Episode 113: Blind Date – Olli Dittrichs und Anke Engelkes Improtheater
Olli Dittrich und Anke Engelke dürften selbst dem härtesten Fernseh- und deutsche Medienlandschaft – Muffel etwas sagen. Ich kenne Olli Dittrich vor allem aus “RTL Samstag Nacht”, wo er DER Parodist schlechthin war und Anke Engelke kenne ich seit der Wochenshow. Meine Güte bin ich alt.
Die beiden waren also in unterschiedlichen Comedyformaten im Fernsehen unter Vertrag. Und 2001 dachte Olli Dittrich sich offenbar: Die Anke von der Konkurrenz, die ist richtig gut! Mit der muss ich dringend mal was machen. Es schien nur wenig Zeit zu geben, also beschlossen sie eine Impro-Szene zu drehen. Das ganze scheint so erfolgreich gewesen zu sein, dass sie danach noch weitere 5 Folgen drehen durften – obwohl das Format schon wirklich sehr sperrig war, für die Zeit und die Sehgewohnheiten, für das RTL und Sat 1 Publikum.
Zwei Menschen, die sich eine Stunde lang oder gar länger in einem eng abgesteckten Raum begegnen. Das erste Mal ein Blind Date in einem Restaurant, dann in einem Taxi nach Schweinau, im Aufzug, in einem Zug, zur Elternsprechstunde und im Hotelzimmer. Immer überlegen sich beide ihre Rollen vorher, sagen dem anderen aber nicht, was sie sich ausgedacht haben und begegnen dann einander wie Fremde, die sich dann streiten, verlieben, rumjammern und angeben.
Das ganze klingt, als hätte es großes Potenzial zu scheitern. Mit etwas Pech bleibt es einfach nur “Before Sunset” für Arme. Aber! Es sind ja immer noch Olli Dittrich und Anke Engelke. Können die beiden dem Format Leben einhauchen, dem man eine Stunde oder eineinhalb zuschauen möchte? Was meinst du … ah! Moment, diese Frage is mir zu Lmae. nehmen wir lieber die Frage die die ruhige Ruth dem Uwe auf der Taxifahrt stellt: “Was passiert mit dem Loch, wenn der Käse weg ist?”
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 113: Blind Date – Olli Dittrichs und Anke Engelkes Improtheater Publishing Date: 2023-03-01T08:23:00+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/03/01/episode-113-blind-date-olli-dittrichs-und-anke-engelkes-improtheater/
Johannes Franke: Dass Olli Dittrich die Folge zu krass werden lässt, zu dramatisch, zu melodramatisch, zu albern, zu absurd. Sie versucht in allen Momenten zu bremsen und das tut der Episode unglaublich gut. Ja, total.
Florian Bayer: Guten Morgen, Plur. Herzlich willkommen hier in meiner Küche. Herzlich willkommen ihr da draußen, was auch immer ihr gerade macht. Oh Mann, der muss man sehen. Podcast klang noch nie so sehr nach Radio.
Johannes Franke: Wir sitzen hier in unserem beschaulichen Studio und liefern euch die besten Hits der 2000er Jahre. Heute mit Improvisationskunst von Olli Dittrich und Anker Engelke bleibt dran im Musterhaus-Küchen-Fachgeschäft.
Florian Bayer: Das ist die Werbung, die du immer zitierst.
Johannes Franke: Radio muss man sehen. Die besten Hits. Oh Gott, ich habe was losgetrieben.
Florian Bayer: Oh mein Gott, oh mein Gott.
Johannes Franke: Also ich kann mit Radio überhaupt nichts anfangen. Ich habe nie Radio gehört, weder als Kind noch als Jugendlicher noch als Erwachsener.
Florian Bayer: Also ich habe als Kind und Jugendlicher ein bisschen Radio gehört und ich habe damals Bulli entdeckt, als der Radio gemacht hat. Oh wow, okay, das ist lange her. Das heißt, ich bin einer der ersten Stunden, was Bulli betrifft, okay?
Johannes Franke: Du mochtest ihn, bevor er berühmt war. Ja, genau. Hat er sich damals schon Bulli genannt?
Florian Bayer: Ich glaube ja. Okay. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ja. Ja, Michael Herbig. Ja, aber wir sind irgendwie in der gleichen Kerbe. Es ist ja, es geht um Comedy um die 2000er.
Johannes Franke: Ja, wir reden heute über deutsche Comedy aus den 2000ern, aber sehr, sehr spezielle Nichten-Comedy, nicht das klassische Programm. Was war in den 2000ern Comedy-Groß? Stefan Raab? Ja, RTL Samstag Nacht? Nicht mehr, das stimmt, ja. Die beiden Großen waren damals schon irgendwie passé und das war die Wochenshow und RTL Samstag Nacht und wir haben hier natürlich die beiden Mid-Stars aus diesen Sendungen, die er voll mal an Mid-Stars. Harald Schmidt war damals noch groß. Stimmt, Harald Schmidt war damals auch noch gut. Der war damals nicht groß, Harald Schmidt war ja nie so richtig, also Harald Schmidt war groß, aber eher fürs Feuilleton und nicht fürs Mainstream-Publikum. Der hatte seine freien Fans. Oh, dann bin ich also Feuilleton und kein Mainstream. Du bist sowas von Feuilleton und kein Mainstream. Okay. Mario Barthes hat damals so seine Anfänge gemacht und ist groß geworden, oder? Ach du Scheiße. Also ich würde behaupten, Mario Barthes war so die Zeiten, der so langsam... Und Dieter Nuhr. Und Dieter Nuhr, der war damals auch noch sehenswert.
Florian Bayer: Mittermeier war auch.
Johannes Franke: Genau, das waren die, die auch bei Samstag Nacht aufgetreten sind und dann so die eigenensten gemacht haben. Quatsch Comedy Club. Der Quatsch Comedy Club.
Florian Bayer: Ah, der Quatsch Club hat damals angefangen, ja stimmt.
Johannes Franke: Genau, mit Thomas Herrmann. Ja, genau, Thomas Herrmanns. Und ja, ich bin ja überhaupt kein deutscher Comedy-Fan.
Florian Bayer: Es ist so ein bisschen, es ist ein zweischneidiges Schwert. Und, also ich mochte streckenweise Sachen, ich mochte tatsächlich die Wochenschau über weite Strecken. Ich war tatsächlich von Anke Engelke sehr angetan, was sie so... Danke, Anke. Genau. Und natürlich RTL Samstag Nacht, aber das ist vorbei.
Johannes Franke: Also ich mochte als Juni ja auch total RTL Samstag Nacht und die Wochenschau auch. Das war ja auch irgendwie so ein Battle, RTL vs. Sat. 1, was ist besser? Die meisten haben beides geguckt. Ich fand RTL Samstag Nacht immer ein gutes Stück besser als die Wochenschau. Das würde ich auch sagen, ja. Was aber auch daran liegt, dass ich mit so satirischen Nachrichtenformaten überhaupt nichts anfangen kann. Ich finde die Heute-Show auch nicht witzig.
Florian Bayer: Ja, aber die Heute-Show ist ja wirklich, also das ist ja das unterste Level, was man an...
Johannes Franke: Naja, ich finde die Heute-Show ist schon relativ nah dran, dem was RTL Samstag Nacht mit den RTL Samstag Nacht Nachrichten gemacht hat. Ja. Und besonders intelligenter war jetzt die Wochenschau auch nicht, oder?
Florian Bayer: Na, vielleicht nicht intelligenter, aber noch anarchischer. Die haben noch viel mehr Blödsinn gemacht. Anke Engelke hat da ihre Tic-Tac-Toe-Parodie gemacht. Stimmt. In der Wochenschau. Ja. Also, die haben schon Rubriken gehabt, die irgendwie echt anarchisch waren.
Johannes Franke: Es wäre interessant, das auch mal nochmal zu gucken, weil ich glaube, da ist auch sehr viel rosa-rote Nostalgie-Brille dabei. Ja, wahrscheinlich. Fuck. Also, ich habe nicht nochmal reingeschaut. Ich fand auch die Doven irgendwie lustig. Ja. Das war ja Riegerl Boning und Olli Dietrich. Genau. Olli Dietrich war, witzigerweise, zu RTL Samstag Nacht Zeit nie mein Favorite von denen. Also, wenn ich so eine Top 3 zusammengestellt hätte, dann wäre wahrscheinlich... Mirko Nonschef wäre ganz weit oben gewesen. Ja. Ich fand Stefan Jürgens total cool, weil der einfach so eine trockene Art hatte. Ja. Und wahrscheinlich wäre dann auf dem dritten Platz wäre Wiegald Boning gelandet. Aber Olli Dietrich war halt jetzt... Er war auf jeden Fall auch witzig und er war immer dabei. Und natürlich war das der Mann mit den coolen Kostümen und der die ganzen witzigen deutschen Promis gespielt hat. Der hat die ganzen Parodien gemacht. Das war total krass. Und bei der Wochenschau, naja, also Anke Engelke hat da schon so ein bisschen rausgestochen und sonst. Ingolf Lück war natürlich der, der das ganze Ding gemacht hat. Und dann gab es... Den ich immer ein bisschen nervig fand. Bastian Pastewka.
Florian Bayer: Ah, Bastian Pastewka war natürlich... Also, der ist auch großartig. Der war so ein bisschen der Star der Wochenschau auch dann irgendwie. Ja. Und der hat ja auch tolle Sachen danach gemacht und immer noch. Aber ich bin aus dem Fernsehgame so ein bisschen raus. Das ist so ein bisschen das Ding, ne?
Johannes Franke: Bastian Pastewka hat diese Reality gemacht, wo er sich selbst spielt. Das war Pastewka. Genau.
Florian Bayer: Genau. Pastewka. So hieß das. Oder heißt das noch? Ich weiß nicht. Macht er das noch? Keine Ahnung. Gott, ich weiß nicht. Wir sind so raus, was das gesagt hat. Ja, ich bin nicht nur raus.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen traurig. Wenn ich drüber nachdenke, fallen mir auch ganz viele Sachen ein, die so als Klassiker gelten, wo ich denke, ja, ich fand Pastewka nicht wirklich so witzig.
Florian Bayer: Tut mir leid. Also wenn man sich so an ein paar Sachen erinnert, dann denkt man, heute würde man das auch nicht mehr so machen. Gerade eher die Schwulenparodien und so. Oh, das war schon so ein bisschen. Das war sehr viel Casual Homophobie, die da merkbar. Ja, ja. Naja, gut, okay. Ja, das sind die Zeiten. Uiuiui. Uh, okay. Aber dann gehen wir doch mal. Genau.
Johannes Franke: Du hast einen Text geschrieben. Wir kommen aus den 90ern. Wir kommen von der Woche schon von RTL Samstag Nacht. Und jetzt haben wir das Jahr 2001. Und Olli Dietrich und Anke Engelke sind für ein paar Sekunden arbeitslos.
Florian Bayer: Und was machen sie dann, Johannes? Leg los. Ganz wenige Sekunden. Also. Olli Dietrich und Anke Engelke dürften selbst dem härtesten Fernseh- und deutsche Medienlandschaft Muffel etwas sagen. Ich kenne Olli Dietrich vor allem aus RTL Samstag Nacht, wo er der Parodist schlechthin war. Und Anke Engelke kenne ich seit der Wochenschau. Meine Güte, bin ich alt. Die beiden waren also in unterschiedlichen Comedy-Formaten im Fernsehen unter Vertrag. Und 2001 dachte Olli Dietrich sich offenbar, die Anke von der Konkurrenz, die ist richtig gut, mit der muss man dringend mal was machen. Es schien nur sehr wenig Zeit zu geben. Also beschlossen sie, eine Impro-Szene zu drehen. Das Ganze scheint so erfolgreich gewesen zu sein, dass sie danach noch weitere fünf Folgen drehen durften, obwohl das Format schon wirklich sehr sperrig war. Vor allem für die Zeit und die Sehengewohnheiten für das RTL- und Sat.1-Publikum. Zwei Menschen, die sich eine Stunde lang oder gar länger in einem eng abgesteckten Raum begegnen. Das erste Mal ein Blind Date in einem Restaurant, dann in einem Taxi nach Schweinau, im Aufzug, in einem Zug, zur Elternsprechstunde und im Hotelzimmer. Immer überlegen sich beide ihre Rollen vorher, sagen dem anderen aber nicht, was sie sich dabei ausgedacht haben und begegnen dann einander wie Fremde, die sich dann streiten, verlieben, rumjammern, angeben und so weiter. Das Ganze klingt, als hätte es großes Potenzial zu scheitern. Mit etwas Pech bleibt es einfach nur Before Sunset für Arme. Aber es sind ja immer noch Olli Zittrich und Anke Engelke. Können die beiden dem Format Leben einhauchen, dem man eine Stunde oder eineinhalb Stunden zuschauen möchte? Was meinst du? Ah, Moment, Moment. Die Frage ist mir dann doch ein bisschen zu lame. Nehmen wir lieber die Frage, die die ruhige Ruth dem Uwe auf der Taxifahrt stellt. Was passiert mit dem Loch, wenn der Käse weg ist? Das ist eine sehr gute Frage. Auch eine sehr philosophische Frage. Ja, ich sehe in deinem Gesicht, du hast sehr lange über diese Frage nachgedacht, als sie gestellt wurde.
Johannes Franke: Meine Vorbereitungen bestehen eigentlich nur aus Notizen, philosophischen Überlegungen über diese Frage, was mit dem Käse passiert, was mit dem Loch passiert, wenn der Käse weg ist. Es ist ein sehr einsames Loch. Ich glaube, das Loch ist einfach auch weg. Was? Nein. Es gibt kein Loch mehr. Oder noch radikaler, das Loch ist eine Illusion.
Florian Bayer: Fast forward, ich liege auf der Couch und du versuchst mir irgendwie wieder das Leben schmackhaft zu machen.
Johannes Franke: Es ist alles sinnlos.
Florian Bayer: Hast du denn alle gesehen davon? Ich habe tatsächlich alle nochmal angeschaut, ja. Und hattest du die damals auch schon geguckt? Ich hatte sie auch, glaube ich, damals alle gesehen, ja.
Johannes Franke: Okay, vielleicht so meine Historie mit dem Format. Ich habe das zum ersten Mal gesehen, als der zweite Teil rauskam, also das Taxi nach Schweinau 2002. Dieses erste Blind Date ist komplett an mir vorbeigegangen, aber was auch daran liegt, dass damals Olli Dietrich komplett an mir vorbeigegangen ist, dieses Olli-Tiere-Sensation, in dessen Rahmen das hier entstanden ist, kannte ich einfach nicht. Es war auch vielleicht so 2000, 2001. Ich glaube, ich habe damals kein öffentlich-rechtliches Fernsehen geguckt, hatte nicht viel übrig für deutsche Comedy, ist es einfach an mir vorbeigegangen. Und das Taxi nach Schweinau habe ich gesehen, weil da im Vorfeld darüber berichtet wurde und dann klang das alles irgendwie total cool. Und dann habe ich das geguckt und dann habe ich auch den Nachfolger davon geguckt, den dritten Teil im Aufzug. Und das waren die beiden, die ich kannte. Und dann ist es wieder von meinem Schirm verschwunden. Das war einfach, das war zweimal, das waren ja auch die beiden Episoden, die am größten rezipiert wurden, die so am meisten Aufmerksamkeit erzeugt haben. Wenn man heute noch danach sucht, findet man am meisten zu den beiden. Und dann ist es komplett an mir vorbeigegangen, was danach passiert ist. Und jetzt in Vorbereitung auf die Folge habe ich dann nochmal geguckt und habe jetzt alles geguckt, bis auf London Moabit. Das habe ich dann irgendwie nicht mehr ganz geschafft. Da habe ich mir einmal das Bild angeguckt und dachte dann so, nein, passe. Wirklich? Ja. Ich weiß nicht, wie ich sagen soll. Ich bin nicht so der große Impro-Fan. Ich würde vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen. Ich würde sagen, ich finde Impro ziemlich kacke. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, jedes Mal, wenn ich Impro gucke, egal wie gut die sind, habe ich immer das Gefühl, die, die die Impro machen, haben viel mehr Spaß als die, die die Impro sehen. Und zwar konsequent, egal ob auf der Bühne oder im Fernsehen oder im Kino. Impro ist ein Unterhaltungsformat für die Darbietenden, nicht für die Rezipienten. Harte These, ja.
Florian Bayer: Harte These, ich erinnere mich daran, dass wir beiden mal im Theater gesessen haben und Impro angeschaut haben und wir der gleichen Meinung waren, dass das nicht unser Ding ist. Ich bin da eigentlich voll auf deiner Linie. Ich habe genau das gleiche Problem. Ich finde Impro tatsächlich wahnsinnig anstrengend, weil du eigentlich die ganze Zeit denkst, ja, jetzt gucke ich den beiden dabei zu, wie sie was entwickeln, was ein Drehbuchautor innerhalb von einem Jahr immer wieder umwirft und immer wieder überlegt.
Johannes Franke: Mich stört auch diese forcierte Spontanität. Also ganz, das Schlimmste ist überhaupt, Impro-Theater mit Publikums zurufen. Oh Gott, ja. Und jetzt spielt die Szene doch mal in rosa. Und dann lachen sich alle schlapp. Und jetzt, jetzt musst du machen, als wärst du, als könntest du nichts mehr hören. Und du bist jetzt eine Giraffe. Und das ist so bescheuert. Und also, wenn es gute Künstler sind, dann freut man sich daran, weil die Künstler so viel Spaß daran haben. Wenn es schlechte Künstler sind, kann Impro auch sehr schnell extrem Fremdscham auslösen.
Florian Bayer: Weißt du, was für mich das größte Problem an Impro ist? Wir reden jetzt überhaupt nicht über die Filme, aber...
Johannes Franke: Lass uns erst mal Impro abarbeiten.
Florian Bayer: Ja, genau. Beim Theater, gerade beim Theater, das heißt ja tatsächlich irgendwann einfach Theatersport. Das ist ein eigener Begriff geworden dafür. Und so sieht es aus. Es sieht anstrengend und nach Wettbewerb aus. Und jeder hat irgendwie noch die geilere Idee und noch was Lustigeres und noch was Lustigeres. Und mich hat immer beschlichen, dass eine Impro-Show, gerade beim Theater, nie in der Lage sein kann, wahrhaftige Figuren zu entwickeln. Weil du eigentlich nur dabei damit beschäftigt bist, zu gucken, was ist der bessere Gag und wie kann ich die Erwartungen des Publikums erfüllen.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise irgendwie untergraben, damit das Publikum umbildet.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: So Mini-Spektakel. Ja, ja, ja. Jeder Darstellende auf der Bühne macht so sein eigenes kleines Mini-Spektakel. Und natürlich gibt es Impro-Gruppen, die total gut miteinander arbeiten und harmonieren und die super gut die Bälle von den anderen auffangen und weiterspielen. Aber auch dann, wenn sie es wirklich gut können, fühlt es sich immer so ein bisschen an, wie man hoppelt so von Spektakel zu Spektakel. Und ja, ich bin bei dir. Die fehlende Wahrhaftigkeit. Und das sage ich jetzt natürlich auch als jemand, der gerne schreibt und der weiß, dass es einfach mal Aufwand ist, sich Konzepte und Geschichten und Dialoge zu überlegen. Ja, vielleicht sind SchauspielerInnen nicht die richtigen Personen, um das zu machen. Vielleicht gibt es einen Grund für diese Arbeitsteilung beim Theater oder beim Kino. Es gibt Leute, die schreiben. Es gibt Leute, die haben eine Kamera in der Hand. Es gibt Leute, die sagen Action. Und es gibt Leute, die spielen. Und keiner will den Drehbuchautoren auf der Bühne sehen, wie er versucht, sein Skript perfekt umzusetzen. Weil jeder weiß, dass er eben nicht das kann.
Florian Bayer: Ja, ja, genau. Und um den Sprung mal vom Theater in den Film zu wagen, nur kurz, ich bitte um Geduld. Ich habe diese Filmreihe nicht umsonst vorgeschlagen. Ich mag die Filmreihe und ich werde es dann auch noch erklären. Aber erst mal, warum ich Impro an sich scheiße finde. Vom Theater in den Film hinein. Es gibt, ich weiß nicht, ob du das kennst. Wir hatten, glaube ich, mal ganz kurz drüber gesprochen. German Mumblecore. Es gibt ja dieses Genre Mumblecore, was im Englischen einfach Filme bezeichnet, die irgendwie wahnsinnig viel einfach reden ohne viel Action. Also da wäre Before Sunset eben dabei. Du läufst in der Gegend rum und redest und redest und es wird als Mumblecore bezeichnet. Und German Mumblecore ist dann noch die Impro-Variante davon. Wie die Amerikaner nennen das German Mumblecore, wenn improvisiert wird? Ich weiß nicht genau, ob das im amerikanischen Raum überhaupt Beachtung findet, was wir hier machen. Aber es wird bei uns auch so bezeichnet, German Mumblecore. Also da ist Tom Lass und so weiter und Jakob Lass und Axel Ranisch und so weiter.
Johannes Franke: Ich kenne die Namen, die sagen mir gerade gar nicht, du redest gerade komplett mit einem leeren Gefäß. Bitte fülle es wenigstens ein bisschen. Wer sind diese drei Menschen, die du gerade genannt hast?
Florian Bayer: Das sind Schauspieler und Regisseure. Ja. In Personalunion meistens auch, die ich an sich als Menschen total toll finde. Ich finde, Axel Ranisch hat einen ganz tollen Opernfilm 2022 gemacht, den ich auf dem Festival sehen durfte. Der war ganz, ganz großartig. Aber die haben angefangen mit der Vorgabe zu sagen, so noch auf der Filmschule, wir gehen jetzt ohne große Technik und ohne Drehbuch los und drehen halt irgendwas. Und über diese Überlegung, wie man das macht und so weiter, haben sie dann solche Sachen wie dicke Mädchen und was waren die ganzen anderen Titel. Das müsste ich jetzt alles raussuchen. Aber das Konzept an sich ist, du hast eine Outline, du hast eine Überlegung, wie soll sich die Szene entwickeln, wie soll sich der Film entwickeln. Und dann gehst du mit den Schauspielern ans Set und sagst, so, du hast das Ziel der Szene, du hast das Ziel der Szene und los. Okay. Und dann spielen die Leute drauf los. Und dann wird das ein paar Mal gedreht und dann wird das im Schnitt möglichst so zusammengeklöppelt, dass es irgendwie sinnvoll wird. Und das ist mal mehr und mal weniger gut möglich.
Johannes Franke: Es klingt auf jeden Fall besser als das, was Impro-Theater macht, weil es nicht so auf den schnellen Gag aus zu sein scheint, sondern dass am Schluss mit diesem Material, was da ist, dann nochmal gearbeitet wird. Es gibt sowas wie eine Post. Das klingt für mich jetzt nicht dumm vom Ansatz. Das kann man auf jeden Fall machen. Und ich kann mir auch vorstellen, dass da was Gutes draus entstehen kann.
Florian Bayer: Ja, also im Gegensatz zu Theatersport, den du als dumm bezeichnen würdest. Ja, für mich auf jeden Fall irgendwie schon. Okay. Ja, ich meine, ich kann mit Theatersport eben auch nicht so viel anfangen. Bei einem Film kommt mir halt noch dazu, das, was wir eben jetzt gerade besprochen haben, dass der Schauspieler vielleicht nicht in dem Moment, in dem es passiert, der richtige Autor für die Sache ist. Ja. Das ist halt so ein bisschen das Ding. Weswegen auch die meisten Mumblecore-Filme für mich so ein dramaturgisches Problem haben. Weil die auch über einen ganzen Film, über verschiedene Szenen versuchen, irgendwie dem Schauspieler zu überlassen, dass er jetzt die richtige Idee dafür hat, wie das vorangeht. Natürlich hat man irgendwie als Regisseur eine Idee davon, was man der Szene geben könnte, im Idealfall. Manchmal hat man halt keine Idee und lässt einfach laufen. Ja. Und das gelingt halt mal mehr, mal weniger. Und es ging dann so weit, dass es in Deutschland einen Tatort, glaube ich, eine Tatort-Folge gab oder Polizeiruf, jedenfalls einer dieser Krimiserien, die mit diesem Konzept gearbeitet hat. Ui. Die sind in ein Theatermilieu gegangen, dann waren da gleich quasi Schauspieler, aber es waren Laien-Schauspieler, die dann improvisiert haben den Tatort. Oh Gott. Okay. Und das war schwer anzugucken. Kann ich mir vorstellen. Also ich meine, es funktionierte irgendwie, ne? Sonst hätten sie es nicht gesendet.
Johannes Franke: Naja, also ich finde, dass es funktioniert, muss nicht nur Voraussetzung sein, dass ein Tatort gesendet wird.
Florian Bayer: Ist das gemein. Ich hab's mir angeschaut. Ich hab's nicht aufgehört damit dann. Ich hab's nicht abgeschaltet. Aber ich hab dann schon gedacht, ah, irgendwie, da fehlen echt so viele Sachen, die das Vergnügen des Guckens ausmachen. Ja.
Johannes Franke: Vielleicht noch um eine Sache aus dem Improbereich oder Artverwandten hervorzuheben, was ich gut finde, ist das, was man bei Comedians im Allgemeinen als Ad-Libs bezeichnet, was vor allem so Stand-Up-Comedians machen. Ja. Also gerne als Teil von einer größeren Show, einfach am Schluss nochmal so, ich quatsch jetzt noch 10 Minuten mit dem Publikum. Ja. Und es ist natürlich auch extrem abhängig davon, wie gut dieser Comedian ist. Und da gibt's welche, die sind verdammt gut und es gibt welche, die können das nicht, aber die machen's dann auch meistens nicht. Ja. Also der Dame, der mir als erstes einfallen würde, wäre Steve Hofstetter, der im Internet so ein bisschen so eine kleine Berühmtheit erlangt hat dadurch, dass er Videos online gestellt hat, wo er sich mit Hacklern, also mit Störfrieden auseinandersetzt während seiner Auftritte und die halt immer ganz gut, ganz gut fertig macht. Ja. Und der hat dann irgendwann, weil das gut angekommen ist, in seine Programme immer größere Ad-Lib-Momente eingebaut und hat dann irgendwie in seinen Comedy-Shows meistens am Schluss nochmal so ein 20-Minuten-Segment, wo er einfach sagt, so jetzt könnt ihr Fragen stellen, jetzt reden wir noch ein bisschen. Ja. Und da entstehen oft witzige Sachen. Ich weiß nicht, ob man das wirklich zu dem Inputing zählen kann, weil er, also natürlich setzt es auch oft Comedy und ohne Gescriptung. zu sein, aber es ist halt schon so ein bisschen anders einfach, weil es halt wirklich auch so ein lockeres Reden ist und ein Präsentieren ist und dann auch auf Gags zurückgreift, die er kennt. Das ist was, was ich mir angucken kann. Wenn es jemanden gibt, der das gut macht, dann finde ich das witzig. Weißt du, wir waren auch mal im, wie heißt es nochmal, Berlin Comedy Bar, sind wir sogar aufgetreten bei einer offenen Bühne.
Florian Bayer: In der Scheinbar?
Johannes Franke: In der Scheinbar, genau. Wir sind mal in der Scheinbar zusammen aufgetreten und da war jemand, den kanntest du auch, der hat seine ganze Nummer darauf basieren lassen, dass er 15 Minuten mit dem Publikum geredet hat. Ja, stimmt, Thomas Kreimeier. Dass mir das zum ersten Mal so Adlib Comedy wirklich aufgefallen als Möglichkeit der Darbietung, nicht einfach nur als Teil des Programms, wenn jemand stört oder wenn man nicht weiß, wenn das Programm nicht reicht.
Florian Bayer: Der ist einfach so gut. Der ist einfach auf die Bühne gekommen, hat einen kleinen roten Stuhl, so Spielzeugformat auf die Bühne gestellt und hat darüber dann angefangen mit den Leuten zu reden.
Johannes Franke: Ja, und dann wirklich witzig auch, der hatte einfach ein unfassbar gutes Timing so für, weil entstehen unangenehme Pausen, wie muss er Leute angucken, der hat gar nicht so viel reden müssen. Der hat den Leuten Fragen gestellt, die haben ein bisschen mit ihm geredet und dann hat er es geschafft, in so ganz kleine Sachen reinzustechen und da die Komik oder auch die Tragikomik rauszuziehen und das war super. Das ist was so Adlib Comedy, wenn es jemand macht, der gut ist, da gibt es auch welche, wo du denkst, oh bitte nicht, hör auf, dann ist es wirklich unterhaltsam.
Florian Bayer: Es gibt auch ein paar Comedians, die das dann immer am Anfang zum Aufwärmen für die Leute versuchen, so bevor sie in die richtige, in ihre Nummern reingehen, kommen die auf die Bühne. Gerade bei den Netflix-Specials sieht man das manchmal so ein bisschen, dass die am Anfang mit der ersten Reihe so ein bisschen gequatscht haben oder so.
Johannes Franke: Ja. Hazel Brugger macht das übrigens auch ganz gut, um was wirklich Aktuelles zu nennen. Die hat ja diese, auf YouTube diese Show gemacht, aber das ist halt eigentlich keine Impro-Comedy mehr, wo sie rumfährt und mit Leuten redet und halt einfach, du musst halt einfach schnell sein dafür, du musst schlagfertig sein und dir müssen witzige Sachen einfallen.
Florian Bayer: Das finde ich halt beeindruckend, das ist dann schon wirklich, das ist die hohe Schule. Das finde ich dann natürlich auch wiederum ganz gut, wenn man das kann. Das ist natürlich was anderes, das ist die andere Seite von dieser Impro-Sache, weil du dann ja auch nicht im Wettbewerb mit anderen bist, wie auf der Bühne, wenn du Theatersport machst und da versuchst, dich gegenseitig zu betteln mit den besten Ideen für irgendeine bekloppte Szene. Also Lerneffekt, wenn du den Wettbewerb rausnimmst und wirklich ganz ernsthaft versuchst, wahrhaftige Figuren auf die Bühne zu stellen oder vor die Kamera zu stellen und dort daraus dann vielleicht versuchst, mit einer Improvisation was rauszuholen. Das kann vielleicht funktionieren. Du weißt, worauf ich hinaus will.
Johannes Franke: Springen wir rein. Funktioniert es denn bei Anke Engelke und Olli Dietrich? Betteln die sich? Gibt es bei denen Konflikt? Versuchen sie sich zu übertrumpfen? Harmonieren sie einfach miteinander?
Florian Bayer: Eingangsfrage ist eigentlich, wie witzig findest du die beiden? Und wie witzig findest du, wollen die beiden sein?
Johannes Franke: Also das ist relativ wenig Humor. Ich finde das Format grundsätzlich dann am besten, wenn es nicht witzig sein will. Das heißt, die erste Folge, finde ich, ist die schlechteste von allen. Oh. Ganz eindeutig. Ja. Wobei, naja, ich finde es, das Lehrergespräch hat auch noch so seinen unangenehmen Moment. Genau. Ich finde, sie sind definitiv am besten, wenn sie nicht witzig sein wollen. Sie wollen, abgesehen vielleicht vom Ersten, da ist es noch sehr viel, fahren sie den Humor aber auch sehr weit zurück. Also sie sind sowieso, auf Pointen sind sie sowieso nicht aus. Ja. In keinem von diesen Dingern. Das finde ich bemerkenswert toll. Und das ist wirklich gut. Allerdings, mal mehr, mal weniger arbeiten sie sich so an klassischen, satirischen Darstellungen von Personen ab, von Archetypen, im schlimmsten Fall Stereotypen. Finde ich halt auch im Ersten am krassesten. Da gibt es einfach die Momente, wo es anstrengend wird. Und das wird aber auch besser, habe ich das Gefühl, so mit der Zeit. Sie haben so das Stereotype immer so ein bisschen mit drin. Auch in den weiteren Episoden. Aber sie schaffen es ganz gut, da drumherum zu arbeiten. Ich glaube da vor allem Props an Anke Engelke.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die meiner Meinung nach noch so ein bisschen mehr es schafft, den Klischees zu entgehen. Und um die Klischees rumzuspielen, während Olli Dietrich manchmal vielleicht ein bisschen zu viel Spaß hat, sich voll reinzuwerfen und die Klischees voll auszureizen. Dazu gehört dann halt auch mal ein gefakter Akzent.
Florian Bayer: Ja, aber den haben sie ja alle. Anke hat den ja auch.
Johannes Franke: Ja, ein gefakter ausländischer Akzent. Als der Messerschlucker bei Laos Geheimnis. Ah ja, das stimmt. Das fand ich auch nicht so geil. Wo ich es so ein bisschen schwierig finde. Also ich finde, wenn du so einen sächsischen Akzent machst oder so, ist es was anderes, als wenn du anfängst hier so mit Exotismus. Genau, den Italiener, den heißblütigen Mittelmeer-Anrainer irgendwie darzustellen. Aber ich weiß nicht, muss man nicht unbedingt machen.
Florian Bayer: Aber das hat er auch in seinem Leben lang immer gemacht. Das muss man dazu sagen, das ist Olli Dietrichs Markenzeichen. Der hat wirklich jede Form von Parodie von ihm. Er hat gesagt, er ist ein Menschendarsteller. Und damit versucht er natürlich klarzumachen, dass er einfach jede Varietät von Mensch einfach nimmt und versucht, das zu kondensieren und einfach darzustellen. Das finde ich spannend, finde ich einen interessanten Ansatz. Aber natürlich kommen dann solche Sachen auch mal raus. Dass man denkt, ah, da versucht jemand den heißblütigen Italiener zu machen und das ist irgendwie sehr unangenehm geworden. Das passiert einfach bei ihm auch.
Johannes Franke: Ja, es ist tatsächlich, genau, also wir haben hier kein Blackfacing.
Florian Bayer: Nein, das nicht.
Johannes Franke: Es ist die einzige Episode, wo er es macht und es ist so im Rahmen, wo man sagt, ja, es waren halt auch die 2000er. Ja. Heute würde man das vielleicht nicht mehr so machen. Und du sagst es schon, Olli Dietrich ist halt wirklich krass, in Rollen zu schlüpfen. Und ich meine, er spielt hier ja auch eine Bandbreite von Alter 50 bis Alter Mitte 20, Ende 20. Wie alt soll er in dieser Fahrstuhl-Episode sein?
Florian Bayer: Ja, Mitte 20, Mitte Ende 20, ja.
Johannes Franke: Das ist total krass. Und er spielt beides, ne? Also er kann den 50-Jährigen, der wirklich verlebt ist und der aus Einsamkeit und Frust auch verlebt ist, kann er genauso spielen wie den 25-Jährigen, der irgendwie so eine Zukunft vor sich sieht und voller Energie steckt. Ja. Und ich meine, er war ja damals, als das gemacht wurde, war er ja auch nicht mehr der Jüngste, ne?
Florian Bayer: Mitte 40, 42 oder sowas, weiß ich nicht genau.
Johannes Franke: Genau, also er ist 1956 geboren, das heißt, er war Mitte 40 und er spielt die jungen Hüpfer und er spielt die alten Leute. Und es ist eben nicht nur das Kostüm. Natürlich sind die Kostüme und die Masken sind super.
Florian Bayer: Ist wahnsinnig wichtig und gut gemacht. Und die sind richtig gut da, auf jeden Fall. Wobei man sagen muss, wenn er im Auto nach Schweinau sitzt.
Johannes Franke: Die Haare sind ein bisschen zu viel vielleicht.
Florian Bayer: Ja, er sieht doch sehr nach einem jungen Typen mit einem grauen Bart aus. Also angeklebten grauen Bart. Es sieht ein bisschen, naja. Ich finde die Haare ja zu krass.
Johannes Franke: Und ich finde es gut, dass Anke Engelke dann als Ruth die Haare nochmal thematisiert und sagt, naja, sie haben da ja schon eine ganz schöne Sturmflur. Ja, genau. Und er sagt, das kann doch passieren, wenn Wind ist und er versucht das dann selbst dann runterzuspülen, weil er vielleicht selbst merkt, dass die Frisur ein bisschen viel ist. Aber was ich sagen wollte, es ist eben nicht nur das Kostüm und es ist nicht nur die Maske, sondern das muss auch jemand mit Leben füllen, Schauspieler oder eine Schauspielerin. Genau.
Florian Bayer: Machen sie beide. Machen sie beide. Und man muss dazu sagen, die sind halt beide, die kommen wirklich aus der Comedy. Und deswegen hat mir es damals so sehr mich aus den Socken gehauen, weil ich gedacht habe, das sind keine ernstzunehmenden Schauspieler bisher gewesen. Das sind Comedy-Leute, die sind gewohnt, alles drüber zu machen und keinen Satz glaubhaft drüber zu bringen, sondern auf Lacher drüber zu bringen. Und dass sie das so zurückgefahren haben und sich wirklich darauf konzentriert haben, diese Figuren aufeinandertreffen zu lassen, ohne diesen Wettbewerbsgedanken, wer kann den geilsten Gag bringen. Weil da, wenn ich mir das angucke, jede dieser sechs Episoden, mir fallen 200.000 Gags ein, die man hätte einbringen können, die alles lächerlich gemacht hätten, die vielleicht auch lustig gewesen wären, die aber das Format verraten hätten. Und die haben sie alle links liegen lassen, diese blöden Gags. Und da bin ich sehr beeindruckt gewesen damals.
Johannes Franke: Das stimmt. Ich finde, im ersten machen sie das noch am stärksten. Ich habe so das Gefühl, nach dem ersten Teil merken sie, was gut funktioniert hat und was weniger gut funktioniert hat. Ja, ja. Und dann, also man hat so das Gefühl, wenn man das zweite sieht, das Taxi nach Schweinau, dass sie feststellen, ah, im ersten haben wir es vielleicht doch ein bisschen übertrieben mit unseren Stereotypen. Die hätten wir vielleicht nicht ganz so krass machen sollen. Vielleicht war das ein bisschen zu albern und zu absurd. Und dann fahren sie alles etwas zurück. Ich finde das super witzig im Taxi nach Schweinau, dass es immer wieder diese Momente gibt, wo man merkt, Olli Dittrich will es wieder hochfahren und Anke Engelke ist in ihrer Rolle. Sie bleibt in ihrer Rolle, aber sie macht das in ihrer Rolle. Fahr mal runter, komm mal runter. Wir machen hier jetzt nicht nochmal so ein Spektakel, sondern wir machen das hier alles etwas geerdeter und etwas realistischer. Und deswegen nochmal props vor allem an Anke Engelke, bei der ich oft das Gefühl habe, dass sie es ganz gut schafft, auch Olli einzufangen, der vielleicht manchmal doch ein bisschen krasser werden würde und ein bisschen irrer werden würde, wenn sie ihn nicht bremsen würden in ihrer Rolle.
Florian Bayer: Wobei er sich auch selbst bremst. Man merkt es auch die ganze Zeit, dass er, ich habe das Gefühl, ihn denken zu sehen, ihn überlegen zu sehen, mach ich das jetzt, mach ich das nicht. Er hat zum Beispiel im Taxi nach Schweinau eben dieses Jackett und darüber den Mantel, dann zieht er den Mantel aus. Er macht ein Theater draus, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, total.
Florian Bayer: Und es dauert und es dauert, aber es überschreitet nicht den Punkt, den ich als Comedian, wo ich wirklich auf den Gag hätte gehen wollen, noch überschritten hätte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er geht nicht komplett drüber, sondern es hört an der richtigen Stelle auf und man denkt, okay, gut, er hat es nicht gänzlich übertrieben.
Johannes Franke: Ja. Und im ersten von 2001, finde ich, gibt es halt doch sehr viele Momente, wo sie es übertreiben, wo sie es beide übertreiben.
Florian Bayer: Dann lass uns doch mal in den ersten reingehen. Lass uns doch mal überlegen, was stört dich am ersten, was ist da noch zu viel und was wird dann sozusagen besser?
Johannes Franke: Also grundsätzlich ist mir im ersten viel zu viel mit dem Fremdscham gespielt. Oh, okay. Fremdscham? Die Art, wie sie sich verhalten, wie sie so eine gewisse Unawareness haben gegenüber einer sozialen Situation und einem sozialen Kontext. Also es ist sehr viel awkward. Es passieren sehr viele awkward Dinge in diesem Gespräch zwischen den beiden. Und das meiste zielt eben doch drauf ab, habe ich das Gefühl, dass man über sie lachen soll. Also ich merke, dass mir hier zwei Personen präsentiert werden, die irgendwie mir sympathisch werden sollen, aber dafür kriegen sie einfach zu viele von diesen absurden Verhaltensweisen. Diese Übersprungshandlungen und diese Kompensation, also vor allem von seiner Rolle, er spielt ja den Rainer, der halt so das Gefühl, irgendwie ein Versager zu sein und es nicht so wirklich geschafft zu haben, der kompensiert es halt die ganze Zeit, indem er sagt, ich mach das so und dann klappt das schon, dann sag ich dem, mach das mal so, ich rufe jetzt da mal an bei dem Radio und sag, die sollen deine Stimme öfter spielen. Und er ist dadurch halt natürlich schon so ein ziemlicher Angeber, aber eben komplett konterkariert durch sein Auftreten, durch seine Art sich zu verhalten. Man merkt, er ist einfach unbeholfen und der versucht das zu kompensieren und das ist mir einfach zu drüber. Das ist mir einfach zu viel und dadurch, ich mag Sachen, die Fremdscham auslösen, ich gucke sowas auch gerne. Ich hab Stromberg mit Genuss geguckt, aber das ist mir echt zu hart. Ich find Blind Date, das erste Blind Date von 2001, 60 Minuten zu gucken, ist echt eine Herausforderung. Einfach, weil du die ganze Zeit dich schämst für diese beiden.
Florian Bayer: Ja, vor allem für ihn. Ich hab mich ganz wenig geschämt für die beiden. Wirklich? Ja, weil ich nämlich sofort auf den Zug aufgesprungen bin und gedacht habe, okay, es gibt jetzt eine Karikatur, ist in Ordnung. Es ist drüber, du hast vollkommen recht, ne? Also die Figuren sind einfach viel extremer geschrieben, also das hat ja keiner geschrieben, aber viel extremer gespielt, als sie wären in Wirklichkeit. Und dadurch entsteht natürlich eine erhöhte Fremdscham oder was auch immer. Ich hab Fremdscham nicht so viel erlebt, aber sobald man sich darauf einlässt und sagt, okay, das ist jetzt die Präsentationsform, in der mir das präsentiert wird. Und ich darüber hinweg komme, kann ich die beiden Figuren einfach als vom Leben versehrte, einfach sehen, wie die sich einfach voreinander, die versuchen voreinander zu bestehen irgendwie, weißt du? Und dann versuchen die sich anzunähern und er versucht, besser zu sein, als er ist. Sie versucht irgendwie auf der anderen Ebene, mit ihren Brüsten oder was, besser zu sein, als sie ist. Und ich finde, dass beide einen Kerntreffen, natürlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen, aber ein Kerntreffen, der wirklich anrührend ist am Ende.
Johannes Franke: Es hat am Ende dieses Anrührende. Definitiv. Ich finde auch, dass die grundsätzliche Idee schön, dass wir zwei Charaktere haben, die beide eigentlich dasselbe machen. Und zwar, indem sie mit so Halbwahrheiten und Unwahrheiten und Übertreibung versuchen, den anderen zu beeindrucken. Und das ist die Impro.
Florian Bayer: Ja. Das fand ich auch so beeindruckend an der Sache. Das ist nämlich das, die haben nichts abgesprochen vorher, sondern die haben wirklich eine Figur gehabt, mit der sie sich da hingesetzt haben und die wussten nicht, wer kommt denn da jetzt. Also was für eine Figur macht Anke denn jetzt? Ja. Und was hat die für ein Ziel? Ja. Und dann sind die einfach so gut miteinander, dass sie verstehen, aha, okay, hier geht das hin, das geht dorthin. Als es Klick machte bei Anke, dass sie gedacht hat, okay, ich muss jetzt diejenige spielen, die so wahnsinnig beeindruckt ist von ihm. Ich fand das so eine geile Entscheidung. Das sieht man so in ihrem Augen in dem Moment, wo es so losgeht. Sie sagt, oh, du bist schon so ein Macher, ne? Du bist schon toll. Das ist so großartig, eine tolle Entscheidung. Und so schaukeln die sich gegenseitig hoch. Und das ist eine Impro. Ist das wahnsinnig wertvoll?
Johannes Franke: Es ist auf jeden Fall krass beeindruckend, wie die beiden im Ersten miteinander harmonieren, wie sie es schaffen, die Rollen, die sie entwickelt haben, aufeinander einzustimmen und miteinander spielen zu lassen. Ich finde die Entscheidung von beiden auch gut, das dann in die romantische Ecke weiterzutreiben. Aber es ändert nichts daran. Es ist so unangenehm. Es ist allein, wie er in seinen Nudeln rumstochert. Und dann sagt sie, meine Brüste sind übrigens echt. Und dann lacht er sie so an mit vollem Mund. Oder er sagt, ja, ich rufe jetzt an beim Radio und fummelt die ganze Zeit mit dem Handy da rum. Und ich kriege das geregelt. Und sie sagen, machst du das wirklich? Oh, ich werde ja noch ein Star. Und es ist so unangenehm. Die ganze Zeit. Ja, es ist beeindruckend, wie sie miteinander harmonieren. Sie können das echt gut spielen, auf jeden Fall. Sie können gut auf den anderen eingehen und so weiter. Und total Respekt davor. Aber es ändert nichts daran, dass ich mich die ganze Zeit wirklich unangenehm fühle während diesem Ding. Es gibt einen wirklich schönen Moment, wenn er auf dem Klo ist und sie überlegt, wie sie sagt, ich würde gerne bei dir schlafen. Und das ist ein angenehmer Moment, weil der Gegenpart fehlt. Weil sie sich nicht gegenseitig peinliche Sachen machen, weil sie allein da ist. Das ist der schönste Moment eigentlich, dieses ersten Blind Dates, weil sie allein ist.
Florian Bayer: Aber die Fremdscham kommt doch vor allem zustande, wenn jetzt zum Beispiel das mit dem Kellner mehr ausgegangen wäre. Weil der Kellner ist echt. Wir wissen, die sind in ein italienisches Restaurant gegangen und haben gesagt, wir wollen jetzt hier drehen. Wollt ihr euren Kellner vielleicht mit reinwerfen? Der kommt dann halt ab und zu und macht seinen Job. Und der kennt das halt nicht, vor der Kamera zu stehen. Wenn man mit dem irgendwie mehr gemacht hätte, dann hätte ich mich mehr fremdgeschämt, weil das mehr bedeuten würde, dass jemand, der nichts dafür kann, irgendwie noch mit reingezogen wird. Aber so dadurch, dass die beiden einfach als Menschen, auch als Figuren, einander irgendwie, weiß ich nicht, wie so ein Zahnrad zusammenkommen, finde ich es vollkommen okay.
Johannes Franke: Aber stell dir vor, also ich meine, die sind ja auch so laut. Stell dir vor, du sitzt da im Restaurant am Nebentisch. Das ist ja vollkommen egal. Du weißt ja, es ist eine öffentliche Situation. Ja, okay. Und du kannst dem ja nicht entgehen. Wenn du da am Nebentisch sitzt, bist du total gestresst den ganzen Abend. Du sitzt da dann auch nicht und denkst, hoffentlich kriegen sie sich dann. Oh, bitte, bitte geht nach Hause. Ich will nicht mehr. Ich will das nicht mehr hören. Es war eigentlich geplant für Olli, Tiere-Sensation, ne? Genau.
Florian Bayer: Für diese sehr kurzlebige Show, die er hatte. Und dann hat er nur Ausschnitte davon gezeigt und dann haben sie es irgendwann als Film nochmal ausgestrahlt, als Zusammenhängenden.
Johannes Franke: Übrigens, im Prinzip haben sie da, was sie später in anderen Folgen auch mal mehr, mal weniger haben, diese sehr, sehr harten Schnitte mit Blenden. Ja, ja, ja. Wir blenden ins Black und blenden wieder rein, um Zeit vergehen zu lassen. Ja, na, oder um Sachen rauszuschneiden, die einfach passiert sind, die ich nicht wollte. Aber um so einen Zeitverlauf damit klarzumachen. Also es wird nicht gefaked geschnitten. Im Taxi ist es mir am stärksten aufgefallen, weil das Taxi allein durch das Setup, dass er irgendwie innerhalb von zwei Stunden da sein muss, so ein Echtzeitgefühl hat. Ja. Und dann gibt es so diese Schnitte, die sehr viel Zeit vergehen lassen. Das Ding dauert aber auch 70 Minuten. War das Taxi 70 Minuten? Das war relativ lang auf jeden Fall. Mindestens eine Stunde. Ja, und dann hat man so das Gefühl, ah, ist da jetzt nicht so viel Zeit vergangen? Kommt er jetzt nicht zu spät? Also da sind mir diese Schnitte sehr aufgefallen deswegen. Okay. In den anderen Episoden fand ich es nicht so krass, weil es einfach nicht diesen Zeitdruck dahinter gibt. Aber hier haben wir so eine ganz klare Zeitdrucksituation.
Florian Bayer: Ja. Das heißt, im Grunde ist bei dir, um das erste Date einmal abzuschließen, vor allem einfach dieses, die Figuren sind zu drüber, um da wirklich reinsteigen zu können für dich.
Johannes Franke: Ja, zu drüber, zu viel Karikatur, vielleicht auch zu wenig originell. Die beiden einsamen Loser, die sich finden und das ist schön und das ist ein bisschen unangenehm, aber es ist auch witzig und es ist romantisch.
Florian Bayer: Aber die Situation, die sind, ich finde, jede dieser Situation, diese sechs Folgen sind an sich relativ klar und nicht außergewöhnlich. Das Außergewöhnliche passiert dann im Gespräch und in der Improvisation. Und ich finde, da hat gerade Anke, ich sag die ganze Zeit Anke, statt Anke Engelke, als ob ich sie irgendwie seit 20 Jahren kennen würde, privat, aber das stimmt nicht. Es tut mir sehr leid, aber ich finde, sie hat so viele tolle Ideen, so viele tolle Sätze und die sie auch gut setzt. Ich weiß nicht, man kann es auch plump sagen, aber ich finde, dass sie solche Sachen sagt wie, ich habe auch Bekannte hier, ich kann hier auch schlafen, ohne dass irgendwas vorher besprochen würde. Sondern, dass sie damit rausplatzt, weil sie so nervös ist, dass sie gleich am Anfang sagen muss, ich muss nicht unbedingt mit dir mitgehen, ich habe auch jemanden, wo ich pennen kann. Ich finde das super süß.
Johannes Franke: Sie hat gute Ideen. Ich finde in der ersten Episode auch Anke Engelke deutlich stärker als Olli Dietrich. Also, sie spielen beide gut, sie machen das beide gut mit ihren Rollen, aber ich finde sie glaubwürdiger. Das ist es vielleicht auch, ich finde sie einfach ein bisschen, ich finde sie ein bisschen glaubwürdiger und ein bisschen, vor allem ein bisschen gesetzter, ein bisschen weniger Karikatur. Sie ist auch drüber. Und sie steigern sich auch beide so rein dann und gehen da sehr, sehr immer weiter rein in dieses Übertriebene. Aber sie bremst das immer ein bisschen ab und ich finde sie dadurch stärker und glaubwürdiger, ihre Rolle irgendwie auch ein bisschen angenehmer. Ich finde ihn wirklich unangenehm.
Florian Bayer: Das zieht sich durch die ganze Serie durch, finde ich, dass er tatsächlich dieses Karikaturhafte viel stärker drauf hat.
Johannes Franke: Er hat stärker als sie, ja.
Florian Bayer: Und wenn er zum Beispiel dieses Lachen, was er sich zugelegt hat, das ist ein zugelegtes Lachen. Das wirkt nicht echt. Das ist halt die Figur. So lacht jetzt die Figur. Und das ist so ein bisschen raufgepfropft und man denkt als Zuschauer, okay, so soll der jetzt sein, aber ich glaub der Figur nicht, dass sie so ist. Und das macht Anke viel besser, natürlich. Ja. Sie ist einfach die bessere Schauspielerin? Kann sein, ja. Kann absolut sein. Obwohl, ich muss sagen, also wenn ich mir Oli Dittrich anschaue mit Ditsche, was der über die Jahre entwickelt hat, das ist total gut.
Johannes Franke: Müssen wir auch nochmal drüber reden. Es ist ja auch Impro, ne?
Florian Bayer: Ja, alles ist froh.
Johannes Franke: Oli Dittrich hat seine Karriere offensichtlich nach 2000 komplett auf Impro aufgebaut. Ja. Und Ditsche hat mittlerweile irgendwie, keine Ahnung, zwei Millionen Episoden ungefähr. 365.000 Staffeln, so irgendwas um den Dreh.
Florian Bayer: In den Dreh, genau. Es ist wirklich der Hammer. Und dann sind da alle möglichen Bekannten vorbeigekommen und haben da irgendwie noch, Thomas Gottschalk war da und Jan Böhmermann und was weiß ich, die da alle mitgemacht haben. Und das wird ja immer live gesendet, oder? Also da entscheidet irgendein Zufallsroboter, welche Kamera gerade genommen wird, die da installiert ist. Und dann hast du mal ein leeres Bild, weil die halt so woanders sind.
Johannes Franke: Über Ditsche müssen wir gleich auch noch reden. Ja. Spoiler, ich bin nicht der große Ditsche-Fat. Oh nein! Tut mir leid, heute ist ein Tag voller Enttäuschung. Okay, reden wir später drüber. Taxi nach Schweinau. Taxi nach Schweinau. Viel besser als die erste. Meine zweitliebste Episode. Okay. Weil viel weniger, viel, viel, viel, viel weniger absurder Humor und auch wieder dank Anke Engelke und dank ihres Kampfes gegen Olli in ihrer Rolle. Ja. Und ich würde gerne mal, ich würde gerne, wirklich gerne mal Anke Engelke und Olli Dittrich getrennt voneinander befragen, wie sie die Episode wahrgenommen haben. Ja. Ich habe das Gefühl, Anke Engelke kämpft ganz oft dagegen, dass Olli Dittrich die Folge zu, zu krass werden lässt, zu dramatisch, zu melodramatisch, zu albern, zu absurd. Sie versucht in allen Momenten zu bremsen und das tut der Episode unglaublich gut. Ja, total. Weil dadurch bleibt die ruhige Ruth, fast konsequent die ruhige Ruth und wir erfahren fast nichts über sie. Und ich würde sogar behaupten, die Brocken, die sie rausgibt aus ihrem Leben, die so eine tragische Background-Story offenbaren, die hätte sie sich auch schenken können. Ja, ich weiß, du hast es auf dem Papier stehen und der Olli nervt auch damit und will das nachlesen. Aber vielleicht wäre es wirklich mutig gewesen zu sagen, ey, die Zuschauer müssen nicht alles erfahren, was auf diesem Zettel steht. Dann wäre sie noch besser geworden, die Episode.
Florian Bayer: Ich glaube, dass da noch viel mehr auf dem Zettel stand bei ihr.
Johannes Franke: Auf jeden Fall stand da mehr. Aber ich habe so das Gefühl, sie hat so die harten Punkte, die hat sie rausgehauen. Vielleicht hätten wir gar nicht erfahren müssen, dass ihr Sohn nicht bei ihr lebt, dass der bei seinem Vater ist, dass sie ihn vermisst, dass es da problematisch ist. Vielleicht hätten wir das nicht erfahren müssen.
Florian Bayer: Da bist du mir ein bisschen zu extrem, glaube ich. Weil das finde ich schon gut. Und ich finde gerade das, dass ich das weiß irgendwann, macht ihre Härte, die sie dem Thema gegenüber hat, was sich lange für mich nicht erklärt hat. Erst als sie das dann erzählt, so ein bisschen. Und sie erzählt ja wirklich nicht viel. Sie sagt ja die ganze Zeit nur, und das ist das letzte Wort, was ich dazu sage. Das sind wirklich ein paar Sätze nur, die wir von ihr erfahren. Und ich finde es so großartig, weil auch in ihrem Spiel so viel Verbitterung und so viel Härte und so viel Versuchen, die Emotionen zu deckeln und so. Und dann auch so fast schon Pippi in die Augen bei ihr, weil sie so an der Grenze ist, da jetzt auszubrechen oder nicht. Und sie tut es nicht und es ist so großartig. Sie macht es wirklich sehr, sehr gut. Und da hast du natürlich vollkommen recht. Sie ist diejenige, die die Szene versucht und auch es in großen Teilen schafft, in einem vernünftigen und realistischen Rahmen zu halten. Während er immer versucht auszubrechen.
Johannes Franke: Und zwar in dem Fall, im ersten Planet Date habe ich das Gefühl, er will ins Comedy-Fach ausbrechen. Und hier will er sehr oft ins Milodramatische ausbrechen. Wir haben, Olli Dittrich spielt den Uwe, der seinen Zug verpasst hat und jetzt ins Taxi steigt, weil er ganz schnell nach Engelskirchen. Schweinau? Du weißt ihn nicht. Er muss zur Beerdigung von seinem Vater, der gestorben ist und er landet dann im Taxi von der ruhigen Route. Und die Fahrt ist relativ lange, weil das schon ein Stück entfernt ist, aber sie sagt zu ihm, wir schaffen das und dann halten sie sich im Auto. Das ist so das Setup und während dieser Fahrt erfahren wir, dass er eigentlich so ein bisschen der ungeliebte Sohn des Vaters war. Er ist auch von einer anderen Frau als sein Bruder und es soll das Testament vollstreckt werden. Und es offenbart sich so ein bisschen, dass er eigentlich von seinem Vater nie die Anerkennung gekriegt hat, die er gerne gehabt hätte. Dass er aus der Art gefallen ist. Es hat sehr lange gedauert, bis der Vater sich überhaupt zu dem Sohn bekannt hat. Er hat gesagt immer, der Uwe ist ein Agent, den halten wir geheim. Genau. Und parallel gibt es halt diese Geschichte von Ruth, die ihren Sohn nicht sehen kann, den Mohammed. Und wir erfahren nicht so genau, was da los ist, aber offensichtlich ist er bei seinem Vater im Ausland.
Florian Bayer: Ja, genau. Und er hat sie wahrscheinlich einfach mitgenommen und sie darf ihn nicht sehen, ob das jetzt von Gerichts wegen oder wissen wir alles nicht genau.
Johannes Franke: Das Spannende ist, dass Olli Dietrich in seiner Rolle als Uwe die ganze Zeit versucht, und das passt auch zu der Figur des Uwe, das ist jemand, der liebt werden möchte, der irgendwie näher sucht, der versucht eine Nähe zu entwickeln zu dieser Ruth. Und will auch persönlicher werden in verschiedenen Bereichen. Nicht, dass er romantische Offerten macht, das Gott sei Dank nicht. Aber er will, dass alles persönlicher wird und sie bremst es ab. Und sowohl Anke Engelke als auch Ruth machen das wirklich konsequent. Und das macht die Episode sehr stark, dass wir hier diesen Zweikampf haben, dass der eine die Nähe sucht. Und ich glaube, das ist auch die ganze Zeit im Kopf von Olli, ey, ich muss doch jetzt ein bisschen mehr an diese Situation ran. Und es passt Gott sei Dank auch zur Figur des Uwe. Und die Ruth blockt es aber ab. Sie ist, wie sagt er, er sagt zu ihr, sie sind aber auch ganz schön kalt oder sie sind auch ganz schön hart. Und aber ich sehe doch, dass sie ein Herz aus Gold haben, aber sie mauert die ganze Zeit. Da entsteht echt ein guter Konflikt und eine gute Spannung zwischen den beiden. Und die hält sich während der gesamten Fahrt. Wir erfahren nicht viel über Ruth und er versucht sie auszufragen und sie blockt ab. Und ich finde, es macht auch Sinn. Sie trifft die realistische Entscheidung, dass diese Ruth das eben nicht so erzählt, einfach so jedem dahergelaufen. Auch nicht, nachdem er sich offenbart hat, selbst wenn er damit argumentiert.
Florian Bayer: Und was auch ganz stark ist, ist, dass sie tatsächlich am Ende beschließt, ihn wieder abzuholen dann auch. Das finde ich so krass. Das ist so gut, weil sie eine Tür aufmacht, in die wir dann nicht mehr reingucken können und nicht mehr wissen, was dann wird dann passieren. Aber ich glaube nicht, dass sie von ihrer spröden Seite ablassen wird auf der Rückfahrt.
Johannes Franke: Nein, glaube ich auch nicht. Ich glaube, wir werden auf der Rückfahrt, wird ja nicht viel über sie erfahren, aber das ist auch vielleicht ein bisschen mehr. Aber vielleicht kann er sich auf der Rückfahrt nochmal ausheulen. Eigentlich haben wir hier auch eine Situation, dass sie die ganze Zeit die Starke ist, die ihn stützt. Ich liebe diese Schlussszene, wenn er aus dem Taxi aussteigt und sie dann sagt, ja, ja, warte, ich bleibe noch kurz hier stehen. Ich gucke, dass du da vernünftig ankommst, wo du hin willst. Also sie sitzt im Auto und er guckt nochmal nach ihr ein bisschen und geht dann langsam weiter und sie sitzt da und monologisiert und sagt halt so, naja, ich gucke noch. Ich fahre jetzt nicht einfach los, geh ruhig. Und es ist so süß, die sind auch sehr schön geschnitten. Die Bilder, wie man ihn sieht, wie er halt so etwas unbeholfen geht und sie guckt, ob alles klar ist, ob er zurechtkommt. Ist stark gemacht.
Florian Bayer: Ja, finde ich auch. Wenn wir bei der Problematik sind, dass der Schauspieler ja nicht der beste Autor unbedingt in der Situation ist und nicht unbedingt der beste Dramaturg, finde ich trotzdem gut, wie Olli Dietrich das anfängt mit seinem Telefonat. Das Telefonat, finde ich, schreit nicht zu sehr Exposition, Exposition. Ich muss jetzt alles erklären, was in der Episode eine Rolle spielen wird. Sondern er wirft halt so Brocken rein, die wir uns dann zusammen puzzeln und die sie sich dann auch zusammen puzzelt. Und dann entwickelt sich das nach und nach. Und ich finde, das haben die auch in den anderen Episoden ganz gut drauf, dass die nicht anfangen, gleich am Anfang so, hier, das ist mein Baggage und das ist dein Baggage und jetzt wird das verhandelt. Sondern es kommt jeder so ganz allmählich mit Sachen um die Ecke. Und das finde ich sehr gut. Und das hätte man sehr schnell auch falsch machen können.
Johannes Franke: Gerade so eine Background-Story besteht so total die Gefahr, dass du eine Exposition raushaust und sagst, das ist übrigens mit mir, das ist mit mir und das mit mir. Aber es dauert ein bisschen, bis wir erfahren, dass er gar nicht beim Vater groß geworden ist, sondern dass er den Vater erst später sehen durfte, dass er später auf den Hof kommen durfte. Es ist einfach, ja, es fühlt sich gar nicht an, wie wir seine Geschichte nach und nach präsentiert bekommen. Er regt sich erstmal über Karl-Heinz auf. Was macht denn der Karl-Heinz jetzt bei der Testamentseröffnung? Die beiden Buben sollen doch das kriegen.
Florian Bayer: Das ist super. Ich finde das wirklich toll. Hier habe ich allerdings das Problem, dass wirklich Olli Dietrich für mich zu jung aussieht. Er spielt das gut, aber er sieht einfach viel jünger aus, als der graue Bart es suggerieren soll und die grauen Haare. Es ist ein bisschen, ah, jetzt kommen wir ins Theater, habe ich das Gefühl.
Johannes Franke: Ja, also mich hat der Bart gar nicht so sehr gestört, weil die Haare einfach so auffällig waren, weil er diese Sturmfrisur versucht, die so wirklich diese krassen, grauen, wuscheligen Haare, die abstehen und die auch die ganze Zeit über aussehen wie so eine Karikatur. Ja. Das ist so wenig bizarr ist, weil die Frisur könnte auch auf so einen total bizarren Typen, der komplett abgehoben ist und nicht von dieser Welt und keine Ahnung hat, was um ihn herum geschieht sein. Aber das ist einfach ein Mann, der im Leben steht. Er hat einen Musikladen und er telefoniert mit seiner Assistentin. Es gibt so ein bisschen den Gag, dass er jetzt zum ersten Mal ein Handy hat, damit nicht klarkommt, dass es deutet so ein bisschen in die Richtung, dass er nicht ganz so auf dem Boden steht. Aber die Figur bleibt eigentlich bodenständig und im Gegensatz zum ersten Planet, ich kann nur nochmal das erste heranziehen, es ist viel weniger Karikatur von einer Person, viel mehr eine glaubwürdige, realistische Person, die man sich vorstellen kann, die existiert.
Florian Bayer: Wobei ich mir natürlich immer die Frage stelle, wer steigt in ein Taxi ein und jammert dann so viel über sein Leben rum. Also er hat schon wirklich sehr viel Ausdauer darin, ihr zu erzählen, auch zusammenhangslos, ohne ihr das wirklich zu erklären, zu sagen, was macht denn der Galeins da und jetzt machen die das Ding auf und ich bin nicht dabei und wir haben doch uns um 16 Uhr verabredet und was soll denn das jetzt alles. Und sie sitzt dann halt daneben und hat keine Ahnung, wovon der da redet. Was soll das? Was ist das für ein Typ? Und ich finde aber die Idee, die Olli Dietrich da anscheinend hatte mit der Figur, was passiert mit so einem Träumer, der irgendwie mit Mitte 20 Musiker werden wollte vielleicht oder so und dann irgendwie Schweinen noch was vorspielt und Musik.
Johannes Franke: Das ist so süß. Das ist der ganze Subplot, dass er den Schweinen was vorgespielt hat.
Florian Bayer: Und was passiert mit diesem Typ Mensch, wenn er nicht wirklich erwachsen würde oder nicht, ich weiß nicht, der ist ja immer noch der Meinung, dass das mit den Schweinen und es war irgendwie, wir finden das süß, aber du musst ja mit Mitte 50 oder was der sein soll oder 60, dann doch irgendwann mal so ein bisschen auch ins Reflektieren kommen darüber und nicht nur darüber jammern, dass sein Vater nicht verstanden hat. Weißt du, was ich meine?
Johannes Franke: Ja, ich weiß, was du meinst. Ja, er ist halt schon sehr unbedarft gezeichnet, auf jeden Fall. Ein naiver Typ.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Aber ich finde es süß, ich finde die Idee süß zu sagen, was passiert mit einem Träumer, der Mitte 50, 60, wenn der Vater stirbt, eigentlich immer noch dieser Träumer ist und der in der Familie nie angekommen ist und der einfach immer noch so.
Johannes Franke: Es ist halt nicht so übertrieben, dass es mich stören würde. Wir erfahren ja, er hat ja offensichtlich eine Karriere gemacht, er hat ja offensichtlich keine große Karriere, aber er hat einen beruflichen Weg eingeschlagen, den er sich vorgestellt hat. Er hat irgendwie seinen Weg im Leben gefunden und jetzt reißt ihn das auch wieder so ein bisschen raus und er wird jetzt wieder an seine Kindheit erinnert und an diese Konflikte, die er hatte mit den geschlachteten Schweinen, was er so fand. Ja. Der Akademiker der Familie, der eben nichts mit dem Handwerk anzufangen weiß. Der Uwe ist aus der Art geschlagen.
Florian Bayer: Der Uwe ist aus der Art geschlagen. Man hat wirklich viel Mitgefühl, finde ich, für ihn und aber auch für sie, zum einen, weil man denkt, auch die arme Tagsüberhörer muss sich den ganzen Scheiß anhören und das deutet die ja auch immer wieder an, dass sie, ja ich hab hier ganz viele Leute sitzen, die machen das und die erzählen mir alles mögliche, da muss man mit klarkommen. Das ist schon krass.
Johannes Franke: Er findet in dem Moment dasselbe wie die Figur Uwe Ackermann und die Schauspielerin, empfindet dasselbe wie die ruhige Ruth. Sie will eigentlich in Ruhe gelassen werden und will nicht zu viel von sich preisgeben. Er will näher aufbauen und dann entsteht eben dieser Konflikt und dem beizuwohnen ist wirklich spannend.
Florian Bayer: Ich hab damals auch diese Folge als erstes gesehen tatsächlich. Ja. Das war mein Einstieg in dieses Ding. Und nachts irgendwann, wo man schon so übermüdet ist, wo man dann eigentlich abschalten würde und sagen würde, ich geh jetzt einfach schlafen. Aber das hat mich so reingezogen. Ich weiß nicht, ob du das auch kennst, dass man, wenn man nachts dann irgendwas guckt, dass einen dann bestimmte Sachen noch stärker reinziehen, weil man so anfängt, das wie so Visionen wahrzunehmen. Weil man so übermüdet ist, dass man irgendwie denkt, okay, das ist jetzt gerade sehr faszinierend. Irgendwie kann ich nicht aufhören. Und jeder vernünftige Mensch würde aber sagen, so jetzt machen wir mal aus. Morgen gucke ich mir das nochmal an und gucke mal, ob ich es wirklich gut finde. Aber es war so ein eindrückliches Erlebnis, dass ich unbedingt die anderen Sachen eben gucken musste. Ich weiß gar nicht, wie das passiert ist, weil ich hab ja, es gab ja kein Internet, wo man das alles hätte nachgucken können, sondern man musste ja auf einen Sendetermin warten. Aber irgendwie habe ich das alles dann gesehen.
Johannes Franke: Es tut der Episode auch sehr gut, dass sie mit 64 Minuten doch deutlich kürzer ist als die ersten 20 Minuten kürzer. Ah, ja, ja, okay. Die werden immer kürzer, die Dinger, ne? Ja, und ich habe auch das Gefühl, die Kürze tut denen ganz gut. Also ich finde es gut, dass sie konsequent nicht auf eine feste Länge gehen, sondern wir haben jetzt die nächsten beiden finden auch so um eine Stunde statt. Aber dann haben wir zum Beispiel Blaues Geheimnis, das vorletzte. Das Gespräch zwischen der Lehrerin und dem Zirkusmenschen. Ah, ja. Das geht nur 38 Minuten. Ja, ja, ja. Und dann die letzte Episode, die davon produziert wurde, Tanzen verboten, geht sogar nur 28 Minuten. Und ich finde die Entscheidung gut zu sagen, wir machen die Länge so, wie sie halt sich entwickelt.
Florian Bayer: Wie sie es halt entwickelt, das ist es halt, das Ding. Und das finde ich super. Das ist ja auch für damals eine sehr schwere Entscheidung. Heute im Internet kannst du andere Sachen anlegen. Da kannst du sagen, okay, es dauert, wie lange es dauert. Die Zuschauer schauen sich das an. Aber wenn du einen Sendetermin hast. Also natürlich sagt dir jeder Redakteur, so ich habe hier einen Slot von anderthalb Stunden. Genau.
Johannes Franke: Bitte füll den.
Florian Bayer: Und wenn der länger ist, dann musst du kürzen. Und wenn es zu kurz ist, dann kann ich es nicht nehmen. Das waren dann kleine Fernsehspieldinger, ne?
Johannes Franke: Also wo ja auch offensichtlich alles läuft. Also es wurde gesendet im Rahmen von das kleine Fernsehspiel. Ach, das habe ich nicht mitbekommen. ZDF-Senderei, die es schon seit 1971 gibt.
Florian Bayer: Wow. Echt krass, Mann. So lange.
Johannes Franke: Und das zweite Ding ist dann ja auch wirklich gut angekommen. Das war dann auch, wo sie nachträglich das erste für den Grimm-Preis nominiert haben.
Florian Bayer: Ja, den Grimm-Preis. Die haben den Grimm-Preis bekommen auch für das Taxi-Ding.
Johannes Franke: Und für das zweite haben sie ihn dann gekriegt in Gold.
Florian Bayer: Das ist total krass.
Johannes Franke: Und war es irgendwie auch nominiert. Ne, danach war es nochmal. Das war auch nochmal für den bayerischen irgendwas, glaube ich. Für den deutschen Fernsehpreis war es auch nominiert auf jeden Fall. Also es hat dann auf jeden Fall irgendwie so Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das war ja auch ein Grund dafür, dass sie dann gesagt haben. Ah ja genau, deutscher Fernsehpreis. Taxi nach Schweinau wurde auch für den deutschen Fernsehpreis nominiert. Und das erste Planet Date wurde dann nachträglich für den Grimm-Preis nominiert. Das hatte ja diese Geschichte, dass es irgendwie so produziert wurde für dieses Olle-Tiere-Sensation. Und dann war es ja eigentlich zerfleddert. Und dann wurde es einmal zusammengepackt und dann wurde es nochmal zusammengezeigt. Genau. Und dann war das, zumindest das Feuilleton ist dann aufmerksam geworden auf die Sendereihe. Und wenn wir einfach mal so danach googeln, haben wir 2002, sehen wir ganz deutlich so die Peak-Zeit, wo dann auch die großen Feuilletons drüber berichten. Und im selben Jahr wurde dann ja auch das dritte produziert, das fünfbeinige Elefanten-Ding. Der fünfbeinige Elefant. Was ist mit dem fünften Bein los?
Florian Bayer: Ist das jetzt deine andere Lieblingsepisode? Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Johannes Franke: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Florian Bayer: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas. iTunes, Beam, whatever. Was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Florian Bayer: Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Johannes Franke: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Der fünfbeinige Elefant ist meine Lieblings-Episode. Okay, dann musst du mir das mal noch ein bisschen erzählen. Weil ich hab's ja auch alle gesehen, wir können darüber... Ich hab jetzt das nicht so...
Johannes Franke: Ja, der fünfte Elefant ist meine Lieblings-Episode, weil ich hab sie nach dem Taxi gesehen. Ja. Und ich wusste nichts von dem ersten Blind Date. Und es hat mich umgehauen, dass sie eine Romanze draus machen. Ich hab damit einfach nicht gerechnet. Ja. Ich hab gedacht, es würde ähnlich laufen wie das Taxi. Dass es einfach ein Gespräch ist und dann gehen sie auseinander. Und es gibt nicht diese feste Interaktion. Sondern es ist halt so, jeder heult sich aus. Jeder, wir erfahren was über die Figuren. Und dann geht das Leben weiter. Und dass sie diese Episode nutzen als Anlass, um das Leben der Protagonisten einmal auf den Kopf zu stellen, fand ich fantastisch. Und ich fand's super gelöst, wie sie es gemacht haben. Ja. Also kurz Recap für das Publikum. Es geht darum, dass zwei Leute im Aufzug stecken bleiben. Und zwar ein Comiczeichner und eine Sportpädagogin. Die bleiben im Aufzug stecken. Er kennt sie, weil sie die Freundin von seinem... Nee, doch, von seinem Nachbarn ist. Ja. Nachbarschaft auf jeden Fall. Genau. Und er will sich eigentlich mit seiner Freundin verloben und hat da Probleme und... Hat da Probleme, ist aber auch untertrieben. Sie ist mit ihrem, mit seinem Nachbarn hat sie auch, ist auch schwierig. Und sie treffen sich im Aufzug, sie reden, unterhalten sich so ein bisschen. Und dann entwickelt sich da einfach eine Romanze draußen auf eine wirklich tolle, organische Art und Weise. Und ich fand's wirklich stark. Es ist, glaube ich, meine Lieblingsepisode, weil es mich damals wirklich überrascht hat, dass sie es durchziehen. Ja. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie das Improformat nutzen, um eine Liebesgeschichte zu erzählen. Das hat mich einfach überrascht. Ja, das hat die bestimmt auch überrascht. Ja. Und das ist so geil daran. Und dass es glaubwürdig ist. Absolut. Mit ihren Blicken und so, wie sie dann zusammen da sitzen und sie raucht und hat die Beine dann so.
Florian Bayer: Und es ist toll. Und ich glaube, da sind wir dann bei genau dem Gegenteil von dem, wo wir angefangen haben mit dieser Episode. Was kann Impro denn? Impro hat ja auch Vorteile. Das darf man nicht unterschätzen. Es gibt ja genug Autoren, die tatsächlich anfangen. Na gut, das sind dann die Schauspielkollegen, die auch Autoren sind, die das machen. Die dann sagen, okay, lass uns einfach mal, ach, danke für den Teplor. Die dann einfach mal Kollegen zusammenraufen und sagen, du bist der, du bist der, du bist der. Ja, wir improvisieren mal ein paar Szenen, um mal zu gucken, in welche Richtung das gehen könnte. Und dann wird das mitgeschnitten und dann sammelt man da so kleine Dialogfetzen und Entwicklungen und Überlegungen. Habe ich auch schon gemacht. Also, dass man wirklich dann gedacht hat, ah, stimmt, wenn ich jetzt, wo ich die Figur spiele, merke ich, dass sich bestimmte Dinge bei mir manifestieren. Quasi bestimmte Stoßrichtungen, bestimmte Gefühle. Und dann wird nochmal gescriptet. Und dann wird natürlich nochmal gescriptet. Du hast vollkommen recht. Aber das ist, ich finde das spannend. Durchs Machen kommen ja manche Sachen erst.
Johannes Franke: Wir hatten ja auch ganz oft Beispiele von großen Filmen, wo die Leute, die daran beteiligt waren, irgendwie während des Drehs nochmal improvisiert haben. Was mir gerade einfällt, vor ein paar Episoden haben wir über Fullmetal Jacket geredet. Wo quasi die Monologe des Drill-Sergeants während des Drehs ganz stark entstanden sind, weil, und zwar trotzdem im Skript eingeflossen sind. Aber der Schauspieler war einfach. Der Schauspieler, der auch Berater war, hat die rausgehauen und dann hat Stanley Kubrick da gesessen, sich Notizen gemacht und dann hat er gesagt, okay, hilf mir mal, schreib mal das noch auf. Und dann hat er noch mehr aufgeschrieben. Ja. Und natürlich, auf jeden Fall, also Improvisieren hat sehr viele Vorteile und ich bin der Letzte, der sagen würde, wenn ein Skript geschrieben ist, sollte das ein Stein gemeißelt sein. Aber, was mich stört ist, ich hab nichts gegen Improvisation in der Kunst, ich hab was gegen dieses forcierte Improvisieren, wenn man sagt, so, wir treffen uns jetzt zum Impro-Theater, wir machen jetzt Impro auf der Bühne und alle wissen das. Gib mir mal ein Stichwort, ha, ha, ha, oh nein, jetzt muss ich auf den Händen stehen, hu, hu, hu. Hier schließt sich der Kreis, ihr könnt die Episode von vorne starten. Aber, ja, du hast vollkommen recht und die Romanz, die sich hier entwickelt, es ist wirklich gut, es ist wirklich eine gute Liebesgeschichte, weil sie auch eine Liebesgeschichte am Anfang ist, ich meine, sie hört auf mit dem Kuss, das ist auch eine unglaublich gute Entscheidung, dann für diesen Moment die Kameraperspektive zu nehmen, wo man nur die Füße sieht. Ja, es ist toll, es ist so toll.
Florian Bayer: Ich bin begeistert von diesen Entscheidungen, die da drin stecken, es ist wirklich schön, eine spannende Entwicklung, weil die beiden, man merkt es den beiden an, nicht sicher sind, mögen wir uns jetzt? Was oder nicht? Wohin will ich denn jetzt? Gerade bei Olli Dietrich habe ich das Gefühl, dass der oft so, der zieht ja seine Stimmung so durch am Anfang, es ist ja sehr betröppelt am Anfang, steht er da und sagt auch nicht viel. Passt ja, so ein Scheiß. Genau, und bringt das so bröchchenweise rüber, was bei ihm nur los ist. Und sie ist so ein Forscher und geht ran und lächelt ein bisschen in die Kamera und sagt, wir treiben uns schon die Zeit, bis wir gerettet werden hier. Beiden, und bei ihm finde ich es am stärksten, sieht man eben an, dass sie überlegen, will ich da jetzt in die Richtung gehen oder will ich das nicht? Und dann werden sie einfach irgendwann übermannt davon. Es lässt sich nicht mehr verhindern. Die sind dann einfach irgendwann an einem Punkt auf No Return und dann müssen die einfach zusammenkommen. Es ist total krass, ich finde es super. Ich finde es ein gutes Beispiel dafür, dass irgendwann Rollen ein Eigenleben entwickeln als Schauspieler, man dann nicht mehr so viel Einfluss hat, wie man eigentlich denkt, was man hat. Die Rolle macht dann einfach.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Also meine Lieblingsepisode von den sechs. Das nächste ist 2003 London War Beat, habe ich nicht gesehen. Willst du kurz was dazu sagen? Würdest du es einordnen, qualitativ? Ich finde es ganz schlimm, dass du es nicht gesehen hast. Ist es das Beste? Ja.
Florian Bayer: Weil dann gucke ich, also wenn du mir versprichst, dass es das Beste ist, dann gucke ich vielleicht noch. Also Anke Engelke, ich kann dir nicht versprechen, dass es das Beste für dich ist, aber ich finde es fast das Beste. Das Taxi finde ich super und ich finde den Zug, finde ich großartig. Anke Engelke hat einen englischen Akzent, den sie aber glücklicherweise einfach von sich aus kann, weil sie ist in Kanada geboren. Muttersprache, Englisch, Deutsch und noch irgendwas.
Johannes Franke: Sollte sie da nicht einen französischen Akzent haben, wenn sie in Kanada geboren ist? Ein kanadisches Englisch klingt sehr putzig, ich mag das.
Florian Bayer: Aber nicht die Figur ist in Kanada geboren, sondern wirklich Anke Engelke und die kann einfach perfekt Englisch. Und ihr Akzent, den sie sich dafür einfach rauf geschafft hat, den sie wahrscheinlich ohne viel Mühe einfach so anknipsen kann, der ist vollkommen überzeugend. Man fragt sich am Anfang so ein bisschen, könnte das jetzt peinlich werden und mit der Zeit denkst du dann, naja passt, alles gut, alles richtig. Und sie ist so eine feine Dame, die sitzt dann halt da irgendwie. Und nach und nach mit Oli Dietrich, der als abgehalfterter Musiker gerade von einem DSDS-Casting kommt und total genervt ist, weil sie ihn gar nicht erst ran gelassen haben und ihn da weggeschickt haben, weil er zu alt ist. Und dann gesagt hat, mit so einem Berliner Akzent, den ich auch sehr überzeugend fand in dem Moment. Der einfach frustriert ist davon, dass er keine Chance bekommen hat. Und der auch in einem Alter ist, wo man sich eigentlich nicht mehr darüber beschweren sollte, dass man keine Chance bekommen hat, weil du, dann hast du 20 Jahre lang versucht Chancen zu bekommen und das ist ein bisschen hart. Weil das Leben, dann ist das Leben an dir vorbeigezogen und du hast entweder keine Chance gehabt oder du hast sie einfach nicht genutzt, weil du immer nur eine einzige Sache versucht hast zu verfolgen, wobei alle anderen Chancen du dann einfach blind hast an dir vorbeigehen lassen. Und das ist so ein bisschen das Tragische bei der Figur, die Oli Dietrich da spielt. Und er sieht ganz anders aus, wieder mal. Und er hat so ein bisschen schütteres Haar und hat so einen Bart. Und er ist trotzdem so liebenswert, obwohl man die ganze Zeit in die Fresse schlagen will und sagen will, Mann, mach was aus deinem Leben und versuch dich irgendwie 20 Jahre lang einem Traum hinterher zu stolpern, der einfach nicht, DSDS ist nicht die Welt. Macht die Episode sich selber ihn lustig? Nein, er ist einfach nur tragisch und man will ihn in den Arm nehmen, vor allem weil sie die gute Entscheidung trifft, als diese leicht snobbistische Frau, die für Hotels arbeitet und da wirklich einen sehr, sehr guten, sehr gut bezahlten Job hat, dass die dann irgendwann sagt, es ist einfach irgendwie, ich lasse mich auf diesen Typen ein und der spielt mir jetzt irgendwas auf der Gitarre vor, mehr schlecht als recht. Aber ich mache ihn nicht dafür fertig, sondern ich bin zwar ein bisschen genervt manchmal von ihm, aber eigentlich finde ich es ganz nett und unterhalte mich mit ihm. Und am Ende nimmt die ihn auch noch mit. Also die sagt dann, ich gehe zu diesem Hotel, willst du vielleicht mitkommen, dann hast du noch eine schöne Nacht irgendwo in einem Hotel und du kannst ein bisschen Musik machen für meine Gäste oder was? Ach, ist das süß. Okay. Das ist total süß. Ist es glaubwürdig? Das klingt so wie so ein Märsch ein bisschen. Ja, so richtig glaubwürdig ist es am Ende nicht, aber sie spielt das irgendwie sehr gut und sie macht das sehr gut. Ich finde, sie hat da auch eine ganz andere Rolle nochmal und was mich dort am meisten beeindruckt, ist die Recherche, die beide irgendwie für diese Rollen, sowieso in allen Episoden, aber auch in dieser Episode haben, weil die Sachen raushauen und Spezialwissen über Sachen haben, über Hoteliers und wie das funktioniert und so. Das bleibt natürlich auf einer gewissen Oberfläche, damit das nicht zu viel falsch sein kann, aber sie hauen schon viel raus und berichten über ihr Leben und so. Also es ist schon toll und ich finde Olle Dietrich da fast am stärksten von den ganzen Episoden, weil er so eine süße Naivität als dieser gescheiterte Musiker hat, die ich echt putzig finde. Also es ist natürlich ein bisschen gemein, weil es so ein bisschen von oben herab ist jetzt von außen, so der adorable Freak, aber er macht das einfach sehr süß. Okay. Also es lohnt sich schon, diese Folge zu sehen.
Johannes Franke: Ja. Ja, 2004, so gleichzeitig, wir sind im Jahr, in dem Olli Dietrich dann mit Ditschi gestartet hat, darüber können wir gleich reden. Ah ja, ja, ja. Blaues Geheimnis, ein Elterngespräch und zwar soll Rocco, Marocco, Hakim, wegen seines Sohnes Florian zur Sonja Mette, zur Lehrerin, eigentlich ein Standard-Elterngespräch, die Mutter hat keine Zeit, er sieht seinen Sohn offensichtlich nicht so oft und er ist Zirkusmensch und er kommt in die Schule und er kennt sich mit diesem ganzen Prozedere überhaupt nicht aus. Und aber sein Sohn ist offensichtlich ein sehr guter Schüler und auch sehr viel, worauf er stolz sein kann, was er braucht ein bisschen, um das zu checken. Ja. Und weiß auch nicht so genau, wie er mit den Sachen umgehen soll, sie zeigt ihm dann halt Sachen und sie erzählt so ein bisschen davon und er ist so ein bisschen unbeholfen und gleichzeitig aber halt auch so ein Typ, so selbstbewusste Typ und sie versucht das Gespräch professionell zu leiten, wie das eine Lehrerin macht, aber ist auch so ein bisschen eingeschüchtert von seiner Art. Ein bisschen, weiß nicht so genau, wie sie damit umgehen soll. Also man hat das Gefühl, in einer Episode, in der ihre emotionalen Reaktionen sehr subtil gespielt sind, die Emotionen von Anke Engekes Rolle kommen in dieser Episode viel, viel stärker zum Vorschein als in anderen Episoden, wo sich manchmal vielleicht doch ein bisschen sehr so auf die Emotionen von Olli Dietrichs Charakter verlassen wird. Ja. Ich mochte sie aber trotzdem nicht so die Folge, vielleicht war ich dann auch schon so ein bisschen gesättigt, nachdem ich die drei anderen gesehen hatte. Ja.
Florian Bayer: Ich fand ihnen wieder ein bisschen zu viel drüber. Ja, wir haben ja schon vorhin darüber geredet, dass auch dieses Italienische nicht die beste Entscheidung war und dass es irgendwie nicht so ganz stimmt. Ich fand für das Make-up gut, also die Haare sind super gemacht und so, funktioniert. Und ich finde tatsächlich auch sie sehr interessant, aber ich finde die Episode in sich irgendwie nicht gut. Sie hat wieder ganz toll Spezialwissen über ihren Beruf als Lehrerin. Ich fand es ganz toll, was sie so nebenbei in einem Nebensatz raushaut, wie das so läuft bei ihr. Sie simuliert auch das Elterngespräch extrem gut.
Johannes Franke: Also wenn man, ihr Eltern da draußen, die mal bei Kita-Betreuern oder Lehrerinnen wart, es ist wirklich überzeugend, dass sie trifft es. Genauso sind diese Gespräche, also genauso bereiten sich die Lehrkräfte darauf vor und zeigen dann auch Sachen und reden und auch so ein bisschen, so dieses Sandwich-Ding und dann auch so ein bisschen, das funktioniert nicht so gut mit einfließen. Das fand ich sehr überzeugend.
Florian Bayer: Das ist beeindruckend, ne? Ja. Und das ist auch das Take-away, den ich von der ganzen Serie habe, ne? Das ist dieses, mit einer guten Vorbereitung, einer sehr, sehr guten, dezidierten Rollenvorbereitung kannst du echt viel reißen, wenn du das irgendwie hinkriegst. Also gerade sie macht das halt wirklich ganz toll. Sie haben eine kleine Chance verpasst. Was haben Sie denn für eine Chance verpasst?
Johannes Franke: Diese Episode hatte irgendwie so das Zeug, eine Fortsetzung zur Taxi-Episode zu sein. Was? Seine Frau heißt sogar Ruth, also seine Ex-Frau. Die Mutter von dem Sohn, dann habe ich kurz gezuckt und dann habe ich nochmal geguckt, ach nee, er heißt Florian, schade. Weißt du, sie spielt, sagen wir mal, sie spielt drei Jahre nach der Taxi-Episode und hier haben wir den Vater und er ist wieder nach Deutschland gekommen und ihr Sohn ist wieder bei ihr. Wir haben eine Fortsetzung, aber nur für die, die es wirklich kennen, die es wirklich erkennen, haben wir hier eine Fortsetzung von der Taxi-Episode und wir sehen die andere Seite von der Ruth-Geschichte. Sie haben es verpasst, das ein bisschen, das zu machen. Ja, ja, ja. Warum nennen sie sie Ruth? Wollten sie das machen? Aber dann hätten sie den Sohn Mohammed nennen müssen, warum haben sie es nicht gemacht? Warum nennen sie die Frau Ruth? Sie wissen doch, sie kennen doch ihre Geschichte, warum machen sie das? Und warum machen sie das da nicht? Damn. Ja, schade.
Florian Bayer: Ja, okay. Stimmt, aber das ist mir nicht aufgefallen. Ja, die Folge ist jedenfalls leider nicht die beste und ich finde, es geht auch weiter abwärts, wenn wir jetzt auf 2005 gucken. Oh, interessant, ich finde Tanzen verboten wieder besser. Ich fand Tanzen verboten total dämlich.
Johannes Franke: 28 Minuten, das erste Mal, dass sie nicht unbekannte spielen, die sich treffen. Ja, hat dem Ganzen nicht geholfen.
Florian Bayer: Elko und Udo. Ja, Elko und Udo. Ich finde, sehr wenig inspirierte Momente. Das ist wie jede Impro, die ich unter, wir haben gerade erst mal angefangen, uns an Impros ranzutasten. Wir improvisieren dann halt einen Streit. Streiten ist das Erste, was einem einfällt, wenn man improvisiert. Das ist das Dämlichste, was du machen kannst. Ich finde es blöd.
Johannes Franke: Ich mag den Schluss. Ich finde den Rest auch doof, aber irgendwie mag ich den Schluss. Ich fand es besser als blaues Geheimnis. Und ich fand es auch besser als das Erste. Das Erste hat mir wirklich nicht gefallen. Schade. Aber ich weiß, was du meinst.
Florian Bayer: Ja, gerade als Ehepaar und so. Und dann merkt man, ich finde bei der Episode merkt man ganz besonders, dass sie sich erst gegenseitig irgendwelche Sachen zurufen müssen, auf die sie dann reagieren, damit sie erst etablieren, wer wen kennt und warum was passiert. Und dann checkt man sich gegenseitig ab und versucht herauszufinden, worum geht es denn hier eigentlich und wer ist jetzt der Vater der Braut oder was? Keine Ahnung. Und dann hat man irgendwie echt so einen holprigen Einstieg und dann versucht man ein Thema zu finden, worüber man sich streitet.
Johannes Franke: Der Einstieg war wirklich holprig. Ich mochte das aber mit der Trunkenheit des Vaters. Ja. Es gibt so Spots, zum Beispiel fand ich es echt schön, dass Anke Engelke den Spot findet und im richtigen Moment zu sagen, ey, ich habe gesehen, dass du deinem Vater auch gesagt hast, er soll ein bisschen aufpassen und trinken. Das war ganz toll, ja. Genau den richtigen Moment auch gefunden, das zu platzieren. Ja, ja. Das war schon super, ein starker Moment. Ja. Aber ja, ich sehe, was du meinst. Ja. Ehestreit.
Florian Bayer: Ja, was für ein... Lame. Ja, absolut lame Sache.
Johannes Franke: Und dann auch noch in so einem klassischen Doppelbett mit Besucherwitzen zwischen den Matratzen und am Schluss sagen sie Gute Nacht, geben sich flüchtigen Kuss und drehen sich beide zur Seite weg. Ja. Ja, Krisenzen in einer Ehe haben wir schon sehr oft gesehen.
Florian Bayer: Ja. Muss vielleicht nicht nochmal sein. Und dann improvisiert ist halt irgendwie auch nicht geil. Da kann nicht viel... Ich finde, da hätten sie wirklich richtig geniale Ideen haben müssen noch. Hatten sie leider nicht. Und damit ist es auch das Letzte und vielleicht auch zu Recht.
Johannes Franke: Maybe, aber Ditsche läuft ja noch. Ditsche läuft seit 2004. Das war übrigens 2005. 2005, ja. Sie hatten echt einen Lauf ein paar Jahre und dann wollte das ZDF wohl nicht mehr.
Florian Bayer: Ja, verstehe. Ja, also nach der Folge hätte ich auch keine Lust mehr gehabt als ZDF.
Johannes Franke: Im Sterninterview hat Anke Engel gesagt, ja, die sind ein bisschen lame. Wir hätten das gerne noch weiter gemacht und die machen das nicht. Die wollen das nicht. Die sind da irgendwie nicht flexibel genug.
Florian Bayer: Ja, traurig. Aber was soll's. Vielleicht gibt's ja irgendwann mal den Moment, wo dann die beiden nochmal ein Telefonat führen und sagen, komm, lass uns das nochmal aufleben lassen. Kann ich mir gut vorstellen. Oder war sie mal bei Ditsche? Hast du alle Ditsche-Episoden gesehen?
Johannes Franke: Nein, ich hab weiter nicht. Jetzt hab ich vor mir über 260 Episoden, 30 Staffeln. Alter, seit 2004 läuft das Ding. Der Hammer. Und alle feiern es und das ist so toll, diese Mischung aus Comedy und Philosophie und großartig Olli Dietrich im Bademantel und diese ganzen Insider. Du merkst, worauf es hinausläuft. Wenn ich das so mache, dann kommt immer, ich kann's, es tut mir echt leid. Ich sehe ja, dass es voll Kult ist und alle total cool finden. Ich find's einfach nicht unterhaltsam. Und ich find's auch nicht anregend und nicht, es ist einfach so, ja, ich seh, das hat, was, das hat, das ist Kult, klar, aber ey, das lässt mich einfach komplett kalt.
Florian Bayer: Weißt du, was krass ist? Ich hab mir die ersten Episoden, die mir dann irgendwann mal zugespielt wurden, angeschaut und hab gedacht, boah, richtig geil, richtig gutes Konzept. Und dann hab ich nur noch ganz wenig davon gesehen.
Johannes Franke: Ja, genau sowas ist es. Aber warum? Weil du das auf dem Papier geil findest. Weißt du, das findest du gut, weil du, weil du es gut finden musst. Ey, das geht gar nicht anders, das ist Kult. Okay, okay. Das ist das Doctor Who des deutschen Fernsehens. Was, bitte? Was? Willst du nicht prügeln gehen? So, meine Theorie. Niemand mag Ditsche. Niemand mag Ditsche. Aber alle denken, dass sie Ditsche mögen müssen. Deswegen sagen alle, dass sie Ditsche mögen. Was hast du da über Doctor Who gesagt, Flo? Okay, bei Doctor Who kann ich verstehen, dass es Leute unterhaltsam finden. Zumindest ab den 2000er Jahren.
Florian Bayer: Nein, davor auch. Das machen wir nur. Okay, also. Wir gehen uns jetzt kurz prügeln und dann können wir weiter über Ditsche reden. Okay.
Johannes Franke: Mann, ich seh doch, dass das irgendwie so Kultstatus hat. Aber das ist überhaupt nicht unterhaltsam. Es hat irgendwie was. Aber für wen ist das gemacht?
Florian Bayer: Für das Feuilleton. Es ist tatsächlich ein bisschen fürs Feuilleton gemacht. Das kann gut sein, ja. Weil wirklich, ich, aber ich fand auch beim Gucken fand ich es tatsächlich geil. Muss ich wirklich sagen. Ich fand es nicht nur auf dem Papier geil. Aber warum hast du es nicht weiter geguckt? Weil es sich wahrscheinlich wirklich erschöpft. Vielleicht hast du wirklich recht, dass man das irgendwie konzeptuell toll findet und vielleicht auch einfach beim Gucken das Konzept dann noch geil findet, aber dann nach der zweiten Episode merkt, ja, okay, okay. Du hast zwar jetzt jedes Mal ein neues Thema, theoretisch, aber praktisch sind es dann doch immer wieder die gleichen, ist die gleiche Herangehensweise, alle reagieren gleich. Es ist halt, dummerweise, zu nah am Leben.
Johannes Franke: Es ist im Pro-Theater. Ich würde ja gerne mitmachen. Ich würde das nicht gucken, ich würde mitmachen. Ich würde unglaublich gerne da mal reinlaufen in diese Bar, mich hinsetzen, mich zulabern lassen von Olli im Bademantel und den ein oder anderen Running Gag mitkriegen und dann wieder rausgehen. Das würde Spaß machen. Aber ich würde das nicht gucken, vor allem nicht 260 Episoden lang. Entschuldigung, Olli Dietrich. Olli Dietrich ist so toll und ich finde das Konzept toll. Ich finde es toll, dass es im deutschen Fernsehen Platz für sowas gibt. Ja. Ich finde es nicht unterhaltsam.
Florian Bayer: Vielleicht ist es genau das. Es ist zu nah am Leben dran und das Leben schreibt halt nicht die besten Geschichten. Das ist es halt irgendwie. Du ziehst ihm dann dabei zu, wie er rumphilosophiert. Okay, der hat dann nächstes Mal wieder das gleiche Thema, ein anderes Thema und dann wieder ein anderes Thema, aber im Grunde philosophiert er mit der gleichen Attitüde die gleichen Sachen ab. Und gut ist. Ja. Aber ich liebe ihn dafür, dass er es macht.
Johannes Franke: Ich finde es auch toll, dass er es macht. Wie gesagt, ich würde es gerne auch mögen, weil es ist toll. Es macht sich toll im Lebenslauf. Wenn man sagt, ich habe Ditsche geguckt und ich mag es. Aber es passt einfach nicht rein.
Florian Bayer: Ab jetzt schreibe ich das in meinem Lebenslauf. Als erstes. Ich habe Ditsche geliebt.
Johannes Franke: Ich würde es echt gerne mögen, aber ich kann zwei Folgen gucken und dann anerkennend nicken und schmunzeln und das war es. Und das war es.
Florian Bayer: Schade. Ja. Gut, okay. Aber, also Lebenswerk von Olli Dietrich, unbenommen großartig. Hast du diese Sachen gesehen, die er irgendwann angefangen hat, jedes Jahr zu machen? Seit 2015, glaube ich. Da hat er eine Episode gemacht, wo er als Schaffener durch den Zug gelaufen ist. Von Leipzig in der Fahrt, von Leipzig nach irgendwo. War auch total weird, einfaches Konzept, aber irgendwie geil. Schon wieder so ein Impro-Ding. Ja, der hat doch das abonniert jetzt. Das ist nur noch sowas. Und ich finde ihn natürlich beeindruckend in dieser Fähigkeit, aber es ist vielleicht, sein ganzes Leben ist vielleicht dieses Ditsche-Konzept. Und man kann sich das nicht immer wieder und immer wieder anschauen. Es ist offensichtlich, gibt es ja ein Publikum dafür.
Johannes Franke: Und das ist gut. Der macht sein Ding. Ich finde es auch echt cool, dass es Platz im deutschen Fernsehen für sowas gibt. Und mir ist natürlich Olli Dietrich lieber als tausend andere Comedians aus den 90ern oder von heute. Ja. Aber ja, es ist halt mein Grundproblem mit Impro, mein Grundproblem mit deutscher Comedy und wahrscheinlich auch mein Grundproblem mit dieser Art von Travestie. So dieses, irgendwann hat man sich auch satt gesehen an dem einen Typen, der in tausend Kostümen ist.
Florian Bayer: Dabei ist auch in tausend Kostümen, dabei hat er doch so viel Varietät. Na ja gut. Ja.
Johannes Franke: Aber er ist natürlich, Olli Dietrich ist ein cooler Typ. Olli Dietrich macht halt auch seit mittlerweile 30 Jahren echt gutes, interessantes Fernsehen mit spannenden Projekten. Ja. Und dafür hat er meinen vollsten Respekt verdient. Genauso wie Anke Engelke, die auch seit 30 Jahren großes Fernsehen machten, noch länger sogar. Ach, die hat ja irgendwie. Ja, die hat ja wirklich ganz früh angefangen.
Florian Bayer: Als Sängerin, als kleines Kind.
Johannes Franke: Aber auch an der Stelle, ist kein Impro, aber Ladykracher. Offensichtlich muss man Ladykracher geil finden, oder? Ja, ja, auf jeden Fall. Also natürlich war da viel Scheiße bei, aber es waren tatsächlich auch ein paar gute Sachen bei. Ja, ich musste bei Ladykracher noch nie lachen. Ich habe auch nicht viel davon gesehen, aber offensichtlich, ja, einfach nicht meine Art von Fernsehen.
Florian Bayer: Also ich fand, das Problem bei Ladykracher für mich war so ein bisschen, dass die an meiner Lebensrealität vorbei sind, ne? Also ich kenne diese Art von Frauen nicht, die sie parodiert und so. Deswegen komme ich da auch nicht ran. Aber es gab ein paar gute, gute szenische Sketche, die irgendwie, die ich tatsächlich sehr witzig fand. Und wenn man nur sieht, dass es technisch sehr gut gemacht ist, also Comedy-technisch sehr gut gemacht ist. Ich finde, bei Anke Engelke ist, dass sie das geschafft hat, auch noch andere Felder zu beerkennen, ne? Sie ist ja dann Schauspielerin auch in verschiedenen Projekten gewesen, die nicht pur Comedy waren, sondern die wirklich ernsthafte Rollen waren, wo sie einfach als Schauspielerin sehr gut gewesen ist. Dann gab es eine Netflix-Serie, wo sie als Beerdigungsmanagerin oder sowas aufgetreten ist. Was anscheinend recht gut war, was ich nicht ganz gesehen habe, aber mal ein bisschen reingeschaut habe und gedacht habe, oh ja, sie spielt gut.
Johannes Franke: Ich habe sie tatsächlich als Schauspielerin nie so viel wahrgenommen. Für mich war sie vor allem immer Moderatorin und Comedian. Sie hat eine Late-Night-Show gemacht Anfang der 2000er, als die Deutschen verzweifelt versucht haben, um endlich das deutsche Late-Night-Format zu finden, nachdem Harald Schmidt nicht mehr war. Es muss doch irgendwas geben. Es kann doch nicht sein, dass die Amerikaner gleich vier gute Late-Night-Hosts haben und wir haben keinen einzigen. Okay, wen können wir alles nehmen? Und dann haben sie einmal alles, was es an Comedy gab in Deutschland, durchgereicht. Und alle haben sich die Finger dran verbrannt. Thomas Gottschalk hat eine fucking Late-Night-Show. Bastian Pastewka bestimmt auch. Nee, von Bastian Pastewka? Keine Ahnung, aber jeder deutsche Comedian hatte irgendwann mal eine Late-Night-Show in dieser Zeit. Weiß ich nicht. Und sie sind alle gescheitert.
Florian Bayer: Anke Engelke hatte auch eine Late-Night-Show. Die hatte die jedenfalls. Und die haben im selben Jahr, wo sie angefangen haben, wieder aufgenommen. Ja. Sie war häufigster Gast bei Wer wird Millionär? Stimmt, aber sie hat nie die Millionenfrage beantwortet. Ja, also, ja gut, Gossip über Anke Engelke. Ich finde, sie hat eine ganz beeindruckende Karriere hinter sich und sie hat wirklich tolle Sachen gemacht und sie hat Talente in vielen Bereichen. Es ist ein kleines bisschen stiller um sie geworden, aber vielleicht nur, weil ich nicht die Sachen gucke, wo sie sich umtreibt. Sie hat bei Last One Laughing mitgemacht. LOL, ja, stimmt. LOL ist ein gutes Format. Tatsächlich. Ich fand es ganz witzig.
Johannes Franke: Das Englische, das Amerikanische, das Deutsche, alles. Das Deutsche. Ey, ich und deutsche Comedy, wir werden einfach keine Freunde mehr. Das funktioniert einfach nicht. Wenn ich schon die Guten nicht gut finde,
Florian Bayer: dann ist es vielleicht einfach nicht mein. Hopf und Malch verloren, Blor. Oh nein. Ja, aber ich kenne das Problem ja auch. Es gibt ein paar Sachen, die ganz gut sind. Ich fand Pastewka tatsächlich ganz gut, die Serie. Habe aber auch nach den ersten zwei Staffeln nicht mehr reingeschaut. Warum auch immer.
Johannes Franke: Ich mag, aber das geht nicht als Comedy durch. Ich mag Michael Kessler. Echt? 2014 hat der mal, woran ich denken muss, weil für mich ist Michael Kessler immer so ein bisschen der Olli-Dietrich-Nachfolger im Geiste gewesen. Ja. Auch wenn er zur selben Zeit angefangen hat, aber erst später populär geworden ist. Der 2014 bis 2019 die Show gemacht Kessler ist, wo er sich mit Leuten trifft, sich mit ihnen unterhält, mit ihnen so ein paar Tage verbringt, also Prominente. Und dann verkleidet er sich als sie und lässt sich von ihnen interviewen. Ja. Und das fand ich war echt eine süße und schräge und witzige Idee und auch so ein bisschen im Geiste von Olli-Dietrich. Und der hat wenig Comedy draus gemacht.
Florian Bayer: Aber es ist ein sehr, also man muss sagen, ein sehr, sehr mutiges Vorhaben, weil das so viel Potenzial, und das hat leider auch gezündet, dieses Potenzial, dafür bietet, dass man ganz direkt die beiden nebeneinander hat. Du hast direkt das Vorbild vor dir sitzen und dann kannst du direkt vergleichen und direkt sagen, nee, das stimmt aber nicht.
Johannes Franke: Und trotzdem, finde ich, trifft er es gut genug, dass man es sieht und beeindruckt davon ist und Spaß dran hat irgendwie. Und vor allem auch Spaß dran hat an der Dynamik dann in dem Interview zwischen den beiden. Wenn jemand sich selbst interviewt und dann nicht so genau weiß, wie er jetzt auftreten soll als distanzierter Interviewer oder als jemand, der sich wirklich selbst befragt, der dann sagt, oh ja, das stimmt, ja, das würde ich so antworten. Und fand ich auf jeden Fall spannend. Und Michael Kessler war auch irgendwie dann noch ganz viel in Brandenburg unterwegs. Kesslers Expeditionen hieß das Ding. Und da war er einfach in Brandenburg unterwegs und ist einmal um Berlin rumgefahren und hat Leute besucht und mit denen geredet. Das war kein Comedy mehr. Das war einfach nur noch so RBB. Ah ja, okay, ja. Aber er hat das so sympathisch und so süß gemacht. Und ey, wenn du in Brandenburg bist, in brandenburgischen Dörfern, dann gibt es nicht so viel zu erleben. Ja, das stimmt. Und er schafft es trotzdem dann. Hat der Wölfe interviewt. None|Ja, genau. Wölfe und Bäume. Und dann ist er halt trotzdem bei dem Eisenbahnsammler und guckt sich mit dem zusammen seine coole Eisenbahn an, der Eisenbahnmodellsammler. Und solche Sachen. Und es ist wirklich süß und es ist wirklich sympathisch. Und für mich war Michael Kessler immer so ein bisschen der, ja, so ein bisschen Nachfolger von Olli Dietrich. Der hat eine ähnliche Art ein bisschen
Florian Bayer: und ich mag den. Ich fand Kessler vom Niveau her, von seinem Humor immer irgendwie, weiß ich nicht, zu platt. Also so ein bisschen so, Kessler ist das nicht der mit den Chips auf dieser Ebene von Humor.
Johannes Franke: Kessler ist halt dieser Switch-Typ. Da hat man ihn vor allem in Erinnerung. Und Switch war ja nicht sonderlich subtil. Das stimmt. Deutsche Comedy der 2000er ist schlimmer als Deutsche Comedy der 90er. Ja, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Wollen wir da Sachen gegeneinander ausspielen? Ich weiß ja nicht. Ich glaube, wir könnten Argumente für beide Seiten finden. Naja. Deutsche Comedy. Es ist ein eigenes Kapitel für sich und ein schwieriges Kapitel.
Johannes Franke: Ich mag Stromberg. Ich mag Stromberg. Und ich mag generell Arne Feldhusen und... Ja, Bjarne Mädel. Bjarne Mädel.
Florian Bayer: Aber Bjarne Mädel ist ein Schauspieler, ist kein Comedian. Ja, aber er macht es natürlich sehr komediantisch. Also gerade bei Stromberg brauchte er dringend sehr viel komediantisches Talent, um dieses Timing hinzukriegen, um Arne so hinzukriegen.
Johannes Franke: Und Tatort Reining haben wir auch toll. Das ist Comedy, die ich mag. Das sind Comedy-Serien, das kann man als Comedy bezeichnen. Es gibt deutsche Comedians, die ich mag. Ich fand Thomas Herrmanns lustig, aber ich weiß nicht, was der jetzt gerade macht, ob der noch lustig ist.
Florian Bayer: Der hat gerade wieder aufgehört. Der hat gerade eben hat er den Quatsch-Club quasi abgegeben.
Johannes Franke: Ah, okay. Ich habe den schon ewig nicht mehr gesehen, aber ich weiß so, irgendwann in den 2000ern oder 2010er habe ich ein, zwei Stand-Up-Performance von dem gesehen, so typische 10 Minuten, 15 Minuten, wo er gut war, wo ich ihn witzig fand.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Also keine ganze, ich gucke mir keine ganze, ich kann mir keine ganze Stand-Up-Comedy-Show angucken. 90 Minuten Stand-Up, das finde ich schon immer, bei richtig starken amerikanischen Comedians finde ich das schon schwierig. Ja. Und bei Deutschen geht es gar nicht. Ich finde Hazel Brugger lustig, aber würde ich mir auch nicht 90 Minuten angucken, eine Stand-Up-Performance. Hazel Brugger hat ein Netflix-Special. Ja, ja, ich weiß. Das kann ich mir keine 90 Minuten angucken. Da gucke ich dann 20 Minuten und finde es witzig und dann denke ich, das reicht. Ich gucke mir lieber die Clips auf YouTube an. None|Ja. Nein, Deutsche Comedy und ich, wir werden keine Freunde mehr. Es funktioniert einfach nicht. Tja, schade.
Florian Bayer: Ja, ich, also, ich habe ein ähnliches Problem, aber ich glaube, ich bin ein bisschen offener für die Dinge als du.
Johannes Franke: Offenheit ist also das Problem. Verstehe.
Florian Bayer: Ja, und man muss sich halt auch auf einen lassen können, auf Dinge, so. Und dann findet man auch die Hidden Gems mit einem, wohne ich ja auch zusammen. Das nur als Insider.
Johannes Franke: Ach ja, stimmt. Ich habe jetzt so viel über Deutsche Comedy gelesen. Ja. Darf ich mich noch nach dem antrauen? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Mal gucken.
Johannes Franke: So. Wechseln wir ganz nonchalant in unsere Top 3. Oh, ja, wollen wir wechseln in die Top 3. Jingle. Unsere Top 3. Die Episode ist schon recht lang.
Florian Bayer: Ja, wir machen jetzt ganz schnell.
Johannes Franke: Wir haben jetzt erst die Top 3. Top 3 Impro. Ich bin kein großer Impro-Freund, deswegen habe ich nicht viel und vor allem keine Impro-Comedy. Ah doch, da ist ein Comedy-Ding dabei. Ich habe Top 3 Impro-Szenen und Top 3 Impro-Filme. Ich habe drei improvisierte Filme gefunden, aber ich weiß nicht, wie viel die improvisiert sind. Mein Platz 3, Blevage Project. Keine Comedy, Horror. Ganz viel improvisiert. Die Darsteller, Darstellerinnen hatten immer nur so ein bisschen Anweisungen für den Tag. Ja. Ein paar Dialogfetzen, Hintergrund und dann wurden sie in den Wald geschickt und es wurde gemacht und sie sind erschrocken und das Ergebnis ist wirklich ein toller Film, der sich auch, der gut gealtert ist, auch mit Wackelkamera und so, auch fast 25 Jahre später fühlt er sich immer noch authentisch und gut an und gruselig. Okay.
Florian Bayer: Ja, ich habe ihn natürlich nicht in meine Liste gepackt, weil ich mit Horrorfilmen nicht viel anfangen kann, aber ja, vor allem mit so so Buh-Momenten und so, das ist ein völliger Quatsch. Ich würde, ich würde glaube ich anfangen mit mit einer TV-Show, die ich gut fand. Es gibt ja nicht so wahnsinnig viele gute, improvisierte Filme. Wie wir ja schon festgestellt haben, sind wir beide kein großer Freund von so improvisierten Sachen. Deswegen umso erstaunlicher, dass ich das hier jetzt Blind-Date-Sache gut finde. Aber es gibt TV-Shows. In diesem Fall Whose Line Is It Anyway? Eine wahnsinnig lang gelaufene TV-Show, wo einfach von Drew Carey die Comedians sich hingestellt haben und Aufgaben bekommen haben. Was in Deutschland auch Leute versucht haben als TV-Show, was immer in die Hose gegangen ist, was ich immer unlustig fand. Was die aber irgendwie einfach dadurch, dass die auch über Jahrzehnte glaube ich das Ganze gemacht haben.
Johannes Franke: 1988 bis 1999.
Florian Bayer: Und es gibt eine amerikanische und eine britische Version davon.
Johannes Franke: Genau, die englische lief von 1988 bis 1999. Zehn Staffeln mit 136 Episoden. Wahnsinn. Und die amerikanische lief von 19 Staffeln und lief von 1998 bis zum heutigen Tag. Drew Carey A ist das amerikanische Drew Carey. Ich glaube ja. Und das britische ist mit Dan Patterson, Clive Anderson.
Florian Bayer: Das kann ich gerade nicht genau bestätigen. Okay. Auf jeden Fall die Drew Carey Variante fand ich ganz, ganz großartig. Die habe ich besonders gesuchtet. Und die haben einfach Aufgaben bekommen und dann mussten die innerhalb von Sekunden irgendwie ein Lied improvisieren oder sowas reimen, Zeug machen. Was würde man in der Situation überhaupt nicht sagen oder was ist besonders unpassend in der Situation zu sagen oder so. Solche Sachen, die wirklich wahnsinnig gut improvisiert waren, wo einfach das, aber auch wirklich von den Leuten gelebt haben, die das gemacht haben. Okay. Die wirklich ein unglaubliches Talent hatten, im Moment irgendwas sich auszudenken. Ganz toll.
Johannes Franke: Mein Platz zwei. Ich bleibe nach wie vor von Comedy fern. Klimax von Gaspar Noé. Wir haben drüber geredet in einer sehr frühen Episode unseres Podcasts. Furchtbarer Film. Gaspar Noé hat seine Darstellenden in eine Turnhalle eingesperrt und hat gesagt, tanzt und jetzt improvisiert. Und ihr habt übrigens alle Drogen genommen und das Wasser wurde vergiftet und jetzt bricht die Hölle los und dann haben die alle angefangen ihre Dialoge zu improvisieren anhand von einem sehr losen Skript, bei dem wirklich so ein Weltuntergang stattfindet innerhalb dieser Hallen, wo sie getanzt haben und alle Tränen nach und nach am Rad und ziemlich irre, ziemlich wild. Wir reden sehr lange drüber. Johannes fand den Film nicht so toll. Ich erinnere mich daran,
Florian Bayer: dass du so enttäuscht warst, dass ich den Film nicht toll finde. Ja, das war in uns der ersten Episode,
Johannes Franke: da wusste ich noch nicht, dass du so einen schlechten Geschmack hast.
Florian Bayer: Oh, das ist der zweite Moment, wo wir rausgehen und uns prügeln. Oh, Bloh. Klimax von Gaspar Noé. Ja. Mein Platz zwei wäre dann, ich gehe mal von TV-Show rüber zu den Momenten, die improvisiert waren in Filmen, wo sonst der Film nicht improvisiert ist. Ich finde es ganz, ich weiß nicht, ob ich es beeindruckend oder gut oder besonders scheiße finden will, aber der Moment, wo Prinzessin Lea sagt, ich liebe dich und Han Solo antwortet, ich weiß.
Johannes Franke: Was für ein Macho-Arsch. Was für ein Arschloch. Und wir sollen das alle charmant finden. Ja. Das ist das Entscheidende, wir sollen das charmant finden und George Lucas fand es charmant genug, um es drin zu lassen. Ja, vor allem ist es
Florian Bayer: aber auch.
Johannes Franke: Das fand ich George Lucas,
Florian Bayer: das war jemand anderes, der zweite Teil wurde von jemand anderem Regie geführt. Oh, äh, äh, jetzt bringst du meine ganze Welt durcheinander. Moment, was?
Johannes Franke: Ja, ja, na, George Lucas war natürlich der Mann im Hintergrund, aber Regisseur von The Empire Strikes Back war Irwin Kerschner. Oh mein Gott,
Florian Bayer: ich muss mein ganzes Leben überdenken. Fuck. Fuck, warum weiß ich das nicht? Oh mein Gott. Okay, ähm, jedenfalls ist dieser Satz nicht etwa I love you too, wie es im Skript stand, hat einfach, äh, Harrison Ford improvisiert. I know. Und sie, die Schauspielerin von Prinzessin Lea, Carrie Fisher, war so furious, die war so wütend auf ihn. Mhm. Man sieht das ein kleines bisschen? Im Film. Schaut euch die Szene nochmal an. Und ich find's, ich find's krass und großartig, weil das, weil das wirklich, äh, zur Figur passt. Ja. Es ist wirklich Han Solo in dem Moment, in Reinform. Und Harrison Ford hat ihn so gut verstanden. Und ich weiß nicht, wie viel Han Solo mit Harrison Ford gemeinsam hat, dass er da so auf die Idee kommt, aber es ist wirklich on point und on character. In demselben Film
Johannes Franke: gibt's ja die Szene, in der sie zur Wolkenstadt fliegen. in Hans Solos Raumschiff. Ja. Und Carrie Fisher hat im Interview vor einiger Zeit gesagt, übrigens, wir waren, wir hatten die Nacht davor, haben wir ja richtig hart gefeiert. Und das waren die, ähm, das waren die frühen 80er. Ah. Und hart feiern in den frühen 80ern hieß nochmal was anderes als hart feiern heute. Ja, ja, ja. Und sie meinte, man sieht das in der Szene an, guckt euch die Szene nochmal an. Im Hinblick darauf, wir sind alle voll verkatert und voll durch und irgendwie wahrscheinlich noch so halb truff. Oh nein. Uiuiui. Dein Platz 3 war das. Das war mein Platz 2. Dein Platz 2. Mein Platz 1 ist nicht 100% improvisiert, aber viele improvisierte Szenen, viele improvisierte Momente. Haben wir auch eine Episode dazu. Das ist Binal Tap. Ja, da ist Fakt. Okay, dann tausche ich den aus. Die Musiker, die Band, die es irgendwie versucht, im Hard-Rock- und Metal-Business zu schaffen und von Rolle zu Rolle springt und gerade in ihrer Hard-Metal-Havy-Metal-Phase ist. Tolle Dialoge, toller Film, sauwitzig. Guckt ihn euch auf jeden Fall an. Ich hätte ihn jetzt auch auf Platz 1 stehen.
Florian Bayer: Aber, aber, ich hab noch einen. Du hast noch einen? I'm Still Here. I'm Still Here. Joaquin Phoenix, der sich einen Bart wachsen lässt und so tut, als wenn er jetzt ins Hip-Hop-Geschäft einsteigen will und da also wirklich so einen Erdrutsch an menschlichen Absturz irgendwie hinlegt und das so geil macht. Großartig. Und natürlich, er hat das wirklich ein Jahr lang vor aller Augen gemacht, hat so getan, als wenn er wirklich einfach so richtig hart abstürzt und wirklich delusional wird als Schauspieler und natürlich gab's zwischendurch schon die Stimmen, die gesagt haben, ach, das macht der nur wegen irgendwelcher Filme oder in irgendeinem Mockumentary irgendwas drehen die da. Aber er hat's voll durchgezogen und erst als der Film rauskam, hat er gesagt, okay, es stimmt, ich hab eigentlich nur einen Film gedreht und will gar nicht wirklich Hip-Hop-Artist werden. Und es war so krass, was der gemacht hat, was der in Talkshows gesessen hat und in seinen Bart reingebrubbelt hat an, ich mach jetzt das, ich mach jetzt das, ich bin kein Schauspieler mehr, ich mach jetzt einfach mein Ding. Und alle an ihm verzweifelt sind.
Johannes Franke: Ich glaub, das wirklich Große dahinter war, er war in diesen Late-Night-Shows und die Leute haben natürlich geahnt, dass er Quatsch macht, dass das irgendein Bullshit-Projekt ist, aber er war so annoying, dass das Wissen darum, dass er hier eine Rolle spielt oder dass hier irgendwie eine große Verarsche stattfindet, hat nicht geholfen, weil es einfach so nervtötend war,
Florian Bayer: dass alle genervt davon waren. Es ist großartig, sich den Film anzuschauen, diese Entwicklung durchzugucken und zu sehen, wie die Leute reagieren und so, es ist der Hammer. Sehr cool. Ich hatte noch
Johannes Franke: drei Szenen aufgeschrieben, ich kann es einfach mal kurz machen. Die üblichen Verdächtigen gibt es diese Verhörszene, äh, nicht Verhörszene, sondern diese Szene, wo sie, äh, diese Gegenüberstellungsszene, wo die Verdächtigen in einer Reihe stehen und dann fangen die irgendwann an zu lachen. Stand nicht im Skript. Oh. Die haben angefangen zu lachen und, äh, weil die Situation einfach albern war und dann haben sie festgestellt, das passt ganz gut zu den Rollen. Okay. Dass die sich kaputt lachen darüber, dass sie hier gerade vorgeführt werden. Okay. Das zweite, Leonardo DiCaprio ist blutende Hand in Shango Unchained. Leonardo DiCaprio, ähm, das ist hart. Rastet aus in seiner Rolle als fieser Sklavenhalter, verletzt sich und spielt mit Blut an den Händen im wahrsten Sinne des Wortes die Rolle weiter und zieht es durch und spielt es einfach hammermäßig gut.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Ah, das ist krass.
Johannes Franke: Und Platz eins, du hast Harrison Ford schon genannt, ich bring nochmal Indiana Jones rein, an den Schuss. Ja, gut,
Florian Bayer: aber improvisiert war er nicht. Er kam ans Set und hat gesagt, Leute, äh, heute, ich bin so krank, ich kann, es geht nicht, wir machen das so. Und hat es dann festgelegt. Aber in dem Moment improvisiert ist es natürlich nicht. Aber ja, natürlich, legendär.
Johannes Franke: Ja, das war's, unsere Top 3. Unsere Top 3. Das war unsere äh,
Florian Bayer: Top 3. Yeah. Jetzt haben wir das mit dem Harrison Ford gar nicht wirklich erklärt, was da eigentlich passiert. Für alle ZuhörerInnen, die es nicht kennen.
Johannes Franke: Es gibt diesen riesigen Typen, der sich vor ihm aufbaut und gegen ihn kämpfen will und eine riesige Show-Up zieht mit seinem Schwert. Roar, roar, roar, roar. Und Indiana Jones, der natürlich seine Peitsche hat und der ein guter Faustkämpfer ist und wir erwarten jetzt das typische Klischee, dass er sich in den Kampf mit ihm stürzt, in den Nahkampf. Aber nein, er ist einfach nur genervt, zieht seine Pistole und erschießt ihn. Indiana Jones ist ein kaltblütiger Mörder in diesem Moment. Muss man sagen,
Florian Bayer: das ist unglaublich gut.
Johannes Franke: Weil jeder erwartet jetzt einen Zweikampf und dann ist das innerhalb von einer Sekunde vorbei. Die anderen Jones eine fucking Pistole hat. Man geht nicht mit dem Messer zu einer Schießerei. Ja, genau. Selbst schuld.
Florian Bayer: Okay, zurück in den Film. Die Filmreihe. Was haben wir noch zu sagen, Plur? Gibt es irgendwelche Dinge, die dich ein bisschen gnädig stimmen, was die Impro betrifft?
Johannes Franke: Also, ich finde Impro nicht gut. Aber das... Und das... Dass ich das trotzdem, was die da machen, irgendwie gut finde. Auf vielen Ebenen, nicht immer. Und auch so mit Einschränkungen. Und ich würde mir das auch nicht tausendmal angucken. Also, wir haben jetzt auch die vier gereicht. Und das letzte war auch schon so ein bisschen eine Quälerei.
Florian Bayer: Sechs, meine ich. Ja. Dann sechs Episoden.
Johannes Franke: Und... Ne, ich habe hier nur fünf davon geguckt. Ah, ja, ja, stimmt. Und das letzte war schon so ein bisschen eine Quälerei dann auch irgendwie. Ich hatte dann auch keine Lust mehr drauf. Also, ich merke das auch, wenn das Ding jetzt zum Beispiel, keine Ahnung, einmal im Jahr rauskommen würde, ey, das wäre nichts worauf ich mich freuen würde. Oder wo ich sagen würde, oh, das muss ich gucken. Ich stelle mir in den Terminkalender. Ja. Aber trotzdem, es hat viele starke Momente. Olli Dittrich und Anke Engelke sind wirklich cool. Sie schaffen es auch gut zu harmonieren. Und in ihren besten Momenten, in seinen besten Momenten ist Blind Date wirklich ein herausragendes Format. Diese besten Momente finden meiner Meinung nach vor allem im Taxi statt und im Fahrstuhl. Ja. Okay. In seinen weniger guten Momenten ist es langweilig. In seinen schlimmsten Momenten ist es unangenehm zu gucken. Vor allem in der ersten Episode und viele Momente auch im Klassenzimmer, im Ehebett und so weiter.
Florian Bayer: Ja, ja. Ja, es gab wirklich schwierige Momente, aber ich finde, dass dieses Format einem zeigt, was noch alles möglich ist in diesen Bereichen. Was passieren kann, wenn man sich eine Rolle nimmt und wenn es jetzt auch noch sehr erfahrene Schauspieler gewesen wären, hätte man vielleicht sogar noch mehr rausholen können. Ich würde gerne mehr sehen in diesem Format und dieser Überlegung. Sieht man natürlich auch in Deutschland jetzt mit Axel Ranisch und Jakob Lass und Tom Lass und so weiter, was die Papa Gold und so diese Filme, die so komplett improvisiert sind. Ich sage nur noch mal German Mumblecore. Aber ich finde, dass sich das gar nicht so sehr, mein Bedürfnis gar nicht so sehr auf komplette Filme bezieht, sondern eigentlich auf so eine Eins-zu-eins-Sache, wo wirklich zwei Menschen im beengten kleinen Rahmen miteinander etwas entdecken und man gar nicht den großen Zauber drumherum macht von Film und Dramaturgie und Zeug, sondern dass die beiden wirklich, wenn es gut läuft, es schaffen, rauszufinden, was ist das Interessante zwischen diesen beiden Figuren. Und natürlich, es hat viel Potenzial zu scheitern, das hat es auch in diesem Fall gemacht, streckenweise, aber es gab auch genau das, was ich mir erhofft habe vom Format, nämlich wirklich spannende Momente, die den Kern eines Menschen und die Tragik eines Menschen hervorziehen können und man trotzdem das Gefühl hat, man will den beiden das Beste wünschen oder man will, dass sie zusammenkommen oder man will, dass sie ihre Versehrtheit vom Leben einander irgendwie wieder gut machen oder einander helfen, darüber irgendwie, ja, vom Leben doch was zu finden, was sie nicht hatten anscheinend vorher. Bei der ersten Folge zum Beispiel, die ich immer noch toll finde, Flor. Naja, also meine flammende Rede für diese Serie.
Johannes Franke: Aber danke, dass du es gebracht hast und ich fand es gut, mich nochmal mit Improvisation als Kunstform und mit deutscher Comedy auseinanderzusetzen und ich werde mich revanchieren. Ich weiß noch gar nicht, was ich die nächste Woche geben will. Das klang jetzt wie eine Wieswiese-Drohung. Vielen Dank, vielen Dank fürs Zuhören. Vielleicht hat ja der ein oder andere, ist neugierig geworden, falls ihr es noch nicht kennt, das Ding ist irgendwie noch ein Jahr in der Mediathek oder so. Ja, ja,
Florian Bayer: es ist noch eine ganze Woche. Ich glaube es sogar bis 2025, das heißt, ihr habt noch ein bisschen Zeit von dem Moment an, wo wir jetzt hier senden, im Jahre 23.
Johannes Franke: Ansonsten gibt es immer noch die Möglichkeit, ich guck mal ganz kurz, wie lang ist das Taxi nach Schweinau noch in der Mediathek? Da steht da ja immer, ne, bis zum 18.01.20... Ach ne, bis zum 16.01.2025. Ja, zwei Jahre noch. Das ist doch schön. Ansonsten findet man es bestimmt auch irgendwo illegal im Internet. Guckt es euch an, es ist auf jeden Fall interessant, ein Stück deutsche Fernsehgeschichte. Absolut, ja. Und vor allem Leute, die Ditsche mögen, werden Spaß daran haben. Und vielleicht auch ein bisschen zu sehen, wie aus Anke Engelke und Oni Dietrich so die Improvisationskünstler werden konnten. Ja, das stimmt. Weil das war eigentlich so das erste große Ding nach ihren Shows, nach ihren Ensembleshows, Samstagnacht und Wochenshow. Ja.
Florian Bayer: Und wer uns da draußen gerne zugehört hat und das Ganze weiterempfehlen möchte, macht das bitte. Gerne, gerne. Und ihr könnt uns irgendwo, weiß ich nicht, auf Spotify kann man uns Sterne geben.
Johannes Franke: Gebt uns Sterne, gebt uns Daumen nach oben und Herzchen und abonniert uns. Lasst ein Like da, bitte. None|Danke.
Florian Bayer: Oh Gott, das hast du auswendig gelernt. Wie viele YouTuber hast du geguckt, die das alles so in der Reihenfolge sagen?
Johannes Franke: Dann immer so mit den Fingern so nach oben gehen. Ja, Kind. Lasst da ein Like da, abonniert uns hier, klickt das da. Gott, du hast Glück, dass wir nur audio-mäßig unterwegs sind
Florian Bayer: und man nicht sieht, was du gerade getan hast.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche rankommt, was ich Johannes aufgeben werde, dann bleibt dran. Ansonsten euch eine schöne Woche. Wir hören uns. Wir hören uns und bleibt gesund. Bis dann. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
Florian Bayer: So, Plur, was hast du denn für mich das nächste Mal?
Johannes Franke: Also wir hatten jetzt so viele 90er und 2000er, wir müssen mal ein Stück zurück in die Vergangenheit und guck nicht so erschrocken, gar nicht so weit. Ich wollte schon lange mal Alien mit dir besprechen, weil das ein Film ist, den ich wirklich sehr mag und den ich auch schon öfter gesehen habe und der für meiner Meinung nach zu den besten Kombinationen aus Sci-Fi und Horror gehört, die man da draußen finden kann.
Florian Bayer: Ja, du weißt ja, wie ich Horrorfilme mag. Ja, ich weiß.
Johannes Franke: Deswegen bin ich sehr gespannt darauf, was du zu Alien zu sagen hast. Kennst du den Film?
Florian Bayer: Ich habe den Film mal vor langer Zeit gesehen und meh. Perfekt. Wunderbar. Ich bin gespannt, ob ich inzwischen mehr als nur meh zu sagen habe. Schauen wir mal. Das wird eine sehr kurze Episode. Also dann, bis nächste Woche. Bis dann. Ciao. None|Ciao.
