Episode 275: Der Würgeengel – ein surrealer Publikumswunsch
Nachdem die feine Gesellschaft in der Oper war, werden sie vom Ehepaar Nobile noch zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Auch dass die Bediensteten nach und nach das Anwesen der Nobiles verlassen, kann die Feierlaune nicht trüben: Man unterhält sich, man speist und trinkt, man lauscht einem Klavierstück der hoffnungsvollen Nachwuchspianistin. Und dann wäre es eigentlich Zeit aufzubrechen… Nur das mag niemandem so recht gelingen. Die Festgesellschaft bleibt einfach im Salon, verbringt dort sogar – gegen alle gesellschaftlichen Konventionen – die Nacht. Und dann dämmert es den Leuten so langsam: Sie sind eingeschlossen, können den Salon nicht verlassen. Warum weiß keiner. Aber der Weg sowohl zur Außenwelt als auch den anderen Räumen des Hauses ist wie durch eine magische Barriere verschlossen.
Man diskutiert darüber, woran es liegen könnte, versucht sich einzurichten, schmiedet Fluchtpläne… Schließlich macht sich Verzweiflung breit, Misstrauen, die tierischen Instinkte kommen hervor, während die Aussicht auf Rettung immer weiter schwindet.
Luis Buñuel, zusammen mit Salvador Dali und dem andalusischen Hund 1929 der Vater des surrealistischen Kinos. Er sollte noch Filme drehen, lange nachdem die Bewegung erloschen war: In Spanien, Frankreich und nach dem zweiten Weltkrieg vor allem in Mexiko. In seinem letzten mexikanischen Film “Der Würgeengel” entwirft er die klaustrophobische Parabel eines Bürgertums, das auf sich selbst zurückgeworfen wird: Mit schrägen Repetitionen, surrealen Einwürfen und viel Symbolismus.
Johannes, sind die Hölle die Anderen?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 275: Der Würgeengel – ein surrealer Publikumswunsch Publishing Date: 2026-04-09T09:02:56+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/04/09/episode-275-surrealer-publikumswunsch-der-wuergeengel/
Johannes Franke: Hier hätte ich wenigstens ein paar Servetten mehr gehabt.
Florian Bayer: Ja, nur eine Servette. Und die hat eine Mitarbeiterin mitgebracht von sich zu Hause.
Johannes Franke: Hallo und herzlich willkommen, ihr da draußen. Willkommen zu einer neuen Episode des Muss-man-sehen-Podcasts,
Florian Bayer: wo Johannes und ich uns gegenseitig Filme zuwerfen und manchmal auch Puppen... Publikumswünsche nehmen.
Johannes Franke: Ja, diesmal haben wir von Ferdi? Von Ferdi. Ferdi ist der richtige Name. Schöne Grüße an Ferdi da draußen.
Florian Bayer: Der hat via Spotify gesagt, dass er großer Louis-Bounau-Fan ist und dass der auch ganz gut in unser Programm passen würde und ich kann nur sagen, ja Ferdi, du hast recht.
Johannes Franke: Also ich hätte eigentlich erwartet, dass Plor mir den irgendwann gibt. Also es war schon eigentlich gesetzt, dass du mir den irgendwann geben würdest, oder?
Florian Bayer: Nicht diesen konkreten Film. Wenn ich einen Bruno L. Film nehmen würde, dann tatsächlich einen von den noch etwas späteren Filmen.
Johannes Franke: Bourgeoisie?
Florian Bayer: Genau, der das kritische Charme der Bourgeoisie oder auch das Gespenst der Freiheit. Ich mag seine episodischen Filme, die er später gemacht hat in Spanien. Ich glaube, der Bürgerengel wäre auf jeden Fall auch auf meiner Liste gewesen, aber wahrscheinlich hätte ich dir einen anderen Bruno-El-Film gegeben. Und ich gebe dir vielleicht auch mal noch irgendwann einen anderen Bruno-El-Film, weil Bruno-El hat später irgendwann sowas gemacht wie Monty Python auf Kunst. Was? Ja, ganz wirklich großartige und wirklich schräge Filme, aber das hier ist natürlich auch ein sehr, sehr schräger Film.
Johannes Franke: Als wir letzte Woche besprochen haben, haben wir den Tee vergessen, Flor.
Florian Bayer: Wir haben gar keinen Tee getrunken, wir waren so am Streiten.
Johannes Franke: Bevor du deinen Text über Bonoel los wirst, soll ich dir derweil Tee einließen.
Florian Bayer: Ja, genau. Und dann kann ich ja ganz kurz sagen, also wir hier im Podcast, wir schmeißen uns gegenseitig Filme zu und manchmal erfüllen wir auch Publikumswünsche, wie in diesem Fall von Ferdi.
Johannes Franke: Ferdi, stimmt.
Florian Bayer: Ferdi hat sich der Würgeengel von Louis Vuitton... Ja, genau.
Johannes Franke: You see what I did there? Oh mein Gott, Floor.
Florian Bayer: Es ist nicht ein absoluter Mindfuck. Um das ganz kurz zu sagen, wenn ihr den Film nicht gesehen habt, guckt ihn euch an. Dieser Film hat eine Anfangssequenz, so 30 Sekunden, die einfach nochmal wiederholt werden. Ich wusste, dass dieser Film verstörend ist, aber ich habe diesmal wirklich pausieren müssen und gesagt, was ist passiert?
Johannes Franke: Und dann ist er zurückgeschwommen. Ich war voll verunsichert. Er hat voll das erreicht, was er damit erreichen wollte. Ich habe sofort gedacht, I see what you did there. Mich hat es voll erwischt. Krass. Ich war wirklich so, hä, was? Und das ist krass, weil ich wusste, dass solches Zeug in diesem Film passiert. Bloß zur Info. Da wollen zwei Frauen, Angestellte des Hauses, raus. Und dann kommen die Gäste rein. Und die Gäste kommen nicht einmal rein, sondern die kommen genau so, wie sie schon mal reingekommen sind, nochmal rein. weswegen die Angestellten noch eine Runde warten müssen, bis sie raus können. Und er sagt genau das Gleiche. Er geht wieder in die gleiche Richtung, sagt wieder Lukas und kein Lukas antwortet und sie gehen hoch die Treppe rauf.
Florian Bayer: Es ist voll der Klitsch in der Matrix. Und das hat mich diesmal echt erwischt und offensichtlich auch den Cutter. Also Louis Bonnell hat sich im Nachhinein so sehr drüber lustig gemacht,
Johannes Franke: dass ein Cutter das gesehen hat und gesagt hat, ey Louis, da ist irgendwas... Falsch, die haben einen Fehler gemacht. Und das war damals eine größere Katastrophe als heute. Weil das Kopierwerk und ein Haufen Leute müssen bezahlt werden, damit das ausgespielt werden kann als die fertige Schnittfassung. Und dann sieht der Cutter das und denkt, oh nein, oh nein, was machen wir denn jetzt?
Florian Bayer: Und Bruno L. fand das voll lustig. Mich hat er diesmal voll erwischt, aber wir zäumen, das fährt zu weit von hinten auf. Deswegen sag ich dir mal, worum es geht. Nachdem die feine Gesellschaft in der Oper war, werden sie vom Ehepaar Nobile noch zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Auch dass die Bediensteten nach und nach das Anwesen der Nobiles verlassen, kann die Feierlaune nicht trüben. Man unterhält sich, man speist und trinkt, man lauscht einem Klavierstück der hoffnungsvollen Nachwuchspianisten und dann wäre es eigentlich Zeit aufzubrechen. Nur das mag niemandem so recht gelingen. Die Festgesellschaft bleibt einfach im Salon, verbringt dort sogar gegen alle gesellschaftlichen Konventionen die Nacht. Und dann dämmert es den Leuten so langsam. Sie sind eingeschlossen, können den Salon nicht verlassen. Warum, weiß keiner. Aber der Weg sowohl zur Außenwelt als auch zu den anderen Räumen des Hauses ist wie durch eine magische Barriere verschlossen. Man diskutiert darüber, woran es liegen könnte, versucht sich einzurichten, schmiedet Fluchtpläne. Schließlich macht sich Verzweiflung breit. Misstrauen. Die tierischen Instinkte kommen hervor, während die Aussicht auf Rettung immer weiter schwindet. Louis Benoît, zusammen mit Salvador Dalí und dem andalusischen Hund 19... 1929 der Vater des surrealistischen Kinos. Er sollte noch Filme drehen, lange nachdem die Bewegung erloschen war. In Spanien, Frankreich und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in Mexiko. In seinem letzten mexikanischen Film Der Würgeengel entwirft er die klaustrophobische Parabel eines Bürgertums, das auf sich selbst zurückgeworfen wird. Mit schrägen Repetitionen, surrealen Einwürfen und viel Symbolismus. Johannes, sind die Hölle die anderen?
Johannes Franke: Ja, definitiv. Meine Fresse. Ich habe sofort an Satre gedacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sofort an geschlossene Gesellschaft. Das Stück, ich weiß nicht, Ouïkou oder wie das so ausgesprochen wird. Geschlossene Gesellschaft, großartiges Werk, das man auch erstmal verstehen muss. Man auch erstmal verstehen muss, was das eigentlich alles soll und so. Und da sind halt nur vier Leute oder sowas in einen Raum eingesperrt.
Florian Bayer: Und sie stellen irgendwann fest, dass sie in der Hölle sind. Genau.
Johannes Franke: Also es wird dann auch thematisiert. Genau. Und auch sie unterhalten sich darüber über ihre Situation.
Florian Bayer: Also es wird durchaus auch reflektiert. Und auch ganz spannend in diesem Stück gibt es ja auch diesen Moment, wo sich dann die Tür öffnet, wo die Freiheit da ist und sie schaffen es nicht auszubrechen, sondern sie liegen dann wie so eine Embryo-Haltung zusammen in diesem Raum und schaffen es einfach nicht da rauszukommen und bleiben wohl für immer gefangen.
Johannes Franke: Also ich finde diese Voraussetzung, dass sie da sitzen und ganz lange auch nicht feststellen, dass sie nicht raus können, sondern einfach nur psychologisch immer wieder sich was überlegen, warum sie jetzt nicht gehen. Ich finde, das hätte fast noch... viel, viel länger durchziehen können. Dass man so das Gefühl hat, ach, kurz bevor sie gehen, ach, so einen Kaffee könnte ich noch vertragen. Und ich muss doch zu meinen Kindern, ach, da gibt es doch auch die Kinderfrau, die macht das, die kriegt das schon hin, die Angestellte. Dass man immer noch so, noch ein bisschen länger hinauszögert zu gehen. Ich weiß ja nicht, ob du das viel von so Studentenpartys früher kennst. Ja, es zieht sich. Und es gibt immer die Leute, die auch... die klaren Hints nicht verstehen. Wenn der Gastgeber, also ganz schlimm, wenn man selbst der Gastgeber ist, sagt so, genau jetzt.
Florian Bayer: Und dann anfängt Geschirr abzuräumen. Und so diese subtilen Signale sendet. Und es gibt wirklich die Menschen, die sind komplett unempfänglich für diese Signale. Und wie weit musst du nach Hause?
Johannes Franke: Ach, um diese Zeit fährt nichts mehr so viel. Aber vielleicht gibt es ja noch irgendwo einen Taxi. Ach, du willst hier schlafen. Na gut. Und? Und auch da geht es wie in diesem Film ganz viel um diese gesellschaftlichen Konventionen. Diese Vibes im Raum und dass man sich da nicht traut, klar auszusprechen. Alter, hau endlich ab. Oder ich muss jetzt echt gehen.
Florian Bayer: Bitte halt mich nicht noch weiter auf. Ich will mich nicht noch eine halbe Stunde im Flur unterhalten.
Johannes Franke: Es spielt nochmal eine Rolle. Plor, nur Zurückversicherung. Hast du das irgendwann mal im Film festgestellt in den ersten 30, 40, 50 Minuten, dass irgendjemand von den Verantwortlichen gesagt hätte, so. jetzt ist vorbei, bitte geht nach Hause.
Florian Bayer: Nein, und das ist ganz wichtig.
Johannes Franke: Das ist ganz wichtig, ne?
Florian Bayer: Und es hat auch niemand klar gesagt, ich möchte nach Hause gehen, sondern eher so allgemeine Floskeln, irgendwie versucht, so einen Vibe zu versprühen und dann festgestellt, dass der in der Gesellschaft nicht ankommt.
Johannes Franke: Und es gibt diesen Threshold, diese eine Tür, die offen steht auch noch paradoxerweise, wo man in den Rest des Hauses hineinschauen kann, wo man das Gefühl hat, ja, da kannst du doch jederzeit hin, wo sie auch was hinschmeißen können mit der Zeit. über diese Grenze geht einfach keiner. Du kommst an die Grenze ran, zwei Leute brechen da irgendwie mehr oder weniger auf Stühlen zusammen, weil sie so verzweifelt sind, dass sie das nicht psychologisch sich nicht überwinden können, diese Grenze zu überschreiten. Und das finde ich, die Voraussetzung, die dieser Film schafft, finde ich total spannend in dem Moment.
Florian Bayer: Weil es ist so eine magische Barriere und ich finde es auch übrigens total interessant, dass sie das irgendwann reflektieren und darüber reden, weil es ist nichts, was sie aufhält, außer der Wille. Diese magische Barriere ist der der pure Wille der Leute zu gehen. Und obwohl sie das reflektieren, obwohl sie das rationalisieren, es gibt ja sogar diesen Moment, wo sie sagen, ah, da versucht jetzt jemand Sherlock Holmes zu spielen und wir haben wirklich so einen Mystery-Moment, wo jemand sagt, lass uns doch mal die Situation genau ergründen. Sie schaffen es trotzdem nicht. Also der Pragmatismus und der Realismus, die sind voll da. Die Menschen können nachdenken, die Menschen können ihre Situation reflektieren und trotzdem schaffen sie es nicht, sich zu überwinden, einfach diesen Schritt zu machen und rauszugehen.
Johannes Franke: Krass, ne? Ich finde das total faszinierend, diese psychologische Komponente daran, weil es gibt genug Filme, Horrorfilme oder sowas, wo die Leute in ein Haus eingesperrt sind und es ist einfach alles zugerammelt und du kommst nicht raus. Du versuchst es, aber du kommst nicht raus. Und das Ganze wirklich auf diese psychologische Komponente zu ziehen und auch... auch keine Erklärung dafür zu liefern. Fand ich tatsächlich radikal und sehr spannend. Louis Buñuel war radikal.
Florian Bayer: Der war ein wirklich radikaler Mensch. Und man kennt ihn ja vor allem als den großen Surrealismus-Regisseur und einen Andalusienhund. Falls ihr das nicht gesehen habt, das ist nicht sonderlich lange. Guckt es euch irgendwann mal an. Es ist wirklich ein spannender Film, einfach auch aus historischen Gründen. 1929, der große, surreale Sturmfilm, der gerade mal 16 Minuten... 16 Minuten dauert?
Johannes Franke: Ich hätte fast 20 oder 26 gedacht. 16 Minuten?
Florian Bayer: Das ist wirklich ein kurzer Film und es ist komplett abstrakt und komplett Traumebene. Wir haben sehr lange über das Blut eines Dichters geredet, als einen surrealen Film aus der damaligen Zeit, dessen Regisseur gesagt hat, ich bin kein Surrealist. Und da haben wir auch sehr viel über den surrealistischen Film geredet. Das müssen wir jetzt nicht alles wiederholen. Also Surrealismus, Traum und irgendwie so eine Überschreitung der Wirklichkeit im Kino.
Johannes Franke: Wobei wir die Grundlagen des Surrealismus vielleicht auch nochmal erzählen könnten oder sollten oder müssten. Hängt ein bisschen damit zusammen, dass der Regisseur dieses Films, Bonoel, einiges an Erklärungsversuchen in den Wind geschlagen hat. Ja,
Florian Bayer: aber das machen die Surrealisten sehr gerne.
Johannes Franke: Genau, das ist der Punkt, den ich von den Surrealisten auf jeden Fall erwähnen wollen würde, weil Surrealisten immer gesagt haben, Alter, ich will nicht, dass du versuchst, mich in allen möglichen Symboliken zu deuten. sondern Surrealismus ist einfach aus der Natur der Sache heraus nicht eindeutig aus Metaphern gebaut, sondern es ist assoziativ und man kann da vielleicht hier oder da was reinlesen, aber eigentlich wehrt sich der Autor gegen sowas.
Florian Bayer: André Breton war der große Gründer des Surrealismus. Es gab noch jemanden davor, der diesen Begriff geprägt hat, der hieß Guillaume Apollinaire. Ich finde den vor allem witzig wegen dem Funfact, dass er... eine Zeit lang verdächtigt war, die Mona Lisa gestohlen zu haben. Ja, geil, ja. Aber der große Gründungsvater war Breton, der das Manifest des Surrealismus geschrieben und hat gesagt, wir wollen die Gegensätze von Traum und Realität aufheben und wollen damit so eine super Realität schaffen, so eine absolute Realität, in der Traum und Wirklichkeit ineinander fließen und es keine richtige Logik mehr gibt, beziehungsweise in der wir nicht die Logik des Denkers nehmen, sondern die Logik des Schlafenden, die Logik des Träumenden, vielleicht auch die Logik des Verrückten. und gucken, wie unser Bewusstsein sich damit erweitert. Wir wollen das gar nicht erklären, was da passiert. Es passiert halt einfach. Es passieren merkwürdige Dinge.
Johannes Franke: Und dafür, dass die Surrealisten so sehr traumwandlerisch daherkamen, muss ich sagen, ist dieser Film ja straightforward. Also das ist ja gar nicht so surreal.
Florian Bayer: Das ist ja nicht straightforward.
Johannes Franke: Diese Voraussetzung ist surreal irgendwie. Aber es ist auch vielleicht nur ein magischer Realismus. Könnte man auch machen irgendwie. Irgendeine magische Komponente, die da drin steckt. Dann gibt es vielleicht noch eine Traumsequenz, die irgendwie mit Symbol einer abgetrennten Hand oder was auch immer da man reinlesen kann. Das eiskalte Händchen. Genau. Was irgendwie aber eher mit Potenz anscheinend interpretiert wird oft.
Florian Bayer: Ja und vor allem wird es als Traumsequenz erzählt. Es wird ganz klar gebrochen.
Johannes Franke: Es ist ja gar nicht der surreale Moment, sondern es ist einfach eine Traumsequenz oder eine Vision, die jemand hat, der sowieso am Ende ist und Krankheit und so weiter mit sich rumträgt. Also ist es eigentlich gar nicht... So ein groß surrealer Film.
Florian Bayer: Die Hardcore-Surrealismus-Puristen sagen, das surreale Kino hat vielleicht zwei Jahre existiert. Genau, ja. Hat vielleicht drei Filme. 20,
Johannes Franke: 30 oder so.
Florian Bayer: Genau. Und es war halt vor allem Bonoel mit Dalí zusammen, mit dem andalusischen Hund.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Dann ich würde wirklich meine Hand dafür ins Feuer legen, dass das Blut eines Dichters, über das wir geredet haben, dass das auch da reingehört. Ja, ja, ja. Von Jean Cocteau, obwohl der immer gesagt hat, ich bin kein Surrealist, aus dem Jahr 1930. Das gehört zum Surrealismus dazu wahrscheinlich,
Johannes Franke: zu sagen, nein, nein, nein, nein, selbst das möchte ich nicht bestätigen.
Florian Bayer: Was so prätentiöse Scheiße ist. Ich hasse das, wenn Leute sowas machen. So, ich gehöre zu keiner Bewegung an, ich bin über den Genres und über den Gattungen, ich lasse mich in keine Schublade stecken. Und meistens von den Leuten, wo man sagen kann, nee, Alter, ich habe hier eine Schublade, da passt du perfekt rein. Das Geile ist, Louis Bonoel hat halt weitergemacht. Der hat nach dem Andalusischen Hund, hat er ja diesen zweiten großen surrealen Film gedreht, Das Goldene Zeitalter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo es wirklich krasse Reaktionen drauf gab, vor allem wegen dem Vorwurf der Gotteslästerung. Weil er da ganz schön gegen die Kirche schießt. Bisschen zu dem Punkt, dass der Film in Frankreich verboten wurde.
Johannes Franke: Er hatte wohl offenbar oft gegen die Kirche geschossen in seinen Filmen.
Florian Bayer: Sehr gerne hat er das gemacht. Er war, das ist interessant, weil der Surrealismus hat ja auch so ein mystisches Element und auch so ein... gegenrationales Element. Also könnte sich auch ganz gut mit der Religion verstehen. Aber die Surrealisten hatten auch ihre politischen Ideen und die waren natürlich vor allem anarchistisch und die waren vor allem links. Und Bonoel hat danach ein Leben geführt, das eigentlich für zehn Leben reichen würde.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: das ist so ein Klobetrotter gewesen.
Johannes Franke: Aber auch ein bisschen erzwungenermaßen natürlich. Also er hat da irgendwie echt, Franco ist da an die Macht gekommen und da hat er sich gedacht, um Gottes Willen, Faschismus und so, scheiße,
Florian Bayer: darauf habe ich keinen Bock.
Johannes Franke: Da war er ja in Paris und er war als Diplomat quasi in Paris.
Florian Bayer: Für irgendeinen wichtigen Botschafter hat er gearbeitet oder so. Und dann 1930, nachdem er so viel Ärger hatte mit dem goldenen Zeitalter, hat er gesagt, okay, ich gehe jetzt mal nach Hollywood. Ich gucke mich mal um, wie es in Amerika aussieht. Angebot von MGM gekriegt und ist nach Amerika. Er hat Charlie Chaplin kennengelernt.
Johannes Franke: Ja. Und er hat in Hollywood ihn rausgeschmissen.
Florian Bayer: Er hat in Hollywood dann sehr schnell festgestellt, oh, mit diesen Filmleuten habe ich nicht viel gemein.
Johannes Franke: Kennst du die Anekdote mit Charlie Chaplin? Nee,
Florian Bayer: was hat Charlie Chaplin mit ihm gemacht?
Johannes Franke: Ach, wie geil. Er wurde eingeladen. Brunel wurde eingeladen um Weihnachten rum. Chaplin hatte einen Weihnachtsbaum da stehen mit Geschenken drunter und so. Es hieß, jeder bringt was mit. Wir legen das unter den Baum und dann verlosen wir das quasi. Also so ein bisschen Schrottwichteln für reiche Leute. Dann ist Bruno L. da hingekommen und hat sich aber schon vorgenommen, mit anderen zusammen das Ding zu kapern, indem er dann einmal über die Geschenke herfällt, alles zerstört und abhaut. Was für ein Arsch Was hat er gemacht?
Florian Bayer: Was für ein Arsch Und den haben wir rausgeschmissen.
Johannes Franke: Großartig Und dann hat Chaplin ihn wieder eingeladen, geht die Tür auf, wenn er als Bruno L. vor der Tür stand, geht die Tür auf, steht da Chaplin und direkt hinter ihm ein Weihnachtsbaum. mit Geschenken drunter. Und Chaplin sagt, mach mal gleich am Anfang, damit wir es hinter uns haben. Und dann können wir einen ordentlichen Abend verleben. Wie geil. Großartig. Geil. Okay, Chaplin hat Humor. Ja. Also er war in den USA. Er war dann wieder in Spanien. Genau, dann kam der Spanische Bürgerkrieg. Dann war er in Frankreich.
Florian Bayer: Dann ist er nach New York. Er hat im fucking MoMA gearbeitet.
Johannes Franke: Krass, ja.
Florian Bayer: Er war als Emigrant in New York Ende der 30er, weil in Europa hat halt der Zweite Weltkrieg dann angefangen und Spanien war von den Faschisten besetzt und hat dann in MoMA gearbeitet und hat aber irgendwie so in Hollywood nie wirklich Fuß fassen können, einfach weil er zu schräg dafür war mit seinen Filmideen.
Johannes Franke: Die wollten den nicht. Das war einfach niemandem zu erzählen, dass diese Art von Film irgendjemanden interessieren sollte in der Zeit und in der Gegend auch. Also ich meine, es ist Hollywood. Du weißt ja, was aus Hollywood rausgekommen ist an Filmen. Ganz tolle Sachen, aber eben nicht so was.
Florian Bayer: Kein Platz für so einen Ott-Broll, wie er es war. Und 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, hat er dann gesagt, fuck you guys, ich gehe nach Mexiko. Und dann hat er in Mexiko richtig lange gelebt, wurde mexikanischer Staatsbürger. Hat aber auch diese Zeit beschrieben als,
Johannes Franke: ich habe halt Geld verdient.
Florian Bayer: Er hat 20 Filme gedreht und ich habe keinen von diesen Filmen gesehen. Ich habe ihn auch nicht gesehen. Ich liebe Manuel. Aber ich bin voll der Eurozentrist, was Bruno L. betrifft. Ich habe seine Filme vor Mexiko gesehen und ich habe seine Filme danach gesehen. Und der Würgeengel ist der einzige mexikanische Film, den ich gesehen habe.
Johannes Franke: Aber selbst das ist ja außerhalb dieser Phase, wo er da wahnsinnig viel für Geld gearbeitet hat. Also er hat halt Auftragsarbeiten ganz viel in Mexiko gemacht und redet da auch nicht immer so besonders positiv drüber. irgendwie so vom Gefühl her.
Florian Bayer: Er war vor allem unglücklich mit der Möglichkeit mit dem Filmbudget in Mexiko. Das war ja auch, was er beim Bürgerengel nachher gesagt hat. Hätte ich das Ding in Spanien oder Frankreich gedreht, hätte ich halt ein bisschen mehr Geld gehabt. Hätte ich was anderes machen können.
Johannes Franke: Er hat später in Paris gelebt. Da hat er dann gesagt, hier wäre doch toll gewesen. Hier hätte ich den Film drehen sollen. Hier hätte ich wenigstens ein paar Servetten mehr gehabt.
Florian Bayer: Nur eine Servette? Und die hat eine Mitarbeiterin mitgebracht von sich zu Hause. Ich glaube die Kostümfrau oder sowas. Die feine Tischgesellschaft hat Servietten gebraucht und dann hatten sie keine. Und das war offensichtlich, es gab wirklich, also Mexiko, Anfang der 60er, das war gar nicht so einfach an das Zeug ranzukommen. Und dann hat die diese eine Serviette mitgebracht, damit sie zumindest eine Nahaufnahme machen konnten von der schönen Serviette der edlen Gesellschaft.
Johannes Franke: Und das ist halt die edle Gesellschaft. Das Haus gibt es natürlich, klar, aber auch das ist wahrscheinlich... Wenn man da genauer hingeschaut hätte, wäre das wahrscheinlich auch schon nicht mehr so das Schönste gewesen. Also Mexiko war einfach nicht gut betucht zu der Zeit und ist es ja auch heute nicht so. Also, naja.
Florian Bayer: 1962, im Würgeengel war schon so ein eigenes Werk, aber war eigentlich der letzte mexikanische Film, den er gemacht hat. Danach ist er nach Frankreich, hat in Frankreich noch viel gedreht, bis in die 70er hinein. Und vor allem der Diskretischam, der Bourgeoisie und das Gespenst der Freiheit, die mag ich sehr. Belle de Jour ist auch ein schöner Film, aber ich weiß nicht, ob der für uns so geeignet ist. Da müssen wir wieder so viel über... Über Darstellung von Sexualität reden. Dann heißt es nachher wieder, wir sind so woke und so. Deswegen ist es vielleicht besser, dass wir uns den Würgeengel geschnappt haben.
Johannes Franke: Es gibt keine Vermeidungsstrategie für den Podcast. Wir machen einfach, worauf wir Bock haben.
Florian Bayer: Genau, auf jeden Fall. Und genau, dann hat er diesen Würgeengel mit relativ wenig Budget in Mexiko gedreht. Ich meine, es ist ein Setup, was sich eignet für wenig Budget, weil er hat fast einen Drehort. Es gibt zwar auch diese Außenaufnahmen nachher noch, wo gezeigt wird, dass die Leute auch nicht richtig reinkommen.
Johannes Franke: Aber das ist auch nicht viel. Da bist du vor dem Haus einen Drehtag und gut ist oder zwei.
Florian Bayer: Und ansonsten hast du diese einfache Gesellschaft, die halt gezeigt wird, die von der Oper kommen, die feiern. Und ich weiß nicht, wie es dir ging. Ich habe mich echt schwer damit getan, einzelne Personen voneinander zu unterscheiden.
Johannes Franke: Keiner, bis jetzt nicht mehr. Ich habe ihn zweimal gesehen. Ich habe ihn einmal in Originalsprache geguckt, hatte ein bisschen Probleme, muss ich sagen.
Florian Bayer: Aber du hast mit Untertiteln, du kannst keinen Spanisch.
Johannes Franke: Mit englischen Untertiteln dann. Aber ich hatte den geheimen Verdacht, dass mir ganz viel trotzdem entgangen ist. Und dann habe ich es auf Deutsch geschaut, ein deutscher Synchro. Und egal wie gut die ist, sie hat mir massiv geholfen. Kommen wir aber noch dazu.
Florian Bayer: Interessant.
Johannes Franke: Würde ich dann im Laufe des Gesprächs vielleicht nochmal unterbringen, warum das vielleicht gut war.
Florian Bayer: Ich fand es vor allem schwer, weil also echt diese weiße Oberschicht, Männer wie Frauen,
Johannes Franke: die sehen alle gleich aus. Alle gleich aus.
Florian Bayer: Die sind gleich angezogen, die haben die gleichen Frisuren.
Johannes Franke: Nur der schlecht angeklebte Bart, der ist mir in Erinnerung geblieben.
Florian Bayer: Und das ist dann so hart, weil also ich frage mich die ganze Zeit während dieses Films, wie viel es zum Konzept gehört, dass man sich schwer tut, Personen zu unterscheiden. Weil es gibt ja Personen, die haben Charaktereigenschaften, die dann auch gezeigt werden und die vom Wissen auserzählt werden. Und es gibt Beziehungen, die...
Johannes Franke: Also auserzählt ist übertrieben, ne? Ja, aber... Ein bisschen, was erzählt wird.
Florian Bayer: Und es gibt Beziehungen, die über den Film sich entwickeln oder irgendwie eine Rolle spielen, weil Dinge sich in ihnen wiederholen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und mir fällt es teilweise wirklich schwer. Und dann heißen die noch alle gleich, ne? Und dann fällt es mir wirklich schwer zu sagen, okay, ist das gerade Edmundo oder ist das Eduardo?
Johannes Franke: Oder gibt es ganz viele Frauen, die mit L anfangen? Ja. Ah, fuck, Alter.
Florian Bayer: Und ich fand es wirklich hart so in der Handlung. Dann hatte ich aber auch irgendwann das Gefühl... Man kann sich auch so von diesen Vibes ein bisschen mitziehen lassen, weil es ist diese Gesellschaft, die sich auflöst und wo auch diese, wer gerade der Vernünftige ist und wer der Verrückte ist, das scheint ja auch immer so ein bisschen zu wechseln.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Der Gastgeber will es immer wieder versuchen, der Vernünftige zu sein.
Florian Bayer: Der Gastgeber bleibt bis zum Ende, bis zu dem Punkt, wo er sagt,
Johannes Franke: er erschießt sich dafür, dass die anderen befreit werden, auf den Wagenverdacht hin, dass er verantwortlich sein könnte. Da verliert ihr den Vernunft dann. Also wo wirklich ein Moment ist, wo ich denke, okay. Der ist so höflich und der ist so von dieser Etikette gefangen, dass er sich sogar für die anderen umbringen würde.
Florian Bayer: Wahrscheinlich ja. Und vor allem auch so, dass er komplett ignoriert, wie sein bester Freund die ganze Zeit hart an seiner Frau rumbaggert. Die auch offensichtlich eine Affäre haben. Und also am Anfang ist ja dieser merkwürdige Moment, wo sein Freund zur Frau sagt, geh ins Schlafzimmer, ich komm dann gleich nach. Und sie sagt, äh. Was ist, wenn mein Mann kommt? Ach, dann sag ihm einfach, ich hab dir irgendwas gezeigt. Alles gut. Es ist total schräg.
Johannes Franke: Fällt so mehr her.
Florian Bayer: Und dann betatscht er die ja auch die ganze Zeit. Und wirklich, es wirkt einfach so, als ob er ihr Mann wäre. Und Eduardo, Edmundo sitzt die ganze Zeit daneben, als ob das so, ja, es ist normal.
Johannes Franke: Aber das Ding ist, wie du richtig sagst, man kann die Leute so schlecht auseinanderhalten, dass ich eben Schwierigkeiten habe, solche Beziehungen wirklich herzustellen. Weil ich nicht weiß, ist das jetzt der Bruder oder war das jetzt der andere Typ von der anderen Frau, die da in diesem Klo liegen? Oh, wie schrecklich. Oder was ist da los? Also ich kann das so schlecht auseinanderhalten, sogar im Deutschen. Aber das Deutsche, das ist einer der Gründe. Das Deutsche hat mir ein bisschen geholfen, die auseinanderzuhalten.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Weil Spanisch, wenn du Spanisch die ganze Zeit hörst und nur die... nicht festgetackerten Untertitel an die Personen festgetackert sind, sondern einfach unten stehen und nicht in verschiedenen Farben, wer spricht was, jetzt wann. Das geht in so einem Brei unter. Ja, absolut. Weil es auch keine Sätze sind, die Handlungen richtig viel vorantreiben, sondern die erste halbe Stunde besteht ja nur aus Floskeln. Ja. Und deswegen ist das so ein Brei, dass ich so schlecht, dass die Textur so zu einem Brei wird, dass ich schlecht folgen kann. Ja, absolut. Und deswegen hat mir das Deutsche auch geholfen ganz viel.
Florian Bayer: Seht uns nach, wenn wir teilweise ein bisschen mit den Namen kämpfen. Ich glaube, das wird in einem Film passieren.
Johannes Franke: Ich glaube aber auch, dass wir nicht von einzelnen Personen reden können groß, weil das ist eine Masse von Leuten. Und dann ist das die eine, die vielleicht gerade gespielt hat, Klavier gespielt hat und die andere, die am Ende doch sagt, wir müssen das nochmal nachstellen. Aber das war es dann auch. Mehr kriege ich nicht auseinander.
Florian Bayer: Es hilft ja auch nicht, dass der Film teilweise wirklich Beziehungen aufbaut, einreißt und neu aufbaut. Also ganz berühmt ist dieses Ding Christian und Leandro. Die werden sich am Anfang vorgestellt von jemandem, treffen sich offensichtlich zum ersten Mal.
Johannes Franke: Und dann wiederholt sich das dreimal?
Florian Bayer: Sie werden sich dreimal, dreimal treffen sie sich. Beim zweiten Mal treffen sie sich, als wären sie alte Freunde, unterhalten sich über Geschenke, die sie sich gegenseitig mitgebracht haben. Sie haben Angst davor, belauscht zu werden von anderen. Und beim dritten Mal werden sie sich vorgestellt. vorgestellt und sind so sehr kalt und distanziert sich gegenüber.
Johannes Franke: Die Reihenfolge weiß ich nicht mehr, muss ich sagen. Ich dachte, am Ende sind die ganz überschwänglich inzwischen durch so kalt, aber ich weiß es schon nicht mehr.
Florian Bayer: Aber es ist einfach merkwürdig, weil du siehst es und merkst, da stimmt was nicht. Das ist irgendwie schräg. Und das ist auch bei diesem Moment, wenn sie reinkommen und wenn sie dann nochmal reinkommen, du hast einfach diesen Störmoment, der dich wirklich rausreißt. Also ich fand das genial, aber ich fand es richtig krass. Das war so ein richtiger Schlag, so, oh scheiße, was ist da passiert? Bin ich eingenickt?
Johannes Franke: Was ist da los? Ist der Film kaputt? Also das, was Andy Kaufman auch gemacht hat. So Störgeräusche im Fernsehen drin, damit die Leute irritiert sind. Ne, das hatte ich aber nicht tatsächlich, weil ich sofort gesehen habe, ah, aha, so läuft der Hase lang. Und dann sagt er später, er hat ungefähr 20 Wiederholungen drin und ich finde sie nicht. Nein,
Florian Bayer: ich finde sie auch nicht. Also in Mondos Tischrede ist ziemlich offensichtlich.
Johannes Franke: Die ist noch offensichtlich und damit erschöpft es sich aber für mich schon, weil das andere sind auch Wiederholungen, wenn man so ein bisschen nachliest, die eher darauf abzielen, dass der eine was sagt und der andere genau das gleiche nochmal sagt. Das ist mir wiederum aufgefallen.
Florian Bayer: Das ist mir auch aufgefallen. Und noch nicht mal teilweise so aktiv aufgefallen, sondern so ein Gefühl von Moment, das habe ich doch vorhin schon mal von jemand anderem gehört.
Johannes Franke: Genau. Das finde ich auch total gut, aber eben im Deutschen viel besser.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil du es hörst. Im Spanischen kann ich nicht hören, ob das schon mal gesagt wurde.
Florian Bayer: Der Sound ist auch echt nicht gut im Spanischen. Das Original hat wirklich eine schlechte Tonabmischung.
Johannes Franke: Ja, und die deutsche Synchro ist halt auch aus einer Zeit, wo das auch noch nicht so richtig, richtig geil war. Also insofern, es macht nicht unbedingt Spaß, was den Sound betrifft, aber geschenkt. Aber ich finde, genau solche Sachen wie auditive Wiederholungen und so weiter machen im Deutschen dann halt einfach für mich... Dadurch, dass sie auch unbewusst wahrgenommen werden, viel mehr sehen.
Florian Bayer: Ja, werden wahrscheinlich einfach schneller gegriffen. Total. Es gibt so einige verstörende Momente in diesem Film, die irgendwie abstrakt rausreißen. Und das, obwohl der Film, wenn wir uns das magische Moment anschauen, hat der Film eine klare Struktur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es gibt einfach das Setup, wir sind jetzt eingeschlossen, wir können uns nicht erklären warum. Wir versuchen zu überleben und es wird schlimmer und schlimmer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und abgesehen davon, dass das halt wirklich so merkwürdig ist, dass es nichts gibt, was sie abhält, außer ihr Willen zu gehen, ist es halt wirklich so typisch, Menschen sind zusammen eingesperrt, kämpfen ums Überleben. Sie versuchen an Wasser zu kommen, irgendwann kommen diese Schafe zu denen, kommen wir gleich rein und dann werden die gegrillt natürlich, also man versucht an Essen zu kommen oder man isst Papier und auch ganz typisch, irgendwann geht man sich gegenseitig auf die Nerven, wird aggressiv gegeneinander, versucht irgendwie... Fluchtmöglichkeiten zu finden, so ein Stück Privatsphäre sich zurückzuholen. Es gibt Verletzte, es gibt Tote und so weiter. Das ist alles sehr klassisch.
Johannes Franke: Wenn wir schon bei klassisch sind, würde man ja eigentlich denken, dass der Film einem auch relativ klassisch bald sagt, worum es geht. Was ist das Thema des Films? Möchtest du mir das genau auseinandernehmen?
Florian Bayer: Also es ist natürlich nicht schwer, so ein großes symbolistisches Thema da reinzulesen. Wenn man das Grundset abnimmt, dann ist es natürlich die Bourgeoisie. die gefangen ist und in ihrem eigenen Saft brütet und die dann ihre dunklen Abgründe zeigt. Und es wird natürlich auch erklärt, weil es gibt ja auch sogar diese ganz klare Klassenkampfthematik, dass die Bediensteten alle nach und nach abhauen.
Johannes Franke: Dass die Ratten verlassen das sinkende Schiff, wird ja auch später nochmal gesagt. Und kleine Koinzidenz mit dem eigentlichen Titel der Kurzgeschichte, die sie eigentlich mal geschrieben haben, zusammen mit José Bergamin. die eigentlich hieß Die Schiffbrüchigen der Provenziastraße. Und die Schiffbrüchigen, da ist das schon mit drin, dass die Ratten das singende Schiff verlassen und dann das Schiff sozusagen so langsam wie die Titanic anderthalb Stunden lang versinkt. Ja. So. Und finde ich ein nettes Bild. Das ist ja ursprünglich, es wurde ja als Kurzfilm beziehungsweise erst mal Kurzgeschichte konzipiert. Und der Titel hatte sich ja dann nur geändert, weil es Ah nee, José Bergamin war der mit dem Titel, nicht der Autor, der das mitgeschrieben hat.
Florian Bayer: José Bergamin hat ein Theaterstück geschrieben, das der Würgerengel hieß.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Buñuel hat das einfach nur den Titel gelesen, beziehungsweise José Bergamin hat ihm davon erzählt und das Stück war irgendwie in der Mache. Und Luis Buñuel fand den Titel einfach nur geil und hat gesagt, wenn ein Theaterstück so heißt, dann würde ich das gucken auf jeden Fall. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und das war irgendwann in den 40ern oder so. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und dann 20 Jahre später, als er diesen Film gedreht hat, hat er sich daran erinnert und hat gedacht, ah. Vielleicht ist das der richtige Titel, hat bei Bergamin nachgefragt, wie sieht es denn aus mit deinem Stück und Bergamin hat gesagt, irgendwo in der Schublade.
Johannes Franke: Kann ich den Titel haben? Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Genau, und dann Bergamin hat gesagt, klar kannst du haben, das wird sowieso nie veröffentlicht werden. Es kommt wohl aus der Bibel, aus dem Buch der Offenbarung, da wird irgendwie der Würgeengel tatsächlich so. Also der Engel,
Johannes Franke: der gesandt wird, um auch zu morden, oder? Ja, genau.
Florian Bayer: Ich finde das Titel ganz spannend, passend und ich weiß gar nicht, ob das Bruno mit reingedacht hat. Der Engel ist natürlich eine positiv besetzte Gestalt. Der Engel ist der, der die Erlösung bringt, der das Wort Gottes bringt und so weiter. Und der Würgeengel ist diese gute Gestalt halt zu was Dunklem gemacht. Und wir haben dieses wirklich schöne, üppige Haus, diesen tollen Salon,
Johannes Franke: Reichtum. Also nicht nur der wütende Gott, sondern eben in dem Fall der mordende und brandschatzende Gott, denen es ja durchaus, gerade im Alten Testament, Zu Genüge gibt. Hauptsächlich.
Florian Bayer: Genau, und hier haben wir dieses himmlische, diesen Salon, der wirklich schön ist.
Johannes Franke: Ich gehe voll auf so Formal Living Room, Design und sowas.
Florian Bayer: Hätte ich Geld, hätte ich auch sowas. Und das dann aber zur Falle wird und wirklich zu einem schrecklichen Ort, an dem niemand sein will.
Johannes Franke: Und hier kommt aber auch schon das Erste, wo ich so ein bisschen zwiegespalten bin. Ich mag die Voraussetzung total, aber irgendwie Bin ich mir nicht so sicher und diese Beobachtung kommt vor allem aus der spanischen Version, die ich, wie gesagt, nicht richtig verstanden habe um 100 Prozent, weswegen ich die deutschen nochmal geguckt habe und sich das ein bisschen relativiert dadurch. Aber ich hatte so zwischendurch das Gefühl, es reicht mir irgendwie nicht, die Upper Class beim Essen zu zeigen, mit dem Finger drauf zu zeigen und zu sagen, guck mal, die haben teures Geschirr und wir haben keins, sondern man muss sich schon ein bisschen mehr Mühe geben und eine Absurdität vielleicht. Dann in Missverständnissen oder in gestellster Wortfindung oder in irgendwelchen Problemen, die sich dadurch ergeben, dass sie Upper Class sind, zeigen. Und irgendwie dachte ich so, ich kann mich auch einfach nur lustig darüber machen, wie sie sich unterhalten, aber dann weiß ich nicht. Ist ein low hanging fruit irgendwie zu banal. In der deutschen Version habe ich ein bisschen mehr Komplexität festgestellt, als ich im ersten Moment gesehen habe.
Florian Bayer: Oh, dass wir uns nicht falsch verstehen. Also ich glaube, das ist so ein großes symbolistisches Bild, was man da drauf packen kann. Aber ich finde, in dem Film stecken noch viel mehr Themen drin. Kleine und größere Themen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Aber ich habe mich halt vor allem eben erstmal auf dieses Thema gestürzt und dann so gedacht, ja, aber. Aber auch zum Beispiel, der Unterschied ist jetzt nicht groß zwischen Upper Class und Lower Class. Wenn Lower Class da eingesperrt wäre, würden die genauso verfallen wie die Upper Class. Also da gibt es keinen, das ist nicht, hier guck mal, die tun so als ob und dann sind sie doch nur Tiere, sondern wir sind alle Tiere am Ende, weil wir in so einer Situation sind. Also sagt das auch nicht wirklich was. Nein, der Unterschied ist, dass die Upper Class halt denkt, dass sie nicht so ist. Und die Upper Class ist ja auch in diesem Zustand,
Florian Bayer: also zumindest die bürgerliche Gesellschaft ist in diesem Zustand, weil sie so viel Wert auf ihre Sitzsamkeit, weil sie so viel Wert auf ihre Moral und vor allem auf ihre Sitten legt. Die Leute kommen ja nicht raus, weil sie es nicht schaffen zu sagen, wir müssen jetzt hier raus, wir brechen jetzt aus.
Johannes Franke: Weil niemand die Erlaubnis gibt zu sagen,
Florian Bayer: so und jetzt geht ihr schön nach Hause, traut sich halt auch keiner rauszugehen. Und stattdessen wollen sie lieber den Hausherren umbringen. Burn the witch. Anstatt, dass sie diese Vorstellung von wie man sich zu verhalten hat im öffentlichen Raum mal kurz beiseite lassen und einfach sagen, scheiß drauf, ich bin jetzt weg hier.
Johannes Franke: Aber am Ende... Ist sozusagen für mich nicht unbedingt die große Erkenntnis. Irgendwie macht mir der Film so, habe ich so das Gefühl, ja okay, das sind halt Menschen. Was soll's. Okay, die haben sich vorher vorgestellt, dass sie immer die destiguierten Menschen sind. Aber gut, das ist ein Witz für fünf Minuten. Dann sehe ich lieber dann Menschen dabei zu, wie sie eben einfach verzweifelt versuchen zu überleben. Aber dann hat das sozusagen nichts mehr mit der Upper Class zu tun. Nee, natürlich nicht. Letzten Endes ist der Film ja...
Florian Bayer: Ein Witz, der ganz katastrophal schief läuft, weil am Schluss lacht keiner mehr. Wenn die da sitzen und es gibt auch irgendwann den Moment, wo man das Gefühl hat, boah, wie das in diesem Raum stinken muss.
Johannes Franke: Boah,
Florian Bayer: was für eine Verzweiflung sich breit macht.
Johannes Franke: Dann entsteht ja auch tatsächlich sowas, so surreal das ganze Szenario ist und so abstrakt,
Florian Bayer: entsteht ja trotzdem auch sowas wie Empathie.
Johannes Franke: Du siehst diese Menschen und du hast Mitleid mit ihnen. Wobei man sagen muss, dass das von der Inszenierung her, dadurch, dass wir auch keine Spitzen haben, Weil wenn schon, wie wir gesagt haben, die Figuren nicht auseinanderhalten können, ist das eine... breiige Masse an Leuten, wo immer mal jemand was sagt und man aber nicht wirklich auseinanderhalten kann, wer war das jetzt eigentlich noch und was hatten die jetzt für eine Motivation oder sowas. Deswegen ist auch die gesamte Inszenierung und so ein kleines bisschen auf einer Gleichförmigkeit, die diese Empathie nur gerade so erreicht. Also schon auch, aber ich habe so das Gefühl, irgendwie ist es so abgeflacht, dass ich mit abgestumpft bin mit den Leuten und dann auch gar nicht mehr so viel Schock-Value da drin steckt, dass die jetzt sagen, wir müssen den umbringen. Na, was auf jeden Fall spannend ist, es gibt so grundsätzlich nur sehr trockene, sehr nüchternen... deine Inszenierung. Genau, genau.
Florian Bayer: Wenig Dramatik in der Inszenierung und dann gibt es ein paar Momente, wo das aufgebrochen wird. Also es gibt so ein, zwei Romantik-Szenen. Zum einen zwischen der Gastgeberin und ihrem Liebhaber. Zum anderen gibt es ja dieses junge Liebespaar, wo nicht so ganz klar wird, haben die sich gerade kennengelernt, beschlossen sich zu verloben und sind jetzt für ewig miteinander verbunden und dann töten sie sich. Da wird ja so sehr krass dieses Kitsch hochgezogen. Wärme will ich. Shakespeare-Ding und jetzt sterben wir zusammen. Und dann auch in diesen Visionen. Es gibt ja zum einen diesen Traum von der Frau, die die Hand zieht, das eiskalte Händchen, das nach ihr greift. Und zum zweiten gibt es nachher so eine sehr ausgedehnte Traumsequenz mit so Mönchsgesängen in der Nacht. Und dann haben wir diese Plänten, wo wir den Nachthimmel haben und die Gesichter von den Eingeschlossenen. Und wir haben in den Wolken so diese Köpfe. Und das wirkt ja so sehr visionär und sehr... Sehr aufgeladen in dem Moment und fast wie beim Andalusischen Hund auch dieses Spiel mit Bildern.
Johannes Franke: Wobei ich das schon gar nicht mehr so richtig im Kopf habe,
Florian Bayer: muss ich sagen.
Johannes Franke: Das eiskalte Händchen ja, die andere Vision weiß ich schon nicht mehr so genau.
Florian Bayer: Ich weiß auch nicht, wie viel das Vision war oder einfach nur Spiele, aber es ist auf jeden Fall so ein Aufbruch von dieser nüchternen Erzählweise. Die Erzählweise sonst ist radikal realistisch, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Also was da passiert, also klar, es gibt diese Störfeuer, diese Wiederholung. Aber ansonsten hält die Kamera einfach mal auf den Raum drauf und lässt die Menschen agieren. Und wie die Menschen sich verhalten, abgesehen davon, dass es komplett gaga ist, dass sie nicht raus können, ist ja auch durchaus realistisch. Es ist nicht so abwegig, dass ein junger Mann sagt, ich ertrage es gerade nicht mehr, wie diese Frau ihre Haare kämmt.
Johannes Franke: Obwohl der schon als unsympathisch inszeniert wird. Aber ich kann ihn trotzdem volle Kanne verstehen. Gut, kämmt ihr ihre Haare, ich setze mich vielleicht woanders hin, aber ich verstehe, dass jemand dann nach und nach über diese Tage, diese Wochen, die das Ganze ist, wirklich getriggert wird von einzelnen Aktionen von einzelnen Menschen. Diese Aktionen,
Florian Bayer: die sich aufbauen gegen die Außenwelt. Und dann haben wir ja wirklich ganz pragmatische, ganz realistische Handlungen, um zu überleben. Sie schlagen ein Loch in die Wand, um ans Wasser zu kommen. Voll clever. Der Butler ist Papier, absolut nachvollziehbar. Total,
Johannes Franke: ja. Der weiß wenigstens noch, wie es geht. Die anderen sind da nicht drauf gekommen.
Florian Bayer: Und dann fangen sie an, irgendwas Plain Game zu spielen. Wer ist schuld daran,
Johannes Franke: dass wir hier drin sind? Ich finde, das ist alles schlüssig und realistisch. Ja, absolut. Aber dadurch kommt auch so ein bisschen dieses Gefühl von, ja, erzählst mir jetzt nicht unbedingt was Neues über den Menschen. Das wissen wir irgendwie so ein bisschen. Aber es ist auch, muss man sagen, wir sind jetzt 2026 und wir haben jetzt... 150 Jahre Filmgeschichte hinter uns. Es hat viele Gelegenheiten gegeben, genau diesen Film nochmal zu machen. Ich denke nur an bestimmt 150 Star Trek Episoden. Absolut. Alle auf der Brücke eingeschlossen und dann geht's los.
Florian Bayer: Und andererseits trotzdem, wir haben es ganz am Anfang so begeistert gesagt und gleichzeitig ist es natürlich auch was, wo der Film dann drüber stolpert. Geschlossene Gesellschaft, ne?
Johannes Franke: Natürlich, klar.
Florian Bayer: 17 Jahre vorher. 1944.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und man hat das Gefühl, ja... Bruno L. hat Satre gelesen und Bruno L.
Johannes Franke: fand geschlossene Gesellschaft geil und hat nicht plagiiert, aber er hat sich bedient. Ich finde es aber auch nicht so schlimm, finde ich. Also was heißt er stolpert darüber? Es ist halt da. Es ist halt da. Es ist the elephant in the room. Aber ich finde es tatsächlich eine legit andere Version davon. Es gibt ja nun auch genug Neuverfilmungen oder neue Überarbeitungen von Stoffen. Das ist ja okay.
Florian Bayer: Was ich bei BWL wirklich geil finde und das ist jetzt so ein gänneres... generelles Urteil über Bonoelle, aber betrifft auch diesen Film, dass er es schafft, diese Szenarien zu erzählen und dann immer wieder Sachen einzubauen, wo du denkst, hä? Das ist zum Beispiel diese Wiederholung. Ja. Und die hat mich, also ich bin total begeistert davon, wie die mich am Anfang erwischt hat in diesem Film. Wirklich. Ganz großartig. Die hat mich so getrollt. Das ist wie wenn man auf einen guten Rickroll reinfällt. Ich weiß, das ist voll zehn Jahre alt oder 15 Jahre alt, aber trotzdem, Rickrolls waren mal ein tolles Ding. Wenn ihr nicht wisst, was ein Rickroll ist, googelt das Ding. Ist das wirklich witzig?
Johannes Franke: Und dann haben dich die Wiederholungen wahrscheinlich auch.
Florian Bayer: Aber dann waren die Wiederholungen so, dass ich gesagt habe, ja, ich kann das nehmen. Aber was mich voll erwischt hat, war der Anfang. Wenn die plötzlich wieder reinkommen. Die Wiederholungen, ne? Ja, total schräg. Das kam doch schon mal. Das hat mich echt erwischt, wie so ein guter Rickroll.
Johannes Franke: Krass. Ich weiß nicht, was ein Rickroll ist. Muss ich mal googeln.
Florian Bayer: Ja, googelt mal Rickroll. Also ich weiß nicht, eher so ein zehn Jahre altes Ding. Gibt es das überhaupt noch?
Johannes Franke: Ich hab keine Ahnung. Ich weiß nicht mal, was das ist, Flo.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall, die Wiederholungen haben mich voll erwischt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es sind auch ein paar andere Sachen, ne? Die Schafe.
Johannes Franke: Die Schafe.
Florian Bayer: Und der Bär.
Johannes Franke: Also die Schafe und der Bär. Gerade der Bär, wo sie explizit sagen, den haben wir als Unterhaltungsprogramm eingekauft. Aber es wird nichts mit diesem Bär gemacht. Der Abend geht vorbei und keiner der Gäste hat irgendwie mit diesem Bär interagiert oder irgendwas von diesem Bären gesehen. Na, die haben den Bär gesehen und haben Angst gehabt. Genau, aber es wurde nicht, es war nichts geplant. Der Bär war einfach da. Ja, ja. Irgendwas wollten die damit machen. Es gab doch bestimmt irgendwann mal irgendeinen Plan damit, dass die den dann tanzen lassen oder was. Dass er nicht außer bei tanzen könnte. Warum Schafe und Bär? Und warum die Schafe nachher nochmal? Die Schafe spielen ja offensichtlich eine große Rolle. Die Schafe laufen im Haus. Ja, ja, ja, ja. Das sind die Schafe Gottes. Die Schäfchen Gottes.
Florian Bayer: Das Lamm Gottes.
Johannes Franke: Und der Bär ist natürlich der russische Bär. Das ist die Sowjetunion. Das ist so Bullshit. Nicht mal im Ansatz. Nein. Natürlich nicht.
Florian Bayer: Wenn du einen russischen Bär machen willst, machst du nicht so ein kleines Bärchen.
Johannes Franke: Natürlich, damit du Putin ganz schön auf den Sack gehst. Das war ein bisschen vor Putin. Aber ja, also folgendes. Ich finde, in dem Moment, wo sie auftauchen, finde ich, machen sie genau das, was der Film braucht. Nämlich, dass ich einmal alle hasse, die diese beiden Sachen besorgt haben. Sowohl gedacht haben, wir müssen die Schafe herbringen, als auch gedacht haben, der Bär ist doch bestimmt eine lustige Abendunterhaltung. Ich hasse die Leute so instantly und das braucht der Film irgendwie auch.
Florian Bayer: Dabei ist Edmundo eigentlich, oder Eduardo Edmundo, der Gastgeber, ist ja irgendwie am ehesten noch Sympathieträger.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es ist auch eher seine Frau, weil die das ja auch sagt mit dem Bären, dass das irgendwie eine lustige Idee war. Und ich finde sie wirklich ganz, ganz dolle unsympathisch.
Florian Bayer: Ja, sie ist schwierig.
Johannes Franke: Ja, er hat sich, ich weiß nicht, ich habe ein bisschen Mitgefühl mit ihm.
Florian Bayer: Ja, er ist immer mit ihm am Segen und Knuddeln.
Johannes Franke: und ihm wünschen, dass er einen Bart nicht nur ankleben muss, sondern auch tragen will.
Florian Bayer: Schon ein bisschen den Navigator, oder?
Johannes Franke: Ja, ja, ja, total. Das Kammerspiel daran ist natürlich auch total großartig. Und man hat das Gefühl, so ein kleines bisschen auch ein Theaterstück vor sich zu haben. Ja, es ist voll Theater.
Florian Bayer: Die ganzen Vibes.
Johannes Franke: Weil diese Tür, über die sie nicht hinauskommen, irgendwie wie die Bühnenkante aussieht.
Florian Bayer: Das ist so Publikumsraum. Krass, ne? Absolut.
Johannes Franke: Ich mag es total.
Florian Bayer: Es fühlt sich auch manchmal fast wie so ein Bruch mit der vierten Wand an, wenn sie in dieses Nichts reinstarren und dann feststellen, da kommen wir nicht weiter.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass ich dort stehe in diesem Nichts und in den Raum reingucke. Kameratechnisch machen die das wirklich hervorragend.
Florian Bayer: Es gibt so einen geilen Moment am Anfang, wo sie sagen, let's go und dann gehen sie und dann drehen sie wieder so ganz abrupt um und machen irgendwas anderes, als ob das nie stattgefunden hätte. Ja,
Johannes Franke: krass. Das ist so ein bisschen die, vielleicht noch ein paar andere Interpretationen, was da eigentlich passiert. Gibt es Interpretationen dafür, die du kennst, die du gut findest, warum das passiert oder was überhaupt am Ende dafür sorgt, dass sie wieder dürfen oder können?
Florian Bayer: Also warum das passiert ist schon, wie ich gesagt habe, ich glaube dieses Ding, dass die gesellschaftlichen Konventionen so stark sind, dass die alles besiegen, selbst den Überlebenswillen. Das ist für mich die schlüssigste Interpretation. Ich weiß, das ist so eine sehr einfache, aber ich finde, die liegt einfach da und die liegt auch auf diesem Film. Deswegen fällt es mir auch schwer, diesen Film als surrealen Film zu bezeichnen, weil dieses Kernthema vom Symbolismus mir so eindeutig scheint. Warum sie das plötzlich lösen, wenn sie den Abend wieder nachspielen? Ich halte es für eine Trollerei. Es ist so absurd. Es ist wie in einem Kinderfilm. Ja, stimmt. Das ist wirklich so die... billige Lösung, auf die irgendjemand kommt, der so einen Deus Ex Machina braucht. Und es ist so naiv und so kindlich, dieser Gedanke, dass das funktionieren könnte. Und die Trollerei besteht natürlich darin, dass es total gaga ist und total absurd ist und dann aber trotzdem funktioniert.
Johannes Franke: Ich glaube, dass das Nachstellen an sich eine falsche Fährte ist. Aber das, was dann passiert, nämlich, dass die Leute sagen, so, und jetzt dürft ihr auch nach Hause gehen. Sie sprechen es ja wirklich aus.
Florian Bayer: Der Placebo-Effekt im Grunde genommen.
Johannes Franke: Und dadurch sagen jetzt alle, ja, jetzt hat es mir jemand erlaubt, jetzt kann ich aber auch gehen. Also das liegt ja so drunter. Was sich ja dann später in der Kirche einmal nochmal widerspiegelt. Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber da wird nicht am Ende Amen gesagt.
Florian Bayer: Ja, die ganze Kirchengesellschaft kann nicht raus, weil der Priester es nicht geschafft hat, seine Messe vernünftig zu Ende zu bringen.
Johannes Franke: Also darfst du noch nicht gehen. Und warum dann plötzlich so viele Schafe? Ist das jetzt die Christenheit, die da rumläuft? Es wird absurder, es wird noch absurder, weil... Die Schafe, die da reingehen, wir wissen, die werden sterben.
Florian Bayer: Die werden gefressen, ja.
Johannes Franke: Die werden gefressen. Und draußen ist Bürgerkrieg, Chaos. Also die Polizei hat auf jeden Fall auf Leute geschossen.
Florian Bayer: Die Leute werden abgeknallt.
Johannes Franke: Ja, das heißt, und die Schafe rennen dann weg, auch von der Polizei.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Ist das der Staat? der seine Schäfchen ins Verderben in die Kirche hineinscheucht. Ich dachte ja eher,
Florian Bayer: die offensichtlich gehört zu dieser Gefangenschaft dazu, dass sie zumindest mit Essen versorgt werden. Und in der ersten Gefangenschaft selbst spekulieren sie ja auch drüber, dass sie vielleicht die Letzten sein könnten. Die Welt geht unter. Sie sagen dann, oh Gott, vielleicht sind wir die letzten Überlebenden. Die Welt ist untergegangen und sonst ist niemand mehr. Und vielleicht ist das dann das, was wir letzten Endes in der Kirche sehen. Die Welt geht draußen unter. Aber die in der Kirche... Zwar gefangen, aber zumindest werden sie mit Essen versorgt. Sie sind quasi in einem goldenen Käfig von einem Würgeengel gefangen. Der bringt sie zwar langsam um, aber er kümmert sich auch ein bisschen um sie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Weiß ich nicht. Also ich glaube, der ist ein Film, der sehr zum Überinterpretieren einlädt und jede Überinterpretation klingt, aber wie eine schlüssige Interpretation. Ich finde es ganz spannend, dass wir diese Spiritualität außerhalb des Christentums haben, wenn die Frauen nämlich irgendwann anfangen Voodoo zu machen. Ja, stimmt. Ist das ein Hahnenfuß oder so in ihrer Tasche? Ja,
Johannes Franke: genau. Das sind ja zwei. Und wir sehen den Hahnenfuß das erste Mal, kurz bevor diese geschlossene Gesellschaft stattfindet.
Florian Bayer: Genau, wir sehen den sehr früh am Anfang und denken, hat sie da irgendein so ein okkultes Objekt in ihrer Tasche?
Johannes Franke: Und die zweite Interpretation könnte sein, dass sie das Ganze losgetreten hat. Aber das habe ich nicht genauer auseinandergenommen, weil ich gedacht habe, ach, das können wir gleich wieder verlieren. Aber interessant auf jeden Fall, dass das... zumindest etabliert, kurz bevor es passiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sie dann später versuchen, das Ding magisch einzusetzen, um das Ding, um den Bann zu brechen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was ja nicht funktioniert.
Florian Bayer: Nee. Dieser magische Bann, der scheint ja nicht besonders stark zu sein, weil wir sehen zumindest von draußen, wo auch niemand auch nur in die Nähe des Hauses gehen kann. Ja. Ein Kind schafft das.
Johannes Franke: Aber nicht weit.
Florian Bayer: Aber es schafft es weit. Die ganze Zeit etabliert uns der Film, dass es diese eine harte Barriere gibt. Und es gibt nicht ein Spektrum oder so, sondern da ist der Punkt, wo du nicht weiter kannst. Und das Kind schafft es da weiter. Und dann wird es sogar von den Erwachsenen ja auch so getrieben, vom Priester vor allem. Rein, rein, geh, geh, geh. Und bricht dann aber irgendwann auf halbem Weg zusammen und rennt wieder zurück. Aber es hat diese Hauptbarriere geschafft. Das heißt, es gibt so eine Fluidität. Und das Kind ist der Einzige, der diese Fluidität überhaupt wahrnimmt, weil sonst gehen alle von einer harten Grenze aus.
Johannes Franke: Ja, und ich habe das Gefühl, dass es ein kleines bisschen ein abgedroschenes Klischee ist, dass das naive... unbefleckte Kind das schafft. Also so dieses Ach, die Kinder sind unsere Zukunft, die Kinder sind diejenigen, die uns retten werden. Ja.
Florian Bayer: Es wird ja voll radikal aufgebrochen damit, dass das Kind sehr schnell diese gesellschaftlichen Konventionen begreift. Also wenn wir in dieser Hauptinterpretation bleiben, sehr schnell begreift, dass es hier gegen gesellschaftliche Konventionen verstößt, selbst wenn es dazu aufgefordert wird und das lieber nicht macht. Und dann entschließt es sich dagegen, wieder zurückzugehen. Finde ich ganz spannend als Variation, dass es halt nicht das unschuldige, naive Kind ist, sondern sehr schnell auch in dieser Sozialisation drin ist. Was mich wirklich, wirklich, wirklich komplett rausgerissen hat, waren diese Wiederholungen. Die am Anfang?
Johannes Franke: Das hast du jetzt schon ein paar Mal gesagt. Okay,
Florian Bayer: wir lassen den Gag. Oh, Flo. Wir haben einen Mann, der stirbt. Und der Arzt sagt als Metapher dafür, dass er stirbt, er wird... bald, also er verliert seine Haare. Und er sagt das ja auch nachher über eine Frau.
Johannes Franke: Ja, er sagt das erst über die Frau, die Krebs hat.
Florian Bayer: Erst über die Frau, die total an ihm rumbaggert.
Johannes Franke: Das heißt, es ist auch etabliert einmal, dass sie ihre Haare verliert, wird als Metapher benutzt dafür, dass sie bald sterben wird. Und er benutzt diese Metapher, die eigentlich nur zu ihr passt, dann später für den Typen, um das auch sagen zu können.
Florian Bayer: Und er erklärt es, er sagt es zu jemand anderem. Achso, er sagt zu ihr, glaube ich sogar. Ja, das ist das, was ich immer über Leute sage, wenn sie sterben werden. Das ist einfach mein Wort dafür.
Johannes Franke: Es scheint aber auch eine Art Konvention zu sein, sowas nicht auszusprechen, sondern das über Metaphern zu lösen.
Florian Bayer: Mein Bruder ist Arzt und der sagt, dass seine Patienten schlecht werden. Und ich zucke immer innerlich zusammen, wenn ich das höre, wenn ein Patient schlecht wird. Und du denkst dir, ja, es ist kein Joghurt,
Johannes Franke: dessen Haltbarkeitsdatum abläuft. Oh Gott. Was ist mit den drei Türen? Kennst du die Leute, die da drauf gemalt sind? Also ich habe es recherchiert, aber...
Florian Bayer: Bitte.
Johannes Franke: Aber du hast sozusagen jetzt keine Symbolik da drin oder sowas. Es gibt den Virgin Mary. Den Erzengel und einen Saint with a halo and a monastic robe.
Florian Bayer: Okay, einen Heiligen.
Johannes Franke: Ja, genau. Und der eine ist, da sind die Vasen drin, die sie dann als Toilette benutzen. Das ist so eklig. Es ist super ekelhaft, aber natürlich, was sollst du machen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Besser als in dem Raum das zu machen. Ja,
Florian Bayer: definitiv. Es ist logisch, du musst ein Klo etablieren und Gott sei Dank haben sie diesen Schrank.
Johannes Franke: Genau. Hinter dem zweiten ist der Körper von dem Toten dann irgendwann.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Bei der Virgin Mary. Und das Pärchen da, das sich dann irgendwann umbringt, das ist hinter dem Dritten, das ist hinter dem Monk.
Florian Bayer: Und ich habe das nicht so richtig gesehen. Ich dachte die ganze Zeit im Moment, haben die gerade die Leiche in den Schrank geworfen, in dem das Paar Sex hat?
Johannes Franke: Genau das Gleiche hatte ich auch. Ich hatte echt, ich habe nicht schnell genug kapiert, okay, das sind drei unterschiedliche Türen, das sind unterschiedliche Räume sogar, weil die so nah aneinander dran sind und die Räume wirklich sehr klein sein müssen dadurch.
Florian Bayer: Ich habe das als einen Raum wahrgenommen und dachte wirklich, das ist schrecklich. Die haben da gerade die Leiche reingeworfen. Wir wissen, das Paar ist da drin, um Sex zu haben.
Johannes Franke: Und am Anfang habe ich gedacht, die haben einfach einen weiteren magischen Raum etabliert, der einfach immer genau das ist, was sie gerade brauchen. Oh,
Florian Bayer: der Raum der Wünsche. Ja, ja, genau.
Johannes Franke: Irgendwie sowas. Aber das war es ja dann nicht. Tatsächlich drei unabhängige Räume und wenn man es interpretieren möchte, dann ist es einfach ein Witz auf die Figuren, die da drauf gemalt sind. Der Engel benutzt normalerweise keine Toilette, Virgin Mary stirbt nicht und hat eine Leiche hinter der Tür und der Mönch hat halt keinen Sex, wie das Pärchen.
Florian Bayer: Oh, das ist hart. Es gibt von Louis Bonheur das Gespenst der Freiheit. Das ist einer von diesen episodischen, surrealen Filmen, die er später gemacht hat. Und da gibt es eine Sequenz und das ist wirklich so ähnlich wie bei Monty Pythons Flying Circus und vor allem bei Monty Python Filmen, dass er so von Sequenz zu Sequenz geht und irgendwie so Übergänge hat, dass Figuren wieder auftauchen. Und dann gibt es eine Sequenz, wo sich eine Abendgesellschaft trifft zum Kacken.
Johannes Franke: Ah, fuck.
Florian Bayer: Da steht ein Tisch, also so eine Festtafel.
Johannes Franke: Okay, klingt nach Monty Python.
Florian Bayer: Und da stehen die Toiletten davor. Die Leute setzen sich dahin und kacken. packen und pinkeln und unterhalten sich währenddessen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann sagt ein Kind irgendwann so zu seiner Mutter, Mama, ich habe solchen Hunger. Und die Mutter sagt, so was sagt man doch nicht am Tisch. Okay. Und dann irgendwann sagt einer, oh, entschuldigen Sie mich bitte, steht von seinem Toilettensitz aus und geht in so ein kleines, so ein Powder Room, also so ein kleines Gästeklo. Das ist in dem Fall dann aber ein ganz, auch so wirklich so ein enger kleiner Raum wie ein Gästeklo, halt nur mit einem Stuhl statt einem Klo. Und? einem Schrank, glaube ich, wo ein Hähnchen drin ist. Und dann fängt er an, dieses Hähnchen schnell zu essen. Und dann würde er sich dabei schämen und dann klopft es an der Tür und er sagt, besetzt Und ist schnell fertig und geht dann wieder raus, um am Tisch wieder zu kacken. Das ist ein Comic, das hast du in zwei Panels erzählt. Es ist wirklich genial. Also ich mag Bonoel für sowas, aber es ist, um mal zu zeigen, wie Bonoel mit diesem Thema umgeht. Und das ist hier, hier hat er ja auch irgendwie so diese Thematik, was ist angebracht, was wird verborgen. Und wie abitur oder wie willkürlich ist das, dass etwas als gesellschaftlich konventionell gesehen wird oder dass etwas als totales Tabu gesehen wird.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Weil dieser Film spielt ja mit seinem Tabu. Wir haben dieses Sex-Thema, wabert irgendwie immer so im Raum.
Johannes Franke: Total. Sie sind ziemlich horny in einer bestimmten Phase des Films.
Florian Bayer: Es gibt einen Vergewaltigungsversuch. Ja, mehrere,
Johannes Franke: mehrere, genau. Und nicht nur zwei, glaube ich. Weil der eine Typ macht das zweimal, aber ich glaube, es ist noch ein anderer Typ dabei gewesen, der das auch irgendwie so nicht ganz, wo es nicht ganz eindeutig war, was er denn jetzt eigentlich vorhatte.
Florian Bayer: Dann haben wir dieses Liebespaar, das unbedingt Sex haben will die ganze Zeit. Die sollen ja eigentlich in fünf Tagen heiraten.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und die bringen sich dann ja auch irgendwann um, wahrscheinlich, weil das nicht so wirklich klappt oder so.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sie einfach diese Privatsphäre nicht finden, die sie unbedingt brauchen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir natürlich auch die Gastgeberin und Alvaro, also der beste Freund vom Gastgeber, Lucia. Und Alvaro, die eigentlich auch die ganze Zeit vögeln wollen und die am aufgebrachtesten sind, dass die Gäste nicht gehen, weil dadurch ihre Gelegenheit für ihre Affäre genommen wird.
Johannes Franke: Naja und der Typ, der ältere Typ, der sich da hinlegt und die Frau dann so ganz seltsam sagt, ja, ach, normalerweise ist er immer noch ganz fit. Wenn er nach Hause kommt, dann muss ich ihn noch ran. Wo man auch so sagt, oh ne, erzähl das doch nicht. Und wenn du hier ein Geständnis machen willst, dass du vergewaltigt wirst, weil sie sagt das so. Sie sagt manchmal, muss ich ihn zurückhalten. Wo man denkt, ah fuck, wer weiß, was da eigentlich alles passiert. Dann ja, also das war schon ziemlich horny der Film zwischendurch.
Florian Bayer: Ja, sehr schräg. Auch wie diese eine Patientin, die bald sterben wird, den Arzt überfällt und ihn abküsst, bevor sie von ihm gesagt kriegt, dass alles in Ordnung ist. Woraufhin er dann kurz zu jemand anderem sagt, dass sie sterben wird. Es ist schon schräg, wie die miteinander umgehen. Auch der Bruder und die Schwester. Es gibt dieses Bruder-Schwester-Paar, eine alte Schwester mit ihrem Bruder. Und die hängen ja auch irgendwie so zusammen, wo du das Gefühl hast, das ist nicht so ganz gesund, was die für eine Beziehung da haben.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Aber es wird nicht groß ausgesprochen.
Florian Bayer: Überhaupt nicht.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und das ist es, genau. Also es gibt diese Tabus, aber diese Tabus werden teilweise gebrochen. Also wie gesagt, wie die eine über Sexualität redet oder wie die eine einen Arzt, der kein Partner von ihr ist, abknutscht. Das sind so Tabus. Tabubrüche, die plötzlich stattfinden, die aber irgendwie merkwürdig sind, weil sonst alles so viel in diesem Rahmen von krassen gesellschaftlichen Konventionen abgehandelt wird. Also eigentlich ist es ja eine Gesellschaft, die sich komplett durch ihre Tabus ernährt. Und die reden dann ja auch übereinander. Sie reden ja über diese eine, wo sie sagen, die ist eine Jungfrau oder so. Und da ist die Walküre und sie lässt dann über die Gäste, die anwesend sind. Also die gesellschaftlichen Konventionen scheinen eine sehr große Rolle zu spielen. Und dann gibt es trotzdem diese radikalen Tabubrüche.
Johannes Franke: Auch, dass der Gastgeber Drogen da hat. Stimmt. Aber das hat er lange verheimlicht. Das hätten die früher gebrauchen können. Aber so kann man gut zeigen, wie sich das langsam zerbröckelt, diese Oberfläche. Oh mein Gott, Flo, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo Nein, shit Ganz schnell, damit wir zurückfinden Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance?
Florian Bayer: Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever. Was uns total helfen würde ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes Mir ist Stanley Kubrick in den Kopf gekommen, der seine Schauspieler so, so lange und immer wieder, wieder, wiederholen ließ, bis sie total fertig waren mit den Nerven.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dadurch hoffte, eine echtere Reaktion zu bekommen, ein echteres Schauspiel zu bekommen, weil diese ganze Oberfläche, dieses ganze... Der ganze Widerstand, den man als Schauspieler angeblich hat, das war so seine Vision davon, der ist gebrochen und das ist ungefiltert rauskommt vom Unbewussten direkt ins Spiel. Das war seine Vision davon. Und was wir hier im Film sehen, ist auch so ein bisschen diese Entwicklung. Du hast eine Oberfläche und dann bist du so zermürbt am Ende, dass du zwangsläufig viel, viel ehrlicher und sehr viel durch die Erschöpfung schon, du hast keine Kraft mehr, deine Oberfläche zu. darzustellen. Und das ist vielleicht auch Teil der Salvation am Ende, dass sie raus können, dass man das Gefühl hat, irgendeine Entität, irgendeine Macht oder irgendein inhärentes Ding hat gesagt, Leute, ihr habt nur mit Oberfläche zu tun die ganze Zeit. Ich will, dass ihr jetzt einfach mal so lange zusammenbleibt, dass ihr so erschöpft seid, dass ihr euch ehrlich sagt, Mensch, das war richtig gut gespielt auf dem Klavier, vielen Dank. Du meinst,
Florian Bayer: die Höflichkeit ist es, dass die dann raus... Und nicht Schöflichkeit, sondern das ehrliche Lob.
Johannes Franke: Das ehrliche Lob. Und nicht das, so und jetzt spielen sie das und das. Und ach, das haben sie aber ganz toll gemacht. Sondern wirklich zu sagen, das hat es echt gebraucht, vielen Dank. Und ich bin echt erschöpft, können wir jetzt bitte nach Hause gehen. Das ist voll interessant,
Florian Bayer: weil am Anfang, wie sie über dieses Klavierstück reden, nachdem sie gespielt hat, sie loben das ja. Aber so ganz merkwürdig. Und der Gastgeber sagt dann noch. Und eigentlich hat ein Instrument gefehlt. Ja, genau. Ja,
Johannes Franke: ja, Cliffy Chamberlain und so, das hätten sie nehmen sollen. Und er sagt, das macht ja genau das Problem auf, dass er sagt, weil sie sagt, sie ist müde, sagt er, der Abend hat doch gerade richtig angefangen. Und dadurch wird auch nochmal diese Erwartung von allen geschürt, so zu bleiben und zu machen und so. Und aber eben nicht auf ehrliche Art und Weise, sondern eben aus Höflichkeit.
Florian Bayer: Den Schein waren.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Deswegen lachen ja auch alle über den Diener, der hinfällt, als er das Tablett... trägt und es ist für alle ein großer Spaß, obwohl da gerade echt was Unschönes passiert ist.
Johannes Franke: Weil man keine ehrliche Reaktion geben kann. Das war auf jeden Fall interessant. Ich muss aber sagen, bei der spanischen sowieso und dann auch bei der deutschen ein bisschen abgeschwächt, man muss viel drüber nachdenken, um auf so viele Themen zu kommen, die da drin stecken. Ich habe das nicht währenddessen alles so... Es ist viel entstanden in der Auseinandersetzung damit. Viele solche Themen. Und oft sitze ich während des Guckens da und denke mir, ja, aber wo will das jetzt eigentlich hin? Und was ist das eigentlich? Vor allem, weil er so geradeaus erzählt ist und mir eben gar nicht so viele Rätsel aufmacht, sondern dieses eine große Rätsel. Und dann denkt man sich, aber da muss da ja noch was drinstecken und noch mehr sein.
Florian Bayer: Ich habe eine andere Reaktion drauf, die ist aber ähnlich tatsächlich. Ich habe so das Gefühl, es ist relativ früh gesagt, was das große Bild ist, das dieser Film entwirft. Es gibt ja sehr früh diesen Punkt, wo wir wissen, okay, sie kommen warum auch immer nicht raus, weil sie es nicht schaffen. Und dann ist es vor allem, es gibt dann einfach so einen Moment der Anstrengung, weil es sehr viele Menschen sind, die, wie wir schon festgestellt haben, sich sehr ähnlich verhalten, sehr merkwürdig verhalten teilweise. Und das wird sehr nüchtern erzählt und dadurch gibt es so eine Ermüdung. die bei mir einsetzt. Das, was du gerade gesagt hast, was auch bei den Gefangenen einsetzt. Es gibt so eine Ermüdung und es gibt so eine Erschöpfung. Die sorgt aber dafür, dass ich dann ab einem gewissen Punkt fast schon auf so eine hypnotische Art und Weise da drin bin. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Und das ist dann ja auch der Moment, interessanterweise, wo die Traumsequenzen reinkicken. Die kommen nämlich wirklich spät.
Johannes Franke: Ja, stimmt, stimmt.
Florian Bayer: Und dann ist das wieder so ein Moment, wo du denkst, wow, bin ich jetzt wirklich so abgetrifftet, dass also natürlich weiß ich, dass das in dem Film passiert und dass der das macht, aber es trifft dich. Trotzdem, wenn dann plötzlich diese Hand da rumläuft nach 60 Minuten Film.
Johannes Franke: Darf ich kurz ein Geständnis machen? Ich bin eingeschlafen zwischendurch.
Florian Bayer: Bist du? Krass.
Johannes Franke: Weil diese hypnotische Wirkung tatsächlich massiv reingekickt hat bei mir. Und ich war nicht besonders spät oder sowas. Ich gucke die Filme meistens so 19.30, 20 Uhr oder sowas. Und dann sind die zwei Stunden lang.
Florian Bayer: Gute Zeit für Filme.
Johannes Franke: Und das ist vollkommen in Ordnung. Aber ich bin bei dem Film zweimal weggeratzt. Krass. Ja, interessant.
Florian Bayer: Ich finde, also ein Lob für eine gute Massage ist ja auch, dass man währenddessen einschläft. Ich finde, der Film hat das auf jeden Fall und das ist nichts Schlechtes. Der hat dieses Hypnotische und der hat dieses Repetitive und das zieht dich dann irgendwie so rein, aber es lässt dich auch wegdriften. Ich bin nicht eingeschlafen bei dem Film, aber weggetrifftet bin ich mit Sicherheit. Und gerade auch so mit dieser Anstrengung, wie du schon gesagt hast, du hast diese Stimmen im Raum, die so ein Matsch sind und dann musst du dich noch konzentrieren, die Untertitel zu lesen. Und dann hast du das Gefühl, okay, und das... Haben sie das nicht schon eben gesagt? Okay, das brauche ich vielleicht nicht nochmal zum dritten Mal zu hören. Dann hat das so eine sedierende Wirkung. Ich glaube, ich finde es nicht verkehrt und das finde ich wiederum ist ganz nah dran am klassischen surrealen Film, weil diese sedierende Wirkung hat sowas wie Achére Andalou oder das Blut eines Dichters auch.
Johannes Franke: Gerade weil das Assoziative einfach so reinkickt. Obwohl dieser Film nicht so wahnsinnig assoziativ ist. Aber irgendwie dieses Gefühl trägt er trotzdem mit sich. Spannend. Darf ich mal eine ketzerische Frage stellen in eine andere Richtung? Ja. Wenn du nicht willst, dass dein Film verstanden wird, warum macht man ihn dann? Also er sagt ja eindeutig, also der Autor sagt, nein, ich will nicht, dass ihr da rein interpretiert. Und auch keinen Sinn irgendwie groß oder irgendwelche Erklärungsmuster. Natürlich ist es... teilweise prätentiös und teilweise so das Gefühl von, ich bin jetzt der Künstler und ich sage euch, nein, ich will nichts, es soll nur sein, um des Seinen Willens. Aber warum, warum wirklich? Was ist der Sinn dahinter? Ist das wirklich nur prätentiös und man sagt eigentlich, ja komm, interpretier mich, interpretier mich oder was ist?
Florian Bayer: Ich glaube, ich gebe ihm auf jeden Fall den Punkt, dass Filmgenuss natürlich mehr sein kann, als was zu verstehen. Wenn du, keine Ahnung, wenn du... aktuellen Marvel-Film guckst, dann willst du den ja auch nicht verstehen, sondern dann lässt du dich berauschen von den geilen Bildern, von der Action und so weiter.
Johannes Franke: Aber da gibt es auch nicht viel zu verstehen. Das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Ja, aber ich will sagen, in meinem Film gibt es auch nicht viel zu verstehen. Ja,
Johannes Franke: aber das stimmt ja nicht. Er tut ja nur so.
Florian Bayer: Oder wir tun so. Vielleicht hat er auch einfach Recht. Nein, gibt ihm nicht Recht. Also dieser Gedanke so la pur la, dass ein Kunstwerk auch einfach da sein kann, um irgendwie die Gefühle anzusprechen, um irgendwie so einen artypnotischen Zustand zu erzeugen.
Johannes Franke: Dann sind wir bei Yellow Submarine.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist ja auch eine Art Kunst.
Johannes Franke: Auf jeden Fall, das will ich nicht absprechen.
Florian Bayer: Aber es ist natürlich voll schwer bei so einem Film, wo man das Gefühl hat, dass der Symbolismus offensichtlich dasteht. Und wenn du halt Anfang der 60er Jahre einen Film hast, in dem ganz eindeutig Besitzbürgertum gezeigt wird, einen Film zu dem, den du im armen Land gedreht hast und dann wird gezeigt, wie die Bediensteten abhauen und dann hast du noch zwei, drei religiöse Bilder. Alter, was erwartest du? Natürlich interpretieren die Leute an deinem Film rum. Natürlich,
Johannes Franke: klar.
Florian Bayer: Und bei Yellow Submarine machen das die Leute aber auch. Also wenn du Yellow Submarine guckst, siehst du auch diese ganzen psychedelischen Bilder, wo John Lang gesagt hat, nee, nee, das sind einfach nur Farbrausch. Aber du sagst, ah, Moment, da erkenne ich doch die Virgin Mary. Und wenn du Lucy in Sky mit Diamond hörst, gehst du halt auch nicht davon aus, dass es um eine Frau heißt, die Lucy heißt und die plötzlich anfängt zu schweben und da Diamanten um sich herum hat.
Johannes Franke: Ja, ich, ja. Ich weiß bloß nicht, was sich davon halten soll, das zu sagen. Zu sagen, nee, mein Film ergibt keinen Sinn. Vor allem so einen Film zu haben und das zu sagen. Und dann frage ich mich, ja, aber warum dann? Du hast ja eine Motivation, du willst sie bloß nicht sagen. Ja, vielleicht.
Florian Bayer: Aber das ist doch auch okay. Also das kann ich auch nachvollziehen, wenn jemand sagt, ich habe meine Interpretation.
Johannes Franke: Aber dann sei ehrlich und sag, nee, ich bin zwar der Künstler, aber frag mich nicht nach dem Sinn, sondern ich behalte das schön für mich. Ich habe mein Ding. Das ist wie, wenn du in einer Galerie stehst und dann ist so ein Jackson Pollock vor dir und direkt daneben steht Jackson Pollock. Und du fragst ihn, was willst du mit diesem Bild sagen? Dann sagt der möglichst, wenn er gut ist, jeder hat seine eigene Interpretation, ich habe meine, mach du dir dein eigenes Bild.
Florian Bayer: Aber sagt er das nicht quasi nur ein bisschen prätentiöser?
Johannes Franke: Ja, aber prätentiöser und das nervt mich.
Florian Bayer: Naja, gut. Ich kann das total gut verstehen, den Gedanken, den Künstler hat zu sagen. Ja, ich habe vielleicht meine Idee, meine Interpretation, aber ich bin so gespannt darauf, was das Publikum reinliest, weil das mir mein Kunstwerk ja auch nochmal erweitert.
Johannes Franke: Genau, dann bist du vielleicht der Regisseur von Donnie Darko, der dann sagt, hier interpretiert diesen Film, dann interpretieren die Leute und er sagt, nein, das meine ich einfach anders. Ich habe hier ein Buch geschrieben und ich habe einen Directors Cut und ich habe eine Webseite, wo es alles nochmal erklärt wird.
Florian Bayer: Und wenn du die Erklärung gelesen hast. Jetzt denkst du, was für ein Kackfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich will meine unschuldige Interpretation zurück. Ich will das, was ich gesehen habe. Ach. Also so wie Bruno L. drauf war mit diesen ganzen anarchistischen Vereinigungen, in denen er war. Mit diesen ganzen linken Kreisen, in denen er sich rumgetrieben hat. Ja. Und mit diesen Filmen, die er später gemacht hat, die ständig übers... das Bürgertum spotten. Es ist ziemlich schwer, diesen Film als was anderes zu lesen, als eine Satire auf die Konvention des Besitzbürgertums. Tut mir leid, Louis. Vielleicht hast du mehr gedacht, vielleicht hast du was anderes gedacht, vielleicht hast du gar nichts gedacht, aber...
Johannes Franke: Roger Ebert hat noch was gedacht.
Florian Bayer: Was hat Roger Ebert gedacht?
Johannes Franke: Roger Ebert hat das vor allem auf diesen Faschismus gesehen. Dass die Faschisten das Volk einmal schön unterdrückt haben, sich jetzt zu einer Party zurückziehen und feststellen, oh, wir sind ganz schön alleine und hier passiert eigentlich gar nichts mehr Gutes. Weil wir alle anderen ausgesperrt haben.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob die, die wir hier sehen, so als Sinnbild des Faschismus taugen.
Johannes Franke: Ich weiß es auch nicht.
Florian Bayer: Der Faschismus, den sehen wir am Ende auf der Straße, wenn die Leute erschossen werden.
Johannes Franke: Jaja, das auf jeden Fall. Das würde ich auch sagen.
Florian Bayer: Aber die, die hier gefangen sind, das ist ja eher so ein Bildungsbürgertum, das auch relativ nett mit seinen Bediensten umgeht.
Johannes Franke: Muss man auch dazu sagen. Und ich auch die ganze Zeit schon gedacht habe, ja, aber eigentlich haben sie dir auch nicht wirklich was getan. Ich bin noch nicht so sicher. Ich habe ein bisschen zu viel Mitleid vielleicht mit den Leuten. Oder habe ich genug? Mitleid? Ich weiß es nicht ganz genau. Irgendwie ist es dann auch nicht so eindeutig. Es ist kein sehr schwarz-weißer Film.
Florian Bayer: Nee. Ich finde, es sind auch, also es sind nicht komplette Unsympathen, die wir hier sehen.
Johannes Franke: Wobei, also die Tiere da zu haben, ist schon ganz schön... Das ist wirklich schräg. Das ist schon echt mies. Und die eine Frau, die da in dem Zug den Unfall hatte und da sehr kalt drüber redet, fand ich auch ein bisschen, wow, okay, wow, da willst du wirklich, die willst du nicht sympathisch haben, die Frau.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und so. Aber da waren auch... durchaus dreidimensionale Charaktere dabei, beziehungsweise die Masse wurde dann dreidimensional, dadurch, dass es unterschiedliche gab. Naja, egal. Ich finde allerdings, muss man schon sagen, der Film gewinnt vor allem auch durch die Auseinandersetzung damit, indem man rausfindet, wer Bonoel war, was der für Filme gemacht hat, diese ganze Bourgeoisie-Sache und so. Wenn man sich damit ein bisschen auseinandersetzt, finde ich, kann man mit dem Film mehr anfangen als ohne.
Florian Bayer: Ich finde, der Film gewinnt... Man muss überhaupt nicht über Bruno Elvis wissen, um diesen Film zu genießen. Ich finde, der gewinnt vor allem dadurch, dass man einfach drüber redet und sich drüber Gedanken macht. Und man kommt auch nicht drum herum, oder? Also ich gucke diesen Film und ich muss drüber nachdenken. Und dann wächst er auch, während ich drüber nachdenke.
Johannes Franke: Also ich hatte auch ein langes Gespräch danach mit meiner Freundin, natürlich. Spannender Film. Vielen Dank. Wollen wir noch in unsere Top 3 rübergehen? Absolut,
Florian Bayer: wir brauchen noch unsere Top 3.
Johannes Franke: Wir haben eine Top 3. Ich habe gedacht, schaffen wir es, Filme zu finden, die ein magisches Element haben, die sozusagen die Grundlage für den Film bilden. Und dann ist der Rest des Films aber sehr realistisch inszeniert, was dieser Film ja quasi macht. Bis auf so ein paar Traumsequenzen oder sowas.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hast du genug gefunden? Weil du warst ein bisschen unsicher, ob du es schaffst. Ja,
Florian Bayer: ich glaube, ich habe drei ganz gute Sachen gefunden. Und ich habe eine... Honorable Mention oder ich weiß nicht, ob es nur Honorable Mention oder Dishonorable Mention ist. Ich weiß nicht, wie ich diesen Film fand. Das ist total merkwürdig, weil ich habe diesen Film zwei Tage, bevor du mir das Thema gegeben hast, habe ich diesen Film geguckt.
Johannes Franke: Oh, okay. Zum ersten Mal?
Florian Bayer: Ja, zum ersten Mal. Das ist auch ein relativ junger Film. Und seitdem ich diesen Film geguckt habe und wie gesagt, von einer Woche haben wir festgelegt, dass wir über den Würgeengel reden. Das heißt... Und so vor drei, vier Tagen habe ich diesen Film jetzt gesehen und ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken. Und ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, ob ich ihn gut oder schlecht fand. Und eine Stephen King-Verfilmung auch noch. The Life of Chuck aus dem Jahr 2024. Nicht gesehen, keine Ahnung. Kein Horrorfilm. Stephen King und ich kann, ich will auch nicht spoilern. Es ist nämlich so ein Ding, wenn du spoilerst, was das magische Element ist, machst du den Film kaputt. Und ich glaube, das ist ein Film, den du lieben würdest.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Aber ich weiß nicht, wie ich den Film finde und manchmal habe ich das Gefühl, das ist ein genialer Film. Und dann denke ich, was für ein kitschiger Scheiß.
Johannes Franke: Vielleicht muss ich mir das raus im Podcast.
Florian Bayer: Vielleicht. Es ist auf jeden Fall interessant. Ich bin absolut froh, dass ich diesen Film gesehen habe. Aber ich kann mich nicht entscheiden, ob es kitschiger Scheiß ist oder ein guter Film. Ganz merkwürdig.
Johannes Franke: Dann mag ich ihn bestimmt.
Florian Bayer: Ja, ich bin ziemlich sicher, dass du diesen Film mögen wirst. Es gibt nämlich auch einige Szenen, die du einfach nur geil finden wirst. Magst du Tom Hiddleston?
Johannes Franke: Ist okay, ist ein guter Schauspieler.
Florian Bayer: Der spielt die Hauptrolle in diesem Film. Aber mein Platz 3 ist Takashi Miike. Ich konnte endlich mal wieder Takashi Miike nennen. Und zwar Dead or Alive. Aus dem Jahre 1999. Ein ziemlich, ziemlich, nicht traditionell, ein Mieke. Ihr habt Kusa-Action-Film, düster, brutal, hart und ich will das Ende nicht spoilern, aber es gibt einen gewissen Moment, wo man sagt, ah, und jetzt hat sich die Realität verabschiedet.
Johannes Franke: Okay. Aber ist das die Basis des Films im Nachhinein? Nee. Doch, vielleicht. Nein, oh. Ich habe auf Platz 3, scheiße, ich habe sie noch nicht sortiert und ich habe auch nicht so viel. Muss ich die Art? Hilft. Ich nehme Woody Allen, obwohl ich Woody Allen so ein bisschen versuche, tot zu schweigen, weil mir das irgendwie, ich weiß nicht, seltsamer.
Florian Bayer: Warte mal, wie war dieser Gag mit, eine prominente Persönlichkeit,
Johannes Franke: die in den Epstein-Files auftaucht, aber nie die Tochter betrogen hat, DZ geheiratet hat. Und dann ein Bild von Woody Allen. Oh man. Okay, ich habe Selig auf der Liste. Selig geht, es geht um einen Mann, der ein Chamäleon quasi ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist das magische Element und der Rest ist wie ein Dokumentarfilm gedreht. Er passt sich immer an die Gruppe an, in der er gerade ist. Ja. Und er hat dann halt auch 1 zu 1 Gespräche mit einer Psychologin und wird dann halt zum Psychologen. geil. Großartig. Und wenn er mit Rabbis zusammensteht, dann wird er zum Rabbi. Und ihm wachsen tatsächlich Peis und so weiter, diese ganzen Haarsachen und er wird optisch zu demjenigen, mit dem er zu tun hat. Und ich finde diese Voraussetzung so wahnsinnig geil. So eine lustige Idee. Und auch wirklich ganz, ganz tolle, lustige Ideen drin in der Umsetzung.
Florian Bayer: Dann gib mir diesen Film nochmal. Wir haben schon mal, wo die Endfilm besprochen ist, sowieso verloren. Wir haben schon dem Publikum gesagt, dass es... Das ist, wo die Ellen gucken muss und man muss auch, wo die Ellen gucken. Ja, wo die Ellen. Schwierige Person, tolle Film. Mein Platz 2 ist, du magst den Film nicht, aber ich mag ihn, das siebte Siegel von Ingmar Bergmann. Das übernatürliche Element ist, dass der Kreuzritter, unser Protagonist in diesem Film, spielt die ganze Zeit gegen den Tod Schach und der Tod will ihn holen. Ein absolutes Meisterwerk. Johannes hat ihn nicht verstanden, war komplett überfordert. Großartiger Film, fantastische Bilder. Tolle Story, viel Symbolismus, Meisterwerk.
Johannes Franke: Okay. Ich hätte auf Platz 2 ein magisches Element, das natürlich den ganzen Film bestimmt. Und der ist irgendwie sehr normal. A Ghost Story.
Florian Bayer: Ah, ein Geist.
Johannes Franke: Er wird halt zum Geist mit einem Laken über dem Kopf und Löchern für die Augen.
Florian Bayer: Und sie schaffen es, das zu machen, ohne dass es lächerlich wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Den ganzen Film über ist der Geist so dargestellt. Der größte Klischee-Geist. Gespenst, das man sich vorstellen kann.
Johannes Franke: Aber so faszinierend geil dann dadurch. Und er steht einfach nur in seiner Wohnung und beobachtet, wie seine Freundin weiterlebt und was noch alles in diesem Haus passiert und was dann in ferner, ferner Zukunft passiert, aber auch was in Vergangenheit passiert ist. Er ist irgendwie so in der Zeit an diesem Ort gefesselt als Geist und das ist wahnsinnig spannend und nur dieses eine magische Element führt dazu, dass wir das überhaupt alles sehen können und der Rest ist halt ganz normal inszeniert.
Florian Bayer: großartiger Film. Habe ich dir irgendwann sehr früh gegeben in der Anfangszeit unseres Podcasts.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ganz am Anfang. Und ich finde ganz toll und ich habe auch das Gespräch als sehr, sehr gut in Erinnerung. Ja,
Florian Bayer: das ist unser ganz frühen Gespräch, als wir noch zwei Filme pro Episode gemacht haben. Mein Platz 1, es ist ein großes Ensembletrama und viele Menschen und alle haben irgendwie miteinander Kontakt und dann doch nicht wieder Kontakt und Star besetzt und dann regnet es Frösche. Ich liebe Magnolia, Magnolia ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Und es gibt dieses eine surreale Element und der Film rechtfertigt das auch irgendwie, indem er sagt, naja, wir erzählen einen Film, in dem gezeigt wird, dass Dinge einfach passieren. Und wenn Dinge passieren, dann kann auch mal sowas wie ein Froschregen passieren und mit biblischer Gewalt alles davon spülen, was wir da vorher im Film gesehen haben.
Johannes Franke: Toller Film. Ich habe auf Platz 1, ich weiß gar nicht, warum er auf Platz 1 gelandet ist, weil so richtig gut fand ich ihn gar nicht. Aber ich finde, dass diese Voraussetzung für den Film irgendwie ganz, ganz... cool ist, einen großen Raum aufmacht, einen sehr großen Raum aufmacht, nämlich Stalker. Oh,
Florian Bayer: aber ich weiß gar nicht mehr. Ich weiß nicht, ob du Tarkovsky magst. Wir haben über zwei Tarkovsky-Filme geredet und ich kann nicht sagen, ob du ihn magst.
Johannes Franke: Aber Serkalo war ganz gut, oder?
Florian Bayer: Serkalo ist ein fucking Meisterwerk. Aber ich weiß nicht mehr, ob du Serkalo mochtest.
Johannes Franke: Ich mochte, glaube ich, ziemlich viel davon. Und ich glaube, ich war einfach sehr angestrengt davon.
Florian Bayer: Ja, du rechtest es, Tarkovsky.
Johannes Franke: Aber ich glaube, ich mochte den schon ganz gerne. Und Stalker... Da habe ich mich ein bisschen komplett gefühlt, dagegen zu gehen.
Florian Bayer: Ja, weil wir zu dritt waren. Wir waren zu dritt. Zwei Leute, die begeistert waren.
Johannes Franke: Zwei Leute begeistert und ich so zwischendurch gedacht habe, ja, oh, Kunst, Kunst. Aber an sich ist er schon interessant. Und zwar diese mysteriöse Zone, in der irgendwie die Physik nicht mehr so funktioniert, wie sie eigentlich funktioniert.
Florian Bayer: Aber es wird überhaupt nicht gezeigt, was das Magische ist. Es ist irgendwie auch gar nicht so richtig.
Johannes Franke: Es ist nur dieses Gefühl von... Das ist ein Gerücht, dass das diese Zone ist. So dieses berüchtigte, fast schon märchenhafte, da soll etwas sein. Und da soll man dann in der Mitte dieser Zone seine tiefsten Wünsche erfüllt bekommen oder sowas. Du hast da so ein magisches, metaphysisches Ding. Und das fand ich tatsächlich spannend, weil das eben diese Reise rechtfertigt und die da irgendwie durchgehen und gucken, ob man da jetzt wieder was anfangen kann mit dieser Zone oder nicht.
Florian Bayer: Er hat total... Cool, also super spannender Film, wie gesagt, ich weiß nicht, es gibt so einige Filme, die wir gesehen haben, über die wir geredet haben und wo ich weiß, also gerade so klassische Arthouse-Filme, wo du so sehr, wo du auch Begeisterung gezeigt hast, aber dich auch die ganze Zeit während der Episode kritisch drüber geäußert hast und nach dem Gespräch haben wir 90 Minuten drüber geredet und ich denke, oh cool, danke, dass wir drüber geredet haben. Ich habe keine Ahnung, wie du zu diesem Film stehst.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und ich glaube, nach diesem Gespräch wird es mir genauso gehen.
Johannes Franke: Ich wollte genau das gerade sagen. Das ist genau das, was diesen Film beschreibt. Lass uns zurück gehen in diesen Film. Oder hast du noch einen Platz 1? Du hattest doch noch keinen Platz 1, oder? Doch, Magnolia. Magnolia, genau.
Florian Bayer: Und damit zurück und zu einem Fazit. Und du musst mir jetzt als Fazit eine Punktzahl von 1 bis 10 sagen, damit ich weiß, wie du diesen Film fandst.
Johannes Franke: Das ist wahnsinnig schwer.
Florian Bayer: Nein Ich will eine 1, eine 2, eine 3. Ich will mit Komma. Ich will 3,5 oder 7,5. 9,5 meinetwegen. Aber gib mir eine Punktzahl.
Johannes Franke: Okay. Danke,
Florian Bayer: Johannes.
Johannes Franke: Es ist ein surrealer Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also gebe ich dem Ganzen eine Blau, Rot.
Florian Bayer: Nehme ich.
Johannes Franke: Viel besser und viel nachvollziehbarer als alles,
Florian Bayer: was du bisher über ähnliche Filme gesagt hast. Okay,
Johannes Franke: gut. Danke. Und du?
Florian Bayer: Ich nehme eine Rot, Blau.
Johannes Franke: Na toll.
Florian Bayer: Also ich finde, das ist ein absolut sehenswerter Film. Ich finde, das ist nicht der beste Film von Bonoel, aber er zeigt ganz gut vielleicht so einen Übergang vom klassischen Surrealismus zu politisch... radikalerer Kunst. Naja, das ist Bullshit. Streichen Sie das bitte. Wir fangen nochmal neu an mit dem Protokoll. Es ist ein sehr guter Film. Er hat was Sedierendes. Er ist anstrengend. Es ist echt schwer, Personen auseinanderzuhalten. Und man kriegt nicht jedes Detail mit. Und jetzt kann ich überhaupt nicht erklären, warum ich trotzdem sage, es ist irgendwie ein total interessanter Film und ich bin total froh, den gesehen zu haben.
Johannes Franke: Es ist ein total interessanter Film. Die Prämisse Hält vielleicht auch in einem Kurzfilm aus. Also man könnte auch einen Kurzfilm draus machen. Aber es ist einer der wenigen Filme, wo ich nicht böse bin auf den Filmemacher, dass er eine 5-Minuten-Idee auf anderthalb Stunden gestreckt hat. Oder noch länger. Ich weiß gar nicht, wie lange ist der Film.
Florian Bayer: Ja, ich glaube so anderthalb Stunden. Der Film braucht die Zeit auch, finde ich.
Johannes Franke: Ja, also insofern, ich glaube auch. Und ich finde es total spannend und ich bin zwischendurch schon ein bisschen geschafft und so. Und wie gesagt, beim ersten Mal guck ich in zweimal, bin in zweimal weggepennt. Aber tatsächlich, ich finde die Grundidee so gut. Und so spannend und dieser Umgang und dieser Brei, der entsteht durch diese kaum unterscheidbaren Leute, finde ich total interessant.
Florian Bayer: Ja, cool. Ich habe keine Ahnung, wie du den Film fandst, aber vielen Dank, dass du mit mir drüber geredet hast. Schön.
Johannes Franke: Ferdi,
Florian Bayer: danke für diesen tollen Vorschlag. Danke, dass wir endlich einen Bono-Elf-Film hier besprechen konnten. Es wird nicht der letzte Bono-Elf-Film sein.
Johannes Franke: Ferdi, kannst du uns vielleicht noch schreiben, wie du den Film überhaupt wahrgenommen hast und was du darin siehst, ob du den Faschismus darin siehst oder was auch immer?
Florian Bayer: Und ihr da draußen schreibt uns auch und schreibt uns, wie ihr einschätzt, wie Johannes den Film fand, damit ich vielleicht verstehen kann, wie Johannes den Film gefunden hat. Also interpretiert quasi unser Gespräch beziehungsweise Johannes Position während des Gesprächs.
Johannes Franke: Muss ich uns noch erlauben, dass wir die Episode beenden oder kriegen wir das auch so hin?
Florian Bayer: Weiß ich noch nicht genau. Wir müssen zumindest, wir müssen den gesellschaftlichen Konventionen.
Johannes Franke: Willst du noch einen Tee plor?
Florian Bayer: Oh ja, bitte. Den gesellschaftlichen Konventionen dieses Podcasts müssen wir uns fügen und sagen, Leute, vielen Dank fürs Zuhören. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, dann wird es keinen Publikumswunsch geben, sondern einen Film von Johannes.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann bleibt noch kurz dran.
Johannes Franke: Und hört euch noch den Jingle an.
Florian Bayer: Ansonsten wird immer geil, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank fürs Mitdiskutieren und Mitdabeisein und Kommentieren auf Spotify und so. Wir gehen wahnsinnig gerne mit euch ins Gespräch und freuen uns darüber, wie ihr die Filme findet und was ihr so für Lieblingsfilme habt, die wir vielleicht mal besprechen sollten.
Florian Bayer: Schickt uns weiter Vorschläge.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: In diesem Sinne habt eine tolle Woche und Bis nächstes Mal.
Johannes Franke: Bis zum nächsten Mal.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
Johannes Franke: So, Floor, es gibt da noch was für dich.
Florian Bayer: Oh ja, ich bin sehr gespannt. Was gibt es denn?
Johannes Franke: Ich gehe in eine völlig andere Richtung. Wir müssen mal wieder ein bisschen Highlife und ein bisschen hier richtig Spaß. Und zwar mit The Big Lebowski. Oh, großartig. Oh, und voll spannend auch, weil... Weil?
Florian Bayer: Ich liebe die Cones natürlich.
Johannes Franke: Na, die Cones, ja klar.
Florian Bayer: Und ich liebe natürlich auch diesen Film. Aber ich glaube, er ist nicht in meiner Top-Five-Cone-Filme.
Johannes Franke: Und deswegen ist es voll spannend. Na toll. Ich habe tatsächlich das Gefühl gehabt früher, dass das ein bisschen zu sehr Dudes gucken.
Florian Bayer: Ja, das ist definitiv ein Dudes-Film. Und so auch Ende der 90er, ne? Dieselben Dudes, die auch Fight Club mögen und Zeit Fiction, aber Filme, die wir auch mögen.
Johannes Franke: Ja, und dann würde ich jetzt wahnsinnig gerne nochmal gucken. was der Film einem gibt, wenn man da ein bisschen rausgewachsen ist eigentlich aus dieser Phase.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall spannend.
Johannes Franke: Ja, ich find's total interessant. Lasst uns den gucken, The Big Lebowski. Ihr da draußen, guckt den auch gerne nochmal, damit wir gemeinsam darüber reden können und damit ihr nicht verloren seid, während wir richtig in den Deep Dive gehen. Trinken wir White Russian für diese Episode? Ja, mindestens. Und wir machen vielleicht eine Top 3 Drinks.
Florian Bayer: Was braucht man denn für White Russian? Milch. Nee, nicht Milch, eigentlich Sahne, ne? Ja,
Johannes Franke: aber da gibt es unterschiedliche Philosophien für.
Florian Bayer: Und ich muss dazu sagen, ich finde den White Russian, wie der Dude ihn trinkt, so mit Milch und mit Eiswürfeln und so einem großen Glas, finde ich tatsächlich geiler als dieses Klassische mit diesem, das ist so ein Champagner, nicht Champagner, so ein breites Champagnerglas, glaube ich,
Johannes Franke: eigentlich. Ich weiß nicht. Keine Ahnung, auf jeden Fall, wenn man einen bestellt, wird man gefragt, was man haben möchte, weil die haben ja beide Varianten meistens dann. Wirklich, ich hatte das Gefühl,
Florian Bayer: man wird meistens nicht gefragt. Und wenn man so einen Trink erwartet, wie der du den hat, dann ist man enttäuscht, weil man dann plötzlich doch einen sehr...
Johannes Franke: Okay. Ich dachte, die Leute haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass man sich beschwert, wenn man nicht den richtigen bekommt. Und was der richtige ist, ist halt bei jedem anders.
Florian Bayer: Wir trinken nächste Woche bei der Aufnahme, trinken wir White Russian. Hast du Wodka hier?
Johannes Franke: Irgendwie kriege ich das hin. Wir schaffen das. Okay, perfekt.
Florian Bayer: Alles klar. Guckt euch den Film an und wir freuen uns auf nächste Woche. Bis dahin. Ciao. Ciao.
