Episode 295: Das Millionenspiel – Hunger Games mit Didi Hallervorden und Dieter Thomas Heck
Bernhard Lotz befindet sich auf der Flucht. Er ist kein Krimineller, kein Geheimagent, kein Superheld. Nichts weiter als ein einfacher Leverkusener, der von drei erbarmungslosen Killern gejagt wird. Der Grund: TV-Unterhaltung. Bernhard Lotz ist Kandidat der großen Spielshow “Das Millionenspiel”, die im Einklang mit dem Gesetz zur aktiven Freizeitgestaltung vom 7. Januar 1973 ihrem Kandidaten ermöglicht, eine Million Deutsche Mark zu gewinnen, wenn er es schafft, sieben Tage lang am Leben zu bleiben.
Während Bernhard versucht, der auf ihn angesetzten Köhler-Bande zu entkommen, wird das Publikum im Studio von Showmaster Thilo Uhlenhorst für das große Finale angeheizt. Dazwischen gibt es Interviews mit Zuschauern, Auftritte des Fernsehballetts und natürlich die obligatorischen Werbeeinspieler für Diätpillen und Potenzmittel.
Das Millionenspiel aus dem Jahre 1970, ein Fernsehfilm des WDR, wegen Nutzungsrechtsstreitigkeiten Jahrzehnte lang im ARD-Giftschrank eingeschlossen, aber Dank der damaligen Publikumsreaktionen schon immer ein kleiner Kultfilm: Dystopisch, zynisch und mit bereits damaliger und späterer TV-Prominenz in Form von Didi Hallervorden und Dieter Thomas Heck besetzt.
Johannes, Dank der Tribute von Panem, den Squid Games und Running Man erfreuen sich tödliche Spielshows als Sujet dystopischer Science Fiction bis heute großer Beliebtheit. Wie ordnest du Das Millionenspiel in dieser Reihe ein?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 295: Das Millionenspiel – Hunger Games mit Didi Hallervorden und Dieter Thomas Heck Publishing Date: 2026-08-26T09:06:19+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/08/26/episode-295-das-millionenspiel-hunger-games-mit-didi-hallervorden-und-dieter-thomas-heck/
Florian Bayer: Und es klingt so ironisch, wenn ich das so sage. Es ist gar nicht so ironisch gemeint. Es ist ein Vorteil, dass das alles so bieder inszeniert ist. Weil dadurch hast du keinerlei Faszination für die Jagd.
Johannes Franke: Das stimmt, das stimmt, wirklich. Meine Damen und Herren, schauen Sie sich diesen Mann an. Er rennt um sein Leben. Wird er es rechtzeitig ins Studio schaffen? Das war ein Streifschuss. Und, und, ach, mit letzter Kraft schafft er es zu mir ins Studio. Hallo, Blur! Ja, ich drücke dir jetzt noch deinen Gewinn in die Hand. Und danach, oh, wird er abtransportiert werden müssen. Vorher müssen wir uns leider über diesen Film noch unterhalten, bevor die ärztliche Versorgung wirklich zugreifen kann.
Florian Bayer: Von Nele. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode des Muss-man-sehen-Podcasts.
Johannes Franke: Wo ich Flo immer mit irgendwelchen Scheiß überrasse. Ich bin so froh, dass du immer darauf anspringst, was ich für einen Mist mache mit dir manchmal.
Florian Bayer: Wir machen heute keinen Film von uns beiden, sondern einen Publikumswunsch. Und zwar einen Publikumswunsch, den wir via Instagram erhalten haben von Nele.
Johannes Franke: Hallo Nele. Vielen Dank für diesen wundervollen Wunsch.
Florian Bayer: Ja, und vor allem vielen Dank für diesen tollen Text, den du mit diesem Wunsch geschrieben hast, den ich jetzt einmal kurz vorlese. Hallo ihr beiden. Erstmal herzlichen Dank für euren Podcast. Ich bin vor circa zwei Wochen auf euren Podcast gestoßen und habe jetzt schon fast alle Folgen zu den Filmen, die ich kannte, durchgesuchtet.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ihr macht das einfach mega gut. Mit drei Ausrufezeichen. Ich würde mich nie im Leben über multiple Satzzeichen lustig machen. Vor allem nicht bei so einem tollen... Vor allem bei einer so tollen Botschaft. Und nun möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch auch direkt mal einen Film vorzuschlagen. Das Millionenspiel von 1971. Einfach ein genialer Film und vom Thema her total zeitlos. Was meint ihr dazu? Mir geht das Herz auf, wenn ich sowas lese. Danke, Nele.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank, Nele. Ihr seid der Grund, warum, also du und alle Leute, die sowas schreiben, sind der Grund, warum wir wirklich... noch durchhalten, durch Durststrecken, weil wir eigentlich auch mal in Urlaub fahren wollen.
Florian Bayer: Apropos Urlaub, ich war im Urlaub und bevor wir einsteigen, muss ich natürlich das obligatorische Andenken einmal ausprobieren. Es ist so schade, dass ihr das nicht sehen könnt, aber weil der Wunsch kam ja auch über Instagram. Das heißt, Johannes muss auch ein Foto von sich damit auf Instagram posten. Ich war mit meiner Familie in der Slowakei und ich habe es irgendwie nicht geschafft, am Bahnhof was zu kaufen.
Johannes Franke: Ah, okay, das ist eigentlich die Regel.
Florian Bayer: In den wunderschönsten Ausläufen der Hohen Tatra waren wir wandern und es war so schön. Es ist die unglaublichste Landschaft, die man sich vorstellen kann. Und ich dachte, wenn ich schon nichts am Bahnhof finde, dann muss ich Johannes was schenken, was diese Schönheit, diese Größe und diese Gravitas einfällt. Und ich habe dir hier etwas Kleines mitgebracht, nämlich ein Herzchen, das alles das ausdrückt, was ich für dich empfinde.
Johannes Franke: Oh, Flo, das ist das kitschigste, was ich je gesehen habe.
Florian Bayer: Wir haben leider keine Kamera, in die du das halten kannst. Aber ich kann schon mal als kleinen Spoiler, ihr müsst euch das auf Instagram dann anschauen oder auf TikTok.
Johannes Franke: Oh, ist das geil.
Florian Bayer: Ich kann schon mal als kleinen Spoiler den Text auf Deutsch vorlesen, der da drauf steht. Ach so. Weil ich auf Slowakisch kann ich das nicht gut.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber... Ich kann es einmal auf Deutsch übersetzen, das hat ChatGPT für mich gemacht. Engelchen, mein Beschützer. Und darauf abgebildet, um das noch zu sagen, ist es ein Herz aus Holz.
Johannes Franke: Darauf abgebildet ist ein sehr, sehr kitschiger Engel, ein Engels... Löckchen, belöckchend, blondes Kind. Ach Gott, oh Gott, oh Gott. Man möchte kotzen. Aber na gut.
Florian Bayer: Mit so viel Liebe gekauft und das ist deine Reaktion?
Johannes Franke: Nein, Flor, danke. Du weißt gar nicht, was ich alles jetzt gleichzeitig empfinde. Ich finde es geil, weil es genau das ist, was wir vereinbart haben. Das Schlimmste am An- oder Abfahrtsort zu finden.
Florian Bayer: Und ich finde, auch wenn es nicht am An- oder Abfahrtsort war, ich bin über mich hinausgewachsen in diesem Fall.
Johannes Franke: Ja, finde ich auch. Geil. Danke dir.
Florian Bayer: Sehr gerne. Aber wir sind nicht hier, um über die Slowakei zu reden, sondern über das Deutschland der 1970er Jahre und das Fernsehen der 1970er Jahre. wie sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen der 70er Jahre eine Privatfernsehndystopie vorgestellt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich werde einfach mal kurz erzählen, worum es in dem Film geht, damit ihr alle mit drin seid. Und dann werden wir mal schauen, wo uns das Gespräch hinführt. Bernhard Lotz befindet sich auf der Flucht. Er ist kein Krimineller, kein Geheimagent, kein Superheld. Nichts weiter als ein einfacher Leverkusener, der von drei erbarmungslosen Killern gejagt wird. Der Grund? TV-Unterhaltung. Bernhard Lotz ist Kandidat der großen Spielshow Das Millionenspiel, die im Einklang mit dem Gesetz zur aktiven Freizeitgestaltung vom 7. Januar 1973 ihrem Kandidaten ermöglicht, eine Million Deutsche Mark zu gewinnen, wenn er es schafft, sieben Tage lang am Leben zu bleiben. Während Bernhard versucht, der auf ihn angesetzten Köhlerbande zu entkommen, wird das Publikum im Studio von Showmaster Thilo Uhlenhorst für das große Finale angeheizt. Dazwischen gibt es Interviews mit Zuschauern, Auftritte des Fernsehballetts und natürlich die obligatorischen Werbeeinspieler für Diätpillen und Potenzmittel. Das Millionenspiel aus dem Jahre 1970. Ein Fernsehfilm des WDR, wegen Nutzungsrechtsstreitigkeiten jahrzehntelang im ARD-Giftschrank eingeschlossen. aber dank der damaligen Publikumsreaktion schon immer ein kleiner Kultfilm. Dystopisch, zynisch und mit bereits damaliger und späterer TV-Prominenz in Form von Didi Hallervorden und Dieter Thomas Heck. Johannes, dank der Tribute von Panem, den Squid Games und Running Man erfreuen sich tödliche Spielshows als Sujet des tropischer Science-Fiction bis heute großer Beliebtheit. Wie ordnest du das Millionenspiel in dieser Reihe ein?
Johannes Franke: Gar nicht. Ich gucke den Scheiß nicht. Leute, ich habe Hunger Games, glaube ich, einen Film, vielleicht den ersten, gesehen und habe dann gedacht... Ja, ist okay. Ist auch unterhaltsam irgendwie so. Es ist halt Popcornkino. Aber... Also da sind keine Kalorien drin, für mich.
Florian Bayer: Nein, also ich finde Hunger Games gehört zu den besseren Vertretern von diesem Genre.
Johannes Franke: Ja, vielleicht.
Florian Bayer: Aber Hunger Games ist natürlich auch so eine Young Adult beziehungsweise Coming-of-Age-Geschichte, so Teenager-Publikum. Also wir sind auch einfach nicht das Zielpublikum davon.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Squid Games hast du nicht gesehen?
Johannes Franke: Habe ich tatsächlich auch nicht gesehen, weil ich das Gefühl hatte, dass es ein bisschen zu brutal wird für mich.
Florian Bayer: Es ist unglaublich brutal und es war ja ein riesiger Hype, als das rauskam und jeder kennt Die zehnjährigen Kids machen Witze darüber, obwohl sie das natürlich nicht gesehen haben. Und das ist eine unglaublich zynische Serie. Also die ist auch sowas, Ich bin ja bei der FSK immer so ein bisschen skeptisch, also gerade vor allem, wenn sie hoch ansetzen. Ich finde, das ist eine Serie, die sich das FSK ab 18 wirklich redlich verdammt. Also neben, keine Ahnung, Walking Dead, wahrscheinlich so das zynischste, was im Fernsehen oder beziehungsweise im Internet-Streaming überhaupt gelaufen ist in den letzten Jahren.
Johannes Franke: Wobei Zynismus ja noch nicht Gewalt bedeutet, ne? Aber in diesem Fall halt.
Florian Bayer: Ja, vor allem so ein zynischer Blick auf dich. die Gewalt. Also du hast das Gefühl, nicht nur der Welt, in der das Spiel dessen Menschenleben wenig wert, sondern der Serie auch. Also es Es geschieht Gewalt, brutalste Gewalt so beiläufig und Menschen werden so niedergemäht. Es ist so eine spezifische Art, wie Gewalt inszeniert wird. Ich finde, die auch was anderes ist, also Tarantino wird das ja auch manchmal vorgeworfen. Ja, total. nochmal was anderes, weil Tarantino hat halt so ein bisschen diesen Witz drin und ein bisschen comichafte Übertreibung. Es ist so eine Kombination aus Realismus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und so einen nihilistischen Blick auf die Welt. Ich weiß es nicht genau. Okay, das ist aber spannend. Du hast es nicht gesehen. Und du hast Running Man auch nicht gesehen?
Johannes Franke: Nein. Ich habe auch Running Man nicht gesehen.
Florian Bayer: Du hast auch Menschenjagd von Stephen King nicht gelesen?
Johannes Franke: Nein, nein, alles nicht. Und auch diese französische Sache, die auch noch rausgekommen ist.
Florian Bayer: Ja, Le Prix du Danger ... Werden wir auf jeden Fall nachher noch drüber reden. Tatsächlich haben wir hier zumindest was Filme betrifft. haben wir den Urvater vor uns von diesen ganzen Dingen, ne?
Johannes Franke: Total krass. Wobei mein Urvater vielleicht nicht sagen kann, weil der eigentliche Urvater 20 Jahre vorher passiert ist.
Florian Bayer: Nämlich mit der Kurzgeschichte von Robert Jackley, The Price of Peril aus dem Jahre 1958. Und die habe ich mir durchgelesen. Die habe ich mir auch durchgelesen.
Johannes Franke: Ich habe den großen Fehler gemacht, sie beim Arzt sitzend, im Wartezimmer sitzend zu lesen. Und... Hab tatsächlich, weil ich die Geschichte wirklich gut und spannend fand, Beklemmungen bekommen in diesem Wartezimmer. Oh krass. Jetzt muss ich aufhören zu lesen, bevor ich hier irgendwie nervös auf und ablaufe und alle Leute nervös mache, die mit mir auf einen Arzttermin warten.
Florian Bayer: Und du hast sie wahrscheinlich auch gelesen, nachdem du den Film gesehen hast?
Johannes Franke: Jajajaja, genau.
Florian Bayer: Ich war total überrascht. einfach nicht damit gerechnet, dass der Film, also der WDR-Film, so nah an dem Text ist.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Das hat mich total schockiert, weil ich habe nämlich... Den französischen Film auch gesehen, der ja tatsächlich vom Titel her viel näher dran ist, aber von der Geschichte viel weiter weg. Und ich glaube, die Geschichte macht eine Sache extrem richtig, die auch dieser Film extrem richtig macht und die sie auch besser machen als diese... ganzen zukünftigen Menschenjagdfilme oder wie auch immer man sie nennen will.
Johannes Franke: Also bei der Vorlage zu bleiben, es ist für mich tatsächlich so gut geschrieben, dass ich so reingezogen werde, weil er... so häppchenweise Preis gibt, was da eigentlich los ist. Und man sich fragt, was macht er mit diesem tragbaren Fernseher? Was für ein tragbarer Fernseher in den 50ern bitte und so. Und man auch überhaupt erstmal in die Welt reinkommen muss. Nur habe ich den Film natürlich gesehen, nur habe ich natürlich eine Einsortierung. Aber ich konnte mich so gut da reinversetzen, wie man das liest, wenn man überhaupt gar keine Ahnung hat, was da passiert. Sodass ich wirklich das Gefühl hatte... Boah, der hat wirklich ein Monument dahingestellt. Krass. Mit so einer ganz kurzen Geschichte. Ich fand's ganz toll.
Florian Bayer: Das ist total spannend, weil es ist ja vollkommener Palp, ne? Es ist für Science-Fiction-Magazine in den 50ern geschrieben. Unser Autor Robert Shackley hat im Playboy veröffentlicht. Nicht diese Geschichte, aber er hat im Playboy veröffentlicht. Und er hat ganz viele von diesen Kurzgeschichten rausgehauen. Und er war natürlich auch so ein Autor, der quasi pro Kilo bezahlt wurde. Der einfach viele Geschichten rausgehauen hat. Ich habe von dem nichts gelesen. Ich kenne den nicht. Ich bin eigentlich schon so ein Genre-Leser.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich stehe auf so Science-Fiction-Kurzgeschichten. Ich hatte ihn bis jetzt noch gar nicht auf dem Schirm.
Johannes Franke: Mhm. Weißt du, vielleicht liegt es auch daran, dass ich es extrem wenig lese. Ich bin dann leicht zu beeindrucken vielleicht.
Florian Bayer: Nein, mach das nicht. Also tatsächlich wird ja Shackley nachgesagt, dass er mit einer anderen Geschichte, nämlich Dimension of... aus dem Jahr 1968, Douglas Adams beeinflusst hätte.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und Douglas Adams schwört bis zum heutigen Tag, dass sein Hitchhiker's Guide to the... Galaxy, das ist nämlich der beeinflusste, dass der nichts damit zu tun hat, beziehungsweise dass er nicht wusste, dass diese Geschichte existiert, als er seinen Anhalter geschrieben hat. Na gut, okay. Aber ich meine, wenn jemandem nachgesagt wird, dass man Douglas Adams beeinflusst hat, Dann steht man offensichtlich auf der richtigen Seite.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und vielleicht ist es auch so, dass man so ein bisschen diese Geschichte als so eine Art... unbeabsichtigte Zusammenfassungen seiner Art und Weise zu schreiben und seiner Art und Weise die Welt zu sehen. Wenn er rausgehauen hat, pro Kilo quasi, dann bedeutet das ja, dass er wahnsinnig viel geschrieben hat und dass er die Zeit einfach eingefangen hat, mit seiner Art und Weise auf die Zukunft zu gucken.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich finde, das fasst das so gut zusammen, dieses Bild davon, was da passieren kann. Aber eben auch wirklich, muss man sagen, auf der amerikanischen Seite. Und Amerika, was das betrifft, war immer Deutschland weit voraus, was diese Kapitalisierung und auch die Weitsicht auf die Kapitalisierung betrifft. Also so vom Gefühl her und dass das in den 70ern immer noch als zukunftsweisend verstanden wird, wenn man dann die Verfilmung macht. Weißt du, was ich meine? Also, dass man in Deutschland so schockiert von dem ist, was 20 Jahre vorher... naja 15 Jahre vorher, in Amerika geschrieben wurde.
Florian Bayer: In Amerika wurde es natürlich in einem ganz anderen Setup geschrieben, weil in Deutschland, als der Film gemacht wurde, gab es kein Privatfernsehen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Amerika war der böse Bube. Amerika war so ... Das dystopische Bild, was passiert, wenn es sowas wie kommerzielles Fernsehen gibt. Weil als dieser Film entstanden ist, das Millionenspiel, 1970 hatten wir in Deutschland nicht viel. Da hatten wir die ARD, die war 1950 gegründet.
Johannes Franke: ZDF hatten wir.
Florian Bayer: Wir hatten das ZDF, das wurde Konrad Adenauer geschenkt. Irgendwann muss ich nochmal kurz in meine Timeline. gucken. Das ZDF wurde Adenauer 1963 geschenkt. Das heißt, es war auch noch nicht besonders alt und es gab natürlich diese dritten Sender. Ja. Und die waren ganz lange einfach nur so ein Zeitfenster in der ARD und die hatten auch erst seit Anfang der 60er Jahre die meisten... hatten die ihre eigenen tatsächlichen Sendeplätze. Unter anderem der WDR, der ja hier quasi die Hauptfeder geführt hat.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und um das gleich zu sagen, Privatfernsehen, was hier so als düstere Vision... an die Wand gezeichnet wird, sollte es in Deutschland erst ab Anfang der 80er Jahre geben.
Johannes Franke: Krass, ne? 1984.
Florian Bayer: Es hat eins gesendet worden und 1984 das RTL gesendet worden. Das waren übrigens auch Geschenke für die CDU. Echt?
Johannes Franke: Wirklich?
Florian Bayer: Ja, ja. Krass. Helmut Kohl.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Nicht nur Helmut Kohl, die ganze CDU hat die ARD gehasst. Deswegen wurde auch das ZDF gegründet. Und zwar, die ARD war eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die gegründet wurde als... quasi Sendeprojekt der einzelnen Rundfunkanstalten der einzelnen Länder. Das heißt der Bund hatte überhaupt keinen Einfluss drauf. Das war ja auch die Idee. Wir wollen keinen Staatsfernsehen, sondern wir wollen einen unabhängigen Sender. Und von Anfang an hat die CDU gesagt, das ist total linksverseucht. diesen ganzen Shit, den ihr heute kennt, vor allem von der AfD, aber auch immer noch von der CDU. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk so unausgewogen ist, dass der so linksgrün ist und so weiter, das hat Tradition. Konrad Adenauer hat gesagt, Wir müssen irgendwas machen. Wir können nicht die Kommunisten die ganze Zeit Fernsehen senden lassen. Und wohlgemerkt, die ARD war nicht kommunistisch damals. Und die ARD war natürlich kritisch, die ARD war unabhängig. Und dann hat Konrad Adenauer gesagt, dann lasst uns doch ein Fernsehen machen, was nicht den einzelnen Ländern, sondern dem Bund untersteht. Und dann hat das Bundesverfassungsgericht gesagt, äh, Konrad, das darfst du nicht. Und dann haben alle drauf geguckt und alle so ein bisschen auf ihre Finger geguckt und überlegt, was machen wir denn jetzt? Und dann wurde halt das ZDF gegründet. Traditionell tatsächlich, deswegen gilt das ZDF bis zum heutigen Tag als konservativer als die ARD.
Johannes Franke: Ist das so?
Florian Bayer: Wie krass. Es hat sich alles so ein bisschen verschoben. Die ARD hat mehr konservative Sendungen gemacht. Was tatsächlich stimmt, ist, dass die ARD als kritische öffentliche Begleiterin der Politik, gerade in den Anfangsjahren, als die CDU halt auch sehr viel regiert hat, sehr viel kritisch über die CDU berichtet hat und die das natürlich nicht geil fanden.
Johannes Franke: Ich weiß nur als Schauspieler, dass mich der CDF schlechter bezahlt als der. Okay. Ist auch was, ist auch interessant. Willst du übrigens Tee, Flor?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte. Ich danke dir. Gerne. Und genau so war Anfang der 80er. Helmut Kohl, der drauf guckt und sagt, ich kann leider nicht gut Kohl imitieren. Kannst du Kohl imitieren und einmal in Kohls Stimme sagen?
Johannes Franke: Ich glaube nicht. Ich glaube, das schaffe ich nicht.
Florian Bayer: Sehr gut, danke. Der hat drauf geguckt und gesagt, ZDF ist jetzt auch schon so linksgrün versifft, das kann doch nicht sein. Was wäre am besten? Ah, ich hab's. Die kommerziellen Anbieter, die wirtschaftliche Interessen haben, die sind natürlich für eine Partei... die besonders die Wirtschaft fördert. Sprich, die für die Arbeitgeber ist, nicht für die Arbeitnehmer. Und Helmut Kohl hatte einen großen Busenfreund, den ihr alle kennt, Leo Kirsch, the godfather of private television in Germany. Einfach der Mann, der jahrzehntelang das Privatfernsehen in Deutschland geprägt hat.
Johannes Franke: Ihr da draußen, wenn ihr den Namen nicht gekannt habt, so wie ich. Dann müsst ihr einfach nicken, so wie ich das gerade gemacht habe.
Florian Bayer: Googelt einmal Leo Kirsch, das ist so neben Helmut. Helmut Thoma, das zweite große Gesicht des Privatfernsehens. Der war ein guter Freund von Helmut Kohl. Und Helmut Kohl hat dann gesagt ... Nee, wir machen jetzt Privatfernsehen und die CDU hat das dann sehr vorangetrieben, dass dann Anfang der 80er das Kabelnetz ausgebaut wurde. Übrigens, wir leiden bis heute drunter, weil deswegen haben wir kein gutes Internet. Sie haben kein gutes Internet, weil damals im Kabelnetz der Vorrang gegeben wurde, weil die CDU unbedingt ihre Privatsender haben wollte. Hm. Genau, das ist das. Also wie gesagt, 1984, private Sender in Deutschland. Dieser Film aus dem Jahr 1970.
Johannes Franke: Ja, ich meine, die haben das alles gesehen in Amerika als Vorbild, was da passiert und waren auch wirklich, das war richtig Feindbild. Da ist der Kapitalist, der uns vorschreibt in Amerika, denen in Amerika vorschreibt, was sie zu senden haben und alles nur dem Kapital untergeordnet ist und so. Und ich muss sagen, so ein bisschen Weitsicht hatten sie.
Florian Bayer: Sie hatten durchaus Weitsicht, aber natürlich wirkt es auch ein bisschen konservativ.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und die Linke war konservativ auch damals. Die Linke hatte auch einfach ihre konservativen Seiten. Aber ja, es war natürlich auch eine Verteidigung. der eigenen Deutungshoheit und allen voran der WDR. Der war übrigens das größte Feindbild von allen. Der WDR galt damals in den 60ern und 70ern als der experimentierfreudigste von diesen regionalen Sendern.
Johannes Franke: Das ist der quasi immer noch, muss man sagen.
Florian Bayer: Und im NRW-Landtagswahlkampf 1975, also fünf Jahre nach diesem Film, hat die CDU hart gespielt. Hart Wahlkampf gegen den WDR gemacht und ihn ganz klar als Rotfunk bezeichnet. Das Wort Rotfunk wurde genannt.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Für den Rundfunk. Und das war unter anderem auch ein Grund, warum sie dann so das Privatfernsehen gefördert haben. Der WDR war experimentierfreudig und der WDR hat sich Sachen getraut auszuprobieren, die über die normale TV-Unterhaltung hinausgingen.
Johannes Franke: Und das muss man sagen, wenn man sich einen Film guckt, denkt man sich oft... Wo sind wir gelandet? Warum wird das nicht mehr gemacht? Also egal wie gut ich den Film finde oder nicht finde, darüber reden wir noch, aber sich was zu trauen. Ja. Warum zur Hölle wird das heute so selten gemacht? Ja. mal so ein Tatortreiniger oder sowas. Der sollte ja auch 0 Uhr irgendwann versendet werden. Das Ding lief primetime und die Leute haben sich furchtbar aufgeregt, aber die haben wirklich was probiert und auch eine Botschaft damit gesendet.
Florian Bayer: Also ich glaube, was tatsächlich passiert ist, der öffentliche Rundfunk ist auch deutlich konservativer geworden. Nicht im politischen Sinne, sondern einfach im experimentierfreudigen Sinne. Ich bin immer gerne dabei, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk generell zu verteidigen als Grundidee. Aber natürlich sind das sehr festgefahrene Strukturen. und es sind sehr viele Gremien, die da aufeinander einwirken, sich gegenseitig beeinflussen und Wir haben ja auch unsere Geschichten, die ganz frischen Datums sind, sowas wie das Böhmermann. Der so ein bisschen raussticht und der dann aber auch immer mit der quasi Senderobrigkeit zusammenprallt. wegen der Sachen, die er macht. Und jetzt noch aktueller natürlich dieses Danger-Dan-Anstalt-Ding. Das, was ja wirklich vor ein paar Wochen erst war, dass das ZDF gesagt hat, nee, wir lassen dieses Lied nicht spielen, das ist uns zu linksradikal.
Johannes Franke: Ja, krass, ne?
Florian Bayer: Damals gab es einfach in diesen Sendestrukturen noch ein bisschen mehr Freiheit. Das war jung. Der WDR war relativ jung, also das Ding wurde in der ARD ausgestrahlt, aber die WDR-Redaktion hat daran gearbeitet. WDR war noch nicht so lange ein eigener Sender und es gab vor allem einfach ein paar Leute, die sich was getraut haben. Und die drei großen Namen, um die vielleicht einmal zu nennen. Oder vier, sagen wir mal vier großen Namen. Sind zum einen Günter Rohrbach, der Chef der Fernsehspielabteilung war. Dann Peter Mertesheimer, der da Redakteur war. Und dann Wolfgang Menge, unser Drehbuchautor und Tom Tölle, unser Regisseur. Und die hatten auch schon zusammengearbeitet, also vor allem Wolfgang Menge und Tom Tölle und haben auch schon mal so was Experimentelles gemacht.
Johannes Franke: Mhm. Also die kannten sich auch aus mit sowas und die sind auch sowieso damals, ich habe die Namen zum ersten Mal gehört, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich habe von den Namen vorher noch nie gehört. Mein Wissen in deutscher TV-Geschichte ist auch nicht sehr groß. Das ist alles, was ihr gerade hört, ist nicht so, dass ich dieses Wissen seit Jahren mit mir rumschleife und endlich froh bin. wenn es rauszuhauen. Das habe ich letzte Woche recherchiert, den Schritt.
Johannes Franke: Und ich habe sie zum ersten Mal gehört, aber damals... waren die der große Shit. Die waren wirklich sehr bekannt dafür und die hat man angerufen, wenn man irgendwas Geiles machen will.
Florian Bayer: Fragestunde, ein Jahr vorher, 1969, war offensichtlich so eines von diesen großen Dingern. hab ich auch noch nie gehört. Ich hab leider nicht die Zeit gefunden, es noch mal raus zu suchen. Ich weiß gar nicht, ob man es online überhaupt findet. Und zwar, das war Wolfgang Menge mit Tom Tölle auch zusammen. Wolfgang Menge Drehbuch, Tom Tölle Regie. Und das war offensichtlich auch so eine Mockumentary. wo der WDR den Putsch in Griechenland aus dem Jahr 68 verarbeitet hat und vor allem auch, dass Deutschland... Die deutsche Politik sich so extrem zurückgehalten hat mit Kritik. Und im Mittelpunkt steht wohl ein Abgeordneter, der irgendwie da im fiktiven Staat war, nicht in Griechenland, das wird nicht explizit genannt. genannt. Und der zurückkommt und sagt, ey, ich hab da voll die Scheiße erlebt, da ist die Kacke am Dampfen, so viel Gewalt und so, da muss doch irgendwas getan werden.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und dann wird er aber von allen klein gehalten, weil niemand will, dass das hochgekocht wird, weil man muss ja die guten Beziehungen zu diesem Land wahren.
Johannes Franke: Also sozusagen auch politisch ein bisschen auf die Kacke gehauen. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und auch provokant. Und noch kontrovers. Und Günther Gauss, ein ziemlich großer politischer Interviewer eigentlich hauptsächlich, der hat sich selbst gespielt in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, geil. Ja, also auch so ein bisschen das Gefühl von Mockumentary.
Florian Bayer: Vorläufer oder tatsächlichen Offensichtlich, was sie hier in dem Film ja auch haben und ich gehe mal davon aus, dass es eher nicht inkonsequent ist wie in diesem Film, weil der Film ist kein keine durchgezogene Mockumentary, aber es gibt diese Mockumentary-Momente und die waren ja auch offensichtlich stark genug, dass da mein Publikum einige gesagt haben, das ist echt.
Johannes Franke: Also nur für euch da draußen, wenn ihr das Wort Mockumentary nicht einordnen könnt, es ist eine Pseudodokumentation. Es ist wie eine Dokumentation aufgemacht, man guckt sich das an und denkt sich, aha, das ist also echt passiert, aber eigentlich ist alles ausgedacht. Ja, es ist halt bloß so gedreht, als ob. Und dieser Film, wie du sagst, man merkt von Anfang an schon, dass das nicht echt ist. Man hat eine sehr cineastische Auflösung der Kameraführung. Und selbst wenn der Moderator im Studio das dann verkauft, als da laufen 24 Filmteams rum und filmen die, du glaubst dem Material nicht. dass das so aufgenommen wurde.
Florian Bayer: Es ist teilweise aus der POV von dem fliehenden Mann.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ich finde es spannend, dass es wirklich so eine merkwürdige Inkonsequenz ist. Weil man hat das Gefühl, es liegt ja eigentlich auf dem Tablett. Sie haben das da. Um das echt zu inszenieren. Und sie machen es teilweise. Wir haben zum Beispiel diese Zuschauerbefragung auf der Straße. Mit Herbert Fassbender? Ja, ja, genau. Als wirklich, als Interviewer? die echt sind. Und wir haben ganz viele Ausschnitte aus der Show, die die Kamera, die Studiokamera haben, die echt sind. Und dann ist es aber einfach aufgebrochen. Es gibt POVs von unserem Akteur, es gibt ganz klassische, traditionelle Action-Thriller-Kameraeinstellungen. Voll. Es ist ziemlich eindeutig, dass es sehr viele Momente gibt, die nicht von dem Fernsehteam aufgenommen sind. Und die auch gar nicht den Eindruck erwecken.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Und der Giveaway ist ja gleich am Anfang, wie die Moderatorin sagt, das basiert auf dem Gesetz von 1973. Und du denkst dir, Moment. Ich gucke nochmal auf die Uhr. Es ist 1970.
Florian Bayer: Was ist los? Die Ansagerin, die übrigens auch, also damals gab es noch Ansagerinnen im Fernsehen und es waren tatsächlich meist Erstens Frauen. Hannelore Vorberg. Hannelore Vorberg, die ganz oft Fernsehfilme und Shows und so weiter angesagt hat und die halt jetzt das ansagt. Also... Das ist ganz spannend. Sie haben so bestimmte Sachen eingebaut, die diese Illusion sehr stark aufrecht halten. Auch Dieter Thomas Heck natürlich, der den Showmaster Thilo Ohlenhorst.
Johannes Franke: Also das macht das Größte aus, ne? Ich weiß nicht, wie es dir ging, aber ich gucke mir das Ding an und denke mir, Der ist ein fucking Genie in diesem Film. Das zu schaffen, genau nach Skript, aber genau das zu spielen... Was er normalerweise in seiner Hitparade oder was das war, spielt, das ist ja unglaublich. Der wirkt so einfach.
Florian Bayer: Dieter Thomas Heck spielt sich selbst. Und ich gehe auch davon aus, dass der bei einigen Sachen vielleicht auch improvisiert hat. Denke ich auch. Und weil er macht den Showmaster und Dieter Thomas Heck ist ja auch so ein Showmaster, der unglaublich gut reden kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich bin kein großer Dieter Thomas Heck Fan, aber ich glaube, man muss sich zumindest einmal davor verbeugen, wie dieser Mann aufgetreten ist und wie dieser Mann... jahrzehntelang das deutsche Fernsehen geprägt hat, mit so einer sehr spezifischen Art zu reden, die einfach krass ist.
Johannes Franke: Und trotzdem seine Eigenheiten, seine entlarvenden Eigenheiten, die in dem Film auftauchen... die er auch als wirklicher Moderator hat. Wo man so denkt, ja, das sind jetzt so Floskeln, die versucht er da reinzubringen, damit er noch Zeit füllt. Und dann verzögert er hier mit der Stimme, damit dann irgendwie noch zum richtigen Zeitpunkt das passiert und so. Und das ist hier aber so virtuos eingesetzt. um den Moderator zu entlarven, die Show zu entlarven, das Konzept an sich zu entlarven, dass ich denke, okay, der hat auch eine Form von Selbstreflexion da drin. die ich geil finde.
Florian Bayer: Aber der Moderator wird nicht als Feindbild aufgebaut. Also es ist generell zynisch, dass er das macht.
Johannes Franke: Genau, es ist generell zynisch, dass er das macht.
Florian Bayer: Aber er ist nicht der Negative, der irgendwie unserem Kandidaten- Pest an den Hals wünscht. Er ist nicht der, der das Publikum negativ einheitst, sondern ist wirklich einfach ein Moderator, der seinen Job ernst nimmt, der das Publikum liebt, der die Show liebt und der das gut macht.
Johannes Franke: Was noch perfider wird dadurch.
Florian Bayer: Was noch perfider wird. Er macht seinen Job.
Johannes Franke: Er macht seinen fucking Job. Als ob er irgendwie jemandem für ein paar Fragen eine Million gibt.
Florian Bayer: Und das ist so krass, weil das ist auch das Selbstverständnis von Dieter Thomas Heck. Ich habe ein Interview von ihm gehört, jetzt nochmal auf dem Wiki. Und jetzt ein aktuelles Interview. Der Mann ist mittlerweile 80 oder sogar noch älter. Und da hat er gesagt, ja, für mich war das einfach normal. Ich habe das damals angefangen, ich bin dann plötzlich bekannt geworden, aber ich habe das immer so gesehen, ich wollte meinen Job machen. Ich habe geguckt, dass ich meinen Job so gut es geht mache. Und das war mir das Wichtigste. Und die Prominenz hat dann halt einfach dazugehört. Und ich bin dann irgendwie mit ihr umgegangen und habe das so... aber habe versucht, dabei immer bodenständig zu bleiben, natürlich auch so ein bisschen bla bla bla und so weiter. Ja, natürlich. Aber dieses Selbstverständnis, dass es ein Job ist und das sieht man vor allem daran, dass der so viele unterschiedliche Sachen moderiert hat. Der hat ja, natürlich ist die ZDF Hit-Paradise. das größte Ding, das hat er auch 15 Jahre lang gemacht. Aber er hat ja auch Spielshows moderiert, diverse Musikshows gemacht. Einfach verschiedenste Sachen, so von Quiz über Spielshow bis zu Musikdingern. Das heißt, es war einfach den... Der hat ein Showkonzept gekriegt, wurde hingestellt und hat dann einfach sein Ding gemacht, so gut er es konnte. Und es war einfach sein Job, jetzt diese Show zu moderieren. Er war nicht festgesetzt auf was.
Johannes Franke: Aber siehst du es auch so, dass du das Gefühl hast, dass dir der größte Teil der Authentizität, dieser Mockumentary, von ihm kommt?
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und die echtesten Momente sind ja auch die im Studio. Und um das kurz schon vorwegzunehmen, diese Legendenbildung von Leuten, die sich melden, ist wirklich passiert. Ich glaube, sehr viele Menschen haben in den letzten zehn Minuten eingeschaltet, weil die letzten zehn Minuten ziehen das ziemlich konsequent durch, dass wir einfach nur noch das Show-Setup haben.
Johannes Franke: Aber ich glaube auch, nicht nur die letzten zehn Minuten, vielleicht auch ein Stückchen früher noch, je nachdem... Was für ein Typ Mensch du bist, guckst du ja auch beim Bügeln und dann guckst du, dann verpasst du ein paar Sachen... Dann guckst du auch nicht mit einer professionellen Sicht wie wir jetzt, weil man muss sagen, 1970 ist eine andere Zeit. Du bist als Zuschauer nicht so medienkompetent, wie du es heute bist. Das muss man einfach zugeben.
Florian Bayer: Ja, die Menschen sind einfach ein bisschen naiver und es ist natürlich auch die Zeit, in der diese großen Spielshows groß wurden. Also um das auch vielleicht nochmal zu sagen, wir haben hier auch so sehr viel Antizipation von dem, was später passieren wird. Wetten, das liegt noch zehn Jahre in der Zukunft. Aber es ist eine Zeit, in der diese klassischen Rateshows, die es auch schon seit Beginn des Fernsehens gibt, abgelöst werden durch diese Shows, die mehr so Spiel- und Wettbewerbcharakter haben. So was wie Spiel ohne Grenzen, was wohl das große Eurovision-Ding war. Das ist alles vor meiner Zeit, ich kenne es nicht, aber ich weiß, es waren so sportliche Wettkämpfe. Und dann Wünsch dir was hat 1969 angefangen. Das war auch eine Show, die mehr so drauf gesetzt hat, dass das nicht einfach nur geraten wurde, sondern dass die Menschen aktiv was machen mussten. Und der goldene Schuss von 1964, das lief bis 1970, war wohl auch ein ziemlich großes Ding, wo Leute da mit Armbrust quasi Äpfel abschießen mussten und sowas. Das war die erste Farbshow.
Johannes Franke: Ach.
Florian Bayer: 1963 und also es gab so dieses Action-orientiertere und das führt natürlich alles zu Wetten, das was 1981 kommt und Das führt natürlich auch alles zu dem, was dann Stefan Raab in den 90ern gemacht hat und so. halt, wo das anfängt, wo diese, wo Shows nicht nur sind drei Prominente raten, was für einen Beruf der Typ hat, der am anderen Ende sitzt, Sondern wo plötzlich irgendwelche Teams, Familien, Freunde, whatever, versuchen müssen, irgendwas zu balancieren und mit Bällen aufeinander werfen oder ähnliches.
Johannes Franke: Ja, ja. Damals hat es auch angefangen, als es in den fünf, 1955 glaube ich ungefähr, hatte ja der Autor das geschrieben, da hat es in Amerika auch schon angefangen mit so Spielshows. Ja. Und das hat mich ein bisschen überrascht, weil seit wann gibt es überhaupt Fernseher? Also die gibt es ja auch erst seit 50ern. Also ich glaube 51, 52 kam der erste Consumer-Fernseher in die Wohnzimmer, oder?
Florian Bayer: In Deutschland, oder? Weil also BBC ist ja 1922 gegründet worden.
Johannes Franke: Aber als Radio.
Florian Bayer: Und Commercial TV gibt es in den USA seit 1941, NBC und CBS. Oh. Deutschland ist tatsächlich, also ich meine, Deutschland hatte halt einfach fucking Kriege.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das stimmt.
Florian Bayer: wurde die ARD gegründet. Aber ja, natürlich gab es, also wenn wir davon reden, dass der Fernseher die Wohnzimmer erobert, dann sind wir eher in den 50ern. Ja, Fernsehen gibt's noch nicht so lange, Shows gibt's.
Johannes Franke: Aber das ist dann das Erste, was erfunden wird. Weißt du, das Erste, was abseits von, es werden Filme vielleicht ausgestrahlt, Sind Spielshows. Und dann kannst du Geld verdienen, indem du dich vor die Kamera stellst und keinerlei Medienkompetenz mitbringst, sondern einfach rein... geworfen wirst und dann kommen relativ schnell solche Sachen wie Family Feud, was hier als Familienduell noch mitgemacht wurde und so. Und das hat eben auch der Autor gesehen. Der hat sich das auch angeschaut und hat gesagt, aha, okay, in die Richtung geht das jetzt. Und was kann man denn noch mit alles mit so Teilnehmenden machen und so. Und dann hat sich das so. nach und nach verselbstständigt und es gibt wirklich ganz schlimme Sachen, die passiert sind.
Florian Bayer: Ja, er war ein bisschen näher darin. Also wir wissen ja, was so das Standardding ist, wo man schon drauf guckt und sagt, oh Gott, Big Brother, oh Gott, Deutschland sucht den Superstar. Aber geht's noch eine Nummer krasser?
Johannes Franke: Es geht absolut ne Nummer krasser. Also viele Nummern krasser. Eine Sache würde ich gerne mal rausheben und zwar eine Sendung, die ich nicht im Original benennen kann, weil ich... Susunu Denpa Schönen. Japan. Ja, Japan ist das. Heißt ungefähr sowas wie, geh nicht weiter. Verrückte Jugend. Und es gibt ein Segment davon, ein Leben aus Preisausschreiben. Und da gab es einen Typen, den die gecastet haben. Das war ein Komiker eigentlich. Und das war ein relativ naiver Mensch. Tomoaki Halmatsu. Das war ein Casting, das er gewonnen hat. Musste irgendwie unterschreiben, dass er da mitmacht und so. Und dann haben die den... sofort irgendwo eingesperrt in ein Set, was im Grunde eine Wohnung war, haben ihn gezwungen, sich auszuziehen, haben seine Klamotten komplett weggesperrt Und dann musste er bis zu einer gewissen Summe an Geld über Gewinnspiele preisausschreiben zusammensammeln. Der hat sozusagen Preisausschreiben in irgendwelchen Zeitschriften mitgemacht, um sein Leben zu finanzieren. Und ab einer gewissen Summe hat er dann quasi gewonnen. Ach du Scheiße. Und der ist völlig fürd geworden. Natürlich. Der hat seinen geistigen Verfall in Tagebüchern aufgeschrieben. Ohne zu wissen, dass der Sender die nimmt und veröffentlicht. Die wurden Bestseller.
Florian Bayer: Wann ist der Scheiß passiert?
Johannes Franke: Das war 1998 bis 2002. Uff. Autsch! Dieser Typ wusste nicht, dass das wirklich richtig ausgestrahlt wird. Dem wurde gesagt, ja vielleicht verwenden wir es mit Heuer, vielleicht auch nicht und hat wahrscheinlich damit gerechnet, dass er, wenn er fertig ist, dann das entschieden wird mit ihm zusammen, was dann gemacht wird. Und es wurde parallel einfach alles ausgestrahlt. 15 Monate irgendwie am Stück, die große Sendung, drüberliegende Sendung lief länger. Völlig absurd, dass das überhaupt ging. Und er hatte keine Kleidung, er hatte keine gesicherte Nahrung, er hat zwischendurch... einfach rohen Reis irgendwo gewonnen und hat sich davon ernährt. Zwischendurch hat er sich von Hundefutter ernährt.
Florian Bayer: Scheiße.
Johannes Franke: richtig, richtig schlimm. Und das Schlimmste daran ist, er hat es irgendwann geschafft, auf diesen Diese Summe zu kommen, die er gewinnen musste durch irgendwelche blöden Preisausschreiben, nach und nach. Dann haben die ihn da rausgeholt, um ihn nach Südkorea zu bringen, um ihn dort wieder auszuziehen, in eine Kiste zu stecken und genau das gleiche Ding nochmal mit ihm durchzuziehen. Der war völlig durch. Der konnte überhaupt nicht mehr Ja oder Nein sagen.
Florian Bayer: Ach du Scheiße, was für ein... Absurdes Ding. Okay, das ist wirklich übel. Richtig, richtig hart.
Johannes Franke: Er hat 15 Monate seines Lebens damit verbracht, diese Sachen zu machen und hat ewig gebraucht, um danach wieder... Rausgehen zu können, also ohne Panikattacken rausgehen zu können, soziale Kontakte überhaupt wieder pflegen zu können. Es muss richtig, richtig schlimm gewesen sein für ihn. Und das haben die einfach gemacht. Es gibt eine Dokumentation, die ich nicht gesehen habe, aber die ich mir vielleicht mal anschauen werde, The Contestant. Von 2023. Oh, düster. Muss richtig schlimm gewesen sein. Ich würde noch eins hochrollen wollen. Macht dich drauf gefasst.
Florian Bayer: Okay, leg los. Ich bin auf alles gefasst.
Johannes Franke: Du kennst dieses Experiment Mildrim oder wie es hieß?
Florian Bayer: Ja, Mildrim Experiment.
Johannes Franke: Und das hat irgendein französischer Sender hat sich gedacht, das probieren wir doch mal nochmal. Das müssen wir nochmal machen.
Florian Bayer: Mit Kameras fürs Fernsehen.
Johannes Franke: Le jeu de la mort, das Spiel des Todes. Und da kamen 80 Freiwillige, die noch nicht wussten, worauf sie sich einlassen. denen wurde nicht mal irgendwie ein riesiges Preisgeld versprochen, sondern die bekommen 40 Euro Aufwandsentscheidigung, damit sie da mitmachen. Und die sollten, genau dieses Experiment haben sie quasi nachgestellt, die sollten auf irgendwelche Knöpfe drücken und den Leuten an der anderen Seite, die aber Eingeweihte waren, die Schauspieler waren, die nicht wirklich Leidtragende waren, denen sollten sie Elektroschocks verpassen. wie das in dem ursprünglichen Experiment war. 80 Leute gewesen. Und dann wurde eben gesagt, hier Stufe 1, 2, 3, 4, 5. Und bei Stufe 5 meinetwegen wäre das ein Stromstoß, der potenziell tödlich ist. Und sie wurden vom Publikum und von den Machern dieser Show so weit angetrieben, dass sie immer höhere Streuigkeiten, Stöße gegeben haben tatsächlich und nur 16 Leute davon haben irgendwann abgebrochen und Alle anderen haben den Tödlichen am Ende tatsächlich auch gegeben.
Florian Bayer: Und das ist ja das Klassische, was öfter reproduziert wurde bei diesem Experiment, wenn du eine Autorität vor dir hast. dann machst du den Shit. Und egal, ob die Autorität ein Wissenschaftler ist oder ob das das Publikum ist.
Johannes Franke: Genau, das Publikum. Und das finde ich so krass.
Florian Bayer: Ach, das Publikum war natürlich auch nicht eingeweiht.
Johannes Franke: Die haben geschrien.
Florian Bayer: War das Publikum eingeweiht?
Johannes Franke: Soweit ich verstanden habe, waren sie nicht eingeweiht. Aber ich bin mir nicht sicher, muss ich sagen. Auf jeden Fall waren die Schauspieler natürlich eingeweiht. Die haben das gespielt, haben Schmerzensschreie vor sich gegeben. Und beim letzten Button gab es dann eine spooky Stille. Also die haben dann sozusagen nicht mehr geschrien, um das auch wirklich... Alter. Was für traumatische Ereignisse das auch sind. Absolut.
Florian Bayer: Voll krass.
Johannes Franke: Für alle Beteiligten.
Florian Bayer: Oh, wie übel.
Johannes Franke: Also ich kann mir gar nicht vorstellen, da auch nur länger als einen Tag mitzumachen, weil das so belastend sein muss.
Florian Bayer: Ja, voll. Ich finde auch schon tatsächlich, also um nochmal eine Nummer zurückzugehen, wir kennen das Dschungelcamp und wir kennen Deutschland sucht den Superstar und sowas. Und was da gemacht wird, ist ja auch teilweise ziemlich krass. Gerade beim Dschungelcamp ist es ja wirklich so, dass Leute, die verschuldet sind, die halt irgendwie im Showbiz groß geworden und im Showbiz klein gemacht wurden, die dann wirklich einfach das Geld brauchen, da mitmachen. Und hart gedemütigt werden.
Johannes Franke: Es gab bei verschiedenen Formaten, die... ganz normal laufen, von denen man noch nicht mal so ganz normal sagen würde, das ist also moralisch so weit wie dieses Milgram-Experiment oder sowas. sondern ganz normale so Love Island Sachen, gab es Leute, die sich danach umgebracht haben.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Es gab einen berühmten Fall, die sich, nachdem sie rausgevotet wurde, sich umgebracht hat und die Moderatorin dieser Show kurz danach sich auch umgebracht hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Super krass.
Florian Bayer: Ja. Das ist halt das perfide, was im Fernsehen mitspielt. Also gerade... Es verschiebt sich ja jetzt auch so ein bisschen ins Internet. Wir haben ja jetzt das Phänomen im Internet, aber damals war es ja auch wirklich so Anfang der 2000er, dass klar war, diese TV-Prominenz, die hängt ja nach. Und wenn du irgendwas Peinliches gemacht hast im Fernsehen oder wenn du als Bösewicht dastehst, dann ist das ja was, was du mit dir trägst. Und ich weiß noch, wie das war in der ersten Staffel. Big Brother in Deutschland, wo sie dann, da gab es ja diesen Slutke und Jürgen, die so die Publikumslieblinge waren. Und dann die Frauen, die irgendwie... die quasi so als Antagonistin zu den beiden aufgebaut wurden. Und wo dann bei den Shows das Publikum draußen gerufen hat, Manuela, du Schlampe. Oh Gott. Und die waren da drin und hatten halt wirklich Heulkämpfe gekriegt. Weil sie dachten, ey, ich weiß nicht, was da passiert. Ich habe keine Ahnung, warum ich so wahrgenommen werde. Ich bin nicht. so, aber dadurch, wie die Show inszeniert war. Und natürlich ist es nicht so schlimm, jemanden umzubringen, Aber es ist trotzdem total krass, weil du Menschen traumatisierst. Du machst Menschen fertig. Und das sind ja auch Sachen, die sich nicht so leicht verarbeiten lassen.
Johannes Franke: Ja. Also ich finde, dass das durchaus in einen Bereich geht, der... strafrechtlich relevant ist, wo ich sage, warum ist das nicht eigentlich viel öfter auch strafrechtlich irgendwie verhandelt worden, was da so abgeht?
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich hart. Also das finde ich, glaube ich, das Schlimmste. Also nochmal, nur mal harter bei den Cast. Castingshows hat es sich irgendwann eingebürgert, auch Menschen zu nehmen, wo du das Gefühl hast, die sind tatsächlich geistig irgendwie beeinträchtigt. Die können das nicht so gut einschätzen. Und dass die dann so bloßgestellt werden und so vorgeführt werden.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und, also ich finde gerade so, Es gibt einfach so ein paar Musterauftritte bei Deutschland sucht den Superstar oder bei Pop Idol, hieß es aber nicht in Deutschland. Wie ist das Zweite? Es gab diese zwei große Bohlen-Shows. Einmal Sänger und einmal allgemein Talent.
Johannes Franke: Ja, weiß ich nicht mehr.
Florian Bayer: Deutschland so den Superstar und das andere war...
Johannes Franke: Es gibt noch The Voice, aber es ist noch eine andere.
Florian Bayer: The Voice war ja glaube ich das, was so ein bisschen weniger dreckig war. Und da gibt es einfach so welche, die wirklich vorgeführt wurden und wo sich dann die Republik... jahrelang noch drüber über die Menschen lustig gemacht hat, wo du einfach das Gefühl hattest, die konnten das nicht einschätzen, wie sie da bloßgestellt werden beim Casting. Und wenn es dann aber mal in der Welt ist, dann kriegst du das ja auch nicht eingefangen. Und um das vielleicht jetzt auch nochmal zu sagen. Und trotzdem haben wir das schlimmste wahrscheinlich im Internet erlebt. Also ich muss jetzt gerade an diese Drachenlord-Geschichte. zum Beispiel denkt, wo wirklich ein Mann systematisch von einer riesigen Gruppe Menschen fertig gemacht wird. Zu Unterhaltungszwecken, die quasi sich selbst die Unterhaltung wählen. Und das war dann wahrscheinlich doch nochmal eine Nummer brutaler als das, was im Fernsehen passiert ist.
Johannes Franke: Aber es ist so krass. Ich finde, Internet ist eine andere Form, weil Internet so dezentralisiert ist. Aber wenn du einen Fernsehsender hast, einen offiziellen Fernsehsender, der auch im Idealfall staatlichen Regularien genügen muss. Dass die sowas machen können.
Florian Bayer: Du hast eine andere Form von Verantwortung.
Johannes Franke: Auch das sowieso.
Florian Bayer: Also wenn du ein Medienunternehmen bist, hast du eine gewisse Macht, einen gewissen Einfluss. Und es geht gar nicht um eine rechtliche Verantwortung, sondern auch einfach um eine moralische Verantwortung. Und du trägst einfach dazu bei, wie Menschen Gesellschaft wahrnehmen und wie Menschen... Ja, wir Menschen einfach denken, wie wir leben sollten und der Verantwortung kannst du dich nicht entziehen. Und da kannst du noch so viel sagen, ja, die Leute haben sich freiwillig gemeldet und so. Ja, genau. Und ihr seid es dir, sich drüber lustig machen, das Publikum ist, dass die Leute auslachen will und fertig machen will. Aber nein, du hast... auch diese Verantwortung?
Johannes Franke: Natürlich, du kannst ja nicht sagen, nur weil irgendjemand laut genug schreit, ich will aber hier Unterhaltung haben, egal ob jemand... psychisch darunter leidet, kannst du doch nicht sagen, ja gut, dann gebe ich denen das. Was ist das für eine Haltung? Was soll das? Das funktioniert nicht, das abzuwälzen, das geht einfach nicht.
Florian Bayer: Okay, ich finde...
Johannes Franke: Wir sollten auf jeden Fall wenigstens die Reaktionen auf diesen Film einmal ein bisschen verlesen. Ich finde es wahnsinnig spannend, was die Leute alles gesagt haben. Und also nicht im Film, was ich ja auch sehr spannend finde, was die Leute im Film sagen über die Show. Aber nachdem das gelaufen ist, 1970, am 18. Oktober in der RHD, rufen da Leute an und beschimpfen... Die Leute am anderen Ende der Leitung beim WDR richtig hart mit. Die allergrößte Schweinerei, die uns jemals vorgesetzt wurde, ist noch das leichteste. Aber diese aktuellsten Arschlöcher der Bundesrepublik müssen man sehr gründlich die Frage... Presse polieren und die Zähne ausschlagen. Vielleicht aber geht es schneller und vornehmer mit einer MG.
Florian Bayer: Und was? Ganz ehrlich, sagen wir mal... Das sind Leute, die es nicht verstanden haben, denen Medienkompetenz fehlt. Nachvollziehbar und gute Reaktion. Das ist mir auf jeden Fall lieber als die Leute, die sagen, könnte ich mitmachen?
Johannes Franke: 40 Leute rufen da tatsächlich an und sagen, ja, bei der nächsten wäre ich gerne dabei. 40 Leute für die gejagte Position.
Florian Bayer: Und jemand, der Jäger sein will.
Johannes Franke: Und? Leute, die Jäger sein wollen. Nicht nur einer, der Jäger sein wollte, sondern mehrere. Und was ich so ganz krass fand, weil Dieter Thomas Heck das auch formuliert hat, Der hat danach viele Briefe bekommen, wo er meinte, die Leute konnten nicht auseinanderhalten. Die haben gedacht, dass Ulmenhorst im Grunde ein Künstlername für ihn jetzt einfach ist. Und dass er einfach irgendwas ist, also dass das jetzt eine Person, dass das nicht auseinanderhaltbar ist. Und dass eine Person, eine Frau, ihren Mann angemeldet hat als Gejagter, die einfach geschrieben hat, Die finanzielle Situation unserer Familie ist so schlecht, ich würde gerne meinen Mann vorschlagen, dass der die Millionen gewinnt.
Florian Bayer: Das ist so düster und so bitter.
Johannes Franke: Das ist hart. Das ist nicht nur, die Frau hat nicht verstanden, dass das nicht geht, sondern das ist ja auf so vielen Ebenen traurig und übel.
Florian Bayer: Ja, richtig übel. Boah.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und dann schauen wir mal, was das für ein Film ist, der diese Reaktionen ausgelöst hat. Und was das für ein Film ist, der sich mit diesen Entwicklungen, die er vorwegnimmt im TV-Geschäft, Wie er das macht. Und dann haben wir natürlich zwei Ebenen. Wir haben zum einen diese Showebene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieter Thomas Heck vom Publikum. Mit einem Fernsehballett in irren 70er-Jahre.
Johannes Franke: Buntem Kostüm. Ach, ist das geil.
Florian Bayer: Wir haben wirklich so eine... Nicht einfach nur eine Persiflage, sondern wirklich eine Mimikrie von einer klassischen Spielshow. Zu dem Wahnsinn, deutsche Unterhaltungsshow für die ganze Familie dazugehört, worüber sich die Amis auch zurecht lustig machen. Das muss zwei Stunden gehen. Und dann treten die ganze Zeit irgendwelche Tänzerinnen und irgendwelche Sängerinnen auf.
Johannes Franke: Es ist so geil, weil ich das Gefühl habe, ich nehme den allen das ab. Das stimmt alles. Die 70er sind so. Das sieht ganz genau so aus in den 70ern und sie mussten nicht mal groß übertreiben. Das ist so eine... zu ihrer eigenen Persiflage geworden ist.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Es ist so geil.
Florian Bayer: Es ist einfach, es ist deutsches Fernsehen in der Unterhaltungsschule. Ja. Und auch hier schon ein bisschen missionär, weil so in den 80ern sollte das ja noch krasser werden. Aber es... Es trifft es ganz gut. Ich find's total geil, dass die Musik von Ken kommt, die Titelmelodie. Ken ist eine großartige Crowdrockband. Wenn ihr psychedelische Musik wollt, hört euch deutsche Bands der End-60er, Anfang-70er an. Kein Scheiß. Es gibt so krasse Bands, die so wirre, psychedelische, abgefuckte Musik machen, wie... Ken sind wahrscheinlich sogar mit die bekanntesten. Arm und Dühli sind relativ bekannt. Kraftwerk sind irgendwie daraus entstanden, bevor sie so das Elektrozeug gemacht haben, haben die auch da mitgemischt. Großartig. Es ist ein psychedelischer Trip. Es ist ein Fest für die ganze Familie. Und dann haben wir wirklich diesen Dieter Thomas Heck, Tino Ullenhorst, der... als Moderator mit unfassbar viel Charisma durch diese Sendung leitet.
Johannes Franke: Wahnsinn. Und so 70er, so unglaublich 70er. Es ist krass. Also ich mag es tatsächlich sehr, sehr gerne, was in diesem Studio passiert. Ansonsten muss ich sagen... Ich bin ja immer sehr gerne am Loben von Bildern und so für Kameramänner oder Frauen, die das ganz toll gemacht haben. es sieht aus wie ein Tatort der nicht so richtig gut gemacht ist Es ist eine WDR-Produktion aus dem Jahre 1970 und das sieht man den Bildern an.
Florian Bayer: Das ist traurig. Es funktioniert alles, was Mock ist. Das heißt, die Kamerabilder von den Interviewten auf der Straße funktionieren. Funktioniert so gut, ja. das Zeug im Studio funktioniert und die Werbung, die allerdings outgesourced wurde, die wurde nicht vom WDR selbst produziert, funktioniert auch hervorragend. Sobald wir in eine Krimi-Thriller-Handlung reinspringen, haben wir einfach deutsches Fernsehfilm-Niveau.
Johannes Franke: Ach Gott. Oh Gott, oh Gott. Und da denke ich echt zwischendurch, wenn die Story nicht so gut wäre, ich würde wieder abschalten.
Florian Bayer: Ich finde, es hat einen entscheidenden Vorteil. Und den würde ich jetzt mal reinwerfen. Weil... Also, ich hab's vorhin schon so ein bisschen angeteasert. Dieser Film hat einen großen Unterschied zu diesen ganzen anderen Filmen, die sagen ... wir machen eine Satire oder eine Dystopie über Unterhaltung mit dem Tod.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieser Film hat kein subversives Element und keinen Helden. In all den großen Filmen Running Man, Menschenjagd, also das Buch von Stephen King. Tribute von Panem. Squid Games. Es gibt immer unseren Protagonisten, der subversiv ist. der das Ding auflöst oder der eine Revolution startet. Arnold Schwarzenegger killt am Schluss den bösen Moderator.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und in Menschenjagd fliegt der Contest und am Schluss mit dem Flugzeug ins Studio und alles explodiert. Und im Running Remake, Entschuldigung für die ganzen Spoiler. Von 2025 wird am Schluss die Revolution ausgerufen und unser Protagonist ist der strahlende Held, der das TV-System zum Einstützen bringt.
Johannes Franke: Okay, krass.
Florian Bayer: Dadurch, dass das hier alles so bieder und so trocken inszeniert ist, dieses Alltägliche, findet das nicht statt. Es ist einfach normal. Sie sagen, es ist die, keine Ahnung, was sagen Sie, die neunte Show oder so?
Johannes Franke: Nein, das ist 15.
Florian Bayer: 15. und es haben mehr überlebt. Er ist nicht der Erste, der überlebt. Es haben davor...
Johannes Franke: Acht Leute sind gestorben.
Florian Bayer: Acht Leute sind gestorben, das heißt, es ist tatsächlich fast eine 50-50-Chance, wenn wir davon ausgehen, dass unser Judo-Kämpfer, der im Studio ist, definitiv abkratzen wird.
Johannes Franke: Ja, bin ich ziemlich sicher.
Florian Bayer: Es ist eine Fifty-Fifty-Chance zu überleben. Unser Kandidat hat nichts Besonderes. Der ist kein Held, der ist kein Actionstar. Und der ist die ganze Zeit nur ängstlich und am Fliehen und würde sowieso nicht weit kommen, wenn ihm die TV-Produktion nicht helfen würde und die Samariter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dazu passt diese trockene Inszenierung. Und vor allem, sie sorgt dafür, dass wir uns nicht davon reinziehen lassen. Du guckst Running Man. und denkst so, ja, das ist eine Satire auf das Showgeschäft. Und du guckst, denkst aber, geile Unterhaltung. Los, Arnie, prügel auf sie ein und so. Und das kann in diesem Film nicht passieren, weil alles so lahm ist. Ja, das stimmt. Es ist ein Vorteil. Und es klingt so ironisch, wenn ich das so sage. Es ist gar nicht so ironisch gemeint. Es ist ein Vorteil, dass das alles so bieder inszeniert ist, weil dadurch hast du keinerlei Faszination für die Jagd oder für die Flucht.
Johannes Franke: Das stimmt, wirklich, ja. Ich finde, das hat der Film aber auch wahnsinnig gut gemein mit dem Buch. Also die Vorlage, das ist ja auch dieser... Es wird so oft wiederholt, dass er der Everyman ist. Dass er derjenige ist, der als Stand-in für das Publikum da ist. Und das Publikum ist kein Held. Keiner von denen. Wir sind alles ganz normale Menschen. Unter Jagdbedingungen machen wir alle die gleichen Scheißfehler und sind genauso bland und scheiße und schlecht und versuchen irgendwie uns da durchzuburschteln. und brechen in der Wohnung, weinen zusammen. Ja. Das ist halt so.
Florian Bayer: Ich finde es ganz toll, dass er dazwischen einfach nur Kaninchen in der Falle ist. Genau. Ängstlicher Blick. Ja. Er weiß nicht, was er machen soll. Er reißt den Boden auf und stellt fest, das bringt nichts.
Johannes Franke: Und es ist geil, weil ich fand es auch einen tollen Moment im Film, aber auch im Buch. Wie jemand anruft und sagt, ich hab da gewohnt, da hinter diesem Dingens, da ist das Fenster, da kannst du raus. Der hätte keine Chance gehabt, wenn nicht zufälligerweise dieser Mensch, der da gewohnt hat, das gesehen hätte und angerufen hätte. Der ist einfach völlig unfähig, dem zu entkommen. Und er ist realistisch.
Florian Bayer: Ja, und er schlägt auch nicht zurück. Diese Actionhelden, die wir in diesen anderen dystopischen Filmen haben, die schlagen irgendwann gegen das System zurück und mindestens einer von den Jägern kommt zu Fall. Das steht hier gar nicht zur Debatte. Das ist hier überhaupt keine Option. Hier ist ganz eindeutig, wer Jäger und Gejagter ist. Und dieser Typ ist kein Killer. Er kann einfach nur wegrennen.
Johannes Franke: Ja. Und ist so krass, weil am Ende uns diese ganze, wenn du sagst, bei Running Man explodiert er irgendwie einen Haufen Zeug dann am Ende oder der Typ wird umgebracht. Du hast keine Katharsis am Ende. Der stirbt nicht, was irgendwie was sagen würde. Aber er ist auch nicht unverletzt, sondern er ist einfach in einem Zwischenzustand, in einem Schockzustand und wir wissen überhaupt nicht, wir hängen in der Luft am Ende, was mit ihm ist. Und deswegen ist das auch so über den Film hinaus stark, weil ich da länger drüber nachdenke, als wenn es abgeschlossen wäre für mich.
Florian Bayer: Genau, Le Prix du Danger, die zweite große Verfilmung von Price of Peril. Aus Frankreich lässt unseren Kandidaten nach und nach die ganze TV-Sendung hinterfragen und er stellt fest, dass da ganz viele Gericks sind. und sagt dann irgendwann, das sind Betrüger und so weiter. Und ihre Reaktion darauf ist, ihn klein kriegen, indem sie verkaufen, dass er verrückt geworden ist. Und dann gibt es auch eine bedrohliche Situation im Studio, wo wir den Moderator bedrohen, am Schluss wird er in in einer Zwangsjacke abgeführt. Das ist auch zynisch und auch düster, aber ich finde das hier viel deprimierender. Weil du weißt einfach, es ist alles so gelaufen, wie sie es wollten.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Showmaster ist zufrieden. Der TV-Produzent, den wir immer wieder dazwischen sehen, ist zufrieden. Unser Kandidat hat es geschafft. Die Köhlerbande kriegt auch ihre kleine Belohnung. Der nächste Kandidat steht bereit. Und wird als nächstes gejagt. Und es werden noch sehr viele Menschen erschossen werden. Und sehr viele Menschen überleben. Und es ist einfach, das ist das Fernsehprogramm.
Johannes Franke: Das ist krass. Das entwickelt dadurch einfach eine Kraft, die sonst nicht da wäre.
Florian Bayer: Es macht es wirklich so düster und deprimierend, weil es kein subversives Element in dem Ganzen gibt. Vielen Dank. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir?
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo.
Florian Bayer: Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurück...
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.musmansehen.de und Florian.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes!
Florian Bayer: Und das funktioniert halt auch nur, wenn du so einen schwachen Protagonisten hast, um den Namen einmal zu nennen. Unser Lotz, unser Bernhard Lotz wird gespielt von Jörg Plever, der jetzt kein charismatischer Schauspieler ist, der keine große Ausstrahlung hat. wirklich so ein Nobody ist.
Johannes Franke: Der ist halt ein Everyman, genau. Das ist wirklich der Typ aus dem Volk.
Florian Bayer: Und der auch offensichtlich keine großen Schauspielrollen danach hat, abgesehen von Synchronisationen von Crew Pig Films. Was Stanley Kubrick gesagt hat, oh die Stimme mag ich, den will ich. Das ist kein besonders guter Schauspieler, aber der passt so perfekt da rein.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: In dieser Ängstlichkeit. nur gehetzt.
Johannes Franke: Das, was er macht, macht er finde ich gut. Für das, was es sein soll, ist es einfach ein wirklich guter Schauspieler. Also es ist jetzt nicht die große Meisterleistung, aber ich glaube, wenn es eine Meisterleistung wäre, hättest du wieder eine andere Baustelle aufgemacht, die du gar nicht gebrauchen kannst in dem Film.
Florian Bayer: Du guckst natürlich drauf und denkst, bei so einem Actionfilm oder Thriller hat er seine Stunts selbst gemacht. Aber in dem Moment denkst du halt einfach die ganze Zeit, kommen die irgendwann Stunts?
Johannes Franke: Weil er rennt halt, ne?
Florian Bayer: Und das Schlimmste, was er macht, ist aus einem Meter Höhe mal runterspringen.
Johannes Franke: Ja, genau, genau, das war's.
Florian Bayer: Das mache ich auch. Ich bin körperlich nicht in Topform, aber das würde ich auch spielen. Und das, ja, natürlich, das hat keinen Thrill, das hat keine Suspense.
Johannes Franke: Aber ich finde, dass der Film natürlich auf völlig anderer Ebene das wiederherstellt. Der Film schafft es durch seine Dramaturgie, durch seine immer wieder Einsprängsel. Zurück ins Studio, zurück dahin. Wir machen dieses Interview und wir machen das und wir begleiten das, die Spielshow, wie halt einfach die Hitparade. Es ist so krass, weil die auch gute Ideen haben, wie sie das unterfüttern können. Dann ist dieses Interview mit der Mutter. Meine Fresse. Und Thomas Heck ist ja nicht so, dass er in die Falle tappt, das Ganze auch noch zynisch zu spielen. Nein, er ist interessiert an ihr, fragt sie, wie ist das, wie ist das und wie sie da reagiert und wie sie auch nicht... einfach zusammenbricht vor Verzweiflung, sondern einfach sagt, ja, ich hoffe, er schafft das noch. Also... Nicht unrealistisch ungerührt davon, aber eben auch nicht so, wie ich eigentlich wahrscheinlich reagieren würde, indem ich einfach völlig verzweifelt zusammenbrechen würde und sagen würde, Leute, was macht ihr?
Florian Bayer: Wir haben ja noch so ein zweites Interview im Studio, wo er diese grabe Samariterin hat, die mit den Rauchbomben die Killer abgelenkt hat.
Johannes Franke: Und die ist auch so gut.
Florian Bayer: Die ist so spannend, weil sie ist ja wirklich offensichtlich emotional gerührt und es wird nicht so genau thematisiert, warum. Und was da ist. Aber irgendwas ist komisch. Sie fühlt sich unwohl. Und er zieht sein Moderatorenprogramm durch. Wozu auch gehört, dass er auf ihr Unwohlsein eingeht und versucht sie zu beruhigen. Es ist eine super intensive Szene. Es ist vielleicht sogar die spannendste, unangenehmste Szene im Film. Weil es so angespannt ist.
Johannes Franke: Total. Und wir wissen gar nicht genau warum. Nein. Wir wissen gar nichts über ihren Background. Sie versucht diesen Typen zu schützen, der das mit den Rauchbomben irgendwie mit eingefädelt hat. Mein Eindruck war, sie hat eine Affäre.
Florian Bayer: Ja, genau, so wirkt es auf mich auch. Es ist unangenehm, da aufzutreten, aber sie macht es, weil es einfach die Show ist. Genau. Du musst auftreten. Genau.
Johannes Franke: Genau, ja. Und sie macht das toll. Ich glaube, sie ist die von einem Herz und einer Seele, die Schauspielerin.
Florian Bayer: Womit sich der Kreis so ein bisschen auch zu unserem Autoren Wolfgang Menge schließt, weil er ist tatsächlich die Gottfrau. auf Herz und eine Seele. Das ist sein großes Ding. Er hat diese Serie entworfen, 1973 bis 1976. Krasses Teil. Ekel Alfred, wer... den 70ern, 80ern, 90ern deutsches Fernsehen geguckt hat, ist bestimmt mal drüber gestolpert.
Johannes Franke: in den 90er-2000ern Fernsehen geguckt und bin auch drüber gestoppert, weil es immer wieder Reruns gab davon. Und man auch schon merkte, okay, das ist an der Zeit entstanden. wo ich vielleicht, keine Ahnung, habe ich keinen Bezug mehr zu diesem Typen.
Florian Bayer: Deutsche Kultserie, in der sehr oft das N-Wort fällt. So habe ich es in Erinnerung.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Und das Ding hat aber zwei Staffeln und die zweite Staffel ist nach der vierten Folge abgesetzt worden, Und in der zweiten Staffel wurde dann diese Rolle nicht mehr von Elisabeth Wiedermann gespielt, sondern von Helga Feddersen, aber eben nur für diese vier Folgen. Aber ich fand sie ganz toll und ich habe auch beim Gucken nicht genau einsortieren können, woher ich sie kenne und dann ist es mir irgendwann aufgegangen. Und sie ist wirklich, wie du sagst, das ist fast eine der spannendsten und krassesten Szenen in diesem Film. Ausgerechnet diese Szene, die mit dem Rest des Films nichts zu tun hat. Aber sie macht das einfach so gut. Also sie ist wirklich eine tolle Schauspielerin.
Florian Bayer: Weiter, was so O-Töne betrifft, wir haben natürlich diese Straßenszene, wo die Menschen, die Bürger von nebenan interviewt werden und sehr unterschiedlich Sachen sagen. Also einer sagt, sehr modern, ganz prima, ausgezeichnet.
Johannes Franke: Es gab, ich glaube, nur vier Schauspieler, die eingeweiht waren. Der Rest waren Bürger von der Straße, die dazugekommen sind und mitreden wollten.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ja, soweit ich das recherchieren konnte, ist das tatsächlich so entstanden. Der Regisseur hat darüber geredet. Das muss wohl wirklich, die haben die Leute eingeweiht, die vier Schauspieler, die haben dann immer mal wieder so Sachen reingeworfen, die besonders krass waren, die sonst niemanden. gesagt hätte. Und ansonsten wollten einfach Leute mitreden und dabei sein und irgendwie auch eine Meinung dazu haben. Weil es alles nach einem Interview auf der Straße aussah.
Florian Bayer: Ja, mich interessiert das nicht. Hauptsache es ist spannend.
Johannes Franke: Ja, genau. Genau sowas, weißt du. Und die wissen gar nicht, wovon die da reden.
Florian Bayer: Das erinnert mich an, ich glaube es war Jimmy Kimmel, einer von den amerikanischen Late-Night-Talkern hat das gemacht, dass er... Leute, Redakteure oder Redakteurinnen auf die Straße geschickt hat, die Leute interviewt haben und ihnen dann Fragen gestellt haben zu Dingen, die nicht existierten. Also wie findest du diese Band und diese Band und du willst dich natürlich nicht als Unwissen bloßstellen lassen und deswegen antworten die Menschen dann und tun so, als ob sie das kennen würden. Ich finde diese O-Töne total toll, weil sie haben einfach auch die 70er Jahre Straßeninterview-Vibes. Und es ist natürlich keine Spannung drin oder so, aber es hat so was, es hat was Authentisches, weil es halt einfach die 70er in all ihrem Glanz ist, so wie die Leute angezogen. sind, wie die Frisuren sind. Es ist einfach wunderbar.
Johannes Franke: Aber ich finde auch wirklich, dass sie tolle Sachen sagen, muss ich sagen. Also wirklich gut zusammengeschnitten, gute, tolle Sachen, die da zusammenkommen, weil man ein so authentisches Bild irgendwie bekommt.
Florian Bayer: Sie machen ja auch in diesen Interviews dann das Thema des Aussteigens auf, dass man durchaus aussteigen kann während der Show, wenn man Angst hat zu sterben. Und Bernhard thematisiert das ja auch. Wenn er bei der Frau im Auto ist, redet er mit ihr über den Aussteiger, der sich umgebracht hat danach.
Johannes Franke: Ja, weil er den Schmach nicht ertragen konnte von der Gesellschaft, der dann rüberkam. Wahnsinn.
Florian Bayer: Und das ist so ziemlich klar, nein, wenn du da drin bist. Du Millionen Leute gucken zu. Krass, krass, krass. Du kannst nicht aussteigen.
Johannes Franke: Das finde ich auch krass, also dass man dann eben so geächtet auch gesellschaftlich ist, wenn man da irgendwie dann sich das nicht durchzieht. Ja. Und das nicht einfach dann alle sagen, ja natürlich, verstehe ich, hätte ich auch nicht durchziehen können, sondern alle sagen, buh, Affe, Gorilla. Furchtbar.
Florian Bayer: Ja, krass. Ich finde es tatsächlich ziemlich gut, dass die Sendung so inszeniert ist, dass die Mehrheit des Publikums mit kleinen Ausnahmen auf der Seite von Bernhard ist. Es wird ja immer wieder gesagt, es gibt diese Samariter, die ihm helfen. Und jetzt unabhängig davon, wie viele davon von der Produktionsfirma eingepflanzt sind, was nicht so 100% klar ist, ist es ganz eindeutig, die meisten Menschen wollen, dass er überlebt und helfen ihm auch gerne dabei. Auch der Moderator will, dass er überlebt und hilft ihm gerne dabei. Was es nicht weniger zynisch macht, weil ja klar ist, allein, dass sie Teilnehmer davon sind, dass sie ihm helfen. Dadurch machen sie ja eine Aussage zu dieser Show und sagen, ich unterstütze das System.
Johannes Franke: Wenn mir jemand begegnet, der gejagt wird, egal ob das in einer Spielshow ist oder nicht, dann versuche ich doch zu helfen.
Florian Bayer: Ja, die helfen ja auch nur, weil sie wissen, dass das die Show ist. Sie wissen, wo er ist. Sie gucken das im Fernsehen und sagen, jetzt müssen wir aufstehen, jetzt müssen wir LKW-Fahrer los, um ihn zu schützen. Ich finde, es hat so eine zynische Komponente, weil alle sind auf seiner Seite. Oder fast alle. Es gibt ja so ein paar Ausnahmen. Und alle sind auf seiner Seite, aber trotzdem alle wissen, dass er kurz davor ist, getötet zu werden. Und niemand sagt, ey, ich zeige, dass ich auf seiner Seite bin, indem ich sage... Hört auf mit dem Scheiß, lasst diesen armen Mann in Ruhe.
Johannes Franke: Das stimmt, also das hat niemand gesagt, das ist krass. Beziehungsweise ein paar Leute im Straßeninterview, so eine realistische Menge, die dann ab und zu mal sagt, ja, irgendwie finde ich das Konzept nicht so geil, könnte damit vielleicht, also ist das...
Florian Bayer: Ja, aber so richtig Widerspruch gibt es nicht.
Johannes Franke: Richtig viel nicht, nein.
Florian Bayer: Und das unterscheidet... diesen Film übrigens auch ganz toll von diesen anderen Filmen oder Büchern, die diesen Plot haben. In Running Man ist das ganze Publikum gegen den Gejagten. Weil der Gejagte wird als Krimineller verkauft von der TV-Produktion, die lügen dabei natürlich, weil er ist ein einfacher Arbeiter. Er wird als Krimineller verkauft und deswegen sind alle gegen ihn. Und er weiß, wenn er jemandem begegnet, die Chance, dass der ihm hilft, ist... Bei 5 Prozent, weil die meisten würden ihn verraten. Und das ist, glaube ich, meistens Auch bei diesen ganzen Menschenjagddingern, das ist beim Buch Running Man so, das ist beim Schwarzenegger-Film so, das ist bei dem neuen Running Man so. Und ich finde es viel spannender und auch tatsächlich viel düsterer, wenn das Publikum auf seiner Seite ist, aber nicht das System angreift, sondern eben ihm halt nur in diesen kleinen Dosen hilft.
Johannes Franke: Ich würde gerne ein, zwei Zitate aus der Originalgeschichte bringen, weil die im im Film auf ihre eigene Art und Weise wiederkommen. Ja. Es gibt eine Stelle, wo es heißt The brilliant blue-green water became cloudy with blood. Which photographed well on Color TV. Wie krass. Was für ein Satz ist das? Wie krass. Und deswegen finde ich die Storys so gut, weil die ganz oft solche krassen Sätze drin hat und die sich eben hier im Film wiederfinden, in dem jemand sagt, Ja, bring ihn halt wenigstens zum Fenster, dann sehen wir ihn, wie er umgebracht wird.
Florian Bayer: Es ist so wichtig, wir haben die Kameratechnik der 70er Jahre, der frühen 70er Jahre. Das heißt, die haben keine Drohnen oder sowas, die dem Kandidaten mitfliegen. Die haben wirklich ein Kamerateam und sie brauchen irgendwie diese guten Bilder. Und Also ich meine ganz ehrlich, die Show versagt komplett dabei, die guten Bilder zu produzieren.
Johannes Franke: Und ich sage die ganze Zeit, 24 Teams, ich glaube, ihr braucht noch mal dreimal so viel, um das irgendwie alles hinzukriegen. 24 ist echt untertrieben.
Florian Bayer: Aber das ist natürlich auch so ein generelles Suspension-of-Disbelief-Film. Es ist merkwürdig, dass die Köhler-Bande ihn so schnell immer wieder aufspürt.
Johannes Franke: Ja, aber was ja auch eben Teil des Ganzen ist, was ich auch so krass finde, was auch in der Story sich sehr stark widerspiegelt und auch erzählt wird über die ganzen... Die Vorgeschichte, in welchen Spielshows er schon vorher war, wo er sich hochgearbeitet hat in dieser Variante... Dass das alles rigged ist, natürlich. Der Sender ruft bei der Köhlerbande wahrscheinlich an und sagt übrigens, es wird gerade nicht besonders spannend, geht mal darüber, damit das Ganze wieder interessant wird. wird. Es springen gerade 200.000 Leute ab vorm Fernseher. Also, puh.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich, genau. Und deswegen ist auch diese Annahme, dass der Sender ihm ganz aktiv mithilft und wir sehen ja immer wieder diesen Blick hinter die Kulissen. Ja. Und wir haben ja auch immer wieder diesen TTV-Chef, der das ganze Ding leitet und lenkt. Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte. Moulian, der von Friedrich Schütter gespielt wird. Das finde ich ziemlich gut macht, der nicht so oft vorkommt. Wir merken einfach... Sie müssen ja irgendwie ein Unterhaltungsformat machen. Das heißt, es hilft nichts, wenn der Kandidat am ersten Tag erschossen wird. Weil dann haben sie echt viel verschwendet. Und dementsprechend heizen sie ihn entsprechend ein und dementsprechend werden sie auch sehr viele Leute haben, die irgendwie unterstützen.
Johannes Franke: Was glaubst du, wie oft das Fernsehballett auftreten muss, damit das ausgeglichen wird?
Florian Bayer: Oder unsere Schwansee-Ballett-Tänzerin.
Johannes Franke: Oh ja.
Florian Bayer: What the fuck? Was haben Sie sich bei dieser Szene gedacht?
Johannes Franke: Ich find's vor allem geil, wie die reagieren da drauf in der Regie. Boah, das ist ja auch schon ein alter Hut, ne? Also das geht ja gar nicht. Und dieser Hack, der macht das ja auch, das gibt es ja nicht. wie die darüber herziehen, muss ich sagen, wenn man ein kleines bisschen Einblick hat, hinter Kulissen von sowas, Unglaublich realistisch.
Florian Bayer: Das ist so schrecklich. Und genau genommen ist die Show, die sie auf die Beine stellen, damit ist ja wirklich absurd. Ja, natürlich. Ja, es wird jemand getötet in dieser Show, aber wir haben die ganze Zeit dieses Ballett. Dann haben wir diese zwei großen Musical-Auftritte. Zum einen die Schwanenseesängerin, die die ganze Zeit von ihrem neuen Partner fallen gelassen wird, weil der es irgendwie nicht so wirklich drauf hat.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese Sängerin, die Hut of Soul, eine niederländische Gruppe. Ja, ja. Sehr schön, auch so großartig Privatfernsehen antizipiert. Niederlande war ja der große Ort des Privatfernsehens. Die einen Song singen, der offensichtlich nicht von ihnen ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese Werbeeinspieler. Stabil Elite, der große Sponsor der Sendung.
Johannes Franke: Da möchte ich auch ein Zitat aus dem Buch gerne haben. Es wird beschrieben, wie unser Held es schafft. Jemandem noch ein Atemgerät wegnimmt und dann heißt es, that did it. Radar surfaced and presented the treasure at the standby boat – Und er sollte den Schatz aus dem Wasser holen. Und dann, it turned out to be a package of fair lady songs. The greatest treasure of all.
Florian Bayer: Das finde ich wirklich geil. Das finde ich auch in der Vorlage tatsächlich ein bisschen... Also deutlich witziger und deutlich übertriebener als in diesem Film. Jetzt in dem Film haben wir ja diese zwei Vorsendungen. Und in der Vorlage muss er noch als Stierkämpfer irgendwo auftreten, dann... Krass. Muss er mit anderen Kandidaten nach diesem Schatz tauchen und wie gesagt, sie kämpfen dann auch gegeneinander und er bringt dabei offensichtlich jemanden um.
Johannes Franke: Also vor allem, weil das so unvermittelt plötzlich auftaucht, dass diese Werbung da immer wieder dazwischen gleicht. Und halt auf eine andere Art und Weise als beim Film, weil natürlich in schriftlicher Form ist das nicht so. Und hier ist es in einem Nebensatz, der aber so reinhaut.
Florian Bayer: Es ist wirklich bitter. Es ist so zynisch. Großartige Stelle im Buch. Aber ich mag auch die Werbung im Film.
Johannes Franke: Total, absolut.
Florian Bayer: Vor allem, weil man merkt, dass es nicht vom WDR ist, weil so bieder diese Show teilweise ist, so wild ist diese Werbung. Ja. Für die Antibabyspritzer, ganz am Anfang, wo die nackte Frau da liegt und dann kommt die Spritze und sie sagt, oh, und jetzt darfst du einen Monat lang Sex haben.
Johannes Franke: Oh, das ist so krass.
Florian Bayer: Vor allem, weil es alles so sexualisiert und so wie so grün ist.
Johannes Franke: Das ist so sexualisiert.
Florian Bayer: Und auch dieses Potenzmittel, wo du ganz lange nicht kapierst, wofür machen die gerade Werbung. Diese Bilder, Monte Carlo, bam!
Johannes Franke: Ich denke die ganze Zeit, das ist irgendein Shot oder so, also ein Alkohol, weißt du? Das ist ja geiler, das ist ja Potenzmittel.
Florian Bayer: Und dann am Schluss sagen sie vor allem das Potenzmittel, damit die Frau und der Mann ordentlich ficken können und wirklich Lust haben. Und am schrägsten aber diese Diätpille, wo wir diesen komplett düren Mann haben, der gefüttert wird mit einer Pille nach der anderen.
Johannes Franke: Also es ist schon wirklich sehr absurd und ich finde es toll, weil das so ein, ich weiß nicht, das reißt raus, wie Werbung soll.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Und es ist ein völlig anderer Stil, wie du sagst, zum Rest des Films. Und es macht total Sinn, dass es jemand anders hergestellt hat statt das WDR. Das wusste ich gar nicht so richtig.
Florian Bayer: Und auch hier nochmal das Visionäre daran, die wussten nicht, wie Werbung aussieht, die wussten nicht, wie Werbung Sendungen unterbricht, weil das haben die nicht gemacht.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Werbung durfte, es gab Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, es war verboten, diese Werbungssendungen unterbrechen zu lassen. Ja. Du durftest Zwischensendungen auch so sehr konkret zu diesen Uhrzeiten und dann maximal ein Spot und so.
Johannes Franke: Aber es gab es woanders auf der Welt durchaus und deswegen konnte man da durchaus mal... Linsen rübergucken. Wie machen die das denn?
Florian Bayer: Ich finde, die ist sehr gut platziert. Die macht das Ganze nochmal so ein bisschen trippiger. Also Wir haben ja auch diese 70er-Jahre-Biedernis mit drin. Also gerade so in den Fluchtszenen und auch in den Menschen, die wir sehen. Aber dann haben wir dieses Abgefuckte, dieses Trippige, dieses Fernsehballett und vor allem eben auch diese wilde, absurde Werbung.
Johannes Franke: Ja, total krass.
Florian Bayer: Und du willst auch, wenn du tot bist, schön aussehen. Schönheit für den Himmel.
Johannes Franke: Absolut, das ist ja auch das Wichtigste am Ende, dass du dann auch gut aussiehst. Es gab so ein kleines bisschen ein Problem, wie du am Anfang erwähnt hast. Das Ding ist einmal gelaufen und dann stellte jemand fest, Moment mal. Ich habe meine Rechte an dieses Teil nicht verkauft. Wie kommen die dazu? Und der Sender hat, also WDR, das WDR hat das gekauft vom Goldman Verlag und die hatten aber die Rechte gar nicht, die haben die einfach verkauft.
Florian Bayer: Der Goldman Verlag war der Übersetzer. Die haben das deutsche Buch veröffentlicht. Der WDR hat gedacht, oh ja, die sind doch verantwortlich. Und Goldman hat gesagt, ja, gibt's Geld?
Johannes Franke: Nehmen wir, nehmen wir. Und Und ich habe nirgendwo gefunden, ob sie das Geld wieder zurückgeben mussten. Ja, keine Ahnung. Ich habe es leider nicht gefunden.
Florian Bayer: Vielleicht hatten die auch irgendwie so Pakete oder sowas gekauft und da warst Teil davon.
Johannes Franke: Auf jeden Fall hat dann Joseph Cates, großer Produzent in den USA, gesagt, Leute, was macht ihr da? Mhm. Und dann hat er das wirklich erklagt und hat in Frankfurt am Oberlandesgericht, wie man das so kriegt, 1977 Recht bekommen. Also sieben Jahre später erst. Ja. Und das Ergebnis ist halt ein weltweites Sendeverbot.
Florian Bayer: Ja, das Ding wurde zweimal im deutschen Fernsehen übertragen.
Johannes Franke: Genau, in den 70ern.
Florian Bayer: Und das Geile ist daran, daran erkenne ich, wann ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe. Aha.
Johannes Franke: Nach 2002.
Florian Bayer: Es muss am 8. Juli, also ich muss mindestens 20 gewesen sein, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe. Ich kenne den Film. Ich habe den gesehen und am 8. Juli 2002 haben sie es endlich geschafft, das Ding zu klären. Die Rechte neu zu erwerben.
Johannes Franke: Und relativ günstig für ein paar tausend nur. Ja. Also anscheinend ist das richtig gut gewesen. Das Studiokanal hat die inzwischen gehabt, die Rechte. Da gab es Verbindungen und so und da konnte man einfach mal easy nachfragen, quasi unter Redakteuren anklopfen, einmal rübergehen und fragen.
Florian Bayer: Ja, deutsches und französisches Fernsehen verstehen sich erstaunlich gut.
Johannes Franke: Erstaunlich gut, ne?
Florian Bayer: Und dann wurde das Ding endlich... wieder der Öffentlichkeit freigegeben. Und es hatte davor so ein bisschen Kultstatus, weil es halt auch einfach so Lost Media war. Jeder wusste, es gibt diesen Fernsehfilm, das wusste nicht jeder. Die Nerds wussten, es gibt diesen Fernsehfilm. Die Nerds wussten, dieser Fernsehfilm ist zwölf Jahre älter als Running Man von Stephen King, Menschenjagd.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und 15 Jahre älter als Running Man, der Film mit Arnold Schwarzenegger.
Johannes Franke: Ja. Und das ist eine Zeit, wo man sich gegenseitig VHS-Kassetten gegeben hat. So heimlich an der Ecke. Hier, guck mal, was ich hier habe. Verboten.
Florian Bayer: Und Gott sei Dank haben sie das freigekämpft, weil ich finde, dieser Film ist tatsächlich... Wenn ich dieses Paket sehe, Menschen werden gejagt im Film, ist das der Beste.
Johannes Franke: Echt, ja? Ich muss sagen, ich kenne nicht viele Filme, die so gestrickt sind.
Florian Bayer: Ich meine jetzt vor allem vor allem in diesem sehr konkreten Running Man-Ding. Also alles, was irgendwie von Price of Peril inspiriert ist, und ich weiß gar nicht, ob Stephen King jemals gesagt hat, dass er von Price of Peril inspiriert wird.
Johannes Franke: für seine Menschenjagd. Ich glaube, das hat er zu ihm irgendwann gesagt.
Florian Bayer: Ich hoffe es doch, weil es ist wirklich so offensichtlich das Gleiche. Es ist das Beste, weil es eben auf den Helden verzichtet. Und es ist unterhaltungstechnisch nicht das Beste. Unterhaltungstechnisch würde ich... Also wenn ich einen Film zehnmal am Stück gucken soll, dann würde ich jederzeit den Arnold Schwarzenegger 1987er Film nehmen. Ohne Scheiß, ein wirklich guter Film. Ein wirklich unterhaltsamer Film. Der nicht gut weggekommen ist bei der Kritik. Ja. Peak Schwarzenegger, ne? So zwischen Predator und Twins Zwillinge, als er der große Actionheld war. Mhm. Mit großartiger Musik von Harold Foltermeyer, der den Beverly Hills Cop gemacht hat. Okay. Egal, großartige Musik. Das ist der unterhaltsamste. Aber dieser Film ist der zynischste und bitterste, weil er eben... diese Alltäglichkeit von der Show zeigt, weil er keine Subversion drin hat, weil er keinen Helden hat. Weil er so tröge ist. Weil er deutsches Fernsehen ist. Das tut diesem Film wirklich gut.
Johannes Franke: Wir haben noch nicht über die Köhler-Bande geredet.
Florian Bayer: Didi.
Johannes Franke: Dieter Haller-Vorden. Meine Fresse.
Florian Bayer: Der damals noch kein Star war, ne?
Johannes Franke: Der nichts war damals, außer eben ein aufstrebender Schauspieler. Nonstop Nonsense war noch... Vor ihm. Also das hat erst irgendwann in den 70ern angefangen.
Florian Bayer: In der Kulturszene war er ein Begriff, weil er die Wühlmäuse 1960 gegründet hat. Ja.
Johannes Franke: Aber er war einfach nicht als der Schauspieler, Komiker so bekannt, der Slapstick-Komiker.
Florian Bayer: Sein Nonstop-Nonsense sollte 1975 kommen, diese berühmten Diddy-Filme 1980.
Johannes Franke: Und hier spielt er einfach ganz normal halt diesen Killer und ich finde, er macht das verdammt gut.
Florian Bayer: Dieter Hallervorden ist ein viel zu guter Schauspieler dafür, dass ich ihn nicht mag.
Johannes Franke: Wo magst du denn, Dieter Heiler? Wo soll ich anfangen? Ja genau, wo fängst du jetzt an?
Florian Bayer: Also Dieter Hallervorden spielt in diesem Film, um das erstmal zu sagen, in diesem Film grandios.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich habe die Til Schweiger Filme nicht gesehen mit ihm. Er hat ja diesen Alzheimer-Patienten. Ich hab Trailer zu diesen Filmen gesehen und hab gedacht, okay, jeder Mensch darf was, was Kunst betrifft, Vorurteile haben und sagen, es gibt... Dinge, die ihn davon abhalten, etwas zu sehen. Til Schweiger-Filme gucke ich mir nicht an.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und ich weiß, es ist ein totales Vorurteil. Vielleicht ist Honig im Kopf total schön. Wollte ich nicht gucken, aber im Trailer sah es auch aus, als ob Dieter Hallervorden verdammt gut spielen könnte.
Johannes Franke: Ja. Ich glaube auch, dass er ganz gut ist. Als Schauspieler wahrscheinlich wirklich ziemlich gut solide...
Florian Bayer: Er spielt das so gut, finde ich. Er hat diese so ein bisschen verrotzt. so ein bisschen clever, so ein bisschen zu, nicht zu selbstverliebt, aber so ein bisschen zu sehr von sich überzeugt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Das kriegt ja dieses... Und so dieser Möchtegern-Gangster, der halt da irgendwie reingerutscht ist, ich finde das ist Ich finde ihn richtig gut in diesem Film. Ich mag Dieter Hallervorden zum einen nicht, weil ich diesen Humor, mit dem er berühmt geworden ist in den 70ern, mit dem kann ich nichts anfangen. Also Nonstop-Nonsense ist mit das Schlimmste, was im deutschen Fernsehen niemals gelaufen ist. Ich finde, wenn man einen Song macht, der die Badewanne ist voll heiß. Auf die Melodie von You're the One von Grease. Dann gehört man gesteinigt.
Johannes Franke: Und wenn man jetzt ein bisschen horcht, was er teilweise sagt.
Florian Bayer: Der ist irgendwann, irgendwann hat, da ist er durchgeknallt. Also Hallervon war schon immer so ein bisschen eine Kuriosität in diesem linken Kabarett, weil er war ja ein großer... großer politischer Kabarettist, weil er eher ein Liberaler war. Er war nicht so, er war der FDP-Typ. Er war nicht so der Linke. Aber damals war die FDP ja auch noch irgendwie, also Anfang der 70er oder in den 60ern war es keine Schande auf der Seite der FDP zu stehen. Das hat sich vielleicht auch ein bisschen geändert. Ganz viele Sachen, die er heute sagt. Ganz krass war ja diesen Song, den er zu seinem Geburtstag gemacht hat. Ich glaube zu seinem 18. Da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie verrückt er geworden ist. Wo er... so alles so ein bisschen so an Verschwörungstheorien, was es gibt, raushaut. Und dann hat er sich sehr, sehr viel gegen das Gendern Ja. Das ist kein Grund, ihn zu hassen, aber es ist so, wirklich ein 80-jähriger weißer Mann, der gegen das Gendern ist, wow, wie überraschend.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Er war auch immer ein bisschen, also Provo war auch immer so sein Ding und er hat das Gefühl, er kann, wenn man gegen den linken Zeitgeist ist, provozieren heute auch. Wow, wie überraschend. Das ist einfach so lame. Ich hasse ihn nicht mal. Er hat einfach so lame Boomer-Positionen, die wirklich einfach tröge sind.
Johannes Franke: Und ich muss sagen, ich war ja bei der Premiere seines zusammen Geburtstags, ich glaube so am 90. Geburtstag. Wo er den eingebildeten Kranken nochmal inszeniert hat.
Florian Bayer: Das ist ganz frisch, oder?
Johannes Franke: Das ist ganz frisch und hat mit dem eingebildeten Kranken nichts mehr zu tun. Also nicht viel zumindest. Die Grundzüge mögen drin sein, aber eigentlich hat er das Ganze durchsetzt mit ganz vielen Zitaten aus seinem Leben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Alles, was mal erfolgreich war, Palim Palim sagt er nicht nur einmal, das sind Sachen, die einfach, er schlachtet das aus und ich muss sagen, nur um das einmal zu klären, Ich wünsche ihm alles Gute.
Florian Bayer: Ja, ja, klar, natürlich.
Johannes Franke: Was soll's.
Florian Bayer: Er ist eine Größe der deutschen Comedy-Szene.
Johannes Franke: Der Typ ist 90 und der soll auf der Bühne einfach das noch machen. rausholen können, was er rausholen kann.
Florian Bayer: Nein, das finde ich total beeindruckend. Er hat ja diesen Marathon-Film gedreht, der das ja auch so ein bisschen thematisiert, dass alle sagen, er ist zu alt und er kann eigentlich nichts mehr. Und er spielt einen Marathonläufer, der noch einmal so mit 80 zum Marathon antritt. Das war mit diesem Honig im Kopf parallel, so kurz danach oder so. Das finde ich total beeindruckend, dass er mit 90 das macht. Aber ich will es an dieser Stelle noch einmal sagen, die Tüte Ketchup ist nicht witzig. Die Tüte Pommes, das Glas Pommes ... Ich weiß es nicht mal mehr. Es ist nicht witzig. Der Palim-Palim-Sketch, den du gerade erwähnt hast. Was will er kaufen? Ich weiß es doch nicht mehr. Eine Dose Pommes? Ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Palim Palim ist doch überall aufgetaucht dann. Es gibt doch diesen Ur-Sketch, weiß ich doch nicht, was das ist.
Florian Bayer: Es ist so unwitzig und nonstop Nonsens. Ich weiß noch, mein Vater hat das gerne geguckt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hat mein Vater vom Fernseher gelegen und sich gekringelt. Das war zum ersten Mal, als ich verstanden habe, dass mein Vater ein Boomer ist. Ich habe damals mit süßen fünf Jahren gesagt, okay, Boomer. Nein, wirklich, es ist... Also, nein, Entschuldigung. Ich fahre nochmal eine Nummer zurück. Aber ich fand Nonstop-Nonsense nie wirklich lustig. Ich fand seine Filme auch nie lustig. Ja, okay. Und das ist halt das, wie ich ihn kennengelernt habe, als Didi Hallervorden. Nicht als der politische Kabarettist Dieter Hallervorden. Es kann sein, dass der mit den Wühlmäusen total krasse, coole Sachen gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, weiß man. Ich weiß es auch nicht genau. Keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich habe ihn leider nur als diese Fernsehfigur kennengelernt, die halt wirklich diesen albernen Slapstick macht, der nicht gut ist. Es gibt guten Slapstick. Das war meiner Meinung nach kein guter Slapstick. Und dann eben halt als den, der ab Ende der 90er, Anfang der 2000er politisch halt irgendwie so in Gefilde abgetrittet ist, die ich nicht nachvollziehen kann.
Johannes Franke: Naja. Aber gut, wir sind ja nicht für Gossip für Dieter Hallervorden hier.
Florian Bayer: Ja und nochmal, in diesem Film ist er grandios und ich sehe ihn und denke, man hätte dieser Mann in den 70ern vielleicht als ernster Schauspieler wirklich bestehen können. und wirklich gut bestehen könnten. Er ist echt gut.
Johannes Franke: Das ist vielleicht eine alternative, bessere Welt gewesen.
Florian Bayer: Vielleicht.
Johannes Franke: Naja, er hat auf jeden Fall eine der krassesten Lines in diesem Film, finde ich. Also nicht nur eine, sondern mehrere, weil er halt diese Gegenpositionen hat und dann diese Frau aus dem Hotel, die dann sagt, naja, mach doch auf. nur seinen Job, also wollte ich dem auch mal helfen. Wo man so denkt, was?
Florian Bayer: So geil, diese Verräter sind so aus dem Nichts. Und ich finde das ungerecht, dass dieser Bernhard, alle helfen dem, aber
Johannes Franke: Keiner hilft den Killer?
Florian Bayer: Die armen Killer? Kann nicht mal einer an den Killer denken?
Johannes Franke: Krass. Also da war der Film auch so ganz knapp am Umkippen, fand ich, weil das so unrealistisch wurde, dass diese Frau das so sagt. Naja, aber der Moderator der Außenwette, wollte ich gerade sagen, ich meine der Typ, der einfach die Köhlerbande nochmal interviewt, Und fragt, was wollen Sie denn sagen, wie viel ist denn da so drin? Und er so, das reicht für 20 Dicke. Wie viele Menschen kannst du damit umbringen im Grunde? Und er so sagt, 20 kann ich damit mindestens umnieten. Wie krass ist das? Die macht das auf eine Art und Weise, die einfach wirklich gut gemacht ist. Also Didi Haller Pforten macht das in dem Moment einfach. Ja.
Florian Bayer: Sehr, sehr gut. Sie haben ihn sehr natürlich als Chef der Banne inszeniert. Ja, genau. Es gibt dann ja auch den Moment, wo er sagt, jetzt hören wir aber mal auf mit dem Interview. Fragen mehr und ich muss hier meine Leute schützen so vor euch.
Johannes Franke: Und ich weiß ja, welchen Job ich nicht machen will, nämlich Ihren.
Florian Bayer: Sehr geil, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist total cool. Ich mag das sowieso auch, wenn es so diese Aggressionen gibt gegen die Fernsehvertreter. Auch wenn der nächste Kandidat der nächsten Sendung dann wirklich in so einem bisschen aggressiven Ton mit Dieter Thomas Heck redet und der dann sagt, können Sie mir mal Judo zeigen? Ich sehe nicht, was er macht. ihr überhaupt eine Bewegung dabei?
Johannes Franke: Ich finde aber, dass dieser Kandidat so realistisch ist. eingeführt wird, wo ich auch das erste Mal so fassungslos davor sitze, weil ich damit nicht gerechnet habe, dass dieser Film eine Form von Realismus erreicht. Das muss ja ein grandiosere Schauspieler sein, oder? Es muss jemand sein, der mit ihm improvisieren sollte und deswegen irgendwie so wirkt. Aber der wirkt wirklich wie so ein... entschlossener, aber inzwischen doch sehr nervöser und ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war. Ich muss jetzt aber allen sagen, dass ich das auf jeden Fall will.
Florian Bayer: Er wirkt so steif dabei. Ja. Nicht telegen, kein telegener Mensch. Großartig, wirklich gut gecastet. Ja, ganz toll. Und dann haben wir das große Finale. Das, was meiner Meinung nach und deiner Meinung nach ja anscheinend auch so dafür verantwortlich ist, dass die Menschen das für echt gehalten haben. Nämlich die Todesspirale im Studio noch einmal... durch die Dinger springen und da haben wir wirklich TV-Show-Atmosphäre komplett.
Johannes Franke: Dieses Konzept überhaupt. Das fand ich so krass. Ich hab gar nicht glauben können, dass dieser Film jetzt wirklich dieses Konzept aufmacht, dass da dadurch diese Röhre durch muss und drei Einschusslöcher sind, durch die man dann durchschießen kann und den erwischen kann. Wie perfide, wie schlimm ist das denn?
Florian Bayer: Und es ist wirklich böse inszeniert. Eine ganz großartige Szene, wenn Dieter Thomas Heck ihm zuruft. In die andere Richtung. In die andere Richtung. Wenn er angeschossen ist und offensichtlich so verwirrt und so kaputt, dass er in die falsche Richtung klettert. Und dann sagt Dieter Thomas Heck noch zu Didi Hallervorden, sie müssen jetzt nicht so gucken, ich darf das, ich muss das jetzt machen, ich muss dem jetzt helfen. Es ist wirklich, wirklich gut inszeniert. Also diese letzten fünf Minuten sind wirklich stark.
Johannes Franke: Und der Köhlerband auch nochmal so verbal die Hand gibt, schüttelt und den irgendwie nochmal, vielen Dank, haben Sie gut gemacht. Und so, weißt du, so ganz seltsame.
Florian Bayer: Sie kriegen ja auch einen Preis. Sie kriegen ja auch eine Belohnung. Sie kriegen den Trostpreis.
Johannes Franke: Und man denkt so, ach Gott sei Dank, ja. Sie kriegen auch was. Mann, das ist so ein zynisches Ding. Es gibt ja andere Filme, die Zynismus vor sich her tragen, die ich schwer ertragen kann. Wir haben über... There will be blood, ja. Und dieser Zynismus ist für mich schwerer zu ertragen als das, was ich hier gesehen habe. Ich finde hier... mach das mehr mit mir. Ich kann da mehr andocken und kann es auch lustiger finden.
Florian Bayer: Das ist interessant, weil WB Platt war ja ein Film, der unglaublich groß inszeniert war und vor allem auch schön inszeniert war. Selbst wenn man die Story total düster findet und so weiter, der hatte so viele schöne Momente. mit Sonnenaufgängen, Sonnenuntergängen, große Landschaften. Das Millionenspiel ist ja, wenn man es runterbricht, ein ziemlich hässlicher Film.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Das ist kein... Kein schöner Film, dieser Film hat keine Schönheit. Im besten Falle ist er mal irgendwie wildbunt, aber in den meisten Fällen ist er einfach hässlich.
Johannes Franke: Ja, aber irgendwie komme ich da, vielleicht auch, weil die Geschichte kleiner erzählt ist, Und weil sie direkt da am Menschen dran erzählt ist, komme ich da mehr rein?
Florian Bayer: Ich glaube, dieses Trockene spielt eine ganz große Rolle. Dass die Deutschen vor allem in den 70er Jahren kein Pathos, keine gewaltige Action, nichts Monumentales können, sondern halt alles... alles so sehr bieder wirkt.
Johannes Franke: Das haben wir uns bis heute ein bisschen rübergerettet.
Florian Bayer: Das haben wir uns bis heute rübergerettet.
Johannes Franke: Was jetzt nicht positiv ist unbedingt. Aber nein, ja gut.
Florian Bayer: Bei einem solchen Thema funktioniert es erstaunlich gut.
Johannes Franke: Ja, das stimmt schon.
Florian Bayer: Und wie gesagt, der Film hat deutlich mehr Tiefe als die andere Verfilmung von der Vorlage. Und deutlich mehr Tiefe als das ganze Running Man Ding, was ja aus einem Buch und zwei Filmen besteht mittlerweile.
Johannes Franke: Wollen wir uns in unsere Top 3 hineinflüchten?
Florian Bayer: Wir fliehen vor den Killern in unsere Top 3.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 mit dem Thema Kommerzialisierung des Todes. Ich habe es ein bisschen offen gelassen, in welche Richtung das geht. Im Kopf war ich relativ... bis ich dann angefangen habe zu recherchieren, was es denn da geben könnte. Und dann gibt es plötzlich dann doch recht viel.
Florian Bayer: Ich muss loslegen. Ich lege einfach mal los. Mein Platz 3 ist Rollerball aus dem Jahre 1975. Ein Eine Dystopie über eine Sportart, wo Leute quasi auf Rollschuhen eigentlich antreten und... Eigentlich ist es schon so ein Rugby ein bisschen härter, ein bisschen brutaler. Aber was dann die Macher von der Sportart feststellen, ist, dass die Zuschauer noch mehr einschalten, wenn sie es noch ein bisschen brutaler machen. Und dann wird nach und nach der Gewaltlevel erhöht, bis es halt wirklich zu einer tödlichen Sportart wird. Kleiner, träkiger Zeit. Düsterer Action-Thriller. Ganz großartig.
Johannes Franke: Ich hab auf Platz 3 Mann beißt Hund.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Ich habe ihn nie wieder gesehen. Wir haben ihn mal vor 20 Jahren gesehen ungefähr. Vor 20 Jahren könnte er hinkommen.
Florian Bayer: Das war ein WG-Film.
Johannes Franke: Du hast ihn uns gezeigt und ich war empört. Ich glaube, wir waren zu dritt empört. Es war einer der Filme, wo wir gesagt haben, Plora, wir vertrauen dir alle. Warum machst du sowas mit uns?
Florian Bayer: Es war immer meine liebste Reaktion, wenn die Leute empört waren.
Johannes Franke: Aber... Ich bin dem Nachrichten natürlich dankbar, aber es war in dem Moment wirklich hart, weil dieser Film wirklich hart ist. Es geht um einen Killer, der von einem Dokumentarfilm-Team begleitet wird, wie er als Serienkiller einfach seine Sachen macht. Und der ist wirklich, wirklich dreckig. Und natürlich ist es keine echte Dokumentation, sondern eine Mockumentary.
Florian Bayer: Aber konsequent Mockumentary?
Johannes Franke: Aber eben konsequent, sodass man wirklich alles darauf inszeniert hat, dass das aussieht wie ein ganz normaler Dokumentarfilm. Und dieser Typ dreht irgendwann durch. Und das Filmteam finanziert irgendwann die Morde, damit sie ihren Film fertigstellen können.
Florian Bayer: Sie werden einfach zu Mittätern. Und es wird sehr subtil und sehr langsam inszeniert, wie sie nach und nach von neutralen Beobachtenden zu helfen werden. Ja, sollten wir mal gucken. Das ist schon lange her, dass ich den gesehen habe. Mein Platz zwei ist der Film, der am besten da drin ist, uns damit zu konfrontieren, dass wir die Schweine sind. Funny Games. Der Film, der dem Publikum ins Auge guckt und sagt, ihr wollt es doch, oder? Jetzt foltern wir die Familien. noch ein bisschen mehr aus den Jahren 1997 von Michael Haneke. Wir haben auch im Podcast drüber gesprochen. Ein richtig böse, weil wir können uns dem nicht entziehen. Wir haben keinen Dritten, wo wir sagen können, ah, da ist das Publikum, das den Mord will, wie hier.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Sondern wir werden angesprochen. Wir direkt. Und es gibt keine Ebene dazwischen.
Johannes Franke: Ja, das war so eine Stelle, wo sich immer alle einig sind und ich dann immer irgendwie bei der Stelle habe ich gedacht, irgendwie fühle ich mich doch nicht so angesprochen, wie ihr das wollt.
Florian Bayer: Ja, es ist schwierig, wenn man mit seiner eigenen Schuld konfrontiert ist.
Johannes Franke: könnte genauso auf eins sein, wirklicher Banger, der dritte Mann. Wie der Typ... Der gejagt wird, der eigentlich, also ich weiß nicht, soll ich spoilern? Wir haben darüber geredet. Auf jeden Fall wird der Mann, um den es geht... lebt davon und macht richtig Asche damit, dass Kinder sterben, weil sie nicht das richtige Penicillin bekommen. Und das ist eine Kommerzialisierung und der Spiel mit dem Tod. in Kauf nehmen, dass Menschen einfach gnadenlos verrecken, weil sie nicht die richtige Medizin bekommen, weil er das Geld einfach einstreicht.
Florian Bayer: Ja, krass, cool.
Johannes Franke: Ein krasser, richtig guter Film. Plur war überraschenderweise nicht ganz so überzeugt davon, dass es das absolute Meisterwerk ist.
Florian Bayer: Der dritte Mann gehört zu den Klassikern, wo ich sage... Das war ein guter, unterhaltsamer Film. Ich verstehe tatsächlich nicht, warum der so krass abgefeiert wird. Es ist kein schlechter Film, es ist wirklich ein guter Film, aber warum er diesen Kultstatus hat und irgendwie in diesen Toplisten ganz weit oben auftaucht, ich versteh's nicht.
Johannes Franke: Ich finde es interessant, weil ich den Film zweimal geguckt habe und beim ersten Mal gucken habe ich dir recht gegeben, beim zweiten Mal gucken habe ich gesagt, nein, absolutes Meisterwerk.
Florian Bayer: Du hast ihn hier schön gesoffen. Das zählt nicht.
Johannes Franke: Hört euch gerne die Episode dazu an. Es ist wahnsinnig spannend.
Florian Bayer: Mein Platz 1, den ich dir vielleicht auch irgendwann mal geben muss, Videotrome von David Cronenberg, wo es um einen zynischen TV-Senderchef geht, der in Kontakt mit Snuff-Videos kommt und dann irgendwann ... dreht die Realität komplett am Rad und es ist ein düsterer Body-Horror. Der ganz gut zeigt, wie die Menschen verrohen durch den Konsum und wie die Gesellschaft verroht durch den Konsum von Gewalt und von Fernsehen im Allgemeinen. Großartiger Film.
Johannes Franke: Klingt wie ein Film für einen Podcast, bei dem ich nicht dabei bin.
Florian Bayer: Du wirst dich nicht anziehen können. Du kennst unser Konzept.
Johannes Franke: Oh nein! Okay, ich hab auf Platz 1 Monsieur Verdun.
Florian Bayer: Oh ja, Kommerzialisierung im wahrsten Sinne des Wortes des Todes.
Johannes Franke: Er ist derjenige, der Heiratsschwindler, der... Eine Frau nach der anderen heiratet, neben seiner eigentlichen sehr liebenden Ehe, Frauen hat, die Geld mitbringen in die Ehe. Und er bringt halt Mordwerkzeug mit in die Ehe und übernimmt das Geld, nachdem er die Frauen umgebracht hat. ist aber den ganzen Film über als der Sympathische, den wir folgen sollen und für den wir streiten wollen, inszeniert. Und auch darüber haben wir geredet und zwar sehr früh in unserer Karriere als Podcaster. Also das ist schon ein paar Jahre her jetzt.
Florian Bayer: Ja und das war krass, weil das war wirklich so Charlie Chaplin, Charles Chaplin, der ist ja sehr wichtig, dass man ihn Charles Chaplin nennt, zumindest spätestens in dieser Phase seines Schaffens. So wie man ihn nicht erwartet und wie man ihn nicht kennt. Total interessanter Film, total spannender Film und Natürlich einer der unbekannteren Charles Chaplin Filme und allein deswegen schon sehenswert.
Johannes Franke: Absolut, ja. Cool.
Florian Bayer: Schön. Das war eine tolle Liste. Danke, finde ich auch. Und damit zurück in unseren Film.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Haben wir noch was zu sagen, Groß?
Florian Bayer: Gibt es da irgendwelche Baustellen? Ja, was Kleines noch. 1973 sollten Wolfgang Menge und Peter Mertesheimer diesen Trick wiederholen. Da haben sie nämlich wieder so eine Pseudo-Doku gemacht, auch für den WDR, unter der Regie von Wolfgang Petersen. Wir haben drüber geredet, dass die Deutschen keine Action inszenieren können. Ich bin kein großer Wolfgang Petersen-Fan, aber der gehört ja zu den Deutschen, die dann irgendwann gesagt haben... hier ist mir alles zu bieder, ich bin jetzt ein Hollywood-Leute und dann sowas wie Air Force One oder Troja gemacht hat und gezeigt hat, wenn man als deutscher Action inszeniert, macht man das am besten im Ausland. Ein Film, der offensichtlich so ein bisschen, naja, erzählt wie halt so eine Rauchwolke. über das Land zieht und darüber wird berichtet und die Menschen sterben und es ist gefährlich und so. Und offensichtlich haben sie auch Reaktionen ausgelöst. Und das Ding ist zusammen mit das Millionenspiel auf einer DVD mittlerweile. Ach. veröffentlicht worden, im Jahr 2009. Also falls ihr Interesse an sowas habt, ich glaube, ich habe ihn leider nicht gesehen, ich hatte nicht die Zeit dazu, aber... Er steht jetzt auf meiner Liste, weil es mich wirklich interessiert und ich frage mich vor allem, ob sie da ein bisschen mehr Mockumentary draus gemacht haben. Weil bei das Millionenspiel haben sie es halt einfach nicht konsequent durchgezogen.
Johannes Franke: Ich nehme allerdings an, dass sie es auch dort nicht 100% durchgezogen haben, weil sie haben einen Stil. Man merkt, dass sie einen ganz bestimmten Stil haben.
Florian Bayer: Ja, genau. Aber total geil, der WDR als kreative Anarchobude, Anfang der 70er Jahre, Ende der 60er Jahre, der sowas macht.
Johannes Franke: Ja, und ich finde aber auch, dass der WDR immer noch, also über die ganze Zeit, seit den 60ern, 70ern... immer irgendwie diejenigen waren, die andere Formate ausprobiert haben, die auch jenseits des Fernsehens, also auch im Rundfunk sonst mit Radio und allem Möglichen, Die sich auch bemühen, da irgendwie immer mal wieder was zu machen. Auch wenn es ein Bürokratiemonster geworden ist und piefige Bude teilweise. Trotzdem kommen da immer mal wieder Sachen raus, wo man sagt, okay, da hat jemand sich getraut.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist auch tatsächlich, das sollte eigentlich die Aufgabe vom öffentlich-rechtlichen Rufungs sein, diese Experimentierfreude. Jungen Menschen mit frischen Ideen die Chance geben, das umzusetzen und natürlich macht der ÖR das viel zu wenig und viel zu selten und es gibt die glorreichen Ausnahmen. Ich bin kein Fernsehzuschauer, du natürlich auch. Nee, nee, nee. Aber wenn ich mal über die ARD-Mediathek stolpere, was immer mal wieder passiert und dann sehe ich, das sind wirklich gute Sachen dabei und eigentlich lohnt es sich auch, immer mal wieder in die ÖR-Mediatheken reinzugucken, weil die machen auch vieles Gutes mit dem Geld.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber natürlich sind sie auch extrem verkrustete Anstalten. Ja.
Johannes Franke: Ja. Also man kann schon sehr, sehr viel Kritik den Öffentlich-Rechtlichen entgegenschleudern. Aber das Grundkonzept, wie wir es am Anfang schon gesagt haben, ist einfach ein wichtiges und etwas, was absolut schützenswert ist für uns als Gesellschaft.
Florian Bayer: Dein Fazit zu dem Film? Ist es ein Muss-man-sehen-Film?
Johannes Franke: Ich finde es total, absolut. Ich bin total froh, dass uns der Film vorgeschlagen wurde.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wirklich, es ist super, super, super gut. Vor allem als Zeitzeugnis einer Zeit, wo das deutsche Publikum... das Konzept Mockumentary auch noch gar nicht verstanden hat und auch noch gar nicht wusste, was sie da sehen eigentlich und was das soll und so. Eine naive Zeit und gar nicht so sehr, dass ich sage, dass die Leute doof waren, sondern das ist einfach kulturell überhaupt nicht gewachsen. Wenn du sowas überhaupt nicht kennst, dann stehst du davor und denkst dir, was passiert hier gerade? Das finde ich geil. Und das finde ich wahnsinnig interessant.
Florian Bayer: Ich kann dir nur zustimmen. Also ich finde, das ist absolut zu Recht ein Kultfilm. Es sollte viel mehr Kultfilm sein, viel mehr Leute sollten diesen Film kennen. Und ich finde es teilweise... Krass, wie viele antizipiert von Entwicklungen, die das Fernsehen, das Privatfernsehen oder insgesamt die mediale Öffentlichkeit nehmen sollten. Und daneben finde ich diese Kombi aus biederem deutschen Fernsehfilm, der halt so Action-Thriller auf dem Niveau macht. und wirklich verrückter Spielshow mit Mock-Charakter finde ich einfach Grandios und ich liebe alles an dem Kontext natürlich, dass Leute da anrufen und sagen, ich will mitmachen. Und dass Leute sich darüber echauffieren und dass die CDU nochmal ausrastet und so. Ich liebe alles daran. Nele, vielen, vielen, vielen, vielen Dank für diesen Vorschlag.
Johannes Franke: Nehmt das gerne als Anlass, ihr da draußen, uns auf allen möglichen Kanälen, wir sind ja Social Media mäßig durchaus breit aufgestellt. TikTok, Instagram, YouTube und dann eben überall, wo es Podcasts gibt, einfach da gibt es ja Funktionen zum Kommentieren und so. Macht das gerne und schreibt uns rein. Was eure Filme sind, wo ihr sagt, ja, ich trau mich mal, das reinzuwerfen. Vielleicht nehmen die beiden den Film auch auseinander, aber... Vielleicht gibt es auch ein paar interessante Erkenntnisse. Also wir freuen uns wahnsinnig darüber, weil natürlich wir sonst immer nur in unserer eigenen Suppe kochen. Und so machen wir jetzt immer zwei du, zwei ich, eins Publikum.
Florian Bayer: So, genau. Und das ziehen wir konsequent durch. Das ist auch ganz wichtig. Grundgesetz der deutschen Spielshow. Es gibt klare Regeln. Und an die halten wir uns. Natürlich. Keine Ausnahmen. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes, der nächste Woche dran ist, mir vorschlagen wird, bleibt noch kurz dran. Ansonsten euch vielen Dank, wie immer, fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Es macht sehr viel Spaß mit euch.
Florian Bayer: Vielen Dank, Nele, für den Vorschlag. Vielen Dank, Johannes, für das tolle Gespräch.
Johannes Franke: Vielen Dank, Flortier. Und wir spielen jetzt nochmal den Jingle ein und dann besprechen wir, was es gibt nächste Woche. Bis dahin. Ciao. Ciao. Suplor, wir haben da was. Was gibt es denn? Also, wieder ein Film, den ich tatsächlich noch nicht gesehen habe, von dem ich aber... Ahne, dass er großartig sein muss, denn er ist von den Daniels.
Florian Bayer: Yay!
Johannes Franke: Und wir haben Everything Everywhere All At Once besprochen und ich fand ihn so großartig.
Florian Bayer: Großartiger Film.
Johannes Franke: Kaum zu unterschätzen, wie geil dieser Film war. Und Swiss Army Man ist, ich hoffe es, Auch so geil. Vor allem, weil Paul Dano und Daniel Radcliffe mitspielen. Und ich weiß sonst nicht viel über den Film, außer dass Daniel Radcliffe eigentlich tot ist.
Florian Bayer: Ja. Fantastischer Film.
Johannes Franke: Du hast ihn gesehen und du hast ihn mir immer noch nicht gegeben.
Florian Bayer: Nein, weil wir hatten ja Everything, Everywhere, All at Once.
Johannes Franke: Ja, pff. Aber Ewigkeiten her.
Florian Bayer: Meine Filmliste ist so lange. Und ich kämpfe immer mit mir, welche Filme ich dir gebe.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und... Ja, deswegen ist er nicht weit oben in der Liste.
Johannes Franke: Schlechte Ausrede, ich bin beleidigt. Tut mir leid. Deswegen nehme ich den jetzt einfach und wir gucken den und ich bin gespannt, was das wird. Geil.
Florian Bayer: Ich freue mich drauf.
Johannes Franke: Schön. Und ihr da draußen, schaut euch Swiss Army Man an aus dem Jahr 2016. Und habt viel Spaß damit und dann hören wir uns einfach nächste Woche wieder, wenn wir den Film besprechen. Bis dahin, ciao. Ciao.

Eine ähnliche Einbindung des Publikums gab es ja bereits bei der Hörspielfassung von Wells War of the Worlds 1938.
Supersendung, vielen Dank.