Episode 277: The Life of Chuck – Stephen King minus Horror plus Gefühl
Am Anfang des Films steht Kapitel 3: Die Welt geht unter. Und zwar so richtig: Das Internet fällt aus, Kalifornien wird vom Meer verschluckt, in Deutschland gibt es Vulkanausbrüche und irgendwann beginnt auch der Himmel sich nach und nach aufzulösen. Und dann sind da plötzlich über all diese Werbeanzeigen für den Buchhalter und seine Verabschiedung in den Ruhestand: “Charles Krantz – 39 großartige Jahre, Danke Chuck”. Sie tauchen auf Billboards auf, im Radio und im Fernsehen. In diesen schrägen Zeiten beschließt der High School Lehrer Marty seine Ex-Frau Felicia zu besuchen, um zum Ende der Welt bei ihr zu sein.
Kapitel 2: Chuck tanzt. Und zwar so richtig. Ohne zu wissen wieso, bleibt der Buchhalter auf einer Strandpromenade stehen, wo die Straßenmusikerin Taylor Drums spielt. Und er beginnt zu tanzen, zuerst allein, schließlich mit der jungen Janice, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde. Kapitel 1: Chuck ist ein Kind und das Schicksal schlägt hart zu. Und zwar so richtig: Seine Eltern sterben beide bei einem Verkehrsunfall, und Chuck muss fortan bei seinen Großeltern leben. Aber er kommt gut klar mit den beiden alten Leuten: Von seinem Großvater lernt er alles über Mathematik und Buchhaltung. Und von seiner Großmutter erhält er erstklassige Lektionen im Tanzen und wird zum besten Tänzer seiner Schule. Aber es gibt ein Mysterium in dem Haus, in dem sie zusammen leben: Das Dachgeschoss in der viktorianischen Copula: Irgendetwas gibt es dort, was er auf keinen Fall sehen soll.
The Life of Chuck aus dem Jahr 2024: Drei Episoden, die sich um die Frage drehen: Wer ist dieser Chuck? In der ersten Episode ist er ein Mysterium, ein Rätsel. In der zweiten eine wundervolle Skurrilität. Und in der Dritten endlich ein Mensch. Ein komischer Film, vor allem weil er so simpel ist: Das vermeintlich große Mysterium am Anfang wird schon im ersten Drittel aufgelöst. Unbeholfen wird gegen Ende noch ein zweites Mysterium eingeführt. Aber daneben haben wir hier vor allem Feel Good Kino vor uns, und dann auch noch ausgerechnet auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basierend.
Ich weiß doch auch nicht warum, aber irgendwie hat mich dieser Film berührt: Trotz seiner Naivität, seiner Sentimentalität, seinem kompletten Verzicht auf Zynismus. Vielleicht auch gerade deswegen… und doch schwanke ich. Ist das vielleicht zu viel… Kitsch?
Johannes, hilf mir!
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 277: The Life of Chuck – Stephen King minus Horror plus Gefühl Publishing Date: 2026-04-22T11:35:33+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/04/22/episode-277-the-life-of-chuck-stephen-king-minus-horror-plus-gefuehl/
Johannes Franke: Wie der seine Rede hält für die Zahlen. Ich habe sofort aufgeschrieben, nachdem der fertig war, habe ich geschaut. Fuck, ich muss so Mathematik studieren. Weil wirklich, er ist so ansteckend. Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des
Florian Bayer: Muss-man-sehen-Podcasts, wo Johannes und ich uns gegenseitig Filme zuwerfen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Frei nach dem Motto den musst du gesehen haben.
Johannes Franke: Den musst du gesehen haben, egal ob du willst oder nicht. Und manchmal sind es auch Filme, wo Floor einfach sagt, meine Fresse, ich weiß nicht, ob ich den Film gut finde oder nicht.
Florian Bayer: Mit diesen Worten habe ich Johannes diesen Film gegeben, über den wir heute reden. The Life of Chuck aus dem Jahr 2024. Genau genommen, richtiges Release hatte er erst... 2025 im Sommer, in Deutschland sogar erst im Sommer 2025. Das heißt, wir haben einen wirklich frischen Film vor uns.
Johannes Franke: Einen sehr aktuellen Film. Ich bin erschrocken über die Aktualität dieses Films.
Florian Bayer: Normalerweise sind wir doch deutlich älter unterwegs. Gehen auch gerne mal so in die 50er oder 30er oder auch 20er zurück.
Johannes Franke: Wir haben auch Filme aus 1800 irgendwann gehabt.
Florian Bayer: Haben wir auch gemacht. Genau, aber ich habe Johannes den Film mit diesen Worten gegeben und ich glaube, ich habe ihm auch dazu gesagt, bitte informiere dich vorher nicht so viel über den Film und Das möchte ich euch in dem Fall auch ans Herz legen. Also wir sagen es immer, wir spoilern immer die Hölle aus den Filmen, über die wir reden. Und deswegen guckt euch die Filme an, bevor wir drüber reden, wenn ihr nicht gespoilert sein wollt. Und gerade bei diesem Film ist es mir nochmal ein besonderes Anliegen, weil der doch so ein paar kleine Überraschungen hat. Guckt ihn euch an, lasst euch nicht spoilern, lasst es euch nicht verderben. Auch wenn ich ihn jetzt zum zweiten Mal gesehen habe und meine Haltung zu dem Film hat sich nicht sonderlich dadurch geändert, dass ich wusste, was passiert.
Johannes Franke: Okay, also der Filmgenuss beim zweiten Mal ist trotzdem noch da?
Florian Bayer: Er war trotzdem noch da.
Johannes Franke: Oh, das ist schön.
Florian Bayer: Aber am besten sage ich euch mal, worum es geht. Life of Chuck 2024. Schaltet jetzt aus, wenn ihr den Film nicht gesehen habt. Ansonsten lasst euch Spoiler. Spoiler. Und es geht ja schon damit los, dass am Anfang des Films das dritte Kapitel steht. Da ist schon irgendwie so eine kleine Besonderheit. Worum geht es da? Die Welt geht unter und zwar so richtig. Das Internet fällt aus. Kalifornien wird vom Meer verschluckt. In Deutschland gibt es Vulkanausbrüche. Und irgendwann beginnt auch der Himmel, sich nach und nach aufzulösen. Und dann sind da plötzlich überall diese Werbeanzeigen für den Buchhalter Charles Kranz und seine Verabschiedung in den Ruhestand. 39 großartige Jahre, danke Chuck. Sie tauchen auf Billboards auf, im Radio und im Fernsehen. In diesen schrägen Zeiten beschließt Lehrer Marty, seine Ex-Frau Felicia zu besuchen, um zum Ende der Welt bei ihr zu sein. Kapitel 2. Chuck tanzt. Und zwar so richtig. Ohne zu wissen wieso, bleibt der Buchhalter auf einer Straßenpromenade stehen, wo die Straßenmusikerin Taylor Trumps spielt. Und er beginnt zu tanzen. Zuerst allein, schließlich mit der jungen Janice, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde. Kapitel 1, unser letztes Kapitel. Chuck ist ein Kind und das Schicksal schlägt hart zu. Und zwar so richtig. Seine Eltern sterben beide bei einem Verkehrsunfall und Chuck muss fortan bei seinen Großeltern leben. Aber er kommt gut klar mit den beiden alten Leuten. Von seinem Großvater lernt er alles über Mathematik und Buchhaltung und von seiner Großmutter erhält er erstklassige Lektionen im Tanzen und wird zum besten Tänzer seiner Schule. Aber es gibt ein Mysterium in dem Haus, in dem sie zusammenleben. Das Dachgeschoss in der viktorianischen Coppola. Irgendetwas gibt es dort, was ihr auf keinen Fall sehen soll. The Life of Chuck aus dem Jahr 2024. Drei Episoden, die sich um die Frage drehen, wer ist dieser Chuck? In der ersten Episode ist er ein Mysterium, ein Rätsel. In der zweiten eine wundervolle Skurrilität. Und in der dritten endlich ein Mensch. Ein komischer Film, vor allem, weil er so simpel ist. Das vermeintlich große Mysterium am Anfang wird schon im ersten Drittel aufgelöst. Unbeholfen wird gegen Ende noch ein zweites Mysterium eingeführt. Aber daneben haben wir vor allem viel Gutkino vor uns. Und dann auch noch ausgerechnet auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basierend. Ich weiß doch auch nicht warum. Aber irgendwie hat mich dieser Film berührt. Trotz seiner Naivität, seiner Sentimentalität, seinem kompletten Verzicht auf Zynismus. Vielleicht auch gerade deswegen. Und doch schwanke ich. Ist es vielleicht zu viel?
Johannes Franke: Kitsch? Ja,
Florian Bayer: das hilft mir.
Johannes Franke: Ja, du bist ja ein großer Fan von Zynismus. Ja. Du bist ein zynischer Mensch.
Florian Bayer: Nein. Ich mag Zynismus in der Kunst, aber ich bin kein zynischer Mensch.
Johannes Franke: Okay, okay. For the argument's sake,
Florian Bayer: ich bin ein zynischer Mensch.
Johannes Franke: For the argument's sake. Ja, ja, ja, Ausflucht, Ausflucht. Nein, also du hast deine zynischen Momente und du magst Filme. die zynische Elemente haben. Und deswegen verstehe ich natürlich, dass du vor diesem Film sitzt und denkst, ich kann ihn doch nicht gut finden. Der hat doch keinen zynischen
Florian Bayer: Anklang. Es ist der antizynischste Film, den ich je gesehen habe. Und es ist einer der naivsten Filme, die ich je gesehen habe.
Johannes Franke: Und ich muss sagen, ich habe genau das gleiche Problem damit.
Florian Bayer: Ja, danke.
Johannes Franke: Ich sitze davor und denke mir, ja. Aber so eine kleine Ecke und Kante hier und da, das wäre vielleicht auch nicht so schlecht. Ist er zu brav? Er ist sehr brav, sehr, sehr brav.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja jetzt, wo ich ihn das zweite Mal gesehen habe, ich habe diesen Text vor meinem zweiten Schauen geschrieben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich glaube, dieses Hilfe, Johannes, hilf mir und so, ich habe diese Frage, die habe ich gar nicht mehr, diese Frage, weil ich diesen Film absolut liebe.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und ich liebe, und ich glaube, ich kann auch erklären, warum.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der hat wenig Ecken und Kanten. Ja, der ist, der ist so sehr. sehr feel good und sehr enjoy life auf einer sehr einfachen Ebene und gleichzeitig hat es so ein bisschen Sterium, Sprimborium drumherum. Aber vielleicht ist es genau das Richtige gerade. Ich habe das Gefühl, dieser Film ist genau das, was mir gerade so voll gut tut. Wir leben in so zynischen Zeiten. Wir haben so eine krasse Polarisierung in der Welt. Wir haben so viele Kriege, Konflikte, so viel Scheiße. Und dann siehst du dieses wunderschöne kleine Juwel, das keinem wehtut. keinem wehtun will,
Johannes Franke: aber irgendwie das Herz dann doch so voll am rechten Fleck hat. Okay, aber ich habe, muss ich sagen, obwohl ich auch derjenige bin, der eigentlich mit solchen Filmen ganz gut klarkommt. Wenn ich jetzt Amelie anschaue, Amelie ist auch wenig zynisch. Hat das ein bisschen hin und da, ein bisschen mehr als dieser Film.
Florian Bayer: Amelie hat deutlich mehr Edge als dieser Film.
Johannes Franke: Deutlich mehr Edge sowieso. Aber der Zynismus, der reine Zynismus ist jetzt auch nicht so wahnsinnig viel.
Florian Bayer: Ja, aber wenn du Amelie mit Chuck vergleichst, dann ist Chuck ein weißes Hoppelkaninchen und Amelie ist ein Streetpunk.
Johannes Franke: Ja, dagegen dann vielleicht schon. Aber es hat viele Gemeinsamkeiten, muss man sagen.
Florian Bayer: Es hat total viele Gemeinsamkeiten. Es fällt in dieselbe Genre-Ecke und ich liebe dieses Genre. Dieses Genre finde ich grundsätzlich total geil. Dieses, ich sag mal, Enjoy Life oder Carpe Diem Filme. Ja,
Johannes Franke: Carpe Diem Filme.
Florian Bayer: Ich kann damit extrem viel anfangen und das macht es mir leichter.
Johannes Franke: Obwohl du mal gesagt hast, dass Carpe Diem das Arschgeweih der Zitate ist. Nein,
Florian Bayer: das war aber ein Zitat, das ich gebracht habe. Das hat irgendjemand anderes gesagt. Ach,
Johannes Franke: du willst nicht rausreden.
Florian Bayer: Nein, aber ich liebe solche Filme. Also solche Filme haben grundsätzlich bei mir irgendwie so einen Stein im Brett.
Johannes Franke: Ja, bei mir ja auch. Und ich liebe Farbe Läufer der Welt der Amelie. Das habe ich ja auch. Wir haben den Film besprochen. Wir haben den beide sehr geliebt.
Florian Bayer: Fantastischer Film.
Johannes Franke: Und dieser Film hier sagt auch, komm, mach was aus deinem Leben, egal wie viel Scheiße da vielleicht wartet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich auch total toll. Allerdings muss ich sagen, dass er viele Methoden von Amelie nimmt. Ich weiß nicht, ob er sie bewusst nimmt oder nicht, aber Gemeinheit mit Amelie, die hier nicht so gut funktionieren wie bei Amelie.
Florian Bayer: Du meinst vor allem den Narrator wahrscheinlich. Der Narrator bei Amelie hat einfach so viel mehr Edge.
Johannes Franke: So viel mehr. Und er hat auch viel mehr. Ich muss sagen, es tut mir leid für den Schauspieler, der das gespielt hat oder gesprochen hat. Ich finde ihn nicht gut.
Florian Bayer: Nick Offerman.
Johannes Franke: Ich finde ihn nicht gut.
Florian Bayer: Ein Star im TV. Und ich habe Parks and Recreation noch nie geguckt. Ich liebe aber The Office. Und alle sagen, wenn du The Office geguckt hast und gemocht hast, dann musst du Parks and Recreation gucken.
Johannes Franke: Habe ich auch nicht gesehen.
Florian Bayer: Das heißt, ich muss das irgendwann mal nochmal gucken. Ich finde Nick Offerman total geil. Also ich mag den als Schauspieler. Ich finde, das ist einfach so ein Typ. Der hat einfach so einen Charisma, so einen sehr rauen Charisma. Ich finde den total okay als Erzähler hier.
Johannes Franke: Aber wenn der so einen rauen Charisma hat und die Stimme ja das mit irgendwie, die Stimmfarbe ist schon so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dann ist der aber so glatt gebügelt.
Florian Bayer: Nein,
Johannes Franke: das funktioniert nicht.
Florian Bayer: Das ist der Text, ne? Der Text, und wir können ja mal kurz auf die Vorlage eingehen. Ich habe die Vorlage nämlich auch gehört jetzt komplett einmal. Hast du das nicht nochmal? Habe ich, weil ich auch wissen wollte, wie sie ist im Vergleich. Die Vorlage stammt von Stephen King. Ja. Und damit reden wir jetzt über unseren vierten Stephen King Film.
Johannes Franke: Das ist so krass. Ich habe nicht Kopf gehabt, bevor wir angefangen haben mit dem Podcast, wie viele fucking Stephen King Verfilmungen es da draußen gibt. Und man sagt ja immer, dass die so wahnsinnig schlecht sind teilweise. Vor allem die Stephen King Verfilmung, die Stephen King selbst gut findet. Weil er einfach keinen Film, also er kann einfach keine Filme machen.
Florian Bayer: Spoiler, diesen Film liebt er.
Johannes Franke: Diesen Film liebt er. Und man muss vielleicht auch dazu sagen, dadurch, dass das keine Horrorfilm Verfilmung ist. ist es vielleicht auch leichter für Stephen King, das zu mögen. Weil er hat dann andere Stakes drin. Und Mike Flanagan hat auch die Horrorvariante gemacht. Der hat ja auch Dr. Sleep gemacht.
Florian Bayer: Und Gerald's Game.
Johannes Franke: Und die findet ja Stephen King durchaus auch ganz gut.
Florian Bayer: Ja, deswegen hat er eben erlaubt, diesen Film zu machen. Und ich fand die beiden Horrorfilme von Flanagan nicht so doll.
Johannes Franke: Ja, ja, wir hatten ja darüber geredet.
Florian Bayer: Dr. Sleep war sehr durchschnittlich.
Johannes Franke: Ich fand ihn gar nicht so schlecht, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich fand halt, der lebte halt vor allem davon, dass er auf Shining referiert hat, aber eben auf das Shining von Kubrick. Das war das starke Momentum, nicht das Shining von King.
Johannes Franke: Ach, der Shining von King ist auch mit drin. Deswegen hat ja Stephen King überhaupt gesagt, ja, du kannst es machen, wenn du dich ein bisschen mehr an mir anschmiegst und nicht den gleichen Scheiß machst wie Kubrick. Aber okay, du darfst so ein paar Sachen mit übernehmen. Der hat das so verheiratet. ganz gut funktioniert für die meisten Fans.
Florian Bayer: Er hat vor allem die Ästhetik übernommen von Kubrick. Wenn auf die Geschehnisse aus The Shining referiert wird, dann wird es visuell komplett von Kubrick übernommen. Das Hotel sieht so aus wie bei Kubrick, ist auch nicht abgebrannt wie in der Vorlage. Okay, das würde jetzt aber zu weit gehen. Ich wollte ja eigentlich eine Lanze für King brechen. Immer wenn wir einen Stephen King Film besprechen, sage ich einmal, Stephen King ist großartig. Stephen King hat manchmal einen schlechten Ruf, weil er halt sehr viel produziert und dabei auch einiges Durchschnittlicher ist. Stephen King ist ein Mensch, der das Herz absolut am rechten Fleck hat und Stephen King ist ein unglaublich kreativer Mensch, der einfach bewundernswert ist, weil er so einen krassen Output hat. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Life of Chuck ist keine Horrorgeschichte von King, sondern eine Kurzgeschichte aus dem Sammelband If It Bleeds, blutige Nachrichten aus dem Jahr 2020. Vier Geschichten. Eine andere wurde auch verfilmt und zwar Mr. Harrigans Phone, habe ich auch gesehen, wurde 2020 verfilmt. Sehr durchschnittlich. Okay. Und ansonsten neben Life of Chuck noch If It Bleeds, wo es um eine Privatdetektivin geht, die irgendeinen Anschlag aufklärt und dann mit irgendwelchen Dämonen in Kontakt kommt, die hinter diesen Anschlägen stehen. Und Red, wo sich ein Autor, der sich in den Wald zurückgezogen hat, um ein Buch zu schreiben, mit einer Ratte unterhält, die ihm sagt, ich erlöse dich von deiner Schreibblockade, wenn ich dafür irgendjemanden töten darf. Ui,
Johannes Franke: okay.
Florian Bayer: So ein bisschen so ein Dilemma. Genau. Und live auf Chuck, das... Es gibt gar nicht so viel zur Vorlage zu sagen, weil die Vorlage ist extrem ähnlich wie der Film, beziehungsweise der Film ist extrem nah an der Vorlage.
Johannes Franke: 60 Seiten offenbar.
Florian Bayer: Ja, kurz. Also kurz. Ist eine Kurzgeschichte. Genau. Drei, vier Änderungen gibt es im Film, die kaum der Rede wert sind. Also wir erfahren im Buch, dass Marty und Fell offensichtlich die beiden Geschiedenen eine sexuelle und romantische Beziehung haben seit ihrer Scheidung. Im Film wird eher angedeutet, dass sie zum ersten Mal wieder so zusammentreffen wie davor. dann im Film stirbt Chuck im Beisein seines Sohnes und seiner Frau. Im Buch ist sein Bruder dabei. Und es liegt nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus. Und es wird ein bisschen länger schon im ersten Kapitel, beziehungsweise im dritten Kapitel, also am Anfang, erzählt, wie er da liegt und stirbt. Der kosmische Kalender spielt praktisch gar keine Rolle. Der findet nur andere Erwähnungen. Der wird im Film sehr groß gemacht und sehr viel erzählt.
Johannes Franke: Ja, man muss ja irgendwo die Zeit herholen für den Film. Der muss ja irgendwie verlängert werden.
Florian Bayer: Und dazu gehört auch, dass es einen Subplot gibt. Im Film, im dritten Teil, beziehungsweise im ersten Kapitel, wo Chuck sehr zaudert, ob er tanzen will und sogar seiner Tanzpartnerin erstmal eine Absage macht, ist komplett raus. Also er geht direkt mit ihr auf die Tanzfläche und legt los. Im Buch hat er nicht dieses Zögern und verstehe ich auch ein bisschen, warum sie das geändert haben. Das bringt ein bisschen mehr Gravitas rein. Im Buch sieht der Großvater seinen eigenen Tod nicht, sondern er sieht nur den Tod von diesen zwei, die ihr kurz erwähnt und den Tod von Chucks Eltern.
Johannes Franke: Ich muss sagen, jede dieser Änderungen finde ich absolut nachvollziehbar und vollkommen in Ordnung. Womit der Film aber noch Zeit schindet, sind ja auch so Sachen wie eine fünfminütige Tanzszene.
Florian Bayer: Die ist im Buch auch sehr lang.
Johannes Franke: Die ist auch echt lang?
Florian Bayer: Die ist wirklich lang beschrieben. Oh, okay. Da hat der Film sich sehr an das Buch gehalten. Oh, geil. Und ich finde übrigens, Kudos, also ich finde es grundsätzlich geil, wenn ein Film sich traut, so eine Szene in die Länge zu ziehen. Ja, ja, ja,
Johannes Franke: absolut.
Florian Bayer: Im Buch ist es auch sehr ausführlich beschrieben, auch mit den einzelnen Schritten, auch mit dem Moonwalk und was er sonst noch so alles macht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nee, da hält er sich tatsächlich an das Buch. Das ist beim Film kein Zeitschinden. Wer Stephen King kennt, weiß, dieser Mann liebt es, Szenen sehr lange auszuerzählen und so sehr auf Details einzugehen. Und ich finde man hört oft bei Stephen King das Gefühl, dass er Seiten schindet, dass er seine Bücher dicker macht, indem er überflüssig lange erzählt, wie sich ein Mensch Kaffee kocht. Bei dem Tanzen ist es nicht so überflüssig.
Johannes Franke: Da ist er nicht der einzige Schriftsteller. Ich glaube, Schriftsteller allgemein, wenn die nicht gerade sehr journalistisch drauf sind, dann schmücken die einfach aus.
Florian Bayer: Definitiv. Tom Hiddleston, der uns an Chuck spielt, ist ganze 20 Minuten in diesem Film zu sehen. Obwohl er prominent auf dem Plakat gefeatured ist.
Johannes Franke: Ja, es ist ein Independent-Movie und wenn du einen Independent-Film machst, dann versuchst du deinen Star so groß wie möglich zu verkaufen. Das ist vielleicht auch einer der Gründe gewesen, warum, Spoiler, der Film nicht so viel Geld eingespielt hat, wie er hätte haben sollen, können, dürfen oder müssen. Also quasi. so ein bisschen als Flop durchgeht. Zumindest an den Kinokassen. Jetzt so im Streaming ist eine andere Nummer vielleicht. Aber das wird sich noch entwickeln.
Florian Bayer: Er scheint sich so nach und nach zu spät zu so einem kleinen Geheimtipp entwickelt zu haben. Und ich habe das Gefühl, wenn man sich so umschaut online, man findet immer mal wieder Leute, die sagen, guckt euch diesen Film an. Und sehr viele Leute, die dann beispringen und sagen, oh ja, guckt euch diesen Film an. Und ich glaube, er hat Potenzial dazu, sich vielleicht nicht zum Kultfilm zu mausern. Dafür ist er wahrscheinlich einfach ein bisschen zu Ecken und Kanten los. Ja,
Johannes Franke: zu glatt.
Florian Bayer: Aber so zu so einem kleinen Geheimtipp-Juwel, wo die Leute sagen, ach schön, den solltet ihr sehen, glaubt mir, das solltet das Zeug und ich glaube, das hat er auch irgendwie verdient.
Johannes Franke: Ich denke auch, ich glaube, es ist auch durch die Ecken- und Kantenlosigkeit. Etwas, wo man viel projizieren kann drauf, von seinen eigenen Dingen, die man so mit sich rumträgt. Und das ist ja sowieso bei Filmen so, du guckst einen Film in einer bestimmten Phase deines Lebens und hast dann bestimmte Gedanken und dann guckst du ihn zwei Jahre später und hast ganz andere Gedanken dazu. Und dieser Film funktioniert so ein bisschen als Leinwand für deine eigenen Mitbringsel. Absolut. Im Kern hat er halt wirklich eine einfache Botschaft.
Florian Bayer: Das geht darum... Das Leben eines jeden Menschen ist sehr viel wert.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und vor allem sind diese kleinen Momente im Leben, die das Leben besonders machen. Es sind nicht die großen Sachen. Der Film heißt so sehr pathetisch The Life of Chuck. Wir kriegen wenig aus seinem Leben, von seiner Lebensgeschichte erzählt. Wir kriegen seine Kindheit so ein bisschen erzählt. Genau. Aber dann ist es halt wirklich so eine Szene aus seinem Erwachsenenleben, die rausgegriffen wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die Botschaft dahinter ist natürlich. Das sind die Momente, die das Leben lebenswert machen. So klein sie auch sind, so folgenlos sie auch sein mögen. Das ist der Moment, wo du merkst, du bist etwas Besonderes und du enthältst Vielheiten. Ich will mich nicht zynisch drüber lustig machen, weil es mich, das Ding ist, es ist so schön, du sagst die ganze Zeit,
Johannes Franke: du bist kein Zyniker und musst dich die ganze Zeit zurückhalten, das Ganze nicht zynisch zu erzählen.
Florian Bayer: Das ist Coping. Ich mache das zynisch, weil ich das irgendwie verarbeiten muss, dass dieser Film mich total berührt hat.
Johannes Franke: Du kannst keine Emotionen... Nee,
Florian Bayer: kann ich nicht. Ich bin ein Mann. Ich bin ein 40-jähriger Mann im 21. Jahrhundert. Wo soll ich Emotionen gelernt haben? In den 80ern? Nein, keine Chance. Von Arnold Schwarzenegger?
Johannes Franke: Tja, hätten wir uns schon gekannt. Von Axel Rose? Du hättest von der Heulsuse schlechthin. Von mir hättest du das lernen können, wenn wir uns früher gekannt hätten.
Florian Bayer: Das Ding ist ja... Ich habe gesagt, dass beim zweiten Mal es verändert sich nicht so beim Sehen. Ich war beim zweiten Mal, glaube ich, noch mehr berührt. Also beim zweiten Mal ist der für mich noch mal ein Stück mehr ans Herz gewachsen.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil du weißt, wie du den dritten Akt, also den ersten einsortieren sollst.
Florian Bayer: Und das ist krass, weil es fängt ja wirklich als Mystery-Science-Fiction-Film an. Du guckst das Ding und denkst so, oh krass, da wird das Ende der Welt erzählt. Und es wird sich gefragt, wie dieser Chuck ist. Und du fängst so drüber an nachzudenken und fängst an so typisch, was ich bei so einem Film mache, der so rätselhaft daherkommt. Wie könnte man das auflösen? Ist das irgendwie Gott oder so? Sind sie ein Experiment in einem Experimentierkasten?
Johannes Franke: All das genau. Vor allem, weil es ist ja auch Tom Hiddleston, muss man sagen. Und man denkt sich, der kommt jetzt nicht ein einziges Mal vor und sagt ein Wort, sondern der ist nur auf irgendeinem Plakat. Da muss doch noch was Großes kommen. Und es ist schon geil, weil das vielleicht der Filmemacher mit einkalkuliert, dass man die ganze Zeit denkt, ja da muss doch jetzt irgendwie, da steckt doch was Großes drin. Und trotzdem erzählt er den ersten Akt, den dritten Akt, sorry, den ersten Teil des Films in sich geschlossen als Weltuntergangsszenario, was ich total geil finde. Ich liebe diesen ersten Teil.
Florian Bayer: Das Spannende ist ja, das Mysterium bleibt nicht lange bestehen. Dieser erste Teil geht so rough ein bisschen mehr als eine halbe Stunde. Und am Ende von dieser ersten halben Stunde, ich weiß nicht, wie es dir ging, aber ich finde, das Mysterium ist dann irgendwie aufgeklärt. Und wenn wir Chuck... da reingeblendet sind, im Bett liegen, wie er stirbt, wissen wir, okay, wir haben es hier mit der Innenwelt eines Menschen zu tun.
Johannes Franke: Sind wir ganz ehrlich, der Übergang ist ein bisschen übererzählt, übererklärt.
Florian Bayer: Absolut, Ja, das ist überhaupt nicht notwendig. Es ist übererklärt und es wird jeder abgeholt dabei. Der
Johannes Franke: Film hat ein bisschen zu viel Angst davor, dass die Leute ihn nicht verstehen. Es ist ein bisschen tief. Vor allem, weil sie sitzt da, wenn er dann das erste Mal gezeigt wird und sie, die Frau, dann zu ihm genau das Gleiche sagt, was vorher in dem Film so als Mysterium drüber stand. Ach, 39, also vielen Dank für diese schöne Zeit und so. Und man denkt sich, ja, okay, ich hab's verstanden, ist okay.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich geil finde, diese Randomness des Weltuntergangs, wie es erzählt wird.
Johannes Franke: Ja, voll.
Florian Bayer: Das Internet löst sich langsam auf. Es ist mal weg. Mal sind die Seiten falsch geschrieben.
Johannes Franke: Fucking Pornhub. Es ist so geil. Ich finde diese Szene ganz, ganz großartig. Ich bin mich sehr gefreut darüber. Der Film hätte vielleicht, da führt da so ein bisschen Edginess an.
Florian Bayer: Naja, aber ganz vorsichtig.
Johannes Franke: Ganz vorsichtig, natürlich. Aber dass ich denke, oh, wenn sie das jetzt noch aufdrehen, dann wird das ein lustiger Film. Aber leider haben sie sich da gar nicht weiter dran getraut.
Florian Bayer: Im Buch wird es übrigens nur am Rande erwähnt. Und es wird explizit gesagt, keiner der Eltern beklagt, dass Pornhub weg ist. Aber der Lehrer denkt sich insgeheim,
Johannes Franke: ja, wahrscheinlich haben die meisten das gedacht. Das ist so ungefähr, wie das Buch das erzählt. Es ist so geil, dieses willkürliche Auflösen der Welt. Dann fällt das aus, dann fällt das aus, Menschen verschwinden. Und du hast übers Fernsehen immer mal wieder, plötzlich ist Kalifornien unter Wasser oder existiert einfach nicht mehr. So dieses, wie man sich das vorstellen kann, wenn man dann versteht, was passiert ist, wie so ein Hirn hier und da so seine... weißen Flecken bekommt und da nicht mehr so richtig drauf zugreifen kann und die Information ist... Und das ist so ein bisschen, und das Internet natürlich auch als Netz im Hirn, das die Sachen hin und her, Informationen hin und her transportiert. Das ist schon, ich finde die Analogie einfach ziemlich gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Ich finde es auch tatsächlich ohne diese Analogien, ich würde das gar nicht so groß interpretieren, finde ich das einfach als Erzählmuster total schick. Die unendliche Geschichte fällt mir ein als auch so ein Beispiel, wo dieses Nichts da ist, was die Welt so scheinbar willkürlich bedroht und plötzlich sind einfach Dinge weg. Dinge verschwinden, lösen sich auf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das schafft so eine krasse Unsicherheit, wenn du weißt, dass es Zombies sind, die über die Erde rennen, dann weißt du, dass du wegrennen musst. Und wenn du weißt, dass Aliens angreifen, weißt du, dass du dich in einem Bunker unter der Erde verstecken musst oder so. Oder wenn ein Komet kommt, weißt du, du musst ins All fliegen und den Kometen kaputt schießen. Aber wenn so punktuell Dinge einfach weggehauen werden, das ist deutlich apokalyptischer.
Johannes Franke: Ja, und du weißt auch nicht so richtig, wie du es einsortieren sollst und wie du dagegen eben angehen kannst. Ich finde es total schön und vor allem, weil sich dann auch... Diese beiden wiederfinden, weil sie beide irgendwie in, also der Lehrer und seine Ex-Freundin, die von Karen Gilliam gespielt wird, die ist super großartig, tolle Schauspielerin. Und auch er macht das hervorragend. Und ich bin voll in diesem Film drin. Ich habe noch sehr lange nicht das Gefühl, dass wir aus diesem Film irgendwann austreten werden, sondern dass es vielleicht in diesem Film dann weitergeht irgendwo hin.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Wobei es gibt ja irgendwie den Moment, wo du merkst, okay. Da kann nicht mehr viel kommen. Ja, genau.
Johannes Franke: Jetzt löst sich gerade der Himmel auf. Also jetzt sind die Sterne weg. Ich glaube, das ist gleich das Ende. Und insofern sagt er mir natürlich gleich am Anfang mit Akt 3, dass ich denke, ja, okay, dann springt der Halt zurück. Ist in Ordnung. Dann weiß ich ja Bescheid, in welche Richtung das läuft.
Florian Bayer: Genau, Karen Gillian, die du wahrscheinlich magst, weil sie in Doctor Who gespielt hat. Ich finde, jetzt sage ich den Namen garantiert falsch, Chivital, ich versuche es wenigstens, at Chauffeur?
Johannes Franke: Möchtest du übrigens Tee, Flor, während du versuchst, den Namen so auszusprechen?
Florian Bayer: Ja. Der super Schauspieler auch. Also ich finde ihn tatsächlich, der hat bis jetzt eher so kleinere Rollen gespielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber er war dann in 12 Years a Slavefire zu sehen.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Da hat er super gespielt. Und er, ich finde, er gibt dieser Figur eine schöne melancholische Note. Also ich mag beide Figuren. Beide Figuren tragen so eine nüchterne Traurigkeit in sich, die nicht zu groß ist. Und es passt sehr gut zu dieser Art. des Weltuntergangs, der hier erzählt wird.
Johannes Franke: Ja, und auch so ein kleines bisschen das Gefühl von, die gehen nicht los und versuchen irgendwas zu retten oder sowas, sondern es ist einfach so dieses fast schon schicksalsergebende Okay, was passiert hier? Aber was soll ich jetzt da machen? Und auch dieses Gespräch mit dem Nachbarn, das finde ich total süß.
Florian Bayer: Das Gespräch mit dem Nachbarn finde ich total cool. Übrigens, das ist... Einer, der in Scream mitspielt. Wir haben über Scream gesprochen. In Scream spielt er einen Killer. Einen wirklich wahnsinnigen, nervigen, labernden Killer.
Johannes Franke: Seine größte Rolle, ich habe ein Interview mit ihm gehört. Und wurde gefragt, wie es denn so ist, größtenteils Horrorfilme zu spielen. Und er so, habe ich nicht. Das ist nur der berühmteste Film von mir. Eigentlich hätte ich voll Bock, mehr Horrorfilme zu machen.
Florian Bayer: Ich lasse mich einmal kurz nach seinem Namen gucken. Es ist so einer, wo man das Gefühl hat, der ist so zur ewigen Nebendarstellerrolle verdonnert.
Johannes Franke: Ja. Und ich mochte ihn total. Ich fand ihn wirklich ziemlich cool.
Florian Bayer: Matthew Lillard. Ich finde den total toll. Und ich glaube, der hat schon so ein bisschen so Teenager-Filme dann gespielt, irgendwie Ende der 90er. Ah, er hat Shaggy in Scooby-Doo gespielt. Das ist ein großes Ding. Er hat Shaggy in Scooby-Doo gespielt. Und ansonsten halt vor allem Nebenrollen. Ich mag den immer, wenn ich ihn sehe, weil er so... Er kann Gesichtsakrobatik. Und hier spielt er aber auch so einen sehr nüchternen Typen, der sich ganz entspannt eigentlich über das Ende der Welt unterhält. Natürlich frustriert es deswegen.
Johannes Franke: Also, naja, was heißt entspannt? Also da ist schon eine innere Anspannung bei allen da. So ist es nicht. Aber es bleibt in dieser Melancholie, die nicht in Aktionismus ausartet.
Florian Bayer: Naja, es hat einfach nicht so die Gravitasen. irgendwann das Gefühl, die Menschen arrangieren sich damit, dass die Welt untergeht und erwarten eigentlich, dass da kann nichts anderes mehr passieren. Das ist jetzt einfach bald vorbei.
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist jetzt das Ding.
Florian Bayer: Ich finde dieses, also ich mag das Konzept des Cosmic Calendar.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde, es ist ein bisschen lang drin erklärt, ein bisschen sehr ausführlich so draufgesetzt. Auch so, ja, ich verstehe, du versuchst hier noch ein bisschen Philosophie reinzubringen.
Johannes Franke: Oder ist es das Zeitschinden?
Florian Bayer: Vielleicht auch, aber er will ja damit schon was sagen. Also dass wir den Kosmik-Kalender nochmal betrachten und sehen, wie wenig ein einzelner Mensch im Gesamtgefüge bedeutet. Wie gesagt, ich mag das Konzept. Ich habe nicht das Gefühl, dass es Zeitchen ist, sondern einfach so ein bisschen übererklärt in dem Moment. Aber ich mag das Konzept einfach. Ich finde diesen Gedanken total cool, dass wenn wir uns den... die Geschichte des Als als ein Ja vorstellen, dass wir halt wirklich in den letzten Sekunden sind. Dass wir die letzten zehn Sekunden davon sind und nicht viel mehr.
Johannes Franke: Allerdings muss ich sagen, die machen das ja im Telefonat, oder? Ja. Und ich so das Gefühl habe, das ist so einer dieser Momente, wo der Filmemacher, wo der Drehbuchautor gesagt hat, okay, und jetzt muss der Protagonist mit einer Analogie antworten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was niemand im wahren Leben wirklich macht, dass jemand eine Frage gestellt bekommt und dann erstmal anfängt mit, also ich muss dir meine Geschichte erzählen. Ja, ja, es ist so sehr random. Es ist eigentlich so. Und jetzt für das Publikum.
Florian Bayer: Ja, genau. Mike Flanagan. Auch Drehbuchautor.
Johannes Franke: Ja, genau. Der hat das Drehbuch geschrieben, der hat die Regie geführt, der hat produziert. Also es ist schon ein Pony auf allen möglichen... Es ist sein Baby.
Florian Bayer: Und Mike Flanagan ist der krasseste filmische Nepotum... Nepotist, den man sich vorstellen kann.
Johannes Franke: Möchtest du das Wort nochmal sagen,
Florian Bayer: Frank?
Johannes Franke: Nepotismus
Florian Bayer: Er hat sowohl seine Frau als auch sein Kind in diesem Film untergebracht. Wenigstens nicht in Hauptrollen, aber...
Johannes Franke: Ja, er hat gesagt, ich wusste bei meiner Frau, dass sie das so rüberbringen kann, diese Rede da. Das spielt die Lehrerin, glaube ich. Und vor allem hat er gesagt, er freut sich darauf, dass irgendwann seine Kinder, wenn sie alt genug sind, diesen Film dann nochmal sehen und von ihrer Mutter diese Rede mitbekommen und das beherzigen sollen.
Florian Bayer: Er hat diesen Film auch ein bisschen für sich gedreht. Er war ja auch geil auf diesen Film. Er wollte das Ding machen und ich habe das Gefühl, Mike Flanagan? ist so ein bisschen so ein Stephen King Fanboy, ein Stephen King Stalker. Der nervt ihn so lange, bis er seine Filme machen darf. Ja, natürlich, klar. Und bei Dr. Sleep hat er ja auch gesagt, pass auf, ich mach das so und ich mach das so. Ich mach das so, bis Stephen irgendwann gesagt hat, Mikey, Mikey, Mikey, mach das aber bitte,
Johannes Franke: lass mich in Ruhe. Ich sitze hier gerade und esse ein Steak. Du kannst nicht. Mike, wirklich, echt jetzt, raus. Aber er hat sich über die Jahre, glaube ich, ganz gut in sein Herz gespielt, muss man sagen.
Florian Bayer: Stephen King mag. sagt Mike Fleck. Ja,
Johannes Franke: und Stephen King redet gut über alle drei seiner Verfilmungen von seinen Büchern.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: In der Reihenfolge wäre jetzt Akt 2. Wollen wir da mal reinspringen? Ja. Dann kommen wir nämlich auch zu dem Tanz, über den ich durchaus reden möchte.
Florian Bayer: Oh ja, ich bin sehr gespannt. Vor allem, weil du ja der große Tanz-Buff bist hier von uns beiden.
Johannes Franke: Ja. Es ist ja kein Tanzfilm eigentlich.
Florian Bayer: Kein Tanzfilm.
Johannes Franke: Das heißt, die Hauptfiguren haben keine Ausrede, überdurchschnittlich gut tanzen zu können.
Florian Bayer: Richtig. Außer, dass wir halt erfahren, dass Mike offensichtlich ein sehr guter Tänzer ist.
Johannes Franke: Und das seit 30 Jahren nicht gemacht hat.
Florian Bayer: Und das seit 30 Jahren nicht gemacht hat.
Johannes Franke: Und die Frau, die dazukommt?
Florian Bayer: Die kann gar nicht tanzen. Also es wird nicht erzählt, dass sie irgendwas groß gelernt hat, oder? Sie hat in der Highschool ein paar Tanzkurse, so wie Chuck. Aber sie war nicht außergewöhnlich, sondern sie hat einfach ein bisschen Tanzen gelernt in der Schule.
Johannes Franke: Und dafür ist der Tanz doch sehr außergewöhnlich gut, oder? Also vor allem außergewöhnlich glatt und choreografiert.
Florian Bayer: Es ist voll choreografiert. Und das ist geil. Du siehst, wir sind hier im Bereich des magischen Realismus. Niemand, der spontan miteinander tanzt, tanzt so.
Johannes Franke: Natürlich, genau das ist es halt. Und ich denke, der Film hat vorher so ein anderes Genre aufgemacht, dass ich irgendwie Schwierigkeiten habe, da reinzukommen.
Florian Bayer: Ja, verstehe ich voll.
Johannes Franke: Weil ich denke, ja, Tanz gerne. Ich finde Schlagzeug... Eine gewagte Entscheidung? Absolut,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Für einen Straßenmusiker allein schon, um Geld zu verdienen, finde ich es auch eine gewagte Entscheidung.
Florian Bayer: Niemand wirft Geld für einen Schlagzeuger hin, oder?
Johannes Franke: Nein, der sagt, übe zu Hause. Und dann denkt man sich, ja, weiß ich nicht, ob ein Soloschlagzeug. Also als Kunst auf jeden Fall. Und wenn ich bewusst irgendwo auf YouTube ein Video angucken möchte, weil jemand ein besonders geiler Schlagzeuger ist, oder Schlagzeugerin in dem Fall, finde ich es total gut und legit. Und Schlagzeug kann Kunst für sich allein sein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber das als Straßenmusikanten darzustellen, finde ich gewagt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann eine fünfminütige Tanznummer nur zu Schlagzeug zu machen, finde ich nochmal gewagt da oben drauf.
Florian Bayer: Ist es.
Johannes Franke: Und dann so eine choreografierte Nummer finde ich auch schwierig.
Florian Bayer: Findest du gewagt oder schwierig? Weil gewagt würde ich jetzt erstmal positiv deuten.
Johannes Franke: Gewagt bedeutet bei mir jetzt auch ein kleines bisschen schwierig, ja. Ja. Sorry.
Florian Bayer: Schwierig im Sinne von, ich will kein Schlagzeug fünf Minuten lang hören?
Johannes Franke: Nee, das nicht. Aber die Emotion kommt nicht rüber.
Florian Bayer: Die Emotion kommt nicht rüber.
Johannes Franke: Obwohl das natürlich ganz viele anders sehen. In der Recherche lese ich ganz viele Leute, die in Tränen ausgebrochen sind wegen dieser Szene. Und ich denke so, leider hat es mich nicht so gekriegt, wie ich hätte haben wollen. Und ich sehe ganz genau, was er machen will. Und, und, und... Und irgendwie fühle ich mich noch nicht mal emotional erpresst dadurch, weil es eben tatsächlich nicht diese Musik hat, die auch noch rauf drückt oder sowas. Das ist hilfreich eigentlich.
Florian Bayer: Ein riesiger Vorteil in dieser Szene, ja.
Johannes Franke: Aber bedeutet halt auch, dass er auf andere Sachen sich setzen muss, die mich irgendwie kriegen und er kriegt mich damit leider nicht.
Florian Bayer: Ich muss dir jetzt erklären, warum du Unrecht hast.
Johannes Franke: Natürlich, natürlich. Erzähl mir das.
Florian Bayer: Ich finde es eine ganz großartige Entscheidung, nur Schlagzeug zu nehmen. Ich finde auch Taylor, die Schlagzeugerin, die übrigens tatsächlich Schlagzeug nimmt. und keine Schauspielerin. Und zwar...
Johannes Franke: Das ist die einzige Sache, die sie je gedreht hat.
Florian Bayer: Taylor Gordon. Sie heißt auch Taylor. The Pocket Queen. Sie hat irre Sachen gemacht. Du findest auf Instagram Zeug von ihr. Du findest auf YouTube Zeug von ihr. Und sie macht einfach Musik. Und du hast das Gefühl, sie ist einfach mal eine fucking Trammerin, die voll dafür lebt. Und sie bringt das so rüber. Ich finde es auch so großartig, sie zur Protagonistin dieses Aktes zu machen. Dass sie es ist, die eingeführt wird. Sie ist es, die... Chuck beobachtet. Also wir kriegen auch vom Narrator natürlich ein bisschen was über Chuck erzählt, aber eigentlich ist sie es, die die Perspektive jetzt hat auf Chuck. Deswegen wird er ja auch so als Skurrilität eingeführt, weil das natürlich merkwürdig ist, wenn so ein Businessman kommt und dann plötzlich anfängt zu tanzen. Ich finde sie ganz großartig. Sie verkauft mir durch und durch, dass sie für die Musik lebt.
Johannes Franke: Ja, das auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und das, was sie mit den Drums macht, dass es halt mehr ist als nur diese Übung. Dass sie mit dem Drumming Geschichten erzählt. Und das ist nicht nur der Erzähler, der das sehr ausbreitet, dass Siehe. Dass sie sich so mitreißen lässt vom Beat und dass sie nicht zu viel nachdenken will und langsam reinkommt und warm wird und so weiter. Und auch nicht, dass er erzählt und jetzt kommt der Businessman und jetzt fängt sie an, so eine Einführung zu machen und ihn zu begrüßen damit. Ich finde, wie sie Trump, wie sie das Schlagzeug spielt und dabei die Umgebung beobachtet, das verkauft mir voll, dass sie eine Geschichtenerzählerin ist, bei der Trumps mehr sind. Und ich bin niemand, der sich in fünf Minuten Drum-Solo anhört. Ich finde Drum-Solo ist ganz schrecklich. Und es ist wirklich nicht mein Genre und meine Musik. Und Kudos vor jedem, der das kann. Total geil. Aber gib mir noch ein anderes Instrument mit. Ich brauche Melodie. Ich bin Europäer. Gib mir Harmonien.
Johannes Franke: Aber ja, also ich finde, dass sie das ganz grandios macht. Und sie spielt das auch erstaunlich gut. Sie spielt das richtig gut.
Florian Bayer: Ich finde sie so cool.
Johannes Franke: Absolut, aber das reicht halt nicht. Und ich glaube, da kommt ein nächstes Problem des Films mit rein. Ich habe... ihn jetzt das erste Mal gesehen. Beziehungsweise nicht ganz das erste Mal, weil ich ihn einmal sterben sehe in dem Akt davor, am Ende.
Florian Bayer: Du siehst jetzt Chuck zum ersten Mal, ja.
Johannes Franke: Und ich sehe Chuck jetzt zum ersten Mal als full-fleshed person, als ein Mann, der wirklich in der Gegend rumläuft. Und er wird mir vom Erzähler übererklärt und ich habe noch keinerlei emotionale Verbindung zu ihm.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und auch zu ihr baue ich nur so eine halbe emotionale Verbindung auf.
Florian Bayer: Du hast zu ihr keine emotionale Verbindung? Nicht keine. Ich finde, sie ist...
Johannes Franke: Nicht keine. Das möchte ich nicht. Aber vor allem, weil sie sehr gut spielt, habe ich durchaus eine Verbindung zu ihr. Aber nicht die emotionale Verbindung, die mir die ganze Szene verkauft. Alter,
Florian Bayer: aber ich finde, genau sie ist das Glied. Von diesem dritten Akt zu diesem Chuck. Und wir nehmen diesen Chuck als erstes, und das finde ich auch ganz wichtig für den Film, dass er erst mal skurril wirkt. Das ist ein Businessman, der plötzlich stehen bleibt und anfängt zu tanzen. Und ja, wir kriegen erzählt, was er davor gemacht hat, aber wir kriegen nicht viel erzählt, wo er herkommt. Was er vom Leben erwartet. Wir wissen nichts von seinem Tanzen in der Vergangenheit. Wir wissen nur, dass er auf dieser Tagung ist. Dass er sich offensichtlich noch ein paar Konferenzen anhört. Und dann sehen wir diesen einen kurzen Flashback zu seiner Großmutter, die in der Küche steht. Aber es wird nicht viel erzählt. Sie ist das Bindeglied, weil sie merkt, okay, dieser Mensch hat irgendwas. Da ist irgendwas drin. In diesem Menschen steckt irgendwie Biet im Blut oder wie auch immer. Und wie sie sich dann aufeinander eingrooven. Ich finde es wirklich schön erzählt. Ich finde, das hat so einen Moment und ja, natürlich ist es nicht realistisch. Er tanzt viel zu gut und er tanzt auch mit Janice viel zu gut. Aber das ist für mich dieser Hauch von magischem Realismus, der mir diese Szene einfach verkauft.
Johannes Franke: Wäre die Szene schlechter, wenn er weniger gut tanzen könnte und sie trotzdem die gleiche Verbindung haben?
Florian Bayer: Die Szene wäre schlechter, wenn er weniger gut tanzen könnte, ja.
Johannes Franke: Echt? Wieso das denn?
Florian Bayer: Weil die Skurrilität nicht dadurch entsteht, dass er tanzt? sondern dass er so im Einklang ist mit ihrer Musik und dass er aus dem Nichts heraus das macht.
Johannes Franke: Er kann doch trotzdem im Einklang mit ihr und ihrer Musik sein, ohne dass er so gut tanzt.
Florian Bayer: Ach, come on. Wenn er nicht so gut tanzen würde, würdest du darüber merken, dass das nicht gut ist.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ich finde die Balance zu finden in so einer Szene zwischen dieser Mensch tanzt wie ein Profi und das ist unrealistisch und dieser Mensch tanzt zu schlecht und deswegen will ich keine fünf Minuten davon sehen, die ist unmöglich. Diese Balance schaffst du nicht. Und deswegen entscheidest du dich. Du entscheidest dich entweder dafür, ihn mit Emotionen tanzen zu lassen und zu sagen, ja, das ist alles ein bisschen unbeholfen und so weiter, aber ich merke, dass er dabei Freude hat. Oder du machst ihn zum besten Tänzer aller Zeiten und findest es unrealistisch drin. Aber ich glaube, wenn du die Balance versuchst, scheiterst. Du kannst daran nur scheitern.
Johannes Franke: Das Interessante ist, es stimmt ja gar nicht so ganz. Ich bin ja gar nicht der Meinung, dass er der beste Tänzer der Welt ist. Er ist ja ganz am Anfang tatsächlich noch, hat er noch einen ganz guten Grad an. können und nicht können. Weil er nicht so durchchoreografiert am Anfang wirkt. Erst wenn sie dazu kommt, wird das Ganze ad absurdum geführt.
Florian Bayer: Ja, aber es wird so zur Magie. Das ist ja auch das, was Taylor nachher sagt, wenn sie sagen, okay, wir fahren jetzt dahin, wir werden keinen Parkplatz finden. Und sie sagt, doch, den finden wir heute. Today is magic. Es ist, du darfst nicht an dieses Ding gehen mit der Erwartung, dass das hier realistisch erzählt wird, wie ein 40-Jähriger, der seit Jahren nicht mehr getanzt hat, plötzlich anfängt zu tanzen.
Johannes Franke: Ja, das Ding ist, wir haben hier einen Aktwechsel und ich habe vorher einen ganz anderen Film vor mir gehabt. Natürlich hattest du einen anderen Film vor dir. Und vielleicht bin ich einfach nur verstockt und schlecht darin, einen Switch zu machen, von einer Art zu erzählen zur anderen. Ich bin in diesem anderen Film und habe eine bestimmte Erwartung an den Film und da ist das sozusagen jetzt erstmal ein Bruch. Und deswegen komme ich auch in die Figur, also in seine Figur nicht rein, sondern ich komme erst zu der Figur rein, vorgedrungen, wenn er als Kind dieses Tanzding macht.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist auch Konzept von diesem Film. Das ist das, was ich versucht habe, so ein bisschen zu umreißen. Wir haben in diesem Life of Chuck, in diesem Drei-Akte, haben wir so eine Bewegung von Mysterium über Skurrilität zu Mensch. Und ich glaube, das ist auch sehr bewusst, weil dieses Begreifen, ich bin ein Mensch, ist ja auch was, was bei Chuck... Chuck dann wiederum von der anderen Richtung herkommt, auch irgendwann einsetzt. Dass er versteht, ich bin wunderbar, ich verdiene es, glücklich zu sein, ich verdiene es zu leben und dieses Leben zu genießen usw. Ich finde, der Film macht das geschickt. Er bringt uns das Publikum aus der einen Richtung und Chuck aus der anderen Richtung, damit wir uns in der Mitte mit dieser Erkenntnis treffen und sagen, wow, ja, der ist wunderbar. Und er hat total diesen Moment verdient. In diesem Moment, wo er tanzt, beobachten wir das noch von außen und sagen, das ist irgendwie schräg, das ist irgendwie witzig, ist auch irgendwie... Ist auch irgendwie mitreißend. Aber wir denken nicht, ach, wie schön, er genießt das Leben. Diesen Moment hat er verdient.
Johannes Franke: Aber das habe ich gedacht, dass der Film das will. In dem Moment beim Gucken habe ich gedacht... Der Film will nichts Der Film will nichts, Mann Fuck Was der Filmemacher will, ist scheißegal. Es ist wichtig, was die Szene mit dir macht. Und wenn du die ganze Zeit drüber nachdenkst, was du willst. Aber ich spüre das unwillkürlich durch, dass der Film eine bestimmte Absicht hat oder der Filmemacher eine bestimmte Absicht hat. Und wenn ich dann denke, du willst mir also gerade einen wholesome Moment geben mit diesem Typen, den ich kaum kenne, dann denke ich, okay, jetzt bist du aber gerade vielleicht ein bisschen gescheitert. Pass auf, Johannes,
Florian Bayer: wir haben jetzt 277 Episoden dazu gemacht. Wir müssen jetzt mal so ein grundsätzliches Gespräch führen. Filme schauen ist wie Sex.
Johannes Franke: Okay, okay, jetzt weiter.
Florian Bayer: Du musst dich fallen lassen. Du darfst nicht so sehr drüber nachdenken, was du da machst und dass das klappt. Und du musst einfach dich dem Rhythmus hingeben. Fuck, Floor, deswegen habe ich schlechten Sex. Jetzt geht es mir auf. Mir ist scheißegal. Ich will nicht dein Sexleben verbessern. Ich will dein cineastisches Leben verbessern. Bitte, bitte. Mach dein Sex, was du machen möchtest. Ich möchte irgendwas Sex.
Johannes Franke: Aber guck Filme bitte so. Okay. Nein,
Florian Bayer: ich glaube... Ja, ich verstehe, wo dein Gedanke herkommt. Aber warum ist dieser Gedanke da?
Johannes Franke: Guck doch, nimm doch einfach das auf, was der Film hier gibt. Weißt du, was das Geile ist? Es ist ja die Verantwortung des Films, den Zuschauer die Möglichkeit zu geben, da reinzukommen, ohne zu viel darüber nachzudenken, dass es ein Film ist. Das nennt man Suspension of Disbelief. Weil du irgendwo auf deiner Couch in einem Wohnzimmer sitzt und den Film guckst, muss der Film es schaffen, dich da reinzuziehen, ohne dass du darüber nachdenkst, dass du vor einem Film sitzt. Das heißt, jeder Film, der nicht schafft, hat da Pech gehabt. Jeder Film, der die vierte Wand durchspricht, ist also ein schlechter Film? Arschloch. Du kannst nicht meine Argumente gegen mich vermitteln.
Florian Bayer: Hören Sie Johannes' Meinung über Brechts episches Theater jetzt. Alles scheiße.
Johannes Franke: Brecht war ein großartiger Typ, aber genau das ist wirklich ein Problem für mich.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob das... Also Immersion gelingt dem Film übrigens bei mir, aber ich finde die Immersion... Ich verstehe, was du meinst, wo du herkommst. Die Immersion ist auf irgendeiner anderen Ebene. Es ist nicht so, dass wir... Dass wir emotional voll bei Chuck sind und so. Uns wird was über Chuck erzählt. Was mich reinreißt, ist tatsächlich der Rhythmus. Ich finde, das ist eine unglaublich rhythmische Szene von Anfang bis Ende. Nicht nur, wenn sie Schlagzeug spielt. Nicht nur, wenn sie Musik macht. Sondern die ganze Art, wie Chuck sich bewegt. Wie Janice sich bewegt. Wie Janice, nachdem sie von ihrem Freund verlassen wurde, nach Hause geht. Und irgendwie in so einem schnellen Rhythmus ist. Und dann nochmal so was wie Fuck sagt. Und jemand guckt sich irritiert um.
Johannes Franke: Weißt du, da sagst du genau das Richtige. Der hat diesen Rhythmus. Und ich finde es auch interessant, aber ein Konzept, also wie so ein Rhythmus zu schneiden und das zu inszenieren, macht auch eine kleine Distanz auf. Vielleicht. Und vielleicht ist das auch gut für dich beim Gucken, dass diese Distanz da ist, weil du dann das Konzept des Ranführens von Zuschauer zu Chuck in der Mitte treffen, dann vielleicht mehr spürst oder so. Aber ich kann es in dem Moment nicht so gut, mich so gut dann auf den Film einlassen, weil er mir eine Distanz aufmacht.
Florian Bayer: Nee, das Tanz ist das falsche Wort für mich. Ich glaube, mich zieht das tatsächlich rein, dieser Rhythmus. Ich bin dann irgendwann in diesem Groove drin und ich bin echt kein guter Tänzer. Aber ich mag spontane Tanzszenen. Das habe ich auch bei unserer Top 3, Spoiler, gemerkt. Das spontane Tanzszenen finde ich ganz groß. An den Charaktere plötzlich anfangen zu tanzen, ohne dass man es erwartet. Das zieht mich rein. Und ich finde, dieser Rhythmus in dieser Szene, der hat was extrem Verführerisches. Das Geile ist ja, dass in dieser Szene... Es ist zu jedem Moment klar, dass hier keine Romanze erzählt wird, dass hier kein großer Beginn von irgendwas erzählt wird. Gott, der Erzähler sagt uns, dass Chuck nur noch neun Monate zu leben haben wird. Wir wissen von Anfang an, dass da nichts Großes daraus wird. Aber der Rhythmus zieht mich voll rein. Und der Rhythmus lässt mich halt einfach so mitgrooven. Und dann ist es halt einfach ein improvisiertes Jazzstück für, wie lange geht das? 20, 28 Minuten ist kürzer als die erste. Das ist der erste Teil. Ich finde es super. Ich komme da echt, also ich liebe diesen zweiten Teil. Und wir reden immer mal wieder darüber. Kudos für jeden, der sich traut, so eine lange Szene zu machen und die wirklich zu halten. Und Kudos für diese 5-Minuten-Tanzszene. Ja,
Johannes Franke: absolut. Das stimmt schon. Und ich kann die 5 Minuten auch genießen. Ich habe bloß das Gefühl, dass es eher ein YouTube-Video ist als ein Film.
Florian Bayer: Ist es, ja.
Johannes Franke: Und deswegen macht es halt auch die Distanz auf. Und das ist so ein bisschen... Ah, schade. Vor allem, weil auch die Umgebung, in der er da ist, hochartifiziell ist. Absolut. Total. Also es ist Disneyland, wo die da gerade sind.
Florian Bayer: Und dieses Publikum, das da so sich aufbaut. Das ist alles künstlich und künstlerisch. Ich habe groß das Label magischer Realismus da draufgepackt. Das heißt, es gibt diesen Bezug zur realen Welt, aber es gibt... diese Störfeuer, es gibt diese kleinen Dinge, wo du merkst, ja, das ist irgendwie ein künstlerischer, romantisierter Raum.
Johannes Franke: Vielleicht kann ich beim zweiten gucken genau das eher antizipieren, weil ich beim ersten Mal gucken natürlich erstmal da durchgehe und durchgeführt werde, ohne zu wissen, was steckt da eigentlich drin, was ist das eigentlich? Und wo geht das hin und wo ist der magische Realismus und wo nicht? Im ersten Teil ist der magische Realismus halt völlig anders und viel kleiner und auch eine ganz andere Nummer. Und deswegen ist der Übergang für mich einfach zu schwierig. Es ist nicht so, dass der Film mich nicht irgendwann tatsächlich gewinnt. Das ist nur in dem Moment. Es geht jetzt wirklich nur um die Tanzszene.
Florian Bayer: Den magischen Realismus haben wir in allen drei Teilen. Ich kann ja mal sagen, ganz konkret noch, was mich an diesem zweiten Teil jetzt anfängt zu stören und was mich im dritten Teil auch erheblich stört.
Johannes Franke: Die Tanzsequenz haben sie über vier Tage gedreht. Ja,
Florian Bayer: natürlich.
Johannes Franke: Und immer für den Sonnenstand. Also es ist nicht Studio offenbar so in der Form.
Florian Bayer: Wow.
Johannes Franke: Ich hätte gedacht, das wäre Studio, aber irgendwo stand, dass sie die Magic Hour, also diese Moment, wo die Sonne untergeht, immer genau abpassen mussten an diesen vier Tagen, um immer die gleiche Hintergrundbeleuchtung zu haben. Zumindest für diese Szenen, wo man den Hintergrund wirklich sieht. Also das sind die totalen. Wenn du Nahaufnahmen machst, wo es nicht ganz stimmt, dann kannst du Licht setzen. Aber für die Aufnahmen, wo du wirklich den Himmel siehst, brauchst du diese Magic Hour. Und das vier Tage lang immer wieder genau abgestimmt auf den Sonnenstand. Das ist eine Nummer.
Florian Bayer: Und ich finde, das ist wirklich eine schöne Szene geworden. Ich finde, das ist wirklich eine Szene, die mich mitreißt. Ich finde es schade, dass du so ein bisschen Distanz dazu hast.
Johannes Franke: Ja, also ich bin ja der große Tanzfan. Ich habe es halt in diesem Film so gar nicht erwartet. Und in anderen Filmen, die viel mehr Magical Realism haben, finde ich es viel geiler. Und ich könnte es hier auch eigentlich geil finden, wenn mich der Film da hingeführt hätte. Ja,
Florian Bayer: verstehe. Ich wollte sagen, was mich stört.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nachdem du jetzt gesagt hast, was dich stört. Was in dieser... in diesem zweiten Akt anfängt und was im ersten Akt meiner Meinung nach dann noch viel schlimmer wird, sind diese Referenzen auf den dritten Akt. So dieser Punkt, wo du sagst, ja, er hat in sein inneres Universum, darum geht es natürlich, wir haben das innere Universum von dem Sterbensee, er hat in sein inneres Universum diese Figuren eingebaut und das wird jetzt ab einem gewissen Punkt zu einer gewissen Penetranz immer wieder gezeigt, dass wir sehen, was da innen passiert ist, ist irgendwas von außen mitgenommenes. Und hier ist zum Beispiel dieses Mädchen auf den Inlinern, das ihm entgegenkommt.
Johannes Franke: Aber das ist doch ganz wenig.
Florian Bayer: Ich finde es voll nervig.
Johannes Franke: Echt, ja?
Florian Bayer: Ja, weil es wird im dritten, im ersten Akt wird es noch schlimmer, weil es kommen dann immer wieder diese Momente, wo diese Figuren, in diesem haben wir es ja gar nicht so, aber im ersten Akt, im dritten Teil kommen immer wieder diese Figuren, die wir halt auch gesehen haben zum Anfang des Films.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist irgendwann so ein Moment, wo ich sage, ja man, Mike. Ich hab's verstanden. Er hat sein inneres Universum aus seinen Erlebnissen gebaut. Ich muss das jetzt nicht nochmal sehen.
Johannes Franke: Man sagt es halt leider in diesem Film doch immer, immer wieder. Ja, Mike, ich hab's verstanden. Ich hab's verstanden.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Das ist schon echt öfter so. Aber, ja, so oft schürzt mich vielleicht nicht.
Florian Bayer: Ist dieser Film Netflixisiert?
Johannes Franke: Ja, das kann sein.
Florian Bayer: Fuck.
Johannes Franke: Aber wirklich, das kann sein.
Florian Bayer: Fuck, ja.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Ist er.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Du kannst diesen Film beim Bügeln gucken. Ich mag ihn trotzdem, aber du kannst diesen Film beim Bügeln gucken. Ich bügel nicht, aber du kannst diesen Film beim Bügeln gucken. Warum bügelst du nicht, Florian? Dann würdest du mehr Netflix gucken. Ich habe keine Klamotten, die man bügeln kann.
Johannes Franke: Mich stört das tatsächlich nicht so sehr. Mich stört es vielleicht einmal kurz beim Lehrer, weil sie da wirklich sehr deutlich drauf zufahren, dass jetzt der Lehrer in seinem Lehrerzimmer da sitzt und verdammt lange draufbleiben. Und man sich so denkt, ja, ja. Kannst weiter, kannst weiter, mach weiter. Aber hier bei den Inlineskates finde ich gar nicht so schlecht, weil auch das Ganze so ein bisschen sagt, die ganzen Statisten in seinem Leben haben auch alle ein Leben, ein Universum in sich. Und das begreift auch Chuck. Auch Chucks Geist weiß, jede dieser Figuren, ich kenne die zwar nicht, aber ich erfinde jetzt einfach was, haben ihre eigenen Universen im Kopf. Und das macht so ein vollständigeres Bild davon. Und das finde ich schon nicht schlecht.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich gut finde am Ende dieses zweiten Aktes, ist der Erzähler, über den du schon jetzt gerade hergezogen bist. Ja,
Johannes Franke: ich muss da auch weiter drüber herziehen.
Florian Bayer: Ich finde es wirklich gut. Es hat so eine Trockenheit und so eine Nüchternheit. Wenn er sagt, später würde er nicht mehr tanzen können, er würde verlernen zu gehen, er würde verlernen zu essen, er würde den Namen seiner Frau vergessen und Schmerzen haben.
Johannes Franke: Diese Sachen kann er ruhig sagen, vielleicht ein bisschen weniger tone down. Aber vor allem stört mich die Sachen, wo man sagt... Ja, der Film zeigt mir das doch schon. Warum musst du das jetzt noch erzählen? Es ist, glaube ich,
Florian Bayer: eins zu eins wirklich aus der Vorlage übernommen, der Text. Also der Erzählertext. Entschuldigung. Nee, nee, soll nicht als Entschuldigung dienen. Ich finde, es macht eine Atmosphäre auf, die funktioniert.
Johannes Franke: Aber wenn es nur der Atmosphäre willen ist, dann ist es zu viel. Man kann so ein paar Sachen für Atmosphäre machen, aber eigentlich braucht doch alles einen zweiten ordentlichen Grund außer Atmosphäre.
Florian Bayer: Ich glaube, da ist es, wo mich das greift. Einfach dieses Enjoy-Life-Ding, dass er dann am Schluss sagt und er wird aber hin und wieder noch an diesen Tanz denken und sich denken, ja genau, dafür wurde die Welt geschaffen. Und dann noch sogar beendet mit so einem sehr lakonischen Just That. Und ich finde diese Mischung aus, es ist voller Pathos der Text, aber diese Mischung aus Pathos und Lakonik, die in diesem Text immer drin ist beim Erzähler, die kriegt mich. Ich sage nicht, dass das besonders große Literatur ist und natürlich ist das übererklärt und natürlich ist das ein Tell-Don't-Show an der Stelle, was komplett überflüssig ist, weil wir kriegen es ja auch gezeigt, aber es kriegt mich. Und das ist glaube ich, was ganz viele Sachen, was diesen Film betrifft, haben genau das gleiche. Es ist so, wo ich denke, ja natürlich, das ist voll kitschig, das ist simpel, das ist pathetisch, die Philosophie dahinter ist halt einfach letzten Endes auch wieder so ein einfaches Kabedier. Aber es kriegt mich. Und es kriegt mich halt, weil es in dieser Naivität... so ehrlich ist, so viele Filme versuchen, so viel mehr zu sein und so groß und so tiefgängig und dieser Film sagt so, ich habe hier eine ganz einfache Lebensphilosophie, take it. Und ich sage, ja, gerne.
Johannes Franke: Ja, also natürlich ist die Lebensphilosophie toll. Shut up and take my heart. Aber vielleicht habe ich auch ein Problem damit, ganz pur und physisch, wie er es sagt. Ich habe die ganze Zeit fabelhafte Welt der Amelie im Kopf und denke, der hat es tausendmal besser gemacht. Und irgendwie versucht er sich anzuschmiegen hier. Und irgendwie kriegt er es einfach nicht hin. Und das macht bei mir eine Reibung, die das Ganze halt so in eine Richtung schiebt, wo ich denke, warum? Es könnte so gut sein. Aber er schafft es einfach nicht. Er kriegt auch diese Wechsel zwischen, da passiert was auf der Leinwand und er erzählt kurz vorher ziemlich genau, was da passiert. Das könnte ein Humor sein. Es könnte ein Humormoment sein. Und dafür ist er auch gebaut. Aber leider funktioniert er in der Delivery nicht. Und das ist halt leider, ich denke so oft beim Erzähler, fast so 99 Prozent.
Florian Bayer: Ja, nicht mal 99 Prozent. Ja,
Johannes Franke: vielleicht nicht mal das.
Florian Bayer: Ich gehe davon aus, dass Stephen King, als er Life of Chuck geschrieben hat, dass er ein bisschen inspiriert war von Amelie. Und ich gehe davon aus, dass Mike Flanagan, als er das gedreht hat und seinen Narrator ausgesucht hat, dass er auch inspiriert war davon. Ohne jeden Zweifel. Und natürlich kommt er nicht nur an Amelie ran, was das betrifft.
Johannes Franke: Und ich habe nichts gegen Anlehnen an solche Vorbilder. Aber dann muss man sich halt auch damit messen lassen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich glaube, es ist okay. Ja, er kommt da nicht dran. Er hat nicht diese Größe. Er hat nicht diesen ironischen Bruch und diese Edge, die Amelie dadurch hatte. Und es ist natürlich hart, weil wir diese Parallelen haben. Auch in der Art, wie Magie und Realismus gekreuzt werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und in der Art, wie so ein bisschen gegen den Strich erzählt wird. Und ja, da kommt er einfach nicht ran.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das muss er aber auch nicht.
Johannes Franke: Er weiß nicht, dafür, dass es so viel drin ist, irgendwie schon.
Florian Bayer: Muss er nicht, nein.
Johannes Franke: Ich glaube, er könnte so 40% einsparen von dem, was er erzählt.
Florian Bayer: Die fabelhafte Welt der Amelie ist wahrscheinlich einer der Top 5 Enjoy-Life-Filme. Ja,
Johannes Franke: definitiv.
Florian Bayer: Vielleicht sogar Top 3. Ich glaube, du musst nicht Top 3 sein. Ja,
Johannes Franke: nicht jeder muss Citizen Kane sein, das stimmt schon. Das ist auch fies zu sagen, jetzt muss aber auch jeder mindestens genauso gut sein. Aber das ist halt bei mir so stark drin, dass ich dann... denke, irgendwie Hit or Miss. Ja. Oh mein Gott, Plur,
Florian Bayer: was ist das für eine Musik?
Johannes Franke: Was war das? Wo sind wir?
Florian Bayer: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wir uns... unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes. muss man sehen.de und florian at muss man sehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast,
Johannes Franke: Deezer, whatever. Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes.
Florian Bayer: Act 1. I content multitudes. Unser längster Akt. Der dauert genau 48 Minuten.
Johannes Franke: Und hier hat mich der Film volle Kanne.
Florian Bayer: Hier hat er dich.
Johannes Franke: In jeder Minute.
Florian Bayer: Von Anfang an?
Johannes Franke: Von Akt 1, von Anfang an bis zum Ende, mag ich das total. Vielleicht sind da auch ein paar Schwächen drin und der Erzähler ist vielleicht auch hier und da wieder so ein bisschen... Aber hier bin ich richtig im Film angekommen und freue mich. Über den Jungen, den Schauspieler, über Mark Hamill. Auch wenn da auch vielleicht ein bisschen billig zwischendurch der krummelige Großvater der alkoholträglichen Figur ist. Aber er ist nicht der gewalttätige Alkoholiker. Nein,
Florian Bayer: überhaupt nicht. Er ist total lieb.
Johannes Franke: Was ich total wichtig finde und total gut, weil wenn wir Alkoholiker darstellen, sind wir oft in gewalttätigen Alkoholikern. Und es gibt ganz viele Alkoholiker da draußen, die die liebsten Menschen der Welt sind und die einfach nur ein Alkoholproblem haben und das war's. Und insofern finde ich das total gut, dass dieses Bild mal ein bisschen aufgebrochen wird.
Florian Bayer: Ja. Was ich total schön finde, ist, dass Albie und Sarah, seine Großeltern, übrigens auch Maya Sarah als Sarah Kranz, seine Großmutter.
Johannes Franke: Was total süß ist. Die ist doch auch noch gar nicht so alt. Wie alt ist die?
Florian Bayer: Ich weiß es nicht, aber die hat in Ferris macht blau die Freundin von Ferris Bueller gespielt. Stimmt, stimmt, stimmt. Ich erinnere mich.
Johannes Franke: Kaugummi-Count, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, hauptsächlich Kaugummi-Count. Eine unglaublich schöne Frau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und eine unglaublich charismatische Frau. Sie ist ja nicht so viel zu sehen in dem Film, aber sie... Macht es einfach, sie rockt diese Szenen.
Johannes Franke: Komm, jetzt finden wir raus, wie alt die ist, weil ich hab sie nur als junge Frau im Kopf.
Florian Bayer: Maya Sarah ist 1967 geboren, 2024, das heißt nicht ganz 60. Mitte 50 könnte hinkommen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wenn seine Eltern früh Kinder gekriegt haben und sie früh Kinder gekriegt haben.
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Ist ja auch eine jüdische Familie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: So, keine Ahnung, Tradition.
Johannes Franke: Krass, ich hab das ganz schön...
Florian Bayer: Ich finde sie und Mac Hamill toll. Ich finde vor allem toll, dass diese beiden Typen, Abby und Sarah, so zwei Facetten von Chucks Persönlichkeit darstellen. Und wo ein bisschen die Gefahr im zweiten Akt besteht, dass der Film machen könnte, sie werden nicht gegeneinander ausgespielt. Chuck definiert sich sowohl dadurch, dass er ein Buchhalter ist, als auch dadurch, dass er ein Tänzer ist. Und beides ist vollkommen okay. Du kannst Buchhalter sein.
Johannes Franke: Ich freue mich so sehr darüber, dass wirklich bis zum Ende... nicht gesagt wird, wäre mal Tänzer geworden, sondern wirklich sagt, nee, das sind legit Entscheidungen im Leben, die man so trifft. Und dann kann man das eine weiterziehen und die Leidenschaft für Tanz vielleicht hier und da mal nochmal aufleben lassen oder sowas, wenn man eben nicht der Meinung war, dass das für ein Leben reicht, als Profession oder sowas. Und es ist vollkommen in Ordnung, einfach Buchhalter zu werden. Also nicht mal das Argument von Mark Hamill. Ich finde das Argument ein kleines bisschen...
Florian Bayer: Zahl und Magie.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nicht das Argument. Das Argument finde ich geil. Ich finde das Argument zu sagen, die Welt mag Tänzer, aber sie braucht Buchhalter, finde ich Schrott. Sowas von Schrott.
Florian Bayer: Ich mag auch Buchhalter.
Johannes Franke: Ich mag auch Buchhalter. Aber du kannst doch nicht die beiden gegeneinander ausspielen. Du kannst doch nicht sagen, die einen sind nett anzusehen und die anderen brauchen wir. Was soll das denn, Alter?
Florian Bayer: Aber er hat Unrecht in diesem Moment. Er hat einfach Unrecht. In der Erzählung ist er auch der, der Unrecht hat.
Johannes Franke: Absolut, ja. Aber ich muss das jetzt einmal sagen, weil das hat mich ganz schön angestunken, dass ich gedacht habe, meine Fresse, die Welt braucht Tänzer viel mehr als wir glauben.
Florian Bayer: Und die Welt kann auch Buchhalter lieben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Buchhalter sind tolle Menschen.
Johannes Franke: Und wie der seine Rede hält für die Zahlen und für das, was Statistik und so weiter, die dunkle Seite der Mathematik, die Statistik. Ich finde es großartig. Und ich habe sofort aufgeschrieben, nachdem der fertig war, habe ich geschrieben, fuck, ich muss so Mathematik studieren. Weil wirklich, er ist so ansteckend. Man will das dann sein, weil er wirklich Leidenschaft da drin sieht. Und das ist total schön. Und ich finde das Buchhalter, wenn sie darin Leidenschaft sehen, genau, also ich finde es total großartig, wenn man das macht. Man muss halt seiner Leidenschaft nachgehen.
Florian Bayer: Und es wird ja auch gezeigt, dass Chuck, also Chuck ist jetzt nicht der Leidenschaftsteiner, ...Mathematiker, aber er hat ein Händchen dafür. Und wir merken, er ist irgendwie so jemand, der mit Zahlen umgeht und mit Prognosen umgeht. Und für den das auch irgendwie eine große Rolle spielt. Lebenswege sind vielfältig. Und jeder Lebensweg hat irgendwie einen Wert. Also nachher kommt natürlich noch so ein ganz dickes Ding. Das Leben ist was Besonderes und du bist was Besonderes. Da ist der ganze Pathos drauf. Der mich übrigens auch nicht stört in dem Film. Aber in dem Moment wird es ohne Pathos auch erzählt. Dieses ganz einfache und... Ja, dieses Abfeiern des Alltags halt auch. Finde ich total schön.
Johannes Franke: Ja, ja. Finde ich auch total schön. Auch da kommt der Film langsam in seine Amelie-Haftigkeit rein, im Sinne von die kleinen Momente. Es sind die kleinen Dinge, die auch wichtig sind. Und sogar auf eine andere Art als Amelie, also auf eine eigenständige Art und Weise, da entwächst der Film dieser Vorlage so ein bisschen.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und das finde ich sehr gut.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt was ganz Wesentliches, was ja Amelie voraus hat. Nämlich diese Unaufgeregtheit. in der er unaufgeregte, alltägliche Dinge besingt. Es ist nicht die große Geschichte vom Tanz, die wir hier haben mit Chuck, der mit seiner großen Highschool-Liebe tanzt, sondern es ist halt einfach ein Tanz. Er wird nicht von dem bösen Bulli verprügelt, sondern das ist einfach der Freund von seiner Mittänzerin. Er verletzt sich die Hand ganz banal. Es sind so ganz viele kleine Dinge. Es ist einfach ein Realismus. Es ist ein bisschen mehr Realismus drin als bei Amelie. Es ist nicht die große Romanz, es ist nicht das große Märchen.
Johannes Franke: Ja, was ich ganz toll finde, was aber wiederum den dritten Teil so stark abhebt von den Teilen davor, weil er am ersten Teil so ein Weltuntergangs-Lockbuster sein könnte von den Farben, von der Aspect Ratio. Am Anfang ist es ja wirklich sehr breitbildig, das ändert sich ja dann mit der Zeit. Und im zweiten Teil ist es dieser magische Realismus, dieses übertriebenen Tanzes. Und hier eben dieser Realismus im Sinne von, das Leben ist nicht Hollywood.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sondern das Leben ist, wenn wir uns erinnern, das Leben ist ganz normal. Ja. Wir müssen nicht aus jedem eine überdramatisierte Erzählung machen. Ja. Und das finde ich gar nicht so schlecht.
Florian Bayer: Ich finde es so schön. Und ich finde es auch ganz wichtig, dass so ganz eindeutig klar ist, zwischen ihm und seiner Tanzpartnerin besteht keine Romanze. Es ist so toll. Und es ist auch keine Liebe, die unerwidert ist und kein großes Drama, sondern es ist einfach, hier haben sich zwei gute Tänzer gefunden, die Freude daran haben, zusammen das Tanzbein zu schwingen.
Johannes Franke: Und die natürlich auch eine Ebene haben zusammen. Also nicht nur tänzerisch, sondern es ist schon auch eine freundschaftliche Ebene, die ich total wichtig und gut finde. Und das ist, ich glaube, wirklich so gut erzählt, diese freundschaftliche Ebene zwischen den beiden. Ich sehe das selten, muss ich sagen.
Florian Bayer: Und dann finde ich halt auch, und das gilt aber auch für die anderen Akte hier, hier ist es nochmal ein bisschen stärker, weil hier mehr von diesen Nebenfiguren reinkommt. Ich finde es total sweet, wie diese Nebenfiguren so beiläufig reingebracht werden, wie diese Sportlehrerin, das Tanzmonster, die einfach so eine coole, ja, so ein bisschen prototypisch, vielleicht auch ein bisschen Stereotyp Sportlehrerin ist. Ja, und ein bisschen komikhaft auch. Ja, aber es ist geil, es sind witzige Figuren, es sind sympathische Figuren. Absolut, ja. Seine Tanzpartnerin, Seine Oma, die irgendwann mal zu ihm steckt, ich war eine Kasset, Kürset, keine Ahnung, wie sie es ausspricht. Sie sagt, sie war ein liederliches Mädchen oder so. Und der Opa, der so ein bisschen krummelig ist, diese Nachbarin, zu der er geht, die die ganze Zeit klatsch und tratsch rauswirft. Es sind so kleine Nebensfiguren. Seine unbeholfene Lehrerin, die Lyrik über alles liebt und unglaublich gerne diese Liebe weitergeben würde, es aber nicht schafft, weil es einfach mal bei Highschool-Schüler Arschlöcher sind. Es sind so viele nette, sympathische Nebenfiguren.
Johannes Franke: Ja. Und hier beweist der Film, dass diese Ecken- und Kantenlosigkeit auch ein Plus sein kann. Das schafft er in dem dritten Teil, finde ich.
Florian Bayer: Ja. Und er hat ein paar wirklich witzige Momente. Ich finde es ganz großartig, wenn er in dieser Tanzklasse ist und dann wird gesagt, und dann haben sie Walzer getanzt und er konnte es.
Johannes Franke: Ja, genau. Swing und er konnte es. Rumba. Samba. Ach, Samba. Das kann ich nicht. Auch ganz schlimm mit einem Bruch der vierten Wand wieder. Er sagt das zu uns. Aber das finde ich süß. In dem Moment komme ich damit klar, Floor.
Florian Bayer: Ja. Was mich allerdings in diesem letzten Akt stört, in diesem ersten Akt, dieses Mysterium, was da aufgebaut wird.
Johannes Franke: Von dem Raum oben?
Florian Bayer: Der Raum oben, wo man sieht, wo man Tode vorhersehen kann. Irgendwie eine Art Blick in die Zukunft. Der Großvater hat den Tod von mehreren Leuten gesehen und Chuck wird da oben seinen eigenen Tod sehen.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, wenn man, ich habe nicht sehr viel Stephen King gelesen, aber das, was ich jetzt weiß über Stephen King, über die Zeit, wenn ich jemandem erklären möchte, wie Mysterien bei Stephen King funktionieren, ist das das perfekte Beispiel. Es ist echt ein bisschen holprig, oder? Weiß ich gar nicht.
Florian Bayer: Ich finde es so ein bisschen...
Johannes Franke: Aber es ist ein bisschen naiv. Ich finde es so ein bisschen tollpatschig von der Art, wie es erzählt wird. Weiß ich nicht, aber mich stört es nicht, muss ich sagen. Mich stört es wirklich nicht. Das ist interessant, was mich am zweiten Teil so stört und wo du so ganz toll drauf hängst und hier, ich denke, nee, der Film bereitet das tatsächlich irgendwie dann gut vor innerhalb des dritten Teils da und ich nehme das total als sehr Stephen Kingsches Mysterium und so eine sehr simple Frage, was mache ich mit meinem Leben, wenn ich weiß, wie es endet? Und wann es endet. Oder noch nicht mal richtig wann, sondern wie es endet. Das ist so, ich weiß nicht. Das sind die Sachen, die ich als Kind an den wenigen Stephen King Sachen, die ich gelesen habe, gemocht habe.
Florian Bayer: Das Ding ist einfach, ich habe die ganze Zeit das Gefühl, Alter, Film, du hattest dein Mysterium. Und du hast nach einer halben Stunde gesagt, wir brauchen kein Mysterium, um diese Geschichte zu erzählen.
Johannes Franke: Ach was, nein.
Florian Bayer: Die Geschichte funktioniert auch ohne Mystery.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und jetzt kommt in diesem wirklich schönen, emotionalen Ding, was mich mitnimmt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: kommt nochmal so eine Geschichte und da wird nochmal so ein großes Fass aufgemacht. Wir haben hier diesen Raum.
Johannes Franke: Ich komme total gut damit klar. Also ich finde auch vor allem, weil das die Welt aufmacht für den Großvater, der eben nicht damit klarkommt, zu wissen, wie er endet. Und vor allem auch nicht damit klarkommt, dass er wusste, wie andere geendet sind. Ich weiß gar nicht, ob das im Buch auch so ist. Ist das im Buch auch so, dass der Großvater auch das Ende anderer Leute sieht?
Florian Bayer: Er sieht nur das Ende anderer Leute. Der Großvater sieht nicht seinen eigenen Tod in diesem Raum. Das Das Buch erzählt es uns so, als ob Chuck der Erste wäre, der seinen eigenen Tod sehen würde in diesem Raum. Und davor haben die Menschen grundsätzlich halt irgendwie Prophezeiungen vom Tod von anderen Menschen gesehen.
Johannes Franke: Und da finde ich den starken Satz, der ja wirklich auch als starker Satz da irgendwie inszeniert wird, das Schlimme ist das Warten.
Florian Bayer: Das ist die Haltung vom Großvater auch. Ja,
Johannes Franke: und das finde ich wirklich sehr stark und fasst das ganz gut zusammen, auch diese Figur und seine Art und Weise mit dem Leben umzugehen, mit dem Dingen umzugehen, mit dem, was er weiß, umzugehen.
Florian Bayer: Du bist bei der Pointe, bei der Auflösung. Mit der habe ich auch keine Probleme. Ich mag diesen Pathos am Schluss. Ich mag auch, dass Chuck ganz bewusst sagt, nein, ich entscheide mich nicht dafür zu warten, dass ich sterbe.
Johannes Franke: Darum geht es.
Florian Bayer: Ich bin wundervoll und ich verdiene es, wundervoll zu sein und so weiter.
Johannes Franke: I contain multitudes. Ich finde das ganz nett.
Florian Bayer: Das finde ich total schön. Der Pathos kriegt mich total. Also wie gesagt, dieser Film hat mich absolut berührt. Nee, was mich stört, ist, dass das davor so ein bisschen reingestolpert wird und dass wir dann diesen mysteriösen Raum haben. Dann auch wieder mit... so penetranter Referenz auf den ersten Teil, also auf Akt 3, wo wir ja auch, Marty ist in seinem Haus am Anfang und sieht genau diesen Gang nach oben mit der verschlossenen Tür. Und ich denke so, ja, Mann, nein.
Johannes Franke: Ich hätte es als Filmemacher auch so gemacht. Schon mal etablieren. Dann ist es schon mal da. Da muss man nicht mehr so viel.
Florian Bayer: Es fällt für mich so in diese riesige Reihe von jetzt bringe ich noch Bilder, die mir zeigen, dass der dritte Akt vom Anfang Nichts anderes war als eine Zusammensetzung aus diesen Erlebnissen von diesem Chuck, dass er auch an diesem Lehrer vorbeigeht, der wie Marty aussieht, dass dann Marty und Felicia beide beim Tanz sind, offensichtlich Lehrer sind, die da in seiner Schule arbeiten, dass er nochmal an diesem Plakat mit dem Tanzkurs vorbeigeht, dass er die Geschichte hört, dass der Tag nicht 24 Stunden, sondern 23 Stunden 56 dauert, dass der Testamentverwalter von seinem Großvater, dieser alte Mann ist dem Marty auf dem Weg zu Felicia im dritten Akt begegnet ist. Es ist... ist so viel.
Johannes Franke: Es fällt mir halt in dem Moment auch auf, dass ich denke, das ist also alles aus seiner Kindheit. Was dazwischen passiert ist, ist nicht in seinem Hirn gelandet. Er erinnert sich eigentlich nur an Begegnisse aus seiner Kindheit und dieses Mädchen, das mit den Rollerskates in der Gegend rumfährt.
Florian Bayer: Prägende Jahre.
Johannes Franke: Bisschen seltsam. Na,
Florian Bayer: das Universum ist ja um einiges voller. Das Universum, in dem sich das untergeht im dritten Akt, da haben wir sehr viele Figuren, die nicht jetzt nochmal auftauchen. Nein, aber dieser Pathos kriegt mich natürlich. Und ich bin voll bei dir, dass diese Emotionalität von dieser Geschichte, also es trägt sehr viel auch dazu bei, dass ich finde, dass Benjamin Chuck, der den Chuck spielt hauptsächlich in diesem Teil, dass der ganz großartig ist. Dass der so charismatisch ist. Ach,
Johannes Franke: ist das toll. Man guckt ihm so gerne zu. Beim Tanzen, bei der Freude beim Tanzen, bei dem Kennenlernen von den Mädchen, bei der Awkwardness dazwischen, bei dem ganzen Zeug. Ich find's ganz toll.
Florian Bayer: Großer Broadway-Schauspieler.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Der hat unter anderem Oliver Twist gespielt. Spielt seit 2020. Spielt ja am Broadway in verschiedenen Musicals.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Genau. Und offensichtlich auch ein guter Tänzer. Unglaublich gut charismatisch getroffen.
Johannes Franke: Ja. Ich finde überhaupt die Besetzung, wenn wir jetzt von Tom Hiddleston ausgehen, dass man ähnliche Gesichter findet, finde ich super. Ja. Super gecastet.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Also wir haben einen siebenjährigen Chuck, wir haben einen elfjährigen Chuck und wir haben einen 17-jährigen Chuck. Dieser Übergang ist komplett fließend.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und auch keine Stolpersteine dazwischen oder sowas. Ich finde es super.
Florian Bayer: Nee, also natürlich trägt der erste Akt, der dritte Teil nochmal sehr dazu bei, dass mich dieser Film berührt. Aber es fängt eigentlich schon am zweiten Teil an. Ab dem zweiten Akt mit diesem Tanzen, auch mit diesem lakonischen, wo dieses einfache Erlebnis präsentiert wird, das total geil ist. Dann in Kombination mit diesem Jungen, der träumt, der irgendwie was will vom Leben, der nicht genau weiß, was er vom Leben will, aber der Dinge aufsaugt und sich entwickelt. Es berührt mich total.
Johannes Franke: Das ist etwas, was Stephen King irgendwie drauf hat, oder? Jetzt gar nicht so sehr in den Horrorfilmen, sondern in so Stand By Me und so.
Florian Bayer: In einer anderen Welt, vielleicht in einer besseren Welt. hätte Stephen King beim dritten Buch oder so, als sein Agent zu ihm gesagt hat, Stephen, wenn du jetzt noch einen Horrorroman schreibst, bist du für ewig der Horrorautor.
Johannes Franke: Ja, das ist verbrieft.
Florian Bayer: Hätte King gesagt, nee, okay, pass auf, dann schreibe ich lieber irgendwas, eine Coming-of-Age-Geschichte. In einer besseren Welt hätte Stephen King das gemacht und wäre jetzt ein vielleicht nicht gefeierter, aber auch ein sehr angesehener Autor von emotionalen Geschichten.
Johannes Franke: Das sehe ich total bei dem. Man sagt doch aber auch unter Stephen King-Fans, I came for the horror. And state for the humanity. Ja. Und das ist so ein bisschen das Ding vielleicht auch.
Florian Bayer: Stephen King ist ein toller Mensch.
Johannes Franke: Wenn du Stephen King heute auf Twitter liest, der sich zur US-Politik äußert,
Florian Bayer: denkst du jedes Mal, ja, das ist ein toller Mensch.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, immer wenn du versuchst, Menschen einzusortieren, der im amerikanischen Raum zu tun ist, das machst du alles über Twitter und seine Äußerungen gegenüber der amerikanischen Politik.
Florian Bayer: Natürlich, das ist ein ganz wichtiger Indikator.
Johannes Franke: Das ist dein Messgerät.
Florian Bayer: Und erzählt mir nichts von, oh, die Linke ist so intolerant, weil sie sagt, sie würde niemals einen Trump-Fan daten. Natürlich würde ich niemals einen Trump-Fan daten. Das ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Und das ist ein wichtiger Indikator.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Er muss ja nicht mal links sein. Es gibt auch Konservative, die ich sympathisch finde. Es ist einfach die Art, wie er im Diskurs auch agiert.
Johannes Franke: Ja, also wirklich. Man muss ja auch nur seine Bücher lesen, genau mit solchen Sachen. Ich kann mit seinem Schreibstil nicht so wahnsinnig viel anfangen, muss ich sagen. Ich bin da so ein bisschen, ja, ich habe ein Buch gelesen, ich finde es ganz nett. Ich finde die Ideen da drin wahnsinnig gut. Die Ausführungen eben einfach immer mal so ein bisschen meh.
Florian Bayer: Das ist Kings Problem. Der sprudelt vor Ideen, aber in der Umsetzung ist er echt manchmal so ein bisschen unbeholfen.
Johannes Franke: Ja, ach was soll's. Aber dafür kommt dann halt sowas bei raus, wo ich den dritten Teil hier wirklich absolut liebe. Das muss ich wirklich sagen. Der kriegt mich volle Kanne. Ich weiß nicht genau, ob es die ersten zwei Teile gebraucht hätte oder ob ich vielleicht einfach drei Filme gesehen habe, beziehungsweise zwei Filme und einen YouTube-Clip.
Florian Bayer: Es fühlt sich ein bisschen so an, ne? Also nicht das mit dem YouTube-Clip, das ist natürlich kompletter Bullshit. Du hast mir zugestimmt. Dafür musst du dich nachher noch verprügeln. Aber es ist ein episodischer Film, der sich nicht sonderlich drum bemüht, große Brücken zu schlagen zwischen seinen einzelnen Teilen.
Johannes Franke: Wie finden wir denn überhaupt das? Ich finde was und du findest was. Wir sind zwei unterschiedliche Menschen. Wir sind zwar hier in einer eheähnlichen Gemeinschaft, aber wir sind immer noch Individuen. Nein, Wie findest du dieses Gimmick quasi von Rückwärts erzählen? Ich mag sowas. Ja? Ich find's hier interessant, weil der Film versucht nicht,
Florian Bayer: das irgendwie komplex zu verflechten. Der Film versucht nicht ein Memento zu sein, der Film versucht nicht ein Irreversibel zu sein. Und das finde ich daran sehr sympathisch, dass er einfach mal sagt, ich hab hier diese drei Kurzgeschichten und es gibt so lose Verbindungen. Natürlich, es geht immer um Chuck.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber. In den Schlussminuten macht er es mit sehr viel Pathos, dass er nochmal diese Einblendungen hat. Aber ansonsten sagt er einfach, nimm das hier, nimm es so.
Johannes Franke: Was natürlich das große Ding ist, was ich sofort sehe und denke, aha, okay, dramaturgisch haben sie sich gedacht, ich will halt nicht mit dem Bummer enden. Ich will nicht mit seinem Tod enden. Das ist ja so endgültig und so Weltuntergangsszenarien. Ich will das gar nicht. Und das denkt sich natürlich schon Stephen King, weil bei ihm war es ja so. Das ist ja nicht die Idee des Filmemachers. Was ich daran aber eben auch toll finde oder interessant finde und aber auch Messerschneide beide Richtungen hat, ist, dass er am Ende Platz für Hoffnung lässt dadurch. Also du endest mitten in seinem Leben und siehst, da kommt jetzt noch einiges. Es wird toll. Das Leben wird spannend und interessant und so. Und vielleicht hast du die gleiche Liebe für Zahlen wie dein Großvater oder mach was draus. Man freut sich so für diesen Jungen. der noch was machen kann und der vor allem beschließt, mich interessiert nicht, wie ich sterbe, ich mache jetzt einfach mein Leben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist vollkommen lebensbejahend und dafür brauchst du die Strucken. Tour einfach, dass du nicht am Ende mit dem Weltuntergang endest. Und das finde ich tatsächlich schön. Kann aber auch auf der anderen Seite fatalistisch gelesen werden. Du wirst am Ende dort landen. Wir haben es gesehen. Du kannst es nicht mehr ändern.
Florian Bayer: Aber wir werden alle am Ende da landen.
Johannes Franke: Das ist dein Schicksal. Ja, genau. Und da ist es vielleicht das fatalistische Moment und vielleicht auch ein kleines bisschen ein deprimierendes Moment, weil ich will nicht sterben.
Florian Bayer: Ich auch nicht.
Johannes Franke: Ich will nicht sterben.
Florian Bayer: Ich auch nicht.
Johannes Franke: Und ich weigere mich immer und mein Kopf sagt die ganze Zeit, KI, sei schnell genug. Und er finde, dass wir immer wieder noch eine neue Medizin haben, um noch ein Jahr länger zu leben.
Florian Bayer: Ja, geht mir genauso. Aber ich finde, der Film ist dann halt einfach zu lieb. Ich sehe da nur die Hoffnung. Ich sehe da nicht diesen leichten Bummer, wir werden alle sterben oder so. Ich sehe nicht die Apokalypse. Ich finde, dieser Film ist einfach zu gutherzig dafür. Wenn ich diesen Film geguckt habe, ich will diesen Film knuddeln. Ich will diesen Film in den Arm nehmen und sagen, danke. Und das sage ich ohne jeden Zynismus und ohne jeden Sarkasmus. Wirklich. Weil er einfach so süß ist. Und es geht nicht darum, ja, ich werde mit diesem Film keine tiefgründigen Gespräche führen über Walt Whitman. Aber ich werde ihn in den Arm nehmen und werde ihn knuddeln, während er mehr Walt Whitman vorliest. Und das macht er perfekt.
Johannes Franke: Aber wir sollten vielleicht auch nicht zu viel dann über Walt Whitman nachdenken, was er so geschrieben hat.
Florian Bayer: Oder wir sollten nicht zu viel über die Romantiker nachdenken, ganz generell.
Johannes Franke: Ja, da wird es philosophisch dann auch wieder deprimierend teilweise, finde ich. Aber egal, egal. Ich finde diesen Satz hier, that is why God made the world just that. Finde ich, fasst das gut zusammen. So dieses, genieße den Moment. Das ist der Moment, an den man sich erinnert. Und nicht der Moment, wo ich die Zahlen zusammengerechnet habe und meinen Kontostand angeschaut habe. Sondern der Moment, wo ich auf der Straße getanzt habe. Und das stimmt, es ist eine einfache Botschaft, aber es ist einfach eine wahre.
Florian Bayer: Es sind ja auch diese kleinen Momente. Also ich glaube, jeder von uns hat so ein, zwei Momente, die ein bisschen kleiner sind, die ein bisschen größer sind. Wo er sagt, krass, das hat gar nicht so einen großen Impact. generell gehabt auf mein Leben. Das war einfach was, was ich erlebt habe, was aber toll war. Und woran ich mich gerne zurück erinnere und denke, ja, natürlich, dafür lohnt es sich zu leben. Und man kann jedem Menschen nur wünschen, dass er viele von diesen Momenten hat und dass sich diese Momente sammeln und irgendwie so ein Universum bilden.
Johannes Franke: Kommt irgendwann doch noch der Zynismus durch? Du sagst so viele positive Sachen jetzt.
Florian Bayer: Nein, dieser Film...
Johannes Franke: Ich verstehe es nicht. Kann das sein? Bist du brainwashed?
Florian Bayer: Zum einen bin ich gar nicht so zynisch, wie du sagst. Und zum anderen hat mich dieser Film einfach berührt. Und ich glaube, das ist genau das Richtige. Wir brauchen sowas gerade. Wirklich, ohne Scheiß. Und das ist so eine Krankheit, die wir mittragen aus den 90ern. Dass alles mit Ironie und alles mit Zynismus durchsetzt sein muss. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Und dieses Ehrliche und Offene einfach nur sagen, so ist das Leben. Und das ist geil. Das vielleicht fehlt ein bisschen. Flo,
Johannes Franke: wir kennen uns seit 20 Jahren. Über 20. Ein bisschen was über 20 Jahre jetzt. Und vielleicht warst du in den 20ern einfach ein zynischer...
Florian Bayer: Ich war auch in den 20ern nicht zynisch.
Johannes Franke: Woher kommt mein Bild davon?
Florian Bayer: Ich weiß es nicht. Ich bin überhaupt kein Zyniker.
Johannes Franke: Das werde ich dir in der nächsten Episode beweisen. Ich finde auch dieses I contain multitudes tatsächlich auch eine relativ einfache Weisheit, aber genau trotzdem auch wieder genau die richtige für den Moment.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: es gibt so eine im Talmud so eine Weisheit und die sind ja auch jüdisch kodiert alle da. Wer ein einziges Leben zerstört, hat eine ganze Welt zerstört. Und da findet sich das auch wieder. Und ich finde es eine total wichtige und einfache Botschaft. Und da kommt auch ein kleines bisschen dann die Traurigkeit tatsächlich durch, die ich nach dem Film habe, so ein bisschen. Weil es stimmt wirklich. So viel, wie in so einem Menschen drin ist. Das riesige Universum, dieses synapsenverbundenen Ding da im Schädel, das ist so krass, was da alles verloren geht einfach. Nur durch so den simplen und immer wiederkehrenden Akt des Sterbens. Ja, es ist. wirklich für mich hat der Film das voll geschafft, mir mit diesen Dimensionen nochmal klar zu machen. Und damit zur Top 3.
Florian Bayer: Unsere Top 3. I didn't expect that dance. Und zwar in allen Formen und Arten. Auch zum Beispiel vielleicht der Protagonist oder die Protagonistin hat nicht den Tanz erwartet,
Johannes Franke: aber das Publikum könnte auch reinpassen. Und die Konnotation auf that dance. I didn't expect that dance.
Florian Bayer: Oh, nice. Die habe ich nicht drin.
Johannes Franke: Oh,
Florian Bayer: da bin ich aber sehr gespannt drauf. Ich habe ein paar honorable mentions, die so sehr rausfallen. Weil das eine ist eine Serie, My So-Called Life. Willkommen im Leben, auf Deutsch. Großartige Serie, Anfang der 90er mit Claire Danes. Und da gibt es einen Charakter, der eine der ersten Serien, die einen schwulen Charakter hatten, der wirklich Hauptcharakter war. Und der wirklich empathisch gezeigt wird und Ganz großartig. Ricky heißt der. Und der kriegt eine tolle Tanzszene bei so einem Abschlussball, womit niemand gerechnet hat. Weil der ist die ganze Zeit halt, also er ist schon so ein bunter Vogel, sagt man. Aber er ist jetzt nicht so der krass extrovertierte Typ. Und dann hat er so was Befreiendes. Das liebe ich am guten Tanz, wenn es so was Befreiendes hat. Ja,
Johannes Franke: ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Und dann eine ganz andere Richtung. Der Film ist gar nicht so gut, aber die Szene ist umwerfend. Die gehört zu den... Ich würde behaupten, den besten Szenen in durchschnittlichen Filmen und zwar im letzten Harry Potter Film. Nicht im letzten Harry Potter Film.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Lüge. Im vorletzten Harry Potter Film sind Harry, Ron und Hermine im Wald unterwegs, um die Horcruxe zu suchen, um Voldemort zu besuchen.
Johannes Franke: In diesem riesigen Zelt?
Florian Bayer: Genau. Und irgendwann verlässt sie Ron, weil er eifersüchtig ist, weil er irgendwie denkt, dass Harry ihm Hermine ausspannen will und so weiter. Und dann ist Ron plötzlich weg und sie sind nur noch zu zweit, Harry und Hermine. Und dann gibt es ganz unerwartet plötzlich so eine Tanzszene zwischen den beiden. Eine freundschaftliche Tanzszene, die unglaublich poetisch inszeniert ist. Also die Harry Potter Filme sind total okay, aber die ist eigentlich viel zu gut und viel zu künstlerisch für das, was die Harry Potter Filme eigentlich sind. So Fantasy-Geschichten, einfache Fantasy-Geschichten. Es ist eine großartige Szene, eine großartig emotionale Szene und vor allem endet sie mit so einer Ernüchterung, weil sie wissen halt, sie tanzen gerade und gleichzeitig geht die Welt unter und sie müssen die Welt retten. Und es gibt so eine Erschöpfung. Schöpfungsmoment da drin. Toll. Fantastische Szene. Schön. Sowohl von Daniel Radcliffe als auch Emma Watson. Unfassbar gut gespielt.
Johannes Franke: Schön. Ich hätte auch eine honorable mention.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ten Things I Hate About You. Heath Ledger tanzt da einmal auf dieser Tribüne. Yes. Und ich habe wirklich nicht damit gerechnet in dem Moment. Ja. Dass er das Mikro in die Hand nimmt, singt und tanzt. Und er wirklich auf absurde, große Art und Weise sich da zum Affen macht für sie.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich schon. Das ist ein... tolle Szene. Der ganze Film ist großartig. Ich liebe diesen Film. Den haben wir leider in einer Zeit besprochen, wo wir noch nicht so ausführlich darüber gesprochen haben, wo wir noch nicht so richtig gut viel recherchiert haben und ich eigentlich den gerne nochmal besprechen wollen würde. Aber ich liebe einfach den Film 10 Things I Hate About You, obwohl das so eine teen- romantische Komödie ist, 1999.
Florian Bayer: Es ist halt so ein 90er-Film, der sehr ironisch mit dem Thema umgeht und sich selbst nicht allzu ernst nimmt dabei. Und er ist Shakespeare.
Johannes Franke: Und er ist Shakespeare. Ein fieses Stück von ihm, das ein bisschen problematisch ist.
Florian Bayer: Ja, Shakespeare hat immer irgendwie eine Möglichkeit gefunden. Ein bisschen Sexismus, ein bisschen Misogynie, ein bisschen Antisemitismus. Irgendwas hat er immer eingebaut.
Johannes Franke: Ja, aber es ist The Taming of the Shrew. Der Titel sagt es schon. Die Frau muss gezähmt werden. Der widerspenstigen Zähmung. Und es ist vielleicht noch schlechter als Romeo und Julia.
Florian Bayer: Sag mir nichts gegen Romy und Julia. Du hast, als wir Titanic besprochen haben, hast du gesagt, naja, Romy und Julia ist halt so durchschnittlich.
Johannes Franke: Alter, was stimmt nicht mit dir? Ich habe ihn sogar als den schlechtesten von Shakespeare bezeichnet. Total daneben. Irgendwann muss ich dir Romy und Julia von Buzz Lerman einmal geben. Der ist gut. Ja, die Verfilmung ist gut. Und dann muss ich irgendwie rausfinden, wie ich dir beibringe, dass Romy und Julia einer der schlechtesten Stücke von Shakespeare ist. Aber eben... The Merchant of Venice ist noch schlechter.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und The Taming of the Shrew finde ich auch noch schlechter.
Florian Bayer: Okay. Und dann magst du ausgerechnet die Verfilmungen davon. Was ist dein Platz 3?
Johannes Franke: Also mein Platz 3 ist Love Actually. Der britische Premierminister. Gespielt von Hugh Grant, glaube ich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du tanzt da in Downing Street durch diese Gänge durch. Von links nach rechts und verschwindet. Eine großartige Comedy-Szene, wie da einfach nur Silly in der Gegend rumtanzt. Es ist großartig. Willst du nochmal angucken?
Florian Bayer: Ich gucke nochmal kurz. Wie gesagt, ich liebe eine gute Tanzszene und ich liebe vor allem eine gute, unerwartete Tanzszene. Das ist einfach geil. Und vor allem, ich mag es, wenn so Tanzszenen eskalieren. Und das macht die auch. So dieses Es ist erstmal nur ein bisschen wackeln und dann plötzlich, okay,
Johannes Franke: öffnet sich der Raum.
Florian Bayer: Scheiße, jetzt habe ich einen Film vergessen, den ich auch noch reinnehmen könnte. Den nenne ich nachher ganz am Schluss noch als Honorable Mention. Mein Platz 3 ist 90er Jahre. Und der einzige Film, der positiv ist, wo es so eine Selbstbefreiung ist, obwohl ich genau das geil finde bei Tanzszenen. In-N-Out von Frank Oz. Kevin Klein als Highschool-Lehrer, der von einem ehemaligen Schüler als schwul geoutet wird.
Johannes Franke: Oh, oh ja. Ungewollt.
Florian Bayer: Aber noch sich dagegen wehrt und sagt, ich bin nicht schwul. Ja. Und dann natürlich auch alles macht, um diesen Klischees nicht zu entsprechen. Der Film ist vielleicht nicht ganz so gut gealtert, was das betrifft. Aber er kauft sich dann so eine Kassette von irgendeinem Typen, der sagt, entdecke deinen inneren Mann. Du musst Täter sein. Und dieser Typ sagt, und jetzt kommen wir zur Lektion. Tanzen. Und Kevin Klein sagt, Juhu, das kann ich. Echte Männer tanzen nicht. Ach komm, jetzt aber. Und dann haben wir diesen Moment, wo das Tape spielt Musik, I Will Survive. Und dieser Trill Sergeant sagt die ganze Zeit im Tape, Du bewegst dich nicht, du stehst nur da, du wackelst nicht mit den Füßen. Und Kevin Klein steht da halt die ganze Zeit ganz angespannt und dann irgendwann kann er nicht mehr anders und fängt an zu tanzen. Das heißt, er selbst hat diesen Tanz nicht erwartet und tanzt durch den Raum zu I Will Survive, während ein Trill Sergeant schreit, bleib stehen, beweg dich nicht, wackelst du etwa mit deinem Fuß, ich kann das doch genau sehen. Und er geht einfach nur so voll ab. Was für eine großartige Selbstbefreiungs-Empowerment-Szene.
Johannes Franke: Oh, wie toll. Okay, ich muss den Film nochmal sehen, das ist lange. Ich glaube, ich habe ihn wirklich... Wenn er so alt ist. Ich habe ihn, glaube ich, gesehen, als der rauskam, oder so. 1997,
Florian Bayer: da warst du ein Teenager. Ja, ich glaube, ich habe den auch das letzte Mal wahrscheinlich so in dem Alter gesehen.
Johannes Franke: Krass. Weißt du noch, ob der gut genug war für den Podcast? Nein, keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich weiß, dass diese Tanzszene toll ist. Die habe ich mir nämlich danach irgendwann nochmal auf YouTube angesehen. Also ich so, kennt ihr das, wenn man so abends denkt, oh, jetzt habe ich Bock noch irgendwas Emotionales zu gucken. Gib mir fünf Minuten YouTube und dann guckt man sich entweder die Waschbären an, die ihr Kind retten. Oder den Heiratsantrag von dem verrückten Typen, der die ganze Familie dafür engagiert hat. Oder Kevin Klein beim Tanzen.
Johannes Franke: Oder den Affen, der sein Kuscheltier nimmt, weil er abgestoßen wird von seiner Familie.
Florian Bayer: Das musst du mir gleich schicken.
Johannes Franke: Das kennst du nicht? Das ging rauf und runter. So, ich habe auf Platz 2 den großen Diktator. Man erwartet nicht, dass er mit diesem Globus dann auch noch tanzt. Das ist so seltsam. Also es ist kein klassischer dynamischer Tanz, sondern er nimmt halt den Globus und... macht da seine Bewegung zu, ist ganz ergriffen von sich selbst und von diesem Prospekt zum Weltherrscher zu werden und hat da diesen Globus, aufblasbaren Globus, mit dem er da tanzt. Es ist großartig. Meine Güte.
Florian Bayer: Um kurz noch Honorable Mention reinzuschieben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der großartige Barry Keegan in Saltburn.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Hast du Saltburn gesehen?
Johannes Franke: Ja, ich fand das nicht so richtig gut am Ende.
Florian Bayer: Ich fand das Ende total großartig, weil wir haben diesen Film... Nee,
Johannes Franke: nicht das Ende, sondern von dem Film am Ende nicht so ganz so gut. Ja,
Florian Bayer: der Film hat so ein bisschen seine Schwächen. Ich fand den absolut okay. Vor allem, weil Barry Keegan spielt so einen, der die ganze Zeit so schüchtern wirkt und hilflos. Und irgendwann am Schluss ist er plötzlich voll sexy und tanzt halbnackt durch diese Wohnung, die er durch seine Intrigen, durch das Haus durch seine Intrigen gewonnen hat. Und das ist so ein geiler Kontrast zu dem, was wir am Anfang gesehen haben. Aber eigentlich wollte ich, bin ich schon bei... Platz 2. Blue Velvet. Es gibt sehr viele unerwartete, krasse Tanzszenen bei David Lynch. Ich habe kurz überlegt, es gibt diese krasse Locomotion-Szene bei Inland Empire.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Es gibt, glaube ich, bei Twin Peaks gibt es so eine Szene, wo plötzlich alle anfangen zu tanzen. Du fragst dich, warum? Bei David Lynch gibt es immer so sehr sexy Tanzszenen, die unerwartet kommen. In Blue Velvet ist es total makaber. Und zwar mit Lip Syncing wird in Dreams von Roy Orbison gesungen. Und zwar von einem Zuhälter. Und der singt das für den Oberbösewichten im Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es ist in so einer düsteren Szene, wo unser Protagonist entführt ist. Und dann kommt plötzlich dieser Song und dieser Tanz von diesen Zuhältern. Das ist eine total schräge und surreale Szene. Und vor allem so was Schönes, so total makaber umgedeutet.
Johannes Franke: Total krass, großartige Szene. Krass. Okay, ich habe auf Platz 1 Little Miss Sunshine. Oh ja, that. Genau. Die wollen... Die Kleine, Olive heißt sie, oder Olivia, die will zu einem Schönheitswettbewerb. Und sie ist nicht die Klassische, die man zu einem Schönheitswettbewerb schicken würde. Dafür ist sie zu echt. Wir haben das mal normal zu sagen. Und da will sie aber unbedingt hin. Und der Großvater sagt... Komm, wir machen das. Wir machen das irgendwie möglich, dass sie zu diesem Schönheitswettbewerb kann. Und bringt ihr Tanzen bei. Und den ganzen Film über wissen wir nicht, wie er ihr Tanzen beibringt. Und wir wissen, dass der Tanz kommt. Das Überraschende ist halt, wie sie tanzt. Und zwar so, wie die Mädels im Club früher beim Großvater Lapdance-mäßig getanzt haben. Das ist das Einzige, was er halt kannte. Antanz.
Florian Bayer: Und der wirklich schöne Moment ist, dass dann die Familie, die... sagt, okay, scheiß drauf, wir stehen zu ihr und dann geht die ganze Familie zu ihr auf die Tanzfläche und alle tanzen ihren albernen Tanz.
Johannes Franke: Und die sind alle schockiert im Publikum, die alle ihre feine Schönheitswettbewerb-Welt haben, die dann einmal so richtig mit Kinder runter und so ihr Fett wegkriegen, weil sie auch so inszeniert werden, dass wir sie hassen müssen. Es ist ganz toll.
Florian Bayer: Diesen Film müssen wir auch irgendwann mal gucken.
Johannes Franke: Little Miss Sunshine ist so ein toller Film.
Florian Bayer: Mein Platz 1, auch ziemlich düster. Und zwar ein Film, in dem sehr viel getanzt wird, aber den letzten Tanz erwartet man nicht. Red Shoes aus dem Jahr 1948. Und am Schluss tanzt sie in ihrem Tod. Und wir haben die ganze Zeit Tanzszenen in diesem Film, aber diesen letzten Tanz, dass sie von ihren Schuhen quasi getrieben wird in diesen Todestanz, weil sie wirft sich dann ja wirklich aus dem Fenster, das kommt auch sehr unerwartet.
Johannes Franke: Ja, sehr guter Platz. Aber es ist halt leider ein Tanzfilm und die habe ich komplett rausgelassen, weil ich gedacht habe, naja, in einem Tanzfilm erwartet man schon so ein bisschen,
Florian Bayer: dass man tanzt. Aber es gibt Momente, in denen man es nicht erwartet.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber ja, wenn du La La Land genommen hättest, hätte ich dich rausgeworfen. Ja,
Johannes Franke: siehst du.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob ich dich von unserem gemeinsamen Podcast feuern könnte, aber irgendwie würde ich es hinkriegen in dem Moment.
Johannes Franke: Dann kriegst du den Muss-Mann-Podcast und ich kriege den Sehen-Podcast. Okay, dann gehen wir zurück in unseren Film Life of Chuck. Das. war unsere Top 3. Haben wir noch große Baustellen? Ich kann ja mal ganz kurz hier durch meine Sachen durchgucken. Ja, über die verschiedenen Kameraeinstellungen in den drei verschiedenen Akten haben wir jetzt nicht so viel geredet. Warst du glücklich mit der Kamera? So generell. Ich bin generell glücklich mit der Kamera. Es ist jetzt nicht so, dass ich dass ich Die großen Revelations sehe oder so, aber der Kameramann hat es gut gemacht. Die haben ein gutes Konzept gehabt, nämlich mit dem Film immer enger zu werden. Also das Seitenverhältnis, Länge zu Höhe, Länge zu Breite, Höhe zu Breite, du weißt schon, haben sie geändert über den Film. Das fällt einem so nicht auf.
Florian Bayer: Es ist subtil.
Johannes Franke: Genau, es ist sehr subtil. Aber am Anfang ist Breitbild und dann wird es immer enger und cozy in den 80er, 90er Jahren.
Florian Bayer: Ibn Bolta. der praktisch nichts gemacht hat, außer ein paar Episoden Last of Us und Cape Fear anscheinend den Piloten. Ich finde, es ist eine sehr gute Kameraarbeit. Ich bin sehr glücklich mit der Kameraarbeit. Und sie hat ein bisschen was Artifizielles manchmal, aber nie zu viel.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Es ist ja auch alles im Konzept verhaftet. Also es ist nicht so, dass irgendwelche Fuck-Ups drin wären oder sowas, wo man sagt, das ist jetzt aber außerhalb des Konzepts, sondern es passt genauso, wie es soll in den Film rein.
Florian Bayer: Wollen wir noch einmal sagen, dass Carl Sagan, der Erfinder quasi des kosmischen Kalenders, also von dieser Idee, ein ganz großartiger Mensch war und dass der Kosmik-Kalender als Grundidee, der wirklich die Weltgeschichte einmal komplett in ein Jahr packt, angefangen beim Urknall um 0 Uhr bis hin zur menschlichen Zivilisation um 23.59 Uhr und 50 Sekunden vor Silvester,
Johannes Franke: dass das ganz toll ist. Ja, ja natürlich, auf jeden Fall. Wollen wir sagen, dass die Widmung im Film jemand ist, der gestorben ist, tatsächlich, dass Scott Wampler, das war ein Filmjournalist und Co-Host von dem King-Cast. Ja, der King-Cast ist ein, nicht King-Cast, sondern der King-Cast über Stephen King-Romane und Verfilmungen und so weiter. Sie beschäftigen sich mit allem, was mit Stephen King zu tun hat. Und Stephen King ist großer Fan dieses Podcastes, weil es geht um ihn. Ja, natürlich. Und er war auch gut befreundet mit Scott Wampler, der eben diesen King-Cast gemacht hat. Und er verstarb 2024 im Alter von Mitte 40 Jahren ungefähr. Und das war völlig unvorbereitet. Und er hat auch hier einen ganz kleinen Auftritt im Film und ist dann gestorben. Und dann haben sie eben einen gewidmet angegeben im Nachspann.
Florian Bayer: 45 Great Years. Und wollen wir nochmal kurz erwähnen, dass Gimme Some Lovin' von der Spencer Davis Group ein wirklich schöner Song ist. Zu dem Chuck tanzt.
Johannes Franke: So, habe ich noch ein paar Kritikpunkte hier aufgeschrieben? Ich habe eine große Überschrift Kritikpunkte und ich habe sie mir nicht angeschaut, während wir geredet haben. Warum?
Florian Bayer: Weil dieser Film einen verzaubert. Ich habe auch eine riesige Liste Kritikpunkte. Es ist vollkommen egal. Dieser Film ist einfach zu süß. Du kannst ihm nicht wehtun.
Johannes Franke: Also es ist schon, dass ich am Ende tatsächlich einfach da sitze und mich freue.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: also ich habe jetzt Haufen Kritikpunkte genannt und so, die ersten beiden Teile so. Den dritten Teil finde ich ganz ohne Kritik total gut. Aber dadurch, dass der Film auch so wenig Ecken und Kanten hat, kann man auch sich nicht groß gestoßen fühlen. Ich finde den aber auch nicht egal. Also das wäre ja das Schlimmste, wenn man keine Ecken und Kanten hat und auch noch egal ist. Aber das ist der Film dann doch nicht.
Florian Bayer: Nee, egal ist er nicht. Ich glaube, es ist wenig, was er will. Und das schafft er total dadurch. Dass es halt nicht zu viel ist, sondern dass es in diesem kleinen Rahmen bleibt. Und einfach, dass diese einfache Aussage bleibt. Und das jetzt beim Fazit, das ist das, was ich wirklich schön an diesem Film finde. Dass er sich nicht aufplustert. Und wenn man drauf guckt und auf dem Papier, klingt es sogar wie ein Film, der sich aufplustert. Oh, ich packe den dritten Akt an den Anfang. Oh, ich erzähle das so und mit diesem Mysterium. Er tut es nicht. Er plustert sich nicht auf. Er ist nicht selbstgefällig, er ist nicht prätentiös dabei, sondern er ist einfach nur, ey, ich habe hier eine ganz simple Lebensweisheit und das ist meine Art, die rüberzubringen und hey, ich kaufe sie und ich bin dann auch einfach berührt davon. Und der Zyniker in mir schreit die ganze Zeit, nein, das darfst du nicht, das kannst du nicht, sowas naives, sowas plattes und so weiter, scheiß drauf, ich lasse den Zyniker schweigen in diesem Moment und sage, nein, dieser Film ist ein kleines Juwel und ich hatte sehr viel Freude damit, ich bin dankbar, dass es diesen Film gibt.
Johannes Franke: Ich lerne zwei Sachen aus diesem Film. Das eine ist, der Weltuntergang sieht verdammt toll aus. Ich finde ihn sehr gut inszeniert, muss ich sagen. Plötzlich siehst du die ganzen Sterne in voller Pracht und darfst dann, bevor es dann die Lichter ausgehen, nochmal alles schön genießen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ganz toll. Und das zweite ist, fucking Pornhub ist weg. Scheiße. Ja. Nein, ansonsten ist es ein ganz großartiger Film. Ich tatsächlich, ich habe ganz viel Kritik, aber eigentlich mag ich den Film total gerne. Vor allem, weil der letzte Teil es wirklich schafft, mich voll reinzuziehen und ich voll drin bin und ich auch diesen Dachboden am Ende total gut finde und auch die Art und Weise, wie das Gedanken los tritt bei mir. Erfolgreicher Film, finde ich gut. Ich glaube, es ist ein Film, wo man sagen kann, doch, den solltet ihr euch anschauen. Ich weiß nicht, ob es ein Muss-Man-Sehen-Film ist, aber einen sollte man sehen.
Florian Bayer: Schaut ihn euch an. Und ich hoffe, es ist niemand drin, der ihn sich noch nicht angeschaut hat, weil jetzt haben wir ihn, glaube ich, kaputt gespoilert. Ich finde, es ist wirklich ein schönes kleines Juwel. Und ich hoffe, dass dieser Film noch mehr Wertschätzung in den nächsten Jahren erhält, als er bis jetzt erhalten hat. Und ich habe das Gefühl, es geht in diese Richtung. Ich habe das Gefühl, es ist auch so ein Mund-zu-Mund-Propaganda-Film.
Johannes Franke: Okay. Das heißt, unser Mund hat jetzt propagiert an euch und ihr müsst jetzt in Multitudes das weitergeben an andere. Ja. In diesem Sinne, ihr könnt euch jetzt noch anhören. was wir nächste Woche besprechen, nach dem Jingle. Danach erzähle ich Plur, was ich als nächstes haben möchte.
Florian Bayer: Ich freue mich drauf. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören, wie immer.
Johannes Franke: Ja, wie immer.
Florian Bayer: Lasst es euch gut gehen.
Johannes Franke: Ja, lasst es euch gut gehen und bis zum nächsten Mal. Bis dann, ciao. Ciao. So Plur, ich habe da was für dich.
Florian Bayer: Ja, ich bin sehr gespannt.
Johannes Franke: Wir gucken jetzt endlich, indem wir uns lange, lange gedrückt haben, gucken wir endlich Amadeus. Das ist ein fucking Riesenthema. Zum einen Amadeus Mozart zu recherchieren und zu überlegen, was da alles drinsteckt in dem Film und inwiefern sich das Leben von Mozart vom Film eigentlich unterscheidet. Und das vielleicht... Salieri nicht der Bösewicht der Geschichte ist eigentlich. Aber das müssen wir alles recherchieren und das ist ganz schön viel. Und deswegen habe ich mich lange gescheut, dir den Film zu geben.
Florian Bayer: Von Milos Forman, über den du vor ein, zwei Wochen echt hergezogen hast, als wir überher gesprochen haben. Tut mir leid.
Johannes Franke: Aber er hat jetzt eine Chance. Er bekommt jetzt eine Chance, sich zu rehabilitieren. Und ich weiß, dass ich ihn als Kind, ich habe ihn nur als Kind gesehen, richtig... geil fand.
Florian Bayer: Ich bin so gespannt. Ich habe den schon so lange nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich auch als letztes als Jugendlicher.
Johannes Franke: Und er ist von 1984. Krass. Also es ist auch nochmal, also ich bin wahnsinnig gespannt, wie der Film gealtert ist und was da drin steckt und ob wir ihm den Kopf abreißen wollen dafür, dass er Salieri so darstellt.
Florian Bayer: Ich weiß es. Es ist so ein Running Gag geworden. Wenn du einen Film nennst, der historisch nicht akkurat ist, dann ist es Amadeus.
Johannes Franke: Aber er ist trotzdem großartig in meinem Kopf. Mal gucken, ob er auch noch immer noch großartig ist.
Florian Bayer: Ich muss dazu sagen, mein Wiener Klassik-Wissen ist nicht sonderlich stark ausgeprägt.
Johannes Franke: Nein, meins auch nicht so richtig, obwohl ich es ganz gerne höre, aber ich kann Ihnen nicht viel darüber sagen. Also es wird alles recherchiert.
Florian Bayer: Ja, ihr werdet nächste Woche sehr viel lernen über Wolfgang Amadeus Mozart, über die Wiener Klassik. Und hoffentlich auch ein bisschen was über den Film Amadeus. Ja,
Johannes Franke: vor allem über den Film. Wir wollen ja auch über den Film reden. Wir sind ja ein Filmpodcast und kein Historienpodcast. Aber dazu neigen wir schon öfter mal. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Wir sind ein klugscheißer Podcast.
Johannes Franke: Ja, vielleicht das.
Florian Bayer: Allererstens. Okay, dann klugscheiß mit uns.
Johannes Franke: Bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Ciao.

Hallo zusammen, ich habe euren Podcast vor ein paar Monaten zufällig entdeckt und ihn seitdem bingegehört (ist das ein Wort?). Höre euch sehr gerne zu, tendiere, was Filmgeschmack angeht, meistens zu Johannes (minus die 50er-Jahre-Musicals); bin ebenfalls skeptisch bei rückwärts abgespielten koreanischen Schwarz-Weiß-Filmen mit zweieinhalb Stunden Spieldauer, auf die Florian offenbar zu stehen scheint.
Ich stimme euch bei Life of Chuck voll und ganz zu: Wunderbarer Film (ohne allzuviel Tiefe), dem man kaum böse sein kann.
Zwei Dinge wollte ich aber anmerken:
– Zu einem: Es gibt eine Sache, die mich als ruhigen, besonnenen Menschen bei Kommentaren zu Podcasts etc. immer furchtbar aufregt, gerade, wenn es um Best-of-Listen geht: Leute, die Kommentare schreiben wie „Waaaas?!? Ihr macht eine Liste zum Thema „ABC“ und erwähnt nicht mit einem Wort „XYZ“?!? Ihr habt doch überhaupt keine Ahnung!“ „Reg dich ab“, möchte ich dann immer sagen, „es ist eine subjektive Liste, dann kann man doch schlechterdings nicht erwarten, dass sie alles berücksichtigen können“.
– Zum anderen: Ihr macht eine Top 3 zum Thema „Spontane, unerwartete Tanzszenen“ und erwähnt dabei nicht mit einem Wort „The Fisher King“ (Terry Gilliam, 1991)?? Die unfassbar großartige Szene, in der der großartige Robin Williams in der Halle der Grand Central Station in New York die großartige Amanda Plummer sieht – und in diesem Moment all die vielen Menschen, die zuvor noch durch den Bahnhof gehetzt sind, auf einmal alle anfangen, Walzer zu tanzen? Wie könnte ihr die nicht ansprechen? Habt ihr überhaupt Ahnung von dem, was ihr macht?!?
Ansonsten: Super Podcast! Macht bitte weiter so!
😀 AAARGH! Wir haben Fisher King vergessen. Wie konnten wir nur??
Danke für den untergeschobenen Tipp! ^^
Ansonsten: Super Zuhörer! 5 von 5 Sternen! Vor allem weil du auf meiner Seite bist was die Filmauswahl betrifft.
Achja: Bingegehört ist auf jeden Fall ein Wort! Wir freuen uns über weiteres Bingehören 🙂