Episode 173: Get Out – Horror, Rassismus und ein fettes Happy Birthday
Unsere Stammhörerin Liz ist dieses Jahr mit einem Horrorfilm-Wunsch vorbeigerauscht, und den wollen wir ihr natürlich erfüllen. Und so reden wir über Jordan Peeles Get Out aus dem Jahr 2017. Themen sind natürlich die Verknüpfung von Horror und Humor, sowie die Verknüpfung von Horror und Gesellschaftskritik. Es geht aber auch um die vorhandene oder vielleicht auch fehlende Subtilität von Jordan Peeles Satire, um Pseudoscience im Genrekino, Hypnose und die alles entscheidende Frage: Wie cool ist Rod?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 173: Get Out – Horror, Rassismus und ein fettes Happy Birthday Publishing Date: 2024-04-24T19:29:55+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/04/24/episode-173-get-out-horror-rassismus-und-ein-fettes-happy-birthday/
Florian Bayer: Aber du nimmst die ganze Unterhaltung aus dem Film. Ich denke, ich stehe. Du willst das im Film alles weggenommen, was Spaß macht.
Johannes Franke: Ja, die Sache ist die, der ist ja sonst eben nicht so over the top Comedy. Und das ist irgendwie dieser Clash. Es gibt Filme, die das schaffen, wie gesagt. Aber dieser Film schafft es für mich nicht, diesen Clash ordentlich hinzukriegen.
Florian Bayer: Wir zünden dir ne Kerze an, weil du heut Geburtstag hast. Wir backen dir nen Kuchen und schreien laut Hurra. Geburtstag, jawoll, das finden alle toll. Natürlich gibt's ne Party, genau wie letztes Jahr. Du wirst heut eins, zwei, drei oder vier. Du wirst heut fünf, sechs, sieben oder acht. Du wirst heut neun, zehn oder zwölf oder dreizehn oder vierzehn oder...
Johannes Franke: Äh, hundert zum Beispiel. Yeah!
Florian Bayer: Happy Birthday, Liz!
Johannes Franke: Liz, du hast Geburtstag und du hast dir deinen Film gewünscht.
Florian Bayer: Unsere Stammzuhörerin, die wir hoffentlich noch ganz viele Jahre begleiten werden und die hoffentlich jedes Jahr zu ihrem Geburtstag sich jetzt etwas wünscht, weil offensichtlich wünscht sie es Liz zum nicht coole Filme.
Johannes Franke: Ja, wir haben heute von Liz Get Out bekommen.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 2017 von John Peel.
Johannes Franke: Ja, du hast uns eine ganz schöne harte Aufgabe gegeben, weil wir zwei weiße Brote werden jetzt über Rassismus reden müssen.
Florian Bayer: Und es ist nicht unser erster Jordan Peele Film. Ich habe nämlich Johannes vor einiger Zeit schon Ass aufgegeben, den er so semi gut fand.
Johannes Franke: Ja, ich hatte Schwierigkeiten, weil ich auch einfach nicht der Horrorfilm Fan bin. Und der Ass ist mir ein bisschen zu sehr in die Horrortropes hinabgeglitten, ohne dass er seinen Level an Mehrdeutigkeit und intellektuellen Stimulus behalten hätte.
Florian Bayer: Jetzt gehört ja Jordan Peele zu so einer Welle an Horrorfilmen machen, die ähm... gerne, also zumindest so in den letzten Jahren mit dem Label Post-Horror versehen wurden. Wobei er andere Art von Post-Horror macht als die Leute, die wir sonst so dazu rechnen. Also zum Beispiel wir haben ganz viel über The Witch gesprochen zum Beispiel.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und Johannes ist ja auch ein großer Fan von demselben Regisseur von Robert Eggers heißt der, von The Lighthouse, der da auch in die Richtung geht. Und dann gibt es noch sowas wie Hereditary oder auch Midsommar, die alle da irgendwie so reingepackt werden. Und meistens ist so, das große Ganze, was man drumherum packen kann, sind Horrorfilme, die eigentlich andere Genres aufgreifen. Und zwar vor allem Drama-und Historienfilme, aber auch so psychologische und philosophische Experimentalfilme, die halt irgendwie so abweichen vom Horror. Und bei Jordan Peele ist der Unterschied, dass der Humor hat. Diese Filme sind meistens nicht unbedingt dadurch gekennzeichnet, dass sie besonders lustig sind. Aber Jordan Peele kommt aus der Comedy-Ecke und Jordan Peele baut seine Filme auch als satirische Filme, als Komödien mit gesellschaftskritischem Anstrich. Und Get Out ist so der Film, mit dem er das Ganze gestartet hat, diese Reihe an Horrorfilmen. Mittlerweile hat er drei davon gemacht.
Johannes Franke: Was auch eine große Überraschung war, weil er eben im Comedy-Bereich angefangen hat. Hat man ihm das nicht so zugetraut und hat auch nicht damit gerechnet, dass er, wenn er mal selber was macht, Regie führt, das hier ist wirklich sein Regiedebüt, vorher hat er was geschrieben, aber eben nicht Regie geführt, dass er sowas machen würde, ist halt so wirklich aus dem Nichts gekommen. Ja,
Florian Bayer: und ich kannte Jordan Peele tatsächlich nicht, das ist aber auch glaube ich so ein kulturelles Ding, weil ich mich amerikanischer Comedy nicht so gut auskenne, er hat für MADtv gearbeitet, auch als Schauspieler, er war so in diversen Comedygruppen unterwegs und dann vor allem groß offensichtlich mit Kik... Michael Key ist ja als Duo aufgetreten von 2012 bis 2015, also relativ lange und die waren auch auf Comedy Central zu sehen. Ich kannte das Gesicht von Jordan Peele, weil er auch in diversen Sitcoms immer mal wieder so kleine Nebenrollen gespielt hat. Aber er war mir jetzt kein Name. Es war tatsächlich, als Get Out kam, war es so, ah ja, cool, neuer Horrorfilm, offensichtlich satirisch und interessant, Jordan Peele nie gehört.
Johannes Franke: Wollen wir denn einfach mal die Handlung so ein bisschen umreißen, damit wir wissen, worum es überhaupt geht in diesem Film?
Florian Bayer: In Get Out geht es darum, dass Chris Washington zusammen mit seiner Freundin Rose Armitage zu ihrer Familie eingeladen ist. Zum ersten Mal soll er ihre Eltern kennenlernen. Chris fühlt sich ein bisschen unwohl von Anfang an, weil Rose hat ihren Eltern nicht erzählt, dass er schwarz ist. Rose ist weiß, ihre Familie ist weiß, sehr weiß, wie wir bald festgestellt werden. Und sie hat ihren Eltern nicht erzählt, dass ihr Freund Chris schwarz ist. Sie sagt aber so, ach kein Problem, mein Vater sagt immer, er würde auch noch ein drittes Mal für Obama stimmen und der ist voll aufgeschlossen. So, das wird alles kein Problem. Wir werden hier keine, rate mal wer zum Essen kommt, Situation erleben, sondern die werden dich mit offenen Armen entfangen. Die sind ein bisschen awkward, aber das wird alles schon gut. Und sie fahren dann zu dem Landsitz von ihren Eltern und wir erleben so ein typisches Set. ab des wohlwollenden Rassismus. Nämlich, dass sie halt wirklich, dass sie immer ihren Antirassismus so krass überbetonen. Ja,
Johannes Franke: ja, natürlich.
Florian Bayer: Und sehr viele Awkward-Momente. Und das Schlimme ist, es steht eine Familienfeier an, es kommen ganz viele Leute zu Besuch, ganz viele Gäste, eine riesige Party, die jedes Jahr genau um diese Zeit stattfindet und Chris wird da so ein bisschen reingeworfen.
Johannes Franke: Und an dieser Stelle möchte ich kurz betonen, wir werden massiv spoilern in diesem Ding.
Florian Bayer: Komm, spiel von deinen Spoiler-Warnungs-Jingle.
Johannes Franke: du ja du der nun folgende programmteil enthält sensible informationen über den handlungsverlauf So, und damit wäre gesagt, dieser Film ist so voller Stolperfallen, was Spoiler betrifft. Wir müssen einfach vorher sagen, wir werden alles besprechen, was da passiert. Und der Film lebt viel von seinem Twist, muss man sagen.
Florian Bayer: Wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, das war die letzte Warnung, guckt ihn euch an, bevor ihr uns hört, wie wir euch alles kaputt labern.
Johannes Franke: Genau. Jetzt kommt es nämlich dazu, dass wir diese Familienfeier haben, die aber irgendwie doch keine Familienfeier im klassischen Sinne ist, sondern das Ganze wird zu einem Bidding, so einer Silent Auction. Und wer wird versteigert?
Florian Bayer: Chris.
Johannes Franke: Chris. Ja, das Ganze nimmt einen sehr darken Turn, den es sowieso schon so ein bisschen hatte, aber das ist wirklich hart. Und wir merken, dass die Freundin voll drin ist und dass die Freundin ihn da nur hingelockt hat, damit sie ihn versteigern können. Und er wird von der Mutter der Familie hypnotisiert, in the sunken place befördert, was genau das ist, können wir gleich noch besprechen. Und soll dann mit einem anderen Menschen, der da zur Auction kommt und ihn ersteigert. bevölkert werden.
Florian Bayer: Die Idee ist, die Familie macht das schon seit Jahrzehnten, wahrscheinlich sogar seit Jahrhunderten, dass sie die Leute aufgreift und deren Körper als Wirtskörper anderen zur Verfügung stellt, damit die quasi so eine Art ewiges Leben erreichen. Wir lernen auch zum Beispiel die Bediensteten der Familie kennen, die alle unangenehmerweise schwarz sind und erfahren dann später, dass in den Körper von diesen bediensteten Großeltern von der Familie sind. Und Chris ist halt das nächste Opfer und der wurde versteigert an einen blinden Nationator. der wieder sehen will. Und das hat nichts mit Rassismus zu tun, wie wir erfahren. Sie wollen eigentlich nur Körper haben und sie wollen coole Körper haben. Und es ist jetzt so ein bisschen, zumindest ihrem Narrativ nach, es ist so ein bisschen Zufall, dass da halt meistens Schwarze dabei rausspringen. Wobei natürlich sehr viel von der Jordan-Peelchen-Gesellschaftskritik hier mit reinspielt.
Johannes Franke: Aber natürlich.
Florian Bayer: Wenn ein Schwarzer verschwindet, ist das vielleicht nicht so viel Aufsehen erregt, wenn es eine Blondine ist.
Johannes Franke: Ja. Und das ist natürlich voll rassistisch, volle Kanne. Aber natürlich wollen die das so nicht formulieren. Aber da gehen wir gleich genauer rein.
Florian Bayer: Davon lebt der Film ja die ganze Zeit, dass es um diesen unterschwelligen Rassismus geht, der sich betont antirassistisch gibt. Und der aber halt in seiner Quintessenz als Rassismus ständig durchdringt. In der ersten Hälfte wird das erzählt als ziemlich awkward Komödie, Satire. Und dann gibt es eben diesen Twist in der Mitte, wo es zum Horror springt und wo dann klar wird, okay, das ist diese... dunkle Seite, die darunter liegt.
Johannes Franke: Bevor wir jetzt voll einsteigen, Plum, möchtest du Tee?
Florian Bayer: Oh ja, bitte. Sehr gerne.
Johannes Franke: Gib mal deine Tasche rüber.
Florian Bayer: Sehr schön. Und jetzt nochmal auch, Johannes hat es schon gesagt, aber nochmal Full Disclaimer, wir sind Weißbrote, wir sind Weißnasen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist immer, das ist genauso, wie wenn wir über Filme reden, die dezidiert weibliche Themen haben. Es hat so eine gewisse Awkwardness, wenn wir drüber sprechen und wir werden da auch nicht ganz drum herum kommen. Ja. Wir werden versuchen, so wenig wie möglich zu betonen, dass wir Obama gewählt hätten, wenn wir Amerikaner wären. Und dass wir es ganz toll finden, dass jetzt ja auch ein paar Türken im Bundestag sitzen. Wir werden versuchen, das auf ein Minimum zu begrenzen. Wir werden es aber nicht ganz schaffen.
Johannes Franke: Es gibt jetzt eine Behörde im Bundestag.
Florian Bayer: Yay! Genau das meinte ich.
Johannes Franke: Okay, also wir werden ganz viel über Rassismus reden müssen. Wir müssen auch dazu sagen, also ich sage dazu einmal, dass ich glaube, dass wir als weiße Gesellschaft, wir können nicht guten Gewissens sagen, dass wir keine Rassisten sind. zumindest nicht allumfänglich, weil wir einfach in dieser Gesellschaft aufgewachsen sind. Es ist einfach, das System ist, wie es ist und in dem sind wir aufgewachsen. Und wir können immer nur da nochmal weitergehen und versuchen, das irgendwie zu bessern und uns zu beobachten und das irgendwie angehen, was wir an rassistischen Problemen und Stereotypen mit uns rumtragen. Aber zu sagen, ich bin auf gar keinen Fall 100% kein Rassist, ich glaube, das funktioniert einfach nicht.
Florian Bayer: Funktioniert nicht. Und es ist auch immer, es wird auch awkward, es wird auch diesmal wieder awkward werden. Ich glaube, so das Einzige, was man machen kann, ist reflektieren, versuchen zuzuhören, zuhören ist immer eine gute Idee.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und versuchen einfach zu verstehen, was passiert und was es... was es an Mikroaggressionen, ist ja so ein Begriff, oder was es auch an kleinen Rassismen innerhalb der Gesellschaft gibt, die wir nicht wahrnehmen, weil wir einfach Weiße sind. Sachen, die wir einfach nicht erfahren. Und wo man es so leicht sagen könnte, ist ja nicht so schlimm und so weiter. Wo es aber unglaublich wichtig ist, den Betroffenen zuzuhören und irgendwie zu sehen, ja, fuck man, da gibt's... Probleme und zwar einen ganzen Sack voll Probleme, die man nicht einfach ignorieren kann mit, ich sehe ja keine Hauptfarben.
Johannes Franke: Wenn du die nicht siehst, musst du dich mal untersuchen lassen, was heißt mit deinen Augenstimmen was nicht. Nein, ich fand es sehr interessant in der Recherche zu bemerken, Weil ich nämlich zwischendurch beim Filmegucken gedacht habe, was die Gäste da sagen, das ist schon ziemlich on the nose und ziemlich dolle und ziemlich, also, das kann doch auch subtiler. Und dann habe ich im Interview mit Jordan Peele so ein paar Sachen gehört, wo ich gedacht habe, ah, da gab es auch subtile Sachen, die sind mir nur nicht aufgefallen.
Florian Bayer: Ein ganz großes Problem.
Johannes Franke: Weil ich der weiße Idiot bin.
Florian Bayer: Das ist so krass. Wir nehmen die großen Sachen natürlich wahr, so dieses on the nose racism. Aber dafür schon mal so Kudos an den Film, dass er es so macht, dass er das Ding, könnte es sich leicht machen, er könnte eine rassistische Familie erzählen, die durch und durch dem Stereotyp entweder vom reichen Südstaatler Trump-Wähler entspricht oder eben vom Redneck Trump-Wähler, aber das macht er nicht, sondern er erzählt tatsächlich vom Rassismus in dem Milieu, in dem wir uns, ob wir wollen oder nicht, halt auch bewegen. Irgendwie in diesem linken Gutmenschen-Bildungsbürger-oder auch Besitzbürgermilieu.
Johannes Franke: Ja. Und der Grund, warum er den Film gemacht hat, ist ja sowieso dort anzusiedeln, weil damals Obama seinen Posten bekommen hat und dann plötzlich alle gesagt haben, ah, wir haben den Rassismus gelöst, alles ist schick.
Florian Bayer: Gott sei Dank, endlich haben wir es geschafft. So ein bisschen, was jetzt auch gerne die Konservativen machen mit Merkel. Ey, wir hatten noch eine Bundeskanzlerin 16 Jahre, was wollt ihr mehr, liebe Frauen?
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Problem erledigt.
Johannes Franke: So, und jetzt haben wir keine Probleme mehr, können wir jetzt bitte aufhören, darüber zu reden? Nein, können wir nicht. Genau und ich glaube, dass das tatsächlich eine wichtige Sache ist, auch damals als er rausgekommen ist, einfach so ein pressierendes Thema war, weil nach vorne hin war Obama da, aber im Hintergrund gab es einen Peak in Gewalttaten gegen Schwarze. Und das ist eine ganz weirde Diskrepanz zwischen Außendarstellung und dem, was im Hintergrund passiert. Und darüber muss man reden.
Florian Bayer: Ja, also das Spannende ist ja wirklich, also es wäre so leicht und das Machen. machen ja gerade so linke, liberale Bildungsbürger machen das ja sehr gerne, über die anderen lachen. Also machen alle gerne. Jeder hört gerne Satire und Parodien und so weiter, wo er nicht betroffen ist. Aber so leicht macht es halt schon Piel sein Publikum nicht, sondern die Leute, die in dem Film angesprochen sind, sind auch die Leute, die ins Kino gehen. Das sind genau die, die sagen, oh, ich gucke mir jetzt von dem neuen schwarzen Filmmacher einen Film an. Ich bin nämlich so aufgeschlossen. Ich mag es nämlich total, dass es... dass es sowas gibt wie schwarzes Kino und damit muss ich mich ja viel mehr auseinandersetzen und wusstet ihr, dass es viel bessere schwarze Regisseure als weiße Regisseure gibt? Bla bla bla bla bla. Und dann ganz oft das Wort schwarz. Und es ist schon so offensichtlich, hier versucht jemand so zu überkompensieren. Ja,
Johannes Franke: ja, genau.
Florian Bayer: Und genau an die ist der Film gerichtet und genau die sticht der Film und damit halt auch uns.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Und ich erkenne mich da total wieder. Natürlich nicht in der Endkonsequenz des Entführers und des Gewalttäters, der den... Typen dann umbringen will, um seinen Körper zu benutzen. Aber natürlich sehe ich da drin so dieses, diese kleinen Sachen. Es war nie ein einziges Mal Thema Politik oder Thema schwarze Politiker oder sowas. Und man sagt aus dem Nichts heraus, ich hätte übrigens ein drittes Mal Obama gewählt, um dann mal so richtig um einmal so überfallmäßig jemanden sagen zu wollen, hier, ich bin übrigens kein Rassist, was so sauseltsam ist.
Florian Bayer: Das ist auch schon so, als sie ankommen, das ist ja schon so awkward, wenn ihr ihnen die Geschichte, die Anekdote erzählt von den Olympischen Spielen in den 30ern. Und dann, hey, dieser schwarze Läufer, der so gut war und der hat Hitler voll gezeigt. Ich bin ein großer Bewunderer der schwarzen Kultur, muss ich nur nochmal gesagt haben. Und es sprüht so vor Awkwardness, vor allem während im Hintergrund, die schwarzen Bediensteten die ganze Zeit so Shit machen.
Johannes Franke: Um auch gleich die dritte Ebene aufzumachen, wir finden ja irgendwann raus, dass die Bediensteten eigentlich nicht Bedienstete sind, sondern die Großeltern von der Familie, die in den Körpern dieser schwarzen Menschen sitzen und ihr Leben künstlich verlängern damit. Und denen ist nichts Besseres eingefallen, als die Rolle des Dieners zu übernehmen? Was ist das denn?
Florian Bayer: Das ist voll strange, ne? Es ist halt ganz spannend, weil es gibt ja diese Momente, wo wir sehen, okay, die sind nicht komplett verdrängt, die sind da irgendwie noch drin. Es gibt ja dieses Filmtitel einmal bitte, Get Out, wenn einer von den Dienern, und zwar Andrej Havoff, so heißt der tatsächlich, wird mit einem anderen Namen vorgestellt, wenn der so kurz... durch den Blitz von der Kamera hervorgeholt wird und dann schreit, get out, get out und dieses Nasenbluten. Georgina hat ja auch so ein paar Momente, wo die wahre Georgina, die sie eigentlich ist, rauskommt und versucht auch irgendwie sich zu kommunizieren und dann doch wieder zurückgeworfen wird in diesen sunken Place, in dem sie drin ist. Also offensichtlich schaffen sie es nicht ganz, diese Person, deren Körper als Wirtskörper dienen, zu eliminieren, sondern die sind unterschwellig drin.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich finde es natürlich dramaturgisch total interessant und total wichtig. Die Sache ist nur die, dass ich die ganze Zeit natürlich so ein bisschen denke, Fake Science, was ist hier los?
Florian Bayer: Ja, voll, aber es ist ein Horrorfilm.
Johannes Franke: Ich mag natürlich, wenn Filme es schaffen, irgendwie wirklich eine Logik innerhalb der Wissenschaft zu haben, die sie angeblich dort für möglich machen. Aber so richtig logisch ist das nicht.
Florian Bayer: Es geht um Transfer von Gedanken in andere Körper.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: es ist, also natürlich ist es viel Pseudoscience, aber das ist auch okay, weil das ist einfach, ich finde, das ist so Genre immanent, das ist total okay. Und es ist jetzt auch, wenn man genauer drauf guckt, ist es auch nicht viel unwissenschaftlicher als zum Beispiel Star Trek. dass ich das so sehr gerne dem Bogen der großen Wissenschaft gebe, aber wenn man genauer drauf guckt, weißt du, warum du jetzt U sagst, weil du dich nicht so viel mit Quantenphysik aushältst und ich auch nicht, ich auch nicht, weil letzten Endes ist es genauso viel Science Bullshit bei Star Trek wie in diesem Film, nur haben wir ein bisschen mehr... Vielleicht haben wir ein bisschen mehr Einblick in die Art, wie Psychologie funktioniert, wie menschlicher Körper funktioniert, weil Lichtgeschwindigkeiten, Quantenphysik und so weiter, Relativität deutlich komplexer sind.
Johannes Franke: Aber du beziehst dich auf die realen Gegebenheiten. Mir geht es eher darum, dass die Logik innerhalb des Erfundenen funktioniert. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Du meinst, es ist in sich nicht 100% stimmig? Es stimmt genau.
Johannes Franke: In sich, finde ich, ist es nicht ganz stimmig. Aber da habe ich nicht genug darüber nachgedacht, um das jetzt ganz genau sagen zu können. Vielleicht finden wir das raus im Laufe des Geschwitzes.
Florian Bayer: Du meinst wahrscheinlich unter anderem, weil die jetzt als Bedienstete arbeiten, obwohl sie ja eigentlich Familienmitglieder sein sollten. Sie könnten ja auch als Freunde vorgestellt werden.
Johannes Franke: Ja, aber da kommt ja der Rassismus der Familie zum Tragen. Aber auch zum Beispiel, dass die da ewig in diesen Körpern sitzen und als Schwarze in der Gegend rumlaufen und nicht ein einziges Mal the black experience quasi haben von der Gesellschaft, in der sie da leben. Also dann auch nicht rausfinden, ah ja, das ist vielleicht alles ein bisschen schwierig hier, was wir hier machen. Naja gut,
Florian Bayer: aber sie sind ja auch komplett isoliert.
Johannes Franke: So komplett isoliert sind sie nicht. Die laufen da draußen rum.
Florian Bayer: Ja, im Garten. Die haben halt einen riesigen Garten. Aber da gibt es ja keine... Wir sehen nicht den Kontakt mit anderen Menschen von ihnen.
Johannes Franke: Nein, nicht von dem Gärtner und nicht von der Frau, die dort im Haushalt hilft. Aber es kommt ja jemand von außen. Das ist dieser Typ, der mit dem Kameraflash einmal rausgebracht wird. Was der da draußen macht, wissen wir nicht. Auf jeden Fall ist er... unterwegs.
Florian Bayer: Mit deiner Finger machen wir das die ganze Zeit, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Ja, vielleicht, das wäre vielleicht was gewesen, wobei das auch dann die Frage ist, wie weit hätte man dann die Thematik aufgeplayt und hätte daraus so sehr eine Abhandlung gemacht, wenn man das noch thematisiert hätte.
Johannes Franke: Ja, ist richtig. Also ich glaube, dass die Entscheidung schon die richtige war, nur macht es bei mir so ein bisschen so Fragezeichen auf, die halt da sind dann.
Florian Bayer: Die Black Experience wird ja tatsächlich ein, zweimal aufgeworfen. Also ganz am Anfang haben wir ja diesen Autounfall. Wo sie gegen das Reh fahren und dann will der Polizist die License sehen von Chris, der gar nicht gefahren ist. Und Rose macht ja ein riesiges Fass auf und beschwert sich und so weiter. Und Chris ist halt eher so, ja ey, scheiße, das ist mein Alltag. Willkommen in meiner Welt, das erlebe ich sowieso ständig und ist vollkommen egal. Ich mache das jetzt einfach, weil ich es so gewohnt bin. Das ist ja so eine Szene, wo wir in dieser Black Experience und auch vor allem von außen betrachtet drin sind, wo Rose, die meint es ja nicht gut, sie will ihn ja entführen und so weiter, aber wo Rose in diesem Moment die Person ist, die es eigentlich gut meint, aber natürlich keine Ahnung hat, was er so täglich erlebt.
Johannes Franke: Ja, ja,
Florian Bayer: ja. Und dann haben wir diese Szene ja nochmal, zumindest wir haben diese Szene angedacht am Ende. Wir kommen auf jeden Fall noch zum alternativen Ende. Aber auch ohne das alternative Ende dieses Gefühl haben, shit, jetzt kommt ein Polizeiauto mit Sirenen und parkt direkt vor mir. Und ich als Schwarzer bin jetzt eigentlich geliefert.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Das ist toll. Der Filmemacher weiß ganz genau, mit was für einem Paket der Zuschauer ins Kino geht. Der braucht ja bloß die Sirenen einmal zu hören, der Zuschauer, und weiß, was da auf ihn zukommt. Der steht da vor einer Leiche oder vor zwei oder drei Leichen. Und natürlich wird das jetzt gleich richtig schlecht für ihn aussehen. Aber dass das dann nicht die Polizei ist, da reden wir nachher drüber, weil ich finde, das gehört zu den Problemen, die dieser Film hat.
Florian Bayer: Und dann kommen wir natürlich zu einer Person, die so einen direkten Rassismus hat. Und das ist Jeremy, der Bruder von Rose. Nachdem wir die ganze Zeit diese awkward Begegnungen mit der Familie hatten, die alle ihren Antirassismus betont, kommt einmal dieser Jeremy rein, der so voll auf Konfrontation ist und der voll auf Stress aus ist.
Johannes Franke: Ja, krass, ne? Ich habe nicht ganz verstanden, was das soll auch. Ich war beim Filmgucken ein bisschen verwirrt, weil ich gedacht habe, was will der da überhaupt? Ich habe nicht ganz verstanden, was seine Story da soll mit Jiu-Jitsu und irgendeinem Kampfsport und so. Ich habe ihn nicht verstanden, was das soll. Später habe ich ein Interview mit Jordan Peele nochmal gehört und der meinte so, der Bruder ist ein kleines bisschen auf Konfrontation gegenüber der Familie. Zum einen... wird ihm dieser Lebensstil aufgezwungen. Er wäre vielleicht nicht unbedingt in dieser Familie so, wenn er da nicht reingewachsen wäre und zwangsweise dazugehört. Und zum anderen fühlt er sich ein bisschen kleiner als seine Schwester, die es schafft. psychologisch die Opfer ranzuholen, während er es eigentlich nur mit roher Gewaltschaft, wie wir es in der ersten Szene sehen.
Florian Bayer: Er ist der Dorftrottel.
Johannes Franke: Der Dorftrottel der Familie.
Florian Bayer: In dem Moment wissen wir ja noch nicht genau, was gespielt wird. Und da ist er natürlich vor allem auch so ein Stand-in für eine andere Art von Rassismus, als der wohlwollende Rassismus, der von den Eltern kommt. Nämlich ein Konfrontativer, der allerdings auch nicht sagen würde, ich bin rassistisch, sondern der halt sagt, oh man guckt ja den Schwarzen an, der hat so tolle Muskeln, der ist doch bestimmt voll der Kämpfer und so weiter. Aber das will ich mal erproben, ob der es mit mir auch aufnehmen könnte, auch eine Form von Rassismus, die halt anders ist. Und ich habe ihn vor allem als so, der Film hat halt so viele parabolische Elemente, dass ich ihn einfach als Parabel auf diese Art von Rassismus gelesen habe dann.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an Johan. Hannes-Mussmann-Sehen.de oder Florian-Mussmann-Sehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch. Wollen wir die anderen Medienfiguren einmal noch abarbeiten, bevor wir dann in die großen Hauptfiguren kommen?
Florian Bayer: Wollen wir zum Best Man Ever, zum Best Friend Ever, jeder wünscht sich einen solchen Freund kommen. Der nicht Rassist ist, nämlich Rod. Der eingeleitet wird als Comic Relief und der dann später mehr und mehr zum großen Retter wird.
Johannes Franke: Ja, aber da kommen wir schon zu den Problemen dieses Films.
Florian Bayer: Ey, jetzt sag mir nicht, dass du nicht Rod magst. Rod ist einfach mal die geilste Socke überhaupt. Jeder sollte einen Freund wie Rod haben.
Johannes Franke: Ja, ich mag Rod, aber ich finde, dass er in diesem Film irgendwie immer genau zum falschen Timing den Comic Relief... bietet. Und es ist so schade, weil eigentlich ist die Figur toll und so, aber irgendwie passt das nicht. Ich finde, hier zeigt der Film kein gutes Gefühl für Timing oder für Gegensätze zusammenbringen. Es gibt ja Filme, die es schaffen, todtraurig und richtig lustig von einer Sekunde auf die andere zu werden. Aber dieser Film, finde ich, schafft das nicht gut, das zusammenzubringen, zu clashen.
Florian Bayer: Doch, Mann, Alter.
Johannes Franke: Sorry, leider hat das nicht gezündelt.
Florian Bayer: Rod ist einfach cool. Und Rod, finde ich, kommt auch genau an den richtigen Stellen. Weil, also Rod ist natürlich, Rod ist ja auch für das Ende, das wir jetzt kriegen, verantwortlich. Und Rod ist einfach die optimistische Figur. Rod ist die Figur, die sagt, es wird alles gut, solange du so einen Freund wie Rod hast. Jeder sollte einen Freund wie Rod haben. Er glaubt ja nämlich nicht, She is lying, motherfucker. She is lying. Und dann geht er zur Polizei und er... er kämpft da wirklich hinterher. Und es ist einfach... Geil, so jemanden zu haben. Und er sorgt einfach für ein Stück Optimismus in diesem Film. Wir hatten ein ähnliches Thema auch, glaube ich, letzte Woche, wo wir auch über die Frage geredet haben, wie viel Pessimismus, wie viel Optimismus braucht so ein Film. Letzte Woche ging es um das Thema Feminismus, anstatt Antirassismus. Und ich bin großer Fan davon, wenn solche Themen aufgemacht werden, aber eben in einem optimistischen Licht, in einem kämpferischen Licht, wenn sie einfach dieses Empowerment-Moment haben. Ja,
Johannes Franke: das ist richtig.
Florian Bayer: Und dafür ist fucking Rod verantwortlich. Und der kommt einfach am Schluss als, als Turing war. und rettet den Tag. Und das ist einfach geil. Ich liebe Rod von Anfang bis Ende. Ich finde, wenn Rod fehlen würde, würde dem Film ein großes Stück Herz fehlen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt schon. Ich finde, dass die Figur auch wichtig ist und so, aber irgendwie, weiß ich nicht, nee, tonally passt das nicht, für mich nicht so richtig gut zusammen. Es tut mir leid. Was soll's. Aber da kommen noch ein paar andere Probleme. Aber ich finde, grundsätzlich, muss ich einmal vorweg sagen, ich finde den Film großartig und auch wegen seiner Doppel- Dreifach-und Vierfachbödigkeit sehr, sehr gut gemacht. Und auch wenn man ihn ein zweites Mal guckt, hat man sicherlich richtig, richtig viel Spaß, weil man das alles ganz anders einsortiert, was die Leute sagen. Wie zum Beispiel das eben mit der Drivers License. Sie sagt ja nicht, nein, du gibst jetzt nicht deine Drivers License, weil sie den Rassismus dahinter entlarven will. Nein, nein, sie sagt das ja damit eben kein Rekord von Polizei irgendwo von ihm mit ihr ist.
Florian Bayer: Oh, ja, ja, ja.
Johannes Franke: Sie will ja verhindern, dass er irgendwo auftaucht. Weil sie ihn ja entführt.
Florian Bayer: Wissen wir in dem Moment noch nicht. In dem Moment ist sie tatsächlich so, hey, sie zeigt Zivilcourage. Und er sagt ja auch nachher, that was hot.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Und man kann damit umgehen, wie man will. Das macht jeder anders. Ich kann mir auch vorstellen, dass man das nicht geil findet. Ja, voll.
Florian Bayer: Das ist ihm ja auch in dem Moment ein bisschen unangenehm. Also er ist ja schon so, naja, er resigniert ja auch so ein bisschen. Das ist für ihn einfach Alltag und er macht es einfach. Und eigentlich sagen seine Blicke zu ihr in dem Moment dann ja auch, ach komm, lass gut sein, Schatz. Ja, genau. Und es bleibt in diesem Spannungsfeld. Man merkt, während es passiert, dass er nicht so 100% begeistert davon ist, weil er will einfach sein Prozedere durchziehen und schnell da wegkommen. Er will nicht noch mehr Ärger haben. Er hat wahrscheinlich wirklich Schiss, dass er ganz schnell in einer kleinen Zelle irgendwo auf dem Land enden könnte. Weil der Polizist muss nur einen Anruf machen und sagen, hier haben wir Widerstand. Und dann ist er der, der die Handstellen hat, nicht sie. Und natürlich ist das eine komische Situation. Aber danach ist er auch irgendwie, also findet er es auch offensichtlich ganz geil, dass sie es nicht komplett ignoriert hat, sondern dass sie für ihn aufgestanden ist.
Johannes Franke: Ja. Was ich den Film über, dann wenn ich weiß, dass da ein Haufen weiße Leute in den schwarzen Körpern stecken, sehr interessant finde und aber garantiert so 50% mindestens an mir vorbeigehen, ist dieser White Talk aus einem schwarzen Körper, weißt du? Total. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass man als Mensch mit The Black Experience in diesem Film ganz anders sitzt und sich das anschaut und sagt. Alter, irgendwas stimmt da nicht.
Florian Bayer: Was ist mit denen falsch?
Johannes Franke: Die reden, als wären sie alte weiße Männer.
Florian Bayer: Es gibt ja so ein paar obvious Momente, zum Beispiel wenn... Wenn Chris mit Logan, genau so heißt er, dieser eine Entführte, redet und ihm dann die Faust gibt, die Ghetto-Faust, so nennen wir sie, so nennt sie meinen Sohn. Und er so einfach dranpatscht, damit gar nichts anfangen kann. Und auch, die sind halt alle auch so angezogen wie in den 50ern oder wie noch früher tatsächlich wie 19. Jahrhundert. Und dann immer diese Verkrampftheit, wo man auch merkt, sie... versuchen, was zurückzuhalten. Also vor allem Jotunia hat ja so ein paar Horrormomente, einfach nur, wo sie awkward dasteht und man merkt sie, da ist was drin, was raus will, aber es kommt nicht raus. Und erst später erfahren wir dann, okay, sie will da raus.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Also es ist schon ganz schön gruselig, auch ohne, dass wir wissen, was passiert, weil einfach die Situationen so krass sind. weil wir auch mit ihm da durch diese unangenehmen Situationen durchgehen und einfach nicht verstehen, was ist denn da los? Was soll das Ganze?
Florian Bayer: Und dann haben wir die einzige, zumindest bevor wir wissen, was abgeht, sympathische Figur, nämlich Jim Hudson, der quasi allein da sitzt und Chris kommt vorbei und er sagt erstmal einfach nur sowas wie Ignorance. und fängt dann an zu reden und sagt, hey Chris, ich weiß, wer du bist. Und Chris denkt schon, naja, du sagst, ich weiß, wer du bist, du bist der schwarze Freund von der und der. Aber er weiß, wer er wirklich ist, nämlich ein Fotograf, der geile Bilder macht und der Ausstellungen macht und der sein Geld mit Fotografie verdient. Weil Jim Hudson ist nämlich ein Kurator von Fotografie. Und es ist eine ganz spannende Szene, weil wir so rauskommen aus diesem... ganzen schrecklichen Rassismus. Und dann haben wir wirklich eine Person, wo wir einmal denken, oh krass,
Johannes Franke: der interessiert sich wirklich wen.
Florian Bayer: Es gibt Hoffnung, ja genau. Und es ist noch so diese falsche Fährte, ich weiß wer sie sind. Oh nein, jetzt kommt der Nächste, der sagt der und der. Und dann ist es plötzlich das und er wird plötzlich als Mensch wahrgenommen. Das ist ein ganz schöner Moment, fast zur Halbzeit, wo man denkt, ah okay, es gibt doch noch Hoffnung.
Johannes Franke: Ja, aber leider ist das ja eine sehr, sehr trügerische Hoffnung, wie nur seinen Körper, beziehungsweise seine Augen. Ja.
Florian Bayer: Jim Hudson, der gespielt wird von... Steven Root. Ja. der hatten wir auch schon zum Thema in unserem Taxi-Film Night on Earth. Wenn ein Sehender einen Blinden spielt, ist das immer schwierig? Wie ist es in dem Fall?
Johannes Franke: Ja, in diesem Fall ist die Figur nicht sehr groß. Also es gibt nicht viel von ihm. Ich finde es schwierig. Sie hätten garantiert auch einen blinden Schauspieler dafür gefunden. Vor allem, weil die Rolle einfach nicht groß ist. Also was braucht man? ausgerechnet diesen Schauspieler und keinen Blinden. Was ist das Argument? Also ich glaube, dass es keins gibt. Außer, dass man sagt, naja, mit dem komme ich gut klar. Da weiß ich, was ich kriege. Der ist bekannt und so weiter und so fort. All diese Gründe, die alle irgendwie eher schlecht sind.
Florian Bayer: Ja, genau. Also mehr kann ich dazu auch nicht sagen.
Johannes Franke: Und dann haben wir, also wir haben den Gärtner. der wirklich sehr, sehr gruselig zwischendurch ist. Die Georgina, die Bedienstete. Und dann haben wir die Mutter.
Florian Bayer: Missy. Missy und die sind die Eltern von Rose.
Johannes Franke: Die, finde ich, ein kleines bisschen blass wirkt gegen den Rest. Wenn die auftaucht, ist sie immer, sie kriegt nicht so wahnsinnig viel zu tun. Sie kriegt diese Schlüsselszene, in der sie die Hypnose durchzieht. Aber ansonsten, finde ich, steht sie viel rum. guckt und ist nicht so richtig präsent. Ich finde,
Florian Bayer: sie kriegt eine ganz wichtige Schlüsselszene, weil wir durch sie auch kennenlernen, was das wahre Ausgrenzungsproblem unserer Gesellschaft ist, nämlich Raucher werden viel zu viel ausgegrenzt. Irgendwann so nach einem Viertel wird plötzlich so ein riesiges Fass draus gemacht, dass er raucht. Ja,
Johannes Franke: weil sein Körper geht ja kaputt dadurch. Das können wir nicht zulassen. Den brauchen wir ja noch.
Florian Bayer: Ich selbst als Raucher kann das nicht. fühle mich sehr gut in dieser Smoking-Smoker-Experience abgeholt, was das betrifft. Weil sie sagt dann natürlich so, jeder sagt zu ihm, willst du nicht mit dem Rauchen aufhören? Und sie macht das dann so sehr offensiv und sagt, pass auf, ich hypnotisiere dich jetzt, auch wenn du nicht willst. Und dann kommen wir natürlich wieder zu Pseudoscience und Bullshit-Science.
Johannes Franke: Nein,
Florian Bayer: so funktionieren Hypnosen nicht.
Johannes Franke: Nein, um Gottes Willen.
Florian Bayer: Aber es ist eine geile Szene und ich finde, ja, sie hat nicht viel sonst im Film, aber diese Hypnose-Szene finde ich schon... ziemlich zentral und ich finde sie auch in ihrer merkwürdigen Art so zwischen kalt und bemutternd, finde ich sie da einfach passend, weil sie ist auch, wir merken einfach auch in diesen wenigen Momenten. sie ist deutlich mächtiger, als sie im Rest des Films wirkt.
Johannes Franke: Ja, das schon, auf jeden Fall. Ich finde, dass diese Hypnoseszene nun wirklich das wichtigste, zentrale, ikonische Element dieses Films ist. Und ich muss sagen, dass diese Szene mir wirklich sehr, sehr, sehr gut gefallen hat, Filmemacher. Da auch grafisch diesen Sunken Place darzustellen und wie er plötzlich einfach... Diese Tränen, die massiv runterrennen.
Florian Bayer: Daniel Kaluuya spielt das so geil. Es ist unglaublich.
Johannes Franke: Ich glaube, der musste das zum Casting machen.
Florian Bayer: Ja, deswegen wurde er gecastet und hat das voll hingekriegt.
Johannes Franke: Und es mehrmals auch hingekriegt hat. Ich finde das total seltsam, dass das jemand kann. Ich bin Schauspieler und ich kann das nicht. Es ist wirklich crazy.
Florian Bayer: Dieser verzweifelte Blick. Und es ist halt nicht so eine kleine Träne, die so ein bisschen runterläuft, sondern es kommt richtig Wasser aus den Augen raus.
Johannes Franke: Richtig krass. Und das als Plakat funktioniert, finde ich, auch wahnsinnig gut. Ja. Also das ist auch das, was mich damals, als der Film rausgekommen ist, irgendwie... interessiert hat, weil dieses Plakat so wahnsinnig stark war. Dieses Bild ist so wahnsinnig stark. Aber ich habe ihn damals nicht angeschaut. Ich habe ihn jetzt wirklich, als Liz ihn vorgeschlagen hat, das erste Mal gesehen. Du hast den Film schon vorher mal gesehen?
Florian Bayer: Ich hatte den gesehen, als der rausgekommen ist, weil ich bin einfach ein großer Horrorfilm-Fan. Ich mag Satire, Horror, ungewöhnliche Horrorfilme. Also ich bin halt auch ein großer Fan von Horrorfilmen, die so ein bisschen aus der Reihe tanzen. Und so wurde der ja von Anfang an promotet. Achso, er ist ja von Plumhaus, ne? Und Leuten, die keinen Horrorfilm mögen, denen wird Plumhaus nicht viel sagen. Ich kann sagen, Plumhaus ist für mich so der Inbegriff dessen, was im Horrorgenre eigentlich falsch läuft in den letzten 10, 20 Jahren. Weil Plumhaus ist verantwortlich für Filme wie Paranormal Activity, Insidious, The Purge, Happy Death Day. Und so als Horror-Fan, nicht der alten Schule, sondern einfach als Horror-Fan mit Geschmack, haben die halt echt viel Mist produziert. Echt so Horror, so zum Abgewöhnen. Einfach Horror, der von billigen Jumpscares lebt. Horror, der so sehr gezielt in diese Popcorn-Ecke geht. So, wir wissen, was wir machen wollen, wir wollen eine Geisterbahn erzählen. halt so Horror ohne Tiefgang und auch ohne Kreativität.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und deswegen ist Blumhaus tatsächlich für mich eigentlich eher immer so ein No-Go gewesen. Wenn ein Film von Blumhaus publiziert wurde, dann würde ich behaupten, war das für mich eher so ein Grund zu sagen, ach nee, ich muss jetzt Paranormal Activity 4 nicht unbedingt sehen. Das habe ich mir nicht ausgedacht, das gibt es wirklich. Und ich weiß nicht, schon wieder so ein Horrorfilm, wo sie irgendwelche Geister beschwören. Ah, der hat 10% bei Rotten Tomatoes. Okay, hab ich mir gedacht. Insidious 3, ich fand den ersten ja schon schlecht. Das war für mich immer Blumhaus. Ja,
Johannes Franke: okay.
Florian Bayer: Und deswegen kudos, dass sie auch sowas gemacht haben. Und es ist tendenziell eher die Ausnahme in ihrem Programm. Aber genau, es war ein Horrorfilm. Ich hatte Bock, den zu sehen, weil er als ungewöhnlicher Horrorfilm präsentiert wurde.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Und dann habe ich mich in Jordan Peele tatsächlich verliebt und Us direkt danach gesehen und Nope. Ich glaube, ich habe alle drei im Kino gesehen auch, weil ich halt echt, ich finde, er ist echt ein Talent und ich hoffe, er wird uns noch sehr viele Horrorfilme präsentieren.
Johannes Franke: Ja, ich muss Nope dann wahrscheinlich auch einfach noch sehen. Wenn ich die beiden jetzt schon kenne, dann...
Florian Bayer: Dann kannst du sagen, du kennst sein ganzes Örbrich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber... Und offensichtlich ist es ja sowohl dieser Film als auch Ass sind jetzt nicht so Instant Hits für dich. Also es hat nicht so komplett getroffen.
Johannes Franke: Der hier schon sehr viel besser als Ass, muss ich sagen. Also der hier hat schon wirklich viel mehr aufgemacht. Ein paar Sachen sind off und da kommen wir zu. Aber größtenteils ist er schon wirklich sehr stark, weil er einfach so loaded ist. Und man so das Gefühl hat, jeder Satz hat eine dritte Bedeutung noch und eine vierte. Und man hat irgendwie so ein... so fünf Layer, die man nach und nach entfalten kann. Das ist schon toll.
Florian Bayer: Ich finde ja tatsächlich, ich mag Ass lieber. Ich finde, Ass ist der bessere Film. Und ich weiß, ich liege damit ziemlich alleine da auch in der Kultur. Weil alle sagen, naja, Ass war sehr gut, aber es konnte nach Get Out eigentlich nur abwärts gehen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich finde, bei Ass ist die Gesellschaftskritik und das satirische Element verspielter und weniger eindeutig. Ich finde, Get Out hat eine notwendige. Eindeutigkeit. Im Grundthema. Natürlich gibt es nochmal diese Layer, die wir teilweise als weiße auch nicht verstehen. Natürlich gibt es nochmal so Meta-Ebene und so weiter. Aber in der Grundthematik gibt es so eine sehr krasse Eindeutigkeit. Es ist ohne jeden Zweifel, es geht um Rassismus, es geht um Rassismus auf der weißen Mittelschicht und Oberschicht. Und bei Ass ist das deutlich subtiler, würde ich sagen, was thematisiert wird, dadurch auch ein bisschen offener. Und dadurch halte ich einfach Ass für den, vielleicht tatsächlich, das ist sehr schade für mich, großartig, aber Ass ist vielleicht der ein bisschen cleverere Film, weil er sich traut, ein bisschen weniger eindeutig zu sein, ein bisschen weniger geradlinig zu sein.
Johannes Franke: Okay, das könnte vielleicht stimmen, aber für mich hat Asja eben mehr den Horrorfilm-Gedanken noch nach vorne geholt, während das hier, finde ich, hier ist der Horrorfilm-Gedanke ein bisschen subtiler und vielleicht noch ein bisschen inhärenter in dem, was er erzählen will.
Florian Bayer: Ja, na der Horrorfilm, also ganz banal ist es natürlich auch so die Stilistik. Wir haben fast keine Gewalt und fast keine großen Splatter-Effekte. Es gibt so ein bisschen Schädel aufschneiden, ein bisschen Blut, wenn sie gegeneinander kämpfen, aber nichts, was man auch nicht in einem Actionfilm sehen würde.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Und der Horror ist halt auch dadurch sehr geerdet, dass es so eine, ohne viel Übernatürlichkeit, so eine sehr klare Entführungsgeschichte ist. Es würde auch als Psychosiller durchgehen, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Und ich glaube, deswegen komme ich mit dem Film auch viel besser klar. Ja. Ich finde hier die Bilder sehr schön. Man hat sofort jetzt zum Beispiel, wenn wir wieder zurückgehen in die Hypnoseszene, sie macht das mit so einem Silver Spoon, so einem silbernen kleinen Löffel, wo man sofort den Kommentar drin sieht. Ja, ja, die Weißen wachsen mit ihrem Silver Spoon im Mund auf und nutzen ihre Privilegien, um einfach rauszuholen, was geht, zu Lasten von der Minorität.
Florian Bayer: Also abgesehen von dieser Hypnose-Szene ist jetzt nichts besonders Experimentelles, aber die Kamera schafft es sehr gut, diese unangenehme Nähe einzufangen.
Johannes Franke: Gerade bei Georgina, finde ich, finden sie ihre Szenen bekannt. Da ist die Kamera sehr, sehr nah dran.
Florian Bayer: Aber auch bei Chris, also wir haben immer so das Gefühl, Chris ist in einen Raum gezwängt mit Menschen, mit denen er eigentlich nicht so nah sein will. Und die zwingen ihm eine Intimität auf, die er eigentlich nicht will. Und die zwingen ihm natürlich diese Intimität auf, weil sie sich... in einer gewissen Sicht präsentieren wollen. Das wird halt umgesetzt, dass wir wirklich sehr viele Nahen von Chris auch haben. Wir sehen sehr viel von seinem Gesicht aus, sehr viele Nahen von den anderen. Es ist wirklich ein Besitzbürgerhaus, es ist ein großes Haus. Und trotzdem haben wir das Gefühl, dass sie ganz oft in so kleinen, engen Räumen zusammengefärscht sind, weil die Kamera so dicht bei ihnen ist. Und dieses Unwohlsein, das zieht sich eigentlich, dieses nahe Unwohlsein zieht sich... Bis zur Gartenparty. Selbst in einer Gartenparty haben wir immer das Gefühl, die sind so aufeinander gedrückt, aufeinander gezwickt. Es gibt keinen großen Raum, sondern es ist alles sehr eng.
Johannes Franke: Ja, so habe ich das nicht unbedingt gesehen. Aber wenn du es so sagst, bei den Szenen drinnen würde ich dir mitgehen. Draußen weiß ich nicht ganz genau. Das kann ich gerade nicht genau sagen.
Florian Bayer: Und ansonsten ist es natürlich auch einfach sehr solides Handwerk.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Es ist jetzt nicht sonderlich experimentell, aber es trifft die Stimmung meiner Meinung nach ziemlich gut.
Johannes Franke: Ja, also Kamera, sehr gutes Department. Die waren sehr gut.
Florian Bayer: Und die Musik finde ich auch.
Johannes Franke: Die Musik finde ich auch gut.
Florian Bayer: Sehr spannendes. Ja,
Johannes Franke: ja. Es gibt diesen Hauptsong in Swahili. der sozusagen dann schon sagt, wenn man es denn verstehen würde, dass er da raus muss. Run, run, run.
Florian Bayer: Sag es gerne, ich kann es nicht aussprechen. Michael Ables ist verantwortlich für die Musik und er, Peel wollte schwarze Musik.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Die ganz klar diesen schwarzen Hintergrund hat und deswegen haben sie sich so sehr stark angelehnt an afrikanischer beeinflusster Musik. Das heißt, viele Rhythmen. Und eben auch so ein bisschen dieses Gospel-Hafte. Und das ist ungewöhnlich für einen Horrorfilm, diese Art von Musik, die kennt man einfach nicht so. Weil wir kennen halt normalerweise wirklich so dieses von der klassischen europäischen Musik inspiriert, Orchestrale. Und das macht es aber auch, das gibt ihm nochmal eine gewisse Intensität.
Johannes Franke: Also jetzt mal von der Übersetzung her, nur so ein paar Worte. Brother, run, listen to the elders, listen to the truth, run away, save yourself.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Natürlich ist es eine Botschaft, die wir, wenn wir es verstanden hätten, dann hätten wir den Film schon von Anfang an ein bisschen anders geguckt.
Florian Bayer: Und dieser Film schreit natürlich die ganze Zeit Renn, Renn. Also irgendwie ist dieses Renn-weg-Atmosphäre.
Johannes Franke: Also Get Out halt.
Florian Bayer: Genau. Nicht mal im Horror-Aspekt. Schon von Anfang an, wenn er bei dieser Familie ist und du denkst, oh mein Gott, was ist mit denen los? Bitte geh da weg. Es ist scheißegal, ob das... psychopathische Killer sind. Du musst da raus, das ist schrecklich. Selbst wenn sie einfach nur normale Buchhalter sind, das ist trotzdem schrecklich, geh weg da.
Johannes Franke: Aber es ist schön, dieser Titel, Get Out, der kommt ja eigentlich daher, dass Jordan Peele irgendwann ein Programm von Eddie Murphy gesehen hat und Und Eddie Murphy hat darüber geredet, dass man da als Schwarzer, wenn sowas in Horrorfilmen passiert, man eigentlich die ganze Zeit schreit, Alter, renn raus da, get out, was soll das?
Florian Bayer: Das ist ein ganz berühmtes Klischee aus der Filmrezeption, dass Schwarze im Kino sitzen und die ganze Zeit schreien, oh nein, du kannst doch nicht, du kannst doch nicht. In Scream 2, wir haben ja über Scream 1 gesprochen, Scream 2, der ja so einer dieser Metafilme ist aus dem Horrorbereich. Es wird im Beginn, wird im Kino gezeigt, wo eine Schwarze ermordet wird, die die ganze Zeit schreit an der Leinwand. Oh mein Gott, weg, weg, weg, Hilfe. Und dann wird sie aber ermordet, weil sie nicht darauf achtet, dass der Killer auch da ist. Also ein sehr beliebtes Klischee, wenn es um Horrorparodien geht, wird das immer mal wieder gerne aufgegriffen. Ein bisschen rassistisch vielleicht. Die Schwarzen, die nicht die Klappe halten können, wenn sie im Kino sind.
Johannes Franke: Es gab aber auch, muss man dazu sagen, Eine Tradition von Schildern, auf denen Get Out stand, in Amerika an so Highways, an Städten, zu Zeiten, wo das schwierig war als African American. wo es ganze Städte gab, in denen es einfach nicht gut Kirschenessen war für Schwarze. Und dann gab es Echtschilder, die da standen, auf denen stand Get Out.
Florian Bayer: Fucking Christa.
Johannes Franke: What the fuck? Wir haben jetzt schon so ein bisschen über unsere Hauptfigur geredet. Lass uns mal über die beiden Hauptfiguren reden. Einmal Rosie und einmal Chris. Ich finde, dass der Film wahnsinnig davon abhängt, dass sie am Anfang absolut überzeugend ist als Freundin. Ja,
Florian Bayer: total.
Johannes Franke: Und das finde ich ganz, ganz, ganz beeindruckend, dass sie es schaffen, gleichzeitig... mitzuliefern, was der Film ja eigentlich drunter liegen hat. Also du kannst ihn beim zweiten Mal gucken, kannst so sagen, ah, okay, jetzt verstehe ich das anders, was sie sagt. Und trotzdem beim ersten Mal absolut davon überzeugt zu sein, dass sie die Gute ist.
Florian Bayer: Ja, absolut. Also ich kann mich noch gut erinnern, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Ich habe ihr bis zum Schluss geglaubt. Bis zu diesem Moment, wo er die Bilder sieht und sie offensichtlich die alle.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: aber bis zu diesem Moment habe ich ihr geglaubt. Und selbst an diesem Moment war immer noch so ein Zweifel. Und erst wenn sie dann die Schlüssel hält und sagt, du weißt, ich kann dir die Schlüssel nicht geben. Erst da denkt man, oh shit. Weil dieser Wechsel ist auch toll. Sie ist am Anfang wirklich einfach nur so die coole Hipsterfreundin, die aus der Stadt mit der zusammen ist und alles ist gut. Und dann, wenn sie wechselt zu dieser kalten Rolle, zu dieser eiskalten Killerin. die das schon seit Jahren macht,
Johannes Franke: die dann Fruit Loops ohne Milch isst.
Florian Bayer: Wie Tammaneswagen.
Johannes Franke: Ich finde das so eine süße Idee. Das ist eigentlich so eine blöde Sache. Natürlich ist sie nicht böse, weil sie Fruit Loops ohne Milch isst. Doch, doch.
Florian Bayer: Und dann den Rest des Films sehen wir sie auch in einem ganz komplett anderen Setup. Sie hat ganz andere Kleidung an, sie ist so hochgeschnürt, sie ist auch anders geschminkt.
Johannes Franke: Sie hat ein anderes Licht bekommen und alles.
Florian Bayer: Und das funktioniert, dieser Übergang. Also es ist klar, es ist halt... voll drauf. Es ist übertrieben, weil es einfach zum Genre auch dazugehört, zu übertrieben zu sein.
Johannes Franke: Die Schauspielerin hat erzählt, dass sie immer mal wieder Leute vor sich sitzen hatte, die das nicht wahrhaben wollten, dass sie die Böse ist. Die gesagt haben, nein, nein, nein, die wurde doch gezwungen, oder? Die wird doch gezwungen, das zu machen. Und die Schauspielerin, nein, diese Frau ist einfach nur böse. Die Schlechtheit in Person. Aber so viele... halt nur Weiße, ihre Freunde oder ihres Umfelds oder Leute, die sie irgendwie in Gespräche verwickelt haben darüber. Nur Weiße. Schwarze haben nicht ein einziges Mal daran gezweifelt, dass sie einfach die Böse ist.
Florian Bayer: Womit wir wieder zu Rod kommen. Rod still stellvertretend für die,
Johannes Franke: die es begriffen haben.
Florian Bayer: Rod weiß von Anfang an, dass sie lügt und auch wenn sie versucht, sie versucht ja wirklich alles. Zuerst sagt sie, ach nein, Chris ist doch weggefahren, was ist denn los? Jetzt mag ich mir auch sagen, also nein, nein, die lügt. Und dann schweigt sie ja über und sagt, hey Rod, du willst doch eigentlich mich haben. Sollten wir nicht zusammen sein? Und er die ganze Zeit, ey Alter, die ist so böse. Und dann geht er, ich liebe das, wenn er bei der Polizei sitzt und dann erzählt, und er ist mit ihr dahin gefahren, sie ist weiß. Und er sagt das so wunderbar mit diesem überzeugenden Ton dieser schwarzen Polizistin gegenüber. Und sie so, okay Moment, ich brauch kurz Unterstützung. Klassisches Comedy-Trope, dann sind sie halt so dritter. Aber es ist so schön, ich Rod, ich liebe Rod. Ich bin ein Rot-Fan, um das nochmal zu betonen.
Johannes Franke: Die Sache ist die, dieses Polizisten-Ding da, wo er das erzählt und er das wirklich sehr gut erzählt, da hast du vollkommen recht. Dass sie ihn dann auslachen, ist halt so ein Trope, so typisch und so, also ich weiß nicht. Er hat es vielleicht nochmal versucht, ein kleines bisschen anders zu machen, aber es ist trotzdem, es bleibt... das gleiche Ding und man denkt sich, ja, ach komm, lass dir was Neues einfallen.
Florian Bayer: Ich bin froh, dass sie es nicht erzählt haben, dass weiße Polizisten ihm nicht glauben. Das hätte man auch machen können. Das wäre, glaube ich, so ein bisschen... Aber ja, vielleicht hätten sie auch einfach sagen können, okay, lass uns da hinfahren. Da ist nichts Gutes. Weil es wäre natürlich konsistent in die Richtung, die der Film dann steuert. Nämlich, dass er eigentlich in diese optimistische Richtung steuert. Dass er sagt, hey, wir machen jetzt keine Tragödie draus, sondern wir machen eine Empowerment-Erzählung. und dazu würde es vielleicht besser passen, wenn sie dann sagen würden, shit, er ist bei einer Weißen im Vorort, die sind reich, lass uns da hinfahren, das geht nicht gut aus für ihn. Wäre geil gewesen.
Johannes Franke: Wäre auch geil gewesen, ja. Ich weiß nicht genau, was man hätte machen müssen und was irgendwie realistisch gewesen wäre, aber dieses Auslachen. Realistisch wäre vielleicht gewesen zu sagen, ja ist okay, wir nehmen das jetzt auf. Leider können wir in der jetzigen Situation noch nichts tun, ist nicht lang genug weg und so weiter und so fort. Dann hätte man damit decent irgendwie umgehen können. Aber ihn da auszulachen, ich weiß, keine Ahnung, es ist alles so typisch.
Florian Bayer: Aber du nimmst die ganze Unterhaltung aus dem Film. Du willst das im Film alles weggenommen, was Spaß macht.
Johannes Franke: Ja die Sache ist die, der ist ja sonst. eben nicht so over the top Comedy. Und das ist irgendwie dieser Clash. Es gibt Filme, die das schaffen, wie gesagt. Aber dieser Film schafft es für mich nicht, diesen Clash ordentlich hinzukriegen.
Florian Bayer: Aber er ist doch over the top. Ich meine, warum haben sie einen 50 Jahre alten Fernseher da unten stehen? Warum macht der eine Videokonfi mit jemandem über diesen 50 Jahre alten Fernseher?
Johannes Franke: Das ist das nächste Problem mit dem Film.
Florian Bayer: Aber das ist doch, das ist genau... Du willst Realismus an der falschen Stelle haben, echt jetzt.
Johannes Franke: Warum produziert man extra ein Video, das als Evidence gelten kann für das, was dir zählt, wirklich im Fernseher übrigens. Das haben wir vor, das ist unser Plan, wir sind die Evil-Leute und wenn dieses Video irgendwann mal irgendeiner Polizei in die Hände fällt, sind wir geliefert.
Florian Bayer: Weil es voll geil ist, so ein Video zu haben, weil die das natürlich so machen. Die weiße Oberschicht macht es so, wenn die ein psychopathischer Killer werden, dann machen die ein Video, wo sie das ordentlich erklären. Nein. Schön geschnitten, schön gestülpst.
Johannes Franke: So dämlich. Das geht nicht. Ich finde das, was Jordan Peele eigentlich vorhatte, viel, viel besser. Es gab an dieser Stelle, wo dieses Video kommt, wo der da unten, also für euch nochmal da draußen, die Situation ist so, er ist gefesselt, er hat inzwischen rausgefunden, dass die Familie ihm nichts Gutes will, ist gefesselt da unten an diesem Sessel. und muss auf diesen Fernseher starren. Und dieser Fernseher erzählt ihm jetzt, was denn der böse Plan ist. Es ist so toll. Also der James-Bond-Moment. So, das ist mein Plan.
Florian Bayer: Es ist nicht James-Bond, sondern es ist dieses nette Video. Guten Tag, willkommen in unserer Nachbarschaft. Sie werden bald sterben. Es ist fantastisch.
Johannes Franke: Ja, okay. Was Jordan Peele eigentlich an der Stelle wollte, was ich viel besser gefunden hätte, was rechtlich anscheinend schwierig war, weil das sehr teuer gewesen wäre, wenn er in Dauerschleife nur einen ganz bestimmten Song, nämlich You've Got A Friend In Me, immer wieder und immer wieder und immer wieder nur diesen einen Song und ihn damit mürbe machen. Ich fände das so gut. Das ist so ein guter Gedanke. Aber dann so ein blödes Video dahin zu stellen, nein.
Florian Bayer: Ich finde das viel besser.
Johannes Franke: Ich finde,
Florian Bayer: das ist eine richtig süße Idee. Und es ist richtig schön nochmal so diese Reminiscenz an das klassische amerikanische Vorort-Idyll, wo es natürlich so ein Video gibt. Jeder Vorort, der Häuser verkaufen will, hat genau so ein Video.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Du willst ihn ja vorbereiten darauf, was passiert. Und du machst es auf diese freundliche Art.
Johannes Franke: Also die Sache ist die. Ich glaube, dass viele, also wie zum Beispiel Rod und die Polizei und dieses Video und noch ein paar andere Sachen, die so ein bisschen in die Comedy-Richtung gehen. Das sind alles lustige, für sich lustige Ideen, wo der Filmemacher einfach nicht widerstehen konnte, sie trotz der schlechteren Version für diesen Film einfach reinzubringen, weil er einfach zu viel Spaß daran hatte, das reinzubringen.
Florian Bayer: Aber das Video hat doch auch diesen satirischen Unterton. Es geht doch um die reichen Amerikaner, um die reichen weißen Amerikaner, die sich... die ihre Idee von Idylle und von richtigem Leben präsentieren. Und das macht man in so einem schönen Video. Und so ein schönes Video zeigt man natürlich auf einem schönen Fernseher. Und das kann kein 16 zu 9 Flachbildschirm sein. Das muss so ein Fernseher sein.
Johannes Franke: Das stimmt auf jeden Fall, das hast du recht. Ich finde viel besser den... die Trophäe da drüber, die da hängen. Die sofort sagt, du bist übrigens eine Trophäe, wie du dort sitzt, auf diesem Sessel.
Florian Bayer: Wie krass ist das denn? Man braucht auch eine Waffe. Aber weißt du, warum die Trophäe da hängen? Weil das einfach der Hobbykeller ist, der umfunktioniert ist. Ja,
Johannes Franke: natürlich.
Florian Bayer: Und jeder Weiße, der so wohnt, hat auch so einen Hobbykeller.
Johannes Franke: Ja, na klar, auf jeden Fall. Ja, das finde ich auch gut, dass es der Hobbykeller ist. Und dass er natürlich dieses Geweih nutzen kann, um die Leute umzubringen, das finde ich auch nochmal gut.
Florian Bayer: Ja. Und ich finde dann halt auch so, dass... Also natürlich ist es drüber, aber das wird ja auch so schön eingebettet in diese Erzählung dann nochmal, okay, warum Schwarze? Warum entführen wir Schwarze Leute? Und die Erklärung ist nicht zufriedenstellend, die gegeben wird im Film und weil offensichtlich, und das ist ja halt auch so ein Teil dieses Rassismus, es gibt einfach keine zufriedenstellende Erklärung. Die Täter kriegen es nicht in ihren Rassismus zu rechtfertigen und deswegen gibt es da eine riesige Ansammlung an Strohmännern und jeder präsentiert so seine Strohmänner. Und der Kunstkurator, der ja in seinen Körper einfahren soll, sagt halt, mir ist vollkommen egal. Aber das sind halt auch Strohmänner, die aufgebaut werden. Und man hat so das Gefühl, ja, und jeder hat für sich so eine Erklärung, warum entführen wir die Schwarze. Aber so dieser obvious fact, wir sind fucking Rassisten, der wird nicht ausgesprochen. Das finde ich toll.
Johannes Franke: Ja, ja, das ist super. Auf jeden Fall. Wollen wir über die Partyszene mal reden? Weil das ist schon echt hart. Also, das ist natürlich die Szene, wo es am obviesten ist, wo die eine Frau so richtig auf ihn zukommt und sie ihn antatscht und die Muskeln spürt und sagt, ist es denn wirklich wahr, die schwarzen Männer im Bett, sind die wirklich besser? Oh, fuck, Alter. Uh, und ganz viele solche Situationen, ne? Ja,
Florian Bayer: Tiger Woods, es gibt dieses tolle Tiger Woods Gespräch, wo jemand sagt, dass er so Golf mag und dass er natürlich Tiger Woods mag. Und Black is in Fashion wird irgendwann mal gedroppt. Dann gibt es diesen Asiaten, es gibt tatsächlich so einen kurzen Umschlagmoment, wo Chris in die Offensive geht. Da ist nämlich dieser Asiate, was fragt der nochmal, ich weiß es gar nicht mehr genau, irgendwas sagt er. Und dann sagt... wie die Erfahrung als Schwarzer ist oder so in dem Raum und dann sagt Chris, hey, Logan, nämlich diesen anderen, der da ist, sag du doch mal was dazu und versucht irgendwie so den Raum zu öffnen und zu sagen, okay, jetzt thematisieren wir mal Rassismus, was natürlich vollkommen in die Hose geht.
Johannes Franke: Ja, natürlich, weil keiner von denen dieses Experience wirklich mit sich rumträgt.
Florian Bayer: Aber es ist wirklich übel. Also es erstolpert so von einer schrecklichen Begegnung zur nächsten und du denkst so, okay, jetzt haben wir das Maximum an... ekelhaften, wohlwollenden Rassismus erreicht. Ah nein, da geht es noch eine Stufe drüber.
Johannes Franke: Was ich krass finde und sehr, sehr gut gelöst und dann leider torpediert wird von dem Blitz, ist dieser eine, den er dann fotografiert, weil er das Gefühl hat, ihn zu kennen oder irgendwie, dass der sich auch sehr seltsam verhält. Logan, der wird so wahnsinnig gut gespielt, finde ich. Dieser von sich selbst detachte
Florian Bayer: Typ. Ja.
Johannes Franke: Wenn man dann weiß, dass jemand anders drinsteckt in dem Körper. dann versteht man das Spiel nochmal ganz anders und viel besser. Aber schon, wenn man es nicht versteht, denkt man, wow, wie geil, was spielt er da? Wie weird und wie gut gemacht. Es ist wirklich crazy.
Florian Bayer: Lakeith Stanfield.
Johannes Franke: Das ist einer, bei dem man wirklich wissen will, was bei ihm los ist.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: ist wirklich gut. Und es gibt leider nicht so wahnsinnig viele gute Schauspieler. Ich finde die Hauptfigur, also der Daniel Kaluuya, Daniel Kaluuya total gut. Die Schauspielerin, die Rosie spielt, ist total gut.
Florian Bayer: Alison Williams.
Johannes Franke: Und eben dieser, der den Logan spielt.
Florian Bayer: Ja. McHeave, Stanfield.
Johannes Franke: Die drei würde ich nach vorne holen. Ja. Und vielleicht Rod noch.
Florian Bayer: Du hast die ganze Zeit gesagt, dass du Rod nicht magst. Die Figur, du kannst jetzt nicht...
Johannes Franke: Natürlich kann ich den Schauspieler trotzdem gut finden. Natürlich, das, was er machen soll, macht er sehr gut. Little Red
Florian Bayer: Howery. der auch eher, glaube ich, eher ein Comedian ist.
Johannes Franke: Ja, das passt. Auf jeden Fall finde ich leider, dass die anderen, die sind okay, also solide Schauspieler, aber für das, was sie spielen müssten, sind sie leider, da ist nicht genug da.
Florian Bayer: Ich finde, die liefern alle solide ab. Also sie bringen alle das, was sie bringen müssen. Und ja, es gibt dieses, die weißen Rollen sind tatsächlich runtergefahren, was ich ganz spannend finde. Die spielen wenig. Ich glaube, die spielen aber auch... durch die Story bedingt wenig. Die müssen auf einem gewissen Niveau sein, aber dürfen da nicht drüber gehen, weil sie sonst eben dieses Setup kaputt machen würden. Und zum Beispiel Bradley Whitford, der den Dean Armitage spielt, also den Vater, ist halt auch wirklich ein guter Schauspieler. Der hat West Wing gespielt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Der macht natürlich wenig. Der spielt einfach, der zieht halt diese Nummer durch das reichen Patriarchen. Ja. Der es sich sehr gemütlich gemacht hat in seinem Haus. Aber... mehr sollte der auch nicht machen, der würde drüber gehen, würde da wirklich was verloren gehen.
Johannes Franke: Nein, aber ich finde, innerhalb dessen, was er machen muss, hätte er noch mehr treffen können und noch mehr Schärfe bekommen können, ohne dass es da rauskatapultiert aus dem, was er sein soll.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, Katharine Keener, die die Missy spielt, ja, die macht halt einfach, die hat einen sehr zurückgefahrenen Job. Aber ich finde, das trägt zu der Atmosphäre bei. dass die sich alle so awkward verhalten, in wenigen kleinen Gesten. Und dass wir aber gerade dadurch, dass wir diese wenigen kleinen Gesten auch so als awkward wahrnehmen, dass wir sehr viel Empathie empfinden für Chris, weil er einfach die ganze Zeit durch diese awkward silence laufen muss. Es gibt ständig diese Momente, es wird etwas Rassistisches gesagt, was nicht rassistisch gemeint ist, aber doch rassistisch gemeint ist. Und dann gibt es dieses unangenehme Schweigen und dann gibt es diesen Moment, wo er und Rose sich angucken. Und das ist einfach... Und wenn das zu viel wäre, was sie machen würden, dann wäre es halt, dann würde dieses subtile satirische Moment verloren gehen.
Johannes Franke: Ja, ich würde noch einmal Betty Gabriel, die Georgina spielt, anführen. Die hat einen wahnsinnig schweren Job. Die muss in dieser einen Szene zwei Personen spielen. Die eine kämpft gegen die andere, um da irgendwie rauszukommen, um die Warnung wenigstens loszuwerden. Der andere Schauspieler darf ja wenigstens einmal rausbrüllen, get out. Aber sie darf nicht und sie muss dann da mit der einen Träne und sich die ganze Zeit versuchen zurückzuhalten. Sie hat einen schweren Job, zugegeben. Aber so richtig hat sie es auch nicht geschafft, finde ich.
Florian Bayer: Bei ihr wiederum, finde ich, sie gehört halt eher zu den Rollen, die so ein Stück drüber sind. Wo ich es aber auch, dieses drüber, ich nehme das einfach mit, weil der Film ab einem gewissen Punkt einfach den Boden der Realität verliert. Man fragt sich ganz lange, was ist mit ihr los? Man merkt nur, dass sie sich weird verhält. Und dann denkt man am Schluss, ah, das ist mit ihr los. Und dann, ja, natürlich ist es drüber, aber das ist okay. Ich würde das einfach, ich glaube, ich mache auch einfach die Qualität dieses Films nicht so sehr an den Schauspielleistungen fest, weil ich nicht übermenschliche Schauspielleistungen von einem ganzen großen Cast erwarte. Weil einfach die, die abliefern müssen, die liefern richtig gut ab. Ja,
Johannes Franke: Daniel Kaluuya.
Florian Bayer: Genau. Und Daniel Kaluuya und Alison Williams, die liefern einfach ab. Und die anderen machen das, was sie machen müssen. Und das funktioniert dann in dem Rahmen. und Rod ist der geilste.
Johannes Franke: Was ich noch schwierig finde, ist, dass es ausgerechnet ein fucking Kamerablitz ist, der ihn plötzlich rausholt und dann ist er plötzlich wieder sich selbst oder was oder halb oder nicht oder was.
Florian Bayer: Nicht schwer zu verstehen.
Johannes Franke: Na komm, ein Kamerablitz, was?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: du kommst dir sehr billig vor, muss ich sagen.
Florian Bayer: Vielleicht ein bisschen auf den Effekt, aber Das ist das Genre.
Johannes Franke: Ja, das ist vielleicht...
Florian Bayer: Das ist sowohl das Genre der Satire als auch des Horrors.
Johannes Franke: Ja, das kann sein. Ja, naja.
Florian Bayer: Okay. Ich fand tatsächlich, also ein paar, ich finde ein paar Mal kommt bei dem Ding tatsächlich die... Und ich weiß nicht, wie sehr Jordan Peele das wollte, ob er das geil findet, aber es kommt so ein bisschen diese Blumenhaus-Fake-Jump-Scare-Freude durch, die mich tierisch nervt. Ich hasse Fake-Jump-Scares. Weil wenn man die Musik weglässt, dieses... dann stellt man fest, dass die Szene überhaupt nicht gruselig ist, weil einfach nur eine Person vorbeigeht. Und das nervt. Und das macht Jordan Peele auch in Us und in Nope dann ein bisschen weniger, Gott sei Dank. Ich finde Fake-Jump-Scares sind echt das Letzte und sind so die Pest im aktuellen Horror-Kino. Ist besser geworden mittlerweile, aber es war eine Zeit lang was richtig ätzend. Und das macht er auch. Die haben mich genervt ein bisschen. Gerade mit Georgina wird einfach ein Jump-Scare gemacht, wenn sie lächelnd dasteht oder durchs... durchs Bild läuft und es ist einfach so überflüssig. Du musst in dem Moment nicht die Geigen kreischen lassen, um dein Publikum zu erschrecken. Es ist einfach überflüssig.
Johannes Franke: Was ich wiederum sehr effektiv finde, ist, wenn der Gärtner einmal auf uns zugerannt kommt.
Florian Bayer: Das ist krass, weil man weiß nicht, rennt der weg? Rennt der auf ihn zu? Will er ihn angreifen? Ja,
Johannes Franke: ja, ja. Und er rennt einfach nur an ihm vorbei. Im letzten Moment schwenkt er ab. Aber es ist so krass.
Florian Bayer: Ja, das fand ich auch eine geile Szene.
Johannes Franke: Also da musst du auch erstmal, also diese Nerven zu behalten. Du stehst ja nicht wirklich da als Zuschauer, aber du hast das Gefühl, an Chris'Stelle da zu stehen und oh, oh, oh, okay, was passiert da? Ja. Das ist schon crazy.
Florian Bayer: Kommen wir zur Kretchenfrage für dich, wenn es um einen Horrorfilm geht. Wie hältst du es mit der Gewalt in diesem Film? Ist es okay oder gibt es einen Moment, wo du sagst, zu viel?
Johannes Franke: Nö, ist okay. Also ich würde es vollkommen okay finden. Es gibt ja im Grunde nur am Ende, wie er die Leute dann umbringt. Und vielleicht haut er mal ein, zwei Mal zu viel auf die Leute drauf, aber eigentlich kann ich es auch verstehen. bei dem, was er erlebt hat. Warum nicht?
Florian Bayer: Es dauert tatsächlich, also wir sind, wenn die Gewalt anfängt, es sind noch 15 Minuten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist wirklich nur am Schluss, der Film ist die ganze Zeit so als irgendwie zwischen Satire und Psycho-Thriller und am Schluss gibt es dann zwei, drei Gewaltsthemen. Der Bodycount ist auch sehr überschaubar. Ja. Die Familie wird halt gemeuchelt. Ja. Und wir sind dann alle überrascht, dass Chris überlebt. Du hast ja schon so ein bisschen angeteasert, was du vom Ende hältst. Ja. Lass uns mal über das Ende reden.
Johannes Franke: Ja, lass uns mal über das Ende reden. Also das Ende. Es gibt ja eine Alternative. John Peel hat nicht nur eine Alternative geschrieben, er hat 20 oder so geschrieben. Und das eine Ende, was er mal geschrieben hatte, war, dass die Polizei tatsächlich kommt. Und er dann wirklich verurteilt wird und im Gefängnis sitzt. Und dann aber wenigstens noch sagt, ja, aber ich hab's ja aufgehalten.
Florian Bayer: Dieses Ende kann man auch auf YouTube gucken.
Johannes Franke: Ah, das hab ich nicht gemacht. Verdammt, das wollte ich noch tun. Hast du geguckt, ja? Ja. Und, was sagst du?
Florian Bayer: Ich mag das Original-Ende lieber. Also ich mag das Ende, was im Film gelandet ist, lieber. Aus dem ganz banalen Grund, weil es überraschender ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese ganzen Enden, die man machen könnte, die negativ sind und pessimistisch sind, sind alles das, was das Publikum erwarten würde in einem solchen Film. Das ist so Night of the Living Dead 1968, Achtung Spoiler, wo am Schluss der Schwarze dann von der Bürgerwehr erschossen wird, die Zombies niederknallt und nicht unterscheidet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist einfach das, was man erwartet bei dieser Art von Satire und Gesellschaftskritik. Und ich finde es gut, dass der Film nicht diesen leichten Weg geht, sondern uns auch ein, ja natürlich präsentierte er uns damit ein fröhliches Ende. Rod kommt zur Rettung.
Johannes Franke: Es gab ein Screening, wo ein Haufen nun Schwarze drin saßen und das Ende, als sich das andeutete, als die Polizei kommt. sind schon ein paar aufgestanden und haben gesagt, oh Gott, jetzt will ich das Ende sehen und wollten schon gehen. Und dann kam aber Rod aus diesem Polizeiauto und alle so, yeah! Und haben sich tierisch gefreut. Und das ist natürlich, das spricht für das Ende tatsächlich. Also das ist jetzt nur sinnbildlich dafür, aber ich verstehe, warum man das Ende macht so. Aber mich hat halt Rod die ganze Zeit schon so gestört, dass ich dann denke, yeah! weiß ich jetzt auch nicht, irgendwie
Florian Bayer: Rod ist der Beste.
Johannes Franke: Es ist, das Ding ist, dass das Ende sich ja tatsächlich dann doch schnell, also du sagst, es sind nur 15 Minuten und ich bin auch dankbar, dass nur 15 Minuten Gewalt passieren, aber das bedeutet auch, dass du einen relativ langen Film innerhalb der letzten 15 Minuten versuchst zu cutten, also das Ende zu finden und irgendwie, weiß nicht, für mich ist das alles so, so hinterhergestolpert, hinter dem All, den losen Fäden. Also es sind keine losen Fäden, das stimmt nicht. Aber hinterhergestoppert, hinter der Geschichte, dass er irgendwie, ich habe das Gefühl, er beeilt sich sehr, das Ganze zu beenden. Und so seltsam, ein bisschen seltsam. Und dann kommt Rod eben für mich auch so nur als, okay, wir machen jetzt eine Pointe und dann ist gut. Und irgendwie, weiß ich nicht, ob das der Film verdient hat, dass er einfach nur eine Pointe bekommt am Ende.
Florian Bayer: Es kommt halt sehr kompakt rüber am Schluss. Wie gesagt, die letzten 15 Minuten sind so ein Ausbruch. Und noch einmal der Kampf gegen die Familie. Und dann kommt schon Rod und rettet ihn und es ist vorbei. Ich find's gut. Ich find, das ist so ein, ja, es geht sehr schnell. Es ist kompakt. Man hat das Gefühl, jetzt will der Film zu seinem Ende rasen. es gibt einfach diesen Yeah-Effekt. Und ich glaube, dieser Yeah-Effekt ist viel cooler als alles, was man sonst an Drama und Tragödie erzählen könnte. Ich mag den, der passt auch, finde ich, zur Grundstimmung von dem Film.
Johannes Franke: Ich finde, dass der Film so viel schöne Substanz aufmacht mit ganz vielen tollen Themen. Der Sunken Place als Sinnbild für wir werden totgeschwiegen in der Gesellschaft. Wir können noch so laut schreien, wir werden nicht gehört, weil einfach das System nicht dafür da ist. Ich finde das so gut und es gibt so viele gute Illustrationen da drin, im Subtilen und auch weniger Subtil, sagen wir es so. Und so viele tolle Ideen, aber diesen Comic Relief da rein zu flanschen, passt für mich an der Stelle einfach nicht und deswegen das Ende auch. Ich hätte... eine Idee für ein Ende. Oh,
Florian Bayer: ja, dann pitch mal,
Johannes Franke: bitte. Die auch ein bisschen an etwas angelehnt ist, was er auch mal, Jordan Peele, auch mal so ein bisschen überlegt hatte. Nämlich, dass irgendwann, also es gibt einen Zeitsprung und wir kommen an eine Situation, wo jemand, der ihn kannte, der Chris kannte, auf Chris zugeht und die wieder erkennt und sagt, ah, du, gut, dass ich dich treffe, Chris. Und Chris dann sagt, ich weiß nicht, von wem sie reden, aber ich bin's nicht.
Florian Bayer: Das fällt für mich auch so in den Bereich, Nicht so überraschend.
Johannes Franke: Ja, weiß ich nicht. Die Sache ist die, ich fände es trotzdem spannend, wenn eigentlich die Leute auch umgebracht sind von der Familie. Also die ganze Familie ist ausgerottet, wie er das ja gemacht hat. Das heißt, das ganze Ding geht auch nicht weiter. Aber er ist ja schon hypnotisiert. Und irgendwann mal ist das getriggert worden. Und er geht als einziger Überlebender mit dieser Hypnose noch durch die Gegend. Und das fände ich ein sehr interessantes... tragisches Ende, was aber gleichzeitig bedeutet, dass es nicht weitergeht. Dass sein Opfer ist sozusagen trotzdem sinnvoll. Weißt du?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Finde ich besser, als wenn er im Gefängnis landen würde, weil das dann, ja, obvius Polizei und so weiter, Kritik, aber irgendwie interessanter.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Ich glaube, ich finde, dieses Ende hat halt dieses... Empowerment-Moment. Und die Enden, da sind die auch, du hast ja jetzt angelehnt an dieses eine Ende, wo Rod nochmal versucht, seinen Freund zu retten und der dann sagt, ich kenne sie nicht. Ich finde, diese Enden haben halt alle dieses so erwartbare, ja, okay, jetzt haben sie ihn klein gekriegt. Und das ist deprimierend, aber das ist wie so ein Horrorfilm.
Johannes Franke: Also ich verstehe total den Gedanken des Empowerments natürlich. Du hast natürlich recht, dass es irgendwie cool ist und auch vielleicht für die Zeit auch wichtig ist. Und das sagt ja auch Jordan Peele, dass er sich umentschieden hat, weil er gemerkt hat, okay, das passt jetzt besser in die Zeit, in der wir uns bewegen. Und das Publikum kriegt die Kritik ja schon mit, allein weil die Polizei kommt und die Polizeilichter zu sehen sind. Da geht ja das Kino schon los in den Köpfen der Zuschauer. Da muss ich es nicht noch bedienen, sondern kann gleich noch ein optimistisches, empowerndes Ende hinterher schieben. Ich verstehe den Gedanken, aber irgendwie. Ich weiß nicht. Naja. Wollen wir in unsere Top 3 hinübergehen?
Florian Bayer: Lass uns mal in unsere Top 3 springen.
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Wir befinden uns in einer Top 3 und zwar Top 3 Hypnose in Filmen.
Johannes Franke: Du hast erst sehr, sehr kurz, bevor wir hier angefangen haben aufzunehmen, gesagt, ja übrigens, Top 3 Hypnose.
Florian Bayer: Naja, wir haben beide, es ist immer so ein bisschen schwierig, wenn der Film nicht von einem von uns kommt, sondern von außerhalb. Eigentlich müssten wir sagen, Liz, nächstes Jahr, wir freuen uns sehr auf deinen Vorschlag nächstes Jahr zu deinem Geburtstag.
Johannes Franke: Gib uns eine Top 3.
Florian Bayer: Gib uns eine Top 3, egal wie schräg die ist. Muss auch gar nichts mit dem Film zu tun haben, den du uns vorschlägst. Wir brauchen Input. Aber ich finde Hypnose ganz cool. Es ist ein spannendes Thema und es ist auch ein Thema, das in Filmen... oft benutzt wurde und wird, schon immer. Und es gibt sehr viele Filme mit Hypnose, die auf komplett unterschiedliche Weise die Hypnose darstellen. Mal gut, mal weniger gut. Aber auf jeden Fall spannend. Und ich bin auch ganz glücklich mit den Dingern, die ich gefunden habe. Okay,
Johannes Franke: ich bin wieder mal im kindlichen Gemüt gelandet. Und zwar kann ich mich auf Platz 3 nicht wirklich entscheiden zwischen Aladdin und Dschungelbuch. Aladdin ist ja der... Jafar oder wie er heißt? Ja. Der mit seinem Stab da hypnotisiert. Und bei Dschungelbuch ist es halt die Schlange, die da diese hypnotischen Augen bekommt.
Florian Bayer: Ja, sehr zene Zähne.
Johannes Franke: Die das all süß und total schön findet. Das macht sofort so eine Kindheitserinnerung auf.
Florian Bayer: Ja, cool. Ja, Disney kann gut Hypnosen. Also gerade mit diesen schönen großen Cartoon-Augen kann man sehr viel Hypnose machen. Mein Platz 3 ist ein Film aus dem Jahr 1969. der Tätowierte, der Illustrated Man, wo weniger durch eine Person hypnotisiert wird und mehr durch die Tattoos, durch die Bilder auf der Haut. Und dadurch hat ein Typ, also ein Wanderer begegnet einem tätowierten Wanderer und die unterhalten sich und sitzen dann zusammen und der tätowierte Wanderer sagt, Vorsicht, meine Tattoos sind gefährlich, sie bewegen sich. Und der andere glaubt das natürlich nicht und guckt sich die Tattoos an und dann werden so Visionen in ihm ausgelöst und dann werden so Science-Fiction-Kurzgeschichten erzählt, die so ein bisschen Black Mirror, ein bisschen Twilight Zone, irgendwas dazwischen, ein bisschen sehr viel 1969, Psychedelik und genau, toller Film.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 2 Asterix erobert Rom.
Florian Bayer: Schau mir in die Augen. Bei Isis und Osiris. Du bist ein Hund. Du bist ein Hund.
Johannes Franke: Es ist toll, dass du das sofort zitieren kannst. Ich find's toll. Wir haben den auch gesehen. Wir haben darüber auch lange gesprochen.
Florian Bayer: Es gibt eine Episode, das ist eine unserer All-Time-Episoden. Wie meisten ZuhörerInnen. Also eine der Episoden, die mir den meisten Zuhörer in Asterix zieht offensichtlich. Wir sollten nur noch Asterix-Filme besprechen. Ja, war geil. Ich musste auch an den denken. Dachte dann, ach nee, der ist so albern, den will ich nicht.
Johannes Franke: Ich liebe die Szene. Das ist eine der besten Hypnoseszenen der Filmgeschichte.
Florian Bayer: Aber wenn er sich dann selbst hypnotisiert und glaubt, er wäre ein Schwein, warum wachsen ihm Haare und Hauer? Wie funktioniert das?
Johannes Franke: Wie kann der eine plötzlich fliegen, weil da ein Vogel ist?
Florian Bayer: Genau, die wichtigen Fragen. ziemlich düster erzählt und es kommt immer mal wieder zum Vorschein, was da genau passiert ist. Und am Schluss gibt es einen großen Plottwist und es ist einfach eine wundervoll abgefuckte Hypnose mit einem echt bösen Twist.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 1 das Kabinett des Dr. Caligari.
Florian Bayer: Oh ja. Ja, sehr cool.
Johannes Franke: Das ist auch einer der Filme mit großem Plottwist am Ende. Sollte man sich angucken. Wir haben auch darüber geredet.
Florian Bayer: Haben wir auch.
Johannes Franke: Meine Güte, wenn nur Filme, die wir schon besprochen haben.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist auch ein Film, über den wir schon geredet haben.
Johannes Franke: Das wäre?
Florian Bayer: Der Spiegel von André Tarkowski. Der startet mit einer Hypnose, wo einem Menschen das Stottern weggebracht wird, aber... Sinnbildlich startet der Film mit einer Hypnose fürs Publikum, das darauf eingestimmt wird, sich jetzt auf einen sehr merkwürdigen Trip einzulassen. Ich glaube, du fandst den Film ganz okay, aber du hast auch damit gekämpft.
Johannes Franke: Ja, es gab so ein paar Probleme. Wir haben damals mit Markus drüber gesprochen.
Florian Bayer: Nee, das war Stalker. Das war Stalker? Mit Markus haben wir über Stalker gesprochen. Stimmt. Den Spiegel habe ich dir früher gegeben. Das ist auch schon lange her, dass wir über den geredet haben. Ja,
Johannes Franke: Sarkalo. Genau. Stimmt. Okay.
Florian Bayer: Zurück zu unserem Film.
Johannes Franke: Das war eine schnelle Liste.
Florian Bayer: Eine sehr schnelle Liste. Ich könnte noch so ein paar Honorable Mentions reinwerfen.
Johannes Franke: Ja, mach mal, mach mal.
Florian Bayer: Also ich fand ja die Hypnose-Szene aus Good Will Hunting, die auch so total übertrieben sind, fand ich sehr witzig.
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Es gibt eine Hypnose-Szene, in der Matt Damon, der Will spielt, macht, als würde er hypnotisiert werden und dann den Psychiater, der ihn versucht zu hypnotisieren, einfach verarscht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: In Donnie Darko gibt es eine sehr coole Hypnose-Szene, die irgendwie auch so zwischen düster und witzig ist. mit einer angedeuteten Masturbation endet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es gibt einen Geisterfilm mit Hypnose, der heißt Echoes. Der ist auch aus dem Jahr 2000er irgendwie. Da wird ein Mann hypnotisiert und hat danach Visionen von einem Geist, den er sieht. Und die Hypnose hat das halt ausgelöst, dass er diese Visionen hat. Genau, den Trance, gefährliche Erinnerung, relativ neuer Film aus dem Jahr 2013, was auch schon elf Jahre her ist, von Danny Boyle. wo auch ein Heist-Movie mit einer Hypnose, die sehr zentral ist. Ein cooler Heist-Thriller, der auf jeden Fall Spaß macht. Und es gibt eine wirklich düstere Hypnose in Antichrist von Lars von Trier, vor allem weil da dieses Machtgefälle zwischen Mann und Frau eine große Rolle spielt.
Johannes Franke: Das weiß ich gar nicht mehr. Oh Gott.
Florian Bayer: Ich stehe auf Hypnose. Ich finde Hypnose ist auch grundsätzlich ein ziemlich spannendes Thema. Und um vielleicht noch eins zu nennen, Schatten der Vergangenheit, wo eine Frau unter Hypnose in ein früheres Leben zurückreist. Also auch so sehr fantastisch. Mystery-Film mit einem interessanten Plot-Twist Anfang 90er Jahre.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Okay, zurück in unserem Film. Ich finde, das Tolle an diesem Film ist auch, dass alle einigermaßen intelligent durch den Film durchgehen. Es gibt so viele Horrorfilme, wo man irgendwann zwischendurch sagt, oh mein Gott, die sind einfach nur doof und deswegen sind sie in dieser Situation. Ich finde, hier sind alle folgerichtig und intelligent in ihrer Art und Weise mit Dingen umzugehen. Die sind alle unsympathisch, also bis auf unseren Hauptcharakter, aber in sich kohärent und... Intelligenzbegabt, sagen wir es so. Ja. Und machen nicht nur für den Plot dumme Sachen.
Florian Bayer: Ja. Unser Hauptcharakter verhält sich ja auch logisch. Und es gibt ja auch den Moment, wo er wirklich einfach nur weg will und dann klappt es nicht. Ja. Und wir sehen, dass er wirklich drum kämpft, da wegzukommen und es klappt einfach nicht. Ja.
Johannes Franke: Ich finde auch, dass das total folgerichtig ist, dass er irgendwie ihr dann zwischendurch nochmal kurz vertraut. Sie sind ja am See und das ist eine schwierige Szene, dass sie da dann einmal sagt, ja stimmt, irgendwie habe ich auch das Gefühl, meine Eltern sind ein bisschen irre geworden und lasst uns dann vielleicht das Ganze nicht mehr allzu lang machen, aber wir gehen nochmal nach Hause vielleicht. Das ist so gut inszeniert, dass man ihr immer noch traut.
Florian Bayer: Man traut ihr so lange. Und das ist wirklich hart. Und das ist dann so böse, wenn sie umschwenkt von diesem Verzweifelten. Ich weiß nicht, was los ist zu... Hey, du weißt doch, du kommst ja nicht raus.
Johannes Franke: Das Krasse ist, ich habe zwischendurch schon gedacht, vielleicht hängt sie da auch irgendwie mit drin. Und dann habe ich mich aber sofort vom Filmwirt überzeugen lassen, dass sie das nicht ist. Ja. Also den Gedanken, so rein intellektuell, kann man sich das schon mal kurz erschließen, dass das vielleicht eine Option ist. Aber der Film schafft es sofort, einen wieder einzulullen. Das finde ich wirklich daran sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Also du ziehst trotz deiner Kritik an einigen Punkten eher ein positives Fazit, habe ich es gehört.
Johannes Franke: Ja, ja, definitiv. Also ich würde schon sagen, das ist auch ein Film, der tatsächlich in die Liste muss man sehen gehört, weil der Themen aufmacht, die einfach in der Form sonst kaum besprochen werden, über die man sich einfach mal Gedanken machen kann. Ja, über die man sich Gedanken machen kann, ohne dass man sowieso schon... da drin steckt, wie das bei meisten Filmen so ist, Preaching to the Choir, den Film gucken sie nur die Leute an, die sowieso schon Bescheid wissen, aber in diesem Fall ist es ja diffiziler und wie wir am Anfang festgestellt haben, gucken wir als Weiße uns den Film an und stellen fest, ja, es gibt da durchaus noch ein paar Baustellen, die uns betreffen, die wir vielleicht einfach immer wieder und immer wieder angehen. Ich glaube,
Florian Bayer: es ist wirklich diese Mischung aus, also du hast ein ernstes Thema, du hast ein Thema, wo worüber man auf jeden Fall reden sollte. Aber du präsentierst das Thema eben als wirklich unterhaltsamen, satirischen, klasse Horrorfilm. Und das ist einfach eine schöne Mischung. Ja, ich bin sehr glücklich damit. Auch wenn ich Asen ein Quäntchen besser finde. Ich finde beide Filme sehr stark und Jordan Peele hat mit Nope dann dem Trittentfilm dieser Reihe bewiesen, dass er keine Eintagsfliege ist, sondern dass er wirklich was kann.
Johannes Franke: Okay, danke Liz.
Florian Bayer: Vielen Dank Liz für diesen tollen Vorschlag und lass dich richtig gut feiern. Feierst du deinen Geburtstag?
Johannes Franke: Ich hoffe, du hast den wundervollsten Tag der Welt gehabt, weil wir veröffentlichen einen Tag nach deinem Geburtstag, wenn man das jetzt mal so sagen dürfte.
Florian Bayer: Vielleicht veröffentlichen wir mal einen Tag früher.
Johannes Franke: Da sind wir früher oder nachher.
Florian Bayer: Wir gucken nochmal. Wir versuchen deinen Geburtstag zu matchen. Das heißt, wenn du das hörst, ich hoffe, du hörst das nicht an deinem Geburtstag, das wäre echt traurig. Du feierst einfach und hörst das ein oder zwei Tage später. Hattest hoffentlich die Party deines Lebens und bist jetzt ordentlich verkatert, um gleich zu hören, was der nächste Folge kommt. Nämlich nächste Folge haben wir auch einen Publikumswunsch.
Johannes Franke: Ah ja, stimmt. Okay, dann bleibt noch kurz dran. Hört euch den Jingle nochmal an und dann erzählen wir euch, was wir nächste Woche machen. Bis dahin. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: wir suchen gerade ganz verzweifelt, irgendein Mensch hat uns vorgeschlagen, einen Takehi Kitano Film zu machen. Wir finden aber nicht mehr, wer das war. Falls du das zufällig hörst, melde dich, weil wir wollen natürlich nicht, wir wollen natürlich Credits an der Stelle auch anbringen, wo sie angebracht sind. Wir werden nächste Woche einen Takehi Kitano Film, entweder ist es ein Publikumswunsch oder wir halluzinieren gerade ganz massiv. Nein, es ist ein Publikumswunsch. Und zwar hatten wir uns überlegt, welchen wir nehmen können und Dann sind wir doch gelandet bei, also wir hatten so ein paar zur Überlegung, zur Auswahl, dann sind wir gelandet bei Kiko Chiros Sommer aus dem Jahr 1999, der, glaube ich, eher ein ungewöhnlicher Kitano-Film ist, weil es sich nicht um einen düsteren Thriller handelt, aber andererseits hat Kitano ja auch alles gemacht. Darüber werden wir ganz viel reden müssen, von Gameshow, wo viele Leute ins Wasser fallen.
Johannes Franke: Ah, stimmt.
Florian Bayer: Takashi's Castle. Ach so. Das ist Takashi Kitano.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und dann hat er gleichzeitig wirklich diese düsteren, brutalen Yakuza-Thriller gemacht. Ah.
Johannes Franke: Und Kikuchirus Sommer, wie wir rausgefunden haben.
Florian Bayer: Kikuchirus Sommer ist nochmal was komplett anderes und ich habe es wahrscheinlich auch falsch ausgesprochen jetzt. Auf jeden Fall werden wir nächste Woche über den reden. Das heißt, wir reisen wieder nach Japan. Wir schauen uns eine Tragikomödie an aus dem Land, aus den späten 90ern und ich freue mich da sehr drauf.
Johannes Franke: Also es ist kein Yakuza-Thriller.
Florian Bayer: Das ist kein Yakuza-Thriller.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Freut euch auf Takeshi Kitano nächste Woche und uns, wie wir versuchen, japanische Namen richtig auszusprechen und daran scheitern. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Ja, und wir hören uns nächste Woche wieder, weil ihr werdet ja alle wieder einschalten, weil ihr alle Wie viele sind inzwischen? Wir haben echt schon eine große, große Zörerschaft. Wir haben ein riesiges Band. Es ist unglaublich. Ich weiß immer nicht genau, wie viel Ironie da drin steckt und wie viel nicht. Also ich finde, wir haben eine sehr gute Fanbase inzwischen. Ich finde es ganz beeindruckend.
Florian Bayer: Wir haben mittlerweile so viele Fans, dass wir sagen können, auch so leicht ironisch mit Augenzwinkern, ohne uns dabei schlecht zu fühlen. Also vielen Dank euch allen, dass ihr uns die Treue haltet. Und vielen Dank auch an allen, die neu dazugekommen sind und Freude an unserem Podcast haben. Wenn ihr neu dazugekommen seid, hört euch gerne durch unser Archiv durch. Wir haben mittlerweile... Wie ihr an dieser Nummer sehen könnt, die in eurem Podcatcher gerade gezeigt wird, über 150 Episoden veröffentlicht. Und es ist bestimmt noch das eine oder andere zu entdecken.
Johannes Franke: Das hier ist die 173. Also bis nächste Woche. Habt ihr alles aufgeholt. Okay, sehr schön. Dann bis dann. Ciao.
