experimentiert, der hat einen Zombie, der Bob heißt. Da hat George Romero zum ersten Mal das Prinzip des etwas intelligenteren Zombies eingeführt, weil dieser Bob hat ... gewisse Gefühle und mag seinen Besitzer oder diesen Arzt eben und Dann wird gezeigt, wie der Konflikt ausbricht zwischen Wissenschaft und Militär. Es ist aus den 80ern, handelt vor allem... Die Angst vor einer willkürlichen Militärherrschaft, wie wir sie auch in 28 Days Later wiederfinden.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Das war der moderne Zombiefilm, der durch George R. Romero bzw. durch die Schlümpfe entstanden ist. Und ... Hat zahllose Epigonen nach sich gezogen, die aber alle nicht sonderlich gut waren. Zombies waren dann auch ganz lange sowas für die Videotheken-Be-Movie-Ecke. Mit viel Splatter und Spaß. Also man könnte sagen, Evil Dead hat so ein paar Zombie-Filmmomente. Evil Dead haben wir auch geguckt, besprechen wir auch in einem Podcast. Grey and Dead ist so ein Klassiker von Peter Jackson, der später Herr der Ringe gemacht hat. Da geht es auch um Zombies, aber das ist halt einfach eine Splatter-Komödie.
Johannes Franke: Ganz kurz möchte ich euch da draußen einmal ermutigen, uns zu schreiben, was ihr davon haltet, dass die Schlümpfe das Zombie-Genre erfunden haben. Ob ihr da gleicher Meinung seid oder ob ihr Ploa einmal niederschlagen wollt für diesen Kommentar.
Florian Bayer: Wo waren wir? Genau, wir waren mal im modernen Zombiefilm und dann war lange nichts. In den 90ern haben wir praktisch keine großen Zombiefilme. Wir haben durch die Resident Evil Reihe im Videospiel bereitgestellt. Zombies, die wieder so ein bisschen populärer werden. Und es gab dann ja auch Anfang der 2000er den Resident Evil Film. Und zwar zum dritten großen Punkt, zum Zombie Revival. Das unter anderem von 28 Days Later, aber auch der Resident-Evil-Verfilmung, die kamen ungefähr zur selben Zeit raus. Und einem Remake von Dawn of the Dead. aus dem Jahr 2004, das gut ist. Echt? Von Zack Snyder. Ein guter Film. Als Zack Snyder noch nicht synonym war für total durch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ein gutes Remake, Dawn of the Dead. Die drei Filme haben das große Revival eingeläutet. Und mit einem wesentlichen Unterschied, die Zombies in den traditionellen Zombie-Filmen waren immer langsam. und sind geschlichen und haben sich so langsam bewegt. Und die neuen Zombie-Filme haben am Anfang, vor allem wegen nicht so viel Budget, schnelle Zombies gemacht, weil wenn du dir nicht so viele Statisten leisten kannst, die in großen Horden rumlaufen, dann musst du die Bedrohung anders erzeugen und deswegen machst du die Zombies schnell. Also vor allem 28 Days Later ist eigentlich verantwortlich für die schnellen Zombies. Und Dawn of the Dead, das war halt so kurz danach, der hat bestimmt auch... sich inspirieren lassen, aber das war so im Prinzip die Geburtsstunde der schnellen Zombies. Und seitdem gibt es eine... wie ich das Gefühl habe, manchmal erbitterte Diskussionen in Zombie-Film-Fan-Kreisen, ob Zombies denn nun schnell oder langsam sein sollten. George Romero hat 2005 Land of the Dead einen vierten Teil seiner Trilogie gemacht. wo er wieder die langsamen Zombies eingebracht hat. Und wir haben aber, dieses Revival hält bis heute an. Und wir haben auch eine unglaubliche Bandbreite, weil mit diesem Revival einhergeht auch so eine Diversifizierung des Genres. Wir haben dann sowas wie... Ich lese jetzt mal vor, ich habe so eine Liste zusammengestellt. Es gibt Zombie-Blockbuster, World War Z, einer der teuersten. Zombiefilme, der je produziert wurde und auch der erfolgreichste Zombiefilm, der je produziert wurde.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Allerdings nicht erfolgreich, sondern der hat am meisten eingespielt. Aber es bringt nichts, weil er so teuer war, dass er ein riesiges ... Fiasko war mit Brad Pitt und FSK ab 12. Was? Sie haben Rated-R-Zombiefilm gemacht, weil sie halt ... Geld einspielen wollten. Es gibt Zombie-Dramen wie Twenty-Eyed Days Later könnte man dazu zählen, aber auch Train to Busan, der erste große koreanische Zombie-Film. Es gibt komplett realistische Zombie-Filme. Der deutsche Rambock. Auch Deutschland hat Zombie-Filme gedreht in der Zeit. Auch ein sehenswerter Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann haben wir noch sowas wie Zombie Comedian, Zombieland. Hast du vielleicht sogar gesehen?
Johannes Franke: Aber es gibt diesen einen, wo sie im Flugzeug irgendwie wohnen.
Florian Bayer: Zombie-Romanzen, Rom-Coms, genau, Warm Bodies, eine Liebeskomödie mit zwei.
Johannes Franke: Genau, das hab ich gesehen.
Florian Bayer: Wir haben Zombie-Spoofs wie Shaun of the Dead von Edgar Wright, wo der klassische Zombie-Film verarscht wird oder relativ frisch Jim Chamus' The Dead Won't Die.
Johannes Franke: Das habe ich natürlich nicht gesehen.
Florian Bayer: Wo Jim Jarmusch seine Brigade durch eine Zombie-Welt laufen lässt. Wir haben Zombies, die geheilt werden können, zum Beispiel The Returned. Und wir haben Zombie-Filme, in denen gar keine Zombies vorkommen. Der, lass mich nichts Falsches sagen, ich glaube Neuseeländische Film oder Osttagswirk. Neutralischer Film, Carriers, wo gar keine Zombies vorkommen, aber es ist trotzdem ein ganz eindeutiger Zombie-Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und natürlich haben wir auch sowas wie Found-Footage-Zombie-Filme. Da gab es dann den fünften Teil von George A. Romero's Trilogie. Der hieß Diary of the Dead mit Found Footage oder der spanische Film Wreck, der auch ein amerikanisches Remake gekriegt hat. Okay. Und dann zum Abschluss. Wir sind fast durch. Wir sind im Revival. Und was dann allerdings im Revival passiert, ist eine Monopolisierung des Zombie-Genres.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Durch The Walking Dead. Man kann es nicht anders sagen. 2010 kommt die Serie The Walking Dead raus und 2022 läuft die letzte Staffel. Und Walking Dead ist inspiriert von den Walking Dead Comics. Ganz interessant aus dem Jahr 2003. Aha. in denen ein Polizist nach einem Unfall in einem Krankenhaus aufwacht und durch eine postapokalyptische Welt wo alles verloren ist und dann Hilfe und Retter findet und sich mit denen auf den Weg macht zum einzigen Rettungsort und unter anderem Stress mit paramilitärischen Organisationen. hat.
Johannes Franke: Wow, kenn ich irgendwoher.
Florian Bayer: Robert Kirkman ist der Erschaffer von Walking Dead und ihm wurde öfter mal gesagt, hey, Junge, dein Comic, den du 2003 veröffentlicht hast, ist verdammt. Verdammt aus wie dieser Film von 2002. Und Kirkman hat gesagt, und ich kauf's ihm ab, Leute, wir waren fertig mit dem Comic. Wir waren bereit und er war schon quasi im Lektorat und kurz davor veröffentlicht zu werden und dann kommt dieser verfickte 28 Days Later raus und ich guck da drauf und sag nur, Shit, alle werden sagen, ich habe von ihm geklaut. Und so wie er das in den Interviews sagt, es ist glaubwürdig. Zumal dann The Walking Dead auch andere Sachen macht. Aber genau, dieser Comic wurde 2010 zu der Serie gemacht, die bis heute läuft. Zeitweise der Highest Crossing TV-Show ever.
Johannes Franke: Krass, ja.
Florian Bayer: Riesiger Erfolg für eine TV-Serie, die so brutal ist. Und hat mittlerweile mehrere Spin-Offs nach sich. gezogen. Also es gibt ein Prequel für The Walking Dead, es gibt ein Sequel The Walking Dead World Beyond.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die auch für The Walking Dead läuft seit 2015 und es sind zwei weitere Serien in Arbeit.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Es gibt immer noch Zombie-Filme da draußen, aber ich habe so das Gefühl, Walking Dead, dieses Universum, weil das so ein bisschen für sich beansprucht das definitive Zombie-Universum zu erzählen, frisst das alles so ein bisschen auf. Und wenn man heute über Zombies redet... denkt man meistens als erstes an Walking Dead. Und es macht ja auch Sinn, so wirklich eine Welt zu haben, die immer weitererzählt wird. Was George Romero mit seinen Filmen auch probiert hat. Und Walking Dead hat halt auch sehr viel, was das so verführerisch macht. Weil Walking Dead ... bringt diese ganzen Themen rein, die Angst vor den Menschen, die Angst davor, selbst zum Monster zu werden, haben wir auch in 28 Days Later, können wir auch nochmal darauf zu sprechen kommen. Genau, ja. Und schafft es das wirklich gut, in einem runden Setting zu erzählen und Walking Dead ist aber auch teilweise unfassbar trashig und cheesy und albern und schlechte Dialoge. So ein zweischneidiges Schwert. Und es ist halt so ein bisschen dafür verantwortlich, synonym geworden zu sein mit dem Genre.
Johannes Franke: Okay. Das heißt, wir sind heute angekommen und wir können das Lexikon schließen?
Florian Bayer: Wir können das Lexikon schließen.
Johannes Franke: Das war Das muss man sehen. Lexikon. Okay.
Florian Bayer: Walking Dead hast du auch nie geguckt, ne?
Johannes Franke: Habe ich nie geschaut. Nein, das ist einfach nicht mein Ding.
Florian Bayer: Ich gehe mal davon aus, dass sehr viele von unseren HörerInnen das geguckt haben, weil das wirklich eine... verdammt erfolgreiche Serie ist. Also in Zeiten von Game of Thrones und Breaking Bad hat die Serie einfach mal die besten Einschaltquoten gehabt eine Zeit lang. Das ist schon krass.
Johannes Franke: Ja, wow.
Florian Bayer: Und es ist wirklich, Walking Dead ist wirklich eine brutale Serie. Sie machen halt alles, was Zombie-Filme davor gemacht haben. Nur nochmal ein Stück krasser und realistischer. Und es werden Kinder getötet, es werden Babys getötet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: wird alles gezeigt, was an Gewalt irgendwie drin ist. Es ist unglaublich zynisch und menschenverachtend teilweise.
Johannes Franke: Findest du die Serie gut?
Florian Bayer: Jein. Also ich finde sie ist ziemlich doof, aber sie ist auch ziemlich gut. Es wechselt so ab zwischen was für ein Mist und das sind aber wirklich gute Ideen.
Johannes Franke: Gehen wir zurück zu unserem Film, genau.
Florian Bayer: 28 Days Later, der ja... Vor 20 Jahren entstanden ist und zwar wurde der gedreht, als gerade die 9-11-Attentate waren.
Johannes Franke: Oh Gott, ja. Und dann hast du da so einen Attentat und musst am gleichen Tag irgendwie so eine ganz emotional Sache. Sie feiern, ne? Sie feiern, ja, genau.
Florian Bayer: Wie sie sich freuen. und so. Und Danny Boyle hat gesagt, das war ganz merkwürdig, das zu drehen. Und er wurde öfter darauf hingewiesen, wie gesagt, der Film kam 2002 in die Kinos, in Deutschland erst 2003. Dass es auch so Ähnlichkeiten gibt zwischen diesen Bildern von Vermissten, an denen Jim am Anfang vorbeistolpert. So Fotos von Leuten, wo steht, wir trauern um dich. Und dem, was nach 9-11 auch gemacht wurde. Das ist einfach so ein Zufall, dass das zusammenfällt.
Johannes Franke: Ja, das ist auch ein seltsames Gefühl, muss das sein. Als Filmemacher, du hast so einen Film gemacht oder machst ihn gerade und dann passiert sowas und du denkst dir, oh Gott.
Florian Bayer: Was aber natürlich auch ist, der Film ist ein Kind seiner Zeit und er wurde gedreht vor 9-11, aber es ist eine Zeit der Terrorangst. Wir hatten ja ein paar Jahre davor einen Anschlag aufs World Trade Center und wir hatten ja dieses, es war noch nicht dieses krasse passiert, dass alle über Terror geredet haben, aber es gab schon auch Anfang der 2000er so eine sublime Angst, da kommt was Neues, da gibt es eine neue Art von Bedrohung, wir können das noch nicht so ganz einschätzen. Wir wissen, woher es kommt, aber wir wissen nicht, was es macht mit uns. 9-11 fast so als Katalysator dieser Angst. Ach shit, okay, darum geht es. Die können ganze Städte niederreißen.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Ja, und dann... kommen wir natürlich zum zweiten großen Thema des Films. Die Menschen sind die eigentliche Bedrohung, nämlich wenn sie zu ihrem vermeintlichen Zufluchtsort kommen.
Johannes Franke: Ja, wo der Film natürlich einen völligen Turn nimmt und einmal angezogene Handbremse komplett, 180 Grad. Wenn du machst und dir ist ganz schwindlig, weil du denkst, oh okay, es geht eigentlich darum, dass die Menschen die Idioten sind und nicht die Rage infizieren.
Florian Bayer: Also erstmal ist es schrecklich, dass Frank vorher stirbt, ne?
Johannes Franke: Ja, oh Gott, oh Gott. Und ich finde es natürlich sehr gut, dass Jim das nicht machen muss, sondern dass eben dann tatsächlich... Von außen Leute kommen und schießen. Man fragt sich ein bisschen, wie lange sind die schon da und hätten die vielleicht die schon vorher einmal aufgreifen können? Was ist da los?
Florian Bayer: Vielleicht haben sie erstmal geguckt, ausgespäht, was sind das für Leute? Macht ja auch irgendwie Sinn zu gucken, ist das eine Bedrohung? Können wir die nehmen? Passen die zu uns? Können wir mit denen was anfangen?
Johannes Franke: Ja, da sind zwei Frauen dabei. Natürlich wollten die sofort zuschlagen. Also ich weiß nicht. Nee, ich glaube... Das Drehbuch hat sich da ein bisschen zu viel Freiheit genommen, das einfach noch ein bisschen zu stallen, damit er sterben kann.
Florian Bayer: Aber es ist auch so, ah, dieser Tod ist natürlich auch so, das Drehbuch forciert es auch, ne? Ja, natürlich. ist jetzt lange genug in der Zombie-Apokalypse unterwegs, um zu wissen, dass es keine gute Idee ist, wenn da oben Blut und
Johannes Franke: Ja, genau, so ein Tod da rumhängt und du denkst dir, okay, vielleicht bleibe ich ein bisschen auf Abstand oder so. Ja.
Florian Bayer: Aber er stirbt und dann kommt, du wirst dich gefreut haben. Hast du ihn erkannt? Meinst du Christopher Eccleston?
Johannes Franke: Genau, Christopher Eccleston. Ja, natürlich sofort. Das ist halt Doctor Who. Also ich bin großer Doctor Who Fan und es ist halt derjenige, der das Franchise wieder losgetreten hat mit seinem neunten Doktor. Als es ein Jahrzehnt quasi ein bisschen mehr als ein Jahrzehnt brach lag, hat das wieder losgelegt und war eigentlich nur eine Legislaturperiode drin.
Florian Bayer: Was ist denn eine Legislaturperiode? Eine Staffel?
Johannes Franke: Ja, eine Staffel oder eine Staffel? Ich glaube, er war nur eine Staffel drin und dann kam schon der nächste, weil die sich nicht ganz einig waren, wie das aussehen muss, der neue Doktor. Und dann war Christopher Exton ganz lange nicht zufrieden damit und hat auch ganz lange immer wieder gesagt, Irgendwie ist das nicht alles nicht so geworden, wie ich das gerne gehabt hätte. Dann haben sie halt David Tennant eingesetzt und David Tennant hat das ganz, ganz, ganz großartig gemacht. Und ich finde Christopher Elkinson leider eben nicht so richtig gut als Doktor. Es gibt aber auch große Fans von Christopher Eckertson.
Florian Bayer: Du fandst ihn als Doctor Who nicht besonders gut.
Johannes Franke: Genau, ich fand ihn nicht so richtig gut. Ich fand, dass er irgendwie nicht die richtigen Ideen dafür hatte. Aber das ist meine Idee von Doctor Who und Doctor Who ist nun mal einfach eine Serie, wo tausend Ideen und alle richtig sind. Du kannst mit diesem Ding in jede Richtung gehen und es ist immer richtig und irgendwie kann es großartig sein, wenn du so ein Paareggpfeiler wenigstens behältst. Ich fand ihn halt nicht so richtig gut und David Tennant und Matt Smith waren halt dann großartig und Jodie Whittaker war auch großartig.
Florian Bayer: Ähm, ich finde, also ich hab tatsächlich Doctor Who mit Eccleston hab ich gesehen, weil ich hab die Serie angefangen zu gucken, als dieses große Revival war und alle gesagt haben, du musst das gucken.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und fand so, okay.
Johannes Franke: Ja, verstehe ich auch.
Florian Bayer: Ich finde ihn in diesem Film richtig gut.
Johannes Franke: Ja, ich finde ihn auch super. Ich meine, er ist ein guter Schauspieler, klar.
Florian Bayer: Ich finde, er hat die richtige Mischung aus Autorität und hey, das ist jemand, der versucht alles anzupacken und irgendwie zu lösen. Und dadurch aber auch sowas beängstigend, weil der packt an und dann ist er vielleicht nicht unbedingt rücksichtsvoll, wenn er anpackt. Und setzt seine Ideen durch.
Johannes Franke: Er hat ein klares Ziel. Und das ist natürlich am Anfang, wenn man da hinkommt, völlig lost ist. Und dann steht ja jemand und sagt also folgendes. ist es natürlich erstmal gut. Und es ist erstmal etwas, was du auch als Zuschauer sehr gerne annimmst.
Florian Bayer: Er trägt eine Uniform. Er ist eine Autorität. Er wirkt so, als ob er die Autorität auch vollkommen zurecht tragen würde.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann kommen sie da rein und dann ist das erstmal so eine Truppe von etwas schrägen, natürlich auch schon so Testosterongeladenen, das merkt man. merkt man Soldaten.
Johannes Franke: Aber sehr schnell. Du merkst das so schnell. Es gibt diese unangenehme Atmosphäre. Ja, total. Du denkst dir sofort ... ach du Scheiße, die Welt geht unter und das sind diejenigen, die die Welt irgendwie noch am Leben halten sollen? Bitte nicht, um Gottes Willen. Es ist wirklich... Also Testosteron, toxisch, alles ein Mix, den du nicht haben willst, um Gottes Willen. Und deswegen ist es natürlich auch folgerichtig, dass du dann schnell merkst, okay, das sind die Männer, die... die eigentliche Gefahr noch darstellen. Es war schon gefährlich genug, aber die sind eigentlich noch on top.
Florian Bayer: Und dann haben wir ja diesen Moment, also es ist so die ganze Zeit so dieses ungute Gefühl und wir merken schon, ah, und der macht sie dumm an und jetzt ist jetzt irgendwie... Und dann gibt's diesen Moment, wo der Major, also Christopher Eccleston Henry, heißt der, sagt, ich ... der ihnen Frauen versprochen hat, seinen Männern. Und dann erzählt, dass der eine Soldat sich umbringen wollte. Und dann hat er gesagt, hey Leute, wir kriegen Frauen hier hin und dann wird alles gut. Und dann merkst du, shit.
Johannes Franke: Also es gibt da zwei Probleme, die mir sofort aufgefallen sind, wo ich denke, ja, okay. Zum einen... Du hast eine Militärbasis und du hast wahrscheinlich eine überdurchschnittlich hohe Quote von Arschlöchern. Okay, nehm ich noch. Aber dass wirklich jeder von denen, bis auf diesen einen, der dann doch noch irgendwie stirbt, aber dem man es fast gewünscht hätte, dass es nicht tut. Sind alles Arschlöcher und alle fühlen sich in der Lage, diese Frau zu vergewaltigen? Also das glaube ich einfach nicht. Selbst unter Arschlöchern ist noch die... Quote sehr gering von Leuten, die es tatsächlich schaffen würden, eine Frau zu vergewaltigen und dabei Spaß zu haben.
Florian Bayer: Also es ist erschreckend, dass ich das jetzt sage, aber vielleicht denkst du zu gut von den Menschen.
Johannes Franke: Nein, also kannst du nicht, nein.
Florian Bayer: Ich glaube, was hier gezeigt wird, ist so verschiedene Sachen und ja, er macht da so ein bisschen holterdiepolter, also er muss ja auch zu seinem Ende kommen. Erzähl das ein bisschen schnell. Wir haben einen, der sich dagegen wehrt. Wir haben aber auch Leute, die wirken wie so diese typischen Mittäter, die sich eben nicht trauen, den Mund aufzuhören. Und einfach von dieser toxischen, männlichen Dynamik mitgerissen werden.
Johannes Franke: Aber die sind doch nicht in der Lage, eine Frau zu vergewaltigen.
Florian Bayer: Es wird ja auch keine Vergewaltigung gezeigt.
Johannes Franke: alle potent genug, das zu tun.
Florian Bayer: Die protzen sehr viel, du weißt allerdings, du weißt nicht, was passiert wäre, wenn das weitergegangen wäre, wenn das weiter eskaliert wäre. Also ich bin fest davon überzeugt, wie diese Charaktere inszeniert werden. Es soll auf jeden Fall erzählt werden, dass da mehr als einer dabei ist, der bereit ist, die Frau und das Kind, die Heiner ist ja nicht volljährig. Wie alt ist die? 14, 15, 16?
Johannes Franke: Irgendwas in der Richtung, ja.
Florian Bayer: Also da ist da auf jeden Fall welche dabei sind, die definitiv bereit werden, die zu vergewaltigen. Ich glaube, der Film will aber auch zeigen, da sind welche dabei, die... die zu feige sind, was dagegen zu sagen, die sich einfach mitreißen lassen, weil sie zur Peergroup gehören wollen, weil sie Teil dieser männlichen Gemeinschaft sein wollen. Und er zeigt das eben als so eine toxische Mischung. Auch dieser Eccleston zum Beispiel, das ist nicht der Vergewaltiger. Das ist der, der seinen Leuten die Frauen gibt, damit sie...
Johannes Franke: Er ist der Zuhälter.
Florian Bayer: Viele von denen auch noch gedacht haben, ey, wenn dann Frauen kommen, wollen die bestimmt auch, hey, wir sind die letzten Männer auf der Welt. Weißt du, so eine wirklich üble, hässliche, dreckige, toxische Mischung. Und auch so dieses sich selbst das Rechtfertigen und so. Und ich finde, der Film erzählt das ein bisschen schnell und ein bisschen polternd. Und es ist auch, sie hätten eine Spur runterfahren können, was den Bad-Guy-Status betrifft von diesen Soldaten, um es ein bisschen realistischer zu machen. Aber es reicht noch, um mir das Gefühl zu geben, ja, das ist ein unfassbar schreckliches Szenario und das ist nicht komplett weg von dem, was in Wirklichkeit passieren könnte. Das ist nicht komplett absurd und karikiert überzeichnet.
Johannes Franke: Aber sie hätten es auch schaffen können, dass es vielleicht zwei Männer gibt, die das wirklich forcieren und es gibt ja diesen einen, der wirklich... am Ende das auch durchziehen will und so und auch dafür stirbt. Aber dass die anderen da so mit drin hängen, man hätte es vielleicht ein bisschen... Es geht ja nur darum, dass man inszenatorisch ein kleines bisschen differenzierter gibt.
Florian Bayer: Man hätte das subtiler zeichnen können, man hätte es auch ein bisschen langsamer erzählen können. Es wären nochmal so zehn Minuten da gewesen für ein bisschen mehr soziale Interaktion.
Johannes Franke: Und ich glaube noch nicht mal, dass man Zeit gebraucht hätte. Ich glaube nicht, dass man mehr Zeit gebraucht hätte, man hätte nur die Szenen, die man gezeigt hat, differenzierter inszenieren müssen. Das wäre es eigentlich.
Florian Bayer: Vielleicht. Ich finde, sie machen halt einen ganz guten Job, diese Soldatengruppe, die erstmal wie so eine Einheit wirkt, so ein bisschen auszufransen. Ein bisschen einzelne Charaktere zu zeigen, hey, wir haben hier den, der rumphilosophiert, wir haben hier den, der kocht und der irgendwie noch so ein Bürschchen ist. So ein bisschen so ein ahnungsloses Bürchen, der halt vergammelte Eier ins Essen mischt, weil er nicht weiß, weil er denkt, das würde keiner bemerken. Dann haben wir diesen richtig toxischen Arsch, der denkt, er kann sich alles nehmen, was ihm gehört. Also das schaffen sie schon. Und ich finde, es bleibt in einem Rahmen, wo ich denke, ja, shit, das ist echt ein hässliches Szenario, aber es ist für mich nicht komplett... absurd und komplett abwegig, sondern ja, das halte ich für denkbar, dass es so eine Art von Eskalation gibt, gerade in Männergruppen in einem...
Johannes Franke: Also natürlich ist es klar, wenn du nur noch Männer auf dem Haufen hast, geht das ganze Ding innerhalb kürzester Zeit einen Bach runter und du hast eigentlich nur noch einen Melting Pot von Testosteron und Bedürfnissen, die nicht gefriedigt werden können und so. Und viel Scheiße auf einmal. Was ganz spannend ist, ich wollte noch das zweite sagen, was an der... ganzen Situationen nicht funktioniert, ist Christopher Eccleston sagt ihm ja dann, pass auf, die Frauen brauchen wir. Wir haben euch eigentlich nur eingeladen, damit wir die Frauen haben. Und er rennt sofort los, holtert und holtert und schreckt alle auf. Und nicht eine Minute nachgedacht, dass er vielleicht einfach... Nicken, ja, okay, verstehe ich, gut. Und dann bei einer ruhigen Minute... die Frauen zur Seite und nimmt und sagt, komm, wir brauchen einen Plan, wie wir möglichst unauffällig verschwinden. Nein, der rennt los und poltert und poltert und ruft laut, komm, wir hauen ab.
Florian Bayer: Das ist aber der Charakter. Das ist Jim. Das kaufe ich komplett ab. Das ist wie Jim sich verhält in der Situation. Jim ist kein Stratege. Jim ist kein lügermäßig kluger Kopf. Das ist ein Fahrradkurier, ein einfacher Typ, der immer noch... schwach ist, der immer noch mitgenommen ist vom Krankenhaus und von der Fahrt und von allem und der einfach in dem Moment tierisch Angst kriegt. Jim ist denen ja auch eigentlich komplett unterlegen. Ich finde, was dann weitererzählt wird mit ihm, das macht die Szene nochmal besonders spannend, weil Jim... wird dann zu einem Rage-Infizierten, ohne mit Rage infiziert zu sein.
Johannes Franke: Ja, und auch dieser Sprung wird mir einfach zu schnell. Also es gibt keinen dazwischen und deswegen bin ich dann plötzlich so, wo nimmt der die Courage her? Wo nimmt der das ganze Ding überhaupt? Das funktioniert für mich nicht. Und deswegen funktioniert, glaube ich, auch das Losrennen nicht, weil ich glaube... Vielleicht hätte er noch nicht mal das machen müssen, dass er irgendwie strategisch sinnvoll das macht, sondern er kann sich schon als Töppel verhalten und das irgendwie nicht hinkriegen. Woher nimmt er die Courage? Er hat den ganzen Film über keine. Den ganzen Film jammert er vor sich hin. Und deswegen braucht er, glaube ich, wenigstens ein oder zwei Szenen. an denen er mal üben kann, wo man ihn mal probieren kann.
Florian Bayer: Ich glaube, du liest das Falsche. Da wird keine Courage erzählt, die er kriegt. Da wird erzählt, wie er selbst seine Menschlichkeit verliert. Ich finde es ganz stark, wie er für Chaos sorgt, wie er einbricht. Ja. Und dann gibt es natürlich diesen einen Moment, wo er den einen umbringt und er bringt ihn so um, wie diese Rage-Infizierten die ganze Zeit ihre Opfer umbringen, indem er ihm ins Gesicht drückt und seine Augen einbringt.
Johannes Franke: Braucht es das? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich finde das so stark, weil es zeigt, was macht diese Apokalypse mit den Menschen und wenn der Mensch, das Menschenwolf ist, bla bla bla. Was passiert dann mit dir und was passiert dann mit einem? Natürlich ist es zu viel. Natürlich ist Jim eigentlich nicht so eine starke Figur und der würde bei diesem Versuch wahrscheinlich eigentlich abgeknallt werden. Eigentlich müsste Selina rumläufen. um die Leute totschlagen.
Johannes Franke: Sobald er den ersten Menschen umgebracht hat, würde der heulend in der Ecke verschwinden.
Florian Bayer: Aber genau das ist es ja. Darum geht es nicht. Es geht nicht darum, dass er besonders stark ist oder besonders mutig, sondern dass diese Apokalypse ihn so weit getrieben hat, dass er einfach mal zum eiskalten Killer wird und sich... Aber warum?
Johannes Franke: Er hat ja ein Ziel. Es muss eine Motivation dafür geben, dass er das tut.
Florian Bayer: Naja, er trägt die ganze Zeit diese Verlorenheit, diese Suche nach Rettung und Hilfe bei sich. Und dann entpuppt sich diese Hilfe, diese vermeintlich finale Hilfe. Als der absolute Albtraumort. Und dann ist der Moment, wo es Klack, Klick macht. Warum korrigiere ich mich? Es kann auch Klack machen. Es darf auch Klack machen. Klack. Nein, nein, nein, ihr versteht mich nicht falsch. Kein Klack, kein Klack. Klick. Okay, das war wirklich, das musst du nachher wegmachen. Okay, okay. Nicht, dass die Leute denken, ich hätte hier Klack gesagt.
Johannes Franke: Kein Problem.
Florian Bayer: Das ist der Moment, in dem es Kleck macht und sich was umdreht. Jim ist in diesem Moment nicht mehr Jim, sondern Jim ist irgendwie, ja, Jim ist, er ist von diesem Rage-Virus infiziert.
Johannes Franke: Was er ja nicht wirklich ist.
Florian Bayer: Was er nicht wirklich ist, aber ich finde das Bild total stark. Eben weil sie ihn auch so inszenieren. Sie inszenieren ihn wie einen Infizierten die ganze Zeit. Dann ist es wieder ein Konzept. Ja! Großartig.
Johannes Franke: Aber dann ist es ja, dann ist der ganze Film ein Konzept nur? Nein. Der arbeitet ja nicht nur in Konzepten. Aber wenn er jetzt plötzlich anfängt, in Konzepten zu arbeiten, denke ich auch, warum änderst du plötzlich deine Strategie? Geschichte zu erzählen.
Florian Bayer: Das ist ein Subtext, den er hier hat. Und der wird ja auch nicht so ganz krass forciert. Aber es ist einfach in der Bildsprache. Ich meine, wir wissen ja auch, dass Jim nicht infiziert ist. Und ich finde diesen Moment übrigens total doof, wo er dann vor ihr steht und sie fast erschreckt. Und ich denke die ganze Zeit, ey Junge, das ist der Moment, in dem du sagst, alles gut, ich bin nicht infiziert. Weil du kannst dich nicht drauf verlassen, dass sie zögert.
Johannes Franke: Nein, gerade sie nicht.
Florian Bayer: Aber ich finde es wirklich stark, wie er inszeniert wird in diesen Momenten, eben als dieser Typ, der da so schnell amoklaufend über das Gelände rennt. Und dann kulminierend in dieser Szene, wo er diesen einen Typen angreift und quasi zerfetzt, mit bloßen Händen ermordet und zwar nicht indem er ihn erwürgt, sondern indem er ihn zermetzelt. Mit seinen Fingern. Was für ein starkes Bild, was diese Apokalypse mit den Menschen macht.
Johannes Franke: Vor Gericht. würde das nicht mehr als einfach nur Blackout und Rachel durchgehen. Das geht nicht. Das ist Mord. Es ist, vieles davon, was er gemacht hat, ist einfach geplant. Ja. Er geht ja auch dahin und ermordet diesen einen Typen, der mit Christopher Eccleston da vorne am Aussperrungspunkt ist und setzt ihn dann noch, diesen toten Typen, in das... Das Auto macht sich richtig Mühe. Setzt diesen Typen in das Auto. Wir sind es zwar nicht, aber er muss es irgendwie machen.
Florian Bayer: Das ist übrigens, ja, also, wo wir kurz bei Eccleston sind und dann ihm bei seiner Angst dabei ist. weil Eccleston ist in dem Moment ja englisch und weiß nicht, was passiert, wo sind meine Leute und dann sieht er den Toten im Auto sitzen. Ja, Ich gebe dir mit, dass das ein bisschen clumsy ist, wie das inszeniert ist. Das ist ein bisschen tollpatschig, das ist ein bisschen zu holterdiepolter und verliert auch ein bisschen Glaubwürdigkeit. Ich verzeihe ihm das komplett, weil ich das Bild oder die Bilder, die da entworfen werden über den Menschen und auch über unseren Protagonisten, der Sympathieträger ist, auch wenn er noch ein Killer ist. dass die einfach zu stark sind. Deswegen verzeihe ich dem das.
Johannes Franke: Lass uns später nochmal, das müssen wir jetzt in unsere Großhirnrinde reinritzen, daran denken, dass wir da nochmal zurückkommen, darauf... warum wir dem Film was verzeihen und was nicht verzeihen.
Florian Bayer: Ja, sehr gerne. Dann gehen wir noch mal kurz übers Ende, weil er sorgt für Chaos und er tötet den... und verhindert, dass die Frauen vergewaltigt werden und dann...
Johannes Franke: Plötzlich der große Held, ja?
Florian Bayer: Und dann fliehen sie und wir haben kurz diesen Zusammenschnitt so im Krankenhaus. Sie schreit irgendwie noch was, dass Jim überleben soll und sterben soll. Und dann, 28 Tage später, und er wird in dieser Hütte wach und Celina Näht und Henna breitet eine große Plane aus und dann kommt der Helikopter aus Finnland?
Johannes Franke: Es ist finnisch, glaube ich.
Florian Bayer: Sie ruft einen Helikopter und sie sind gerettet und alles schön. Es gibt ein alternatives Ende. Wem erzähle ich das? Euch erzähle ich das, weil ihr habt den 5. Vielleicht nicht gesehen.
Johannes Franke: Das alternative Ende, in dem er stirbt und die eigentlich nur noch zu zweit dort sind und gerettet werden.
Florian Bayer: Was denkst du, was ist besser?
Johannes Franke: Ich glaube, so wie es ist, ist es gut. Ich würde gar nicht unbedingt das groß ändern. Ich finde es schon... folgerichtig. Vor allem, weil der Film ja auch viel darauf hinarbeitet, dass die dieses Happy End in einem Verstrichen haben. Also dass die auch füreinander eingestanden sind und wenn da einer stirbt, dann ist das irgendwie, glaube ich, Weiß ich nicht, das ist dann ein bisschen zu zynisch vielleicht.
Florian Bayer: Gerade der Zombie-Revival-Film hat oft so ein zynisches Ende. Und ich find's schade. Zombie-Filme gewinnen, wenn sie BNs haben. Ich weiß gar nicht, warum.
Johannes Franke: Das ganze Legen dorthin ist schon so zynisch.
Florian Bayer: Ja, genau. Zombie-Filme leben natürlich von dem zynischen Blick auf den Menschen und die meisten Zombie-Filme sind auch super misantrop. Walking Dead ist auch super misantrop. Also das ist so, wirklich die schlimmsten Seiten des Menschen werden einfach mal gezeigt. Night of the Living Dead hat so ein zynisches Ende, haben wir ja vorhin gesagt, wo der Schwarze erschossen wird von der Bürgerwehr.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dawn of the Dead hat ein positives Ende und Day of the Dead hat auch eher ein positives Ende, zumindest so ein Stück Hoffnung.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich finde, apokalyptische Filme sollten das ihrem Publikum gönnen. Nicht immer, aber ich finde es schön, wenn sie das machen. Ja. Wenn es so ein Stück Hoffnung gibt, so ein Moment von, es ist vielleicht nicht alles verloren. Und deswegen mag ich das Ende von dem Film sehr. Auch wenn es ein bisschen kitschig ist.
Johannes Franke: Aber ich finde es okay. Ich komme damit vollkommen klar. Und lustigerweise haben die ja dann irgendwie auf ihre TV-Kamera aufgegeben. Warum? Warum haben sie jetzt plötzlich so Ari-Kameras? Also es sieht nach Film aus jetzt plötzlich.
Florian Bayer: Vielleicht, weil sie das nachgedreht haben?
Johannes Franke: Nee, ich glaube, es gibt ein Konzept dahinter und das Konzept heißt, sie haben ihre Bedrohungslage hinter sich gelassen.
Florian Bayer: Auch schön. Ja, es ist ja auch, wir haben hier eigentlich die opulentesten Bilder des gesamten Films. Wir haben halt wirklich die, vom Himmel aus sehen wir, wie sie dieses Hello ausspannen und warum nicht Help? Warum Hello? Du siehst so H-E- und denkst dann so, da muss Help stehen und dann steht da Hello.
Johannes Franke: Okay, es ist nicht so dringend, Flo.
Florian Bayer: Ja, es geht Ihnen ja ganz gut, wo Sie sind.
Johannes Franke: Ja, es geht Ihnen wirklich ganz gut. Und ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob ich will, dass Sie gerettet werden. Weil das letzte Mal, als Sie gerettet wurden, ging es Ihnen scheiße danach.
Florian Bayer: Ja, ja. Also, es gibt eine Fortsetzung, zu der ich noch kurz was sagen kann.
Johannes Franke: Ah ja, das machen wir noch.
Florian Bayer: 28 Weeks Later ist meiner Meinung nach ein guter Film. Ist bei der Kritik nicht besonders gut angekommen. Aus dem Jahr 2007, also gut fünf Jahre später. Ja. Wurde eher so gemischt aufgenommen von der Kritik. Ist definitiv nicht so rough inszeniert wie 20. Days Later. Definitiv mehr Horror und mehr Splatter von Juan Carlos Fresnadillo, einem spanischen Regisseur, der sonst nicht sonderlich viel gemacht hat. Aber er hat ein paar wirklich gute Ideen, die das Konzept des ersten Teils aufnehmen und interessant weitererzählen. keine Person aus dem ersten Teil mit. Es spielt 28 Wochen nach der Apokalypse. Und mittlerweile sind die Infizierten, weil es keine Untoten sind, können die nämlich sterben. Die sind gestorben. Wir sehen das bei 2018. Die verhungern, genau. Und dann haben sie London, eine Karriere. Quarantäne um London gezogen und fangen an, London wieder zu bevölkern. Das heißt, Familien dürfen in London wieder einziehen. Und erzählt wird die Geschichte von einer Familie und zwar die beiden Kinder mit ihrem Vater, die da hinkommen. Und ihre Mutter wurde während der Zombie-Apokalypse vermeintlich von Zombies gefressen. In Wirklichkeit hat der Vater sie im Stich gelassen und hat den Kindern erzählt, sie wurde gefressen. Und die Kinder sind dann in London und der Sohn in diesem Quarantänebereich, der Sohn verlässt absichtlich diesen Quarantänebereich, weil er in sein Haus will, das irgendwie ein bisschen weiter außerhalb in irgendeinem Suburb ist. weil er einfach ein paar Fotos oder so nehmen will. Und da ist dann seine Mutter. Und seine Mutter ist eindeutig infiziert, hat aber offensichtlich irgendeine... Hat irgendwas genetisch, was sie davor bewahrt, dass das Virus ausbricht? vermeintlich gut klingt, was viel schlimmer ist, weil das ist natürlich so, sie kann andere Menschen infizieren. Aber sie selbst hat das nicht. Und dann kommt aber das Militär und nimmt sie gefangen und sie wird in Quarantäne gebracht. Und der Vater geht zu ihr und sagt, es tut mir so leid, dass ich das getan habe und küsst sie. Und dann verwandelt sich der Vater. Und dann haben wir eben diese Situation, in der das eigentlich so rezivilisierte London... wieder überrannt wird von Untoten. Und überall sind Militärs, weil die haben das halt alles super abgesperrt, ganz viele Sicherheitsmaßnahmen und dann stehen auf den Dächern Scharfschützen, um die Zombies abzuschießen. Und dann ist Chaos, Menschen rennen vor Untoten weg. Und was macht das Militär? Es schießt einfach irgendwann nur noch in die Menschen rein. Und dann erschießen sie alle. Und was total krass erzählt wird, ist dieses perfekt durchgeplanter Militärapparat, der wirklich das Beste will. Und der irgendwann die Kontrolle verliert und dann kommen Menschen zu Schaden. Und dann ist halt ihr Plan, okay, jetzt müssen wir nuke them all. Dann wollen sie halt irgendwie eine Bombe über London abwerfen, damit es sich nicht wieder ausbreitet. Und die Kinder sind auf der Flucht halt verfolgt von dem Vater.
Johannes Franke: Krass. Und...
Florian Bayer: Es ist mehr Splatter, es ist ein bisschen trashiger als der erste Teil. Ich finde, er ist trotzdem sehenswert. Den kann man sich angucken. Ja, wie gesagt, der ist nicht gut angekommen bei der Kritik, aber ich fand ihn immer noch gut.
Johannes Franke: Na gut. Also unser Regisseur hat ja die Produktion mit übernommen, hat aber nicht Regie geführt.
Florian Bayer: Genau, Danny Boyle. Übrigens, wir haben noch gar nicht zu Danny Boyle gesagt. Das ist wirklich ein toller Regisseur.
Johannes Franke: Der hat viele Sachen gemacht. Trainspotting ist von ihm.
Florian Bayer: Trainspotting, The Beach, Slumdog Millionaire.
Johannes Franke: Ah, Yesterday. Ah ja, stimmt. Yesterday, genau.
Florian Bayer: Und das Drehbuch ist von Alex Garland, der den Roman... zu The Beach geschrieben hat. Diese Geschichte, wo Leonardo DiCaprio auf dem Strand ist. Das war ja so halb autobiografisch. Er war in Thailand unterwegs und war dann an so einem verlassenen Strand, wo sie so in einer Community gelebt haben. Und hat diese Erlebnisse natürlich etwas übertrieben, verarbeitet in dem Roman The Beach. Und dann hat er die Drehbücher zu beiden 28-Filmen gedreht und hat dann relativ viel mit Danny Boy zusammengearbeitet und hatte sein Regiedebüt selbst mit Ex Machina. Ah!
Johannes Franke: Den habe ich, glaube ich, gesehen.
Florian Bayer: Der über eine künstliche Intelligenz, ein ziemlich interessanter Film zum Thema künstliche Intelligenz. Roboter.
Johannes Franke: Wo sie den Test auch machen, diesen...
Florian Bayer: Genau, sie machen den Turing-Test.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und zwar soll... Aber mit so einem Twist drin. Also er weiß, dass sie ein Roboter ist. Mhm. Und die Frage ist, hat er trotzdem das Gefühl, dass sie menschlich ist einfach durch die Art, wie sie sich verhält? Spannender Film, genau. Alex Garland auf jeden Fall auch ein guter Autor und auch spannender Regisseur.
Johannes Franke: Schön. Ja, der Film macht eindeutig viele, viele Sachen gut. Ist einer der wenigen, der es einfach schafft, mir so eine scheiß TV-Kamera zu verkaufen.
Florian Bayer: Ja, das ist echt was. Ich bin in dieses Gespräch gegangen mit dem Fest. mit Blut, Schweiß und Tränen diese DV-Kameras zu verteidigen. Weißt du, mich so im Rage-Riris auf dich zu stürzen, zu sagen, das ist gut in diesem Film. Und du hast mich komplett aus dem Konzept gebracht, wo ich am Anfang gesagt habe, das passt, das funktioniert.
Johannes Franke: Und ich finde auch, einer der besten Momente ist, wie Jim nach Hause kommt und die Eltern liegen da tot. Und haben ihre Suicide Note und wir haben das erste Mal, wir erfahren ja von Jim gar nicht viel. Wir wissen gar nicht viel über ihn. Aber alles, was wir missen müssen, ist, dass die Eltern ihn geliebt haben.
Florian Bayer: Ja, don't wake up, schreiben sie in den Abschiedsgriff.
Johannes Franke: heartbreaking. Es ist wirklich so gut erzählt und so gut gemacht und so gut gesetzt, Es ist nicht einfach nur kitschig oder so, wie andere Filme das inszenieren würden. Der macht das ganz pur und ganz ohne irgendwie da noch draufsetzen zu wollen. Ich find's super, ganz, ganz großartig gemacht.
Florian Bayer: Ja, es geht also das Thema Familie und auch so dieses Suchen nach Familie und es ist sehr stark in dem Film, also die Beziehung zwischen Frank und Hannah, der haben ja noch gar nicht viel gesagt. Ist natürlich auch total krass darauf ausgerichtet, dass er dieser liebende Vater ist, der alles machen würde, um seine Tochter zu schützen. Und deswegen will er mit ihnen beiden auch fliehen, weil er sagt, ich kann nicht mit meiner Tochter allein fliehen, wenn mir was passiert. Dann sitzt dieses Mädchen allein auf der Straße und weiß nicht, wohin. Und es wird nicht so draufgedrückt, aber es gibt einfach diese Vater-Tochter-Momente, die echt schön sind.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ja, irgendwie zu Recht einiges losgetreten, dieser Film. Muss man sagen.
Florian Bayer: Und wieder viele schlechte Filme nach sich gezogen.
Johannes Franke: Ja, wie das oft so ist bei sowas.
Florian Bayer: Aber tatsächlich das Zombie-Revival seit 2002 hat auch Eigentlich mit die besten und spannendsten Zombie-Filme der Filmgeschichte hervorgebracht. Also ich mag die 70er-Klassiker, George R. Romero, die Filme sind auf jeden Fall sehenswert. Aber es sind so viele spannende Zombie-Filme in den letzten 20 Jahren entstanden, so viele tolle Sehenswerte. Ja, auch neue Themen aufgreifen. Auch so diese Frage nach dem Wiederaufbau in der Apokalypse. Das finde ich super spannend. Wie schaffen wir es, wieder eine Zivilisation aufzubauen? Wie schaffen wir es wieder als Gemeinschaft zusammenzuleben? Da hat Walking Dead auch zum Beispiel sehr viel gemacht, wo erzählt wird, Können wir als Gemeinschaft überleben und können wir uns unsere Menschlichkeit wahren? Wie weit müssen wir gehen? Das Grundthema Zombie-Apokalypse hat so viel Potenzial für diese Fragen, egal ob sie jetzt philosophisch, emotional oder politisch behandelt werden.
Johannes Franke: Ich glaube einfach, wir lernen über die Reflexion dieser doch sehr fantastischen Idee. viel über uns und über Gesellschaft und darüber, wie wir zusammenleben wollen und welche Möglichkeiten wir haben. Ich glaube, dass so Gedanken an Extremsituationen zu verschwenden bringt einem einfach gesellschaftsphilosophisch sehr viel. Deswegen finde ich das Genre interessant, aber meist eben schlecht umgesetzt und deswegen uninteressant für mich.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Die Schere ist sehr groß. Es gibt sehr gute Zombiefilme. Es gibt sehr schlechte Zombie-Filme und es gibt auch wirklich viele sehr gute Filme, aber es gibt auch sehr, sehr, sehr, sehr viele sehr schlechte Filme.
Johannes Franke: Gut, das ist also die Beschreibung unserer Welt. Es gibt Menschen und es gibt Menschen. Okay, wollen wir einfach mal in unsere Top 3 reinwurschen? Top 3. Bitte schön, okay.
Florian Bayer: Achso, ich muss gar nicht klopfen. Wir haben ja ein Intro, das du gerade gespielt hast.
Johannes Franke: So einen großartigen Jingle.
Florian Bayer: Jingle! Haben wir gerade gespielt. Ihr erinnert euch.
Johannes Franke: Die Älteren werden sich erinnern, wir haben gerade einen Jingle gespielt.
Florian Bayer: Top 3, London.
Johannes Franke: Top 3, du wolltest, London is a terrible place.
Florian Bayer: Yes.
Johannes Franke: Und ich denke, what the fuck, wo ist London the Terrell Place außer in diesem Film?
Florian Bayer: Das ist super schwer. Es ist super schwer, weil alle Filme, die in London spielen, feiern diesen Ort natürlich. Total. Notting Hill. Jeder Film mit den Beatles.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: London ist immer schick, London ist bunt, London ist laut, London ist hip und natürlich ist es ja auch und deswegen ist es umso spannender, wenn Filme es mal schaffen, die düsteren Seiten von London. zu zeigen.
Johannes Franke: Ich war kurz davor, den Easy Way Out zu nehmen und mich auf unsere Weihnachtsepisode zu beziehen und zu sagen, also Christmas Carol, schreckliches London, weil es ist Weihnachten. Okay, okay. Das ist zu easy vielleicht.
Florian Bayer: Hört in unsere Weihnachtsepisode vom letzten Jahr rein. Da reden wir über Christmas Carol. Oder hört unsere Weihnachtsepisode von letzter Woche, da reden wir über den Cringe.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Du musst starten.
Johannes Franke: Ach scheiße, ich muss ja auch noch starten. Also ich fand's wirklich wahnsinnig schwierig.
Florian Bayer: Ich fand's auch schwierig.
Johannes Franke: Und deswegen, ich hab als Nummer drei auch ein kleines bisschen lame, deswegen auf Platz drei, Ich bin einfach zu großer Doctor Who-Fan und der Doktor hat irgendwie für ein Alien from Outer Space eine seltsame Faszination für London. Ja, allerdings. Und er könnte überall in Time and Space sein, aber er ist viel in London. Und es gibt dann einfach die Invasionen der Daleks in London und so weiter. Eine tolle Episode, The Empty Child. Das ist World War II-Thematik. Es ist alles sehr düster und sehr schwierig und London is a terrible place in dieser Episode. Okay. Du kannst dir nichts dazu sagen, du musst mir jetzt einfach glauben. Und alle da draußen, die ihr wisst, dass das alles gar nicht so ist, schreibt Plon nicht, erzählt dem es nicht.
Florian Bayer: Sehr schön. Dr. Hu, natürlich. Welcher Dr. Hu?
Johannes Franke: Der Doktor ist... Oh Gott, wer... Oh, Empty Child. Wer war das? David Tennant oder Matt Smith? Ich bin es mir nicht sicher. Die Empty Child. Googelt mal wieder.
Florian Bayer: Christopher Eccleston. Was? Christopher Eccleston.
Johannes Franke: Fuck. Okay.
Florian Bayer: Das ist jetzt aber so ein bisschen peinlich.
Johannes Franke: Nein, ich habe natürlich The Empty teilgenommen, weil es zu unserer heutigen Episode passt, wo Christopher Hackinson mitgespielt hat.
Florian Bayer: Mein Platz 3. Darf ich meine Honorable Mention gleich bringen?
Johannes Franke: Ja, wenn du möchtest.
Florian Bayer: Honorable Mention Cats. London ist voll mit zingenden, schrecklich aussehenden Katzen. An Kenny Welly.
Johannes Franke: Hilfe! Warum hab ich daran nicht gedacht? Wie geil.
Florian Bayer: Mein Platz 3, Children of Men. Wir haben ein apokalyptisches London, in dem die Menschen keine Kinder mehr kriegen und es herrscht Bürgerkrieg. Alles ist verloren. Auch aus den 2000ern. Offensichtlich war London in den 2000ern ein ziemlich schrecklicher Ort. 2006. Kurz nach deiner Dr. Who-Folge und ein paar Jahre nach 28 Days Later.
Johannes Franke: Mein Platz zwei wäre Sweeney Todd.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: The Demon Barber of Fleet Street 2007. Mit Johnny Depp von Tim Burton. Düsteres London. Ein sehr düsteres London. Hast du nicht gesehen, ne? Doch. Doch, hast du gesehen?
Florian Bayer: Ja, gehört zu den neueren Burton-Filmen, die ich mag.
Johannes Franke: Uh, geil. Ich hab gedacht, du wirst mit denen jetzt wieder um die Ohren hauen.
Florian Bayer: Leute, die regelmäßig unseren Podcast hören, wissen, dass ich immer sage, mit Burton kann ich seit... Mitte der 90er nichts mehr anfangen, aber der gehört zu den Filmen, die ich gut fand.
Johannes Franke: Das heißt, seinen ersten Animationsfilm findest du noch gut. Seinen ersten Animationsfilm. Es gibt so einen kleinen ersten Film, wo ganz süß eine Aufstimme ist, die so eine ganz süße...
Florian Bayer: Dieser Christopher Lee?
Johannes Franke: Christopher Lee?
Florian Bayer: War das Christopher Lee nicht, der das synchronisiert hat?
Johannes Franke: Oh, ist das Christopher Lee gewesen? Ich glaube ja.
Florian Bayer: Aber nein, ich mag ja die Langfilme von Burton. Ich mag Beetle Shoots, ich mag Edward mit den Scherenhänden. Nein, irgendwann Ende der 90er hört es dann auf. Ich mag Dings, Ed Wood und ... Ja, stimmt. Es gibt viele gute Burton-Filme, mit denen ich sehr viel anfangen kann. Irgendwann wurde es zu schematisch. Ich glaube, mit dem Remake von Charlie & Chocolate Factory fängt es an, dass ich Burton nervig finde.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Wo auch Johnny Depp dann irgendwie auch seinen Appeal so ein kleines bisschen verloren hat. Weil er einfach immer irgendwie so ein quirky, er hat irgendein Irgendeinen Defekt hat er immer.
Florian Bayer: Und dann hast du das Gefühl, also ich mag Helena von deinem Kater sehr.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber Tim, musst du deine Frau in jedem... Filmpacken von dir, muss es sein?
Johannes Franke: Ja, sie kriegt doch sonst keine Arbeit. Hallo?
Florian Bayer: Sie durfte Emma Watson spielen. Sie durfte Hermine Cranger spielen, die versucht ... Diese böse Hexe zu spielen. Das ist zum Meme geworden, dass wir hier Helden am Bornheim-Kater haben. die eine Performance abliefert, die die Performance von Hermine von dieser bösen Hexe ist. Großartig.
Johannes Franke: Ach man. Ja gut, okay. Also Sweeney Todd, und ich stelle fest, es geht natürlich ums viktorianische Zeitalter dann meistens. Ja. indem man dann ein dreckiges London vor sich hat. Und wo natürlich der Rest der Welt auch ein terrible place war, was sich also sozusagen gar nicht wirklich auf London bezieht, dann...
Florian Bayer: Aber Victorianisches London ist schon cool. So Jack the Ripper und düstere Gassenkanäle. Finde ich ja auf jeden Fall. Eigentlich kann man da sehr viel finden. Ich habe nichts Viktorianisches bei mir drin.
Johannes Franke: Das finde ich gut, weil ich habe ja nur Victorianisches.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist, aber auch in Killer, Und zwar Hitchcocks Friends hier aus dem Jahr 1972. London is a terrible place, weil ein Krawattenmörder umhergeht und Frauen tötet. Und unser Protagonist gerät, wie in so vielen Hitchcock-Filmen, irgendwie da rein und mit diesem Krawattenmörder aneinander und wird sogar verdächtigt, selbst der Mörder zu sein. Toller Film. Spätwerk von Hitchcock aus dem Jahr 1972. Einer seiner... Späten Filme und aber so ein richtig klassischer Hitchcock, der alles hat, was man will.
Johannes Franke: Ich finde das Wort Krawattenmörder klingt immer so süß irgendwie. Ich stelle mir da schon noch was anderes vor, als jetzt jemand, der Menschen umbringt. Das sind eher die Krawatten, die daran glauben müssen.
Florian Bayer: In dem Film die Bilder siehst von den Frauen, die im Bett liegen und die Krawatten um sich haben und so die Zunge rausgestreckt und ganz bleich sind. Ja, dann ist es nicht mehr süß.
Johannes Franke: Aber allein das Wort Krawattenmörder ist schon ein bisschen süß. Egal. Okay. Mein Platz 1 wäre dann, wo wir schon bei... Jack the Ripper waren und so. Es ist gar nicht Jack the Ripper, aber es ist ähnlich. Limehouse Golem heißt der Film. Und ist ein großartiger Film, gar nicht so alt, irgendwie auch in den letzten zehn Jahren oder so erschienen. Ein Kinofilm über einfach einen Mord, der passiert und der irgendwie ist ein Murder Mystery Film, wo man denkt, irgendwie ist Hat das TV das so für sich abonniert? Und im Kino passiert das gar nicht mehr so viel. Vielleicht noch mit so Shuttle-Com-Specials. Aber das war ein ganz klassischer... viktorianisches Zeitalter, so ein Mörder, der umgeht und Polizei muss halt rausfinden, wer es war. Und ich dachte erst, kann das irgendwie geil sein, weil das ist halt ein Rezept, was schon so überfrachtet ist mit irgendwelchen Scheißfilmen. Aber der war richtig gut.
Florian Bayer: Cool.
Johannes Franke: Richtig gut.
Florian Bayer: Ja, es gibt so ein kleines Murder Mystery Revival, auch durch den Knives Out. Der ist auch geil. Der hat eine Fortsetzung gekriegt. Ja, der kommt am 23. erst raus.
Johannes Franke: Also wir zeichnen vor dem 23. Dezember auf, deswegen können wir leider noch nichts dazu sagen.
Florian Bayer: Ja, schön. Also gute Mörder-Mystery-Geschichten.
Johannes Franke: Du musst dir auf jeden Fall Limer's Golem mal anschauen. Oder ich geb uns mal auf. Klingt auf jeden Fall cool. Schön. Sind wir bei deinem Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist aus dem Jahr 2015 High Rise von Ben Wheatley. war ein Film, der in einem riesigen Hochhauskomplex spielt, der quasi eine Stadt in der Stadt darstellen soll, in den 70er Jahren sind wir, Und so eine merkwürdige Mischung aus Retrofuturismus und Sozialdrama ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sich dann nach und nach zur Pizzerrie umwandelt. Also du weißt ja, ich mag es, wenn so Filme irgendwann komplett am Rad drehen. Am Schluss ist einfach nur Apokalypse in diesem Hochhauskonzept und Menschen fallen übereinander her. Okay. An einem Raum wird gefeiert, in dem anderen Raum wird gefögelt und in dem dritten Raum wird getötet.
Johannes Franke: Okay, wow.
Florian Bayer: Ein wirklich schräger Film von einem... großartigen Regisseur, der immer so ein bisschen unterm Radar läuft, aber echt in den letzten zehn Jahren sehr viele richtig gute Filme gemacht hat.
Johannes Franke: Okay, dann merken. Und wir gehen zurück, würde ich sagen, in unserem Film. Haben wir noch irgendwas zu Faziten? Wir haben ja eigentlich, mir ist vorhin aufgefallen, wir haben schon angefangen zu Faziten und dann habe ich schnell gesagt, wir sollten. in die Top 3 gehen, aber wir sind ja schon ziemlich durch.
Florian Bayer: Fazitus Interruptus. Ich weiß Du hast jetzt schon durchblicken lassen, dass dir der Film grundsätzlich gefallen hat. Ja, ja, ja. Sag doch mal, ich habe schon gesagt, Meisterwerk ist wahrscheinlich der beste Zombiefilm.
Johannes Franke: Es ist wahrscheinlich der beste Zombiefilm. Ich gebe dir absolut recht, ich habe ja nur zwei gesehen.
Florian Bayer: Was war der andere? Ah, Night of the Living Dead, okay.
Johannes Franke: Ah ja, stimmt, den habe ich auch mit dir gesehen. Nee, ich hatte noch einen mit Will Smith, glaube ich, gesehen.
Florian Bayer: Oh ja, nein. Nein. Übrigens, zumindest erwähnenswert, weil I am Legend basiert ja auf einem Roman und wurde schon mehrmals verfilmt, wurde immer schlecht verfilmt. Es gibt keinen guten I am Legend Film.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Die Grundaussage des Romans wurde in allen Verfilmungen missverstanden. In dem Roman ist es nämlich so, dass der letzte Überlebende, der die ganze Zeit da rumzieht und gegen Zombies kämpft und die erschießt, herausfindet, die Zombies greifen ihn nur an, weil er rumzieht und sie erschießt. Er ist das Monster. Die Zombies sind die Guten und die fragen sich die ganze Zeit, warum greift der uns an? Der muss uns doch endlich mal in Ruhe lassen. Wir müssen jetzt zu seinem Haus gehen und er muss verstehen, dass er uns in Ruhe lassen soll. Und er schließt immer weiter auf sie. Und das erkennt er. Und ich weiß nicht mehr, ob er sich dann umbringt oder ob er das einfach akzeptiert. Aber die Hauptaussage des Romans ist, der Mensch... Ist wirklich der Böse. Und die Zombies sind jetzt die, die die Welt beherrschen. Und du bist der Außenseiter. Du bist das Monster. Du bist der Werwolf. Du bist Frankensteins Monster.
Johannes Franke: Geilo.
Florian Bayer: Das macht halt, die Filme machen das halt nicht.
Johannes Franke: Ah, wie schade ist das denn? Ach man. Okay, okay, okay. Wir müssen einen Film drehen.
Florian Bayer: Nicht noch eine I am Legend Verfilmung. Okay.
Johannes Franke: Ja, also ich habe sozusagen sowieso nicht so wahnsinnig viele Zombie-Filme gesehen, die ich gut fand. Und der ist einfach wirklich der Beste, weil er auch gar nicht so sehr... eben dieses Zombie-Trope zu sehr nach vorne gestellt und auch gar nicht so splatterig ist, sondern einfach wirklich... diese Themen nach vorne stellte, wie wir gerade eine Stunde lang, anderthalb Stunden lang besprochen haben. Also guter Film, er hat viele seltsame Entscheidungen auch, weil die einfach intelligente Leute mit dummen Entscheidungen, was du am Anfang gesagt hattest, das hat mich sehr gestört. Aber gut, ich finde, dass, und jetzt kommen wir zum eigentlichen Fazit, dass diese Kamera, die DV-Kamera, dazu führt, dass ich ihm alles Mögliche verzeihe, Weil er es schafft, in meinem Kopf einen Film herzustellen, der völlig Rock'n'Roll und Over the Place sein darf. Weil die Kamera das schon macht. Weil das ganze Konzept so ist, dass man denkt, ja, der könnte jetzt auch einmal... sich irgendwo anders hinbeamen und da dann weiterspielen, ist mir vollkommen wurscht, weil er so rough ist.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Dass ich ihm so viel verzeihe und dass mir auch egal ist, ob der dann in Rage ist und das überhaupt keinen Sinn ergibt. Ich denke darüber erst im Nachhinein nach. Nicht während ich den Film gucke. Und der Film entsteht ja, während ich den Film gucke. Ich muss ja nicht im Grunde, nur für den Podcast habe ich jetzt angefangen darüber nachzudenken, aber eigentlich hätte ich den Film auch einfach genießen können und sagen können, ja, das war ein Film. Und es war ein guter Film.
Florian Bayer: Ja, das freut mich. Ich liebe Zombiefilme und ich glaube... Und ich mag die klassischen Zombie-Filme. Ich liebe George Romero. Alle George Romero-Filme sind großartig. Ich mag die langsamen Zombies. Ich finde ganz oft Schnelle Zombies sind eine faule Entscheidung, weil die Leute, die den Film gemacht haben, es nicht hingekriegt haben, irgendwie anders Spannung zu erzeugen. Geschwindigkeit in die Bedrohung bauen. Und trotzdem glaube ich, dass das hier der beste Zombiefilm ist, auch wenn es Infizierte sind. Es ist alles drin, was zum Zombiefilm dazugehört. Es sind halt schnelle Zombies, aber es ist ein Zombiefilm, ganz einfach. Eindeutig. Ich glaube, es ist der beste Zombiefilm. Auf jeden Fall. Ja, also es freut mich, dass er dir gefallen hat und Ja, er ist vollkommen zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen. Er hat ja auch gut Geld gemacht.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Unglaublich lukrativ. Acht Millionen hat er gekostet. Ja. Eingespielt, das hat er verdient.
Johannes Franke: Wie viel hat er eigentlich spielt nochmal laut?
Florian Bayer: 85 Millionen.
Johannes Franke: 85 Millionen. Gegen 8 Millionen Produktionskosten. Es ist schon krass.
Florian Bayer: Sehr viel Liebe steckt in diesem Film, sehr viel Blick für Ängste und für Wünsche und Sehnsüchte und sehr viel Blick für den Menschen. Und deswegen hat er vielleicht auch ein bisschen das, was Zombie-Filme, die danach gekommen sind, oft nicht mehr haben und was auch Walking Dead oft nicht mehr hat, Herz.
Johannes Franke: Ja, okay, verstehe, was du meinst. Ja.
Florian Bayer: Und nicht das Herz im Sinne von die Brust wird aufgerissen und irgendjemand frisst das Herz. Das haben Zombie-Filme oft genug.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Johannes, danke dir, dass du mir diesen Film vorgeschlagen hast. Toll, dass er dir gefallen hat und danke, dass du so viel darüber geredest und dir so viel Gedanken darüber gemacht hast, obwohl es eigentlich Also, eigentlich nicht dein Genre war, aber du hast so viel gefunden, das freut mich sehr. Leute, wenn ihr wissen wollt, wie wir uns nächste Woche gegenseitig die Eier schaukeln, dann... bleibt noch kurz dran, nämlich für nächste Woche wird Johannes mir eine Aufgabe aufgeben.
Johannes Franke: Du darfst gespannt sein.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt. Bis dahin euch eine schöne Woche und... Bleibt gesund und nicht infiziert. Und guten Rutsch ins neue Jahr, denke ich, weil ich glaube, wir sind in der letzten Episode in diesem Jahr.
Johannes Franke: Echt? Ja. Stimmt. Also nehmt euch was vor, nämlich das sowieso alles hinzuschmeißen, was ihr euch vornimmt.
Florian Bayer: Die Apokalypse kommt, früher oder später.
Johannes Franke: Preppt euch, preppt euch. Okay, damit möchte ich enden. Okay, sehr schön. Na dann, viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Bis dann, ciao. So, Plur, wir machen es relativ kurz und schmerzlos.
Florian Bayer: Ja, womit starten wir ins neue Jahr?
Johannes Franke: Wir starten ins neue Jahr. neue Jahr mit einem Doris-Day-Film, weil ich habe nicht einen einzigen Doris-Day-Film gesehen, bewusst. Also als Kind bestimmt, keine Ahnung, weil ich traue es meinen Eltern voll zu, meinen Großeltern voll zu, dass sie das viel geguckt haben. wo ich das als Kind davor gesessen habe. Aber ich glaube, ich habe noch nie richtig bewusst und mit so einem Gefühl von... Ist dieser Film gut? Ist der Film schlecht? Was für Themen behandelt dieser Film? Einen Film mit Doris Day geguckt und das ist sehr seltsam, weil ich die 60er Jahre Filme total geil finde.
Florian Bayer: Ja, und Doris Day ist ja eigentlich so von alles, was so Bilder betrifft und Mode und Accessoires und so. Ja, es ist die Ikone. Aber spannend, ja.
Johannes Franke: Und deswegen möchte ich mit dir einen Doris Day Film gucken und wir haben jetzt auch vorhin ein bisschen darüber gesprochen, was wir denn überhaupt nehmen können für einen Doris Day Film. Und ich hab keine Ahnung, was muss man gucken? Was muss man von dem ganzen Oeuvre gucken? Es scheint ja viel zu sein.
Florian Bayer: Jetzt Full Disclosure, ich habe einen Titel reingeworfen.
Johannes Franke: Du hast den Titel reingeworfen, Spion in Spitzenhöschen. Und im Englischen heißt er wohl The Glass Bottom Boat. Ja. Keine Ahnung, welcher der beiden Titel mehr mit dem Film zu tun hatte.
Florian Bayer: Ich habe sehr schwammige Erinnerungen an diesen Film, den ich als Kind geguckt habe. Und zwar nicht nur einmal, glaube ich. Oh, okay. Ja, warum eigentlich? Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich glaube, ich habe den ein- oder zweimal gesehen, vielleicht sogar öfter. Ich habe schwammige Erinnerungen an irgendwas, also Doris Day auf jeden Fall so lieb und gut aussehend, aber irgendwie Science Fiction. Ich will nichts Falsches sagen. Sehr schwammige Erinnerungen. Ich freue mich total, weil ich meine mich zu erinnern, dass ich den Film mochte als Kind.
Johannes Franke: Jetzt haben wir wenigstens mal wieder einen Film, den wir beide nicht so wirklich kennen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also, wobei das Konzept unseres Podcasts ja eigentlich anders ist, aber egal. Ich muss einfach diesen Film mal sehen.
Florian Bayer: Wir müssen ganz viel über Doris Day reden, über die 60er und über die Wunderschöne. Wunderschöne, gute alte Zeit im guten alten Studio Hollywood wahrscheinlich.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich, genau.
Florian Bayer: Bis dahin. Sehr schön. Schöne Woche euch, bis dann. Ciao. Ciao.
