Episode 299: The Room and the Disaster Artist (Tommy Wiseau Double Feature)
Tommy Wiseau ist ein Phänomen: Ein hagerer muskulöser Kerl, irgendwo zwischen Pirat und Vampir, mit langen schwarzen Haaren, die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Greg Sestero lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche und auch leicht toxische Freundschaft. Wiseau macht ein Geheimnis aus seinem Privatleben: Seinem Alter, seiner Herkunft, und vor allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist. Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig, motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Greg seine Wohnung in L.A. zu einem Spottpreis, pusht ihn in seinem Vorhaben, in Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch finanziell.
Und schließlich engagiert Tommy Greg für seinen Debütfilm: Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar. Wiseau ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller… und keine dieser Rollen beherrscht er auch nur Ansatzweise. Die Dreharbeiten werden zum puren Chaos, der Film der 2003 daraus entsteht – The Room – erarbeitet sich über die Jahre den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein.
In The Room geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny – gespielt von Wiseau -, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem besten Freund Mark – gespielt von Sestero – betrügt. In Sideplots sehen wir einen 15jähriger Waisenknaben (gespielt von einem fast 30jährigen Schauspieler), ein Footballspiel in schicken Anzügen, einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen, noch mehr Stockfotos von Löffeln, Chicken Tscheep Tscheep Tscheep.. Und das alles umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem Machwerk ist.
Zehn Jahre später wird Greg Sestero seine Freundschaft zu To,,my Wiseau und seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten in dem Roman “The Disaster Artist- My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made” verarbeiten. Und die Gang um Seth Rogen wird eben jenen Roman 2017 als The Disaster Artist verfilmen.
Zwei Filme besprechen wir also heute: Einen der mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten: The Room aus dem Jahr 2003, eine krude Mischung aus Erotikdrama, Thriller und What the Fuck. Und den Buddy Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017, eine warmherzige Komödie über die Entstehung von The Room und die Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure.
Johannes, wir wissen beide: “So bad, it’s good!” ist ne Sache, die existiert. Und deswegen finde ich diese Einstiegsfrage durchaus berechtigt: Bei welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten gefühlt?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 299: The Room and the Disaster Artist (Tommy Wiseau Double Feature) Publishing Date: 2026-09-23T08:34:49+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/09/23/episode-299-the-room-and-the-disaster-artist-tommy-wiseau-double-feature/
Florian Bayer: Das ist mein großer Moment, wo ich meine Botschaft für Frieden und für Liebe hier platzieren kann.
Johannes Franke: Das ist mein Oscar-Moment.
Florian Bayer: Das ist mein Oscar-Moment. Der wollte einen fucking Oscar.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Der hat die Kinos bezahlt, dass sie den Film lange genug spielen, damit er einen Oscar kriegen kann. Das ist so geil. Oh, hi, Plur. Oh, hi, Johannes. Wir hatten beide dieselbe Idee. Natürlich. Du warst einfach nur schneller. Herzlich willkommen. Oh, hi, Publikum. Hi Publikum, bye. Herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss man sehen Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme zuwerfen. Uns war richtig gut. Gute Filme. Den musst du sehen. Das ist das Konzept. Filme, die man gesehen haben muss. Du hast das Konzept ein bisschen auf den Kopf gestellt. Nein, habe ich nicht. Ich stehe voll dazu und ich glaube, The Room, über den wir heute reden, von Tommy Wiseau, ist ein Klassiker, den man gesehen haben muss. Natürlich ganz unironisch, weil er Meme geworden ist, weil er als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gilt. Ja. Weil es ein riesiges Mysterium um seinen Macher und um seine Entstehung gibt und sehr viele Geschichten drumherum. Und es ist einfach, es ist nicht nur Meme, es ist auch irgendwie ein Stück Kulturgut. Kulturschatz aus dem frühen 21. Jahrhundert.
Johannes Franke: Okay, ja, möchte ich zustimmen. Ich möchte allerdings allen da draußen sagen, die ihr bestimmt eingeschaltet habt, weil ihr The Room irgendwie... geil oder spannend oder besonders lustig fandet und dann zwei Dudes dabei zuhören wollt, wie sie über jeden Witz nochmal lachen mit euch. Ich weiß nicht genau, ob das 100% so aufgehen wird, weil ich zu Tommy Wiseau in der Recherche eine Haltung entwickelt habe, die vielleicht nicht so generös ist.
Florian Bayer: Das kann ich total gut nachvollziehen und darüber werden wir auf jeden Fall auch reden, was an diesem Menschen problematisch ist. Und was an diesen Menschen schwierig ist und was natürlich auch die Produktion von The Room beeinflusst hat. Wir werden auch über das Buch reden, das habe ich nämlich nochmal gelesen. Wir werden über Craigslist. Und wir werden auch über The Desaster Artist reden, der die entstehenden... Gehungsgeschichte von The Room auf seine eigene Art erzählt und das Buch von Craig Sestero verfilmt und daraus was anderes macht, als das Buch war und auch was anderes, als die Dreharbeiten waren. Es wird auf jeden Fall sehr spannend, schnallt euch an, es wird ein wilder Ritt, auch wenn Johannes sagt, ich bin der Krummel, Nein, mal gucken. Ich werde mir den Spaß nicht verderben lassen. Wir reden heute über The Room und ich fange einfach mal kurz an zu erzählen, worum es geht. Und dann steigen wir ein. Tommy Wiseau ist ein Phänomen. Ein hagerer, muskulöser Kerl, irgendwo zwischen Pirat und Vampir. Mit langen schwarzen Haaren, die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Craig Sestero lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche und auch leicht toxische Freundschaft. Weisow macht ein großes Geheimnis aus seinem Privatleben, seinem Alter, seiner Herkunft und vor allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist. Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig, motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Craig seine Wohnung in L.A. zu einem Spottpreis... pusht ihn in seinem Vorhaben, in Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch finanziell. Und schließlich engagiert Tommy Crack für seinen Debütfilm. Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar. Weil so ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller. Und keine dieser Rollen beherrscht er, auch nur ansatzweise. Die Dreharbeiten werden... Der Film, der 2003 daraus entsteht, The Room, erarbeitet sich über die Jahre den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein. True Story. In the Room geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny, gespielt von Wiseau, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem besten Freund Mark verfolgt. gespielt von Craig Zestero, betrügt. Ins Sideplot sehen wir einen 15-jährigen Waisenknaben, gespielt von einem fast 30-jährigen Schauspieler, Ein Footballspiel in Taxidos, einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen und noch mehr Stockfotos von Löffeln. Chicken. Cheap, cheap, cheap. Und das alles umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem Machwerk ist. Zehn Jahre später wird Craig Sestero seine Freundschaft zu Tommy Wiseau und seine Erlebnisse bei diesen Dreharbeiten in dem Roman »The Disaster Artist« My Life Inside the Room, The Greatest Bad Movie Ever Made, verarbeiten. Und die Gang um Seth Rogen wird eben jeden Roman 2017 als darstellt. The Desaster Artist verfilmen. Zwei Filme besprechen wir also heute. Einen der mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten. The Room aus dem Jahr 2003, eine krude Mischung aus Erotik-Drama, Thriller und ... What the fuck? Und den Buddy-Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017. Eine warmherzige Komödie über die Entstehung von Room und die Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure. Johannes. Wir wissen beide, so bad, it's good.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist eine Sache, die existiert. Ja. Und deswegen finde ich diese Einstiegsfrage auch durchaus berechtigt. Bei welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten gefühlt?
Johannes Franke: Oh, das ist eine schwere Frage. Oh, das ist eine sehr schwere Frage. Kann ich nicht wirklich beantworten? Kannst du das beantworten?
Florian Bayer: Ich finde es auch schwer und ich habe jetzt beim Rewatch tatsächlich gedacht, by the room.
Johannes Franke: Ja, kann sein. Kann vielleicht sein, tatsächlich. Ja, ja, ja, ja. Aber ich bin wirklich sehr unentschlossen.
Florian Bayer: Kommen wir mal zu The Room, weil das klang gerade so, als würde ich einen fiktiven Text vorlesen, aber um euch nochmal abzuholen, die den Film nicht gesehen haben und nichts darüber wissen. The Room existiert wirklich. Es gibt diesen Film aus dem Jahr 2003 und der gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten und hat einen amerikanischen Kultstatus. Und einer der Beteiligten, nämlich Craig Zestero, über den wir gleich noch ein bisschen mehr hören werden, hat 2013 das Buch über die Entstehung des Films geschrieben. Und dieses Buch wurde 2017 verfilmt. Das sind so die ungefähren Hard Facts, die wir haben. Ich habe von The Room zum ersten Mal wahrscheinlich so 2011, 2012 gehört und ich denke auch um dieselbe Zeit wie du, ne?
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich haben wir es zusammen gesehen.
Florian Bayer: Wir haben eine Nostalgia-Konferenz. Ja, ja, ja. Und in Deutschland ist das Ding nie so 100% angekommen. Also ich meine, Nostalgia Critic ist ja auch eher so amerikanische Kultur.
Johannes Franke: Ja, voll, das stimmt. Aber es gibt ja eine nicht ganz unwesentliche Bubble in Deutschland, die sehr viel in die amerikanische Kultur hineinschielt.
Florian Bayer: Wo wir offensichtlich auch dazu gehören. Absolut. Doug Walker, Nostalgia Critic, ist so ein Filmreviewer, der übrigens immer noch unterwegs ist. Ja. auch noch ein bisschen was erzählen, was ganz witzig ist. Der viel Quatsch probiert hat. Ja, der viel Quatsch probiert hat und der ein bisschen auch auf den Tommy-Weiß-So-Trip geraten ist. Das ist ganz spannend. Der hat sich nämlich zu auch Tommy Weiss so entwickelt. Aber dazu reden wir später. Wir haben das beide damals echt gerne geguckt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Ich glaube sogar, die Episode zu The Room aus dem Jahr 2010 war die erste Nostalgia-Critic-Episode, die ich geguckt habe, die ich wirklich so mitgenommen habe. Und das war auch in seiner Frühzeit, ne?
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und den Film hat er das gemacht, was damals alle gemacht haben. Er hat sich tierisch über diesen Film lustig gemacht, hat zu jeder Szene Gags gefunden.
Johannes Franke: Und es ist nicht schwer.
Florian Bayer: Es ist nicht schwer.
Johannes Franke: Zu jeder Szene einen Gag zu finden, ist es nicht schwer.
Florian Bayer: Absolut low-hanging fruit. Also wenn man sich diesen Film anguckt und es macht tatsächlich am meisten Spaß wahrscheinlich, wenn man ihn in einer Gruppe guckt. Ja. dann hat man einfach Spaß an den Sachen, die da schieflaufen und die da wirklich schlecht sind, die so gegen alle filmischen Konventionen verstoßen werden.
Johannes Franke: Und ich möchte einmal sagen, ich habe diesen Film diesmal alleine gesehen und trotzdem noch laut gelacht.
Florian Bayer: Es ist trotzdem unterhaltsam. Ich habe ihn auch alleine geguckt und ich fand es auch unterhaltsam. Also es gibt sehr viele Cringe-Momente.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Aber es hat halt trotzdem, es hat wirklich so dieses so bad, it's good Feeling. Ja, total. Ja. Und damit springen wir nochmal zurück und versuchen herauszufinden, wer ist Tommy Wiseau.
Johannes Franke: Oh, okay. Hast du diesen Dokumentarfilm gesehen? Spoonful of Spoon? Nee, hier, wer heißt der?
Florian Bayer: Ja. Nein. Lost Media.
Johannes Franke: Ich habe ihn auch nicht gefunden.
Florian Bayer: Tommy Weissow hat dagegen geklagt. Das Ding ist schon ewig fertig.
Johannes Franke: Ach. Achso.
Florian Bayer: Tommy Weissow hat dagegen geklagt, dass das veröffentlicht wird, weil er gesagt hat, Copyright gedöhnt und so weiter. Tommy Weissow war immer klar gefreutig. Der hat ja auch mit einem Copyright-Strike dafür gesorgt, dass die Nostalgia-Critic-Review zu The Room von YouTube entfernt wurde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der war schon immer klagefreudig und schon immer besitzergreifend, auch was sein Intellectual Property betrifft.
Johannes Franke: Aber bei dem Film hatte er doch verloren, eigentlich in erster Runde zumindest.
Florian Bayer: sehr, sehr, sehr viele Runden zu diesem Film und ich glaube, es gibt gerade, jetzt muss ich einmal kurz nochmal genau gucken, es gibt Die sind dabei, das Ding noch auszuhören. Das läuft einfach noch. Das ist noch nicht vorbei. Krass. Die wurde... 2016 wurde die veröffentlicht. Und dann hat Weiß so gesagt, nee, ich will nicht, dass das gezeigt wird.
Johannes Franke: Ja. Und nur zum Erklären, dieser Film schaut ganz genau, wo kommt Tommy Wiseau her, wie... Wie hieß der ursprünglich? Was hat er für so eine Lebensgeschichte? Hat die Familie in Polen besucht und so weiter?
Florian Bayer: Er hat richtig dem hinterher recherchiert und das fand Tommy Weißso nicht cool. Als das Ding 2011 angefangen wurde zu drehen, hatte es den Segen von Weißso. 2014 war es fertig, um veröffentlicht zu werden. Und dann hat Weiss so dagegen geklagt. 2016 ist es ganz kurz gelaufen. Und es muss wohl ein absurder Prozess gewesen sein, 2020, an dessen Ende... Weil ich so 550.000 Dollar bezahlen musste.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es gibt ja DVD-Releases und Blu-ray-Releases von The Room. Und da gibt es natürlich auch ganz klassische Regie-Kommentar von Weißso. Und dann zieht er irgendwann vom Leder und sagt gegen unbenannte Personen, was das für Schweine sind und... Shame on you und so weiter. Und offensichtlich bezieht er sich auf die. Er hat dann auch mal geklagt. Und er wurde verklagt deswegen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Wegen Defamation. Und musste 200.000 Dollar zahlen. Und dann hat er nochmal geklagt. In den USA und in Kanada. Er will erreichen, dass dieses Roomful of Spoons komplett vernichtet wird. Alle Kopien vernichtet und er will Schadenersatz in Millionenhöhe.
Johannes Franke: Was ist das Problem bei ihm? Warum will der nicht, dass seine Vergangenheit zu sehen ist?
Florian Bayer: Ich glaube, also zumindest, was ich jetzt in der Recherche mitgekriegt habe, und das ist der wenig lustige Part schon am Anfang zu Thomas Virchokiewicz. wie er wahrscheinlich heißt, ich kann den Namen nicht aussprechen, polnischer Name. Ich glaube, der hat sehr traumatische Dinge erlebt. Also... Er hat ganz lange von sich behauptet, dass er in den 60ern geboren wurde. Was Quatsch wäre, der war ja 34 gewesen, als er The Room gedreht hat. Wahrscheinlich wurde er Mitte der 50er Jahre geboren.
Johannes Franke: Ja, 55 steht auf Wikipedia.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, also sehr sicher in einem osteuropäischen Land, das hat er auch irgendwann bestätigt, wahrscheinlich Polen. Und wenn man in den 60ern dann als Kind und Jugendlicher in Polen groß wird, hat man es nicht leicht, vor allem wenn man Fan von Amerika ist. Und das war er wohl. Craig Sestero hat in seinem Buch so ein ganzes Kapitel über die Geschichte, die Tommy Wiseau ihm irgendwann mal erzählt hat, wo er sagt, dass er irgendwo im osteuropäischen Land geboren wurde. Und er wurde wohl ziemlich gemobbt und er wurde wohl ziemlich fertig gemacht, weil er so ein großer Amerika-Fan war. Und er wollte immer raus. Und er hat es dann auch irgendwann geschafft. Also es war wohl nicht leicht, aber er hat es dann irgendwann geschafft, nach Paris zu kommen. Und das Trauma hört da nicht auf. Da hat er wohl den Namen Pierre angenommen. und hat sich so mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und wurde als osteuropäischer Migrant ziemlich scheiße behandelt.
Johannes Franke: Ja, fuck.
Florian Bayer: Er hatte wohl Angst vor der Polizei, weil ihm Abschiebungen gedroht hat. Es gibt wilde Geschichten, die er erzählt hat von ... Polizeiattacken gegen ihn, wo er auch ordentlich übel verprügelt wurde. Und die haben ihn gedroht, ihn umzubringen. und haben ihm eine Waffe an den Kopf gehalten und haben gesagt, wir können dich jetzt erschießen, kein Mensch fragt nach dir, niemand weiß, wer du bist. Und ähnliche Geschichten. Also ich glaube, ganz viel, was mit Tommy Wiseau's Beziehung zu Amerika zusammenhängt, mit seiner Art, wie er mit persönlichen Beziehungen umgeht, rührt von ganz vielen ungelösten Traumata, die er als Jugendlicher und junger Erwachsener erlebt hat. Mobbing, Unterdrückung in einem Ostblockstaat, Ausgrenzung als Migrant, Angst ums Überleben und ähnliche Dinge. Irgendwann, es war so, zu einem Verwandten nach Louisiana gezogen. Nach Amerika.
Johannes Franke: Zu einem Verwandten?
Florian Bayer: Zu einem... Wahrscheinlich. Es ist so schwierig. Er redet von einem Onkel, zu dem er gezogen ist. Er hat ja ganz oft die Geschichte erzählt, dass er aus New Orleans ist. Davon ist er mittlerweile abgerückt. Und auch da, wir sind die, die drüber lachen. Es ist ganz oft ein Gag, dass die Leute fragen, woher kommst du? Und er so mit seinem Akzent, aus New Orleans. Und man hört so direkt, das klingt nicht nach New Orleans. Aber ey, wir sind eine Vocal-Gesellschaft. Wie oft haben wir gesagt, du fragst nicht, woher kommst du wirklich? Wenn jemand sagt, er kommt aus... Berlin? Dann sagst du nicht, nee, aber jetzt sag mal, deine Haut ist viel zu dunkel für Berlin. Das tust du nicht. Das ist nicht cool. Hier ist es ein Gag. Er war in New Orleans, er war in Louisiana, er hat irgendwann angefangen, Spielzeug zu verkaufen auf der Straße. Das ist so ein bisschen die Legende. Und das ist auch die Zeit, in der er seinen Namen geändert hat. Und zwar hat er Vogelfiguren verkauft, die fliegen. Und er hat das französische Wort von Vogel, nämlich Wiseau genommen für seinen Namen und hat daraus dann dieses Tommy Wiseau gemacht. In Frankreich hat er sich Pierre genannt, in den USA Tommy Wiseau, wahrscheinlich heißt er Tomasz und einen polnischen Namen, den ich nicht aussprechen kann, tut mir leid. Und es bleibt nebulös, er hat irgendwann offensichtlich ein Business gegründet und zwar Street Fashion USA. Davon ist er, er hatte wohl auch einen Partner und er hat irgendwie Geld dafür bekommen. Es gibt nämlich einen Namen, den ihr auch als Executive Producer von The Room führt, nämlich Drew Caffrey. Ja. Der ihn wohl irgendwie unterstützt hat und so eine Art Mentor war. Man weiß nicht genau, wer das ist. Dieser Mensch ist tot. Dieser Mensch war auch tot, als The Room zu Ende war. Aber der hat ihn wohl finanziell unterstützt und war irgendwie sowas wie ein Mentor für ihn. Und wahrscheinlich hat er dadurch das Geld gekriegt. Und er hat bei Street Fashion USA haben sie Jeans verkauft. Und wahrscheinlich haben sie Jeans verkauft, die vom Lastwagen gefallen sind, aber nicht im Sinne von illegal, sondern ... Die haben diese Produkte gekauft, die irgendwie irgendwelche Fehler hatten. Die Naht ist falsch gesetzt, die Knöpfe sitzen zu hoch, die Taschen sind nicht richtig und die kann man dann günstig verkaufen. Und damit hat er wohl genug Geld gemacht, dass er dann auch in die Immobilien einsteigen konnte und hat irgendwie sowas wie einen amerikanischen Traum gelebt.
Johannes Franke: Er hat in einem anderen Interview, was ich gesehen habe, erzählt, dass er Lederjacken designed hat. Also es wurde wohl viel gesagt, dass er Lederjacken importiert hat, aber er meinte, nein, er hat sie designt und eben in... Asien produzieren lassen, deswegen der Importteil davon, dass die Leute missverstanden haben, dass er sie importiert, nein er hat sie einfach nur dort herstellen lassen. Was davon stimmt, möchte ich überall immer ein Fragezeichen dran legen.
Florian Bayer: Fragezeichen dran stellen, weil es sind Geschichten, die er erzählt, es sind Geschichten, die andere erzählen. Wir wissen, dass er sehr viel mit dem Label, das es wirklich gibt, Street Fashions USA zu tun hat. Wir wissen, dass es davon sehr viele Läden gibt und wir können davon ausgehen, dass diese Läden in Häusern sind, die er teilweise besitzt. Wir wissen, er besitzt Wohnungen, er besitzt Häuser, das heißt mit Immobilien, dass er da irgendwie was gekauft hat für 300.000 Dollar und dann verkauft hat für 600.000. Ich finde, es ist irgendwie plausibel. Es gibt Gerüchte von organisiertem Verbrechen, von sehr fischigen Sachen und so weiter. Ich glaube das alles nicht. Ich glaube, der hatte wirklich Glück, dass er gute Freunde hatte. Und ich glaube, der hatte wirklich einfach Offensichtlich, wie auch immer man sich das vorstellen muss, bei diesem Typen, der ja sozial wirklich schwierig ist, er hatte das richtige Hähnchen und den richtigen Riecher, wie man Geld verdient.
Johannes Franke: Ich finde es sehr lustig und sehr spannend und sehr interessant. Und ich hatte kurz überlegt, ob wir seine Geschichte so gar nicht aussehen. Weil dieses Mysterium, das er aufbaut, finde ich schon irgendwie gut, muss ich sagen. Und das ist ein bisschen wie bei Banksy. Dass ich denke, warum eigentlich nicht? Warum können wir ihm das nicht lassen?
Florian Bayer: Ich glaube, es ist diese awkward Kombination, dass er zum einen sagt, er will nicht, dass über seine Vergangenheit und über ihn geredet wird und er redet ständig über sich. Und er präsentiert sich halt so. Er ist sowas von eine öffentliche Person. Und er hat ja auch diesen Kult, der dann um The Room entstanden ist, hat er ja voll genutzt und er tritt so krass als öffentliche Person auf, dass es einfach verlockend ist.
Johannes Franke: Ja, total, total. Naja, also ich bin so ein bisschen unentschieden. Du hast das jetzt... ...gemacht, weil du auch viel in diese Richtung recherchiert und gelesen hast und so. Aber ich weiß nicht ganz genau. Ich finde sogar dieses... Ach, das ist doch alles Geldwäsche und da ist irgendwie, solange man das nicht zu ernsthaft betreibt. Und ihm das nicht zu ernsthaft unterstellt, dass er als Krimineller das alles gemacht hat oder sowas. Finde ich es eigentlich eine geile Legendenbildung.
Florian Bayer: Ist auf jeden Fall cool und diese Legendenbildung gehört ja auch irgendwie dazu. Diese Nebulöse gehört auch irgendwie dazu, dass man diesen Typen sieht und denkt... Schaut euch einfach Videos von ihm an. Man denkt, dieser Typ ist unmöglich und wie kann es jemand, der sich so verhält und der so wenig self-aware ist, wie er wirkt, Und wie er auf andere wirkt und so, wie kann so jemand zu einem solchen Reichtum kommen, aber er hat diesen Reichtum, sonst hätte er diesen Film nicht machen können.
Johannes Franke: Möchtest du übrigens Tee, Pür?
Florian Bayer: Sehr gerne. Vielen Dank. Neben diesen ganzen geschäftlichen Sachen hatte Tommy Weiss so aber auch... wir sind jetzt in den 80ern und 90ern, schon sehr früh eine andere Leidenschaft, nämlich Film. Und er hat offensichtlich schon seit den 80ern versucht, irgendwie im Showbiz zu landen und irgendwie beim Film zu landen.
Johannes Franke: Ja, und dann auch als Schauspieler irgendwie. Er wollte tatsächlich nicht nur einfach Filme machen. Ich glaube, er wollte auch einfach berühmt werden. Das war schon wichtig. Ist ein wesentlicher Teil seines Antriebes.
Florian Bayer: Denke ich auch. Er wollte ein Star sein. Er hat auch wohl drüber nachgedacht, Rocksänger zu werden. Das war wohl die zweite Option. Oder Model. Er hat in den 80ern einen Kurzfilm gedreht, der heißt Robbery Doesn't Pay. Mit Super-8-Kameraden. In L.A. Und er ist da aber nicht zu sehen und man findet das auch nicht mehr. Sestero hat den Film wohl gesehen und sagt, Naja, es ist einfach nur ein Musikvideo zu Blue Monday von Orji und man sieht einen Menschen, der durch die Straßen von L.A. läuft. Dann ist er vielleicht schon besser als The Room.
Johannes Franke: Maybe.
Florian Bayer: Was Tommy Wiseau gemacht hat, Schauspielkurse nehmen. Unter anderem bei Chloe Litzky.
Johannes Franke: Und da steigen wir ja so ein bisschen in den Film fast schon ein, ne? The Disaster Artist fängt ja damit an.
Florian Bayer: The Disaster Artist fängt damit an. Chloe Litzki, um das einmal kurz zu sagen. Die hat am Laney College gearbeitet und die hat offensichtlich, weil so ganz viel geholfen, an seinem Akzent zu arbeiten. berichtet von Telefonsessions, die Tommy Weiß so gemacht hat, wo er wirklich die ganze Nacht über versucht hat zu reden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie am anderen Ende der Leitung hatte und sie hat ihm geholfen, ähnliche Begriffe auszusprechen. Das heißt, er wusste, dass er nicht so klingt. Ja. Das ist ganz wichtig. Das wird in dem Film ja auch nicht so wirklich thematisiert. Es gibt schon so eine Self-Aware-Seite von Tommy Wiseau. Er weiß, dass er einen osteuropäischen Akzent hat. Und im Buch wird es auch deutlicher, dass Greg Sestero, da schreibt Greg Sestero einfach, dass er... sagt, ich bin aus New Orleans, mit einem osteuropäischen Akzent oder so. Also er ist sich dessen schon bewusst.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl allerdings, dass er das in der Öffentlichkeit kaum nach außen trägt. Deswegen kommt ja das Bild auch von einem nicht besonders selbstreflektierten Typen rüber. Weil er in der Öffentlichkeit, zumindest mein Eindruck, sehr viel in Denial ist. Wahnsinnig viel. Und ich denke, warum gehst du damit nicht so offen um, wenn du die Reflexionsebene ja eigentlich doch hast? Ja, aber du kannst es nicht öffentlich zugeben. Du kannst nicht öffentlich sagen, ja, ich habe einen Akzent und ich habe daran gearbeitet und ich wollte das nicht. Sondern er sagt dann halt öffentlich, lebt damit, ich habe diesen Akzent und jeder hat irgendwie einen Akzent und... geht in irgendwelche Ausflüchte, statt zu sagen, ja, das bin ich. Ich habe versucht, den zu ändern, habe es nicht geschafft und bin inzwischen vielleicht damit ein bisschen fein oder was auch immer. Oder auch eben nicht. Aber er macht sich eine Persona nach außen, die ganz klar fest abgesteckt ist.
Florian Bayer: Ich glaube, was dabei eine große Rolle spielt, ist seine Begeisterung von den USA. Greg Sestero berichtet auch davon, dass Tommy Wiseau bei den Dreharbeiten fünf Minuten Schweigen gemacht hat für die Opfer von 9-11. Mehrere Versuche gebraucht. Versuche, weil die von der Crew gelacht haben und er hat das überhaupt nicht witzig gefunden. Er war richtig sauer. Es gibt wohl auch Ausbrüche von ihm, wo er richtig krass über Obama herzieht. Dieser Typ ist durch und durch Amerikaner und er möchte durch und durch Amerikaner sein. Das heißt, alles, was dem irgendwie im Weg steht, seine Vergangenheit aus Osteuropa, seine Vergangenheit aus Frankreich und eben auch sein Akzent, muss so weit es geht weggeschoben werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er hat auch, und das ist das große Initiationsritual, jetzt muss ich gucken, wie der Name von dieser Schauspielerin heißt, er hat einen Schauspielkurs besucht. bei dem er Craig Sestero kennengelernt hat. Und die Geschichte, die im Film erzählt wird, der Desaster Artist, und die auch in Craig Sesteros Buch erzählt wird, ist ungefähr so. Sehr strenge Lehrerin, die alle fertig macht, die auf der Bühne stehen. Craig Sestero, wirklich jung damals, Anfang 20, will irgendwie versuchen Schauspieler zu werden, kommt aus dem Model-Business und Models haben, den Ruf, nicht Schauspielern zu können. Und Craig Sestero ist total unsicher auf der Bühne. Das macht ihn echt fertig. Er ist total verkrampft und steif.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann sieht er diesen Tommy Wiseau in dem Kurs, der auf die Bühne geht, sich da hinstellt, als ob er den Raum komplett besitzen würde. Und alle gucken gespannt drauf, weil alle denken, okay, was jetzt kommt, ist entweder unfassbar gut oder unfassbar schlecht. Und? Es ist unfassbar schlecht. Natürlich. Aber... Craig Sestero ist davon begeistert. Davon, dass Tommy Weiss so all das mitbringt, was er nicht hat. Und zwar nicht, was Schauspielkunst betrifft, sondern was dieses extrovertierte Auftreten betrifft. Er hat keine Angst davor zu versagen. Der verkriecht sich nicht. Der hat ganz viele Defizite, aber er steht da... Als ob er der größte Schauspieler der Welt wäre.
Johannes Franke: Du hast das Buch gelesen. Ja. Hast du den Eindruck, dass das im Buch auch so stark rausgearbeitet ist wie im Film? Ja. Weil im Film ist es ja wirklich ein zentrales Motiv und auch tatsächlich etwas, wo ich gedacht habe, ah, okay, hier findet tatsächlich... Der Film eine super gute Motivation, um den ganzen Film überhaupt möglich zu machen. Das finde ich total gut.
Florian Bayer: Das war Craig Sesteros Motivation, auch wenn wir seinen eigenen Worten glauben. Und wie gesagt, es ist Buch Craig Sestero schreibt das Buch so, dass er sich auch in gutem Licht darstellt. Und dass er... Ich glaube, er spielt seine Rolle bei The Room ein bisschen klein, weil er weiß, was für ein Desaster das Ding ist.
Johannes Franke: Den Eindruck habe ich bei ganz vielen Interviews auch. Ja.
Florian Bayer: Und er versucht sich auch so ein bisschen als Opfer zu inszenieren. In dem Buch gibt es richtig krasse Geschichten, zu denen wir auch noch kommen, über die Freundschaft von den beiden, die richtig brutal sind. Und ja, deswegen ist es so schwer zu sagen, was davon Realität ist und was Fiktion ist. Wenn wir Craig Sestero glauben, ist er wirklich unbeholfen und ängstlich und dadurch auch viel zu verkrampft und viel zu steif, um ein guter Schauspieler zu sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und Tommy weiß so, bringt was mit. Ja, glaube ich, ihm auch sofort. Das hat er auch nicht abgelehnt. abgelegt. Nein. Tommy weiß so, bringt was mit, was er auch gerne hätte und deswegen beschließt er, okay, mit diesem Typen will ich zusammen die nächste Szene machen. Und zwar auch ähnlich wie das in dem Film ist, ganz unschuldig, er spricht ihn einfach an.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er sagt zu ihm, wollen wir mal was zusammen machen? Und Tommy Weissosa sagt, klar, lass uns das tun. Rex ist der, von dem es ausgeht.
Johannes Franke: Wenn ich jetzt an den Film denke, was ich sehr schön finde an der Stelle ist, dass James Franco das schon so spielt, dass Tommy Wiseau so überrascht ist davon. Ja. Du sprichst mich an? Ja. Du willst was mit mir zu tun haben? Was ist denn hier los? Die ganze Welt meiner bisherigen geschätzten 500 Jahre auf diesem Planeten? Und ich gebe mich als 30-Jährigen aus, sind davon geprägt, dass niemand wirklich mit mir zu tun haben will, weil ich awkward bin. Und jetzt kommst du und gibst mir Aufmerksamkeit. Wie krass ist das denn? Ja.
Florian Bayer: Es gibt in dem Buch eine Passage, wo Craig Sestero erzählt, dass Tommy Wiseau sich eine ganze Zeit lang nicht bei ihm meldet. Craig wohnt in L.A., Tommy ist in San Francisco und sagt zu ihm, er muss geschäftlich nach London. wo Craig schon glaubt, das ist Quatsch. Das ist einfach nicht so. Und dann taucht Tommy unter und Craig Sestero versucht, die mehrmals anzurufen. Und macht sich Sorgen, weil Tommy Weiss so ihm auch Nachrichten schreibt, in denen er schreibt, ich bin an einem ganz tiefen Punkt, ich bin ganz unten, ich sehe ein tiefes schwarzes Loch. Craig hat das Gefühl, das sind Abschiedsbriefe, die er von ihm kriegt. Man versucht, ihn die ganze Zeit zu erreichen und irgendwann taucht dann Tommy Wise so wieder auf und Er muss wohl richtig schlimm aussehen.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Und Greg Sestero sagt, ich habe das Gefühl, das ist ein unglaublich einsamer Mensch, weil er wirklich wenig Freunde hat. Und es gibt diese Momente, in denen er wahrscheinlich einfach eine Depression verfällt. Und daher kommen dann auch diese düsteren Seiten, die wir von Tommy Wise so nach und nach kennenlernen. Weil die Freundschaft, die sich durch diese... gemeinsame Szene zwischen Craig und Tommy entwickelt, ist wirklich eine schräge Freundschaft. Tommy weiß so, hat viel Geld und kann ... Es ist tatsächlich, es ist so ein bisschen so eine Sugar-Daddy-Nummer auch. Sehr, sehr. Tommy weiß so, unterstützt Craig, was total cool ist. Er sagt, du bist mein Freund. Du kannst in meinem Apartment in L.A. leben. Übrigens im Film wird das ein bisschen anders inszeniert. Im Film wird inszeniert, dass sie von Anfang an Roommates sind.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Das war in Wirklichkeit fast gar nicht so. Es gab die Zeit, wo sie mal kurz zusammen gewohnt haben. Ja. Aber die war wirklich kurz. Eigentlich war es einfach so, dass Tommy zu Craig gesagt hat, ich hab ein Apartment in L.A., darfst da gerne einziehen. Musst nur sagen, du wärst mein Cousin, weil die wollen nicht, dass ich einen Fremden da drin wohnen lasse.
Johannes Franke: Was ich im Film sehr gut finde, ist, die Mutter stellt genau die richtigen Fragen. Als der abgeholt wird von diesem Typen, fragt sie, What is it about my son you find so intriguing? No big deal, Babyfest ist cool. Und du denkst dir, was, was?
Florian Bayer: In Wirklichkeit war das Gespräch wohl viel mehr awkward.
Johannes Franke: Das kann ich mir vorstellen.
Florian Bayer: Tommy und Craig haben sich an den Parkplatz getroffen, um zusammenzufahren. Ja. Craigs Mutter war dabei, Craigs Mutter geht zum Auto, in dem Tommy sitzt, der kuppelt das Fenster runter, sie guckt ihn ernsthaft an, sie kannte ihn damals schon und sagt zu ihm mit einem sehr ernsten, und sehr drohenden Klang. Kein Sex. Und das ist der Moment, der dazu führt, dass Tommy sagt, oh Gott, die ist ja total verrückt. Deine Mutter ist ja voll crazy. Geil. Und sie sagt das wirklich, sie versucht so einschüchternd wie möglich zu klingen.
Johannes Franke: Aber kann ich mir gut vorstellen.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Und ich glaube, ich würde es auch machen.
Florian Bayer: Die witzige Hintergrundgeschichte, Cracks Mutter hat französische Vorfahren.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und als sie erfährt von... Tommy und irgendwie kriegt sie mit, dass er offensichtlich mal in Frankreich war und dann will sie mit ihm Französisch sprechen und sagt was auf Französisch und er... lehnt es komplett ab, auf Französisch zu antworten. Er kann frisen Französisch, er will es einfach nicht. Genau, also Craig und Tommy werden Freunde, Tommy ist Sugar Daddy teilweise, er lädt ihn auch ganz oft zum Essen ein und ähnliches, unterstützt ihn. Tommy ist aber auch krass eifersüchtig und besitzergreifend. Und das zeigt sich unter anderem darin, das sind Sachen, die wir im Film nicht sehen. Der Film zeigt so eine sehr Whitewashed Version von dieser Freundschaft, weil er diese düsteren Sachen weglässt. Tommy droht Craig mehrmals ihn aus dem Apartment rauszuwerfen. Er erhöht die Miete, er taucht auf mit einem vermeintlichen Freund und dann kriegt Craig raus, dass es gar kein Freund von ihm ist, weil er offensichtlich zeigen will. Ich habe auch andere Freunde. Er ist eifersüchtig, er ist besitzergreifend und er ist richtig brutal in dieser Nummer. Es ist wirklich eine Toxie. Super, super krass.
Johannes Franke: Ich habe ja das Buch nicht gelesen, du hast ja ein bisschen klareren Einblick und da gibt es ja anscheinend ein paar wirklich sehr krasse Geschichten, was da passiert.
Florian Bayer: Ein ganz großes Ding ist, dass Craig tatsächlich Erfolg hat in Hollywood am Anfang. Und zwar Erfolg in dem Sinne, er wird zu Castings eingeladen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er kriegt eine Agentur und er kriegt eine hoch angesehene Agentur.
Johannes Franke: Das ist toll, ja.
Florian Bayer: Und die verschaffen ihm ja auch einen Job. Er dreht dann in Osteuropa, in Rumänien, glaube ich, dreht der so einen Puppetmaster, einen B-Movie-Horror. Aber er dreht. Er hat einen ganzen Film.
Johannes Franke: Und...
Florian Bayer: Tommy kommt darauf nicht klar. Weil Tommys Traum ist, auch Schauspieler zu werden. Und jetzt sieht er, dass dieser Crack, den er auch ... Ein ganz großer Teil von dieser Freundschaft ist das Machtungleichgewicht. Tommy ist älter als Craig. Tommy kann mit mehr Erfahrung punkten. Er kann sagen, ich habe schon ganz viele Kurse gemacht, ich kenne mich aus, ich habe eine Wohnung in L.A. Und dann sammelt plötzlich Craig mehr Erfahrung und Craig ist plötzlich der, der bei den Agenturen ist, der Filme dreht. Und darauf kommt Tommy überhaupt nicht klar. Er ist neidig, er ist eifersüchtig und er lässt diesen Zorn an dem armen Crack aus. Er bringt ihn zum Heulen. Er macht ihn wirklich fertig teilweise.
Johannes Franke: Man, man, man.
Florian Bayer: Wird alles im Film überhaupt nicht gezeigt.
Johannes Franke: Nee, und lange bevor The Room überhaupt gedreht wird, ist ja auch Greg schon wieder ausgezogen, ne? Also das wird im Film, ist das nicht so, damit das ein bisschen dramatischer ist, aber nein, nein.
Florian Bayer: Es gibt nicht wie im Film so ein krasses Zerwürfnis zwischen den beiden, aber es gibt immer wieder so kleine Zerwürfnisse. Und Craig sagt, ich bin ein viel zu loyaler Mensch, Ich habe dann einfach nach einem Monat wieder angerufen. Und ich wollte ihn hören, ich wollte ihn nicht raushaben aus meinem Leben. Und das finde ich ganz wichtig, weil Crack... Versucht in dem Buch, der Disaster Artist, versucht herauszufinden, was es ist, warum ist er auch ganz oft wieder der, der auf Tommy zugeht, weil er das macht. Und ich glaube, er versucht für sich selbst die Antwort zu geben, die ihn in einem guten Licht dastehen lässt, dass er einfach ein loyaler Mensch ist. Ich glaube, eine zweite Geschichte ist auch, dass er ganz banal materiell von Tommy profitiert hat. Er konnte sich am Anfang in Hollywood nicht erlauben, diese Wohnung zu verlieren.
Johannes Franke: Natürlich nicht. Das ist auch ein massiv teures Pflaster, ne? Ja. Also da überhaupt zu wohnen, diesen Traum irgendwie überhaupt verfolgen zu können mit nichts in der Hand, ist völlig unmöglich.
Florian Bayer: Was der Film auch überhaupt nicht zeigt, was eine wirklich lange Geschichte ist im Buch, ist der talentierte Mr. Ripley.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Die Person, die Craig Sestero spielt in The Room, heißt Mark. Nach dem berühmten Schauspieler Mark Damon.
Johannes Franke: Nein, der heißt nicht Mark Damon, aber es ist sehr süß und es passt so sehr zu Tommy Wiseau, das Bild, was ich davon habe. Vielleicht nicht nur falsch verstanden, vor allem glaube ich auch viele Sachen, die auch später auftauchen, einfach falsch erinnert. Ja. Weißt du, du hast das irgendwann mal gesehen? You're taking me apart, Lisa, oder you're tearing me apart. Das ist auch so eine falsche Händung. James Dean. Und ich glaube, dass Tommy Wiseau so ein großer Fanboy von Hollywood ist und von Amerika. Ja. Aber dass er es einfach in der Eifrigkeit so durcheinander bringt und so viel einfach reinschaufelt, ohne es wirklich zu reflektieren so richtig.
Florian Bayer: Ja, glaube ich auch. Also Tommy Weissow hat keinen Filter. Der weiß auch nicht, was gut ist und was schlecht ist. Deswegen ist The Room auch so geworden, wie er so geworden ist. Auf jeden Fall der talentierte Mr.
Johannes Franke: Ripley. Sehr süß.
Florian Bayer: Greg hat einen Freund, einfach einen guten Freund, den er noch kennt aus San Francisco. Und dieser Freund mag Tommy Wiseau überhaupt nicht. Und dieser Freund sagt zu Craig Sestero irgendwann, du musst mit mir in der talentierte Mr. Ripley gehen. Geh da rein, guck ihn dir an.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und Craig weiß überhaupt nicht, warum. Er geht da rein, ohne zu wissen, worum es geht. Und dann sieht er diesen Film, in dem Matt Damon den Tom Ripley spielt, der besessen ist von seinem Freund Dick. Und der so besessen ist, dass er irgendwann zum Mörder wird. Und dessen Persönlichkeit annimmt quasi. Und während dieses Films, während das alles passiert, und zwar vor allem während dieser Mordszene passiert, wo Matt Damon shoot Law stranguliert auf dem Segelboot, glaube ich.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Guckt der Freund Craig an und sagt zu ihm Tommy. Und Craig weiß genau, was er meint. Natürlich. Die Geschichte geht weiter. Craig ist mit Tommy unterwegs. im selben Jahr noch. Wie gesagt, wir sind Ende der 90er, 1999. Und sie beschließen, sie können ja ins Kino gehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann gehen sie an dem Kino vorbei und überlegen, in welchen Film sie gehen. Und Craig sieht der talentierte Mr. Ripley und denkt sich... Ich will eigentlich, dass Tommy diesen Film sieht. Ich will ihn aber jetzt nicht drauf stoßen. Aber irgendwie hatte ich damals im Gefühl, ich wusste, er will in diesen Film gehen und ich würde nicht widersprechen. Craigs Geschichte ist natürlich sehr dramatisiert. Sie gehen in diesen Film. Craig und Tommy sitzen in diesem Film. Und er sagt, Tommy ist der schlimmste Mensch im Kino, den man sich vorstellen kann. Der quatscht die ganze Zeit während des Films. Hat überhaupt kein Gespür dafür, dass andere Menschen auch da sind und Ruhe haben wollen und so. Der Quatsch macht Blödsinn und so weiter. Das ist den schlimmsten Kinopartner, den man sich vorstellen kann. In der talentierte Mr. Ripley, der über zwei Stunden geht, sitzt er die ganze Zeit komplett ruhig. Und ist richtig angespannt.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Und Craig versucht es irgendwie zu deuten. Sieht Tommy da gerade sich selbst? Sieht er eine pervertierte Version von sich selbst?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und nach diesem Film, das wird im Film der Desaster, das wird auch anders erzählt, Craig erzählt es so, dieser Film ist ganz wichtig dafür, dass Tommy beschließt, er will ein Drehbuchautor werden. Und Cracks Theorie ist, The Room ist eine von ihm pervertierte Auslegung von talentiertem Mr. Ripley. Wo er diese verschiedenen Rollen sieht und wo er eigentlich drauf gucken müsste und sagen müsste, oh verdammt, ich bin der toxische Mensch, ich bin der Mensch, der sein will wie sein bester Freund. der auch zum Mörder werden könnte. Aber das ist nicht das, was Tommy Wiseau sieht. Tommy Wiseau sieht was anderes. Tommy Wiseau sieht einen Menschen, der von allen ausgestoßen ist, der von der Gesellschaft verraten wird und der sich nicht anders zu helfen weiß. Und Tommy macht in seinem Kopf dieses verdrehte Weiß-so-Ding und baut daraus diese geschichtete Room.
Johannes Franke: Also ja, darauf bin ich auch gestoßen, aber nicht in der Ausführlichkeit, weil ich das Buch halt nicht gelesen habe. Und ich fand es auch total spannend und ich habe auch meine Gedanken dazu gehabt. die natürlich dann stark damit verknüpft sind, dass man im Film, wenn man den Film »The Room« sieht, Ganz genau weiß, dieser Typ, also Self-Insert erstmal, ich bin der Held, ich besetze mich selbst als den... unfehlbaren Helden und ich habe keinerlei Reflexionsebene, die dazu führen könnte, dass ich einen dreidimensionalen Charakter schreibe. Er setzt sich nur als Helden da ein und alle anderen um ihn herum tun ihm Unrecht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist sehr krass.
Florian Bayer: Es ist sehr krass. Es gibt ja sogar eine Bezeichnung für dieses Genre. Eine Bezeichnung, die noch gar nicht so alt ist und zwar Egosploitation. Und zwar offensichtlich von einem Filmmagazin namens Nanaland irgendwann mal ins Leben gerufen. Filme, die Menschen als Vehikel nutzen, um sich selbst im strahlendsten Licht darzustellen. Meistens sind es tatsächlich so Vanity Projects, also wo die Menschen, die diesen Film machen, Regisseur sind, Drehbuchautor und sich auch gleich in die Hauptrolle setzen. Und sich all diese positiven Eigenschaften geben, die sie gerne hätten oder die sie in sich selbst sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dabei überhaupt keinen Filter haben und einfach nur ihre Allmachtsfantasien ausleben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Spannend ist das, Tommy weiß so, wie spricht man den Namen Tommy weiß so aus? Ich finde beides total gut, weil das eine ist, Tommy, wieso? Ja.
Johannes Franke: Und das andere ist die englische Variante. Tommy, why so? Ja, das ist beides gut.
Florian Bayer: Weiß Tommy, wie man Tommy, wie so ausspricht? Nein, natürlich nicht. Tommy Wiseau besetzt sich nicht als diesen strahlenden Helden, sondern als dieses strahlende Opfer. Dieser Film handelt ja die ganze Zeit davon, dass vor allem seine Freundin Lisa, dass die halt echt gemein zu ihm ist. Aber ansonsten passt es.
Johannes Franke: Absolut. Er hat halt ein Opferkult um sich drum herum und das passt zusammen mit diesen ganzen traumatischen Sachen, den du erzählt hast. Also dieses traumatische Aufarbeiten von... Und dann sich selber immer in dieser Opferrolle zu sehen. Vielleicht ist es einfach ein therapeutisches Moment für ihn gewesen, das zu schreiben. Und dann auch dieses Ende zu schreiben, indem man sich dann dramatisch umbringt, um den Menschen drumherum eine Lektion zu erteilen. Das ist so krass.
Florian Bayer: Es ist wirklich brutal, weil wir wissen mittlerweile, man muss vorsichtig umgehen mit dem Thema Selbstmord in Filmen. Ja. ein Selbstmord als Rachefantasie zu schreiben.
Johannes Franke: Das ist super seltsam.
Florian Bayer: Inklusive Szene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: wo die, die verantwortlich sind, noch mal trauernd über seiner Leiche sitzen.
Johannes Franke: Und genau das sagen, was er sich vorstellt. Ich weiß nicht, ob du das als Kind Jugendlicher irgendwie zwischendurch hattest, wenn man so richtig viel Ärger mit den Eltern hatte und dann sich gedacht hat, Die werden sich noch wundern, wenn ich weg bin und ich renne morgen irgendwie weg und dann komme ich nie wieder und dann werden sie trauern. Und weißt du, solche Fantasien. Und das ist genau das. Absolut. Und dann stellt er sich halt auch noch vor, wie die dann reagieren und sagen, um Gottes Willen, ich hab alles falsch gemacht. Wir sind doch wenigstens noch zusammen. Nein, Lisa, wir sind nicht zusammen. Dieses ganz... Ich weiß nicht, ist das so absurd.
Florian Bayer: Tommy Weissow als Autor ist schlecht. Wir fangen mal mit Tommy Wiseau als Autor an. Also zum einen ist es, dass er sich als diesen absolut strahlenden Opferhelden schreibt. Zum Zweiten ist es, dass er keine anderen Menschen schreiben kann. Alle Menschen in diesem Film reden so, wie Tommy Weiss so redet. Und das ist vor allem unglaublich repetitiv, alles in diesem Filmbüro. Oh Gott, oh Gott.
Johannes Franke: Naja, aber ich find's krass, was auch für ein Frauenbild er da reinwirft. Das macht ja das Ganze noch schlimmer. Jetzt sind wir schon beim Film.
Florian Bayer: Bleib beim Text, wir sind beim Drehbuch.
Johannes Franke: Okay, wir sind beim Drehbuch.
Florian Bayer: Tommy Wiseau schreibt dieses Drehbuch, nachdem er den talentierten Mr. Ripley gesehen hat, Ende der 90er.
Johannes Franke: Und dann kommt diese Frauenfigur, die wirklich nur dazu da ist, evil zu sein. Ich frage mich, warum sie nicht einfach noch eine Szene bekommen hat, wo sie so Disney-Evil-Love hat, wo sie mal Muhahaha macht.
Florian Bayer: Evil und hot. Das Drehbuch ist voll mit Sätzen, die sagen, wie hot ist. Lisa ist. Und zwar nicht, ich denke mir das gerade nicht aus, es ist wirklich der Begriff Gott. Immer wieder sagen irgendwelche Charaktere auch komplett Out of context, wie schön sie ist, wie sexy sie ist, wie hot sie ist.
Johannes Franke: Krass, ne? Und das Drehbuch ist so horny. Die ganze Zeit ist es so viel Sex, so viel Sex, Sex, Sex. Und dann, das Drehbuch hat ja dann vielleicht nur eine halbe Seite für diese Sex-Szenen, aber die sind ja dann im Film extrem lang.
Florian Bayer: Craig Sestero sagt zu dem Drehbuch, ihr habt keine Ahnung, wie dieses Drehbuch aussah. Was im Film rausgekommen ist, ist, Gott sei Dank gab es einen Script-Supervisor, zu dem wir nachher noch kommen. der da so ein bisschen nachkorrigiert hat, weil das Drehbuch ist viel schlimmer, viel inkohärenter. Es gibt zum Beispiel Szenen, in denen Lisa mit ihrer Mutter telefoniert. Einige der Szenen, die wir sehen, wo die Mutter zu Besuch kommt, sind sie telefonieren miteinander und am Ende des Telefonats führt sie sie zur Tür. Es hat keinen Sinn. Es ergibt keinen Sinn. Es sind wirklich Momente, wo man das Gefühl hat, Tommy Wiseau hat angefangen eine Szene zu schreiben. Und hat im Verlauf dieser Szene vergessen, was da passiert ist. Wie die überhaupt angefangen hat. Und hat sich nicht mehr die Mühe gemacht, nachzuschauen.
Johannes Franke: Aber das Problem ist ja... Tommy Wiseau hat ja nicht einfach nur ein Drehbuch geschrieben, der hat ja angefangen ein Theaterstück zu schreiben. Hat das versucht, auf die Bühne zu bringen? Ist da kläglich gescheitert, weil es keiner wollte? Dann hat er einen Roman draus gemacht, der 500 Seiten lang war. Ja. Der wollte nicht sich verkaufen oder sonst irgendwas. Er hat's an Verlage geschickt.
Florian Bayer: Oh Wunder, oh Wunder.
Johannes Franke: Und er hat dann eben diesen Film draus geschrieben. Das heißt, er hat mindestens dreimal auf das alles drauf geschaut und gesagt, ja, ist gut so.
Florian Bayer: Es muss wohl voller Logiklöcher sein, voller inkohärenter Momente. Auch Personen, wo nicht ganz klar ist, wer jetzt gerade mit wem spricht. wie der Film, zu dem wir gleich kommen, auch einfach Dinge, die gegen jegliche Regeln verstoßen. Also auch so wie man einfach kein Drehbuch schreibt. Manchmal viel zu viele Details, wie was aussehen soll, manchmal überhaupt keine Details. Man weiß nicht, ob das innen oder außen ist, weil er einfach versucht, vergessen hat, innen oder außen zu schreiben, weil einfach kein Ort da steht.
Johannes Franke: Es ist ihm auch egal, ne? Es geht ihm ja nur darum, dass die Charaktere sich gegenseitig Worte an den Kopf werfen.
Florian Bayer: Und die Charaktere reden alle gleich. Also diese Sachen, so Sätze, die stehen. ständig fallen, wie zum Beispiel, dass Marc zu Tommy sagt, du bist mein bester Freund und dann zu Lisa sagt, Tommy ist mein bester Freund.
Johannes Franke: Wie oft Marc sagt, das ist mein bester Freund, das kann ich nicht machen. Ich habe aufgeschrieben. Als es ums Drehbuch geht, habe ich aufgeschrieben, ein Waisenhaus an Handlungssträngen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil es ein Haufen Handlungsstränge nicht weitergeführt werden. Eine Mülldeponie für Plots und Plotholes gleichermaßen. Und ein Altersheim für Klischees und Sexismus.
Florian Bayer: Und weißt du, was wirklich das Traurige daran ist? Tommy Wiseau hat das gemacht, weil er realistisch sein wollte.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Das ist sein Ziel. Und deswegen baut er auch zum Beispiel, das ist wirklich, so funktioniert in seinem Kopf Realismus und man kann kurz drüber nachdenken, dass er... dass es eine Berechtigung für diese Vorstellung gibt. Deswegen baut der so was ein, wie dass die Mutter sagt, ich habe Brustkrebs. Und es wird nicht mehr erwähnt. Tommy Weissos' Gedanke ist, es gibt einen außerhalb der Handlung. das nicht weiter gezeigt werden muss, weil es nicht relevant ist, aber es gibt dieses außerhalb und es muss diesen... Es muss diesen Push zu diesem Außerhalb geben, um zu zeigen, ich bin jetzt realistisch.
Johannes Franke: Ja. Der Grundgedanke ist gar nicht so schlecht, ne?
Florian Bayer: Der Grundgedanke ist richtig und ich finde es auch im richtigen Setup funktioniert es auch, dass ein Film Themen aufgreift, die nicht weiter tangiert werden und neugierig machen.
Johannes Franke: Das ist besonders spannend bei verfilmten Büchern. Du hast Bücher meistens eine viel größere Welt, als der Film abbilden kann, jemals. Und wenn du ein Buch, ein gut geschriebenes Buch verfilmst, dann hast du beim Film im Idealfall ständig das Gefühl, dass die Welt für viel größer ist als der Film, weil du Figuren hast, die ganz viel Hintergrundwissen mit sich rumtragen und das in Nebensätzen mit passiert. Und das versucht er hier auch, aber er scheitert natürlich kläglich.
Florian Bayer: Absolut, vor allem, weil er macht ja Erklärbär-Szenen. Dieser Film ist ja voll mit Szenen, in denen erklärt wird, wer ist Danny und trotzdem weiß keiner wer Danny ist. Also es gibt einfach diese Figur Danny, der offensichtlich ein 15-Jähriger oder 16-Jähriger Teenager sein soll. Er ist der älteste Schauspieler. Und dann gibt es diesen Moment, wo Lisa zu ihrer Mutter sagt... Tommy hat Danny adoptiert, er will ihm helfen und so weiter, wo das uns als Publikum hingelegt wird, damit wir genau verstehen, wie ist das Verhältnis von denen. Und trotzdem sehen wir diesen Moment, in dem Danny bei ihnen zu Hause ist und aufs Bett springt und sagt, ich gucke euch gerne zu, Leute.
Johannes Franke: Ich war so kurz vorher... auf Pause zu drücken und zu sagen, oh, ich muss kurz duschen gehen. Free as a crowd. Diese Szene ist so hart. I just like to watch. Es ist so schrecklich.
Florian Bayer: Daran scheitert halt Tommy Weiss. Er scheitert an dem Realismus auch, weil er halt genau das macht, die ganze Zeit diese Explanation-Momente.
Johannes Franke: Vielleicht ist es wirklich so, weil Tommy Wiseau als Mensch einfach mit der Realität nicht so richtig eng in Kontakt ist. kann er einfach auch diese Realität nicht schreiben. Absolut. Es ist ja so, dass man, und ich bin nicht derjenige, der diese Formulierung erfunden hat, es wird ganz viel gesagt, Es wirkt wie ein Alien, das versucht darzustellen, wie Menschen funktionieren. Also ein Alien, das keine Ahnung von der Menschheit hat, von außen einmal drauf guckt und sagt, aha, ich verstehe. Das, das, das und das. Das sind die Sätze, die man so sagt und so funktioniert das. Oder auch, um die heutige Zeit reinzuholen, KI. Early KI, die verzweifelt versucht, die Sachen zusammenzuwerfen. Absolut.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und daraus eine kohärente Story zu machen, die null kohärent ist, aber am Ende drauf guckt und sagt, ja, stimmt so.
Florian Bayer: Es klingt wie frühe KI. Ja. Auch in dieser Reduziertheit, in dieser Repetition und in dieser Übererklärung.
Johannes Franke: Total. Vielleicht hat KI einfach nur dieses Drehbuch die ganze Zeit als Trainingsprogramm bekommen. Deswegen waren diese schlechte am Anfang.
Florian Bayer: Oh Gott. Springen wir von Tommy Weiss so, dem Drehbuchautor, zu Tommy Weiss so, dem Produzenten? Weil das wäre quasi so das Nächste, weil es geht ja jetzt darum, das zu machen, was zu so einer Produktion dazugehört, wie Kameras kaufen. Ich möchte nicht Kameras kaufen. Du kaufst keine Kameras.
Johannes Franke: Ich möchte wenigstens einmal kurz abschließen mit dem Drehbuchthema, in dem ich sage, dass ich es sehr schade finde, dass sie ihm ausgeredet haben, dieses fliegende Auto noch unterzubringen, wo er dann als Vampir davonfliegt am Ende. Das wäre schon noch realismusmäßig, wäre es schon noch ein Step up gewesen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Es hätte auch irgendwie vollkommen reingepasst. Ich denke, einen Tag vorher hat er wahrscheinlich Grease gesehen und dachte, das ist ein geiles Ende. Und man kann ja auch sowas machen. Krrr. Die Überlegung, dass er ein Vampir ist, hat er tatsächlich auch.
Johannes Franke: Genau, ja. Das wäre auch toll gewesen. Naja, okay. Produktion.
Florian Bayer: Produktion. Tommy Weissow hat dieses Buch geschrieben. Gibt es Crack-Sestere zu lesen? Es gibt tatsächlich diesen awkward Moment, wo Craig Zestero das liest, während Johnny daneben sitzt. Oh Gott. Während Tommy daneben sitzt. Wir müssen wieder von Johnny zu Tommy wechseln.
Johannes Franke: Ich muss mal einmal sagen, dass so ein Drehbuch zu lesen gar nicht so leicht ist. Wenn ihr mal googelt und vielleicht ein bisschen Zeit habt, einfach euch ein Drehbuch mal durchzulesen, nehmt mal eins von einem Film, den ihr nicht gesehen habt. Und versucht dieses Drehbuch so zu lesen und euch vorzustellen, wie der Film sein könnte. Wenn ihr Glück habt, dann habt ihr einen Drehbuchautoren erwischt, der viel mit reinschreibt, wie er sich vorstellt, was das ist. Aber das ist eigentlich nicht so, wie man Drehbücher schreibt. Eigentlich ist guter Ton ein Drehbuch so zu schreiben, dass man nicht reinschreibt, welche Gefühle jetzt Schauspieler haben und was genau sie denn machen und so. Sondern das will man ja eigentlich dann auch den Kreativen überlassen und das Buch sollte, wenn es gut geschrieben ist, das auch implizieren. Aber dieses Implizieren von Handlungen und von Gefühlen und von dem Feeling, was die Szene mit sich trägt... Das muss man erstmal lernen, in so einem Drehbuch lesen zu können. Das heißt, wenn jetzt Greg dieses Drehbuch liest... und er ist nicht geübt darin, Drehbücher zu lesen, dann muss der gar nicht unbedingt sofort verstehen, wie schlecht das Drehbuch ist. Also es ist fast ein bisschen überspitzt im Film, dass er sofort sagt, hm, ist gut und man merkt, dass das natürlich totaler Schrott ist. Manchmal liest man so Sachen, ist mir auch schon passiert, dass ich gedacht habe, nee, das ist doch schlecht. Warum macht man das so? Und dann wurde das aber sehr, sehr gut im Film. Einfach, weil ich die Umsetzung nicht komplett im Kopf habe.
Florian Bayer: Ich glaube, das wird im Film runtergespielt und das wird auch ein Buch von Craig selbst runtergespielt, kann ich auch nachvollziehen. Ich glaube, Craigslistero hatte am Anfang einen gewissen Glauben in dieses Projekt. Und ich kann mir vorstellen, dass man das liest und... Also, Craig Sestero hat davor Puppet Master gespielt. Das war sein großer Film, den er gespielt hat. Er ist ein wirklich gut aussehender Mensch, er hat gemodelt und er hat sein hübsches Gesicht an sehr viele Agenturen geschickt. Was ich von Craig Sestero auch außerhalb von The Room gesehen habe, ich glaube nicht, dass das ein richtig guter Schauspieler ist.
Johannes Franke: Nein, würde ich auch so sagen.
Florian Bayer: Und was ich von Craig Sestero gesehen habe, wo er ein Drehbuch geschrieben hat, nämlich Best Friends. Das habe ich irgendwann ausgemacht, weil ich es nicht gut fand. Ich glaube auch nicht, dass Greg Sestero ein guter Drehbuchautor ist. Tut mir leid. Ich glaube, Craig Sestero hat nicht unbedingt das Gespür, das so zu lesen und zu denken, das ist totaler Schrott.
Johannes Franke: Das denke ich halt auch und deswegen sage ich es.
Florian Bayer: Ich glaube, Craig Sestero hat das gelesen und hat gedacht, das ist eine Chance. Er wusste, dass Tommy Weiss so viel Geld hat, dass Tommy Weiss sowas produzieren kann. Und ich glaube, er war ja gar nicht als Schauspieler da angedacht. Tommy Weiß so zeigt ihm das Drehbuch und sagt, willst du mitarbeiten hinter den Kulissen und mich unterstützen in der Produktion? Und Craig Sestero dachte, das ist Geld, gutes Geld, was ich kriege.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Er hatte Probleme zur damaligen Zeit finanziell. Ich kann viel länger in der Lehre arbeiten. Das ist okay, das Projekt. Ich mache da mit.
Johannes Franke: Klar. Finde ich auch total in Ordnung. Absolut, klar. Also egal, selbst wenn er von Anfang an gewusst hätte, dass es ein schlechtes Drehbuch ist. Man kann ja sowas machen, also warum nicht? Und er bekommt Geld dafür und so. Warum nicht? Man kann ja auch in solche Projekte Herzblut reinstecken und das ist vollkommen in Ordnung.
Florian Bayer: Weiß so, als Produzent. Geh zu Burns & Sawyer Filmen. Burns & Sawyer. Wie sind in L.A. ein Name? Die vermieten Räume, die vermieten Kameras, die vermieten Dollys, die vermieten alles, was du brauchst, um deinen Film zu machen. Das ist ein Ort, wo du gerade als Indie-Regisseur absolut hingehst, wenn du was haben willst. Er geht da rein.
Johannes Franke: Das sehen wir im Film auch.
Florian Bayer: Und was sagt er?
Johannes Franke: Ich möchte gerne Technik haben. Ich habe keine Ahnung davon. Verkauft mir einfach, was ihr glaubt, was richtig ist.
Florian Bayer: Verkauft mir. Und die gucken ihn an, vollkommen zu Recht, als ob er von einem anderen Stern wäre. Weil jeder, egal ob der kleine Indie-Rechisseur von ihm an oder das große Studio. Jeder weiß, du mietest die Dinger. Du kaufst dir keine Kamera für einen Film.
Johannes Franke: Kurz zur Erklärung, für die, die mit Filmen nichts zu tun haben sonst. Kameras haben so eine rasante Entwicklung, gerade heute auch mit den digitalen und so, dass das... Absoluter Selbstmord ist finanziell, wenn du nicht im Jahr fünf Filme machst. Wenn du im Jahr fünf Filme machst, kauf dir eine Kamera, absolut. Ich habe mir auch eine Kamera gekauft für 6.000 Euro. Für mich hat es sich gelohnt, weil die Projekte, die ich gemacht habe, so oft gewesen sind, dass Laien teurer gewesen wäre auf die Dauer. Und die Kamera, die ich habe, ist auch nach Jahren immer noch auf einem guten Stand.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber reden wir auch von der Zeit damals, muss man auch dazu sagen.
Florian Bayer: Wir sind Ende der 90er, Anfang der 2000er.
Johannes Franke: Wo der Übergang zwischen analog und digital stattfindet. Und nun hat Tommy Bussow wirklich so wenig Ahnung von Film, dass er sich nicht entscheiden kann, soll ich jetzt eine digitale Kamera oder soll ich eine Filmkamera kaufen? Und dann hat das im Nachhinein, glaube ich, rumgedreht. Es hat ja wahnsinnig viel umgedreht im Nachhinein. Er hat gesagt, das ist eine schwarze Komödie und so, obwohl es ein Drama ist. Und ich glaube auch, dass der Fakt... dass er beide Kameras gekauft hat, nämlich die analoge und die Digitalkamera, um beides zu drehen. Das hat nur was damit zu tun gehabt, dass er... Angst hatte, das Falsche zu machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er hat aber gesagt dann am Ende, naja, ich wollte der erste Regisseur sein, der beide, mit beiden Formaten gedreht hat und dann das zusammenfasst. Und er hat es natürlich nicht zusammengeschnitten, sondern er hat nur das analoge Material benommen Weil das für das Digitale überhaupt nicht ausgeleuchtet war.
Florian Bayer: Das Problem ist, wenn du 35 Millimeter und Digital HD, das sind einfach zwei andere Welten. Du musst es anders beleuchten, du hast einfach unterschiedliche Perspektiven. Tommy weiß so, wusste nicht, wie er was inszenieren muss und das heißt, er hat sich... Nach Craig Zestero hat er sich einfach so ein bisschen mein erster Zauberkasten in Technik gekauft.
Johannes Franke: Ja, genau. Und es ist so seltsam, weil du auch keine Ahnung davon hast, welche, er hat nicht mal Tests gemacht, warum machst du nicht einfach auch wenigstens Tests und holst dir, leihst dir die und die und die Kamera und versuchst dann, Roger Deakins macht das ganz viel, ganz großer Kameramann, ne? der testet so wahnsinnig viel aus und findet raus, was ist der richtige Look für meinen Film. Statt dass er das macht und das Geld da reinwirft, Kauft er sich einfach mit am ersten Tag diese beiden Kameras und sagt, so, damit arbeiten wir jetzt.
Florian Bayer: Die bei Burns & Sawyer, vor allem Bill Murrah um den Namen einmal zusammen, der der Eigentümer von dem Ding ist. haben wohl ziemlich schnell gemerkt, was sie da vor sich haben. Jemanden mit viel Geld und wenig Ahnung, Und dann haben die natürlich gesagt, ey pass auf, lass uns dein Projekt unterstützen. Wir können dir absolut Leute zur Verfügung stellen. Wir verkaufen dir die Technik. Du kannst voll gerne auch in unserem Studio drehen, wenn du willst. Wir haben hier Räume und so weiter. Und Tommy weiß so, hat natürlich gedacht, geil, dann habe ich alles zusammen. Das heißt... ganz viele Leute, unter anderem Peter Enway, der sowas war wie Tommy Wise-Sows Assistent beim Set. Es ist ganz schwierig, wenn wir jetzt von den Rollen beim Set gleich reden, zu unterscheiden, wer hat was gemacht, weil Tommy weiß so, hatte keine Ahnung, wie so ein Set... aussieht und wie so Rollen aussieht. Das heißt, ganz viele Leute waren auch irgendwie Mädchen für alles. So jemand wie Peter Enway oder auch so jemand wie Raphael Smatja, der Kameramann, der Erste. Die kamen einfach von Burns & Sawyer und wurden quasi eingestellt zusammen mit der Technik. Im Film wird das auch sehr schön gezeigt, wenn Tommy sagt, super, ihr seid... alle Angestellten, die so, okay, wir müssen nicht mal was von uns sehen, irgendwelches Referenzmaterial vielleicht. Ach, das ist schön.
Johannes Franke: Ja, so möchte ich meinen Job bekommen, wo einfach jemand davor steht und sagt, ja, mach du halt.
Florian Bayer: Und ich glaube, da haben wir auch einen Punkt, wo die Leute, die dann von außen dazugekommen sind, wirklich mit viel good faith... Ja. Versucht haben ihn zu unterstützen.
Johannes Franke: Ja, das denke ich auch.
Florian Bayer: Unter anderem auch, dass dann ein Script Supervisor engagiert wurde und zwar wurde ihm das wirklich angeraten, du brauchst jemanden. Vor allem, wenn du Regie machst und Hauptdarsteller bist. Du brauchst jemanden, der Script-Supervisor ist. Und dadurch wurde dann Sandy Schlaire angeworben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: der viele Jahre später sagen sollte, ich habe das Ding inszeniert, ich war praktisch der Regisseur, er hat sogar einen Er hat sogar ein Buch dazu geschrieben. Yes, I directed the room. The truth about the Citizen Kane of Bad Movies.
Johannes Franke: Und er ist nicht so richtig zufrieden mit der Darstellung von Seth Rogen.
Florian Bayer: Ja, kann ich absolut nachvollziehen, weil er sagt, er hat viel mehr gemacht. Er war viel wichtiger am Set.
Johannes Franke: Aber ich finde, der Film hat so viele Teile, die er darstellen will. Jetzt Seth Rogen zur Hauptrolle zu machen, wäre doch bescheuert gewesen. Das muss man noch nicht machen. Und da muss man sich, glaube ich, nicht beschweren über die Darstellung.
Florian Bayer: Nein. Dieser Sandy Schlaire ist, glaube ich, ähnlich wie Craig Sestero, ähnlich wie Tommy Wiseau. Ja. Jemand, der einfach davon profitieren will, von diesem Kult.
Johannes Franke: Ja, versteht man auch irgendwie, aber...
Florian Bayer: Der hat einfach mitgekriegt, dass es diesen Kult gibt und wollte dann auch sein Ding davon abhaben. Crypt-Supervisor angestellt, aber weil Tommy Wise so wirklich keine Ahnung davon hat, was ein Regisseur macht, Hat der einfach ganz viele Regieaufgaben übernommen und gerade in den Szenen, in denen Tommy selbst vor der Kamera steht, macht das ja auch total Sinn. Aber damit war er auch ganz viel Mitregisseur.
Johannes Franke: Ich finde es ganz toll im Film übrigens, The Disaster Artist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie der das erste Mal dasteht und Tommy Wiseau es nicht hinbekommt, diese paar Sätze hintereinander zu sagen geradeaus. Und irgendwann Seth Rogen dasteht und das zitiert. Und das ist so ein Moment, wo man als Zuschauer, ich kann mir vorstellen, wenn man das im Kino guckt mit ganz vielen anderen Leuten, die The Room leben, dass man dann gleich mitspricht. wie Seth Rogen das sagt. Und das ist so ein schöner Fan-Moment für mich. Absolut. Wo ich dann da sitze und so, yeah, I did not... Und er macht das ganze Ding.
Florian Bayer: I did not hit her. It's not true. I did not hit her. It's bullshit. I did not hit her. I did not. Das ist, Tommy weiß so, auch so in einem Nutshell, wie er schreibt.
Johannes Franke: Ja, total. Nur Repetition. Ja, total krass. Und dann, oh, hi, Marc.
Florian Bayer: Oh, hi, Marc.
Johannes Franke: Das ist so geil, wie der von einem zum anderen springt. Und da möchte ich ganz gerne kurz reinbringen, was wir noch gar nicht gesagt haben. Es gibt eine Neuverfilmung.
Florian Bayer: Zu dem wir nachher kommen, ja.
Johannes Franke: Genau. Wo genau diese Szene drin ist und wo einmal Bob Odenkirk im Interview gesagt hat, in diesem Drehbuch. springen die Gedanken so seltsam hin und her und unmotiviert hin und her, dass einfach... Schwierigkeiten hatte, als Schauspieler von einem zum nächsten zu kommen, einem Gedanken zum nächsten. Und Tommy Wiseau offensichtlich vor sich selbst kapituliert und hängt das aneinander. Dieses Flasche wegwerfen und I did not sagen und dann oh hi Mark, da passt kein Blatt Papier dazwischen, aber es ist emotional Welten entfernt. Es ist so krass.
Florian Bayer: ist total schräg. Ich finde Sandy Claire als Zeitzeugen relativ schwierig, weil er hat zum einen dieses Buch geschrieben, zum anderen... gehört eher mit zu denen, die ganz stark behaupten, ich hab das Buch gelesen, wusste direkt, dass das komplett bescheuert ist. Ich hab versucht, das zu verstärken. Ich hab versucht, das noch ein bisschen absurder zu machen. damit es mehr in die Richtung Black Comedy geht. Ich glaube ihm kein Wort. Echt? Wirklich nicht? Nein. Ich finde, der Typ wirkt nicht unsympathisch. Und ich kann auch total nachvollziehen, was er macht. Ja. Ich finde, er wirkt, wenn man ihn so hört, wie jemand, der irgendwie sich in dieser Geschichte im besten Licht darstellen will. Ja, das wollen sie alle offenbar. Und deswegen würde ich ihn, also Crack's Esteroid ist auch kein, ist auch kein Zeitzeuge, wo ich so 100% draufsetzen würde. Ja, genau. Aber deutlich mehr als bei ihm zum Beispiel auch.
Johannes Franke: Ja, okay. Weiß ich nicht ganz genau. Das kann ich nicht so richtig beurteilen. Ich finde Greg Sestero auch schwierig, muss ich sagen.
Florian Bayer: Craigslisteo ist schwierig, ja. Ich glaube, es ist halt ein Mensch ohne Rückgrat.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Das hast du sehr schön gesagt.
Florian Bayer: Aber ich weiß es nicht. Es ist so gemein. Ich finde so fairen Diagnosen sind voll unfair. Das will ich auch nicht sagen. Auch so Tommi weiß so, könnte man sagen, der hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, der ist mal nicht depressiv, der hat irgendwelche Traumata. Der ist wahrscheinlich auf dem Spektrum und so weiter. Ich finde es alles total schwierig, so Ferndiagnosen zu stellen. psychischen Shit selbst klarkommen. Also was soll ich hier machen von das von außen beurteilen?
Johannes Franke: Ja, ist richtig. Aber man kann ja trotzdem ein bisschen überlegen.
Florian Bayer: Es gibt von Craig Zestero diese Geschichte, dass Tommy weiß so wohl irgendwann in den 90ern. Einen Autounfall hatte.
Johannes Franke: Einen Autounfall hatte.
Florian Bayer: Und ich finde, wenn man Tommy Wise so sieht, Der sieht auch mitgenommen aus. Und der sieht aus, als ob er schon sehr viele Jahre mitgenommen wäre.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber wie gesagt, ich finde Ferndiagnosen schwierig.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber wir sind doch auch ein Gossip-Podcast.
Florian Bayer: Heute sind wir absolut der Gossip-Postcast und ich werde mich auch sehr lange duschen müssen danach. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfliegen.
Johannes Franke: finden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag ohne Geld und Feedback gerne an johannes. muss man sehen.de und Florian at muss man sehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Wir haben Tommi, weil ich so als Produzenten, der nicht weiß, was er macht und dieses Set zusammenstellt.
Johannes Franke: Genau, der dann auch... immer wieder Sachen aufbauen lässt, die zwei Meter weiter draußen genau so zu kriegen sind. Ja. Die hätten eine Rooftop, hätten sie drehen können, aber stattdessen baut er das vor Greenscreen im Studio auf. Was ist die Begründung? It's Hollywood. wo du denkst, ja, aber Hollywood macht das auch nicht so, aber er hat das so gelernt, er sieht das irgendwie so, dass man ganz viel mit Greenscreen macht und so, also muss er das auch machen.
Florian Bayer: Und es ist wirklich schwierig, weil er hat ja Szenen nochmal nachgedreht, nachdem die fertig gedreht waren. Filme ist üblich, du baust dein Set auf, du drehst alles, was an diesem Set stattfindet und dann baust du es wieder ab.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Tommy weiß das natürlich nicht als Produzent. Das heißt, er sagt dann mitten im Film irgendwann, wir müssen jetzt noch eine Rooftop-Szene drehen. Oder wir müssen diese Szene, die wir am ersten Drehtag gedreht haben, die wirklich gut gelaufen ist und die wirklich gut aussah, die müssen wir nochmal drehen, weil die soll oben sein und wir haben ja jetzt einen neuen Marktdarsteller.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und damit kommen wir zum ganz wichtigen Punkt, den der Film komplett unterschlägt. Ja. Craig Sestero sollte nicht den Mark spielen, sondern Don.
Johannes Franke: Ja. Ach, es gab eine fiese Zeit, in der beide Schauspieler diese Rolle gespielt haben. Weil Tommy Bessow es nicht sofort geschafft hat, den einfach zu kündigen oder ihn gar nicht erst anzustellen, den anderen Schauspieler, der das spielen sollte ursprünglich.
Florian Bayer: Dan oder Don? Cracks as Terror? Aaron nennt ihn Don, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass Tommy Wiseau ihn Don genannt hat, weil Tommy Wiseau sich keine Namen merken konnte und keine Menschen. Und wahrscheinlich hieß er Dan und er war Mitbewohner von Chris A., von dem Schauspieler, der Chris A. gespielt hat. Den Namen wissen wir auf jeden Fall, denn Janikchen? Übrigens voll spannender Typ. Ja? Ja, der war Profisportler und ist später noch Politiker geworden. Oh, okay. Der spielt den Chris A., Viele sagen die beste Schauspielleistung im gesamten Film. Der wurde reingebracht von Dan oder Don. Der ursprünglich den Marc spielen sollte. Der hat gesagt, sie brauchten einen Chris A., sie brauchten einen Gangster. Der hat gesagt, ich hab da einen Typen, mein Mitbewohner, der ist ziemlich einschüchternd körperlich, der kann das bestimmt gut spielen.
Johannes Franke: Auf jeden Fall wollte Tommy Wiseau unbedingt seinen besten Freund in diese Rolle hieven. Und eigentlich wollte der nicht den Marc spielen. Das war nicht sein Ding. Er hat gesagt, ja, ich bin Schauspieler, aber können wir nicht einfach mich in der Produktion belassen und gut ist, hat sicherlich geahnt, dass das nicht gut wird.
Florian Bayer: Ein Grund, warum er es nicht spielen wollte, waren wohl die Sex-Szenen. Er hat sich unnull gefühlt mit den Sex-Szenen, wie sie beschrieben waren im Drehbuch. Und er hat es natürlich auch erst erfahren, nachdem Don gecastet war. Tommy Weissow hat ihn dann angefangen zu pushen. Craig sagt selbst, er hatte ein total schlechtes Gewissen Don gegenüber. Aber das Geld, was ihm Tommy Weiß so angeboten hat.
Johannes Franke: Die angebotene Summe war betrachtlich.
Florian Bayer: Er musste schlucken, ihm wurde schwindelig. Das bedeutete sehr viel Zeit, die er plötzlich gewonnen hat, um in L.A. weiter Fuß zu fassen.
Johannes Franke: Und ich verstehe es total. Vor allem, naja, ich meine, wenn Tommy Weiss so den anderen Schauspieler nicht haben will, wieso muss man denn alle zwingen, miteinander arbeiten zu müssen?
Florian Bayer: Das krasse ist, dieser Dan, der engagiert war ursprünglich, hatte eine Freundin, die ursprünglich Michelle spielen sollte. Und Tommy hat einfach gleich beide gefeuert. Michelle ist eine absolut unwichtige Nebenrolle, die keinerlei Relevanz für die Handlung hat, wie alle anderen Figuren auch. Und Tommy Weissow hat gesagt, wenn wir ihn feuern, dann müssen wir sie auch gleich feuern.
Johannes Franke: Aber die Schauspielerin, die Lisa gespielt hat, jetzt muss ich mich auch sortieren.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, die sollte ursprünglich... Und die hat gesagt, ich kann auch die Lisa spielen. Juliette Daniel. Und Craig Sestero erzählt von ihr, das war eine... so nette Person, die war so witzig, die hat immer gestrahlt, die kam aus Texas, die hat alle mit ihrer guten Laune angesteckt und die hat wirklich gedacht, das ist meine Chance zum Durchbruch. Die hatte wirklich Hoffnung in dieses Projekt.
Johannes Franke: Es war ihr erstes großes Projekt. Oder ihr erstes Projekt allgemein, glaube ich sogar. Das heißt ... Ich habe Interviews mit ihr natürlich gesehen, klar, sie war 21 und die hatte einfach keine Ahnung, wie was laufen muss. Das heißt, sie war am Set und hat gedacht, okay, na gut, wenn das so läuft, dann läuft das so.
Florian Bayer: So ist offensichtlich Film.
Johannes Franke: So ist Drehen also. Und dann hat sie das irgendwie einfach geschluckt und gesagt, gut, dann mache ich das jetzt so, wie du sagst oder du sagst, ich soll es so machen. Und dann hat sie diese... furchtbaren Sex-Szenen irgendwie durchgestanden.
Florian Bayer: Sechs Minuten! Oh, fuck. Tommy Weiss So war nicht cool. Nein. Tommy Weiss So war nicht cool. Also zum einen, er hat offensichtlich irgendwo gehört, dass man als Regisseur ein Arsch sein muss. Das heißt, er hat seine Cast und Crew ordentlich zusammengeschissen mehrmals.
Johannes Franke: Die Vorbilder, die er hatte, die er genannt hat. Die sind ja die ganzen großen Arschlochdinger, ne? Also Stanley Kubrick zum Beispiel und so. Von denen hat er sich abgeschaut, dass man als Regisseur offensichtlich... Und das hat er sich dann zu Herzen genommen und hat sich eine eigene Toilette aufs... ein Set bauen lassen und so. Mit einem Vorhang. Aber auch, ich glaube, ganz fest daran, auch um der Crew und dem Cast zu zeigen, ich bin übrigens hier der Macker.
Florian Bayer: Absolut Machtspiel. Total krass. Es gibt diese Geschichte von, gar nicht zur Sexszene, sondern davor, Juliette, die Lisa-Darstellerin, wird fertig gemacht. Und Tommy geht vorbei, während sie in der Maske sitzt und guckt auf ihren Rücken und da ist offensichtlich ein Pickel drauf. Und anstatt zur Maskenbildnerin zu sagen, kannst du da mal noch ein bisschen pudern, überdecken. schreit er rum, dass das total ekelhaft ist und dass er sowas Ekliges nicht in seinem Film haben will und dass das weg muss und dass das aussieht wie ein Geschwür und so weiter.
Johannes Franke: Oh Mann.
Florian Bayer: Juliet sitzt da und fängt an zu weinen.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Und einer aus der Crew wollte offensichtlich auf Tommy losgehen, weil es ihm wirklich zu viel war, weil es wirklich richtig hässlich war. Und Juliette war so, nee, nee, ist alles okay. Unter Tränen hat sie gesagt, nee, nee, ist alles okay. Ich krieg das hin, ist alles in Ordnung.
Johannes Franke: Ja, wenn man seinen ersten Film macht, dann versucht man natürlich nicht, die Schwierige zu sein. Ja, aber das hätte sie echt machen sollen. Sie hätte echt sagen sollen, Leute, das geht so nicht. Und das Interessante ist ja trotzdem, dass sie gesagt hat, die zweite Sexszene, die da drin steht, die mache ich einfach nicht mehr.
Florian Bayer: Tommi hat für die zweite Sexszene zwischen ihm und Lisa das Material der ersten Sexszene wiederverwendet.
Johannes Franke: Obwohl er schon alles Material für die erste verwendet hat.
Florian Bayer: Sechs Minuten.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn? Warum macht man sowas?
Florian Bayer: Das Ding sollte ursprünglich auf Bon Jovi Always laufen. Und er hat sich dann für diesen R'n'B-Pop entschieden und er lässt den gesamten Song laufen. Der Song dauert fünf Minuten, deswegen muss die Sexszene fünf Minuten dauern.
Johannes Franke: Das ist so absurd. Da wird sich alles Material verwendet.
Florian Bayer: Nach 25 Minuten in diesem Film haben wir vier Sexszenen gesehen. Wie krass.
Johannes Franke: Vier! Und zwar vier Sexszenen, die alle irgendwie vier Minuten lang sind oder sowas.
Florian Bayer: Ja, bis auf den Blowjob.
Johannes Franke: Ja, okay. Habe ich schon wieder vergessen. Oh Gott, oh Gott. Es ist wirklich super krass, vor allem, weil die arme Schauspielerin Juliette Daniel, die saß dann bei der Premiere da. Und der Dreh war schon unangenehm. Und jetzt das Ganze in dieser Ausführlichkeit zusammengeschnitten zu sehen, ist wirklich hart. Ja.
Florian Bayer: Stell ich mir auch ziemlich hart vor.
Johannes Franke: Und ist wirklich sehr schlecht zusammengeschnitten, muss man sagen.
Florian Bayer: Uff, es ist total wild zusammengeschnitten.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Also wir werden bestimmt auch noch ganz kurz zu Tommy Wiseau als Cutter was sagen. Er hatte ja Gott sei Dank im Schnitt auch Unterstützung. Da wurde ja auch noch ein bisschen was gerettet in Anführungszeichen. Naja, wir haben auf jeden Fall diesen Dreh, der startet. Tommy Wiseau verhält sich, jetzt sind wir schon bei Tommy Wiseau als Richtiges, als absolutes Arschloch. Cast und Crew müssen morgens pünktlich um acht am Set sein, damit alles fertig ist.
Johannes Franke: Er ist vier Stunden zu spät.
Florian Bayer: Er ist jeden Tag zu spät. Offensichtlich sind SchauspielerInnen einfach zu spät gekommen, ohne dass es ihm jemals aufgefallen ist, weil er immer zu spät war.
Johannes Franke: Krasse Scheiße. Alter, das ist hart. Aber es hängt auch, glaube ich, und jetzt gehen wir wieder in die Psyche von Tommy Wiseau rein, Hängt, glaube ich, damit zusammen auch nicht nur Machtspielchen in diesem Fall, sondern dass er Muffensausen hat die ganze Zeit. Er kriegt das nicht richtig hin und das merkt er auch. Und er ist unsicher. Und jedes Mal, wenn er gefragt wird, bist du nervös, sagt er... Wie? Was willst du? Was meinst du? Nervös? Ich bin doch nicht nervös. Und ist komplett in Denial, aber er kriegt das einfach nicht richtig hin und das merkt er einfach auch. Und diese vier Stunden... muss er sich, glaube ich, immer jeden Tag hochpushen, um die Kraft zu finden, dahin zu gehen.
Florian Bayer: Tommy, weil es so ist, offensichtlich ein Nachtmensch. Craig erzählt aus der Zeit, wo er mit Tommy zusammengewohnt hat, dass es üblich war, dass Tommy irgendwann abends um acht oder neun in einen ganz merkwürdigen Modus geraten ist, wo er abwechselnd Sit-Ups gemacht hat und Klimmzüge. weiß so, ist extrem muskulös. So fertig der teilweise aussieht, der hat eine krasse Statur. Und dann geschrieben hat und dann noch einen Film geguckt hat, dann hat er Nudeln gegessen und so. Tommy weiß so, war einfach die ganze Nacht.
Johannes Franke: Krass, okay.
Florian Bayer: Der hat einen ganz merkwürdigen Biorhythmus, der Mensch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er kam immer zu spät zum Set, er hat die Leute trotzdem angeschrien, wenn sie nicht alle da waren. Er ist zu spät zum Set gekommen und hat gesagt, was ist jetzt, es muss jetzt losgehen und dann musste alles ganz schnell gehen und alles war hektisch. Es gab keine Drehbücher. Zumindest keine vollständigen Drehbücher. Also nicht für die
Johannes Franke: Leute.
Florian Bayer: Philip Haldiman, der den Danny gespielt hat, der hätte so gerne gewusst, was er da überhaupt spielt, aber er wusste es nicht, weil er einfach kein Drehbuch gekriegt hat.
Johannes Franke: Das war auch einer der Teile, wo ich glaube, dass Tommy Wiseau gedacht hat, das ist Hollywood, das muss so. Niemand darf das Drehbuch sehen, das muss alles geheim sein. Und nur Greg und er kannten so richtig, was da eigentlich ist. Jeden Tag irgendwelche Pages mitgebracht, irgendwelche neuen. Und hat gesagt, ich habe hier nochmal was anders gemacht. Und hat irgendwelche komischen Ideen angeschleppt. Und war völlig unberechenbar dadurch auch.
Florian Bayer: Ja, gleich am ersten Tag, vorm ersten Tag an diese Geschichte mit Dan, mit der ursprünglichen Marktbesetzung, der dann gefeuert wird. mit seiner Freundin zusammen. Und diese Umbesetzung, die alle total irritiert und alle perplex zurücklässt. Und dann ist er einfach von Anfang an richtig hässlich zur Crew, was dazu führt, dass wir mehrere Crewwechsel während dieses Drehs haben.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Er hat sie alle gefeuert zwischendurch oder ausgetauscht.
Florian Bayer: Es gab unterschiedliche Sachen. manchmal tatsächlich war es auch einfach, die haben bessere Projekte gehabt und haben dann gesagt, ja, okay, klar, dafür gehen wir. Raphael Smatja war ja der erste Kameramann
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der war übrigens auch Franzose. Ah, ja, ja. Und der hat auch festgestellt, dass man mit Tommy Wiseau nicht Französisch reden kann.
Johannes Franke: Mhm, mhm, mhm.
Florian Bayer: Und hat diese absurden 35 Millimeter und digital gleichzeitig gedreht.
Johannes Franke: Dann...
Florian Bayer: Da ging es wohl vor allem auch um Arbeitsbedingungen. Tommy Weissow hat sich zum Beispiel nicht vernünftig um Catering gekümmert. Es gab nicht genug Wasser am Set.
Johannes Franke: Ja, und er hat sogar eine Flasche Wasser nach einer geworfen, die gesagt hat, ich will Wasser, ich brauche Wasser. Dann hat er eine Flasche Wasser in den Kopf geworfen und hat gesagt, nobody.
Florian Bayer: Und es kam zu einer kleinen Rebellion und als Madja gegangen ist, hat er quasi seine ganze Crew mitgenommen. Und dann kam als nächstes jemand, der frisch von der Filmhochschule war, nämlich Crayham Futafas. Entschuldigung, wenn ich den Namen falsch angeschrieben habe. Der tatsächlich auch später noch Sachen machen sollte und zum professionellen Kameramann werden sollte. Der ist aber auch relativ schnell dann wieder abgehauen. Und Todd Barron war dann der letzte, also der dritte Kameramann. Das ist der, der am Schluss geblieben ist und der tatsächlich dann auch in den Credits auftaucht. Aber das sind nicht die einzigen, die zum Beispiel Sandy Schlaire sollte auch irgendwann abhauen. Das war aber tatsächlich weniger dramatisch. Der hat Der hat ein gutes Angebot gekriegt, ein richtiges Angebot. Ich versuch grad zu finden, was es war.
Johannes Franke: Aber recht spät erst, ne?
Florian Bayer: Relativ spät. Nach seinen eigenen Aussagen hat er alles produziert, außer den Sexszenen. Und den Straßenszenen, die wurden ja nachträglich gedreht, die Außenszenen und das in dem Laden und so. Und es gab auch einen Schauspieler, der gegangen ist, nämlich Peter. Es gibt die Rolle des Peters. Ein Psychologe, der unglaublich wichtig ist offensichtlich für die Geschichte.
Johannes Franke: Ja, total. Er hat ja... ein Timeline bekommen. Man sagt ja vorher, das ist der Drehplan, wir drehen dann das, das und das. Und bis dann hin sind wir fertig. Und dann hat er gesagt, gut, okay, aber ich kann auch wirklich nur diese zwei Wochen, die ihr da angesetzt habt. Und dann hat er nach zwei Wochen gesagt, so, ich bin dann mal weg. Weil er einfach gesagt hat, ja, ich habe andere Sachen zu tun, ich kann jetzt nicht ewig auf euch warten, das funktioniert nicht. Und Tommy Bussow hat halt reagiert mit, gut, dann spielt die Rolle jemand anders. Was so geil ist, weil auf dieser Party halt plötzlich jemand auftaucht, den wir nie vorher gesehen haben. Wir haben keine Erklärung, wer das ist. Warum ist der plötzlich so vertraut mit allen? Was ist das alles? Was soll das? Und er soll einfach dieser Psychologe sein.
Florian Bayer: Es macht überhaupt keinen Sinn, aber er wird so eingeführt, als wäre er schon immer da gewesen. Einfach dieses fremde Gesicht und der ist jetzt plötzlich da. Wir können diesen Film nicht Szene für Szene durchgehen.
Johannes Franke: Wir scheitern daran. Auf gar keinen Fall.
Florian Bayer: Wir können ja mal versuchen, unsere Highlights zu nennen.
Johannes Franke: Unsere Highlights?
Florian Bayer: Eines meiner Highlights ist auf jeden Fall die Rosenkaufszene. wenn Tommy so in diesen Laden geht und es ist alles falsch. Es ist alles so inszeniert, als hätte... Keiner eine Ahnung, wie man Pacing macht, wie man Dialoge schreibt, wie man sich irgendwie kohärent verhält.
Johannes Franke: Ich glaube ... Um zu verstehen, was diese Szene ausmacht, muss man wissen, dass sie da sehr kurzfristig hingekommen sind. Dieser Blumenladen gar keine Ahnung hat, dass er gleich eine Filmszene drehen würde. Haben die einfach überfallen, haben gesagt, können wir hier drehen, können wir das machen? Wir sind auch gleich wieder weg. Und dementsprechend schnell haben sie es halt gemacht.
Florian Bayer: Can I have a dozen red roses, please? Oh Tommy, I didn't know it was you. That's me. You're my favorite customer. Hi, Doggy.
Johannes Franke: Bye, Doggy. Das ist so absurd. Keinen Sinn. Und keiner von denen reagiert auf den anderen. Es wird einfach nur reingeworfen, was gesagt werden muss. Und es ist jeder Satz gefallen. Ist doch schön, dann können wir wieder rausgehen.
Florian Bayer: Es gibt von Craig Sestero eine tolle Geschichte dazu.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Tommy, also offensichtlich hat das Haus ihm auch gehört. Tommi kommt in diesen Laden und sie klären das, dass sie das drehen können und so weiter und Tommi spielt diese Szene mehrmals ohne den Hund zu sehen und ignoriert
Johannes Franke: ihn komplett.
Florian Bayer: Und dann irgendwann sieht er ihn am Tresen sitzen und sagt, that's a nice dog. Und sie sagt, ja klar. Und dann fragt er, ob er echt ist. Und die Verkäuferin versteht es nicht, weil der Hund bewegt sich natürlich, also es ist so offensichtlich, aber Craig denkt, Tommy hat den Hund gesehen und war sich nicht sicher, ob das eine Puppe ist, ein Roboter. Oder ob das ein echter Hund ist. Und nach diesem Dialog hat er den Hund dann eingebaut, weil er dachte, das ist eine richtig gute Idee, dass der Hund auch eingebaut wird. Und deswegen kommt noch dieses High Doggy am Schluss.
Johannes Franke: I didn't know it was you. Was ist das für ein Satz? Der kommt da rein mit seiner typischen Sonnenbrille. Jeder wird ihn auf 100 Meter erkennen. Sie guckt ihn auch vorher an. Es ist ja nicht so, dass sie ihn nicht gesehen hat. Und dann nimmt er die Brille ab und sie sagt, I didn't know it was you. Was ist das denn?
Florian Bayer: Ja, es würde auch so niemand sagen. Also, pass auf, der Dialog würde funktionieren, irgendwie so, er kommt rein und sie sagt, was möchten sie? Es Das ist schon komisch, dass er eben reingeht und dann sagt, er würde dann ja nicht sagen, wenn er sie kennt, kann ich ein Dutzend Rosen haben, sondern er würde sagen, hey, ich bin's. Oder er würde irgendwas sagen, hey, wie auch immer du heißt, sie hat keinen Namen. Und dann würde sie sagen, ah, hey, Tommy, wie geht's? Sie würden nicht sagen, I didn't know it was you in diesem roboterhaften Klingklang. Und er würde auch nicht sagen, nachdem sie gesagt hat, wie viel Geld es kostet, that's me. Warum sagt der That's Me, nachdem sie ihm den Dreis gesagt hat? Das würde Sinn machen, wenn er es sagt, nachdem sie gesagt hat, I didn't know it was you. Ich bin es. Das würde Sinn machen. Aber er sagt es, nachdem sie ihm die Geldsumme genannt hat.
Johannes Franke: Dazu muss man vielleicht auch wissen... dass das den ganzen Dreh bestimmt hat, dass er, selbst wenn er über mehrere Takes hinweg... und teilweise über Tage hinweg die Sätze nicht richtig sagen konnte, nicht etwa gesagt hat, ja, wir passen den Satz ein bisschen an. Er hat immer gesagt, nein, das steht so im Drehbuch, das muss genau so gemacht werden.
Florian Bayer: Er hat Improvisationen, fand er kacke. Und die Leute haben teilweise gesagt, es macht so viel mehr Sinn, wenn ich diesen einen Satz dazwischenbauen kann, bitte lass mich ein bisschen Kohärenz da reinbauen. Und er war knallhart damit. Auch dieser Moment, wenn Marc ihm von der Frau erzählt, die von ihrem Freund geschlagen wurde. Da lacht er ja, ne? Ja, ja, ja. What a story, Marc.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Sie haben ihm zehnmal gesagt, das ist nichts zum Lachen.
Johannes Franke: Und es ist natürlich im Film auch verarbeitet, weil es ist eine geile Story, das muss man schon sagen. Das ist eine sehr absurde Story, die muss man in so einem Film verarbeiten und das tun sie auch. Und er sagt da... So sind Leute manchmal nicht rational. Und das als Argumentation dafür. Er findet für alles irgendwie so eine Argumentation, die überhaupt nicht funktioniert, die überhaupt nicht schlüssig ist, aber für sich nimmt er das so. Also am unangenehmsten von dich die Sexszenen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Die Sexszenen sind halt kein so bad it's good thing, sondern du siehst das Ding und denkst, uff, das ist wirklich hart, dass dieser alte Typ... Mit dieser sehr jungen Frau und die vermeintlich verlobt sind und dann ist die so überinszeniert. Und so lange.
Johannes Franke: Ja, furchtbar, furchtbar. Oh, was für eine Schreckliche. Das ist ein richtig toller Weg. Und dazu vielleicht nochmal ganz kurz gesagt. Ich weiß, wir haben da schon drüber gesprochen. Es gab kein Closed-Set dafür. Wenn man eine Sexszene dreht, dann sagt man normalerweise, Leute ... Alle raus, die nicht unbedingt im Raum sein müssen. Diese Frau wird sich jetzt ausziehen und wir wollen nicht, dass sie da zu sehr sich... entblößen muss vor Leuten, die nichts damit zu tun haben. Wir nehmen den Kameramann, der Tonmann vielleicht noch, wenn er wirklich angeln muss. Ansonsten kriegt jemand Ansteckmikros oder was auch immer oder es wird mit einem ADA gemacht, also mit Nachsynchronisation. Alle raus, die nicht unbedingt am Set sein müssen. Und er so, nö, nö, die müssen alle da sein. Kommt alle her, seid dabei.
Florian Bayer: Ich will, dass ihr zuschaut. Das ist seine Botschaft, ne?
Johannes Franke: Das ist so krass.
Florian Bayer: Er will, dass die Leute zuschauen.
Johannes Franke: Er hat ja auch gesagt, I have to show my ass, sonst wird der Film nicht verkauft. Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Das ist das, was ich auch mit meinte, er hat keinen Filter. Ich gehe davon aus, dass Tommy Vaison, gerade auch so in den 90ern war das ja so ein Ding, dieses Erotik-Thriller-Genre, nach Basic Instinct. Stimmt. dass er so ein paar Erotik-Thriller gesehen hat und festgestellt hat, oh, ein Film hat lange Sex-Szenen und dass er das nicht filtern konnte und dass das für ihn ... Was ganz wesentlich ist, weil es sieht wirklich aus wie so ein billiger amerikanischer Erotikfilm Anfang der 90er Jahre. Sexszene, auch das Gestöhne, komplett out of sync. Die fangen an zu stöhnen, wenn die Sexszene losgeht und es ist die ganze Zeit so ein Stöhnteppich, der überhaupt nichts mit der Handlung zu tun hat.
Johannes Franke: Einfach im Nachhinein reingestöhnt ins Mikro und drübergelegt.
Florian Bayer: Und zwar auch so generisches Stöhnen. Das ist die ganze... Und dann ist er mal halb angezogen, dann ist er mal wieder halb ausgezogen, dann ist er wieder halb angezogen. Es ist keine Struktur da drin in dieser Sexszene. Also dieser Mann weiß auch nicht, wie man zu Sex hinarbeitet, weil man ist am Anfang angezogen und dann irgendwann nackt. Und dann am Ende wieder angezogen. Man ist nicht angezogen, nackt angezogen, nackt angezogen, nackt angezogen, nackt. Und auch diese Rosen, immer wieder diese Blumen. Was ist da los? Die Katzen!
Johannes Franke: Die Kerzen, dieses ganze Apartment müsste zehnmal abgebrannt sein, weil überall fucking Kerzen stehen. Es ist halt ein Musikvideo von Midlove, bloß mit mehr Sex.
Florian Bayer: Und mit R'n'B, Pop statt Metal oder Rock.
Johannes Franke: Ach man, es ist so seltsam. Und am schlimmsten finde ich allerdings wirklich die Geschichte, wie es entstanden ist, weil das wirklich an Urnen dem Spiel ist. Was mir auch... muss ich sagen, am meisten Probleme mit Tommy Wiseau macht und weswegen ich Schwierigkeiten hatte in der Recherche, mich darauf zu konzentrieren, weil ich zwischendurch keine Lust mehr hatte auf die Recherche. Ja. Der irgendwie nur Scheiße macht und der die Leute schlecht behandelt und der diese arme Frau vor allen Leuten irgendwie entblößt und so. Das will ich alles nicht unbedingt wissen und das ist hart.
Florian Bayer: Du musst jetzt für fünf Minuten aufhören, Grinch zu sein und mir einen Highlight nennen, den du lustig findest.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig geil, dass das Ding eigentlich, wenn man es auf die richtige Art und Weise sieht, eine Satire auf amerikanische Kultur ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil dieses ganze Ball hin und her werfen ist ja wohl großartig. Es ist so toll. Er hat wirklich sehr, sehr viele Sachen, weil er eben so ein großer Amerika-Fan ist. Und das ist, da zahlt das American Football Ding drauf ein, da zahlt darauf ein, dass er Tennessee Williams irgendwie... nachmachen wollte und Arthur Miller so geil findet und James Dean eben und dass er diesen Greenscreen unbedingt machen wollte, weil das eben auch dieses große Produktionsding macht. Und natürlich die Postkarten, die bewegten Postkarten, die er immer wieder zwischenschneidet von der Golden Gate Bridge und diesen Palace of Fine Arts und so, dieses ganze riesige, die eigentlich sehr schön aussehen, muss man sagen. Die besten Bilder? Die besten Bilder des Films, die wirklich gut aussehen, die aber natürlich keinerlei Verbindung mit dem Film haben.
Florian Bayer: Überhaupt nicht, ja.
Johannes Franke: Es sieht einfach nur nach, guck mal, das ist Amerika.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Es gibt ja am Anfang diese Szene, wie er in einer San Francisco-Straßenbahn sitzt und die Füße raushängen lässt. Das ist super. Es ist wirklich ein schönes Bild. Es funktioniert total gut. Aber der Zusammenhang fehlt komplett, weil sobald wir in die Räume reingehen, sind wir in Studios.
Johannes Franke: Aber das ist dieses Sitcom-Problem. Absolut. Vielleicht auch etwas, wo er geklaut hat. Wenn wir von Full House das Haus von außen einmal sehen, ist es genau dieses Bild. Und ich glaube, es ist tatsächlich das Full House House zu sehen in diesem Film.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ich glaube, ja. Und... Dieses Konzept übernimmt er und ich finde, dass das mit den Taxidos genauso auch darauf einzahlt, auf dieses amerikanische. Ja. Und dann eben verbunden mit Ballwerfen. Okay, jetzt müssen wir halt im Taxisus diesen Ball werfen. Und dieser Drogendealer. Ich find den wahnsinnig witzig genau deswegen, weil er keine fucking 5 Minuten hat. Und so richtig drauf...
Florian Bayer: Where is my money, Danny? Where is my fucking money?
Johannes Franke: Und Danny sagt dann, ja, warte fünf Minuten und der Film löst das überhaupt nicht ein, weil keiner kommt um dieses Geld. Geld zu bringen. Es ist nicht so, dass das später aufgegriffen würde, dass er in fünf Minuten das Geld hätte haben können oder sowas. Nein, nein. Er sagt ihm einfach nur, gib mir fünf Minuten.
Florian Bayer: Der Chris A. Darsteller, wie gesagt, irgendwann Profisportler, später Politiker. Laut Craig hat er ganz viel Method-Acting-Bücher gelesen vor der Rolle, weil er war kein Schauspieler, er hat sein erster Film und hat dann wohl gedacht, okay, okay, ich muss Method-Acting machen, ist am Set aufgetaucht, hat die ganze Zeit laut mit sich selbst geredet und war wirklich wütend, um sich in diese Rolle reinzubringen. Und Philipp, der Darsteller vom Danny, war wohl wirklich eingeschüchtert. Das kann ich mir vorstellen. Der hat dieses Monstrum gesehen und hat gedacht, oh shit. Ich will nicht, dass der auf mich drauf geht jetzt gleich.
Johannes Franke: Aber geil. Also ich muss fast sagen, die glaubhafteste Rolle. Er macht es gut. Also es ist schlecht geschrieben. Ja, es ist schlecht geschrieben.
Florian Bayer: Aber es ist gut gespielt. Und ich glaube auch tatsächlich, weil das schreibt Craig auch, als die diese Szene... am ersten Tag gedreht haben, da haben sie sie ja noch im Alley gedreht, um dann später nochmal, keine Ahnung, wie viele hunderttausend Dollar auszugeben, um das Set nochmal aufzubauen. Da dachten alle, hey, Das könnte ein guter Film werden. Und Craig auch. Weil das war die erste Szene, die sie gedreht haben. Und das war eine richtig gute Szene. Schön. Einschüchternder Gangster überfällt kleinen Jungen.
Johannes Franke: Ach Gott.
Florian Bayer: Auch sehr amerikanisch finde ich das Café, in dem sie irgendwann sitzen und sich unterhalten, wo wir diese Eröffnungsszene haben. Also Tommy und Marc sitzen dann irgendwann da und trinken Kaffee und unterhalten sich über Frauen. Aber davor sehen wir zwei Kunden... Die den Kuchen bestellen und den Kaffee bestellen. Und die Kamera hält einfach nur drauf. Und das fasst diesen Film so gut zusammen. Weil es ist einfach nur, es ist eine Minute Zeitverschwendung für alle. Für die Crew, für die SchauspielerInnen. Für uns als Publikum, es ist einfach nur Zeitverschwendung. But that's real life. Das sind Dinge, die passieren.
Johannes Franke: Und wir werden entschädigt dafür, weil wir kurz darauf die Frage haben, anyway, how's your sex life? Großartig. Es ist so weird. Das ist so geil. Das ist wirklich einer der Momente, wo ich am Boden liege. Sehr, sehr, sehr lustig.
Florian Bayer: Also was ich noch wirklich lustig finde, ist dieser awkward Moment, wenn Danny, Tommy, Johnny gesteht, dass er Lisa sexy findet und das dann erzählt hat. Und dann hält Johnny plötzlich diese philosophische Rede. If a lot of people love each other, the world would be a better place to live. Und er hat plötzlich diese ausgemalte Philosophie und ich sehe förmlich in Tommy Weiss so, wie er das schreibt und denkt... Das ist mein großer Moment, wo ich meine Botschaft für Frieden und für Liebe hier platzieren kann.
Johannes Franke: Das ist mein Oscar-Moment.
Florian Bayer: Das ist mein Oscar-Moment. Der wollte einen fucking Oscar.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Der hat die Kinos bezahlt, dass sie den Film lange genug spielen, damit er einen Oscar kriegen kann. Das ist so geil.
Johannes Franke: Die Oscars sagen ja, mindestens zwei Wochen im Kino gewesen, sonst kann der Film nicht teilnehmen. Also muss der Film zwei Wochen im Kino laufen. Das Kino hat allerdings gesagt... Alter, da kommt keiner. Und die, die kommen, wollen ihr Geld zurück. Wir mussten extra dieses Plakat aufstellen, auf dem draufsteht No Refunds. Ja. Also nehmen wir das bitte wieder raus. Und er hat gesagt, nee, das muss mindestens zwei Wochen laufen. Ich gebe euch Geld dafür. Oh, es ist absurd.
Florian Bayer: Ich finde die Dialoge zwischen Lisa und ihrer Mutter ganz fantastisch. Also sie werden ja drei- oder viermal gezeigt.
Johannes Franke: Vor allem ist es ja immer wieder das gleiche Gespräch.
Florian Bayer: Es ist immer das gleiche Gespräch. Oh Gott, oh Gott. Die Mutter, die Claudette, also das ist eine tolle Frau, die die gespielt hat, aber die ist so steif in diesen Szenen. What is wrong? Tell me. What's with you? Tell me. Und immer wieder, ich mag Johnny. die nicht mehr, ey. Er ist langweilig, ich will mich von ihm trennen. Und die Mutter immer so, du musst mit ihm zusammenbleiben. Er sorgt für Sicherheit.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Tommy wie so ist Frauen- und Männerbild.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Es ist in diesen Dialogen deutlich, der Mann kümmert sich um die Frau, die Frau muss ihm ergeben, dankbar und treu sein.
Johannes Franke: Einer der großen Gründe, warum ich eben auch immer Schwierigkeiten hatte, tiefer und tiefer in die Recherche reinzugehen. Ich hatte so Angst, noch mehr über sein Frauenbild zu erfahren, weil ich wirklich gedacht habe, in diesen Szenen Meine Fresse, ach so, er hat dir ein Auto gekauft, dann musst du natürlich bei ihm bleiben, ist natürlich klar.
Florian Bayer: Nein, es geht gar nicht nur um das Auto, sondern es geht vor allem um die Zukunft. als Hausfrau. Alle wollen sie in diese Hausfrauenposition drängen. Alle sagen ihr... Dein Job ist nicht sicher, du musst bei Johnny bleiben, Johnny kümmert sich um dich, Johnny ist gut für dich und so weiter. Guck, was für ein toller Kerl Johnny ist.
Johannes Franke: Hast du den Job von Johnny verstanden?
Florian Bayer: Er ist Banker.
Johannes Franke: Aber war er nicht auch Techniker oder sowas?
Florian Bayer: Ne, ich glaube er ist Banker.
Johannes Franke: Also ja natürlich, als Banker habe ich Klar, ein Dialog davon. Aber war da nicht auch irgendwas mit, dass er irgendwie was mit IT noch zu tun hatte? Oder war sie das?
Florian Bayer: Nee. Ich glaube nicht. Es wird nicht gezeigt und nicht erklärt, was sie beruflich macht und was er beruflich macht und sie hat kein Leben außerhalb dieses Raums.
Johannes Franke: Nee, das ist krass, ne?
Florian Bayer: Sie lebt nur in diesem Raum.
Johannes Franke: Ja, deswegen heißt das Ding auch The Room.
Florian Bayer: Ja, das finde ich tatsächlich absolut. Macht ein Beziehungsdrama als Kammerspiel. Überhaupt kein Problem. Macht nur einen Raum. Aber wie sie, es fasst so gut zusammen, wie er sie versteht. Sie ist nur da, wenn die Kamera auf sie drauf hält. Sie hat kein Leben drumherum.
Johannes Franke: Sie existiert sonst nicht, ja.
Florian Bayer: Sie wirkt, als würde sie da sitzen und darauf warten, dass ihre Mutter kommt. damit sie mit ihr reden kann. Sie wirkt, als würde sie da sitzen und darauf warten, dass Johnny nach Hause kommt, damit sie mit ihm reden kann. Sie wirkt so, als würde sie darauf warten, dass Marc anruft, damit sie mit ihm Sex haben kann.
Johannes Franke: Ja. Ja, und es ist krass, weil auch, was ich sehr lustig finde auch, ist, dass diese... Dieser Raum wie eine Bühne auch funktioniert, nämlich mit dieser Tür, durch die Leute reinkommen, sich hinstellen, gerade Danny macht das wahnsinnig viel. Absolut. kommt rein, stellt sich hin, gibt seine Leinen und geht wieder. Es ist Es gibt ein Gespräch von vielleicht zweimal hin und her und dann sagt er, okay, ich muss wieder los. Eigentlich wollte ich Johnny sprechen, aber ich warte jetzt nicht, bis er kommt. zwei Sekunden.
Florian Bayer: Es gibt so viele Momente von Hallo, wie geht's euch?
Johannes Franke: Ich hab schnell was zu sagen.
Florian Bayer: Ich muss wieder weg. Auch die Mutter von Lisa, die kommt rein, die unterhalten sich keine Minute und dann geht sie einfach wieder. Oh, ich muss los. Das ist so merkwürdig. So beginnen Begegnungen nicht, so enden Begegnungen nicht. Gespräche während Beginn.
Johannes Franke: Es ist alles falsch daran. Oh, Mann. Ach, ich weiß nicht. Tommy Wiseau hat mal gesagt, dass diese Plotlines, die nicht weitergeführt werden... Also das mit dem Brustkrebs und so weiter und die Drogenprobleme von Danny. Dass er das natürlich einbaut auch, du hast vorhin gesagt die Alltäglichkeit, aber dass er gesagt hatte auch... Dass man ja sich Fragen stellen soll als Zuschauer. Was ist denn jetzt mit Dennis? Drogenproblem. Und schon hast du ein Thema mehr. Und der Film hat dich dazu angeregt, nachzudenken. Das ist seine Rationell dahinter.
Florian Bayer: nicht die Frage, was ist mit Dannys Trogenproblem, sondern was ist mit Danny? Was stimmt nicht mit diesen Menschen?
Johannes Franke: Es ist so seltsam. Es ist so seltsam. Und diese Konfrontation von der Mutter, die auch wirklich so darauf beharrt, ihm zu sagen, wie scheiße das alles ist und dass er sein Leben wegschmeißt und dass das alles nicht geht. Was hat sie mit ihm zu tun? Was ist das?
Florian Bayer: You are not my fucking mother! Natürlich nicht.
Johannes Franke: Oh Gott. Ja, okay. Willst du noch weitere Szenen?
Florian Bayer: Noch einmal ganz viel Liebe für das Paar, Freunde offensichtlich von Lisa und Johnny, die Sex im Apartment haben. Es hat nichts mit nichts zu tun. Sie gehen in das Apartment. Er sagt ihr, dass Schokolade ein Zeichen für Liebe ist. Sie bläst ihm ein. Und dann kommt die Mutter rein mit dem vollkommen berechtigten Satz, wie viele Leute gehen in diesem Apartment ein und aus?
Johannes Franke: Sehr gute Frage. Manchmal hat man schon das Gefühl, dass Tommy Bessow kurzes Aufblinken von Reflexion hat, ne? Ja. Weil solche Fragen stellt man ja nicht, wenn man nicht wüsste, was man da gerade schreibt. Ja.
Florian Bayer: Nein, diese Szene ist ja offensichtlich als lustige Szene gedacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: beim Sex erwischt. Oh, wie peinlich. Er ist nicht schnell genug angezogen. Er macht ein komisches Gesicht, wenn sie ihm einen bläst. Das ist Tommys Moment, aber ich glaube, es ist nicht so, dass das heißt, er will den Film als Komödie, sondern das ist der lustige Moment in dem sonst sehr ernsten Drama.
Johannes Franke: Beziehungsweise das mit den Gesichtsausdrücken hat der Schauspieler von sich aus gemacht. Das kam nicht durchs Drehbuch. Der Schauspieler hat sich das so ausgedacht, hat gedacht, oh ja, ich mache hier so ein bisschen lustig.
Florian Bayer: Besser. Viel besser als alles andere.
Johannes Franke: Weil der das auch als Sitcom gelesen hat quasi.
Florian Bayer: Es ist ja auch eine Sitcom-Szene. Dieser ganze Moment ist so absurd. Warum sind die in dem Apartment, um Sex zu haben? Ja, ja, ja. Ja. Ja, Tommy Wieso denkt, dass das ein großartiger Film ist. Tommy Wieso, der Produzent, mietet ein Plakat.
Johannes Franke: Ach, wie geil. Es gibt ein Plakat, das 5000 Dollar im Monat kostet, um da zu hängen. Einfach prominent bei einem Highway, glaube ich, war das, ne?
Florian Bayer: Richtig prominent.
Johannes Franke: Ja. Und dann hat das Ding... fünf Jahre lang sein Gesicht getragen mit diesem Plakat von The Room.
Florian Bayer: Das war quasi eine Touristenattraktion irgendwann, weil jeder wusste, dieses Plakat hängt da an dieser Straße.
Johannes Franke: Aber ich meine, er hat sein Ziel damit erreicht.
Florian Bayer: Ja, das ist ein Teil von der LLG.
Johannes Franke: Es haben alle darüber geredet. Fünf Jahre lang, 5000 Dollar im Monat. Weil, meine Fresse, wie viel Geld ist da reingeflossen? Das ist krass.
Florian Bayer: Die Dreharbeiten sind ein Chaos. Der Film ist schlecht. Der Film hat seine Premiere 2003 im Juni. Und der Film kommt nicht gut an. Weder beim Publikum noch bei denen, die ihn gedreht haben. Aber der Film sorgt nicht für diese hysterischen Publikumsreaktionen, die er heute auslässt. Die Leute sehen ihn und sagen, das ist ein schlechter Film.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und verlieren das Interesse.
Johannes Franke: Ja. Im Film The Desaster Artist wird das alles natürlich verknappt. Ja. Dann hast du in der ersten Vorstellung die Entwicklung, die der Film über Jahre genommen hat beim Publikum. Erst mal entsetzen. Die ersten Vorstellungen sind überhaupt nicht gut gelaufen. Leute wollten ihr Geld zurück und haben auch nichts Lustiges darin gesehen. Das ist einfach nur, was ist das für ein Schrott? Und dann über die Zeit hat sich herausgestellt, dass Hollywood diesen Film total geil findet, weil sie sich darüber gegenseitig Also die machen richtig Abende, wo der Film dann läuft und große Stars das als Entertainment benutzen für sich.
Florian Bayer: Ich habe versucht, die Ursprünge zu finden. Offensichtlich schon relativ früh. Und zwar Michael Ruslet von Five Second Films.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der hat den Film gesehen und fand ihn irgendwie witzig. Und der hat gesagt, Freunde, ihr müsst euch den mit mir angucken. Und hat daraus so ein bisschen sein eigenes Mystery Science Theater gemacht. Er saß da mit seinen Freunden zusammen, hat ihnen den Film zum ersten Mal gezeigt und hat angefangen, den Film zu kommentieren. Und das hat offensichtlich funktioniert, weil der war halt auch so ein bisschen verknüpft mit Leuten aus der Comedy-Szene. Und am Schluss waren tatsächlich in den letzten Wochen des Screenings, wie gesagt, der Film wurde so viele Wochen gezeigt, damit er bald für die Oscars laufen kann. war das Ding plötzlich voll. Nachdem es eine Zeit lang wirklich nur so zwei, drei Leute da saßen, waren das dann plötzlich mehrere hundert Leute, die den Film gesehen haben. Genau, zwei Wochen Auswertung, damit er zu den Oscars kommt. Und Michael Russeli ist offensichtlich da reingegangen, weil er dieses No-Refund-Film-Plakat gesehen hat, das draußen hing und gedacht hat, okay, Den Film muss ich sehen. Und dann hat sich das irgendwie so zum Kult entwickelt. Und zwar haben die sich dafür eingesetzt dann, dass das Ding weiterläuft. Die haben quasi versucht, dass das weiterläuft. Und zwar haben sie einfach so angeschrieben und haben gesagt, ey, dein Film ist so geil. Bitte! Zeig diesen Film wieder. Und dann hat Tommy Weiss so, wir sind jetzt im Jahr 2004, also ein Jahr nach Veröffentlichung, Midnight Screaming von dem Film gemacht. Und das lief gut. Und dann hat er gesagt, okay, mache ich nächsten Monat nochmal. Und dann ist das Ding jeden Monat gelaufen. In dem ursprünglichen Kino. Und zwar immer am letzten Samstag ausverkauft.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Und das ging bis 2012 so. Bis das Theater, bis das Kino verkauft wurde.
Johannes Franke: Ja, das ist krass, ne? 2008 kam dann dieser Artikel raus.
Florian Bayer: Genau, und zwar Clark Collins hat im Entertainment Weekly über das Phänomen geschrieben. Einmal im Monat. Und in dieser Zeit haben sich ganz viele von diesen Memes entwickelt, dass Leute anfangen Löffel auf die Leidner zu nerven, bis du die Löffelgeschichte erzählst.
Johannes Franke: Ach, die Löffelgeschichte ist doch süß. Die hatten offenbar keine Zeit. Ich weiß nicht genau, was keine Zeit bedeutet in dem Zusammenhang. Was soll das? Sie haben zwei Tage für eine Szene gebraucht. Warum hatten sie keine Zeit? Aber es heißt, sie hätten keine Zeit gehabt. in den Bilderrahmen, die im Setschk standen, echte Bilder reinzutun. Sie haben einfach das gelassen, was drin war, als sie die Bilderrahmen gekauft haben. Und zwar Löffel. Da sind Bilder von Löffeln drin gewesen. Und dann hat irgendjemand im Publikum gedacht, ach komm, das ist so lustig. Ich schmeiß jetzt einfach einen Plastiklöffel auf die Leinwand, immer wenn ich das sehe. Und es gibt sehr viele Optionen. Sehr viele Momente in diesem Film, wo man Löffel werfen kann. Über 30.
Florian Bayer: Es ist eine Rocky-Raw-Picture-Show geworden. Die Leute haben angefangen, interaktiv mit Konfetti zu werfen, mit Löffeln zu werfen. Sich Bälle zuzuwerfen. Bälle zu werfen, Dialoge mitgesprochen und teilweise auf Sachen reagiert, die passieren. offensichtlich eine Szene, wo ihr Hals anfängt so merkwürdig zu pulsieren. Craig sagt, Ich weiß nicht, als wir das gedreht haben, niemand hat es gesehen. Wir haben es auch erst nachher gesehen. Wahrscheinlich war es, weil sie sich einfach so awkward halten musste. Genau, genau. Aber darüber werden ganz viele Witze gemacht dann während der Vorstellung so à la It Lives. Es ist teilweise auch ziemlich hässlich, was da passiert bei den Vorstellungen.
Johannes Franke: Ja, muss man auch sagen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall war das dann ein riesiges Ding. Leute hatten Spaß bei den Vorstellungen. Clark Collins schreibt über die Vorstellungen. Ein Jahr später schreibt Scott Tobias für den AV Club. Ja. Und das jetzt sind wir 2009, 2010 und dann entdecken die Leute im Internet das Ding, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Adult Swim, die Comedy, Internet, TV, Web TV.
Johannes Franke: Die haben uns den ganzen Tag gezeigt. Das lief einfach.
Florian Bayer: April Fool's Day, da haben sie das gezeigt. Und die Leute haben es einfach genossen. Und dann haben es halt irgendwann diese Film-Reviewer, die in der Zeit auch gerade groß sind, so anfangs 2010, die haben es dann entdeckt und dann war es all over the place. 2011 hat dann Tommy Wiseau auch in verschiedenen YouTube-Formaten mitgespielt, weil er einfach plötzlich eine Kultfigur war. Und 2013 hat Craig Sestero The Disaster Artist geschrieben.
Johannes Franke: Eine Frage an dich. Wenn du so einen Film gemacht hast, du hast Herzblut reingeworfen, du denkst, das Ding ist richtig gut und es kommt von dir. Und ich unterstelle mal, und das ist ja nicht keine weit hergeholte Unterstellung, dass es sehr autobiografisch ist. Dass er da Gefühle verarbeitet hat, die ihm wichtig sind, die sehr nah an seinem Herzen sind. Und dann ist dieser Film fertig und alle lachen. Wir sehen es bei The Desaster Artist auch wieder sehr verkürzt. Er sitzt da und denkt sich, ach scheiße, was ist denn hier los? Warum finden die das was? Ich hab hier alles reingeworfen, was ich habe, emotional, warum lacht ihr? Und er kriegt dann gesagt, komm, Du hast die Leute berührt, auf eine andere Art und Weise, als du dachtest, aber das ist doch das Wichtige. Und das nimmt er ja auch auf.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie würdest du das machen? Wie kämpst du damit klar?
Florian Bayer: Ich bin was, was das betrifft, wirklich sensibel. Ich glaube, das würde mich total fertig machen. Ich würde darauf überhaupt nicht gut klarkommen.
Johannes Franke: Und ich behaupte, er kommt auch nicht wirklich gut darauf klar.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, ja.
Johannes Franke: Er macht das sehr professionell nach außen. Er erzählt viel, aber er sagt bis heute nicht, dass es ein schlechter Film ist. Zumindest nicht, dass ich das gehört hätte in Interviews. Es sagen genug Leute in seiner Gegenwart, wie absurd schlecht das alles ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er lächelt das alles weg, aber er sagt bis heute nicht ein einziges Mal, dass das wirklich ein schlechter Film ist und versucht immer, Antworten zu finden auf Fragen, die da sagen, warum haben die Taxidos an, warum ist das so, warum ist das so und warum ist das so. Und die alles so in diesem scherzhaften Ton, weil alle es lustig finden. Und er scheint trotzdem irgendwie ernsthafte Antworten für alles finden zu wollen. Er sagt auch, egal was die Leute darüber sagen oder was für eine Haltung sie dazu haben, er findet es gut, solange die Leute darin etwas finden, womit sie sich verbinden können, irgendeine Verbindung herstellen. Und das ist, glaube ich, das Ehrlichste von allem, was er irgendwie sagt darüber. Nämlich trotzdem noch der Versuch und die Hoffnung, dass die Leute daraus was mitnehmen, also was Ernsthaftes mitnehmen für sich. Und das ist, glaube ich, Wahnsinnig schwer, diesen Spagat zu machen für einen Menschen. Das eigene, die eigene Idee und dann das, was draus gemacht wird.
Florian Bayer: Glaube ich auch. Was wir zumindest wissen können, Tommy Wiseau hat das ja offensichtlich von sehr früh schon in seiner Schauspielkarriere gesucht, diese Aufmerksamkeit. diesen Kursen, dass er dann wirklich auf die Bühne geht und wirklich so eine große Geschichte draus macht. Er muss sehr oft gesagt gekriegt haben, dass er nicht spielen kann.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Die Frage ist, wie viel davon hat er tatsächlich verarbeitet? Und wie viel war es einfach... Die haben keine Ahnung oder so. Ich glaube, das muss so ein bisschen offen bleiben. Er hat mit Craig Sestero, also was Craig Sestero in seinem Buch schreibt, hat er mit ihm drüber geredet. Und hat auch gesagt, ich bin zu exzentrisch für die. Ich bin zu anders für die. Und hat sich dann auch, glaube ich, verglichen mit so ... Leuten, die exzentrisch sind, deswegen schwer hatten. Das heißt, es gibt dieses Self-Awareness gab es und er hat es trotzdem weitergemacht. Vielleicht nur, um das als Gegenentwurf zu dem, was du gerade gesagt hast, in den Raum zu werfen. Vielleicht leidet er auch gar nicht so drunter, weil er sich darüber auch definiert, dass er ein Außenseiter ist. Und weil das eher ein Außenseiter ist, der nicht verstanden wird in seiner Art. Aber dass er trotzdem diesen Ausdruckstrang hat und das deswegen auch weitermacht. Und dass er aber letzten Endes auf der richtigen Seite steht, ist so komisch, aber dass er das Richtige macht... Und dass es scheißegal ist, was die anderen sagen oder denken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: wäre, könnte man vielleicht wirklich sagen, als alternative Möglichkeit, es juckt ihn überhaupt nicht. Der ist das gewohnt. Dem geht es so seit ... Dem ging es schon vor The Room so.
Johannes Franke: Ja, aber ist das besser? Ich weiß nicht. Also kann einen das dann nicht jucken, egal wie lang man das durchmacht? Ist das was, was irgendwie geht, dass man diese Ablehnung, die damit schwingt, dass man die durchhält, aushält? Dass man damit nicht nur aushält, sondern dass man damit okay ist? Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Ich glaube, Menschen funktionieren, was das betrifft, sehr unterschiedlich. Und gerade so dieses Umgang mit Kritik. Und dieser Umgang mit harter Kritik von außen. Ich kann nachvollziehen, dass Greg Sestero ihn sieht und sich denkt, Das würde ich auch gerne können, diese Scheiß-Egal-Haltung. Ich kann es vor allem nachvollziehen, weil ich auch jemand bin, der sich viel zu viel Gedanken darüber macht, was andere Menschen von ihm halten. Und deswegen sehe ich auch da drin so was Bewundernswertes zu sagen, mir ist es scheißegal, was andere von mir halten. Und ja, ich kann es nicht nachvollziehen, weil ich nicht so ticke.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber es gibt Menschen, die so sind.
Johannes Franke: Also bis zum gewissen Grad habe ich das ja tatsächlich auch. Ich bin ja auch ganz viel, auch als junger Mensch schon, ich habe ja mich immer... in Anzügen gekleidet, wo anderen Hip-Hop-Klamotten rumgelaufen sind. Also ich habe ja immer irgendwie auch ein... Exzentrisch ist vielleicht fast ein bisschen zu viel gesagt, aber eine Persönlichkeit vor mir her getragen, die anders war als andere. Und es war mir egal, wer das irgendwie doof findet oder nicht doof findet. Damit habe ich nichts zu tun und das ist ja deren Problem und nicht mein Problem. Nichtsdestotrotz, wenn ich etwas mit viel Gefühl und mit viel Gefühl Gravitas und etwas, was mir wichtig ist, in die Welt hinaus schicke, dann hätte ich, glaube ich, größere Schwierigkeiten damit. Naja, damit zusammenhängend einen großen Schritt in eine andere Richtung, die Frage... Dieser Film scheint ja ganz besonders stark zu unterstreichen die These, der Autor ist tot. Sobald dieses Werk den Schneideraum verlässt in die Öffentlichkeit. Gehört dieser Film nicht mehr dem Filmemacher?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: sondern dem Publikum. Das ist diesem Film ganz radikal anzusehen.
Florian Bayer: Absolut. Und sogar noch ein Stück radikaler. Der Filmemacher übernimmt die Interpretation des Publikums.
Johannes Franke: Noch schlimmer, ja. Noch krasser, ne? Also inwiefern er die wirklich übernimmt. Nach außen. Nach außen hin, richtig, genau. Aber... Das finde ich so wahnsinnig spannend an diesem Film, weil ich das anderen Filmen vielleicht gar nicht immer so gegeben hätte, aber dieser Film ist das stärkste Argument dafür. Dass man als Publikum einfach ein Kunstwerk nehmen kann und sagen kann, ist mir jetzt erstmal egal, was der Autor damit wollte. ich habe mein eigenes Ding damit und das ist irgendwie geil und das macht Spaß. Das finde ich interessant und Daran eben wieder die Knüpfung, wie kommt man damit klar als Autor? Dass dir sofort das Werk aus den Händen gerissen wird. Und du eigentlich gar nichts mehr damit zu tun hast.
Florian Bayer: Man muss es einfach. Ja, ja, ja. Es ist die Art von Kunstverständnis, die ich ja auch unterstütze. Und wir haben diese Diskussion ja sehr oft. dass ich glaube, dass die Rezeption für die Einschätzung eines Kunstwerkes oder eines Werkes ganz allgemein genauso eine große Rolle spielt wie die Produktion, beziehungsweise noch eine größere, weil wenn das Kunstwerk fertig produziert ist, es wird nicht weiter produziert. Sondern es wird nur noch rezipiert. Und diese Rezeption, jetzt wird es sehr, sehr philosophisch, Entschuldigung. natürlich übernimmt dann das, was vorher die Produktion war und hat ja auch was Produktives. Das Kunstwerk verändert sich dadurch, wie es wahrgenommen wird. Ja. Was mit The Room passiert ist im Laufe der Zeit, hat diesen Film sehr verändert. Du kannst diesen Film nicht mehr unschuldig schauen.
Johannes Franke: Klar, ja, ja.
Florian Bayer: Und das ist jetzt die neue Art des Kunstwerks. Und wenn du den Film guckst und dann sagst, oh, aber jetzt habe ich ganz ... große Schwierigkeiten damit, wie das gedreht wurde, mit der Perspektive auf Frauen. arbeitest du ja auch an dieser Produktion mit. Weil unter diesem ganzen sich drüber lustig machen, ist das ja auch so ein bisschen begraben worden, dass wir hier ein ganz problematisches Gesellschaftsbild, Frauenbild, Menschenbild haben.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Und das ist auch dein produktiver Anteil an diesem Film. Also du nimmst ja quasi den Film, den Spaßmachern weg und sagst, und jetzt gucken wir nochmal drauf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was sehen wir hier für ein Gesellschaftsbild, was merkwürdig ist? Ja, es ist einfach so. Damit muss man einfach leben, wenn man irgendeine Form von Kunst produziert.
Johannes Franke: dieses seltsame Gesellschaftsbild, da bin ich nicht der Erste und aber auch vielleicht einer derjenigen, die da grießgrämiger draufschauen als Andere, die genau das gleiche Problem sehen, trotzdem den Film mit Spaß sehen können. Und das finde ich eigentlich ganz gut. Das ist gar nicht so schön, dass ich diese grießgrämige Haltung habe dazu. Aber ich kann nichts gegen meine Gefühle dazu. Aber ich finde es natürlich schöner, wenn ich damit ein bisschen entspannter umgehen könnte, weil du kannst es sehen auf der Leinwand und du kannst dann zu so einem Midnight Screening gehen und irgendwelchen Scheiß dazwischen rufen. Und dieses sexistische Bild nehmen und umwandeln mit Spaß und mit Freude. Das heißt ja nicht, dass das Publikum das annehmen muss, nur weil darüber nicht mit Spaß geredet wird. Also es ist halt, ja, ja.
Florian Bayer: Ich finde, das funktioniert gerade bei dem Gesellschaftswelt von Room so gut, weil es halt so eine unfreiwillige Parodie ist. Ja, genau. drüber hinweg schauen, weil es so absurd überzeichnet ist, wie Lisa hier inszeniert wird als die femme fatale, die sich gegen diese Rolle als brave Hausfrau wehrt. Und dass dieser Film komplett unironisch die Rolle als braver Hausfrau, als das Ideal zeichnet. Es ist einfach, es ist so... So skurril inszeniert und so absurd inszeniert, dass man diesen Film auch als feministische Parodie auf einen bestimmten Männertypus und auf ein bestimmtes Frauenbild von einem bestimmten Männertypus. Lesen. Der Film hat sehr viele feministische Momente. Ganz ehrlich.
Johannes Franke: Ja, ja, also die sind zwar nicht so gemeint, aber ja.
Florian Bayer: Das heißt, sie sind nicht so gemeint. Das ist ja das, was ich sage.
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich. Du hast ja recht. Ja, ja, ja. Der Zuschauer ist derjenige, der... Okay, das Interessante ist, wir haben jetzt die ganze Zeit über The Room geredet, aber nicht über The Disaster Artist großartig und auch nicht über die anderen Sachen.
Florian Bayer: Sag mal ganz kurz, weil du sagst, du hast Probleme mit Tommy Wiseau, mit dem Regisseur. Lass uns mal über James Franco reden.
Johannes Franke: Oh fuck, fuck. Fuck, fuck. Oh, ein Sexist inszeniert einen Sexisten. Ja. Ach, was soll das? Ach, scheiße.
Florian Bayer: Also vielleicht einfach, schicken wir einfach vorweg, dass auch wenn das in dem Film nicht wiedergespiegelt wird, ich gehe davon aus, ich würde sagen, es wird nicht wiedergespiegelt, dass James Franco eine ziemlich shitty Person ist. Ja. Der ist ein Arschloch. 2019 mehrere Vorwürfe sexueller Nötigung. Und er hat es quasi, er hat auch gestanden, er hat wirklich viel Scheiße gebaut. Er war extrem übergriffig, sexuell gegenüber mehreren Schauspielerinnen. Er musste dafür Geld bezahlen, er hat gesagt, dass er das mittlerweile verarbeitet hat.
Johannes Franke: Er hat gesagt, ich hatte eine Ruhm- und Sexsucht. Immer wenn irgendwelche berühmten Leute sexuelle Ausschweifungen haben, die krimineller Natur sind, haben sie plötzlich eine Sexsucht. Meine Fresse.
Florian Bayer: Missbrauch und Vergewaltigung sind kein Sex. Missbrauch und Vergewaltigung und du... Nee, dass du dich nicht rausnimmst und du Sexsucht hast.
Johannes Franke: Ja, nein, das funktioniert so nicht. Ich find's krass, weil vor allem die Arschlochenes ja besonders schlimm ist, weil... er dieses Machtgefälle ganz stark ausgenutzt hat.
Florian Bayer: Ja, richtig krass.
Johannes Franke: Er als der große Schauspieler. der Schauspielunterricht gibt und der Leuten Frauen Rollen in Filmen verspricht. Und der Castings durchführt, wo Frauen dann genötigt werden, diese Castings nackt durchzuführen oder irgendwelche sexuellen Handlungen durchzuführen. wo er einfach seine Position ausnutzt auf ganz, ganz schlimme Art und Weise. Und das ist einfach nochmal eine Nummer krasser.
Florian Bayer: Tatsächlich gibt es die Geschichten von Craig auch, dass Tommy, weil es so ziemlich ähnlich drauf war, ne? Das finde ich ganz interessant, weil Tommy Weissow hat offensichtlich sowohl die Castings als auch die Dreh dazu benutzt. um heftig mit Juliette Daniel rumzuknutschen, bis zu dem Punkt, wo Leute gesagt haben, ey, du musst jetzt damit aufhören, das ist zu viel. Es wirkt nicht, als ob du das für den Film machen würdest. Und Craig ist auch ziemlich sicher, dass Tommy Wiseau das knallhart ausgenutzt hat. Um viel, viel, viel Zeit mit ihr zu haben.
Johannes Franke: Genau. Er hat viel geprobt mit ihr, die Sex-Szenen. Sex-Szenen-Proben, Alter, hast du sie noch alle? Das gibt's ja wohl nicht. Das bespricht man mit einem Intimacy Coordinator und das war's. Wie krass ist das denn? Oder eben bei den Castings schon. Er hat bei den Castings mit den Frauen rumgemacht. Die sind reihenweise rausgegangen, als sie mitbekommen haben, dass er derjenige ist, mit denen sie da irgendwie... Also der muss auch so creepy einfach schon sich verhalten haben. Und dann hat er in den Cast Ja. Deine Schwester hat sich als Lesbe rausgestellt. Was ist das für eine Anweisung?
Florian Bayer: Tommy war so übrigens auch ziemlich homophob. Der hat relativ viel mit homophoben Beschimpfungen um sich geworfen. Das hat zu seinem Wortschatz gehört. Und offensichtlich war es für ihn auch... Das ist so witzig, weil es gibt ja offensichtlich diesen Moment, wo Craig Sestero Angst hat, dass da irgendwelche sexuellen Bedürfnisse von weiß, wohin dran sind. Tommy weiß so tickt wohl auch so, dass der Angst davor hat, dass er sexuell ausgenutzt werden könnte von homosexuellen Männern.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: tief verankerte Angst bei heterosexuellen Männern ganz oft zu finden, dass sie, dass homosexuelle Männer sie attraktiv finden könnten und das vielleicht und und Wie auch immer.
Johannes Franke: Ich finde die schönste Antwort auf sowas immer. Ja, ich bin vielleicht homosexuell, aber ich habe Geschmack.
Florian Bayer: In The Office gibt es diese großartige Szene, wo der Chef Angst hat, dass das ein... homosexueller Mitarbeiter, was mit ihm haben könnte oder so. Und er sagt so... Nein!
Johannes Franke: Weil du bist unsensibel. Du bist klein und zählt dann so ganz viele Sachen auf und bringt ihn quasi zum Weinen damit. Oh nein! Okay, also Franco, James Franco, einmal vorweg gesagt, Arschkranke.
Florian Bayer: Teil der Seth Rogenkrug damals, mittlerweile haben sie sich auch so von ihm distanziert und gesagt, hätten wir das gewusst, dass das irgendwie alles Kacke. Point Grey Pictures heißt die Produktionsfirma, die von Seth Rogen gegründet wurde, mit Evan Goldberg und Und das ist wirklich so eine Clique von nicht erwachsen gewordenen Jungen. Die zusammen Komödien drehen und die haben die Rechte an dem Buch gekauft. Teilweise fanden die The Room auch schon geil und waren auch schon in diesen Kult involviert. Haben das gekauft und haben dann daraus das Drehbuch gemacht. Übrigens schon wieder ein paar, ne? Das ist echt so ein, wir stoßen in letzter Zeit immer öfter auf kreative Paare und zwar war es in dem Fall... Scott Neustetter und Michael Weber, die auch irgendwie ... Drehbücher zusammenschreiben, unter anderem 500 Days of Summer 2009 und The Fault in Our Stars 2014. In Hollywood treiben sich gerade sehr viele Menschen rum, die als Paar funktionieren. Was ist das?
Johannes Franke: Vielleicht ist das ein gutes Konzept, dass man sich besser kreativ aneinander reiben kann. Maybe.
Florian Bayer: Wir haben es ja auch probiert.
Johannes Franke: Bei uns hat es auch ganz gut geklappt. Wir haben einen mega erfolgreichen Kurzfilm gemacht. 2011.
Florian Bayer: Oh Mann, das ist echt schon 15 Jahre her.
Johannes Franke: Mann, Mann, Mann.
Florian Bayer: Und die nehmen jetzt dieses Buch, diese beiden, um vielleicht noch den zweiten Autoren zu nennen, der wirklich, glaube ich, eine ziemlich große Rolle geschrieben hat. Ich glaube nämlich nicht, dass Craig Sestero so gut schreiben kann. Der hat das Buch zusammengeschrieben mit Tom Bissell und zwar unter anderem, weil er toll fand, wie Tom Bissell über The Room geschrieben hat in einem 2007er. Tom Bissell ist ein toller Autor. Er kann wirklich gut schreiben. Und ich glaube, viel von der literarischen Qualität, von der Vorlage, um das einmal zu sagen, das Buch ist wirklich toll, The Disaster Artist aus dem Jahr 2013, geht, glaube ich, auf Tom Bissell zurück. Die nehmen dieses Buch, das Craig Sesteros Geschichte beschreibt und Craig Sesteros und Tommy Wiseaus Beziehung beschreibt und die Entstehung des Films. Und dabei auch wirklich über die düsteren Sachen schreibt, wie Tommys Manipulativität, wie sein Narzissmus, seine Eifersucht, wie brutal er sein kann. kann, was für ein hässlicher Mensch er sein kann. Und sie machen was anderes draus, ne?
Johannes Franke: Total. Ich hab das Gefühl, das Buch ist eher so ein Horror-Novel.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Während der Film eine quirky Comedy ist.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Und das ist halt irgendwie, weiß ich nicht, ich kann mir vorstellen, dass James Franco... die Arschkrampe, eben die düsteren Seiten, die er selbst hat, nicht in dem Film haben wollte.
Florian Bayer: Das kann ich mir auch total gut vorstellen. Wobei ich... Ich weiß nicht, wie groß die Rolle von James Franco dabei ist, dass das so entschärft wurde. Ich glaube, die beiden Autoren... Die haben sich das angeschaut und haben gesagt, okay, was machen wir damit? Wir haben jetzt mehrere Möglichkeiten, wir können da draußen wirklich... Wir können was wirklich Düsteres machen oder wir können was Unterhaltsames machen. Wenn wir was Unterhaltsames damit machen, dann müssen wir das seichter machen.
Johannes Franke: Und vor allem müssen wir die Menschlichkeit dieses Typen nach vorne werfen. Damit man am Ende, und ich verstehe den Gedanken total, damit man am Ende mit ihm auch Mitgefühl haben kann und sich mit ihm... Mit ihm traurig sein kann, dass die Leute lachen und dass sie mit ihm sich dann freuen können darüber, dass er eine andere Art von Erfolg darauf hin hat.
Florian Bayer: Und ich glaube, das ist Ihnen gelungen. Ja. In einem alternativen Universum sehe ich einen Film, der anders ist. der viel düsterer ist, viel härter, viel brutaler und der dich auch wirklich teilweise schockiert zurücklässt. Ja. Ich sehe diesen Film als das, was er ist, nämlich eine kurzweilige Unterhaltung, die diese Geschichte relativ akkurat nacherzählt, aber halt die harten Sachen rauslässt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und deswegen wunderbar als Fanservice funktioniert.
Johannes Franke: Ja, total. Das stimmt. Ich habe mir ein paar mehr philosophische Gedanken dazu gemacht, was dieser Film will und warum. Und ich habe das Gefühl, dass sie es schwer zu ertragen finden, jemanden scheitern zu sehen. Ja, und deswegen so wahnsinnig viel Wert darauf legen, das Gewinnen im Scheitern zu zeigen. Also diese Erfolgsgeschichte, diese ja doch auch sehr amerikanisch erzählte Erfolgsgeschichte, dieses amerikanische Traumding, was da irgendwie so ein bisschen pervertiert. drinsteckt, das nach vorne zu holen, weil sie es sonst nicht ertragen könnten, dass dieser Typ all sein Geld, über 6 Millionen, die er ausgegeben hat, in diesen Film geworfen hat, um den schlechtesten Film aller Zeiten zu machen. Und da keine Erfolgsstory draus zu machen, widerstrebt jeder amerikanischen Impuls.
Florian Bayer: Ich sehe das gar nicht so als Erfolgsstory. Ich sehe es tatsächlich vor allem als Geschichte einer Freundschaft. Ich habe das Gefühl, die positiven Seiten, der Freundschaft zwischen Tommy und Craig. Die werden im Film ganz stark hervorgehoben. Und zwar wirklich, dass sie sich gegenseitig nicht nur pushen, sondern auch füreinander da sind und dass es wirklich diese emotionalen Momente zwischen ihnen gibt. In dem Bereich glaube ich sogar, dass der Film teilweise das, was Craig nicht zugeben will, nochmal hervorgibt. Weil Craig... Frank erzählt die Beziehung zwischen ihm und Tommy immer so, dass es irgendwie awkward ist, dass er sich auch so ein Stück distanzieren kann von diesem Tommy.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der Film umarmt viel mehr, dass es eine Liebe zwischen den beiden gibt. Desaster Artist hat Craig tatsächlich erschreckend wenig Liebe für Tommy. Und wenn ich mir jetzt nochmal kurz Tommy Weiss so vorstelle. Ja. Der das Buch liest und der den Film sieht, der muss mit dem Film eigentlich viel glücklicher sein als mit dem Buch.
Johannes Franke: Ist er auch, hat er auch gesagt. Also er wird gefragt, wie stimmt das überein, Film und Realität und er hat gesagt 99,9 Prozent. Und er hat gefragt, wie er mit dem Buch übereinstimmt und dann sagt er so, naja, 40 Prozent.
Florian Bayer: Aber es waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Ja, ja, natürlich. Aber ich kann es total nachvollziehen, weil das... Weil Tommy natürlich im Film viel besser wegkommt als im Buch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil er hat diese düsteren Seiten nicht und er hat nicht diese Brutalität an sich und selbst die... brutalen Momente werden halt auch eher als Gag gespielt.
Johannes Franke: Eher als Gag gespielt, das ist halt, aber das mache ich auch, da habe ich auch hin und wieder Probleme mit, vor allem am Set, wenn er sehr, sehr exploitive ist und auch sexuell eben. Das ist mehr als Gag gespielt. Da ist nicht viel Ernsthaftes drin.
Florian Bayer: Ich finde es funktioniert einfach. Ich kann damit gut umgehen, weil ich finde es funktioniert und vor allem funktioniert es eben als Fiktion. Und das hat dieser Film ganz viel in sich, weil... Was der Film ganz krass macht, ist, während er die Dreharbeiten zeigt, greift er die spätere Rezeption des Films vorweg. Und zwar sogar so weit, dass die Leute am Set Dinge wiederholen, die in der Rezeption passiert sind. Zum Beispiel dieses... dass er Sex mit ihrem Bauchnabel hat.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Das ist ein Gag, der viel später entstanden ist. Das ist ein Nostalgia-Critic-Gag. Das ist ein Gag von Doug Walker und der wird in den Film eingebaut und das passiert ganz viel. Und ich kann es nachvollziehen, weil die Rezeption einfach dieses Werk so überschattet, dass ganz klar ist, wenn du die Entstehung des Werkes erzählst, erzählst du auch seine Rezeption. Ja. Die ist Teil davon.
Johannes Franke: Was ich auch spannend finde, ist, dass sie weggelassen haben diese ganze Frage darum, wer ist er? Woher hat er das Geld?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: wo kommt er eigentlich richtig her, sondern sie gehen voll in dieses Mysterium hinein. Ja. Was ich spannend finde, nicht nur auf der Ebene, dass sie sagen, okay, das ist spannender und das macht das Ganze mysteriöser und irgendwie... cooler. Ich glaube auch, dass da noch mehr drin steckt, nämlich, dass man einen Mann ohne Vergangenheit hat, der eine leere Hülse im Grunde ist.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Aber wahnsinnige Sehnsüchte mit sich rumträgt. Sehnsüchte akzeptiert zu werden für das, was er ist, obwohl wir nicht wissen, wer er ist. Und durch diese leere Hülse wird das Ganze extrem tragisch, weil das Einzige, was wir in dieses Gefäß hineintun, den Film über, ist diese Sehnsucht... diesen Film zu machen und akzeptiert zu werden mit diesem Film. Und der Film ist das Einzige, was dieser Mensch hat in dem Moment.
Florian Bayer: Und die Freundschaft mit Craig.
Johannes Franke: Ja, genau. Und wenn er das nicht hätte, dann wäre diese Hülse gänzlich leer. Und deswegen wird es umso tragischer, dass die Freundschaft auf dem Spiel steht und dass der Film auf dem Spiel steht. Und das ist natürlich ein guter Move als Filmemacher, das wirklich da hinzustellen.
Florian Bayer: Das sind ja auch Sachen, die sie überzeichnen. Im Film gibt es diesen Moment ganz am Ende der Dreharbeiten, wo es das große Zerwürfnis gibt zwischen Craig Sestero und Tommy. Wenn sie Football spielen zusammen, um diese letzten Szenen zu drehen und Tommy sagt zu Craig, du musst jetzt offen ehrlich sein, du musst jetzt dich zeigen und präsentieren und Realität. Und dann sagt Craig so, ja, jetzt Realität. Woher kommst du? Wie bist du an das Geld gekommen? Und so weiter. Und Tommy rastet aus und greift ihn an. Übrigens True Story, Craig schreibt ... im Buch. Wir hatten nicht diesen Streit. Also er schreibt das nicht, er weiß ja nicht, dass dieser Streit in dem Film eingebaut wird. Aber er schreibt, tatsächlich war dieses Tacklen war auch, war bei den Dreharbeiten auch tatsächlich nicht gespielt und zwar hat er französisch gesprochen mit Tommy und dann hat Tommy ihn äh Und es sieht so witzig und verspielt aus, wie er ihn da tacklet. Aber es hat ganz schön wehgetan der Realität.
Johannes Franke: Er wollte keine französischen Worte. Da haben wir ja schon drüber gesprochen.
Florian Bayer: Ich finde diese Betonung der Traurigkeit von Tommy, die wir im Film ein paar Mal haben, wir haben die einfach nicht in der Realität passiert sind. Zum Beispiel, wenn Tommy diesen TV-Produzenten überfällt im Restaurant und vor ihm Shakespeare aufführt und der ihm dann sagt, du wirst niemals in dieser Stadt irgendwie Erfolg haben, in einer Million Jahre nicht.
Johannes Franke: So krass, die Szene ist wirklich hart.
Florian Bayer: Das ist eine sehr traurige Szene.
Johannes Franke: Weil er ihm auch wirklich die schlimmsten Sachen an den Kopf wirft, ne?
Florian Bayer: Es ist wirklich eine traurige Szene. Und dann haben wir auch danach dieses Gespräch mit Tommy und Craig auf dem Dach, wo... Er sagt, wir sollten unseren eigenen Film machen und es ist einfach eine ganz andere Hintergrundgeschichte, warum dieser Film entsteht. Es funktioniert, weil Tommy neben dem Ministerium so ein bisschen mehr vermenschlicht wird, ne? Also vielleicht ist das auch dieses leere Hülle-Ding, was du meinst, wir können viel mehr Empathie empfinden mit ihm in diesem Moment, weil wir halt so drauf vorbereiten. Ja, genau. Und in Tommy weiß so, das Leben war offensichtlich nicht stringent und es gibt auch keine Logik, sondern er guckt halt der talentierte Mr. Ripley und denkt, ich muss einen eigenen Film machen.
Johannes Franke: Ja. Aber jemanden zu sehen, der einen Wunsch hat, das macht immer beim Zuschauer das Bedürfnis, ihn siegen zu sehen.
Florian Bayer: Absolut. Und ich finde, es ist auch einfach überzeugend inszeniert. Ich finde, James Franco spielt einen super Tommy Weiss Song.
Johannes Franke: Ja, total. Also das muss man wirklich sagen. James Franco, was für ein Typ das ist oder hin oder her, aber er macht das tatsächlich sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Ich finde sein Bruder, Dave Franco, der den Crack spielt, einen tollen Crack des Tarot.
Johannes Franke: Ja, ich finde den Bart sehr schlecht. den er da angeklebt bekommen hat. Den nehme ich überhaupt nicht ab, aber gut. Da kann er nichts für. Was ich interessant finde ist, die Gesellschaft oder dieser Film oder sowas könnte ja auch... ganz andere Richtungen nehmen. Er könnte auch ganz anders reagieren auf diesen schlechten Film. Weil Tommy Wiseau kommt mit 6 Millionen Dollar an Und dreht den amerikanischen Traum um. Er kommt nicht nur als Tellerwäscher da an und wird erfolgreich, sondern er kommt mit viel Geld an und setzt das in den Sand. Trotzdem wird das irgendwie ein amerikanischer Traum. Auf seltsame Art und Weise. Und man könnte auch darauf reagieren, indem man wütend ist. Wut darauf, dass jemand mit Geld versucht, sich da in einen Film reinzukaufen und mit dem Geld erwartet, das große Genie zu sein. Und ich finde, dass durchaus Tommy Wiseau auf irgendeine seltsame Art und Weise mit seiner Art und Weise, wie er damit umgeht, erwartet. dass er dem Geniekult sich anschließen kann, weil er da Geld reinwirft. Also man könnte damit auch reagieren. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich glaube, der Traum, den er hat, es geht halt einfach nicht ums Geld. Und das macht diesen Traum auch so verführerisch, also so da mitzufiebern. Es geht ja in dieser ganzen Geschichte nicht darum, dass er dieses typische vom Tellerwäscher zum Millionär machen will, sondern er will vom Außenseiter zum großen Star. Zu dem Menschen, der geliebt ist und der bewundert ist und Es ist natürlich irgendwie eine invertierte Geschichte, insofern, dass er nicht beliebt und bewundert ist am Schluss. Aber er hat seinen Moment im Spotlight. ist irgendwie die Größe und dass ihnen dann am Schluss alle zujubeln und er da nach vorne läuft, wie so eine Rocky-Szene. Ja, genau. Und alle rufen toll. Tommy, Tommy, Tommy. Und er freut sich dann auch irgendwie drüber auf seine eigene Art und Weise. Das ist einfach schön. Und auch hier wieder, was da im Mittelpunkt steht, ist nicht das Streben von Tommy, Sondern diese ganz banale menschliche Beziehung, diese ganz banale menschliche Ebene zwischen Craig und Tommy. viel Spaß die Menschen haben. Und Craig sagt, einfach weil wir Freunde sind.
Johannes Franke: Und das
Florian Bayer: ist ja der Moment, in diesem Moment steht er auf und rennt rein zu den Standing Ovations. Und deswegen komme ich auch gut damit klar, weil es einfach ein Film über eine Freundschaft ist und ich muss gar nicht so sagen, oh Gott, wie wird hier der amerikanische Traum erzählt? Sondern ich sehe vor allem, wie wird hier erzählt, wie eine sehr ungewöhnliche und sehr schräge Freundschaft trotzdem Bestand haben kann.
Johannes Franke: Da können übrigens mehrere Sachen gleichzeitig stimmen. Der Film kann ja durchaus eine Freundschaft erzählen und den amerikanischen Traum. Absolut, natürlich nicht. Aber mit dem Teil der Freundschaft bin ich absolut bei dir, also klar.
Florian Bayer: Diese Freundschaft ist halt auch einfach das Herzstück des Films. Wir haben einige Momente von Tommy und Craig zusammen. die wirklich einfach nur herzerweichend sind. Wenn sie ihren Roadtrip machen zu James Dean,
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Auch das ist total lieb.
Florian Bayer: Übrigens natürlich große Flunkereien im Film. Tommy Wiseau war ein James-Dean-Fan, bevor er Craig Sastero kennengelernt hat. Und Greg Sestero war auch ein James-Dean-Fan.
Johannes Franke: Wie auch James Franco. Ja.
Florian Bayer: Wir müssen mal einen James-Dean-Film besprechen. Ich bin nämlich kein James-Dean-Fan. Was aber auch einfach da, also ich hab nichts gegen James-Dean, aber ich hab einfach keinen... Ich habe keinen großen emotionalen Bezug zu ihm. Ich glaube, wir sollten mal einen Film von ihm besprechen.
Johannes Franke: Ja, gerne.
Florian Bayer: Sie haben einfach Momente zusammen, in denen sie zusammen ihre Freundschaft genießen. Und diese Momente kommen im Buch leider relativ kurz. Und ich glaube, die kommen, und das hinterlässt auch wirklich so ein bisschen eine bittere Note, wenn man das Buch liest, die kommen auch ein bisschen kurz, weil Craig Sestero das Buch auch nutzt, um sich von Tommy zu distanzieren. Tommy ist der, der so überhaupt keine Ahnung hat und hier bin ich. Ich bin der, der self-aware ist und ich weiß, was da passiert ist und ich bin ein bisschen mehr außen. Um es hart auszudrücken, er ist der beste Freund, der anfängt mit zu mobben, wenn alle anderen auch mobben, um zu den anderen zu gehören.
Johannes Franke: Ach Gott, oh Gott. Aber muss man vielleicht auch ein bisschen sagen, die Fallhöhe ist so stark, dass du kaum da drum rum kommst, oder?
Florian Bayer: Zu mobben?
Johannes Franke: Nein, ich meine nicht zum Mobben. Aber mobbt der Film so sehr?
Florian Bayer: Nee, der Film nicht. Das Buch.
Johannes Franke: Ich meine das Buch, ja.
Florian Bayer: Nein. Nein. Aber es ist zumindest so, dass Craig mehr eine größere Kluft zwischen sich und Tommy aufbaut. Und der Film reißt die ein. Ich finde das so toll an dem Film, dass er die einreißt.
Johannes Franke: Also es geht offensichtlich. Also wenn das Buch mehr wie der Film wäre, dann hätte das Buch das vielleicht geschafft. Aber ich verstehe, dass man in diese Falle vielleicht reintappt, allein dadurch, dass man eben sagt, naja, Ich reflektiere das Ganze mal und ich bin self-aware. Und das ist ja nun mal auch. Das stimmt ja.
Florian Bayer: Ist er, natürlich ist er. Er ist es halt insofern nicht, dass er glaube ich, wie soll ich sagen, er weiß, dass der Film schlecht ist. Definitiv. Ich glaube, wusste es später, als er zugibt.
Johannes Franke: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und... Vielleicht, ich glaube, sein Verhältnis zu Tommy, wie er Tommy sieht, ist positiver, als er es im Buch darstellt. Und deswegen vielleicht im Film, vielleicht sogar näher im Film. in der Realität als im Buch.
Johannes Franke: Naja, mit 30 Stunden Behind-the-Scenes-Material gehabt, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die haben sich das alles angeschaut und genau geguckt, wie, was, wann war.
Florian Bayer: Tommy, Behind-the-Scenes-Material ist so... Ist so nett ausgedrückt, Tommy Weissow hat seine Crew überwachen lassen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Kameramann angestellt, der für ein Making-of was drehen sollte, aber in Wirklichkeit hat Tommy Wiseau das Making-of-Material jeden Abend gesichtet, um zu gucken, wer über ihn wie lästert.
Johannes Franke: Das ist so krass. Das ist so hart.
Florian Bayer: Tommy Weissow ist komplett paranoid. Tommy weiß so, wie gesagt, er hat eine Zeit lang mit Craigsestero zusammengelebt. Er hat offensichtlich Anrufe aufgezeichnet.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und Craig Sestero hat irgendwann in der Wohnung Tapes gefunden.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: mit den aufgezeichneten Anrufen. Deswegen wollte auch Tommy Weiss so unbedingt diese Szene mit dem aufgezeichneten Anruf von Lisa. Nachdem er weiß, dass sie ihn betrügt, Will er das nochmal aufzeichnen? Es ist halt autobiografisch. Und Craig sagt zu Tommy, ey alter, du hast mich aufgezeichnet, das kannst du doch nicht machen. Und Tommy sagt zu ihm, nee, nee, ich habe das nur gemacht, um meine Stimme zu verbessern. Ich wollte anhand von deiner Stimme üben, meinen Akzent zu verbessern. Und Craig sagt, er hat dann immer drauf geachtet, wenn sie telefoniert haben, wenn er das gehört hat, dass der Tape-Rekorder angemacht wurde, hat er direkt aufgelegt. Krass, ja. Wow. Der richtige Schritt ist...
Johannes Franke: Natürlich, klar. Mann, Mann, Mann. Okay, kurze Frage an dich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wir waren gerade bei der Teampremiere, wie sie im Film dargestellt wird. Wenn du bei einer Teampremiere bist, wann warst du das letzte Mal bei so einer Teampremiere, wo ein Film gezeigt wurde? ein Theaterstück. Weißt du noch eine Aufführung, wo das Theaterstück oder der Film vielleicht gar nicht so gut war? Was sagt man dann?
Florian Bayer: Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst, also mach mal weiter.
Johannes Franke: Also was hast du mal Feedback geben müssen für was, was schlecht war, wo du gesagt hast, ja, ach, ich kann dem jetzt nicht sagen, dass es schlecht ist.
Florian Bayer: Ja, genau. Das, was menschlich ist, was man macht.
Johannes Franke: Ja, ich will darauf hinaus, dass der Film... eine sehr seltsame, überhöhte Variante hat, weil das Realistische wäre, Die halten alle die Premiere durch, gucken sich den Film an, versuchen sich das Lachen zu verkneifen und sagen alle am Ende, ja hast du schön gemacht, toll, dass ihr das durchgehalten habt, ich wünsche euch viel Glück. Glück mit dem Film. Tschüss.
Florian Bayer: Und ich glaube, so lief auch die echte Premiere. Ja, natürlich. Greg Sestero schreibt nichts drüber, aber es gab wohl warmen Applaus.
Johannes Franke: So, genau. So, ja. Schön, toll gemacht. Vielleicht sehen wir uns die nächsten drei Monate erstmal nicht mehr. Damit ich nicht nochmal in die Verlegenheit komme, worüber was sagen zu müssen.
Florian Bayer: Du hast es vorhin schon gesagt, der Film erzählt das sehr konzentriert, den Weg von Premiere zu diesem Kultstatus und das gelingt ihm erstaunlich gut.
Johannes Franke: Jaja, natürlich erzählt er das gut. Ich fand's bloß bemerkenswert, wie sehr er an der Realität vorbei inszeniert.
Florian Bayer: Übrigens auch True Story. Tatsächlich hat Tommy zwei Logos eingebaut am Anfang des Films, weil er sich nicht entscheiden konnte.
Johannes Franke: Ich glaube, drei waren es.
Florian Bayer: Es waren sogar drei am Schluss.
Johannes Franke: Es waren sogar drei. Krass, ne?
Florian Bayer: Fantastisch. Und ich finde diesen Weg von Leute sind gespannt, was passiert und sehen die erste Szene und vielleicht könnte was Gutes draus werden. werden, weil tatsächlich, wenn man die ersten Shots gesehen hat, die Außenschots, die Außenschots, siehst du gut aus.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und dann kommen halt die ersten Szenen und irgendwann sagt jemand, ich glaube, ich hasse das. Ich glaube, das ist nicht gut. Und dann entwickelt es sich langsam nach und nach zu diesem Lachen und zu diesem immer lauter Lachen und dann irgendwann machen sie halt diese Publikumsreaktion, dass sie feiern und dass sie Spaß dran haben. Ich finde diese Bewegung da drin ist wirklich gut erzählt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Ich finde Schauspielleistungen in dem Film durchweg gut. Ich finde es erstaunlich, wie sie optisch getroffen haben, die Leute, die im Film sowohl Crew als auch... als auch Cast von The Room. Ich finde, ich liebe einfach Seth Rogen. Ich sehe Seth Rogen immer gerne. Ich finde, der gibt einen tollen Sandy ab.
Johannes Franke: Absolut, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Ich mag, wie Dave Franco diese Unsicherheit, dieses Redding von Greg Zestero spielt. Stimmt, ja. Aufgescheuchte, verängstigte Rehe die ganze Zeit. Finde ich großartig. Ich finde es funktioniert einfach. Ich freue mich total, wenn es diesen kurzen Gastauftritt gibt von Bob Oden.
Johannes Franke: Von Bob Odenkirk?
Florian Bayer: Ja, Bob Odenkirk spielt einen Schauspiellehrer.
Johannes Franke: Achso, ja, ja.
Florian Bayer: Und ich finde, das funktioniert irgendwie alles sehr gut und ich finde das wirklich unterhaltsam. Aber natürlich ist es das dann auch. Du siehst einen sehr unterhaltsamen Buddy-Movie und du siehst einen Fanservice für Fans von The Room. Und denkst so, ey, ich hab voll Spaß da dran. Und es ist wirklich ein schöner Buddy-Movie, aber es ist kein Film, der jetzt mehr in die Tiefe geht, sondern er bleibt an diesem Punkt stehen.
Johannes Franke: Ich habe so das Gefühl, dass er vielleicht noch ein bisschen mehr gekonnt hätte, wenn er die Figuren noch ein bisschen ernster genommen hätte. Wenn die Figuren ein kleines bisschen weniger als Comedy-Vehikel hergehalten hätten, sondern man sich doch noch mal ein bisschen ernsthafter gefragt hätte, was eigentlich mit Tommy Wiseau los ist.
Florian Bayer: Ich finde es wirklich raffiniert, wie er so manche Momente einbaut, um zu zeigen, wie oft Tommy ist. Zum Beispiel, wenn... Wenn Craig Zestero erzählt, dass Home Alone ihn bewegt hat damals als Kind und Tommy Wissow versteht nicht, dass er von einem Film... Film redet, weil er das einfach nicht kennt. Jemand, der Regisseur werden will, Ende der 90er Jahre. Und hört Home Alone und versteht nicht, dass es sich um einen Film handelt und hat davon noch nie gehört. Das ist krass. Also es zeigt, wie entfernt der ist von der Realität.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich finde es lustig, dass James Franco tatsächlich so methodmäßig seine Rolle so durchgezogen hat, dass er... Er hat ja gleichzeitig Regie geführt bei dem Film und Tommy Wiseau gespielt. Und dann hat er in der Figur Tommy Wiseau Regie geführt. Und es wundert mich ein bisschen, dass der Film so gut geworden ist, weil wenn der Method gegangen wäre, wäre der Film schlecht geworden. Aber er hat als Tommy Bissot immer wieder Kat gesagt. Und man fragt sich, welche verwirrenden Momente es gegeben haben muss.
Florian Bayer: Das ist lustig. Ja, aber es ist einfach ein professioneller Film. Das ist durchgängig ein unterhaltsamer Film.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und sein Charme liegt natürlich vor allem darin, dass man... Es ist einfach ein Film für Menschen, die The Room gesehen haben und das total charmant finden und die die Geschichte drumherum kennen, weil ich glaube jeder, der The Room gesehen hat, hat sich einmal damit auseinandergesetzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wie ist der Film entstanden? Und wir haben euch heute bestimmt ganz viele Sachen erzählt, die ihr schon wusstet, wenn ihr euch mit dem Film irgendwann mal auseinandergesetzt habt, weil man kennt diese Geschichten vorm Set und so. Und er macht es aber wirklich geschickt, einem nochmal diese großen Geschichten, die man gehört hat, zu erzählen. Die Rezeption ein bisschen reinzupacken. Und dann vor allem wirklich, wirklich, wirklich gut den Film nachzustellen. Am Schluss gibt es ja diese Splitscreens. Dieses Timing.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: gut, die es geschafft haben, 1 zu 1 The Room zu kopieren.
Johannes Franke: Ich finde aber auch das Licht verdammt gut, weil das Licht ja dafür sorgt, dass dieser Film so wahnsinnig schlecht aussieht. Und dann als guter Lichtler dieses schlechte Licht zu imitieren, ist auch eine Kunst. Absolut. Die haben sich das Material natürlich angeschaut und haben geguckt, okay, wo sehen wir welche Lampen, wo waren und so und das haben die halt komplett imitiert und ich finde, dass das Bild so extrem ist. nah am Original ist, da habe ich fast mehr Respekt als vor dem Timing, was die Schauspieler hatten, muss ich sagen.
Florian Bayer: Um das vielleicht, das ist der richtige Punkt, das reinzuwerfen, es gibt ein Remake von The Room. Dieser Film heißt The Room Returns. Brando Crawford offensichtlich als Projekt für ein Charity gemacht innerhalb von 24 Jahren. Stunden The Room nachgedreht mit Bob Ordenkirk, der die Rolle des Tommy Wiseau übernimmt.
Johannes Franke: Bob Odenkirk, woher kennen wir ihn? Die Breaking Bad Nachfolger, wie heißt das Ding?
Florian Bayer: Better Call Saul.
Johannes Franke: Better Call Saul, da hat er den Saul gespielt. Ganz, ganz, ganz toller Schauspieler. Vielen Dank.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und du hast es gesehen. Ich habe es gesehen. Ich hätte nämlich Geld dafür zahlen müssen. Es tut mir leid.
Florian Bayer: Ich hatte ein schlechtes Gewissen, aber ich habe Pirate benutzt.
Johannes Franke: Das ist ein Charity, Flor. Ich weiß. Es ist Charity.
Florian Bayer: Im Nachhinein bin ich ganz froh, dass ich es gemacht habe. Ich finde, die Idee, ein Remake von The Room zu machen, ist, du musst all in gehen und einen ernsten Film draus machen. Das versucht dieser Film mit dem Schauspiel. Aber auch nicht immer. Aber er macht es überhaupt nicht mit der Ästhetik, überhaupt nicht mit der Optik. Und zwar, sie haben es vor Screen Screen gedreht und sie fügen als Hintergrund die Filmbilder ein. Das heißt, du hast die ganze Zeit so ganz eindeutig Greenscreen-Optik. Und dann halt die verwaschenen Hintergründe aus The Room, aus dem Originalfilm.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Vor denen sich die Schauspielenden bewegen. Und du merkst, dass sie nur 24 Stunden Zeit haben, weil Bob Odenkirk ist ein fantastischer Schauspieler.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und man merkt, dass er sich hier wirklich Mühe gibt, gerade das absurde Material nachvollziehbar zu spielen und das gelingt ihm nicht immer.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Ich hätte es gerne all in gesehen, wirklich ernst, auch mit besseren Kulissen. mit noch mehr Mühe ins Schauspiel gesetzt und so. Der Gag an diesem Ding ist, dass Bob Odenkirk... gut spielt. Das heißt, diese zum Beispiel I did not hit hurt Szene spielt ja komplett anders als Tommy Wieso. Und zwar so, dass sie irgendwie Sinn macht. Oder wenn die Reaktion auf Marks Geschichte von der Frau, die geschlagen wurde, spielt er halt auch irgendwie so, dass sie Sinn macht. Das heißt, er flüstert an Stellen, wo Tommy einfach nur geschrien hat. Er spielt... weniger, wo Tommy viel zu viel gespielt hat. Er spielt mehr, wo Tommy gar nichts gespielt hat, weil das Krasse an Tommy, weil es so ist ja, dass er all over the place ist. Manchmal ist es viel vollkommen underperformed am falschen Platz. Manchmal ist es overperformed am falschen Platz. Es ist alles drüber.
Johannes Franke: und falsch.
Florian Bayer: Und Bob Oddenkirk ist natürlich ein guter Schauspieler und kriegt das dann auch besser hin, aber Es gibt halt zu viele Momente, die dann doch dieses Lächerliche betonen, die dann doch einen Witz draus machen. Und das ist schade, dass der Film nicht all in gegangen ist damit. Genau, es ist einfach zu oft klar, dass es auch irgendwie so eine Art Spoof ist.
Johannes Franke: Ja, okay. Aber man muss sagen, es ist ja als Charity gedacht. Das ist meistens bei solchen Sachen, du hast Red Nose Day oder sowas und dann holst du dir Schauspieler für einen... halben Drehtag manchmal nur, die dann schnell irgendwas machen, damit sie ein Gesicht haben, das das Geld generiert, was daraus generiert werden muss. Und dann kann ich total verstehen, dass man sagt, okay, wir müssen vor Greenscreen drehen. Das muss alles flexibel sein dadurch, damit wir nicht von Set zu Set rennen müssen, sondern es sind alle dort. Die machen alle dort ihr Ding. Das Ding darf nicht zu viel Geld kosten, sonst spielt es nicht genug Charity ein für die eigentlichen Charity Sachen. Also ich finde es total nachvollziehbar. Absolut.
Florian Bayer: Ich finde es auch ein tolles Projekt. Ich finde es eine schöne Idee. Ich hätte mir tatsächlich ein bisschen mehr gewöhnt. Ich habe es gelesen und dachte, geil, das muss ich sehen. Ja, ja. Und ich habe mir irgendwie mehr erhofft. Ich habe mir mehr Ernsthaftigkeit erhofft, mehr Gravitas. Noch mehr der Versuch, aus diesem Material was rauszuholen. Und das ist so schwer natürlich. Das ist so schlecht. Vielleicht musst du es auch surrealer machen. Vielleicht musst du es noch mehr überspielen. Ich glaube, du musst so einen David Lynch Film draus machen, dass alles so wabert und alles merkwürdig ist, weil bei David Lynch werden ja auch komplett irreale Dialoge geführt. Aber das funktioniert, weil die Welt auch einfach eine Areale ist. Dann ist es okay, wenn die Menschen sich wie Roboter verhalten.
Johannes Franke: Das bringt mich zu einer Interpretation, die ich so zwischendurch im Kopf hatte, die immer irgendwie blöd ist, aber in diesem Fall, weil der Film so schlecht ist, vielleicht... okay ist. Er bringt sich am Ende um.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weißt du, wenn der ganze Film Synapsen im Kopf sind, im Im Moment des Todes. Er bringt sich wegen was völlig anderem um oder sowas? Oder er stirbt, weil irgendwas und der Kopf baut sich seine Geschichte, warum jetzt dieser Tod sein muss.
Florian Bayer: Vielleicht sollte man einfach diesen Film mal neu schneiden mit dem Material, was da ist. Und versuchen daraus was zu machen, mit Musik ein bisschen zu ändern.
Johannes Franke: So eine David Lynch Version.
Florian Bayer: So eine David Lynch Version.
Johannes Franke: Ihr da draußen, wenn ihr mal Zeit habt oder sowas, schaut euch einfach fünf David-Lynch-Filme hintereinander an und dann seid ihr im richtigen Mindset und schneidet einfach das Zeug nochmal neu zusammen. Schickt uns das und wir promoten das.
Florian Bayer: Wäre ein tolles Vanity-Projekt. Und damit ab in die Top 3.
Johannes Franke: Das ist eine tolle Überleitung.
Florian Bayer: Ich bin der Meister der Übergänge.
Johannes Franke: Wahnsinn. Unsere Top 3. Plur, du hast dir gewünscht Vanity Projects oder auch, du hast mir drei Sachen genannt.
Florian Bayer: Oder auch Egosploitation, den Begriff, den ich vorhin schon genannt habe. Oder Passion Projects. Ich hab vor allem, weil ich hab, ich hab, ich dachte, es ist zu schwer, wenn ich, ich hab drei Egosploitation-Filme, die wirklich alle drei grandios sind, alle schlecht sind.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Und ich würd gern einmal, kurz bevor wir anfangen, einmal als honorable mention oder dishonorable mention, Doug Walker, wir haben vorhin über ihn geredet, Deutscher Critic, war jahrelang einer der berühmtesten Reviewer im Internet und ist dann ganz doll in Verruf geraten, als es dieses Der hat ja so ein Netzwerk gegründet von Videoreviewern. Irgendwann sind die Leute da ausgestiegen, weil sie gesagt haben, das ist scheiße, da passiert ganz viel Mist. Und dann gab es sogar so einen Change-to-Channel-Text, wo drin stand, was alles schiefgelaufen ist und unter anderem schiefgelaufen ist. immer so einmal im Jahr so Filme gedreht, die quasi so alle Filmreviewer versammeln sollten. Und der letzte davon war ein riesiger Echosplitation-Film. Lustigerweise der Typ, der sich über Tommy, weil es so lustig macht, hat einen Film gedreht, wo er sich selbst als den strahlenden Reviewer darstellt, den alle anhimmeln. der am Schluss die Welt rettet und hat es nicht gerafft. Niemand ist davor gefeilt. Vielleicht haben wir auch unseren Ego-Sploitation-Moment am nächsten Punkt.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Nächste Woche die 300. Episode ist ein guter Moment dafür.
Johannes Franke: Stimmt. Oh geil, das machen wir.
Florian Bayer: Du musst anfangen, Platz 3.
Johannes Franke: Ich hätte gerne auf Platz 3, ein kleines bisschen ungerecht könnte man das interpretieren, deswegen auf Platz 3 und nicht Platz 1. Und zwar The Irishman. Die Zeiten von Martin Scorsese's Mafia-Filmen sind ein kleines bisschen vorbei gewesen, als er 2019 nochmal einen riesigen Epos machen wollte. Und er hat von Netflix eigentlich unbegrenztes Budget bekommen, dieses Ding zu machen. mit De-Aging und allem Möglichen, weil er einfach nochmal wollte. Diese Leute auch zusammenbringen wollte. Joe Pesci und so weiter. Und Wir haben darüber geredet und der ist auch toll, der Film. Aber man hat schon ein bisschen das Gefühl, das ist ein Vanity Project. von Martin Scorsese und den Schauspielern ist.
Florian Bayer: Vor allem mit den Leuten, mit denen er so gerne zusammenarbeitet.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Die noch einmal zusammenzubringen.
Johannes Franke: Es ist nicht böse gemeint, vor allem, weil der Film gut ist, aber man hat schon das Gefühl. Ja.
Florian Bayer: Geil. Ich habe, glaube ich, komplett andere Sachen als du und ich freue mich so drauf. Mein erster Film ist Kirk Cameron's Saving Christmas. Kirk Cameron, ihr kennt ihn vielleicht, ein Schauspieler, der Anfang der 90er in Sitcoms mitgespielt hat. Vor allem bekannt aus der Sitcom «Growing Pains». Unser lautes Heim hieß die in Deutschland. Er ist der Bruder von einer Schauspielerin, die in Full House mitspielt. Der war einfach in diesem Sitcom-Geschäft. Und er hat... Relativ früh hat er festgestellt, dass er jetzt evangelikal ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und zwar ist er Anhänger von einer so ganz bestimmten evangelikalen, religiösen Richtung. Und zwar Prosperity Gospel.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die sagt so ein bisschen, wenn du reich bist, hast du das verdient, weil Gott dich damit gesegnet hat. Das heißt, Armut ist ein Zeichen von Gott mag dich nicht, Reichtum ist ein Zeichen von Gott mag dich nicht.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Und das Ergebnis davon ist, dass wenn du viel Geld hast, sollst du das ruhig ausgeben und sollst richtig einen Prunk lösen leben. Trug leben, weil Gott glaubt, dass du es verdient hast.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Damit kommen wir zu seinem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und zwar hat er diesen Film gedreht, um genau diesen Glauben Genau genommen hat er den Film mit Darren Dones zusammen gedreht. Der spielt in diesem Film einen Christen, der total genervt ist vom Weihnachtsfest. fest, weil er sagt, alles ist so materialistisch geworden, die Leute geben so viel Geld für Geschenke aus und das ist alles scheiße. Und er hat dann ein Gespräch mit Kirk Cameron in seinem Auto. Und Kirk Cameron überzeugt ihn davon, dass, nein, nein, nein, Geschenke sind gut. viel Geld auszugeben ist gut, reich zu sein ist gut und so weiter und damit rettet er Weihnachten. Herr Cameron tritt hier auf als Prophet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: der Weihnachten zu dem macht, wozu es eigentlich gedacht ist und das heißt auf die Armen herabzublicken und gleichzeitig seinen eigenen Reichtum zu genießen.
Johannes Franke: Geil, okay.
Florian Bayer: Lustigerweise ist es eigentlich kein Ego-Sploitation-Vanity-Projekt von Kirk Cameron, sondern von dem Typen, der den Typen spielt, der ... Der glaubt, dass Weihnachten zu materialistisch ist. Darren Down heißt der. Schräger Film, schlechter Film. Richtig, richtig schlechter Film aus dem Jahr 2014. Es wird nicht besser.
Johannes Franke: Ich habe gute Filme, Bro.
Florian Bayer: Okay, ich bin gespannt.
Johannes Franke: Was kommt als nächstes? Außer vielleicht auf Platz 1, aber egal. Ich hätte jede Version von A Star Is Born. Weil also im Original 1976, ich glaube, das ist das Original, Barbara Streisand... Die auch quasi die komplette Kontrolle über die Produktion übernommen hat und sich als unfehlbare musikalische Ikone inszeniert. Was ich total geil finde, ich mag Barbra Streisand total, aber das gab es halt dann später auch noch mit Lady Gaga und die hat genau das gleiche gemacht.
Florian Bayer: Du hast mir immer noch nicht eine Star Spawn gegeben. Und wenn du mir einen geben würdest, welchen würdest du mir geben?
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich dann beide.
Florian Bayer: Ja, ich habe Star Spawn nie gesehen.
Johannes Franke: Ich glaube, es gibt sogar drei oder so. Vielleicht sogar vier, ich weiß nicht ganz genau. Ich glaube drei große Erstarsborn-Versionen. Naja.
Florian Bayer: Okay, cool.
Johannes Franke: Aber war nicht total geil. Also geht um jemanden, der entdeckt wird und dann zum Star wird, eine Musikerin. Ganz toll.
Florian Bayer: Mein Platz 2, Cramps Goes to College. What? Von Donald James Parker. Donald James Parker ist ein pensionierter ITler. der irgendwann festgestellt hat oder zumindest glaubt, festgestellt zu haben, dass es seine eigentliche Bestimmung ist, Filmemacher zu sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Donald James Parker glaubt auch, dass die Evolution eine Lügengeschichte des Teufels ist.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: dass Sex außerhalb der Ehe nichts verloren hat, dass der Staat unser Trinkwasser vergiftet und dass Harry Potter Kinder zu Satanismus verleitet. Und er hält Donald Trump für einen Heiligen. Und glaubt, er ist von Gott erwählt, um diese Botschaft in Firmen zu gießen.
Johannes Franke: Okay, und was sind so die problematischen Seiten?
Florian Bayer: Ja. Donald James Parker hat einen Film gedreht, der heißt Cramps Goes to College. Wo er natürlich die Hauptrolle übernimmt und er hat geschrieben und produziert und so weiter. Und er spielt quasi sich selbst. Er geht zur Universität und er schafft es, alle davon zu überzeugen, dass die Evolution Blödsinn ist.
Johannes Franke: Ach, wie schön. Also sein Lebensziel quasi.
Florian Bayer: Er wird von allen angehimmelt.
Johannes Franke: Ach, wie schön.
Florian Bayer: Er gewinnt einen Marathonlauf, obwohl er 70 ist. Gegen alle 20-Jährigen. Er ist übrigens Schachgroßmeister. Er gewinnt auch ein Schachduell und ein Tennismatch. Und er ist in allem gut.
Johannes Franke: Ach, wie schön. Den hast du tatsächlich gesehen? Ja. Und den hast du bis zu Ende gesehen?
Florian Bayer: Ja. Naja, ich habe ein bisschen durchgeschnitten. Es gibt ein paar langweilige Szenen, aber es gibt noch eine viel witzigere Geschichte, die ich ganz kurz sagen will dazu. Es gibt ja diese atheistische YouTube-Community und die Wissenschafts-Community. Und ich gucke die auch voll gerne. Und da gibt es einen, der heißt Forrest Wolkai. Und der reagiert immer mal wieder auf so kreationistische, evangelikale Filme. Hat sich einen Film von Donald James Parker angeguckt, nämlich diesen Crime Scouts to College. Hat sich drüber lustig gemacht. Anschließend hat Donald James Parker sich bei ihm gemeldet und hat gesagt, ich habe dein Video gesehen, ich möchte mit dir eine Debatte führen.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und Forrest Walker hat gesagt, ey, ich bin Wissenschaftler und ich bin jemand, der Wissenschaftskommunikation macht. Ich bin ein großer Fan davon, miteinander zu reden.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und... Hat dann gesagt, ja, lass uns das machen. Und dann haben die eine Debatte geführt, eine zweistündige ungefähr, wo... wie zu erwarten war, Donald James Parker wirklich nicht gut aussieht und nicht viele Antworten hat auf die Wissenschaft und halt klar wird, dass er nur mit Glauben argumentieren kann. Ich glaube, selbst ein Evangelikaler würde diese Debatte sehen und würde sagen, Frau West-Walkai, der Evolutionsbiologe, hat gewonnen. Du kennst das bestimmt auch, wenn du eine Diskussion hattest und nicht so schlagfertig warst, wie du gerne wärst.
Johannes Franke: Also jedes Mal, wenn wir reden.
Florian Bayer: Genau. Genau. Du stehst unter der Dusche und du denkst dir drüber nach, was hätte ich sagen können, wie hätte es besser laufen können.
Johannes Franke: Jedes Mal, nachdem wir geredet haben, ja.
Florian Bayer: Donald James Parker hat daraus einen Film gemacht.
Johannes Franke: Nein, was?
Florian Bayer: Donald James Parker hat fünf Jahre nach dieser schiefgelaufenen Diskussion für ihn einen Film gemacht, wo er das quasi nachinszeniert, zum einen die Diskussion für ihn besser läuft. Aber noch viel mehr. In diesem Film hat er eine Tochter, Forrest Walky, sein Gegner aus der damaligen Diskussion, verliebt sich in seine Tochter. und wird vom Evolutionsbiologen zum Kreationisten. Und widmet sein Leben Jesus und hört mit seinem wissenschaftlichen Podcast auf. Wie krass. Den hab ich nicht gesehen, aber ich hab das Video gesehen, dass Forrest Walky dann daraufhin wiedergemacht hat. Der hat sich diesen Film dann nämlich angeguckt. Und wie er in diesem Film dargestellt wird und ist fassungslos darüber, natürlich, dass dieser Typ, mit dem er vor fünf Jahren diskutiert hat, tatsächlich bold genug war.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Diese Geschichte nachzuerzählen und ihm diese... diese Erleuchtungsgeschichte zu geben, dass er kein Evolutionsbiologe mehr ist, sondern Kreationist.
Johannes Franke: Wenn ihr eine Sache mitnehmt aus dieser Folge des Podcasts, dann schaut euch diesen Kram an. Wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Übrigens, ich kann es nur empfehlen, ich habe ja immer mal wieder so Anwandlungen, wo ich auf YouTube auf Sachen hängen bleibe. Diese ganze Wissenschaftskommunikationsdinge, es gibt da so eine Sendung, die heißt The Line. Oder so eine Call-in-Sendung, wo die Wissenschaftler sitzen und mit Kreationisten diskutieren. Die sagen, wenn du nicht an die Evolution glaubst, ruf dir an, dann diskutieren wir drüber. Total interessant, wirklich gute Sachen. Manchmal ist es ganz schön hart und es wird viel gestritten und so weiter. Aber vor allem daraus, Forrest Walker ist toll, aber noch besser ist Erika Matthews, alias Gatze Gibbon, die ganz viele Videos macht. Sie ist Paleoanthropologin, das heißt, sie kennt sich sehr gut aus mit der Entwicklung des Menschen. Und das ist natürlich so eine Sache, wo die Kreationisten sagen, nein, nein, nein, der Mensch wurde von Gott geschaffen. Es ist nicht so, dass wir aus dem Affen stammen und so weiter. Und sie macht richtig tolle Wissenschaftsaufklärung dagegen. Ganz großartig.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: So, Entschuldigung, ich bin fertig, ich hab viel zu viel geredet.
Johannes Franke: Oh, wo waren wir, Flo? Du musst deinen Platz 1 bringen. Okay, nur zur Erinnerung für euch da draußen. Wir sind in unserer Top 3. Wir sind übrigens ein Filmpodcast. Top 3 Ego-Sploitation und ich hätte auf Platz 1 Moonwalker. Von Michael Jackson.
Florian Bayer: An den hab ich gar nicht gedacht, aber der ist so ein Treffer, absolut.
Johannes Franke: Ich liebe alles daran. Und ich, ganz unironisch, ich habe ihn total geliebt.
Florian Bayer: Ich auch. Und ich glaube, den müssten wir mal gucken. Ich glaube, der ist auch besser als sein Ruf.
Johannes Franke: Also wir müssen auf jeden Fall gucken, aber jede Sekunde davon schreit, ich bin der Heilige. Also wie Michael Jackson sich da selbst inszeniert, ist unglaublich. Unglaublich. Total krass. Er rettet die Kinder vor den bösen Mächten. Wahnsinn. Krass, Mann. Und mit welcher Beleuchtung er teilweise arbeitet, um sich selbst damit so wie eine Art Heiligenschein da erscheinen zu lassen. Wie so ein Engel. Es ist echt krass. Aber ich muss Moonwalker unbedingt nochmal sehen und ich finde es total toll, dass du gesagt hast, wir können den ja zusammen gucken.
Florian Bayer: Ja, voll cool. Okay, mein Platz 1. Fateful Findings von Neil Preen, von dem ich leider noch nicht alle Filme gesehen habe. Neil Preen ist ein Architekt, so ... Mitte 40? Mittlerweile ... Nee. Anfang der 2000er hat er angefangen, Low-Budget-Filme zu machen. Ich finde, seine Filme sind vielleicht noch ein bisschen krasser daneben als die von Tommy Weiß so.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und vor allem ist es genau dieselbe Geschichte. Er ist Regisseur, Drehbuchautor, Produzent. Es ist absolut low budget, er hat kein Gespür für gar nichts davon. Und vor allem setzt er immer sich als Hauptrolle und immer als komplett überlegener Superagent aus dem Weltall mit Jesuskräften. Ganz großartig. Wenn ich dir das nächste Mal einen schlechten Film gebe, gebe ich dir einen Neil Preen-Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das Tolle an ihm ist, also die Leute, die mit ihm gedreht haben, sagen, der ist absolut cool, der Typ. Der ist fair zu uns, der bezahlt uns gut, der ist nett am Set, der ist ein total netter Mensch.
Johannes Franke: Ja, klar.
Florian Bayer: Seine Filme sind komplette Kürze, aber er weiß das halt auch irgendwie. Okay, okay. Also es ist eine merkwürdige Art, ähnlich wie die Tommy Wiseau-Self-Awareness. Er sagt so, ja, ich weiß, die Leute haben einen Kult drum gemacht, dass ich so schlecht wäre. Aber ich habe es schon mehrmals erlebt in den Vorstellungen, dass die Leute in den Film gehen und anfangen zu lachen und so weiter. Und dann werden sie irgendwann ganz ruhig, weil sie dann doch irgendwann die Botschaft verstehen. Was totaler Quatsch ist. Okay. Wirklich witzige Filme macht. Wirklich schräge Filme und ich finde, wie gesagt, ich kenne leider nicht alles von ihm, aber... Fateful Findings ist absolut sehenswert als kompletter Trash. So bad, it's good.
Johannes Franke: Ich würde einmal noch dich ärgern wollen, indem ich ganz kurz ins Mikro huste. Inland Empire.
Florian Bayer: Nein, das ist David Lynch's Geschenk an seine Schauspielerin.
Johannes Franke: Ich fand das schon ein bisschen Vanity-artig, wie er da einfach ganz, ganz unironisch so eine TV-Kamera überall drauf hält und... nichts gut aussieht.
Florian Bayer: Aber Laura Dunn ist Gott in diesem Film.
Johannes Franke: Es tut mir leid. Als wir darüber gesprochen haben, habe ich dir auch schon gesagt, Laura Dunn ist großartig, aber nicht in diesem Film. Nicht in diesem Film.
Florian Bayer: Du hast keine Ahnung. Zurück zum Film.
Johannes Franke: Zurück zum Film.
Florian Bayer: Zurück zu den Firmen.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Wir sind wieder bei Disaster Artist und bei The Room.
Florian Bayer: Und wir müssen uns irgendwie sortieren, aber ich glaube, wir müssen zu einem Urteil kommen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Ich weiß es einfach nicht. Ich finde es, also wir stellen uns ja quasi die Frage, ob man die Filme sehen muss.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und The Room muss man sicherlich sehen, ja. Ich denke schon. Einfach, weil das so absurd ist und weil es wirklich nicht viele Filme in der Geschichte des Films gibt, die so... absurd vorbeigehen an dem gewünschten Ergebnis. Und da ist Ed Wood dabei und da ist halt einfach Tommy Wiseau dabei. Und die anderen weiß ich jetzt nicht ganz genau und vielleicht gibt es da auch noch mehr, aber das sind die berühmten Großen. Und sicherlich muss man das wenigstens einmal gesehen haben, um auch vielleicht andere Filme mehr schätzen zu können. die irgendwie kohärente Story haben und so. Und dann weiß man erst mal wieder, wie schwer das ist, einen Film zu machen. Und dass man nicht einfach nur irgendwas aufs Papier kritzelt und dann wird das schon was, sondern dass da einfach viel mehr dazu gehört und wenn man das nicht weiß und nicht kennt. auch sich nicht damit auseinandersetzt, sondern einfach sagt, nö, das machen wir jetzt und das ist Hollywood, dann kommt da halt sowas bei raus. Und das ist vielleicht ein guter Reminder. Desaster Artist, weiß ich nicht ganz genau, ob man den sehen muss, aber der ist ein guter Buddy-Movie, muss man sagen. Über den Durchschnitt.
Florian Bayer: Ich glaube, ich bin sehr nah bei dir, was das Urteil betrifft. Ich finde, The Room muss man gesehen haben, was wir noch gar nicht erwähnt haben. Vielleicht ist es auch wirklich einfach was für die Filmhochschule. Macht. Nicht diese Fehler.
Johannes Franke: Ist tatsächlich. Der Film wurde, nachdem er doch ein bisschen bekannter wurde, in Filmhochschulen behandelt.
Florian Bayer: Finde ich total richtig. Ich finde, man muss ihn gesehen haben, weil es wirklich, man glaubt es nicht, dass sowas existiert, wenn man es nicht gesehen hat.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Also viele definieren halt schlechte Filme auch so. Ihr wisst nicht, was ein schlechter Film ist, wenn ihr diesen Film nicht gesehen habt. habe. Weil die sagen so, ach ja, und die, keine Ahnung, die Michael Bay Action Filme sind schlecht oder so.
Johannes Franke: Die haben wenigstens eine Story, eine Goku-Händere.
Florian Bayer: Genau, die haben einen Stil durchgezogen, eine Atmosphäre und so weiter. Das ist nichts im Vergleich dazu. Ich finde, man muss ihn gesehen haben, weil es wirklich dieses Wow, so schlecht ist möglich.
Johannes Franke: Und so schlecht ist mit 6 Millionen möglich.
Florian Bayer: Mit 6 Millionen Dollar. Das ist unglaublich.
Johannes Franke: Wo ist das Geld geblieben?
Florian Bayer: Reservoir Dogs hat eine Million gekostet. Ja.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Aber auch, weil er wirklich Spaß macht. Ich wusste, was auf mich zukommt. Ich hatte richtig Spaß bei diesem Film. Und ja, die Sexszenen sind zu lang. Die kann man vorspulen.
Johannes Franke: Bitte, bitte. Einfach vorspulen. Einfach vorspulen.
Florian Bayer: Aber ansonsten macht dieser Film so viel Spaß mit seinen ganzen Albernheiten und vor allem auch, weil... Ich habe das Gefühl, jedes Mal, wenn ich ihn sehe, habe ich neue Ideen, was man da wie rein interpretieren könnte, weil es einfach so absurd ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Desaster Artist sehe ich ähnlich wie du. Ist ein total schöner, kann man sehen, Film. Ein absolut schöner Buddy-Movie, wenn ihr Seth Rogen-Filme so aus dieser Ecke mögt. Absolut sehenswert. Wenn ihr auf warmherzige Filme über Freundschaft steht, absolut sehenswert. Wenn ihr Fans von The Room seid, ist es Pflichtprogramm. Wenn ihr Fans von The Room seid, würde ich sagen, lest auch das Buch von Tom Bissell und Craig Sestero. Das ist ein wirklich, wirklich gutes Buch.
Johannes Franke: Ich wollte gerade sagen, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Buch und Film, aber wahrscheinlich liegt die Wahrheit auf der... Dreiecksvariante, Tangente, wie heißt das Ding? Dieser dritte Teil des Dreiecks Da gibt es doch irgendwelche Begriffe für.
Florian Bayer: Ja, du meinst Hypotenuse und... Schneid das bitte raus.
Johannes Franke: Du weißt, ich muss das drin lassen, oder?
Florian Bayer: Ich weiß. Übrigens, weil wir es gar nicht gesagt haben, aber so viel über Egos geredet haben. Gary Stu. Das ist der Begriff für das männliche Äquivalent zu Mary Sue. Also Mary Sue wurde als Begriff entwickelt. Ich glaube, das kommt auch so ein bisschen aus der antifeministischen Ecke. Also als sich sehr viele Leute darüber aufgeregt haben, dass moderne Frauenrollen so geschrieben werden, dass sie alles können und viel zu stark sind. Bestes Beispiel so die neuen Star Wars Filme, dass da die Protagonistin angeblich zu stark wäre. der Begriff Mary Sue entstanden. Dann hat irgendjemand gesagt, wir brauchen ein männliches Pendant dazu. Gary Stu.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Okay, ja. Ja, ich finde, beide Filme sind sehenswert. The Room ist halt auch einfach ein Stück Filmkanon.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ich würde dir eine Liste aufnehmen, 1000 Filme, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt. Und wohlgemerkt, es ist kein guter Film. Um das noch einmal zu betonen.
Johannes Franke: Gut, danke. Falls das nicht rübergekommen ist in den letzten zwei Stunden oder drei. Okay. Ach, Plur. Ich danke dir.
Florian Bayer: Ich danke dir.
Johannes Franke: Was für ein Marathon in der 299.
Florian Bayer: Fast drei Stunden, aber wir haben es unter drei Stunden runtergerockt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nächste Woche, Leute. Nächste Woche gibt es keinen Film. Nächste Woche machen wir einfach einen Laber-Podcast und wir machen ganz spontan, was uns einfällt. Wir beantworten ein paar Publikumsfragen, aber ansonsten... Reden wir einfach, wir wissen noch nicht, wir haben kein Konzept. Wir machen das wie Tommy, wie so.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Um das besser zu machen jetzt als Duklor, wir machen Werbung für eine Episode, in der alle Fragen beantwortet werden, die ihr schon immer hattet an uns beide. Wir haben einen Haufen Fragen auf Social Media bekommen und wir haben über unsere Webseite einen Haufen Fragen bekommen und per Mail haben wir Fragen bekommen von Leuten, die sich nicht getraut haben, das öffentlich zu verstehen. Fragen. Also ihr könnt gerne uns einfach dabei zuhören, wie wir darüber reflektieren, warum dieser fucking Podcast viel zu woke ist.
Florian Bayer: Definitiv. Das sind die meisten Fragen. Oder 90 Prozent der Fragen. Und wir haben es diese Episode schon wieder gemacht.
Johannes Franke: Ja, schlimm. Schlimm.
Florian Bayer: schlimm. Ansonsten, wie immer euch, vielen lieben Dank fürs Zuhören. Ihr seid unsere liebsten Kunden. Take the change. Hi Doggy. Bye. Tschüss.
