Episode 290: Wolfen (Publikumswunsch)
New York, Anfang der 80er Jahre. Die Stadt ist im letzten Jahrzehnt gerade so der drohenden Insolvenz entkommen. Die Rettung lag – zumindest wenn es nach dem Neoliberalismus geht – in Revitalisierung und Redevelopment. Konkret: Vermeintlich heruntergekommene Stadtviertel werden abgerissen um neuen schicken Bauten Platz zu machen. Einer der prominentesten Investoren dabei ist der Immobilienmagnat Christopher Van der Veer. Als dieser eines Nachts zusammen mit seiner Frau und seinem Bodyguard ermordet wird, scheint die Sache ziemlich klar: Irgendwelche linksradikalen Terroristen müssen dafür verantwortlich sein.
Der ehemalige Ermittler Dewey Wilson wird daraufhin von der NYPD zurückgeholt, gemeinsam mit der Psychologin Rebecca Neff soll er den Fall aufklären. Schnell jedoch entdeckt Wilson, dass es wohl keine linken Terroristen sind, die für die Morde verantwortlich sind: Die Leichen wurden regelrecht zerrissen, es gibt keine Spuren irgendwelcher Waffeneinwirkung, stattdessen finden sich Wolfshaare am Tatort. Wilsons Ermittlungen führen zu einem alten indigenen Kult, in dessen Zentrum der Wolf eine große Rolle spielt: Zum Morden dressierte Tiere? Gestaltwandler? Werwölfe? Was wir hier vor uns haben, ist nicht sicher. Sicher ist nur, dass es alles andere als Menschlich ist. Und das Morden geht weiter.
Wolfen aus dem Jahr 1981, ein Horrorthriller aus einer Zeit, in der das Genre gerade einen kleinen Werwolf-Craze erlebte. Aber Obacht: Michael Wadleighs Vision ist weit weg vom europäischen Werwolfsmythos. Stattdessen vermischt er indigene Mythologie mit einem zynischen Blick auf die New Yorker Stadtentwicklung und einer ebenso ökologischen wie sozialdarwinistischen Botschaft. Und ob die Wölfe wirklich die Bösen sind, wird dann auch eher ambivalent beantwortet.
Johannes, was macht dir mehr Angst: Wölfe in der Wildnis oder Kapitalismus im urbanen Raum?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 290: Wolfen (Publikumswunsch) Publishing Date: 2026-07-22T08:17:56+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/07/22/episode-290-wolfen-publikumswunsch/
Johannes Franke: Aber ist das plausibel, dass du über eine Wärmebildkamera Lügendetektor machen kannst?
Florian Bayer: Lügendetektor sind generell nicht plausibel. Und sie werden trotzdem eingebaut? Und sie werden viel eingesetzt. Sie werden bis zum heutigen Tag eingesetzt. Und sie sind eigentlich antiwissenschaftlicher Bullshit. Deswegen finde ich es absolut glaubwürdig, dass sie sagen... Wir haben hier die neueste Lügendetektortrechnung. Natürlich. Lieber Johannes, ja, ich verfolge seit einiger Zeit mit stetig wachsender Begeisterung euren launigen Podcast. Leider bin ich erst vor ein paar Monaten durch Zufall und zum Glück darauf gestoßen. Eure Mischung aus ernsthafter Filmanalyse mit beträchtlichem Hintergrundwissen und lustiger Debatte finde ich mehr als gelungen. Bitte macht weiter so.
Johannes Franke: Wir versuchen es.
Florian Bayer: Heute, in Anführungszeichen, traue ich mich euch einen Vorschlag für einen, wie ich finde. interessanten Horrorfilm aus dem Jahre 1981 mit Albert Finney in der Hauptrolle einzuschicken. Es geht um Wolfen. Kurze Inhaltsangabe, die ich jetzt überspringe, die kommen nämlich gleich nochmal. Vielleicht interessiert euch der Film und ihr besprecht ihn in eurer unnachahmlichen Art. Das würde mich total freuen. Bitte macht noch recht lange weiter. Liebe Grüße Michaela. Und was lernen wir daraus, liebes Publikum? Wir nehmen eure Filme, wenn ihr uns ordentlich Honig ums Maul schmiert.
Johannes Franke: Ja, genau. Sehr gut.
Florian Bayer: Filmvorschlag von Michaela. Wir machen heute einen Publikumswunsch.
Johannes Franke: Michaela hat es richtig gemacht. Vielen Dank, Michaela, die du jetzt hoffentlich zuhörst. Danke für deinen Vorschlag, den nehmen wir gerne an und haben uns auf diesen Film gestürzt.
Florian Bayer: Ja, und... Johannes, ich glaube wir müssen das voll transparent machen und wir müssen einmal kurz drüber reden, also ich muss einmal kurz drüber reden, du machst das bestimmt anders. wie ich mich auf die Episoden vorbereite.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist ja immer so, wir haben am Ende, nachdem wir eine Episode aufgenommen haben, wir nehmen immer dienstags auf, haben wir eine Woche Zeit für den Film, den wir vorbereiten wollen. Und dann reden wir halt nach der Aufnahme kurz darüber, welchen Film wir für nächste Woche nehmen, spielen kurz den Teaser ein. Und jeder geht seiner Wege. Und ich fahre ungefähr eine Stunde nach Hause. Und was ich halt ganz gerne dann mache, ist Podcast hören. Und ich suche mir halt immer irgendwas raus, was thematisch zu dem Film passt, den wir besprechen, weil ich einfach denke, ich will nicht vom Film gespoilert werden, das heißt auf keinen Fall eine Podcast-Episode zum Film. sondern irgendwas zu dem Thema, was damit verwandt ist.
Johannes Franke: Ich ahne schon, was kommt.
Florian Bayer: Was ich letzte Woche gemacht habe, ganz logisch, ich habe mir... drei, vier, fünf Podcasts reinspülen lassen über das Thema Wehrwolf. Ich habe unter anderem gehört zu Peter Stumpen.
Johannes Franke: Ja, genau dieser Typ.
Florian Bayer: Früher war Mehrverbrechen heißt der, glaube ich. Tolle Episode. Ich bin überhaupt kein True-Crime-Fan. Das ist ein sehr schöner True-Crime-History-Podcast. Großartig.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und dann zwei Stunden von Hoax Hiller zum Thema Wehrwölfe und noch zwei, drei andere Sachen. Und ich hab ja meistens dann, dienstags nehmen wir auf, wie gesagt, ich hab eher so am Wochenende dann Zeit, den Film wirklich in Ruhe zu gucken. Sprich, ich recherchiere Anfang der Woche genau nach diesem Schema und fange mich dann einzulesen und so weiter und Sammle das alles, dass ich schon mal so eine Grundlage habe.
Johannes Franke: Und du kannst alles wegschmeißen.
Florian Bayer: Digitales Papierrascheln. Johannes, was mache ich denn jetzt damit? Hahaha.
Johannes Franke: Wir können gerne über Wehrwölfe reden, wenn du möchtest. Hat bloß nichts mit dem Film zu tun.
Florian Bayer: Überhaupt nichts. Und es ist wirklich... Du siehst das Plakat Anfang 80er Jahre, riesiges Wolfsauge, der Film heißt Fucking Wolfen und du denkst, okay, das ist ein Werwolfsfilm und du fängst an zum Thema Werwölfe zu recherchieren, was liegt näher? Und dann guckst du irgendwann am Wochenende den Film und denkst, scheiße, jetzt habe ich noch drei Tage Zeit. Und muss zu Native American Mythologie über Wolfsgeister und Totem und so weiter recherchieren. Michaela, was hast du uns damit angetan?
Johannes Franke: Michael kann nichts dafür. Die Produktionsfirma hat kein Vertrauen daran gehabt, dass dieser Film irgendwas kann. Und hat einfach gesagt, dieses Jahr ist das Jahr des Wehrwulfs.
Florian Bayer: Was es auch war. mehrere Werwolf-Filme Anfang der 80er. In diesem Jahr 1981 waren es American Werewolf in London und The Howling.
Johannes Franke: Ja, und sie haben wahnsinnig viel sich da einfach drauf gesetzt in der Werbung. Dieses Plakat mit dem Wolf drauf und so weiter. Und man hat schon echt gedacht, Okay, es geht um Werwolf und ich habe ähnlich wie du auch tatsächlich mir erstmal Werwolf-Geschichten angehört, dann habe ich auch irgendwann weggeschmissen und gedacht... Gut, ich kann nochmal von vorne anfangen. Vielen Dank.
Florian Bayer: Zurück zum Start. Und ich bin aber sehr dankbar dafür, weil ich tatsächlich das Thema Wehrwölfe habe ich schon immer mal wieder getroffen. reift aus popkulturellem Interesse und aber zu dem Thema, wie Wolfsmythen in der indigenen, amerikanischen Kultur eine Rolle spielen, die Das ist ein Thema, was bis jetzt an mir vorbeigegangen ist und gerade auch was Native Americans im heutigen New York betrifft. Das ist ein Thema, was komplett neu für mich war. Deswegen war das total geil, einfach zu sagen, ich habe nur noch drei Tage Zeit, aber jetzt fresse ich mich in ein neues Thema rein.
Johannes Franke: Okay, schauen wir mal. Weil wir sind wahrscheinlich in der Panik der drei Tage, die wir noch hatten. Also ich hatte ein bisschen mehr. Ich habe früher geguckt als du. In verschiedene Richtungen abgebogen. Das heißt, wir haben wahrscheinlich nicht wieder deckungsgleich gerecherchiert, sondern vielleicht unterschiedliche Sachen.
Florian Bayer: Interessant. Wir werden auf jeden Fall, wie wir das immer machen, den Film gnadenlos ausschlachten, um über irgendwelche historischen Themen zu reden, um ein bisschen popkulturelles Wissen, das wir gefressen haben in dieser Woche. an euch weiterzugehen. Wir werden aber auch über den Filmreden versprochen, denn es ist wert, dass über ihn gesprochen wird und ich steige einfach mal ein mit einer kleinen Inhaltsangabe. New York, Anfang der 80er Jahre. Die Stadt ist im letzten Jahrzehnt gerade so der drohenden Insolvenz entkommen. Die Rettung lag... zumindest wenn es nach dem Neoliberalismus geht, in Revitalisierung und Redevelopment. Konkret, vermeintlich heruntergekommene Stadtviertel werden abgerissen, um neuen schicken Bauten Platz zu machen. Einer der prominentesten Investoren dabei ist der Immobilienmagnat Christopher van der Veer. Als dieser eines Nachts zusammen mit seiner Frau und seinem Bodyguard ermordet wird, scheint die Sache ziemlich klar. Irgendwelche linksradikalen Terroristen müssen dafür verantwortlich sein. Der ehemalige Ermittler Dewey Wilson wird daraufhin von der NYPD zurückgeholt, um gemeinsam mit der Psychologin Rebecca Neff den Fall aufzuklären. Schnell jedoch entdeckt Wilson, dass es wohl keine linken Terroristen sind, die für die Morde verantwortlich sind. Die Leichen wurden regelrecht zerrissen. Es gibt keine Spuren irgendwelcher Waffeneinwirkungen. Stattdessen finden sich Wolfshaare am Tatort. Wilsons Ermittlungen führen zu einem alten indigenen Kult, in dessen Zentrum der Wolf eine große Rolle spielt. Zum Morden dressierte Tiere? Gestaltwandler? Was wir hier vor uns haben, ist nicht sicher. Sicher ist nur, dass es alles andere als menschlich ist. Und das Morden geht weiter. Wolfen aus dem Jahr 1981. Ein Horror-Thriller aus einer Zeit, in der das Genre gerade einen kleinen Wehrwolf-Craze erlebte. Aber Obacht! Michael Watleys Vision ist weit weg vom europäischen Wehrwolfsmythos. Stattdessen vermischt er indigene Mythologie mit einem zynischen Blick auf die New Yorker Stadtentwicklung. und einer ebenso ökologischen wie sozial-davenistischen Botschaft. Und ob die Wölfe wirklich die Bösen sind, wird dann auch eher ambivalent beantwortet. Johannes Achtung, Suggestivfrage. Was macht dir mehr Angst? Wölfe in der Wildnis oder Kapitalismus im urbanen Raum?
Johannes Franke: Also, Kapitalismus ist scheiße und ich darf gar nicht... nicht sagen, dass mir die Wölfe mehr Angst machen, weil ich der große Kapitalismuskritiker bin. Aber Angst ist vielleicht das falsche Wort. Man hat ja vor Sachen, die man schon kennt inzwischen, nicht mehr so viel Angst, sondern ist eher genervt. Oder ist eher so, Alter, wir müssen jetzt endlich loswerden, weil es einfach zu omnipräsent ist. Und so ist das halt mit Wölfen, mit dem Kapitalismus.
Florian Bayer: Du sagst, Angst ist das falsche Wort. Und ja, natürlich ist es. Das ist auch eine sehr melodramatische Antwort auf den Kapitalismus oder eine sehr melodramatische Form der Kapitalismuskritik von Angst zu reden. Aber wenn ich diese Betonwüsten sehe, diese abgerissenen Viertel, die wirklich aussehen wie aus einem Bürgerkriegsszenario, die in diesem Film gezeigt werden und die echt sind, also nicht in diesem Film an Situation. Tatsächlich haben sie was aufgebaut und eingerissen dafür, aber das gab es wirklich. Das New York Anfang der 80er sah genau so aus. Das waren zerstörte Viertel. Ich empfinde schon ein bisschen Angst.
Johannes Franke: Also auf jeden Fall. Aber wenn du dieses Viertel ansprichst, dann gibt es viel darüber zu reden. Ich weiß nicht, ob du in die Richtung recherchiert hast.
Florian Bayer: Ich bin auch ein bisschen natürlich in diese Richtung gelaufen. Weil gerade so das Thema New York und Nicht-Gentrifizierung, das ist der falsche Begriff in dem Kontext. Aber Veränderung der Stadt und vor allem Veränderung der Stadt durch... Einwirkung von Kapitalismus, von Immobilien, Mogulen und so weiter. Es ist ein großes Thema und ich bin so glücklich, dass Wadley diese Wolfsgeschichte, diesen Wolfsmythos aufgreift, um eben anzugehen. auch eine Geschichte vom apokalyptischen urbanen Raum zu erzählen.
Johannes Franke: Sieht total apokalyptisch aus, oder? Krass. Also nur für euch, wenn ihr den Film nicht gerade gesehen habt, das Ganze spielt in New York, aber die meiste Zeit, während ich gucke, denke ich, wo ist denn da New York? Ja. Weil es so krass nach Nachkriegsbildern aus Deutschland aussieht, wie zugebombtes Berlin teilweise.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und das ist krass. Wenn das aber New York sein soll, warum sieht das so aus und gibt es da irgendeine Grundlage für? Und diese scheiß Grundlage gibt es wirklich.
Florian Bayer: Die gibt es. Die Grundlage geht zurück bis in die 70er Jahre. Wirtschaftskrise.
Johannes Franke: Es geht ein bisschen zurück in die 40er. Wenn man nämlich in die 40er schaut, dann haben da... Wahnsinnig viele Kulturen auf einem engsten Raum sehr gut gelebt und es war eine wahnsinnig beliebte Gegend, die wir in diesem Film dann als sehr runtergekommen sind. wahrnehmen. Die Bronx, ne? Genau, Südbronks. Und die war total beliebt. Was ist passiert? Es ist unglaublich. Es gab damals... Ein Typen, der hat stadtentwicklungstechnisch einen Haufen Scheiße gebaut. Zum Beispiel einen großen Highway durch diese Gegend.
Florian Bayer: Ja, denn wenn es etwas gibt, was die USA braucht, dann sind es mehr Highways.
Johannes Franke: Es ist unglaublich und der hat... Dafür tausende, zehntausende Leute, Haushalte aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben. Hat gesagt, nee, wir bauen da jetzt den Highway durch. Die sind alle raus und dann war dieses riesige Bauvorhaben da und hat diese Gegend entwertet mehr oder weniger. Und nach und nach wollte da keiner mehr so leben, wie eben in der prosperous Zeit vorher. Warum zur Hölle macht man das? Da spielen kapitalistische Interessen irgendwie eine Rolle. Das große Resultat daraus war, dass die Gegend... immer unbeliebter wurde und dass teilweise 12.000 Feuer im Jahr dort stattfanden in den 70ern. Nicht etwa, weil aus Versehen jemand... eine Kerze nicht ausgemacht hat, sondern weil Besitzer ihre Häuser diese Häuser lieber haben ausbrennen lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren, statt das Haus weiter zu bewirtschaften.
Florian Bayer: Das ist so düster. Und die 70er Das war ja das, worauf ich Bezug genommen habe. Die waren eine schwere Zeit. Die waren für Amerika sowieso eine schwere Zeit, weil es eine Wirtschaftskrise gab. Sie waren besonders für New York eine schwere Zeit. Die standen nämlich im Jahr 1975 quasi vor dem Ruin. Es war so ein Moment, wo die Stadt fast pleite ging. Den ging das Geld aus. Und die sind dann tatsächlich bei Gerald Ford, beim damaligen US-Präsidenten, angetappt. Und haben gesagt, könnt ihr uns irgendwie helfen. Das klappt nicht, wir müssen Insolvenz anmelden. Eine große Stadt, eine der größten Städte der USA. Ist es die größte Stadt der USA? Ich glaube, ja.
Johannes Franke: Da bin mir nicht sicher.
Florian Bayer: Muss Insolvenz anmelden, was total krass ist. Und was die Konservativen damals gemacht haben, also was wir heute kennen von Trump. Dass New York so als das Sodom und Gomorra der modernen Zeit gilt, das ist ein Blick auf New York, den die Konservativen schon immer hatten. Dieses liberale Konservativen. grüne, wilde, bunte New York, das hat nichts mit unseren amerikanischen Werten zu tun. Und dann haben die gesagt, wir lassen die Stadt ausbluten, wir helfen. Euch nicht. Und dann standen die New Yorker da und haben gesagt, okay, wir müssen das irgendwie hinkriegen, damit wir nicht insolvent gehen und müssen irgendwie an Geld kommen. Und dann... sind die Kapitalisten zur Hilfe gekommen. Die haben dann nämlich gesagt, pass auf, wir kriegen das irgendwie hin. Das Ding ist nur, wenn wir New York irgendwie retten wollen, vor allem solche Stadtteile wie die Bronx und so weiter, Dann gehören die uns. Und dann haben die teilweise wirklich das Land der Stadt abgekauft. Die Stadt hat zusätzlich extrem viele Einsparungen gemacht, so klassisch, was halt gemacht wird, wenn kein Geld da ist, es werden als erstes Sozialausgaben. Die klassischen Dienstleistungen der Stadt zusammengestrichen und die großen Anleger haben die Stadtteil übernommen und die haben die einfach mal eingerissen. die sowieso schon am Boden waren, wurden aus ihren Stadtteilen vertrieben. Die Stadtteile wurden eingerissen und das waren dann wirklich einfach nur noch Betonwüsten.
Johannes Franke: Also aber auch tatsächlich eine Entwicklung. Also es ist nicht so, dass es von einem Tag auf den anderen passiert ist, sondern es ging dann halt auch so... Die haben dann mit dem Rotstift quasi auf der Karte Teile der Stadtteile markiert. Und dann wurde in diesen Gegenden... Die einen hohen Anteil an schwarzen und puertorikanischen Bevölkerungen hatten, wurden keine Kredite mehr vergeben und die Gebäudeversicherungen wurden auch nicht mehr vergeben. Sodass das alles für Anleger auch immer unsicherer wurde. Und es ist bitter, dass es ausgerechnet diese Gegend natürlich wieder sind.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Einfach ein rassistisches Scheißteil.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Dass das wieder diese Gegenden sind, in denen einfach schwarze und puertorikanische Leute sind. Und dann wurde eben auch diese Investition, die in dieser Gegend dringend nötig war, einfach nicht mehr gemacht worden. Weil einfach mit den Versicherungen gab es nicht mehr keine Kredite und so weiter. Also ein erzwungener Investitionsstopp im Grunde. Und das auch dazu geführt hat, dass zwölf Feuerwehrwachen in dieser Gegend komplett defundet zumachen mussten. In einer Gegend, die sowieso schon Brandprobleme hatten, weil die... Besitzer der Häuser sie lieber abgefackelt haben und das Dreifache des Wertes aus der Versicherung rausgeholt haben, als das Ding zu bewirtschaften. absolut bonkers.
Florian Bayer: Total krass, ja.
Johannes Franke: Mitten in New York
Florian Bayer: Und das ist ja wirklich, das folgt einer absolut krassen kapitalistischen Logik. Wir geben Viertel auf, wir entwerten sie. Und dann lassen wir die Spekulanten drauf los, damit die das Ding, das machen können... Was wir ja auch teilweise in Berlin sehen, dass diese Häuser ewig leer stehen, dass die komplett zerfallen und dann kommt irgendwann der vermeintliche Retter, der ist dann ein Immobilienmagnat und der kauft es. Und der reißt es dann komplett ein. Das heißt, es geht einfach komplett Wohnraum verloren, weil was dahin gebaut wird, sind teure Privatwohnungen. Und Anfang der 80er befinden wir uns irgendwie so an diesem Punkt, wo das passiert, wo die Viertel eingerissen werden, wo noch nicht die schicken neuen Wohnungen gebaut werden, noch nicht die schicken neuen Häuser gebaut werden. Aber wo quasi ganze Viertel vernachlässigt werden und dann schließlich aufgekauft und abgerissen werden. Und zurück bleibt halt ein bürgerkriegsähnliches Gebiet. Ja, total. aus wie nach dem Zweiten Weltkrieg.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Die haben also auch gute Bilder für den Film gefunden davon, muss man sagen. Wahnsinn. Diese eine Kirche haben sie aufgebaut, weil das die Hauptlocation war quasi. Das haben sie aufgebaut und am Ende eben niedergebrannt. Und das ist das Einzige. Der Rest ist wirklich echt in diesem Film.
Florian Bayer: Es ist total krass. Du gehst wirklich durch diese Häuserruinen. Du hast nicht das Gefühl, dass das irgendwie ein lebenswerter Raum ist. Und das Schlimme ist halt, wie gesagt, die Menschen, für die das vorher vielleicht nicht lebenswerter Raum, aber zumindest Lebensraum war, Die wurden halt komplett vertrieben und die wissen nicht wohin. Und die Immobilienpreise steigen natürlich dann auch. Es werden Eigentumswohnungen gebaut. Und die haben ja New York auch irgendwie wieder schicker gemacht. Es gibt so quasi das Bild, so die Geschichte, die gerne erzählt wird, oh Gott, dass New York der 70er und 80er sah echt schlimm aus, das war ein Moloch. Gott sei Dank sieht es heute anders aus, aber dieses anders bedeutet halt auch, dass extrem viel sozialer Wohnraum verloren gegangen ist.
Johannes Franke: Das Ding ist, es ist ja noch bitterer eigentlich, weil diese Gegend, die total runtergekommen war... Irgendwann haben die Leute, die dort gelebt haben oder die vertrieben wurden und eigentlich wieder in ihre Heimat zurück wollten, gesagt, wenn der Staat das nicht macht, müssen wir es selbst in die Hand nehmen. Und dann haben sich so Gruppierungen gefunden, die sich selbst organisiert haben und die die Häuser besetzt haben und selber wieder aufgebaut haben. Mit eigenen Händen dann erstmal nur so ein Stockwerk dahingestellt, wie so ein Vorort, aber eben mitten in New York, so eine Vorortbaracke. Und dann hat sich das nach und nach entwickelt, dass sie da wieder angefangen haben, wirklich selbst was zu bauen. Unter dem Motto, don't move, improve. Die haben wirklich mit Schubkarre, wie bei uns nach Krieg, sind sie da durchgegangen, haben Baumaterialien zusammengesammelt und haben das alles sortiert und gemacht. Mit einem riesigen Aufwand. Und diese Leute können sich heute die Miete dort nicht mehr leisten.
Florian Bayer: Krass, totaler Scheiß. Der urbane Raum ist echt ein brutales Pflaster. Und wenn ihr euch jetzt fragt, was das alles mit Wehrwölfen zu tun hat, sag ich zu euch, es geht in dem Film nicht um Wehrwölfe. Haltet die Fresse. Verschwindet.
Johannes Franke: Ach ja, schön.
Florian Bayer: Aber was ihr euch fragen könnt, ist, was das Ganze mit der Vorlage Wolfen zu tun hat, aus dem Jahr 1978, dem Roman von... Whitley Streber und zu denen sage ich nichts. In dem Roman kommt das Ding nämlich nicht vor.
Johannes Franke: Ja, der Film hat schon einiges auch mehr versucht, als das Buch das vorgibt und aber auch vieles weggelassen. Also da sind einige Umstrukturierungen passiert.
Florian Bayer: Aber wenn ich es richtig verstanden habe, ich habe das Buch nicht gelesen.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Ich habe mir ein bisschen Zusammenfassung angeschaut und offensichtlich diese Grundthemen... die der Film hat, nämlich diese drei großen Grundthemen, die ich so ausmachen würde, nämlich einmal die Zerstörung des urbanen Raumes. Zum Zweiten der Konflikt zwischen indigener Kultur und städtischer Lebensweise. Und zum Dritten das Thema technische Überwachung. Fortschritt der für Paranoia. Dieses Komplex. Die kommen in dem Buch offensichtlich alle drei gar nicht vor. Gar nicht. Es gibt keine Natives, die spielen keine Rolle.
Johannes Franke: Echt? Ist das so?
Florian Bayer: Es gibt keine Natives und kein Native-Mythos hinter den Wehrwölfen. Es gibt nicht diese Thematik des städtischen Raums, der zum Jagdgebiet wird. Und es gibt auch nicht dieses Ding mit, wir stellen diese Techniken gegen das Natürliche der Wölfe. Und im Roman wird wohl offensichtlich auch das Wort Wehrwürf benutzt. Oh, okay. Whitley Streeper benutzt wohl das Wort Wehrwolf, um seine Wölfe, die in dem Buch auch rumlaufen und Menschentöten zu beschreiben und die sind ganz eindeutig die Gefahr und gegen die wird auch irgendwann gekämpft und die werden auch irgendwann besiegt und irgendwann erfährt die Welt, dass es sie gibt. Und jetzt können die Menschen versuchen, diese schrecklichen Wolfsmonster, die in New York leben, zu vernichten.
Johannes Franke: Aber was haben wir dann in diesem Film? Was ist das genau? Das sagt der Film ja nur so halb oder nur so verdeckt oder gar nicht richtig. Also, vielleicht müssen wir uns da auch annähern und können jetzt nicht die Antwort geben, so Clickbait-mäßig. Sondern wir müssen halt, um diese Frage zu klären, wahrscheinlich durch die ganzen anderen Sachen durch, wie zum Beispiel das Thema der Natives und das... Und die Postproduktion, die das Ganze so verändert hat von der ursprünglichen Vorlage, dass vielleicht auch... dieser Film eine Antwort nicht mehr gibt, die der ursprüngliche Film hätte geben sollen.
Florian Bayer: Absolut möglich. Der ursprüngliche Film... ist von Michael Wadley. Und um das vorwegzunehmen, wir haben am Schluss einen Konflikt, in dem Wadley zu Orion sagt ... Nehmt meinen Namen aus diesem Film raus. Ich möchte nicht als Regisseur dieses Films geführt werden.
Johannes Franke: So weit gegangen ist das? So weit gegangen ist das. Die haben doch ganz viel gestritten, dass der noch weiter dreht, damit er seinen Credit behalten kann.
Florian Bayer: Es ging dann vor allem darum, hat er das Recht an dem Director's Cut? Wurde das erfüllt? Und es ist ein total spannender Rechtsstaat, der entstanden ist. Michael Weddley war... In diesem Januar 1981, der hatte noch nicht viel gemacht, aber der war ein großer Name. Der hat nämlich eine der bedeutendsten Dokumentarfilme des 20. Jahrhunderts gemacht, Woodstock. Aus dem Jahre 1971 hat ein Oscar gewonnen als bester Dokumentarfilm. Hat... Woodstock dokumentiert und wenn ihr Bilder von Woodstock seht, heute in irgendwelchen Dokumentationen, in irgendwelchen Reportagen.
Johannes Franke: Immer von ihm.
Florian Bayer: Es ist von ihm. Er hat das Ding begleitet, er hat das Ding aufgenommen und das war ein riesiger Hit. Das hat 600.000 Dollar gekostet. über 50 Millionen Dollar allein in den USA eingespielt.
Johannes Franke: Geil, ne? Krass. Naja, aber er hat ja als Dokumentarfilmer nur auch eine andere Perspektive darauf. Und hat vielleicht auch andere Wünsche an so einen fiktionalen Film, als... Standard Hollywood, ne? Absolut. Und das merkt man in dem Chaos, das da wohl passiert ist.
Florian Bayer: Total. Es war sein erster fiktiver Feature-Film. Spoiler, er wird nicht sehr viele Filme danach machen.
Johannes Franke: Nein, es ist sein letzter fiktiver Feature-Film.
Florian Bayer: so keinen Bock mehr auf dieses ganze Hollywood-Ding, dass er sagt, okay Leute, ich bin raus und sich statt irgendwas Neues zu drehen einfach mit seiner Produktionsfirma verstreitet. und einen sehr großen Rechtsstreit nach sich zieht.
Johannes Franke: Er ist dann tatsächlich in die Aktivismus-Ecke gegangen. Ja, total.
Florian Bayer: Was man ja auch in diesem Film merkt, dass er diese Tendenzen hat. Was ist passiert? Michael Wadley hat seinen großen Woodstock gedreht und... Hat dann immer mal wieder danach versucht, Projekte in Gang zu bringen, aus denen nichts geworden ist. Woraus was geworden ist, war zum Beispiel ein Dokumentarfilm über Janis Joplin. wo er als Kameramann gearbeitet hat. Aber ansonsten hat der nicht viel gemacht. Der ist so ein bisschen geschwommen. Anscheinend war er ein schwieriger Typ, Das war schwierig für ihn. Orion, Mike Medowoy, der war executive, hat zu ihm gesagt, mach doch mal einfach einen ganz klassischen, typischen Blockbuster. Mach mit uns mal zusammen einen fiktiven Einen klassischen, fiktiven Feature-Film. Irgendwas Cooles. Und Wadley hat dann gesagt, gut, dann nehme ich dieses Buch von Wadley Streber. Und hat dann, hat sich das angeguckt und das ist wohl wie gesagt eine relativ klare Relativ klarer Horror-Thriller und hat gesagt, okay, ich will da mehr reinbauen. Ich will mich irgendwie mit amerikanischer Geschichte beschäftigen. Und er ging sogar so weit, dass er einen Prolog geschrieben hat, der wie vieles andere auch gekürzt wurde aus dem Film, in dem erzählt wird, wie im Jahr 1660 Natives von niederländischen Siedlern überfallen und umgebracht werden. Parallel wird erzählt, wie Wölfe einen Hirsch verfolgen und töten.
Johannes Franke: Also er macht diese Parallele schon sehr früh auf eigentlich, aber das macht der Film nicht sehr früh auf. Und ich werde wahrscheinlich nicht nur einmal während dieser Episode sagen, mich interessiert dieser fucking Film. den eigentlichen Film, den Wedley machen wollte. Und den Musiker, den er eigentlich hatte und all diese ganzen anderen Side-Stories, die hier drinstecken, interessieren mich total. Nicht, dass der Film schlecht ist, den wir jetzt vor uns haben, aber ich kann mir ihn so viel besser noch vorstellen. mit dem, was Bradley vorhatte. Aber die erste Fassung war halt viereinhalb Stunden lang.
Florian Bayer: Und er hat die den Orients gezeigt und hat gesagt, das ist mein Film. Und die haben gesagt, scheiße, wir haben schon viel zu viel Geld für diesen Film ausgegeben. Das ist kein Film. Das ist ein Rohschnitt. It's a mess. Und haben ihn gefeuert.
Johannes Franke: Vor allem waren ständig diese viereinhalb Stunden unterbrochen von so Title Cards, auf denen stand, this scene is missing. Weil er bestimmte Sachen nicht machen konnte, durfte.
Florian Bayer: Der wollte noch Milchschutz machen, aber das ist ja auch ein normales Ding, ne? Ja, übliches Verfahren damals.
Johannes Franke: Das ist heute noch ein absolut übliches Verfahren. Man macht halt immer mal wieder, wenn man den Schnitt sieht, reshoots, weil man merkt, ah, das Da fehlt noch was im Film, da muss noch was gemacht werden. Aber die waren einfach nicht einverstanden mit ihm. Die wollten nicht das, was er wollte. Und der Produzent... Hatte dieses Buch ja eigentlich auch schon recht früh am Wickel und es war sehr sein Baby auch. Also der Produzent hing da auch stark dran. Und dann haben da beide in unterschiedliche Richtungen gezerrt.
Florian Bayer: Rupert Hitzig, der hatte die Rechte ursprünglich gekauft. Und der ist dann auch tatsächlich für die Reshoots eingesprungen.
Johannes Franke: Ist das Rupert Hitzig gewesen?
Florian Bayer: Das ist Rupert Hitzig. Es kommt gleich noch ein dritter Regisseur dazu. Hancock. Genau, John Hancock kommt noch dazu, aber Rupert Hitzig hat angefangen, die Reshoots zu machen und die Sachen, die einfach noch gemacht werden mussten, damit man da irgendwas draus machen konnte, was sie sich vorgestellt haben, nämlich einen Zwei-Stunden-Film, der irgendwie funktioniert für ein Mainstream-Publikum, das auf Horror steht.
Johannes Franke: Aber es gab da Probleme, weil das alles in Amerika natürlich auch stark reglementiert ist. Du hast eine Actors Guild, du hast eine Directors Guild, du hast ganz viele verschiedene Interessensgruppen. die dann Regeln aufgestellt haben, wie man mit ihren Regisseuren arbeiten darf und wie nicht. Es gab einen riesigen Streit mit Wedley, mit dem Regisseur, mit dem ursprünglichen... Und dann mit dem Produzenten, der einfach angefangen hat, Reshoots zu machen und der musste dann einen weiteren... Regisseur anheuern, der das Ganze überwacht, damit der Directors Guild zufrieden ist, dass da auch wirklich ein Regisseur ist, der eine Vision hat als Regisseur für diesen Film. Und das war eben Hancock.
Florian Bayer: Genau, das war John Lee Hancock, der dann noch dazu gekommen ist. Was das Ganze nach sich gezogen hat, ist, dass Wadley Orion verklagt hat. Und zwar hat er gesagt, ich hatte eine Schnittfassung von diesem Film und Das ist das, was man Directors Cut nennt. Das ist mein Ding. Mir wurde verweigert, obwohl das eigentlich so sein sollte, diesen Film einem Publikum zu zeigen. Der wurde genommen und der wurde zerflettert und der wurde gekürzt. ohne dass ich irgendwie eine Chance hatte, mich da einzuführen.
Johannes Franke: Vor allem auch, weil alle Visionen, die ich noch hatte für diesen Film, eigentlich abgeschmettert wurden. Also ich konnte nie den Film machen, den ich machen wollte. Und das ist auch eines seiner großen Argumente gewesen.
Florian Bayer: Orion hat gesagt, du hast das Budget überzogen. Du hast dich nicht an unsere Produktionsvereinbarung gehalten. Du hast viel zu lange gedreht, das war viel zu teuer, das hat alles nicht funktioniert. Und jetzt ist es so ein Ding, wir haben ja einfach Sachen, die auseinander gehen und manchmal kann man ja sagen, es ist so eine Geschichte von, wir wissen nicht, wer Recht hat, wer... Bei dieser Geschichte muss einer von den beiden lügen. Es ist einfach so. Wadley hat dann nämlich gesagt, mir wurde nichts gesagt. Mir wurde nicht gesagt, wie mein Budget ist. Mir wurde nicht gesagt, wie viel Zeit ich habe und so weiter. Ich durfte einfach machen. Und es passt nicht zusammen. Einer von den beiden Parteien erzählt da gerade Stuss.
Johannes Franke: Ich glaube, in meiner Recherche rausgelesen zu haben, dass ziemlich eindeutig ist, dass die beiden viel zu wenig miteinander gesprochen haben. Produzent und Regie haben viel zu wenig miteinander darüber gesprochen, was die Vision ist, was sie wirklich machen können, was möglich ist und was nicht möglich ist. Und das Ding ist, hier kommt hinzu, dass Radley nur als Dokumentarfilmer Erfahrung hatte. Jedem normalen Regisseur, der ein bisschen mehr Erfahrung hat, muss man viele Sachen nicht sagen als Produzent. Dieser Produzent hätte wissen müssen, dass das mit einem Dokumentarfilmer zu tun hat und ihm ein paar Infos mit in die Hand geben. wie das im fiktionalen Bereich nun mal ist und dann wäre es vielleicht auch dazu nicht gekommen.
Florian Bayer: Es gab ein Schlichtungsverfahren von der Directors Guild. Edward Mosk war wohl der, der dafür verantwortlich war. Und der hat gesagt, es ist alles gut, du hattest deinen Directors Cut. Und wie gesagt, Quedley hat gesagt, nein. Ich will diesen Directors Cut zeigen, was bringt mir das Ding, wenn ich dieses Material habe, wenn den kein Publikum sieht. Und das hat wohl dazu geführt, dass dann auch in Zukunft gesagt wurde, dass dann nochmal extra Regeln gemacht wurden, genau deswegen, die gesagt haben, nein, nein. Zu dem Recht, einen Directors Cut zu haben, gehört in Zukunft für alle Zeiten, für alle Produktionsfirmen. Dass sie auch das Recht einordnen, dass der Regisseur oder die Regisseurin ihren Cut einem Publikum vorstellen darf und dass der nicht einfach nur in der Mottenkiste verschwindet.
Johannes Franke: Die haben dann diesen Reshoot gehabt mit Hancock und ich habe ein Interview gehört mit Hancock. Und wie der darüber redet, ist nicht schön. Weil der wirklich dahin kommt und sagt, das war der langweiligste Film aller Zeiten, es war alles scheiße, der Rough Cut war furchtbar. Und er muss irgendwie da jetzt überhaupt erst einen Film draus machen. Ja. Und das klingt schon ein bisschen, ja, okay. Wenn das wirklich der langweiligste Film aller Zeiten war, okay. Aber er redet darüber auf eine Arsch und Weise, dass ich das Gefühl habe... dass er seine Produktionsentscheidungen versucht zu rechtfertigen, weil der Film nicht erfolgreich war.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der Film war nicht erfolgreich und er versucht dann noch zu sagen, naja, ich musste ja irgendwas draus machen. Statt vielleicht sich mehr auf das Niveau oder auf den Pfad zu begeben, den die eigentlich von Anfang an eingeschlagen haben. Der wollte diese ganzen Wolfsszenen. nochmal drehen mit Kleinwüchsigen in Kostümen. Was für eine bescheuerte Idee ist das denn?
Florian Bayer: Autsch. Er war nicht glücklich mit diesen Wärmekamerabildern, die heutzutage abgefeiert werden als innovative Bilder. Das war eine der Sachen, die Wadley hier wirklich reingebracht hat. Nämlich, dass er diese besondere, vermeintlich vermeintlich hitzesensible Kamera gemacht hat. Das Bild wurde in der Post einfach so verfremdet, dass es so ein bisschen aussieht, als würde da irgendwie so eine Art Heat Detection stattfinden.
Johannes Franke: Ursprünglich kam die Idee schon vom Autor. Der Autor hat auch schon gesagt, das wäre doch eine geile Idee.
Florian Bayer: Der Autor hatte auch aus der Perspektive der Wölfe geschrieben. Das war eine Sache, die es aus dem Buch in den Film geschafft haben. Und wir haben hier ja sehr viele von diesen Szenen, in denen wir den Blick der Wölfe haben und halt wirklich diese Heatwishen. Was auch dazu gehört zu diesen Szenen ist, dass Steadicam zum Einsatz gekommen ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, sehr viel.
Florian Bayer: war damals noch relativ jung und relativ frisch.
Johannes Franke: Die haben das 1975 erst erfunden. Die Möglichkeit, eine stabile Kamera zu haben, mit der man rumläuft und wo die eigenen Schritte, die man als Kameramann macht, nicht sofort im Bild zu sehen sind, indem die Kamera wackel, wackel, wackel macht. Sondern es gibt so ein Abdämpfsystem mit Federn und so weiter, wo die Kamera dann eben nicht alle Schritte mit übernimmt. Darüber haben wir sehr viel in The Shining gesprochen.
Florian Bayer: Genau, das war der erste große Film, der Steadicam berühmt gemacht hat und das war im Jahr 1980. Und Steadicam Garrett Prawn heißt der Erfinder, 1975, genau. Und der wird auch nochmal extra gewürdigt im Vorspann von diesem Film.
Johannes Franke: Ja, weil der einen Höllenjob gemacht hat. Muss man sagen. Also auch in The Shining ist ja auch diese Kamera schon so, so bodennah, wenn der durch die Gänge fährt. Das war einfach für den Film extra für The Shining gemacht, dass er die Kamera so kopfüber sozusagen hat hängen lassen an diesem System mit den Federn. sodass er wirklich ganz knapp über dem Boden langfahren konnte. Richtig geile Bilder in The Shining. Und hier verwendet er das halt wieder. Und ich finde, man sieht es. Diese Verwandtschaft zu The Shining von den Bildern, von der Perspektive der Wölfe ist echt da. Und ich finde es ziemlich gut von der Kamera.
Florian Bayer: Es sind voll spannende Bilder und es ist total interessant, was sie halt aus den technischen Möglichkeiten, die sie damals hatten, rausgeholt haben. Man guckt da heute vielleicht drauf und denkt, ja, man hat das später... Ja, natürlich. Man hatte Predator, der ein paar Jahre später kam, war das deutlich stärker und prägnanter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dieses Gefühl, dass wir hier einen Blick von einer fremden Lebensform haben, die anders blickt als wir Menschen, der ist absolut da und der sorgt für sehr viel Atmosphäre.
Johannes Franke: Die haben ja verschiedene Sachen ausprobiert für diese thermische Darstellung. Was heißer ist, wird anders dargestellt, als was kälter ist und so rot und blau und sowas. Und es gab den Special-Effects-Artist Robert Blalack, wie wird das ausgesprochen? Robert Blalack. Der war für Star Wars bekannt. Und der hatte ganz viele tolle Sachen gemacht. Und der hat... ganz viele Computersimulationen ausprobiert, eine mit 200 Graustufen und die war Wahnsinnig dunkel und undefinierbar, man konnte nicht so richtig was daraus erkennen. Das hat nicht so richtig funktioniert und dann haben sie verschiedene andere Kompositionsverfahren nochmal ausprobiert und dann kam er auf ein Smell-O-Vision. Was eine geile Zwischenidee war, die dann leider abgelehnt wurde. Was ich auch total spannend fand, weil seine Idee war, die Wölfe... ... riechen, wer vorher in dem Raum war. Und dann sehen wir quasi durch die Kamera in deren Perspektive noch, wer in diesem Raum war... bevor die Wölfe gekommen sind.
Florian Bayer: Klingt sehr ambitioniert.
Johannes Franke: Und wenn die Wölfe sich dann darauf konzentrieren, wer wirklich gerade im Raum ist, blendet das so über.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich finde die Idee geil, aber es ließ sich erzählerisch nicht gut umsetzen. Kann ich mir auch schwer vorstellen. Und der Regisseur hat gesagt, nee, das ist zu kompliziert.
Florian Bayer: Ich glaube, das verwirrt das Publikum. Mir fällt es gerade auch schwer, mir diese geniale Idee so umgesetzt zu... vorzustellen, dass sie nicht verwirrend ist.
Johannes Franke: Genau. Weil du ja auch zwischenschneidest zwischen der Perspektive des Wolfes und der tatsächlichen, dem, was da tatsächlich passiert. Und wenn du da Leute im Raum siehst und dann aus der Perspektive der Wölfe sind ganz andere Leute im Raum, das verwirrt mich.
Florian Bayer: Ja, wo bin ich gerade? Was ist hier los?
Johannes Franke: Aber es war eine geile Idee. Also vom Konzept her finde ich es eine geile Idee.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Naja und dann haben sie halt verschiedene andere Sachen ausprobiert und als dann auch der Regisseur gefeuert wurde und eine andere Vision reinkam mit Hancock und so. Haben sie gesagt, das, was ihr da habt, ist auch scheiße mit den Aufnahmen. Wir machen das auch nochmal anders. Und dann ist halt Balak wieder gegangen. Der große Star Wars Mensch ist aus diesem Projekt ausgestiegen und dann hat eine Kollegin das Ganze übernommen, Beth Block. Die hat das dann irgendwie nochmal ein bisschen vereinfacht und so und dann ist das brei rausgekommen, was wir jetzt im Film sehen. Was ich schon auch noch ganz geil fand. Also so ist es nicht. Aber die anderen Versionen klingen halt auch interessant.
Florian Bayer: Ich finde es ganz gut, dass es sich trotzdem in den Film gerettet hat. Ich kann mir vorstellen, dass du da auch als Executive drauf guckst und sagst, uff. Das sorgt aber für Längen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich kann mir vorstellen, dass diese viereinhalb Stunden Version, die Wadlay am Anfang gemacht hat, dass sie sehr viele von in diesen Längen hatte, nicht nur durch die Wölfe, sondern auch durch andere Sachen. Ich finde, es macht aber halt auch vor allem viel Atmosphäre und ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass es Meiner Meinung nach, ohne das Original, den Directors Cut zu kennen, doch relativ viel von dieser Atmosphäre auch in diese, sagen wir es mal, zurechtgestützte Version geschafft hat.
Johannes Franke: Ja, ja schon. Aber beim Thema Wärmebildkamera, denkst du nicht auch die ganze Zeit, wann pupst denn endlich jemand? Nein.
Florian Bayer: Ich denke die ganze Zeit an Predator, ganz ehrlich. Aber ich bin halt auch so ein Action-Nerd aus den 80ern. Und das war das erste Mal, dass ich das gesehen habe und das ist meine Vision. Und da denke ich eher, wann sieht man denn, wie der Körper zerplatzt und das Blut... In alle Richtungen spritzt und langsam weniger Temperatur hat.
Johannes Franke: Weil es gibt ja diese technische Variante als Lügendetektor, den Sie da mit einbauen. Sie machen den Vergleich quasi auf zwischen der natürlich entwickelte Blick des Wolfes auf die Welt. versus die technische Variante des Menschen, was ein total geiler Kontrast ist. Ja, ja. Und sie machen einen Lügendetektortest draus. Und ich denke mir die ganze Zeit, die sehen da zwei Menschen, wie sie sitzen. Irgendwann muss noch einer mal pupsen. Und das muss man doch sehen in der Wärmebildkamera.
Florian Bayer: Wie schnell erkaltet ein Pups, wenn er den menschlichen Anus verlässt? Ich weiß nicht, ob man davon viel sieht. Ich glaube, das wird relativ kühl.
Johannes Franke: Es gibt Aufnahmen davon im Internet. Ich komme ja nicht umsonst drauf, weil ich schon sowas kenne.
Florian Bayer: Okay, du hast dir den Shit angeguckt. Du hast dir Leute, die pupsen, bei der Werbebildkamera angeguckt.
Johannes Franke: Good for you. Ich müsste einfach bei YouTube eingeben, kommt. Das ist doch großartig. Also es gibt viel Scheiß, den ich bei YouTube gucke, aber auch ich habe Grenzen. Und dann stelle ich mir vor, wie der Typ, der davor sitzt und die Wärmebildkamera anschaut und sagt, ah, der lügt, weil das hier ein bisschen zu rot geworden ist. Hä? Hä? Der dann den Pups missversteht als Lüge. Ich bin wieder ein Zwölfflor.
Florian Bayer: Es ist total krass. Lass uns kurz zu diesem technischen Raum zurückkommen, der ja wirklich auch so eine Komponente des Films ist. Ja, ja, ja. Wir haben diese krasse Überwachungszentrale und wir sehen diese Überwachungszentrale ganz am Anfang als offensichtlich Sicherheitsding. Für diesen prominenten Immobilienmogul. Und dann sehen wir die aber auch irgendwann im Film als Zentral der Polizei. Also die Technik. die die Polizei nachher benutzt, um die Morde aufzuklären, ist dieselbe Technik, die private Sicherheitsfirma was auch immer benutzt hat, um diesen Typen zu schützen. Es wird nicht erklärt, in welchem Zusammenhang diese Technikleute, die da sind, zum Start stehen. Aber es wird offensichtlich stillschweigend anerkannt, dass die einfach zusammenarbeiten und dass der Staat auf diese Technik von diesem großen Tech-Konzern zugreift. Und ich finde es vor allem spannend, auch aus heutiger Perspektive, wo da viel drüber geredet wird, wie eng sind Silicon Valley und US-Administrationen. miteinander verbandelt. Und Elon Musk ist natürlich das große Beispiel, aber man kann auch eine Nummer kleiner gehen. Und ich finde, da ist was zu holen. Das ist irgendwie ein spannendes Thema, wie dieser private Sektor in den... in den staatlichen Sektor reinragt und die Grenzen verwischen und das irgendwie so eine Art Bedrohungsszenario aufmacht.
Johannes Franke: Aber das macht der Film nicht so richtig.
Florian Bayer: Findest du?
Johannes Franke: Ich finde, dass der Film das nicht so wirklich aufs Tablett bringt und sagt, hier, guck mal.
Florian Bayer: Ich finde das voll beängstigend. Diese Gegenschnitte von der Verhörssituation und dann diese anonymen Kontrollräume, die von sich behaupten, volle Transparenz zu haben und innerhalb von Sekunden sagen zu können, ob jemand lügt oder ob jemand die Wahrheit sagt. Und zwar in einem Setout, in dem die Menschen, die verhört werden, nicht wissen, dass sie gerade so voll durchgescannt werden.
Johannes Franke: Das Ding ist, ich denke die ganze Zeit, ah, Bullshit. Das ist alles Technik-Bullshit. Das ist alles so...
Florian Bayer: Es ist eine Science-Fiction-Komponente.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber das Problem ist halt, dass ich eben diese Science-Fiction-Komponente nicht in einem Science-Fiction-Film sehe, sondern dann irgendwie, das ist halt... Das wird zu einer Art Science-Fiction-Film dadurch, aber eigentlich ist es das ja nicht ursprünglich.
Florian Bayer: Es ist kein Science-Fiction-Film, aber die 70er und 80er haben das in ihren, gerade in ihren Agenten und Paranoia-Thrillern. Da haben die das echt gerne gemacht, dass sie so ganz klein bisschen in die Zukunft gedacht haben. aber nicht zu weit, dass es noch einigermaßen plausibel bleibt, was hier passiert.
Johannes Franke: Aber ist es plausibel, dass du über eine Wärmebildkamera Lügendetektor machen kannst?
Florian Bayer: Lügendetektor sind generell nicht plausibel. Und sie werden trotzdem eingesetzt. Und sie werden viel eingesetzt. Sie werden bis zum heutigen Tag eingesetzt. Und sie sind eigentlich antiwissenschaftlicher Bullshit. Deswegen finde ich es absolut glaubwürdig, dass sie sagen, wir haben hier die neueste Lügendetektortechnik. Gerade in Amerika. Natürlich. Und ja, natürlich ist es Bullshit, aber ich glaube, das ist okay, weil es in der Realität genauso stattfinden könnte. Und wenn diese Technik da wäre, wenn die da gewesen wäre in der Zeit, dann wäre die auch so genutzt worden.
Johannes Franke: Ja, das stimmt wohl.
Florian Bayer: Und dann ist es natürlich besonders krass, weil diese Verhöre, sie haben ja ganz klar diesen politischen Hintergrund. Sie suchen nach linken Terroristen, nach Öko-Terroristen. Das heißt, sie haben Leute festgenommen, die sie vor allem wegen ihrer politischen Einstellung, weil die potenziell Terroristen sein könnten, festgenommen haben. Und dann kommt diese politische Verfolgung rein, diese Sublime, die man nicht so ganz zu greifen kriegt, weil man sagt, ja... Das sind Leute am extremen Rand und vielleicht haben die wirklich was gemacht oder haben vielleicht wirklich was vor, aber trotzdem werden die vor allem wegen ihrer politischen Einstellung, weil sie Störfaktoren im System sind, festgenommen.
Johannes Franke: Und ich finde, dass der Film das schon auch stark macht, dass das alles Stellvertreterkriege sind. Also die Linken nerven halt.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Also muss ich die jetzt einfach da reinziehen und denen das in die Schuhe schieben. So ein bisschen so wirkt das.
Florian Bayer: Absolut. Sie haben dann ja auch diese Nichte von ihm, diese Anarchistin. Und die wird verhört und sie fragen sie, was glauben sie, warum er ermordet wurde? Und sie antwortet, es war kein Mord, es war eine Hinrichtung. Und dann sehen wir, wie das in diesem Raum überwacht wird und sie sagen, nein, nein, sie lügt. Und was quasi wie ein Geständnis wäre oder eine Mitwisserschaft zumindest, wird durch diese Technik komplett beiseitegekehrt. Und es wird aber dann auch erklärt, ja sie will halt einfach, sie präsentiert sich als diese politisch subversive.
Johannes Franke: Ja, insofern ist das ja auch ein Kommentar und dieser Film steckt voller kleiner Szenen, wo ich nicht ganz genau weiß, ob es ein Kommentar ist. oder ob es eine dramaturgische Schwäche ist. Ich bin mir nicht immer ganz sicher, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich finde, bei diesem politischen Zeug ist es ziemlich eindeutig. Und das sind diese drei großen Themen, die ich sehe. Diese Überwachung. die omnipräsent ist, wo auch Bürgerrechte so ganz langsam mit Füßen getreten werden, dass man es kaum bemerkt. Dann diese Verwahrlosung des städtischen Raums, diese Zerstörung des städtischen Raums. Und dass die Indigenen halt einfach komplette Außenseiter sind und unterdrückt wären und ihre Kultur überhaupt nicht verstanden wird.
Johannes Franke: Wobei ich auch das Gefühl habe, dass der Film die Kultur nicht wirklich versteht oder beleuchtet, ne?
Florian Bayer: Der Film benennt die Kultur nicht. Der Film sagt nicht, hier haben wir die hier vor uns. Und benutzt der Film das Wort Innieren? Ich gehe fast davon aus, aber ich kann mich nicht erinnern.
Johannes Franke: Ja, ich glaube ja.
Florian Bayer: Und ich hab versucht zu finden, worauf der Film sich stützt. Und um das gleich vorwegzunehmen, Es gibt nicht viel zu finden, worauf der Film sich stützen könnte, weil diese Wolfsmythen... Es gibt sie, aber sie funktionieren komplett anders, als sie in diesem Film erklärt werden.
Johannes Franke: Und vor allem sind sie gar nicht so... auf indigene Völker beschränkt oder sowas, sondern es gibt auf der ganzen Welt, in allen Völkern, irgendwelche Wolfsmythen und Wolfs... Bezüge und so. Also ich weiß nicht.
Florian Bayer: Versuchen wir es trotzdem mal kurz konkret zu machen. Wir kommen zu unserem kleinen historischen Abriss. Und die Frage ist dann natürlich, weil wir reden nicht von Indianern, Und wir wollen in diesem Fall jetzt auch nicht einfach nur von Natives reden, sondern wir wollen gucken in dem Raum, in dem wir uns befinden. Wer war da präsent? Und das waren in New York oder im heutigen New York vor allem die Lena P. Und ich entschuldige mich gleich, wenn ich Namen falsch ausspreche. Ich kann die amerikanischen indigenen Sprachen kennen. nicht gut aus.
Johannes Franke: Was? Wieso das denn?
Florian Bayer: Und die Kolonialisten, die gekommen sind, auch nicht. Deswegen haben sie sich Delaware genannt. Das war der quasi aufgezwungene Begriff. Und ich habe es bis jetzt nicht 100% durchgekriegt, weil das wirklich sehr komplex ist, wie diese einzelnen indigenen Gruppen funktioniert haben, weil es gibt sehr viele Namen, die da rumfliegen. Ich versuche es einigermaßen zu sortieren. Kann man unterteilen in die Manzi, das ist der nördliche Raum von New York und die Unami, das eher so der südliche Raum und das sind eigentlich... Das sind sowohl Subgruppen des Volkes als auch Sprachfamilien. Das vermischt sich da halt so ein bisschen. Aber die Manzi sind eigentlich die Interessanten. Das ist ein Lenape-Dialekt, der vor allem im Norden gesprochen wurde. Das sind eigentlich die Spannenden. Habe ich so das Gefühl, wenn wir uns die Wolfsbemüten angucken, vor allem... weil die auch Wolfsmythen hatten. Es gibt nämlich tatsächlich, jetzt kommen wir nochmal zu weiteren Subklassen, die haben ja in sehr kleinen Gruppen gelebt. Das war ja nicht Das war ja nicht eine Nation, das waren ja nicht 10.000 Leute, die gesagt haben, wir sind Lenape, sondern die waren ihre einzelnen Clans und dann auch noch ihre einzelnen Familien. So 100 Leute oder so zusammen. Da gab es drei Stück und zwar einmal die Turtle, die Pukwanku, die Türkei, die Pele und die Wölfe. Die Tux Suite versuche ich mal jetzt so. Ja, ja, ja. Also das heißt, wir haben hier zumindest bei den Clans, haben wir schon mal so diesen Bezug zu den Wölfen und es gibt wohl auch Geschichten über diesen Wolfsklan, über die Tuck Suite. dass die Hexerei beherrschen würden. Das war so ein bisschen was ihnen von außen und zwar nicht von den von Siedlern, sondern von anderen Stämmen der Lenape zugesprochen wurde, dass die irgendwie so Hexerei, Mythen... Der Wolf spielte aber tatsächlich bei allen Lenapi eine gewisse Rolle, weil er ganz eng verknüpft ist mit dem Krönungsmythos, mit dem Schöpfungsmythos der Lenapi. Das finde ich ganz spannend. Ich versuche ihn ganz kurz nur zu umreißen. Es gibt auch verschiedene, die auseinander gehen. Das Ding ist, wir haben hier Menschengruppen, die keine großen Schriftzeugnisse hinterlassen haben. Das heißt, die Schriftzeugnisse, die wir uns heute anschauen, sind meistens aus dem 19. Jahrhundert und dann von Leuten, die es weitergegeben haben. Und dann gibt es, wie gesagt, verschiedene Clans. Und die erzählen die Mythen ein bisschen anders. Und jeder Clan behauptet von sich, das ist der eigentliche Lenape-Mythos.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Es gibt eine Geschichte der Weltenschöpfung, wo eine Erde erschaffen wird von helfenden Geistern. Und wo dann irgendwann ein Streit um den Zahn eines Bären beginnt, von Menschen. Der Schöpfungsgott schafft es immer wieder, Frieden auf die Welt zu bringen. Die Friedenspfeife kommt übrigens auch in diesem Mythos vor. damit der Streit um diesen Zahn aufhört. Allerdings passiert es dann, dass zwei Geister um diesen Zahn streiten, und zwar eine riesige Kröte und eine Schlange. Und die Kröte steht quasi für das Wasser und die Schlange, glaube ich, für das Land. Auf jeden Fall passiert es, dass die Schlange die Kröte beißt in diesem Kampf. Und dadurch werden die Wasser freigesetzt und wir haben eine klassische Sintflutgeschichte, ne? Es entsteht eine größte große Flut. Und es gibt diesen einen Geist, diesen Guten, der heißt Nanapusch. Und der schafft es, der Flut zu entgehen und auch ganz klassisch sind Flutmythos, wie Noah, Tiere einzusammeln auf dem Gipfel des Berges, damit sie überleben. Verschiedene Tierarten, damit die diese Flut überstehen und irgendwann hört die Flut auf und Nanapush sieht das und sagt, okay und... Jetzt müssen wir irgendwie gucken, dass wir wieder da leben können und wer ist bereit dazu zu helfen und die Schildkröte sagt, ich kann schwimmen, ich helfe euch und schwimmt dann raus. Und sie ist dann quasi die Insel. Und dann sind verschiedene andere Tiere, die helfen. Unter anderem die Bisamratte, die ganz wichtig ist. Kommt nämlich mit ein bisschen Erde hoch und deswegen wird der Schildkrötenpanzer mit Erde bedeckt. Deswegen gilt die Bisamratte auch zum Beispiel als heilig. Auf jeden Fall haben wir dann eine Erde und dann schickt Nana Push schließlich die Tiere aus, um zu gucken, wie groß ist jetzt eigentlich dieses Land, was auf diesem Schildkrötenpanzer entstanden ist. Und die Tiere gehen und kommen nach einer Zeit zurück und sagen, ich habe keine Grenze gefunden. Und als letztes Tier wird der Wolf losgeschickt. Und dann gibt es so zwei Versionen, wo die Geschichte auseinander gehen. Die eine ist, der Wolf ist nie zurückgekehrt. Der Wolf ist das Zeichen dafür, dass das Land unendlich groß ist. Okay. Dass sie hinziehen können, wo sie wollen, weil es gibt keine Grenzen für dieses Land. Und zu dem Mythos gehört es dann auch, dass die Wölfe nachts heulen, um ihren verlorenen Ahnen zurückzurufen. Oh, oh. Und die zweite Geschichte ist, dass der Wolf als ganz junger Wolf, der gerade erst laufen kann, losgeht. Und dann aber irgendwann am hohen Alter stirbt, bevor er den Rand erreicht. Also auch wieder diese Geschichte, dass die Welt extrem weit ausgedehnt ist. Sprich, der Wolf steht irgendwie für ein Symbol, das zeigt, wie weit diese Welt ist. Und das ist insofern wichtig für diese ganzen indigenen Mythen, dass der Wolf im Gegensatz zu den europäischen Mythen seit dem Mittelalter nicht negativ besetzt ist. Der Wolf ist ein Tier, das vielleicht nicht als heilig gilt, aber zumindest das wie viele andere Totems und Tiergeister eine besondere Stellung einnimmt und positiv vorgibt. rezipiert wird.
Johannes Franke: Diese ganze Kultur, die du jetzt ansatzweise versucht hast zusammenzubringen, zusammenzufassen, zumindest dieser einen Richtung indigener Ja, Bevölkerung. Wird in diesem Film nicht im geringsten aufgebracht?
Florian Bayer: Nein, es sind Indianer.
Johannes Franke: Es sind einfach pauschal Indianer, was eine Bezeichnung ist, die wir nicht mehr haben wollen, weil also vor allem die... indigene Bevölkerung nicht mehr haben will, weil es ein sehr rassistisch konnotierter Begriff ist. Und das finde ich verstörend teilweise an diesem Film, weil die wirklich nur als Stichwortgeber auftauchen. indigene Bevölkerung, die noch nicht mal von indigenen Schauspielern gespielt wird?
Florian Bayer: Ich glaube, jetzt ist der Punkt, wo unsere Meinung gleich auseinander geht, aber erzähl weiter.
Johannes Franke: Wo ist mein Faden? Und eine Kultur irgendwie da anzudocken und mit gutem Gedanken dahinter... Aber dann nicht richtig auszuarbeiten, weiß nicht, ich hatte Schwierigkeiten damit, muss ich sagen.
Florian Bayer: Kann ich vollkommen nachvollziehen? Hatte ich auch. Ich finde, was ich dem Film wirklich zugute halte, ist, dass es diesen Punkt gibt, in dem der Film die Perspektive der Westeuropäer auf die indigene Kultur reflektiert. Und zwar gibt es diesen Moment, es gibt ja diesen einen Verdächtigen, Eddie. Ja. der auf der Brücke arbeitet und nachts offensichtlich da war. Und dann gibt es diesen Moment, wo Dewey ihm folgt nachts. und ihn am Strand sieht, weil er hat vorher irgendwelche Geschichten erzählt von Gestaltwandlungen und so, dass man sich verwandeln kann. Und dann verhält er sich plötzlich wie ein Wolf. Und du denkst, du hast jetzt dein Werwolf-Moment.
Johannes Franke: Jetzt kommt der Werwolf-Moment, genau.
Florian Bayer: Und es ist wirklich ein angespannter Moment, weil er verhält sich wild. er verhält sich tierisch, er schlabbert aus dieser Pfütze Wasser, er heult den Mond an, der Mond färbt sich rot, es gibt Diesen Stand-off. Er steht vor Dewey. Extreme Spannung. Und dann ist er wieder ein Mensch und sagt, Dewey, ich hab's dir gesagt. Das findet alles nur im Kopf statt. Und das ist der Moment, wo klar wird, dieser Typ hat gerade eine Show für ihn gespielt.
Johannes Franke: Ja, voll verarscht, voll verarscht. Mir wurde das nicht sofort klar während des Films, sondern ich war erstmal sehr lange davon noch verstört, weil es auch so lange dauerte. Ja, Und ich dachte so, also wirst du jetzt zum Wolf oder nicht? Jetzt mach mal hinne. Und dann wurde er nicht zum Wolf und ich habe es nicht mehr ganz verstanden. Und dann in der Reflexion... Aber fand ich diese Szene total geil. Wie du jetzt sagst, dass man so sagt, Alter, ich habe jetzt eine Show für dich gemacht. Es ist alles Quatsch. Es passiert alles nur in deinem Kopf. Lass mal locker, Mann. Und das fand ich total geil und lässig. Aber es steht so im Kontrast zu der Art und Weise, wie die indigene Bevölkerung sonst dargestellt wird. Und für mich macht das ein Spannungsfeld auf, was sich einfach nicht auflöst, weil auch einfach damals die Art und Weise, damit umzugehen und darauf hinzuweisen, eine andere war. Also ich will das nicht als schlechte Absicht des Filmemachers oder sowas darstellen.
Florian Bayer: Die soll mir egal sein, wichtig ist, was im Film passiert.
Johannes Franke: Genau und das, was ich in der heutigen Rezeption halt sehe, ist durchaus problematisch und schwierig. Das ist so, die indigene Bevölkerung wird in dieser Kneipe, das auch noch Wigwam heißt. dargestellt und die müssen so Exposition-Dumps betreiben. Also sie müssen dann sagen, worum geht's denn hier eigentlich? müssen das auf die weiße Figur abladen, damit der dann weiterkommt in seinem Rätsel. Ich finde es schwierig.
Florian Bayer: Aber es macht dieses Thema... Und dieses Thema wird auch vorher schon aufgemacht. Sie reden über die Ausrottung des Wolfes, als Sie sich zum ersten Mal diese Tiere anschauen. Und dann sagen sie, ja, und es gibt eine Verbindung zwischen den Indigenen und den Wölfen, weil die zur gleichen Zeit ausgerottet wurden. Die Kolonialisten kamen, die haben gesagt, wir kaufen euch das Land ab für einen lächerlichen Betrag, wir bauen jetzt hier unser neuer Amsterdam hin und haben die vertrieben und
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Wobei dieser lächerliche Betrag ein bisschen historisch gewachsen übertrieben ist. Also es gab schon wirklich viel, was sie ihnen gegeben haben und was für die Leute, die dort gewohnt haben, auch tatsächlich einen Wert hatte. Was natürlich niemals den Wert eines Landes widerspiegelt. Natürlich nicht. Aber es waren nicht einfach nur Handvoll Glasperlen.
Florian Bayer: Es war ein Handel, der grundsätzlich nicht verstanden wurde, weil es komplett unterschiedliche Vorstellungen davon gab, was Landbesitz bedeutet. Genau das. Die Europäer haben den Gedanken Landbesitz überhaupt erst mitgebracht. Die Natives kannten das nicht. Das war kein Konzept für sie. Da gehört kein Land.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Das ist ja total absurd. Wie soll einem Land gehören?
Johannes Franke: Und das ist eigentlich der große Betrug daran, dass Europäer mit ihrem Verständnis... dahin kommen und sagen, wir überrumpeln die jetzt mit unserem Verständnis, lassen die irgendwas unterschreiben, was... rein philosophisch überhaupt keinen Platz in deren Weltanschauung hat und setzen das dann mit Gewalt durch. Das ist schon echt hart.
Florian Bayer: Das ist brutal. Und es ist eine Geschichte, die man... unabhängig von der konkreten Brutalität eben auch sehr gut lesen kann, als so ein Bild des Kolonialismus schlechthin. Und als Allegorie schlechthin, wie die vermeintliche Zivilisation halt wirklich krass brutal gegen Indigene vorgeht. Oder gegen alles, was irgendwie als Natur nicht ihrem Bild von Weltgestaltung entspricht. Und das sehe ich in diesem Film, das finde ich wieder. Und zwar, was ich dem Film auch zugute halte, dass es nicht mit diesem radikalen Exotismus gemacht wird, wie wir es zum Beispiel in Deadman haben. In Deadman ist es deutlich radikaler. Wo wir das ja auch haben, wie diese Native-Kultur irgendwie deutlich radikaler, wie Exotismus betrieben wird. Also so ein romantisierender Exotismus, das haben wir hier nicht. Wir haben hier die Natives, die in ihrer Kneipe rumhängen, die saufen, die an der Brücke arbeiten. Es wird sogar während des Films gesagt, dass Eddie mitverantwortlich ist für die Technik, die sie da benutzen. Die Rebecca, die Psychologin, sagt zu Dewey, der hat das mitentwickelt. Also er ist ein technischer Er ist jemand, der diese Hightech-Sachen entwickelt hat. Und das halte ich dem Film sehr zugute, dass hier nicht dieser romantisierende Exorzismus betrieben wird, diese Menschen, die einfach noch eins mit der Natur sind, sondern das sind Menschen, die im urbanen Raum ihr...
Johannes Franke: Also ich gebe dir zu größtenteils recht, aber das ist das Interessante daran, bei mir geht das so hin und her zwischen dem, was du jetzt sagst und dem, was ich die ganze Zeit übernehme. beim Gucken im Kopf habe, nämlich, dass das durchaus auch sehr stark in die Richtung geht, dass sie den Wolf Und die indigene Bevölkerung so hart in eine Entität hineinpressen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das eben nicht nur von der weißen Sicht, white view, wie man so schön sagt, also der white gaze auf die indigene Bevölkerung. Sondern die sagen das selbst. Dieses Gestaltwandlerische, dieses Seelen, die in Wölfe hineingehen und so. Das ist ein Klischee von indigener Bevölkerung, dass da Es ist definitiv ein Klischee.
Florian Bayer: Diese Klischees spielen da auch rein. Ich finde es Es wird halt aufgebrochen, indem dieses Bild der Wildnis... Dass das auf die Stadt übertragen wird, dass sie sagen, das ist quasi die neue Wildnis, diese Städte. Diese Slums und so, das ist eigentlich genauso ein Jagdgrund wie das, was wir in der Natur sehen. Und dadurch wird, ich finde dadurch wird dieser Kontrast, diese Zivilisation auf der einen Seite und Natur auf der anderen Seite, wird aufgebrochen. Es gibt einfach diese Vermischungen. Und das, finde ich, unterscheidet sich schon von vielen Klischeebildern, die wir haben über indigene Völker im Kino der 80er. 90er Jahre.
Johannes Franke: Ja, aber ist auch das, und das haben sie damals halt, es gab halt diese... Diesen Ruck durch die Gesellschaft, dass man sich da differenziert damit auseinandersetzt, gab es halt noch nicht. Und deswegen finde ich auch, dass man dem Regisseur oder dem Autor oder sowas... nicht viele Vorwürfe machen kann, weil da musst du erstmal zu kommen, diese Reflektionsebene zu erreichen aus diesem Sprungbrett, was dir gesellschaftlich gegeben wird. Aber es gab einfach so wahnsinnig viele verschiedene indigene Völker, die... Und dann aus allen sich was zu nehmen und das zusammenzubasteln, weiß ich nicht genau. Aber das macht der Film gar nicht.
Florian Bayer: Der erfindet sich einfach was. Diesen Wolfsmythos von einem Wolfen, von einem Wolfsgeist, der jagt, das ist einfach komplette Erfindung.
Johannes Franke: Aber das geht schon auf das rauf, was man so als Klischeebild von indigener Bevölkerung hatte. Also das ist schon so. So einen allgemeingültigen Mythos für alle indigenen Bevölkerung aufzumachen.
Florian Bayer: Wettley bringt diesen Mythos ja rein. Wolfen, also diese Wolfsgeister, sind im Buch... haben die keinen Bezug zur indigenen Kultur. Und Wedley bringt das rein. Und ich glaube, das würde ich sehr gerne in seiner Vier-Stunden-Version bringen. Ja. weil er sagt, dieses Thema, wie die Wölfe in der Stadt überleben und wie die versuchen, wie sie quasi hier eine neue Wildnis finden und so weiter, Das ist ein total spannendes Thema und das kann man auch als Allegorie sehen, wie der Mensch grundsätzlich in der Großstadt überlebt und wie der Mensch in der Großstadt nicht überlebt. Ja. Und dann schaue ich mir an, welche Menschen davon besonders getroffen sind und dann gucke ich auf die minorisierten Gruppen und dann gucke ich auf die die Menschen, die in Slums leben. Das zweite Opfer des Wolfes ist ein obdachloser Junkie, der sich Drogen kauft.
Johannes Franke: Nächstes Thema. Spannend.
Florian Bayer: Moment. Ein obdachloser Junkie, der sich Drogen kauft und der ganz am Rand der Gesellschaft lebt und ganz unten. Und der wird Opfer. Und dann schauen wir uns halt die Natives an, die jetzt in der Großstadt leben. Wie leben die? Und ich finde dieses Thema, wie geht die Stadt, gerade das New York der 70er, 80er Jahre, das sich verändert, wie geht das mit seinen Minoritäten um? Das da reinzubringen, das ist stark. Das finde ich ist wirklich stark.
Johannes Franke: Ich finde es total stark. Ich finde es total spannend, Vor allem, weil ich eben in der Recherche herausfinde, dass eben so wahnsinnig viel Schindluder durch die Produktionsfirma mit dem eigentlichen Gedanken des Films gemacht wurde. Und ich denen einfach so aus Kraft meiner Wassersuppe komplett die Schuld geben möchte. Weil ich glaube, dass der Regisseur sich damit mehr auseinandergesetzt hat, als dem Film am Ende anzusehen ist. Du siehst da vielleicht mehr drin, aber ich habe beim Schauen zu viele Schwierigkeiten damit gehabt. Und dann in der Recherche zu merken, welche Themen da eigentlich noch so angedacht sind und was da vielleicht noch ausgebaut werden hätte können, um eben nicht platt einfach nur... den Indianer zu erzählen, sondern wirklich dich differenzierter damit auseinanderzusetzen. Das hat ja vielleicht gemacht. Das hätte vielleicht ein Film werden können, der das tut. Aber durch die Produktion am Ende in der Postproduktion das so zusammen zu kürzen und dann vielleicht die falschen Entscheidungen zu treffen. Das ist halt für mich so ein Fall von zu viele Köche verderben am Ende doch den Brei. Also wir hatten schon genug Filme im Podcast, wo wir gesagt haben, oh es war ganz gut, dass da ein paar mehr Leute drauf sind. aufgeschaut haben und ein paar was gesagt haben und das umgebaut haben. Aber bei diesem Film, glaube ich, verliert der 100% durch die Postproduktion, weil die Produktion sich durchgesetzt hat und dann ganz viele schlechte Entscheidungen getroffen wurden. Glaube ich.
Florian Bayer: Ich kann nicht sagen, wie die 4,5 Stunden Version ist. Natürlich nicht. Ich kann dazu nicht sagen. Ich glaube, dass... meiner Meinung nach hat sich genug davon gerettet. Und ich würde auch dir widersprechen, dass er sagt, einfach nur der Indianer. Er macht Er macht nicht dieses Klischeebild auf, wie wir es sonst kennen, dieses große, sondern er bewegt sich in einer sehr kleinen Gruppe und er macht es auch ziemlich klar, finde ich, dass er hier diese Gruppe von drei, vier Leuten betreibt. Und dass die ja auch offensichtlich, sie gehören ja auch zu einer Gruppierung, die kurz einmal genannt wird.
Johannes Franke: Möchtest du übrigens Teplor, damit wir ein bisschen ruhiger werden hier?
Florian Bayer: Sehr gerne. Ich finde, er hält das klein. Er hält das in einem kleinen Rahmen und er versucht hier nicht, eine universelle Allegorie zu erzählen. Das sind die ich meine jetzt alle Natives in ganz Amerika, sondern er bleibt auf diesen Raum New York beschränkt. Und noch mehr, er bleibt auf diesen Raum Prongs beschränkt. Und das finde ich jetzt ganz entscheidend. Und ich finde schon, wie die sich bewegen, wie die als Gruppe interagieren, wie klein die gezeigt werden,
Johannes Franke: Nee, ich habe den Eindruck, dass du, wenn du eine spezielle Gruppierung zeigst, an Beispielen von zwei, drei Leuten, dann kommst du nicht umhin da... eine Allegorie auf mehr zu erzählen. Irgendwie, ich weiß nicht. Ich hab schon das Gefühl. Vor allem, weil die Themen ja doch insgesamt auch sehr universell sind. Wie gehe ich mit der Natur um? Wie gehe ich mit... Wie gehen wir miteinander um? Wie gehen wir mit so einem Raum um, der da in der Bronze entstanden ist und warum der entstanden ist? Und was machen wir mit solchen Räumen?
Florian Bayer: Aber das ist doch sehr konkret. Das ist dieser Raum, der jetzt existiert. Das sind diese Ruinen der Bronx.
Johannes Franke: Solche Räume gibt es auf der ganzen Welt immer wieder. Das gab es in Berlin genauso.
Florian Bayer: Was machst du jetzt auf?
Johannes Franke: Was will ein Film, als dass ich was davon ableiten kann für mein eigenes Leben?
Florian Bayer: Natürlich kannst du dann sagen, daraus entsteht irgendwie eine allgemeine Allegorie. Aber würdest du dem Film vorwerfen, dass er sagt, dass alle Städte so sind?
Johannes Franke: Nee, wieso denn alle Städte so sind? Der Mensch ist so. Der Mensch neigt dazu, wie wir das auch in Berlin gesehen haben. Gentrifizierung gibt es genauso in Berlin und genau das gleiche Problem. Das ist halt der gleiche kapitalistische Scheiß. Das ist halt so.
Florian Bayer: Aber ist das ein Fehler, dass das in dem Film drin steckt?
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Nein. Diese Allegorie zeigt mir, dass der Film durchaus auf Größeres raus will und nicht nur auf diesen speziellen Fall.
Florian Bayer: Mein Film will nichts.
Johannes Franke: Doch, doch, dieser Film will was.
Florian Bayer: Ich finde, klar, natürlich kann man eine große Allegorie drin sehen und ich sehe die ja auch drin.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber trotzdem bleibt er in dem Bild des Einzelnen konkret genug. Und wie gesagt, ich sehe viele Filme, in den 80ern und 90ern, die deutlich mehr erzählen, das steht für alles. Und dieser eine Native, den ich jetzt hier habe, der steht für alle Indianer.
Johannes Franke: Ja, da hast du recht.
Florian Bayer: Und das macht der Film meiner Meinung nach nicht. Er macht es nicht perfekt, auf keinen Fall. Und wir können auch gleich noch über andere Schwächen von diesem Film... Aber ich finde in diesem Bild, zum einen die Natives, Im urbanen Raum. Der urbane Raum als solcher, der quasi aus Ruinen besteht. Und wie diese... technische Fortschritt kollidiert mit dem Urwüchsigen, mit dem Atavistischen. Das funktioniert. Und ich finde, das gibt dem Film auch deutlich mehr Tiefe als das, was er möglicherweise in seiner Thriller-Handlung oder in seiner Romantik-Handlung... Ist das die schlechteste Chemie, die wir je von einem Paar gesehen haben?
Johannes Franke: Wahrscheinlich schon. Und auch die völlig unmotivierteste Sexszene. die so aus dem Nichts kommt.
Florian Bayer: Ja, das Geile ist ja, ich sehe diesen Film und denke, Gott sei Dank gibt es keine... okay, sie haben eine Psychologin und sie haben einen Kopf, die jetzt zusammenarbeiten. Und ich denke die ganze Zeit, Gott sei Dank gibt es nicht das geringste Zeichen von Romantik oder Sexualität. Anziehung zwischen den beiden. Gott sei Dank ist das alles hochprofessionell. So, what? Dann liegen sie plötzlich nackt aufeinander im Bett. Es ist so, hey, wo kommst du denn her?
Johannes Franke: Ich hab echt, ich war genau wie du, total, wo kommt das jetzt her?
Florian Bayer: Es ist wirklich, als würde ein Produzent drauf gucken und sagen, Moment, Mann, Frau, 80er-Jahreswille, die müssen Sex haben.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Super seltsam. Es ist total schrecklich. Ich finde es davor wirklich gut. Die haben eine gute Chemie zusammen als professionelle Chemie. Ja. Und sie, die ihn immer mal wieder so ein bisschen anpiekst und ihn fragt, wie viele Menschen er umgebracht hat und so, finde ich, funktioniert irgendwie so auch als Cop Body-Movie, man muss gar nicht so weit gehen, aber es hat irgendwie eine Chemie in der Nicht-Chemie.
Johannes Franke: Was ich dann noch krasser finde, ist, in dem Moment, wo sie Sex haben, verliert sie quasi Screenplay. Also sie haben Sex und danach taucht sie eigentlich nie wieder auf. Sie hat aus dem Film rausgefögelt. Zwei oder dreimal noch und das war's. Krass.
Florian Bayer: Also ich finde tatsächlich, Chewie hätte eher mit Corona-Sex haben müssen, wenn wir von romantischer Chemie zwischen zwei Figuren reden.
Johannes Franke: Ich hätte Wölfe sehen wollen.
Florian Bayer: Oh ja, stimmt. Das hätte auf jeden Fall auch gepasst. Aber ... Sehr merkwürdig, zumal sie halt wirklich als professionelle Psychologin reingeführt wird und sie hat eine gewisse Präsenz in der ersten Hälfte des Films. Und es verliert, also mir geht es genauso, es verliert mit diesem Sexmoment die Romantik. die eingebaut wird, macht überhaupt keinen Sinn. Ich finde es geil, dass sie zusammen saufen. Aber warum saufen sie nicht einfach nur zusammen? Warum müssen sie plötzlich in der Kiste landen?
Johannes Franke: Ja, das ist absolut unmotiviert. Aber hier auch, der Film hat vielleicht in seiner viereinhalbstündigen Version eine absolut schlüssige Hinarbeitung zu dieser Sexszene.
Florian Bayer: Nein, die sollten einfach keinen Sex haben. Es funktioniert einfach besser, wenn es keine Romantik zwischen den beiden gibt. Ich mag tatsächlich diese Body-Komponente zwischen Corona, dem Gerichtsmediziner. Wird es gesagt, was er ist? Genau, er ist der, der die Leichen auseinander nimmt und immer mal sagt... Ich habe übrigens hier bis Spuren gefunden. Genau. Und Dewey? Das finde ich funktioniert ziemlich gut. Vor allem, weil ich Corona irgendwie so als Kontrast zu diesem krummeligen Dewey ganz cool finde, weil der ist immer so ein bisschen trocken, ein bisschen lauter, ein bisschen wilder. Ich finde auch diesen Ferguson, der so als Nebenfigur irgendwann eingeführt wird, diesen Zoologen, ganz cool. Es wird sehr viel Zeit drauf verwendet, zu zeigen, wie sehr er Wölfe verteidigen will. Und wie sehr er mit den Wölfen mitleidet. Es gibt ja diese Szene, wo er sich anschaut, wie Wölfe gejagt werden. Er kommentiert das eigentlich und dann stehen ihm plötzlich die Tränen in den Augen, weil er das nicht mehr sehen kann.
Johannes Franke: Ja. auch schreckliche Szenen, muss man sagen. Warum? Ich hoffe, das sind einfach Aufnahmen, für die sie nichts können und die sie nicht extra gemacht haben dafür.
Florian Bayer: Ich denke auch, dass sie dafür Stock Footage genommen haben oder wie auch immer man das nennt.
Johannes Franke: Sieht sehr nach Stock Footage aus auch.
Florian Bayer: Finde ich auf jeden Fall ganz spannend, weil der wird dann ja auch Opfer des Wolfes, aber davor wird halt erzählt, wie er quasi Er versucht es mit der radikalen Empathie und er sagt, Wölfe würden niemals einen Menschen angreifen und töten. Also ja, Wölfe sind nicht von Natur aus so aggressive Tiere Menschen gegenüber. Vielleicht ist das ein bisschen riskant, dieses Narrativs so zu bringen.
Johannes Franke: Und er sagt irgendwann, Haare sind wie ein Fingerabdruck, einmalig. Und man denkt sich, ja. Na ja.
Florian Bayer: Da kommt wieder die Pseudowissenschaft durch. Ja, ja schon. Klar, natürlich hat der Film einiges an Pseudowissenschaft. Ich finde das interessant, dass das zwischendurch aufgeworfen, auch wenn es komplett verworfen wird dann, dass die Wölfe offensichtlich keine kranken Organe fressen. Dass die Organe, die übrig, die zurückbleiben, immer die kranken Organe sind?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das finde ich irgendwie ein ganz interessantes Thema. Ich finde es schade, dass es nicht vertieft wird. Vielleicht schlummert das auch so. so in der 4-Stunden-Version.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber dass diesen Wölfen mehr gegeben wird, als sie sind einfach nur motiviert hier auf eine... Killertour zu gehen, finde ich echt ganz gut.
Johannes Franke: Ja, womit wir die Frage vielleicht nochmal aufmachen können, was haben wir denn jetzt eigentlich vor uns an Wölfen, was ist denn das? es ist Wolfen.
Florian Bayer: Wir kriegen es von den Natives, die für alle Natives stehen, die wir erfahren haben, kriegen wir es ja genau erklärt. Es sind irgendwie so eine Art Wolfsgeisterwesen.
Johannes Franke: Wolfsgeisterwesen? Nee, so habe ich es nämlich nicht verstanden.
Florian Bayer: Meinst du, es sind tatsächlich einfach...
Johannes Franke: Es sind einfach Wölfe, die sich weiterentwickelt haben, die intelligent sind und die da ihre Jagdgründe... Aber wenn sie intelligent sind, warum sind sie in die Südbronx gegangen?
Florian Bayer: Also in der Bar sagen sie, they might be gods. Und das geht mir
Johannes Franke: Das geht für mich halt in diese Mystifizierung von indigener Kultur rein.
Florian Bayer: Ist es dieser eine Satz, der dir sauer aufstößt? Also reden wir darum die ganze Zeit? Ja, auch das, ja. Es gibt ja tatsächlich nicht so viele Spuren von indigener Kultur in diesem Film.
Johannes Franke: Es wird nicht viel drüber geredet. Genau.
Florian Bayer: Achso, ich dachte, das Problem wäre das Klischee.
Johannes Franke: Ja, das Klischee ist das Problem, dass nicht so viel davon... Sie nehmen sich halt nicht viel Zeit, über diese indigene Kultur zu reden oder die mal genauer anzuschauen oder mal zu differenzieren, was jetzt was ist oder wie. Sondern die müssen halt mystisches Blabla von sich geben, damit wir ein bisschen das Gefühl haben und damit unser weißer Charakter ein nächstes Puzzleteil hat. Ich weiß nicht, da hat ja auch keiner einen richtigen Charakter. Kannst du von irgendjemandem von denen, außer von unserem Brückenarbeiter, der eigentlich Mexikaner ist,
Florian Bayer: Eddie ist aber voll cool. Eddie ist so spöttig. Und Eddie ist so cool gegenüber unserem Protagonisten.
Johannes Franke: Sehr viel Liebe für Eddie. Nein, nein, sie sind Statisten. Sie sind Statisten.
Florian Bayer: Das Spannende ist ja, sie wissen, was das ist, aber sie sagen halt, und das finde ich ganz cool, es ist nicht so, dass sie das beschwören, es ist auch nicht so, dass die die anbeten. Sie wissen es einfach, weil sie die Geschichten von ihren Ahnen kennen.
Johannes Franke: Ich habe einen Vergleich. Ja. Sound of Music. Völlig absurder Vergleich, ich weiß. Aber es ergibt Sinn. Und zwar folgendes. Die Nonnen in dem Kloster sind echte Menschen. Sind sie das? Die haben vorher mit Nonnen Brieffreundschaft gehabt, die den Film gemacht haben. Und haben von den Nonnen ständig Briefe bekommen, bitte, schreibt die Dialoge realistisch. Wir sind echte Menschen, wir machen nicht irgendwelchen Hokuspokus. Wir labern auch nicht die ganze Zeit irgendwelche Weisheiten oder sowas, sondern wir reden Tacheles. Und das hätten sie gebrauchen können. Diese Figuren in dieser Kneipe sind keine echten Menschen, sondern das sind die Leute, die diesen...
Florian Bayer: Ich glaube, das sehe ich anders. Ich sehe die in dieser Kneipe sitzen und saufen und sich über unseren Protagonisten lustigen. machen und in your face und dann erzählen sie ein bisschen was, aber eigentlich sind sie auch mit ihrem Zeug beschäftigt.
Johannes Franke: Vielleicht muss ich nochmal gucken an der Stelle, aber irgendwie war beim ersten Gucken, habe ich echt gedacht. Das tut ein bisschen weh.
Florian Bayer: Und nochmal, sie sind weder Verbündete noch Beschwörer noch sonst was von diesen Wölfen. Sie kennen diese Geschichten. Und sie wissen, dass diese Wölfe schon ewig da unterwegs sind, wahrscheinlich länger als sie selbst? Und das ist alles, was sie dazu zu sagen haben. Es gibt diese Jäger und die leben hier in dieser Stadt und es gibt diese Wölfe, Was auch immer, sie sind schon immer da und sie haben sich angepasst und sie sind jetzt im Untergrund dieser Stadt. Und sie töten, um zu überleben. Sie töten, um zu schützen. Und sie betrachten das nach wie vor als ihre Jagdgründe.
Johannes Franke: Und auf der anderen Seite brauchst du natürlich auch, jetzt rein dramaturgisch, brauchst du natürlich auch irgendwo Stichwortgeber und Hinweisgeber für einen Detektiven. Er ist ja eindeutig als fast schon so ein Noir-Detektiv unterwegs.
Florian Bayer: Ja, ich weiß nicht, ob es Noir-Detektiv ist. Es ist halt alles ... Also grundsätzlich für so einen typischen Filmnorm-Mystery ist der Film zu transparent.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Auch wenn wir überrascht davon sind, dass wir keine Gestaltwand da vor uns haben, ist es von Anfang an klar, das sind irgendwie tierische Entitäten, wilde Entitäten, die hier morden. Niemand kommt auf die Idee, dass da ein Mensch was getan hat. Und dann wird halt auch dieses sozialdarwinistische Thema aufgemacht, in der Kneipe sagen. Ja, krass. Die Wölfe, die haben keine Moral. Sie sagen, sie töten die Schwachen, sie töten die Armen und Ausgestoßenen, weil die die leichteste Beute sind.
Johannes Franke: Vor allem, weil das moralisch gesehen töten die Wölfe die Leute, die niemand vermissen würde. Was eine harte Formulierung ist.
Florian Bayer: Aber was eine wahre Formulierung ist, ne?
Johannes Franke: Jaja, natürlich. Also das ist wirklich dieses sozial-darwinistische Prinzip, was da drin steckt. Was ich, glaube ich, auch als jugendlicher oder junger Mensch aussieht. auch einfach so geschluckt habe, ohne darüber nachzudenken und ich mich im Nachhinein so ein bisschen schmutzig darüber fühle, weil ich nicht darüber nachgedacht habe, wie zynisch das ist.
Florian Bayer: Wie krass, Alter. Und gleichzeitig töten die Wölfe trotzdem den Baumogul, der dafür verantwortlich ist, ihre Jagdgründe zu zerstören. Das heißt, es gibt offensichtlich ein Bewusstsein. wenn das deutlich über die Intelligenz von normalen Tieren hinausgeht.
Johannes Franke: Ja, ja, definitiv.
Florian Bayer: Und dieses Spannungsfeld, und wir haben ja eine Szene von Dewey, wie er dann in seinem... in seinem Büro, in seiner Wohnung ist und mit diesen Glasvorhängen, mit diesen Silbervorhängen spielt und dann immer wieder murmelt. They kill to protect. Their hunting crown. Territory. Terrorism. Und diese Wörter einfach so ein bisschen zusammenwirken.
Johannes Franke: Seltsame Wörter.
Florian Bayer: Eine sehr seltsame Mischung. Er ist auch schon ziemlich durch, weil er gesehen hat, wie sein Freund brutal getötet wurde. Aber dieses sozialdarwinistische Thema aus der Natur, was ja... so in diesen städtischen Raum vertragen. Und das sozialdarwinistische Thema, was hier so verbunden wird mit Wildnis, mit Atavismus, mit Back to the Nature und so weiter. hier so radikal in diesen städtischen Raum zu übertragen. Ich finde, es gibt dem Film mehr Tiefe, als er in seinen klassischen Thriller-Horror-Momenten hat. Und... Es gibt ihn mehr Tief und es hebt ihn höher. Es gibt ihn einfach mehr Gravitas. Inzwischen haben wir ja wirklich das klassische Ding, es werden Körperteile abgebissen, es werden Kehlen zerfetzt, es spritzt eine Menge Blut. Wir haben hier keine soziologische Studie vor uns und wir haben hier auch keine...
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Wir haben hier auch keine psychologische Studie vor uns oder ähnliches. Das ist letzten Endes natürlich ein Horror-Thriller.
Johannes Franke: Ja, aber diese soziologische Studie ist glaube ich in einer viereinhalb Stunden Version viel stärker noch drin und das hätte ich gerne gesehen. Hätte mich sehr interessiert.
Florian Bayer: Aber deswegen haben die Produzenten vielleicht gesagt, das ist zu viel soziologisches Studium. Und vielleicht haben sie sogar recht gehabt.
Johannes Franke: Weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich kenne ja die Version nicht.
Florian Bayer: Ich bin ein großer Fan davon. Diese Themen, diese politischen, sozialen Themen, diese philosophischen Themen. In so roughen Filmen zu sehen, in so rough, komprimierten Filmen zu sehen.
Johannes Franke: Hat man schon ein paar Mal.
Florian Bayer: Das ist das, was ich an dem Genre mag. Ich mag Horrorfilme und ich mag Thriller auch. Gerade so Bee-Movies. Wenn sie trotzdem diese Komponente drin haben, aber sie nicht so ausdeklinieren, nicht so wie man es sich im Arthouse-Kino vorstellt, dass dann hier halt jetzt eine Diskursanalyse gemacht wird. sondern indem das so ein bisschen versteckt ist in dem Roughen und auch so ein bisschen dreckig und ein bisschen... Und dieser Film ist dreckig. Und dieser Film ist, wie sagt man, rough around the edges. Dieser Film ist ungeschliffen. Dieser Film hat... Diese merkwürdigen Momente, diese zynischen Momente, wo einfach, warum auch immer dieser Gag reingebracht wird, dass Menschen geköpft werden und dann noch ein bisschen blitzen. Inseln und irgendwie 30% der Leute noch leben, nachdem sie geköpft wurden. Das ist einfach, das ist ein bisschen dreckig und das ist ein bisschen roh. Aber das macht gerade diese intelligenten Zwischentöne umso stärker, weil sie nicht so forciert wirken.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ich weiß schon, was du meinst. Ich mag den Diskurs ein bisschen anzufachen, ein bisschen mehr. Also ich mag es, wenn im Film die Leute tatsächlich auch ein kleines bisschen mehr... darüber reden, als es nur anzudeuten.
Florian Bayer: Aber dann wird der Film ganz schnell zur langweiligen Diskursanalyse und vor allem zum Overexplaining. Wenn Leute anfangen, darüber zu reflektieren,
Johannes Franke: Das musst du halt hinkriegen. Da musst du wirklich die Waage kriegen. Ich gebe zu, das ist ein Drahtseilakt. Ja.
Florian Bayer: Ich finde, es ist ein Drahtzellakt, der in diesem Film manchmal misslingt. Also wenn am Schluss die Wölfe das letzte Mal angreifen und Chewie sie dann los wird, indem er dieses Modell zerstört. Das ist platt. Aber das ist der Moment, wo der Film reingeht in dieses und ich zeige nochmal den Diskurs und ich zeige nochmal ganz klar Zivilisation gegen Natur. Und die Zivilisation darf überleben, weil der Polizist sagt, nein, nein, guckt Wölfe, hier, ich zerstöre für euch dieses Modell jetzt.
Johannes Franke: Vor allem, er hat ja keine Entscheidungsgewalt erreicht. Es ist ja nicht so, dass er jetzt sagen könnte, gut, weil ihr hier seid, machen wir das jetzt nicht, sondern es ist ja ein reiner Symbolakt und das müsste den Wölfen ja auch klar sein.
Florian Bayer: Und ich finde, der Film wird auch tatsächlich, also nee, ich finde in der Wigwamba funktioniert das ganz gut, wenn die Natives was dazu sagen, weil es relativ knapp gehalten ist.
Johannes Franke: Die Wigwamba.
Florian Bayer: Aber in anderen Momenten, wenn sie sich drüber unterhalten, wenn sie drüber diskutieren, was Wölfe machen und Wölfe bedeuten, geht der Film manchmal ein bisschen zu weit. Und ich hätte auch durchaus... eine halbe Stunde von diesem Film wegkürzen können. Zwar hätte ich eher eine halbe Stunde das Kurs weggekürzt, und dafür das Blut drin gelassen und dafür die abgerissenen Köpfe und die abgebissenen Hände. Ich glaube nicht, dass er dadurch an Kiefe verloren hätte, aber stattdessen hätte er einfach ein bisschen mehr Ambivalenz gewahrt. Ja. Also tatsächlich, ich finde es geil, dass die Diskursanalyse drin ist. Sie muss nicht vier Stunden lang sein.
Johannes Franke: Was ich ungern rausgekürzt hätte, was sie aber gemacht haben, ist Tom Waits.
Florian Bayer: Sie haben Tom Waits rausgekürzt.
Johannes Franke: Wie ist das? Wie kann das sein? Also, da muss doch mal jemand einschreiten und sagen, Tom Waits wird nie irgendwo rausgekürzt. Okay, wo sind wir?
Florian Bayer: Chewie und Rebecca gehen in eine Bar.
Johannes Franke: Ja, und im Hintergrund hören wir Tom Waits. Und wir hätten ihn eigentlich in der ursprünglichen Version auch gesehen als Barbesitzer, als betrunkenen Barbesitzer. Und das wäre geil geworden. Ich bin mir sicher, dass das die... Scheiße, das ist so traurig.
Florian Bayer: Es gibt die Spekulation, dass es irgendwie auch um Musikrechte ging?
Johannes Franke: Es ging um Musikrechte anscheinend, ja.
Florian Bayer: Und die, wie gesagt, die hatten sowieso schon relativ viel für diesen Film ausgegeben. Das Budget war dann am Schluss. Was für so einen kleinen, träkigen Horrorfilm doch relativ hoch ist, 17 Millionen?
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Das war mehr, als Orion sich vorgestellt hat. Und wie gesagt, Wadley hat gesagt, keine Ahnung. was ich euch vorgestellt habe. Ich baue halt eine Kirche und reiße sie ein, damit mein Set geil aussieht. Ja, aber dass Tom Waits der Schere zum Opfer gefallen ist, ist wirklich hart.
Johannes Franke: Und was ich auch noch schade finde, ist die Musik. Ja, es ist eine gute Musik jetzt. Also solide, sehr gut. Kann man nicht anders sagen. Aber es klingt total geil. was der ursprüngliche Musiker Craig Safin gemacht hätte oder hat. Denn es gibt inzwischen eine Veröffentlichung davon, seit 2011. Und man kann sich auf YouTube anhören und ich habe reingehört und habe gedacht, boah, das hätte wirklich nochmal eine ganz andere Dimension in den Film reingebracht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich find's total spannend, weil er gesagt hat, wir machen hier eine avantgardistische Version davon mit... ohne traditionelle Melodien oder klassische Themen, Strukturen oder was auch immer, sondern wir machen es quasi zufällig. Und hat dann einen sehr roughen, geilen Sound gefunden dafür.
Florian Bayer: Was zu diesem grundsätzlichen atavistischen Szenario passt, das ja irgendwie auch geplant war, dass das alles so die Großstadt als Jagd Grund und als Ort der Unsicherheit und als Ort der Paranoia. James Horner hat die Musik letzten Endes gemacht. James Horner, der Mann, der zwei Milliarden... Filmmusiken gemacht hat.
Johannes Franke: Er war 27 damals.
Florian Bayer: Er war jung.
Johannes Franke: Und er hat es in 12 Tagen gemacht. Was absurd ist. Und zwar nicht nur in zwölf Tagen die Musik geschrieben, sondern die Musik geschrieben, aufgenommen und abgemischt. Das ist eine Höllenaufgabe für zwölf Tage. Und in der Masse. Es ist ja nicht wenig, was man da machen muss. Und er hat es hingekriegt. Und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum er so groß geworden ist.
Florian Bayer: Glaube ich auch. Naja, es ist jemand, der mit den schwierigsten Regisseuren ever zusammengearbeitet hat. Er hat mit James Cameron zusammengearbeitet. Offensichtlich... funktionierend, weil nach Titanic, für den der Oscar gekriegt hat, hat er auch noch für Avatar die Musik gemacht. Und du musst schon einiges drauf haben und abkönnen, wenn du mit James Cameron zusammenarbeitest.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wie gesagt, er hat zwei Millionen Filme gemacht. Ich finde, es ist eine sehr solide, sehr klassische Horror-Thriller-Musik. Die Spannung steigt, die Musik zieht an. Du hast diese klassischen Spannungskurven, die klassischen Drops und so weiter.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Der Film hat auch ein paar Jumpscares. Es gibt einen Katzenjumpscare, Fakejumpscare. Die billigste Methode in einem Horrorfilm überhaupt. Aber wie darauf hingearbeitet wird, finde ich nett.
Johannes Franke: Weil dieses Baby-Schreien, was da irgendwie immer anlockt, in dem Moment ja aufgegriffen wird und dann zu diesem Katzengeräusch wird. Ja. Das fand ich auditiv schon ganz nett.
Florian Bayer: Ich find Fake-Jumpscares mit Katzen sind echt das Letzte. Und jeder... Jeder Horrorfilmregisseur, der die einsetzt, sollte sich in Grund und Boden schämen. Alien dürfte das danach nie wieder.
Johannes Franke: Ich mache mal einen kompletten Horrorfilm nur mit Katzenjumpscares. Damit ich dich ärgern kann.
Florian Bayer: Ja, bitte. Übrigens, die Zähne, die du gerade ansprichst, wenn Chewie und Rebecca in diese Kirsche gehen und sie hört das Baby rollen. Und dann rennen sie hoch. Sie geht hoch, weil sie wissen will, was das ist. Und dann Tui plötzlich wie aus dem Nichts, ohne dass wir wissen, warum. ist total verängstigt, rennt ihr hinterher, reißt sie weg, sie fliehen beide. Wir sehen nichts von dem, was sie bedroht, aber sie sind beide trotzdem total verängstigt, rennen weg. Ja. Und wenn sie dann drüber reden, dann merken wir, sie wissen auch nicht, wovor sie Angst hatten oder was sie betrachtet. Sie sagen ja nicht, wir haben einen Wolf gesehen oder sowas. Genau, ja, ja. Finde ich super spannend, weil diese Paranoia, ohne zu wissen, bevor man Angst hat, die wird immer wieder in diesem Film angeteasert.
Johannes Franke: Das ist ziemlich geil, ja.
Florian Bayer: Es ist... es funktioniert extrem gut, wenn Menschen einfach nur ein Gefühl von Angst haben, ohne zu wissen, woher diese Angst kommt. Finde ich ziemlich stark.
Johannes Franke: Also insofern macht der Film schon viele Sachen auch richtig, muss man sagen. Ich habe jetzt viel drauf geschissen, weil... Weil die indigene Bevölkerung mir ein bisschen Bauchschmerzen macht. Aber ansonsten macht der Film schon wirklich tolle Sachen. So ist es nicht.
Florian Bayer: Naja, visuell finde ich das... Da passiert einiges Starkes. Also auch diese Nachtszene, wenn Eddie den Mond anheult. Das hat schon eine visuelle Stärke, was wir hier sehen.
Johannes Franke: Und ich finde diese Roughness, die da drin steckt, Weswegen Tom Waits auch so gut da reinpasst. Absolut. Der ist so dieses musikalische Pendant zu dem, was er an Bildern drin ist. Ich fand das schon ziemlich geil. Auch, dass man nicht immer versteht, was jetzt eigentlich gerade noch so im Film stecken könnte oder will und... was angepiekst wird, aber dann fallen gelassen wird. Es gibt ja echt viele Sachen, die angepiekst werden und dann nicht weitergeführt werden. Aber irgendwie stört mich das nicht. Das finde ich dann irgendwie wieder interessant und spannend. Das macht die Welt reicher.
Florian Bayer: Ja, ich bin vor allem glücklich darüber, dass es kein Werwolfsfilm ist. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Tatsächlich, das muss ich auch sagen.
Florian Bayer: Und dieser Mythos, den Sie aufgreifen, so abstrakt der ist?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: dass es halt einfach diese Wölfe gibt, bei denen man nicht weiß, ob sie göttlich, geisterhaft oder einfach nur wirklich, wie du jetzt sagst, animalisch sind. Und dass die einfach auf diesem Kampfplatz statt leben und weiter existieren. Finde ich ein cooles Bild, einen coolen Mythos.
Johannes Franke: Wobei ich sagen muss, das ist so ein bisschen der schwächste Teil der Logik des Films. Welche intelligenten Wölfe begeben sich in die Südbronx? Das ist schon ein bisschen komisch. Weil das ja auch so gewachsen ist, seit den 40ern sich, also in den 40ern war das Ding beliebt und voll und wir leben hier quasi in einem fiktiven... New York.
Florian Bayer: Das sind gute Jagdgründe. Es gibt hier viel zu holen.
Johannes Franke: Naja, vielleicht. Ansonsten kleiner Funfact noch, dieser Film ist einer von vier Filmen, die mit Megasound ausgestattet wurden.
Florian Bayer: Megasound. Und es ist tatsächlich, es ist so ein bisschen auch so ein Krieg der Formate. Megasound hätte Dolby's Around werden können, hat es nicht geschafft. Was war Megasound?
Johannes Franke: Die haben versucht, das Ganze noch ein bisschen mit mehr Umpf zu verbinden, indem sie im Kino... noch so, was heute so Subwoofer wären, unterzubringen. Also gab noch extra weitere Boxen, die vor allem dafür verantwortlich waren, richtig hart, richtig laut, dunklen, düsteren Tonen zu vermitteln.
Florian Bayer: Du sollst einfach umgepulten. Es geht nicht darum, die Höhen zu haben, sondern einfach so ein Uff. Von links und von rechts gegen das Publikum. Warner Pross war dafür verantwortlich. Das Ding hat sich nicht durchgesetzt.
Johannes Franke: Ja, aber war ein interessanter Vorgänger für das, was wir heute als 5.1, also diese Punkt 1, das ist im Grunde der... Low-Frequency-Ding. Also der Bass im Grunde. Ein interessanter Vorläufer. Aber es gab eben nur vier Filme. Altered States, Outland und Superman 2. Und eben Wolfen... Die damit ausgeliefert wurden und dann ist das wieder eingestampft worden. Es gab halt auch nicht viele Kinos, die das konnten. Also da musste man teuer irgendwie einen Haufen Zeug besorgen. Um das noch einzubauen, das haben die Kinos nicht gemacht. Weil es auch kein standardisiertes System war, sondern eben einfach nur von Warner Brothers. Und welches Kino baut für Warner Brothers sich da nochmal was Zeug rein? Das ist ja Blödsinn.
Florian Bayer: Fun Fact 2, der Streit zwischen Wadley und Orion hat dafür geführt, dass die Erector's Guild of America, die wir vorhin schon genannt haben, gesagt haben... Oh, okay. Okay. Und damit, um genug Feedback von einem Publikum zu haben, Wortley hat 20.000 Dollar Schadensersatz zugesprochen gekriegt. Beziehungsweise einfach so Genugtuung, keine Ahnung. Hat zu den von Orion gesagt, bitte, bitte nehmt meinen Namen aus dem Film raus. Ich möchte nicht, dass das als Mike Wadley Film genannt wird.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und hat seitdem nie wieder an einem Film gearbeitet. Der hatte keinen Bock mehr.
Johannes Franke: Ich verstehe es auch voll. Also da hat man auch keine Lust mehr drauf. Er hatte halt wirklich eine große, große Vision und die knallte so ein bisschen auf die Vision des Produzenten und auf anderen Leuten, die da noch drin waren und so. Ich glaube, Hollywood ist einfach nicht seine Welt.
Florian Bayer: auch wenn dieser Film von den potenziellen viereinhalb Stunden runtergekürzt wurde, was ihm wahrscheinlich gut tut, Ich bin ganz dankbar, dass ich nur zweieinhalb Stunden sehen muss. Ich habe das Gefühl, dass die wichtigen Themen, Die haben das reingeschafft. Und zwar wirklich die wichtigen Themen, die nicht im Buch drin sind. Die erweitern den Film. Und die sind so stark präsent, dass sie meiner Meinung nach auch nicht mehr quantitativ Raum brauchen, weil die Qualität einfach da ist.
Johannes Franke: Okay. Weiß ich nicht. Habe ich nicht so gesehen, aber da sehe ich ein wiederkehrendes Motiv zwischen uns beiden. Maybe. Ja, das ist immer so ein bisschen der Punkt, wo wir auseinander gehen. Finde ich spannend.
Florian Bayer: Ja, ist es. Die wechseln auch mal. Es ist dann so, dass der, der letzte Woche die eine Position hat, plötzlich ja, ja, anscheinend die andere Position hat. Absolut. Aber er hat keine Konsistenz bei uns, was das betrifft.
Johannes Franke: Vor allem manchmal denke ich so, ach, Plur wird Schwierigkeiten mit dem Film haben und dann kommst du her und bist total begeistert und andersrum. Also es ist schon manchmal schwer vorherzusehen.
Florian Bayer: Bevor wir zu unserem Fazit kommen, ich glaube, das steht schon kurz an, rennen wir noch einmal schnell in unsere Top 3.
Johannes Franke: Yes, eine Top 3. Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 mit dem Titel Etikettenschwindel.
Florian Bayer: Etikettenschwindel, finde ich einen geilen Titel und ein geiles Thema.
Johannes Franke: Ja, weil wir gedacht haben, wir haben jetzt über Werwölfe recherchiert, weil der Film so eben danach aussah. Und das ist halt ein Etikett, das am Ende nicht eingelöst wird.
Florian Bayer: Wir haben uns beide eingelöst. Echt ganz schön verarscht gefühlt am Ende, oder?
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber es ist auch ganz geil gewesen. Ich muss sagen, diese Szene eben mit dem... Eddie, der so tut, als würde er jetzt gleich zum Wolf werden, ist schon sehr geil. Auf jeden Fall. Weil er eben auch als uns, als weißen Zuschauer... Ganz schön die Nase reindrückt und sagt, Alter, was erwartest du hier? Was soll das?
Florian Bayer: Absolut. Es ist wirklich ein sarkastischer Kommentar zu diesem Blick des weißen Mannes auf den vermeintlich wilden Mann. Geil. Ich habe eine Honorable Mention.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Soll ich sie raushauen?
Johannes Franke: Ja, gerne.
Florian Bayer: The Last Movie. Was? Dennis Hopper.
Johannes Franke: Etikettenschwendel im Sinne von, es ist nicht der letzte Film gewesen?
Florian Bayer: Nein, das auch. Dennis Hopper kommt von Easy Rider aus dem Jahr 1969. Und dann gibt es diesen Film, der heißt Last Movie End. 1971 und auf dem Plakat ist ein Bild zu sehen von Dennis Hopper mit Cowboy-Hut auf dem Kopf und man denkt, das ist der nächste große Freiheitsweststreifen. Es gibt sogar einen, wo er auf dem Pferd sitzt und das Pferd steht auf seinen Hinterbeinen und er hält es wagemutig fest und so weiter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist ein wirklich schräger Metafilm über Dreharbeiten in irgendeinem Dorf in Südamerika, glaube ich. Mhm. wo die Einheimischen das Konzept Film nicht verstanden haben und die Filmszenen dann irgendwann nachstellen und sich dabei gegenseitig umbringen. Hoppe als abgehalfterter Schauspieler ist mittendrin und dazwischen und versucht irgendwie klar zu kommen, sehr merkwürdiger, sehr schräger Film, vielleicht nicht mal ein Meisterwerk, aber auf jeden Fall... Ein richtig geiler Schlag gegen das Publikum, das gedacht hat, jetzt sehen wir den nächsten Easy Rider nur diesmal mit Cowboy.
Johannes Franke: Geil. Ich glaube, ich habe den gesehen.
Florian Bayer: Geil.
Johannes Franke: Ich habe so eine ganz vage Erinnerung daran an dieses System, das Konzept, was der Film hat. Geil. Ich habe auf Platz 3 einer der Urväter des notwendigerweise existierenden Etikettenschwindels und zwar Freaks. aus dem Jahr 1932.
Florian Bayer: Du erwartest Horror?
Johannes Franke: Ich erwarte als Publikum in der Zeit einen Monster-Horror. Ja, weil es um... Der Film heißt ja schon Freaks. Und ich sehe dann einen Haufen... Kleinwüchsige oder Menschen mit verschiedensten Behinderungen und die sind dann aber in einer total guten, liebenden Welt. einer Zirkuswelt und die Freaks sind im Grunde die full abled Menschen. die Leute, die keine Behinderung haben, sondern die einfach diese Leute ausnutzen wollen. Und es ist so geil. Es gibt dann natürlich so ein bisschen auch den Horrormoment, wo... die Kleinwüchsigen und so und ich glaube vor allem der ohne Beine dann sehr horrormäßig nach dem einen greift und sie ihn dann irgendwie umbringen. Aber das ist das einzige Zugeständnis an dieses Publikum, weil der Typ, der das gemacht hat, Einer der ersten war, der wirklich Menschen mit echten Behinderungen eingesetzt hat als Schauspieler und nicht wie das bis heute oft gemacht wird. Menschen, die gar keine Behinderung haben, dann mit einer Behinderung zu besetzen. Super krass.
Florian Bayer: Wir haben drüber geredet. Es gibt eine Episode dazu. Freaks aus dem Jahr 1932. Ganz großartiger Filmklassiker. Kein Horrorfilmklassiker, sondern ein Dramaklassiker.
Johannes Franke: Super, super Film.
Florian Bayer: Mein Platz 3, wir haben auch drüber geredet. 2046 von Wonka Vai. Man sieht das Plakaten, man erwartet eine Art Blade Runner trifft Romanze. Liebesfilm in der Zukunft. in einer futuristischen Stadt. Und was man allerdings kriegt, ist eine sehr... Sehr ambivalente Auseinandersetzungen mit Romantik, mit Beziehungen, mit der Suche nach Liebe und der Suche nach Halt. die enttäuscht wird über mehrere Jahrzehnte hinweg, aber halt nicht in der Zukunft. Die Zukunft, die auch ein bisschen gezeigt wird, spielt nur eine ganz kleine Rolle in diesem Film. Stattdessen haben wir einfach ein sehr ernstes Drama in den 60ern, 70ern, 80er Jahren vor uns. Toller Film.
Johannes Franke: Ja. Also vor allem das Plakat, das so seltsame Erwartungen schürt.
Florian Bayer: Der Trailer hat das auch ganz schön ausgekostet.
Johannes Franke: Okay, ja. Ich hab auf Platz 2, 12 Uhr mittags. Das ist doch kein Western. Das ist ein Drama.
Florian Bayer: Ja, geil.
Johannes Franke: Haben wir dieses Jahr geguckt. Ich fand den total gut und ich mag ja Western nicht. Mit Western kann ich nichts anfangen. Du kannst auch mit Western.
Florian Bayer: Nein, ich bin kein Western-Fan, aber ich liebe diesen Film.
Johannes Franke: Aber 12 Uhr mittags ist unglaublich und dann heißt er auch noch, also im Original High Noon, das klingt total nach So nach klassischem Reste. Und dann ist das aber Gary Cooper als Sheriff... der einfach in der Gegend rumläuft und versucht Verbündete zu finden.
Florian Bayer: Und keine findet.
Johannes Franke: Und keine findet. Eigentlich ist er der Sheriff. Dort. Und alle wenden sich von ihm ab, weil sie Angst davor haben, dass der Gangster, der da jetzt um zwölf Uhr mittags kommen soll, sie alle platt macht.
Florian Bayer: Und am Schluss sitzt er in seinem Sheriff-Büro und heult.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Das ist eigentlich ein Film des Scheiterns. Also er gewinnt am Schluss, aber trotzdem ist es vor allem Scheitern, das gezeigt wird.
Johannes Franke: In einem Western um die Zeit, 50er, 1952, einen weinenden Sheriff zu zeigen, ist krass.
Florian Bayer: Die Konservativen haben diesen Film nicht gemocht.
Johannes Franke: Ne, ne Überraschung.
Florian Bayer: Mein Platz 2, ein australischer Film aus dem Jahr 2008, Lake Mungo. Du siehst das Plakat, du siehst den Anfang und du erwartest einen klassischen Mockumentary-Found-Footage-Horrorfilm?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der sich dann aber schon nach kurzer Zeit als wirklich reflektiertes Drama über Tod und Verlust bezeichnet. Und zwar geht es darum, dass ein junges Mädchen gestorben ist und die Familie glaubt, dass es Geistererscheinungen von ihr gibt in ihrem Haus. Und es gibt halt Filmaufnahmen, wo plötzlich ihr Geist auftaucht. Und dann ist da dieses Dokumentarfilm-Team, Das versucht immer auf die Schliche zu kommen, was da für Geistererscheinungen sind. Und wie gesagt, das klingt voll nach Horror. Nach wirklich klassischem Geisterhorror, aber was dann passiert, ist einfach nicht das, was du erwartest und es ist einfach ein wirklich clever erzähltes, sehr ruhiges, ein bisschen mysteriöses Drama, das auch sehr vieles offen lässt.
Johannes Franke: Schön. Ich habe auf Platz 1, da haben wir auch drüber geredet, Und ich glaube, das ist wirklich der krasseste Etikettenschwindel, der mir je untergekommen ist und der trotzdem ein richtig guter Film ist. Amadeus. Der Film heißt Amadeus. Geht es um Amadeus? Nein, eigentlich nicht. Eigentlich geht es um Salieri, der seinen Beef mit Gott hat. Ja, und lass dir das mal auf der Zugerze gehen, die Formulierung. Es geht um Salieri, der sein Beef mit Gott hat. Was hat das mit Amadeus zu tun? Und natürlich wird es an Amadeus festgemacht und es wird irgendwie daran abgehandelt. Aber es ist so geil, welche Themen dieser Film angreift und eben kein Biopic für Amadeus ist. Sondern einfach diese Abrechnung von Salieri und diese Tragik dieser Figur. Es ist so geil.
Florian Bayer: Ganz großartig. Wir haben vor kurzem drüber geredet. Vielleicht der beste Filmbösewicht der 80er Jahre. Vielleicht der beste Filmbösewicht.
Johannes Franke: vielleicht, vielleicht.
Florian Bayer: Antonio Salieri, ganz fantastisch. Mein Platz 1, Anomalisa. Man erwartet einen schrägen Romantikfilm, Und dann stellt man fest, dass es ein Film von Charlie Kaufman ist und denkt schon, ah, okay, vielleicht doch nicht. Aber trotzdem, alles schreit danach, dass es ein Film ist, wo eine wunderschöne Romanze erzählt wird in einer düsteren Welt. Es geht nämlich um einen Mann, der in einer Welt lebt. wo alle das gleiche Gesicht zu haben scheinen. Und dann trifft er diese eine Frau, die ein anderes Gesicht hat und verliebt sich natürlich in sie.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und man hat so das Gefühl, es ist so eine fantastische Allegorie auf Konformität und dann entpuppt sich das Ganze als wirklich darkes Psychodrama über über Krankheit und die Frage, wer falsch liegt, wird auf eine ganz merkwürdige Art beantwortet und du sitzt am Ende da und hast richtig Bauchschmerzen. Großartiger Film.
Johannes Franke: Wolltest du mir mal geben irgendwann?
Florian Bayer: Muss ich dir auch irgendwann mal geben. wirklich krasser Kaufmann-Film von vielen krassen Kaufmann-Filmen. Ich müsste dir eigentlich auch mal Synecdoche New York geben. Sein Opus Magnum. Aber weiß ich noch nicht, wann ich dich damit quälen will.
Johannes Franke: Magnum, jetzt ein Eis.
Florian Bayer: Anomalisa ist auf jeden Fall ein Film, der richtig wehtut. Ich hab mich richtig heiß danach gefühlt. Großartiger Film. Und damit zurück in den Film.
Johannes Franke: Das war. Unsere Top 3. Willkommen wieder zurück. Wir sind bei...
Florian Bayer: Wolfen.
Johannes Franke: Wehrwolfe.
Florian Bayer: Nein, keine Wehrwölfe. Wolfen. Es sind keine Wehrwölfe. Es ist Wolfen. Es sind die Geister, die umherziehen oder was auch immer.
Johannes Franke: Ja. Es gibt keine großen Themen mehr oder sowas.
Florian Bayer: Nein, wir müssen unser Urteil sprechen.
Johannes Franke: Ja, unser Urteil. Ich finde es schwer. Ich finde es wirklich ein bisschen schwer zu sagen. Ich mag die Roughness, die dieser Film mit sich bringt. Ich mag Albert Finney. Wir haben überhaupt nicht über die Schauspieler geredet. Warum eigentlich nicht?
Florian Bayer: Überhaupt nicht. Weil es fast Dustin Hoffman geworden wäre.
Johannes Franke: Ja, genau. Und mit Dustin Hoffman. Ja, also ich meine, der ist ein guter Schauspieler, aber ich weiß nicht, ob er das mitgebracht hätte. Der Regisseur hat gesagt, nein, Dustin Hoffmann, ich muss dir leider den einzigen Korb deiner ganzen Karriere geben. Das ist wirklich der einzige Korb, den er bekommen hat. Wenn er das eine hoffende Rolle haben wollte, dann hat er die auch bekommen. Hier nicht. Aber Finney hat das wirklich so geerdet gemacht, finde ich. Wie auch der Regisseur das eben gesagt hat. Er hat gesagt, ich glaube, das kriegt Dustin Hoffman nicht so geerdet hin, wie ich das... Albert Finney, Zutraue. Und der macht das wirklich so. Und der war die ganze Zeit besoffen am Set.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der war besoffen und ich hatte in einem Interview mit jemandem, der da am Set war, ich glaube, das war auch der Autor, der hatte erzählt... Dass er am Set war, Albert Finney dabei zugeschaut hat, wie er sturzbesoffen am Set rumgestolpert ist und sobald jemand gerufen hat, und Action! wirkte der total nüchtern.
Florian Bayer: Es passt so gut zu der Rolle. Ich finde es fantastisch.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und es passt so gut zu der Rolle, weil genauso stelle ich mir, also ich habe das Gefühl, genauso ist auch der Detektiv, den er spielt. Der ist auch die ganze Zeit besoffen und ist aber in diesen professionellen Situationen nüchtern, solange er es sein muss.
Johannes Franke: Ja. Ja, aber genau das. Und das gibt dem Ganzen irgendwie nur... Also Albert Finney macht das einfach sehr gut. Ich finde, dass der eine gute... geerdete und sehr nüchterne Sache da reinbringt.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Wirklich Tolles.
Florian Bayer: Diane Winora als Rebecca? Ja.
Johannes Franke: Ich finde sie gut und ich mag sie eigentlich als Charakter, aber sie kriegt so wenig Screamtime, dass da einfach nicht viel passieren kann.
Florian Bayer: glänzen den Momenten, in denen sie nicht mit ihm zu sehen ist. Und das sind halt leider sehr wenige.
Johannes Franke: Ja, das stimmt vielleicht.
Florian Bayer: Naja. Ansonsten wir haben, ich fand ja da, wie heißt der? Gregory Hines als Gerichtsmeditiner finde ich total toll. Und ich freue mich immer, wenn ich in einem Film James Tolkien sehe. Hier in einer ganz kurzen Szene läuft einmal unser Glatzkopf aus zurück in die Zukunft. Ah, ja, ja. Und Masters of the Universe ist vorbei. Spielt der eine andere Rolle dieses Mal? Man kann es nicht richtig sagen. Es ist so kurz, dass man nicht sagen kann, was er in diesem Moment spielt, aber ich freue mich immer, seinen plankpolierten Schädel zu sehen.
Johannes Franke: Ist das gemein.
Florian Bayer: Der Mann hat nun mal eine Glatze. Das ist ein Markenzeichen. Würde er mit Haaren in einem Film auftauchen, würde ich ihn wahrscheinlich nicht erkennen.
Johannes Franke: Ist das seine Rolle, der Mann mit der Glatze?
Florian Bayer: Das ist der Mann mit der Glatze.
Johannes Franke: Ach Gott. Na gut, er hat Geld damit verdient. Ist in Ordnung.
Florian Bayer: Aber ich finde, war das schon dein Urteil?
Johannes Franke: Nee, mein Urteil ist, ich habe keine Ahnung. Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nicht, wie ich den Film finde. Ich finde, der hat wahnsinnig viele spannende Themen und es ist vielleicht auch ein Film... über den man so viel nachdenken muss, um dann in die Themen genauer reinzusteigern. zu steigen, um dem Film dann auch dankbar zu sein, dass er hier und dort und dort und dort gepikst hat und Und vielleicht nicht immer auf die richtige Art und Weise gepikst hat, sodass ich mich nicht aufregen musste, aber ich habe mich ein bisschen aufgeregt, aber er hat trotzdem Themen angepikst. ... die ich total wichtig und total spannend fand... ... und mir auch überhaupt gezeigt hat, was in den 80ern und 70ern in der Bronx los war... Wo ich gedacht hätte, was? Das kann nur ein Weltkrieg. Aber nein, das sind einfach nur Leute, die ihre Nachbarschaft... verwahrlosen lassen und abfackeln, um die Versicherung einzustreichen. Krasse Scheiße.
Florian Bayer: Ich finde es ein absolut grundsolider, garstiger, dreckiger Horror-Thriller aus den Anfang der 80er, der... wie so viele Filme aus der Zeit aus dem Genre so ein bisschen Mainstream-Appeal hat und auch nicht so die komplette... Abartige Route geht, wie manch andere Horrorfilme, so Ende 70er, Anfang 80er. Und dem diese Balance ganz gut gelingt zwischen Mainstream-Appeal, Dreckig, roughem Horrorfilm und halt doch diesen sozialen Themen und philosophischen Themen. Und sehr viel Credit to Watley, dass er die reintrinkt. Und ich finde, das ist offensichtlich in der Vorlage ja auch nicht gegeben. Es ist total cool, wenn solche Themen im Horrorfilm aufgegriffen werden, dass es hier gleich drei, vier sind. die miteinander verwoben werden, umso besser. Und ich bin froh bei so einem Film, dass es nur die zweieinhalb Stunden Version ist. Das ist nicht zweieinhalb Stunden, das ist nur die Zwei-Stunden-Version. Ich muss tatsächlich nicht mehr sehen und mir reicht das Angeteaserte von diesen Themen. Ich habe mich darüber gefreut, ihn zu sehen.
Johannes Franke: Ja. Insofern auch Credit an Michaela. Ja, vielen Dank.
Florian Bayer: Vielen Dank, Michaela, dass du uns diesen Film vorgeschlagen hast.
Johannes Franke: Ja, großartig. Wir sitzen immer auf dem Balkon und überlegen, was nehmen wir denn von der Liste, die da so vor uns liegt. Und wir haben oft genug Angst, weil wir nicht wissen, was ist das für ein Film? Weil oft Sachen dastehen, die wir einfach nicht kennen. Und dann wissen wir nicht, passt das in den muss man sehen Podcast und dann müssen wir euch da draußen vertrauen, dass ihr uns gute Sachen schickt und nicht irgendeinen Scheiß. Und bei dem war es einfach nicht ersichtlich und wir haben es einfach auf Risiko genommen und ich bin froh, dass wir es gemacht haben.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Ich bin auch sehr froh, diesen Film gesehen zu haben. Und es ist glaube ich, was so die Themen Natur Mensch Und ähnliches betrifft. Es ist wahrscheinlich der interessanteste und der tiefgründigste von diesen Früh-80er-Horrorfilmen, Werwolf-Horrorfilmen. Es ist kein Wehrwolf-Film. Aber er muss verglichen werden mit American, mit American Red Wolf in London und mit The Howling.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und im Vergleich zu beiden schlägt er sich nicht schlecht. Also das sind wirklich starke Filme und so weiter, aber er kann mithalten.
Johannes Franke: Er hatte halt den Erfolg überhaupt nicht, ne?
Florian Bayer: Er hat halt den Erfolg nicht und er ist auch, glaube ich, heute so ein bisschen in Vergessenheit geraten. Guckt ihn euch an.
Johannes Franke: Jetzt, wo wir ihn rausgeholt haben, ist er wieder zurück. Back to the roots. Nee, irgendwo hin. Empfehlt den Film weiter und empfehlt uns weiter gerne und gebt uns einen Kaffee aus. Auf unserer Webseite gibt es die Möglichkeit, uns Geld zuzuwerfen, sodass wir uns irgendwann mal einen Kaffee kaufen können.
Florian Bayer: mal vergessen, den By-Me-Coffee-Link in die Shownotes zu holen. Ich versuch dran zu denken. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt noch kurz dran. Johannes wird mir für nächste Woche was vorschlagen.
Johannes Franke: Jawohl.
Florian Bayer: Und ansonsten euch wie immer vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid. Bleibt dabei. Es ist uns ein Fest.
Johannes Franke: Nutzt die Liste, die wir inzwischen haben, die 280 Filme oder wie viele das sind oder bald 290. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ja, wir haben bald unsere Jubiläumsepisode. Wenn ihr noch Fragen an uns habt, schickt die ruhig rein. In dieser Jubiläumsepisode werden wir einfach nur frei labern und wir brauchen irgendwelche Themen, über die wir reden können.
Johannes Franke: Genau. Aber sucht euch gerne auch Filme aus, die ihr noch nicht gesehen habt. Schaut sie euch an und hört danach unsere Folge dazu. Weil es ist ja auch so ein bisschen ein Empfehlungsding. Ja. Also die meisten, die wir so mitbekommen, Die hören halt die Episoden zu filmen, die sie schon gesehen haben. Und nutzt das gerne auch einfach, was soll ich heute Abend gucken? Gerne Wolfen oder was auch immer.
Florian Bayer: In diesem Sinne, habt eine wunderschöne Woche.
Johannes Franke: Bis dahin. Ciao. So, Plor, es gibt da was von mir.
Florian Bayer: Ja, was gibt es dann?
Johannes Franke: Von mir gibt es diese Woche Little Miss Sunshine.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Den du auch schon gesehen hast. Natürlich.
Florian Bayer: Indie-Comedy 2000er Jahre.
Johannes Franke: Es kann sein, dass es ein WG-Film war, dass du mir den mal gegeben hast, uns mal gegeben hast, als wir noch in der WG waren vor 20 Jahren.
Florian Bayer: Ich überlege, ob ich den im Kino gesehen habe, aber ich weiß es nicht mehr genau.
Johannes Franke: 2006 ist er erschienen, also neuerer Film für unsere Verhältnisse.
Florian Bayer: 20 Jahre alt?
Johannes Franke: Genau. Von Jonathan Dayton und Valerie Ferris, die wir... beide nicht so richtig gut einsortieren können. Was haben die noch so gemacht?
Florian Bayer: Ja, die muss ich auch gerade gucken. Also ist jetzt ... Offensichtlich haben sie einen berühmten Film gemacht und das war Little Miss Sunshine. Ich bin sehr gespannt drauf. Ich habe den auch schon... wahrscheinlich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.
Johannes Franke: Die haben gar nicht viel mehr gemacht. Die haben Ruby Sparks noch gemacht und Battle of the Sexes. Und das war's.
Florian Bayer: Ja, krass.
Johannes Franke: Okay, gut. Wir machen Little Miss Sunshine. Schaut euch den Film auf jeden Fall an, damit wir nächste Woche möglichst befreien. breit darüber reden können, ohne Angst zu haben, euch zu spoilern. Also, angucken und wir sehen uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Bis dahin, ciao. Ciao.
