Episode 289: Die Abenteuer des Prinzen Achmed – Der älteste (noch erhaltene) Animationsfilm der Filmgeschichte
Der erste abendfüllende Animationsfilm… alle haben gesagt: “Das wird nix. Niemand will über 60 Minuten gezeichnete Animationen sehen”… Nope, es ist nicht Schneewittchen und es ist auch nicht Disney. Die Ehre gebührt einer deutschen Regisseurin mit dem Namen Lotte Reiniger. Ihr Film “Die Abenteuer des Prinzen Achmed” wird heuer 100 Jahre alt. Über 60 Minuten Silhouetten, Schattenfiguren vor aus mehreren Ebenen bestehenden Hintergründen. Achja, vielleicht haben wir hier auch einen der ersten Mashup-Filme vor uns. Im Mittelpunkt stehen Motive aus den Geschichten aus 1001 Nacht, erzählt wird jedoch nicht einfach ein Märchen aus der berühmten Sammlung, stattdessen haben wir ein Zusammenschnitt verschiedener Bruchstücke vor uns:
Prinz Achmed will unbedingt das magische Pferd ausprobieren, das sein Vater von einem Magier geschenkt bekommen hat. Er erhebt sich mit dem Wesen in die Lüfte… und findet leider nicht den Ausschaltknopf. Das Pferd bringt ihn ins weit entfernte Wak-Wak, wo er sich in die schöne Herrscherin Pari Banu verliebt. Er entführt sie kurzerhand und es gelingt ihm, trotz des rüden Vorgehens, ihr Herz zu gewinnen. Aber der eigentliche Besitzer des Pferdes, der böse Magier, ruht nicht. Kurzerhand entreißt er Pari Banu ihrem Geliebten und verkauft sie an den Kaiser von China. Mit der Hilfe einer Hexe sowie Aladin und seiner Wunderlampe gelingt es Achmed Pari Banu zurückzuholen, den bösen Magier zu besiegen und schließlich in einer epischen Schlacht auch die Dämonen zu schlagen, die ihre Herrscherin nur für sich haben wollen.
Ein wilder Mix aus arabischen Märchen, einzig und allein erzählt in Schattenfiguren… Johannes, funktioniert das heute noch?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 289: Die Abenteuer des Prinzen Achmed – Der älteste (noch erhaltene) Animationsfilm der Filmgeschichte Publishing Date: 2026-07-15T08:20:32+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/07/15/episode-289-die-abenteuer-des-prinzen-achmed-der-aelteste-noch-erhaltene-animationsfilm-der-filmgeschichte/
Florian Bayer: Wir haben eine Nacktszene und zwar wirklich so, wir haben eine Frau, wie heißt das Ding, ich muss es nochmal eingehen.
Johannes Franke: Musik Zwo, Drei. Sana Chava, Sana Chava, Sana Chava, ja Achmed. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, lieber Prinz Ahmed. Wir besprechen heute einen ganz besonders alten Film, nämlich...
Florian Bayer: Abenteuer des Prinzen Ahmed aus dem Jahr 1926 und lass es mich einmal richtig sagen, Der älteste noch erhaltene animierte Langfilm.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und ab sofort reden wir über den ältesten Zeichentrickfilm. Das ist nämlich viel kürzer und viel einfacher.
Johannes Franke: Genau. Und es ist natürlich nicht der älteste Zeichentrickfilm. Es gab vorher auch schon Zeichentrickfilme, auch in Spielfilmlänge, aber die sind nicht mehr erhalten.
Florian Bayer: Ja. Wie immer reden wir, wenn wir von der Zeit reden, von Lost Media. Und auch was Zeichentrick-Langfilme betrifft, gibt es da welche, die den Prinzen Ahmed geschlagen haben? Allerdings nur um ein paar Jahre. Und dieser Film ist erhalten geblieben. Dieser Film geht über 60 Minuten. Es ist ein Langfilm, er ist komplett animiert und er schlägt Disneys Schneewittchen um zehn Jahre.
Johannes Franke: Um zehn fucking Jahre. Und alle sagen immer, Schneewittchen, der erste Langfilm animiert. Naja, Disney war halt besonders berühmt. Und dieser Film ist doch... Ein bisschen untergegangen über die Jahre, oder?
Florian Bayer: Was total schade ist und was, was ich nicht verstehen kann, aber ich bin ja selbst, also ich gehöre mit zu den Schuldigen, weil ich diesen Film auch nicht so auf dem Rass. da hatte.
Johannes Franke: Ja, aber wer ist schuld? Du bist ja nicht schuld. Der hätte jemand erzählen müssen, dass es diesen Film gibt.
Florian Bayer: Der filmische Kanon ist schuld und damit werden wir jetzt aufräumen und den filmischen Kanon einmal durcheinanderwirbeln. Los geht's. Genau. Erster abendfüllende Animationsfilm. Alle haben gesagt, das wird nix. Niemand will über 60 Minuten gezeichnete Animationen sehen. Nope, es ist nicht Schneewittchen und es ist auch nicht Disney. Die Ehre gebührt einer deutschen Regisseurin mit dem Namen Lotte Reiniger. Ihr Film, Die Abenteuer des Prinzen Ahmed, wird heuer 100 Jahre alt. Über 60 Minuten Silhouetten. Schattenfiguren vor aus mehreren Ebenen bestehenden Hintergründen. Ach ja, vielleicht haben wir hier auch einen der ersten Mesh-Up-Filme vor uns. Im Mittelpunkt stehen Motive aus den Geschichten aus Tausend und einer Nacht, Erzählt wird jedoch nicht einfach ein Märchen aus der berühmten Sammlung. Stattdessen haben wir einen Zusammenschnitt verschiedener Bruchstücke vor uns. Prinz Ahmed will das magische Pferd ausprobieren. das sein Vater von einem Magier geschenkt bekommen hat. Er hebt sich mit dem Wesen in die Lüfte und findet leider nicht den Ausschaltknopf. Das Pferd bringt ihn ins weit entfernte Wackwack, wo er sich in die schöne Herrscherin Pari Banu verliebt. Er entführt sie kurzerhand und es gelingt ihm trotz des rüden Vorgehens ihr Herz zu gewinnen. Aber der eigentliche Besitzer des Pferdes, der böse Magier, ruht nicht. Kurzerhand entreißt er Pari Panu ihrem Geliebten und verkauft sie an den Kaiser von China. Mit der Hilfe einer Hexe sowie Aladin und seiner Wunderlampe gelingt es Ahmed Paribanu zurückzuholen, den bösen Magier zu besiegen und schließlich in einer epischen Schlacht auch die Dämonen zu schlagen, die ihre Herrscherin nur für sich haben wollen. Ein wilder Mix aus arabischen Märchen. Einzig und allein erzählt in Schattenfiguren. Johannes, funktioniert das heute noch?
Johannes Franke: Natürlich funktioniert das heute noch. Also es ist natürlich fernab von unseren Sehgewohnheiten, aber da muss man sich halt mal ein bisschen Mühe geben als Zuschauer. Also man muss sich wirklich ein bisschen Mühe geben.
Florian Bayer: Man muss sich Mühe geben. Ich finde es krass, wenn man das auf dem Papier erstmal hört. Wie gesagt, wir haben hier einen Silhouettenfilm vor uns. Das heißt, wir haben Schattenfiguren, wir haben keine Mimik. Wir sehen nichts, außer eben diese schwarzen Figuren, wie sie vor diesen verschiedenfarbigen hintergründen, bewegt sind. Du hast auch eine farbige Version geguckt, oder?
Johannes Franke: Ich habe eine farbige Version, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Es ist deutlich einfacher, eine farbige Version zu gucken, als eine schwarz-weiß Version, das findet man auch. Es gibt unzählige Varianten, die man auf YouTube findet. Wenn ihr das Ding gucken wollt, ihr findet es, klickt ein paar Mal, dass ihr euch die schönste Variante raus habt, die am besten aussieht. Das Es gibt verschiedene Restaurationen, darauf werden wir noch zu sprechen kommen. Aber ihr könnt das Ding gucken. Und damit sei gesagt, Leute, wenn ihr jetzt eingeschaltet habt und denkt, okay, Ich habe den Film noch nicht gesehen und ich höre mir die beiden labern an. Macht das, das ist ein freies Land. Meine Empfehlung ist, guckt euch den Film vorher an, damit ihr wisst, worum es geht und wie das Look and Feel ist. Er hat so eine sehr spezifische Ästhetik. Wenn man diesen Film gesehen hat, man versteht, was die Ästhetik dahinter ist. die Ästhetik von Lotte Reiniger ist, die sehr viele Filme in dieser Art gemacht hat.
Johannes Franke: Filme, glaube ich, gemacht in ihrem Leben.
Florian Bayer: Wahnsinn.
Johannes Franke: Und diesen Film hat sie gemacht mit Mitte 20.
Florian Bayer: Absolut Krass.
Johannes Franke: Absolut krass.
Florian Bayer: Geboren 1899, gestorben 1981.
Johannes Franke: Die hat viel Zeit mitgenommen. Die konnte viele Sachen machen und es gibt schöne Interviews von ihr online, die man sich anschauen kann, wo man sie nochmal sieht. Ja. Wie sie ein bisschen was erzählt.
Florian Bayer: Als alte, rüstige Lady, wie sie vom NDR interviewt wird und Scherenschnitte macht und... Fragen beantwortet, wie das damals war. Sie selbst sagt, sie war von Anfang an begeistert vom Kino als Medium. Und sie hat ihre arme Großmutter wohl immer ins Kino gezerrt. Und sie wollten eine Geschichte, an die sie sich besonders erinnert ist, 1907 lief ein Donröschen-Film im Kino. Und sie wollte den unbedingt sehen und dann war der abgesetzt. Und dann stand sie da heulend vor dem Kino. Oh nein. Und die Damen, die das Kino betrieben haben, hatten so viel Mitleid mit diesem armen, heulenden Kind, das Don Röschen gucken wollte, dass sie den Film nochmal bestellt haben und sie ihn...
Johannes Franke: Oh, wie schön. Das ist lieb. Geboren als Charlotte Eleonore Elisabeth Reiniger. Alle diese alten... weiblichen Vornamen einmal genommen. Und ist so krass. Und wo ist Charlotte wohl geboren?
Florian Bayer: Natürlich in Charlottenburg.
Johannes Franke: In Charlottenburg.
Florian Bayer: Sie ist eine Berlinerin, wa?
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Großartig. Und sie war nicht nur vom Kino begeistert, sondern auch von Scherenschnitten. In ihrer Erzählung nach ist es so, naja, ich habe halt gerne gemalt und ich habe gerne Geschichten gelesen und Geschichten erzählt. Und es hat alle nicht so umgehauen, weil das jedes Kind gemacht hat. Aber diese Schattenfiguren, die ich geschnitten habe, die fanden alle geil. Und dass sie damit Theater gemacht haben, das fanden auch alle geil und deswegen war das irgendwie mein Ding.
Johannes Franke: total süß. Stell dir das vor, so ein siebenjähriges Kind, das sich irgendwie mit Papier irgendwelche Figuren macht und dann auch richtig Theater aufführt und die Die Eltern zwingt, guck mal, guck mal, guck mal, was ich mache. Es ist so süß. Es muss aber auch nervig irgendwann sein. Ich war Zauberer als Kind. Weißt du, ich habe mit ihm gesagt, Mama, guck mal, guck mal, was ich kann. Und dann konnte ich es natürlich nicht. Also insofern, ja, man hat sich dann so ein Spezialinteresse angeeignet. Die meisten machen da nicht so viel draus. Als Kind warst du sicherlich auch irgendwas und hast gesagt, das interessiert mich besonders, mal guck mal, was ich mal kann.
Florian Bayer: Ich habe geschrieben. Ich habe so viele Geschichten geschrieben. Ich glaube, ich habe meine Eltern echt gezwungen, viel zu lesen.
Johannes Franke: Siehst du?
Florian Bayer: Und das war, glaube ich, auch ziemlich anstrengend, weil das natürlich auch ein wilder Mix aus dem, was ich halt irgendwie aufgeschnappt habe, ohne kohärente Struktur, ohne funktionierende Dramatik, einfach nur. was halt im Kopf von einem Siebenjährigen vorgeht.
Johannes Franke: Naja und dann nervt man seine Eltern damit, ne?
Florian Bayer: Absolut, ja.
Johannes Franke: Und nicht jeder macht das zum Beruf. Nein. Und sie hat da wirklich das Ganze so weit aus der eigentlichen ursprünglichen Kunst herausgehoben mit diesem... mit dieser Technik, diesem Film und mit späteren Sachen, die sie gemacht hat, ist wirklich irre.
Florian Bayer: Total krass. Gucken wir uns mal ganz kurz ihre Station dahin an. Sie war im Theater, sie hat im Theater gearbeitet, am Max-Reiner-Theater in Berlin, da hat sie auch Schauspielunterricht genommen und sie ist auch auf eine Schauspielschule gegangen und sie sah Meine Eltern fanden das voll doof. Natürlich. Wenn du Anfang des 20. Jahrhunderts Schauspielerin werden willst, dann sagen die Eltern nicht, yeah, mach, go for it. Aber sie war ein Einzelkind und deswegen haben die Eltern ihr wohl sehr viel durchgehen lassen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und sie hat angefangen am Theater diese Silhouetten von den SchauspielerInnen zu nehmen. Das war irgendwann ihr großes Ding.
Johannes Franke: Ja, im Theater sich auch um Kostüme und Requisiten gekümmert.
Florian Bayer: Sie war viel so in dieser Hintergrundästhetik dann... Sie hat wohl relativ schnell gemerkt, dass Schauspielerei selbst nicht ihr Ding ist, aber dass sie diese ganze Theater- und Kunstatmosphäre mag. Und sie ist dann auch irgendwie mit dem Film in Kontakt gekommen, namentlich vor allem mit Paul Wegener. Paul Wegener kennt man heutzutage vor allem als den Regisseur von dem Golem und wie er in die Welt kam. Einer der großen... der großen expressionistischen Fantasy-Filme der Weimarer Republik aus dem Jahr 1920.
Johannes Franke: Wenn man richtig gut ist, dann kennt man noch den Rattenfänger von Hameln.
Florian Bayer: Ja, und es gibt einen Film von Paul Wegner, an dem sie mitgearbeitet hat, der jetzt gerade so bei mir zu den großen... Zum großen heiligen Kral gehört, an den ich gerne ran will, den man aber nicht findet und zwar der verlorene Schatten aus dem Jahr 1921.
Johannes Franke: Ja, er heißt schon so, er ist verloren.
Florian Bayer: Offensichtlich ein Film, in dem es Trickfilmteile von Lotte Reiniger gibt. Und es ist die Geschichte von einem jungen Mann, der seinen Schatten an eine Art... oder Mephisto verkauft und dann aber wegen seiner Schattenlosigkeit unglücklich wird. Also ganz klassische Märchengeschichte, halt irgendwie das verkaufte Lächeln, in dem Fall der verkaufte Schatten. Ja. Wird wohl offensichtlich gerade von der Fritz-Murner-Stiftung digitalisiert.
Johannes Franke: Ach geil.
Florian Bayer: Man findet ihn auch nirgends. Es ist für mich gerade so ein heiliger Gral. Wenn der in einem Jahr noch nicht draußen ist, der ist seit 2025 so auf einer Liste von digitalisierten Projekten, dann werde ich die Stiftung mal anfragen und wird sagen, Leute, gibt es irgendeine Möglichkeit, diesen Film zu machen? gucken. Ich bin voll interessiert. Ich steig bei euch ein. Paul Wegener, Nazi-Gegner, Der aber auf der gottbegnadeten Liste stand, weil die Nazis seine Filme so geil fanden.
Johannes Franke: Großartig. Aber dadurch auch, und das ist schon der erste Hinweis, eher in der linken Bubble, wenn man es so sagen möchte. Und sie damit auch.
Florian Bayer: Absolut. Sie war komplett in der linken Bubble, genau wie ihr Mann, den sie damals auch so in der Zeit kennengelernt hat, als sie für Paul Wegner gearbeitet hat. Genau am Institut für Kulturforschung hat sie unter anderem gearbeitet. Paul Wegner hat sie dahin gebracht.
Johannes Franke: Genau, das war das. Sie hat für ihn auch noch andere Sachen gemacht, so kleine Zwischentitel.
Florian Bayer: So was, das waren so ihre ersten Filmversuche und dann hat sie ihren ersten Film, einen animierten Kurzfilm, 1919 gemacht, das Ornament des verliebten Herzens.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fünf Minuten. Hast du den geguckt?
Johannes Franke: Ich habe Aschenputtel gesehen.
Florian Bayer: Ah, Aschenputtel. Okay, zu Aschenputtel kommen wir gleich. Das Ornament des verliebten Herzens ist einfach total putzig und es ist schon so, man sieht das Ding und es ist einfach ihre Ästhetik. Es sind zwei Schattenfiguren, die in einem... In so einem Herzrahmen miteinander tanzen, ein Mann und eine Frau ganz eindeutig und sie tanzen um ein Herz und die Frau fliegt dann aber mit dem Herz davon, der Mann ist komplett niedergeschlagen. weint, legt sich hin und dann fliegt die Frau mit dem Herzen wieder runter. Und sie versöhnen sich, umarmen sich und der Rahmen schließt sich wieder und wir haben wieder dieses Herz. Ganz toll, ganz putzig.
Johannes Franke: Sehr süß. Sie hat so eine Ästhetik, wo man sagt, man könnte fast Gifs draus machen.
Florian Bayer: Absolut. Und was ich ganz toll finde bei ihrer Ästhetik, damit kommen wir zu Aschenputtel, sie hat dieses selbstreflexive Element drin, ne?
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Wir sehen die Hände, wie sie die Figuren schneiden. Das ist bei Aschenputtler am Anfang, wo wir richtige Hände vor diesem Hintergrund sehen.
Johannes Franke: Das ist toll gemacht.
Florian Bayer: Das ist ganz fantastisch, wie sie diese Figuren zusammenschneiden. 1922 hat sie Aschenputtel gemacht. Auch ein ganz süßer, einfacher Märchenfilm.
Johannes Franke: Ja. Nein, ich finde, sie hat sie ganz großartig gemacht. Also ich habe jetzt tatsächlich nicht so viel zu Aschenputtel aufgeschrieben, aber ich fand es tatsächlich... Ganz, ganz großartig und man sieht schon sehr stark, in welche Richtung es bei ihr geht natürlich. Es ist ja auch ein sehr eindeutiges Konzept. Aber mit welcher Detailverlebtheit und mit welchem Gefühl für Bewegung sie da rangeht? Das ist schon bei Aschenputtel zu merken und das finde ich toll.
Florian Bayer: Es ist total krass. Ich finde es noch krasser bei einem Film, überspringen jetzt Prinz Ahmed, da hat sie von 1923 bis 1926 gearbeitet, dazu sagen wir gleich noch ein bisschen mehr, weil das ja unser Hauptfilm ist des heutigen Abends. Ja. Sie hat 1931 einen Film gemacht, der heißt Halekin. Und das ist ihr Lieblingsfilm.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Sagt sie selbst. Weil das einfach so, sie sagt, das war einfach die schönste Zeit meines Lebens und das war alles total toll. Und der geht 23 Minuten, der hat auch teilweise Gesang drin, der hat auch diese Metaebenen, die Hände, die reingreifen. Und was ich bei dem krass finde, ist die... Figuren wirken nochmal viel organischer als ein Aschenputtel und Prinz Ahmed sowieso, der ja so ein bisschen stilisiert ist, wirken fast lebendig, menschlich. Und es ist ein fucking Erotik-Film. Wir haben eine Nacktszene und zwar wirklich so, wir haben einen anderen Schnitt, eine Nacktszene. Wir haben eine Frau, wie heißt das Ding?
Johannes Franke: Ich muss es nochmal eingehen.
Florian Bayer: Harlekin aus dem Jahr 1931. Eine Frau, die sich im Brunnen auszieht. und dann abwascht. Und wir sehen sehr klar die Konturen ihres weiblichen, nackten Körpers. In Harlequin-Beutelung beobachtet sie heimlich. Und es versprüht ganz schön viel Erotik. Und ich finde, das sehen wir bei Prinz Ahmed auch, diesen Hang zur Erotik. Es ist wirklich ein wunderschöner Film. Also wenn ihr einen Film von ihr sehen wollt und sagt, Prinz Ochmer, das ist mir zu lang, dann seid ihr Idioten. Aber dann guckt euch den Harlekin an aus dem Jahre 1931. 23 Minuten mit Ton. Ganz tolle, natürliche Bewegung, der nochmal so ein bisschen... was man mit diesem Scherenschnitt machen kann, wenn man nicht auf diesen abstrakten Expressionismus setzt, sondern wirklich versucht, realistische Figuren zu gestalten.
Johannes Franke: Ich gucke gerade selber nochmal rein, weil ich habe vorher die Zeit nicht mehr gehabt, alles anzuschauen. Es gibt so viele Sachen. Wir haben auch vorher darüber geredet, bevor wir an angefangen haben. Es gibt gerade bei diesem Film auch, aber auch bei anderen Filmen, immer den Moment, wo man sich entscheiden muss. Ja, fuck, in welche Richtung gehe ich jetzt genauer rein? Und dann hoffe ich immer, dass du in eine andere Richtung reingegangen bist, sodass wir möglichst viel abdecken. Aber wir haben eine Woche Zeit, das ist unser Ding. Und dann ist es vorbei. Und jetzt komme ich mit meinen Ergebnissen und wenn ich nicht alles habe, habe ich Pech gehabt.
Florian Bayer: Dann gibt es nur noch drei.
Johannes Franke: Präsentation. Genau. Oberstufe. Und jetzt gucke ich mir dieses kurz an, dieses Harlequin von ihr. Das ist ja wahnsinnig cool auch. Das sieht richtig gut aus. Sieht richtig gut aus.
Florian Bayer: Versuch mal, ob du die Brunnen-Szene findest, weil ich würde behaupten, die versprüht relativ weit hinten oder weiter vorne. Mittig? Im zweiten Drittel vielleicht? Es ist eine relativ kurze Szene, aber es ist wirklich beeindruckend. Krass. Sie hat so viel gemacht. Sie hat Dr. Doolittle, 1920 kamen die ersten Dr. Doolittle-Geschichten raus. Sie kannte den Autoren vom Doolittle, Lofting hieß der. Und 1930 hat sie angefangen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er hatte die Zeichnung für das Buch gemacht. Und anhand dieser Zeichnung hat sie angefangen Silhouettenfilme zu machen, geplant war ein Langfilm. Am Schluss sind nur ein paar Kurzfilme rausgekommen, weil sie einfach nicht genug Geld dafür hatten.
Johannes Franke: Uh, Plur, kannst du mal kurz den Raum verlassen? Ich habe diese Szene gefunden.
Florian Bayer: Die ist krass, oder? Es ist krass. Es ist ein Erotikfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde, das ist ziemlich eindeutig.
Johannes Franke: Das ist ja Wahnsinn.
Florian Bayer: Es ist der Harlekin. Es ist auch der Schelm und der Verführer. Es geht darum, dass er die ganze Zeit Frauen verführt.
Johannes Franke: Okay, auch ein bisschen problematisch vielleicht.
Florian Bayer: Ja, über diese Aspekte. Oh, da müssen wir auch reden. Über die Erotik und über die Sexualität in Ihren Filmen. Sie hat Carmen gemacht, sie hat Papageno gemacht, sie hat eine ganz krasse Mozart-Phase, wir kommen immer wieder auf Mozart zurück. Sie hat Don Quixote gemacht. Ja. Und zwar für einen Realfilm hat sie Trickfilmsequenzen gemacht, für eine Realverfilmung von Don Quixote.
Johannes Franke: Und da war sie auch fast schon, ach ne. Die Jagd nach dem Glück 1929, da hat sie Co-Regie richtig gehabt. Ja. mit Berthold Bartosz in der Rolle und Jean Renoir.
Florian Bayer: Sie hat mit Jean Renoir gearbeitet.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Und Bertolt Bartosz hat bei diesem Film mitgewirkt. Hier bei unserem? Bei Ahmed.
Johannes Franke: Ah, bei Ahmed. Ah, okay.
Florian Bayer: Der Architekt Bertolt Bartosz. Und dann sind wir irgendwie so in den 30ern und dann, wie gesagt, sie waren keine großen Nazi-Fans, ne?
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht. Sie sind wirklich von 1933 bis 1944, elf Jahre lang in der Gegend rumgereist in Europa und haben versucht, immer so lange wie möglich das Visum auszureizen, damit sie nicht nach Deutschland gehen.
Florian Bayer: Sie wollten nicht zurück. Sie waren keine Juden, sie standen nicht auf irgendwelchen Listen, aber sie hatten sehr viele jüdische Freunde und sie haben einfach erlebt, was da passiert ist in der Zeit. Und einer ihrer Förderer war ja auch ein Jude. Und der hat Gott sei Dank den Schrecken nicht mehr miterlebt, muss man leider in der heutigen Zeit sagen. Der ist 1932 gestorben. Der Bankier, der den Film Achmed auch... Sie kannten sehr viele Juden, sie waren politisch, sie sind nach London, sie sind nach Frankreich, sie sind nach Italien. Sie haben gesagt, wir wollen nichts mit Deutschland zu tun haben. Dann wurde ihre Mutter krank?
Johannes Franke: Ja, ihre Mutter wurde krank und dann mussten sie sich irgendwie kümmern und dann sind sie 44. 44 noch. sind sie wieder zurück und haben auch noch für die Nazis arbeiten müssen. Also sie hat dann wirklich Sachen auch für die Nazis noch animiert und gemacht. Goldene Gans zum Beispiel, solche Sachen. Da waren sie natürlich nicht glücklich mit, aber ja.
Florian Bayer: Nach dem Krieg waren die Märchen ihr Ding und zwar wirklich die Gebrüder Krimmärchen. Sie hat unter anderem Don Röschen und den gestiefelten Kater gemacht. und Brüderchen und Schwesterchen, das ich sehr mag, das ein wirklich schräges Märchen ist, wo der Junge sich in ein Reh verwandelt. Und sind dann aber Ende der 40er Jahre 1949 sind sie nach London gezogen.
Johannes Franke: Ja, und da haben sie in Advertising gearbeitet, was ich auch irgendwie einen spannenden Switch finde, von so Märchen zur Werbung.
Florian Bayer: Hatten sie wohl auch schon einen Zweifelsfall? Also ich habe jetzt nichts gefunden, aber sie hat wohl auch schon mit ihrer Scherenschnitttechnik ganz früh in den 20ern Werbung gemacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie hat aber, sie war einfach, sie war ein Workaholic. Sie hat so viele Sachen gemacht. Sie hat für eine... In England hat sie dann für eine neue Interpretation der Arthussage als Buch die Illustration gemacht.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Sie hat auch farbige Filme dann irgendwann gemacht. In den 70ern hat sie sich noch ganz viel mit Mozart beschäftigt. Krass. Hat verschiedene Umsetzungen gemacht zu Zauberflöte, zu Figaro, zu Don Giovanni.
Johannes Franke: Don Giovanni. Entschuldigung. Diese Mozart-Folge. Und seitdem geht mir das nicht mehr aus dem Kopf.
Florian Bayer: Ich bin auch voll auf dem Mozart-Trip, seitdem wir das gemacht haben. Das waren echt zwei geile Episoden. Die Zauberflöte. den Amadeus. Oh, hab ich viel gelernt in dieser Zeit. Und in den 70ern, Ende der 70er ist sie dann wieder nach Deutschland gezogen. Und wurde da dann auch nochmal ausgezeichnet. 1972 hatte sie das Filmband in Gold gekriegt und 1979 wurde sie mit dem Bundesverdienst. Dienstkreuz ausgezeichnet.
Johannes Franke: Ist das geil. Was für ein geiles Leben.
Florian Bayer: Was für ein geiles Leben. Es gibt eine Reportage vom NDR, glaube ich, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auf jeden Fall aus den 80ern, Anfang der 80er, wo diese alte Dame dann in ihrem Garten sitzt. und interviewt wird und gefragt wird, wie das so war. Und sie zeigt dann so ihre Figuren und was sie gemacht hat. Dann wird sie gefragt... Wie war es denn als Frau? Das war doch bestimmt schwer. Und sie sagt, nein, das war voll leicht. Du musstest einfach nur heulen, dann haben die alles gemacht, was du wolltest.
Johannes Franke: Ah, geil, was für eine Antwort.
Florian Bayer: Und sie ist wirklich so eine putzige, alte Lady in diesen Videos. Das sind so die letzten Aufnahmen von ihr, einen 80. Sie ist kurz darauf gestorben.
Johannes Franke: Ja, mit 82 ist sie 1981 tatsächlich gestorben. Das heißt, es muss wirklich in ihrem letzten Jahr gewesen sein, das Interview.
Florian Bayer: Sie wirkt eigentlich nicht so, als ob sie kurz vorm Tod stünde.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie zeigt dann auch Scherenschnitte, sie schneidet was für die Produktion und sagt nochmal, so mache ich das und so hat diese Kamera funktioniert, über die wir nachher auch noch reden müssen.
Johannes Franke: Ja, ganz viel, ganz viel.
Florian Bayer: Es gibt einen biografischen Roman über sie von Rilke Reiniger.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nur durch Zufall heißt sie so. Sie ist nicht mit ihr verwandt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich habe leider nicht die Zeit gefunden, ihn zu lesen, aber es gibt ein ganz spannendes Interview mit Rilke Reiniger und Ihr Ansatz ist offensichtlich die queere Identität von Lotte Reiniger so ein bisschen hervorzukehren.
Johannes Franke: Ja, das habe ich auch so ein bisschen mitbekommen in der Recherche.
Florian Bayer: Briefe gefunden, die Lotte Reiniger an eine Frau geschrieben hat und zwar an Irma, die spätere Frau von einem Dokumentarfilmer nahm. Und das waren Liebesbriefe.
Johannes Franke: Diese Briefe waren ganz schön schmachtend anscheinend.
Florian Bayer: Ja. Und dann hat Rilke Reiniger gesagt, oh, das ist ja spannend. Was findet man denn noch mehr dazu und hat dann angefangen sich das Filmmaterial von Lotte Reiniger nochmal anzugucken. Und sehr gezielt darauf, was für queere Subtexte haben wir da drin. Und ist unter anderem auch im Prinzen Ahmed fündig geworden. Ja. dass es diese Momente gibt, wo die Frauen sich um einen Mann streiten und dann plötzlich anfangen, was zu machen, was man auch als Liebesspiel untereinander deuten könnte.
Johannes Franke: Mhm. Nicht nur das, es gab auch eine Szene hier in diesem Film, die rausgeschnitten und zensiert wurde, weil sie eben dann doch ein bisschen sehr eindeutig queer war.
Florian Bayer: Ja. Lotte Reiniger offensichtlich hatte eine queere Identität. Ich habe auch sehr Interesse, dieses Buch zu lesen. Also von Rilke Reiniger aus dem Jahre 2026, noch relativ frisch. Und zwar heißt das Buch 24 Bilder pro Sekunde, Lotte Reiniger, Pionierin des Trickfilms. ist, wie gesagt, erst vor ein paar Monaten erschienen. Ich kann keine Leseempfehlung aussprechen, weil ich es noch nicht gelesen habe, aber ich glaube, ich werde das nachholen. Ich bin sehr neugierig und Um das vielleicht noch dazu zu sagen, offensichtlich hatte Lotte Reiniger eine sehr starke Liebe. Die so erzählt nämlich, wenn sie vom Prinzen Acht Ja. von diesem Louis Hagen und sagt, ich hab den Prinzen Ahmed nach ihm gestaltet. Und das war ja auch ein schicker Mann. Da echt schnieke. Und das ist so süß, auch wieder wie diese alte Lady darüber redet. Und ich finde, nachdem ich jetzt den Harlekin gesehen habe, nachdem ich den Prinzen Acht mit noch ein paar andere Filmen gesehen habe, ich glaube, diese Frau hatte eine überwordene Libido und hat die sehr viel ausgesucht. Ausgelebt in ihren Filmen.
Johannes Franke: Also ich muss sagen, schon allein die Wahl des Themas... Ist ja auch ein bisschen telling. Also man merkt es ja. Tausend und eine Nacht, darauf basiert ja das Ganze. Ist... Quasi pornografisch.
Florian Bayer: Es ist purer Sex. Es ist sowas von purer Sex. Und ich find's so geil, dass sie halt nicht eine Geschichte aus 1000 in einer Hand nimmt. Und ich find das wirklich ... Revolutionär auch, weil wenn man an Märchenverfilmungen gerade aus der Zeit denkt, dann denken wir an so Abänderungen des Stoffes, Neuinterpretationen. Ja, das haben wir. Aber so dieses Smash-Up-Ding, mehrere Geschichten zusammenzuwerfen, das finde ich hat schon eine große Originalität.
Johannes Franke: Das ist schon interessant. Ich wüsste gerne, was ihr Gedankengang dahinter war. Ob sie gedacht hat, ja, das ist geil, das ist geil und das ist geil, das packe ich jetzt einfach alles zusammen. Ob das wirklich dieses Smash-Up-Ding war oder wo es herkam in ihrem Kopf, ne?
Florian Bayer: Ja. Sie hat die Märschen als Kind gelesen. Sie sagt, sie kannte die als Kind. Da gab es einen persischen Medizinstudenten, der offensichtlich an ihrer Schule einen Vortrag über seine Heimat gehalten hat. Sie sind Anfang des 20. Jahrhunderts. Orientalismus ist ein großes Ding. Dieses Exotische, dieses ferne Abendland, Alibaba und so weiter. Es gibt so ein Craze darauf. Und das hat bei ihr halt auch voll reingehauen. Und sie und ihre Freundin waren dann so geil. Wir wollen mehr darüber wissen und die haben dann auch angefangen Theater zu machen und die haben Theaterstücke gespielt, die Inszenierungen waren aus diesen Märchen.
Johannes Franke: Ja, also man muss schon, vielleicht hast du das jetzt ein bisschen zu wenig in einem Halbsatz erwähnt, aber... Absolut. Diese Flucht in diese Welt, die da irgendwo da drüben sein soll, wo alles ein bisschen verruchter Das ist so die Vorstellung davon. Und es gibt verschiedene Abhandlungen darüber, warum das problematisch ist und was dahinter steckt und wo das herkommt und so. Und ich finde in meinen Notizen gerade nicht genau die Stelle, aber du kannst vielleicht schon mal anfangen, dann finde ich es.
Florian Bayer: Wir müssen dann über Tausend und eine Nacht generell reden, weil ich glaube, Dieser Exotismus, das Interessante ist, der ist auch schon in den Geschichten von Tausend und einer Nacht angelegt. Total. Und zwar nicht erst... als das Ding nach Europa kommt, nämlich noch früher. Und um dann wirklich jetzt einen sehr weiten Bogen zurückzumachen, wir haben ja am Anfang, auf Arabisch gesungen, unser Happy Birthday für Prinz Ahmed. Eigentlich hätten wir es auf Persich singen müssen. Vielleicht hätten wir es auch auf Indisch singen müssen und um ganz ehrlich zu sein, wahrscheinlich hätten wir es am ehesten auf Französisch singen müssen.
Johannes Franke: Was? Französisch?
Florian Bayer: Nein. Und damit kommen wir zum Ursprung von Geschichten aus Tausend und einer Nacht, Frankreich. Um da hinzukommen, müssen wir trotzdem nochmal ein Stück zurückspringen. Mittlerweile ist man sich ziemlich sicher, es gibt immer noch Debatten darüber, aber mittlerweile ist man sich ziemlich sicher, dass das Ding, die Geschichten... Aus dem indischen Raum kommen. Gibt es diese Motive?
Johannes Franke: Ja. Man sagt ungefähr um 250 nach Christus. Und das Ganze ordnet man deswegen so zu, weil das Strukturprinzip der Rahmengeschichte und einige dieser Tierfabeln, die da drin sind, sehr stark in den indischen Raum zu verorten sind für die Zeit.
Florian Bayer: Es ist nicht unumstritten? Aber es ist schon, man findet diese Motive einfach und manche sagen, nein, nein, nein, das Ding fängt in Persien an, die waren inspiriert davon. Andere sagen, nein, nein, da steckt viel mehr Indien drin, als ihr denkt. Es gibt wohl um 250 Jahre später, so ums Jahr 500 nach Christus, haben wir irgendwie so Übertragungen von einzelnen Geschichten und wohlgemerkt, wir sind ja bei einzelnen Geschichten, das ist ganz wichtig, um zu verstehen, wie diese Sammlung funktioniert, ins Persische. Und das heißt, wir sind in einer Zeit vor dem Islam. Das ist ganz entscheidend für das, was später passiert. Wir sind in einer Zeit, als Mohammed noch nicht existiert hat, der Islam, den haben wir ja irgendwie so, jetzt lass mich nichts Falsches sagen, im frühen 7. Jahrhundert, also ein bisschen daraus. Zeit darauf. Und der Islam ist verantwortlich wiederum, dass das Ganze Ding vom Persischen ins Arabisch übersetzt wurde. Das heißt, wir haben Indisch-Persisch-Arabisch. Und das ist irgendwann im Acht. Jahrhundert passiert, als der Islam noch sehr frisch und sehr jung war.
Johannes Franke: Man muss einfach einmal kurz dazu sagen, das ursprüngliche Werk existiert einfach nicht. Also wir wissen einfach nicht, wo genau das angefangen hat. Es gibt viele Versionen davon. Die Rahmengeschichte, nur um das einmal kurz zu sagen. Es geht um Sherazade, die bei einem König wohnt, in Anführungsstrichen. Also sie ist die Geliebte dieses Königs. Und dieser König hat schlechte Erfahrungen gemacht mit seinen Frauen.
Florian Bayer: Er hasst Frauen.
Johannes Franke: Und er ist irgendwann dazu übergegangen, weil die Frauen ihn immer irgendwie betrogen haben oder er irgendwie das Gefühl hatte, dass das irgendwie blöd ist, alles. seine Frauen umzubringen nach der ersten Nacht. Ja. Weil er nicht ertragen konnte, dass die danach ein eigenes Leben haben.
Florian Bayer: Ja. Der Hass rührt daher, natürlich sind die Frauen schuld, dass er betrogen wurde von seiner Frau. Und daraufhin hat er gesagt, okay, die köpfe ich jetzt. Ab sofort nur noch Jungfrauen, eine Nacht, dann ist Schluss und ab. Kopf ab.
Johannes Franke: Wie bescheuert. Naja, und Scheherazade weiß das und denkt sich, okay, ich mach jetzt die erste Nacht mit, aber irgendwie muss ich ja rauszögern und es irgendwie hinkriegen, dass er mich nicht umbringt. Also fängt sie an zu erzählen. Ich hab da eine Geschichte für dich. Und dann kommt die Erfindung des Cliffhangers ins Spiel. Sherazade ist verantwortlich für den Cliffhanger. Sie sagt dann am Ende, ach und wie es weitergeht jetzt, ob der jetzt stirbt oder nicht, das erfährst du morgen. Und der König so, oh fuck, fuck. Ich will aber auch wissen, wie es weitergeht. Ich kann die Frau jetzt nicht umbringen. Was mache ich denn jetzt?
Florian Bayer: Und wenn wir uns die Serienlandschaft unserer Zeit anschauen, es hat sich nichts geändert. Die Produzenten oder die Regisseure von aktuellen Serien machen ihre Cliffhanger, damit sie nicht abhängen. abgesetzt werden, damit sie nicht den Kopf kürzer gemacht werden. Es geht ums pure Überleben.
Johannes Franke: Oh, ist das schön. Ja, und so kämpft sie wirklich Nacht für Nacht um ihr Überleben und sagt... wir haben hier die Geschichte, die ist jetzt so halb zu Ende, aber ich fange schon mal den nächsten an und damit entsteht so eine Schachtelgeschichte. Eine Schachtel nach der anderen wird aufgemacht, Geschichte in der Geschichte in der Geschichte, sodass sie sozusagen, ohne dass der König das merkt. in den nächsten Cliffhanger hineingehen kann, ohne dass er sagen kann, ja jetzt ist aber die Geschichte langsam vorbei. und sie immer wieder eine neue Geschichte anfängt und er dann jedes Mal sagt, na gut, okay, ich verschone dich noch eine Nacht, morgen erzähl mal weiter. Und deswegen heißt das Ganze auch Tausend und eine Nacht, weil man irgendwie suggerieren will, dass sie nach Tausend und einer Nacht... vom König begnadigt wird, der dann sagt, okay, du hast es irgendwie geschafft, mein Herz ist erweicht, ich bring dich nicht um.
Florian Bayer: Wohlgemerkt, in diesen ersten arabischen Fassungen haben wir keine tausend und eine Geschichten, sondern irgendwas um die 280. Und auch ganz spannend, wir würden das heute kulturelle Aneignung nennen. Das Ding wird nicht nur vom Persischen in das Arabisch übersetzt, das wird auch hart islamisiert. Das kriegt ganz viele Sachen aus der islamischen Mythologie, aus dem islamischen Brauchtum. Die Araber machen das, was die... Was wir heutzutage auch mit solchen Werken machen, sie passen das an ihren Kulturraum an. Sie nehmen sich das Indische oder das Persische und sagen, das gehört jetzt uns und das ist unsere Version davon.
Johannes Franke: Übrigens, möchtest du Tepler?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte. Wo wir schon im arabischen Raum sind jetzt. Aber wichtig ist zu verstehen, Zum einen, das ist unvollständig, das sind Fragmente, das sind keine 1001 Geschichten. Und zum Zweiten, wir wissen nicht, wie der Urtext aussieht. Es gibt den Urtext nicht. Es wird so nach und nach ... im Arabischen dann weitergeführt. Und dann kommt es, warum ich gesagt habe, dass das Ding eigentlich auf Französisch gesungen werden musste. Im Jahre 1704 veröffentlicht ein Franzose namens Antoine Galland diese Dinger, die er zusammen gefunden hat. und das sind so 283, glaube ich, publiziert das auf Französisch. Er übersetzt das ins Französische. Er bringt das nach Europa. Und da beginnt das, was wir heutzutage als Orientalismus bezeichnen, nämlich die Faszination der Europäer für diesen exotischen arabischen Raum.
Johannes Franke: Was für die Zeit noch mehr verständlich ist, weil wir waren noch nicht in so einer globalisierten Welt und wir konnten auch noch nicht... anderen Kulturen so sehr schaden damit, dass wir das übertragen haben. Also diese kulturelle Aneignung, die du angesprochen hast, war vielleicht damals nicht so schlimm, wie wir das... heute waren.
Florian Bayer: Nein, ich finde es vor allem spannend, weil diese kulturelle Aneignung ja schon vorher stattgefunden hat zum einen. Wie gesagt, die Das, was wir als arabischen Text da kennen, ist auch nicht der Urtext und weit weg vom Urtext. Und der Exotismus hat da auch stattgefunden. In ganz vielen Märchen aus Tausend und einer Nacht spielt China eine Rolle. Warum China? Weil China der exotische Raum für die Araber war. Das war so weit weg und man hatte so ein bisschen Handelsbeziehungen mit ihnen und dann gab es Geschichten von einem großen Kaiser, von einer großen Mauer. Von irgendwelchen Kriegern, die besonders exotisch angezogen waren. Die Geschichten aus Tausenden einer Nacht haben ihren eigenen exotischen Sehnsuchtsort und der liegt noch ein Stück weiter im Osten.
Johannes Franke: Das ist krass. Also ich glaube auch, dass jeder, der vielleicht dann an diesen Geschichten rumgefeilt hat, weil wir nun wirklich nicht wissen, wo es genau herkommt und es wahrscheinlich einfach... aus jedem Kulturraum mal jemand was reingeworfen hat, sodass Exotismen aus verschiedenen Ländern übertragen. über verschiedene andere Länder existieren. Was ich interessant finde.
Florian Bayer: Und dann kommen wir zu Antoine Gallon, der diese 283 Geschichten nimmt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann sagen die Leute, das ist total geil, wir wollen mehr davon. Da steht tausend in der Nacht, du hast uns mehr versprochen, wo sind die anderen Geschichten? Und dann kommen wir zu der berühmten Frage. Welche Geschichten kennst du oder kanntest du aus Tausend und einer Nacht? Ich kann sie an einer Hand abzählen.
Johannes Franke: Ich auch absolut. Aladin.
Florian Bayer: Aladin? Alibaba und die 40 Räuber.
Johannes Franke: Richtig, ja.
Florian Bayer: Und das dritte Bekannte ist noch...
Johannes Franke: Da musst du schon nachdenken.
Florian Bayer: Da muss ich schon nachdenken. Das Geile ist die Geschichten. Die wir kennen, die sind kein Teil von Tausenden einer Nacht. Die sind von Antoine Galland. Beziehungsweise von einem Syrer, mit dem er befreundet war. Ja. der ihm andere Geschichten erzählt hat, die bekanntesten Geschichten aus Tausend und Einer Nacht... Stammen weder aus Persien, noch aus Indien, noch aus dem arabischen Original. Sie sind vom Franzosen dazu gedichtet. Geil, oder?
Johannes Franke: Ich find's krass. Es ist so brutal. Also ich finde, dass es fast ein bisschen legit ist, das zu machen, weil die das sowieso hin und her gereicht haben. Da ist sowieso, jede Kultur hat sein eigenes Ding dazu geworfen. Warum soll der Franzose das nicht auch machen? Wobei der Franzose natürlich nicht aus die eigenen Geschichten nimmt, sondern eine fake arabische Geschichte oder was auch immer. Also es ist schon so ein bisschen unser Blick auf diese Welt, die auch verklärt ist und die überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat. Und es wird ja dann immer schlimmer mit der Zeit, weil seine Schriften ja dann auch übersetzt werden in andere Länder und dann alle wieder anfangen drin rum zu pfuschen.
Florian Bayer: Vor allem werden sie wieder ins Arabisch übersetzt werden. Und dann gibt es arabische Texte, die sagen, wir sind der Originaltext Tausende und eine Nacht und da ist dann Aladdin und Alibaba drin. Die haben das zurückübersetzt, weil das das Erfolgreiche war und plötzlich war das Kanon. Ist das geil. Ich find's total irre. Es gibt sehr lange Abhandlungen darüber, dass ausgerechnet Aladin und Alibaba, die Dinger, die der Franzose dazu gedichtet hat, dass das die berühmtesten Geschichten sind, die bei uns in Europa am meisten rezipiert werden.
Johannes Franke: Aber das liegt an Disney.
Florian Bayer: Ja, nicht nur Alibaba hat Disney nicht verfilmt.
Johannes Franke: Nein, aber Aladin auf jeden Fall und Alibaba und die 40 Räuber, tja, wo kommt das hin? Warum ist das so bekannt?
Florian Bayer: Ja, Disney hat Aladdin verfilmt, weil es so bekannt war. Weil Aladdin wurde ja schon in den 50ern verfilmt. Sind Badis das dritte? Sind Badis? Sindbad, Aladin, Alibaba. Das sind die drei Geschichten aus Tausend einer Nacht, die ich kenne. Und das sind die drei Europäischen. Das sind die Dazugedichteten. Und es gibt einfach Gründe. Und die Gründe liegen einfach in unserer Kultur. Die sind angepasst an unseren Kulturkreis, an unsere Lesegewohnheiten und an unsere Vorstellungen davon, wie der Raum aussieht. An unsere Vorstellung, wie der Raum aussieht, aber auch in unsere Vorstellung davon, wie gute Dramaturgie aussieht. Weil, wenn wir uns die Originalgeschichten anschauen und ich habe mir ein paar von von den Geschichten angeschaut, die man hier nicht so kennt. Die Geschichten aus Tausenden einer Nacht kann man alle online lesen, in verschiedenen Varianten und Übersetzungen. Das ist some weird shit. Die Geschichten aus Tausend einer Nacht, die Originalgeschichten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist crazy. Ja. Es ist wirklich schräg und es ist wirklich auch gewöhnungsbedürftig und es ist nicht das, was man Ehezulande als Märchen für Kinder definieren würde.
Johannes Franke: Es ist auch wirklich nicht für Kinder. Also das muss man einfach von Anfang an wissen. Das ist auch gleich das Erste, was mir... ...entgegengeworfen wurde, als ich angefangen habe, darüber zu lesen. Das sind keine Kindergeschichten. Das ist Pornografie ganz viel... Das ist viel Mord und Totschlag. Das sind einfach alle Genres, die es so gibt. Das sind teilweise manchmal nur Gedichte, das sind Fabeln, das sind religiöse Legenden. Das sind Komödien, Tragödien, Anekdoten und historische Fakten tatsächlich. Es gibt historische Figuren, die in diesen Geschichten auftauchen. Ob das jetzt Fakten sind oder nicht, ist eine andere Nummer, aber es sind historische Figuren dabei.
Florian Bayer: Und Lotte Reiniger hat sich von drei Geschichten vor allem inspirieren lassen. Das erste ist dem Namen nach relativ leicht zu erkennen, Prinz Ahmed und die Fee Peribanu. Das zweite ist Aladdin und die Wunderlampe.
Johannes Franke: Und das Ebenholzpferd als drittes.
Florian Bayer: Das Zauberpferd oder Ebenholzpferd, je nachdem auf welche Übersetzung man schaut. 355, 346 und 103, wenn wir nach der... Ich habe es irgendwo aufgeschrieben. Es gibt so eine Nummerierung aus irgendeiner Enzyklopädie. Wenn wir nach der gehen, sind es diese Nummern. Muss man sich aber nicht merken. Was ich empfehlen kann, ist zum einen einen Podcast zu hören. Und zwar gibt es vom Podcast, worum geht es denn da? Das ist ein Literaturpodcast. Gibt jetzt eine sehr schöne Folge zu Tausend in einer Nacht. Die geht ungefähr so anderthalb Stunden, die Episode. Und da reden sie sehr lange darüber, über einzelne Geschichten und was daran faszinierend ist und was daran anders ist, als wir es kennen. Absolut hörenswert. Und vom Podcast Historia Universalis gibt es eine Episode zu Tausend einer Nacht, vor allem interessant, wenn ihr an den Hintergründen, vor allem an den philosophischen Hintergründen interessiert seid, Kann ich beides nur empfehlen, hört euch das an. Da lernt man schon sehr viel über die Zeit und über das Ding, wie es entstanden ist und darüber, wie diese Texte darin funktionieren.
Johannes Franke: Ja. Und jetzt sind wir quasi wieder in der Zeit von Lotte. Lotte Reiniger, die das Ganze irgendwie auf den Tisch bekommen hat. Sie musste nicht suchen. Es gab das en masse. Es gab einen richtigen Crave von den Leuten nach diesen Geschichten. Das liegt vielleicht so ein bisschen auch daran, dass man gerade einen Krieg verloren hat und dass man keine Lust hat, sich mit Realität zu beschäftigen. Solche Sachen. Und es gab so eine Neuauflage von orientalischen Märchen, Arabische Nächte von Hans Bethke. Und Else Lasker-Schüler hat auch orientalische Lithographien und ein Gedichtband und sowas, ne? Else Lasker-Schüler hat sehr viel über Perser-Teppiche geschrieben. Also kennt man vielleicht auch, weil das auch im Schulstoff ist und so. Also insofern, das war damals total in und vielleicht auch, kann ich mir vorstellen, wegen der Pornografie, die da drin steckt.
Florian Bayer: Natürlich ist es eine Möglichkeit, Erotik als Stück Kultur und als Stück Kunst zu verkaufen. Ich nenne es nicht Pornografie. Ich verstehe deinen Take darauf, dass es Pornografie ist. Ich finde, Pornografie ist ziemlich hart. Aber ja, es gibt sehr viel Nacktheit. Es gibt sehr viel Sex und es gibt sehr viel angedeuteten Sex in diesen Geschichten und eine sehr große Bewunderung des menschlichen, vor allem des weiblichen Körpers.
Johannes Franke: Ich würde schon Pornografie dazu sagen, es hat aber auch was mit der Zeit zu tun. Damals, glaube ich, war die Schwelle, dass man es Pornografie genannt hat, einfach viel, viel tiefer und sehr viel früher erreicht.
Florian Bayer: Springen wir mal rein, was hier passiert. Und wir versuchen immer, wenn die Momente kommen, wo wir sagen, da haben wir ein Märchen aus Tausendeiner Nacht. Gehen wir kurz darauf ein. Und wir beginnen damit, was ich echt eine super süße Idee finde. Vor allem in so einem Film... der halt diese Figuren hat, die kein Gesicht haben, die keine Mimik haben. Um zu erkennen, wer welche Figur ist, werden am Anfang in pulsierenden Bildern... Die wichtigsten Figuren dieses Films einmal kurz gezeigt, damit wir ihre Silhouetten sehen.
Johannes Franke: Ich find's total süß, einfach den Cast einmal vorzustellen. Das ist wie, als wenn du in die Oper gehst und so ein Heft in die Hand bekommst, wo alle Schauspieler und alle handelnden Figuren einmal aufgelistet sind. Sodass du der Opa irgendwie folgen kannst, weil der Text doch manchmal schwer zu verstehen ist und so. Und es ist geil.
Florian Bayer: Absolut und jede Figur hat auch wirklich ihr sehr spezifisches Erscheinen und Aussehen. Das heißt, man sieht einmal diese Kontur und man verwechselt die im Laufe der Handlung nicht mehr miteinander. Wir haben den Zauberer, der so sehr hager ist und der einen sehr... ausgewachsenes, langes Kinn hat und sehr knochige Finger.
Johannes Franke: Ja, über den Stereotyp reden wir noch.
Florian Bayer: Ja, müssen wir. Wir haben die Nazade, die Königstochter, die sehr wallende Gewände hat.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Wir haben Prinz Ahmed auf seinem Pferd, vor allem mit seinem stolzen Federhut, der einfach ähnlich prächtig ist wie seine Schwester. Wir haben Paribanu, die einfach gar nichts anhat.
Johannes Franke: Es ist dein Frauenkörper.
Florian Bayer: Wir haben Aladin, einen hageren Mann mit einfacher Kleidung, ein Schneiders Sohn. Und wir haben die Hexe, die so wilde, fast so ein Federkleid hat.
Johannes Franke: Ja, auch über dieses Stereotyp müssen wir reden.
Florian Bayer: Müssen wir, ja.
Johannes Franke: Die Figuren sind auf jeden Fall erstmal vorgestellt und man hat so das Gefühl, okay, ich hab Vertrauen in dich, Film, du schaffst das, du kriegst das, mich dadurch zu manövrieren. Und man hat dann durchaus ab und zu mal so Stellen, wo man so denkt, ah... komme ich da noch richtig mit und so und ist es das und es ist ein bisschen verworren. Weil sie auch darauf besteht, diese Schachteldynamik, die dieses Buch hat, mitzuhören. Indem sie Geschichten verschachtelt ineinander.
Florian Bayer: So toll.
Johannes Franke: Also ich find's krass und ich find's geil so. Aber es verwirrt mich schon auch.
Florian Bayer: Es kann verwirren. Wir haben hier eine große Schachtel. Es ist nicht so... Es ist nicht so schlimm wie in Tausend einer Nacht. Es sind nicht Schachteln, Schachteln, Schachteln. Aber wir haben in der Mitte eine große Schachtel, wenn Aladin Prinz Ahmed seine Geschichte erzählt, wie er... in diese Situation geraten ist, dass er gegen diesen deformierten Elefanten kämpfen musste.
Johannes Franke: Wobei ich eben tatsächlich nicht ganz verstanden habe, in welcher Zeit das dann wirklich spielt, ob das in der Zeit passiert ist, während der Prinz weg war. Oder was da passiert ist.
Florian Bayer: Ich auch nicht. Und dieser Kreis schließt sich aber, wenn dann der Prinz sagt, Moment, das ist meine Schwester, das ist mein Vater. Genau. weil sonst könnte ich mich an dich und dann diese ganzen Sachen erinnern.
Johannes Franke: Richtig, genau. Aber das ist eine Verwirrung, die auch schwer ist, mit einer Title Card zu lösen.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Muss man sagen, ne? Ja. Wenn die sich jetzt ganz normal dialogmäßig unterhalten könnten darüber, dann würde ich dem besser folgen können, aber durch ein Title Card
Florian Bayer: Ich bin ganz bei dir. Also diese Verschärtelung sorgt für eine Verwirrung in der Mitte? Ja. Vor allem, wir denken, ah Moment, das ist doch die Nazare. Wir sind doch plötzlich wieder bei Ahmed. warum kennt Ahmed den nicht?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann wird es aber, finde ich, so aufgelöst, dass du sagst, ah, und jetzt bin ich wieder orientiert und jetzt können wir weitermachen. Weil die Geschichte von Aladin halt wirklich so sauber endet. Und dann griff mich dieses Monster an und das war der Moment, wo du mich gefunden hast.
Johannes Franke: Okay. Ja, das hilft. Aber es war erst mal so, hä, was? Aber da sind wir ja gar nicht.
Florian Bayer: Nee, wir kommen zur ersten Geschichte. Wir kommen zum Zauberer. der das Pferd beschwört und zwar aus einer Comicfigur. Ich war voll irritiert, als der Zauberer Das heißt, der Zauberer mit seiner großen Macht beschwört ein Pferd und dann sehen wir ihn erst diese Figuren. Entwerfen, wo wir denken, Moment, das sieht echt albern aus. Oh mein Gott, was wird das? Gott sei Dank wird es ein ethisches Ross.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Es ist der mächtige afrikanische Zauber. Der mächtige afrikanische Zauber. Das möchten wir nicht unter den Teppich kehren.
Florian Bayer: Den nächsten exotischen Raum, den wir auch in der Vorlage finden. Tausend und eine Nacht. Wie gesagt, China, Afrika sind die exotischen Räume. Und wir haben die erste Geschichte, auf die Bezug genommen wird, nämlich auf das Ebenholz, beziehungsweise auf das Zauberpferd.
Johannes Franke: Genau. Dieses Zauberpferd bringt er zum Kalifen und der darf einmal sagen, oh, das ist ja ein tolles Pferd, das möchte ich. gerne haben. Hier, wie viel Gold möchtest du? Und der Zauberer sagt, ich möchte kein Gold. Und wir wissen als Zuschauer sofort, jo, der will die Frau.
Florian Bayer: Ja, der will die Tochter. Die Nasade. Und Er nähert sich hier auch auf sehr unangenehme Weise. Und Prinz Ahmed kann das natürlich nicht ertragen, wie seine Schwester bedrängt wird und springt dazwischen.
Johannes Franke: Ja, aber der Zauberer ist listig, wie das afrikanische Männer so an sich haben. Um mal den Rassismus da ein bisschen durchklingen zu lassen. Und er kann ihn zu diesem Pferd locken. Und der ist natürlich total begeistert von diesem Pferd, setzt sich da einmal drauf und fliegt davon.
Florian Bayer: Ja, und es ist so ein schöner Moment. Es gibt einige schöne Momente in diesem Film, einige Momente, wo ich wirklich lachen musste. Der zweite Akt beginnt nämlich tatsächlich auch ganz klassisch wie Tausend und eine Nacht. Er beginnt quasi danach. Also es gibt auch immer so diese Cliffhanger. Der zweite Akt beginnt, wie der Prinz in der Luft ist und der König fragt, wie kann man das Pferd runterbringen. Und der Zauberer macht das Geilste an. Achselzucken, das man sich vorstellen kann.
Johannes Franke: Ich hab Schock-Emoji aufgeschrieben. Ich find, das ist ein
Florian Bayer: Achselzucken.
Johannes Franke: Es ist so groß.
Florian Bayer: Ja, ja, großartig. Das ist ein Meme. Ja, absolut. Er sieht so... Ich? Keine Ahnung. Was soll ich das wissen?
Johannes Franke: Miller Wurscht. Aber er zählt das, ne? Er erzählt dann, ja, da muss da hinten an dem Arsch des Pferdes da irgendwas... Pull the lever! Ja. Da muss er irgendwas umlegen und dann geht das Ding wieder runter. Aber das braucht natürlich eine ganze Weile, bis der Prinz das rausfindet.
Florian Bayer: Ja. Das Geile ist, wir haben dann wirklich eine wirklich fantastische Szene, wie der Prinz durch die Wolken fliegt und wir haben eben nicht nur diese schwarze Schattierung des Prinzen vor einem blauen Hintergrund. sondern wir haben wirklich so halbtransparente Wolken.
Johannes Franke: Das haben wir auch von Anfang an, während die Figuren schon vorgestellt werden. ist da eine Grafik drin, die ich nicht verstehe als Zuschauer. Ich habe jetzt rausgefunden, wie es geht, aber wenn ich mir das anschaue, denke ich, wow, Was haben die denn da gemacht, damit das so geil organisch aussieht und so geil irgendwie, so gar nicht nach Scherenschnitt, sondern der Kontrast dazu zum Scherenschnitt, zu diesen klaren Kanten? ist dieses, was sie dann tatsächlich mit Seife und mit Zeug gemacht haben. Der Typ, der das erfunden hat, das mit der Seife machen zu wollen, der war so begeistert davon, dass er bei jeder Gelegenheit gesagt hat, Leute, ihr wisst gar nicht, was man mit Seife alles machen kann. Ja. Das ist super. Die großen Special Effects der 20er Jahre. Krass, Mann. Und so sieht das aus. Also sieht wirklich beeindruckend aus. Wie man das mit Seife hinkriegt, Alter.
Florian Bayer: Es sieht total cool aus. Es hat einfach sowas Lebendiges und es bringt im wahrsten Sinne des Wortes so eine zusätzliche Schicht rein und diese verschiedenen Schichten Das ist ja auch so ein ganz großes Ding bei der Produktion dieses Films gewesen.
Johannes Franke: Ja, wollen wir in die Technik reingehen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Oh, Plur, die Technik. Ich bin ja so ein bisschen der Technik-Affine von uns beiden, was das betrifft.
Florian Bayer: Du musst mir jetzt erklären, wie eine Multiplan-Kamera funktioniert.
Johannes Franke: Kein Problem. Guck einfach Walt Disney an, wie der das erklärt für Schneewittchen. Zehn Jahre oder eigentlich über zehn Jahre, bevor Disney damit angekommen ist, sich überlegt... Wie sie das hinkriegt, diese Fotos so zu machen von den Scherenschnittdingern, die sie da gemacht hat. Und den Hintergründen, dass die getrennt voneinander auch gemacht werden können. Als sie die Möglichkeit hatte eben das Geld auszugeben, hat sie im Grunde eine sehr einfache Einkaufsliste gegeben. So ein bisschen Holz, um so einen Tisch stabil bauen zu können. Ein paar Glasplatten... Eine Schere, ein scharfes Messer, ein bisschen schwarze Pappe, etwas Pauspapier, etwas Blei, etwas Draht, eine Kamera braucht man vielleicht auch noch und exakt fünf Glühbirnen. Fünf Glühbirnen. Das war ihre Einkaufsliste. Großartig. Das ist total süß, weil es klingt tatsächlich erstmal nicht viel, muss ich sagen. Das habe ich alles zu Hause. Kann ich alles im Grunde?
Florian Bayer: Könntest du so ein Ding bauen?
Johannes Franke: Ich könnte sofort anfangen. Und ihre Bestellliste wurde auch... angenommen von unserem Mäzen, das müssen wir auch nachher noch erzählen, wer das war und was der gemacht hat. Und dann hat sie einen Tisch gebaut, der mehrere Glasplatten mit Lücken zwischen den Glasplatten übereinander gebaut hat. sodass sie auf die verschiedenen Ebenen, die durch die Glasplatten entstanden sind, ihre... ihre Hintergründe, ihre Scherenschnitte, das mit der Seife und so weiter, auf verschiedenen Ebenen legen konnte und hat sie die Kamera von oben... aus der Vogelperspektive im Grunde, auf diese Glasplatte rauf filmen lassen. Sodass man die verschiedenen Ebenen übereinander liegend gesehen hat und das hat sie abfotografiert.
Florian Bayer: Mit dem Ergebnis? dass du eine richtig krasse Tiefe hast in diesem Bild. Und ihr Videospiel-Nerds da draußen, die uns hört, ihr kennt das Konzept unter dem Begriff Parallax Crawling. Ja. Wenn ihr ein moderneres 2D-Jump'n'Run spielt, dann seht ihr, dass der Hintergrund sich mit einer anderen Geschwindigkeit bewegt als der Vordergrund und als die Figur und dadurch entsteht ein Geschwindigkeit. Gefühl von Tiefe, weil das, was weiter weg ist, bewegt sich mit einer anderen Geschwindigkeit an dir vorbei, wie das, was näher dran ist. Das war jetzt auch möglich mit diesen 2D-Zeichnungen.
Johannes Franke: Wobei sie das in diesem Film gar nicht so viel gemacht hat.
Florian Bayer: In diesem Film hat sie es nicht so viel gemacht.
Johannes Franke: Das hat dann Disney ganz stark dann übernommen.
Florian Bayer: Disney hat das viel stärker gemacht und Disney wird auch immer gelobt für diese Multiplan-Kamera oder für diese Mehrfachebenen-Kamera. Lotte Reiniger hat es erfunden. Tatsächlich, sie ist verantwortlich, zusammen mit Karl Koch. Der wohl auch so der Techniker dahinter war. Aber unter Disney wurde das Ding ganz viel weiterentwickelt. Vor allem auch was so Tiefenschärfen betrifft, dass du plötzlich anfängst. konntest, Effekte zu machen in Zeichentrickfilmen, wo du Schärfeverlagerungen hast.
Johannes Franke: Ja, und auch die Bewegungen der einzelnen Ebenen und so, dass die sich unabhängig voneinander bewegen konnten. Das waren also alles Disney-Weiterentwicklungen. Das ist ein bisschen schade, dass so jemand, der das weiterentwickelt und bekannter ist, als derjenige gilt, der es erfindet. Aber sie hat das wirklich auch sehr pragmatisch angegangen. Sie wollte natürlich die Scherenschnittfiguren... unabhängig vom Hintergrund aufnehmen können, damit der Hintergrund nicht immer wieder neu platziert werden muss und das alles gegenseitig sich so sehr beeinflusst. Du siehst oft, wenn du da in dem Film einen Baum hast oder sowas und dann sind die Figuren quasi im Baum, aber der Baum bewegt sich nicht. Du müsstest das, wenn du das alles auf einen Tisch legen würdest, auf eine Fläche, müsstest du den Baum die ganze Zeit verzweifelt festhalten, damit du das weiterlegen kannst, was drüber ist. Aber das kann einfach eine Ebene weiter runter oder eben weiter drüber und schon ist gut.
Florian Bayer: Was für eine Fummelarbeit. So viel leichter und sie hat die Figuren auch tatsächlich so gebaut, also sie hat die aus Pappe geschnitten und sie hat denen die Gelenke dran gemacht und sie hat die mit Blei befestigt. Sie sagt, damit die auch schwer waren, damit die nicht einfach so verrutscht sind, dass man an dem Bild arbeiten konnte, weil, wie gesagt, so ein Film, der hatte jetzt 16 Frames per Second. den Film, den sie da gemacht hat. Das war vorm Tonfilm, Tonfilm dann später 24. Sie musste die Figuren halt oft bewegen, wie gesagt, 16 Bilder pro Sekunde. ohne dass sich zu viel verändert, dass es zu wackelig, zu zittrig wirkt. Und dann hat sie genau aus Pappe und Blei die Figuren gemacht. Die hatten bewegliche Gliedmaßen und so. Und dann konnte sie die ganz viel, wie sie wollte, so vorsichtig pöpö bewegen.
Johannes Franke: Und sie hat das Ganze von unten beleuchtet. Ja.
Florian Bayer: Voll draufgeknallt.
Johannes Franke: Das ist ein wahnsinnig wichtiges Ding. Wenn sie es von oben beleuchtet hätte, von Seite der Kamera... dann würden wir viel mehr sehen, was sie da noch rangefummelt hat. Die ganzen Klebestreifen, die sie noch reingemacht hat, die ganzen Scharniere, die sie an den Figuren dran hat, die sind von oben... Eigentlich zu sehen, aber wenn du das Ganze von unten beleuchtest, also der Hintergrund sozusagen das Licht stärker gibt, dann entsteht eben diese Schattenästhetik.
Florian Bayer: Ja. Aus diesem Reportagefilm vom, ah ne, das ist ein zweiter Reportagefilm, das ist eine zweite Reportage, die ich gesehen habe vom BBC, glaube ich, also englisch. Da wird gezeigt, wie sie so ein paar Filme legt. Und dann erklärt sie halt auch, wie man das macht und dann nimmt sie auch die Figuren auseinander. Zum Beispiel, wenn sich ein Kopf drehen muss, dann wird er halt abgenommen und wird einmal tatsächlich umgedreht. Aber es ist unglaublich, wie viele Bewegungsmöglichkeiten sie damit in diesen Figuren hat. Und dadurch entsteht halt diese spezifische Ästhetik mit den harten Kontrasten. Du hast einfach vor allem schwarz vor hell beleuchtetem Hintergrund. Es ist schwarz-weiß.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und das krasse ist, du sagst schwarz-weiß, aber dadurch, dass sie im Nachhinein ja eingefärbt haben, sodass man dann wirklich im Licht... rot oder gelb oder so, alle möglichen Farben haben, wirkt das für mich, muss ich sagen, wie ein richtiger Farbfilm.
Florian Bayer: Es hat sehr viel Farbe, ne? Ja, und es sind nur die Hintergründe und sie haben vier, fünf Farbkonzepte, sie haben grün, sie haben rot, sie haben gelb, sie haben blau. Das ist es eigentlich, die vier. Und sie setzen die Farben aber sehr gezielt ein. Also zum Beispiel am Anfang, wenn der Zauberer zum Kalifen kommt. Und dann ist alles gelb, so dieses Fest des Kalifen, wo das Pferd verschenkt wird und dann als der Prinz in Wakwak landet, wechselt zu Rot und Blau und die Gefahr ist so ein bisschen rot, wenn er von den Dienerinnen von Paribano belästigt werden, weil er dann geflohen ist in die Natur, wird es blau. Also sie arbeiten schon sehr gezielt mit Farben, die passen.
Johannes Franke: Ja, ja, total. Also gerade das Rot haut natürlich volle Kanne rein. Absolut, das ist ja wirklich eine krasse Szene. Da wird einem Angst und Bangen manchmal.
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag ohne Geld und Feedback gerne an johannes. muss man sehen.de und Florian at muss man sehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über Jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total hilft, Wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super.
Johannes Franke: Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Es bleibt halt auch so obskur. Er landet in Wakwak. Wir wissen nicht genau, was das ist, aber das ist das zweite große Märchen, das hier reingebaut wird und zwar die Abenteuer des Prinzen Ahmed. Prinz Ahmed und die Fee Peribanu, heißt es im Originaltext.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er landet da ... Und das Erste, was passiert ist, er landet in einem Ort, den man am ehesten für einen Harem hält. Es sind sehr viele junge Frauen da. Und die sehen ihn.
Johannes Franke: Und die türzen sich auf ihn.
Florian Bayer: Bleib bei uns, lass uns feiern. Und dann fangen die aber an, sich zu bekriegen gegenseitig.
Johannes Franke: Nein, der gehört mir. Nein, der gehört mir. Meine Fresse. Und ich habe gedacht, du bist doch... doch eine weibliche Regisseurin. Warum musst du hier die Fantasie eines Mannes wiederkäuen? Was ist los?
Florian Bayer: Und das ist das, was Rilke Reiniger sagt? Die streiten nicht einfach nur, sondern die veranstalten in diesem Streit ihr eigenes Liebesspiel. Und dieses Begehren, das sie für den Prinzen haben. haben, wird zu einem Begehren aufeinander. Die haben nämlich plötzlich gar kein Interesse mehr am Prinzen, sondern nur noch an sich selbst. Die verlieren den komplett aus dem Auge, sonst könnte er ja nicht fliehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Man hat auch so das Gefühl, dass die sowieso da ihre eigene Party feiern, ne? Also eine sehr homosexuelle Party feiern.
Florian Bayer: Es ist kein Harem, der von einem Mann geführt wird. Nein, nein. Das Ding gehört einer Frau. Das ist der Ort von Paribano und das ist rein weiblich. Wir haben kein Zeichen von Männlichkeit in diesen Orten.
Johannes Franke: Ja, das finde ich total bemerkenswert und total schön, aber man muss schon sagen, dass die Sehgewohnheit der männlichen Perspektive reinhaut und man dann schon auch sieht. dass die Männer sich auf sie stürzen und so. Die ganze Interpretation kann man vielleicht reinlegen, aber man muss sagen, ich beim ersten Mal gucken habe, gedacht, ah ja, okay, jetzt stürzen die sich auf den Mann, natürlich. Das ist so eine seltsame Fantasie eigentlich.
Florian Bayer: Ich find's tatsächlich viel krasser, was dann als nächstes passiert. Nämlich, dass er flieht und dann an diesem See ist und dann kommt Paribano und badet sich mit ihren Gespielen.
Johannes Franke: Und kann fliegen. Sie kann fliegen.
Florian Bayer: Sie ist eine Fähigkeit.
Johannes Franke: Pari, Fee. Ja, und es tut mir so leid, weil er nimmt ihr ja das Federkleid weg. Ja. Er versteckt sich da so ganz creepy.
Florian Bayer: Er ist voll creepy. Er ist im Gebüsch und es ist wirklich dieses klassische Meme des Male Gays. Er sitzt im Gebüsch, er beobachtet sie beim Baden und natürlich verliebt er sich in sie.
Johannes Franke: Ich muss einmal dazwischenwerfen, weil wir gerade an der Stelle sind. Ich finde es total bemerkenswert, was für Bilder sie findet. Für das, was sie erzählen will, mit Scherenschnitt. Bilder zu finden, die das erzählen, die das auch so intuitiv erzählen, dass du als Zuschauer sofort weißt, was Phase ist, wie er sich da versteckt zum Beispiel. Es ist ja nur ein Blatt, was da nach unten zerrt und sich da irgendwie dahinter... Das ist natürlich kein... vollwertiges Versteck, ein Blatt. Aber sie findet Bilder dafür, damit wir verstehen, was passiert. Und das ist schon toll.
Florian Bayer: Das ist ganz fantastisch. Es hat ja auch... wirklich diesen abstrakten Look. Also Lotte Reiniger hat mit ihren Scherenschnitten später und auch früher realistischere Animationen gemacht. Es gibt hier eine sehr bewusste Entscheidung, für diese schon so ein bisschen stilisierten Körper, auch diese sehr langen und Es ist nicht im Gleichgewicht, sondern die Extremitäten sind ein bisschen zu groß, die Köpfe sind ein bisschen zu klein. Und es funktioniert aber trotzdem, dass wir verstehen, was das für Wesen sind, was das für Menschen sind oder eben für Fäden in dem Fall. Und gleichzeitig hat es was sehr Artifizielles.
Johannes Franke: Ich finde, dieses Artifizielle sorgt dafür, dass wir ein Gefühl von Mythologisierung haben. Dass wir das Gefühl haben, einem alten, einer uralten Geschichte beizuwohnen, die uns als wie fast schon live... Puppentheater oder so ein Live-Scherenschnitt mit einer Gravitas- auf die wir uns einlassen müssen und sagen müssen, und ich erzähle euch jetzt eine alte Weise, Ich finde es großartig.
Florian Bayer: Es hat die ganze Zeit den Hauch des Irealen. Es werden ja auch Dinge eingeführt, ohne dass sie weiter erklärt werden. Es gibt einfach dieses Geisterland. Sie sagen, es ist ein Geisterland. Wir wissen nicht, warum das als Geisterland bezeichnet wird. Es ist einfach da. Und am Schluss haben wir dann ja auch die Rückkehr in die Welt der Lebenden. Und dann haben wir das Gefühl, okay, als er nach Wack Wack geflogen ist, hat er sich wirklich aus der Realität komplett entfernt. Und der ist jetzt an diesem Ort, der nichts Reales mehr an sich hat.
Johannes Franke: Umso mehr, und jetzt muss ich auf die Geschichte eingehen, tut es mir leid für diese arme Fee. die aus dem Paradies quasi entführt wird. Ihr wird das Federkleid weggenommen...
Florian Bayer: Das ist brutal.
Johannes Franke: Das ist brutal und dann gibt er es ja irgendwann wieder, aber auch nur, weil sie irgendwie einlenkt und weil sie sich quasi gefügig zeigt. Und dann verliebt sie sich wirklich in ihn? Was soll das? Ja. Und so, und es... Mir tut diese Frau bis zum Ende hin leid. Absolut. Es gibt auch keine... Kein Moment am Ende des Films, wo ich damit befriedet werde. Das ist immer so, dass ich am Ende noch denke... ja Alter, scheiße, warum hast du das denn gemacht und warum ist die jetzt da gefangen in der Welt der Lebenden?
Florian Bayer: Ich bin bei meiner ersten Sichtung ganz bei dir bei dieser Interpretation. Wir haben diesen schrecklichen Moment Rape Culture. Ja, total. Die wird entführt von ihm.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Nein, nein, nein. Doch, doch, doch. Nein, nein, nein. Doch, doch, doch. Okay. Rilke Reiniger sagt dazu. Und danach, nachdem ich das gelesen habe, habe ich es nochmal gesichtet. Und ich finde, sie hat einen Punkt. Er schämt sich für das, was er getan hat. Es gibt diesen genuinen Moment zwischen ihr und ihm, wo sie wirklich fertig ist und sagt, gib mir mein Federkleid zurück. Und er geht auf die Knie, verbirgt sein Gesicht. Und wir sehen in seiner Körperhaltung, wir können das reinlesen, sehen wir echte Charme über sein Verhalten.
Johannes Franke: Wir können das da wirklich reinlesen und in dem Moment habe ich auch so ein bisschen was davon reingelesen. Es rettet den Film aber nicht in dem Moment.
Florian Bayer: Und? Er hat sie entführt und wir erfahren, er hat sie nicht aus dem Paradies entführt. Sie sagt nämlich, wenn er sagt, ich möchte dich heiraten, ich will dir dienen bis in den Tod, sagt er. Es ist tatsächlich eine Devote, gehst du dir danach. Und sie sagt, du kennst nicht die Dämonen von Wack Wack. Die werden dich töten, wenn du dich mit mir einlässt. Und wir erfahren plötzlich, da wo sie war, das war kein Paradies, das war ein Gefängnis. Die Dämonen lernen wir später auch nochmal kennen. Das war kein Paradies, wo sie war.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Die Dämonen sind jetzt nur aufgeschreckt, weil sie weg ist. Also so habe ich das zumindest gesehen.
Florian Bayer: Die Dämonen wollen sie nachher runterschubsen. Die Dämonen wirken nicht wie die freundlichen Spielgesellen, die man sich im Paradies wünscht.
Johannes Franke: Aber dafür wird sie viel zu viel mit vollem Glück und mit ihrem Harem und so... Und als Königin dieser Welt etabliert. Ich weiß nicht, was das ist.
Florian Bayer: Was ist das? Weil sie wird als Königin etabliert, genau. Und sie hat diesen Harem, sie hat ihre Gespielerin, sie darf sich offensichtlich frei bewegen. Federkleid. Und dann, nachdem er sie entführt hat, kommt plötzlich dieser Moment, die Dämonen Hüte dich vor den Dämonen. Ich werde dich heiraten. Lass uns zusammen sein. Total geil. Aber Vorsicht, diese Dämonen sind echt gefährlich. Haben wir hier eine Parabel auf Mutterschaft vor uns? Lotte Reiniger hatte offensichtlich keine Kinder. Sie war verheiratet, sie hatte keine Kinder, was sehr ungewöhnlich ist für eine Frau, die im Jahr... 1921 heiratet. Also es gibt zumindest nicht, also man findet zumindest nichts dazu. Hat sie hier eine Metapher auf die Mutterschaft geschrieben? Weil das, wenn du keine Kinder willst, dann ist das ja auch deine Perspektive darauf. Du bist... Du hast quasi diese Wesen, die sich dir komplett unterordnen. Du bist die Autorität. Du bist der, der bestimmt, wo es lang geht und so weiter.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber es ist ja nicht einfach Macht oder so, sondern es ist ja auch eine Bürde. Du hast diese kleinen Dämonen und ... Diese kleinen Parasiten, wenn du es richtig hart ausdrücken willst. Das ist nicht meine Perspektive. Ich habe ein Kind, ich liebe Kinder. Das musstest du jetzt noch dazu sagen.
Johannes Franke: Lieber Bela aus der Zukunft, wenn du jetzt den Papa gehört hast, wie er gesagt hat, dass du ein kleiner Dämon bist.
Florian Bayer: Aber ich kann diese Perspektive verstehen, gerade weil diese Dämonen sowas komplett Kindliches haben. Erscheinung als auch vom Verhalten. Ist sie die Mutter, die unfreiwillige Mutter, die hier in eine Art Mutterschaft gezwungen wurde?
Johannes Franke: Ja, okay. Natürlich kann man das reininterpretieren, denke ich schon. Es passt ja auch irgendwie. Hat Rilke Reiniger das irgendwie gesagt?
Florian Bayer: Weiß ich nicht. Ich muss das Buch von ihr lesen. Ich finde diesen Gedanken auf jeden Fall ganz interessant, dass sie vielleicht wirklich so die gezwungene Mutter ist und dass dieses Abenteuer von Prinz Ahmed, diese Abenteuer mit Prinz Ahmed, diese Entführung, ist dann natürlich sowas wie eine Affäre. Sie wird aus diesem unglücklichen Familienzustand, wo sie gerade in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter lebt. wird sie rausgerissen. Und deswegen ist sie auch relativ schnell bereit zu sagen, okay, ich folge dir, ich bin dabei.
Johannes Franke: Hm. Sie sah halt am Anfang so glücklich aus. Ohne ihn. Und deswegen war ich so ein bisschen so, äh, nee. Tat sie das? Ja.
Florian Bayer: Welches Lächeln hast du in den schwarzen Schatten gesehen?
Johannes Franke: Du kannst mich mal am Fobo schmatzen.
Florian Bayer: Wir müssen diese Frage unbeantwortet lassen. Was wir allerdings sagen können, ist der Zauberer der Böse. der mittlerweile festgenommen wurde, weil natürlich hat der Kalif gesagt, Alter, du hast meinen Sohn verschwinden lassen auf diesem fliegenden Pferd, du kriegst nicht meine Tochter, stattdessen kriegst du Ketten. Der sitzt im Gefängnis und schaut nach, wo sein Pferd gelandet ist.
Johannes Franke: Oh, das fand ich so einen krassen Effekt. Wie er plötzlich aus dem Nichts dieses, was ist das, irgendein Portal öffnet, was er in den Händen hat.
Florian Bayer: Ja, es ist wie so eine Glaskugel, die man nicht sehen kann.
Johannes Franke: Ja, genau. Großartig, ist ganz toll gemacht.
Florian Bayer: Und dann verwandelt er sich in eine Fledermaus und fliegt aus den Ketten heraus, aus dem Gefängnis heraus, fliegt davon, nicht nur um sich sein Pferd zurückzunehmen, sondern offensichtlich auch, um sich an Prinz Ahmed zu rächen. Warum auch immer. Er ist dafür verantwortlich, dass der arme Prinz auf dem Pferd weggereist ist.
Johannes Franke: Dieses in die Fledermaus verwandeln, Dracula ist nicht lange her. Dracula war wahnsinnig in. Nosferatu ist auch um die Zeit entstanden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es ist ein Bild, was sofort jedem was gesagt hat, glaube ich.
Florian Bayer: Und er hat ja was Dracula-ähnliches, mit diesen sehr knochigen Fingern. mit diesem sehr langen Gesicht und ja, jetzt kannst du auch was zur Nase sagen, mit dieser Hakennase. Es ist
Johannes Franke: Es ist schon ein rassistischer Stereotyp, muss man sagen.
Florian Bayer: Es ist ein rassistischer Stereotyp. Spannend ist, dass wir dieses Bild anschauen und gucken auf die Zwanziger und denken, das ist ein jüdisches Stereotyp. ein antisemitisches Stereotyp.
Johannes Franke: Er ist ja ein afrikanischer.
Florian Bayer: Aber er ist der afrikanische Zauberer.
Johannes Franke: Es gibt auch in Afrika Juden, so ist es nicht.
Florian Bayer: Nee, aber afrikanische Zauberer ist natürlich das Bild aus den Tausenden und einer Nacht. Und diesen Exotismus und auch diesen Rassismus, den wir im Originaltext finden aus Tausend einer Nacht, der hat vielleicht tatsächlich ein anderes Bild von Afrikanern. Und das ist jetzt absolut Citation needed. Ein anderes Klischeebild von Afrikanern, als der moderne Rassismus hat. Wenn wir nämlich auf den Rassismus im 19. und 20. Jahrhundert gucken, dann werden ja die Afrikaner intelligenten, aber falschen Schlangen bezeichnet. Das ist das, was die Juden trifft, sondern die Afrikaner sind ja eher die, die... die Intelligenz technisch nicht mit den Europäern fest mithalten können, die die Wilden sind, die irgendwie keine Kultur haben und so weiter. Das sind ja die Klischees, die wir Anfang des 20. Jahrhunderts haben. Treffen hier zwei rassistische Klischees aufeinander?
Johannes Franke: Ja, irgendwie schon. Bei der Hexe wird es nochmal interessanter.
Florian Bayer: Bei der Hexe wird es nochmal interessanter. Sie ist wahrscheinlich am ehesten dieses Klischee vom Afrikanischen, das man Anfang des 20. Jahrhunderts hat, weil sie so naturverbunden ist.
Johannes Franke: Ja, sie bewegt sich auch auf eine bestimmte Art und Weise, dass man das Gefühl hat, okay, das sind diese ums Feuer trommelnd Tanzen und so, das ist das bei ihr ganz stark.
Florian Bayer: Aber wie gesagt, Lotte Reiniger hat gesagt, der Prinz Ahmed, den habe ich orientiert an Louis Hagen. Das war der jüdische Financier des Films. Und der war Banker. sich sehr viel in die Politik eingemischt. Der war Freund von Konrad Adenauer. Und Das ist eigentlich der, der den Klischee des Juden im antisemitischen Lehrbuch der Nazis entsprochen hat. Ja. in der Politik beschäftigt, hat viel Geld, ist ein Finanzier von Kunst und Kultur, die nicht sonderlich arig ist.
Johannes Franke: Insofern muss man vielleicht auch darüber reden, diese Klischees, die da jetzt zu sehen sind, die da drin sind. Lotte hatte wahnsinnig viele jüdische Freunde und deswegen ist sie ja auch eben von 1933 bis 1944 nicht in Deutschland gewesen, weil sie es nicht ertragen hat. und gesagt hat, was soll das alles? Das heißt, das, was da in dem Film reproduziert wird an rassistischen Stereotypen, Man muss einfach sagen, jederzeit hat seine Stereotype, über die sie nicht richtig nachdenkt. Und die auch, wo man auch den Leuten teilweise keinen Vorwurf machen kann, weil sie damit aufgewachsen sind und da hinzukommen, über diese Stereotype nachzudenken, das muss. Du brauchst dafür schon ein kulturelles Sprungbrett, um überhaupt darüber nachdenken zu können.
Florian Bayer: Vor allem, wenn der Exotismus nicht feindselig ist. Wir haben auch gleich... die ganz eindeutig negativ besetzt sind, die ganz eindeutig Antagonisten sind und diesen kulturellen Klischees entsprechen. Aber wir haben zum Beispiel... Jetzt nochmal dieses Naturklischee von der Hexe. Die Hexe ist ja keine Antagonistin, sondern die Hexe ist eine Verbündete.
Johannes Franke: Total, ja, ja.
Florian Bayer: Wo wir das allerdings haben, die rassistischen Klischees und auch die apelistischen Klischees, wo sie glaube ich am härtesten sind, ist dann in diesem China-Subplot. Der Zauberer entführt Paribano von Prinz Ahmed, lässt Prinz Ahmed in eine Schlucht stürzen, Prinz Ahmed kämpft in einer krassen Szene gegen eine Schlange.
Johannes Franke: Ja, krass, ne? Die dann conveniently nach oben... in den Baum sich verfängt. Ja, es ist total schräg, dass er sich an dieser Schlange hochzieht.
Florian Bayer: Ich kenne das tatsächlich als Motiv aus einem ganz alten Sinbad-Film, der total absurd ist. Nicht ganz alter Sinbad-Film. Neujahrer Sindbad-Film aus den 80ern mit Lou Ferrigno, mit dem Hulk als Sindbad, der sich aus einem Gefängnis im Keller befreit, indem er mehrere Schlangen zusammenbindet und sich an ihn hochzieht.
Johannes Franke: Wie doof.
Florian Bayer: Es ist total albern und cheesy. Auf jeden Fall entführt der böse Zauberer, entführt Paribano Und verkauft sie an den Kaiser von China und seinen sogenannten Lieblingen.
Johannes Franke: Ja, einen sogenannten Liebling. Also der Stereotyp ist ja schon mal erstmal die Darstellung des Herrschers. Der Kaiser der Chinesen. der da sitzt und mit diesem Lächeln, was sie ihm da reingeschnitten hat und diese... Schmuck und diese Art und Weise, sich zu bewegen und allem Möglichen, wie er einfach aussieht. Es ist so wahnsinnig Stereotyp.
Florian Bayer: Absolut. Und da ist sie aber voll auf der Linie von dem Exotismus der Originalgeschichten aus Tausend einer Nacht. Wo China genau das war, genau dieser exotische Raum, der gefährlich war. Wo irgendwelche merkwürdigen Herrscher waren, die Frauen entführt haben, die dir an Leib und Leben konnten. Und dann gibt es diesem Kaiser seinen Liebling, der soll sowas sein wie ein Hofnarr oder so. Er wirkt vor allem wie ein Kleinwüchsiger. Er ist ein Kleinwüchsiger. Und er tanzt da auch rum und es ist so ganz klar, das ist natürlich auf keinen Fall der, den die Frau will, den Paribano will. Und das ist der, an den Paribano dann verschachert wird vom bösen Magier.
Johannes Franke: Also die Gefahr wird durch Menschenhandel im Grunde dargestellt. Und zwar Menschenhandel nach China, der große Feind.
Florian Bayer: Genau. Ich finde es tatsächlich faszinierend, dass wir hier diesen doppelten Exotismus haben, dass wir natürlich den China-Exotismus aus dem Europa des frühen 20. Jahrhunderts haben. Aber dass der eigentlich nichts anderes ist als eine Weitererzählung des China-Exotismus des Arabien des 11. Jahrhunderts. Es ist ja genau das, was wir in Tausenden einer Nacht auch haben. Da drüben die Chinesen. merkwürdig und gefährlich und exotisch und anders. Ich finde es super faszinierend, wie Exotismen weitergeführt werden und sich Verstärken oder verändern.
Johannes Franke: Ich muss an unsere Folge über Nosferatu denken. Da ging es ja darum, wo kommt der ganze Mythos her von Vampiren? Damals gab es eben so Mythen von da drüben weiter im Osten. Da gibt es Leute, die glauben an Vampire. Und in jedem Land von Deutschland aus immer weiter in den Nosten hinein, wenn man die Leute gefragt hat, dann haben die gesagt, nee, wir glauben da nicht dran, aber die Idioten neben uns. Ging es immer weiter. Weiter in den Osten und alle haben das jeweilige Nachbarland irgendwie im Verdacht gehabt. Und es ist so geil. Weil man halt irgendwie Feindbilder pflegt und das war's. Im Grunde ist es das und du Du kennst die Gegend nicht, du hast dich damit nicht auseinandergesetzt. Das sind irgendwie die komischen Leute da drüben.
Florian Bayer: Genau. Die komischen Leute da drüben vor allem. Sie wird an den Kaiser von China verkauft. Ahmed wird an den Felsen gefesselt. Das ist zufälligerweise der Berg, in dem die Hexe lebt mit ihren Dämonen.
Johannes Franke: Ja, die Hexe vom Feuerberg. Die Hexe vom Feuerberg, genau. Er legt da einen Stein auf ihn drauf, damit er da bleibt. So ein bisschen Briefbeschwerer-mäßig. Und dann haut er wieder ab und dann kommt halt die Hexe.
Florian Bayer: Und vor allem ruft er noch, und jetzt hol ich mir deine Schwester. Ja. Er ist einfach nur böse, ne?
Johannes Franke: Er ist einfach nur böse, ja. Richtig hart. Auch das mit Aladin dann später, wo man auch so denkt, du brauchst diese scheiß Lampe nicht, du bist Zauberer, was soll das? Du willst einfach nur die Welt brennen sehen. Ja, auf jeden Fall. Naja, und... Dann kommt halt die Hexe und sagt ihm halt, das ist sowieso mein Erzfeind, also kann ich auch gleich dir helfen.
Florian Bayer: Wir sind Freunde. Sie kämpfen fast gegeneinander und dann stellt sie aber fest, Moment, der Zauberer, der dich hierher gebracht hat, ist mein Feind. Lass mir dir helfen. Und es gibt eine wunderschöne Szene, wie sie ihn bewaffnet. Er kriegt von ihren Bogen Pfeile. Ja, ein Säbel und ein Helm.
Johannes Franke: Und da kommt die nächste grafische Wunderkammer. Ich find's krass, was für Effekte da noch zusammenkommen. Fantastisch. Kennst du das RKO-Logo? Dieses RKO, ist das RKO?
Florian Bayer: Müsste ich drüber nachdenken, gerade fällt es mir nicht ein.
Johannes Franke: RKO Pictures hatte so ein, wie so Funkwellen- Wie so ein Radio-Funkwellen-Dingens. Und so sieht das in diesem Film aus, diese Funkwellen, die von... der Lampe dann später auch ausgehen, hier aber auch schon passieren, die aus diesem Schlund nach oben kommen und so. Es sind so tolle, interessante Effekte da noch drin.
Florian Bayer: Ich habe ganz oft das Gefühl, dass das Bild lebt, dass die Umgebung lebt. Ja, total. pulsiert, sich so ein bisschen bewegt, dass es nicht einfach nur starre statische Hintergründe sind, sondern dass die Hintergründe selbst auch ein Eigenleben haben.
Johannes Franke: Ja, voll. Und das finde ich bemerkenswert, weil ich da tatsächlich auch nicht verstanden habe, wie sie es gemacht haben. Da wusste ich dann auch nicht mehr, was ist das?
Florian Bayer: Es ist einfach nur faszinierend. Es sieht echt gut aus. Also ich finde auch gerade in diesen Momenten jetzt, wo wir so China haben und wir haben irgendwie so diese... Wir sehen so angedeutete Häuser und wir sehen dann im Hintergrund manchmal Wolken und manchmal ein bisschen mehr. Diese Tiefe, diese einfache Tiefe durch drei, vier Ebenen erzeugt. die spüren wir in diesen Momenten teilweise stärker. Und das macht sehr viel Atmosphäre und macht... Und zeigt auch, dass dieses einfache Konzept, wir haben hier einen Scherenschnitt vor einem flachen Hintergrund, dass das deutlich mehr kann, dass man damit deutlich mehr machen kann. Ahmed rettet seine Paribanu vor dem Gehilfen des Kaisers. Aber die Dämonen zögern nicht. Die Dämonen von Wakwak wollen ihre Herren zurück. Und greifen an. Und wir sehen zum ersten Mal diese Dämonen. Diese drachenähnlichen Wesen.
Johannes Franke: Die auch so seltsam animiert sind, weil die ja keine Flügelbewegungen machen, sondern wie so ein Kreisel sich durchdrehen, durch die Gegend drehen.
Florian Bayer: Sie sind doch offensichtlich so ein Organismus. Organismus.
Johannes Franke: Sie verbinden sich miteinander und trennen sich dann wieder.
Florian Bayer: Sie werden ein Wesen quasi.
Johannes Franke: Sie scheinen alle irgendwie so einen Geist zu haben. Und Also es ist ein krasses Konzept, was sie da entworfen hat. Ich finde wiederum Hut ab vor dieser Fantasie und dieser Überlegung, wie kann ich das alles darstellen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ganz toll.
Florian Bayer: Ich finde diese Schattenfiguren von gerade bei so Dämonen, bei geflügelten Wesen. Das kennt man ja auch aus moderneren Filmen und wir können nachher nochmal ein ganzes Buch aufmachen von Tricktechnik und Filme, die sich von Lotte Reiniger haben inspirieren lassen. Es ist eine Ästhetik, die auch eine Immersion schafft. Wenn du diese Monster die so vom Bildschirm flattern. Und diese schwarzen Monster vor diesem hellen Hintergrund. Es hat die Vögel-Vibes, wo du auch dieses Geflatter hast, wo du manchmal nicht ganz einordnen kannst, wo hört das eine Wesen auf und fängt das andere Wesen an.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es hat eine Bedrohlichkeit dadurch und eine Enge.
Johannes Franke: Fühlst du dich dann auch zurückerinnert an deine Kindheit, wie du von Dingen... die jetzt nicht die krassesten Produktionsgelder hatten, so hast beeindrucken lassen? Also ohne dass das dieser Film ein Kinderfilm wird. Sondern, dass diese Technik, die relativ einfach ist, trotzdem wahnsinnig effektiv wird, auf eine Art und Weise, dass ich mich zurückversetzt fühle. In dieses kindliche Staunen und dieses kindliche Begreifen, wow, das sind die Monster und jetzt ist der Hintergrund auch noch rot und alles wird bedrohlich. Obwohl da nur ein scheiß Scherenschnitt passiert, weißt du?
Florian Bayer: Absolut, fühle ich ja. Krass. Ich fand, als Kind fand ich Schattenspiele auch total faszinierend. Und ich habe sowas auch im professionelleren Rahmen gesehen, bei irgendwelchen Kindergartenfesten oder whatever. Wo Leute halt aufgetreten sind, die sowas gemacht haben und so ein bisschen mehr mit Figuren und so. Ich bin bei sowas sehr, mir entlockst du mit sowas sehr schnell ein O und ein A. Und das habe ich als Kind sehr viel gemacht und das habe ich bei diesem Film jetzt auch wieder sehr viel gemacht.
Johannes Franke: Ja, krass, ne?
Florian Bayer: Die Dämonen entführen Paribano in ihr Reich. Das Reich schließt sich und das Reich öffnet sich nur dem, der die Wunderlampe Aladdins betrifft.
Johannes Franke: Also ich muss mal sagen, dieser Übergang ist für mich, ja weiß ich noch nicht, ob du jetzt so einen cleveren Übergang gefunden hast. Okay, da schließt sich was und du brauchst halt das Artefakt, was du als nächstes aus der anderen Geschichte rüberholst.
Florian Bayer: How convenient, dass Aladin direkt davor ist. Wirklich so zwei Meter entfernt kämpft Aladin gerade gegen dieses Elefantenmonster.
Johannes Franke: Oh, meine Fresse.
Florian Bayer: Es ist voll reingeproppt. Aber wir haben hier die dritte große Geschichte nach dem Prinz Ahmed und nach Nach dem Ebenholz fährt haben wir die dritte große Geschichte, die hier verwurschtelt wurde, nämlich Aladin und seine Wunderlampe. Ich habe zum ersten Mal Aladin und seine Wunderlampe gelesen. Das ist ja komplett anders. Das hat ja nichts mit dem Disney-Film zu tun. Was hat mir Disney für ein Quatsch erzählt?
Johannes Franke: Aber ich habe hier schon das Gefühl, in dem Film zumindest, dass Disney davon viel genommen hat und sich hat inspirieren lassen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Naja, klar. Also so die Grundstruktur ist ja auch irgendwie da. Dass Aladin als einfacher Mensch von diesem Zauberer... Im Original ist es tatsächlich auch ein afrikanischer Zauberer. Angeheuert wird, die Lampe zu finden. Dann geht der in die Höhle, holt die Lampe. er kommt nicht alleine raus und der Zauberer will zuerst die Lampe haben, Aladin sagt, ich kann dir nicht die Lampe geben, der Zauberer sagt, dann fall doch runter und Aladin fällt runter und Versucht dann irgendwie Licht zu machen, reibt die Lampe, Chin erscheint, sagt, du hast ganz viele Wünsche frei. Er sagt nicht, du hast nur drei Wünsche frei im Original. Du darfst dir wünschen, was du willst. Und Aladin lässt sich rausholen und reich machen. Also das ist irgendwie, das ist alles das Grundgerüst der Geschichte, wie man es auch aus dem Disney-Film kennt. Was man nicht aus dem Disney-Film kennt, ist, dass dann Aladdin irgendwann den Zauberer wirklich tötet. Und dass dann plötzlich der böse Bruder des Zauberers auftaucht und sagt, ich will Rache. Und dass er dann Aladin durch einen Trick dazu bringt, sich vom Gin was zu wünschen, was sich keiner wünschen darf. Nämlich ein Ei des Rochs, weil das irgendwie so ein Sakrileg ist. Wie gesagt, die Originalgeschichten sind alle sehr schräg. Also da ist es komplett anders. Und dann guckt man drauf und sagt, Disney hat das gemacht, was Disney halt macht mit den Originalgeschichten.
Johannes Franke: Ja, anpassen.
Florian Bayer: Und hier ist es ja auch so, hier wird auch irgendwie so die Aladin-Geschichte angedeutet. Jetzt haben wir nämlich die Geschichte in der Geschichte.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: wo Aladin erzählt, wie er von dem Magier als einfacher Schneidersohn dazu gebracht wurde, in diese Höhle zu gehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und von ihm dann runtergestürzt wurde, den Jin offenbart hat.
Johannes Franke: Auch wieder eine ganz tolle Animation, muss man sagen.
Florian Bayer: Jin ist so geil animiert.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Alter, diese Schattenfigur, die, nee, keine Schattenfigur ist in dem Fall, sondern so eine ganz verwaschene.
Johannes Franke: Seife? Ja, Seife. In diesem Fall ist es wahrscheinlich wirklich die Seife pur.
Florian Bayer: Die Seifenfigur, also wirklich so mit Seife so reingerieben, dass es aber trotzdem genug Kontur hat, dass man ein Wesen erkennt. Es ist wirklich geil.
Johannes Franke: Es ist wirklich sehr, sehr, sehr schön gemacht. Also das hat auch Spaß gemacht, ne? Auch zu... zu rätseln und auch diesen Kontrast zu haben, den ich vorhin schon erwähnt habe, zwischen dem Scherenschnitt, das ganz klare Kanten hat und diesem sehr ätherischen Fass, was da entsteht.
Florian Bayer: Und es ist gut, diesen Kontrast zu haben, weil du hast ein anderes Wesen, du hast eine andere Entität, es ist ein Geist. Und dann erzählt Aladdin weiter, es kommt so eine witzige Szene und sagt so, ja, und dann hat der Gin mich reich gemacht und ich bin zu... zu dem Palast, bei dem Palast gelandet und zu Nazade und dem Kalifen und die habe ich zur Frau gekriegt und dann sagt wirklich so, Achmed, ah, ah, ah. Ah, das ist meine Schwester, das ist meine Schwester. Entschuldigung, erzähl weiter. So einen ganz merkwürdigen Unterbrechungsmoment in dieser Geschichte.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber es ist ganz geil, damit das Publikum wieder so an Bord ist, weil er weiß, wo wir hier sind. Genau. Und der böse Zauberer, wieder der böse Zauberer, der macht wirklich nur böse Sachen, entführt den Palast mit der Schwester... Und Aladin wird beschuldigt, warum auch immer, soll geköpft werden, schafft es aber zu fliehen. Treibt aufs Meer hinaus, übrigens die Wellenanimation. Großartig. Fantastisch.
Johannes Franke: Auch großartig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Habe ich auch nicht gerechnet in dem Moment damit.
Florian Bayer: Absolut großartig. Bertolt Bartosch war offensichtlich für die Wellenbewegung verantwortlich. Lotte Reiniger das erzählt und der war ein Architekt, das war einer von den drei Leuten neben Karl Koch und Walter Ruttmann, die ihr vor allem viel geholfen haben bei dem Film. Und der hat die Wellenbewegungen gemacht und Lotte Reiniger hat erzählt, Moment, jetzt muss ich kurz gucken, ich habe irgendwo das Originalzitat aufgeschrieben. Dass sie zu den Wellen erzählt hat, was ich wirklich ein witziges Zitat fand, weil es klang wie eine Scheißarbeit. Es klang als ob es wirklich, wirklich, wirklich anstrengend wäre. Moment. Also es gab eine Platte mit der Oberwelle, es gab eine Glasplatte mit dem Schiff, es gab eine Glasplatte mit der zweiten Welle und es gab eine Glasplatte mit der dritten Welle.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und dann hat sie die ganze Zeit versucht, diese Bewegung hinzukriegen und hat das immer hin und her bewegt. Und die verschiedenen Wellen, dass die... Und wie gesagt, 16 Frames per Second. Dass dieses Wellengefühl gehen und dieses Schiff, das getrieben wird. Und es hat wohl mehrere Versuche gebraucht. um so ein Gefühl für Physik zu haben. Und man stellt sich das so leicht vor, aber wenn man mit drei oder vier Wellen hantiert und mit einem Schiff Es sieht ganz schnell ganz falsch aus. Das ist krass.
Johannes Franke: Also vielleicht ist das eine gute Stelle. darüber zu reden, wieso zur Hölle sie überhaupt in der Lage war, das zu machen. Wer hat ihr erlaubt, so viel Geld auszugeben dafür, das auszuprobieren. Wenn du dir heutzutage versuchst, irgendwie Freiraum zu schaffen für... Ich muss mal ne neue Technik ausprobieren, da musst du richtig gut Fördergelder abgreifen oder du musst halt pleite zuhause sitzen und sagen, Ich lebe irgendwie von Hartz IV und versuche meine Kunst voranzubringen. Und sie hatte keine Unterstützung von der UFA. Die Ufa war die große und die ist ja auch heute noch in einer anderen Form da, die große Produktionsfirma, die alles mögliche gemacht hat. Und die Ufa haben sie nicht angezapft. Nee, nee. Das war unser Herr.
Florian Bayer: Großonkel von Nina Hagen. Louis Hagen.
Johannes Franke: Das ist der Großonkel von Nina Hagen?
Florian Bayer: Das ist der Großonkel von Nina Hagen?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Und nicht sie hat ihn angezapft, sondern er hat sie angezapft.
Johannes Franke: Er hat sie angezapft, richtig. Er hat gesagt,
Florian Bayer: Frau Reiniger, ich finde das so geil, was Sie da machen. Wollen Sie nicht mal einen Langfilm machen?
Johannes Franke: Er hat aber auch gesagt, Frau Reiniger, mein Geld wird immer weniger wert. Ich muss das irgendwie investieren in Zeug. Und dann hat er das, weil alle wirklich gesagt haben... Wir müssen es in materielle Werte umwandeln, das Geld, damit das dann noch, wenn es wieder sich erholt hat, das Geld wieder wert ist.
Florian Bayer: Wir sind in der Zeit in den 20er Jahren, als es wirklich öfter mal Probleme gab. Inflation und so ist ein großes Thema.
Johannes Franke: Absolut. Also ich denke nur an die Bilder, wo in Handkarren Geldenergie Gegend rumgezkarrt wurde, um mit vielen Millionen Reichsmark Brötchen zu kaufen. Krasse Zeit.
Florian Bayer: Wir sind 1923. Das ist die Zeit, als es angefangen hat. Sie hat drei Jahre an dem Ding gearbeitet.
Johannes Franke: Jaja. Und er hat einfach sein Geld in Film investiert. Also nicht in die Ideefilm, sondern in physischen Rohfilmmaterial. Und hat gesagt, okay, irgendwas muss damit auch passieren und hat gesagt, hier komm, Lotte, ich finde das richtig toll, was du machst, mach doch was damit. Sie war damals... 24? Und hat ihr tatsächlich auch in seiner Villa, die er da hatte, einen Raum zur Verfügung gestellt, über der Garage quasi.
Florian Bayer: Ein richtiges Studio hat sie da gekriegt, wo sie ihre riesige Multiplankamera aufbauen konnte.
Johannes Franke: Ja, und dann durfte sie da auch einfach und deswegen auch drei Jahre lang austesten. Und überhaupt ihre Technik entwickeln. Weil wenn du 24 bist und nicht auf etwas aufbaust, was irgendwann mal andere gemacht haben, sondern eben Pionieren bist... Dann brauchst du wahnsinnig viel Zeit, um überhaupt rauszufinden, wie das funktioniert, das alles.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und das hat eher möglich gemacht. Ich finde es total krass.
Florian Bayer: Und wir müssen immer dran denken, damals haben die Leute bei dem Gedanken an einen Langfilm, der animiert ist, gesagt, unmöglich.
Johannes Franke: Unmöglich, ja, ja.
Florian Bayer: Das sind 20 Minuten lang.
Johannes Franke: Maximal. Eigentlich 10 Minuten.
Florian Bayer: Eigentlich eher 10 Minuten.
Johannes Franke: Also das wurde auch als Vorfilm irgendwo im Kino und viele Kinos haben ja damals auch tatsächlich nur Kurzfilme gezeigt, gar nicht so sehr auf Langfilmen. ausgerichtet, die ganze Nummer. Obwohl, in den 20ern hat sich das geändert, aber ja. Und Animationen in einem Langfilm? Nee.
Florian Bayer: Und dazu muss gesagt werden, das war auch noch nicht die Zeit der großen Vorfilme, der großen Mary Melodies Filme. Das war Anfang der 20er Jahre. Coco den Clown gab es schon, der war 1919. Felix the Cat gab es schon, das war auch 1919. Mickey Mouse gab es noch nicht. Irgendwann in den 20ern. Oswald the Lucky Rabbit, der Mickey Mouse Prototyp 1927, Mickey Mouse 1928 in Steamboat Willie. Betty Boop 1930, Popeye 1932, das war noch nicht die große Zeit der Mary Melodies.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und auch noch nicht die große Zeit der Silly Symphonies. Das sollte deutlich später sein.
Johannes Franke: Ja, das heißt also, dass überhaupt die Idee mit... Nicht-Realfilm-Vorbildern. Also, dass man nicht einfach eine Kamera aufstellt vor die Werkshalle. Und dann filmt, wie Leute rauskommen, wie man das 1900 ungefähr gemacht hat. oder ein Baby gezeigt hat, wie es gefrühstückt hat.
Florian Bayer: Wir haben da eine Episode, wo wir über die Ursprünge des Films reden. Aber da erwähnen wir auch den ersten Zeichentrickfilm, ne? Stimmt, ja. Von J. Stuart Plakton. Humorous Faces of Funny Faces, der allerdings eine Mischung ist aus Realfilm und Animationsfilm.
Johannes Franke: Ja, einfach weil er das Ding zeichnet und dann irgendwie...
Florian Bayer: Wir sehen den Schauspieler, der quasi an einem Whiteboard sozusagen ein Gesicht zeichnet. Das Gesicht fängt dann an, sich zu bewegen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der erste richtige Zeichentrickfilm, der direkt auf Film gezeichnet wurde, kam ein paar Jahre später, nämlich 1908 von Emil Kohl, der hieß Phantasmagorie.
Johannes Franke: Ja, ich finde die übrigens ganz toll, bloß um das kurz zu sagen. Coco the Clown war großartig, Out of the Equal. Ich fand das... Total schön, weil das auch eine Interaktion gemacht hat, mit der ich gerne folgen wollte.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Also muss ich einfach sagen, es ist nicht einfach nur, wir haben hier ein kleines Experiment oder wir sehen hier kurz zwei Striche, die sich bewegen, sondern es ist wirklich auch da schon Geschichte. erzählt. Ja, auf jeden Fall. Finde ich schon schön.
Florian Bayer: Was ich wirklich beeindruckend finde aus der Frühzeit des Zeichentricksfilms ist Gertie, das Dinosaur.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Das ist ein Zeichentrickfilm, der relativ kurz ist. aus dem Jahr 1914 von Vincent McKay. Aber wenn man den sieht, wie die Animationen gemacht sind, denkt man, wow, das sieht aus, als ob es später gemacht wird.
Johannes Franke: Das sieht viel zu flüssig aus und viel zu gut.
Florian Bayer: Ja, wirklich gute Animationen, total.
Johannes Franke: Und dieses Emily Phantasmagoria, das ist auch toll, das ist von 1908, was du schon gesagt hattest, das ist gerade auf Tafel, zumindest sieht es so aus. Aber es ist nicht wirklich Kreide auf Tafel. Sonst hätten sie bestimmte Sachen gar nicht damit machen können. Die haben dann irgendwie das aufgezeichnet und die Figuren dann quasi dran gemacht und durch die Art der Beleuchtung sieht es so aus, als wenn es dann die Kreide auf der Tafel wäre.
Florian Bayer: Und wenn wir in diesem historischen Abriss schon sind, müssen wir zumindest einmal sagen, dass der erste Animationsfilm in Spielfilmlänge, der tatsächlich nachgewiesen ist... der allerdings nicht mehr erhalten ist, wahrscheinlich von Quirino Christiani stammt. Und zwar ein Argentinier war das. Der hat mit El Apostol... Einen Flachfigurenfilm gemacht, der wohl eine Art Karikatur ist auf die damaligen politischen Verhältnisse in Argentinien und eigentlich... sowas wie ein lebendiges Karikaturen-Kabinett ist, aber wie gesagt nicht mehr erhalten.
Johannes Franke: Ja, leider.
Florian Bayer: Leider nicht mehr erhalten. Zum Glück für Lotte Reiniger, die damit ganz eindeutig die Position hat, der erste noch erhaltene Animationsfilm.
Johannes Franke: Und vielleicht können wir ganz kurz noch ein paar Jahre zurückspulen. Ja. Weil ich total spannend finde, wie es überhaupt dazu kam. Also so Illustrationen und so weiter sind ja viel älter als Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und da liegt es natürlich total nahe eigentlich... Und dass das erst so viel später passiert ist, ist irgendwie bemerkenswert. Weil Illustrationen und auch bewegte Illustrationen älter ist als der Film. Viel älter. Und das ist beeindruckend. Früher, vor 1832, da gab es dann stroboskopische Scheiben, wie man sie nannte. Aber davor gab es die Laterna Magica. Das hat so einen Spiegel, einen kokaven Spiegel benutzt, um eine Lichtquelle nach vorne zu reflektieren durch ein kleines Loch. Und in diesem Loch... war ein Bild, das dann wiederum durch Zeug, wie auch immer das funktioniert, ich kann euch die Physik nicht 100% erklären, an die Wand etwas projizieren konnte. Dieses Bild. Die Weiterentwicklungen davon... sind wirklich wie so kleine Projektoren, die noch keine große Lichtstärke hatten oder sowas. Aber nach und nach hat sich ja die Lichttechnik auch weiterentwickelt, dass man aus Kerzen mehr Licht rausgeholt hat und damit Strom sowieso dann viel später. Aber man hat zur Unterhaltung schon Bilder an die Wand geworfen. Ja. Und dann eben auch bewegte Bilder über das erwähnte stroboskopische Scheibending 1832. Stellt euch einfach eine Scheibe vor. wo an den Rändern entlang eine Figur gezeichnet ist in verschiedenen Phasen. zehn Bilder vielleicht oder sowas, die dann zeigen, wie er einen Schritt vor den anderen setzt. Bis er dann an seiner Ausgangsposition wieder ankommt und das Ding sich dann weiter dreht, um wie ein GIF heute im Grunde endlos die gleiche Bewegung durchzumachen. Wenn du diese Scheibe beobachtest, durch einen Schlitz beobachtest, dann hast du das Gefühl von dieser Bewegung.
Florian Bayer: Ganz einfaches Daumenkino im Prinzip.
Johannes Franke: Im Grunde ein Daumenkino.
Florian Bayer: im kino und es ist natürlich also insofern spielt es auch für eine rolle für die entstehung des films weil wie wir alle wissen film besteht aus einzelnen bildern Und es ist so ein bisschen halt auch so das Schicksal des Films, dass diese Technik, Bilder zu animieren, dass sie zusammengefallen ist mit der Erfindung der Fotografie. Und dadurch waren halt einfach die ersten wirklich filmischen Aufnahmen, waren Fotografien.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und es gibt ja, was wirklich das Allerälteste ist, ist ja eigentlich dieses Experiment, um zu schauen, ob ein Pferd, tatsächlich mal einen Moment hat, wenn es läuft, dass es alle Beine in der Luft hat. Also mit keinem einzigen Bein den Boden berührt. Und dafür wurde ja dieses Experiment gemacht, wo dann Fotoapparate aufgestellt wurden an einer Rennstrecke. Und die haben halt ganz viele Bilder von diesem Pferd gemacht. Und wenn man das schnell abgespult hat, dann hat sich das Pferd bewegt. Hört euch unsere Episode zur Geschichte des Films an. Es ist auch ein Stück Geschichte, das muss man sehen, Podcast, weil das gehört zu unseren ältesten Episoden. Ich glaube, wir sind noch zweistellig von der Nummer, als wir das machen. Aber ich weiß es nicht ganz sicher.
Johannes Franke: Doch, ganz ziemlich sicher ist das so.
Florian Bayer: Und wir reden sehr lange über die ersten Filmversuche, über die Latana Magica, über die ersten... Trickfilme und vor allem auch über die ersten fotorealistischen Filme. Es ist, glaube ich, immer noch hörenswert. Es hat damals unglaublich viel Spaß gemacht, in diesen alten Aufnahmen zu wühlen.
Johannes Franke: Und wir gucken uns wirklich auch Filme an, die wir dann verlinkt haben in den Shownotes. Ich weiß nicht, wie viele Links davon noch funktionieren, Kloa.
Florian Bayer: Oh, habe ich auch nicht mehr.
Johannes Franke: Eigentlich müssten wir das mal updaten.
Florian Bayer: Ja, eigentlich müssten wir das mal updaten, aber hört euch die Episode an Google parat nebenbei. Und ich glaube, die Episode hört man am besten, während man zusätzlich YouTube aufmacht und sich die Filme anguckt. Das sind alles Stummfilme. Man braucht keinen Ton bei den Filmen. Man kann einfach... uns labern hören, während man sich die Filme anguckt. Das ist das Konzept dahinter.
Johannes Franke: Und es ist ja auch alles öffentlich erreichbar. Es ist ja nicht so, dass das große Konzerne hinter Bezahlschranken verstecken. Das war's, das war's.
Florian Bayer: Zurück zu Aladdin.
Johannes Franke: Zurück zu Aladdin.
Florian Bayer: Zu unserem vierten Akt. Aladdin erzählt von seiner Wunderlampe und es gibt einen ganz großartigen Moment, wie er gegen dieses Monster kämpft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann kommt die Hexe wieder und sie sagen zu ihr, der Zauberer hat die Lampe, wir brauchen die Lampe zurück. Und die Hexe zaubert den Zauberer zurück. Und meiner Meinung nach der krasseste und schönste Effekt des Films, sie macht das in so einer Art Wasser. Es sind wie Wassertropfen auf dem Bild und sie zaubert den Zauberer einfach her in diesem Wassereffekt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: ganz großartiger, überraschender Effekt in dem Moment, weil der so viel Tiefe erzeugt, weil das wirklich wie reales Wasser auf der Linse aussieht einfach.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich weiß nicht genau, wie sie es gemacht haben. Ich habe das Gefühl, es regnet auf die Linse drauf. So sieht es irgendwie aus.
Johannes Franke: Also was ich krass finde und vielleicht ist es auch da mit drin, weil ich kann gerade nicht visualisieren, was du genau meinst. Aber diese ganzen Lichteffekte, die so aus dieser Lampe auch rauskommen und sowas, ist das sowas in der Richtung gewesen?
Florian Bayer: Es ist noch ein bisschen anders. Also die Lichteffekte aus der Lampe kommen ja ein bisschen anders. später, um das dann zu öffnen. Davor haben wir den Kampf Hexe gegen Zauberer.
Johannes Franke: Und wie heißt der Film, der das Ganze geklaut hat, in Anführungsstrichen? Das ist die Hexe und der Zauberer.
Florian Bayer: Disney hat schon wieder geklaut. Wir haben die Hexe und den Zauberer, die sich in verschiedene Tiere verwandeln. Und als diese Tiere gegeneinander kämpfen. Und ich fand das so faszinierend, weil ich das natürlich auch kannte aus Die Hexe und der Zauberer. Ich muss rausfinden, woher das kommt. Turns out, es ist auch eine Geschichte aus Tausend und eine Nacht. Und damit unsere vierte Geschichte, die wir hier nachweislich in diesem Film finden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Tut mir leid, Johannes, ich will sie ganz kurz erzählen.
Johannes Franke: Das kannst du natürlich.
Florian Bayer: Weil die gehört nämlich zu den Geschichten, die nicht aus dem europäischen Raum kommen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die wirklich eine Originalgeschichte ist. Und die zeigt, wie weird die Geschichten aus Tausenden einer Nacht in Wirklichkeit sind. Die Geschichte, in der das stattfindet, ist die Geschichte des zweiten Mönches. Das ist aber eigentlich eine Geschichte, die, wir haben über die Schachtelstruktur geredet, die in der Geschichte der Lastträger und die drei Damen von Bagdad drinsteckt. 14, 15 und 16 in diesem Arne-Verzeichnis, wenn ihr nachschauen wollt. Eine Dame...
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Besorgt sich am Bazaar einen Träger, der ihr helfen soll, ihre Sachen nach Hause zu tragen. Offensichtlich ein klassischer Job damals, so ein typischer Tagelöhnerjob. Du bist ein Träger vom Markt. Das heißt, eine reiche Dame kommt vorbei und sagt, ich habe hier Öl gekauft, ich habe Obst gekauft, ich habe Fisch gekauft. Du musst das jetzt schleppen. Er schleppt das für sie nach Hause. Was findet er da? Zwei weitere wunderschöne Frauen. Und sie wollen ihm bezahlen. Er sagt, nee, nee, Alter, ihr seid so geil. Ich will mit euch zu Abend essen. Und die sagen, ja, okay, du darfst bei uns Abendessen, aber was auch immer du bei diesem Abendessen siehst, stell keine Fragen, sonst gibt's Ärger.
Johannes Franke: Ah, die kommen mir bekannt vor.
Florian Bayer: Er setzt sich mit ihnen, okay, pass auf, wenn sie dir jetzt bekannt vorkommt, warte mal ab, was gleich für crazy Zeug passiert. Okay. Er setzt sich mit ihnen hin.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann klopft es.
Johannes Franke: Hast du gerade Clickbait mit mir gemacht?
Florian Bayer: Ja, hab ich. Ich bin hier Sheherazade, die sagt, Moment, warte, was als nächstes passiert, wirst du nicht glauben. Bei der dritten Dame musste ich weinen. Es klopft an der Tür und da stehen drei einäugige Bettelmönche. Und die sagen, ey, wir haben uns angelockt gefühlt dadurch, dass es so lustig hier drin ist. klingen so wow und sehen, was da halt los ist, der Träger mit diesen drei Damen und sagen, können wir hier reinkommen? Dürfen wir mit euch feiern? Und die sagen, na klar, aber alles, was ihr seht, Stellt keine Fragen oder ihr kriegt richtig Ärger. Mönche kommen rein, setzen sich dazu... Und dann ist halt weiter Wildparty und so weiter und der Kalif ist mit einem Berater unterwegs und fühlt sich auch angelockt durch diese Geräusche, klopft auch an, sagt, ey geil, was ist denn hier für eine Party, können wir mitmachen? Frauen sagen wieder, klar, kommt rein, aber was auch immer passiert, stellt keine Fragen. Es wird gegessen, es wird getrunken und dann sagen die Frauen, jetzt kommen wir zum lustigen Teil des Abends. Ein Hund wird reingeführt. Eine von den Frauen peitscht diesen Hund brutal aus. What? Nimmt ihn in den Arm und küsst ihn. Was? Und die drei Bettelmönche, der... Träger und der Kalif gucken total irritiert. Als nächstes kommt eine Frau, fängt an zu singen, irgendein Gedicht vorzutragen, reißt sich die Kleider vom Leib. Und wird ohnmächtig. Und ihr ganzer Leib ist übersät mit Malen, mit Narben. Sie wurde offensichtlich verprügelt oder wie auch immer. Und jetzt sind die Typen, die da sitzen, sind voll irritiert und sagen, okay, Alter, Das sind drei Frauen. Die haben keine Chance gegen uns. Wir müssen jetzt rausfinden, was da los ist und diskutieren. Und dann kommt eine Frau und sagt, Moment, redet ihr gerade darüber, dass ihr rausfinden wollt, was hier los ist. Und die sagen alle so, ja, der Lastenträger war es. Und dann sagt die Frau, wir haben euch gewarnt, klatscht in die Hände und es kommt eine ganze Horde von Sklaven, die bewaffnet sind mit Schwertern. Und die Frau sagt, so, wir werden euch jetzt nach und nach köpfen.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Weil ihr habt es nicht anders verdient.
Johannes Franke: Und sag mal, erzählst du deinem Kind auch abends Geschichten?
Florian Bayer: Nein, leider nicht mehr.
Johannes Franke: Aber du lebst das gerade voll aus bei mir. Also ich finde es großartig. Ich bin nämlich jetzt gerade in der Position von Bela und ich denke die ganze Zeit, erzähl weiter Papa.
Florian Bayer: Auf jeden Fall sagen die Mönche, ah nein, pass auf, wir erzählen euch Geschichten. Und wie es halt so ist in Tausend einer Nacht, sagen die Frauen, na gut, wir verschonen euch, wenn ihr uns eure Geschichten erzählt. Wir wollen wissen, warum ihr alle drei kein Auge habt. Pointe ist tatsächlich, dass die alle drei sich durch Zufall getroffen haben mit nur einem Auge. Es gibt von jedem dieser einzelnen Mönche eine Geschichte, wie er sein Auge verloren hat. Oh, okay. Und die Geschichte des zweiten Mönches ist dann die, auf die ich kurz eingehen will. Nämlich das ist die mit dem Zauberduell. Und zwar sagt er, er war ein Königssohn und war mit seinem Vater unterwegs zum indischen König. um dem Geschenke zu überreichen. Und als die unterwegs waren, wurden sie von Wegelagerer überfallen. Und wurden brutal ausgeraubt und alle wurden ermordet. Und er hat es gerade so geschafft, in die Berge zu fliegen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ist dort auf einen Schneider getroffen und der hat zu ihm gesagt, Vorsicht, das war ein Hinterhalt, hier herrscht der größte Feind deines Vaters, der hat dafür gesorgt, dass die alle umgebracht werden. Wenn bekannt wird, dass du der Sohn von dem bist, dann wirst du auch umgebracht. Bleib einfach bei mir. Und er sagt, okay, ich bleib bei dir. Und arbeitet dann für ihn und geht jeden Tag raus zum Holzhacken in den Wald. Und irgendwie halt für ihn zu arbeiten und seine Unterkunft damit zu bezahlen. Und entdeckt in diesem Wald dann aber irgendwie das Versteck einer jungen Frau.
Johannes Franke: Immer die Frauen.
Florian Bayer: Die Frauen. Also er findet dann durch Zufall beim Holzhacken so eine Höhle, geht da rein, das ist voll schön eingerichtet. Da ist diese junge Frau, die unglaublich schön aussieht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und sie sagt ... Hör zu, ich wurde von einem Gin entführt und bin hier seit 20 Jahren gefangen. Und der kommt alle zehn Tage vorbei und dann haben wir Sex und dann verschwindet er wieder.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Jetzt ist aber Tag 4. Das heißt, es sind 6 Tage, bis der zurückkommt. Bleib du doch ein bisschen bei mir.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und er sagt, na klar ... Knick, knack. Und sie haben dann auch tatsächlich Sex. Und er sagt, ach.
Johannes Franke: Wird das ordentlich beschrieben oder wie ist das?
Florian Bayer: Nee, nicht so richtig. Er legt sich zu ihr.
Johannes Franke: Ach Gott.
Florian Bayer: So irgendwie. Und er sagt, Mann, du bist so verführerisch und so schön. Ich finde das so gemeint, dass der Chin dich gefangen hält. Ich will dich rächen! Und es gibt wohl so eine Alarmglocke, die sie hat. Wenn die geläutet wird, kommt der Jin, um ihr Wünsche zu erfüllen. Und er läutet die Alarmglocke ganz wütend und sie sagt... Was hast du getan? Das ist ein Gin, Alter. Lass keine Chance gegen den. Der macht dich fertig. Shut up. hier rein und schiebt ihn irgendwo so in den Schrank, wo er versteckt wird. Nee, nicht in den Schrank, sondern Hinterausgang. Raus mit dir! Und er rennt dann raus, weil er glaubt ihr offensichtlich jetzt, dass es keine gute Idee war, den Chin zu rufen. Der Chin kommt an und sagt, du hast doch einen Typen vor mir versteckt. Weil er sieht halt das aufgewühlte Bett und sagt ganz klar, da ist was passiert. Und findet die Hintertür und findet auch ihn.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: nimmt ihn wieder mit in die Höhle und fragt sie, ist das der Typ, mit dem du Sex hattest? Und sie sagt, nein, nein, nein, ich kenne den gar nicht. Und dann sagt er, na, hier hast du eine Axt, Köpfe ihn. Und sie sagt, nein, ich kann das nicht. Und er sagt, aha, er tappt. Gibt dem Typen die Achse und sagt, kennst du sie? Und er ist halt genauso und sagt, nein, nein, nie gesehen, keine Ahnung. Dann köpfe sie. Und er sagt, kann ich auch nicht machen. Und der Chin sagt, jetzt habe ich euch ertappt. Schlägt ihr die Hände ab? Schlägt ihr die Füße ab? Schlägt ihr den Kopf ab?
Johannes Franke: Woah!
Florian Bayer: Siehste, das passiert, wenn man mit mir Ärger hat. Und du, du bist keine Frau und ich weiß, du wurdest von ihr verführt und sie sah gut aus und so weiter, aber... Du musst verstehen, ich muss dich bestrafen. Verwandelt ihn in einen Affen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der Affe, wie gesagt, es ist wirklich weird. Es ist tausend und eine Nacht. Was ist denn los? Was ist denn los?
Johannes Franke: Diese Verschachtelung ist auch da volle Kanne drin.
Florian Bayer: Der Affe, der ehemalige Prinz, Wie gesagt, das ist die Geschichte von dem Battle-Menschen. Er wird irgendwann auch zum Battle-Menschen. Aber jetzt ist er ein ehemaliger Prinz, der wie ein Affe ist, als Affe verwandelt wurde. Ja. von einem König gekauft, der ihn auf diesem Schiff entdeckt und sagt, Mann, dieser Affe kann ja geile Gedichte schreiben. Und der König bringt ihn zu sich nach Hause und da sitzt seine Tochter und sagt... Moment mal, das ist kein Affe. Das ist der Sohn des Kalifen von da. Das ist ein echter Prinz. Ich werde dir helfen. Und sie macht irgendein merkwürdiges Ritual.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sie zaubern kann. Niemand wusste das. Der Vater so, what the fuck, du kannst zaubern, Alter.
Johannes Franke: Ist das der Affe, der bei Aladdin auftaucht in der Verfilmung von Disney?
Florian Bayer: Ich glaube nicht, weil er wird ja gleich wieder zurückfahren. Und sie macht wuuu, zaubert den Chin herbei und sagt, du hast seine Freundin getötet, du hast ihn zum Affen gemacht. Mach dich auf die Strafe gefasst. Und jetzt kommen wir endlich zu dem Zauberduell. Das stattfindet zwischen der Prinzessin, die den Chinherz vorgezaubert hat, und dem Affen. Und es passiert genau das, was auch in dieser Geschichte passiert. Da sagte der Gin... ihr zur Antwort, nimm, was dir zukommt und verwandelte sich in einen Löwen, der mit gesperrtem Rachen auf das Mädchen losstürzte. Sie nahm jedoch schnell eins ihrer Haare und bewegte murmelnd die Lippen. Da verwandelte sich das Haar in ein Schwert, mit dem sie den Löwen spaltete. Der Kopf des Löwin verwandelte sich jedoch in einen Skorpion, woraufhin sich das Mädchen in eine mächtige Schlange verwandelte und auf den Verruchten losfuhr. Nach heftigem Kampfe verwandelte sich der Skorpion in einen Adler, worauf die Schlange zu einem Geier wurde, der den Adler verfolgte. Nach einer Weile verwandelte sich der Adler in einen schwarzen Kater und das Mädchen in einen Wolf. Und so geht das weiter. Die werden zu Feuerwiesen irgendwann in diesem Kampf und in dem Moment trifft ein Funke aus diesem Feuerkampf ins Auge unseres Helden, der wohlgemerkt immer noch ein Affe ist. Und dadurch wird er blind. Das ist der Text, wie er sein Auge verloren hat. Wir haben diesen ganzen Scheiß mit dem Chin, mit den Köpfen dieser Frau. Mit dem Tod des Vaters. Diesen ganzen Mist haben wir gehört, um jetzt zu erfahren, dass er einen Feuerfunken ins Auge gekriegt hat. Es ist so ein bisschen wie dieser Captain Marvel-Verfilmung. Jahrzehnte lang haben sich die Leute drüber Gedanken gemacht, wie hat Samuel L. Jackson diese Augenklappe gekriegt als Chef der Avengers. Und dann erfahren sie, eine Katze hat ihm einmal im Auge gekratzt. Und so ist das Auf jeden Fall, sie schafft es, den Jin zu besiegen, wird dabei aber auch tödlich verletzt. schafft es kurz vorm Tod noch den Helden zurückzuverwandeln, der jetzt kein Affe mehr ist, sondern wieder der Königssohn. Und ein Auge weniger hat und sie stirbt dann und er und der König sind voll traurig und der König sagt, ey, ja, was soll der machen, tschüss. Und dann zieht er wieder los und landet in Bagdad und da trifft er die anderen beiden. Was auf jeden Fall passiert ist, dass diese Leute, die diese Geschichten erzählt haben, ich erspare dir die anderen beiden Mönchsgeschichten, werden dann verschont von den Frauen, weil die Geschichten so toll waren. Und wir erfahren, was da passiert ist.
Johannes Franke: Jetzt erinnere ich mich erst wieder, dass es ja drei Mönche waren, die da irgendwie, Mann, das ist wie bei diesen Geschichten. Du hast es genau so erzählt, dass ich jetzt wieder denke, ach stimmt, wir waren ja woanders gestartet.
Florian Bayer: Und das Geile ist, ich habe es nicht mehr aufgeschrieben. Es wird dann nochmal erklärt, woher dieses ursprüngliche Ritual von diesen Frauen kommt. Und zwar diesen Hund, den sie schlägt. Das ist ihre Schwester? Und sie wurde in einen Hund verwandelt von einem anderen bösen Chin und sie ist verflucht und muss diesen Hund prügeln, aber sie liebt ihre Schwester natürlich und deswegen küsst und umarmt sie ihn, nachdem sie ihn geprügelt hat. So, das wird alles irgendwie aufgelöst. Aber long story short, it's weird. It's weird. Es ist wirklich anders und es ist nicht das, was man erwartet, wenn man so diese Klischeevorstellung im Kopf hat von den netten Kindergeschichten in Ali. Die Barbers sind Bart und Aladdin. Es ist wirklich schräges Zeug, was in Tausenden einer Nacht erzählt wird. Lest euch das Zeug durch. Super, super seltsam. Total faszinierend. Genau, das ist die Vorlage für diesen Magierkampf, den wir hier sehen und der ist so großartig umgesetzt.
Johannes Franke: Ja, ist toll. Ich liebe das sehr. Also das macht auch Spaß, das zu sehen und der Erfindungsreichtum, der da drin steckt und so. Es ist wirklich schön.
Florian Bayer: Genau, dieses Löwe gegen Schlange, Schlange gegen Skorpion, Hahn gegen Geier und am Schluss werden sie auch nochmal zu Fischen und wir haben nochmal so eine Wasserziele. Das ist eine Unterwasserszene. Und am Schluss, wie in der Vorlage, gewinnt die Hexe durch einen Feuerzauber.
Johannes Franke: Was übrigens richtig krass ist, weil ich auch da wieder denke, wow, was ist das für ein Effekt, wo haben sie das her, wie haben sie das gemacht, das sieht sehr realistisch nach Feuer aus, was ist denn da los? Das ist total krass. Das sieht wirklich gut aus.
Florian Bayer: Also dieser ganze Kampf, ich finde das ist unglaublich. Es ist nicht lang, es sind ein paar Minuten in diesem Film, aber es ist so stark. So tolle Bilder. Der Feind ist tot, der böse Antagonist ist besiegt und wir haben noch einen ganzen Akt vor uns, nämlich die finale Schlacht gegen die Dämonen. Die zuerst ihre Herren töten wollen, weil sie einfach sauer sind? Ja. Und dann kommen aber Aladin, der jetzt ja wieder seine Lampe hat und Prinz Ahmed zur Hilfe und kämpfen gegen diese Dämonen. Und wir haben ein Herr-der-Ringe-Finale. Wir haben einen großen, epischen Kampf. Eine Schlacht. Eine Schlacht Menschen gegen Monster. Und wir haben diese wirklich schrägen Dämonenwölfe-Videos. Und geile Bilder.
Johannes Franke: Ja, also man ist auch ein bisschen überfordert teilweise dann von den Bildern, finde ich.
Florian Bayer: Die Hexe beschwört noch so Geister, die dann rumfliegen. fliegen und gegen die Dämonen kämpfen und die wegwirbeln. Und dann verschmelzen sie nochmal zu einem großen Wesen, das mehrere Köpfe hat, die dann nach und nach abgeschlagen werden. Nachwachsen ist richtig geil.
Johannes Franke: Wir hatten in unserer Episode, wo wir über die Anfänge des Films geredet haben, auch darüber geredet, was da alles als... erstes passiert ist. Der erste Krimi, der erste Actionfilm und so weiter. Und der erste Actionfilm ist vielleicht das da so ein bisschen Ja, also nein, Buster Keaton hat auch vorher schon Filme gemacht und Buster Keaton ist ziemlich actionlastig, muss man sagen. Und die Keystone-Cops und so weiter. Also Slapstick ist ja ziemlich viel Action gewesen. Aber ich finde, in diesem Maße, wie wir das heute so kennen, du hast Herr der Ringe reingeworfen. Nicht umsonst.
Florian Bayer: Sie nehmen sich richtig krass. Ist das halt für die Schlacht.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Es ist ja so bekannt, dass in Herr der Ringe sind, die Schlachten nehmen wirklich einen großen Teil des Films. Und Herr der Ringe sind Filme, die drei Stunden dauern und dann dauert die Schlacht drei 30 bis 45 Minuten?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieser Film dauert 60 Minuten und die Schlacht dauert 5 bis 10 Minuten. Das passt. Das ist genau so ein großer Teil des Films.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und im Verhältnis zur Gesamtlänge ist das einfach unglaublich episch.
Johannes Franke: Ja, krass. Und hier auch, darüber haben wir noch gar nicht geredet, die Musik. Was für eine Fassung hattest du?
Florian Bayer: Gute Frage, ich weiß es nicht mehr. Ich habe die restaurierte Fassung geguckt, wo sie am Anfang geschrieben, haben. Wir haben die Musik rekonstruiert nach den Originalklängen.
Johannes Franke: Das ist doch das Wichtige. Und ich finde die wahnsinnig gut. Und das Interessante ist, Dass sie wirklich, und das war nicht selbstverständlich damals, Sheet Music mitgegeben haben, gesagt haben, wir komponieren das und das muss genau so passieren. gespielt werden. Entweder von einem Live-Orchester, aber es gab ja damals noch nicht so die großen Möglichkeiten mit Grammophonen daneben zu stehen und das alles einzuspielen. Aber sie haben die Musik Wolfgang Zeller. Genau, Wolfgang Zeller, der auch noch bis 1967 weiter Musik gemacht hat, bis er gestorben ist. Hat tolle Sachen gemacht.
Florian Bayer: Ja und ganz viel für die Nazis gearbeitet.
Johannes Franke: Reden wir nicht drüber. Auf jeden Fall finde ich diese Musik tatsächlich ganz, wirklich ziemlich gut und auch so episch und so. Und der Entstehungsprozess ist eben tatsächlich auch sehr verwoben mit dem, wie Lotte gearbeitet hat. Also die haben wirklich so... eng zusammengearbeitet während des Entstehungsprozesses, das nicht wie heute manchmal oder oft vielleicht sogar meistens die Musik, nachdem der Film gedreht wurde, entstanden ist, sondern sie wirklich Szene für Szene, sie hat gesagt, hier, ich mache diesen Tanz von dieser Hexe, kannst du die Musik machen, ich mache dann die Choreografie dazu, zur Musik und so weiter. sodass sie sich gegenseitig die Sache in die Hand gegeben haben.
Florian Bayer: Toll. Lotte Reiniger hat das Ding sehr genau überwacht und sie hat tatsächlich gesagt, das ist der Key für diese Musik. Jetzt muss das passieren, jetzt muss das atmosphärisch passieren. Und hat den Orchestern für die Kinos, tatsächlich wirklich so Sheets mitgegeben, wo drin stand mit Bildern, wenn diese Szene kommt, dann müsste das gespielt werden.
Johannes Franke: Und damit kommen wir auch schon zu dem, wie sie das überhaupt in die Kinos gebracht haben. Weil das ist auch ein Problem gewesen. zusammengearbeitet haben, hatten sie nicht die ganzen Kontakte, aber sie hatten Kontakte in die Kunstwelt in Berlin. Und Berlin ist wirklich das... absolute Kunstzentrum der Welt gewesen im Grunde, also der westlichen Welt. Also es ist wirklich krass gewesen, wie viel Avantgarde sich in Berlin angesiedelt hat in den 20ern. Und dann haben sie eine Premiere gemacht und da sind ein ganzer Haufen Künstler da gewesen, aber sie hatten nicht... die Möglichkeit, also sie haben niemanden überzeugt, dass sie das ins Kino bringen, weil alle gedacht haben, ja komm, also abendfüllendes Programm sieht geil aus, aber das wird doch keiner anschauen. Und dann hat es ein bisschen vor sich hingedümpelt, bis Renoir in Frankreich gesagt hat, ja komm, dann macht ihr doch eine Premiere in Paris, ich habe hier ein paar Freunde und die waren auch alle wahnsinnig begeistert von der Premiere. Und die Premiere war viel glamouröser als in Berlin. Die haben da richtig Uffriss gemacht. Und durch den großen Erfolg in Paris. sind die dann in Deutschland doch wieder hellröhig geworden und haben gesagt, ja gut, wenn die das sogar in Paris gut finden, vielleicht probieren.
Florian Bayer: Die Brandlosen wissen doch, was gut ist. Es gibt eine ganz großartige Rezeption von der Welt. aus der damaligen Zeit. Die beginnt mit, man betritt skeptisch den Zuckergusspalast am Kurfürstendamm. Schattenbilder. Man denkt an schlechte Ansichtskarten, an honigsüße Buchillustrationen. Das Spiel beginnt. Und dieser Text ist wirklich wunderschön aufgebaut, weil am Schluss... ist der Rezensent hin und weg. Wir tragen ein heißes Dankgefühl für die Schöpfer und Schenker dieses Werkes. Lotte Reiniger. mit nach Hause.
Johannes Franke: Wahnsinn! Toll! Und das für eine Frau in der Zeit, muss man auch dazu sagen. Und das ist vielleicht das große Glück für Lotte gewesen. dass sie nicht in eine Welt hineingegangen ist, die schon verkrustet und alte Strukturen hatte, sondern... das Medium Film war relativ neu und damit hatte es eben noch so fluide... Man konnte da noch rein und da haben auch viele Frauen sich tatsächlich reinbegeben, was wir viel nicht mehr wissen. Ja, weil die Nazis und auch überhaupt das Weltgeschehen danach eher konträr gegangen ist und die Frauen wieder zurück an den Herd geworfen haben. Und gesagt haben, ihr habt ja gar nichts zu sagen, sondern wir reden auch noch klein, was ihr in den 20ern gemacht habt.
Florian Bayer: Und es geht auch weiter. Ich meine, die Filmkanonisierung ist auch eine, genau wie die Literaturkanonisierung, eine von Männern geschriebenes, sehr männliche Kanonisierung. Sprich, Frauen wurden einfach vergessen oder ignoriert. Wenn wir uns anschauen, wie heute über die Literaturgeschichte geredet wird, ist genau das gleiche. Ja. Wir haben großartige Autorinnen im 19. und 18. Jahrhundert, die keine große Rolle im Kanon und auch keine große Rolle im klassischen Literaturunterricht spielen. Einfach, weil sie die falschen Geschlechtsorgane haben.
Johannes Franke: Super weird, dass das auch nachdem es in den 20ern sozusagen schon mal möglich war, ne? Ja, das sieht man auch an dieser Rezension. Absolut. Und er sagt nicht in dem Text, huch und das von einer Frau. Habe ich mir nie gedacht, dass das möglich ist, dass eine Frau sowas kann. Nein, ganz selbstverständlich, geile Frau, macht sie sehr gut. Und das... Und dass das dann in den 30ern, 40ern, 50ern so hart totgeschwiegen wird, dass es so gute Frauen gab in diesem Bereich, das ist echt hart.
Florian Bayer: Ja, das ist wirklich traurig. Dieser Film dagegen hat ein Happy End. Sie schaffen es, die Dämonen zu besiegen. Und die Hexe sagt... Guckt mal, der Palast, da kommt nämlich ein Palast angeschoben. Das ist der Palast, der vom Zauberer entführt wurde. Nun kehret heim ins Reich der Sterblichen.
Johannes Franke: Also sie waren eigentlich tatsächlich, wie du am Anfang gesagt hast, eigentlich im Reich der entweder Fantasie oder der... Unsterblichen, Außerweltlichen.
Florian Bayer: Sie waren auf jeden Fall irgendwo an einem Ort, der nicht so einfach zu erreichen ist. Und dann gehen sie in den Palast und sie fliegen nach Hause und der Kalif freut sich. Es gibt eine wunderschöne Szene, wie Aladin in den Palast rennt, um die Nazade zu finden. über so ganz lange, geschwungene Treppen rennt, um schließlich zu ihr zu kommen. Und sie fliegen mit dem Palast nach Hause und der Vater, der Kalif, freut sich unglaublich, sie zu sehen. Jetzt haben wir wieder das klassische Islamische aus den Märschen aus Tausend und einer Nacht. Indessen erklang von der Minarette der Ruf zum Morgengebet. Und wir sehen noch einmal die glückliche Vereinte Familie natürlich. Aladin wird die Nazade heiraten, Ahmed wird seine Paribanu heiraten. Es gibt ein großes Happy End.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Wir haben 60 Minuten Film hinter uns.
Johannes Franke: Der besteht aus... 65 oder 64? 64.
Florian Bayer: Kommt drauf an, mit welcher Geschwindigkeit man abspielt. Der aus wie vielen Einzelbildern besteht?
Johannes Franke: Oh, die Einzelbilder. Ich hab's gleich. Für diesen Film wurden 250.000 Einzelbilder hergestellt. Benutzt hat sie allerdings nicht alle 250.000. sondern rund 96.000 Frames. Die haben es in die finale Schnittfassung geschafft. Und das bedeutet, wenn man sich drei Jahre anschaut, man bekommt am Arbeitstag nur so ein paar wenige Sekunden Filmen hergestellt. Und das ist krass.
Florian Bayer: Was für eine mühselige Arbeit, vor allem weil du ja auch anfängst mit den Bewegungen und Natürlich, sie hatte damals schon Erfahrung, vier Jahre mindestens mit diesen Animationen auf Film. Aber du siehst ja das Ergebnis noch nicht. Du siehst ja immer nur so kleine Bewegungen und kannst dann nur antizipieren, dass das gut wird, weil du weißt, wie deine Figuren bewegt aussehen.
Johannes Franke: Ja, super krass.
Florian Bayer: 250.000 Bilder. Ihr müsst euch das vorstellen. Und in dieser Zeit, wie gesagt, wir haben... Wir haben nicht den technischen Komfort, den wir heute haben. Ich rede gar nicht vom Digitalen, sondern wir haben auch wirklich klobige Geräte, große Geräte. Wir haben... schwierig zu bedienende Kameras, wir haben wirklich eine mühselige Arbeit vor uns und dann dreht die innerhalb von drei Jahren. 250.000 Bilder schmeißt mehr als die Hälfte davon weg.
Johannes Franke: Quasi im Hobbykeller.
Florian Bayer: Und hat diese 65 Minuten am Schluss da. Wahnsinn. Und die kunstaffine Berliner Presse ist hin und weg.
Johannes Franke: Die sind alle begeistert. Es ist schön, weil die alle wirklich gesagt haben, wie krass, das müssen wir unterstützen. Und die Zuschauer sind auch gekommen, haben sich das angeschaut. Also der Film war wirklich ein Erfolg.
Florian Bayer: Der Film war ein Erfolg. Das ist ein großes Ding. Das wurde groß rezipiert und Menschen, die später noch Großes im Zeichentrickfilm machen sollten, haben das gesehen und haben gesagt, ja. Das ist es. Wenn wir uns von Disney Fantasia anschauen, wir haben ja Fantasia geredet. Wir haben diese Schattenfiguren. Wir haben das als Grundthema des Films. Das Orchester besteht aus Schatten vor einem farbigen Hintergrund. Ich wette mit ihr. Disney hat Lotte Reiniger geguckt. Walt Disney hat Lotte Reiniger verehrt und hat gesagt, für Fantasia, für mein Kunstprojekt, Ja, will ich genau diese Ästhetik am Anfang haben und als Rahmen haben.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und auch die ganzen Aladdin und so weiter, die haben sich da bedient.
Florian Bayer: Dumbo. Die Traumsequenz mit den tanzenden Elefanten, wenn alles so im Alkoholrausch untergeht.
Johannes Franke: Ja. Sie hat so viel Einfluss durch diesen Film geübt.
Florian Bayer: Bis in die heutige Zeit, es gibt so viele Videospiele mittlerweile, so Indie-Spiele. die diese Scherenschnitt-Ästhetik als in 2D-Plattformen benutzen.
Johannes Franke: Und ich muss sagen, gerade das finde ich auch so bemerkenswert, dass man so eine Technik wie dieser Typ, der die Zeitungsartikel geschrieben hat... sagt, ja, man hat so das Gefühl erstmal von schlechten Ansichtskarten. Diese Technik, die ja eigentlich aus dem chinesischen Raum auch kommt, das ist so eine nordchinesische Tradition gewesen, die ist rübergeschafft nach Europa und in Deutschland und auch vielen anderen Ländern. osteuropäischen Ländern vornehmlich, ist das so etwas gewesen, was wie so ein Hobby geworden ist für Frauen, die nichts anderes machen durften, außer im Haushalt zu sitzen. Und die haben Scherenschnitte gemacht. Und dann hatte das auch keinen so richtig hochkünstlerischen Ruf mehr. Und sie war aber so fasziniert. Und ich finde es so krass, dass man schafft, so eine Sache mit so einem schlechten Ruf zu transzendieren in eine andere Kunstform. hineinzuheben und zu sagen, nee, das kann mehr. Und das so eindrucksvoll zu beweisen, ich ziehe meinen Hut.
Florian Bayer: Absolut beeindruckend. Er gehört zu den großen Klassikern der Filmgeschichte und die, die sich wirklich viel damit auseinandersetzen, die sehen das auch. Es gab lange Zeit nur Schwarz-Weiß-Kopien von dem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann wurden Gott sei Dank quasi zum 100-jährigen Geburtstag von einiger. 1999 wurden wohl in London... wurde ein relativ gut erhaltenes, jetzt darf ich mich nicht verhaspeln, Nitrocellulose positiv gefunden. Das mit der Farbe. Normalerweise wurden die nicht aufbewahrt, weil das waren die, die sehr leicht brennbar waren. Und das haben sie aber 1999 entdeckt. Das heißt, sie konnten dann irgendwie tatsächlich was machen, was den Farben von damals nahe kam. Weil bis dahin hatten sie versucht, die Farben halt so gut es ging zu interpretieren. Und das war dann auch, als diese Originalpartitur wieder entdeckt wurde von Wolfgang Zeller. Das heißt, sie konnten die Musik und die Farben... wieder so machen, wie sie im Original waren.
Johannes Franke: Warum mussten sie es überhaupt finden? Natürlich, die Deutschen haben ja berühmtermaßen einen Krieg angezettelt. Das Ding ist alles, das ist alles, also so viel Zeug, was wir verloren haben durch Brände, auch im Krieg und auch außerhalb des Krieges, weil das einfach sehr brennbares Material war. Wir haben einfach das Original komplett verloren. Es gab es einfach nicht. Und dann hat man es irgendwie versucht aus Kopien zusammenzustückeln und da wieder irgendwas zusammenzubringen. basteln, was nie wirklich nah an das Original rankam und dann gab es eben diesen Glücksfall.
Florian Bayer: Also man muss ja wirklich den Hut ziehen vor wissenschaftlichen Instituten, die gerade sehr gute Restaurationsarbeiten machen, bei vielen historischen Filmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das wurde auch bei diesem Film gemacht und es wurde auch mittlerweile veröffentlicht, ich glaube eine Blu-Ray gibt es leider noch nicht, aber es gibt auf jeden Fall DVDs. die den Film enthalten von verschiedenen Veröffentlichungen. Und der ist wirklich gut restauriert. Das heißt, wenn man ein bisschen sucht, findet man auch wirklich gute... Gut erhaltene, gut restaurierte Versionen mit Originalmusik, mit schönen Farben. Es lohnt sich danach zu gucken.
Johannes Franke: Lotte Reiniger hat mal gesagt, ich glaube mehr an Märchen als an Zeitungen.
Florian Bayer: Ja. Das merkt man diesem Film an.
Johannes Franke: Total. Was aber auch so ein bisschen was, also es hat was Eskapistisches, das unterstreicht das sehr, ihre Haltung dazu, so. Sie hat auch vielleicht so ein bisschen dann die Augen verschlossen vor dem, was da alles passiert ist, obwohl sie dann auch geflüchtet ist und gesagt hat, nee, ich will damit nichts zu tun haben und so. Aber... Tja, sie hätte auch dauerhaft auswandern können vielleicht, hat sie aber nicht gemacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau, was dahinter steckt und ich muss dazu sagen, dass ich das Gefühl habe, bei all dem Progressiven, was man da drin sieht, an Formsprache, an Möglichkeiten und an... Ist die Erzählung, die hat doch was sehr Konservatives teilweise und etwas, was so Stereotype weiter bedient funktioniert. wo wir vorhin noch schon gesagt haben, okay, da kann die vielleicht auch nicht unbedingt 100% was dafür, weil sie einfach in der Zeit geboren ist, in der es einfach so wahr und da rauszukommen als Einzelperson, das ist ein bisschen zu viel Last für eine einzelne Person. Aber trotzdem habe ich insgesamt das Gefühl, dass das relativ gut ist. konservatives Ding ist.
Florian Bayer: Was ich ganz spannend finde an den Geschichten aus Tausend und einer Nacht, Wir haben diese Demsel in Distress Motive.
Johannes Franke: Ganz viel.
Florian Bayer: Wir haben sie ganz oft mit Gender Switch. Die Geschichte, die ich gerade erzählt habe. Die Prinzessin sieht den Affen, der von Chin gequält wurde und sagt, ich rette dich, beschwört den Chin und die Prinzessin kämpft gegen den Chin. Ja, und diese Genderfluidität, dieses Aufbrechen von Klischees, was wir hier aus dem europäischen Raum kennen, dass der Ritter die Jungfrau rettet. Das finden wir auch in diesem Film. Wir haben mit Pari Banu eine selbstbewusste Frau, die ihren Entführer zur Rede stellt. Wir haben eine Frau, die entführt wird. Und wir haben auch eine Frau, die ziemlich rumgeschubst wird. Aber sie thematisiert es. Wir haben mit Prinz Ahmed einen Helden, der sich schwach und verletzlich gibt, der in Tränen ausbricht, als er sieht, was er getan hat. Wir haben mit der Hexe die stärkste Figur in dem Film, die mächtigste Figur in dem Film. Da können auch Ahmed und Aladin und seine Wunderlampe nicht mithalten. Und die Hexe tötet den bösen Zauberer.
Johannes Franke: Und wir haben natürlich diese ganzen homosexuellen Untertöne.
Florian Bayer: Wir haben die queeren Untertöne. Ich bin bei dir, dass das nicht reicht, um den Film zu einem progressiven, feministischen Werk zu machen. Aber es reicht, um diesen Konservatismus, der da ohne jeden Zweifel drinsteckt, ein bisschen aufzubrechen.
Johannes Franke: Also ich würde gar nicht mal sagen, dass das den Film nicht zu einem feministischen Meisterwerk oder was, keine Ahnung, macht. Ich glaube, dass es einfach so durchgewachsen ist, dass ich zwischendurch so verwirrt bin davon.
Florian Bayer: Ja, es ist verwirrend. Aber ich finde diese Art, wie mit der Sexualität gespielt wird. Wenn der Prinz da landet und die Frauen... sind in ihrer sexuellen Gier auf einmal auch was Bedrohliches.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Es ist interessant. Und dann sind sie gleichzeitig in ihrer sexuellen Gier komplett auf sich fokussiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann haben wir Paribano, wir haben schon gesagt, es könnte eine Muttermetapher sein, die die gefangene Herrscherin ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Das bricht das ein bisschen auf.
Johannes Franke: Ja. Also es bricht ständig wieder auf und trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, in so ein konservatives Moment zurückzukommen und deswegen bin ich... Auch oft verwirrt von diesem Film, muss ich sagen. Auch auf anderen Ebenen, visueller Ebene und erzählerischer Ebene bin ich immer mal wieder verwirrt, aber das stört mich nicht allzu sehr. Ich fand es bloß interessant, zu sehen, okay, irgendwie ist das so ein Mischmasch. Und vielleicht ist es auch ihr Alter. Sie ist Mitte 20.
Florian Bayer: Sie ist Mitte 20 und sie gibt Märchen. Sie liebt keine Nachrichten. Sie liebt Märchen.
Johannes Franke: Genau. Und deswegen, ja.
Florian Bayer: Und ich finde, das Wort Mischmasch, das du gerade gesagt hast, ich möchte das nochmal stark machen, das ist ein wildes Mashup. Sie ist eine Mashup-Künstlerin. Sie nimmt sich diese verschiedenen Märchenmotive und macht daraus einen wilden Mix, den es so nicht gibt. Und sie macht auch deutlich mehr damit als Disney, der sich vor allem die Märchen nimmt. entkleidet von allem und versucht so auf ihren familienfreundlichen Kern zusammenzubringen. Dass quasi alles, was es an Sex und Gewalt gibt, dass das so rausgeschnitten wird und dass es einfach... zu einer runden Familienunterhaltung wird. Das macht sie ja nicht.
Johannes Franke: Nee, genau.
Florian Bayer: Sie nimmt ja diese strukturelle Besonderheit von Märchen aus. Die nimmt sie ja, die greift sie ja auf und sie sagt nicht und jetzt mache ich daraus Familienunterhaltung, sondern das ist Unterhaltung für Erwachsene.
Johannes Franke: Ja, und sie ist horny, man merkt das schon.
Florian Bayer: Sie ist verdammt horny.
Johannes Franke: Und das finde ich schon auch sympathisch.
Florian Bayer: Und ich finde es so geil, dass sie dann als ältere Frau gesagt hat, ja, ja, den Ahmed, den habe ich nach diesem schicken Bankier gemacht. Ja.
Johannes Franke: Ach schön. Ah, jetzt haben wir aber auch einen schönen großen Bogen geschlagen. Wollen wir den Bogen nutzen, um mal rüber zu gehen zur Top 3?
Florian Bayer: Auf geht's. unsere Top 3. Pionierfilme.
Johannes Franke: Wir haben Pionierfilme als Top 3.
Florian Bayer: Ich bin nicht glücklich.
Johannes Franke: Du bist nicht glücklich.
Florian Bayer: Ich habe mich so schwer getan mit dieser Liste.
Johannes Franke: Also ich habe auch ein paar honorable Menschen, weil ich das spannend finde. Wer fängt eigentlich an? Ich muss anfangen, oder? Damn, was mache ich denn da weiter hinten? Ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht so richtig sortieren kann nach Platz, weil die alle irgendwie auf ihrer Art und Weise ganz vorne sind. Ich nehme auf Platz drei gleich mal einen, den wir gerade erst besprochen haben. Falsches Spiel mit Roger Rabbit. Ja. die es tatsächlich geschafft haben, das, was schon versucht wurde mit Mary Poppins und so, dass die Cartoon-Figuren in eine reale Welt hineingebracht werden und die haben wirklich Pionierarbeit geleistet, indem sie sich mit bewegter Kamera alles über Bord geworfen haben, was ihnen gesagt wurde, was alles nicht geht. Und gesagt haben, nee, wir machen das. Wir bewegen die Kamera volle Kanne die ganze Zeit. Die Animatoren müssen irgendwie Schatten da reinbauen, damit die Figuren... dreidimensional in diesem Raum mit sich bewegen und so, ohne Computertechnik zu benutzen groß. Also, naja, die Schatten wurden dann so ein bisschen mit Computer, aber... Sie haben echt zeichnerisch, handwerklich Großartiges geleistet für diesen Film und Pionierarbeit gemacht. gar nicht mehr so richtig benutzt wurde danach. Sondern das ist so der Monolith, der einzige Film, der das so krass gemacht hat in der Filmgeschichte.
Florian Bayer: Ja. Auf jeden Fall. Krasser Film. Wir haben letzte Woche drüber geredet, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Fantastisch. Wir haben ihn sehr abgefeiert und absolut zu Recht. Mein Platz 3 ist, es ist nicht der erste surreale Film, aber es ist, glaube ich, der prägnanteste in der Filmgeschichte. Un Chien Andalou von Salvador Dalí und Luis Bonoel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: großartig, kein Langfilm. 21 Minuten? 1929. Drei Jahre nach unserem Prinzen Ahmed. Ja. Und wir haben krasse Szenen, unter anderem eine Frau, der mit einer Rasiermesserklinge das Auge aufgeschnitten wird. Wir haben einen schrägen Trip durch Raum und Zeit, sich verwandelnde Körper, sexuelle Andeutungen, Tiefenpsychologie, Traum und Realität vermischen sich. Und am Ende liegt ein Liebespaar tot am Strand. Fantastischer Film.
Johannes Franke: Krass. Ist auch gar nicht so lang. Wie lange war das? 20 Minuten. 20 Minuten, das kann man sich eben mal angucken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 2 die Reise zum Mond. Weil ich den auch so sehr liebe. Georges Méliès ist so ein großartiger Typ. Vielleicht, weil er Zauberer war, wie ich. Ja. Ich war ja auch Zauberer ganz lange und ich finde seinen Ansatz, seine... die Bühnenmagie, die er betrieben hat, einfach in den Film zu übertragen, was ein sehr junges Medium damals war. Wenn wir bei 1902, ne? Da hat er die Reise zum Mond gemacht und wahrscheinlich 1800... Ich weiß nicht, 84 oder sonst irgendwas in der Richtung. Oder 90, ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Georges Méliès hat das Kino auf jeden Fall auf ein ganz anderes Level gehoben. Ja. Einfach nochmal, ah, okay, das geht mit dem Medium.
Johannes Franke: Genau. Und das ganz am Anfang. Zu sagen, okay, wir können hier zwei Stellen zusammenschneiden, die dann so aussehen als... würde sich dieser Typ verwandeln in einen Hund oder was. Es ist so, so toll. Und dann hat er auch noch mit Farbfilmen experimentiert und so. Also nach koloriertem Film. Das ist der Wahnsinn. Und was er in der Reise zum Mond... macht, da hat er ja vorher schon ein paar Experimente in die Richtung gemacht und da hat er es gut zusammengefasst, sodass man wirklich ein Meisterwerk vor sich hat. Absolut.
Florian Bayer: ein totales Meisterwerk und auch nicht so lange, ne? Auch absolut machbar. Ist wegguckbar und guckt ihn euch an und dann wisst ihr auch, woher wir unser Logo haben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Mein Platz zwei ist der erste Oscar-Gewinner. Der erste Oscar-Gewinner. Kabate-Film der Filmgeschichte. Der erste Film, der zeigt, was so eine Blockbuster-Rezeptur ist, die einfach taugt, um mit einem Film große Preise zu gewinnen vor einer großen Jury. Aus dem Jahr 1927 Wings.
Johannes Franke: Ach, wie geil, ja.
Florian Bayer: Von William R. Wellman. Und wir haben Krieg, wir haben Liebe, wir haben Verzweiflung, wir haben großes menschliches Drama.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist so großartig, dass das der erste Oscar-Preisträger der Filmgeschichte ist. Weil er ist genau das. Er ist ein Oscar-Film.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und er hat definiert, wie Oscar funktioniert, wie Oscar-Filme funktionieren.
Johannes Franke: Und er hat auch eine homosexuelle Note.
Florian Bayer: Und er hat auch einen queeren Subtext. Im Guten wie im Schlechten hat er das definiert. Wir haben über ihn gesprochen irgendwann mal. Er geht deutlich länger als die Filme, die wir bis jetzt genannt haben, nämlich 140 Minuten. Ja. Aber er ist absolut sehenswert.
Johannes Franke: Auch den haben wir besprochen. Wings haben wir besprochen, Falsches Scream mit Roger Rabbit haben wir besprochen. Ihr habt also Hausaufgaben. Die Reise zum Mond haben wir auch besprochen in unserer Episode, wo wir über den Anfang des Films reden. Und den folgenden Film haben wir auch besprochen. Und zwar bei mir auf Platz 1. ist, sehr willkürlich, Festen. Das Fest.
Florian Bayer: Ja, da musst du dich erklären.
Johannes Franke: Der erste Film der Dogma-Bewegung, die einfach eine radikale, minimalistische Rückkehr... zum puren Filmemachen hatten, die gesagt haben, nee, wir machen den ganzen Kladderadats drumrum nicht, wir stellen uns ein paar Regeln auf, nach denen man sich... halten sollte, um den Film, der deren Meinung nach irgendwo in der Sackgasse gelandet ist, wieder zu dem künstlerischen Höhepunkt zu führen, den sie im Kopf haben. Und zwar wirklich kein künstliches Licht zu benutzen und keine Nachbearbeitung im Ton und so weiter. Alles, was dort, was im Film passiert, muss vor Ort wirklich passieren können und so. Die haben viele Regeln aufgestellt, mit denen ich nicht allen übereinstimme, aber ich finde es wahnsinnig. Und bevor ich den Film, das Fest gesehen habe, habe ich gedacht, das ist alles idiotisches Gimmick, Reiterei-Ding, ne? Und dann guckt man sich den Film an und denkt sich, für diesen Film macht es total Sinn.
Florian Bayer: Absolut. Dogma-Filme, für denen es Sinn macht und es gibt gar nicht so viele gute Dogma-Filme, haben wir festgestellt. Der gehört definitiv dazu.
Johannes Franke: Aber der gehört dazu. Volle Kanne.
Florian Bayer: Mein Platz 1, ich hab einen Teil quasi schon wieder, also ich muss den ersten Film einmal zumindest erwähnen und zwar den Roundhay Garden Scene. Du hast vorhin gefragt, 1800. Mhm. 1988 wurde das Ding gemacht von Louis-Aimé-Augustin Leprince. Den können wir noch gucken, den Film. Der Regisseur ist verschollen. Nicht der Film ist verschollen, sondern der Regisseur. Es sind wirklich nur ein paar Sekunden, aber wir haben Leute, die sich im Garten bewegen. Aber eigentlich muss ich Citizen Kane nennen. Auch weil über diesen Film, weil er manchmal so als Film genannt wird, der überbewertet ist und so weiter. Und das stimmt alles nicht. Dieser Film ist wirklich ein Meisterwerk und dieser Film hat wirklich so viele Innovationen auf seiner Seite. Aus dem Januar 1941 von Orson Welles hat Gott sei Dank irgendwann Gerechtigkeit erfahren. Wir haben mittlerweile immer noch in den Listen beste Filme aller Zeiten ganz weit oben gehandelt. Und das hat dieser Film verdient.
Johannes Franke: Und wir sind mit der Meinung da reingegangen, ja, das kann ja nicht der beste Film aller Zeiten sein. Das ist ja nur... eine kulturelle Geschichte, die man sich gegenseitig erzählt, damit man sagt, man hat einen besten Film aller Zeiten, aber fucking... Wir haben festgestellt, dieser Film ist einfach der beste Film aller Zeiten.
Florian Bayer: Wir sind als Krummel da reingegangen, wir saßen nach Sprachlust, da waren wir so Shit.
Johannes Franke: Das stimmt, was alle sagen.
Florian Bayer: Die Filmkritiker haben recht. Wie kann das sein? Nur um eine Sache zu nennen. Wenn ihr Herr der Ringe gesehen habt und wisst, wie da mit Größenverhältnissen gespielt wird und so mit Kamera und Positionierung und Löcher in den Boden schneiden und ähnliches. Osnumals hat es vorgemacht. Und ihr könnt bei sehr, sehr vielen Dingen, die später Regisseure für sich beansprucht haben, dass sie die Erfinder sind, egal ob Hitchcock oder Kubrick, Könnt ihr euch diesen Film angucken als Vorlage, was das Spiel mit der Kamera betrifft, was das Spiel mit Extrem. Szenen betrifft, mit extremen Belichtungen und ähnliches. Wie mit Blenden gearbeitet wird, wie mit Schnitten gearbeitet wird. Und dazu hat der Film noch eine wirklich spannende Geschichte zu bieten. Es ist ein großer Film. Und ich kann nur jedem nochmal sagen, guckt euch diesen Film an. Es lohnt sich. Nicht nur aus kanonischen Gründen.
Johannes Franke: Ich möchte eine honorable Menschen, ich habe mehrere honorable Menschen hier drauf, Caligari, Nosferatu, aber einen wichtigen noch. Der begossene Gärtner. Das ist der erste Slapstick-Film, oder? 1895. Ist im Grunde die erste Komödie des Films.
Florian Bayer: Ja, natürlich musst du das nennen.
Johannes Franke: Weil dieser, natürlich muss ich das nennen, weil ich halt der, naja. Und dann hat der Typ, der Gärtner, einen Schlauch in der Hand. gießt seinen Garten und hinten steht ein Junge, der auf den Schlauch drauf tritt, damit da das Wasser nicht rauskommt. Und der wundert sich, der Gärtner. Wo ist denn das Wasser? Und es ist natürlich jetzt noch nicht... Die beste Komödie aller Zeiten, so, aber ich finde es total geil, dass das erste, worauf sie kommen, wenn es Film erfunden wird, weil das ist wirklich ein paar Jahre nach dem Film überhaupt. möglich wurde, dass sie gedacht haben, wir machen eine Komödie.
Florian Bayer: So klassischer Slapstick-Humor. Damals war es noch nicht abgetroschen. Das ist mein Kommentar dazu.
Johannes Franke: Und wahrscheinlich war es damals doch schon abgedroschen, weil es einfach nicht auf Film, aber in anderen Zusammenhängen gemacht wurde. Es ist total süß. Die ersten Sachen, die man mit Filmen macht, lustige Sachen und erotische Sachen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wie im Internet. Wir brauchen Pornos und wir brauchen Humor. Ach, schön. Ja, danke für deine Liste.
Johannes Franke: Ja, danke für deine Liste. Komm, lass uns zurück in unseren Film gehen. Tausend und eine Nacht. Nein, wie heißt der? Die... Abenteuer des Prinzen Ahmed und wir kommen zu einem... Das Urteil.
Florian Bayer: Wie ist dein Urteil, mein Lieber?
Johannes Franke: Mein Urteil. Ich fand, dass in diesem Film total viel visuell drinsteckt, was ich total geil finde, weswegen auch so ein paar Schwächen dieses Films sich... Man konnte es trotzdem weggucken. Man hat sich gefreut über so viele tolle Ideen und so viele tolle visuelle Eindrücke. Aber mich haben doch durchaus von der Geschichte her dann so Sachen gepiekst. Ich dachte, ja, heute habe ich so Schwierigkeiten damit und ja, man muss das in der Zeit sehen, wie es entstanden ist, aber trotzdem habe ich ja meine Brille da drauf, wenn ich es gucke heute. Und dann denke ich mir zwischendurch, ach Gott, oh Gott, die arme Frau, die wäre doch niemals dieser Typ da hingekommen und hätte sie da rausgeholt und so. Du hast mir erklärt, warum das alles gut ist, aber ich glaube nicht dran. Ich finde, diese Frau wäre viel besser dran gewesen, ohne diesen Mann. Aber gut, okay. Ich finde es total geil, was Lotte da geschafft hat. Und ich finde es total geil, dass sie das in diesem Alter geschafft hat. Und dass sie da wirklich auch lange mit bis 81 gelebt hat und das alles einfach genießen konnte und machen konnte und Spaß damit hatte. Und durch diese schlimme, schlimme Nazi-Zeit durchgekommen ist, indem sie da einfach elf Jahre in der Gegend rumgereist ist und gesagt hat, okay, wir machen hier und dort und dort und dort, bloß nicht nach Hause. Und dann ist sie irgendwann wieder nach Hause und dann sind die Nazis ja Gott sei Dank auch relativ schnell wieder vorbei gewesen. Und sie konnten ihr Leben leben. Ich bin froh drum.
Florian Bayer: In... Dieser Geschichte, die ich erzählt habe von dem Lastträger und von den drei Menschen, die dann ihre Geschichte erzählen, Die Geschichten der Mönche enden immer so, dass die Hausherrin zu ihm dann sagt, deine Geschichte ist wunderbar, darum streich mit der Hand über den Kopf und zieh deines Weges. Und der Mönch antwortet immer, ich möchte nicht eher fortgehen, als dass ich die Geschichte meiner Gefährten vernommen habe. Ich finde das ein ganz schönes Motiv aus Tausendeiner Nacht, dass die Leute die Geschichten unbedingt hören wollen. Und das ganze Tausend-und-eine-Nachtding dreht sich ja darum, dass Geschichten unglaublich mächtig sind. Shera Sade überlebt, weil sie diese Geschichten erzählt. Und sie verhindert, dass tausend andere Jungfrauen getötet werden, weil sie diese Geschichten erzählt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und immer wieder kommt es zu Menschen, die gerettet werden, einfach weil sie diese Geschichten erzählen. Und dieses Grundmotiv, dass Geschichten etwas Wunderbares sind, damit kann ich natürlich total viel anfangen.
Johannes Franke: Ja, voll, voll.
Florian Bayer: Und ich finde, Lotte Reiniger hat das zum einen in ihrem Film total gut umgesetzt. Dieses Grundgefühl, Geschichten sind mehr als nur eine Geschichte. und zum anderen, ich sehe das und denke auch ich will noch nicht meines Weges ziehen bevor ich nicht noch weitere dieser Geschichten vernommen habe Das heißt, gerade habe ich so das Gefühl, ich habe so Lust, da noch reinzukriechen in diese Lotte Reiniger-Filmografie. Ich habe es ja am Anfang schon gesagt, es gibt diesen einen Film, der so für mich so jetzt zum heiligen Krall geworden ist von Paul Wegener, den ich unbedingt sehen will über diesen verlorenen Schatten. Aber auch die anderen Zeichentrickfilme, die Lotte Reiniger gemacht hat. Dieser Film hat es wirklich geschafft, mich anzufixen und er ist einfach ein ganz großartiges Stück Filmgeschichte und auch über die historischen Neugier hinaus. Ist ja einfach ein Film, der mich voll piekst, was meine Liebe zu Geschichten betrifft. Toll.
Johannes Franke: Ja, ist wirklich schön. Aber man muss sagen, die Recherche macht das Ganze natürlich auch. Man lernt dann ganz viel darüber, was sie... gemacht hat und warum sie es gemacht hat und was mit Tausende eine Nacht überhaupt alles war und so. Das wusste ich ja auch alles vorher nur so marginal. Also zumindest Tausende eine Nacht kannte ich Aber was da alles dahinter steckt? Ich glaub, wir kannten das ungefähr auf demselben Level. Wahrscheinlich ja.
Florian Bayer: Hand in dieser Episode. Ich hoffe, ihr könnt ein bisschen was damit mitnehmen, weil diese ganze Geschichte um Tausende eine Nacht und
Johannes Franke: um diesen frühen Animationsfilm. Das ist alles so spannend. Wir haben viel davon nur angepiekst. Geht los und sucht mehr darüber. Wirklich. Es lohnt sich sowas von.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank, dass du mit mir auf diese Zeitreise gegangen bist. 100 Jahre in die Vergangenheit.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Noch einmal Happy Birthday. Danke, dass du mit uns gefeiert hast.
Johannes Franke: Und vielen Dank dir, Flor, dass du es vorgeschlagen hast. Ich bin froh, wenn wir immer wieder so tief in die Geschichte reingehen. Und nicht nur bis in die 50er, was auch schon geil ist. Oder in die 40er, was ich noch geiler fände, wenn wir das mal wieder machen würden. Aber die 20er, das nicht. echt spannende Zeit gewesen.
Florian Bayer: Wahnsinn. Euch da draußen, vielen Dank, dass ihr mit uns gereist seid. Ja. angehört habt. Danke, dass ihr euch vielleicht noch mehr damit beschäftigt. Wie immer, wenn ihr irgendwas zu uns zu sagen habt, schreibt es uns, sprecht es uns aus. Wenn ihr meldet euch,
Johannes Franke: Wenn ihr in irgendeinem Rabbit Hole gelandet seid, wegen dieser Episode, dann schreibt uns gerne auch noch ein paar Fakten, die euch noch über den Weg gelaufen sind. Das passiert nämlich tatsächlich ab und zu mal auf Spotify, ist das jetzt die letzten Tage recht häufig passiert tatsächlich, dass irgendjemand noch reingeschrieben hat... ja, hier noch meine Top 3 oder hier noch meine Fakten, die ich noch rausgefunden habe. Ich find's total geil.
Florian Bayer: Ich freu mich so darüber, wenn ich so das Gefühl habe, dass das lebendig ist und dass unser Publikum quasi nicht nur mit uns in die Rabbit-Halls reinkriegt, sondern teilweise sogar weiter reinkriegt, als wir es davor gemacht haben.
Johannes Franke: Ja. Okay, also seid wieder dabei. Nächste Woche, wenn ihr wissen wollt, was es nächste Woche gibt, dann bleibt noch kurz dran. Wir spielen den Jingle nochmal ein und dann besprechen wir, was wir für diese Woche kommen.
Florian Bayer: gucken. Ja, bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Hallo, Plur. Es gibt da noch was, bevor du nach Hause gehst. Du hast schon die Jacke an, aber bleib noch kurz und sag mir, was wir machen.
Florian Bayer: Das ist zu sommerlich für eine Jacke. Wir machen wieder einen Publikumswunsch. Wir haben uns ja vorgenommen, jede fünfte Episode einen Publikumswunsch und wir werden eure Liste trotzdem nicht abarbeiten und wir haben gerade festgestellt, Das ist echt schwer, es ist lang und es ist viel. Und wir haben uns aber für einen Wunsch entschieden, der glaube ich schon etwas länger hier in der Pipeline sitzt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Von Michaela, die schreibt. Ich verfolge seit einiger Zeit mit stetig wachsender Begeisterung euren launigen Podcast. Leider bin ich erst vor ein paar Monaten durch Zufall und zum Glück darauf gestoßen. Eure Mischung aus ernsthafter Filmanalyse mit beträchtlichem Hintergrundwissen und lustiger Debatte Finde ich mehr als gelungen. Bitte macht weiter so. Das geht runter. Heute traue ich mich euch einen Vorschlag für einen, wie ich finde, interessanten Horrorfilm. Yes! Horror aus dem Jahr 1981 mit Albert Finney in der Hauptrolle einzuschicken. Es geht um Wolfen.
Johannes Franke: Ich habe ganz überlesen, dass es ein Horrorfilm ist, Plur, sonst hätte ich jetzt nicht zugestimmt.
Florian Bayer: Kurze Inhaltsangabe, die wir jetzt überspringen, um uns nicht zu spoilern. Vielleicht interessiert euch der Film und ihr besprecht ihn in eurer Unnacharbeitung. armlichen Art, das würde mich total freuen. Geil. Also, liebe Michaela, wir werden nächste Woche deinen Film Wolfen besprechen. Ich hoffe, du bist noch Zuhörerin. Ich glaube, die ist schon ein bisschen älter, diese Mail.
Johannes Franke: Ja, das wird schon stimmen.
Florian Bayer: Und mein erster Blick auf das Plakat sagt, ja, wir haben hier einen waschechten Monster-Horror-Werwolf-Film vor uns.
Johannes Franke: Oh mein Gott, okay.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt.
Johannes Franke: Michael Wadley sagt mir Wikipedia. Michael Wadley. Mit Albert Finney in der Hauptrolle.
Florian Bayer: Albert Finney, yay. Also wir sprechen nächste Woche über Wolfen. 1981, guckt euch den Film an, damit ihr nicht gespoilert werdet und wir freuen uns euch zu. hören. Wir werden euch nicht hören. Wir freuen uns, euch zu lesen. Ich hoffe, ihr freut euch, uns zu hören. Haut ab. Die Folge ging sowieso schon lang genug. Raus mit euch.
Johannes Franke: Geht in die Welt hinaus. Flor, jetzt lass mich nicht hier sitzen. Was soll denn das? Okay, bis dahin. Tschüss.
