Episode 299: The Room and the Disaster Artist (Tommy Wiseau Double Feature)
Tommy Wiseau ist ein Phänomen: Ein hagerer muskulöser Kerl, irgendwo zwischen Pirat und Vampir, mit langen schwarzen Haaren, die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Greg Sestero lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche und auch leicht toxische Freundschaft. Wiseau macht ein Geheimnis aus seinem Privatleben: Seinem Alter, seiner Herkunft, und vor allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist. Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig, motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Greg seine Wohnung in L.A. zu einem Spottpreis, pusht ihn in seinem Vorhaben, in Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch finanziell.
Und schließlich engagiert Tommy Greg für seinen Debütfilm: Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar. Wiseau ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller… und keine dieser Rollen beherrscht er auch nur Ansatzweise. Die Dreharbeiten werden zum puren Chaos, der Film der 2003 daraus entsteht – The Room – erarbeitet sich über die Jahre den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein.
In The Room geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny – gespielt von Wiseau -, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem besten Freund Mark – gespielt von Sestero – betrügt. In Sideplots sehen wir einen 15jähriger Waisenknaben (gespielt von einem fast 30jährigen Schauspieler), ein Footballspiel in schicken Anzügen, einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen, noch mehr Stockfotos von Löffeln, Chicken Tscheep Tscheep Tscheep.. Und das alles umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem Machwerk ist.
Zehn Jahre später wird Greg Sestero seine Freundschaft zu To,,my Wiseau und seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten in dem Roman “The Disaster Artist- My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made” verarbeiten. Und die Gang um Seth Rogen wird eben jenen Roman 2017 als The Disaster Artist verfilmen.
Zwei Filme besprechen wir also heute: Einen der mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten: The Room aus dem Jahr 2003, eine krude Mischung aus Erotikdrama, Thriller und What the Fuck. Und den Buddy Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017, eine warmherzige Komödie über die Entstehung von The Room und die Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure.
Johannes, wir wissen beide: “So bad, it’s good!” ist ne Sache, die existiert. Und deswegen finde ich diese Einstiegsfrage durchaus berechtigt: Bei welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten gefühlt?
