Episode 291: Little Miss Sunshine und der amerikanische Traum
Die siebenjährige Olive hat eine Obsession für Schönheitswettbewerbe. Vor dem Fernseher ahmt sie die weinenden Gewinnerinnen nach und arbeitet selbst hart an einer Choreographie, die ihr bei Wettbewerben die Trophäe sichern soll. Ihr Opa Edwin hat sich des Kindes angenommen und verbringt viel Zeit damit, mit ihr im Keller zu üben und zu choreografieren. Dann kommt der unverhoffte Anruf: Olive kann als Zweitplazierte nachrücken, weil die Gewinnerin mit Diätpillen betrogen hat. Damit ist sie berechtigt, am bundesweiten Wettbewerb in JWD teilzunehmen. Da die Familie sich keinen Flug leisten kann, fahren sie mit ihrem klapprigen VW-Bus los, um auf einem Roadtrip allerlei Scheiße mitzunehmen: die Kupplung gibt den Geist auf, was bedeutet dass alle anschieben und aufspringen müssen, der Buchdeal des Vaters platzt, der Sohn entdeckt seine Farbenblindheit und muss seinen Traum als Jetpilot begraben – und der Großvater der Familie stirbt an Drogenmissbrauch. Von all dem will sich die Familie nicht abhalten lassen. Sie wollen Olive unbedingt den Wunsch erfüllen und schaffen es gerade so, sich in den Wettbewerb einzuschreiben.
Die Bühnenperformances der Kinder allerdings schlagen bei den Familienmitgliedern Alarm. Viel zu professionalisiert, viel zu perfektioniert und aufgehübscht ist die Welt der Kinderschönheitswettbewerbe. Olive ist keinem der bis zur Traumatisierung hochgezüchteten Kinder gewachsen. Olive will trotzdem auf die Bühne, und nun zeigt sich das Erbe des Großvaters: der Tanz des Mädchens gleicht der Stripshow eines billigen Sex-Schuppens. Das Publikum ist entsetzt, die Familie völlig überrascht. Aber in einem Akt der Solidarität kommen Vater, Mutter, Bruder und suizidaler Freund der Familie auf die Bühne und tanzen mit. Ein gemeinschaftlicher Mittelfinger an die toxische Professionalität der Wettbewerbsmaschinerie.
Zwar ist der Schönheitswettbewerb der Aufhänger, aber eigentlich sehen wir einer vermeintlich dysfunktionalen Familie dabei zu, wie sie zusammenwachsen und als Individuen zueinander finden.
Plor, ich habe unter massiven Schmerzen recherchiert, wie Schönheitswettbewerbe für Kinder und auch Erwachsene in Amerika und auch anderen Teilen der Welt aussehen. Bist du bereit, den amerikanischen Traum rituell auf dem Schlachtfeld der Beauty Pageants zu töten und deren Reste an die Proust und Nietzsche Fans dieser Welt zu verfüttern?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 291: Little Miss Sunshine und der amerikanische Traum Publishing Date: 2026-07-29T05:51:47+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/07/29/episode-291-little-miss-sunshine-und-der-amerikanische-traum/
Florian Bayer: Es ist nicht so eine große Übertragungsleistung notwendig, um zu sagen, Moment, das sind komplett sexualisierte Veranstaltungen und ihr macht jetzt eins zu eins das gleiche mit den 5-Jährigen. Kindern.
Johannes Franke: Liebe treue Hörerschaft, seid froh, dass das hier ein Podcast ist, sonst würdet ihr die Choreografie sehen, die Plur mir gerade vorführt.
Florian Bayer: Hat mir mein Großvater beigebracht.
Johannes Franke: Ach wie schön. neuen Ausgabe des Muss-man-sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme an den Kopf schmeißen und sagen, du musst den jetzt sehen, ob du willst oder nicht.
Florian Bayer: Und diese Woche war Johannes dran und hat mir Little Miss Sunshine aus dem Jahre 2006 an den Kopf geworfen.
Johannes Franke: Und sagen wir es so, ich rechne nicht damit, dass wir groß unterschiedlicher Meinung sein werden über diesen Film.
Florian Bayer: Halte ich auch für unwahrscheinlich.
Johannes Franke: Also ich glaube, wir haben ihn auch zusammen in einer WG gesehen.
Florian Bayer: Ich glaube, es war ein WG-Film und ich weiß nicht, ob du ihn reingebracht hast, ob ich ihn reingebracht habe oder irgendjemand anderes. Es würde irgendwie so komplett zu unserer Social Bubble passen. Absolut. Es ist so ein Film, auf den sich, glaube ich, alle einigen konnten damals. Und wo die Frage offen bleiben muss, wer ihn reingebracht hat, weil es ist natürlich ein Crowd-Pleaser, zumindest wenn du so... in einer gewissen sozialen Bubble bist, ist es ein Film, wo alle irgendwie damit glücklich sind. Das Arthouse-Publikum genauso wie das Hollywood-Publikum.
Johannes Franke: Genau, genau. Wahrscheinlich 2006, genau die Zeit, in der es rausgekommen ist, unsere WG-Zeit gewesen.
Florian Bayer: Und ich gehe mal davon aus, das war so einer der Filme, die wir uns noch damals ganz klassisch, wie man es da gemacht hat, aus der Videothek ausgeliehen haben, kurz nachdem er aus dem Kino raus war, weil ich habe ihn nicht im Kino gesehen.
Johannes Franke: Ja, und wir hatten schon damals das Konzept, du musst den sehen, egal ob du willst oder nicht. Und so habe ich auch damals schon Horrorfilme sehen müssen, die ich nie wieder vergessen habe. Und das ist nicht gut.
Florian Bayer: Ich war damals in der WG noch sehr zurückhaltend. Ich bin deutlich härter geworden, was dir Filme zuschmeißen betrifft.
Johannes Franke: Das stimmt. Okay, wir haben dieses Mal Little Miss Sunshine und ich würde euch einmal kurz erzählen, worum es in dem Film geht und dann gehen wir direkt in Medias Race. Es gibt nämlich viel zu besprechen. Ja. Wir haben einiges vor uns. Ich erzähle euch kurz, worum es geht. Die siebenjährige Olive hat eine Obsession mit Schönheitswettbewerben. Vor dem Fernseher ahmt sie die weinenden Gewinnerinnen nach und arbeitet selbst hart an einer Choreografie, die ihr bei Wettbewerben die Trophäe sichern soll. Ihr Opa Edwin hat sich des Kindes angenommen und verbringt viel Zeit damit, mit ihr im Keller zu üben und zu choreografieren. Dann... kommt der unverhoffte Anruf. Olive kann als Zweitplatzierte nachrücken, weil die Gewinnerin mit Diätpillen oder sowas betrogen hat. Damit ist sie berechtigt, am bundesweiten Wettbewerb in JWD teilzunehmen. Da die Familie sich keinen Flug leisten kann, Fahren Sie mit Ihrem klapprigen VW-Bus los, um auf einem Roadtrip einzusetzen. allerlei Scheiße mitzunehmen. Die Kupplung des VW-Bus gibt den Geist auf, was bedeutet, dass alle anschieben und aufspringen müssen. Der Buchdeal des Vaters platzt Der Sohn entdeckt seine Farbenblindheit und muss seinen Traum als Jetpilot begraben. Und der Großvater der Familie stirbt an Drogenmissbrauch. All dem will sich die Familie nicht abhalten lassen. Sie wollen Olive unbedingt den Wunsch erfüllen und schaffen es gerade so, sich in den Wettbewerb einzuschreiben. Die Bühnen-Performances der anderen Kinder allerdings schlagen bei den Familienmitgliedern Alarm fest. Viel zu professionalisiert, viel zu perfektioniert und aufgehübscht ist die Welt der Kinderschönheitswettbewerbe. Olive ist keinem der bis zur Traumatisierung hochgezüchteten Kinder gewachsen. Olive will trotzdem auf die Bühne und nun zeigt sich das Erbe des Großvaters. Der Tanz des Mädchens gleicht einer Strip-Show eines billigen Sex-Shopens. Das Publikum ist entsetzt, die Familie völlig überrascht, aber in einem Akt der Solidarität kommen Vater... Mutter, Bruder und suizidaler Onkel auf die Bühne und tanzen mit. gemeinschaftlicher Mittelfinger an die toxische Professionalität der Wettbewerbsmaschinerie. Zwar ist der Schönheitswettbewerb der Aufhänger, aber eigentlich sehen wir einer vermeintlich dysfunktionalen Familie dabei zu, wie sie zusammenwachsen und als Individuen zueinander finden. Plor, ich habe unter massiven Schmerzen recherchiert, wie Schönheitsbewerbe für Kinder und auch Erwachsene in Amerika und auch anderen Teilen der Welt aussehen. Bist du bereit, den amerikanischen Traum rituell auf dem Schlachtfeld der Beauty-Pageants zu töten und die Reste an die Prust und Nietzsche-Fans dieser Welt zu verfüttern.
Florian Bayer: Aber sowas von. Vor allem, nachdem ich, wenn du schon sagst, du hast recherchiert, was... Beauty-Pageants betrifft, vor allem auch von Kindern. Vor allem, nachdem ich Living Dolls gesehen habe aus dem Jahre 2001. Eine HBO-Dokumentation, die auch ein Emmy gewonnen hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die vor allem einer Familie folgt, die genau das ganze Ding durchzieht. Und das war hart und teilweise wirklich krass an der Schmerzgrenze.
Johannes Franke: Oh fuck, es ist eine furchtbare Welt. Aber weißt du was? Wir haben ja sonst immer unseren Infodump am Anfang. Lass uns doch gleich in den Film reingehen und wenn es dann zum Beauty-Contest kommt, können wir ja da richtig in unser Rabbit Hole reingehen.
Florian Bayer: Absolut. Lass uns in den Film reingehen und in die Augen unserer Protagonistin, die wir als allererstes überhaupt sehen, nämlich Olive. Wie sie gebannt vom Fernseher steht und sich diese Schönheitswettbewerbe anguckt von Erwachsenen.
Johannes Franke: Und schon im ersten Bild bist du in dieses Kind verliebt, oder?
Florian Bayer: Es ist so süß. Unglaublich. Wirklich, sie hat was, wofür sie brennt. So grundsätzlich. Ich kann natürlich mit Schönheitswettbewerben überhaupt nichts anfangen, aber ich bin immer begeistert davon, wenn Menschen für eine Sache total brennen. Und so geht es mir auch mit Olive. Und sie hat einen Traum, der komplett weg ist von meiner Vorstellung, wie Leben aussieht, wie Kinder groß werden sollten und so weiter. Aber sie hat diesen Traum. Und sie brennt für diesen Traum und es sorgt für extremes Entzücken bei mir und natürlich auch dafür, dass ich mich sofort in dieses kleine Mädchen verliebe.
Johannes Franke: Und das ist das, was der Film auf ganz vielen Ebenen richtig macht. Dieses Leidenschaft für etwas haben. Und dafür brennen und dafür jetzt wirklich alles machen zu wollen, dass das eine Ziel wirklich in Erfüllung geht.
Florian Bayer: Das haben wir ja bei allen Protagonisten. Bei allen Protagonisten. Und bei allen Protagonisten guckst du drauf und sagst, oh mein Gott, du hast dafür diese Leidenschaft? Ja, es ist so absurd.
Johannes Franke: Also am schlimmsten ist es mein Vater wahrscheinlich.
Florian Bayer: Am schlimmsten ist es bei Richard, der dieses wirklich absurde 9-Steps-Programm hat, wie man zum Gewinner wird. Und das natürlich konterkariert wird die ganze Zeit durch seine Art in diesem Film. Ja, ja. der sich als dieser große Motivationsredner sieht, der sagt, sei ein Gewinner, sei kein Verlierer und der sowas sagt wie, ich hasse Verlierer.
Johannes Franke: Es ist so krass. Das haben die auch als Inspiration für den Film gehabt. Arnold Schwarzenegger hat, ausgerechnet der Typ, hat irgendwann mal gesagt, if there's one thing I hate, it is losers. I despised them. Und das ist so krass. Und dann haben die Leute, die es geschrieben haben, gesagt... Alter, da muss ich was dagegen setzen, das gibt's doch wohl nicht. Die Welt in Verlierer und Gewinner einzuteilen, ist einfach keine adäquate Lösung.
Florian Bayer: Es ist absolut brutal und ich finde es krass, wie lange sie das mit Richard durchziehen, dass er halt diesem Programm folgt und damit offensichtlich... die ganze Familie fertig macht. Bis zu dem Punkt, den ich so als emotional am härtesten finde in diesem Film, wenn Olive... zu ihrem Onkel weinend sagt, ich will kein Verlierer sein. Ich habe Angst davor, ein Verlierer zu sein, weil ihr das so eingebrannt wurde von ihrem Vater.
Johannes Franke: Es gibt doch wohl nichts herzzerschmetterndes als so ein Mädchen, das sagt, am I beautiful? Und du weißt genau, warum sie das fragt. Und es ist so hart. Ich bin den Tränen nah an der Stelle.
Florian Bayer: Es ist absolut brutal. Und es ist halt wirklich krass, weil... Obwohl wir eigentlich viel Sympathie mit Richard haben sollten, weil er ja natürlich so dieses Sinnbild des Losers ist, der versucht einen Fuß auf den Boden zu stellen, dem es nicht so ganz gelingt.
Johannes Franke: dem auch so einen amerikanischen Traum reinfällt.
Florian Bayer: Ja, und dem auch so ein bisschen die Selbstwahrnehmung dafür fehlt, wie er in der Gesellschaft steht und wie er wahrgenommen wird. Einfach, weil er diesem Prinzip hart folgt. Aber es wird natürlich die ganze Zeit kaputt gemacht, mögliche Sympathie für ihn dadurch. Dadurch, dass er so brutal zu seiner Familie ist und dass er wirklich ohne es zu merken so toxisch ist.
Johannes Franke: Zu allen. Und ich habe trotzdem Sympathie für ihn. Und das macht der Film richtig geil. Und ich verstehe. nicht genau, warum. Also er hat genug Momente, dass ich immer wieder denke, ich will aber, dass er es irgendwie auch schafft. Dass er von dem Scheiß wegkommt, diesen neuen Steps und dass er irgendwie wieder Kontakt zu seinen Mitmenschen irgendwie herstellen kann, weil er ist wirklich derjenige, der am weitesten weg von allen ist.
Florian Bayer: Natürlich, er macht seine Familie kaputt mit dem, was er macht. Und auch das, es betrifft nicht nur Richard, sondern wir haben hier einen ganzen Haufen von ambivalenten Figuren. Total. Wo wir drauf gucken und wenn wir sagen, wir nehmen uns die Charakterisierung einmal auf dem Papier, ist keiner von denen sympathisch. Wir haben Twain, den Heroin-Junkie, der aus dem Altersheim geflogen ist, weil er Drogen nimmt. Und der seiner Enkelin absolut unangebrachten Striptease-Tanz beibringt, weil das offensichtlich die einzige Art ist, wie er tanzen kennt.
Johannes Franke: Hm, hm, hm, hm.
Florian Bayer: Das ist wirklich sehr, sehr lustig, Plo. Wir haben Frank, der offensichtlich seine Machtposition als Hochschullehrer ausgenutzt hat, um Studenten rumzukriegen.
Johannes Franke: Ja!
Florian Bayer: Und dann fertig ist, weil ein anderer, mächtigerer Hochschullehrer ihm den Studenten weggenommen hat?
Johannes Franke: einem so gar nicht so klar, während man den Film guckt und irgendwann plötzlich taucht dieser Student auf und man denkt sich, Moment mal. Was ist da eigentlich los? Und dann geht der Film aber weiter und man kommt gar nicht so richtig dazu, darüber nachzudenken. Aber wenn man dann anfängt, darüber nachzudenken, was da eigentlich für eine Beziehung, was er dahinter hertrauert... Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Dann haben wir Twain, der auch wenn er nicht redet, die ganze Zeit so eine krasse Verachtung seiner gesamten Familie gegenüberbringt und hart in diesem Nietzsche-Game drin ist. bis zu dem Punkt, wo man denkt, ah, du könntest auch ein Amokläufer sein, vor allem, weil er zum Militär will.
Johannes Franke: Ja, genau, das ist das Krasse. Aber trotzdem die ganze Zeit für alle voll viel Sympathie.
Florian Bayer: dabei die Einzige, die tatsächlich auch auf dem Papier nicht unsympathisch ist, ist Cheryl, die Mutter, die irgendwie diesen Laden zusammenhält und irgendwie versucht, diese toxische Familie so zusammenzuhalten, dass sie funktioniert. Weil Vater abwesend. Kinder wirklich komplett in ihrer eigenen Welt. Dann muss zusätzlich noch der Opa umsorgt werden. Und dann ist noch ihr Bruder selbstmordgefährdet.
Johannes Franke: Und... Sie ist die Einzige, aber das ist irgendwie auch eine Schwäche des Films, finde ich, weil sie kaum was bekommt. Irgendwie habe ich so das Gefühl, sie ist halt die Mutter.
Florian Bayer: Ja, ist sie, absolut. Sie hat die Rolle, diesen Laden zusammenzuhalten.
Johannes Franke: Ja, irgendwie ist das ein kleines bisschen wenig. Sie raucht heimlich. Das ist das Einzige. Ja, aber das zählt nicht.
Florian Bayer: Heimlich rauchen zählt nicht als negativer Charakter.
Johannes Franke: Genau. Und es ist so, sie muss immer vermitteln zwischen allen und so. bemüht, so den Frieden in der Familie zu wahren und alle zusammenzuhalten und das reicht irgendwie nicht, finde ich, als Charakterisierung.
Florian Bayer: Was ich finde, wodurch die Mutterfigur halt funktioniert, ist durch die Schauspielerin Toni Collette.
Johannes Franke: Oh, sie ist gut. Sie ist so gut.
Florian Bayer: Wir haben über sie schon gesprochen in Sixth Sense, wo sie auch die Mutterrolle spielt und sie hat auch ganz großartig in About the Boy gespielt.
Johannes Franke: Ach, das habe ich gar nicht mehr im Kopf, krass, ja.
Florian Bayer: Wo sie die Mutter von unserem Protagonisten ist und auch vor allem eine Mutter, wobei da ist sie auch sehr depressiv und auch selbstmordgefährdet, glaube ich. Sie ist eine fantastische Schauspielerin. Ja. Und sie spielt diese Rolle der Frau, die halt irgendwie versucht, den Laden zusammenzuhalten, mit einer Gravitas, die sie zu mehr macht, als zu dem, was auf dem Papier steht. Sie ist halt nicht nur die Care-Frau.
Johannes Franke: Genau. Es gibt ein bisschen mehr. Es gibt auch auf dem Papier so ein paar Spitzen, wo ich denke, okay, das ist ganz cool. Zum Beispiel ganz am Anfang, wenn wir schon so ein bisschen in den Film reingehen, sitzen die ja am Tisch. Und klären, was ist das eigentlich mit dem Selbstmordversuch und so. Und sie besteht die ganze Zeit darauf zu sagen, nee, wir sind hier radikal ehrlich. Und wir können das der siebenjährigen zutrauen, dass sie über den Suizid des Bruders was erfährt. Und was das überhaupt ist und was das soll und die Hintergründe und warum und so. Und das wirft natürlich die Frage, ist das ein Thema für Siebenjährige so? Soll man das so machen? Wie macht man das? Es ist diffizil.
Florian Bayer: Es ist diffizil. Als Vater kann ich sagen, ich bin ein riesiger Fan davon, ehrlich zu sein. Ich glaube, ich bin auch jemand, der tendenziell Gefahr läuft, dabei zu weit zu gehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Offenzureden. Mhm. Aber wenn mein Kind Fragen hat, die das Thema Selbstmord tangieren oder so, oder auch andere schwierige Themen wie, keine Ahnung, Kindesmissbrauch, Völkermord oder sowas. Es ist ein Teil der Welt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und okay, mein Kind ist jetzt natürlich auch ein bisschen älter. Ja, aber du hast auch früher mit ihm... Ich habe auch früher mit ihm ziemlich offen über diese Themen geredet. Und ich finde das auch wichtig. Und ich finde... Also wir machen das auch beide, also seine Mutter macht das auch und ich finde es ist... Ist auch einfach ein Ausdruck von Respekt für mich. Im Kind ehrlich zu sagen, was Sache ist. Ist für mich so ein Ausdruck davon, dass ich seine Meinung respektiere und vor allem, dass ich seine Wahrnehmung respektiere und seine Sachen zutraust. Genau. dass ich ihm zutraue, mit diesen Themen umzugehen. Und deswegen bin ich in diesem Gespräch voll auf der Seite der Mutter und bin so wütend auf den Vater, der die ganze Zeit zu intervenieren und zu sagen, wir reden da nicht drüber. Und der dann auch wirklich gegenüber Frank so herablassend ist.
Johannes Franke: Ich finde diese Szene am Tisch ist sehr, sehr, sehr gut geschrieben. Ja, es ist wirklich toll, wie die Charaktereigenschaften durchkommen, wie wir sofort verstehen, wer wie funktioniert, wer welche Haltung zu was hat und so. Ohne, dass das nach Exposition klingt. Sondern es ist wirklich einfach ein sehr gut geschriebener Dialog.
Florian Bayer: Was gut funktioniert daran, ist halt, dass wir wirklich in dieses Chaos einer großen Familie geworfen werden. Also ich meine, es sind nur zwei Kinder, aber dann haben wir noch den Opa und noch den Onkel und dann sind schon plötzlich... Es sind sechs Personen, die da zusammensitzen. Die reden durcheinander, die fallen sich ins Wort. Die hören nicht richtig zu, die reden aneinander vorbei. So diese ganzen Sachen, die so ein Setup auch realistisch machen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Obwohl wir hier schon eine Form von magischem Realismus haben. Das ist kein realistisches Familienbild, was da gezeichnet wird. gibt es diese Authentizität einfach in der Art, wie sie miteinander umgehen.
Johannes Franke: Genau das ist es nämlich, dass es trotzdem so authentisch ist. magischer Realismus hin oder her, eine überhöhte Version des Realismus, aber... Das macht, glaube ich, einen großen Teil dessen aus, dass wir uns so wahnsinnig gut auch mit den Figuren identifizieren können und eben die auch geil finden und auch wollen, dass die Dinge schaffen, Auch wenn der Vater ein riesen Arschloch ist, dadurch, dass sie so viele Fehler jeder einzelne für sich haben, können wir uns viel besser identifizieren als mit so glattgeleckten Helden, die es ja auch oft gibt.
Florian Bayer: Ich glaube dadurch, dass wir in die Bewegung rein starten, dieser Film ist am Anfang permanent in Bewegung. merken wir schon auch, also ich meine, wenn man das Poster sieht, weiß man, es ist ein Roadmovie. Wir merken schon, okay, diese Personen sind irgendwie auf einem Weg, Und jede Person wird so eingeführt, dass wir Bock haben, sie auf diesem Weg zu begleiten, weil wir wissen, das wird sie irgendwo hinführen und die werden alle irgendwo landen. Und das passiert auch. Alle in diesem Film landen irgendwo an einem Ort. in ihrem Leben, der anders ist als der Ort, an dem sie gestartet sind, als an dem wir mit ihnen gestartet sind.
Johannes Franke: Es hilft aber auch, dass wir von jedem sofort wissen, dass er sehr zielorientiert auf etwas fixiert ist. Ja. Der Sohn will Kampfjet-Pilot werden. Steve ist der wichtigste Prostkenner und will es bleiben. Und wird abgesägt. Und deswegen hat er auch diesen Selbstmordversuch hinter sich. Also nicht nur deswegen. Gott sei Dank nicht nur deswegen. Aber... Der Vater hat seine 9-Steps da und will vom Loser zum Winner werden. nur pur durch Schieres nicht aufgeben und immer nur sagen, nein, nein, Ich lasse mich hier nicht abschmeißen vom Leben. Ich will mehr. Olive will den Wettbewerb, natürlich. Bei der Mama wird es ein bisschen schwieriger, weswegen ich auch Probleme mit der Mama habe. Weil die keinen richtig... Gutes Ziel, außer ich halt die Familie zusammen habe. Und das ist kein Ziel. Das ist irgendwie schwach.
Florian Bayer: Pass auf. Mein Punkt für die Mutter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Keine einzige dieser Personen wird ihr Ziel erreichen, das sie am Anfang hat. Ja. Die Mutter ist die Einzige, die ihr Ziel erreicht.
Johannes Franke: Oh, okay, okay. Ah, okay. Good, good, good. I see what you did there.
Florian Bayer: Und nicht nur so abstrakt die Familie zusammenzuhalten, sondern zusammenzubringen. Und der ganz wesentliche Satz. Der, glaube ich, das zusammenfasst, was die Mutter will. Let Olive be Olive. Was sie ganz am Ende zu ihrem Vater sagt. Das ist das, was ihr Ziel auch ist, dass dieses Kind seinen Träumen folgen kann, selbst wenn die absurd sind, selbst wenn die fernliegen, dass sie sich selbst sein kann und das schafft sie.
Johannes Franke: Naja, das stimmt. Und der Opa ist noch da. Bei dem Opa hatte ich auch so Schwierigkeiten zu überlegen, was will er denn? Aber ich glaube, dadurch, dass er so am Ende seines Lebens hängt, Es ist schwer, ihm was zu geben, was so hehre Ziele sind. Er will nicht Kampfpilot werden. Natürlich will er nicht mehr Kampfpilot werden. Aber er redet von dem, was er immer wollte. Ja. Viele Frauen. Das sind so harte Gespräche dabei, wenn man echt links und rechts reinhauen will. Oh, Aber es ist sehr, sehr lustig. Und er will am Ende eigentlich auch Olive... nach vorne bringen. Das ist schon wichtig für ihn.
Florian Bayer: Und ich würde auch behaupten, der Opa will auch einfach mit der Familie zusammen sein, auch wenn er das nie so Das stimmt, ja. mit seiner Familie beisammen sein. Und vielleicht ist er die zweite Figur, die ihr Ziel erreicht. Er schafft es nämlich, im Kreis der Familie zu sterben.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Und der Polizist. Der Polizist will einfach nur Pornomagazine. Weil der Polizist ja auch als Charakter. Ich hab das Gefühl gehabt, okay, die kleinen Charaktere sind auch... Na, die werden doch einmal angehalten, weil das Auto... Ach so, ja, ja, ja, der Polizist... Ich bin bei dir. Der Polizist, der dann in den Kofferraum guckt und die Leiche völlig übersieht. Weil ja die Porno-Hälfte liegen. Und er so ein bisschen irritiert auf das schwulen Porno-Ding guckt. Interessante Wahl. Interessante Wahl. Aber ich sehe kein Judgment da drin und das finde ich sehr schön.
Florian Bayer: Es ist aber auch nicht geil, wie in diesem Moment, wenn der Polizist sie anhält, weil ihre Hupe die ganze Zeit los drünnt. Richard seine Maske komplett fallen lässt von diesem, wir kämpfen für was, wir sind stolz aufeinander, wir erreichen alles und so weiter und einfach sagt, Leute, Macht alle, als ob ihr normal werdet.
Johannes Franke: Das sagt ja schon viel aus. Der weiß einfach, das ist keine normale Familie.
Florian Bayer: Das ist so geil, dieses einfach herausgeschriebene Everybody pretend to be normal. Diese pure Verzweiflung und dieses plötzlich kurz aufflackernde Selbstbewusstsein. Scheiße! Wir sind alle komplett durchgeknallt. Ach, ist das schön. Und der Polizist übrigens.
Johannes Franke: Ja. Breaking Bad.
Florian Bayer: Es ist Hank. Es ist Dean fucking Norris und er spielt da schon Hank. Es ist der Prototyp für die Hank-Rolle, die er Zehn Jahre später? Ist es tatsächlich 20, 15? Lass mich mal gucken beim Breaking Bad. Ich hab mich total gefreut, als ich ihn gesehen habe. Ich hab mich sowieso bei ganz vielen Schauspielern lang gefreut und gedacht, oh mein Gott, er spielt einfach die Rolle, die er auch in Breaking Bad gespielt hat. Und jetzt, Moment.
Johannes Franke: Und es ist ja wirklich nur so eine ganz, ganz kleine Rolle, die er hier hat.
Florian Bayer: Ja!
Johannes Franke: Aber es bleibt im Kopf, auch wenn ich dich ja offensichtlich erinnern musste, Plur.
Florian Bayer: Aber sieben Jahre später.
Johannes Franke: Sieben Jahre später, okay.
Florian Bayer: 2013, ach nee, Quatsch. 2013 war die Final Season. Gar nicht so viele Jahre später. 2008 hat das Ding auf AMC gestartet. Krass. Oh mein Gott, Breaking Bad ist schon über 15 Jahre alt. Ach du Scheiße. Krass. Ich finde es großartig. Ich finde es einfach auch witzig, dass er wirklich diese Polizistenrolle spielt, weil die passt so gut zu ihm auch.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Und vielleicht hätten Breaking Bad einfach den Namen übernehmen müssen aus diesem Film.
Florian Bayer: Es ist ein Moment, weil sie sind ja auch in New Mexico unterwegs. Ja, genau. Es ist ein Shared Universe.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber Henk hat vielleicht doch einen zu hohen Posten, als dass er ein paar Jahre vorher als Verkehrspolizist rumgefahren ist.
Johannes Franke: Vielleicht hat er irgendwo ausgeholfen.
Florian Bayer: Maybe. Halte ich für unwahrscheinlich. Und Hank wäre die Leichen nicht entgangen. Das stimmt. Hank hätte gesagt, Moment, was ist das? Das ist sowieso so schreck, dass ich... Es ist wirklich offensichtlich. Sie haben einfach mal ein riesiges Tuch über etwas, was wie ein menschlicher Körper aussieht.
Johannes Franke: Ja, also damit hätten wir unsere ganzen Leute etabliert.
Florian Bayer: Frank, wir müssen noch ganz kurz was zu Frank sagen, weil allein schon deswegen... weil es sich auch dabei um einen Schauspieler handelt, den ich sehr mag, nämlich Steve Carell. Ich glaube, ich habe schon ein-, zweimal in diesem Podcast erwähnt, dass ich Wenn ich wohl viel Fernsehen gucken will, dass ich die Office gucke. Und Steve Carell ist einfach toll und ich finde es toll, wie er hier nicht den Clown spielt, sondern wirklich Durchgezogene, ernste Rolle.
Johannes Franke: Sehr, sehr gut gemacht auch.
Florian Bayer: Und ihm gehört der Titel. Der Titel Little Miss Sunshine wird in dem Moment eingeblendet, als wir ihn... Mit diesem depressiven Blick im Krankenhaus sehen, bevor er abgeholt wird.
Johannes Franke: Überinterpretiert da jemand wieder?
Florian Bayer: Naja, es ist so schön, dieser Kontrast, den haben wir ja die ganze Zeit. Little Miss Sunshine ist so ein Wohlfühlname.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir aber dieses Bild von dem suizidalen Mann, der wirklich aussieht, als ob er komplett mit dem Leben abgeschlossen hätte.
Johannes Franke: Die waren nicht so glücklich mit Steve Carell. Also die Produzenten hatten echt Angst, dass das klappt oder nicht klappt, wie die damit klarkommen. überlegt Bill Murray oder Robin Williams da rein zu kommen. Ja. Aber Steve Carell macht das so, so gut. Es war noch nicht so klar, der war ja noch nicht so der große, ganz, ganz große.
Florian Bayer: Nee, es war vor dem großen Erfolg von The Off. Die Office US ist jetzt auch um die Zeit gelaufen, aber die Office US, das vergisst man ja gerne, war am Anfang kein riesiger Erfolg. Die erste Staffel war 2005. Das heißt, wir befinden uns irgendwie in der Zeit, als die erste Staffel lief. Da war er ein kleiner TV-Typ.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Klar, er hatte diese Hauptrolle, aber die Serie war nicht der große Kult, der später werden sollte.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ich finde, er funktioniert ausgezeichnet und er spielt das richtig gut, diese verletzte Seele, bei der man gleichzeitig drauf guckt und sagt, oh mein Gott, du hast ganz schön viel Kacke gebaut, Alter.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Und auch so ein bisschen, wo man sich denkt, ach, fuck, also dieses teilweise auch so Pseudophilosophische und so dieses. Diese Welt, in diesem Schmerz und dieses Der selbstverliebte Proust-Kenner Ja genau, das ist schon echt ein bisschen, uh. Was ist mit Proust? Proust, Proust, Proust, Proust. Was ist mit Marcel Proust? Hast du ein bisschen was, du hast vielleicht.
Florian Bayer: Ich habe Philosophie, Germanistik und Geschichte studiert und mir wird jetzt mein Magister, den ich habe, wird mir jetzt nachträglich aberkannt, wenn ich sage, ich finde Hust ziemlich langweilig.
Johannes Franke: Oh, der Anruf kommt rein. Der wird dann mal gestern übrigens aberkannt.
Florian Bayer: Hust ist ja vor allem dafür bekannt, um für dieses Mammutwerk auf der Suche nach der verlorenen Zeit und ich glaube niemand, der bei Verstand ist, hat das Ding komplett gelesen.
Johannes Franke: Ich habe es versucht als Jugendlicher und ich habe echt aufgegeben.
Florian Bayer: Jeder, der im Verstand ist, hat das mal versucht zu lesen. Und jeder, der mir verstanden ist, hat nach, sagen wir 50 Seiten, vielleicht auch 100, aber wahrscheinlich eher 10 gesagt.
Johannes Franke: Genau, eher 10, muss ich sagen.
Florian Bayer: Nein, danke. Das sind super Bänder. Woher nimmt man sich die Zeit? Das zu lesen ist keine intellektuelle Leistung, sondern ein Hilferuf. Get a life. So, wie gesagt, das war es mit meinem Studienabschluss.
Johannes Franke: Also, aber du hast was davon gelesen und du hast versucht, dich damit irgendwie anzufreunden. Weil ich meine, wenn man Philosophie studiert und Literatur oder was hast du jetzt? Ich vergesse es jedes Mal.
Florian Bayer: Ja, Philosophie. viel Literatur, name it. Nein, ich habe, das Schlimme ist, ich bin ein riesiger Fan von Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts. Und ich habe zum Beispiel Der Ekel von Satra mit wirklich viel Begeisterung gelesen.
Johannes Franke: Ja, da wissen wir gleich, mit wem wir was zu tun haben, Herr Plot.
Florian Bayer: Und ich stehe auch auf die ganze prätentiöse Kacke, die in der damaligen Zeit entstanden ist. Aber Prust ist einfach lahm. Entschuldigung, es tut mir so leid. Nein, es ist wirklich einfach ein persönliches Geschmackding und ich bin mir sicher, dass... es ganz viele Leute da draußen gibt, die sehr viel Freude am Prust haben. Und vielleicht sollte ich es auch nochmal versuchen, weil Thomas Mann fand ich in einer langen Phase meines Lebens auch lahm und mittlerweile halte ich ihn für den besten deutschen Autoren. Oh, okay.
Johannes Franke: Ja, dann musst du es nochmal probieren. Hat dieser Autor, der den Proust da reingeschrieben hat, das als Scherz gemeint oder? Oder war der auch der Meinung, dass das wirklich der beste Autor aller Zeiten ist, nach Shakespeare?
Florian Bayer: Mit Sicherheit als Herz. Mit Sicherheit als Schatz. Michael Arndt, unser Drehbuchautor, der hier sein Debüt schreibt. Und aber gleich damit den Oscar gewinnt.
Johannes Franke: Das ist so krass, ne? Super krass. Der war 2000 irgendwann arbeitslos und hat einfach gesagt, ja komm jetzt schreibe ich und hat da... Mit einer eisernen Disziplin hundert Fassungen rausgehauen über die Zeit. Es ist unglaublich. Wenn man das auf die Zeit rechnet, dann hat er im Monat zweimal das ganze Buch überarbeitet. Wahnsinn.
Florian Bayer: Bis zum Schluss des Films. Kurz vor Drehende. Beziehungsweise bevor es veröffentlicht wurde, sie haben sogar Alternativen gedreht und hat ja das nochmal umgeschrieben und gesagt, nee, so, das ist... Jetzt ist alles gut, das ist jetzt mein definitives Ende. Final, final.dog. Jeder, der schreibt, kennt das, dass ein Dokument irgendwann Final heißt. Und dann Final, jetzt aber wirklich. Jetzt aber wirklich ist exakt das, was ich benutzt habe, teilweise. Und dann am Schluss war es jetzt aber wirklich fünf.
Johannes Franke: Das ist geil. Ja, aber genau so war das mit Michael Arndt und der hat dann tatsächlich... Ich habe tatsächlich auch gedacht, ich drehe das selber, das Ding. Wer will das verfilmen? Ich nehme selber so ein paar tausend Euro, Dollar in die Hand und fahre. Fahr da einfach mit Leuten los und wir schauen mal, was passiert. Dann hat das aber den großen Fehler begangen, in Anführungsstrichen. das Leuten weiterzugeben, die das gelesen haben und dann gesagt haben, nee, nee, nee, Moment mal, wir machen da was draus.
Florian Bayer: Ron Jackson und Albert Berger waren die Ersten, die gesagt haben, okay, wir müssen einen guten Regisseur dafür finden. Die haben dann lange gesucht und sind dann auf Jonathan Dayton und Valerie Ferris gekommen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die total verliebt waren in das Skript. Und Jonathan Dayton und Valerie Ferris sind Namen, die ich davor, bevor ich jetzt hier für den Film recherchiert habe, nicht kannte.
Johannes Franke: Nein, ich auch nicht.
Florian Bayer: Und Jesus haben die geilen Regiearbeiten gemacht im Bereich Musikvideos.
Johannes Franke: Musikvideos, ja, genau.
Florian Bayer: die haben einige meiner liebsten Musikvideos directed.
Johannes Franke: Ich hab die nicht gesehen. Ich bin nicht der große MTV-Typ oder sowas.
Florian Bayer: 1979 von den Smashing Pumpkins ist eines der wunderschönsten Teenage-Angs, Teenage-Party-Videos, das es da draußen gibt.
Johannes Franke: Geil, okay.
Florian Bayer: Tonight Tonight von den Smash and Pumpkins. Musst du gucken, allein schon wegen unserem Podcast, weil das ist eine einzige Verbeugung vor den Filmen von Georges Méliès.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ganz großartig. Und dann ganz banal und ganz simpel, das können sie nämlich auch nicht prätentiös singen von Travis. Einfach ein Ein Musikvideo, das in einer riesigen Essensschlacht endet, wo alle Spaß haben. Großartige Regisseure.
Johannes Franke: Also Chaos haben sie drauf. Das möchte ich diesem Film auch attestieren, ne? Also das ist so gut choreografiertes Chaos teilweise. Absolut. Macht super Spaß. Möchtest du Teplor?
Florian Bayer: Ja, sehr gerne. Und ich finde auch diese Musikvideoherkunft, die merkt man in der Art, wie sie das Ding inszenieren, weil dieser ganze Film ist unglaublich musikalisch inszeniert. Nicht nur, dass er sehr viele dieser Momente hat, dieser Montagen, wir haben einfach nur Roadtrip. Leute auf der Straße gucken aus dem Autofenster und es läuft melancholische Musik.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Sondern auch, weil alles so ... alle Momente von Dialog auch so einen Rhythmus haben und so einen ...
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Es wird vorangetrieben, es bewegt sich. Du hast nicht das Gefühl, dass es da große... Momente gibt, in denen Leere ist oder in denen Freizeichen sind, obwohl es ruhige Momente gibt. Also verstehe mich nicht falsch, es Es gibt ganz viele ruhige Momente.
Johannes Franke: Sie schneiden das Ding ja auch nicht wie so ein Musikvideo ewig schnell oder sowas. Nein, überhaupt nicht. Es gibt ja genug langsame und lang gehaltene Einstellungen. Das ist schon toll. Deswegen habe ich die Musikvideoherkunft jetzt nicht so erlebt, aber jetzt, wo du es sagst, denke ich auch so, ja, stimmt vielleicht dieser Hang zu diesen... Zu dieser Musik, auch die Musik ist ja auch fantastisch, muss man sagen. Und das Gefühl von, okay, wir haben jetzt teilweise Musikvideoteile, wo einfach die Musik läuft und dazu Bilder.
Florian Bayer: Es ist vielleicht auch dieses permanente Geräusch. Also wenn keine Musik läuft, wird geredet. Und wie die reden ist, es folgt einem Rhythmus und es hört nicht auf.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Also wenn man Probleme hat mit Filmen, in denen viel gelabert wird, in denen Leute viel labern und sich Zeug zuwerfen und übereinander reden... Kann ich mir vorstellen, dass der Film ganz schön anstrengend ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Übrigens, der Drehbuchautor hatte auch sich selbst eine Aufgabe gestellt, weil der nämlich vorher sehr, sehr viele, sehr deprimierende, nach eigenen Aussagen, sehr deprimierende, Filme geschrieben hat, wo Leute viel sterben und so. Und dann hat er gedacht, Moment mal, nee, ich gehe das Ganze vom Ende her an und versuche, das glücklichste Ende aller Zeiten zu schreiben. Obwohl niemand erreicht, was er eigentlich wollte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und hat dann eben dieses Ende geschrieben von diesem katastrophalen Auftritt, der dann sich dreht in so einen familiären Triumph.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde diese Idee grandios gut, muss ich sagen.
Florian Bayer: Dieses Grundkonzept Triumph in der Niederlage funktioniert natürlich voll gut. Total gut. Als Filmzuschauer liebst du einfach deine Außenseiter, du liebst deine Verlierer und du liebst es, die Verlierer triumphierend zu sehen. Ja.
Johannes Franke: Wenn ihr irgendwann mal irgendwo das Idiom Lose to Win lest, das Prinzip ist das im Grunde.
Florian Bayer: Er hatte, glaube ich, auch, und das ist ganz wichtig für die Rezeption dieses Films, auch so ein unglaubliches Glück, dass der genau in die Zeit fiel, als es so einen kleinen Craze gab auf so Indie-Comment. dies, in denen Leute gezeigt werden, die irgendwie am Rand der Gesellschaft sind und die trotzdem was erreichen. Also Wes Anderson hat es eigentlich vorgemacht. Royal Tenenbaums war so die Blaupause dafür und das war dann auch noch so ein Familienfilm. Aber dann auch so Filme wie Ghost World 2001, Garden State 2004, ganz groß und glaube ich immer im einem Atemzug mit Little Miss Sunshine genannt, Juno aus dem Jahr 2007.
Johannes Franke: Den habe ich gar nicht gesehen. Ihr habt den in den Wege gesehen und habt alle gesagt, du musst den unbedingt gucken. Einer der Filme, den ich nicht geguckt habe, weil alle gesagt haben, du musst den gucken.
Florian Bayer: Es war irgendwie so die Zeit für diese Art von Indie-Comedy. Für Filme, die zeigen, Menschen sind irgendwie am Rand der Gesellschaft. Menschen, die wir irgendwie als Verlierer einordnen würden. Die es aber schaffen, ihren kleinen Triumph zu haben und dieser kleine Triumph macht sie auch irgendwie zu besseren Menschen.
Johannes Franke: Man muss aber auch sagen, dass das wiederum auch Kritik hervorgebracht hat. Absolut und das kann ich auch nicht vollziehen. Dass viele Leute gesagt haben, Leute es reicht nicht einfach nur quirky Charaktere aneinander zu reinen. Ich finde die Kritik für diesen Film nicht unbedingt zutreffend, aber ich verstehe, wo sie herkommen.
Florian Bayer: Ja, es gab glaube ich irgendwann den Moment, wo man so drüber war. Man hat das Gefühl, jedes Jahr kommt ein Film raus. der unerwartet viel Erfolg hat. Dann sagen alle, das ist jetzt der Indie-Darling dieser Saison. Und Es gibt so ein gewisses Schema in diesen Filmen, um nochmal Juno in den Raum zu werfen. Wenn man die beiden Filme vergleicht, man sieht sehr viele Parallelen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und zwar so diese irgendwie alle so ein bisschen freakigen Charaktere. Jeder ist irgendwie skurril, jeder hat irgendwie so seine Macken.
Johannes Franke: Dieses schwarzhumorige, schwarzer Humor. Also wie jetzt zum Beispiel in diesem Film der Suizid so trotzdem lighthearted teilweise behandelt wird. muss man sagen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, genau, dass so ernste Themen so sehr locker und sehr leicht und auch für Comedy benutzt werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: grundsätzlich so erdene Farben und so ein erdenes Setup, das ist auch was, was man von Wes Anderson kennt. Stimmt, total. Das alles so in, nicht Sepia, sondern eher in so ein gelb-orange Ton gehüllt scheint und dann auch immer Authentizität Und gleichzeitig aber so eine surrealen Note. Irgendwie sowas, was wirkt, als ob es dann halt doch nicht so 100% aus der Realität wäre, weil man denkt ... So schlagfertig sind Menschen nicht. So schräg. Das sind Menschen auch nicht.
Johannes Franke: Aber da kommt der magische Realismus rein, den du so ein bisschen angesprochen hast vorhin. Also ich glaube, deswegen hat das eben auch einen Platz in der Filmwelt. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Was ich vor allem glaube, dieses Konzept, was dann sehr oft kam, auch so diese dysfunktionalen Familien, die sind natürlich auch so ein Bild der Ära, nämlich das war einfach... Anfang der 2000er kam George W. Bush an die Macht als Präsident und es gab plötzlich so ein Revival dieses Reagan-Familienbildes. Und dazu hat es irgendwie Gegenentwürfe gebraucht. Und die Simpsons sind wahrscheinlich der bekannteste Gegenentwurf. Die sind damals nochmal so richtig gepiekt. War vor dem Simpsons-Film und so die Zeit, als alle gesagt haben, das ist jetzt richtig gut geworden. Aber dann auch sowas wie South Park oder die Filme von Noah Baumbach. Filme, die zeigen, nein, Familie ist nicht mehr so wie Reagan, das sich in den 80ern ausgemalt hat mit den Trade Vibes, die zu Hause sitzen und den Besten. Braten für ihren hart arbeitenden Mann kochen und sich um ihre süßen blonden Kinder kümmern.
Johannes Franke: Das war ja schon in den 80ern wieder veraltet. Das war ja sein Bild aus den 50ern.
Florian Bayer: Genau. Und weil das plötzlich wieder so ein kleiner Trend war, gab es auch dieses Revival der Gegenbilder. Und deswegen... finde ich das auch sehr wertvoll, weil das halt auch eine Zeit war, die diese Gegenbilder gebraucht hat. Und es war halt auch die Zeit, in der es zum Beispiel diese Schönheitskönigen-Veranstaltungen gab für Kinder. wo die so gepiekt sind. Und das ist alles schräg und das ist ein schräges Bild von Gesellschaft. ein schräges Bild von Familie und ein schräges Bild von Erfolg. Und da drauf zu gucken und zu sagen ... Vielleicht wollen wir das nicht so.
Johannes Franke: Nee, nee.
Florian Bayer: Das ist gut.
Johannes Franke: Ja, also ich finde das total schön, auch weil der Film am Ende natürlich... Dadurch, dass er auch so wholesome ist und man irgendwie so viel, man lacht, man weint, irgendwie ist man bei den Figuren voll drin. Es ist auch einfach... tatsächlich ein Liebesbrief an diese unperfekten Familien am Ende. Es ist alles so wholesome und so. Es ist wirklich schön gemacht. Man sitzt dann halt am Ende da und denkt sich, Ja, meine Familie war auch nicht immer perfekt. Und das kennt wirklich jeder. Das ist ja gar nicht so, dass wir... dieses perfekte Familiending, wo finden wir das denn wirklich? Das existiert ja nicht. Das ist ja alles nur eine Illusion. Und dadurch kann auch jeder sich an diesem Film irgendwie andocken und sagen, ja, als wir Kinder waren, hat meine Mutter auch verzweifelt versucht, das irgendwie zusammenzuhalten oder was auch immer.
Florian Bayer: Ja, vor allem auch jeder kennt das so, dass versucht wird das zu verbergen oder versucht wird zu überspielen, dass man nicht perfekt ist. Und dass viele Familien oder auch Menschen generell versuchen, nach außen diese Geschlossenheit und diese diese Funktionalität zu repräsentieren, obwohl es teilweise an ganz vielen Ecken und Enden knirscht. Und es ist einfach schön, also zum einen zu sehen, ja, es knirscht bei allen. Ja. Jeder hat irgendwie Probleme und hier ist es natürlich auch ein bisschen Karikatur, ein bisschen übertrieben.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber auch zu sehen, dass Menschen trotzdem glücklich sein können, egal was für Macken sie haben, egal was für Probleme sie mit sich rumschleppen und egal wie sie von außen verurteilen. können sie trotzdem ihr eigenes Glück finden und wachsen an den Herausforderungen, die diese brutale Welt ihnen stellt.
Johannes Franke: Wir haben jetzt viele Figuren durch, aber wir haben eine noch nicht. Olive selbst.
Florian Bayer: Olive selbst. Ha, Olive ist eine Träumerin. Eine absolute Träumerin, was total schön ist, weil in dem Alter soll man träumen.
Johannes Franke: Übrigens gespielt von Abigail Breslin, dass wir das jetzt nicht vergessen zu sagen, das ist wichtig. Und die war damals sechs, als sie sie gefunden haben. Der Dreh hat allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen, nämlich... zwei Jahre, ein bisschen mehr als zwei Jahre und dann war sie fast schon neun. Und dann haben sie ihr auch noch ein Fettsuit gegeben, damit sie ein bisschen voluminöser wirkt um den Bauch rum und so. Damit sie eher der Kontrast noch zu diesen schönen... Schönheitsdingern ist, die da Schönheitsmädchen ist, die da im Wettbewerb dann sind.
Florian Bayer: Was übrigens total krass ist tatsächlich, weil es gibt ja diesen Moment, wo sie dann Backstage sitzt und von ihrer Mutter geschminkt
Johannes Franke: wird.
Florian Bayer: Und ich sehe sie wie so, klar natürlich, sie hat keinen professionellen Make-up-Artist, was offensichtlich Standard ist bei diesen Contests. Und denke aber trotzdem so, ja, sie kann da eigentlich mithalten vom Aussehen. Und sie ist jetzt nicht perfekt geschminkt, aber sie fällt nicht so krass negativ auf, wie man es hätte inszenieren können, ne?
Johannes Franke: Aber wenn du dir die ganzen Dokumentationen angeschaut hast über so Kids, Pageants und so, es geht ja gar nicht darum. Es geht ja gar nicht um diese Schönheit, die wir vor dem Schminken irgendwo sehen. Also wir sehen ja Olive. nicht geschminkt, sondern wir sehen sie ganz normal unter den ganzen anderen. Vorher Und das, was du daraus machst, ist das, was auf der Bühne steht. Das, was hinzugefügt wird zu dem, was eigentlich als Basis da ist. Du kannst aus... Gefühlt wird aus jeder Basis ein 0815 Gesicht geschminkt, das genau diese Standards alles erfüllt. Mit einem krassen Kostüm, mit einem krassen Make-up, mit einem Talent, was sie irgendwie ausschlachten. Je nachdem, in welche... aus welchem Alter du kommst, es gibt ja schon Babys mit 18 Monaten in sowas, in so Beauty Contests.
Florian Bayer: So krass.
Johannes Franke: Und was ist denn da? Was willst du da beurteilen? Da kannst du nur die Cuteness beurteilen, mit der die Mama versucht, das Kind irgendwie hinzubiegen.
Florian Bayer: Ja, es ist so gruselig. Also was ich wirklich krass finde bei diesen Dingern und offensichtlich gab es dann später auch so Gegenbewegungen, wo sie versucht haben, so Natural Beauty Queens im Kindheitsalter zu haben, dass offensichtlich immer das Ziel zu sein scheint, die auf Erwachsenen zu schminken. Die Haare werden so voluminös gemacht. Es wird wirklich fetter Lippenstift genommen. Es werden die Wimpern gezogen und so weiter. Und dann hast du diese fünf, sechs, siebenjährigen Kinder und die sind geschminkt, als wären das so erwachsene Puppengesichter dann, weil die natürlich keine erwachsenen Gesichter haben und weil das natürlich trotzdem auffällt. Und bei mir setzt da wirklich so ein Uncanny Valley-Effekt ein. Ich sehe ein Kindergesicht unter dieser Maske und sehe gleichzeitig die Maske drüber und merke irgendwie... Da stimmt was nicht. Das ist irgendwie komisch.
Johannes Franke: Und auch wie sie sich verhalten, sollen dieses aufgesetzte Lachen, weil die ja auch nicht echt lächeln. Weil Kinder... Es sind ja keine Schauspieler, die da auf der Bühne stehen und ein echtes Lächeln produzieren können, sondern die ziehen das da so hin. Und dann sieht das immer gruselig aus. Boah, ist das gruselig, denen dabei zuzusehen, wie sie so unecht lächeln, die Zähne zeigen und richtig fletschen eigentlich.
Florian Bayer: In diesem Living-Dolls-Film, in dieser Dokumentation wurde er einer Familie gefolgt. Und dann haben wir diesen Moment, wo... Tatsächlich, das ist Original aus diesem Film, wo die Kinder alle so aufgereiht auf der Bühne stehen und dann geht dieser Moderator durch und singt. ein Lied und geht so zu jedem Einzelnen und singt für jedes einzelne Mädchen. Also wirklich genau das, was wir da auch haben, wo America the Beautiful singt.
Johannes Franke: Es ist so furchtbar.
Florian Bayer: creepy zum einen. Also ich verstehe tatsächlich nicht, dass da, weil unabhängig davon, dass du diese Inszenierung machst und so alles okay, Aber da muss doch auch jemand von denen, die das inszenieren, drauf gucken und sagen, ey, vielleicht kommt der Moderator ein bisschen pädophiler rüber, als er rüberkommen sollte in diesem Moment. Wie dem auch sei, wir haben diese Szene und danach ist das Ding vorbei und die Eltern unterhalten sich mit ihren Kindern. Und die Mutter sagt zu ihren fünfjährigen Tochtern, na, das war doch cool, oder? Hast ein bisschen mit ihm geflirtet. Und ich denke so... Wow. Also wirklich, ich meine, es sind konservative amerikanische Familien. Fällt Ihnen das nicht ein? auf in diesem Moment? Also das Geschminkte und so, geschenkt, aber in diesem Moment zu einem einem fünfjährigen Mädchen zu sagen, du hast mit dem Erwachsenen geflirtet, weil du ihn angelächelt hast, weil ich dir das vorher beigebracht habe, Es muss doch den Moment geben, wo man sagt, oh okay, vielleicht ist da doch ein bisschen zu viel Richtung Pädosexualität.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Das ist eine harte Verweigerung der Realität, die da stattfindet. Ich habe auch ganz, ganz viel in diese Richtung gesehen und ich bin auch zwischendurch echt deprimiert gewesen. Oder hat keine gute Zeit. Weil was Eltern so alles erzählen, um das zu entschuldigen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ist ja Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie auch die Selbstverleugnung. Allein schon die Frage, die ja ganz... leicht in dieses Thema reingeht, wo man schon noch als Elternteil ordentlich antworten könnte. Schon da kommt die Verweigerung, nämlich die Frage... Machen sie das nicht vielleicht auch ein bisschen für sich selbst und weniger fürs Kind? Und dann kommt die Antwort, was könnte ich denn davon haben, wenn mein fünfjähriges Kind Trophäen gewinnt? und du sitzt fassungslos davor, weil die das so hart verleugnen. Weil natürlich, du kannst doch nicht leugnen, dass du als Elternteil auch was davon hast. Also... Es geht ja noch nicht einmal darum, dass ich den entlocken will, dass sie sagen, ich bin der eigentliche Mittelpunkt der ganzen Sache. Das wäre ja schön, wenn sie das sagen würden und so geben würden. Aber dass sie wenigstens kurz sagen, ja, es ist eigentlich auch ganz nett, hier die anderen Mütter zu treffen und so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und miteinander in Kämpfe zu kommen und gegenseitig zu sagen, guck mal, mein Kind. Nee, aber guck doch, mein Kind. Wo ich denke, wow, fuck. Aber dieses Millimeterchen würde schon, das geht schon nicht.
Florian Bayer: Das ist krass. Ich glaube, es liegt daran, dass wenn man diesen einen Millimeter geht, dann muss man sich plötzlich mit ganz viel mehr Metern auseinandersetzen, die da vor einem liegen. In dieser Living Dolls-Doku war diese Mutter absolut krass. Die war wie ein Trill-Sergeant. Das hat mir teilweise die Tränen in die Augen getrieben, wie sie ihrem fünfjährigen Kind gesagt hat. Das fünfjährige Kind. hat zu Hause geprobt und sah wirklich irgendwie glücklich aus in dem Moment, wo es da vorne stand und sich bewegen konnte und so weiter. Und du dachtest auch, es hat was Schönes, dass das Kind sich irgendwie so ausdrücken kann. Und das sagen ja auch alle, die das verteidigen. Mein Kind lernt Wettbewerbssituationen und selbstbewusst und so weiter. Und dann hat die Mutter das aber angeschrien und hat zu ihm gesagt... Du musst auf die Jury gucken. Du musst Blickkontakt mit der Jury halten, sonst wird dich keiner wählen. Und ich sehe einfach nur ein Kind, das die ganze Zeit entmutigt wird, weil ihm er... Ja. ganze Zeit erzählt wird, was es alles falsch macht. Weil es gedrillt werden soll für diesen Bühnenauftritt. Das war so So traurig, so deprimierend.
Johannes Franke: Weil das ja auch nicht wie hier im Film so ein leichtes Üben ist. Wir sehen ja auch gar nicht, wie der Großvater mit Olive da im Keller öffnet. Wir sollen es ja nicht sehen, damit wir dann schockiert sind, was sie für eine Performance liefert. Aber das scheint etwas Leichtes zu haben im Film. Und der Film geht auch nicht so tief rein dann in diese Pageant-Sache, dass man in den Szenen... die sie zwei Wochen lang da irgendwo gedreht haben, dass man das wirklich sehen würde, wie sie gedrillt werden, die Kinder.
Florian Bayer: Ja, ne, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Soweit gehen die überhaupt nicht rein. Aber wenn man dann eben anfängt, das zu recherchieren, du wirst so hart in die Fresse geschlagen davon. Also du gehst echt wie nach einer Prügelei da raus.
Florian Bayer: Es ist wirklich brutal.
Johannes Franke: Wie die ihren Kindern Haarteile reindrücken und vor den Kindern sagen, ja Haarteile, warum denn wohl? Die Haare sind viel zu dünn. Und du fragst dich, was für ein Selbstbild soll dieses arme Kind die ganze Zeit bekommen? Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Wir sehen im Film, wie sie Backstage sind, das wird ja auch gemacht, wie die Beine eingesprüht werden und so, damit sie glatt sind und damit sie die richtige Farbe haben und so.
Johannes Franke: Tanspray, also wenn Kinder zu helle Haut haben, wird dann nochmal, als wenn sie den ganzen Sommer in der Sonne gelegen hätten. was draufgesprüht. Und die Kinder sind, nicht wie im Film oder in anderen Dokumentationen, dabei nackt. Die werden komplett ausgezogen dafür. Vor ganz vielen Fremden, die auch gerade die gleiche Prozedur machen und Leuten, die reinkommen und sie nach ihrer Musik zu fragen oder sie für ein Interview zu terminieren. Vor fremden Leuten müssen die sich nackt ausziehen und sich alles mögliche gefallen lassen, während da irgendein fremder Mann unter Umständen Diese Farbe auf sie spürt. Es ist die Hölle.
Florian Bayer: Es ist so gruselig. Und man wird halt einfach diesen Gedanken... Antisexualisierung nicht los, weil sie einfach diese ganzen Schönheitsideale aus der Erwachsenenwelt aufgedrückt kriegen und auch diese sexy Schönheitsideale. Das sind fünfjährige Kinder, die im Badeanzug posieren. Nicht im Badeanzug, im fucking Bikini. Ja. Es ist wirklich krass, weil ich meine... Wir wissen das einfach aus den Schönheitskönigenwettbewerben für Erwachsene. Du hast die Frauen in den Bikinis da stehen, damit sie ihre Möpse präsentieren und ihren rasierten Schritt. Brasilianisch mit Wachs. Und ich meine, Es ist nicht so eine große Übertragungsleistung notwendig, um zu sagen, Moment, das sind komplett sexualisierte Veranstaltungen. Und ihr macht jetzt eins zu eins das gleiche mit den fünfjährigen Kindern.
Johannes Franke: Ja, ja. Und dann machen die das teilweise jedes Wochenende. Es gibt Kinder, die müssen jedes fucking Wochenende zu einer anderen Veranstaltung, um da irgendeinen Preis abzuholen. Und das krasse ist... Um das mal auf die wirtschaftliche Ebene zu ziehen, die müssen für jeden Scheiß Geld zahlen, die Eltern. Und zwar nicht nur einfach für die Anmeldung. Du meldest dich da an, hast irgendeinen Preis dafür, dass du dich anmeldest? Dann kommst du mit dem Kind dahin, dann fragen die dich, wollen sie teilnehmen? Am besten lächeln, am besten haaren. Bestes Make-up, beste Choreografie, bestes Talent, bestes alles möglich. Die denken, die ziehen sich scheiße aus dem Arsch, um noch eine Kategorie zu haben. Für jede Kategorie muss bezahlt werden. Das heißt, du kommst dahin, hast deinen Eintritt bezahlt, aber nicht... Damit fängst du nichts an. Damit kann das Kind einmal auf die Bühne... Und dann musst du für die ganzen Kategorien zahlen. Wenn du das Geld nicht hast, dann steht das Kind am Ende auf der Bühne zwischen den ganzen anderen Kindern... Und dann ruft der Moderator ein Kind nach dem anderen auf, um einen Preis zu geben und wenn es nur eine billige kleine Medaille ist oder sowas, Jeder, der was bezahlt hat, bekommt was. Wenn deine Eltern nicht genug Geld hatten, stehst du da... Und denkst, du bist massiv hässlich, weil du als einziges Kind keine Medaille oder sonst irgendwas bekommst. Wie krass ist das?
Florian Bayer: Absolut krass. Es ist ein Mittelschichtsphänomen, aber es ist kein... oberes Mittelschichtsphänomen. Also was ich so gesehen habe an den Familien, die das machen, das schien mir so durchschnittliche Mittelschicht zu sein, das schienen mir auch Familien zu sein, die wirklich viel da rein investieren. Das, was die reichen Bildungsbürger in Aarons Geigenstunden investieren oder Klavierstunden. Das investieren die in Kimberleys Schönheitskönigin-Wettbewerb.
Johannes Franke: In Kimberleys Traumatisierung.
Florian Bayer: Und in ihre Traumatisierung damit einhergeht. Und um jetzt trotzdem ein kleines Aber reinzuwerfen.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Offensichtlich gibt es mittlerweile so natural pigeons.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: es darum geht, komplett alles rauszunehmen, was so an künstlichem Make-up und so da ist, beziehungsweise wo es sehr genaue Regeln gibt. für Make-up und so weiter. Und es gibt auch Leute, die sagen ... Die zum Beispiel Kinder haben mit irgendwelchen Defekten oder Kinder mit Trisomie 21 oder sowas. Das ist cool für die. Da auf der Bühne aufzutreten und Talent in irgendwas zu zeigen, was sie gerne machen. Und die gewinnen dadurch irgendwie. Die haben eine Möglichkeit sich zu präsentieren und die haben eine Möglichkeit ihr Ding zu machen. Und ich gehe davon aus, dass diese Wettbewerbe, von denen ich jetzt rede, wo das der Gedanke dahinter ist, dass die nichts mit dem zu tun haben, was wir hier sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dieser grundsätzliche Gedanke, dass ein Kind irgendwas kann, Singen, Tanzen, Gitarre spielen, ein Gedicht vortragen und so weiter. Und die Möglichkeit hat, das auf der Bühne zu machen, ist ja nichts verkehrtes.
Johannes Franke: Das stimmt. Also das gibt es ja auch immer wieder, wenn du irgendwo in einer Musikschule bist als Kind. Dann gibt es immer wieder Vorspiel, es gibt immer wieder irgendwie die Möglichkeit... weiterzukommen, vielleicht in ein größeres Orchester von einer Staatsoper oder sonst irgendwas. Das ist ja viel, sowas gibt es ja als Möglichkeit. Aber eben ohne, dass du Kinder traumatisieren und bloßstellen musst.
Florian Bayer: Ich wollte nur ein bisschen Verständnis für den grundsätzlichen Gedanken von Eltern äußern. ihren Kindern irgendwie die Möglichkeit zu bieten, sich zu präsentieren und was sie können vorzutragen. gleichzeitig vor Publikum zu bestehen, was ja auch wirklich viel Mut kostet, vor einem größeren Publikum aufzutreten. Ja, ja. Und dann im besten Fall auch noch ein Erfolgserlebnis zu haben. So, hey geil, ich habe irgendjemanden damit bewegt und ich habe damit irgendwie Begeisterung ausgelöst.
Johannes Franke: Dafür brauchst du keinen Wettbewerb.
Florian Bayer: Dafür brauchst du wahrscheinlich keinen Schönheitskündigenwettbewerb. Aber Wettbewerbe?
Johannes Franke: Nein, du brauchst keinerlei Wettbewerb dafür. Ich war als Kind in einer Tanztruppe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Einfach nur. Einfach nur in einer Tanzgruppe. Ganz normal. Diese Tanzgruppe wurde in der ganzen Welt rum hergeschickt. Es war sehr bekannt, das Ding sozusagen. Ja. Wir sind bis nach Nicaragua geflogen. Und das war einfach nur, weil wir in dieser Truppe waren, ohne Wettbewerbe, ohne irgendwas in der Richtung. Sind einfach nur aufgetreten und hatten ein Erfolgserlebnis, weil Leute es geil fanden. Das war's. Das reicht. Du musst nicht jemanden anders besiegen dafür.
Florian Bayer: Aber gibt es nicht trotzdem eine Freude auch im Annehmen einer Medaille? Einfach...
Johannes Franke: Als Anerkennung.
Florian Bayer: Ja, also auch so diesen Moment, dass du aus einer Gruppe aufgerufen wirst und als einziger einen Pokal überreicht kriegst.
Johannes Franke: Also ich verstehe das und ich hatte das auch, ich habe ja auch Rock'n'Roll getanzt noch in einer anderen Gruppe, die waren sehr kompetitiv, da habe ich auch irgendwie... Da habe ich auch dieses Erlebnis gehabt von man wird ausgesucht und hier guck mal, du warst Bester, Zweitbester, Drittbester. Aber wenn ich zurück überlege, das waren nicht die besten Sachen. Die besten Sachen waren eher, dass man einfach aufgetreten ist und Leute danach gesagt haben, wow, geil, das habt ihr toll gemacht.
Florian Bayer: Also was ich, um nochmal aus meiner Elternschaft zu plaudern, was mich überrascht hat, was ich so nicht gedacht hätte, Es gibt ein extrem natürliches, kompetitives Bewusstsein bei Kindern, das relativ früh einsetzt. Und ich glaube, dass natürlich auch von außen beeinflusst wird, weil wir einfach in einer Gesellschaft leben, in der Erfolg sehr hoch bewertet wird. Aber ich glaube, das steckt auch ein Stück im Menschen drin, sich mit anderen zu messen und sich zu beweisen und auch mal zu verlieren und mal zu gewinnen. Und ich würde das auch nicht komplett negativ bewerten, sondern würde sagen, das ist irgendwie sowieso ein Teil des Lebens, weil irgendwie es Es gibt einfach diesen Wettbewerb, wir brauchen keine große Kapitalismuskritik, sondern es gibt einfach einen Teil Wettbewerb, der im Leben drin steckt.
Johannes Franke: Das ist richtig, ja.
Florian Bayer: Und Kindern irgendwie Räume zu bieten, wo sie dieses Streben nach Siegen... ausleben können, halte ich für richtig. Und wie gesagt, damit will ich nicht diese Dinger verteidigen, die sind schrecklich.
Johannes Franke: Auf gar keinen Fall. Ich verstehe, was du meinst. Ich habe bloß das selber sozusagen, als ich so kompetitiv war als Kind, nicht als die... Das große, tolle erlebt. Ja. Nur aus Erfahrung sozusagen. Was aber nicht heißt, dass das nicht auch einen Platz in der Gesellschaft hat. Überhaupt nicht, ne? Ja. Ja, was ich am problematischsten an der ganzen Sache überhaupt sowieso finde, ist gar nicht so sehr der Grundgedanke, den du jetzt äußerst, der okay sein könnte. wenn man es richtig macht, sondern tatsächlich diese Mütter und Väter, die ihre Kinder bis zur Besündungslosigkeit dahin drillen und denen... So richtig, es gab Toddlers und Tiaras, gab es mal, eine Reality-TV, Trash-TV-Sache. Auch absurd, was sie da alles gezeigt haben, wie Kinder gegeneinander... Und dann sind aber eigentlich die Eltern gegeneinander angetreten, muss man sagen. Und das ist krass und die geben den Kindern Red Bull und Mountain Dew als Mischung, um die aufzupuschen.
Florian Bayer: Das ist so düster.
Johannes Franke: Und du denkst, fuck, Alter. Und dann tauschen die untereinander irgendwelche Tipps aus, die an der Legalität vorbeischrammen im Fernsehen. Um... Also das harmloseste ist, dass die eine gesagt hat, ja Süßigkeiten bringen gar nichts, der Körper braucht zu lange, um den Zucker da rauszuholen. gib ihnen direkt einfach Zucker. Dann pushen die sich rauf, haben die wieder Spaß, haben die Energie. Und dann fallen die abends gut ins Bett. Das Problem ist bloß, teilweise müssen die um 6 Uhr morgens anfangen und bis 10 Uhr abends, 22 Uhr, geht der Tag. Wie scharf endet das?
Florian Bayer: Das ist total brutal. Und wir sehen hier, dass Richard... Der hat das ja auch in sich, ne? Wenn zum Beispiel Olive dann das Eis bestellen will und dann fängt Richard plötzlich wie aus dem Nichts mit diesem Rant an über Übergewicht.
Johannes Franke: Das ist so krass.
Florian Bayer: Und redet ihr ein schlechtes Gewissen ein und macht sie fertig, weil sie sich ein Eis bestellt hat.
Johannes Franke: Und er versucht es so auf eine psychologische. Was noch perverser ist. Richtig hässlich, ja. Krass, ne? Fuck, Alter. auch in seinem Kopf so die Denke sieht und man so sieht, worauf er hinaus will und das ist so ein... so einen Sickerwitz. Man kriegt erst nach dem zweiten Satz mit, worauf er hinaus will. Und das macht das Ganze noch absurder und noch krasser.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist übel. Und das Schöne ist, die Familie springt sofort ein. Die gehen sofort rauf und sagen, ja gut, dann esse ich das ein. Nein, ich will aber auch was vom Eis und sie kann natürlich nicht daneben sitzen und einfach nur zugucken, wie alle ihr Eis wegessen. Und es ist so schön und so süß, weil die Familie da zusammenkommt.
Florian Bayer: Ja, es gibt sowieso so ein paar wirklich sweete Momente. Also was ich richtig toll finde, ist wenn... Wenn Twain erfährt, dass er farbenblind ist, mitten in der Fahrt, komplett ausrastet, aus dem Wagen springt und total fertig ist und dann erstmal rumschreit, Und wirklich alle in der Familie beleidigt. Er sagt, ihr seid ein Haufen Verlierer. Was sagt der? Scheidung, Bankrott, Selbstmord. Ihr seid... Alle Loser. Und dann kommt Olive zu ihm runter. Und er war ja die ganze Zeit der da nichts gesagt hat, weil er dieses Schweigegelübde hat und dann kommt sie und einfach ohne was zu sagen, tröstet sie ihn und umarmt ihn. Und es dauert kurz und dann sagt er, okay. Und hilf dir noch den Hügel hoch. Es ist so ein süßer Moment zwischen den beiden.
Johannes Franke: Weil es braucht ja keine Worte dafür. Dafür macht es genau richtig. Der hat es richtig verstanden. Es braucht nur ihre Umarmung und ihre Präsenz. dass es bei ihm losgeht, dass es diese Barriere aufbricht, die er aufgebaut hat in dem Moment. Und er versteht, okay, das wird alles klein gegenüber dieser Sache, die wir jetzt hier versuchen. Lass es uns machen.
Florian Bayer: Und genauso ähnlich ein Moment davor, wenn der Großvater im Sterben liegt und Twain dann einfach diesen Zettel schreibt an Olive, wo draufsteht, go hug mom.
Johannes Franke: Umarm einmal deine Mutter, damit sie ein bisschen besser geht.
Florian Bayer: Das ist so süß. Wo wir einfach merken, hinter dieser Fassade, also gerade bei Trayden, der die ganze Zeit so, kalt wirkt und sagt, I hate everyone, im wahrsten Sinne des Wortes, dass hinter dieser Fassade halt doch ein sensibler Mensch steht, der auch seine Familie schätzt und liebt.
Johannes Franke: Man merkt das auch total. Er ist ein sensibler Typ. Das merkt man auch im Spiel vorher, bevor er irgendwas sagt. Ich finde, das ist die ganze Zeit da.
Florian Bayer: Es ist Paul Dano.
Johannes Franke: Er macht das so toll.
Florian Bayer: Paul Dano in Ist es seine erste Rolle?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ich liebe ihn. Er ist so ein großartiger Schauspieler. Und er spielt diese, genau diese Verletzlichkeit, die hinter der Kälte ist, hinter der Kälte verborgen ist. Ne, es ist nicht seine erste Rolle. Er hat davor schon einiges gespielt, aber Paul Dano vor allem in There Will Be Blood ist, glaube ich, sein Meisterstück, wo er es tatsächlich... wo es ihm tatsächlich gelingt, Daniel Day-Lewis fast an die Wand zu spielen. Also Daniel Day-Lewis spielt grandios in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, er ist grandios.
Florian Bayer: Und Paul Dano besteht nicht nur gegen ihn, sondern... spielt teilweise fast besser. Großartiger Typ.
Johannes Franke: Swiss Army Man. Steht auf seiner Vita.
Florian Bayer: Ach ja, stimmt. Swiss Army Man. Da spielt er den verletzlichen Typen.
Johannes Franke: Fablemans, was erst kürzlich war. Sowas in der Richtung. Genau.
Florian Bayer: Und jetzt kann ich auch noch ganz schnell Name-Tropping machen. Craig Kinnear, fantastischer Schauspieler. Ich mag ihn vor allem in As Good As It Gets. Wo er wiederum neben Jack Nicholson bestehen kann, was auch sauschwer ist. Und Toni Collette, haben wir schon gesagt, die großartig ist. Und Steve Carell, der großartig ist. Alan Arkin als Grandpa, um ihn zumindest einmal genannt zu haben.
Johannes Franke: Der auch eine Ausgabe bekommen hat dafür, die beste Nebenrolle.
Florian Bayer: Der schon zwei Millionen Filme in seiner Karriere gemacht hat und leider vor drei Jahren gestorben ist. Großartig. Es ist wirklich ein toller Cast.
Johannes Franke: Wir waren eigentlich gerade bei Olive. Ja. Die Schauspielerin hat ganz oft Kopfhörer auf die Ohren bekommen. Ja, und zwar wirklich. Mit Musik, damit sie nicht hören muss, was Grandpa alles für Scheiße von sich gibt. Das haben die wirklich, die haben am Set darauf bestanden, dass das arme Kind nicht traumatisiert wird von dem, was der da alles sagt. Als sie den Film gesehen hat, hat sie das erste Mal wirklich gehört, was da eigentlich drin war.
Florian Bayer: Es ist so toll, dass sie es im Film direkt auch thematisieren. Ja, genau. Sie hat die Kopfhörer auf und dann worüber redet ihr? Politik. Ah, okay. Und die Kopfhörer sind wieder da.
Johannes Franke: Vorher dieser krasse sexuellen Rant und dieses frauenfeindliche Scheiß, den er da von sich gibt. Und dann fragt sie ihn nach und er sagt Politik und es ist so ein toller Moment. Es ist so gut, auch das Timing.
Florian Bayer: Sie fahren mit einem VW-Bus. Die bekannteste Szene des Films ist wahrscheinlich, wie sie mehrmals diesen Bus schieben und dann niemand wird zurückgelassen. und nach und nach reinspringen. Fünf Busse hatten sie für den Dreh.
Johannes Franke: Sie hatten einen Motor, die anderen haben sie irgendwo raufgebaut, damit sie hinterher fahren können mit der Kamera, also damit sie irgendwie eine Möglichkeit haben, Sachen zu drehen.
Florian Bayer: Craig Kinney hat gesagt, es war teilweise wirklich schwer, weil die sind hart am Limit gefahren, die sind teilweise wirklich schnell gefahren.
Johannes Franke: Fucking gefährlichste Dreh seines Lebens, hat er gesagt.
Florian Bayer: The most dangerous movie I've ever made.
Johannes Franke: Die haben auch nicht viel Zeit gehabt für den ganzen Scheiß, muss man sagen. Die haben 30 Tage gehabt. Acht Millionen ist jetzt nicht so wahnsinnig viel Geld für so einen amerikanischen Film. Das ist auch schon zu der Zeit... Recht wenig. Ist halt ein Indie-Film. Und die 8 Millionen kamen ja auch von einer einzigen Person. Nachdem sie verzweifelt versucht haben, das Geld zusammenzukriegen und dann die Leute doch wieder abgesprungen sind, hat der eine Produzent gesagt, ja, ich habe da acht Millionen rumliegen. hat sehr viel mehr Millionen rumgelegen gehabt.
Florian Bayer: Mark Trattletaub, der übrigens, dem es dann wirklich wichtig war, dass das Ding gedreht wird. Und der teilweise auch mit Arndt aneinander geraten ist. Bis zu dem Punkt, dass Arndt irgendwann kurz... bei dem Projekt rausgeflogen ist. Die wollten nämlich eigentlich dann war die Idee, dass Richard mehr im Zentrum steht und dass er irgendwie mehr so das warme Zentrum des Films ist und einer hat gesagt, das ist überhaupt nicht die Idee, die ich habe. Und dann wurde er wirklich kurz rausgeschmissen. Es gab einen anderen Autoren, der reinkam für ihn.
Johannes Franke: Der auch einige Szenen geschrieben hat, die im Film sind.
Florian Bayer: Genau. Unter anderem Brian Cranston, der hier unser zweiter Breaking Bad Star, der hier eine kleine Gastrolle hat. Großartig. Konfrontation übrigens. Ich glaube, das ist tatsächlich sehr wichtig für den Film. Und dann ist er aber wieder zurückgekommen.
Johannes Franke: Ja, weil die Produktion gewechselt hat. Also es war sozusagen so eine Zeit, wo noch mehrere Leute was zu sagen gehabt hätten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Naja, Turtletop war ja eigentlich Präsident und CEO von The Money Store. Das ist ein riesiges amerikanisches Unternehmen gewesen. Und das hat er verkauft für 2,1 Milliarden Dollar. An die First Union Bank.
Florian Bayer: Dieser Mensch hatte Geld.
Johannes Franke: Das heißt, er hat rund 700 Millionen Dollar Gewinn aus der ganzen Sache rausgeholt und... hatte kein Problem damit, mal eben 8 Millionen in diesen Film zu stecken.
Florian Bayer: Dafür war er schon fast ein bisschen geizig. Das war doch auch die Idee, das Ding in Kanada zu drehen, damit es günstiger ist.
Johannes Franke: Aber das war vorher. Das war noch vorher nicht der Einzige, der es finanziert hat.
Florian Bayer: Und, naja, ich meine, es sollte sich auszahlen, weil das Ding hat letzten Endes, es hat 8 Millionen gekostet, sie sind nicht übers Budget gegangen und das hat... 101 Millionen eingespielt im Boxoffice.
Johannes Franke: Über 100 Millionen ist wirklich krass.
Florian Bayer: Das ist wirklich hart. Ich kann mich auch erinnern, als der rauskam, das war einfach das große Gespräch. Es waren diese Indie-Hits, diese Komödien in den 2000ern, wo plötzlich Mund-zu-Mund-Propaganda und jeder hat gesagt, du musst diesen Film gucken. hat so ein Film wie Juno, so eine kleine Indie-Comedy-Produktion, Millionen verdient, womit keiner gerechnet hat vorher.
Johannes Franke: Ja, aber wie du vorhin gesagt hast, das ist so ein bisschen ein Craze der Zeit gewesen. Das kam dann hoch und dann haben alle plötzlich gesagt, huch, man kann ja auch mit weniger Geld... Filme machen und ein paar Indie-Entscheidungen treffen. Leute, die dann einfach sagen, ich habe eine künstlerische Vision, ich muss nicht haben, dass mir 20.000 Leute dazwischen reden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es kann trotzdem ein erfolgreicher Film werden. Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Das ist vielleicht schön, weil es ist Also dieser Grundgedanke funktioniert halt ganz gut auch mit dem Grundgedanken des Films, nämlich, dass es diesen Triumph im Kleinen gibt. Und im Misserfolg geben kann. Und das erzählt uns der Film ja die ganze Zeit, dass es irgendwie... Selbst wenn du scheiterst, du hast trotzdem eine Chance irgendwie, als der, der du bist, mit erhobenem Haupt da heraus zu gehen. Und das ist
Johannes Franke: Fantastisch inszeniert.
Florian Bayer: Das kulminiert natürlich in dieser Superfreak-Szene, wenn Olive diesen Striptease tanzt. Und ich find's großartig, weil alle im Publikum sind empörtlich.
Johannes Franke: Ja, bis auf die eine.
Florian Bayer: Bis auf die eine.
Johannes Franke: Die Schönheitskönigin von, ja, irgendwann. Die Schönheitskönigin ist total cool, die Miss Kalifornien.
Florian Bayer: Und dieser eine Vater, der aussieht wie so ein Redneck, der offensichtlich aus Florida kommt wo sonst her. Und der auch sagt, yeah. Und das Geile ist, dass alle empört sind über diese Sexualisierung, über diesen Striptease-Tanz. Und wir haben das davor gesehen.
Johannes Franke: Ja, ja. Das ist so eine tolle Meta-Ebene. Weil natürlich Beauty-Passions alles sowas von sexualisiert ist. Und was wir vorhin hatten, diese Verweigerung der Eltern und aller, die da beteiligt sind, das zuzugeben oder das zuzulassen, dass das... eine Sexualisierung ist. Aber es ist es volle Kanne. Und dann macht Olive eben diesen offensichtlich sexualisierten Tanz. Und dann sind sie empört.
Florian Bayer: Dann sind sie schockiert.
Johannes Franke: Das ist so geil. Diese Meta-Ebene ist super. Und das Krasse ist, die haben ja... Diese ganzen Kinder, die da aufgetreten sind, die wir im Film sehen, das sind echte Kinder, die wirklich in Beauty-Pageants damals aufgetreten sind. Die hatten nämlich kein Geld, sich Statisten zu holen, denen sie dann Choreografien beibringen, die dann ganzen Make-up und die ganzen Kostüme, das hätte zu viel Geld gekostet. Also haben die tatsächlich einfach quasi so einen Wettbewerb veranstaltet.
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Die haben einfach die Leute geholt, zeigt mal, was ihr sonst so zeigt und dann sind das eben echte Beauty-Queen-Kinder und es dreht einem wirklich. Ja. Den Magen um.
Florian Bayer: Und umso geiler, wie Sie als Familie das Ding dann sprengen. Und was für eine tolle Redemption-Arc. Richard ist der Erste auf der Bühne. Richard ist der Erste, der seiner Tochter beispringt. Zuerst, um sie vor dem Moderator zu retten, der sie festhalten soll. Und dann aber auch einfach mal tanzend. Und dann kommen sie nach und nach. Frank, Twain, Cheryl, alle kommen dazu, alle tanzen.
Johannes Franke: Das ist doch auch der Moment ... wo er tatsächlich sein bisheriges Glaubenssystem aufgibt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also deswegen ist die Fallhöhe bei ihm besonders zufriedenstellend, weil er ja von Anfang an sagt, aufgeben ist keine Option und hier in dem Moment gibt er auf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und gewinnt damit. Er gewinnt seine Familie und seine Verbindung zu den Menschen, die er liebt, wieder zurück.
Florian Bayer: Und das ist so toll. Es ist der Gegenentwurf zu Everyone Pretend to be Normal.
Johannes Franke: Ja, genau. Ganz genau. Ach Gott. Es ist so zufriedenstellend. Es macht es so wahnsinnig glücklich.
Florian Bayer: Es ist halt echt eine verführerische Kombi. Du hast die düsteren Themen, du hast die deprimierenden Themen, du hast diese vermeintliche Loser-Familie. Aber dann findest du das Herz genau an der richtigen Stelle und als Zuschauer kann ich nicht anders, als da komplett entzückt zu sitzen, wie die... Um zu sehen, wie die zu viert, zu fünft, zu sechst auf der Bühne stehen und einfach nur sie selbst sind.
Johannes Franke: Und Olive tanzt auch wirklich so gut, oder? Die Schauspielerin macht das so wahnsinnig gut. Man hat fast das Gefühl, dass sie eine Reflektionsebene auf das Ganze hat, die dem Kind fast gar nicht zuzutrauen ist. Als neunjähriges Kind, wie viel weißt du denn von der ganzen Sache? Aber sie kriegt das so gut hin, wie so ein Erwachsener, der sich monatelang darauf vorbereitet hat. Das auch intellektuell zu durchschauen und genau zu gucken, wie mache ich es denn, wie spiele ich das. Es ist super gut gemacht.
Florian Bayer: Es ist ganz fantastisch. Abigail Preslin sollte in der Zukunft noch mehrmals zeigen, dass sie wirklich eine gute Schauspielerin ist und wirklich viel drauf hat.
Johannes Franke: Ja. Ach, schön.
Florian Bayer: Und dann gibt es alternative Enten, ne? Alternative, ich habe nicht so viel. Dazu weiß ich gar nicht viel. Erzähl mal. Es gab offensichtlich, es gab also das, wofür sie sich letzten Endes entschieden haben, nämlich einfach, dass sie dann von der Polizei runtergeholt werden und dann wird ihnen gesagt, okay, passt auf, ihr könnt hier raus. Aber ihr dürft nie wieder zu einem Schönheitskönig-Wettbewerb gehen.
Johannes Franke: Das machen sie sehr gerne einfach, ja. Natürlich.
Florian Bayer: Es gibt zwei Alternativen und die findet man auch online. Alternative Nummer eins ist, sie klauen den Pokal.
Johannes Franke: Ah ja, stimmt.
Florian Bayer: Sie rennen mit dem Pokal raus.
Johannes Franke: Ja, habe ich nicht gesehen, aber ich habe es irgendwo gelesen.
Florian Bayer: Und springen ins Auto. Alternative Nummer zwei. Ah, Alternative Nummer zwei, fast das Gleiche. Wenn sie rausgehen, nachdem sie rausgeschmissen wurden ... schnappt sich Cheryl eine Krone und platziert sie auf Richards Kopf. Und der nimmt sie dann runter und platziert sie auf Olives Kopf. Ach süß.
Johannes Franke: Auch süß, aber das was jetzt ist, ist halt wirklich sehr konzentriert auf diesen familiären Triumph und wir fahren dann wieder in den Sonnenuntergang zurück.
Florian Bayer: Ja, es ist halt ein sehr schönes Road-Movie-Ende. Und dass sie dann auch noch einmal diesen Running Gag haben, dass sie ein letztes Mal alles zusammen schieben müssen, was natürlich so dieses Zusammenhang. der Familie immer symbolisiert. Und dass sie einfach ihren Triumph haben, zum einen, sind immer noch die gleichen. Und sie sind doch alle so sehr gewachsen bei dieser Fahrt.
Johannes Franke: Total. Also auch zusammengewachsen, aber auch individuell, weil sie müssen sich alle damit irgendwie arrangieren, dass sie scheitern. Also der Sohn kann nicht Kampfpilot werden. Das geht nicht. Der Vater ist sowieso, also der Großvater ist sowieso, der ist ja nicht mehr. Der Vater hat seinen Buchdeal nicht, der muss sich etwas völlig Neues überlegen, was er mit seinem Leben anfängt quasi. Und die Mutter, hattest du gerade am Anfang schön gesagt, die hat als einzige erreicht, was sie wollte.
Florian Bayer: Die hat ihr Ziel erreicht.
Johannes Franke: Ihre Familie zusammenzubringen.
Florian Bayer: Wenn ich diese Schlussszene sehe, dieses Fahren in den Sonnenuntergang, ich glaube an die Zukunft dieser Familie.
Johannes Franke: Total, absolut.
Florian Bayer: Die werden ihr Glück finden.
Johannes Franke: Absolut, ja. Ach, ich habe noch ein bisschen reingeschaut in die erwachsenen Pageants, weil ich mich erinnert habe an eine Folge von John Oliver. John Oliver ist ja der Amerikaner bzw. der Brite, der in Amerika wohnt, der Last Week Tonight macht. Das ist ein tolles, tolles Format. wo er seit Jahren jede Woche über ein anderes Thema redet. So ein bisschen wie Böhmermann das jetzt macht gerade. der sich einfach ein Thema nimmt und es genau beleuchtet und so ein bisschen mit Comedy unterlegt. Aber oft bleibt einem doch das Lachen dann im Hals stecken, weil es wirklich fiese... Erkenntnisse sind, wo man sagt, okay, wow, fuck.
Florian Bayer: Wenn ihr Stephen Colbert mögt, wahrscheinlich der bekanntere von den beiden, dann mögt ihr auch John Oliver.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und da hat er ein bisschen über Miss America geredet und was das Problem mit Miss America ist und so. Und was ich festgestellt habe, das ist verstörenderweise viel von Frauen organisiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was mir echt Probleme macht, das im Kopf zu sortieren. Wie kann das sein? Wie kann man als Frau so sehr auch da von dieser Männerwelt eingenommen sein, die es ja am Ende doch ist, ne? Es sind bloß einfach viele Frauen in Positionen, wo man sich fragt, warum zur Hölle machen die das? Es gibt es schon seit 1921 Miss America. Das ist schon echt lang. Und es war ein verzweifelter Versuch. die Urlaubsseason noch um einen Monat zu verlängern. Die Leute sind abgefahren und dann haben wir gesagt, komm, wir haben hier noch Zeit. Wir müssen die Leute doch irgendwie halten. Und dann haben die Wettbewerbe veranstaltet.
Florian Bayer: Oh mein Gott.
Johannes Franke: Was ist die Lösung für unser Problem? Nackte Frauen. Natürlich.
Florian Bayer: Die Lösung für alle Probleme.
Johannes Franke: Die Männer sollen bleiben, also müssen wir ihnen nackte Frauen geben. Und die ersten Installments waren nicht so erfolgreich, dann haben sie es irgendwie versucht über Fotos zu finden. die in einem Magazin waren, da konnte man dann abstimmen und so. Und dann gab es irgendwie noch zusätzliche Veranstaltungen dafür. Und dann hat sich das nach und nach entwickelt. Aber alles immer auf, wir können beurteilen, wie Frauen aussehen. Und dann haben die das tatsächlich immer auch mit Punkten für Beine, für Po, für wie ist der Kopf, wie sind die Haare. Also wirklich Punkte für Körperteile. Also schlimmer geht es kaum, würde ich sagen. Und dann war das immer so eine Veranstaltung, die... eigentlich nur darauf abzielte, Frauen zu objektifizieren. Und dann war es eine komplizierte Geschichte nach und nach. Und jetzt kommen wir zu der Zeit, wo John Oliver das gemacht hat. Ich glaube 2014 kam diese Folge raus, wo er darüber geredet hat, dass... Miss America, die Organisation, sich immer herausstellt als die Vereinigung, die das meiste Geld verdient. für Stipendien für Frauen zur Verfügung stellt. Die haben immer gesagt, wir geben jährlich 45 Millionen Dollar zurück. Für Stipendien, wir stellen das bereit, das Geld. Und in Amerika gibt es viele Frauen, die Angst um ihre Bildung haben. Und wenn du in deine Zukunft guckst und denkst, okay, entweder ich muss jetzt massiv Schulden machen, um wirklich zum College gehen zu können. um diese Zeit zu finanzieren und muss das mein Leben lang zurückzahlen und bin immer in Schulden, wie das eben oft so ist in Amerika. Oder ich begebe mich im Bikini auf die Bühne. und beantworte absurde Fragen in 20 Sekunden.
Florian Bayer: Es ist auch tatsächlich so dieses Knowledge-Ding, das Spielt eine große Rolle. Ich zeige, wie intelligent ich bin und halte einen politischen Essay hier auf der Bühne.
Johannes Franke: Und zwar spontan auf eine Frage, auf die du dich kaum vorbereiten kannst. Super krasse Sachen. In 20 Sekunden irgendwie die Golfkrise lösen. Sowas in der Richtung. Super krass. Aber eben auch dieser Bikini-Teil und so, dass man sich da halbnackt auf die Bühne stellen muss. Und dann ist es für vielen Frauen eine Option, weil sie denken, okay, ich will nicht mein ganzes Leben lang... Und in Schulden stecken, also versuche ich das auf diesem Weg. Dass man da aber auch ganz viel Geld reinstecken muss, wie wir vorhin festgestellt haben. was man da alles an Geld ausgeben muss. Die einen hatten 100.000 Dollar da reingeworfen. 100.000 Dollar über die Zeit. Krass. Bei Kindern noch.
Florian Bayer: Und es ist eine Investition in die Zukunft. Es ist quasi ein Versuch. Als würdest du Studiengebühren schon mal vorab bezahlen.
Johannes Franke: Genau, aber es ist der Versuch einer Investition, weil ja nicht klar ist, ob du sowas dann auch gewinnst, ob du dann irgendwie genug Geld wieder reinholst, um das irgendwie hinzukriegen. Und Miss America sagt, diese 45 Millionen werden bereitgestellt. Und dann recherchiert John Oliver und stellt fest... dass die auf absurde Wege auf diese Zahl kommen und eigentlich tatsächlich nur rund 482.000 Dollar bezahlen. Also 482.000 Dollar gegen 45 Millionen, von denen sie behaupten. dass sie das bereitstellen. Das ist ein Prozent. Das ist ein Prozent? Ja, das ist ungefähr ein Prozent. Richtig, genau. Und das Problem ist, dass die gesagt haben, Wir haben Unis und so, mit denen wir zusammenarbeiten und dort bieten wir diese Plätze an. Die sind so und so viel wert. Und dann rechnen sie aber alle Plätze zusammen an allen Unis, die sie anbieten, obwohl es ja nur eine Gewinnerin gibt. die dann einen Platz nehmen könnte.
Florian Bayer: Boah, ist das dreckig.
Johannes Franke: Das ist so krass. Was sind das für Monster? Scheiße. Und es ist super krass, dass sie so eine riesige Nummer sagen und das immer bewerben damit und sagen, hier, wir sind die großen Krassen. Und die absurde Schlussfolgerung am Ende ist, sie sind trotzdem noch die mit den größten Geldern, Weil das so schlecht finanziert ist in Amerika, dass alle anderen Organisationen noch schlechter dastehen. Also selbst diese 400.000 im Jahr sind noch das Beste, was das Land zu bieten hat.
Florian Bayer: Amerika, Amerika. Das ist so deprimierend.
Johannes Franke: Und dann eben diese ganzen sexistischen Teilnahmebedingungen. Wenn du teilnehmen willst, wenn du nicht dein Leben lang Schulden haben möchtest... Darfst du nie schwanger gewesen sein? Du darfst nicht verheiratet sein? Also John Oliver hat so schön gesagt, mint condition uterus. Das ist die Mindestvoraussetzung, um teilnehmen zu können. Oh, ist das hart.
Florian Bayer: Das ist wirklich brutal.
Johannes Franke: Das ist richtig hart. Schaut euch diese Folge von John Oliver an. Und Miss America hat versucht, seitdem sich so ein bisschen zu verändern. Die haben den Bathing Suit Contest rausgeworfen. Und haben ganz viele Sachen umbenannt, damit es besser klingt. Damit sie jetzt Kandidaten sind, die einen Job machen. Vielleicht bekommen und so und nicht einfach nur Teilnehmende, die beurteilt werden sollen, sondern sie haben ganz viel Terminologie umgeschrieben, damit es so klingt, als wäre es irgendwie besser. Aber es ist alles nur auf der Oberfläche. Am Ende ist es immer noch ein fucking Schönheitswettbewerb. Das darf man nicht vergessen. Auch wenn ganz viele immer wieder sagen, nein, nein, das hat sich ja alles gewandelt und so.
Florian Bayer: Nein, wenn man sich die Siegerinnen der letzten 20 Jahre anschaut, dann hat man auch nicht das Gefühl, dass sich da irgendwas geändert hat, was das Schönheitsideal betrifft. Es ist vielleicht ein bisschen diverser geworden, aber letzten Endes hast du trotzdem noch das Schönheitsideal, das du offensichtlich auch schon in den 50ern hattest. Was machen wir denn damit? Am besten in die Top 3 fliehen, ne?
Johannes Franke: Oh ja, lass uns fliehen. Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 und... Philosophie? Wir haben das Thema Philosophie. Philosophen oder Philosophie im Film allgemein? Ein recht weites Feld. Ich bin sehr gespannt, was du hast.
Florian Bayer: Ja, ich habe hart. Du wolltest Philosophen, ich habe Philosophen für dich. Mein Platz 3 ist... Derrida, Jacques Derrida, einer der berühmtesten Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Ich habe gewusst, dass ich nichts mit deinen Sachen anfangen werde können.
Florian Bayer: Der Poststrukturalist, der Dekonstruktivist, der französische Philosoph, den man nicht versteht, aber trotzdem irgendwie witzig findet. bekommt 2002 einen Dokumentarfilm geschenkt, quasi, von Kirby Dick. Und der versucht, irgendwie diesem Jacques Derrida... auf den Zahn zu fühlen, irgendwie auf den Grund zu kommen, irgendwie zu verstehen, um wen es sich dabei handelt. und scheitert dabei, weil Jacques Derrida sagt, ich lass mich nicht in die Karten schauen. Und gleichzeitig aber reflektiert er, dass er sich nicht in die Karten schauen lässt und ganz postmodern reflektiert er unsere Rolle und seine Rolle und die Rolle des Filmemachers. Und wir sind alle überfordert mit dem, was da auf der Leinwand passiert, genau wie in seinen Büchern. Aber wir haben unglaublich viel Spaß daran, diesem schrägen Vogel der Philosophie zuzuschauen. Toller Film.
Johannes Franke: Okay. Ja, ich wusste, dass das in die Richtung gehen würde, wenn ich dich nach Philosophen frage. Ich habe auf Platz drei, ich habe sehr viele Honorable Mentions, aber das können wir danach gleich noch machen. Platz drei ist bei mir Fight Club. Oh. Scheiße, ja. Naja, sein großer Rant am Anfang betrifft genau... Diese ganze Konsumproblematik, die wir so haben. Und philosophiert eben darüber... dass wir so eine Entfremdung von uns selbst haben wegen des Konsumkapitalismus und dass wir das alles in unserem Leben irgendwie versuchen, Wir sehen einen Ikea-Katalog einzurichten und uns davon von uns selbst entfernen und so. Und das ist ein sehr, sehr, sehr philosophischer Ansatz erst mal. Auch wenn der Film dann sehr viel Kloppe hat. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Großartig, ja. Mein Platz zwei, ich weiß nicht, ob du den gesehen hast, aber... Für mich ja einer der philosophischsten Filme überhaupt und das Ganze als Komödie und auch aus der Zeit dieses Indie-Komödien-Hypes, aber nicht so erfolgreich wie die anderen, aus dem Jahr 2004, I Heart Hackebees.
Johannes Franke: Ach ja, ja, ja, habe ich auch gesehen.
Florian Bayer: Die Generalisten gegen die Existenzialisten kämpfen und sich am Schluss die Hand reichen. Mit Dustin Hoffman, mit Mark Wahlberg, mit Jason Schwartzman. großartige, schräge Komödie, die müssen wir auch irgendwann mal im Podcast besprechen. Einer der vergessenen Filme, eines der großen Meisterwerke des 21. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Ich bleibe beim Kapitalismus. Triangle of Sadness.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: wo reiche Leute auf einer Yacht in Sturm geraten und massiv viel kotzen. Die Kotztränen sind vielleicht nicht so appetitlich, aber trotzdem hat der Film einen wahnsinnig tollen Unterbau, einen philosophischen Unterbau auch. Weil die dann auf dieser Insel landen und sich die Machtstrukturen der Menschen, die überleben, dann doch sehr umkehrt, weil die reichen Leute nicht wissen, wie sie überleben. Während das Personal auf dem Schiff diejenigen sind, die dann sagen, okay, wir wissen, wie es geht, wir gucken mal, was wir hier machen können. Und alles dreht sich um. Aber die Szene, um die es eigentlich geht, ist, wo sich zwei dieses Mikrofon, das auf den ganzen Schiff übertragen wird, sich gegenseitig philosophische Zitate um die Ohren hauen. Karl Marx, Lenin, Ronald Reagan, was auch immer. Der Kapitalist und der Kommunist in ihrem persönlichen Zweikampf. Der russische Kapitalist und den anderen weiß ich nicht.
Florian Bayer: Der amerikanische Kommunist?
Johannes Franke: Der amerikanische Kommunist, ja genau. Großartig, ja. So viel Spaß.
Florian Bayer: Sehr schöner Film. Mein Platz 1, einer der weniger bekannten Richard Linklater. Filme Waking Life aus dem Jahr 2001, Rotoskopie, Animationsfilm. Junger Mann träumt. Und ist dabei die ganze Zeit mit anderen Menschen unterwegs, die mit ihm philosophische Gespräche führen und Traum und Realität vermischt sich und muss sich die irgendwann geben. Großartiger Fall.
Johannes Franke: Genau, wolltest du mir schon die ganze Zeit geben. Seit 280 Episoden warte ich darauf. Ich habe auf Platz 1 Darkstar. Oh ja.
Florian Bayer: Philosophieren mit der Bombe.
Johannes Franke: Ja, die Bombe, die am Ende beschließt, jetzt wäre das doch das Beste, wenn ich in die Luft gehe. Und dann versucht er ihn noch davon zu überzeugen, nein, nein, nein, das ist die falsche Methode. uns mal darüber reden. Und dann kommt dieser Solipsismus raus, der Bombe, die sagt, Es gibt eigentlich nur den Beweis meiner eigenen Existenz. Alles andere kann ich nicht beweisen. Das geht nicht. Und explodiert.
Florian Bayer: Da, wo Stanley Kubricks 2001 Odyssey im Weltraum an zu viel Prätension scheitert, gewinnt dieser Film. Vielleicht der bessere 2001. Ich hab's gesagt. Steinigt mich.
Johannes Franke: Das wird eine Single-Auskopflung. Und alle werden dich steinigen. Ach, vielleicht müssen wir das als Double Feature mal machen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Und damit zurück in unseren Film.
Johannes Franke: Nein, wir wollten doch noch, ich wollte doch noch. Du hast auch noch Menschen.
Florian Bayer: Entschuldigung, die wollte ich dir nicht wegnehmen.
Johannes Franke: Was ich ganz geil fand, war Fisch namens Wonder. Weil Kevin Kline die ganze Zeit mit Nietzsche vor sich her läuft. Und aber den nie richtig zitiert und immer irgendwelchen Scheiß erzählt. Und eigentlich, man weiß genau, er hat Nietzsche nicht verstanden. Und vielleicht hat er auch nicht einen einzigen Satz zu Ende gelesen. Das ist aber sehr, sehr lustig, wie das eingewogen wird.
Florian Bayer: Und es gibt auch dieses tolle Zitat. hat von Wanda, die dann Kevin Kline zur Rede stellt wegen seiner Dummheit und sagt, du hast ganz viele Sachen falsch gesagt. Aristoteles war kein Belgier. The central message of Buddhism is not every man for himself. The London Underground is not a political movement. Das letzte ist so geil. Ich mag's. Und dann Ottos Reaktion auf sie, wenn sie sagt, dass er ein Affe ist. Apes don't read philosophy. Und Wanda antwortet mit, yes, they do, Otto. They just don't understand it. Super geil. Es ist wirklich toll geschrieben.
Johannes Franke: Ach. Ansonsten hätte ich noch The Banshees of Inner Sharon als kleine Honorable Mention. Oh ja. Weil da so ein bisschen dieser Humanismus versus, was hinterlasse ich der Welt? Ja. Und Patrick ja irgendwann sagt, meine Mutter war nett. An die erinnere ich mich. Nenn noch ein anderes Beispiel, die waren auch nett. An die erinnere ich mich. Und dann sagt Colm, an die wird sich keiner erinnern in 100 Jahren. Mozart, den kennen wir noch. Also ich muss was hinterlassen der Welt. Und das ist so ein bisschen dieses, wie lebe ich denn? Wonach lebe ich? Lebe ich danach? Was ich Großes schaffen werde und bin dann aber Arschloch unter Umständen? Zu meinen Freunden im Leben? Oder bin ich der letzte Mensch der Welt? Vielleicht machen sich Leute auch über mich lustig, weil ich der netteste Mensch der Welt bin, wie in diesem Film. Aber dafür hatte ich ein nettes Leben.
Florian Bayer: Und es bleibt offen, ne? Die Frage wird nicht beantwortet.
Johannes Franke: Und ich war am Anfang ein bisschen genervt davon, weil ich gedacht habe, der Film hat ein ganz anderes Thema. Weil ich vorher ein Bild hatte davon, wie dieser Film sein würde. Und dann bin ich da reingegangen und habe beim ersten Viewing überhaupt nicht verstanden, was das jetzt soll. Und war so ein bisschen so, hä? worum geht es denn jetzt eigentlich in diesem Film? Und beim zweiten Mal gucken, als wir ihn dann für den Podcast geguckt haben, ist es mir echt aufgegangen und ich fand es echt toll. Also das ist wirklich ein toller, toller Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hört euch gerne die Episode dazu an.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay, das waren meine All on the Mentions und jetzt können wir zurück in den Film.
Florian Bayer: Zurück.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Und zu einem Urteil. Ja, was sagen wir über Little Miss Sunshine?
Florian Bayer: Es ist nach wie vor eine wunderschöne Indie-Komödie. Und ja, ich finde, es ist ein Film aus der Zeit. Man schaut diesen Film und sieht. Das ist ein Film, der Mitte der 2000er gemacht wurde, als Indie-Komödie mit sehr klarem Ziel und mit einer sehr klaren Ästhetik, aber es funktioniert erstaunlich gut. immer noch. Das ist einfach ein Film, der glücklich macht.
Johannes Franke: Der ist einfach durch die Themen total zeitlos. Es ist durch die Machart nicht zeitlos vielleicht. Aber die Themen kommen, es geht um Zusammenfinden als Familie, es geht darum zu gewinnen im Moment des Verlustes.
Florian Bayer: Lass mich einmal meine harte These raushauen, dann darfst du den Film retten. Es ist kein zeitloser Film. Ich finde, es ist ein Film, der... 100% in dieser Zeit verortet ist, in der er entstanden ist. Und das ist überhaupt nicht schlimm. Und ich sehe diesen Film und liebe ihn. Und es ist total schön. Und ich bin bewegt und so ... Aber es ist ganz eindeutig 2000er Indie-Comedy.
Johannes Franke: Es sind so viele Filme aus den 70er, 80ern so gecodet, weil die Haare einfach so sind, wie sie sind von den Schauspielern. Oder weil, also allein wenn du Amadeus schaust, du siehst sofort, dass das in den 80ern entstanden ist. Obwohl es auch noch ein fucking Period Piece ist. Und deswegen verortet man den Film trotzdem in den 80ern und trotzdem ist es ein zeitloser Film. Es geht beides.
Florian Bayer: Es geht beides gleichzeitig. Ja, es geht beides gleichzeitig. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Und wie gesagt, dieser Film macht total viel Freude. Ich weiß nicht, ob ich ihn als zeitloser Film bezeichnen würde. Ich würde gerne wissen, wie ihn jemand sieht, der nicht in diesem Zeitraum irgendwie Mitte 20 war und gerade so. In einer Lebensphase, wo er für sowas sehr empfänglich war. Wie in jemand heute schaut. Das würde mich sehr interessieren.
Johannes Franke: Ja, dann seid ihr da draußen gefragt, belehrt Plor eines Besseren, sagt ihm, dass es ein zeitloser Film ist und wenn ihr das nicht sagen wollt, dann haltet die Fresse.
Florian Bayer: Ein Film kann auch ein schöner Film sein, ohne zeitlos zu sein.
Johannes Franke: Es ist ein großartiger Film. Es ist ein fantastischer Film. Ich liebe diesen Film. Ich finde ihn ganz, ganz, ganz toll und total herzerwärmend. Und immer, wenn es mir schlecht geht, werde ich ab jetzt nur noch diesen Film einfach gucken, damit mir wieder... einfach die Welt wieder in Ordnung ist.
Florian Bayer: Wohlfühlkino.
Johannes Franke: Ja, Wohlfühlkino. Im besten Sinne des Wortes. Es gibt ja auch Filme, in denen man damit Böses will. Okay.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank, dass du mir den Film gesehen hast. Danke, dass ich den wieder nachholen durfte. Nicht nachholen. Danke, dass ich den mal wieder schauen konnte.
Johannes Franke: Es war wirklich schön. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Und vielen Dank für das Gespräch.
Florian Bayer: Ja, ebenso, danke.
Johannes Franke: Und euch da draußen, vielen Dank, dass ihr wieder, wieder dabei seid und dass ihr immer wieder dabei seid. und dass ihr jetzt schon die 100. Episode mit uns gefeiert habt oder die 200. oder was auch immer.
Florian Bayer: Bald die 300.
Johannes Franke: Wir haben... 280, 90, oh Gott, das ist die 291. Episode, die wir aufnehmen. Also insofern... Ihr habt bestimmt noch einiges nachzuholen. Nutzt den Backkatalog, den wir haben, auch als Filmempfehlungen. Nicht einfach nur sagen, okay, den habe ich irgendwann mal vor zehn Jahren gesehen, also höre ich mir jetzt die Episode dazu an, sondern, oh, das siebte Siegel, hm... Das soll ein Scheißfilm sein. Vielleicht gucke ich ihn mir mal an und dann höre ich Johannes dabei zu, wie er Plur sagt, ach du Scheiße, was für ein Scheißfilm.
Florian Bayer: Du musst mir jetzt den Filmkritiker rausholen, der sagt, dass das siebte Siegel ein Scheißfilm ist und er darf nicht mit J anfangen.
Johannes Franke: Ja, vielleicht bin ich der Einzige. Okay, aber es macht sehr viel Freude mit euch.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt. Bleibt noch kurz dran, das erfahrt ihr nach dem Outro. Ansonsten habt eine schöne Woche. Hat wie immer Spaß gemacht und wir hören uns dann. Bis dahin.
Johannes Franke: Ciao. So, Plur, es gibt da noch was.
Florian Bayer: Da die Odyssee jetzt im Kino läuft von Chris Nolan, der große Sommerhit, muss ich dir die einzige wahre Odyssee-Verfilmung geben.
Johannes Franke: Was? Moment, Moment. Das heißt, du gibst mir jetzt nicht die Odyssey-Verfilmung, die jetzt kommt.
Florian Bayer: Natürlich nicht. Was erwartest du denn?
Johannes Franke: Flor, wir müssen einmal aktuell sein in unserem Leben. Wir müssen noch einmal wenigstens sagen können, guck mal, das läuft gerade im Fernsehen, das besprechen wir jetzt, damit wir möglichst die aktuellen Zuschauer arbeiten.
Florian Bayer: Als kleines Kind bin ich immer ums Bücherregal so rumgelaufen. Ich weiß, das ist schräg. Und da stand ein Buch, das war richtig fett. Und dann habe ich meinen Vater gefragt, worum geht es in dem Buch, weil ich das unbedingt lesen wollte. Und mein Vater hat gesagt, es geht um alles. In einem mysteriösen Ton. Und seitdem war ich total fixiert auf dieses Buch. Hab ich mehrmals versucht zu lesen. Und nein, aus dem Jahre... 1922 von James Joyce, Ulysses. Das ist für Lesen jetzt? Das wurde verfilmt. Im Jahre 1967. Und ich weiß noch, Also es wird ein bisschen eine muss man lesen Episode, weil ich weiß noch, dass ich das Buch dann irgendwann tatsächlich geschafft habe. Das war so ein bisschen Mount Everest für mich. und total begeistert war und dann habe ich es danach sogar nochmal gelesen und dann habe ich ein Film gesehen und habe gedacht, hm, Ja, okay. Es ist okay, was sie damit gemacht haben.
Johannes Franke: Was? Aber Moment, wir sind der muss man sehen Podcast, nicht der, naja, kann man sehen.
Florian Bayer: Ich missbrauche jetzt diesen Podcast einfach dafür.
Johannes Franke: Das gibt es ja wohl nicht.
Florian Bayer: Das heißt, für nächste Woche lest euch Ulysses durch.
Johannes Franke: Wie viele Seiten hat das? Tausend Seiten.
Florian Bayer: Scheiße, Alter. Und wenn ihr die Zeit findet, dann könnt ihr auch noch den Film gucken. Wir reden nächste Woche über Ulysses aus dem Jahr 1967 von Joseph Strick.
Johannes Franke: Okay, also Plur hat das Ding gelesen. Ich werde es auf gar keinen Fall gelesen haben bis nächste Woche. Aber ich gucke mir den Film an und lasse mir vielleicht einfach einen Redeanteil von 20% übrig und Blur wird die nächste Folge größtenteils selbst bestreiten.
Florian Bayer: Ich bin gespannt. Bis dahin, ciao. Ciao.
