Episode 106: Full Metal Jacket – Die Möglichkeiten und Grenzen des Antikriegsfilms
Stanley Kubricks Full Metal Jacket aus dem Jahr 1987 ist ein Film über die Ausbildung von amerikanischen Soldaten in den 60er Jahren und deren anschließenden Erlebnisse im Vietnamkrieg. Im ersten Teil erzählt er von den harten Bedingungen, unter denen die jungen Soldaten in South Carolina auf den Krieg vorbereitet werden. Während der clevere James, Nickname Joker, sich schnell an die Anforderungen des kommandierenden Ausbilders Sergeant Hartman anpassen kann, wird das Camp für Leonard, Nickname Pyle zur Hölle: Schikaniert und gedemütigt von Hartman, ausgegrenzt und schließlich gequält von seinen vermeintlichen Kameraden wird der einfache junge Mann zur tickenden Zeitbombe, die in einem Gewaltrausch explodiert.
Aber so schrecklich die Ausbildung ist, der Kriegsschauplatz in Indochina ist nicht weniger als die Hölle auf Erden. Joker, eigentlich als Kriegsreporter unterwegs, verschlägt es an die Front von Huế, wo er im Kampf gegen die vietnamesischen Guerrila erleben muss, wie den fertig ausgebildeten Soldaten auch noch das letzte Stück Menschlichkeit ausgetrieben wird… auch ihm selbst.
Full Metal Jacket gilt neben Francis Ford Coppolas Apocalypse Now als bester Vietnamfilm überhaupt: Erbarmungslos, direkt… und doch… ja selbst unter den genialen Händen von Stanley Kubrick unter dem Problem leidend, das alle Antikriegsfilme mit sich rumschleppen: Allzu leicht von dem fasziniert zu sein, was sie eigentlich anklagen wollen. Oder was denkst du Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 106: Full Metal Jacket – Die Möglichkeiten und Grenzen des Antikriegsfilms Publishing Date: 2023-01-11T18:46:19+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/01/11/episode-106-full-metal-jacket-die-moeglichkeiten-und-grenzen-des-antikriegsfilms/
Florian Bayer: Mit einem naiven Blick ist das auch irgendwie unterhaltsam. Ja, okay, okay, ich verstehe, ja, ich verstehe, was du meinst. Und ich weiß, dass der Film das nicht will und der Film erreicht das auch Gott sei Dank nicht mehr bei mir, aber ich kann auch die Perspektive von meinem jüngeren Ich, dass das lustig fand, nachvollziehen. Herzlich willkommen, Plur. Herzlich willkommen, Johannes, und herzlich willkommen, ihr alle, zu einer neuen Episode des Muss-Man-Sehen-Podcasts. Wo wir uns gegenseitig Filme aufgeben und zwingen ihn zu gucken. Jede Woche gibt es eine Hausaufgabe von einem von uns. Wir gucken uns beide den Film an und in der kommenden Woche reden wir dann darüber. Und meine Hausaufgabe für Johannes für die letzte Woche war Full Metal Jacket, weil wir noch nie einen Kriegsfilm hier besprochen haben. Ja, aus gutem Grund, Plur, weil es furchtbar ist. Aber Kriegsfilme, Antikriegsfilme, auch wenn sie oft scheitern, sind ein sehr wichtiges Genre, weil Film einfach die Möglichkeit bietet, auf die Schrecken des Krieges hinzuweisen und die Schrecken des Krieges darzustellen, so wie sie sind. Die Frage, ob das gelingt, ist eine andere und es gelingt sehr oft nicht. Und ich glaube, wir können auch darüber diskutieren, ob es in diesem Film gelungen ist. Aber hier haben wir es mit einem echten Klassiker zu tun, also mal gleich so die Latte hochzulegen. Gilt neben Apocalypse Now von Francis Ford Coppola als der beste Film zum Vietnamkrieg und taucht auch regelmäßig in Listen von besten Kriegsfilmen auf, auch ganz weit oben. Mal schauen, woran es liegt und ich freue mich sehr auf die Diskussion mit dir, weil wir sind beide eigentlich keine Genrefreunde, wir sind beide keine Freunde des Kriegsfilms. Ja, das ist immer so ein bisschen dieses Eulen nach Athen tragen Ding, ne? Die Leute, die sich Kriegsfilme anschauen und sagen, Gott, jetzt wird uns nochmal bewusst, wie schlimm Krieg ist. Das sind eigentlich nicht die, die die Kriegsfilme schauen sollten, sondern eher die, die sagen, Krieg ist geil. Oder die den Film gucken und danach sagen, geil, Krieg ist toll. Und ich glaube, auch bei diesem Film findet man diese Leute, leider. Ja, wir reden über Stanley Kubrick, über den Vietnamkrieg, über Struktur von Filmen. Oh, okay. Aber wir reden auch über die Schrecken des Krieges, weil da kommt man einfach in dieser Episode nicht dran vorbei. Und ich habe einen kleinen Text vorbereitet. Soll ich mal einsteigen damit? Wir sind ja immer gut vorbereitet. Also ich habe hier mein Dokument klar strukturiert liegen. Und da steht Punkt 1, Stanley Kubrick, Punkt 2, Vietnamkrieg, Punkt 3. Auch der Film soll kurz erwähnt werden. So ungefähr. Und am Schluss streite ich mich dann mit Johannes darüber, ob es sinnvoll ist, über Wrestling zu reden. Und ob Coca-Cola denn nun besser ist als Pepsi-Cola. Ja, sollten wir vielleicht in den Text einsteigen, Plur. Viel Spaß damit. Danke. Bis gleich. Stanley Kubricks Full Metal Jacket aus dem Jahr 1987 ist ein Film über die Ausbildung von amerikanischen Soldaten in den 60er Jahren und deren anschließenden Erlebnisse im Vietnamkrieg. Im ersten Teil erzählt er von den harten Bedingungen, unter denen die jungen Soldaten in South Carolina auf den Krieg vorbereitet werden. Während der clevere James, Spitzname Joker, sich schnell an die Anforderungen des kommandierenden Ausbilders Sergeant Hartman anpassen kann, wird das Camp für Leonard, Spitzname Pyle, zur Hölle. Schikaniert und gedemütigt von Hartman, ausgegrenzt und schließlich gequält von seinen vermeintlichen Kameraden, wird der einfache junge Mann zur tickenden Zeitbombe, die in einem Gewaltrausch explodiert. Aber so schrecklich die Ausbildung ist, der Kriegsschauplatz in Indochina ist nicht weniger als die Hölle auf Erden. Joker, eigentlich als Kriegsreporter unterwegs, verschlägt es an die Front von Hue, wo er im Kampf gegen die vietnamesischen Guerilla erleben muss, wie den fertig ausgebildeten Soldaten auch doch das letzte Stück Menschlichkeit ausgetrieben wird. Auch ihm selbst. Full Metal Jacket gilt neben Francis Ford Coppola's Apocalypse Now als bester Vietnam-Film überhaupt. Erbarmungslos? Direkt? Und doch? Ja, selbst unter den genialen Händen von Stanley Kubrick, unter dem Problem leidend, dass alle Antikriegsfilme mit sich rumschleppten. Allzu leicht von dem fasziniert zu sein, was sie eigentlich anklagen wollen. Oder? Was denkst du, Johannes? Vielleicht nicht so direkt, aber ich bin bei dir, wenn ich den Film sehe, denke ich nochmal, oh krass, ja, dem gelingt es wirklich, einem in den Magen zu schlagen und zu zeigen, das ist alles Kacke. Und dann habe ich zumindest in diesem Fall wieder den Fehler gemacht, mich so ein bisschen damit auseinanderzusetzen, was sagt denn die Welt da draußen über diesen Film? Nee, großer Fehler. Für diesen Podcast wirst du doch wohl nicht recherchieren. Und dann hört man Podcasts und guckt sich Videos an, wo Leute über den Film reden. Und dann stellt man fest, wie schnell Leute von, oh, das ist alles so schrecklich, was da gezeigt wird, rüberwandern zu einer kindlichen Begeisterung über diese lustigen Sprüche, die der Sergeant Hartman raushaut. Ach, zur Scheiße. Und zu einer großen Begeisterung dafür, wie cool das ist, wenn die Rock'n'Roll Musik läuft, Surfenbird und die Kamera vorbeifährt an Soldaten, die da so gelangweilt sitzen oder gerade irgendwas erschießen und so weiter. Und wie schnell die Leute fasziniert sind von, eben genau von diesem harten Drill, der gezeigt wird, wie die Leute einfach mal sagen, hey, und Hartman ist voll erfolgreich, Peil wird am Schluss zu genau dem, was er werden sollte. Ja, gut. Und das aber nicht mit dieser ironischen, dekonstruktiven Unterbrechung sagen, sondern das wirklich ernst meinen und wirklich total davon begeistert sind, was die Ausbildung schafft, aus den Leuten rauszuholen. Und ja, dieser Hartman ist hart und der ist fies. Und ja, vielleicht soll der nicht so ein rassistisches Arschloch sein und so ein homophobes Drecksstück. Aber hey, er ist erfolgreich. Er bereitet sie auf die Hölle auf Erden vor. Das sind O-Töne, die ich mehrmals gehört habe in der Rezeption dieses Films. What the fuck. Nein, aber überhaupt nicht. Aber wenn es so oft so rezipiert wird, dann muss man diesem Kunstwerk die Fragen stellen, machst du es vielleicht doch, auch wenn es nicht intendiert war. Ich bin 100 Prozent davon überzeugt, Stanley Kubrick hat diesen Film gedreht und wollte die Schrecken des Krieges zeigen. Er hat ein ganz klares Ziel. Er wollte ganz klar darstellen, dass die Ausbildung, die die genießen, schrecklich ist, dass Hartmann schrecklich ist, dass das die Menschen kaputt macht, dass der Krieg die Hölle auf Erden ist. Das wollte er alles. Naja, mal schauen. Lasst uns mal gucken, wenn wir so reingehen. Ich glaube, es gibt zumindest Sachen, wo das reingelesen werden kann. Nicht, dass es intendiert ist von dem Werk selbst, aber wo man das vielleicht finden kann. Okay, wir haben einen interessanten Take gerade. Johannes verteidigt den Film, den ich ihm vorgeschlagen habe. Wo er in den letzten Wochen noch meinte, oh nein, bitte kein Antikriegsfilm, kein Kriegsfilm, ich will sowas nicht sehen. Also der Film scheint dir gefallen zu haben oder dich bewegt zu haben. Was ja ein spannender Kontrast ist, mit dem sehr viele Antikriegsfilme auch gerade aus Vietnam arbeiten, weil das natürlich auch die Zeit der Hippie-Bewegung war. Die Zeit ist Rock'n'Roll. Und ich meine, Good Morning Vietnam so als krassestes Beispiel erzählt von einem Radiosender, der Rock'n'Roll spielt, während der Vietnamkrieg tobt. Und da gibt es auch so eine ganz krasse Szene, wo das meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist, wo sie Louis Armstrong Wonderful World spielen, während ein Napalm-Angriff gezeigt wird, glaube ich. Oder der Überfall von einer Armee auf ein Dorf. Und auf jeden Fall, sie sehen Menschen sterben und dann läuft halt dieses What a Wonderful World im Hintergrund. Und da funktioniert das hervorragend, weil es einfach so offensichtlich ist und so auf die Fresse. Während hier haben wir die coole Musik natürlich immer in den Szenen, in denen jetzt nichts direkt Schreckliches passiert. Also wir haben diesen krassen Übergang mit Nancy Sinatra zwischen Teil 1 und Teil 2, wo es halt auch schon irgendwie cool ist. Dann hast du diese Straßenszene in diesem Dorf, in dem sie gerade sind und dann sitzen sie da lässig entspannt an der Bar und alles übrigens in fucking England gedreht. Ja, ja, ja, genau. Meine Güte. Und das Krasse ist England. Ihr wisst, wie das Wetter in England ist. Also entweder ist es verregnet oder es ist Nebel. Du siehst diese Szenen, wenn du es nicht weißt, du glaubst nicht, dass das in England gedreht wurde. Überhaupt nicht. Ich kaufe dem jederzeit ab, dass wir uns mitten in Vietnam befinden. Und trotzdem ist es voll zu Meme geworden. Sie kommt dann ja zu ihnen und sagt so, me making love, long, all night long. Me horny, me horny. Me horny. Und das wurde ja verarbeitet in Anfang der 90er Jahre in Songs, gesampelt und gemixt und so weiter. Also da merkt man schon, dass es so eine infantile Begeisterung für diese Sätze gibt. Also ganz viel von dem, was gesagt wird in dem Film, hat Kultstatus erlangt. Und dazu gehört natürlich vor allem im ersten Teil die Art, wie unser Hartmann, der Drill-Instructor, der Sergeant, wie der mit den Rekruten umgeht. Von Ronald Lee Ermey gespielt und witzigerweise, er war eigentlich nur als Berater verpflichtet worden, weil er halt das kannte, weil er aus der Armee kam. Er war selber Drill-Instructor, ne? Genau. Und eigentlich sollte die Rolle jemand anderes spielen, und zwar Tim Calkery. Ja, dem ist es nicht so wirklich gelungen, als so bei den Proben zu improvisieren und so ein bisschen was rauszuhauen. Und dann hat Kubrick gesagt, na, Ermey, zeig ihm mal, was so geht. Ja. Und Ermey hat dann einen nach dem anderen rausgehauen, weil der einfach die ganzen Sachen kannte. Und war so überzeugend, dass Kubrick gesagt hat, okay, schreib mir mal ein paar von den Sachen auf, ich brauch die. Ja, ja, ja. Und dann hat Ermey geschrieben, und zwar unfassbar viel. Er hat eben zeilenweise Beleidigungen geschrieben, wie man so Rekruten fertig machen kann. Und Kubrick war davon so angetan, hat gesagt, okay, ich hab hier ganz eindeutig meinen Hartmann. Genau, der spielt dann in der Vietnamszene, spielt er einen Scharfschützen in einem Helikopter, der einfach Zivilisten erschießt. Ja, vielen Dank, viel Zucker bitte. Ist das schon genug oder willst du noch mehr? Ein bisschen mehr noch. Oh, da kommt noch mehr, okay. Danke dir. Und aber es wird auch kolportiert, dass Ermey wohl ziemlich viel dafür geworben hat, dass er die Rolle kriegt. Also er wollte die Rolle auch. Also offensichtlich gab's da auch so ein bisschen intrigantes Verhalten hinter den Kulissen. Oh oh. Aber Gott sei Dank hat er sie gekriegt, weil er ist einfach mal so verdammt überzeugend. Ja, krass. Das ist halt auch sowas. Also es gibt Leute, die sind davon einfach begeistert, weil er haut halt so seine Sätze raus, wo er sie auf diverse Arten beleidigt. Meistens irgendwie sexistisch, misogyn, homophob, rassistisch. Während er sagt, von mir sind alle gleich, bei mir gibt es keine N-Wort bitte einfügen. Und ich habe nichts gegen die und nichts gegen die. Und dann macht er die Leute aber genau anhand von ihren Stereotypen fertig. Und er nennt den schwarzen Snowball und er macht sich über den Texaner lustig, weil er sagt, aus Texas kommen nur Schimpfwort gegen Homosexuelle bitte hier einfügen. Und ja, so geht es die ganze Zeit weiter. Also es ist einfach mal, er arbeitet sehr viel mit Sexismus und Homophobie. Übrigens, es war im Film letzten Endes dann nichts improvisiert, auch wenn das gerne vermutet wird. Die Lions waren alle von ihm aufgeschrieben. Er hat einfach das perfekt wiedergegeben, was er wiedergeben sollte. Ohne dass viele Takes gemacht werden mussten. Von ein, zwei Ausnahmen abgesehen. Aber der hat viel gespielt. Der hat also wirklich auch eine lange Filmografie. Er hat auch in Apocalypse Now mitgespielt. Frag mich jetzt nicht genau, welche Rolle. Und Full Metal Shacket war nicht sein erster Film. Also er war schon seit den späten 70ern als Schauspieler unterwegs. Er kann auch mehr als nur den Soldaten spielen. Also ich hab ihn zum Beispiel aus Mississippi Burning in Erinnerung, wo er auch einen Rassisten spielt. Und das wirklich ziemlich überzeugend macht. Einen rassistischen Sheriff spielt er da, glaube ich. Ja. Es ist auf jeden Fall jemand, der wirklich gut spielen kann. Der vielleicht ein bisschen klar auf bestimmte Rollen gecastet wird, weil er einfach auch eine riesige Gestalt ist. Und einfach schon sowas Erschreckendes, Großes und Starkes an sich hat. Dabei ist er gar nicht so groß. Er ist halt muskulös und er weiß halt, wie man steht und wie man Ehrfurcht einflößt. Und dann ist diese Rolle, um das gleich mal mit reinzubringen, ist ja echt krass. Also Ermi selbst hat gesagt, was die Rolle macht, das hab ich so nicht erlebt. Ermi hat seine Erfahrungen von der Soldatenausbildung mit eingebracht und hat gesagt, dass die Instruktors so gewalttätig werden gegen Rekruten. Und das hab ich so nicht erlebt. Das hab ich auch in der Zeit des Vietnamkrieges nicht erlebt. Und wir haben hier ja mehrere Szenen, wo Hartmann nicht nur psychisch die Kadetten fertig macht, sondern auch physisch. Also er schlägt Joker gleich am Anfang in den Magen. Und kurz darauf zwingt er Pyle, sich zu würgen mit seiner Hand. Es gibt wahrscheinlich so die ganze Bandbreite von, wie die Schleifer ihren Job interpretieren und wie sie glauben, am besten den Kadetten helfen zu können. Weil, um kurz in deren Perspektive zu gehen, ja, du bereitest hier Leute auf den Krieg vor, du warst selbst im Krieg. Also wir sehen auch, dass dieser Hartmann selbst im Krieg war, der trägt die Vietnam-Orden. Die zeigen, er war irgendwie im Kampf, er hat eine Campaign Medal und eine Service Medal. Also er hat offensichtlich im Krieg gedient. Sie wissen, der Krieg ist die Hölle auf Erden. Nein, du bist abhängig von deinen Kameraden, du musst dich auf sie verlassen können. Ich muss alles machen, um aus denen Soldaten zu machen, die dazu in der Lage sind, das Leben ihrer Kameraden zu schützen und zu kämpfen. Aber um das nochmal zu betonen, also, Ermi selbst hat gesagt, er hat das immer so gesehen, dass Hartmann ein Beispiel dafür ist, wie ein Trill-Instructor auf keinen Fall seine Arbeit tun sollte. Es ist kein Vorbild, weil er macht, er arbeitet halt mit den Mitteln, die die anderen wirklich psychisch und physisch fertig machen, seine Auszubildenden. Und die Frage nach dem Erfolg kann dann natürlich gestellt werden. Also offensichtlich schafft er es, aus Joker das Beste rauszuholen. Man merkt auch, er ist, das ist ein intelligenter Ausbilder, der weiß, er muss die Leute unterschiedlich anpacken. Und er merkt, okay, Joker ist aufmüpfig, Joker ist rebellisch, Joker ist so jemand, der eine große Klappe hat. Den kriege ich am besten eingefangen, indem ich ihn irgendwie, naja, indem ich ihm Respekt zolle. Weil das macht er, es gibt eigentlich so schon sehr früh diesen Punkt, wo man merkt, dass er Joker irgendwie respektiert. Oder das zumindest zeigt nach außen, bis hin zu dem Punkt, wo wir diese Szene haben, wo er Joker fragt, glauben Sie an die Jungfrau Maria? Und Joker sagt nein, dann schlägt er ihn und sagt dann, was, was, sag nochmal und dann ist Joker einfach clever und findet die richtigen Worte. Und dann sagt Hartmann, okay, du hast, ah ja, du bist ab sofort mein, du bist ab sofort der Squadleader hier. Und dann bei Pyle denkt er ja offensichtlich, okay, das ist ein totaler Depp, der kriegt gar nichts auf die Reihe, der ist in allem schlecht. Den kann ich nur gewinnen, indem ich ihn breche. Und es gibt dann ja von Anfang an eigentlich ganz klar die Motivation, alles, was er macht in dieser Ausbildung, Pyle betreffend, ist, um den kaputt zu machen, um den fertig zu machen. Und zwar zum, zuerst quasi er allein gegen Pyle, aber dann gibt es ja diesen Bruch, wo er Pyle so bestraft, dass klar ist, dass er die anderen im Squad gegen ihn aufbringt. Ja, das ist das perfideste überhaupt. Das ist so übel, das ist einfach Mobbing, das ist einfach Bullying. Natürlich. Das ist so was, was gar nicht geht in der Ausbildung, was total absurd ist, dass er sagt, okay, Pyle hat versagt, Leute, ich bestrafe euch jetzt. Jedes Mal, wenn Pyle Scheiße baut, werdet ihr alle bestraft und es ist so ganz klar, dass es gar nicht darum geht, sie zu bestrafen, sondern sie so wütend zu machen, dass sie die Bestrafung von Pyle übernehmen und weil er glaubt, damit Erfolg zu haben. Ich kenne mich so wenig aus mit Militär, aber haben die nicht scharfe Munition in ihren, also sie haben ja alle so diese Kids unter ihrem Bett stehen, ist da nicht scharfe Munition drin? Ich finde es merkwürdig, dir diese Frage zu stellen, aber du warst auch nicht beim Militär, oder? Nein, aber ich war beim Film. Ganz kurz für alle Militärangehörige, die eventuell sauer auf uns werden könnten, hier reden zwei Zivilisten miteinander. Ich habe Zivildienst gemacht. Ich nicht mal das. Johannes hat nicht mal Zivildienst gemacht. Wurdest du ausgemustert? Ja. Und hast du, was hast du gemacht, um ausgemustert zu werden? Oh nein, diese Geschichte. Das ist spannend, das will ich hören. Ja, ja. Also ich fand die Musterung auch nicht geil. Für mich war die nicht irgendwie schlimm oder so, aber ich fand es auch ätzend. Ich war T2 dann am Schluss. Ich kann mich erinnern, dass viele so, also die, die es darauf angelegt haben, in meinem Jahrgang, die haben es geschafft, ausgemustert zu werden. Wirklich Leute, die sportlich waren, wo ich es einfach wusste, die dann irgendwelche Verletzungen hervorgekramt haben, die 70 Prozent aller Menschen haben. Ich habe so eine Kniefehlstellung vom Arzt bescheinigt und es war so klar, da haben sie irgendwie Geld auf den Tisch gelegt und der Arzt hat ihnen irgendwas geschrieben, was so jeder hat. Aber ich bin durch die Musterung durch, ich habe T2 gekriegt und ich habe dann auch Zivildienst gemacht. Was aber auch schon vorher klar war und ich habe es nicht darauf angelegt, ausgemustert zu werden. Das war halt auch so ein Jahr vom Abi und ich wusste auch schon, oh, ist eigentlich ganz geil, wenn ich danach noch so ein bisschen Zeit habe, um zu überlegen. Und ich bin auch ganz froh, dass ich Zivildienst gemacht habe. Insofern, alles gut. Was auch total nachvollziehbar ist, weil eins ist klar beim Militär und das sehen wir auch in der Ausbildung von Martin Jacket, dein eigenes Zeug machst du nicht. Du wirst komplett deiner Individualität beraubt. Die meisten sind sehr unglücklich, die meisten sind wirklich unglücklich, weißt du auch warum? Ja, weil sie wirklich die Haare geschoren bekommen haben. Und nicht nur das, es war die letzte Szene, die gedreht wurde. Die hatten für die Kriegs, die hatten für die Bilder aus dem Krieg, hatten die alle schon wieder ihre langen Haare. Ach so. Beziehungsweise haben, einige waren einfach schon draußen, weil die in den Kriegsszenen nicht vorkommen. Ja. Und dann war das die letzte Szene, die gedreht wurde und dann haben die denen nochmal die Haare abrasiert, nachdem sie, nachdem sie davor, ein halbes Jahr davor oder so diese Zähnen gedreht hatten und jede Woche die Haare gekriegt haben. Alle waren wahrscheinlich glücklich, dass sie endlich wieder Haare hatten. Und dann hat Stanley gesagt, so Leute, ihr rückt jetzt nochmal an, wir müssen jetzt noch eine Szene drehen, die brauchen wir für den Anfang des Films. Shit. Und dann sitzen sie alle da leidend und wir sehen 60er Jahre, 70er Jahre Matten, die haben alle lange Haare und alle coole Frisuren und die werden runtergesäbelt zu wunderschöner Musik. Popreferenzen, ne? Kubrick steht in diesem Film drauf. Nicht so, also woran ich immer denken muss, ist Clockwork Orange, wo wir die Singer in the Rain Szene haben. Oh ja. Ja, bei Dr. Seltsam gibt es auch so ein bisschen was, aber es stimmt, man nimmt Kubrick eigentlich nicht als so einen verspielten Popfreund wahr, ne? Ja, es hat auch so ein bisschen so einen schrägen Humor, diese Szene, aber der Humor wird dann ja schnell aufgelöst, weil wenn wir Hartmann sehen und wenn wir die Soldaten sehen, auch nochmal gleich in der ersten Szene, wenn sie so aufgestellt sind, extra so gedreht, dass die alle im Fokus sind. Kubrick wollte sich nicht auf einen Soldaten konzentrieren und es ist auch noch nicht so ganz klar, wer denn jetzt überhaupt unser Protagonist ist. Ja. Und dass Joker der Protagonist sein soll, ist auch nicht so wirklich klar. Also ihm wird zwar ein bisschen Zeit gewidmet, also er und Pyle, es wird schon ziemlich klar, dass er und Pyle wohl eine etwas größere Geschichte kriegen, aber dann am ehesten Pyle tatsächlich und Joker ist halt auch einfach nur einer von denen, die angeschrien werden. Ja. Ganz interessant übrigens Pyle, um vielleicht nochmal zu dessen Acting zu kommen, dass Vincent D'Onofrio hat sich für diese Rolle fett angefressen. Oh Gott, ja stimmt. Und damals bis zum Jahr 2020 oder sowas tatsächlich die größte Gewichtszunahme für einen Film. Davor war die Referenz Robert De Niro in Raging Bull und das ist auch das, was immer genannt wird, so als Referenz, wo man sagt, Schauspieler, die viel gegessen haben, um kräftig, um dick zu werden, um in eine Rolle zu passen. Denkt man immer an ihn. Und Vincent D'Onofrio hat das noch stärker gemacht. Wahnsinn. Und das ist voll der Sportlertyp, ne? Wenn man den sonst sieht, das ist eine Kampfmaschine. Also der ist so, wie er am Schluss als Peil aussieht, nachdem er durch diese Tortur gegangen ist. Leg mal ordentlich zu. Aber er spielt das echt gut. Auch wie die Entwicklung von diesem Peil ist, der wirklich als so minderbemittelter, also er wirkt schon, er ist simpel. Er war sehr kindlich. Er wirkt fast, als ob er eine leichte geistige Behinderung hätte am Anfang, finde ich. Ja, vielleicht, ja. Weil er also zum einen wirklich Probleme hat mit, es ist vielleicht nicht nur die Nervosität, diese Rechts-Links-Schwäche, kann man auch sagen, er hat einfach eine Rechts-Links-Schwäche, aber es sind ja so viele kleine Sachen, die er nicht versteht und die ihm schwerfallen und die auch offensichtlich mehrmals erklärt werden müssen. Und es klappt einfach nicht und wir begegnen ihm halt als erstes debil grinsend und er kann das Grinsen nicht abstellen, weil er das so lustig findet da. Ja. Und ich glaube zumindest, so ein bisschen legt uns der Film hin, dass er irgendeine Art von geistiger Beeinträchtigung hat und dass er allein schon deswegen auch anders behandelt gehört und dass man anders mit ihm umgehen muss, wenn man ihm irgendwie was beibringen will und wenn man ihn irgendwie ausbilden will. Ja. Und dann wird er halt fertig gemacht. Ja, wird er fertig gemacht. Und das ist die erste Hälfte des Films, ne? Ja, angeschrien, beleidigt. Wir haben auch ganz viele Montagen in dieser ersten Filmhälfte und oft, wo wir sehen, wie Soldaten in der Ausbildung verschiedene Dinge machen, ganz klassische Hindernisläufe, Meilenläufe und so weiter. Und dann meistens kombiniert eben mit diesen Bildern von Pyle, der nicht mitkommt, der Probleme hat und sehr schnell aber begleitet von Joker, der offensichtlich immer so ein bisschen die Hilfe für ihn ist, immer so ein bisschen die Unterstützung, schon bevor er diesen Job dezidiert zugewiesen kriegt. Und Joker wird dann ja auch in, wir müssen nochmal drüber reden, wie viel Sinn auf Erzähler machen, weil Joker ist unser Narrator. Ja, stimmt. Also der kriegt am Anfang ein, zwei Sätze, wo er mal als Erzähler was sagt und dann ist er aber weg. Dann ist der Erzähler weg bis zum Ende der ersten Hälfte. Aber er scheint offensichtlich so ein bisschen mehr Empathie zu haben als die anderen, also er wirkt auch irgendwie eher wie so ein Studentenbursche. Ja, ja, genau. Und er hilft dann Joker, er hilft dann Pyle auch ganz oft bei verschiedenen Sachen. Wir sehen, wie er Pyle irgendwie bei dem Meilenlauf irgendwie noch so mitschleppt, obwohl der schon nicht mehr kann. Und wir haben so das Gefühl, er ist eigentlich so der, der noch so ein Stück Empathie hat in dieser Truppe von Leuten, die gerade gedrillt werden, das alles zu verlieren. Ja. Ja. Wir haben ja diese zwei Charaktere, die sich hier entwickeln in diesem ersten Teil. Zum einen Peil, der eben vom dummen Schwächling zur Kampfmaschine wird. Ja, ja. Sehr schön. Richtig gut wie Charles Whitman und Lee Harvey Oswald, die als Referenzen hochgehalten werden. Das ist so krass, das ist wirklich eine harte Szene. Er tritt auf und sagt, hey, wer kennt Charles Whitman, wer kennt Lee Harvey Oswald und man denkt schon, okay, worauf will er hinaus und dann wird klar, er ist total begeistert davon, dass die bei ihren Amokläufen bzw. Attentaten einfach verdammt gut schießen konnten. Und du denkst dir, what the fuck is going on? Und wir sind hier irgendwann Mitte der 60er Jahre, es wird kein Jahr genannt, aber es ist halt, es ist vor der TED-Offensive definitiv, das heißt vor 1968, Kennedy ist noch nicht so lange tot, ne? Kennedy ist wahrscheinlich so zwei, drei Jahre tot und da steht dieser Typ von der Armee und schwärmt für dessen Mörder, einfach weil das ein guter Scharfschütze war. Uah, übel. Dann als zweite Figur, die sich entwickelt, haben wir Joker, der auch eine sehr spannende Entwicklung durchmacht, die subtiler erzählt wird, aber Joker verliert peu à peu seine Empathie und auch sein, er ist so ein kleiner Scherzbold am Anfang und dieser Humor, den wird er den ganzen Film in sich tragen, aber der wird mehr und mehr zum puren Zynismus und auch zum herablassenden Zynismus. Und es gibt so einen großen Bruchpunkt sowohl bei Joker als auch bei Pyle, die zusammenlaufen in dem Fall dann und zwar ist das die, diese Code Red Situation, diese nächtliche Bestrafung der Rekruten, als sie so lange aufgebracht wurden gegen Pyle, dass sie beschließen, sie müssen jetzt was machen und dann wickeln sie die Seife in das Handtuch und halten ihn am Bett fest und schlagen alle mit der Seife auf ihn ein. Und Joker steht da zaudernd, als er das sieht und dann drückt ihm jemand das Ding in die Hand und sagt, so jetzt bist du dran und dann schlägt er am brutalsten, am härtesten und vor allem am öftesten zu von allen. Und das ist echt eine krasse Situation, weil wir merken, das ist der Moment, wo in beiden was bricht, sowohl in Joker als auch Pyle. Also das Opfer wird traumatisiert, der Täter wird traumatisiert und das ist einfach so eine krasse Situation. I'm in a world of shit. Ein Zitat, dem wir am Anfang begegnen und dem wir am Ende wieder begegnen werden, was so ein ganz zentrales Motiv ist, dass die Welt einfach komplett am Abgrund ist und dass sie, sie werden ausgerichtet, um Killer zu sein und nichts anderes. Und insofern ist die Erziehung, die er genossen hat, während dieser Ausbildung natürlich erfolgreich. Er ist am Schluss einfach nur ein Killer, er hat keine Empathie mehr, weder für sich noch für andere und dann erschießt er eben den Hartmann und danach sich selbst. Ja, Rebellion. Das Buch basiert ja, der Film basiert ja auf einem Buch des Shorttimers von Gustav Hesford aus dem Jahr 1979, in dem der seine persönlichen Erfahrungen als Auszubildender bei den Marines verarbeitet. Und bei Hesford ist es wohl so, dass es auch diese Geschichte gibt mit Pyle und die endet auch so. Und in dieser Version, gegen die sich Kubrick entschieden hat anscheinend, offensichtlich, sagt Hartmann im Sterben zu Pyle, ich bin stolz auf dich, Junge. Oh mein Gott. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass es rausgelassen wurde. Es gibt dem Ganzen natürlich nochmal so eine weitere Nuance, macht es vielleicht aber auch ein bisschen platter. Ja, okay. Weil natürlich hat Hartmann das erreicht, was er wollte. Er hat aus Pyle den absoluten Killer gemacht. Pyle ist perfekt geeignet für Vietnam. Pyle ist das Musterbeispiel eines Soldaten, der einfach tötet. Pyle ist der nächste Whitman, der nächste Lee Harvey Oswald. Yay, gut gemacht, Leute. Wahrscheinlich hat er das zu hell auch gesagt. Ich weiß nicht, ob ich das tun kann, Stanley. Los, hell, mach! Wer? Hell? Der Roboter aus, der Computer aus 2001. Billy Wilder hat gesagt, dass, ähm, wenn die, wenn die Paris-Island-Szene, der Film gewesen wäre, der ganze Film, wäre das der beste Film aller Zeiten gewesen. Was? Was? Also er hat es ein bisschen anders formuliert. Er hat gesagt, ähm, genau, doch, er hat gesagt, ähm, wenn es nach dieser Sequenz geendet hätte, wäre das der beste Film aller Zeiten, den ich je gesehen habe. Okay. Was ich ganz spannend finde, was ich ganz interessant finde, äh, weil diese Ausbildungs-Szenen sind auch die berühmten Szenen. Wenn der Film zitiert wird, und das passiert sehr oft, dann ist es meistens die Ausbildung, man hat auch das Gefühl, dass dieser, ähm, Hartmann so ein bisschen einen Benchmark gesetzt hat für, wie stellen wir im Film harte Ausbilder dar in der Armee. Ja, ja. Und sehr oft, äh, verarscht, aber auch sehr oft kopiert, sehr oft zitiert und eben auch mit diesen Momenten, die Leute lustig finden, wenn sie zum Beispiel an Weihnachten Happy Birthday Jesus singen. Das ist irgendwie witzig. Das ist irgendwie putzig. Es passt so Hartmann, dass er sie so Weihnachten feiern lässt. Ja. Und man muss doch kurz schmunzeln, wenn man das sieht, ne? Ja. Aber es ist, es gehört natürlich zu diesem Hartmann, und dieser Hartmann ist natürlich auch irgendwie so eine Verkörperung von, von den militärischen Gedanken. Es wird oft darauf hingewiesen in der Analyse, ich weiß gar nicht, ob man so weit gehen muss, dass es so viele sexuelle Töne gibt. Es gibt ja diese Szene, this is my rifle, this is my gun, wo sie sich einmal ans Gewehr fassen und einmal in den Schritt. Und dann die, ähm, die Sprüche, die Hartmann ihnen entgegenwirft oder die er auch sie aufsagen lässt, die sind ja voll mit sexuellen Anspielungen und Obszönitäten. Also es geht eigentlich die ganze Zeit irgendwie um Sex. Er lässt sie mit seiner Waffe schlafen, sie sollen ihrer Waffe einen Namen geben. Einen Frauennamen. Einen Frauennamen, natürlich, ja. Man kann sich es ja auch vorstellen, wie Leute das zitieren, weil es irgendwie lustig ist, weil sie es lustig finden. Und ich glaube, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war ich 16. Da fand ich das auch witzig, wie der die beleidigt, ne? Wenn man dann hört, wie er die Leute anschreit, dass so mit einem naiven Blick ist das auch irgendwie unterhaltsam. Ja, okay, okay. Ich verstehe. Ja, ich verstehe, was du meinst. Und ich weiß, dass der Film das nicht will. Und der Film erreicht das auch Gott sei Dank nicht mehr bei mir. Aber ich kann auch die Perspektive von meinem Jüngeren, dass das lustig fand, nachvollziehen. Und ich sehe halt, dass sehr viele Leute das lustig finden und unterhaltsam und irgendwie Hartmann auch cool finden. Er hat mir selbst gesagt, er fand es total schockierend, wie viele Leute gesagt haben, ey, dieser Hartmann ist voll cool. Der ist voll geil. Was für ein toller Ausbilder. Rafter Mann. Ich habe festgestellt, als ich die erste Szene jetzt wieder gesehen habe, ich gucke das und denke so, oh, krass, Joker, was ist aus dir geworden? Und bin richtig traurig, wenn wir sehen, wie er mit dieser Prostituierten redet. Total schlimm. Er ist komplett herablassend. Also wirklich, er ist zum richtigen Arschloch geworden. Und du siehst ihn und es ist so traurig, weil du weißt, diese Ausbildung und seine ersten Erlebnisse im Krieg als Reporter, der nie wirklich groß an der Front war, die haben das aus ihm gemacht. Er ist so ein Zyniker geworden und so ein Misanthrop auch. Ja, und dann, aber er trägt die Duality in sich, ne? Ja, ja. Es ist irgendwie, das ist halt auch, es ist erstmal ein Bild, was cool ist, ne? Das ist auch so, was du siehst und denkst so, okay, das ist ein cooles Symbol und irgendwie macht das den Typen auch wieder cool. Dass er an seinem Helm stehen hat, Born to Kill und gleichzeitig auf der Brust das Peace-Zeichen trägt. Und sein Vorgesetzter von der Zeitung sagt dann ja auch zu ihm, ey, was macht das für ein Eindruck, wenn du erschossen wirst und dann hast du das Peace-Zeichen auf der Brust. Ja, genau den richtigen Eindruck, sag ich mal so. Und er, aber es ist ja ironisch, ne? Also das ist vielleicht auch, er ist es bei ihm komplett, bei Joker war schon immer ironisch, aber jetzt ist alles komplett ironisiert. Der trägt das Peace-Zeichen ja nicht einfach als Friedensaktivist. Ich meine, er ist Soldat in fucking Vietnam. Und wir erfahren übrigens auch nie, wie Joker zum Militär gekommen ist, weil das Militär damals in den USA zur Zeit des Vietnamkriegs war ja quasi zweigeteilt. Es gab ja immer noch diese Berufssoldaten und die Wehrpflicht, die wurde ja erst irgendwann so in den 60ern eingeführt, relativ spät. Und dann gab es ja diese Lottery, die gespielt wurde, was total zynisch ist, wo dann die Namen gezogen wurden, wo jeder junge Mann drinsteckt und dann wurden Namen gezogen, wer zum Militärdienst muss. Aber trotzdem waren noch sehr viele Berufssoldaten. Und wir wissen nicht, hat Joker sich freiwillig gemeldet, ist Joker einer von denen, die da gezogen wurden, die eingezogen wurden. Und ja, es wird so, er wird so ein bisschen inszeniert wie so das liberale Gegengewicht zu den ganzen Falken, die einfach nur Vietnamesen erschießen wollen. Aber wir wissen es nicht so genau, weil er halt so ironisch ist, weil er so zynisch ist, dass wir nie genau wissen, wo steht er eigentlich politisch. Also du meinst, wir können dadurch davon ausgehen, dass er sich nicht freiwillig gemeldet hat, sondern dass er eingezogen wurde. Die Frage ist, ob er ins Militär gehen wollte von Anfang an. Weil es sind ja, also ob er zu denen gehört, die gesagt haben, nee, ich will Soldat werden. Ich will für mein Vaterland kämpfen. Das weiß man bei keinem von denen. Alles ist so ironisiert bei ihm. Ich kann ihn, ich finde, man kann ihn irgendwie nicht mehr einschätzen. Und am Anfang, im ersten Teil ist das lustig, weil er halt immer nochmal diese empathischen Momente hat mit Pai. Und hier ist er einfach nur noch ein Zyniker. Und ja, er ist unser Protagonist und wir gehen mit ihm. Und wir drücken auch die Daumen und wir leiden mit ihm und hoffen mit ihm, dass er überlebt und durchkommt. Aber trotzdem sind wir die ganze Zeit, ich finde, wir sind so hin und her gerissen bei ihm. Wie viel ist an ihm echt? Es ist nicht mehr viel echt an ihm. Er hat sich einfach komplett hinter diesem Zynismus zurückgezogen. Ja, aber gleich darauf liefert er sich auch mit dem Animal Mother so ein krasses Sprachduell, wo er so zeigt, ey, ich bin voll der harte Kerl. Und wo so viel Testosteron durch die Luft fliegt, dass jeder Schwule, der vorbeikommen würde, auf der Stelle heterosexuell wäre. Jede Frau würde auf der Stelle ihre Eierstücke verlieren oder schwanger werden, eins von beidem. Also auf jeden Fall Testosteron, überall ist Testosteron. Also, I am become deaf hat Animal Mother auf seinem Halb stehen. Matthew Modine hat Joker in dem Fall besser verstanden als Stanley Kubrick, weil ich finde es grandios, wie die Szene aufgelöst wird. Ja, natürlich. Und es ist einfach, es ist ein Moment, es ist so ein absurder Moment von Kameradschaften. Man merkt, das sind Leute zusammengewürfelt, die nichts miteinander zu tun haben. Ja, ja, ja. Aber trotzdem irgendwie werden sie halt, müssen sie sich jetzt doch zusammenschweißen? Ja, und dann haben wir diesen Moment, Vietnam, also Kämpfe gegen Guerillas und Sprengfallen und die meiner Meinung nach inszenatorisch beste Szene des Films. Und zwar diese Dolly-Szene, wenn wir plötzlich, also sowieso im zweiten Teil, die vierte Wand wird komplett aufgebrochen plötzlich, wenn wir mit dem Kamerateam von den Kriegsberichterstattern an diesem Panorama von Soldaten vorbeifahren und wir haben eine wirklich lange Fahrt an den Soldaten vorbei und die sitzen da und winken zur Kamera, machen Späße. Dann fahren wir an denen vorbei, die nochmal ballern, die ihren Muskeln zeigen und so. Und dazu läuft Surfenbird. Und es ist wirklich hart. Es ist wirklich eine krasse Szene und ja, das ist auch sowas, es ist irgendwie eine unterhaltsame Szene. Ich finde die Szene unglaublich stark inszeniert, weil du auch plötzlich so in das Filmische reingeworfen bist. Also wir wissen vorher schon, Joker ist Kriegsberichterstatter, aber jetzt sehen wir wirklich die Kriegsberichterstatter, die drehen, wir folgen der Kamera. Wir werfen einen Blick über die Kamera und das wird dann ja auch gefolgt noch von diesen Interviewfetzen, die gezeigt werden, wo Joker sagt, I wanna see exotic Vietnam, exotic people and kill them all oder so. Das sagt, glaube ich, Joker. Aber hier sind wir ja plötzlich voll in einem selbstreferenziellen Teil. Das wird ja ganz merkwürdig, genau, es ist schon dokumentarisch, wenn die Leute interviewt werden, aber die gucken plötzlich ganz viel in die Kamera und dann folgen wir dieser Kamera in der Dolly-Szene. Und dann haben wir den Blick auf die Toten, wo wir plötzlich die Soldaten sehen, wie sie nach unten blicken und auch wir sind die Toten, die POV der Toten, die den Soldaten ins Gesicht gucken, die alle nochmal irgendwie so ihre Geschichten erzählen können von irgendwelchen Masturbationen und so. Und es ist schon krass, es ist ein anderer Stil als im ersten Teil. Es wird aufgerissen, ne? Es läuft was anderes ab. Der erste Teil lebt von diesen Kontrasten, einmal diese harten Ansagen von Hartmann und dann diese sehr vielen Montagen, auch die sehr aus der Distanz sind. Wir sehen stilisiert irgendwie Soldaten, wie sie im Sonnenuntergang klettern und Soldaten, wie sie in der Ferne laufen. Und im zweiten Teil werden wir plötzlich reingerissen und wir werden mit der Kamera konfrontiert, wir werden mit den Gesichtern von den Soldaten konfrontiert, ganz viel. Und wir werden auch viel mehr mit den Gedanken von Joker konfrontiert, weil der Offerzähler, der im ersten Teil zwei Sätze hatte, der ist plötzlich da. Der darf uns die ganze Zeit das Geschehen kommentieren. Was passiert hier? Worüber mache ich mir Gedanken? Worüber sollten wir uns Gedanken machen? Dieser Rafter-Mann ist ja jemand, den man sich auch noch so emotional ein bisschen festhalten kann. Also er nimmt fast so ein bisschen die Rolle ein, die Joker oder Pyle, die Kombination im ersten Teil hatten. Weil er muss sich übergeben, wenn sie mit dem Helikopter fliegen und der eine Typ schießt. Joker macht die ganze Zeit Witze, dass er immer auf Rafter-Mann aufpassen muss, weil der eigentlich gar nicht gemacht ist für den Kampf. Während Joker, ja, was ist mit Joker? Also ich meine, wir haben ja diesen Moment dann, wo er der Vietnamesen, die sie alle unter Feuer hält, übrigens auch krass, das ist Realität des Vietnamkriegs. Eine Scharfschützin, jugendlich, 17 vielleicht, hält ein ganzes Platoon auf und bringt wirklich viele Leute um und die kommen überhaupt nicht damit klar und sind komplett überfordert mit ihr, bis sie sie dann erledigen. Und es ist klar, sie wird sterben, sie ist da, sie weiß, sie wird sterben. Natürlich, klar. Und die Frage ist nur, wie viel kann sie mitnehmen, bevor sie stirbt? Und dann haben wir ja diesen wirklich unheimlichen Moment, wo sie sie fast getötet haben und sie liegt da im Sterben und alle stehen um sie rum und Joker gibt ihr dann den Gnadenschuss. Ja, und es fällt ihm schwer. Ja. Wollen sie sie aus Rache da liegen lassen? Weil sie sind ja tierisch wütend auf sie, weil sie ihre Leute umgebracht hat oder ihre Kameraden. Und jetzt haben sie plötzlich den Blick. Und es ist ja krass, er erschießt sie dann und dann sagt ja auch immer jemand im Hintergrund so, wow, Joker, Hardcore oder so. Ja, ja, ja. Und wir sehen seinen Blick und irgendwie sind sie alle beeindruckt davon, dass er sie getötet hat. Ja. Und dass er so hart und kalt ist, aber für ihn war es halt echt hart. Aber er ist ja der Einzige, der menschlich ist in dem Moment. Genau, genau. Er macht ja das Richtige, weil sie ist ja wirklich, sie bittet ja darum, getötet zu werden. Und sie ist ja, sie stirbt einfach. Und wenn man sie jetzt liegen lässt, liegt sie einen Tag da und verblutet langsam und leidet ganz schrecklich. Aber es ist eine krasse Szene, ne? Na, die Frage ist jetzt, wenn der Drill Sergeant am Anfang nicht gewesen wäre, wäre das Vietnam, das sie erlebt haben, dann noch viel schlimmer für sie gewesen? Hat er sie... Wäre es ja viel kürzer gewesen. Viel kürzer, ja. Hat er sie, war seine Vorbereitung vielleicht doch notwendig, weil sie halt irgendwie, weil sie, ich meine, sie werden sowieso alle eine traumatisierte Generation sein, der Krieg macht sie komplett fertig. Und er bereitet sie nur so langsam darauf vor, das, was er macht, ist so ein vorsichtiges Hinarbeiten auf die Hölle, in die sie noch reinrutschen werden? Springen wir mal zum Krieg. Dieser Film macht natürlich wieder was, was sehr viele Antikriegsfilme über Vietnam gemacht haben. Und was ein grundsätzliches Problem des Antikriegsfilms über Vietnam ist, dass die amerikanische Perspektive gezeigt wird und das amerikanische Leiden. Und natürlich haben da verdammt viele Soldaten ihr Leben verloren aus den USA und verdammt viele Soldaten haben gelitten. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, wie die vietnamesische Landbevölkerung, vor allem die südvietnamesische Landbevölkerung unter diesem Krieg leiden musste. Und das wird immer so als der amerikanische Krieg dargestellt und das amerikanische Trauma und ja, das ist es alles. Aber da haben Menschen aus Vietnam gelebt und die haben gelitten und das waren einfache Zivilisten, Bauern, die versucht haben irgendwie rumzukommen. Und die waren plötzlich mit einer fremden Macht konfrontiert, die ihren Vorhof vergiftet hat, ihre Wälder verbrannt hat, in ihre Dörfer eingefallen ist, gemordet und vergewaltigt hat. Und ja, es ist halt, es ist wirklich schade, dass es wenig gibt, wenig filmische Verarbeitung gibt von dem, was die Vietnamesen da erlebt haben und was das für dieses Land für ein Trauma war. Gibt es vietnamesische Filme vielleicht? Gute Frage, sollte man sich mal damit befassen. Es gibt amerikanische Filme, die das ein bisschen machen. Oliver Stone hat in seiner Vietnam-Trilogie zumindest einen Film gedreht, der sich mit dem Schicksal einer Vietnamesin befasst. Zwischen Himmel und Hölle heißt der, die dann in die USA kommt. Leider kenne ich mich mit vietnamesischem Kino überhaupt nicht aus. Springen wir mal ganz kurz rein in die Geschichte. Wollen wir ein Lexikon dafür aufmachen? Machen wir mal das Lexikon auf. Okay, Vietnamkrieg. Zwei Worte vielleicht vorweg. Zum einen, der Vietnamkrieg ist natürlich Teil von einem riesigen Gesamtkomplex, den man als Konflikt in und rund um Indochina bezeichnen könnte. Und ich werde jetzt aber wirklich nur auf Vietnam eingehen. Also es wird alles etwas verkürzt sein. Wir können ja einfach keinen kompletten historischen Recap machen, weil das auch viel zu lange geht. Aber um zumindest mal so die Größe von diesem Konflikt und so die Strukturen von diesem Konflikt zu erklären, ist es, glaube ich, ganz sinnvoll. Wir stützen uns nur auf Vietnam. Und wie gesagt, ich werde das sehr verkürzt machen. Es gibt herausragende Podcasts da draußen, die über den Vietnamkrieg oder über den Indochina-Konflikt reden. Hört da rein. Wenn ihr bei Spotify oder bei irgendeiner anderen Podcast-App Vietnamkrieg eingebt, findet ihr ganz viele tolle, spannende Sachen. Um zumindest zwei zu nennen, die wirklich gut sind. Also zum einen, Don't Forget History hat sich in drei Folgen dem Vietnamkrieg angenommen. Wow. Absolut hörenswert. Und zusätzlich kann ich noch empfehlen, mit ein bisschen mehr Blick auf das, was in den USA passiert ist und wie die USA in Vietnam gekämpft hat und wie das dort rezipiert wurde von Wir sind Geschichte, gibt es eine tolle Folge, die heißt Der Vietnamkrieg als nationales Trauma der USA. Wenn ihr mehr über diesen Konflikt wissen wollt und es lohnt sich wirklich, weil es einfach ein wichtiger Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist, hört da rein. Wir gehen weit zurück in das Jahr 1919 bei der Zufriedenskonferenz von Versailles. Und zwar hat damals ein vietnamesischer Nationalist oder Nationalkämpfer namens Ho Chi Minh, ich werde sehr viele Namen sagen, ich werde mich wirklich bemühen, sie richtig auszusprechen. Ich habe auch bei ganz vielen nochmal Pronouns gegoogelt, das auch nochmal als Disclaimer, also seht es mir bitte nach, wenn es nicht 100% gelingt. Der hat gesagt, hey Mr. Wilson, Präsident der USA damals, ihr habt doch dieses 14-Punkte-Programm und nach diesem 14-Punkte-Programm sollte es doch eigentlich auch ein unabhängiges, vereintes und vor allem demokratisches Vietnam geben. Das macht doch total Sinn, ihr habt da doch stehen, wie Staaten aufgebaut sein sollten, wie die Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg aussehen soll. Und Wilson hat gesagt, ach nee, ich habe Besseres zu tun. Guck mal, ich muss mich hier um Europa kümmern, lass mal Vietnam ein bisschen. Interessiert mich auch gar nicht, wo liegt das überhaupt? Woraufhin Ho Chi Minh angefangen hat, sich für Leninismus zu begeistern, ganz klar. Wie so viele Staaten, die sich nach dem Ersten Weltkrieg von den USA oder von den westlichen Alliierten im Stich gelassen gefühlt haben, gab es einfach eine Begeisterung für den Leninismus und für die Verheißung des internationalen Kommunismus, der freie Länder versprochen hat. Und das ist eigentlich so ein bisschen der Beginn dieser Anlehnung des späteren Nordvietnams an den Kommunismus. Aber Vietnam war erstmal relativ gut mit den USA befreundet, was einfach daran lag, dass Vietnam, das seit 1858 unter französischer Kolonialherrschaft stand, im Zweiten Weltkrieg vom Vichy-Regime verwaltet wurde. Und das Vichy-Regime war ja so der erstreue Teil von Frankreich. Und dementsprechend wurde das von Japan kontrolliert und das heißt, es waren Fremdherrscher da und das waren die Nazis beziehungsweise die Japaner. Und Ho Chi Minh hat sich dagegen aufgelehnt und hat dagegen auch eine Koalition gebildet zur Befreiung von Vietnam. Und diese Gruppe waren die sogenannten Viet Minh. Dieser Name wird im Verlauf der Geschichte noch sehr wichtig sein. Und die wurden von den Amerikanern unterstützt, weil die natürlich gegen die Nazis und gegen Japan waren. Hat vor allem Franklin D. Roosevelt die mit Informationen unterstützt und wohl auch mit Waffen. Nach der Niederlage Japans kam es dann zur sogenannten Augustrevolution und die Viet Minh haben die Demokratische Republik Vietnam ausgerufen. Frankreich fand das voll kacke und hat gesagt, das ist unser Vietnam. Und dann kam es zu einem ziemlich krassen Krieg, dem Indochina-Krieg, einem Unabhängigkeitskrieg der Vietnamesen gegen Frankreich. Und Frankreich hat mit dem früheren Kaiser, weil vor noch längerer Zeit war Vietnam ein Kaiserreich, mit dem Kaiserbau Dai hat Frankreich zusammengearbeitet, um eben gegen diese demokratischen Kräfte zu kämpfen. Aus diesem Konflikt ist Nordvietnam und Südvietnam entstanden. Und zwar haben sich die französischen Kolonialtruppen in den Süden zurückgezogen, während die Viet Minh unter Ho Chi Minh immer noch in Nordvietnam ihren eigenen Staat gegründet haben. Und mithilfe des Kaisers wurde dann der Katholik und ziemliche Despot Noding Diem zum Präsidenten ernannt, unter französischer Obhut sozusagen. Und dann ist auch das passiert, was in so einem Regionalkonflikt oft passiert ist während des Kalten Krieges. Der Norden, der einfach näher an Russland und an China lag, hat sich an Russland und an China orientiert und dementsprechend an Kommunismus, während der Süden sich irgendwie am westlichen Kapitalismus orientiert hat. Und das ist auch den Amerikanern nicht entgangen und die Unterstützung von Ho Chi Minh wurde vor allem unter Harry Truman so in den 50er Jahren dann peu à peu fallen gelassen. Weil gesehen wurde irgendwie, okay, der Norden orientiert sich an den Kommunisten, damit wollen wir nichts zu tun haben, wir stecken jetzt unsere gesamte Kraft in den Süden. Schuld daran ist vor allem die Domino-Theorie von Truman auch in den 50ern entstanden. Die sagte, wenn ein Land, ein kleines Land, sei es noch so klein, an den Kommunismus fällt, dann fallen alle anderen Staaten nach und dann wird alles kommunistisch. Und dann ist das ganze Asien von Kommunisten beherrscht. Die Roten kommen, Hilfe! Und diese Politik hat dazu geführt, dass es so eine ganz klare Präferenz für den damals sehr diktatorisch regierten Süden gab von den USA und die haben die dann auch in dem aufkeimenden Bürgerkrieg unterstützt. Der Bürgerkrieg ist einfach entstanden, weil Ho Chi Minh wusste eigentlich, die Leute wollen ein vereintes Vietnam haben, wie auch immer das aussieht. Hey, lass uns doch Wahlen machen. Und dieser katholische, despotische Präsident, beziehungsweise eher Diktator, könnte man sagen, Noding Diem hat gesagt, oh nee, wir werden diese Wahl verlieren, lass uns die Wahl lieber gar nicht machen. Wo auch aufhin gar keine Wahl stattgefunden hat. Noch schlimmer, dieser Kaiser, Baodai, hat 1955 eine gefälschte Wahl abgehalten mit einem herausragenden Ergebnis von 98 Prozent. Oh Gott! Spoilerwarnung für alle Ereignisse in der Geschichte. Wenn von irgendwem die Zustimmungsraten über 90 Prozent sind, ist diese Wahl wahrscheinlich irgendwie gefälscht. Egal ob das in der DDR war, egal ob das in der Sowjetunion war, egal wo. Das ist meistens kein gutes Zeichen, wenn du 98 Prozent Zustimmung hast. Auf jeden Fall gab es dann in Süden die Republik Vietnam, die eben von diesem Präsidenten Noding Diem diktatorisch regiert wurde. Und im Norden waren die Vietminden, die sich dahin zurückgezogen hatten. Und seit 1955, das gilt so als der Zeitraum, wo der eigentliche Krieg anfängt, gab es Guerillakämpfe im Süden. Und damit, um vielleicht einen ganz großen Mythos aus der Geschichte erstmal so wegzuräumen. Der Vietnamkrieg heißt nicht, dass die USA an Seite von Südvietnam die ganze Zeit den Norden angegriffen hätten. Sondern der Vietnamkrieg hat fast komplett im Süden stattgefunden. Und das lag einfach daran, dass im Süden sehr viele kommunistische Widerstandskämpfer waren. Sehr viele Leute, die sich eher dem Norden zugefügig gefühlt haben. Oder die eigentlich ein geeintes Vietnam wollten. Und die haben sich eher so in den Dörfern und Wäldern gefunden. Während in den Städten waren halt die, die einfach vom Diktator im Griff gehalten wurden. Und der Großteil des Vietnamkriegs ging eigentlich darum, dass die, zuerst die Südvietnamesen, später die Amerikaner, versucht haben, diese Kommunisten aus Südvietnam zu vertreiben. Das heißt, die haben Südvietnam bombardiert. Wenn wir von sowas hören wie Agent Orange und den Napalm-Angriffen und so weiter, dann ging das primär gegen südvietnamesische Dörfer, die außerhalb der großen Städte wie Saigon lagen. Weil sich dort die kommunistischen Verschwörer verstrichen. Und zwar hießen diese kommunistischen Verschwörer, hießen Nationale Front für die Befreiung Südvietnams, der sogenannte NLF. Und das sind auch die Leute, die dann später von den Amerikanern einfach als Vietcong bezeichnet wurden, vietnamesische Kommunisten. Was nicht so 100 Prozent stimmt, weil die NLF war eben nicht nur eine militärische Organisation, sondern das waren einfach Oppositionsgruppen, die versucht haben, so eine Art Parallelgesellschaft im Süden aufzubauen, der am kommunistischen Nordvietnam orientiert war. Das heißt, da gab es Ärzte, Lehrer, Erzieher, Ausbilder und so weiter. Das war einfach so eigentlich ein komplexes Gesellschaftssystem, das eben außerhalb der Städte an der Peripherie gelebt hat. Und für die Amerikaner, und das war ein großes Unglück für alle Vietnamesen, die da gelebt haben, war das alles einfach Vietcong. Okay. Krass. Und die USA haben dann eben nach dieser Dominotheorie den Süden unterstützt in seinem Kampf gegen die Guerillakämpfer, einfach um zu verhindern, dass es eben nach der Dominotheorie Südvietnam fällt. Während die aus Nordvietnam über den Ho Chi Minh fährt, der ist vielleicht bekannt durch den Dschungelwaffen und andere Güter dahin getransportiert wurden, um die zu unterstützen. Aber die USA haben nicht aktiv in den Krieg eingegriffen. Das fing erst in den 60ern an. Und zwar hat John F. Kennedy, von dem kommt eigentlich diese Rollback-Politik, dass es nicht nur darum geht, aufzupassen, dass die Staaten nicht fallen, sondern den Kommunismus aktiv zurückzuschlagen. Und John F. Kennedy wird ja auch immer gerne so als Friedenspolitiker glorifiziert. Das, was später Lyndon B. Johnson in Vietnam gemacht hat, das wurde von Kennedy vorbereitet. Kennedy wollte eigentlich auch den Vietnamkriegen. Wäre Kennedy nicht 1963 erschossen worden, dann wäre er wahrscheinlich der Politiker gewesen, der in den Vietnamkrieg aktiv eingegriffen hat. Es hat damals schon rumort. Und vor der Wahl hat, nach dem Tod Kennedys, hat Johnson gesagt, es gibt keine Bodentruppen in Vietnam. Wir unterstützen die, wir passen auf, dass der Kommunismus in Südvietnam nicht zu stark wird. Aber wir passen wirklich auf, dass das alles, wir wollen uns da nicht zu sehr einmischen. Und gleichzeitig haben die aber gesehen in den USA, dass das System in Südvietnam extrem brüchig war in den 60ern. Es gab diverse Putschs und Gegenputchs von verschiedenen Organisationen. Und dieses ganze Regime war extrem gefährdet. Es war klar, da brodelt sich was zusammen. Und wenn wir nichts machen, dann wird dieser Staat irgendwann zusammenbrechen. Und dann werden wahrscheinlich die Viet Minh aus dem Norden, werden einfach, werden diesen Teil eingliedern. Und dann gibt es ein geeignetes Vietnam und das wird mit Sicherheit von den Kommunisten unterstützt. Und dann haben wir einen weiteren kommunistischen Block in Indochina. Und das wollen wir auf keinen Fall. Und mittlerweile eigentlich unter HistorikerInnen unbestritten ist, dass der Eintritt der USA in den Vietnamkrieg geplant war. Schon früher und dieser sogenannte Tonkin-Zwischenfall, der schließlich dazu geführt hat, war eigentlich nur die Suche nach irgendeinem Grund in den Krieg einzugreifen. Die Amerikaner wollten eingreifen. Sie haben irgendwie einen Grund gesucht. Und der Grund war dann, dass es irgendeinen, einen total absurden Zwischenfall gab, wo ein südvietnamesisches Sabotagekommando nordvietnamesische Inseln angegriffen hat. Und in diesem Gefechten, die da stattgefunden haben, ist ein US-Kriegsschiff, nämlich die USS Maddox, im Golf von Tonkin gefahren, um die Südvietnamesen zu unterstützen und den Norden auszuforschen. Und da sind dann zwei Schnellboote vorbeigefahren aus Nordvietnam.
Johannes Franke: Und dann haben die auf der Maddox gesagt, Hilfe, die Kommunisten, komm, Raketenangriff, Raketenangriff, wir werden angegriffen. Ihr NSA, Angriff, Angriff, Angriff. Ach nee, doch nicht.
Florian Bayer: Und dann hat die NSA es dann zu Johnson gesagt, hat gesagt, guck mal, da steht Angriff, Angriff, Angriff. Und Johnson hat gefragt, was steht denn da unten drunter? Ach nichts, da steht nur Angriff, Angriff, Angriff. So ungefähr könnte man das zusammenfassen. Das ist der sogenannte Tonkin-Zwischenfall. Die hatten tierisch Schiss, dass sie mit Torpedos angegriffen werden, haben dann festgestellt, da ist gar nichts, es sind nur zwei Boote, die da rumfahren. Und die NSA hat Johnson vorgelegt, guck mal, die werden angegriffen. Es ist ein langer Funkverkehr und offensichtlich hat Johnson, der damalige Präsident, gerade mal zehn Prozent davon gesehen. Und dann hat Johnson natürlich gesagt, so, jetzt ist Schluss, wir greifen jetzt Hanoi an, Hauptstadt von Nordvietnam. Und wir müssen endlich was gegen diese schreckliche Gewalt von den Nordvietnamesen machen. Yay, auf in den Krieg. Und der Kongress war auch voll auf seiner Seite und hat dann die Tonkin-Revolution verabschiedet. Und das war im Prinzip eine carte blanche, die gesagt hat, du darfst alles machen, um zu verhindern, dass der Norden gegenüber uns aggressiv ist. Und das war einfach mal eine Kriegserklärung. Und nochmal, die USA wollten Nordvietnam nicht erobern. Die USA hatten tierisch Schiss davor, wenn sie Nordvietnam angreifen, dass sie dann Russland, China und so weiter in den Konflikt mit reinziehen. Und deswegen war ganz klar, wir wollen eigentlich nur die Gebiete in Südvietnam, die vom Norden unterstützt werden, die wollen wir offendecken und die wollen wir vertreiben. Die ganzen Nordvietnamesen, die ganzen Vietkong, die Kommunisten, die da unten sind, die sollen alle raus. Problem, die sind im Dschungel. Problemlösung, Dschungel muss weg. Agent Orange ist das Stichwort. Nur eines von sehr, sehr vielen Verbrechen, die die USA damals begangen haben. Chemikalien sind das. Und zwar Entlaubungschemikalien. Die haben die litterweise über dem Urwald versprüht, um halt diese Routen, mit denen die Widerstandskämpfer im Süden unterstützt wurden, freizulegen. Und haben damit im Prinzip den ganzen Dschungel vergiftet. Heute noch findet man bei Leuten, die dort leben, in diesen Regionen, findet man Spuren von dem Gift in ihrem Körper. Oh fuck, Alter. Und natürlich, klar, es ging darum, den Dschungel zu entlauben und nicht die Leute zu vergiften. Aber denen war scheißegal, mit was die da draufwerfen. Und entsprechend haben die wirklich die übelsten Chemiebomben rausgeholt. Und dann hat es auch irgendwann angefangen, mitten der 60er Jahre, dass diese Bodentruppen losgeschickt wurden. Und die Amerikaner waren, wie wir mittlerweile retrospektiv wissen, überhaupt nicht auf diesen Kampf vorbereitet. Die dachten, sie kommen da rein, sie gehen durch den Dschungel, sie räumen da ein bisschen auf, sie machen erstmal ein paar Chemikalien, dann ist der Dschungel leergefegt und dann können sie angreifen. Die haben einfach nicht damit gerechnet, wie gut diese Vietkong im Süden sich verstecken können und wie gut die auflauern können. Und natürlich waren diese Kampfhandlungen, waren Erfolge, die haben es geschafft, die Vietkong zu vernichten. Aber die Vietkong haben denen unfassbar krasse Verluste bis dahin zugeführt. Und es ging dann auch irgendwann einfach nur noch darum, wer kann dem anderen mehr Verluste zuführen. Es war ein Erfolg, wenn die Amerikaner nur 1000 Soldaten verloren haben, die Vietkong dafür 10.000. Krass, Alter. Bodycount war das Wort, das dafür gemacht wurde. Und das heißt, es gab so einen gewissen Stolz darauf, wir haben mehr umgebracht als sie. Confirmed kill, wie das in dem Film heißt. Genau. Und das Ding ist, Vietkong waren ja nicht nur Soldaten, sondern Vietkong, das war halt so eine ganze Struktur. Das heißt, die haben irgendwann auch auf die Zivilisten geschossen. Die haben irgendwann angefangen, in jedem Dorf, in dem sie waren, haben sie Vietkong gesehen. Teilweise hatten sie wahrscheinlich recht, aber Vietkong, wie gesagt, das waren dann auch vielleicht einfach Ärzte, die für die gearbeitet haben, Lehrerinnen, die für die gearbeitet haben. Die sind in diese Dörfer rein und die haben die Leute umgebracht. Und das ist sehr nah an Genozid, was da passiert ist. Einfach, weil die gesagt haben, wir wollen die Kommunisten da komplett loswerden. Und am gewissen Punkt ist es scheißegal, ob das Soldaten sind oder Zivilisten, der Bodycount zählt. Und es gibt aus der Zeit wirklich schlimme Berichte von Vergewaltigung, Mord und die Amerikaner sind da einfach wie Barbaren durchgewütet und haben alles erschossen, was ihnen vor die Linse gegangen ist. Das, was wir in dem Film sehen, der Typ, der im Hubschrauber sitzt und einfach auf die Bauern schießt, das ist, was passiert ist. Die Bauern waren dann halt Bauern, die die Vietkong unterstützt haben mit Nahrungsmitteln, müssen ausgelöscht werden. Alter. Und die Südvietnamesen haben zurückgeschlagen, wie wir mittlerweile auch, die Nordvietnamesen, wie wir mittlerweile auch retrospektiv wissen, die Amerikaner haben irgendwann sich zurückgezogen. Die TET-Offensive, die in dem Film auch kurz gezeigt wird, war eine große Offensive zu diesem Feiertag von den, ich sag immer von den Nordvietnamesen, aber offiziell waren es eigentlich nur die NLF, die im Süden waren. Die Nordvietnamesen haben teilweise sogar gesagt, wir haben mit denen gar nichts zu tun. Wir unterstützen die vielleicht ein bisschen, aber eigentlich, das ist nicht unser Krieg. Auf jeden Fall, wo die eine riesige Offensive gemacht haben und alle möglichen Städte angegriffen haben und alle Distrikte, wo irgendwie Amerikaner waren. Das Interessante ist, das war eigentlich ein Misserfolg. NLF wollten die Amerikaner vertreiben, haben aber komplett versagt. Die haben sehr viele Amerikaner erschossen, aber vor allem wurden sie erschossen. Es ist gar nicht ganz klar, wie viele Opfer da gab. Es ging auf jeden Fall in die Zehntausende. Aber das Besondere war, dass in dieser TET-Offensive 1968 die mediale Wahrnehmung da war. Der Vietnamkrieg war sowieso der erste Krieg, der viel von Kameras begleitet wurde, von Fotos. Und sehr früh schon im Vietnamkrieg gingen die Bilder um die Welt, die zeigen, wie zum Beispiel ein Vietcong erschossen wird von einem vietnamesischen Soldaten, hingerichtet und ein amerikanischer Soldat steht daneben und macht nichts. Ganz berühmt ist das Bild von Phan Thi Kim Puk, diesem Mädchen, das weinend aus seinem Dorf läuft, nachdem es von Napalm angegriffen wurde. Die Haut halb verbrannt und es ist nackt. Und hintendran noch andere Menschen, die schreiend wegrennen. Die Bilder gingen um die Welt und das war ein riesiger Imageverlust für die USA. Weil die haben natürlich gesagt, hey, wir sind hier die Guten. Wir sind hier, um zu verhindern, dass die bösen Kommunisten Süd-Vietnam überrennen. Und dann hat man die Bilder gesehen, die haben eine ganz andere Geschichte erzählt. Und daraus hat sich natürlich sowas gebildet wie die Friedensbewegung in Deutschland, die 68er, in Amerika die Hippie-Bewegung, die Antikriegsproteste und so weiter. Und die Amerikaner haben einfach gemerkt, wir gewinnen hier, wir können hier gewinnen, aber es ist ein riesiger Imageverlust und wir verlieren extrem viele Soldaten dabei. Und die Tet-Offensive war auch tatsächlich dann so ein Wendepunkt im Krieg, weil obwohl die Amerikaner eigentlich das Ding gewonnen haben, die die NRF zurückgeschlagen haben, wurde das als moralische Niederlage wahrgenommen. Woraufhin der Verteidigungsminister McNamara 68 zurückgetreten ist. Sein Nachfolger Clifford hat gesagt, wir machen mal ein bisschen langsamer, wir versuchen mal unsere Stellung zu halten, aber wir wollen nicht mehr so krass kämpfen. Aber es war eigentlich schon zu spät. Im US-Kongress hat sich ein enormer Widerstand formiert gegen den Krieg und Johnson hat ganz schön geschwitzt und ausgerechnet Richard Nixon, der Nachfolger von Johnson, der ist als Friedenspräsident bei der 68er-Präsidentschaftswahl angetreten. Es wird so gerne von den republikanischen Falken geredet, aber man darf nicht vergessen, dass in den USA es über Parteigrenzen hinweg einen sehr langen Konflikt zwischen Isolationismus und Interventionalismus gibt. Greifen wir einen Konflikt her ein oder lassen wir sie? Und das ist total wild, weil mal sind die Republikaner die totalen Falken, die sagen, wir wollen Krieg führen, wie zum Beispiel im Irakkrieg, aber mal sind die Republikaner auch die, die sagen, helft bloß nicht der Ukraine, lasst die mal in Ruhe. Also jetzt zum Beispiel Donald Trump ist der totale Isolationist. Total seltsam. Friedenspolitiker. Also es ist so, man muss da wirklich aufpassen, dass man das differenziert betrachtet, wie Krieg und Frieden und wie Einmischung und Isolationismus ist ein bisschen komplexer als sozusagen. Die Amerikaner wollen einfach nur Weltpolizist spielen. Auf jeden Fall hat Nixon genau damit, mit dem Versprechen, dass er Frieden macht und gleichzeitig das Gesicht wahren macht für die USA, hat er die Präsidentschaftswahl 1968 gewonnen. Das war eine Entscheidung über Krieg und Frieden. Und Nixon hat dann auch tatsächlich sich an seine Worte gehalten und hat 1969 die Nixon-Doktrine verfasst, in der es hieß, dass die USA weiter asiatische Staaten unterstützen, ökonomisch und militärisch, aber dass die sich mal selbst um ihre Verteidigung kümmern sollen. Und dann gab es noch verschiedene Kämpfe und schließlich hat das Ganze gemündet in die Pariser Friedensgespräche, in denen sich die USA dann, das war 1973, wurde das Pariser Abkommen unterzeichnet. Und da haben sich die USA verpflichtet, alle Truppen innerhalb von 60 Tagen abzuziehen aus Vietnam. Und die Nordvietnamesen haben versprochen, alle Kriegsgefangenen freizulassen und dass sich keine Fremdmächte mehr in Laos, Kambodscha etc. einmischen sollen. Und Nordvietnamesen darf ein paar von seinen Leuten in Südwietnam lassen und der NLF, also diese Nationale Befreiungsarmee, darf ihre Gebiete kontrollieren und bis zu einer allgemeinen Wahl verwalten. Und es gab weiterhin ein paar Kämpfe, aber eigentlich war das schon so ein bisschen das Ende des Krieges und bekannt ist dann vor allem, wie in einer krassen Hauruck-Aktion 1975, 1976 sich die USA aus Vietnam zurückgezogen haben, inklusive am Schluss, irgendwie so im April 76, mussten die Letzten noch evakuiert werden, weil mittlerweile klar war, der Kampf tobt weiter. Und ohne US-Unterstützung ist Südwietnam ziemlich allein da und dann haben halt irgendwann die Vietkong bei Saigon an der Tür angeklopft und haben gesagt, hier sind wir. Und dann haben die USA gesagt, raus, raus, raus, raus, raus. Es kam zu ziemlich chaotischen Szenen und Südwietnamesen wurden zurückgelassen. Bilder, die gar nicht so unendlich sind wie die, die es gab während des Rückzugs aus Afghanistan. Übrigens auch wieder ein Trumpscher, republikanischer Isolationismus. Die Republikaner sind die, die gesagt haben, wir ziehen uns jetzt raus aus Afghanistan. Während die Demokraten gesagt haben, okay, wir haben da scheiße angerichtet, aber wir müssen das jetzt irgendwie halten und irgendwie gucken, dass wir das verwalten. Während die Republikaner davor die waren, die gesagt haben, los, lass uns Afghanistan stürmen. Also es ist sehr komplex, es ist tatsächlich amerikanische Außenpolitik, super spannend, gerade was so der Kampf zwischen Isolationismus und Interventionalismus betrifft. Ändert aber nichts daran, dass der Vietnamkrieg ein totales Desaster war für die USA und ein riesiges Verbrechen und eine riesige Anhäufung von Verbrechen eben sowohl was die Luftangriffe betrifft mit Agent Orange und später die Napalm-Angriffe, als auch das Wüten der Bodentruppen, als auch das generelle Einmischen in einen Prozess, der eventuell hätte friedlich ausgehen können. Ja. Ja, naja, ich meine, der Zweite Weltkrieg ist der Punkt, wo man draufguckt und sagt, naja, vielleicht ist es manchmal ganz gut, wenn Amerika sich irgendwo einmischt. Oh Gott. Also ich glaube, es ist ein komplexes Thema und ich glaube, mit einer gewissen Militärmacht geht auch eine gewisse Verantwortung einher. Ich glaube nicht, dass Staaten grundsätzlich isolationistisch sein sollten, auch Amerika nicht, weil, naja, es gibt einfach komplexe Konflikte da draußen. Und ich finde es gut, dass die Ukraine zum Beispiel mit Waffen und mit Geldern aus den USA gestützt werden. Ich finde es gut, dass, ich fand es vorher schon gut, dass es zivile Organisationen aus den USA gab, die sich in der Ukraine für Demokratisierung eingesetzt haben. Das gehört ja auch zu dem Komplex dazu. Ich glaube, das große Problem der USA ist, dass die Anfang, Mitte des 20. Jahrhunderts so ein bisschen unfreiwilliger Weltpolizist wurden, obwohl sie gar nicht wollten. Im Ersten Weltkrieg haben alle gesagt, kommt Leute, helft uns, greift ein. Und dann haben die USA eingegriffen und alle haben gesagt, yeah, danke. Und dann haben die USA gesagt, okay, jetzt machen wir mal wieder ruhig. Und dann haben die Nazis und die Kommunisten gesagt, yeah, jetzt sind wir da. Ja, ja, genau. Und dann haben im Zweiten Weltkrieg wieder alle gesagt, los, kommt, helft uns, greift ein. Und die USA haben gesagt, oh, nee, keinen Bock. Und dann haben sie gesagt, na gut, dann machen wir es halt. Und dann haben sie gesagt, okay, jetzt machen wir es aber anders, jetzt bleiben wir erstmal. Und das hat so gut geklappt, ne. Also wahrscheinlich ist Deutschland daran schuld, dass die USA in Afghanistan und im Irak und so weiter gedacht haben, dass es da auch so gut klappt. Weil mit Deutschland hatten sie ein Musterbeispiel. Hey, wir sind da geblieben. Wir haben es geschafft, eine Demokratie aufzubauen. Deutschland ist mittlerweile wieder ein eigenständiger Staat, der es geschafft hat, eine Demokratie nach unserem Vorbild aufzubauen. Und Deutschland ist eine Bastion in Europa, auf die können wir uns verlassen. Die passen auf, dass die Russen nicht einmarschieren. Sehr vereinfachte historische Darstellung. Warum sollte das nicht in Afghanistan auch so klappen? Oder in Korea oder in Vietnam? Also es gibt dieses eine Musterbeispiel, wo es wirklich gut war. Und wir können den Amerikanern, ich weiß, das Anti-Amerikanismus ist so verlockend, wir können den Amerikanern fucking dankbar sein, dass sie 1945 gekommen sind und gesagt haben, Heldler, jetzt sind sie dran. Ja, jetzt, ja, genau. Sonst wird es echt kacke aussehen in Europa. Absolut. Also wir brauchen nicht drüber zu reden, dass die USA mit ihren Einmischungen im 20. Jahrhundert und auch im 21. Jahrhundert deutlich mehr kaputt gemacht haben, als zu retten. Das steht so außer Frage. Ich warne nur davor, zu schnell plumpen Antiamerikanismus zu verfallen, der hinter jeder Intervention das fiese Eingreifen von einem selbsternannten machtgeilen Weltpolizisten sieht. Weil so funktioniert das in den USA nicht. Und deswegen gibt es ja auch in den USA die Konflikte. Und es gibt immer in den USA immer die Leute, die sehr laut sind, wenn es darum geht, mischt euch nirgendwo ein. Wir kümmern uns nur um unseren Kontinent und es ist alles andere scheißegal. Und die haben halt nicht immer recht, weil manchmal ist es ganz gut, sich einzumischen. Gerade wenn andere kleine Staaten von anderen großen Staaten überrannt werden, überfallen werden. Wäre das nicht schön? Wir sollten, also wichtig ist vor allem gute Erziehung und eine gute Überleitung zu den Top 3. Wie schaffen wir das am besten? Also keine schlechte Erziehung. Jingle. Naja, so im weitesten Sinne, ne? Also was, wie sollten Kinder, Schüler, Erwachsene, wie sollten Menschen nicht erzogen werden? Was ist schlechte Erziehung beziehungsweise schlechte Bildung? Weil im, Full Metal Jacket haben ja ein Musterbeispiel dafür, ne? Ja, natürlich. Man sollte Menschen nicht zu Killern erziehen, indem man demütigt, mobbt und Gewalt anwendet, psychisch und physisch. Ja, cool. Cooler Platz 3. Ich hab gerade geguckt. Ich hatte ihn bei meinen Honorable Mentions stehen. Ich bin froh, dass wir die Honorable Mentions nicht mehr vorziehen. Dann passiert sowas nicht. Mein Platz 3 ist neuer deutscher Film. Aus dem Jahr 1966 von Volker Schlöndorf, der junge Törlis. Eine Verfilmung von den Verwirrungen des Zückling Törlis von Robert Musil. Und zwar geht's um ein Internat während des im österreichischen Kaiserreich, wo mehrere, ein junger Internat, wo mehrere Jungen einen Mitschüler grausam quälen, auf übelste Weise. Und einer, der junge Törlis, da mitmacht und gleichzeitig verliebt ist in diesen Schüler, der gequält wird. Und sich darüber nicht ganz klar ist. Auf jeden Fall, das Bad Education Motiv kommt dann später rein, wenn der Gequälte versucht, irgendwie sich an die Schulleitung zu wenden. Und die natürlich nur den Ruf des Internats schützen wollen und sich komplett gegen das Opfer stellen und einfach mal die Täter stützen, indem sie schweigen. Und Bad Education im Zweierlei. Einmal wirklich eine schreckliche Schule und zum Zweiten eine schreckliche Schule des Lebens, durch die alle in diesem Film gehen, sowohl die Täter als auch die Opfer. Sehr, sehr guter Film, sehr gute Verfilmung von einem sehr guten Roman.
Johannes Franke: Nein, nein, sie ist Lehrerin des Jahres. Sie ist die Einzige, die mit Bart Simpson klarkommt.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Sie sitzt rauchend im Klassenzimmer. Sie sitzt rauchend im Klassenzimmer. Und dann zeigt sie ihnen dieses Aufklärungsvideo mit den beiden Häschen. Oh Gott. Und dann kommt es zur Sexnacht und sie sitzt da so ganz cool und raucht und sagt, sie tut nur so, sie spielt ihm nur was vor. Ja, aber sie gewinnt irgendwann mal einen Lehrerpreis, weil sie die Einzige ist, die mit Bart Simpson klarkommt. Und das Tolle ist, da gibt es dieses Video, wo Bart Simpson sagt, also Bart Simpson nimmt ein Video auf, um sie zu nominieren dafür. Und der schickt das Band an die Kommission, die das entscheidet und sagt so, hallo, ich bin Bart Simpson. Und da sitzen so drei und sagen, mein Gott, dieser Bart Simpson, ihn gibt es wirklich? Ich dachte, das wäre ein Mythos, um Lehrern Angst zu machen. Oh nein. Mein Platz zwei ist die Highschool, ich gucke gerade, ob ich irgendwie einen Namen finde, ich glaube, sie hat keinen Namen, in Donnie Darko. Oh. Und zwar vor allem Donnie Darko, eine Mischung aus Mystery und Satire aus dem Jahr 2001. Und an dieser Highschool wird ein externer Lehrer eingeladen, und zwar so ein Lebensberater, der sagt so, sag ja zur Liebe, sag nein zur Angst, gespielt von Patrick Swayze, Jim Cunningham. Und der mit so ganz billigen Motivationssprüchen glaubt, alle Menschen zu besseren Menschen machen zu können. Und dann zwingen sie die Schüler, bei diesen merkwürdigen Sitzungen mitzumachen, wo er halt vorne spricht und es ist kompletter Bullshit, den er redet. Das ist einfach so dieser typische, eh so, finde dich selbst Bullshit, der überhaupt keine Substanz hat. Aber sie dürfen es nicht in Frage stellen, weil es wird benotet, was er macht und sie müssen das, was er sagt, nachblabbern, um gute Noten zu kriegen. Und später stellt sich heraus, dass Jim Cunningham eine sehr große Kinderporno-Sammlung hat. Und es ist aber schon, selbst wenn das nicht wäre, es ist schon absurd überhaupt, dass die Schule ihn einlädt und ihren Unterricht in Gesellschaftswissenschaften um ihn herum und seine Weisheit aufbaut. Sehr gruselig, sehr merkwürdig. Donnie Darko, toller Film. Es gibt mehrere Probleme dafür. Da kommst du nicht raus.
Johannes Franke: Nein, das ist verkürzt. Was ist das?
Florian Bayer: Er schickt ihn in diese Höhle und lässt ihn gegen sich selbst kämpfen in diesem Darth Vader-Outfit.
Johannes Franke: Er soll da Felder vernichten.
Florian Bayer: Yoda sagt, nicht versuchen, tun, there is no try. Und Yoda ist, ey, du musst das auch verstehen, Yoda hat jahrelang nicht unterrichtet, ne? Ja, er ist ein bisschen aus der Übung. Der war ein wirklich guter Lehrer. Der hat eine ganze fucking Jedi-Akademie geleitet. Und man kann auch ein bisschen angerostet sein. Du machst das, weil ich das sag. Aber meine Lehrer waren auch keine schrumpeligen Jedi-Ritter. Obwohl, dieser eine Mathelehrer, den ich mal hatte. Aber das ist nur nebenbei. Oh, ja. Jetzt begibst du dich auf dünnes Eis. Das stimmt. Wobei man durchaus sich die Frage stellen kann, wenn Yoda so lange mit den Menschen kommuniziert. Ja, warum zur Hölle? Aber ich glaube, er simuliert das nur. Ach so, ah ja. Genauso wie er das geprächtlich simuliert. Eigentlich kann das Yoda, er will, dass die Menschen seinen Worten mehr Aufmerksamkeit witten. Ja. Und deswegen stellt er die Sätze mal ein bisschen unten. Okay. Wundervoller Platz 1. Du Arsch. Okay. Mein Platz 1. Krieg, Krieg, Krieg. Education for Death. The Making of the Nazi. Ein Disney-Film aus dem Jahre 1943. 40, 10 Minuten, ein Propagandafilm, in dem gezeigt wird, wie Kinder in Nazi-Deutschland auf das Leben im Nationalsozialismus vorbereitet werden. Und Inhalte sind natürlich vor allem Hitler, Mein Kampf, und Sozialdarwinismus. Und es gibt eine wirklich traurige Szene, in der ein kleiner Junge lernen muss, dass das süße Kaninchen vom Wolf gefressen wird, weil es es nichts anderes verdient hat. Weil es gibt entweder Wolf oder Kaninchen. Du bist eins davon. Und dann sagt der Junge, ich hasse das Kaninchen, ich hasse es, ich hasse es, ich hasse es. Und wir sehen, wie aus dem kleinen, niedlichen Jungen, der wirklich sehr viel Empathie hat, ein harter Nazi-Soldat wird, der in den Tod marschiert. Toll. 10 Minuten, ja, ein Propagandafilm, unglaublich traurig, unglaublich bewegend. Education for Death aus dem Jahr 1943 findet man bestimmt bei YouTube, schaut ihn euch an. Ja, aber nicht nur Dolores Umbridge, sondern... Snape. Snape. Snape. Ja, auf jeden Fall ein schlechter Lehrer. Ganz Hogwarts. Allein die Idee, eine Schule in vier Häuser einzuteilen und zu dem einen Haus zu sagen, apropos, ihr seid die Bösen. Ja, genau. Das ist keine gute Idee, das stimmt. Und plus, hey, wann kommt mal jemand auf die Idee, okay, im fünften Teil oder so, zu sagen, Hogwarts ist kein sicherer Ort, da sterben jedes Jahr Kinder, da kommt ständig irgendein Voldemort-Kämpfer vorbei, um Kinder zu versteinern oder zu töten. Der Typ ist gut. Der Rest der Schule ist scheiße. Oh ja, der Rest der Schule ist ziemlich düster. Ja. Harte, strenge Erziehung im Internat. One at Seven. Ein obskurer Thriller aus den 90ern, in der Samuel L. Jackson als Lehrer irgendwann zurückschlägt und seinen Schülern eine Lektion beibringt, indem er mit ihnen Russisch Roulette spielt. Haben die was gelernt am Ende? Ja, aber er hat seinen Kopf weggeballert. Ich glaube, der ist nicht wirklich gut, der Film, aber ich habe so eine vage Erinnerung daran. So in der Zeit, in der diese Gangster-Schulmilieu-Filme geboomt haben, dank unter anderem Dangerous Minds und Gangsters Paradise von Coolio. Und du schaust mich gerade fragend an. Es gab mal eine Zeit, da gab es sehr viele von diesen Filmen, die spielen in einer Highschool, irgendwo in den Slums und wir sehen sehr viele schwarze und Latino-Kinder. Und dann kommt der eine Lehrer oder die eine Lehrerin, die sagt, und jetzt machen wir es mal ganz anders und sie alle für sich gewinnt. Okay. Und am Schluss ist aus dem härtesten Gangster ein toller, netter Musiker geworden oder so. Nur bei One at Seven eben nicht, weil da spielen sie am Schluss Russisch Roulette und der Lehrer ballert sich den Kopf weg. Toll. Vielleicht ist Kubrick auch einfach nur ein Sadist, weißt du? Die einen werden Trill-Instructor bei der Armee, um den Sadismus auszuleben. Kubrick hat angefangen, Filme zu drehen. Ja, vielleicht. Und als dieser Film gedreht wurde, das ist ja, wir sind wirklich bei Kubricks Spätwerk, nicht Spät-Spätwerk, aber es ist ein vorletzter Film. 1999, Ice White Shuttle ist sein letzter und von Matt Jacket ist sieben Jahre nach Shining entstanden und auch interessant. So viele Filme hat Kubrick gar nicht in seiner Literatur, wenn man einmal drüber guckt. Und sehr viele Sachen, die er nicht verwirklichen konnte. Das ist so ein bisschen, das zieht sich durch Kubricks Karriere, dass er den Napoleon-Film drehen wollte, dass er den AI drehen wollte und dass das dann irgendwie alles misslungen ist. Bei AI gab es ja noch die Pointe, dass es fertig getreten wurde. Ice White Shuttle ist ja auch, der wurde posthum veröffentlicht, oder? Oh, das weiß ich nicht. Ja. Ah, okay. 1999 ist Kubrick gestorben. Krass, Mann. Bei Full Metal Jacket ist es tatsächlich spannend. Der Film kam gleichzeitig mit Oliver Stones Platoon in die Kinos. Zwar wurde bekannt, dass Kubrick einen Vietnam-Film dreht und Oliver Stone hatte auch natürlich schon länger am Platoon gearbeitet und hat dann gesagt, oh, jetzt bin ich so ganz schnell fertig. Damit der vor Full Metal Jacket in die Kinos gekommen ist. Ja. Das Krasse ist tatsächlich, Platoon ist ein wirklich guter Film auch. Und Platoon ist von der Art, wie er gedreht ist und wie er inszeniert ist, Platoon könnte auch ein Film von Stanley Kubrick sein. Das ist auf jeden Fall auch ein sehenswerter Vietnam-Film, aber eben auch ein Film, der den so einen Fehler macht, wie viele andere, dass er sich sehr auf das Amerikanische stürzt, auf den amerikanischen Blick. Wahrscheinlich nicht. Und das ist vielleicht auch einfach was, womit man leben muss. Weil, du hast ja vollkommen recht, wenn du sagst, es ist schwierig, dem Film eine Rezeption vorzuwerfen von anderen Rezipienten. Aber man kann ihm durchaus vorwerfen, wenn man das auch selbst in sich findet dann. Und ich würde mal behaupten, ich bin Pazifist, ich bin überhaupt nicht vom Militär begeistert, ich habe keine Ahnung, wie man eine Waffe hält, geschweige denn schießt oder auseinander nimmt. Und ich merke aber, während ich diesen Film sehe, ja, Kubrick auch einfach als Ästhet findet schöne Bilder, um zu zeigen, wie eine Waffe auseinandergenommen wird. Oder wie ein ganzes Korder steht und die Waffe vor sich hält und auf die linke Schulter vor sich hält und auf die rechte Schulter. Und es hat einfach eine visuelle Stärke, auch weil Kubrick das so inszeniert, dass es visuell stark ist. Es geht nicht darum, dass der Film dadurch schlecht wird, ich liebe diesen Film, herausragender Film, ein tolles Statement gegen den Krieg und gegen militärische Ausbildung in der Form. Und doch hat er eben diese, trotzdem gibt es diese Momente, wo es einfach eine visuelle Faszination durchsticht. Und nicht nur die visuelle Faszination, auch die Narrative. Wenn dem Sergeant Hartman diese witzigen Sätze in den Mund gelegt werden, wenn Joker gezeigt wird mit seinem coolen Peace-Zeichen und seinem coolen Born-to-Kill auf dem Helm, Ich glaube, das kann man aber anders inszenieren. Was für eine schöne Szene zwischen Peil und Joker, wenn er ihm ganz ruhig erklärt, und jetzt machst du das und jetzt machst du das und guck mal. Und man denkt so, das ist das Gegenkonzept, toll. Ja, genau. Also es ist schon da. Es ist da, auf jeden Fall. Das ist diese Faszination an dem harten militärischen Drill. Es ist nicht omnipräsent im Film. Und sie wird auch immer mal wieder aufgebrochen. Aber sie ist da. Auch wenn wir sehen unter den Fanfarengeräuschen, wie die jungen Rekruten über die Hürden springen und wie sie eben im Licht der untergehenden Sonne über den Hügel laufen. Das sind schon coole Bilder. Und Animal Mother, der von Daniel Baldwin gespielt wird, ist halt auch so eigentlich schon voll der Antagonist und wirklich ein fieser Kerl. Aber auch ein fieser Kerl, der so cool inszeniert wird, Aber wie gesagt, das soll den Film nicht abwerten. Es gibt wenige Antikriegsfilme, denen es meiner Meinung nach so gut gelingt, Krieg kondensiert darzustellen. Weil wir haben ja 45 Minuten Ausbildung, dann haben wir ja nur noch eine Stunde ungefähr Kriegsgeschehen. Und trotzdem schafft er es, dass beides, von beidem so die Quintessenz rauszuholen und wirklich auch das Düstere hervorzukehren und zu zeigen, ohne dabei irgendwie zu preachy zu sein. Ja. Was ja auch schwierig ist. Das schafft er nämlich darum herum. Er wird nie zu missionarisch. Man hat nie so das Gefühl, dass hier mit dem Zeigefinger erzählt wird. Ja. Und das ist auch wichtig. Ja, also ich bin ganz bei dir. Ich meine, ich habe diesen Film ausgesucht, der gehört mit zu den besten Antikriegsfilmen überhaupt. Auch kein hundertprozentiger Antikriegsfilm, aber den suche ich auch immer noch. Den gibt es, also meiner Meinung nach gibt es den nicht. Ja. Aber er kommt dem schon sehr nah und ein wirklich wichtiger Film, um Mechanismen im Militär, Mechanismen im Krieg zu verstehen, was das mit den Menschen macht, was das mit Gruppen macht. Ja. Und natürlich auch einfach ein unglaublich starker Kubrick-Film, der alles das hat, was man vom Kubrick-Film erwartet. Die herausragende Kamera, tolle Inszenierung mit wirklich spannenden Bildern, die auch sehr viel Subtext, Symbolismus transportieren. Eine gewisse Freude am schwarzen Humor manchmal, die manchmal vielleicht auch ein bisschen zu weit geht. Aber auch vor allem großes Drama und große Erzählungen rund um den Menschen. Viele Abgründe. Sehr viele Abgründe. Ja, das ist krass. Und dann ist es vor allem, ich fand es vor allem schockierend, weil wir halt eben durch diese Entmenschlichung sehen, was mit Joker passiert ist. Und den wir eigentlich als empathischen Menschen kennenlernen und dem wir eigentlich auch unsere Sympathie geben sollen. Und dann merken wir, wie kaputt dieses Ganze einen Menschen machen kann. oder johannes-et-mus-mann-sehen.de. Genau. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt noch kurz dran. Nach dem Outro wird Johannes mir eine Hausaufgabe aufgeben. Jawohl. Und hört am besten mit rein, dann könnt ihr nämlich den entsprechenden Film auch schauen. Und ich glaube, es macht auch Sinn, den Film zuschauen, bevor man uns zuhört, wie wir darüber labern. Viel zu lange. Ja, ich habe schon gehört, Ich habe keinen Kriegsfilm. Gut, alles klar. Wenn ihr wissen wollt, welchen Film Johannes stattdessen hat, bleibt dran. Euch eine schöne Woche. Wir sehen uns. Bis dahin. Bleibt gesund.
Johannes Franke: Wir haben jetzt fünfmal Take 7.
Florian Bayer: Nimm das Messer runter. Sag mir einfach nur, was du hast. Ich werde auch reagieren. Ich verspreche es. Spiel besser.
Johannes Franke: Spielt besser, spielt besser,
Florian Bayer: bis nächste Woche. Bis dann.
