Episode 294: There will be Blood – Kapitalismus, Religion, Gier

Im Mittelpunkt von There will be Blood steht der unabhängige Unternehmer Daniel Plainview, der im frühen 20. Jahrhundert in den USA umherreist, um nach Öl zu bohren. Von einem gewissen Paul Sunday erhält er den Tipp, dass es in Kalifornien in einem kleinen Städtchen namens Little Boston noch ein riesiges, nicht erschlossenes Erdölgebiet gibt. Zusammen mit seinem Sohn H.W. gelingt es Daniel relativ schnell, den dort ansässigen Farmern ihre Grundstücke abzukaufen und Bohrtürme zu errichten. Sein ambitionierter Plan: Eine Pipeline, die direkt von den Türmen zum pazifischen Ozean führt, um unabhängig von Rockefellers Standard Oil und deren horrenden Transportpreisen zu sein.

Aber er stößt auch auf Widerstände: Pauls Zwillingsbruder, der evangelikale Pastor Eli Sunday, will ein Stück des Kuchens abhaben, sowohl monetär als auch spirituell. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein Zweikampf um Land, Seelen und die Deutungshoheit über Sinn und Zweck des amerikanischen Traums. Als schließlich HW bei einem Unfall seine Hörfähigkeit verliert und Daniels unbekannter Halbbruder Henry auftaucht, spitzt sich die Lage zu, und der prophetische Filmtitel findet seine Erfüllung: Es wird Blut fließen.

There will be Blood, Baby! Paul Thomas Anderson, der große Visionär und Sezierer des amerikanischen Traums, 2007 mit seinem wohl mainstreamtauglichsten Film: Ein opulenter Abgesang auf den Kapitalismus und die Religion im Amerika des 20. und vielleicht auch 21. Jahrhunderts. Und im Gegensatz zu Andersons vorherigen großen Filmen kein Ensemblestück, sondern ein Blick in die düstere Seele eines einzelnen leidenschaftlichen Menschens.

Johannes, was denkst du? Wie viel Daniel Plainview steckt in dir? Steckt in jedem von uns?