Episode 149: Breakfast at Tiffany’s – Wie feinfühlig, psychologisch tiefgründig, albern, rassistisch, out of date und liebenswert ist der RomCom-Klassiker?
Johannes hat heute einen seiner absoluten Lieblingsfilme mitgebracht: Breakfast at Tiffany’s aus dem Jahre 1961 von Blake Edwards, basierend auf einer Vorlage von Truman Capote. Kann der Klassiker des witzig romantischen Kinos auch heute noch begeistern? Wie stehen wir zum Yellow Facing, Sexismus, zur Verharmlosung von minderjährigen Zwangsehen, wie sie in diesem Film zu finden sind. Und macht dies seine Rezeption kaputt oder wird er durch seinen Humor und Charme gerettet? Oder hat er vielleicht bei einer genaueren Analyse sogar mehr zu bieten als bloßen Feel Good RomCom-Wahnsinn? Dem versuchen wir hier auf den Grund zu gehen.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 149: Breakfast at Tiffany’s – Wie feinfühlig, psychologisch tiefgründig, albern, rassistisch, out of date und liebenswert ist der RomCom-Klassiker? Publishing Date: 2023-11-08T15:12:24+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/11/08/episode-149-breakfast-at-tiffanys-wie-feinfuehlig-psychologisch-tiefgruendig-albern-rassistisch-out-of-date-und-liebenswert-ist-der-romcom-klassiker/
Florian Bayer: Das ist einfach ein Hollywood-Happy-End. Das kann nicht kaputt gehen. Es gibt nichts, was das auseinanderziehen kann, weil es mit dem Sentimental-Kitsch-Kleber von Hollywood zusammengehalten wird. Paramount hat es einmal nochmal umwickelt und ein Geschenkband drum gemacht. Das Ding hält bombenfest.
Johannes Franke: Moon River, wider than a mile. I'm crossing you in style someday. Oh, dream. Make her your heart. Break her.
Florian Bayer: Was für ein wundervoll melancholischer Einstieg in diese Episode. Sie hörten Johannes Franke mit seiner Interpretation von Moon River, eigentlich gesungen von Audrey Hepburn in dem Film, den wir heute besprechen. Und zwar? Zwei Nutten in New York. Wir reden heute über Frühstück bei Tiffany, beziehungsweise Breakfast at Tiffany's aus dem Jahr 1961, den Johannes mir vorgeschlagen hat. Und dann hattest du das letzte Mal in einem Juweliergeschäft... Frühstück. Floor. Gestern. Aber es war nicht Tiffany's. Aber es war lecker. Aber dann wurde ich rausgeschmissen. Ich hab das Fondue extra in die Ecke gestellt. Ich muss ja sagen, ich warte schon ewig darauf, dass du mir diesen Film aufgibst, weil ich glaube, ich hab diesen Film das erste Mal gesehen, als du ihn mir gezeigt hast. Oh, wirklich? Ja. Wenn ich mich richtig erinnere. Das ist aber 43.000 Jahre her. Das ist sehr lange her. Und das war eben in dieser Zeit, als wir uns auch gegenseitig im Freundeskreis, als die Filmbesprechungsrunde noch etwas größer war, Filme zugeworfen haben. Und da bist du irgendwann mal mit Breakfast at Tiffany's um die Ecke gekommen. Ich glaube, wir hatten alle sehr viel Spaß, wenn ich mich richtig erinnere. Und das ist auch titelgebend. Muss man sehen. Alter, den Film musst du sehen. Guck dir den an. Und das gilt natürlich auch für euch. Immer am Ende der Episode, das werdet ihr auch diesmal wieder hören, wird der Film für nächste Woche vorgeschlagen. Und um das auch gleich vorweg als Warnung zu sagen, wir spoilern heftig in jeder Episode. Oh ja. Das heißt, wir gehen davon aus, dass ihr euch den Film auch anguckt und dann vielleicht auch euch gleich mitärgern könnt oder mitfreuen könnt über unsere Erkenntnisse zu diesem Film. Wir bekommen viel zu wenig Hassnachrichten, hör mal. Ja, auf jeden Fall. Schreibt uns mehr Hassnachrichten. Und heute also Breakfast at Tiffany's, um vielleicht einmal so ganz persönlich zu starten. Johannes, wann hast du diesen Film zum ersten Mal gesehen? Sowieso, ich muss mal, darf ich gleich was Grundsätzliches raushauen? Oh mein Gott. Ja, bitte. Das ist so toll. Hau raus. Johannes Franke, der mit mir heftig diskutiert hat darüber, wie sexistisch die Reifeprüfung ist. Der sich furchtbar über den Male Gaze in Ghost in the Shell aufgeregt hat. Und der wirklich nicht glücklich war mit dem Rassismus über Osteuropäer in The Painted Bird. Okay. Johannes Franke hat mir für heute Breakfast at Tiffany's aufgegeben. Und ich kann alles zurückzahlen. Also jetzt, falls ihr den Film nicht gesehen habt, drückt jetzt Pause. Beziehungsweise wartet noch kurz, bis Johannes so 30 Prozent des Films erzählt hat. Drückt kurz Pause und dann schaut euch den Film an. Was ist ein It-Girl? Das müssten wir jetzt aber echt genauer definieren. Na, ich hätte gedacht, so reiche Leute schmücken sich mit jungen, hübschen Frauen, mit denen sie auch teilweise Sex haben, die irgendwie so ein bisschen zu schick sind, um Prostituierte zu sein. Ja. Und so ganz knapp am, und das Ganze zu subtil machen, um als Escort durchzugehen, die aber trotzdem eigentlich genau das machen, nämlich, dass sie Geld dafür nehmen, dass sie zum einen Amt Begleitung sind und Unterhalterin und eben für alles, was auch darüber hinausgehen kann. Und dann je nach persönlicher Einstellung zu diesem Lifestyle. Also zum Beispiel habe ich das Gefühl, dass Holly tendenziell eher zu denen gehört, die nicht ganz so weit gehen, weil sie flieht ja auch sehr oft vor den Männern, die ihr hinterherlaufen und noch mehr von ihr wollen. Ignorieren wir komplett den Umstand, dass diese Frau, die Paul aushält, heißt wie ein Roboter aus dem Star-Wars-Film. Das werden wir alles später besprechen. Wir sind noch bei der Beschreibung des Films. Ah, according to the Screenplay, bei dem Holly auch ursprünglich einen anderen Namen hatte, ne? Oh Gott. Ja, das weiß ich aber auch nicht genau. Ich hab's tatsächlich da, weil ich musste nochmal kurz gucken, sie heißt ja nicht Holly, sie heißt ja eigentlich Lula Mae. Lula Mae. Ja, der Südstaaten-Name schlechthin. Ja, genau. Das ist so geil, weil sie hat wirklich diese Holly Golightly, das ist der absolute Szene-Party-Girl-Name. Und dann heißt sie in Wirklichkeit halt wie so eine alte Lady, die auf ihrer Veranda in den Südstaaten sitzt, im Schaukelstuhl. Lula Mae. Sie sollte ursprünglich Connie Gustafsson heißen. Ach ja, stimmt. Was für ein Name. Naja. Auf jeden Fall treffen die aufeinander und die haben auch sehr schnell eine Sympathie füreinander. Das ist ja eigentlich das Ding, sie hat kein Interesse an Paul, weil er arm ist. Sie will jemanden heiraten, der Geld hat. Sie will entweder diesen reichsten Mann unter 50 oder eben diesen brasilianischen Kronprinzen heiraten. Und Paul fällt einfach nicht in ihr Beuteschema. Paul hat kein Geld. Paul wird nicht für sie und Fred sorgen können. Ja, womit wir auch schon zu einem der wesentlichen Unterschiede zur Vorlage kommen. Die Vorlage stammt von Truman Capote, geschrieben im Jahr, nicht viel früher, 1958. Und es ist eigentlich so der erste richtig große Erfolg von Truman Capote. Es hat dann auch sehr lange gedauert, bis er das nächste Buch geschrieben hat, was kaltblütig war, was mein liebstes Capote-Buch ist und was ich nach wie vor für ein Day in der großen Klassiker der amerikanischen Literatur halte. Also absolut lesenswert, in Cold Blood von Capote. Und in seinem Buch gibt es nicht dieses Happy End mit der Versöhnung, sondern in seinem Buch haut Holly dann nach Südamerika ab. Und das Buch ist aus der Perspektive von Paul geschrieben. Auch ein Unterschied zum Film, der sich nicht so festlegt auf die Paul-Perspektive. Schon ein bisschen, aber nicht so massiv. Nicht so massiv. Und Paul fragt sich halt, was aus ihr geworden ist und es gibt wohl im Buch, ich habe das Buch nicht gelesen, es gibt im Buch wohl diese rührende Abschlussszene, wo er dann die Katze sieht, die keinen Namen hat, die Holly die ganze Zeit hatte und die Holly dann auch wie im Film losgeworden ist. Nur im Film holt sie sich zurück und er sieht diese Katze irgendwo sitzen und sie hat jetzt offensichtlichen Namen und ihr geht es gut und er hofft, dass es Holly genauso geht, dass sie auch irgendwo angekommen ist. Ich finde das vom Buch plausibler. Also definitiv. Es ist klar, dass sie für einen Hollywood-Film dieses Ende suchen. Ja. Das ist jetzt nicht überraschend, dass sie einen Hollywood-Film 1961, dass da eben die große Romantik aufgefahren wird. Die Romantik ist ja auch im ganzen Film zwischen Paul und Holly ist irgendwie stärker als im Buch. Also es wird mehr darauf hingearbeitet, dass sie irgendwie zusammenkommen. Ich finde es folgerichtiger, dass sie abhaut. Und ich habe das Gefühl, es gibt dem auch mehr Tiefe, wenn sie abhaut. Weil ich finde, es gibt einfach Punkte, wo ich mich dann doch des Öfteren frage, gerade gegen Ende, aber auch schon vorher. Ah, ist das jetzt plausibel? Ist diese Romanze in dieser Form, wie sie hier erzählt wird, plausibel? Und wenn ich dann lese, was so im Buch passiert, wie ihre Beziehung im Buch ist und wie die auserzählt wird, habe ich das Gefühl, da ist es deutlich glaubwürdiger. Also Audrey Hepburn ist natürlich unfassbar charmant, unfassbar charismatisch und gut aussehend. Was tatsächlich dazu führt, dass wir uns am Anfang tatsächlich in diese Figur verlieben, weil sie wird ja auch eingeführt, was auch ein Unterschied ist zur Vorlage. Wir haben dieses Breakfast at Tiffany's ganz am Anfang, wenn wir sehen, wie sie vor dem Schaufenster von Tiffany's steht und ihr Brötchen isst und sie kommt offensichtlich aus dem Nachtclub. Und wir haben diese melancholische Musik und sie ist so ein bisschen eine Verlorene in der großen Stadt, die nicht genau weiß, wo sie jetzt hin will, aber sich nicht einfach der Lamoyance hingibt, sondern irgendwie versucht, das Schönste in diesem entstehenden Morgen zu machen. Und sie wird uns dadurch unglaublich sympathisch. Wir haben wirklich diese sehr sympathische Figur, mit der wir auch irgendwie mitfühlen. Es ist eine melancholische Stimmung und das reißt dann natürlich ein während des Films, weil wir mehr und mehr, vor allem auch durch die Perspektive von Paul, mit ihren Schattenseiten konfrontiert werden. Und natürlich gibt es dann irgendwie den Twist, dass sie uns auch partiell unsympathisch werden soll. Das liegt noch nicht mal so an ihrem Lifestyle. Ich finde ihren Lifestyle total okay, soll sie machen. Es ist aber auch nicht der Lifestyle, der sie dann partiell unsympathisch macht, sondern es ist eher, wie sie über Menschen redet und wie sie natürlich auch zusammenhängt mit diesem Lifestyle, mit Menschen umgeht. Und mit Katzen. Eigentlich ist der Reißpunkt, wenn sie diese arme Katze raus in den Regen wirft. Also wirklich, ich komme mit ganz viel klar mit dem ganzen Rassismus und Sexismus und so und Päderastie kommen wir auch noch zu sprechen. Ich komme mit allem klar. Aber wenn sie diese Katze in den Regen schleudert und ich bin voll bei Paul, der zu ihr sagt, du Miststück, was stimmt nicht mit dir? Aber ja, das Schlimmste am ganzen Film ist, dass die Katze vor die Tür setzt, wo es regnet. Und davor schon, wenn sie, ich meine, ja, sie ist emotional aufgewühlt und ärgert und ist total verzweifelt wegen dem Tod von ihrem Bruder. Aber da schleudert sie die Katze, die auch durch die Bruder. Alter, was hat sie mit diesem Tier? Sie gibt dem Tier keinen Namen, ne? Ja, ja. Und sie sagt, oh, wir sind beide frei. Aber eigentlich ist sie ziemlich, sie misshandelt dieses Tier. Ja. Ziemlich häufig. Und Audrey Hepburn hat gesagt, das war das Geschmackloseste, was ich jemals machen musste für einen Film, diese Katze vor die Tür setzen. Es ist natürlich auch gut inszeniert und es ist natürlich auch so inszeniert, dass wir in diesem Moment absolut sie hassen sollen dafür, dass sie das tut. Im Buch rennt die Katze dann weg und sie finden die Katze nicht mehr. Und im Film, nachdem sie die Abreibung von Paul gekriegt hat, rennt sie in den Regen raus und zuckt verzweifelt die Katze. Also was halt dann auch irgendwie wieder so ein süßer Redemption-Moment ist. Johannes, möchtest du denn Tee? Oh, oh, Plur. Das ist ja süß. So, ich nehme mal den Tee und schenke dir vorsichtig ein. Danke, Plur. Sehr gerne. Normalerweise ist das völlig anders. Aber du möchtest doch bestimmt auch von diesem tollen Kluntje-Zucker. Ja, auch gerne einen zweiten Kluntje-Stein. Warum trinken wir eigentlich nicht stilecht zu diesem Film irgendwas mit Gin und Gin oder mit einer Olive im Glas? Irgendwas mit einer Olive im Glas? Wollen wir den schwarzen Tee, den wir trinken, mit Olive trinken? Na, auf jeden Fall irgend so ein New Yorker Partygetränk sollten wir eigentlich trinken jetzt. Genau. Aber es ist ja nicht nur die einzige Schattenseite von ihr. Sie ist ja offensichtlich in kriminelle Machenschaften verstrickt. Rassistische Stereotype. Man glaubt es kaum. Am Ende nicht bei dem von Mickey Rooney verkörperten Asiaten. Wir haben einen Italiener, einen italienischen Mafia-Boss. Gott. Der Salad Tomato heißt. Tomato. Ja. Ach man. Sie hätten genauso gut Salad Pizza Spaghetti nennen können. Wäre auch nicht schlimmer gewesen. Na, auf jeden Fall besucht sie diesen netten alten Herrn im Knast, weil der im Knast gerne Gesellschaft hat, in Sing Sing. Und das ist eher wie ein Opernhaus klingt. Das finde ich eine sehr süße Sache. Und sie gibt aber auch gleichzeitig Wetterberichte an den Anwalt von diesem Typen. Und ich weiß nicht, wie du das gelesen hast, aber sie weiß, was das ist, oder? Sie weiß. Wir wissen das alle. Und wenn sie dann nachher von der Presse konfrontiert wird und dann sagt, ach, ich hab doch nur das Wetter gesagt, ist nochmal deutlich, sie wusste von Anfang an, dass sie da berichtet, dass sie einfach den hilft, Codes auszutauschen, wie die Geschäfte gehandelt werden sollen. Sie ist viel zu clever dafür. Ganz genau, was da passiert. Was halt auch zu ihren Schattenseiten gehört. Sie hilft hier einem Mafiaboss seine Geschäfte mit Drogen und Prostituierten und wahrscheinlich auch Mord und Totschlag weiterzuführen. Weißt du, was das Bekloppteste ist? Mehr Schnee in New York, zwei Kilogramm. Was könnte das wohl bedeuten? Das ist reichlich dämlich. Natürlich OJ, der für sich selbst auch nochmal so ein Arsch ist irgendwie, ist ja offensichtlich auch von ihr um den Finger gewickelt worden. Und sagt dann auch sehr oft, she's a phony.
Johannes Franke: But a real phony.
Florian Bayer: Sie hat es offensichtlich ganz gut drauf, Leute sitzen zu lassen und Leute für sich zu benutzen und dann irgendwann abzustoßen, wenn sie sie nicht mehr für sich benutzen kann. Natürlich. Im Buch ist das wohl noch krasser. Da werden wohl ziemlich viele Racial Slurs benutzt und auch Homophobos Slurs. Und diese Beziehung mit Mac, was ich auch zum Beispiel ganz spannend finde, Mac spielt im Film kaum eine Rolle. Die ist irgendwie halt so da und ist halt eine Kollegin von ihr. Ja. Und im Buch macht sie Mac wohl so richtig fertig. Hinter ihrem Rücken erzählt sie Dinge über sie, die dazu führen, dass... Und sie macht das natürlich gezielt, weil sie eine Konkurrentin ausschalten will, weil die buhlen beide um diesen einen Typen, dieser reichste Typ unter 50. Ja. Ich glaube, tut mir leid, jetzt verpasse ich dir einen Stich ins Herz. Ja. Weil der Film daran scheitert, seine düsteren Sachen wirklich düster zu erzählen und wirklich mitzugeben, was da passiert. Das ist gar kein Stich ins Herz. Das ist genau das Problem, was mit dem Film existiert. Eigentlich ist das das Härteste. Wir werden noch kurz über Mickey Rooney reden, aber da kann man einfach sagen, okay, Rassismus, Scheiße und Ärztin. Ja, genau. Das wirklich Harte ist, dass wir im Mittelteil ihren Ehemann haben. Der kommt, um sie zu holen. Der sie vermisst. Als er sie geheiratet hat, dieser Ehemann, war sie 13, going on 14. Ja. Und er hat sie geheiratet, weil er sie und ihren Bruder beim Stehlen erwischt hat. Das ist nicht der Grund. Nee. Das Problem ist, dass dieser Film das nicht problematisiert, sondern dieser Typ ist der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Er bringt sie zu ihr. Ja. Das ist der Moment, wo du sagen könntest, natürlich bringe ich dich zu ihr da einmal um die Ecke. Das ist die Polizei. Wie wäre es? Wir haben diesen Doc, dieser Typ, der halt erzählt, dass sie Lula Mae heißt eigentlich, dass er sie geheiratet hat, als sie 13 war. Und Paul sagt, okay, ich bringe dich zu ihr. Und dann haben wir wirklich diese, und das Problem ist ja auch, dieser Doc wird ja wirklich sympathisch erzählt. Er liebt sie und sie sagt dann, sie muss auch nochmal betonen, was für ein netter Mensch er ist und dass er eigentlich nur alles gut machen wollte und dass er helfen wollte. Toll. Und dann gibt es diese Verabschiedung, wo sie sagt, du kannst mich nicht zähmen, ich bin ein wildes Tier und so weiter. Genau. Und tut mir echt leid und er vergisst dann auch eine Träne für sie und er ist ein fucking Pedderast. Sie war 13, als er sie geheiratet hat. Nein, überhaupt nicht. Er hat sich in sie verliebt. Er liebt sie. Er hat sie geliebt, als sie 13 war. Oh mein fucking Gott. Und es ist wirklich, es ist tatsächlich, du sagst es, es ist eigentlich das Potenzial, diesem Film auch nochmal eine ganz krasse Tiefe zu geben, wenn das anders erzählt wird. Wenn dieser Typ anders erzählt wird. Es geht gar nicht darum, dass er als Bösewicht dargestellt werden muss, aber es muss irgendwie problematisiert werden. Es braucht diese Stärke und ich, okay, kommen wir ganz kurz auch zu Mickey Rooney, weil ich finde, das gehört dann zumindest in dem Punkt zusammen, wo man sagen kann, da haben Menschen gesessen und haben gesagt, that's fine, das machen wir so. Mickey Rooney, ein amerikanischer Schauspieler, britischer Schauspieler, Entschuldigung, weiß ich gerade nicht. Ich auch gerade nicht. Absurdestes Yellowfacing. Furchtbar. Ja, konkret, mit inklusive Zahnprothese, inklusive gebrochenem Englisch und zwar nicht so, wie man es, wie jemand versucht ein bisschen asiatisch zu spielen, nein, jemand macht eine absolut rassistische Karikatur von einem Asiaten. Ja. Und, ähm. Furchtbar. It's Blake Edwards, ne? Der hat ja mit Peter Sellers, der hat Peter Sellers auch mal so indische Rollen spielen lassen, die genauso drauf sind. Ja. Und das ist so typisch, dieses dann zu sagen, aber ich hab ganz viele Schwarze, die es okay finden, mit dem N-Wort von mir benannt zu werden, ne? Das ist doch keine, was ist das? Was soll das? Und es ist wirklich, oh fuck, Alter. Und es wäre sogar, das Ding ist halt auch, es ist halt so präsent, ne? Wir haben diese wunderschöne, wirklich, eigentlich, es ist eine der besten Hollywood-Intros ever, wenn wir Holly Go Lightly da stehen haben und wie sie in den Morgengrauen geht und so. Aber dann ist Mickey Rooney, dann ist dieser Mr., jetzt muss ich gucken, wie der Name ist, Mr. Junioshi, ist halt die nächste Szene. Und der kommt oft vor in dem Film und immer Slapstick und immer stolpert er und stößt sich den Kopf und schreit irgendwas Unverständliches. Und das Krasse ist, der Film würde funktionieren, wenn ich ihn komplett rausschneiden würde. Ich habe das Gefühl, also Blake Edwards hat diesen Mr. Juni Oshii reingebaut, weil er das Gefühl hatte, ich muss noch ein bisschen mehr Slapstick, ein bisschen mehr Comedy machen. Man sieht, Blake Edwards ist einfach ein Comedy-Regisseur. Ja. Und man sieht es, es gibt diese Momente, wo man das Gefühl hat, okay, jetzt muss Humor rein und jetzt muss schneller Humor rein. Was an vielen Stellen auch total okay ist, also um vielleicht mal jetzt zu springen zu der Party-Szene. Ja. Da haben wir auch, Blake Edwards macht Slapstick. Ja, voll. Aber so total bizarr überstiegen. Es ist komplettes Sodom und Gomorra. Es ist nämlich nicht nur eine tolle Slapstick-Nummer, sondern es ist der Moment, wo der Film eine düstere Note kriegt. Wir haben diese Party, die Holly in ihrer Wohnung gibt. Ihre Wohnung, die sie übrigens, ihre Wohnung hat für sie eigentlich gar keine Bedeutung. Weil sie lässt da Leute rein und raus und sie flieht dann auch immer mal wieder. Das ist auch übrigens schön, am Ende dieser Szene flieht sie dann und pfeift noch die ganzen Leute an die Polizei. Das ist großartig. Und wir haben diese Party, die hat ganz harmlose Gags, sie zum Beispiel Holly hält eine Zigarette und zündet dabei den Hut von der Dame so ein bisschen an. Aber diese Szene fängt an, immer bizarrer zu werden und düsterer zu werden. Und wir haben diese Frau vor dem Spiegel sitzen, die lachend mit sich redet und schnitt, schnitt und dann sitzt sie heulend vor dem Spiegel und beklagt ihr Leben. Und dann haben wir Paul, der überhaupt nicht mit dieser Szenerie klarkommt und da dann irgendwann wirklich im wahrsten Sinne des Wortes auf Knien durchkriecht und Leute setzen sich auf ihn, er versucht ein Telefon zu greifen. Und es ist eigentlich, es ist total too much, aber es ist nicht albern, es ist fast, ich fand die Szene hatte sowas krass beängstigendes, sowas klaustrophobisches. Ich finde es großartig, um das dazu zu sagen, weil es einfach so bizarr ist und auch gar nicht so zu diesem Go-Lightly-Stil passt, den man davor hatte, zu diesem netten, lustigen und so weiter. Weil, ja, es ist komplette Dekadenz, es ist Apokalypse, es ist Menschen, die sich in ihrem eigenen Elend, Party-Elend zuhlen und es ist fantastisch. Das ist fantastisch. Und dann genau, und José, der andere, um den Holly Bult, wird dann noch von Paul gerettet, weil der sagt auch, oh, das kann ich jetzt echt nicht gebrauchen. Wo wir auch nicht so genau wissen wollen, warum. Ja, ja, genau. Und es ist einfach eine krasse Szene und es ist eine tolle Szene, weil sie zu den, ich würde sagen, wenigen Momenten gehört, wo dieser Film seine düsteren Noten offenbart. So, okay, hier wird es wirklich dark, hier haben wir wirklich merkwürdige Geschehnisse, die so ein bisschen die Struktur auch zerreißen. Holly ist ja offensichtlich traumatisiert, also wir erfahren kurz, dass ihre Eltern gestorben sind und dass sie und Fred Waisenkinder auf der Straße auch unterwegs waren, weil sie bei ihren letzten Pflegeeltern schlecht behandelt wurden, misshandelt wurden. Wir erfahren, dass Fred offensichtlich irgendeine geistige Behinderung hat, es wird nicht so genau gesagt, was, also zumindest sagt sie öfter mal, dass er slow ist. Er ist in der Armee gelandet, ja. Das geht schon. Aber wir sind Anfang der 60er Jahre und genau, in der Armee landen auch Leute, die eigentlich vielleicht nicht für den Krieg geeignet sind, unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit, auch vor allem, ja, auf jeden Fall Fred scheint, also vielleicht beschreibt sie damit auch einfach nur, er ist so ein bisschen dummer Redneck, aber ich glaube, es soll schon ausdrücken, dass er schon so ein bisschen kindlicher ist, ein bisschen hilfloser ist, dass er eigentlich auf sie angewiesen ist, um klar zu kommen. Das stimmt, ja. Also sie hat einfach dieses Trauma hinter sich. Ja, und dann flieht sie, aber sie will halt irgendwie Fred nachholen. Sie hat diese extrem enge Verbindung zu ihrem Bruder. Es gibt diese, die ist ein bisschen erpuppt, wenn sie einschläft und dann innerhalb von zwei Sekunden anfängt offensichtlich in der Remschlafphase zu sein und zu leben. Aber ist egal, es gibt diese Szene, wo sie im Bett liegt bei Paul und schläft und dann anfängt Fred, no, Fred. Und man merkt, ihr Bruder, es ist total schlecht gemacht. Sie sagt, übrigens, das ist auch so ein bisschen, dafür, dass das Truman Capote schwul ist, haben wir hier sehr viele heterosexuelle Männerfantasien. Nämlich wie sie sich ins Apartment von Paul schleicht, sich zu ihm ins Bett legt und sie sieht wirklich großartig aus und sagt, keine Sorge, ich will nur schlafen und schläft dann in seinem Arm ein. Okay. Ja. Das ist jetzt total unfair, tut mir leid, liebe Audrey Hepburn. Aber My Fair Lady ist auch so ein geiles Beispiel und wo auch Audrey Hepburn die Hauptrolle spielt. Ja. Das ist ja eigentlich, also es basiert auf dieses, ich glaube das Musical gab es als Bühnenshow früher, weiß ich aber gar nicht so genau, aber auf jeden Fall basiert es ja ursprünglich auf Pygmalion von George Bernard Shaw, ein Drama aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Und auch in My Fair Lady haben sie auch so eine Romantik reingebaut, die im Original nicht drin ist und haben das auch so Hollywood weich gespült und da kenne ich jetzt das Original und kann deswegen sagen und ja und es ist so was Hollywood halt mit solchen Büchern gerne macht und so, es gibt so einen ganz kleinen Funken Romantik, das müssen wir groß machen, daraus machen wir jetzt Paramount, Big Budget, Liebesfilm, wunderschön und alle werden da hinschmelzen. Und wenn wir das so deuten, wie deuten wir dann das Ende, wo sie dann ja doch gezähmt wird? Ja, das ist Hollywood. Das ist Hollywood. Aber das ist dann Kacke, oder? Also es gibt auf jeden Fall diese Momente, wo dieses Psychopathische durchkommt. Am krassesten fand ich tatsächlich den Moment, wo sie sich der Presse stellt, nachdem ihr Mafia-Freund, der Tomato, aufgeflogen ist mit diesen ganzen Dingen. Und dann steht sie vor der Presse und gibt so die Unschuldige lachend und im Blitzlicht. Und da wirkt sie schon extrem psychopathisch. Da macht sie mir fast so ein bisschen Angst. Ich finde, bei der Rehabilitierung ihres Charakters ist ein Punkt ganz wichtig. Und das ist die Person des Paul. Und zwar gar nicht so sehr, dass wir sie sehr viel durch Pauls Blick sehen, sondern dass Paul so ein bisschen eine Spiegelung von ihr ist. Und es gibt mehrere Momente in diesem Film, wo ich mich frage, wen ich unsympathischer finde. Holly oder Paul. Wenn wir noch nicht den Auftritt von Doc hatten. Weil Paul ist auch ein ziemlicher Arsch. Über Paul müssen wir auf jeden Fall ausführlich reden. Paul lässt sich auch von dieser reichen Dame aushalten. Er macht eigentlich genau das, was sie macht. Und er ist aber in seiner... Aber ist das ein Problem? Wenn sie das darf, dann wäre das auch. Das ist erstmal eine Spiegelung von ihr. Es ist quasi so, wir erleben dasselbe in der männlichen Form. Da können wir sagen, wir sind einfach beim feministischen Statement. Hey, ihr verurteilt sie, aber guckt euch doch mal an, was der Typ da macht. Genau. Und die Art, wie Paul das macht, kommt mir in sehr vielen Dingen viel schäbiger vor. Und ich weiß gar nicht so genau, warum. Ich glaube, weil sie ist a real phony. Das ist ja das Ding, was OJ über sie sagt. Absolut. Sie lebt das, was sie ist. Und sie zeigt das. Und sie ist das Partygirl und so weiter. Und Paul sitzt da und sagt, ich bin Schriftsteller. Er ist, ich bin Schriftsteller. Und er hat kein Band in seiner Schreibmaschine. Er hat gar keine Möglichkeit zu schreiben. Und es ist auch nicht besonders plausibel, dass er nachher irgendwie Erfolg hat mit was. Weil er ist kein Schriftsteller. Er ist jemand, der faul ist und der sich aushalten lässt von dieser Frau. Und dieses Image des Künstlers irgendwie hochhält. Wahrscheinlich auch sich selbst damit so ein bisschen belügt. Aber er muss mal was geschrieben haben, was erfolgreich war. Ja, er hat irgendwann mal was geschrieben. Ja. Es ist okay. Jeder hat mal was geschrieben. Sogar du hast mal was geschrieben. Sogar ich habe mal was geschrieben. Auf jeden Fall ist er, er lebt so, er lebt deutlich mehr in der Lüge als sie. Und das ist ja auch die Art, wie er da mit ihr umgeht, wie er sehr besitzergreifend ist. Und wie er von Liebe erzählt und wie seine Vorstellungen vom Leben sind. Ich würde mich jetzt sogar festlegen, ich finde ihn den unsympathischen Charakter. Jetzt haben wir zwei unsympathische Hauptcharaktere in einem Hollywoodfilm. Was gegebenenfalls ein Problem ist, wenn man mitfühlen soll und wenn man in diese Romantik einsteigen soll. Aber was das natürlich macht, ist so ein bisschen, dass wir sie immer wieder gespiegelt haben durch ihn. Und dann sehen wir, ah ja, da ist der Mistkerl und so weiter. Und das macht eine ganz merkwürdige Art von Rehabilitierung mit ihr. Nämlich nach dem Motto, okay, wir haben auf der einen Seite Mussolini, aber da ist Hitler. Mussolini ist vielleicht doch nicht ganz so schlimm. Das ist auch ganz wichtig bei dieser Spiegelung, dass er nicht durch die Kacke gegangen ist, durch die sie gegangen ist. Ja. Das Problem ist halt so ein bisschen, der Film erzählt das nicht. Wir können uns das erzählen, absolut. Ja, absolut. Total. Ja. Und wir können das auch in den Film reinlesen. Es ist halt sehr viel an der Oberfläche, was das verhindert. Weil sie ist halt auch irgendwie dieses Manic-Pixie-Dream-Girl, die extrovertierte, fröhliche, die zu dem Typen ins Bett steigt und sagt, ich will nur kuscheln, keine Sorge. Und die Wilde, die es zu zähmen gilt und die sein Leben komplett umkrempelt, sodass er den Mut fasst, zu seiner Gönnerin zu sagen, tschüss, Babe. Ja, und Savior. White Savior. Genau, zum White Knight. Und wir haben dann die ganze Zeit diesen Male Gaze auf sie, also wir haben einfach seine Perspektive auf sie und sie ist die ganze Zeit sexy. Also sie ist einfach die ganze Zeit sexy inszeniert und wir müssen gar nicht seinem Blick, dass er sie sexy findet, das reicht schon, dass die Kamera sie sexy findet. Und das ist halt so, das bewegt sich halt die ganze Zeit an der Oberfläche. Und dann, wenn es diese tiefen Momente gibt, wo wir tiefe Einsteigungen erfahren, ah, was ist das überhaupt für ein Mensch, dann ist es halt so, ach ja, der Typ, der sie mit 13 geheiratet hat, ist halt eigentlich der liebe Onkel, der sie nur auf seinem Schoß sitzen haben wollte, Entschuldigung. Ach ja, Flora, mach doch nicht solche Bilder auf. Sorry, tut mir leid. Aber, ne, und er liebt sie ja eigentlich und er vergisst noch eine Träne, wenn sie dann sagt, ich bin frei und ich bin, I'm a wild thing oder was auch immer, du kannst mich nicht zähmen. Und das ist so halt so, ja, wir haben hier dieses Potenzial, aber ich muss echt viel von dem Film zur Seite kehren, um zu sagen, ja, ich steig da jetzt voll ein und geb mich jetzt dieser Analyse hin. Und good for you, wenn du es kannst. Ich schaff's nicht. Weißt du, warum das klappt? Sie ist halt, also sie schafft es schon so, dieses Charmantsein und dieses Schnellsein, also es ist so unfassbar schnell inszeniert. Ich würde mal behaupten, das Tribune ist wahrscheinlich doppelt so lang wie bei allen anderen Filmen dieser Länge, wenn nicht sogar dreimal so lang. Die reden so schnell und so viel. Und sie ist die ganze Zeit auch in diesem, sie plappert, sie redet auch ganz viel Quatsch dabei, aber sie ist die ganze Zeit am plappern und man hat manchmal das Gefühl, man entfasst in so einem Gedankenfluss von jemandem, der überhaupt nicht weiß, wohin mit seiner Aufmerksamkeit und wohin mit seinen Wünschen. Ja. Und sie ist die ganze schnelle und intelligente Frau, die eigentlich zu intelligent ist für diesen Lifestyle, den sie führt. Und da bin ich auf jeden Fall bei dir und das macht sie großartig. Das macht sie auch, also der Film lebt natürlich von Audrey. Auch von ihren Kostümen. Natürlich. Auch von dem Stil, wie sie inszeniert ist. Der Film ist extrem stilsicher, wenn eben nicht Mickey Rooney zu sehen ist. Ja. Ja, von ihrer ganzen Erscheinung und das ist schon krass. Und vor allem gerade, weil sie auch so eine vermeintlich junge Frau spielt. Sie ist so präsent und sie ist da und sie beherrscht einfach die Szenerie, wenn sie auftritt. Ich kann mir auch, also so wie der Film inszeniert ist, ich kann mir Merlin Monroe nicht so wirklich vorstellen. Was ich viel spannender gefunden hätte, was die Frage nach Cars' Crew betrifft, die sich geändert hat, ich hätte gerne den Film inszeniert von Billy Wilder gesehen. Na, natürlich. Und wir hatten das schon mal, wir hatten über The Odd Couple geredet, wo wir auch gesagt haben, wenn Billy Wilder das Ding gemacht hätte, wäre es anders geworden. Und bei diesem Film, glaube ich, noch ein bisschen krasser. Billy Wilder hätte, glaube ich, diese Tiefe rausgeholt, diese Düsternis. Wir haben das bei Das Apartment gesehen. Total. Sehr ähnliches Thema. Da geht es auch darum, auch um dieses Thema, wie bewegt sich eine Frau in einer männlichen Welt und wie funktioniert das mit Sex und Macht und das Zusammenspiel davon. Und Billy Wilder macht sowas natürlich on point und schafft es auch in leichten, tragikomischen Settings die Tiefe und das Düstere herauszukehren. Und dabei noch witziger zu sein. Und dabei noch witziger zu sein. Na, weniger Slapstick und mehr, oder weniger, ein bisschen mehr, ein bisschen, vielleicht auch einfach ein legenderer Humor. Vielleicht, ja. Und das hätte bei diesem Film auch gepasst. Dem wäre nicht Mickey Rooney passiert. Immer wieder entfällt, immer wieder entfällt. War Cary Grant My Fair Lady? Nee, nee, nee. Ja, eigentlich schon. George Peppard ist der Darsteller von Paul und ist halt, er ist halt auch nicht charmant oder so. Nein. Er ist wirklich ein Lagenweiler. George Peppert übrigens für alle aus unserer Generation sollte sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel später in der großartigen Action-Serie das A-Team, den Hannibal Smith, den Anführer der ganzen Gruppe spielen. Er ist, glaube ich, nicht der Einzige, der es nicht so ganz geschafft hat, in dem Film das zu machen, was die eigentliche Intention von, und jetzt bin ich ja immer dagegen, aber von Truman Capote war, von unseren Autoren des Buches. Ich kann total verstehen, dass Truman Capote pisst war, weil man sieht noch Spuren von dieser Idee in dem Film. Aber ich glaube, Black Edwards hat viel zu viel diesen Slapstick-Humor, dieses Comedy-Ding gesehen. Ja, und die Romantik. Und die Romantik. Da gebe ich Paramount die Schuld, die gesagt haben, wir müssen hier eine Romanze draus machen. Ja, okay. Und es wurden einfach Sachen verpasst, die im Buch stärker sind. Wobei das Buch, wie gesagt, das soll hier nicht freigesprochen werden. Und ich glaube, ich würde auch ziemlich enttäuscht sein, wenn ich es lese und feststelle, dass Truman Capote auch so ziemlich einen Gossip-Trash geschrieben hat in dem Moment. Gossip auf jeden Fall. Trash weiß ich nicht. Ja, aber Truman Capote, ich habe, für mich ist halt Truman Capote einfach der Autor von In Cold Blood und das ist was ganz anderes. Das ist so empathisch und so nah an den Menschen. Und wenn man böse ist, kann man auch sagen, das ist das erste Mal, dass True Crime erfolgreich wurde. Und vielleicht ist er schuld daran, dass wir diese ganzen CSI-Gedöns und diese ganzen True Crime-Podcasts jetzt haben. Okay. Ja, ja, genau. Truman Capote war ja schon, der war so ein bunter Hund einfach in dieser ganzen Szene und der hat sich da viel bewegt und der hatte viele Feinde und viele Freunde und das hat auch munter gewechselt. Für mich ist er vor allem der Autor von In Cold Blood und der gute Freund von Hapalidi, die dann ja später Werden die Nachtigall stört geschrieben hat. Und Capote wiederum, auch wenn er nicht so als It-Boy unterwegs war, hat halt auch so ein bisschen auf der Flucht vor seiner Vergangenheit auch so dieses Partyleben gewählt, also Truman Capote kennt man vor allem gerade aus dieser Zeit auch eben als dieser Typ, der auf jeder Hollywood-Party ist und da rumhängt mit seiner Crew und wild exzessiv feiert und dann gibt es nochmal Erzählungen, was er alles gemacht hat und was für Drogen sie nehmen und das war ja auch tatsächlich. Und sein Lifestyle ist auch, auch wenn er halt dann das Geld hatte und er auf der anderen Seite war, aber sein Lifestyle war halt auch ähnlich wie der von Holly. Er hat auch die wilden Partys gefeiert und er hat auch seine Wohnung aufgemacht, die Leute sind rein und es war einfach Exzess. Homosexualität haben sie offensichtlich ziemlich konsequent rausgezogen aus dem Film. Also Holly, wohl im Buch auch irgendwann mal zu verstehen, dass sie vielleicht auch bisexuell sein könnte. Sie redet sehr viel über Homosexualität. Aber auch sehr negativ. Genau, sie hat diesen, ich weiß, wie hieß der Begriff nochmal? Es gibt so einen Slur, den, glaube ich, heute gar nicht mehr so benutzt wird für Lesben. Achso, oh Gott, den habe ich nicht. Den sie relativ viel benutzen in den Buchern und ständig irgendwie sagt, und die ist eine, und die ist eine, und die ist eine. Und ja, das hat dann Hollywood auch einfach ein bisschen entschärft. Und vielleicht ist das sogar, was wir hier sehen, diese Doc-Geschichte, ist der Versuch von Hollywood, diese Geschichte zu entschärfen. Dieses Trauma von ihrer Kindheit. Was fragst du? Ja, das ist tatsächlich, ich finde sie tatsächlich vor allem geil, wie sie auf seine Trennung reagiert. Er macht so dieses große Drama und sagt, so, es ist soweit, wir müssen reden. Sie so, ja, ja, ja, ich habe die ganze Zeit drauf gewartet. Gut, okay, verstehe. Natürlich ist sie auch ein bisschen traurig deswegen, aber sie ist vor allem so, okay, dann lass uns das kurz abhandeln, können wir weitermachen. Ja. Aber ich glaube, sie ahnt schon, dass das, also sie ist irgendwie so von der Attitüde, sie weiß, dass das nicht ewig hält und dass sie ihn irgendwie verlieren wird. Aber das sowieso. Also sie ist auch, sie wirkt auch nicht so, als ob sie da mit großer romantischer Anspannung drin wäre. Also sie, wie du schon gesagt hast, Sex ist wahrscheinlich bei ihr deutlich wichtiger als, wahrscheinlich wirklich als bei diesen Holly-Beziehungen. Ja, ja. Das ist das, was sie sich da rausnimmt und sie hat halt so ein kleines Haustier auch so ein bisschen. Ja. Ist so ein bisschen ihr Schoßhündchen. Absolut. Und sie behandelt ihn ja auch entsprechend. Also wenn sie auftritt, ich meine, ich glaube, wir würden drüber reden, wie unangenehm das ist, wenn wir dieses einmal einen Gender-Switch machen würden und er wäre die Frau und sie wäre der Mann. Dann würde uns das sehr, sehr sauer aufstoßen, wie sie sich ihm gegenüber verhält. So ist es irgendwie eine ganz interessante Spiegelung von der Art, wie Holly ihre Beziehungen lebt. Und Patricia Neal spielt das einfach saugut. Die auch übrigens ein paar Jahre später einen Oscar gewinnen sollte für, als bester weiblicher Hauptrolle in diesem Fall für den Film hat aus dem Jahr 1963. Oh. Ein Western, den ich nicht gesehen habe. Den ich auch nicht gesehen habe, keine Ahnung. Das ist eine sehr kleine Rolle. Ich hätte sie gerne öfter gesehen als Mr. Uniyoshi, den man leider zu oft sieht. Ja, absolut. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen? Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Genau, also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Ja. Und ich habe das ungefähr verstanden, was da passiert. Also, ne, sie will Toilettengeld haben, weil sie ein bisschen Kleingeld bei der Toilettenfrau hinwerfen will. Aber natürlich sind das keine 50 Dollar, sondern sie brauchen ein paar Cent. Und der reiche Typ muss halt sagen, ja, ich habe doch hier ganz viel. Aber 500? Ja, 500 Dollar. Ich weiß nicht, in welcher Welt das wirklich passieren soll. Ich glaube es einfach nicht. Weil ich glaube, das sind die Preise, die du heute auch bezahlst für Escortfrauen. Also diese Art des Escorts, ne? Ja, das stimmt. Ja, ja, ja. Sie verdienen nicht 500 Dollar die Nacht, sondern es sind eher 1500. Ja, genau. Und es wird ja auch irgendwann klar, sie müsste eigentlich stinkreich sein bei dem, was sie kriegt. Aber sie kann ihr Geld nicht zusammenhalten. Das ist unglaublich. Die Beziehung, die sie zu ihrem Bruder hat, ist die glaubwürdigste Emotionalbindung in diesem Film. Das ist die, die wir nicht sehen. Wir sehen ihren Bruder gar nicht. Wir sehen es nur dadurch, wie sie von ihm erzählt und wie sie dann halt drauf reagiert, als er stirbt. Hast du eine Schreibmaschine bei dir ohne Band? Nein, ich bin nicht so ein Poser wie er. Wollen wir über unsere Top 3 reden? Was für eine Top 3 haben wir denn, Plur? Titelsongs hast du mir aufgegeben. Titelsongs. Meine Stimme bricht schon weg, wenn ich es sage. Ich würde sogar behaupten, der Song gehört zu den Sachen, die dem Film nochmal eine Stärke geben, weil er eben ganz in dieser melancholischen Note drin ist, die vielleicht ein bisschen selten in dem Film vorkommt. Aber wir haben den Song ja einmal am Anfang angespielt als instrumental, wenn sie halt eben diese wirklich tolle Einstiegsszene hat, wie sie dadurch das morgendliche New York geht. Und dann in dieser Szene, wo sie eben mit der Gitarre da sitzt und es ist einfach schön, wenn eine Frau die Liedermacherin sein darf, die den Song zum Besten gibt. Weil sonst sind es halt oft doch die Kerle, die irgendwas nochmal mit Gitarre schmettern und die Frauen dürfen sie anhimmeln. Und hier ist es genau umgekehrt. Es ist toll, weil sie es macht. Es ist ein intimer Moment. Sie macht es ja für sich. Sie macht es nicht. Es ist mal eine Sache, die sie nicht für ein Publikum macht und es ist was, was sie wirklich kann. Das ist schön. Und es ist ein großes Lob von jemandem wie Mancini. Ja, der hat Schrade gemacht. Der hat Pink Panther gemacht. Das ist, glaube ich, so sein bekanntestes, die Pink Panther-Titelmelodie, auch für Blake Edwards. Wirklich unglaubliche Filmografie, die er da hat, also Diskografie. Der hat einfach die 50er, 60er Jahre Hollywood total wegdominiert mit seinen Songs. Naja. Okay, gehen wir in unsere Top 3 rein? Auf. Titelsong heißt aber nicht der Film, nee, weil der Film heißt auch nicht Moon River. Ne? So. Ich hatte eine Honorable Mention, die ich einfach raushauen will, weil das für mich so was Song- und Filmverknüpfung betrifft, einfach so am prägnantesten. Das ist Another Brick in the Wall von Pink Floyd, aber das zählt nicht so ganz, weil der Film natürlich eigentlich die Verfilmung des Songs ist und nicht der Song für den Film gedreht wurde, sondern eher umgekehrt. Okay. Und dann würde ich mit meinem Platz 3 einsteigen, ne? Ja, ich bringe dann auch ganz viele Honorable Mentions, aber vielleicht erst am Ende, wenn ich dann alle nicht habe. Und wenn wir von guten Songs reden, müssen wir natürlich über den Mann reden, der am besten ist in ganz Hollywood, wenn es darum geht, gute Songs für seine Filme zu finden, nämlich Quentin Tarantino. Oh, wirklich? Und ja, der hat, ich finde, in Tarantino-Filmen findest du immer so 20 Songs, die eine großartige Mischung sind aus Funk und Rock'n'Roll und ein bisschen Soul und du entdeckst immer Neues, wenn du einen von seinen Filmen guckst. Okay. Und zu seinen vielleicht etwas weniger populären oder weniger beliebten Filmen gehört Jackie Brown Ende der 90er Jahre und der große Song, der in diesem Film, 1997, der in diesem Film gespielt wird, ist ein Song, der offensichtlich schon mal für einen anderen Film geschrieben wurde, Across the 110th Street. Das kann ich nicht. Von Bobby Womack. Bobby Womack and Peace. Und der wurde für einen Film geschrieben, der den gleichen Namen hat im Jahr 1973. Und Tarantino hat den einfach ganz dreist bei Jackie Brown nochmal prominent reingehauen. Und es ist ein toller, toller Soul-Song, Soul-Funk-Jazz, irgendwas dazwischen. Fantastischer Song. Okay. Moment. Heute hören wir ein bisschen Musik. Wir kommentieren die Lieder, deswegen ist das urheberrechtlich vollkommen okay, Johannes, guck nicht so panisch. Okay. Fantastischer Song. Okay. Auf der Suche nach der stereotypischsten afrikanischen Catchphrase. Der Song ist geil. Aber nicht mein Lieblingssong, mein König der Löwen. Nicht? Ich liebe den Bösewicht-Song. Grundsätzlich mag Bösewicht-Songs bei Disney-Filmen. Das stimmt schon, ja. Be prepared. Be prepared. So majestätig. Cool, stimmt. Mein Platz zwei ist auch speziell für einen Film geschrieben und einen Film, über den wir auch geredet haben. Und zwar Sound of Silence von Simon & Garfunkel für die Reifeprüfung. Ja, was mich echt getroffen hat, weil ich liebe diesen Film. Und der Song passt überhaupt nicht in den Film rein. Nein! Die Melancholie davon. Absolut total jetzt um Gottes Willen. Nein, keine Chance. And if you wanna be free, be free. Und tatsächlich so ein bisschen der kleine oder wahrscheinlich deiner Meinung nach eher große Bruder von The Graduate, weil es einfach nur mit Gender Switch auch wiederum... Achso, ja, ja. Nicht mit Gender Switch, weil es auch um eine Beziehung geht zwischen Alt und Jung und weil es auch so ein Hippie-Film ist und auch so ein New Hollywood-Romantic-Comedy und falls ihr es noch nicht mitgekriegt habt, Johannes hat gerade... Harold and Maud. Harold and Maud. Und auch hier würde ich sagen, Cat Stevens verliert gegen Simon & Garfunkel, was Musik betrifft und Harold and Maud verliert gegen The Graduate, was Romantik aus dieser Zeit betrifft. Harold and Maud, finde ich, ist ein bisschen überschätzt. Okay, los, dein Platz... Mein Platz 1. Ein Song, der nicht speziell für den Film gedreht wurde und dessen Musikalität auch scheinbar gar nicht unbedingt zu dem Film passt, weil es ein sehr romantisches, kitschiges Lied ist, das aber perfekt da reinpasst, genau deswegen. Und zwar Blue Velvet. Und zwar benutzt in einem Film von David Lynch. und ich wollte jetzt eigentlich genau... Der, der den Sam, der den Sam Song hat und der Song ist von Bobby Winton. Ah. Und der wird in diesem Film benutzt, dieser kitschige 50er Jahre, all die Schnulze, 1962. Diese, diese schreckliche Schnulze wird benutzt. Oh, Fevert. Und in dieses düstere Setting gepackt. Ja, stimmt. Und das ist einfach fantastisch.
Johannes Franke: You must remember this.
Florian Bayer: Ja, es ist wirklich schön. Ja, coole Top 3s haben wir ja. Schön. Und wir springen zurück. Johannes geht gerade seine Liste durch und will noch ganz schnell alles abhandeln. Oh, wir haben... The Red Means. Ja, ja, okay, wir haben tatsächlich noch gar nicht über diese... Das ist nämlich... Also, ich war jetzt sehr kritisch gegenüber dem Film, in ganz vielen Stellen. Ja. Es gibt so Momente, die wirklich toll sind und dazu gehört unter anderem den Tag, den sie zusammen verbringen. Und es ist so süß, ja. Es ist auch irgendwie... Es ist awkward und putzig zugleich, wenn sie... Was wollen sie? Was kriegen sie dann? Das ist eine Szene, die so viel Potenzial dafür hätte, irgendwie, keine Ahnung was, eskalieren zu lassen. Und das ist einfach nur süß. Und dieser Typ, dieser Verkäufer ist total nett. Und da ist ein Moment, wo ich sage, ja, Hollywood darf einfach niedlich und schön sein. Ja, total. Dann gehen sie noch in die Bibliothek. Weil er hat ja sein Buch jetzt rausgebracht, ne? Ja. Und dann müssen sie und scht. Und dann rennen sie weg und freuen sich einfach über dieses Ding. Die dritte große gemeinsame Betätigung ist natürlich ein Ladendiebstahl. Und es ist wieder diese Szene, wo der Film so absurd, bizarr wird. Weil sie gehen nicht rein, als ob sie irgendwas Kleines klauen wollen würden, was sie vorhaben. Sondern sie gehen da rein, als ob sie das Ding ausrauben und in die Luft sprengen wollen würden. Und sie werden, kurz bevor sie rausgehen, werden sie von zehn Kaufhausdetektiven beobachtet, weil sie absolut suspicious sich verhalten. Und trotzdem schaffen sie es, diese Plastikmasken zu klauen, ohne dass ihnen jemand hinterher rennt. Es ist so eine absurde Szene auch, weil sie dann so mehrere Versuche wagen, was sie stehlen können und immer feststellen, sie werden beobachtet. Und dann wie sie Zeug in ihren Hut packen. Fishbowl. Und das ist so alles offensichtlich. Also sie gehen da rein und sie haben, ich bin ein Ladendieb, auf ihrer Stirn getackert. Und es ist eine tolle Szene, weil es einfach komplett, es hat nichts Glaubwürdiges an sich. Ja, aber es ist einfach nur süß. Ah. Ach echt? sein können. Also wenn, dann ist es beruhigend für Sachen, Sachen zu kaufen. Ich bin tatsächlich nicht Frustkäufer, aber doch so Stresskäufer. Also es kann mal sein, dass ich irgendwie so denke, oh, das war jetzt eine anstrengende Woche, ich muss jetzt einfach mal 50 Euro bei Amazon für irgendeinen Scheiß loswerden. Ja gut, okay. Das ist natürlich was anderes. Ich gehe nicht gerne Shopping. Ich gehe nicht gerne shoppen. Ich mag keine... Nee. Tja. Flora. Nächste Frage auf deiner Liste. Glaubst du, dass die Beziehung durchhält am Ende? Also so wie der Film sie inszeniert und wie Hollywood sie inszeniert, hält die durch. Das ist einfach ein Hollywood-Happy-End. Das kann nicht kaputt gehen. Es gibt nichts, was das auseinanderziehen kann, weil es mit dem Sentimental-Kitschkleber von Hollywood zusammengehalten wird. Paramount hat es einmal nochmal umwickelt und ein Geschenkband drum gemacht. Das Ding hält bombenfest. Okay, gut, damit kann ich nicht argumentieren. Das geht. Keine Diskussion. Nee, aber du hast deine düstere Interpretation, oder? Und die sagt, es hält nicht. Das geht nicht. Das wird eine absolut toxische Beziehung, oder? Aber Paramount. Die haben einen Knoten drum gemacht, so einen Seemannsknoten und dann nochmal eine Schleife und dann nochmal einen Knoten. Und das kann einfach nicht auseinander gehen. Wobei Holly als feministisches Rolemodel allein schon deswegen nicht taugt, weil ihre Art zu sagen, jetzt reicht es ja meistens, ist, dass sie wegrennt. Oder dass sie, genau, dass sie ihre Wohnung verlässt, dass sie wegrennt, dass da jemand vor ihrer Tür steht und sagt, aber ich habe dir noch 50 Dollar fürs Klo gegeben. Und dass sie dann bei einem anderen Mann ins Fenster steigt und sagt, kann ich bei dir im Bett schlafen? Befürchte ja. Das macht Pretty Woman auch, ja. Da sind wir nicht weitergekommen. Der Film leidet natürlich unter diesen typischen Hollywood-Krankheiten. Die sind einfach offensichtlich. Und die haben wir in sehr vielen romantischen Komödien, die ernstere Themen tangieren. Oder die so ein bisschen gewagter sind, dass sie dann halt sehr schnell die Rettung, dass die konservative, traditionelle, heteronormative Ehe am Schluss doch die Rettung ist. Dann braucht man einen anderen männlichen Protagonisten. Ich glaube nicht. Ich weiß nicht, ob das Narrativ funktioniert, wenn es gar keinen Anstubser von außen gibt. Es braucht einen Impuls. Nein, dann ist ja eigentlich ihre geile Entscheidung, die eigentlich ursprüngliche Entscheidung, ich gehe trotzdem nach Südamerika, jetzt habe ich schon mal das Ticket, jetzt mache ich das eigentlich die viel geilere Entscheidung. Das ist viel mehr Selbstbewusstsein. Ich würde ganz hart sagen, das romantische Ende funktioniert nicht mit dieser Figurenkonstellation, nicht mit dieser Story, da kommst du nicht drumherum. Und es würde immer noch schlimmer gehen, schlimmer wäre, wenn sie zum Beispiel zu ihrem Ehemann zurückgeht. Ja, ja, natürlich, absolut. Und das romantische Ende ist ja auch, ich meine, hey, es gibt so viele Filme mit genau diesem romantischen Ende und sie küssen sich auch noch im Regen und der tiefe Hollywoodkuss, der Anfang 60er Jahre, wie Anfang der 60er Jahre in Hollywoodkino geküsst wurde. Man könnte ein Happy End erzählen für sie, ohne dass es diese Romantik gibt. Das wäre ein gutes Happy End. Ich will hier gar nicht das Happy End nehmen. Natürlich ist das ein Film, der ein Happy End verdient hat, aber es muss nicht das Happy End sein, ja, jetzt ist sie endlich gezähmt und in dieser heteronormativen romantischen Beziehung, die wir alle sehen wollen, sie wird jetzt doch noch ein anständiges Mädchen. Ja, auf jeden Fall, aber das wäre nicht Anfang der 60er gegangen. Aber wir wissen, dass diese Beziehung falsch ist und am Schluss haben sie die richtige Beziehung. Ja, ich feiere die Beziehung so ein bisschen. Die ist voll geil, aber der Film sagt uns die ganze Zeit, das ist falsch. Was hier passiert, ist falsch. Ich habe das Gefühl, der Film wird jedes Mal schlechter, wenn ich ihn nochmal sehe. Das ist echt ein Problem. Also was er auf seiner Haben-Seite hat, ist auf jeden Fall der Stil. Bilder und Kostüme und Settings sind echt schön. Er hat natürlich Audrey Hepburn auf seiner Seite und er hat so zwei, drei Zehen, die auch relativ viel Platz einnehmen, die auf ihre bizarre Art wirklich unterhaltsam sind. Aber je öfter ich den Film sehe, je mehr nehme ich seine Schwächen wahr. Und dass wir heute echt nicht viel über Mickey Rooney geredet haben, sondern viel über andere Probleme, zeigt schon, dass es halt eben doch viel mehr ist, als diese Stereotype-Karikatur eines Japaners. Es gibt halt doch sehr viele Sachen, die klicheehaft sind, die teilweise hochproblematisch sind, was die moralische Fragestellung betrifft. Ja, und deswegen kann ich den Film leider nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich sehe das, was unterhaltsam ist und das sehe ich auch immer noch. Aber dieses Mal hat es mich dann doch ein bisschen zu sehr gepikst und geschmerzt beim Gucken. Na gut. Ich finde es total krass. Vielen Dank, dass du ihn mir nochmal gegeben hast und vielen Dank für dieses Gespräch. Es war total spannend, auch nochmal so ein bisschen tiefer reinzugehen in die Psychologie von Holly und den Film auch einfach nochmal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche aufgebe, bleibt dran, weil dann erfahrt ihr auch, was ihr gucken solltet. Und ansonsten vielen Dank euch fürs Zuhören. Habt eine wunderschöne Woche und wir hören uns. Bleibt gesund. Bis dann. Ciao. Ciao. Okay? Ich werde hier als Geisel gehalten. Wir haben nämlich über den Film geredet, The Banshees of Inesheron, den sowohl Johannes als auch ich gesehen haben. Und Johannes hat gesagt, ich weiß nicht, ob ich den so gut fand. Und ich hab gesagt, oh, ich fand den sehr gut. Und dann hat Johannes gesagt, dann müssen wir den mal besprechen, den Podcast. Und du machst den. Und dann hat er mir eine Waffe an den Kopf gehalten und hat gesagt, du machst den. Und ich hab gesagt, aber du hast ihn doch eigentlich vorgeschlagen. Und Johannes hat gesagt, nein, du machst den. Das ist dein Film, du findest ihn gut. Und jetzt sitze ich hier und muss Johannes diesen Film aufgeben. Obwohl ich eigentlich was ganz anderes aufgeben wollte. So einen französischen Arthouse-Film aus den 50ern oder sowas. Wir hören uns nächste Woche mit The Banshees of Inesheron aus dem Jahr 2022. Ruf die Polizei. Viel Spaß. Ruf die Polizei.
