Episode 278: Amadeus – Oder: Die Ermordung des Wolfgang Mozart durch den Bösewicht Antonio Salieri
Bei einem Film der Amadeus heißt, würde man davon ausgehen, dass man sich einen dreistündigen Wikipedia-Artikel zum Leben von Wolfgang Amadeus Mozart anschauen muss. Dass es sich aber viel mehr um eine von Fakten unbeirrte psychologische Betrachtung von Mozarts Kontrahenten Antonio Salieri handelt, überrascht und ist der eigentlich Geniestreich. Salieri schließt als Jugendlicher einen Pakt mit Gott, dass er sein Talent diesem in den Dienst stellt, so lange er ihn zum großen Musiker macht. Dieser Pakt endet, als Salieri dem Wunderkind Wolfgang Amadeus begegnet und feststellen muss, dass diesem alles zufällt, was er sich so schwer erarbeiten musste.
Er schwört Gott ab und beschließt diese liederliche Kreatur – wie er den großen Komponisten nennt – zur Strecke zu bringen. Wir sehen also Mozarts Leben durch die Brille des neidischen und rachsüchtigen Antonio… der nicht so ganz dem historischen Komponisten Antonio Salieri entspricht, dafür aber einer der größten Schurken der Filmgeschichte ist.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 278: Amadeus – Oder: Die Ermordung des Wolfgang Mozart durch den Bösewicht Antonio Salieri Publishing Date: 2026-04-29T06:28:02+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/04/29/episode-278-amadeus-oder-die-ermordung-des-wolfgang-mozart-durch-den-boesewicht-antonio-salieri/
Florian Bayer: Leopold Mozart, der seinem fünfjährigen Sohne Geige in die Hand drückt und ihn da ein bisschen drauf rumquetschen lässt und dann sagt Das ist ein Wunder, Kind! Lasst es uns durch Europa ziehen! Roll it!
Johannes Franke: Oh nein, Klo! Oh, oh, oh, Amadeus!
Florian Bayer: Ich hab auch noch was Zweites da, pass auf!
Johannes Franke: Was ist was Zweites?
Florian Bayer: Ja, Achtung!
Johannes Franke: Ja, ja, ja, lass uns froh sein! Und eigentlich wollte ich das als Einstieg bringen. Leck mich im Arsch, Floor! Was haben wir für einen geilen Film heute!
Florian Bayer: Leck mich im Arsch! Ich bin voll gespannt auf dieses Gespräch! Wir reden heute über den einzigartigen, den einzigen, den großen Wolfgang Amadeus Mozart! Und zwar in der Milos Forman-Version aus dem Jahre 1984. Amadeus, der bekannteste Mozart-Film ohne jeden Zweifel.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Wollen wir gleich anfangen mit einem Einstiegstext, den ich zusammengeklöppelt habe, damit ihr alle wisst, worum es geht und wir dann direkt in Medias Res gehen können, weil ich habe den Verdacht, diese Episode wird lang. Durchaus möglich. Leg los! Genauso wie dieser Film. Bei einem Film, der Amadeus heißt, würde man annehmen... ...dass man sich drei Stunden einen filmischen Wikipedia-Artikel zum Leben von Wolfgang Amadeus Mozart anschauen darf. Dass es sich aber vielmehr um eine von Fakten unbeirrte psychologische Betrachtung des Kollegen Salieri handelt, überrascht und ist der eigentliche Geniestreich des Films. Ja, wir sehen Mozart. Ja, wir erleben das Genie und das Chaos dieser Figur. Aber vor allem erleben wir Salieris Neid und seinen Weg in den Wahnsinn. ...dass er in der Jugend einen Pakt mit Gott, oder vielleicht unwissentlich mit dem Teufel, geschlossen, dass er Gott musikalisch hochpreisen und Zölibatär leben wird, um dafür zum bekanntesten und talentiertesten Musiker zu werden. Sein ganzes Leben setzt er auf diese Karte. Das klappt auch, bis Mozart an den Hof kommt und ihm zeigt, wie mühelos und scheinbar ohne harte Arbeit, fast schon nebenbei, er geniale Musikstücke schreibt. ...und scheinbar ohne harte Arbeit, fast schon nebenbei, er geniale Musikstücke schreibt. Und schwört, diese Kreatur, wie er sie nennt, zu zerstören, was ihm schlussendlich auch gelingt. Wir sehen Mozarts große Errungenschaften aber immer durch die Linse Salieris, der am Ende seine Rolle als mittelmäßiger Künstler annimmt und seine Umgebung als Schutzpatron der Mittelmäßigkeit salbt. Der Film schafft es, uns Gefühle für diesen armen, verirrten Mann zu entlocken, vor allem, weil wir seinen Neid irgendwie... ...verstehen können. Und dennoch, Plor, haben wir hier in dieser Filmversion von Salieri nicht einen Incel der Wiener Klassik vor uns?
Florian Bayer: Also wir haben hier... Oh, ich habe übrigens Mozart-Kugeln dabei. Das Mozart-Kugeln? Nein, wie geil ist das denn? Warum hast du nicht die Salieri-Kugeln genommen, um deine Frage gleich zu überspringen? Oh, ist das schön. Aber du kannst sie jetzt nicht essen, weil das sind wirklich so die unhandlichsten Pralinen überhaupt. Wenn du davon eine isst, wirst du den Rest der Folge nicht mehr reden können und das wollen wir nicht. Deswegen leg sie ganz vorsichtig zur Seite. Nein, nein, nein, das Risiko gehe ich ein. Und stopf sie dir nachher in den Mund. Ich werd sie mir zwischendurch in den Mund stopfen und du musst raten, wann.
Johannes Franke: Jeder wird erkennen, wann. Magst du Mozart-Kugeln? Ich habe keine Ahnung. Ich habe wahrscheinlich vor 30 Jahren das letzte Mal eine gegessen als Kind irgendwann, weil jemand gesagt hat, du musst das mal probieren.
Florian Bayer: Ich habe eine Tante, die ich sehr mag. Und irgendwann habe ich gesagt, ich finde Mozart-Kugeln cool. Vor allem, glaube ich, wegen dem Äußeren, wegen dieser schönen goldenen Hülle und wegen diesem Bild von Mozart. Ja. Und ich mochte Mozart-Kugeln dann aber irgendwie gar nicht. Oh, ja. Und als ich sie gegessen habe, war so dieses typische Kinderding geil, sieht irgendwie verlockend aus. Ja. Und dann habe ich die probiert und die hat mir nicht geschmeckt. Und sie hat mir immer Mozart-Kugeln geschenkt zum Geburtstag und so weiter. Und ich habe mich nicht getraut, ihr zu sagen, dass ich keine Mozart-Kugeln mag.
Johannes Franke: Oh nein, oh nein, oh nein.
Florian Bayer: Weil sie dachte, sie hätte diese eine Süßigkeit gefunden, die ich abgöttisch liebe. Um auf deine Frage zurückzukommen. Ja, wir haben hier natürlich einen übergroßen Schurken vor uns. Und ich stimme dir vollkommen zu, die Genialität dieses Films liegt vor allem darin, dass er uns diesen Schurken in den Mittelpunkt rückt. Ja. Und zwar ein... Einen absolut übersteigerten Schurken. Ja. Also Salieri, der sich ja so zum Mittelmaß erklärt, als Schurke in diesem Film ist er das Gegenteil davon. Er ist der größte Schurke, den man sich vorstellen kann, bis hin zum Übergöttlichen. Ich meine, er duelliert sich mit Gott, er verbrennt das Kreuz mit Jesus. Wow. Er schwört Gott seine ewige Feindschaft. Er ist der total überhörte Schurke. Und dennoch ist er ein Schurke, mit dem wir in irgendeiner Form mitfühlen können. Ja, das finde ich so krass. Und das ist tatsächlich interessant. Und ich weiß gar nicht, ich dachte ja, wir steigen mit dem Elephant in the Room ein, dass dieser Schurke natürlich nichts, nichts mit dem historischen Salieri gemein hat. Und noch viel schlimmer, dass dieser Mozart eher nichts, aber auch wirklich gar nichts mit dem historischen Mozart überein hat. Also so gar nichts stimmt auch nicht ganz. Doch, pass auf. Stell dir zwei Menschen vor. Ein Mensch weiß nichts über Mozart. Ja. Ein Mensch hat als Primärquelle für sein Wissen über Mozart diesen Film. Ja. Ich würde behaupten, der Mensch, der nichts über Mozart weiß, weiß mehr über Mozart als der Mensch, der diesen Film gesehen hat. Nein. Und bei diesem Urteil bleibe ich.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt. Wir haben ja beide auch ein bisschen über Mozart recherchiert. Ja, ich habe viel über Mozart und über Salieri recherchiert. Und über Salieri. Darüber werden wir reden müssen. Ich möchte darauf insistieren, auf mein Urteil des Incel zurückzukommen nochmal. Ja, weil... Incel. Fiel mir kurz bevor du gekommen bist, fiel mir das so auf, dass ich dachte, fuck, Alter. Das, was wir heute als Incel bezeichnen, was eigentlich eine Abkürzung für involuntary celibate, also unfreiwillig zölibetär ist. Er ist ja freiwillig zölibetär. Genau, ganz großer Unterschied. Aber die eigentlichen Eigenschaften, die mit diesen Menschen verbunden werden, sind schon sehr deckungsgleich, muss man sagen. So ein Anspruchsdenken, also dieses Entitlement. Ja. So der feste Glaube daran, dass Liebe, Sex, Erfolg, all diese Sachen, dass sie einem einfach zustehen, wenn man sich nur richtig, in Anführungszeichen, also in deren Welt richtig verhält. Und dass das, wenn man sich an die Regeln hält, dann muss man aber auch das alles bekommen. Und diese Schuldzuweisung an die Gesellschaft, an das System und so, dass mein Leben gerade nicht so läuft, also legt es an allen anderen Leuten und so. Ja, und Hass vor allem, und das ist ganz wichtig in diesem Fall. Auf Leute, denen das einfach zufliegt und die sich gar nicht so nach den Regeln verhalten, wie sie selber sich das auferlegt haben.
Florian Bayer: Ich finde das auf jeden Fall einen total interessanten Ansatz, das zu übertragen, auf diese Stereotype unserer Zeit. Ja. Ich glaube, es trifft es nicht, weil ich glaube, es wird diesem Salieri in dem Film überhaupt nicht gerecht, wenn du ihn als Insel bezeichnest. Weil Insels sind wirklich arme kleine Würstchen und wirklich so Menschen, die das L auf der Stirn geschrieben haben. Und das ist dieser Salieri, auch wenn er die ganze Zeit damit kokettiert, dass er dieser mittelmäßige Versager ist. Im Vergleich zu Mozart, das ist er nicht. Er ist viel zu stark und viel zu übermenschlich und seine ganzen Kabalen, die funktionieren alle. Ja, ja, ja. Und er ist, ich finde den groß und diese Größe, die er sich selbst nicht zugesteht, weil er macht sich ja selbst klein die ganze Zeit, wenn er sich mit Mozart vergleicht. Diese Größe, die er hat in diesem Machiavellistischen, in diesem Intriganten, die hebt ihn deutlich ab von so armen Würstchen, die sagen, Frauen sind scheiße, weil ich keinen Sex haben kann.
Johannes Franke: Ja, ich glaube bloß, dass das der Begriff von Insel ist. Weil vielleicht jetzt ein bisschen arg klein in deinem Kopf ist. Das erstreckt sich vielleicht doch noch ein bisschen auf was Größeres und auf ein bisschen mehr. Oder ist es halt der erfolgreiche Insel? Ich weiß es nicht genau. Aber ich fand es wirklich bemerkenswert, wie dieses Konzept, was wir heute eigentlich haben, damals durchaus ein bisschen auch zu finden ist.
Florian Bayer: Ich finde, dieser Machiavelli hat auch viel von einem Disney-Villen. Also ich denke zum Beispiel an den Klöckner aus Notre Dame. Da gibt es ja den Priester, der auch so leidenschaftlich ist und etwas will und das nicht haben kann. Und deswegen mehr und mehr zur dunklen Seite gezogen wird. Und wenn ich mich richtig erinnere, auch tatsächlich so dämonische Pakte eingeht. Und das hat er halt auch, dieses Dämonische, dieses Übergroße. Also natürlich spätestens dann, wenn er in dieser Verkleidung auftritt, in diesem Totenkostüm, wo er den Vater von Mozart spiegelt. Aber auch schon davor, wie gesagt, wenn er das Kruzifix ins Feuer wirft und zu Gott sagt, von nun an sind wir Feinde. Das hat so was Erhabenes. Ja, absolut. Es hat was Episches. Absolut. Ja, F. Mary Abraham, der vollkommen zu Recht, im Gegensatz zu Tom Holtz, den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen hat in diesem Film, spielt das mit einer Gravitas, die kaum zu packen ist. Und ich würde behaupten, es ist einer der größten Bösewichte in der Filmgeschichte überhaupt.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Und das Krasse ist, wir haben vor, bevor wir den Film nochmal gesehen haben, schon darüber geredet, ob nicht Salieri in letzter Zeit irgendwie eine Umdeutung erfahren hat und ob das nicht irgendwie so war, dass heute der Film anders wahrgenommen wird und Salieri gar nicht der große Bösewicht ist. Und das habe ich die ganze Zeit im Kopf gehabt, während ich geguckt habe und habe die ganze Zeit gedacht, nee, nee, das ist schon der richtige Bösewicht. Das ist schon, da gibt es keine andere Möglichkeit, das zu deuten. Es ist nur so, wenn man dann in die Geschichte guckt, dann findet man natürlich einen völlig anderen Salieri vor. Ja, armer Antonio Salieri. Was hat dieser Film dem Menschen angetan? Er kann es nicht mehr mitbekommen, alles in Ordnung. Es ist lang genug her. Man kann nicht sagen, too soon. Es ist einfach, du hast alle Freiheiten. Es ist mir vollkommen wurscht.
Florian Bayer: Es ist wirklich krass, aber wir müssen diesem historischen Antonio Salieri ein gewisses Stück Gerechtigkeit geben. Und ich weiß, das macht jeder. Also alle Leute, die sich mit Klassik auseinandersetzen, mit klassischer Geschichte und irgendwie über Antonio Salieri reden, sagen so, lasst uns über den Elephant in the Room reden. Antonio Salieri war nicht der Mann, der Mozart umgebracht hat. Und vor allem war Antonio Salieri auch nicht dieser neidische, mittelmäßige Komponist, der mit bösen Augen auf Mozart geschielt hat.
Johannes Franke: Ja. Wobei ich glaube, dass der Film auch nicht sagen will, dass er wirklich der mittelmäßige Komponist ist. Nein, er ist ja der Einzige, der Mozart versteht. Natürlich.
Florian Bayer: Das macht ihn ja auch so groß, dass er der Einzige ist, der dieses Genie anerkennt und sieht, was für eine Genialität dahinter steckt. Wobei das natürlich an der Wahrheit auch wiederum vorbei ist. Alles in diesem Film geht an der Wahrheit vorbei. Wenn wir nachher reingehen in diesen Film und wir müssen über Hyperfiktion und Fiktionalität reden, es ist so viel daneben. Ich finde, dieser Film ist ein Musterbeispiel darin, wie ein Film Geschichte komplett neu schreibt, wenn mich jemand fragt, kannst du Fake News definieren, sage ich, guck dir Amadeus an. Also wirklich, alles an diesem Film ist Fiktion. Es ist wenig, wenig, wenig Realität da.
Johannes Franke: Wobei die Autoren der ganzen Sache über die ganze Geschichte dieser Geschichte hinweg alle gesagt haben, das ist nur, das ist erfunden, Leute. Wir versuchen hier nicht, Anspruch auf Realität zu erheben, sondern wir wollen eine Meditation über den Neid quasi. Ja. Und das fängt schon damit an, dass die Leute damals, nachdem Salieri, der wahre Salieri, so ein bisschen, man sagt so, Alzheimer hatte und auch dem es eine Weile nicht gut ging, nachdem er 70 Jahre lang relativ gut gelebt hat, sich das Alter bemerkbar machte und er dann in einem Krankenhaus angeblich sagte, ich habe Mozart umgebracht. Citization needed.
Florian Bayer: Citization needed, genau. Und das werden wir sehr oft sagen bei Sachen. Es gibt viele Leute, die mit dem Sterben... Die mit dem Sterben in Salieri zu tun hatten, die Steine auf Beinen schwören, sagt man das so? Ich weiß nicht, ich habe mich zu viel mit Wienern beschäftigt. Es klingt wie was, was ein Wiener sagen würde, dass er das nicht getan hat, dass er das nicht gesagt hat. Und es gibt sogar die Geschichte, dass er einem seiner Schüler gesagt hat, ja, es gibt ja diese Geschichte davon, dass ich Mozart umgebracht haben soll. Alles Bullshit. Ja, genau. Bitte bring das wieder in Ordnung. Bitte sag den Leuten, dass das völliger Quatsch ist. Antonio Salieri. Hast du Salieri ein bisschen gehört? Ich habe Salieri nicht gehört, tatsächlich. Ah, interessant. Ich habe nämlich Salieri auch ein bisschen gehört, neben Mozart. Und ich muss sagen, mein Wiener Klassikwissen und meine musikalische Grundausbildung ist extrem schwach. Das heißt, ich habe nicht viel Bezug zu klassischer Musik und ich kann sagen, was ich mag und was ich nicht mag. Ich kann es aber nicht in Worte fassen. Und es gibt ja dieses Narrativ von Mozart, der genial war und der halt Sachen gemacht hat, die total neu waren. Wenn ich Mozart und Salieri-Kompositionen nebeneinander höre, ich höre das nicht. Den Unterschied hörst du nicht. Ich höre den Unterschied nicht. Okay, ja. Aber das kann absolut auch daran liegen, dass ich einfach kein Klassikexperte bin. Deswegen finde ich das total schwierig. Ich kann sagen, dass mir Salieri so gefällt wie Mozart und dass das für mich alles einfach so, es fällt für mich einfach so in diesen Bereich Wiener Klassik. Ich höre irgendwie die Epoche raus, bilde ich mir ein. Ja. Ich bilde mir ein, dass ich, wenn ich Haydn und Mozart und Salieri und Beethoven meinetwegen auch noch höre, dass ich merke, das ist irgendwie Musik 19. Jahrhundert Wien, äh 18. Jahrhundert Wien. Ja, ja, ja. Und dann hört man das so ein bisschen auf. Auf mein Verständnis. Das heißt, wenn es um die Einschätzung von der musikalischen Größe geht, muss ich mich einfach zurückhalten. Ja, wobei es ja durchaus einen großen Unterschied zwischen Mozart und Beethoven gibt. Ja, aber ganz ehrlich, wenn es jetzt nicht die bekannten Stücke sind, weil ich weiß natürlich, dass die neunte Symphonie von Mozart ist und ich weiß, dass die kleine Nachtmusik von Beethoven ist. Wenn es nicht die bekannten Stücke sind, ich kann mir vorstellen, dass du mir zwei Stücke spielst von diesen beiden Komponisten und ich nicht sagen kann, welches von welchem ist dabei. Ja, okay. Weil die haben ja auch alle voneinander gelernt. Aber es war ja... Es war ja jetzt nicht so, dass die sich so krass unterschieden haben, sondern die haben ja, die haben sich ja inspirieren lassen gegenseitig, die haben voneinander gelernt, nicht abgeguckt, sondern das war einfach, das war einfach eine Schule.
Johannes Franke: Wobei ich doch, also vielleicht ist es nur mein Eindruck und ich habe nicht neulich in Beethoven reingehört, aber mein Eindruck aus der Vergangenheit, aus dem Gedächtnis ist, Beethoven ist viel strenger, viel formaler, viel, viel, viel weniger verspielt als Mozart.
Florian Bayer: Ja, aber dann hört ihr doch mal zum Beispiel dieses... Das Requiem an, was hier sehr prominent in den Filmen ist, das könnte genauso gut von Beethoven sein. Und wie gesagt, ich sage es als Laie. Ich finde jetzt nicht, dass das nach dem lustigen, verspielten Mozart klingt, sondern das klingt schwer und pathetisch und groß und einnehmend.
Johannes Franke: Ja, wobei ich immer noch das Gefühl habe, dass die Instrumentierung doch vielfältiger ist als bei... und weniger formal. Aber das, also, ne, da sprechen zwei Leute, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.
Florian Bayer: Nimmt das auf jeden Fall mit, so ein bisschen als Disclaimer. Für alles, worüber wir jetzt reden, wir sind nicht die großen Klassikexperten. Das heißt, wir können euch keine Symphonien auseinandernehmen und keine Opern. Ja. Und Antonio Sajeri war ein extrem angesehener Musiker zu seiner Zeit. Absolut. Und meiner Meinung nach auch zu Recht, wenn man ihn heute hört. Das sind wunderschöne Symphonien, die er geschrieben hat, das sind interessante Opern, die er geschrieben hat. Ja. Und er wurde auch anerkannt zur damaligen Zeit und danach. Und dann irgendwann hat der Nationalismus hart reingekickt, dazu kommen wir auch noch. Mhm, mhm. Wien, er war der Hofkomponist von Kaiser Josef II. Genau. Wien war die Szene, in der man damals sein musste. Mhm. Er war einer der Innovatoren, was deutsche Musik betrifft. Er war nämlich einer der Ersten, die deutsche Opern aufgeführt haben. Das wird in diesem Film komplett falsch erzählt. Sajeri war einer von denen, die gesagt haben, ne, lasst uns doch mal auf Deutschmusik machen. Er hat sich sehr mit Wien und mit der deutschen Oper identifiziert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und im Gegensatz zu Filmen, hat er natürlich geheiratet.
Johannes Franke: Er war verheiratet. Er ist ja Helferstorfer, 1775 hat er sich geheiratet und hatte acht Kinder mit ihr.
Florian Bayer: Es wird über ihn gesagt, dass er akzentfrei Deutsch sprach. Oh, akzentfrei sogar. Ja, dass er wirklich so lange in Wien war, dass er irgendwann wirklich diese deutsche Identität angenommen hat. Wie gesagt, er hat Opern auf Deutsch geschrieben. Und er galt... Er war Italiener, ne? Er war Italiener, genau. Und er galt als unglaublich geselliger Mensch, als lustiger Mensch, als jemand, mit dem man gerne abgehangen hat. Mhm. Und er war auch nicht umsonst in allen möglichen Ämtern. Ah, nee, er sprach nicht akzentfreies Deutsch, Entschuldigung. Er sprach nicht akzentfrei. Er sprach sehr viel Deutsch, er sprach gutes Deutsch, aber nicht akzentfrei. Er war in sehr vielen Ämtern, er galt als gesellig, er hatte sehr viele Freunde. Mhm. Und die Menschen haben gerne Zeit mit ihm gebracht. Er war nicht der verbissene, verbiesterte Typ, den wir hier sehen, sondern ein lustiger Zeitgenosse. Wahrscheinlich gar nicht so viel anders als Mozart. Ja, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Obwohl... Ich meine, natürlich, der Humor war in der Zeit begraben auch ein bisschen, ne? Den Humor, den Mozart hatte, berühmtermaßen. Der ist jetzt nicht... Er war nicht der Einzige auf weiter Flur mit dieser Art von Humor. Es war sehr in zu der Zeit, sehr zotig und unter Hosen komödiantisch zu sein, um es mal so zu sagen.
Florian Bayer: Vulgarität war voll angesagt damals. Das heißt, wenn man Arschlecken und Scheiße gesagt hat, das war nichts Ungewöhnliches in Wien. So wurde durchaus geredet. Genau. Und ich weiß nicht, wie vulgar Salieri war, aber er war ein lustiger... Wenn Menschen, die mit ihm zu tun hatten, ihn als lustigen Zeitgenossen bezeichnen... Ja. Dann kann es durchaus sein, dass er dabei auch ein bisschen vulgär war. Er hat unglaublich viel gelehrt. Er hat unter anderem auch Beethoven, Liszt, Schubert und den Sohn von Mozart, Franz Xaver, unterrichtet.
Johannes Franke: Wer nennt seinen Sohn Xaver? Was für ein Name. Und das zu der Zeit kommt mir so seltsam vor.
Florian Bayer: Aber gut. Wie gesagt, er war ein Novator. Er war natürlich beeinflusst von der italienischen Oper-Tradition, aber er hat auch sehr viel Deutsches reingebracht.
Johannes Franke: Und er ist nach Paris gereist und hat... Und er hat auch sehr viel Zeug reingeholt. Also er hat ja auch wirklich sich darum gekümmert, das Ganze aufzufrischen und zu gucken, wo kann ich noch Inspirationen herholen und so. Und wurde freigestellt, dass er da seine Reisen machen kann. Und Salieri war ein großer Bewunderer Mozarts. Ja.
Florian Bayer: Ohne Neid. Salieri hat gesagt... Ach, wir wissen nicht, wie viel Neid da war. Es ist kein Neid verbrieft. Das ist was anderes. Und deswegen würde ich sagen... Aber wir wissen es nicht. Im Zweifel für den Angeklagten. Er hat große Stücke auf Mozart...
Johannes Franke: Aber so ein bisschen Neid ist doch in Ordnung.
Florian Bayer: Ich bin die ganze Zeit neidisch auf dich.
Johannes Franke: Nein. Also was soll das?
Florian Bayer: Wenn jemand hätte neidisch sein können, dann eher Mozart. Weil Salieri war der Anerkanntere von den beiden.
Johannes Franke: Und es war auch so. Mozart hat nämlich in seinen Briefen an seinen Vater geschrieben. Alter, ich will das auch, was der da hat. Ich will den Job haben. Warum kriegt der den schon wieder?
Florian Bayer: Nur weil er besser ist als ich. Es gibt eine ganz berühmte Geschichte aus dem Jahre 1786. Also irgendwie als Mozart gerade so wie einen Fuß gefasst hat. Wo Josef II. gesagt hat, wir machen ein Duell. Ja, wohlgemerkt kein Duell zwischen Mozart und Salieri. Sondern ein Duell zwischen der deutschen und der italienischen Oper. Wir wollen mal wissen, was besser funktioniert. Und dann haben sie tatsächlich am 7. Februar 1786 haben sie die zwei Gattungen gegeneinander antreten lassen. Auf der einen Seite für das deutsche Singspiel Mozart. Auf der anderen Seite für die italienische Oper Salieri. Salieri hat gewonnen. Tada! Ja. Die italienische Oper hat gewonnen, besser gesagt. Ja, genau. Es gibt diese Geschichte, dass Salieri das bessere Stück zugespielt wurde.
Johannes Franke: Genau das ist es nämlich, was ich jetzt gerade sagen wollte. Meine Fresse. Weil der Wettbewerb zumindest auch für Mozart so ein bisschen gefühlt ein bisschen Ungleichgewicht bekommen hatte. Weil zum einen die italienischen Sachen natürlich damals viel beliebter und viel gängiger waren. Also es war relativ leicht für Salieri was zu finden, was die Leute auch geil finden. Ja. Mozart hatte halt eher ein dröges Stück. Ja. Also es war nicht so, dass er sich aussuchen konnte, was er da macht. Sondern es war relativ dröge und es war so, ja, was soll ich da jetzt draus machen.
Florian Bayer: Aber er hatte als Librettisten den Johann Gottlieb Stefanie an der Seite, der mit ihm schon die Entführung aus dem Serail geschrieben hat. Das heißt, er hatte quasi auch einen Partner. Ja. Und natürlich kann man danach nochmal sagen, ja, da wurde so ein bisschen intrigiert gegen ihn. Wenn, dann wurde gegen die deutsche Oper intrigiert. Ja, genau.
Johannes Franke: Aber selbst das halte ich für sehr weit hergeholt. Aber ich kann auch verstehen, dass Mozart das vielleicht ein bisschen, persönlicher nimmt, als es gemeint ist. Weil es geht ja schon auch um ihn und er hat irgendwie so ein bisschen, ja, wenn ich mich jetzt profilieren kann, dann kriege ich hier vielleicht und da vielleicht noch mehr Aufträge und so. Das ist schon auch was, was bedeutet für ihn.
Florian Bayer: Aber auch da, es gab kein richtiges böses Blut zwischen Mozart und Salieri. Nein, das nicht. Also wenn es so ein bisschen in die Richtung Verschwörungstheorie ging, dann war es eher Leopold Mozart, Mozarts Vater. Wir kommen nachher zu Mozarts Biografie. Genau. Der dem so sehr wichtig war, dass sein Sohn Erfolg hatte. Mhm. Und der hat wohl immer mal wieder so geschrieben, ah, die Salieri ist gegen Mozart, gegen meinen Sohn. Aber der hat das über alle geschrieben, ne? Ja, ja, ja. Alle standen seinem Sohn im Weg, alle haben gegen ihn intrigiert und so weiter. In dem Fall hat er das unter anderem geschrieben, weil die Hochzeit des Figaro kein großer Erfolg war. Ja. Oder nicht so erfolgreich, wie er sich gewünscht hat. Das war auch ein Erfolg, aber es war ein größerer Erfolg als in dem Film. Im Film. Aber zwischen Mozart und Salieri gab es natürlich, wie das zwischen allen war damals, irgendwie eine kleine Rivalität, aber auch vor allem gegenseitige Anerkennung und Zusammenarbeit.
Johannes Franke: Die haben ein Stück auch zusammengeschrieben, zu Ehren einer Sopranistin oder sowas, einer Künstlerin jedenfalls, die wieder zurückgekommen ist nach Krankheit. Und dann haben sie irgendwie, das war anscheinend üblich, ne? Ja. Dass man so Stücke, wie im Film auch, Salieri was geschrieben hat, weil Mozart kommt. Ja. So hat man Sachen geschrieben für Künstlerinnen, die geehrt werden sollten oder die nach Krankheit wieder zurück, zur Bühne gekommen sind, extra für die, was zusammengeschrieben ist. Geklöppelt. Ja.
Florian Bayer: 1785 war das Nancy Storos Sisi. Und es wurde tatsächlich erst vor gar nicht so langer Zeit, wurde dieses Stück, also man wusste, dass das irgendwie existiert. Ja. Die Noten dazu wurden erst 2015 oder so, wurden sie gefunden, wurden sie entdeckt tatsächlich.
Johannes Franke: Krass. Bei irgendeiner alten Frau auf dem Dachboden wahrscheinlich, wie das immer so ist.
Florian Bayer: Ja, genau. Irgendjemand findet plötzlich was und so, huch. Das ist genau, im Dezember 2015 von Timo Joko Herrmann im Nationalmuseum in Prag. Ja. Da wurde das gefunden. Nicht auf dem Dachboden, auf dem Dachboden im Nationalmuseum. Und es gibt die Überlegung auch, dass es durchaus noch andere Sachen gibt, die die beiden miteinander gemacht haben könnten. Vor allem, weil die haben ja mit denselben Leuten gearbeitet. Das war ja so eine inzestiöse Gesellschaft. Und Da Ponte ist ein großer Name. Das war der Librettist damals, der Italienische. Und mit dem haben beide zusammengearbeitet. Und es gibt wohl ein Lied von Da Ponte, was geschrieben wurde, das aus 30 Trophen besteht. Davon sind aber letzten Endes nur drei vertont worden. Und es könnte sein, dass sie da auch gemeinsam dran gearbeitet haben. Die haben beide in Wien gelebt. Die haben beide unterrichtet. Die haben beide viel am Hof zu tun gehabt. Und in der Oper und so weiter. Die haben einfach zusammen rumgehangen. Ja, ja. Ich glaube, es ist zu viel gesagt, dass sie Freunde waren. Ja, aber durchaus Kollegen, die sich gegenseitig mal auf die Schulter geklopft haben. Genau. Ja, ja. Und das Ding ist, wie gesagt, Salieri war groß anerkannt. Und Mozart war auch anerkannt. Aber Mozart hat so ein bisschen diese Anerkennung von Salieri, vor allem beim Adel, gefehlt. Ja. Und das hat sich nach seinem Tod geändert. Ich glaube, was eine ganz große Rolle spielt, ist der Nationalismus, vor allem von der Romantik. Und die Suche nach dem Originalgenie und nach dem Universalgenie. Und dann natürlich vor allem dem deutschen Originalgenie gegen den bösen Italiener. Und Salieri war halt so, als der böse Italiener, hat der halt wunderbar ins Bild gepasst. Absolut.
Johannes Franke: Was mich zu dem bringt, wo wir vielleicht, bei Mozart dann drüber reden, und wir könnten ja rüberschwenken so langsam. Ja. Weil dieses Genie-Ding. Ich habe gar nicht gewusst, wie krass das damals war. Wie krass die damals drauf waren. Die haben jedes Kind, was halbwegs gerade ausgucken konnte, als kleines Wunderkind irgendwo versucht zu vermarkten. Was für Freaks.
Florian Bayer: Und ich rede nicht von den Kindern, sondern von den Eltern. Wie krass ist das? Leopold Mozart, der seinem fünfjährigen Sohn eine Geige in die Hand drückt und ihn da ein bisschen drauf rumquetschen lässt und dann sagt, das ist ein Wunder. Wunderkind, lasst es uns durch Europa ziehen.
Johannes Franke: Das hat er ja schon mit der Schwester gemacht, mit der älteren Schwester. Aber die sind ja nicht die einzigen. Sondern es war damals einfach das Hobby von so Höflingen und so, sich Leute einzuladen. Und da ist natürlich die Bevölkerung voll drauf angesprungen. Wenn wir irgendwie eine Chance haben wollen, Geld zu verdienen, dann müssen wir unserem Kind nur irgendwie genug beibringen, dass es entertaining genug ist, um bei Hofe irgendwie Spaß zu machen. Und das ist so krass. Das sind ja dann keine Wunderkinder, sondern es sind Dreijährige, die genug gedrillt werden, damit sie Geld verdienen.
Florian Bayer: Trässierter Affen. Wie krass ist das denn? Weißt du, das Ding ist ja einfach, wenn du hörst, oh, er ist ein musikalisches Wunderkind. Wer ist denn sein Vater? Ah, sein Vater ist Komponist in Salzburg.
Johannes Franke: Aha, da wissen wir ja schon Bescheid. Also Leopold, ich weiß nicht genau, wie viel ich ihm andichten soll oder wie viel wirklich verbrieft. Er war auch ein bisschen besorgt, dass Mozart nur noch spielt und auch vielleicht noch ein bisschen was anderes machen sollte. Stand in einem seiner Briefe drin. Konkretterie. Aber ob das stimmt, ich weiß nicht. Das wirkt wirklich wie so ein Elternpaar, das Geld rausquetscht aus den Kindern, um irgendwie als Attraktion rumreisen zu können. Die sind ja wirklich drei Jahre lang durch Europa, durch 90 Städte und so durchgejagt, um irgendwie aus den Kindern Geld rauszuquetschen.
Florian Bayer: Wohlgemerkt, also Mozart wurde 1756 geboren. 1762 hat sein Vater angefangen, mit Mozart und seiner älteren Schwester Maria Anna rumzureisen und die an Höfen zu präsentieren. Neben so tollen Attraktionen wie großwüchsigen Frauen und kleinwüchsigen Männern. Es war wirklich eine Zirkusattraktion. Und so wurde das auch rezipiert und er hat damit Geld verdient. Er war ein großer, Leopold Mozart war ein großer, angesehener Musiker. Und ich glaube, der war voll Helikopterpapa und er hat voll seine Kinder gedrillt und hat sich voll die Geschichte von den Wunderkindern ausgedacht. Er hat nachgewiesenermaßen immer und immer wieder hat er übertrieben, wenn es um das Alter von Mozart ging. Genau, untertrieben. Wann hat Mozart seine erste Symphonie gespielt? Wann hat er seine erste Oper komponiert? Und so weiter. Und Leopold hat immer, so wie man das halt macht, fünf Jahre abgezogen, drei Jahre abgezogen, damit dieses Kind ein kleines Wunderkind bleibt.
Johannes Franke: Es ist krass. Mozart ist ja tatsächlich auch nicht sehr groß geworden. Ja, was auch auch daran liegen könnte, dass er immer wieder hart krank war. Und ich habe so meine Vermutung, dass das an Drill des Vaters und der Mutter liegt.
Florian Bayer: Natürlich, die sind so viel rumgereist. Und dann war es auch wirklich so, Mozart war krank und wahrscheinlich Typhus. Wir wissen das natürlich nicht zu 100% und seine Schwester auch. Und die liegen krank im Bett und der Vater sitzt da und ist verbrieft in Briefen und rechnet aus, wie viel Geld sie gerade verlieren. Ja, krass, ne? Die waren kurz vorm Tod teilweise. Die hat es richtig hart gemacht. Die waren krank und die sind durch ganz Europa gereist. Überall hin.
Johannes Franke: Und die drei Jahre 90 Städte sind nicht übertrieben. Das ist tatsächlich das, was sie gemacht haben.
Florian Bayer: Aus Salzburg kamen sie, sie waren in Wien, sie waren in Paris. Sie haben Sachen einstudiert, ne? Das ist so, es gibt diese lustige Geschichte von Mozart, der spielt vor Maria Theresia in Wien und ihr dann auf den Schoß springt und ihr einen Kuss gibt. Und das ist ja so süß, wenn ein Sechsjähriger das macht, nachdem er gespielt hat. Das Ding ist, er hat das mehrmals gemacht. Er hat das nämlich auch in Frankreich versucht. Und da ist es gar nicht gut angekommen. Weil es bei der Mätresse des Königs war. Ups. Wir haben über Maria Antoinette geredet. Ja, genau. Wir hatten Maria Antoinette vor ein paar Episoden drin. Da haben wir sehr viel darüber geredet, über diese Zeit und wie der Hof, wie die Höfe damals funktioniert haben. Und genau, Maria Antonia war die Tochter von Maria Theresia und die Schwester von Josef II., der in diesem Film und in der Geschichte Mozarts eine große Rolle spielen wird, als Kaiser. In Wien. Und er hat sie auch getroffen, ne? Er hat sie getroffen. Er hat ihr einen Heiratsantrag gemacht. Als Sechsjähriger.
Johannes Franke: Als Sechsjähriger gesagt, die Frau will ich heiraten. Also das Mädchen, sagen wir es so. Was sehr süß ist. Wir wissen, dass sie nicht geheiratet haben. Aber nein. Übrigens, wir reden schon so lange und wir haben noch keinen Tee. Oh ja. Möchtest du Tee? Ja, sehr gerne, bitte.
Florian Bayer: Sie sind viel umhergereist, was der Vater dann nicht konnte, weil er hat halt in Salzburg Verpflichtungen und irgendwann hat er auch so ein bisschen Ärger mit seinem Dienstherrn, weil der gesagt hat, ey, Alter, es ist ja toll, dass du hier Salzburg kriegst. Dass du hier alles repräsentierst, wenn du rumreist. Aber du kannst nicht die ganze Zeit weg sein. Du bist ein Meinhof-Komponist. Aber er hat immer wieder jahrelang frei bekommen, ne? Aber er hat das auch ganz schön ausgedehnt, ne? Ja, natürlich. Dann ist halt die Mutter mit Mozart und seiner Schwester herumgereist. Das Problem ist natürlich, wie gesagt, Mozart wurde 1756 geboren. Und dann sind wir jetzt in den 70er Jahren, in den frühen 70er Jahren. Mozart ist älter geworden. Und irgendwann wurde aus dem süßen sechsjährigen Kind ein offizielles Kind. Offensichtlich pockengesichtiges, weil wegen Krankheiten. Wegen Krankheiten, ja. Er sah nicht gut aus.
Johannes Franke: Viel zu kleiner Teenager. Wenn ich mir hier denn die Mozart-Kugel anschaue, das Bild da drauf ist null realistisch, wenn ich das mit einbeziehe, was ich über seine Krankheiten weiß und alles Mögliche. Also der sah nicht so süß aus.
Florian Bayer: Der war klein, schmächtig, hatte sehr viele Namen. War blass. Von den Pocken, war blass. Und er ließ sich dann halt auch einfach nicht mehr so gut als Wunderkind verkaufen. Das war ein riesiges Problem dann irgendwann in den 70ern, als er zum Teenager wurde.
Johannes Franke: Wobei man sagen muss, dass der Vater sehr vorausschauend das schon wusste, dass das kommen würde. Deswegen hat er ihn ja auch so oft jünger gemacht, als er war. Und hat schon in Briefen und so verlauten lassen, wir müssen aufpassen, wir müssen so schnell wie möglich, so viel wie möglich noch aus ihm rausquetschen an Geld. Weil irgendwann wird er einfach nur noch ein ganz normaler Mensch sein und nicht mehr das Wunderkind. Das lässt sich nicht mehr verkaufen irgendwann.
Florian Bayer: Das ist, also wenn man Mozart-Biografen lauscht, ist das halt so ein Ding, was einfach auch viel zu Mozarts Art beigetragen hat. Nämlich, dass er nicht wirklich selbstständig geworden ist. Dass er immer unter der Fuchtel von dem Vater und der Mutter war. Dass er hin und her geschoben wurde, dass die alles für ihn geplant haben. Sein Vater hat für ihn ja auch die Anstellung in Salzburg besorgt, die er dann hatte. Und eigentlich nicht wollte. Und eigentlich nicht wollte. Und hat ihm auch die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen damit eingeredet und hat gesagt, oh Mann, wir haben so viel für dich getan, jetzt musst du auch was zurückgeben. Ja. Und Mozart hat dann notgedrungen diese Stelle in Salzburg gemacht, obwohl er sie nicht wollte und hat gleichzeitig aber komponiert. Und seine erste große Oper war Idomeneo.
Johannes Franke: 1780 sind wir jetzt. Ich habe das Zitat leider nicht genau aufgeschrieben, aber es gab so einen Briefwechsel, wo Leopold seinem Sohn wirklich schreibt, wenn du jetzt nicht nach Hause kommst und wenn du diese Stelle nicht annimmst, dann sterbe ich. Ja. Weil, also willst du denn deinen Vater ein bisschen ins Grab bringen? Und solche Sachen. Genau. Wie du schon sagst, bedeutet das, dass Mozart nie so richtig aus dem Schatten seines Vaters raustritt und so eng an ihm gekettet ist, dass er auch all seine Entscheidungen, die er eigentlich treffen möchte und auch viel früher heiraten will und so weiter, wirklich immer an ihm festmacht. Ja. Und auch immer wieder der Vater sagt, das kannst du nicht, du bist noch zu jung, du kannst das nicht entscheiden, du hast keine Ahnung von Finanzen, das geht so nicht. Und wenn wir ehrlich sind, er hatte nicht viel Ahnung von Finanzen. Sonst wäre vielleicht besser mit dem Geld ausgekommen, das er gehabt hat.
Florian Bayer: Ja, auch da müssen wir nochmal drüber reden, wie viel Mythos und wie viel Wahrheit dabei ist.
Johannes Franke: Ja, also was den Film betrifft, der Film haut da ein bisschen daneben, aber... Ihm hat eine gewisse Selbstständigkeit gefehlt. Genau.
Florian Bayer: Auch was das Finanzielle betrifft und er war halt so jemand, er konnte mit wenig Geld auskommen, wenn die Auftragslage mal schlecht war, das war dann halt so in den 80ern. 1781 hat er angefangen als freischaffender Musiker in Wien zu arbeiten und das hat er bis zu seinem Tod gemacht. Ja. Zehn Jahre später, 1791. Ja. Und ja, wenn er nicht so viel Geld hatte, weil die SchülerInnen gefehlt haben und weil er gerade keine Auftragsarbeit hatte, dann ist er damit auch irgendwie klargekommen. Wenn er das Geld hatte, weil er Erfolg hatte, was auch vorkam, dann hat er es auch ganz gerne ausgegeben. Er hat wohl auch gerne gespielt, also gezockt.
Johannes Franke: Er hat wahnsinnig viel gezockt, er hat wahnsinnig viel Geld ausgegeben, er hat ja genug Geld verdient eigentlich. Ja. Es ist nicht so, wie der Film vielleicht ein bisschen nahe legt, dass er zu wenig ausgegeben hat. Weil er keine Aufträge hätte oder sowas. Überhaupt nicht. Er hatte genug Aufträge und er hatte viel zu tun, er hat auch genug Geld verdient, aber er hat es nicht geschafft, mit dem Geld so umzugehen, dass es ihm am Ende wirklich reicht. Er hat nicht gespart. Er war einfach kein Mensch, der sparen konnte.
Florian Bayer: Ja, das ist es halt. Wenn er das Geld hatte, hat er sich auch, er hat auch ordentlich Geld für sich und für seine Familie ausgegeben. Ja, genau. 1781 hat er in Wien Constanze geheiratet. Er hat lange um die Einwilligung seines Vaters Leopolds gebuhlt, hat sie nicht gekriegt und hat sie dann halt schließlich ohne Einwilligung geheiratet. Leopold war gegen diese Ehe. Ja, ja, ja. Constanze Weber, sie war Tochter von seiner Hausherrin und er hatte vorher auch mit ihrer älteren Schwester angebandelt. Genau, das ist die lustige Geschichte dahinter. Er hatte ja, eigentlich wollte er sie heiraten, die ältere Schwester. Und er hat ihr wohl auch ziemlich neckige Briefe geschrieben, aber er hat geschworen, er ist nicht unkeuch geworden. Sie hatten kein sexuelles Verhältnis. Naja. Naja, vielleicht. Wir wissen es nicht.
Johannes Franke: Nichts, genau. Und dann hat sie aber gesagt, nee, ich will nicht heiraten. Genau, genau.
Florian Bayer: Das ist halt das Ding.
Johannes Franke: Er ist abgeplitzt.
Florian Bayer: Die ältere Tochter hat gesagt, äh, äh. Und dann hat er sich an die jüngere reingemacht. Wie man das damals halt gemacht hat. Aber auch hier, der Vater war gegen die Ehe. Mozart hat trotzdem geheiratet. Ja. Mozart hat die Entführung aus dem See Reihe aufgeführt und irgendwie in der Zeit 1783, gar nicht so lange nach der Hochzeit, haben sie den Vater besucht und da sind da vier Monate geblieben, was im Film halt auch anders erzählt wird. Der Vater war am Anfang gegen die Ehe, aber hat sich dann damit versöhnt. Und als sein Vater in Wien war, war er nicht geschockt davon, wie ruchlos Mozart lebt, sondern er war geschockt davon, was für einen Erfolg Mozart hatte. Ja. Und es gibt Briefe von Leopold an seine Frau und an Mozarts Schwester, wo er schreibt, Alter, der ist jetzt gut. Was hat denn der da erreicht?
Johannes Franke: Ja. Und es ist krass, weil der Vater eben tatsächlich immer gesagt hat, nee, du kannst das nicht. Ich muss das alles für dich entscheiden. Und als Mozart eben wirklich einfach weit genug war. Und selbstständig was machen musste, war er halt arscherfolgreich. Ja. Und das hat ihn halt schockiert. Und das ist lustig, weil ich irgendwie ganz normale Eltern sehe. Also Helikoptereltern halt. Eltern, die nicht loslassen können. Die sagen, nee, ich muss das alles im Griff behalten und so. Und man kennt das. Man sieht das überall heute. Also die Menschen haben sich nicht geändert.
Florian Bayer: Ja. Ich finde, das ist nochmal, also sein Vater hat schon so was krass Tyrannisches. Auch wenn man so diese Briefe hat. Ich glaube, das ist was, also ich hoffe, dass Eltern heutzutage so gut wie nicht, gar nicht mehr so mit ihren Kindern reden.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Irgendwie hört man das immer wieder.
Florian Bayer: Vielleicht. Das ist aber krass, ne? Ja, natürlich ist es krass. Also natürlich ist es wirklich hart. Mozart hatte Erfolg mit seinen Opern. Mit der Entführung aus dem Seerei. Er hatte einen der berühmten großen deutschsprachigen Opern gemacht. Er durfte in den großen Opernhäusern in Wien spielen. Er hatte auch irgendwie den Segen des Kaisers. Was dazu geführt hat, dass er unter anderem auch die Orte in Wien gespielt hat. Also er durfte auch das Figaro machen, obwohl die Vorlage verboten war. Wobei das nicht nur Mozarts Ding war, sondern vor allem wohl von seinem Librettisten. Übrigens netter Fun Fact, was wir heute gerne unterschlagen. Die Librettisten waren damals auch die großen Stars. Die Drehbuchautoren, wie wir heute sagen. Die Dramaturgen. Die, die die Texte geschrieben haben. Und wenn man sich die Plakate von damals anschaut, die Librettisten stehen meistens größer da als die Komponisten. Oh, geil. Okay. Und der Librettist von der Hochzeit des Figaro... Da Ponte. Es war Da Ponte. Den Namen habe ich vorhin schon mal genannt. Da Ponte hat für mehrere Mozart-Opern die Texte geschrieben. Unter anderem die Hochzeit des Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte. Also für die italienischen Dinger. Der hat bei dem Kaiser gesprochen und hat zum Kaiser gesagt, du ich weiß, du hast dieses Drama verboten, weil es aufrührerisch ist. Aber bitte guck dir das mal an. Wir haben die Politik rausgenommen. Und wenn du immer noch nicht überzeugt bist, lass doch Mozart mal ein bisschen vorspielen. Der macht doch schöne Musik. Und es war kein Problem. Der Kaiser war nicht dagegen, dass dieses Ding gemacht wird.
Johannes Franke: Aber man muss sagen, das Ding war ja durchaus verboten. Und zwar genau, ich glaube schon auch deswegen, was auch der Film so ein bisschen andeutet. Nämlich, dass es durchaus in anderen Teilen dieser Welt, zum Beispiel Frankreich, so ein bisschen Umschutzgedanken gab.
Florian Bayer: Wo seine jüngere Schwester gelebt hat. Und die er sich Sorgen gemacht hat. Nachvollziehbarerweise. Richtig, genau. Was halt auch eine wichtige Rolle spielt, das Selbstverständnis von Kaiser Josef II. Wir sind hier im 18. Jahrhundert. Und wenn wir nicht am Französischen Hof sind, wo noch so dieser absolutistische Gedanke sehr stark war. Im deutschsprachigen Raum haben sich die Fürsten, fast alle als aufgeklärte Fürsten verstanden. Sprich, zum einen haben sie die Künstler um sich geschart und haben gesagt, ich gendere hier übrigens nicht, weil es waren tatsächlich Männerdinger. Haben gesagt, das sind unsere Aushängeschilder. Zum anderen haben sie aber auch gesagt, wir machen hier einen aufgeklärten Absolutismus. Und wir sind durchaus dafür, dass Menschen gleichgestellt sind. Wir sind dafür, dass Menschen Rechte haben und ähnliches. Wobei gleichgestellt natürlich so ein... Alle Männer.
Johannes Franke: Eine damalige Version davon ist.
Florian Bayer: Und das war zum Beispiel, deswegen haben wir ja auch, die Weimarer Klassik ist ja genau dieselbe Geschichte. Was Anna Maria, Anna Maria hieß sie glaube ich, in Weimar gemacht hat, das ist dasselbe wie das, was hier Kaiser Josef II. in Wien gemacht hat. Die haben gesagt, wir haben hier unsere Künstler. Wir sind Freigeister. Wir lieben die Kunst, wir lieben die Kultur, wir lieben die Aufklärung. Und deswegen war dieses Stück durchaus gar nicht so weit weg von dem, wie der Kaiser sich selbst wahrgenommen hat. Nämlich als jemand, der gesagt hat, wir müssen eine Annäherung schaffen zwischen Adel und Bürgertum. Wir funktionieren nicht mehr so wie das Frankreich des 17. Jahrhunderts. Und dann waren es natürlich nicht nur die Opern, sondern auch seine Kompositionen, seine Symphonien, die er geschrieben hat. Hat er Winterkonzerte gegeben, die unglaublich gut angekommen sind beim Publikum. Er war befreundet mit Josef Haydn. Er hat, wie gesagt, mit Haydn zusammengearbeitet, mit Salieri, mit da Ponte. Er war voll integriert in diese Wiener Gesellschaft. 1784 wurde er in der Freimaurerloge zur Wohltätigkeit aufgenommen. Er war kein Außenseiter. Nein. Der Film erzählt ihn so als diesen Freak, als diesen verrückten Typen, auf den alle so ein bisschen gucken und sagen, hä? Was sollen wir mit dem? Das war er nicht.
Johannes Franke: Ist das so dolle so? Ich weiß noch nicht so genau. Ja. Ja, vielleicht schon. Aber so ein bisschen Rockstar-Attitüde kann ich mir schon vorstellen bei ihm.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Und offensichtlich konnte das Pushkin sich auch vorstellen. Und offensichtlich konnte sich Peter Schäffer das auch vorstellen und Milos Forman. Die Frage ist, was wir uns vorstellen können und was Realität ist. Naja. Weil ein bisschen Rockstar-Attitüde kann ich mir auch bei Antonio Salieri vorstellen. Ja, das stimmt. Das stimmt natürlich.
Johannes Franke: Egal. Wollen wir wenigstens noch das Leben abschließen? Er ist ja irgendwann gestorben auch.
Florian Bayer: 1791 ist er gestorben, nachdem er die Zauberflöte gemacht hat, die ein riesiger Erfolg war, auch nach seinem Tod ein riesiger Erfolg. Und eben dieses Requiem. Und dieses Requiem, das er in Auftragsarbeit geschrieben hat. Wenn wir jetzt zu den Sachen kommen, die der Film alle falsch erzählt, können wir darauf nochmal eingehen. Ja. Aber vielleicht um das abzuschließen. Er war sehr angesehen. Er ist sehr angesehen gestorben. Mhm. Und dann nach seinem Tod und dann sind wir Anfang des 19. Jahrhunderts, hat diese Heldenverehrung eingesetzt, die ihn zu etwas gemacht hat, was er zu Lebzeiten nicht war. Und ich glaube, der Gedanke dahinter war einfach, wir haben Anfang 19. Jahrhundert, Napoleon überrennt Europa, Napoleon trennt Deutschland, das Heilige Römische Reich existiert nicht mehr. Die Deutschen gucken drauf und sagen, was haben wir für ein kulturelles Erbe?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Sprache natürlich und Goethe, Schiller, Mozart. Ja, okay. Wer sind unsere Feinde? Ja, da die Italiener und die Franzosen. Mhm, okay. Und dann hat das halt eingesetzt, dass sie gesagt haben, Mozart war so viel größer als alle anderen in der damaligen Zeit. Ja.
Johannes Franke: Ich habe mir zwischendurch schon während des Films aufgeschrieben, es ist nicht die Musik hier, die jemanden berühmt macht. Die ist natürlich, braucht es natürlich irgendwie, aber am Ende sind es ja Menschen, die anderen Menschen erzählen, guck mal da. Ja. Und dann gibt es natürlich mehr als die Musik als Grund dafür zu sagen, guck mal da. Ja. Und dann ist es natürlich vielleicht eben nicht nur die Musik, sondern dann ist es halt, ja, hier, guck mal da, wir brauchen einen Helden. Ja. Und guck mal da, es gab ja dieses Gerücht, dass Salieri den umgebracht hat, das ist doch eine ganz wunderbare Geschichte. Ja. Die können wir doch weiter ausbauen.
Florian Bayer: Das krasse ist, dass das wirklich schon zu Lebzeiten von Salieri angefangen hat. Ja. Dass diese Geschichte erzählt wurde von dem neidischen, blöden, mittelmäßigen Italiener. Ja. Der den großen, genialen Deutschen nicht ertragen kann. Ja. Und das ist ein Nationalding tatsächlich. Das ist voll Nationalismus und das haben die Deutschen ja wirklich gerne gemacht, auch mit anderen Künstlern. Die haben ja auch, Goethe wurde zu Lebzeiten dann ja auch mehr und mehr glorifiziert. Ja. Diese ganze Glorifizierung der mittelalterlichen Kultur, die Krims, die gesagt haben, so und wir machen jetzt die Märchen, das ist deutsches Kulturgut, das ist genial und genialer als das, wir wollen nicht mehr das, was aus Italien und Frankreich kommt, sondern wir wollen das Deutsche. Das hat halt alles Anfang des 19. Jahrhunderts angefangen und Mozart hat da voll reingepasst. Weil das war der erfolgreiche deutsche Operngeschwindler, obwohl er sehr viele Italienische auch gemacht hat. Ja, naja, klar. Und es war halt einfach, es war ein Held. Er hat als Held funktioniert.
Johannes Franke: Wobei ich dann, der nächste Schritt, ne, also es gab dieses Gerücht schon zu Salieris Lebzeiten, beziehungsweise er war alt, ne, 70 ungefähr und dann ist er nach und nach, er ist dann irgendwann gestorben und hat aber eben noch mitbekommen, wie sie das hinter vorgehaltener Hand getuschelt haben, dass er ihn umgebracht haben soll und wollte es eben richtig stellen. Und dann hatte irgendwann Pushkin und ich weiß nicht genau warum. Pushkin auf so eine Nationalsache reinfällt. Was haben die Russen damit zu tun auf einmal? Was haben die Russen damit zu tun? Und ich glaube, Pushkin ist halt einfach ein Schriftsteller. Der sieht überall Geschichten und der freut sich, wenn er, manche Schriftsteller in die Zeitung aufschlagen und sagen, was interessiert mich denn heute und was inspiriert mich denn? Und dann gibt es irgendeine Geschichte von irgendeinem Jungen, der mit dem Auto losgefahren ist, obwohl er gar nicht ans Pedal kommt und dann sagt man sich, ja, da möchte ich eine Geschichte draus machen.
Florian Bayer: Mozart Isagieri, 1832. Ja. Hast du ein bisschen reingelesen? Ich habe nicht reingelesen, nein. Es ist halt einfach, es ist nett, es ist ein Einakter, ich habe es nicht komplett gelesen, aber es ist vor allem Mozart und Salieri tanzen die ganze Zeit um das Gift rum und Salieri will irgendwie Mozart vergiften.
Johannes Franke: Ja geil, also die Idee finde ich großartig. Ja. Also natürlich ist auch ihm klar gewesen, wir machen hier keine Dokumentation, Leute, das ist Fiktion, das ist ein Stück, wo ich mir denke, ah, meine Fantasie geht los, also mache ich jetzt einfach was draus.
Florian Bayer: Das ist halt eine Fiktion, die sich dann auch verselbstständigt. Die Fiktion war schon da, das Gerücht war schon da, das Ding von Pushkin wurde von Rimsky-Korsakov 1899 vertont.
Johannes Franke: Genau, das ist nämlich der nächste Schritt, wo du dann sagst, ah, okay, der eine Künstler sagt dem anderen Künstler irgendwie was und der denkt sich so, ja, da kann man doch was draus machen, dann macht der noch ein Musikstück dazu und dann geht eins ins nächste und dann kommt irgendwann jemand und schreibt dazu ein Musical. Ja, Peter Schäffer 1979. Genau. Und dann sagt irgendwann mal jemand, ach, guck mal, das ist ein Musical, das finde ich eigentlich ganz geil, ich habe schon ein Herr verfilmt, also warum nicht?
Florian Bayer: Ja. Ein Herr kam zur selben Zeit, der Filmherr kam zur selben Zeit raus wie das Musical auf dem Broadway, das ist geil, 1980 hatte das Premiere, Ian McKellen als Salieri. Wie geil ist das denn, ich hätte das so gerne gesehen.
Johannes Franke: Tim Curry als Mozart. Das klingt so geil. Mark Hamill, der irgendwann Tim Curry ersetzt, weil der nicht mehr weiterspielt. Wie krass ist das denn? Und dann haben sie keinen von denen wirklich für den Film übernommen, wo ich denke, scheiße, das wäre so auch interessant gewesen, aber die Besetzung, die es jetzt ist, ist großartig. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Ich will nichts dagegen sagen. Roman Polanski hat das Ding 1981 nochmal neu gemacht. Ach so. Und hat Regie geführt und war Mozart. Nein, Roman Polanski war Mozart? Ja, also in einer Bühnenproduktion. Okay. Nicht am Broadway, aber irgendwo anders hat er die Bühnenproduktion gemacht. Okay.
Johannes Franke: Naja, das dann zu einem Film machen zu wollen, finde ich, liegt total nahe. Und ich finde es auch total irre und geil, das zu machen.
Florian Bayer: Absolut. Natürlich, du siehst das und das ist ein riesiger Erfolg und du denkst, das wollen wir machen und Milos Forman hatte wohl relativ früh schon Interesse daran. Der hat das gesehen, der fand das irgendwie geil und wie gesagt, der hat das hergemacht und hat irgendwie gesagt, ah komm, lass uns doch, ich kann das doch, einen geilen Kostümfilm machen. Ja. Und hat dann mit Peter Schäffer zusammengearbeitet, dieses Stück in ein Drehbuch zu machen. Das halt irgendwie, das halt irgendwie für einen Film tauglich ist. Und was sie wohl vor allem gemacht haben, ist, dass sie Salieris Blick auf Mozart größer geschrieben haben, als sie im eigentlichen Stück war. Wobei das Stück mit den Worten Salieri, Salieri anfängt, nicht mit Mozart. Und damit, eigentlich genau genommen, haben sie das Stück, was wohl mehr, tatsächlich mehr Salieri hatte und also im Film ist immer noch sehr viel Salieri drin. Ja, sehr viel. Wir sind eingestiegen mit Salieri. Du bist in einem Text eingestiegen mit Salieri, ich habe das dankbar aufgenommen.
Johannes Franke: Zwischenfrage für dich. Ja. Ich habe zwischendurch immer wieder dich so ein kleines bisschen im Ansatz schimpfen hören, dass das alles historisch nicht stimmt. Bist du damit nicht im Reinen oder ist das für dich … Ich bin damit absolut im Reinen.
Florian Bayer: Sehr gut, sehr gut. Aber ich glaube, es ist wichtig, das zu betonen, dass dieser Film radikal fiktional ist. Ja. Und ich sehe auch jeden, der da drauf guckt und sagt, hä? Also nochmal. Wenn man irgendwas über die Biografie von Mozart lernen will, über die Wiener Klassik und so, das ist der falsche Ort. Absolut. Da guckt man nicht hin. Und erst recht nicht, wenn man Antonio Salieri-Gerechtigkeit zukommen lassen will. Um Gottes Willen. Das ist der falsche Ort. Ja, ja, absolut. Es ist was anderes. Es ist wirklich radikale Fiktion und man muss das als solches einmal akzeptieren, um das genießen zu können. Genau.
Johannes Franke: Und sobald man es akzeptiert, muss ich sagen, bin ich so wahnsinnig beeindruckt von dieser Variante. Ich finde das so geil. Wirklich. Wirklich. Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Was ihm wirklich gut gelingt, also was wirklich dieses Reinziehen stark macht, ist diese Begeisterung für Musik, die Salieri in der Art hat, wie er das erzählt. Ihr erleben den Film größtenteils aus Salieris Perspektive. Der alte Salieri, der arme Mary Ephraim hat wirklich lange in der Maske gesessen dafür. Vier Stunden. Der einem Priester erzählt, wie er Mozart kennengelernt hat und wie er auf Mozart blickt. Wir haben diese Momente, in denen der alte Salieri ein bisschen was auf dem Klavier vorspielt. Und dann in seinen Gedanken das Ganze nochmal dirigiert. Und wir hören die Musik und wir sehen diesen verliebten Blick von Salieri. Also ich habe gesagt, man sollte diesen Film nicht gucken, um was über die Wiener Klassik zu lernen. Um Begeisterung für die Wiener Klassik zu kriegen oder für klassische Musik im Allgemeinen, ist dieser Film absolut geeignet. Absolut. Weil diese Liebe zur Musik und zu den Feinheiten und so, die wird wirklich toll, sowohl auditiv als auch visuell vermittelt. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das, wo sind wir?
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich glaube, oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Florian Bayer: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns. Ja. Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr?
Florian Bayer: Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes at mussmansehen.de und florian at mussmansehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes! Ich finde diesen Einstieg und dieses Rahmending so ein wahnsinnig gut gemachtes Ding. So Rahmen kann auch irgendwie schlecht gemacht sein, ne? Aber es ist so geil, wie er am Anfang ihm Sachen vorspielt, diesem Priester, und fragt, kennen Sie das, kennen Sie das? Und dann ohne Vorwarnung was von Mozart spielt. Und der Priester dann sagt, ja. Oh, das ist ganz süß, das ist sehr schön, das kenne ich doch. Das haben Sie geschrieben. Nein, das war Mozart.
Florian Bayer: Und das ist so gemein, weil ich davon ausgehe, 99% des Publikums, inklusive mir, denen geht es genauso. Die hören die beiden Stücke und denken, hä, nie gehört. Aber dann hören sie die kleine Nachtmusik von Mozart und denken direkt, ach ja, schön, das kenne ich.
Johannes Franke: Und man weiß aber natürlich schon, dass das nicht dieser Typ geschrieben hat, weil wir ja wissen, dass es nicht Mozart ist, der da vor uns ist, ne? Ja, ja, ja. Wir durchschauen sein Ding sofort. Während der Priester noch da sitzt. Und ganz unschuldig sagt, ach, das haben Sie geschrieben.
Florian Bayer: Und es ist so brutal, dieser arme Salieri. Aber der Salieri rechnet ja schon damit, er weiß, dass das passieren wird.
Johannes Franke: Und das kommt in diesem Film immer wieder vor, dass Salieri sich selbst in die Scheiße reitet. Also, dass er das wirklich auch will. Er sitzt da und sagt, ich zeig dir das jetzt, damit ich, weil ich das schon ahne, von dir einmal auf die Fresse bekomme. Und das ist später in dieser Szene, wo er dann bei der Party sagt, spiel doch mal Salieri. Wo er sich auch selbst in die Scheiße reitet und genau weiß, was kommen wird.
Florian Bayer: Gegenthese, er reitet sich nicht in die Scheiße, er weiß es. Die ganze Zeit über, immer wenn wir Salieri haben, wie er mit seiner Komposition umgeht und wie er mit Mozarts Komposition umgeht, er weiß, dass dieser Mensch so viel genialer ist als er. Und das Krasse und das Leidvolle an seinem Charakter ist, dass er das weiß und dass er der Einzige ist, der es weiß. Das heißt, er hat eigentlich die Rolle, er ist der, der jetzt der Prophet sein müsste. Der sagt, ich bringe hier Gottes Sohn, hört da genauer hin. Und seine einzige Art, damit umzugehen, wegen seinem Neid, ist halt zu sagen, nein, ich muss den vernichten, ich muss den klein halten. Und das ist großartig, was für eine tolle Motivation für einen Bösewichten. Ich finde den so wahnsinnig vier-, fünf-, sechsdimensional. Das ist unglaublich. Weil er ist ja so genial. Also seine Genialität, also dieses Erkennen von Mozarts Genialität, das erfordert ja Genialität, offensichtlich.
Johannes Franke: Naja, so ist es nicht. Also ich bin nicht genial. Und ich kann in der Musik durchaus die Genialität hören, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich glaube, wir erkennen Mozarts Genialität nur, weil uns ganz viele Menschen erzählt haben, dass Mozart genial ist. In einem Paralleluniversum würden wir hier sitzen und Antonio Salieris Genialität schätzen, weil wir das so oft gehört haben, dass sich das verinnerlicht hat. Die kleine Nachtmusik erkennen wir doch auch nur, weil wir es tausendmal gehört haben. Das ist komplett, also wirklich hart jetzt mal gesagt, das ist sehr viel Sozialisation.
Johannes Franke: Ja, natürlich ist das Sozialisation. Und Genialität ist ja sowieso ein ganz fieses Konstrukt. Weil dieses Geniekult-Ding, was damals ja angefangen hat auch, das ist ja wirklich nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Aber ich sehe durchaus, wie viel Mozart drauf hat. Und ich höre das auch.
Florian Bayer: Aber du siehst es nicht und hörst es nicht so wie Salieri, der die Kompositionen hört und dann anfängt darüber zu schwadronieren, was da passiert und was die Musik ausdrückt.
Johannes Franke: Salieri kennt sich halt mit Musik aus. Genau. Ja, aber das kann auch jeder weniger Begabte. Also ich glaube, der König könnte, wenn er nicht so dargestellt werden würde im Film, weil er eben genug musikalische Bildung bekommen hat, weil er gesagt hat, Künstler bringt mir was bei, das durchaus auch hören.
Florian Bayer: Nein, ich glaube das nämlich nicht. Also wie gesagt, wir sind hier komplett in dieser fiktionalen Welt. Die hat nichts mit der Realität gemeint. Und in dieser fiktionalen Welt ist Salieri der Einzige, der das erkennt. Ja, natürlich. Das erzählt uns der Film. Also wenn wir zwischen Film und Realität schwanken, dann kriegen wir ein riesiges Problem. Da muss ich nämlich ganz viel über diesen Film reden. Das heißt, alles, was ich hier sage, ist auf diesen Film bezogen. Dieser Salieri hat nichts mit dem Salieri in der Realität gemeint und natürlich haben auch andere Mozarts Genialität erkannt damals. Aber in diesem Filmuniversum ist es so, dass Salieri der Einzige ist, der Mozarts Genialität erkennt.
Johannes Franke: Und das ist natürlich auch so ein bisschen der Geniestreich, aber auch das, was den Film ein kleines bisschen schwarz-weiß macht stark. Nämlich dieses, niemand weiß, wie geil Mozart ist, nur Salieri kann es sehen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Das ist natürlich völliger Quatsch eigentlich.
Florian Bayer: Wie gesagt, wenn wir anfangen zu vergleichen Realität und Fiktion, dann habe ich hier einen riesigen Batzen an Zeug, wo drin steht, dieser Film lügt, lügt, lügt, lügt, lügt. Jetzt habe ich Angst zu sagen, wir müssen auch ein bisschen in die Realität mitgucken. Wir können das gerne machen, aber ich finde, also tatsächlich finde ich für den Genuss des Films ist es ganz wichtig, einmal zu sagen, wir haben hier die Realität und hier das, was hier passiert. Und wir können, klar, wir können das ständig reinbringen, aber dann sind wir halt wirklich mit nichts anderem beschäftigt, als zu korrigieren.
Johannes Franke: Ab und zu vielleicht. Vielleicht hältst du dich ein bisschen Zaum, Flor, damit wir auch den Film nicht kaputt machen. Ich muss das einfach sagen, ich finde jede Entscheidung, von der Realität abzugehen, von diesem Film großartig. Und ich finde, dass dieser Film in jeder Szene eine, mindestens eine geniale Idee hat, wie diese Szene funktionieren muss. Und ich finde es so gut.
Florian Bayer: Na, dieses Spiel mit Schnitt und Gegenschnitt. Und das haben wir ja, also wie ganz am Anfang schon, wie Salieri und Mozart gegenübergestellt werden. Und zwar sagt Salieri, ich war von Anfang an neidisch, weil dieses Kind hatte die Möglichkeit zu spielen. Und dann sehen wir Mozart, der mit verbundenen Augen spielt. Beruht auf einer Anekdote, dass Mozart von irgendeinem Kaiser mal gesagt wurde, zeig mal, ob du mit verbundenen Augen spielen kannst. Natürlich konnte er das, das Zirkusäffchen. Ja, das war auch Teil des Programms. Das war Teil des Programms.
Johannes Franke: Das hat ja gar nicht der Typ auch von sich aus gesagt, sondern es wurde ihm angekündigt und er hat das eingefordert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ja völliger Quatsch. Aber wir sehen diesen Gegenschnitt, das ist das Wichtige.
Florian Bayer: Ja. Wie Salieri mit verbundenen Augen mit seinem Kind, mit seinen Freunden Fang spielt. Ja. Und diese Technik, wie mit Gegenschnitten, mit Montagen erzählt wird. Ja. Wie der eine den anderen sieht und wie sie sich unterscheiden, das ist die ganze Zeit über wirklich genial gemacht in dem Film.
Johannes Franke: Auch allein die inszenatorischen Ideen, wie Salieri in die Geschichte reinkommt und was er über seine Jugend erzählt. Und dass er Gott versprochen hat, ihn zu huldigen, wenn er ihn dafür im Gegenzug genial macht. Ja. Also dieses, ich habe das in der Recherche, haben ein paar Leute gesagt, dass es so ein bisschen diese alttestamentarische Verbindung zu Gott ist. Ich bin nicht gut genug in Religiösem drin. Aber es ergibt mir total Sinn, dass er so dieses transaktive, ich gebe dir meine Huldigung und du gibst mir dafür meine Genialität. Was so ja nicht funktioniert. Auf der anderen Seite Mozart, der einfach reinkommt und der von Gott einfach die Fähigkeiten bekommen hat. Was sehr neutestamentarisch anscheinend ist.
Florian Bayer: Das Spannende ist ja, also es gibt ja so diese Stakes, die so erhöht werden. Und es gibt ja diesen Moment, wo er sagt, okay und in dem Moment, und zwar wenn sein Vater stirbt, also Salieri, in dem Moment dachte ich, Gott hat mich erhört. Gott hat mir dieses Geschenk gemacht. Er hat diesen Vater, der mich zum Kaufmann machen will, getötet.
Johannes Franke: Was auch schon hart ist.
Florian Bayer: Großartig.
Johannes Franke: Was ist das für ein Typ, der da sitzt und sagt, Gott hat mich erhört, hat meinen Vater umgebracht.
Florian Bayer: Das meine ich doch. Was für ein genialer Bösewicht. Geil. Das ist diese Überhöhung, die da drin steckt. Ja, ja, ja. Und alles führt natürlich zu diesem Moment, wo er zum ersten Mal auf Mozart trifft und dann feststellt, das ist ein kleines, giegeliges Kind, das mit seiner Frau Fangen spielt, während es eigentlich, oder nicht mal mit seiner Frau, mit seiner geliebten, mit seiner zukünftigen Frau Fangen spielt. Wo es doch eigentlich was vorspielen sollte für den Hof.
Johannes Franke: Vor allem, der ja nicht enthaltsam zu sein scheint, wie er sich das ausbedungen hat. Ich muss ein strenges Leben führen, viel arbeiten, damit ich das erreiche. Und hat eben anscheinend wahnsinnig viel gearbeitet und sehr diszipliniert und so. Und dann kommt da dieser Idiot und ist zehnmal besser als er, ohne Anstrengung. Scheiße, das geht nicht.
Florian Bayer: Diese Fallhöhe ist auch so geil, weil es gibt ja diesen Moment, wo er sagt, ich war fasziniert, ich wollte diesen Mozart kennenlernen. Und man hat das Gefühl, er wünscht sich in diesem Moment, dass er was anderes sieht. Natürlich. Und es gibt diese andere Welt, in der dieser Mozart ein ganz ernsthafter Musiker ist, wo die vielleicht wirklich Freunde werden. Oder wo sie sich gegenseitig inspirieren können. Wo er das Gefühl hat, dass er von Mozart geschätzt wird, dass er Mozart schätzen kann. Aber natürlich ist das alles eine Illusion. In diesem Kosmos, wo er dieser strenge, fromme Mensch ist, der alles gibt für seine Musik, muss sein Gegenüber so jemand sein, der absolut dieses kleine Kind ist, das nicht weiß, was es da geschenkt bekommen hat.
Johannes Franke: Es ist so toll.
Florian Bayer: Fantastisches Stilmittel, um einen Bösewicht zu etablieren, um vor allem diesen fast schon satanischen Hass greifbar zu machen.
Johannes Franke: Und es ist für den Film auch total gut. Man nennt es wohl Binary of Genius. Das ist ein narratives Konzept für Filme. Dass man sagt, okay, ich kann das Genie auf der einen Seite nur zeigen, wenn ich den Gegenentwurf habe. Der zeigt, wie genial der andere ist. Also du brauchst den Kontrast im Film, damit das überhaupt klar wird. Und das ist toll gemacht.
Florian Bayer: Es ist toll gemacht, vor allem weil der Film Salieri darin nie klein macht. Weil Salieri halt diese Genialität hat. Und ich glaube, das ist ganz wichtig für den Film. Für diese Tragik von der Figur, dass er diese Genialität hat, die Genialität von Mozart zu erkennen.
Johannes Franke: Ja, und auch die Genialität hat, all das Intrige, Intrigante irgendwie hinzukriegen. Ihn da irgendwie zu Tode zu rackern. Da muss ich jetzt sofort, sonst vergesse ich das nachher. Ich habe ihn gesehen als Kind, den Film. Und da gibt es ja am Ende diese Szene, wie er stirbt. Und wie Salieri ihn da immer weiter tritzt, tritzt, tritzt. Und ich als Kind das erste Mal gesehen habe und das so interpretiert habe, dass man an seiner Kunst sterben kann. Das erzählt der Film ja auch, ne? Und das ist so krass für mich als Kind gewesen.
Florian Bayer: Und es ist krass, dass du das als Kind so wahrgenommen hast. Weil ich finde, das ist schon eine höhere Interpretationsebene. Weil es ist genau das, was der Film erzählt. Ja, ja, na klar. Das Requiem tötet Mozart. Es ist nicht das Gift.
Johannes Franke: Genau, es ist nicht das Gift. Aber auch dieses, was Salieri dann für eine Rolle spielt. Zu sagen, nee, mach weiter, ich kann noch, ich kann noch. Mach ruhig, mach, erzähl, erzähl, erzähl. Und ihn weiter ankurbelt und genau weiß, wo er draufdrücken muss, dass Mozart noch sagt, ja, okay, das bisschen noch, das bisschen noch und dann komm ich noch. Und daran einfach zugrunde geht und stirbt, weil es ihn so erschöpft. Seine eigene Genialität und sein eigenes Schaffen und sein Drang ihn einfach tötet nach und nach. Das fand ich als Kind eine wahnsinnig krasse Erkenntnis. Absolut.
Florian Bayer: Gucken wir uns diesen Mozart mal an, den Salieri jetzt kennenlernt. Ah, Tom Hals. Oh, schön, Flo, der war gut. Danke. Ich habe vom Spiegel geübt.
Johannes Franke: Hahaha, sehr gut. Anscheinend steht das irgendwo in ein, zwei Briefen drin, dass er eine seltsame Lache hatte. Ja. Und es ist eine Interpretationsfrage und ich finde es ziemlich geil, weil man sofort, spätestens nach dem zweiten Lachen, die Nervtheit von Salieri versteht. Und von vielen anderen auch. Und von vielen anderen. Es ist so geil, weil man so denkt, ach Gott, nein, der ist ja eigentlich ganz nett. Aber das jetzt, oh nein, hör auf, hör auf. Read the room. Es ist toll, weil Mozart eben nicht einfach ursympathisch ist, weil er das Genie ist, sondern es ist einfach, er ist halt auch ein dreidimensionaler Charakter. Er weiß nicht genau, wie er, er ist awkward zwischen Leuten, er weiß nicht genau, wie er sich verhalten soll. Er hängt in dieser Kindheit irgendwie drin, die ihn sein Vater oft auktroyiert hat. Übrigens, was in dem Film gar nicht so rauskommt, was ich finde, was der Film als ganz, ganz kleine Kritik vielleicht hätte mehr machen können. Mehr zu zeigen, wie sehr ihn sein Vater in der Kindheit hält. Das wird ja gar nicht richtig angesprochen. Man sieht so ein bisschen, dass er ihn so hoch hält als Vater, dass die Vaterfigur wahnsinnig wichtig für ihn ist. Aber so dieses, du bleibst Kind, weil der Vater die ganze Zeit sagt, nee, das kannst du nicht, das machst du nicht, ich mach das für dich, ich organisiere das und du sollst bitte nur genial sein und spielen.
Florian Bayer: Ja, ich zögere gerade, weil du wieder die Realität reinbringst und dann habe ich das Gefühl, ich muss ganz viel zur Realität sagen.
Johannes Franke: Nein, aber der Film braucht das ja auch. Ey, lass mich das ergänzen, weil du sagst, okay, wir müssen uns am Film halten. Im Filmuniversum wäre es auch sinnvoller gewesen, weil wir ja sehen, dass er daran zugrunde geht, dass er auch an seinem Vater hängt. Das Plakat ist ja nicht umsonst dieses Lumende, diese Schattengestalt, die über ihm zu sein scheint. Und das ist ja irgendwie der Vater, an dem er hängt, für den er dieses Requiem schreibt.
Florian Bayer: Ja, bis zu dem Punkt, wo Salieri ja tatsächlich die Rolle seines Vaters einnimmt. Genau. Und wenn du sagst, am Schluss sitzt er da. Und quält Mozart in den Tod hinein. Er macht ja das, was sein Vater mit ihm gemacht hat. Genau das, ja. Ich finde, das ist ganz spannend, weil es ist natürlich so voll das Yin und Yang Ding, wie Mozart und Salieri aufeinanderstoßen. Mozart hat all diese Eigenschaften, die Salieri nicht hat. Wo Salieri intrigant ist, ist Mozart unglaublich naiv. Wo Salieri so verbissen ist, ist Mozart komplett verspielt. Wo Salieri misstrauisch gegen alles und jeden ist, ist Mozart treuherzig, wo er sich selbst Probleme damit macht. Ja, total. Und dieses Gegenüberstellen, und das sind natürlich mehrdimensionale Charaktere, aber diese Gegenüberstellung ist ja erstmal so radikal schwarz und weiß. Wir haben hier diesen überdimensionalen Bösewicht, von Neid zerfressen, leidend, fromm, asketisch. Und dann haben wir diesen jungen, quirligen Lebemann, der wie ein kleines Kind durch den Raum hüpft und dem offensichtlich alles scheißegal ist, was um ihn herum passiert. Funktioniert hervorragend. Großartig. Und Tom Hulst spielt das super. Ja, ganz toll. Das ist genau die Figur, die wir neben diesem Salieri platziert haben wollen, um zu verstehen, wie die Dynamik zwischen den beiden ist.
Johannes Franke: Und auch zu verstehen, wie vielleicht Mozarts Leichtigkeit in der Musik und mit diesem, wie das vielleicht zustande kommt, auch dieses Genie, was der Film ja nun groß machen will. Ich weiß nicht, wie realistisch und was... Egal, egal. Es ist ja nicht wurscht. Um auch zu verstehen, dass man im Leben, um Kunst schaffen zu können, die vielleicht auch eine gewisse Leichtigkeit oder sowas hat, dass du auch was erleben musst. Salieri ist ja der, der verbissen an seinem Schreibtisch komponiert.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, das Komponieren von Salieri besteht zum großen Teil aus Beten. Ja, ja, ja, genau. Dass er sagt, bitte Gott erleuchte mich, gib mir diese eine Note, die ich noch brauche.
Johannes Franke: Und das ist so krass. Und Kunst, egal welche Kunst, du kannst Kunst nur machen, wenn du was erlebst. Was willst du denn sonst verarbeiten? Das funktioniert doch nicht. Ja. Und das finde ich super geil, dass der Film das auch eben mitträgt.
Florian Bayer: Wir haben eine der, also wir haben diese erste Begegnung. Und dann haben wir diese zweite Begegnung, die richtige Begegnung, die eine der genialsten Etablierungen von einem Helden-Bösewicht-Kontrast ist. Nämlich, wenn Salieri diesen Willkommensmarsch spielt für Mozart vor dem Hofstab und Mozart dann das Ding innerhalb von Sekunden auswendig kann und anfängt on the fly zu korrigieren.
Johannes Franke: Das ist auch so eine geniale Szene. Da stimmt wirklich alles. Jedes Timing stimmt, jeder Satz stimmt, jeder Schauspieler in der Szene ist großartig. Es ist unglaublich cool.
Florian Bayer: Es ist einfach, also es ist ja vollkommen übertrieben und vollkommen überstilisiert. Ja, natürlich. Aber es ist so genial und das ist auch der Moment, wo einem Mozart natürlich plötzlich ans Herz wächst. Auch wenn das voll schlimm ist, was er da macht. Ja, natürlich. Weil man merkt, er ist halt wirklich, er ist das naive Kind, das nicht merkt, wie es gerade jemanden bloßstellt. Ja. Und es ist gleichzeitig das geniale Kind, das halt so wirklich schnell mal was korrigiert, was offensichtlich nicht perfekt ist. Es kommt halt auch aus einer Kindheit, die so war.
Johannes Franke: Ja. Du solltest ja auf on the spot irgendwas erfinden. Er hat ja im Grunde nur das wiederholt, was seine Kindheit eingebläut bekommen hat. Du bist wieder viel zu sehr in der Realität. Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Aber das stimmt, die Realität stimmt auch im Film. Aber es wird im Film nicht so erzählt. Im Film wird es erzählt, dass er absolut genial ist. Mozart ist in diesem Film von Gott geküsst. Okay, Detour in die Realität.
Johannes Franke: Mozart.
Florian Bayer: Mozart war nicht von Gott geküsst.
Johannes Franke: Mozart hat, ja vor allem, weil es Gott nicht gibt. Er war von seinem Vater geschlagen. Ja, genau. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes wahrscheinlich. Oh, fuck. Mozart hat tatsächlich ja mit sechs krasse Sachen gespielt. Das muss man schon sagen. Oder mit acht, je nachdem, wie man glaubt. Oder mit acht. Und hat auch, wenn da ein Tuch über den Tasten war, konnte er auch noch spielen. Und verbundene Augen und rückwärts. Er konnte tatsächlich auch rückwärts auf den Rücken legen. Er hat das gelernt. Er hat das alles gelernt. Und das in einem Alter, wo man sagt, okay, ich hätte es auch mit Schlägen nicht geschafft. Muss man schon sagen. Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, wenn man...
Florian Bayer: Meinst du, ich könnte? Ja. Nein. Du vielleicht? Ich weiß es nicht. Ich würde sagen, natürlich, es gibt so etwas wie Talent. Definitiv. Ja. Aber Talent wird grundsätzlich bei der Beurteilung von großen Leistungen überschätzt. Das stimmt. Und ich glaube, wir machen dieses Talent-Überschätzen-Machen ja auch, um uns selbst ein besseres Gefühl zu geben. Weil das andere Narrativ ist nämlich, du bist faul. Du hast nicht zehn Stunden am Tag Klavier gespielt, um das zu können. Ja. Und ich glaube, mit zehn Stunden Klavierspielen am Tag kann jeder was erreichen an Können, was ähnlich ist, wie das, was Mozart konnte. Und da glaube ich wirklich daran. Und ich glaube, das, was dazwischen steht, ist nicht die Genialität, sondern das Durchhaltevermögen, das in dieser radikalen Form zu machen. Und Mozart hat halt kein Gameboy, deswegen hat er genug Zeit dafür.
Johannes Franke: Aber ganz kurz, was so Talent betrifft. Es gibt ja... Also ich finde Talent auch ein schwieriges Konzept, weil tatsächlich, du sagst es, 90 Prozent ist Schweiß. Ja. Und nicht Talent. Ja. Aber diese zehn Prozent machen durchaus was aus. Wenn ich zwei Leute nebeneinander stelle, die jeder zehn Stunden am Tag im Alter sowieso üben. Es gibt einen Unterschied. Du kannst einen Unterschied sehen zwischen jemandem, der tatsächlich auch Talent dafür mitbringt und vielleicht dann auch noch ein absolutes Gehör hat und solche Sachen.
Florian Bayer: Ich würde absolut aufpassen, in so eine Metaphysik des Talents reinzurutschen. Ich würde das nicht machen. Wirklich nicht. Ich glaube ja, es gibt Talent. Und natürlich, du bist musikalischer als ich. Das heißt, wenn wir uns hinsetzen und beide zehn Stunden Gitarre spielen üben, ist das, was du produzierst, deutlich besser, als was ich produziere. Aber wenn ich jeden Tag zehn Stunden Gitarre spiele, das würde ich nie im Leben machen. Wenn ich jeden Tag zehn Stunden am Tag Gitarre spiele und du spielst nur acht Stunden, dann machen wir mal was, was gar nicht so weit auseinander liegt. Und das machen wir zwei Jahre lang, dann spiele ich besser Gitarre als du. Und das nicht, weil ich talentiert bin oder genial bin oder so, sondern einfach nur, weil ich diese zwei Stunden am Tag mehr gemacht habe. Ich glaube, diese... Und dass diese Metaphysik der Begabung diesen Kurs... Das ist der Kult der Genialität und des Genies. Ich glaube, das ist alles Bullshit. Ich glaube, es gibt ein bisschen Talent, aber man kann jedes Talent überholen und wegmachen, indem man einfach nur hart arbeitet.
Johannes Franke: Also, ich glaube ja, dass du so 80, 90 Prozent recht hast. Der Rest, glaube ich, ist extrem davon abhängig, was... Selbst wenn dich jemand zehn Stunden am Tag schlägt, um das zu machen, wenn du kein Interesse daran hast, das zu schaffen, obwohl du zehn Stunden am Tag arbeitest, dann hat sich dein Hirn einfach genug gewehrt.
Florian Bayer: Es ist halt so wibbelig-wobbelig. Natürlich hatte Mozart nicht nur Interesse daran, weil er geschlagen wurde von seinem Vater, sondern auch einfach, weil er im Haushalt groß geworden ist. In der Musik alles war. Alle haben Musik gemacht in diesem Haushalt. Es ist doch nicht überraschend, dass Menschen von musikalischen Eltern musikalisch werden und dass Kinder von sportlichen Eltern sportlich werden und so weiter. Das ist ja nicht komisch. Das macht doch total Sinn. Guck mal, du bist künstlerisch unterwegs. Dein Vater ist Künstler. Natürlich spielt das eine Rolle dabei. Ja, naja. Natürlich habe ich diesen ganzen Studienscheiß gemacht. Ich glaube nicht, dass ich eine besondere Sprachbegabung oder sowas habe, sondern ich bin einfach mit Sprache groß geworden und mit Sprache als Operation. Möchtest du noch Teplow? Ja, sehr gerne. Ich glaube, das ist halt auch so wichtig, weil so ganz allgemein, wenn wir versuchen zu verstehen, wie Gesellschaft funktioniert, wie Talent funktioniert, dann ist es halt ganz wichtig, dass wir sagen, na klar, die Herkunft spielt eine große Rolle und die Sozialisation spielt eine große Rolle bei dem, was du kannst. Und deswegen haben wir ja den Fuck-up, dass so wenige Menschen aus nichtbildungsbürgerlichen Haushalten studieren. Dieser Stallgeruch und so weiter. Das ist nicht, weil die alle untalentiert sind, sondern das ist, weil die so sozialisiert wurden. Und deswegen sind Menschen, die vielleicht nicht so klug sind, die nicht so einen hohen IQ haben, gehen zum Gymnasium, machen Abitur einfach, weil sie aus einem bildungsbürgerlichen Haushalt kommen. Und das ist dieser Sozialisationsaspekt und ich glaube, der ist viel, viel, viel, viel größer als irgendeine Muse. Die du von Geburt an hast und die über dir schwebt. Genau, du lachst, aber es ist so religiös. Es hat so was Religiöses, wenn du von dieser Genialität sprichst, weil wie willst du es erklären, außer mit Biologie, dann ist es noch schlimmer. Dann bist du nämlich plötzlich bei den Biologisten Anfang des 20. Jahrhunderts, die irgendwie mit den Rassisten verwandt waren und so. Ja, ja, ja. Ich glaube wirklich, dass das wichtig ist, dass diese, und wir können das als Stilmitte, finde ich das total klasse, also das ist ein Film und in Kunst hat das was verloren und dieser Film macht das ja auch. Ja, ja, klar. Aber ich glaube, da müssen wir einfach umgehen. Was würde du unterscheiden zwischen der Realität und einer sehr schönen Fiktion, in der Menschen von Gott geküsst sind?
Johannes Franke: Ja, also ich würde mich nicht als von Gott geküsst sehen, aber ich glaube, ich habe ein Talent für etwas, was ich in anderen Bereichen einfach nicht habe und das nicht nur zu 100% aus gesellschaftlichen Zusammenhängen machbar ist.
Florian Bayer: Nicht nur aus der gesellschaftlichen Zusammenhänge, aber halt auch so eine Mischung aus Interesse. Du hast, keine Ahnung, jonglieren. Du kannst so gut jonglieren, weil du halt wirklich viel geübt hast, oder? Ja, natürlich, klar. Klar, aber man redet das doch auch klein, wenn man sagt, naja, ich bin halt geboren damit. Dann redet man ja voll seine eigene Leistung klein.
Johannes Franke: Ja, aber du bist jetzt bei schwarz-weiß. Ich sage so, ja, du hast vielleicht so 80% recht, aber gib mir wenigstens die 20%, dass man noch ein bisschen eine Neigung im Körper hat, die einfach da ist.
Florian Bayer: Ich würde gerne über diesen Hofstaat reden, den ich von der Dynamik ganz großartig finde.
Johannes Franke: Leute, ich sag's euch, das wird eine sehr lange Episode. Ich habe noch so viele Sachen auf dem Stapel und jetzt kommen Sachen vom Plor, die ich überhaupt nicht auf dem Stapel habe. Erzähl.
Florian Bayer: Tatsächlich, weil Salieri ist natürlich dieser Oberbösewicht, der großartig erzählt wird. Ich finde diese beiden Kumpanen von ihm, und zwar den Rosenberg, Orsini Rosenberg, den Operndirektor und den Kapellmeister Bono, die wirklich existiert haben, die wie alles andere in diesem Film nichts mit der Realität gemeint haben, wie sie hier dargestellt werden, großartig in ihrer Dynamik. Dieser verkniffene Rosenberg, der wirklich der ist. Der Mozart am ehesten hasst, weil er ihn nicht versteht, der zu dumm ist, um Mozart zu verstehen. Und dann dieser Kapellmeister Bono, der immer verschwitzt und immer nervös ist und immer nur opportunistisch. Was für ein großartiges Duo.
Johannes Franke: Das erste Mal, als sie auftauchen, ist ja, als er reinkommt und dieser Marsch gespielt werden soll, den Salieri da komponiert hat. Und das ist schon so eine geile Szene, wie der kleine, dicke, an der falschen Stelle lacht und merkt, oh nein, ach, das war jetzt falsch.
Florian Bayer: Und er muss sich immer rückversichern. Immer wenn er was gefragt wird, wandert sein nervöser Blick entweder zum Kaiser oder zu Rosenberg, dem er offensichtlich treu ergeben ist. Und er hängt sich immer daran an die Fahne, die gerade im richtigen Wind weht. Das war schon wieder so ein komisches Bild. Heute sind meine sprachlichen Bilder echt merkwürdig schräg.
Johannes Franke: Ich nehm's gerne. Aber es ist auch, man muss dazu sagen, es ist ja auch der Italiener, der offensichtlich nicht so viel, nicht so gut Deutsch spricht. Ja, oder amerikanisch. Ja. Es ist schön. Milos Forman hat ja die Entscheidung getroffen, zu sagen, nee, wir machen jetzt alles, was deutsch ist, ist amerikanisch, um das Gefühl von, okay, das ist Heimat zu haben. Und alle, die fremd sind, haben einen anderen Akzent.
Florian Bayer: Und er zieht es wirklich konsequent durch. Dieser Film ist im Original, da ist nichts Wienerisches mehr drin.
Johannes Franke: Und andere Filme haben es ja mit irgendwelchen Akzenten, die sprechen dann Englisch mit deutschem Akzent oder sowas. Ich finde seine Methode eigentlich besser.
Florian Bayer: Ja, eine Methode, die dazu führt, dass die deutsche Synchronisation erstaunlich gut ist. Ich habe den Film auf Amazon gekauft und mich wie so oft geärgert, dass es nur die deutsche Version gibt. Ach scheiße. Das ist mir immer mal wieder passiert bei Amazon, dass ich einen Film gucken will und dann meistens dann nicht, nachdem ich Geld dafür ausgegeben habe. In dem Fall war es, ich habe Geld dafür ausgegeben, mach das Ding an und es ist nur die deutsche Tonspur drin. Ach scheiße. Ich habe ihn auf Deutsch geguckt als erstes. Und die deutsche Synchro hat den Wiener Dialekt extrem gut eingefangen und extrem gut so sprachliche Besonderheiten aus der Zeit aufgenommen. Es war eine Freude. Es war wirklich eine Freude. Und danach habe ich dann die englische Version geguckt und gedacht, ah, ja, ich verstehe, was er hier macht und ich finde es auch absolut nachvollziehbar, dass er sagt, die SchauspielerInnen sollen sich nicht darauf konzentrieren, Dialekt nachzumachen. Ja.
Johannes Franke: Ich finde, dass die Art und Weise, wie Mozart dargestellt wird mit seiner Lache und mit seiner Naivität und mit seiner Verspieltheit, dass das das ist, wo ich sagen würde, das könnte der Realität am nächsten kommen in diesem Film. Auch wenn es völlig übertrieben ist und viel zu viel. Aber ich kann mir vorstellen, dass Mozart... Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Mozart war ein vulgärer Mensch und wie gesagt, zur Wahrheit gehört auch, dass vulgär damals schick war, gerade so in Wienerkreisen und dieses Arsch und Scheiße. Mozart hat mehrere Balladen geschrieben, die heißen Leck mich im Arsch und jetzt erst recht und Scheiß drauf und so. Und das war nichts Schlimmes. Nein, nein, nein. Das war einfach so. Das war halt so. Auch für seine Zeit ein schon besonders vulgärer Mensch. Und auch die Briefe, die er an nicht Constanze, sondern ihre Schwester geschrieben hat. Er war da ordentlich vulgär drauf und hat öfter mal so, ich versuche dir den Hintern und solche Sachen geschrieben. Genau.
Johannes Franke: Und tatsächlich scheint er innerhalb von kürzester Zeit von einem ernsthaften Gespräch übergegangen zu sein, über irgendwelche Möbel zu klettern und wie eine Katze zu miauen. Ja. Hat er offenbar gemacht. Also das scheint verbrieft zu sein.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, wie viel davon auch einfach anekdotisch ist und so. Aber übertrieben. In Wien in der damaligen Zeit wurde sehr viel. Jetzt esse ich übrigens das Ding.
Johannes Franke: Ja. Und hast du von mir sowas gehört wie von dir? Nein.
Florian Bayer: Ich habe es still und leise geschafft, während du deinen Mund verklebst. Ja, weil du die ganze Zeit falsche Sachen sagst und ich dich korrigieren muss. In Wien in der damaligen Zeit wurde teilweise sehr derb und sehr wild gefeiert. Damit haben die sich auch geschmückt. Das war einfach so ein Teil der damaligen Hofkultur. Da hat Mozart eigentlich ganz gut reingepasst. Wie gesagt. Ja. Er war offensichtlich ernst genug. Um in einer Freimaurerloge aufgenommen zu werden. Ja. Die haben nicht jeden genommen. Ja, das stimmt wohl.
Johannes Franke: Ich finde es genial, dass der Film Mozart einführt mit diesem seltsamen Hin und Her springen. Ohne, dass wir ihn sehen am Anfang. Ja. Sondern dass der Jiri nach ihm sucht und sagt, wie könnte dieser geniale Mensch aussehen. Sehr Dignity. Ich suche jemanden, der sehr würdevoll in der Gegend rumläuft. Und dann kommt dieser Typ. Und wir sehen ihn ganz lange nicht, hören ihn kichern und so weiter. Und sehen Füße von ihm. Das ist wie so eine richtige Heldeneinführung. Oh, es gibt noch einen Nachschlag. Sehr schön.
Florian Bayer: Eine weitere Mozart-Kugel. Es gäbe noch mehr, wenn meine Familie nicht so gierig wäre.
Johannes Franke: Und dann, was ich geil finde, ist halt, dass er seine Genialität dafür nutzt, rückwärts zu sprechen innerhalb von kürzester Zeit. Und Sachen irgendwie, also auf eine verspielte Art und Weise sehen wir, wie er einfach eine Genialität mit sich rumträgt.
Florian Bayer: Ganz wichtig für seine Charakterisierung, dass diese Genialität mit der Verspielte einhergeht. Ja. Und dass er die Genialität mit der Verspielten einhergeht. Und dass er die Genialität nutzt, um verspielt und kindisch zu sein. Genau. Und das haben wir auch nachher bei diesem großen Fest, wo er bestraft wird und dann Klavier spielen soll. Und dann sagen sie, spiel mal den Bach. Und einfach so aus dem Stehgreif spielt er Bach. Und dann sagen sie, spiel auf dem Kopf stehend. Und dann spielt er auf dem Kopf stehend. Und er kann jeden Komponisten imitieren, ohne Probleme. Und macht das aber einfach nur für dieses Fest, um diese gar keine Gesellschaft zu unterhalten. Großartig. Also wir verstehen einfach, wie dieser Mozart funktioniert. Und wir verstehen vor allem auch, warum Salieri diesen Mozart hassen muss. Ja. Absolut, absolut.
Johannes Franke: Weil er genau das ist, was er sich immer versagt hat. Auch, dass er, er wäre gerne, glaube ich, mal über Möbel gesprungen und hätte miaut wie eine Katze. Und kann das aber nicht machen, weil er einfach in diese Gesellschaft so sehr verankert ist. Und sich immer gesagt hat, nein, ich muss ernsthaft hier ernste Musik machen.
Florian Bayer: Es ist witzig, dass so der einzige Moment, wo wir dann sehen, wie Salieri so ein bisschen ausbricht, ist, wenn er mit der Katharina Cavalieri spielt und sie singt. Mhm. Und er sich dann schnell eine Praline... Eine Praline in den Mund steckt, während ich spiele. Das ist sein Moment des Sündigens, ne? Ja, ja. Das ist der einzige genussvolle Ausbruch und den macht er schon reuevoll. Ja, genau.
Johannes Franke: Und heimlich, den er sich erlaubt. Ist natürlich auch eine, in dem Moment steht das natürlich eigentlich dafür, dass er sie gerne vernaschen würde. Ist ganz interessant, ne?
Florian Bayer: Es ist sehr süß. Ja, aber er sagt ja, also er betont dann ja als Alter auch, er wollte, er wollte sie nicht, er hat sie nicht angefasst. Mhm. Und er wollte sie auch nicht anfassen. Sie war seine Sängerin. Und er wollte sie nicht berühren. Ja. Und ich glaube... Glaubst du ihm? Ja, ja, natürlich. Dass ihm seine Keuschheit wirklich am Herzen liegt und auch so natürlich dieser radikale Blick auf Frauen, dass sie verdorben sind, wenn sie Sex haben. Ja, ja, ja. Weil dann der Moment, wo er erfährt, dass Mozart mit dieser Frau geschlafen hat... Nein, ich gehe einfach nicht zur Realität. Ich ignoriere das komplett. Vollkommen ignorieren einfach. Als er erfährt, dass Mozart mit dieser Frau geschlafen hat, ist er ja total aufgebracht, weil sie wurde in seinen Augen geschändet.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise für ihn. Ich glaube ja noch nicht einmal, dass er daran glaubt, dass sie tatsächlich... Dass sie tatsächlich geschändet wurde. Ich glaube, das ist der Incel-Moment. Dass er sagt, das ist meine, da fasst niemand an. Nein, er ist kein Incel. Ich glaube es nicht.
Florian Bayer: Er ist freiwillig. Er könnte sie anfassen. Ja, aber er hat den Pakt mit Gott. Genau.
Johannes Franke: Und Gott sagt, nein, das geht nicht.
Florian Bayer: Aber er ist bereit, das zu machen und seine Sexualität für seine musikalische Genialität zu opfern. Übrigens, Lorenzo da Ponte, den wir schon mehrmals genannt haben, der Likratist, der ganz viel... ...für Mozart geschrieben hat, der ist schuld daran, dass es das Gerücht gab, dass Salieri mit ihr was hätte. Ah. So als Funfact am Rande ist natürlich kompletter Bullshit, genauso wie das Mozart mit ihr in der Affäre hatte. Das ist auch kompletter Bullshit. Sie war einfach eine gute Sängerin. Sie hat in Opern gesungen.
Johannes Franke: Wolltest du nicht die Realität aus dem Vorlass bekommen?
Florian Bayer: Entschuldigung, ich kann nicht anders.
Johannes Franke: So, und jetzt zum Elephant in the Room. Ich finde es so geil, dass Salieri Beef mit Gott hat. Ja. Und zwar Beef mit Gott durch Mozart und Mozart gar nichts damit zu tun hat. Ja. Mozart ist einfach nur zufälligerweise...
Florian Bayer: Und Mozart kriegt das ja auch gar nicht mit. Nein. Und es ist so großartig, wie sich das ja auch entwickelt. Zuerst gibt es diese Ergebenheit zu Gott. Ja. Dann gibt es diesen Moment, wo er Gott anfängt in Frage zu stellen. Dieses großartig, wenn Mozart ihn korrigiert hat, wenn er da sitzt und sagt, Grazie, zu dem Kreuz. Genau. Wenn er sich bei Gott quasi so auf sarkastische Art bedankt, bis zu dem Punkt, wo er sagt, von nun an sind wir Feinde und das Kruzifix ins Feuer wirft. Und er ist der Leibhaftige in diesem Moment. Ja, absolut. Wow. Krasse Scheiße. Was für ein starkes Bild. Das Kreuz verbrennen. Und man denkt ja zuerst, wenn er sagt, von nun an sind wir Feinde, er würde über Mozart reden. Aber nein, er redet direkt zu Gott und sagt, Gott, wir sind Feinde und ich mache dein Kind, das du da erschaffen hast, mache ich jetzt kaputt.
Johannes Franke: Und auf so vielen Ebenen findet der Film Möglichkeiten, das zu erzählen. Und allein diese Rahmenhandlung mit dem armen Priester, der tut mir so wahnsinnig leid. Er kommt da hin. Vielleicht ist er auch so... Ganz frisch in der Materie. Und dann wird er da hingeschickt. Ja, du, kümmer dich mal um den armen Irren da. Salieri sitzt ja da und hat sich vorgenommen, diesen Typen fertig zu machen. Er will ihn vernichten. Du bist jetzt mein Stellvertreter für Gott und dich mache ich jetzt fertig, indem ich dir erzähle, wie ich Mozart umgebracht habe. Und zwar auf die schlimmste Art und Weise, dass du nur schwitzend da sitzen kannst und dich eigentlich wegwünschst. Das ist so krass. Und dieser Typ spielt das so gut.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Diese Unsicherheit, diese Verlorenheit und dieses Gefühl, seine Rolle erfüllen zu müssen. Als Gottesdiener. Ja. Es ist so toll. Das Casting ist großartig einfach. Und dann haben wir genau dieses Fest. Wir haben dann mehrere Momente. Also es gibt durchaus diese Momente, in denen sich Salieri von Mozart provoziert fühlt. Also zum einen, wenn er dann, wo ich nicht ganz klar sehe, wie seine Motivation dahinter ist, wo er mittlerweile die Frau von Mozart, Constanze, nochmal zu sich bittet. Constanze kommt ja mit den Noten. Und eine Szene, die übrigens nur im Directors Cut, der aber irgendwie die offensichtlich kann, die canonische Variante ist, weil das ist das Ding, was man überall findet. Ja, ja, ja. Das wurde weggelassen, dass er zu ihr sagt, komm abends nochmal. Und sie sich dann vor ihm auszieht und er schickt sie dann wieder weg, um sie vor allem zu demütigen. Ja. Ist es einfach ein Machtspiel? Ist das so dieses Machiavelli-Ding, was er hat?
Johannes Franke: Ich glaube, er will das am Anfang auch. Also er sagt, komm wieder. Dann will er das durchziehen. Das ist so sein Ding. Glaubt aber nicht, dass sie es tut. Und dann kommt sie. Dass er quasi eine Ausrede hat. Und er ist völlig überfordert. Ja. Und denkt sich, ah scheiße, was mach ich denn hier jetzt? Ja. Und deswegen klingelt er fast schon aus Hilflosigkeit diesen Typen herbei. Ohne zu beabsichtigen, dass dieser Typ sie jetzt sozusagen auch noch nackt sieht. Er will sie eigentlich gar nicht bloßstellen in dieser Form. Vielleicht. Mein Gedanke dazu. Aber das kann man so oder so sehen.
Florian Bayer: Vielleicht macht er es auch, also um sich selbst eine Rechtfertigung zu geben, dass er Mozart nicht hilft. Also quasi sie kommt nicht. Genau. Und dann hat er einen Grund, Mozart nicht zu helfen. Aber es ist ja gut. Ja, stimmt schon. Also ja, vielleicht ist diese Demütigung, die er ihr zuteilwerden lässt, dann auch ein Stück Hilflosigkeit. Ja, und Kollateralschaden quasi. Und Kollateralschaden. Und dann, das ist ja der Moment, nachdem er sagt, jetzt sind wir Feinde. Das ist der entscheidende Moment, wo es endgültig bricht und er wirklich dem Glauben entsagt. Und von dem Moment an haben wir so ganz viele mal kleinere, mal größere, intrigante Aktionen von ihm. Es dreht sich irgendwie immer wieder darum, dass er intrigiert, dass er Gerüchte streut über Mozart. Dass er die Laurel als Zimmermädchen anheuert. Übrigens Sex in the City. Ja, geil.
Johannes Franke: Ich habe sie sofort erkannt und habe gedacht, Wahnsinn. Die war jung damals. Die war sehr jung. Wie krass. Aber die macht das ganz toll, finde ich.
Florian Bayer: Ja, sie spielt halt das hilflose Cindy Nixon. Ja. Miranda aus Sex in the City. Das war die, die in Sex in the City immer an diese ganz verrückten Typen gerät. Die hat immer so ganz irre Typen. Ich habe es nicht mehr im Kopf, wie das war. Er heuert die Laurel an. Um Mozart auszuhorchen. Aber manchmal gibt es halt auch so lustige, intrigante Aktionen. Wie zum Beispiel, dass er ihn zu der Familie Schlumberg schickt zum Musizieren, um die Tochter im Piano zu unterrichten. Und er schickt ihn halt wirklich zu der schlimmsten Familie, die man sich vorstellen kann als Klavierlehrer.
Johannes Franke: Wo er am Ende nicht mehr die Tochter unterrichten soll, sondern den Hunden beibringen, Musik gut zu finden. Das ist auch so fies und das ist so gemein. Und man kann schon auch echt oft Mozart verstehen. Dass er da keine Bock drauf hat und dass er das alles nicht will und so. Auch wenn er Geld verdienen muss und so. Aber manche Sachen will er sich einfach nicht geben müssen. Und das verstehe ich auch.
Florian Bayer: Naja, Mozart wird ja wirklich erzählt als jemand, dem seine Kunst so sehr am Herzen liegt, dass er das einfach unmöglich empfindet, wenn zum einen seine Kunst nicht akzeptiert wird. Es gibt mehrere Momente, wo Mozart sagt, was wollt ihr? Ey, das ist die beste Oper, die je geschrieben wurde. Und ihr setzt die jetzt ab.
Johannes Franke: Aber es ist schon auch hart. Es gibt ja die eine Szene. Wo Salieri sagt, ja, war, also auch ehrlich sagt, ja, war richtig geil. Und Mozart dann sagt, ja, ne, es ist die beste Oper, die je geschrieben wurde. Und man so sagt, ah, Alter, du kannst ihm doch nicht in die Fresse hauen damit. Er merkt es nicht. Er merkt es halt nicht. Das ist genauso wie mit dem Korrigieren. Also das war ja noch viel mehr in die Fresse hauen. Ja, ja, genau. Und wie der König sagt, ja, zu viele Noten. Das ist auch eine geile Szene. Muss man sagen, Mozart ist vielleicht nicht sonderlich taktvoll, aber es ist genau das, was ich auch sagen würde. Okay, wo würdest du denn Noten rausnehmen? Jetzt möchtest du es aber auch mal wissen. Erzähl doch, welche Noten sind denn zu viel?
Florian Bayer: Ja, das ist eine sehr gute Reaktion. Übrigens, über den Kaiser haben wir noch gar nicht geredet. Der Kaiser ist auch ganz wirklich großartig gespielt von Jeffrey Jones, der Direktor aus Ferris Bueller. Was ich super seltsam finde. Aber ja, der spielt den Kaiser wirklich großartig. Der hat auch immer diese Intrigen gerettet. Der Kaiser, jemand, der nicht sehr musikalisch ist, aber sich versucht, mit Musikalität zu schmücken.
Johannes Franke: Und guck mal, der hat zehn Stunden am Tag Musikunterricht bekommen. Und der ist bei weitem nicht so gut wie Salieri. Der hat nicht zehn Stunden am Tag Musikunterricht bekommen.
Florian Bayer: Der wollte es wirklich. Der wollte es wirklich wissen. Mitte, wie alt ist er in dem Film? Mitte 30, Ende 30, Anfang 40. Es ist so schwer zu sagen, weil die alle unter diesen Perücken verschwinden. Hat er in einer Woche vielleicht eine Stunde Klavier gespielt mit Salieri und war abgelenkt mit anderen Sachen.
Johannes Franke: Also, ich muss nochmal zurückkommen auf deine Talentproblematik. Was ist mit Leuten, die so Dyspraxie oder Dyslexie haben? Das ist einfach neurodiverse Menschen. Ja, natürlich, natürlich. Du kannst doch nicht sagen, du hättest nur zehn Stunden am Tag gelesen. Nein, nein, das ist nochmal was anderes. Natürlich ist das nochmal was anderes. Und ich glaube, was Neurodiversität betrifft, sind wir alle auf einem Spektrum. Ja, sind wir. Das heißt, wir sind alle neurodivers. Das heißt wiederum, dass wir durchaus Veranlagungen haben zwischendurch.
Florian Bayer: Natürlich haben wir Veranlagungen. Das will ich ja gar nicht kleinreden. Aber wir können unglaublich weit über unsere Veranlagungen herauswachsen. Das sind die 80 Prozent und die 20 Prozent. Das heißt, diese 20 Prozent musst du mir jetzt geben.
Johannes Franke: Verhandeln wir jetzt um wenige Prozente?
Florian Bayer: Wir verhandeln jetzt um wenige Prozente. Weil du nämlich Gefahr läufst, einem Geniekult anheimzufallen. Mit 80 Prozent? Und der Geniekult hat wirklich Schlimmes gemacht. Und der Geniekult ist dann schuld, dass wir heute Mozart alle kennen und niemand mehr Antonio Salieri kennt, außer halt darüber, dass er sagt. Das sagst du alles nur, weil du talentfrei bist. Genau. Ich bin talentfrei und ich bin stolz drauf. Das heißt nämlich, wenn ich talentfrei bin, wenn ich etwas kann, dann habe ich wirklich dafür gearbeitet.
Johannes Franke: Okay, wofür hast du gearbeitet? Da müsste ich aber jetzt lange drüber nachdenken, wofür du so gearbeitet hast.
Florian Bayer: Wir sind im Mittelteil des Films, wo wir übrigens einen Film, der drei Stunden dauert, der sich nicht wie drei Stunden anfühlt. Nein, gar nicht. Das ist beeindruckend. Und wir haben zwei Sachen, die erzählt werden. Wir haben zum einen diese Intrigen von Salieri, mal kleiner, mal größer. Und zum zweiten diese Mozart macht Geniale. Und wird nie so anerkannt, wie er eigentlich anerkannt gehören würde. Sprich, der Kaiser sagt zur Entführung aus dem Serail, ja, das ist ja ganz nett, aber es hat zu viele Noten. Er gähnt einmal bei der Hochzeit des Figaro, was ganz schlimm ist und deswegen wird es nach neun Aufführungen abgesetzt.
Johannes Franke: Ich glaube, ich hätte auch gegähnt bei vier Stunden. Ich verstehe es total. Ich finde das Gespräch übrigens sehr interessant danach, weil nämlich Salieri dann sagt, ja, zu viele Noten heißt im Grunde, es ist einfach fucking lang. Der will eine Stunde da sitzen und sich das anhören und Spaß haben, aber nach vier Stunden, natürlich gähnt man dann. Ich finde es ja gar nicht schlimm, wenn man zwischendurch in der Oper gähnt und so. Das heißt ja nicht, dass man das nicht würdigen kann oder sowas. Das ist halt dadurch, dass es der König ist, wird da halt reininterpretiert und dann wird gesagt, okay, das Ding wird abgesetzt, wenn er dreimal gähnt.
Florian Bayer: Was ich super spannend finde an Salieri und an der Dynamik Salieri-Mozart. Salieri hintergeht die ganze Zeit Mozart, belügt ihn, betrügt ihn, macht ihn fertig. Aber wenn er irgendwas gefragt wird zu Mozarts Musik, er kann nicht lügen. Es ist so geil, oder? Er ist einfach ehrlich und sagt, ja, es ist das Beste, was ich je gehört habe. Und nicht nur Mozart gegenüber, auch zum Beispiel Mozarts Frau gegenüber, Konstanze gegenüber, wenn sie ihm die Noten gibt, er guckt sie sich an und sagt, Alter, das ist meisterhaft. Das ist das Beste, was ich je gelesen habe. Und das ist so genial, weil das so eine tolle Facette diesem Salieri hinzufügt. Das ist der Moment, wo er ehrlich sein muss, weil es ihn einfach überwältigt, wie genial das ist.
Johannes Franke: Ja, weil er auch viel zu stark in der Musik drin hängt. Also wenn du einen Genie schon vor dir hast und das siehst, dann würde mir auch wahnsinnig schwer fallen zu sagen, nö, letzter Rotz. Das geht ja nicht.
Florian Bayer: Und ich finde es großartig. Es gibt ja nicht so viele Momente, aber wenn Mozart ihn fragt, fandet ihr es gut? Er könnte ihn weiter fertig machen, indem er sagt, ja, es war ganz nett, aber ich habe schon Besseres gehört. Aber nein, er ist einfach ehrlich und kann nicht anders, außer zu sagen, Alter, das war fantastisch.
Johannes Franke: Und es ist schon traurig, dass dann nur so, wahrscheinlich in der Realität auch gewesen, zu sein, dass er nicht so viele Vorstellungen hatte.
Florian Bayer: Hochzeit des Figuro war ein Erfolg und der Kaiser mochte das einfach. Und ich glaube, der Kaiser hat auch nicht gegähnt dabei. Es gibt zumindest, ich habe nichts gefunden, was darauf hinweist. Und es war halt auch nur der Ponto-Opa. Der Ponto-Opa waren damals hoch angesehen. Es war eine italienische Opa und es wurde oft aufgeführt. Macht so ein Ding drum, dass es nach neuen Aufführungen abgesetzt wird. Ja. Nein, das war einfach, das lief. Das war gut. Das war einfach gut. Warte, ich suche gerade den Text dazu. Nein, nein. Das war einfach was, was gut gelaufen ist. Und das betrifft die meisten Opern, die Mozart gemacht hat. Wir haben hier die großen Dinger. Also das ist die Zeit, die erzählt wird. Das sind ja auch Mozarts wirklich berühmte Opern. Also die Hochzeit des Figuro, die Entführung aus dem Serai, der Don Giovanni. Don Giovanni. Cusi fan Tute wird tatsächlich nur am Rand erwähnt, glaube ich. Und dann die Zauberflöte. Das sind die großen Mozart-Opern. Ja.
Johannes Franke: Ich finde es übrigens großartig, wie Don Giovanni dann nochmal durch den Kakao gezogen wird. Ich finde diese Szene so geil. Von Chicaneda und seiner Theatertruppe. Ja, auf jeden Fall. Chicaneda, die einfach Don Giovanni nochmal durch den Kakao ziehen. Und ich finde es so geil. Weil das auch zeigt, wie nah die Kunst damals und die Oper und all diese Konzerte und so an unserem heutigen Kino oder Varieté oder diesem ganzen Zeug, was wir heute als Entertainment wahrnehmen. Das ist das. Und ich hätte wahnsinnig gerne diese Chicaneda-Inszenierung damals gesehen. Weil es muss so geil gewesen sein und so viel Spaß gemacht haben.
Florian Bayer: Es war auch so ein Wiener Ding. Und es gab auch tatsächlich damals schon ganz krass diese Unterscheidung in Ehe und Urkultur. Das heißt, sowas wie Don Giovanni war was anderes als dieses Kasperl-Theater, was Chicaneda gemacht hat. Und es war auch an unterschiedlichen Bühnen teilweise, aber es gab natürlich Überschneidungen. Und es gab diese spezielle Form der Zauber-Oper und der Wiener Kasperl-Oper, die extrem angesagt war. Vor allem beim Einzelnen. Im einfachen Volk. Die wurde im Volkstheater gespielt. Die Leute sind da hingegangen. Und das war so ein bisschen das Ding, was sich zum einen an der französischen Oper, die komischen Oper orientiert hat. Und zum anderen am Hoftheater, was man irgendwie so aus dem Spätenbarock kannte, aus Deutschland. Und das hat sich schon als Gegensatz verstanden zur italienischen Oper, die sehr ernst war und sehr erhaben. Das ist durchaus so ein Diskurs, den es damals gab. Wenn Mozart sagt, diese erhabenen Figuren, warum müssen wir immer über Götter und Helden singen? Ja. Das ist eigentlich die Haltung dieser Kasperl-Oper. Dass sie sagt, wir wollen keine Götter, sondern wir wollen einfache Leute. Wir wollen Spaß, wir wollen Witz und so weiter. Aber es gab Überschneidungen. Und Mozart war nicht der Einzige, der diese Überschneidung gesucht hat. Genau. Und die große Überschneidung ist dann natürlich, und deswegen ist sie so berühmt, weil sie halt sowohl für das Volk als auch für den Adel ist, in der Zauberflöte. Wo wir sowohl dieses alberne Schikaneda-Opern-Theater haben, als auch das erhabene Singspiel von Mozart.
Johannes Franke: Was übrigens mir dann aufgefallen ist, nachdem ich nochmal Mozart danach gehört habe, Ja. dass ich das Gefühl habe, dass es streckenweise, natürlich völlig anders als heute, aber so dieses sehr nah am Volk, fast schon deklamierende Singen gab teilweise. Dass du fast das Gefühl hättest, wenn du jetzt noch ein bisschen übertreibst, kommst du in Fußballgesänge rein. Doch wirklich. Das ist total spannend, dass das sehr volksnah teilweise ist. Also nicht alles, bei weitem nicht alles, aber so ein, zwei Stücke, die ich jetzt leider nicht zuordnen kann, wo ich den Namen nicht habe. Du meinst Opern. Ja, Opern, Arien und so. Ja, also Gesangsstücke. Ich weiß nicht ganz genau, was es war. Ich habe das auf Spotify einfach angemacht und gesagt, mach mir den Best-of von Mozart rein. Und dann habe ich leider in dem Moment nicht gucken können, was es genau ist. Aber ich hatte immer mal wieder das Gefühl, wow, okay, wenn das jetzt ein bisschen transferiert auf die heutige Zeit, kannst du super im Stadion singen.
Florian Bayer: Ja, ich bin einfach zu wenig Opernexperte dafür. Ich kenne halt, also ich finde es tatsächlich erstaunlich, wie viel man von Mozart kennt, auch aus den Opern. Ja, voll. Wie viele Stücke einfach bekannt sind, weil die oft gespielt wurden.
Johannes Franke: Die werden halt ständig zitiert irgendwo. Und als Werbemusik benutzt. Als Werbemusik benutzt, bei Tatorten zwischendurch eingespielt, als Filmmusik verwendet. Das ist einfach wahnsinnig viel. Das ist ja nicht umsonst in ein Köchelverzeichnis sortiert worden, weil das so viel Zeug ist, dass man das einmal katalogisieren muss, um zu sagen, übrigens Köchelverzeichnis hier, Nummer sowieso, Abschnitt sowieso, weil es einfach Zeug ist, viel Zeug.
Florian Bayer: Übrigens auch, jetzt bin ich doch wieder kurz bei der Realität, was der Film komplett falsch erzählt. Mozart hat genau in dieser Zeit in Wien angefangen, sein Zeug zu kartografieren und zu sagen, ich mache jetzt einmal hier, soweit ich es kann, ein Verzeichnis meiner Stücke und sortiere die, damit ich quasi so meinen Nachlass ein bisschen organisiert habe.
Johannes Franke: Ja, wenn wir schon bei der Realität sind, er hat tatsächlich seine Sachen auch mal korrigiert. Er hat viel korrigiert. Der Mann hat nicht einfach Noten aufs Papier gekleckert. Entschuldigung. Aber das ist so dieses Gefühl von Genie. Wenn ich einen Genie erzählen will, dann erzähle ich eins, das alles im Kopf, und dann nur noch einmal aufschreiben muss. Und ja, nein, das stimmt natürlich nicht.
Florian Bayer: Und seine Opern waren auch Erfolge. Einige Opern, wie zum Beispiel der Don Giovanni, wurden zuerst in Prag aufgeführt. Und dann hat Kaiser Josef gesagt, nein, das muss unbedingt nach Wien. Dann wurde das in Wien aufgeführt. Und dann hat der Kaiser gesagt, das muss nochmal aufgeführt werden und nochmal. Hier wird erzählt, dass Don Giovanni nur fünfmal aufgeführt wurde. Aber das ist ja die großartige Bissewicht-Geschichte auch, die so gut zu ihm passt. Er hat dafür gesorgt, dass die nur fünfmal aufgeführt wurden. Aber er saß bei jeder Vorführung, weil es einfach so großartig war. Finde ich toll, er erzählt in dem Film. Ist aber natürlich komplett an der Realität vorbei, weil das Ding extrem beliebt war.
Johannes Franke: Das Einzige, das daran stimmt, ist, dass Salieri tatsächlich sehr viel bei Mozart in den Vorstellungen gesessen hat. Und das richtig gut fand. Und das auch immer geäußert hat. Und Mozart saß bei Salieri in den Vorstellungen.
Florian Bayer: Und Mozart fand Salieri auch gut. Also kollegiales Verhältnis einfach. Aber genau, das ist so. Jetzt haben wir die Realität jetzt durch. Jetzt kommen wir schon fast zu dem Reklame. Zu dieser Requiem-Geschichte, die Salieris letzter großer Plan ist. Dass er sagt, ich verkleide mich jetzt als Mozarts gestorbener Vater. Also in dieser toten Richterverkleidung, die ich im Don Giovanni gesehen habe. Und gebe dieses Requiem in Auftrag für mich. Damit ich, wenn ich Mozart getötet habe, das spielen kann. Und endlich seine Genialität als meine ausgeben kann. Das Requiem in D-Moll. KV 626 für alle Opernexperten. Das in dieser Geschichte. Die Geschichte, Salieri bei Mozart in Auftrag gibt, um eine Totenmesse zu haben, die er für ihn spielen kann. Genau.
Johannes Franke: Und natürlich hat Salieri das nicht gemacht. Der hat das nicht in Auftrag gegeben. Aber es war wirklich ein Auftragswerk. Und zwar für einen Menschen, dessen Namen du jetzt verraten wirst.
Florian Bayer: Graf Franz von Wallseck. Und der hat das anonym in Auftrag gegeben, weil er es tatsächlich als sein eigenes Werk ausgeben wollte wahrscheinlich. Es ist so krass, weil dieser Typ das öfter gemacht hat.
Johannes Franke: Ja. Der war Pianist, glaube ich. Er hat viel zuhause. Er hat zuhause irgendwelche Empfänge gegeben und den Leuten was vorgespielt. Und gesagt, das habe ich gestern komponiert, ist mir gerade so eingefallen, im Schlaf. Und hat einen Haufen Leute beauftragt, Zeug für ihn zu schreiben. So richtig der größte Angeber der Welt wahrscheinlich.
Florian Bayer: Absolut. Was für ein Arsch. Und in dem Fall aber ein bisschen traurige Hintergrundgeschichte. Seine Frau war gestorben und er wollte das zum Jahrestag des Todes seiner Frau vorspielen. Und zwar 1793. Ja. Hat er das dann auch tatsächlich vorgespielt. Das Problem war, dass nach Mozarts Tod hat Constanze gesagt, was haben wir denn hier noch an unfertigen Arbeiten. Und hat das einmal sich angeguckt und hat dann gesagt, naja, das ist ja fast fertig. Ja. Und dann haben es Schüler von Mozart, nämlich Josef Eibler und Franz Xaver Süßmeier, haben das Ding in ihrem Auftrag fertig gemacht. Ja. Und haben das aufgeführt, bevor. Ach, Franz von Walsäck das aufführen konnte. Sprich, der hat das gespielt und hat gesagt, hört euch meine Komposition an. Und dann haben die Leute gesagt, habe ich vor einem Jahr schon gehört. Da haben das nämlich Mozarts Schüler aufgeführt. Geil, man. In dieser Geschichte, die wie alles an diesem Film komplett an der Realität vorbeigeht, ein ganz grandioser, bösartiger Plan. Es ist so krass.
Johannes Franke: Es ist so geil, weil es wirklich dieses Vergiften ohne Gift ist. Und dieses, ich weiß genau, woran du hängst. Ich nutze deinen Vater, den Tod deines Vaters, gebe dir auch noch ein Requiem in Auftrag. Und Mozart hat damals tatsächlich wohl gesagt, das hat das Ganze noch ein bisschen befeuert, dass das Gefühl hat, vergiftet worden zu sein.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Er hat es als Spaß gesagt, ne? Das heißt, aus Spaß. Es ist so dieses, wie beschreibe ich, wie scheiße ich mich fühle. Das ist es im Grunde. Im übertragenen Sinne. Ich fühle mich, als hätte mir jemand Gift gegeben. Genau. Und dann nutzt man natürlich jeden Strohhalm, wenn man gerne so eine Verschwörungstheorie unterstützt. Oder bringen möchte. Das kennen wir heute auch ganz gut. Ja. Und natürlich war das nicht so. Und Salieri hatte auch überhaupt nichts damit zu tun.
Florian Bayer: Ich finde es so genial, dass es in dem Film so erzählt wird. Also er will das Ding in Auftrag geben. Und er plant, Mozart umzubringen. Er plant, Mozart zu vergiften. Ja. Und er will das in Auftrag geben, dass er das dann bei seiner Totenmesse spielen kann. Und Gott muss zuhören. Gott ist machtlos. Und ich werde zum letzten Mal lachen und triumphieren. Und er will natürlich das gesamte Werk haben. Ja. Und deswegen hängt er sich dann ja auch so an Mozart ran. Und die Tragik von Salieri ist, sein Plan ist es, das Werk mit Mozart zu vollenden. Und danach Mozart umzubringen. Und Mozart stirbt ihm einfach weg, während er dieses Werk schreibt. Und Salieris Plan wird nicht erfüllt. Salieri verliert. Und zwar wirklich auf brutale Weise. Und er will nicht, dass Mozart stirbt in diesem Moment. Weil Mozart soll dieses fucking Stück fertig schreiben, damit er seine Totenmesse hat.
Johannes Franke: Und es ist geil, wie er es auch dann aufarbeitet mit dem Priester. Ja. Und sagt, Gott hat seine eigene Schöpfung sterben lassen, weil er mir das nicht gegönnt hat. Genau. Das Ding zu haben.
Florian Bayer: Es ist so böse. Ja. Es ist so tragisch. Und es bringt so eine tolle Nuance zu diesem oberböse Wicht.
Johannes Franke: Es ist so toll. Es ist so toll. Und sind wir ehrlich, das ist die beste Szene überhaupt. Wenn er das für Mozart schreibt. Wie er das mit Mozart schreibt. Alter, was für eine grandiose Art der Zusammenarbeit. Wie krass. Es ist natürlich musikalisch wahrscheinlich Mambo-Jumbo. Das macht überhaupt keinen Sinn. Wahrscheinlich macht es keinen Sinn. Und es gab auch Leute, die gesagt haben, Leute, das sind viele, viele Seiten, die da beschrieben werden müssen. In so kurzer Zeit hat er das bestimmt nicht gemacht. Nie. Egal, wie genial Salieri war. Genau.
Florian Bayer: Und es ist so toll inszeniert. Was? So nuanciert. Weil es gibt diese Momente, wo Salieri verzweifelt und sagt, es ist zu schnell. Ich komme nicht mit. Ich schaffe das nicht. Ich weiß nicht, was du meinst.
Johannes Franke: Du gibst mir irgendwelche Hinweise, irgendwelche Worte. Die ergeben aber keinen Sinn. Musikalisch macht das doch keinen Sinn. Und es ist so geil, weil die beiden plötzlich nicht mehr Rivalen sind, sondern Salieri zum Schüler von Mozart wird. Ja. Und auf eine geile Art und Weise. Wahnsinn. Es ist so, dass der Schauspieler, der Mozart gespielt hat, tatsächlich Texte weggelassen hat. Ja. Und Salieri, also der, der den Salieri gespielt hat, zwischendurch wirklich nicht wusste. Wo bist du? Wo bist du? Gib mir was, wo ich reagieren kann. Ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Ja. In der Szene. Und hat das in die Rolle mit reingenommen. Und es ist ganz, ganz großartig. Die haben das mit zwei Kameras gleichzeitig gedreht, damit die beiden wirklich einander reagieren können. Und es ist so gut.
Florian Bayer: Es ist so fantastisch. Dieser Kampf. Salieri, der versucht, Mozart zu überzeugen. Ich brauche noch mehr Noten. Mozart, der fast am Sterben ist, aber trotzdem noch diese Genialität hat. Ja. Salieri, der nicht mitkommt mit der Genialität. Ah. Aber der einen Hauch von Mozarts Genialität abkriegt, wenn Mozart zu seinem Lehrmeister wird. Und der plötzlich diese Epiphanien hat. Ja. Oh, jetzt verstehe ich. Und es ist großartig. Und dann aber, dass es unvollendet bleiben muss. Diese Brutalität dahinter. Und dann diese Verzweiflung, wenn Constanze kommt und das Ding wegschließt. Ja. Was für ein Kampf. Was für eine Zusammenarbeit. Ja. Grandiose Szene. Ja.
Johannes Franke: Und er auch so humble ist, weil sie kommt ja. Also er könnte, er wäre viel stärker als sie. Ja. Er könnte sie überfallen und ihr das Ding wegnehmen. Aber er ist so erschöpft und hilflos, auch ob dieser Genialität, die er gerade erfahren hat, dass er gar nicht mehr in der Lage ist, wirklich gewaltvoll das Ding an sich zu reißen. Sondern einfach wie ein Schuljunge dasteht und sich von Constanze runter machen lässt. Es ist so eine geile Szene. Bis dahin. Oh.
Florian Bayer: Es ist auch danach, dieses ganze Sterben von Mozart hat so eine krasse Schwere. Ja. Und diese Brutalität dann, wenn die Leiche aus der Stadt gekarrt wird und in diese Grube geworfen wird, wo ganz viele andere Leichen liegen. Da kommt noch ein bisschen Salz obendrauf, damit es nicht stinkt. Mhm. Und du siehst das und du siehst diese Genialität. Ja. Die da wie so ein Sack runtergeworfen wird unter die Erde. Die wirklich so brutal verscharrt wird. Ja. Und das hat eine schwere, das ist einfach eine Oper am Schluss, ne? Ja, absolut. Es ist diese große, schwere italienische Oper, die diese überhöhten Gestalten hat. Und dann aber wirklich mit einem tragischen Paukenschlag endet. Es ist so viel Drama da drin. Absolut.
Johannes Franke: Es ist so gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist nicht einfach nur irgendwie hingerotztes oder prätentiöses Drama, sondern es ist richtig echtes. Ja. Künstler, die versuchen irgendwie an dieses Gefühl von göttlicher Inspiration ranzukommen und Gott so nah wie möglich zu sein in dem Moment. Also diese religiösen Menschen. Das, was wir als nicht-religiöse Menschen vielleicht in anderen Momenten so als Inspiration oder als Arbeitswahn und Arbeitswut und kreativen Schaffen und so kennen.
Florian Bayer: Es ist so spannend, weil es ist ja nicht das, wie Mozart seine Kunst gemacht hat, ne? Mozart war ja ein Fan von dieser Leichtfüßigkeit und von diesen, von, also natürlich hat Mozart auch große, tiefe Dramen geschrieben. Also sowas wie Don Giovanni ist natürlich tief, tot und sterben und so. Aber eigentlich war Mozart ja eher so der leichte Komponist in Führung aus dem Serail, die obervoll ist mit diesem Haremsgeschichte und natürlich die Zauberflöte und so. Und dann haben wir hier aber dieses volle Programm, schwere italienische Oper, große Tragödie, übermenschliche Wesen, übermenschliche Bösewichter, übermenschliche Helden und diese riesige Tragik am Ende, dass der Tod alles wegwicht, das ist schon gewaltig und es haut voll rein.
Johannes Franke: Krass auch, ne? Geil. Du kriegst nicht, was du willst. Du hast den Plan, der Plan war genial. Ja.
Florian Bayer: Keine Chance. Ich nehme dir das weg. Und dann am Schluss bleibt dem alten Salieri halt erstmal nur dieses Mumbling, ne? So dieses, oh Gott, und seine Musik wurde größer und größer und ich wurde kleiner und kleiner. Ja. Und dann diese Selbsterkenntnis und diese Selbstannahme. Ich bin hier der Messias der Mittelmäßigen.
Johannes Franke: Ich finde das so geil. Was ich genau sehe, der war ja nicht umsonst da in dieser Stellung. Er war ja ein großer Komponist. Das erzählt der Film schon auch, finde ich. Du willst die Realität jetzt reinkicken lassen? Nee, nee, nee, nee. Okay, mach weiter. Sondern im Film. Ja. Die Realität des Films ist, das ist ein genialer Musiker. Ja. Salieri ist ein genialer Musiker. Absolut. Er ist neben dem Mozart der genialste. Aber er schafft es nicht, einen Mü von seiner ganz oben Position abzukehren, abzukehren, ohne komplett umzudrehen und zu sagen, ich bin der mittelmäßigste Mensch, den es gibt. Wie krass ist das denn? Aber es ist auch so dieses, dieses Künstler-Drama.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich kenne das von mir und von Kollegen, wo man so, wenn man so mittendrin ist und dann so an sich zweifelt und sagt, oh Gott, das ist das Schlechteste, was ich je gemacht habe. Und am Ende kommen ein Haufen Leute und sagen, boah, war gut, hat Spaß gemacht, war schön und so. Und du denkst dir, ja, jetzt. Aber zwei Wochen später guckst du auf die. Die eigene Vorstellung zurück und denkst dir, ja, war eigentlich ganz gut. Aber in dem Moment ist es das Schlechteste, was du je gemacht hast. Und es ist so geil, weil das Salieri so gut zusammenfasst.
Florian Bayer: Sein Problem ist, dass er diesem Geniekult anhängt. Ja. Und dass er glaubt, es gibt dieses Originalgenie, das alles kann, das von Gott geküsst ist. Und er stellt fest, dass er es nicht ist. Und er kann nicht Nummer zwei sein. Er kann sich nicht mit Nummer zwei zufrieden geben. Wahnsinn. Und deswegen, und vielleicht ist das auch so seine Suche nach etwas Besonderem. Er findet dieses Besondere. Und das ist fast ein versöhnlicher Abschluss darin, dass er der Größte unter den Mittelmäßigen ist. Dass er der Messias der Mittelmäßigen ist. Niemand ist so mittelmäßig wie er. Das ist super.
Johannes Franke: Das ist so toll. Das ist ein toller Widerspruch in sich selbst. Was für eine tolle Pointe. Oh, ja. Wirklich, wirklich ganz großartig. Und das darin zu sehen, sich in der Geschichte, also mal um den großen Bogen zu springen, also sich in der Geschichte umzuschauen nach so einer Geschichte und darin dann diese psychologische Kurve, zu sehen, in Salieri, der das überhaupt nicht hergibt in der Geschichte. Aber dann das darin zu sehen und da das so rauszukratzen, wie aus so einem Steinhaufen, der zu einer Skulptur wird. Es ist so geil. Es ist hier nichts rausgekratzt, sondern alles freimodelliert.
Florian Bayer: Ja, ja, genau. Es wird nichts aus der realen Geschichte herausgekratzt. Es ist alles freimodelliert. Aber es ist toll. Es ist wirklich toll. Es wurde auch entsprechend angenommen vom Publikum. Ja. Das Ding hat 90 Millionen am Boxoffice gemacht. Mhm. Wie hast du, 18 Millionen gekostet, glaube ich? 18 Millionen hat es gekostet, 90 Millionen hat es gemacht. Es hat tierisch abgeräumt bei den Oscars in diesem Jahr. Er gehört zu den wenigen Filmen, die so viele Oscars gewonnen haben. Nämlich acht Stück hat er gewonnen. Wahnsinn. Saul Sands, zu dem ich gleich noch was sagen muss, für den besten Film, der Produzent. Bestes Regie, Milos Forman. Bester Hauptdarsteller, F. Mary Abraham für den Salieri. Vollkommen zu Recht, meiner Meinung nach. Hat er gewonnen und nicht Tom Hulz, obwohl Tom Hulz auch großartig ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Bestes adaptiertes Drehbuch, Peter Schäffer. Mhm. Best Art Direction, beste Kamera, beste Kamera war nur nominiert. Bestes Kostümdesign, bester Schnitt war auch nur nominiert, obwohl der Schnitt genial ist. Also der Schnitt ist wirklich toll. Wirklich genial, ja. Bestes Make-up und bester Sound. Acht Oscars gewonnen, war für F. war er nominiert. Warum hat Mozart nicht noch einen Oscar gewonnen für die beste Filmmusik? Ja, stimmt. Hätte er eigentlich verdient gehabt. Saul Sands ist der Produzent. Ja. Und die Saul Sands Company ist echt eine witzige Geschichte. Und die haben, also er kommt eigentlich aus der Musik. Und zwar hat Saul Sands das 1955 zu Fantasy Records, das war ein Musiklabel, und hat das dann zusammen mit Partnern aufgekauft, 1967. Und die haben Credence Clearwater Revival, falls euch das was sagt. Das ist so eine 60er Jahre Folk-Rock-Band. Die waren riesig in ihrer damaligen Zeit. Die wurden eine Zeit lang gehandelt als die Beatles-Nachfolger. Als die Beatles gerade so dysfunktional waren und auseinandergegangen sind, hieß es auch. Okay. Die CCR, wie die Fans kurz sagen, sind die Größten und das sind die Nächsten. Und der hatte die ganzen Rechte an ihrer Musik. Oh. Und die hatten einen Sänger. Moment, ich muss kurz gucken. Die hatten einen Sänger, der hieß John Fogarty. Die Band war auch dysfunktional, genau wie die Beatles. Und die Band ist irgendwann auseinandergegangen. Und John Fogarty hat Solo weitergemacht. Und dann hat Saul Sands, der die Rechte an der ganzen Musik von Credence hatte, hat John Fogarty... Fogarty verklagt. What? Weil er gesagt hat, John Fogarty klingt Solo zu sehr nach Credence. Was? Der klingt zu sehr nach der Band, in der er vorher gesungen hat. Übrigens, der war auch so eine One-Man-Show. Der war vorher Songwriter von dieser Band. Das heißt, das Zeug, was die rausgebracht haben, war alles sein Ding. Das war John Fogarty. Aber Saul Sands hat gesagt, er klingt zu sehr nach dieser Band, an der ich die Rechte habe und hat ihn verklagt. Woraufhin John Fogarty in seinen Alben in den 80ern mehrere Songs geschrieben hat, in denen er diesen... Sands richtig fertig gemacht hat. Zum Beispiel, Sands can't dance, but he wants to steal your money oder so. Und Mr. Creed. Er hat wirklich Songs gegen ihn gemacht, woraufhin er wieder verklagt wurde. Okay. Und dann gab es genau eine... Wegen Diffamierung hat er ihn verklagt. Okay. Und dann hat Sands ihn verklagt wegen Plagiarismus und so weiter. Riesiger Rechtsstreit. Und Sands hat genau irgendwann mit dem Geld, was er durch Credence, durch diese Rechte an der Musik genommen hat, wie gesagt, die waren krass erfolgreich. Okay. Die hatten auch ein paar echt gute Alben. Also, wenn ihr auf Classic Rock steht, hört euch mal Credence Clearwater Revival an. Da gibt es echt ein paar gute Sachen. Okay. Und dann hat Sands Filme gemacht und richtig erfolgreich. Er hat drei Oscars für den besten Film gekriegt. Er hat mit Milos Forman Einer flog über das Kuckucksnest produziert, 1975, dann Amadeus 1984 und 1996 hat er nochmal einen Oscar gekriegt für den englischen Patienten. Und wie gesagt, dieser Film war sein erfolgreichster, riesiger Hit.
Johannes Franke: Wahnsinn. Der hat auch einen Oscar entgegengenommen. Lawrence Olivier hat damals den Gewinner verkündet. Allerdings war Lawrence Olivier schon ein bisschen älter und hatte schon so ein bisschen Anleihen von, ich vergesse mal, Sachen. Und hat die Nominierten nicht vorgelesen. Er hat nur den Sieger vorgelesen. Er hat nur den Sieger vorgelesen. Und dann hat Saul Sands tatsächlich es geschafft, in seiner Dankesrede einfach nochmal alle zu erwähnen, die auch nominiert waren, um das irgendwie ein bisschen auszugleichen. Das war ein guter Schachzug. Ja. Das war gut. Das war ein ganz schöner Aufreger damals. Weil natürlich willst du die Nominierten wenigstens einmal erwähnen. Wer ist denn überhaupt dabei? Und Lawrence Olivier sagt einfach nur, und der Gewinner ist übrigens, oh Gott.
Florian Bayer: Es war Milos Formans wahrscheinlich erfolgreichster Film. Er hatte davor 1975 einen Flug über das Kuckucksnest gemacht, der natürlich ein Klassiker ist. Sehr erfolgreich, ja. 1979 her, das irgendwie auch so als Musikklassiker gilt. Wir haben drüber geredet. Johannes war nicht sonderlich angetan. Nope, nope, nope. Und ansonsten, ja, der hat auch noch in den 80ern, 90ern, aber er hat gar nicht so viel gedreht. Milos Forman war dann in Amerika gar nicht so, umtriebig als Regisseur. Um die Kamera nochmal hervorzuheben, wenigstens einmal den Namen zu sagen. Sehr, sehr gute Kamera. Miroslav Ondinček, der viel mit Milos Forman zusammengearbeitet hat. Großartiger Kameramann. Ganz toll. Und die Kamera fängt wirklich gut diese Atmosphäre ein.
Johannes Franke: Die haben auch ohne künstliches Licht gearbeitet. Die haben wirklich auch wieder Kerzenlicht und das, was eben durchs Fenster kam, oder wie sie es halt formen konnten. Also sie haben Tageslicht genommen und geformt, ja, aber eben tatsächlich keine Lampe angebracht. Und dann ist das Set-Design und die Kostüme und der Schnitt.
Florian Bayer: Ja, das ist ganz, ganz toll. Also das ist alles schon sehr edel. Und das trägt auch viel dazu bei, dass dieser Film so kurzweilig rüberkommt, weil es einfach unglaublich viele Schauwerte gibt.
Johannes Franke: Wahnsinn. In jeder Szene. Die Perücken sind vielleicht auch wiederum nicht das, was man damals so in der Form getragen hätte, obwohl es Farben gab. Also so ein Zartrosa hatte schon mal jemand in seiner Perücke. Aber so eine wilde Perücke, nein.
Florian Bayer: Nein, nein, nein. Aber es war natürlich, also Wien, das war so eine Zeit, wo es so einen gewissen Dekadenzschick gab. Das heißt, die Leute haben sich auch wild gekleidet. Und bei Mozart ist es wohl auch verbrieft, dass zu seiner, dazu gehört, dass er so viel Geld aus dem Fenster rausgeworfen hat, dass er sich wirklich schicke Anzüge gekauft hat und für seine Frau schicke Klamotten und dass er sehr gerne shoppen ging in Wien und sich damals ordentlich ausgestattet hat. Und natürlich ist es bei so einem Film über diese Epoche zwischen Barock, Aufklärung und Klassik, es ist natürlich toll, wenn man diese Schauwerte hat und wenn man diese großen Räume hat und dieses Theater und diesen Thronsaal, wo dann gespielt wird und so. Das ist einfach schön bunt und wild. Macht Freude.
Johannes Franke: Obwohl der Film so als klassischer Period Piece wahrgenommen wird, habe ich das Gefühl, dass er doch auch kleine Anleihen einer modernen Inszenierung in Richtung Marie Antoinette hat. Also gar nicht, natürlich nicht zu vergleichen mit Marie Antoinette, weil die wirklich wahnsinnig modern ist, aber ich habe das Gefühl, dass das Spiel und die Art der Inszenierung zwischendurch schon recht modern ist. Zumindest für die 80er und auch die Haarpracht, die dann doch ein bisschen sehr 80er-mäßig aussieht.
Florian Bayer: Naja, es ist schon so, die stilisieren Mozart als Punk auch irgendwie ein bisschen. Ja, natürlich, klar. Und dadurch, dass sie alle dieses amerikanische Englisch reden, ich finde, das macht extrem viel aus. Deswegen nochmal, wenn man es in der deutschen Synchronisation guckt, wirkt es deutlich mehr wie ein Period Piece. Einfach auch, weil die Begriffe, die Begriffe aus dem Wienerischen benutzt werden, so der Kaiser sagt, das ist Kokolores und sowas. Schön. Und das geht im Amerikanischen verloren. Und ja, es stimmt, man guckt sich das an und man hat das Gefühl, es fehlt nicht viel. Man könnte da so eine Rocknummer reinpacken, wenn sie feiern. Ja, absolut. Es könnten jetzt die Ramones laufen. Es würde irgendwie passen. Ja, deswegen. Wir haben sonst zu den Dreharbeiten gar nicht so richtig viel gesagt. Es wurde in der Tschechoslowakei gedreht, weil sie ja tatsächlich, weil sie diese Historisierung und diese Spezifizität wollten sie in den Bildern drin haben. Und dann hat sich einfach eine Stadt wie Prag oder Kromelic, beide wurden genutzt, angeboten, um dieses Wiener Flair rüberzubringen, während man in Wien das halt einfach nicht mehr so viel hat. Problem, Milos Forman war in der Tschechoslowakei alles andere als willkommen.
Johannes Franke: Ja, er ist 1968 raus aus der Tschechoslowakei, ist in die USA emigriert und er wurde quasi als politischer Verräter, als Verräter wahrgenommen damals vom Regime, also vom tschechoslowakischen Regime. 1983, das dann dort zu drehen, zum Beispiel die Opernszene da, da war am 4. Juli Unabhängigkeitstag der Amerikaner. Die haben gefeiert. Nicht ohne Angst. Warum macht man das dann? Ich weiß nicht. Die haben die amerikanische Flagge rausgeholt, haben die aufgehängt und gesagt, wir singen jetzt erstmal unsere Nationalhymne. Und dann, dann sind da ein paar Leute nicht mit aufgestanden, als es dann darum ging und haben sich unfreiwillig, freiwillig offenbart als Spione, mehr oder weniger. Und es wurde nach 1990, nachdem man dann irgendwie so ein bisschen Einblick haben konnte in die ganzen Akten und so, die waren vom Geheimdienst. Die haben ganz viele Leute vom Geheimdienst in dieser Produktion gehabt, was damals bei fast allen Produktionen der Fall war. Aber bei diesem ganz besonders, weil es halt einfach Milos Forman war. Genau, die haben das,
Florian Bayer: die haben das wirklich groß überwacht. Und es gab ein, Milos Forman durfte natürlich rein. Das war schon abgesegnet. Aber es gab eine Bedingung. Und zwar, er durfte auf keinen Fall groß in der Öffentlichkeit rumlaufen, sondern es war klar, du fährst von deinem Hotel zum Drehort und wieder zurück ins Hotel. Und dein Fahrer ist der Mann. Dieser Mann, der sein Fahrer war, war ein extrem guter Freund aus seiner Vergangenheit. Und man kann sich vorstellen, was das für ein Druck war, dass Milos Forman wusste, dieser Mensch lebt auch, nachdem ich fertig bin mit den Dreharbeiten, weiter in diesem autokratischen System. Das heißt, Milos Forman hatte allen Grund, nichts zu machen, was die irgendwie verärgern könnte, einfach um seinen Freund zu schützen.
Johannes Franke: Was für ein perfider Schachzug. Also wirklich als Staat zu sagen, nee, wir legen dir nicht einfach nur irgendeinen Spitzel rein, sondern deinen besten Freund, damit du möglichst die Beine stillhältst. Wie krass ist das?
Florian Bayer: Sie hatten das Gefühl, sie müssen das machen. Wahrscheinlich hatten sie das Gefühl zu Recht, weil Milos Forman war ja in den 60ern, bevor er aus der Dschergeslowakei raus ist, der war ein Star. Der war hoch angesehen und jeder wusste, dass er als problematischer Filmmacher galt. Auch zu Recht, weil er ein politischer Mensch war. Und natürlich hatten die Angst davor, dass er hier als Held zurückkommt und anfängt zu erzählen, wie toll und wie viel besser es doch ist, wenn man im Westen ist. Dem übrigens 27.000 Kerzen verbrannt. Ach, scheiße. Was für ein Prunk und was für ein Protz. 18.000 Kerzen. Das ist echt viel. Und die hatten auch Probleme, eine Produktionsfirma zu finden, weil die alle gesagt haben, so ein Historical Piece? Wien? Mozart?
Johannes Franke: Es ist so MTV-Anfangszeit. Wann hat MTV angefangen? Es ist so ein bisschen in die Richtung. Und Milos Forman hat auch schon gedacht, jetzt irgendwie so Wiener Klassik, drei Stunden, ist schon auch viel verlangt. Und hat dann eben aus eigenem Antrieb heraus gesagt, okay, vielleicht nehmen wir 20 Minuten raus von dem ganzen Scheiß. Und hat eben erst eine Kinofassung gehabt, die kürzer war. 2002 hat er ja erst dann die Director's Cut-Version rausgebracht. Aber die ist offensichtlich Konsens mittlerweile. Die ist irgendwo überall veröffentlicht und das ist die, die du findest. Anscheinend war auch die Theaterversion, die ursprüngliche, schwer zu kriegen nach 2002, weil die andere dann immer wieder nach vorne gebracht wurde. Und ich finde auch tatsächlich, es lohnt sich, die 20 Minuten mehr. Ich finde die wirklich sehr wichtig und gut.
Florian Bayer: Es ist zum einen diese Geschichte von Konstanze, die zu Salieri geht. Und diese Nacktszene. Und dann, es war noch was Zweites, Größeres, aber ich weiß nicht mehr genau was. Es sind vor allem dann auch Szenen, die einfach ein bisschen länger sind. Es sind Szenen, die länger sind. Das ist noch eine große Sache, die sie komplett rausgenommen haben. Auch irgendwie so ein Subplot, aber ich weiß nicht mehr genau, welcher es ist. Eine Produktionsfirma hat gesagt, wir geben euch das Geld, wenn ihr den besetzt. Und daraufhin hat Milos Forman gesagt, nein, Walter Mattau ist über 60.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Ach geil. Das war gut.
Florian Bayer: Sie sind rumgefahren, haben gebettelt bei Produktionsfirmen und die haben alle nee gesagt. Und einer hat gesagt, ja, machen wir, aber Walter Mattau müsst ihr als Mozart besetzen. Wohlgemerkt, Walter Mattau war damals 60. Mozart ist mit 35 Jahren gestorben.
Johannes Franke: Es ist so geil. Walter Mattau war auch großer Fan, muss man sagen. Und Walter Mattau wollte das gerne. Aber mit 60? Nein, bitte nicht. Mark Hamill hat auch gelebt.
Florian Bayer: Er wollte das auch spielen. Da haben sie gesagt, vielleicht ist das ein bisschen zu viel Star Wars in unserem Mozart-Film.
Johannes Franke: Und das ist gemein, weil Mark Hamill ist ein ganz normaler Schauspieler. Und wenn man dann sagt, naja, die Leute kennen dich halt mit dem Lichtschwert in der Hand, dann denkst du dir, ja, komm, die Leute haben doch mehr Fantasie als das. Und er hat das ja gut gespielt. Er hat das ja schon auf der Bühne gespielt, Mark Hamill. Ja. Aber naja, gut. David Bowie, Mick Jagger, Mel Gibson, Donald Sutherland,
Florian Bayer: so gerüchteweise sind das Namen, die rumgeflogen sind. Bert Reynolds als Salieri. Ja. Andrew Lloyd Webber offensichtlich hat auch, es gab, wie das immer bei so Filmen ist, verschiedene Cast-Vorschläge und Überlegungen, die aber allen auch so Satisfaction needed. Also das ist ja so dieses Ding, Agenten schmücken sich damit, dass ihre Stars vielleicht jetzt den Mozart spielen. Genau. Kenneth Branagh hat auch behauptet, er wäre dafür in Überlegungen gewesen.
Johannes Franke: Aber Kenneth Branagh war anscheinend tatsächlich ziemlich vorne. Und zwar genau bis zu dem Punkt, bis Willa Schworman gesagt hat, wir machen es amerikanisch. Ja. Und dann war Kenneth raus. Genau. Kenneth ist halt mit seinem britischen, theaterhaften Akzent, das wollte er dann doch nicht. Ja. Aber so lange war er ganz gut drin. Sie haben ja an Originalschauplätzen auch, das Nationaltheater, das Ständetheater, wo Don Giovanni tatsächlich Premiere hatte, haben sie ja auch das dann gedreht. Genau. In Prag. Und das finde ich schon auch toll, weil man es dem Film ansieht so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, es ist auch einfach, also ich glaube, gerade bei den Kulissen finde ich die Frage, wie authentisch das jetzt ist, ist gar nicht so wichtig, weil es bringt dieses Feeling rüber, von der damaligen Zeit. Ich finde auch dieses, dass die Opernhäuser, die sie zeigen, nicht zu groß sind, sondern relativ enge Räume, dass man auch sieht, wie die damals gebaut waren. Also das ist, natürlich haben die eine gewisse Größe, aber es gibt auch so eine, es gibt so eine gewisse Enge und Nähe. Und das finde ich schon spannend. Das bringt irgendwie dieses Gefühl rüber, wie das damals ausgesehen hat. Ja.
Johannes Franke: Und ich habe mich halt während des Films tatsächlich gefragt, so sieht das so aus, wie es damals ausgesehen hätte? Wer im Publikum, wie weit von der Zeit, von der Bühne weg gewesen wäre. Es gibt keine Tontechnik dort und so weiter. Wie geht das? Wie funktioniert das? In welcher Größe funktioniert das? Und so.
Florian Bayer: Was ich ganz schön finde, ist, dass sie diese mechanischen Spielereien mit reingebracht haben. Die gab es damals tatsächlich. Also Oper war großes Primborium. Ja. Und gerade Mozart war auch großer Fan von diesem Primborium. Das heißt, es gab Knalleffekte und Raucheffekte und es gab Bühnen, die sich bewegt haben, die sehr dynamisch mit verschiedenen Installationen bewegt wurden und Zahnrädern und so weiter. Und das haben sie schon ziemlich gut eingefangen. Finde ich auch. Ich weiß nicht, wie authentisch das ist, aber wir wissen, dass damals viel gemacht wurde und sie bringen irgendwie so mechanischen Opernbilder, Opernbühnen, bringen sie auch in diesem Film unter, die einfach toll wirken.
Johannes Franke: Ich wäre so gern dabei gewesen, wirklich. Ich hätte es gerne gesehen. Ich mag ja dieses Primborium. Bist du Opernfreund? Magst du Opern? Ich mag Opern. Ich kenne mich mit Opern nicht aus. Ich danke. Das ist alles. Aber ich mag Opern tatsächlich und ich mag dieses, weiß nicht, dieses, diese Art der Inszenierung sicherlich nicht ständig oder so, aber es ist tatsächlich etwas, wo ich mal gerne wieder sagen würde, okay, ich gehe in die Oper und schaue mir das mal an und habe Spaß dabei und begebe mich in diese Welt, die doch sehr besonders und anders ist als das, was wir heute so kennen.
Florian Bayer: Aber bei vier Stunden die Hochzeit des Figaro bin ich auf der Seite des Kaisers und fange auch irgendwann an zu gähnen.
Johannes Franke: Ja, verstehe ich auch total. Eingangs habe ich ja schon gesagt, man darf da auch gähnen, aber ich sehe trotzdem die Wucht, die künstlerische Vision und das Tolle daran. Also so ist es nicht. Ich glaube, ich mag es tatsächlich,
Florian Bayer: wenn Menschen über Opern reden. Wenn Menschen begeistert sind. Ich bin echt nicht so der klassische Musik-Fan. Ich mag es, wenn Menschen über klassische Musik reden. Aber dann ist ja sein Ehring genau das Richtige für dich. Natürlich. Ich finde es total schön, wie er über die klassische Musik redet und dann wird das so ein bisschen angedeutet und so. Das finde ich toll, weil einfach diese Leidenschaft dafür so schön ist.
Johannes Franke: Ich möchte einen Schritt raus auch nochmal machen und in der Zeit bleiben, was ich wahnsinnig sehr gerne mache. Was ich sehr lehrreich und spannend fand in der Recherche, diese ganzen Stücke von damals, also Mozart, Salieri, aber auch Brahms und so weiter, das sind Stücke, die sind über die Zeit gewachsen. Das sind gar nicht die Sachen, die auf dem Papier stehen und dann sind die so und werden so gespielt. Ja. Sondern das ist wie jedes Lustspiel-Theaterstück, das rumreißt und einfach nur im Publikum rausfindet, wie spielen wir es denn am besten, dass es am lustigsten ist. Ja. In dem Fall halt nicht am lustigsten, sondern einfach, es entwickelt sich. Du spielst das Stück und Brahms hatte 300 Versionen seiner Stücke. Also ehrlicherweise, wenn man sich die ganzen Notationen anschaut, müsste man draufschreiben, Brahms die 260. Version oder Brahms die 300. Version von diesem Stück. Ich finde das so krass,
Florian Bayer: dass so wirkliche Klassik-Fans dann halt auch wissen, ich höre mir lieber diese Interpretation an oder liebe diese Interpretation und dann auch sowas sagen wie, das hier ist kompletter Mist, da höre ich überhaupt, weil das einfach nicht das Geile ist.
Johannes Franke: Aber das ist eine andere Nummer. Das, was du heute hast, das sind dieselben Noten. Das, was du als Interpretation von heute sehen würdest, wäre, der dirigiert das schneller, der dirigiert das anders, die Violinistin macht hier was anders, aber die Noten sind ja die gleichen und das war damals nicht so, sondern die Veränderung war ja tatsächlich in den Noten. Die Stücke klangen einfach anders, weil sie umgeschrieben haben und da noch was Neues und da vielleicht noch einen Satz dazu erfunden oder was auch immer. Ja. Ich weiß nicht genau, was genau verändert wurde, aber dass du wirklich an diesem Stück arbeitest und dann eigentlich keine Vorstellung, wie die andere ist. Im Grunde, wie heute Jazz oft ist und den Vergleich finde ich geil. Ja. Dass damals einfach die Leute einen anderen Bezug dazu hatten, als den wir heute mit Klassik haben, nämlich dieses Festgeschriebene. In Stein gemeißelte. In Stein gemeißelte. Und das ist geil und ich würde gerne mal so ein Orchester beobachten und sehen, wie es über mehrere, mehrere Vorstellungen etwas verändert und macht und tut. Und das findet sich auch in dem Film wieder, aber auf eine andere Art und Weise, nämlich, dass Mozart ganz selbstverständlich sagt, ja komm, ich könnte ja hier mal noch was ranhängen und deinen Marsch, den du da komponiert hast für mich, der klingt doch hier oder hier vielleicht ein bisschen besser, wenn man das oder das macht. Ja. Das ist selbstverständlich gewesen, dass man das aufnimmt und verändert. Ja. Viele Sachen wie Twinkle, Twinkle, Little Star, wie heißt das auf Deutsch? Funke, Funke, kleiner Stern, von Mozart nachgesagt, dass er das gemacht hat, erfunden hat, aber das stimmt nicht. Das ist eine Weiterentwicklung. Ja. Und das ist in der Zeit ganz viel passiert, dass du Musik genommen hast und verändert hast und neue Versionen davon gemacht hast.
Florian Bayer: Ja. Ja, spannend. Und das ist gerade diese Nähe zum Jazz, das haben sie ja auch versucht, nicht erst tätig, sondern so vom Mindset in den Film reinzupacken. Das ist das, was ich vielleicht Punk nennen würde. Also dieses Wilde und dieses Offene und dieses Spielen mit der eigenen Musik und mit der eigenen Musik, mit der eigenen Musik, mit der eigenen Kunst und dem eigenen Werk. Und der Film erzählt es natürlich so, dass Salieri das nicht kann. Ja. Dass das Mozarts Genialität ist. Salieri sitzt da, betet für eine Note, korrigiert zehnmal und sagt, jetzt ist es fertig. Während Mozart da sitzt und sagt, ach, wir können das doch auch mal so probieren. Lass uns doch so probieren. Hey, das kommt doch gut da rein. Genau.
Johannes Franke: Ja. Was viel mehr in die Zeit passt. So dieses, wie man mit sowas umgeht. Und dann gab es eben Copyright in der Form noch nicht. Ja.
Florian Bayer: Naja, damals wurde wild geklaut und adoptiert und die haben da auch alle ein bisschen voneinander geklaut und sich alle ein bisschen voneinander inspirieren lassen. Ja.
Johannes Franke: Also ich finde es spannend. Was wir noch nicht gemacht haben, wir haben noch nicht über Constanze geredet. Constanze. Haben wir völlig vergessen. Wir haben über die Figuren geredet, aber eigentlich nur über zwei. Ja. Constanze. Ist vielleicht ein bisschen blass. Vielleicht ein bisschen blass, ja. Finde ich auch. Ich finde, die Schauspielerin macht das schon gut. Ich finde,
Florian Bayer: die macht das richtig gut. Elisabeth Barrage. Ja. Die kommt halt gut. Die kommt gut rüber auch so als Ergänzung zu Mozart, weil sie auch dieses Verspielte hat. Man versteht total, warum die zusammen sind. Ja. Das finde ich total bemerkenswert. Mozart muss sie wohl auch tatsächlich geliebt haben. Sie wird so ein bisschen erzählt durch die Brille seines Vaters. Also wir haben tatsächlich wie Mozarts Beziehung zu Constanze war. Wir haben relativ wenig Informationen. Wir wissen nur, dass die Briefe, die er eben geschrieben hat, war wohl sehr voller liebreizender Worte. Genau. Und sein Vater Leopold hat wohl über sie geschimpft, dass sie keine gute Hausfrau wäre, dass sie chaotisch wäre und so weiter. Und das wird halt so ein bisschen gezeigt, dass das, wo sie wohnt, so ein bisschen chaotisch ist. Sie versucht, das zusammenzuhalten. Sie ist die, die sagt, du musst jetzt auch mal ein bisschen arbeiten und so. Aber auch gleichzeitig die, die bis mittags schläft. Ja. Ich finde sie ein bisschen blass.
Johannes Franke: Es ist wirklich nicht ganz, also sie ist keine wirklich fully flashed 3D-Figur. Aber ich finde, das, was sie macht, macht sie verdammt gut. Die Schauspielerin macht das verdammt gut. Und ich finde es schön. Das Problem ist natürlich ein bisschen, dass sie diejenige natürlich sein muss, wie das damals eben so war. Die ihn unterstützt und ihm die Möglichkeit gibt, genial zu sein. Ja. Das ist halt in der Zeit so gewesen.
Florian Bayer: Das war einfach auch so. Ja, genau. Sie wird nicht komisch erzählt. Das ist tatsächlich interessant. Wird hier überhaupt nicht angerissen. Es gibt auch keine, sie wird gar nicht gespielt. Die Schwester von Mozart, Anna Maria, die ja geheiratet hat dann und quasi ein bürgerliches Leben gelebt hat. Die aber wohl gleichzeitig auch irgendwann angefangen hat zu komponieren und die sich mit Mozart sehr viel, die hatten ein sehr enges Verhältnis, die beiden. Okay. Die haben sich wohl ausgetauscht. Und Mozart hat sich Kompositionen von ihr angeguckt und hat gesagt, ey, die sind super, die sind fantastisch. Schön. Und aber natürlich war das Ding auch ein großes Problem. Damals in der Zeit war es einfach so, dass die Frauen nicht komponieren gelehrt haben. Sprich, Leopold hat seine beiden Kinder vorgeführt und wie toll sie Musik machen können.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber Mozart ist der, dem er das Komponieren beigebracht hat und den er darin unterstützt hat, während er bei Anna Maria dafür gesorgt hat, dass sie halt einen Mann findet, der für sie sorgt. Ja, klar.
Johannes Franke: Das ist die Zeit. Ich finde, ich finde es bemerkenswert, dass Constanze im Grunde auch als Schutzengel inszeniert wird. Und sobald sie weg ist, stirbt Mozart. Ja. Ja.
Florian Bayer: Sie war tatsächlich in Kur, aber Mozart hat ihr Briefe geschrieben. Ja, ja, genau. Das ist so die meisten Quellen, die wir haben zum Thema Zauberflöte zum Entstehen, dass er an Constanze immer mal wieder geschrieben hat, dass er daran arbeitet. Und Constanze wird in diesem Film so inszeniert, dass sie dann auf Salieri einen tiefen Groll hat und sagt, du bist hier nicht erwünscht. Constanze, Mozart, mochte Salieri und war sehr froh, als er ihren Sohn, Franz Xaver, unterrichtet hat im Klavierspielen. Ja. Ja.
Johannes Franke: Es war auch ein tolles, gutes Verhältnis. Vor allem, weil sie ja dann auch Witwe waren. Und dann musste man sich ja auch irgendwie, sie brauchte auch ein Auskommen und sie brauchte irgendwie Leute, Verbündete und so. Das war auch schwierig, gerade in der Zeit.
Florian Bayer: Ja. Ich finde, wenn wir über noch Schauspielleistungen reden, dann würde ich gerne noch einmal Roy Doutris nennen als Leopold, der diese Mischung aus die Überfigur, ganz großartig, wenn er zum ersten Mal auftritt und so seine Arme ausbreitet, um Mozart zu empfangen. Und er wirkt, er steht da wie der Todesengel. Ja. Oh Gott, ja, stimmt. Und dann freut sich aber Mozart, ihn zu sehen. Stimmt. Und dann wird das aber komplett gebrochen, dieses Bild, wenn er zum Beispiel mit diesem strengen Blick in der Wohnung steht. Ja. Und so fassungslos darüber, wie Mozart lebt. Und dann haben wir diese geile Kameraperspektive, wo er da steht mit extrem strengen Blick und im Hintergrund ist sein Gemälde von ihm. In so der Unschärfe und er guckt genau wie auf dem Gemälde. strenge Blick. Super gemacht. Der Klassiker. Und ich finde, die Figur kommt natürlich relativ wenig vor im Film, aber wie sie, wie sie erzählt wird, so zwischen der strenge Übervater und diesem Mann, der überhaupt nicht versteht, was sein Sohn da macht. Das ist eine ganz, ganz nette Kombination. Ja, finde ich auch.
Johannes Franke: Er spielt es auch tatsächlich ganz gut. Lass uns doch in unsere Top 3 gehen. Gerne. Unsere Top
Florian Bayer: 3. Katsching. Yay. Thema verfehlt. Sätzen 6. Top 3 Rivalitäten wolltest du. Ja. Epische Rivalitäten. Sind Mozart und Salieri Rivalen oder ist es nicht, ist es irgendwie, ist es das? Ja, ich habe nämlich auch
Johannes Franke: viel hin und her überlegt, weil für Rivalen brauchst du ja zwei Seiten und Mozart ist eigentlich gar nicht, der ist einfach oblivious.
Florian Bayer: Der will nicht,
Johannes Franke: keine Rivalität.
Florian Bayer: Der will nicht konkurrieren mit Salieri. Der weiß, dass er besser ist. Aber es ist süß. Mein Platz 3. Wir haben darüber gesprochen. Du mochtest ihn nicht. Mhm. 1900. Ach du Scheiße. Von, von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1976. 317 Minuten. Ein großes Porträt einer Epoche. Erzählt aus der Perspektive des reichen Gutsherrensohns und des einfachen Arbeiters, die sowohl Freunde sind, als auch Konkurrenten und vor allem politische Rivalen. Und in ihrer Beziehung wird die politische Rivalität zwischen Bürgertum und Proletariat hervorragend über die ganze Epoche ausgedehnt. Halt auch vor allem wirklich der, dann später, wie sich das Bürgertum mit dem Faschismus gemein macht und so weiter. Fantastisch. Fantastisch erzählt mit Robert De Niro und Gérard Departieu eines der großen Ebenen des 20. Jahrhunderts. Absolut sehenswert.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 3 einen quasi, nicht ganz ernst gemeinten, aber ich bochtet den so sehr als Kind. Ich fand den so toll. Highlander. Ja, ja. Es kann nur einen geben. Ganz genau. Und ich muss den jetzt einfach in die Top 3 aufnehmen, weil es ist so geil, wie der, diese Schotten da irgendwie gegeneinander, sie sind unsterblich und ein Rivales, ein Rivales, eine Rivalität über die Zeit hinweg. Es ist toll. Nicht lachen. Highlander ist wirklich ein großartiger Actionfilm aus den 80ern. Müssen wir vielleicht irgendwann mal gucken. Ja, vielleicht müssen wir das, weil ich habe natürlich meine Kindheitserinnerungen daran. Ich fand den geil, aber ich weiß nicht, ob das nur Trash-TV war
Florian Bayer: oder nicht. Nein, es ist nicht. Der hat so viel Würde und Gravitas. Natürlich hat er auch seine albernen cheesy Momente, aber der hat auch wirklich viel Würde, dieser Film. Ach, schön. Ja, dann stehe ich jetzt umso mehr hinter meiner 3. Mein Platz 2 und ich weiß nicht, ob ich den 1. oder 2. nehme und wahrscheinlich ist es der 1., weil das einfach natürlich der Klassiker ist, Rocky aus dem Jahr 1976, wo Rocky Balboa ein Beef hat mit Apollo Creed. Keinen richtigen Beef, nein, nein. Apollo Creed ist der große Boxer, der sagt, ich gebe einem jungen Nachwuchsboxer eine Chance. Das ist Rocky Balboa, gespielt von Sylvester Stallone, der diesen Film auch geschrieben hat, nicht richtig geführt. Und dann bereiten sie sich jeder auf seine Art auf diesen großen Kampf vor und während dieses Kampfes, der wirklich viel, leider man sagt, die ganze Zeit einnimmt, stellt dann Apollo Creed fest, wow, dieser Rocky Balboa hat es voll drauf. Geil. Und es ist wirklich ein spannender Kampf und es ist toll inszeniert, auch weil es ziemlich realistisch ist und der Apollo Creed ist kein Arschloch, sondern ist halt einfach ein erfolgreicher Boxer, der aber natürlich alles gibt, um zu gewinnen und ich will jetzt nicht spoilern, wie der Kampf auch ausgeht, auch wenn der 55 Jahre alt ist. Den müssen wir irgendwann mal gucken. Alter, sag doch sowas nicht
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 2, weil ich Rocky nicht kenne, Steamboat Bill Jr. aus dem Jahre 1928 von Buster Keaton. Kenne ich nicht. Siehst du, jetzt haben wir die nächsten 20 Prozent verloren. Am Ende unserer Top 3-Listen sind nur noch zwei ZuschauerInnen übrig. Nur um zu sagen, worum es geht. Es geht um zwei sture, verfeindete Raddampferkapitäne. Der neue kommt an auf dem Mrs. Sippy und sagt, übrigens, der da drüben, der die letzten 50 Jahre herumgefahren ist, der ist ja obsolet, fahrt bitte nur noch mit mir. Also er wird als der böse Kapitalist eingeführt. Ja. Und eigentlich geht es auch gar nicht so sehr um die beiden, sondern eben um Buster Keaton, der dann da in diesem Film rumstolpert. Aber die Grundlage ist halt diese Rivalität. Und ich habe den Film gerade erst in einer ganz tollen Version live gesehen mit Orchester, mit Live-Orchester. Oh, sehr cool. Und dafür ist Berlin einfach großartig,
Florian Bayer: weil das ist so cool.
Johannes Franke: Was hier tatsächlich immer wieder passiert und man dann einfach so zu so einer Stummfilm-Vorstellung mit Orchester gehen kann. Wie fucking großartig ist das denn? Ich liebe es. Und ich bin schon drei oder vier, zu drei oder vier solcher Vorstellungen gegangen und ich hatte immer wahnsinnig viel Spaß. Es ist wirklich schön. Und die alten Filme, das hat einfach eine ganz eigene Atmosphäre.
Florian Bayer: Ja, großartig. Mein Platz eins, auch schon 20 Jahre alt. Christopher Nolan, Prestige, die Meister der Magie. Zwei Magier, die einen epischen Zweikampf führen. Darüber, wer der beste Bühnenmagier ist. Hugh Jackman und Christian Bale. Es kommen irgendwann auch sehr übernatürliche Dinge ins Spiel. Es gibt mehrere Plot-Twists. Aber was die ganze Zeit in roter Faden durch diesen Film führt, ist dieses Duell der beiden Magier.
Johannes Franke: Das hätte ich auf meinen Platz eins haben müssen. Verdammt, wenn ich nicht so sehr auf mein filmhistorisches Wissen hätte pochen wollen und sagen, ich weiß alles über die 50er. Ich habe nämlich auf Platz eins bei mir All About Eve. Oh, auch eine großartige Rivalität. Ja, darüber haben wir auch geredet. All About Eve. Und du kanntest diesen Film vorher nicht. Ich kannte ihn nicht.
Florian Bayer: Das möchte ich einmal sagen. Ja, ein tolles Fundstück.
Johannes Franke: Eine der wenigen Momente, wo ich dich mal mit einem Film überraschen konnte, den du nicht kennst, worauf ich immer stolz bin. Und zwar geht es darum, um zwei Schauspielerinnen, die einfach Rivalen werden. Eine, die sich in das Leben der anderen hineinschummelt und dann nach und nach versucht, ihr Leben zu übernehmen. Und das ist richtig, richtig gut erzählt und macht richtig, richtig viel Spaß. Und es ist von 1950. Ich kann euch nur ans Herz legen. Es ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Großartiger Film. All About Eve.
Florian Bayer: Wirklich, also wenn ich gefragt werde, was ist so ein Film, der wirklich für den Glanz des klassischen Hollywoods steht, ohne dass es oberflächlich wird. Ja, genau. Dann würde ich sagen, dieser Film. Absolut. Alles über Eva auf Deutsch. Wirklich? Ja. Na, natürlich.
Johannes Franke: Macht Sinn. All About Eve. Klingt trotzdem nicht so geil. Nee, ne? Okay, das war unsere Top 3. Schöne Liste. Dann gehen wir jetzt wieder zurück in unseren Film Amadeus. Das war unsere Top 3. Amadeus, Amadeus. Magst du den Song von Falco? Also, ja, irgendwie schon, aber vielleicht auch nur, weil ich damit groß geworden bin.
Florian Bayer: Falco ist schon irgendwie eine coole Sau, oder? Der war schon eine coole Socke, muss man schon sagen. Der Song war, der hatte einfach, der war, jetzt muss ich kurz einmal schauen, weil ich hab nicht, ich hab nicht dazu recherchiert, aber ich glaub, der Song ist quasi aus dem Jahr, oder? 1985! Geil. Natürlich, Falco ist auf den Zug aufgesprungen. Ja, natürlich. Das ist ganz banal. Dieser Film hat acht Oscars gewonnen und Falco hat gesagt, Mozart kann ich auch. Und hatte damit einen riesigen Hit. Übrigens,
Johannes Franke: nur um mal noch einen Funfact reinzubringen. Johannes, Chrysostomus, Wolfgangus, Theophilius, Mozart. Wo ist das Amadeus? Ich verrat's euch. Und zwar bei Theophilius, der von Gott geliebte.
Florian Bayer: Ja. Und es passt so gut. Ja. Weil es ist ja Thema dieses Films. Dieses Amadeus, dass er, der ist der von Gott geliebte. Ah, ist das schön. Und Salieri ist kein Amadeus.
Johannes Franke: Bis in den Titel ist der Film genial. Wie geil ist das denn? Ja. Es ist toll. Und Theophilius, ne, im Grunde die lateinische Übersetzung von Gott lieb. Ja. Und Amadeus ist eben auch die Variante dann von Gott lieb. Er hat mit Amadee unterschrieben öfter mal, ne? Genau, die französische Variante. Ja. Das hat er sehr gern mocht. Also diese Variante mochte er. Naja.
Florian Bayer: Ja, ich mach kurz mein Fazit. Ja. Dann kannst du noch einmal richtig abfeiern. Dieser Film lügt die ganze Zeit. Ja. Dieser Film hat keine historische Fakten. Dieser Film ist wirklich, also es ist krass. Es ist auch wirklich brutal. Salieri tut mir ein bisschen leid, der historische Salieri. Man muss das einfach alles einmal zur Seite wischen, ne? Genau. Es ist einfach ein Film, es ist ein hyperfiktionaler Film und man darf diesen Film nicht gucken, irgendwie unter irgendeinem Vorzeichen hier historische Realität zu sehen. Und dann ist es halt wirklich eines der großen, epischen Hollywood-Dramen über eine Rivalität, über eine Feindschaft und über einen Kampf gut gegen böse im Künstlerischen. Ja. Und es ist einfach einer der großartigsten Filmbösewichte und deswegen kann ich dem Film auch diese historischen Fehler nachsehen, weil dieser Antonio Salieri, der hier erzählt hat, der nichts mit dem historischen Salieri gemein hat, ist so ein großartiger Villain und es macht so viel Freude, diesem Menschen bei seinen Intrigen zuzuschauen und bei seiner Bösartigkeit und bei seiner Verzweiflung. Es ist einfach, es ist meisterhaft. Du sagst,
Johannes Franke: dass du dem die historischen Fehltritte verzeihen kannst. Ist ja völliger Quatsch. Der ist ja kein Historienfilm. Ja, ja, nein, nein. Das ist ja das Geile, ne? Der Film will das ja gar nicht. Der Film will ja gar nicht akkurat erzählen, was passiert ist, sondern der will halt diese psychologische, diese Auseinandersetzung mit dem Geniekult, mit der Religiosität dieser Figur Salieri, mit diesem Beef zu Gott und diesem verzweifelten Versuch, zu verstehen, was Mozart da macht und eben nicht da ranzukommen, nicht an diese Qualität zu kommen. Dieser Neid, dieser pure Neid, der da drin steckt. Und er ist so Disney-Villain-mäßig inszeniert. Da ist so viel Sinn, Ska drin von König der Löwen. So vom Gefühl her, von der Flamboyantness dieser Figur im Grunde. Der ist so dramatisch zwischendurch. Und durch diese Dramatik kann ich so gut in seinen Kopf und in seine Gefühlswelt reinschauen, dass ich allein dafür schon wahnsinnig dankbar bin für diesen Film. Also ich finde, das ist wirklich einer der besten Filme dieser Zeit. Ist grandios. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche machen, noch kurz dran. Johannes, danke, dass du mir den Film gesehen hast. Es war eine Freude, den mal wieder zu sehen. Es ist lange her, dass ich ihn gesehen habe.
Johannes Franke: Ja, ich habe ihn halt auch als Kind das letzte Mal gesehen. Und ich bin so froh, dass der Film noch so gut ist, wie ich ihn in Erinnerung habe.
Florian Bayer: Er hat sich sehr gut gehalten. Und es ist wirklich eine Freude. Und wenn ihr an die großen, pompösen Hollywood-Werke der frühen 80er-Jahre denkt, dieser Film muss mitgedacht werden.
Johannes Franke: Wir wollten uns verabschieden. Hört einfach euch nochmal den Jingle an. Der Jingle bedeutet, wir sagen euch danach, was es nächste Woche gibt.
Florian Bayer: Genau, damit ihr wisst, was ihr gucken müsst, damit ihr uns zuhören könnt. Weil wie immer werden wir die Hölle aus dem Film spoilern, den wir nächste Woche besprechen. Ansonsten, wie immer, vielen, vielen, vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid. Ja, es macht sehr viel Spaß mit euch. Lasst es euch gut gehen. Wir hören uns nächste Woche und bis dann. Bis dann. Ciao. Ja, wir bleiben klassisch. Wir bleiben klassisch. Wir bleiben wienerisch. Wir bleiben wienerisch? Wir bleiben mozartig. Oh. Es passt einfach zu gut. Wir gucken nächste Woche. Für nächste Woche schauen wir uns an. Die Zauberflöte aus dem Jahr 1975. Eine Opernverfilmung. Dann hat es sich ja richtig gelohnt, dass wir jetzt Mozart recherchiert haben. Wir haben quasi die ganze Theorie abgearbeitet und jetzt kommen wir zur Praxis. Schön. Ich muss dir aber was gestehen. Ja? Wir gucken die Zauberflöte auf Schwedisch.
Johannes Franke: Was machen wir?
Florian Bayer: Und ich muss dir noch was gestehen. Es ist eine Inszenierung von Ingmar Bergmann. Ingmar Bergmann, den du so abgefeiert hast, weil wir über das Siegel gesprochen haben. Nee, Persona ging noch einigermaßen, aber bei das Siegel hast du dann wirklich gejammert und gemeckert. Aber es ist eine sehr klassische Inszenierung. Also natürlich macht Ingmar Bergmann auch so ein bisschen postmodernes Zeug damit und bricht so ein bisschen die Bühne auf. Aber es ist ansonsten so inhaltlich schon eine sehr klassische Inszenierung und es ist wirklich einfach mal zwei Stunden Oper. Geil. Mit den Songs, mit den Inhalten und ich vor allem, ich habe diesen Film, als ich noch keine Ahnung hatte, wer Ingmar Bergmann ist, ich habe diesen Film geguckt als Kind, weil mein Vater den geguckt hat und wollte, dass ich den sehe.
Johannes Franke: Ist das das, wo das berühmte, mit den Sternenhimmeln von der Königin der Nacht, wo dann die Sterne umsieht drumherum, wie auch in der Schikaneda-Inszenierung im Grunde?
Florian Bayer: Er hat sich sehr stark an der klassischen Inszenierung orientiert. Also wie gesagt, er bricht das an einigen Momenten. Ja. Und Ingmar Bergmann versucht, eine wirklich klassische Inszenierung zu machen. Vielleicht habe ich den auch gesehen als Kind. Ich glaube, es ist die berühmteste, nicht nur die berühmteste Zauberflöten-Verfilmung, sondern wahrscheinlich auch die berühmteste Oper als Film. Ja. Überhaupt. Geil. Okay. Also ich bin sehr gespannt, wie du es findest. Ich weiß nicht, ob du die Zauberflöten noch in Erinnerung hast, inhaltlich.
Johannes Franke: Ja, ja, habe ich. Okay, ich mochte das sehr als Kind. Ich habe das live in Leipzig gesehen und die haben eine tolle Inszenierung gehabt.
Florian Bayer: Dann bin ich sehr gespannt drauf. Den habe ich jetzt auch schon ewig nicht mehr gesehen, aber wie gesagt, ich habe den als Kind, deutsch synchronisiert gesehen, das findet man nicht. Du musstest wohl oder übel auf Schwedisch gucken, mit schwedischem Gesang und dann halt deine Untertitel zusammensuchen. Aber hey, wir machen einen Ingmar Bergmann und vielleicht besteht sogar die Chance, dass du mal einen Ingmar Bergmann-Film machst. Okay.
Johannes Franke: Schön. Okay. Na dann, bin ich mal gespannt. Dann sehen wir uns nächste Woche wieder, Plor. Bis dahin. Ciao. Bis dann. Ciao.
