Episode 118: Russ Meyers Beyond the Valley of the Dolls – Sex and Drugs and Rock and Soap and Breasts and Trash and…
Once upon a time in Hollywood…. Kelly, Petronella und Casey, die zusammen die Band The Kelly Affair bilden, fahren zusammen mit ihrem Manager – Entschuldigung, Groupie – Harris nach Hollywood, um dort den großen Erfolg zu finden. Dank Kellys Tante Susan kommen sie in Kontakt mit dem exzentrischen Musikproduzenten Ronni Z-Man, der ihnen nicht nur zu einem Plattendeal und Ruhm verhilft, sondern sie auch in die dekadente Partyszene L.A.s einführt. Und da wir die Swinging Sixties haben, bedeutet das vor allem Sex & Drugs & Rock N Roll and Soap.
Beyond the Valley of the Dolls aus dem Jahr 1970 ist ohne jeden Zweifel ein Film. Er hat einen Anfang und ein Ende. Und dazwischen geschehen Dinge. Viel zu viele, oder viel zu wenige, wahrscheinlich je nach Standpunkt. Russ Meyer hat ne Menge Filme gedreht, den hier kannte ich noch nicht. Ich war nie ein großer Fan von Meyer, aber der hier soll laut Eigenaussage sein definitivster Film sein. Also gehört er ja wohl irgendwie in den Kanon. Immerhin hat Roger Ebert das Drehbuch geschrieben. Und außerdem gibt es am Schluss einen vierfach Ritualmord und eine Dreifachhochzeit. Also gehört er ja wohl irgendwie in den Kanon… Ach verdammt, Johannes. Sag du doch auch mal was.
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 118: Russ Meyers Beyond the Valley of the Dolls – Sex and Drugs and Rock and Soap and Breasts and Trash and… Publishing Date: 2023-04-05T07:30:15+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/04/05/episode-118-russ-meyers-beyond-the-valley-of-the-dolls-sex-and-drugs-and-rock-and-soap-and-breasts-and-trash-and/
Johannes Franke: Schauspieler. Das ist Schund. Definitiv. Das ist Schund, Flo. Ich nehm dir dein Mikrofon. Uh, uh. So, jetzt habe ich hier beide Mikros. Blo, das ist keine Chance. Flor, you're on your own. Diese Episode musst du rocken. Mein Hirn hat sich geweigert. Wir werden im Laufe des Podcasts noch rausfinden, warum mein Hirn hat sich geweigert und du musst all the work machen. Es tut mir leid.
Florian Bayer: Oh Mann. Herzlich willkommen, liebes Publikum zum Muss man sehen. Podcast muss ich sogar die Begrüßung machen. Johannes, sag mal wenigstens, worum es geht. Wenn du schon nichts leisten willst während dieser Episode. Also, um Johannes' Worte zu übersetzen. Bei diesem Podcast reden wir über Filme und zwar nach dem Prinzip, einer schlägt dem anderen einen Film vor.
Johannes Franke: Warum habe ich das gemacht?
Florian Bayer: Als Hausaufgabe und die Woche darauf reden wir über diesen Film. Diese Woche für diese Episode, die ihr jetzt hört, war ich dran mit meinem Vorschlag. Und ich habe Johannes einen Film vorgeschlagen. den ich selbst auch noch nicht kannte. Und zwar den Klassiker von Russ Meyer. Beyond the Valley of the Dolls. Blumen ohne Duft. Heißt er im Deutschen, aber ich gehe mal davon aus, dass die meisten, die ihn gesehen haben, eher im englischen Original geguckt haben. Und unter dem Titel ist er auch, glaube ich, einfach bekannter. Also Beyond the Valley of the Dolls, einer der mittleren Schaffensphase zuzurechnenden Russ-Meyer-Filme. Johannes kannte Russmeier gar nicht, was mich voll überrascht hat. Ich dachte, den Namen hätte er zumindest gehört.
Johannes Franke: Du dachtest, Johannes Franke. Der berühmte Sexist muss doch eigentlich Russ Meyer kennen.
Florian Bayer: Russ Meyer ist ein Name, den jeder kennt, dachte. Weil das ist einfach so der Schmuddelfilmkönig der 50er und 60er und frühen 70er Jahre in Hollywood.
Johannes Franke: Ja, stimmt, weil die Schmuddelfilme aus den 50er, 60er Jahren natürlich besser zu mir passen als die Schmuddelfilme aus den 80er, 90er. Das stimmt.
Florian Bayer: Das auf jeden Fall auch, aber auch. Einfach, weil das ist halt so wie, ich mein, den Namen Hugh Hefner kennt man auch, selbst wenn man nicht den Playboy liest.
Johannes Franke: Ja, okay, das ist ein valid argument. Aber wenn ich schon Hugh Hefner kenne, warum muss ich dann auch noch den Rest kennen, der Mischpurke? Flor, möchtest du Tee?
Florian Bayer: Sehr gerne.
Johannes Franke: Das ist ein Friedensangebot.
Florian Bayer: Oh, das ist sehr freundlich von dir. Aber schauen wir mal, wo es uns hinführt. Johannes hat schon gesagt, sein Gehirn hat ausgeschaltet. Euer Gehirn vielleicht auch, falls ihr den Film gesehen habt. Meins auch partiell. Danke. Ich würde einfach mal loslegen und es ist toll, dass du sagst, ich muss die Episode rocken, weil... Das ist so schön, passt so gut zu meinen Einleitungsworten, die ich geschrieben habe. Und danach geht es in die Diskussion. Once Upon a Time in Hollywood. Kelly, Petronella und Casey, die zusammen die Band The Kelly Affair bilden, fahren zusammen mit ihrem Manager Entschuldigung, Kruppi, Paris nach Hollywood, um dort den großen Erfolg zu finden. Dank Kellys Tante Susan kommen sie in Kontakt mit dem exzentrischen Musikproduzenten Ronnie Seaman, der ihnen nicht nur zu einem Plattendeal und Ruhn verhilft, sondern sie auch in die dekadente Party-Szene L.A.s einführt. Und da wir die Swinging Sixties haben, bedeutet das vor allem Sex and Trucks and Rock'n'Roll and Soap Opera. Beyond the Valley of the Dolls aus dem Jahr 1970 ist ohne jeden Zweifel ein Film. Er hat einen Anfang und ein Ende. Und dazwischen geschehen Dinge. Viel zu viele. Oder viel zu wenige. Wahrscheinlich je nach Standpunkt. Russ Meyer hat eine Menge Filme gedreht. Den hier kannte ich noch nicht. Ich war nie ein großer Fan von Meier, aber der hier soll laut Eigenaussage sein definitiver Film sein. Also gehört er ja wohl irgendwie in den Kanon. Immerhin hat Roger Ebert das Drehbuch geschrieben. Und außerdem gibt es am Schluss einen Vierfach-Ritualmord und eine Dreifach-Hochzeit. Also gehört er ja wohl irgendwie in den Kanon. Johannes, sag du doch mal was.
Johannes Franke: Der gehört in gar nichts rein. Nicht in irgendeinen Kanon, nicht in irgendein Filmabspielgerät, nicht in irgendein Internet. Der gehört nirgendwo hin in dieser Film.
Florian Bayer: Dir hat der Film offensichtlich nicht gefallen.
Johannes Franke: Nicht gefallen? Das ist völlig untertrieben. Ich wollte meine Bude abfackeln danach.
Florian Bayer: Das passt voll gut zu den Top 3, die ich dir gegeben habe. Dazu kommen wir später. Ich bin so ein bisschen ratlos noch. Du bist ratlos? Was? Und das ist nie gut, wenn man als Kritiker irgendwie ratlos ist. Ich glaube, wir versuchen mal das, was wir bei Theorema auch versucht haben.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Wir versuchen uns ohne Urteils zu dem Film zu nähern und werden dabei...
Johannes Franke: Ja, das Problem ist, mein Kopf hat ja schon abgeschaltet während des Films, also nicht nur in der Recherche. Also in der Recherche habe ich auch ganz große Probleme gehabt. So viele Leute, die den Film mögen und ich die ganze Zeit gedacht habe, what the fuck, wo nehmt ihr das alles her? Und ich mir so viele Sachen angeguckt und durchgelesen habe und... Ich habe das Gefühl, dass 90% davon gleich wieder rausgegangen sind aus meinem Hirn, weil mein Gehirn gesagt hat, du wirst dich mit dieser Scheiße nicht mehr beschäftigen, als du irgendwie, irgendwie musst.
Florian Bayer: Du hast also versucht dir den Film quasi mit akademischem Filmwissen schön zu saufen und es hat nicht funktioniert. funktioniert. Was total nachvollziehbar ist. Ich glaube, der Film ist auch nicht unumstritten. Ja, er gilt mittlerweile als Kultklassiker, aber ich finde, man findet auch dafür, dass er so als Kultklassiker gilt, findet man auch noch sehr viel die Stimmen da draußen, die sagen, Gott ist das ein Schrott.
Johannes Franke: Ja, absolut. Gibt es Gott sei Dank auch noch, aber leider gibt es davon sehr wenige Differenzierte. Ausgerechnet die Leute, die den Film mögen, sind relativ differenziert. mit dem, was sie da erzählen. Und recht gut darin, sowas zu erzählen. Während die, die den Film nicht mögen, einfach nur sagen, was für eine Scheiße.
Florian Bayer: Was natürlich daran liegt, dass es auch so ein bisschen so ein Feuilleton-Film ist, unabhängig davon, dass er komplettes Schmuddelkino ist.
Johannes Franke: Warum ist er ein Feuilleton-Film? Ich verstehe es einfach nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, weil es ein Film ist, der eigentlich erst dadurch interessant wird, dass...
Johannes Franke: dass Roger Iberding geschrieben hat.
Florian Bayer: Dass Roger Iberding geschrieben hat, dass Menschen, die sich mit Kultur beschäftigen, mit Kulturgeschichte, darüber debattieren und schauen, was für Motive sind da drin. Und dass FilmemacherInnen sagen, ey, ich hab den Film gesehen und hab mich inspirieren lassen. Ich hatte sehr viele, grundsätzlich während dieses Films sehr viele Tarantino-Vibes. Und es war wieder so ein Moment, den ich oft habe, entsprechende Blue-Movies aus den 60ern und 70ern sehen oder Midnight-Movies aus den 60ern und 70ern sehen. Dass ich denke, ah, genau, da hat sich der Herr Tarantino inspirieren lassen. Und das hatte ich bei diesem Film auch oft. Also es war so ganz klar, okay, der gehört irgendwie zum Tarantino-Kanon. und Tarantino hat diverse Elemente, visuelle Spielereien, und so weiter in seinen Filmen verarbeitet. Also Once Upon a Time in Hollywood. Das ist, glaube ich, so das Offensichtlichste.
Johannes Franke: Weißt du, bei Tarantino schwingt immer in allen Filmen etwas mit, obwohl ich die Filme sonst ganz gern mag oder sie einfach sehr gut gemacht finde. Was ich relativ abstoßend finde. Ein Grundton, der bei Tarantino mitschwingt, den ich... schwer zu greifen kriege, den ich auch jetzt immer noch schwer zu greifen kriege, aber jetzt wenigstens einen Ausblick habe, wo es herkommt. Denn in diesem Film schwingt genau das nicht nur mit, sondern trägt den Film. Und seitdem habe ich so das Gefühl, okay, Tarantino ist in so einer Mischpurke von Leuten, die ein ganz ungutes Weltbild haben. Und ganz unguten Umgang mit Menschen und mit Situationen und vor allem eben Frauen und sexistische Tropes und so, die ich eigentlich... einfach, wo mir so schlecht wird, dass ich dem Film weitere fünf Minuten nicht folgen kann, weil mich das immer noch angeht, was da gerade passiert ist.
Florian Bayer: Das ist das, womit Tarantino sozialisiert wurde. Und das ist das, was man gemeinhin Midnight-Movie nennt in den USA in den 60er und 70er Jahren. Und das waren im Allgemeinen Filme, die nicht... Mainstream-tauglich genug waren, um das Publikum, um Mainstream-Publikum zu erreichen und die deswegen halt einfach nachts gezeigt wurde, deswegen Midnight-Movies, weil die einfach ... gezeigt wurde, wenn das Kino sowieso nicht viele Leute erwartet hat.
Johannes Franke: Wollen wir mal gucken, ob wir das vielleicht in zwei Teile teilen können, weil ich die ganze Zeit gedacht habe, okay, es gibt einen großen Unterschied, zwischen mir, der ich jetzt 2023 davor sitze. Also wirklich sehr, sehr großen Unterschied. Oder eben mir, weiß ich nicht, wie das wäre, wenn ich damals... Midnight Movie mäßig im Kino gesessen hätte, um Mitternacht und mir diesen Film in den 70ern anzuschauen. Das ist einfach ein riesengroßer Unterschied, glaube ich, kulturell.
Florian Bayer: Also es ist vielleicht auch so, Nostalgie spielt eine große Rolle dabei und wir haben ja schon über Teenager-Filme geredet und ich glaube bei deinen... Best-of-Teenager-Filme waren auch sehr viele aus den 80ern dabei, wo vielleicht auch so ein bisschen, wo du heute drauf guckst und denkst, oh ja, da wurden ganz schön viele Rape-Jokes gemacht oder so. Auch sowas wie, keine Ahnung, nimm den Breakfast Club.
Johannes Franke: Da ist sexueller Missbrochen-Gag. Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ja, und es spielt natürlich die Sozialisierung eine total große Rolle.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und bei der Sorte Film ist es natürlich besonders krass, weil wir hier halt einfach die Exploitation-Filme haben. Das steckt schon im Titel. Es geht um die Ausbeutung von allem, was irgendwie spektakulär ist. Es geht um...
Johannes Franke: Nicht alles.
Florian Bayer: Sex und Gewalt.
Johannes Franke: Sex und Gewalt, aber vor allem weiblich konnotierter visuelle Ausbeute.
Florian Bayer: Exploitation ist nicht spezifisch auf dieses Thema Sex aus. Deswegen gibt es ja nochmal das Subgenre. Sexploitation. Und wir bewegen uns hier definitiv im Sexploitation-Subgenre. Und das ist auch das, wo sich Russ Meyer während seiner gesamten Karriere bewegt hat. Okay, wir müssen versuchen, das kurz zu ordnen. Kommen wir mal ganz kurz zu Russ Meyer. Um hier einmal zu sagen, wo ist unser Rahmen? Wer ist dieser Mann, der diesen Film gemacht hat?
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: Der hat für den Playboy gearbeitet, irgendwie so nach dem Zweiten Weltkrieg und hat dann in den 50ern mit seiner Frau eine eigene Produktionsfirma gegründet. um einfach die Filme machen zu können, auf die er Bock hat. Und das waren die sogenannten Nudie Cuties, ein Begriff, den ich auch zum ersten Mal gehört habe.
Johannes Franke: Wenn der schon an sich schon richtig furchtbar klingt. Also richtig hart nach Paedo und nach irgendwie sexuellem Missbrauch.
Florian Bayer: Wobei Paedo bei Russ Meyer keine Rolle gespielt hat und es gibt die Leute, die diese Filme gedreht haben, die dann nochmal spezifisch irgendwie so dieses Jungfrauenschema hatten. Russ Meyer war ja immer eher so der Typ, der die etwas üppigeren und großrüstigeren Frauen hatte. Aber was die Filme sind, die Russ Meyer gedreht hatten, das ist auch das, was er offensichtlich den Großteil seiner Karriere gemacht hat, sind eigentlich... Softerotik-Komödien, Tragikomödien, die so ein bisschen albern sind, so ein bisschen verspielt, oft noch so ein bisschen Soap haben, das werden wir auch in diesem Film begegnen. Und die halt irgendwie das Ganze garnieren mit sehr vielen Nacktzähnen. Und zwar im Soft-Erotik-Bereich. Wir befinden uns noch vor dem Golden Age of Porn. Das heißt, es war noch nicht so, dass das Pornografie das große war und wir haben hier so eine sehr verschämte Darstellung von Nacktheit. Es gibt halt sehr viele... Full-Frontal-Szenen, wo man aber meistens nur Brüste sieht und manchmal vielleicht so ein bisschen Schamhaare auffallen. Aber das war's.
Johannes Franke: Wobei das Wort verschämt schon ein bisschen seltsam ist in dem Zusammenhang.
Florian Bayer: Bieder, würde ich sagen. Es ist auf jeden Fall, ich finde, Russ Meyer. Und das sieht man auch in diesem Film, hat immer in seiner Inszenierung von Erotik, so sehr das darauf aus ist, nicht zu schocken, sondern irgendwie auch zu erregen, hat es immer so was Biederes und Spießbürgerliches. Es ist so der alte Typ, der durch das Schlüsselloch guckt... um seine Nachbarin nackt zu sehen. Weißt du? Und es hat immer so was Biederes, finde ich. Es ist der Blick des Konservativen, der an dem... Der das Treiben verurteilt und gleichzeitig geil findet.
Johannes Franke: Ja, sich anzuschauen und im Rest des Lebens zu sagen, nein, nein, nein, das geht ja nicht.
Florian Bayer: Genau, ganz schrecklich. diese Teenager können nur kiffen und Sex haben. Und Russ Meyer hatte aber auch so eine etwas düsterere Phase, die als seine Gothic-Period bezeichnet wird. Daher kommt auch der Film von ihm, den ich wirklich komplett gesehen habe und den ich noch am ehesten in Erinnerung habe, nämlich Pussycat Kill Kill. aus dem Jahr 1965, der heute gerne herangezogen wird als feministischer Film von Russ Meyer. wo es um so eine Gruppe von Gangsterinnen gilt, kann man sagen, die auf den Bauernhof kommen und da die Familie mehr oder weniger als Geißel nehmen.
Johannes Franke: Wir müssen unbedingt über den Feminismus reden. Auch von diesem Film, ja. du gerade genannt hast. Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich habe auch darüber gelesen und welche Argumente es dafür gibt, dass das Ganze feministisch gelesen werden sollte, was ich Spoiler Alert Nicht so überzeugend finde ich.
Florian Bayer: Ich habe den damals auch nicht feministisch gelesen. Ich habe es schon in der Anleitung gesagt, ich Ich bin kein großer Russ-Meyer-Fan. Ich hab mir dann auch so Einzel-Szenen von ihm gesehen. Ich hab bestimmt auch mal irgendwann noch mal einen Film angefangen. Ich glaub, Wixson hab ich zumindest angefangen. Und ich habe nie so ganz verstanden, was an Russ Meyer Kult sein soll. Faster Pussycat Kill Kill ist halt irgendwie dann doch so ein sehr technisch. treckiger, rougher, schwarz-weiß, Gangster-Thriller mit Frauen mit großen Brüsten und so einer sehr komisch aufgepfropften Moral. der wir in diesem Film auch wieder begegnen werden.
Johannes Franke: Der hat er ja anscheinend ständig drin. Aber das ist ja bei ihm anscheinend eine ironische Überhöhung immer.
Florian Bayer: Ja, das ist so die Frage. Was bei Russ Meyer ironische Überhöhung ist und was von ihm ernst gemeint ist, finde ich es super schwer auseinander zu klamüstern.
Johannes Franke: Das ist auch bei diesem Film so. Es gibt mehrere Gründe dafür. Bevor wir die Gründe irgendwie rausfinden, müssen wir uns, glaube ich, Roger Ebert noch dazu holen.
Florian Bayer: Ja, lass uns dann kurz mit Ross Mayer weitermachen und dann kommt ja halt Ebert dazu. Und was bei Ross Mayer wirklich immer da war, waren die Frauen mit der großen Oberweite. Er selbst hat über sich gesagt, hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert. wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden. Und das ist ja auch das, was man oft so im Feuilleton über ihn liest, dass man in seinen Filmen ein wirklich großes Talent sieht, was Bildmontage betrifft, was den Umgang mit Schnitt und mit Kamera betrifft, dass er da irgendwie ein Gespür dafür hat, welche Bilder spannend sind und interessant sind.
Johannes Franke: Ja, und dann hat er das alles ignoriert, was er gespürt hatte.
Florian Bayer: Ich finde, das sieht man auch in diesem Film. Ich finde, da kommt teilweise großes filmemacherisches Talent so hinterrücks zum Vorschein. Da kannst du noch so sehr die Augen zusammenkneifen. Und gleichzeitig sind es halt Schmuddelfirme, die er macht. New Hollywood. Wir haben wieder einen Filmemacher, der vom New Hollywood getroffen wurde. Diesmal so ein bisschen aus einer anderen Richtung. Anfang der 70er Jahre oder Ende der 60er Jahre und jetzt sind wir kurz davor, bevor Beyond the Valley of the Dolls gedreht wird. merken die Studios, dass es so nicht weitergeht. Ihre Filme kosten zu viel Geld. Und spielen zu wenig Geld ein. Monumentalfilme, große Ebenen, die als Blockbuster gedacht sind. Die Leute ignorieren sie und gehen lieber in... Low-Budget-Filme wie Bonnie und Clyde und haben da Spaß. Und das sind die Firmen, die plötzlich viel Geld bringen. Also versuchen die großen Studios alle so ein bisschen umzudenken und versuchen so den nächsten Easy Rider zu machen. Eines dieser Studios ist 20th Century Fox, die dann sagen, okay, wir müssen irgendwie was machen. Hey, wir hatten doch im Jahr 1969... Sehr viel Erfolg mit dem Film Wally of the Dolls. Mittlerweile wurde unsere Hauptdarstellerin von der Manson Family umgebracht aus diesem Film, aber okay. Wisst ihr was? Wir holen uns einfach Russ Meyer. Der hat doch irgendwie so ganz... echt extrem viel Erfolg mit seinem günstigen Film. Wir holen uns den, der soll uns einen Low-Budget-Film machen und am besten macht er noch eine Fortsetzung von Rally of the Dolls. Das wird ein Instant-Hit, das wird einfach funktionieren. Und dann schaffen die es damit, mit einem günstigen Film was Großes zu schaffen, einfach verdammt viel Geld zu machen. Lass uns alle reich werden. Indem wir mit Russ Meyer arbeiten.
Johannes Franke: Valley of the Dolls war ja so erfolgreich auch nicht. Ganz im Gegenteil. Und der hatte ja noch weniger Budget.
Florian Bayer: Na, der war schon ein Erfolg. Der war ein Publikumsrainer. Echt jetzt? Der hat Geld eingespielt.
Johannes Franke: Ich dachte, der wäre gar nicht so... Vielleicht ist er auch nur bei den Kritiken unter...
Florian Bayer: Komplett. Valley of the Dolls ist bei der Kritik komplett durchgefallen. Ah ja, okay.
Johannes Franke: Wie bei diesem Film.
Florian Bayer: Ja, es ist sehr ähnlich. Und Valley of the Dolls ist von Mark Robson. Den kennt man wahrscheinlich am ehesten von dem Katastrophenfilm Earthquake.
Johannes Franke: Okay, keine Ahnung.
Florian Bayer: Der eine Katastrophe ist. Valley of the Dolls selbst habe ich nicht gesehen. Basiert auf einem Bestseller-Roman von Jacqueline Susan und behandelt halt auch das Thema Hollywood, der Sündenfuhl Hollywood, was können Drogen, Sex und so weiter mit unseren armen jungen Frauen einrichten. Und der war ein riesiger Publikumserfolg und die Kritiker haben ihn gehasst. Und ja, ich glaube, wenn es ums Geld geht, wird wird halt auch von den Studios relativ wenig drauf geguckt, was die Kritik sagt. Jeder wusste, wir kriegen mit diesem Film keinen Oscar. Mhm. Aber lasst uns doch irgendwie wenigstens ordentlich Geld in die Kasse spülen.
Johannes Franke: Vor allem mit minimalem Aufwand. Sie haben ja wirklich wenig Geld reingeworfen.
Florian Bayer: Und Jacqueline Susan hatte zumindest einen Titel geschrieben. Genau, sie hat ein zweites Buch geschrieben. Dann hat Fox zu ihr gesagt, kannst du uns vielleicht helfen? Wir wollen hier irgendwie einen zweiten Teil von deinem Film machen. Dann haben sie die Drehbuchautos. Autorin vom ersten Teil genommen, Dorothy Kingsley. Und die hatte aber keine Zeit. Dann haben sie mit den Darstellerinnen gesprochen. Und dann hatten sowohl Patty Duke als auch Sharon Tate gesagt, nee, wir wollen keinen Bock mehr, der Film, der war so schlecht. Wir wollen davon keine Vorteile.
Johannes Franke: Sharon Tate hat gesagt, ich werde sowieso bald umgebracht von der Manson Family. Also bringt es das nicht.
Florian Bayer: Und dann gab es wirklich so einen kleinen Bruch. Und was da so dazwischen passiert ist, also ich habe es nicht so ganz herausgefunden. Auf jeden Fall hat Fox dann gesagt, so, wir machen den Film jetzt mit Russ Meyer. New Hollywood, wir brauchen was, der hat mit Wichsen extrem viel Erfolg gehabt, obwohl er kein Geld rein investiert hat. Lasst uns damit auch großen Erfolg haben. und dann kam auch ziemlich schnell Roger Ebert. Ich bin immer so... So kurz in Versuchung, Sir Roger Eber zu sagen, einfach weil der so eine Legende ist unter den Filmkritikern. War ja damals noch nicht, der war noch ziemlich jung damals. 28. Ja, genau. Aber er hatte schon Erfolg als Kritiker. Für die Chicago Sun-Times hat er geschrieben.
Johannes Franke: Genau. Was er ja auch lange noch gemacht hat. Genau. Also Roger Ebert, wenn man sich das ein bisschen anschaut, ich weiß nicht, ob ihr jetzt da draußen Roger Ebert wirklich kennt. Der Name fällt bei uns im Podcast relativ häufig. Weil der einfach so eine große Nummer ist. Ich glaube, in der ersten oder zweiten Folge musstest du mir erstmal erklären, wer das ist. hast mir angeboten, das aus dem Podcast rauszuschneiden. Good all times. Weil es doch peinlich wirkt, wenn ich das nicht weiß. Aber nein, ich habe dazu gestanden. Ich wusste nicht, wer Roger Ebert ist. Aber der hat auch damals mit Siskel noch nicht diese TV-Show gehabt. Genau.
Florian Bayer: ganz kurz, weil dieser Podcast muss man sehen heißt, um eine Sehempfehlung in dieser Episode aussprechen zu können. Siskel und Ibert. Findet man auch teilweise auf YouTube in ziemlich mieser Qualität auf Zins, so VHS-Rips. Es ist eine wirklich tolle Sendung. Mit kurzen Filmkritiken, wo die beiden sich gegenüber sitzen und sich duellieren um die Filme. Und ich glaube, als wir uns gegenseitig das Ding gepitcht haben, was wir hier machen. muss man sehen, Podcast. Hatte ich auch immer so ein Bild von uns als Ziskel und Iber, die sich gegenseitig anmaulen und fertig machen für ihren Filmgeschmack jeweils.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, soweit haben wir es nie geschafft, weil wir einfach... dann doch ein bisschen zu zivilisiert miteinander sind, weiß ich nicht, keine Ahnung. Oder unsere Filmgeschmäcker ja auch manchmal... nicht so weit auseinander sind, wie wir denken.
Florian Bayer: Wir gehen uns auch nicht so persönlich an. Siskel und Ebert hatten vor allem auch so viel Spaß gemacht, weil die sich doch des Öfteren mal wirklich so wie so ein altes... Ehepaar gegenseitig angemault haben. Und das war einfach spaßig. Und dann auch so Sachen vorgehalten haben, die sie vor zehn Jahren gesagt haben, ne? Dann sagt Siskel so, und dieser Film war langweilig. Und dann sagt jemand, ey Moment, vor zehn Jahren hast du zu dem Film gesagt, der war doch total gut. Obwohl der genauso war. Du bist ein Heuchler.
Johannes Franke: Als Siskel. hätte ich ihm bei jeder Episode diesen Film vorgeworfen. Alter. nichts mehr. Ich kann mir jetzt jede Review, die ich sonst immer richtig gut fand, von an, durchlesen und denken, ich glaub dir kein Wort, ist mir egal, was du sagst, du hast diesen Film gemacht, aber hast du dich disqualifiziert für alles.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja, bis zuletzt war er stolz auf diesen Film. Ebert hat immer wieder so von dem Film erzählt und wenn man... Also ich finde, man hat immer das Gefühl, er ist irgendwie stolz darauf, was da passiert ist.
Johannes Franke: Das stimmt, aber ich glaube, das ist eine Flucht nach vorne. Weil er versucht, seinen Suchruf zu retten und seine Beteiligung darin zu rechtfertigen, weil er kann sie nicht wegdiskutieren.
Florian Bayer: Ja, das ist unmöglich. Er steht ganz stolz in den Credits. Er ist der Autor dieses Films.
Johannes Franke: Und ich glaube, deswegen muss man auch einfach... nach vorne flüchten und sagen, also das war folgendermaßen gedacht und das war, es ist ein... Eine unglaublich tolle Parodie auf Blablabla und ich glaube ihm fast kein einziges Wort, muss ich sagen, weil es einfach... Bei vielen Dingen in dem Film, aber das werden wir später noch besprechen, habe ich das Gefühl, das haben die on the go, haben die festgestellt, okay, der Film ist vielleicht... Nicht ganz so gut, wie wir gedacht haben, wir sollten noch hier und dort eine Idee reinhauen, damit es alles ein bisschen mehr nach Parodie und nach Satire und nach alles mögliche klingt.
Florian Bayer: Ich glaube, was man zu Roger Ebert sagen kann, so grundsätzlich, was seinen Zugang zu Filmen betrifft, er ist halt ein Filmkritiker und er ist auch eher so ein Snob. Er hatte immer so einen Blick für besondere Filme, die noch nicht groß waren. Ja. Roger Ebert war der Erste, der erkannt hat, dass New Hollywood ein Ding ist. Das war eigentlich der Erste, der gesagt hat, hey, hier, Bonnie und Clyde, das ist ein Meisterwerk, das ist eine ganz neue Art von Film. Und das war eigentlich einer der Triebfedern des New Hollywood. Und er war der Typ, der während die anderen gesagt haben, Schund, Mist, viel zu brutal, viel zu realistisch. der immer gesagt hat, nee Leute, guckt mal auf die jungen Filmmacher, was die da machen, da passieren gute Sachen. Roger Ebert war aber auch einer, der immer so einen Softspot hatte für unterhaltsamen Trash. Und es gibt ganz oft Momente in seinen Rezensionen. Und auch bei Siskel und Ibert, wo man denkt so, was, diesen Film feierst du gerade? Und du kannst es dir nicht erklären und er sagt einfach, ich hatte Spaß an diesem Film.
Johannes Franke: Und Roger Ebert hat aber auch mal gesagt, er hasst es, wenn Filme auf dumme Charaktere angewiesen sind. Und was macht Dieser Film zur Hölle.
Florian Bayer: Dieser Film hat sehr kluge und sehr eloquente und sehr und sehr logisch handelnde Charaktere, muss ich jetzt mal sagen.
Johannes Franke: Gut, das werden wir auseinanderpflücken.
Florian Bayer: Und dann, erstaunlicherweise... Russ Meyer, Roger Ebert, sie kriegen Zeit für ein Pitching und sie machen das und sie haben das Buch nicht gelesen. Ja. Sie haben den Film nicht gesehen und schreiben dann innerhalb von 10 Tagen 130 Seiten. Und der Richard Zanuck, der Chef von Fox, sagt, gut, nehmen wir.
Johannes Franke: 5.000 Euro haben sie jeweils bekommen für das erste, was sie geschrieben haben und dann haben sie den Auftrag bekommen, das richtige Drehbuch ordentlich zu schreiben. Und dafür haben sie auch irgendwie 250.000 oder sowas bekommen.
Florian Bayer: Ja, und dann haben sie sich auch tatsächlich nochmal den Film angeguckt, den Originalen, haben schnell festgestellt, naja, okay, es geht halt irgendwie so um drei junge Mädchen, die nach Hollywood kommen. Und die da irgendwie mit Sex und Gewalt und Drogen und okay, lass uns mal die Idee nehmen und lass uns aber daraus mal irgendwie so einen anderen neuen Film machen. Und das... Ist aber, irgendwie hat es dieselben Vibes, aber wir wollen das Ganze auch ein bisschen witziger machen. Jetzt komme ich schon ins Straucheln.
Johannes Franke: Ja, wollte ich gerade sagen.
Florian Bayer: gesagt hast, echt unterstreich, auch wenn es mich schmerzt, ich unterstreich den Punkt, ich geb dir vollkommen recht, du schaust diesen Film und du hast ganz oft das Gefühl, haben die denn Tommy Wiseau durchgezogen, haben die im Nachhinein gesagt, hey, das war alles als Komödie gedacht. Hey, wir wussten von Anfang an, das soll lustig werden, das soll albern werden. Oder ist das alles zufällig passiert?
Johannes Franke: Also es ist folgendermaßen, mal um auf eine dieser Ebenen zu gehen, was so die Dialoge betrifft. Es ist ja viel dabei, was anscheinend für mich völlig unerklärlich sehr quotable ist. Also es gibt ja viele Leute... die den Film gesehen haben und feiern und dann immer wieder Quotes aus diesem Film raushauen. Die witzig gemeint sein sollen. So, angeblich. So, die Sache ist die, der Regisseur hat ja darauf bestanden, dass die Leute, die Schauspieler das nicht als Komödie spielen. Was auch immer wieder am Set für Verwirrung gesorgt hat. Und keiner hat sich getraut zu fragen, wie der Schauspieler gedacht hat. Moment, ich wusste es doch, aber es ist eine Komödie, oder? Es ist ein lustiger Satz, der ist doch lustig gemeint, oder? Und dann mussten die den aber immer straightforward bringen, Was dem Film so eine seltsame Stimmung mit sich bringt, wo man die ganze Zeit denkt, hä, will der Film was anderes als die Schauspieler? Ist dem Film das klar, dass er eine Komödie irgendwie quasi wird?
Florian Bayer: Meier selbst hat dazu gesagt, als er das gedreht hat. Hatte er als Intention, der Film sollte gleichzeitig sein. Eine Satire, ein ernsthaftes Melodram, ein Rockmusical, eine Komödie... Und natürlich ein gewalttätiger Exploitation-Film. Und das, was ich halt immer mache, noch so ein bisschen nackte Haut und Dann sollte es aber auch so ein bisschen moralisch werden, weil ich meine, hey, wir hatten Sharon Tate, das können wir nicht ignorieren, da ist was passiert. Da ist Gewalt in Hollywood passiert.
Johannes Franke: Und die haben das Ende des Jahres erst danach das Ende überhaupt festgestellt. festgelegt, nachdem Sharon Tate da von der Manson Family umgebracht wurde, finde ich, muss ich sagen, ist auch ein kleines bisschen Bad Taste. Ja. auf dieses Ende zu bringen.
Florian Bayer: Bad Taste ist an diesem Film sehr vieles. Und du bist noch unentschlossen? Was ist los, Flo? Ich bin noch unentschlossen. Ich werde gleich dazu kommen. Ich glaube, ich bin unentschlossen, weil ich da Sachen sehe in dem Film. Die mich rätseln lassen. Dieser Film lässt mich rätseln und erstmal ist es nichts Schlechtes, wenn mich ein Film rätseln lässt.
Johannes Franke: Okay, der Film lässt dich rätseln, wie er es geschafft hat, so viele Frauen mit so großen Brüsten zu finden.
Florian Bayer: Nein, das nicht. Die Brüste sind kleiner als bei anderen Ross-Meyer-Filmen. Was? Was? Und wenn man liest, was so die Russ Meyer Fanbase sagt, ist offensichtlich auch insgesamt der Sexanteil und der nackte Hautanteil deutlich zurückgestellt. Viele sagen, das ist der Mainstreamigste Film von Ross Mayer. Das ist der, der am ersten an Mass Audience anknüpfen kann.
Johannes Franke: Ach Gott.
Florian Bayer: Viele sagen, er ist zu brav für einen Russmeier.
Johannes Franke: Ich werde gleich hysterisch. Ich kann nicht mehr.
Florian Bayer: Okay, sie haben das Ding dann auf jeden Fall wirklich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hinterhöfen von Fox gedreht. Sie haben halt irgendwie alles genutzt, was sie da hatten und es waren offensichtlich Partikulturen.
Johannes Franke: Es ist einfach nichts extra dafür hergestellt worden. Sie haben einfach alles zweit oder dritt oder viert verwertet, was alles da war. Was ich natürlich verstehe. Ich meine, Citizen Kane hat das auch gemacht.
Florian Bayer: Ja, Citizen Kane hat das auch gemacht.
Johannes Franke: Die haben auch alles drin.
Florian Bayer: Wir haben hier sehr viele Anknüpfungspunkte an Citizen Kane. Denkt nur an die Suicide Scene, die auch überhaupt nicht geschmacklos ist. An diesem Film ist nichts geschmacklos. Roger Ebert hat dazu gesagt, like a movie that got made by accident when the lunatics took over the asylum. Was ist auch ganz gut drin.
Johannes Franke: Ja, aber er meint das ja positiv.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Er ist stolz drauf. Und wer wäre das nicht auf diesen Film? Okay, bevor wir so ein bisschen in die Story und die Charaktere einsteigen, ich kann dir ja mal meine Fragen mit meine Ratlosigkeit mit auf den Weg geben.
Johannes Franke: Ja, mach das mal bitte.
Florian Bayer: Und ich glaube, es hängt ganz viel damit zusammen, dass es ein total widersprüchlicher Film ist, der in sich diese Widersprüche trägt. Und zwar ist er voll schmuddelig und wirklich bad taste, wie du sagst, und gibt sich gleichzeitig so hypermoralisch. Also es gibt ganz viele Momente, wo er so super moralisch ist. Und dann hast du permanent das Gefühl, es ist wie so ein kleiner Troll. Will der dich verarschen damit, mit dieser Moral? Du weißt es nicht. nicht. Du bist dir unsicher, weil er so ernst rüberkommt. Genau. Er zeigt ein total hedonistisches, promiskuitives Milieu, aber immer wenn es das Drama benötigt, kommt er mit so Ultra-heteronormativen Monogamie-Geschichten, um irgendwie diesen Soap-Aspekt weiter voranzutragen. Er hat einen sehr diversen Cast, was ich wirklich interessant finde. Allerdings teilen alle Schauspielerinnen eine gewisse Eigenschaft. Also die Diversität hört bei der Oberwalte auf. Ja. Mit Ausnahme von Siemen.
Johannes Franke: Ja, stimmt, stimmt.
Florian Bayer: Wo ich auch so irritiert war. Okay, jetzt... Russ, das ist dein Moment, wo sie rausspringen müssen. Und dann ist er einerseits, es gibt Momente, wo er was unfassbar, fast schon niedlich, unschuldig Naives hat. Wie so ein kleines Kind sich, sagen wir nicht kleines Kind, so ein mittelaltes Kind... sich irgendwie so eine Sex- und Gewaltwelt vorstellt.
Johannes Franke: Ein mittelaltes Kind, meinst du so 10 bis 12?
Florian Bayer: Ja, so kurz vor der Pubertät in die Pubertät reinkommt, so kichernd und guck mal, da sind nochmal Brüste. Es hat wirklich was Niedliches. Und dann gibt es aber plötzlich diese krass unangenehmen Sexploitation-Momente. Also es fängt an ... wirklich einer oralen Vergewaltigung mit einer Pistole. Das haben wir in den ersten Sekunden. Und das ist nicht das Einzige. Wir haben einige von diesen wirklich unangenehmen Sexploitation-Momenten, die ich glaube, du nicht nur als ZuschauerInnen aus dem Jahre 2023 schwierig findest, sondern die auch damals schon schwierig waren und Das sind so viele Sachen, die nicht so zusammengehen. Und dann ist ja teilweise technisch wirklich extrem gut gemacht, finde ich. Es gibt hinter diesem Film eine Technik, die eigentlich viel zu gut ist für diesen Film. Sowohl was Schnitt betrifft, als auch was Musik betrifft.
Johannes Franke: Der hat einen guten Kameramann gehabt an sich.
Florian Bayer: Gute Kamera, aber auch die Montage? Nein. Und auch die experimentellen Ideen. Du hast gelacht mit dem Citizen Kane Vergleich. Aber Russ Meyer hat dazwischen immer wieder Bildideen. die deutlich über alles hinausgehen, was du im Exploitation kennst.
Johannes Franke: Ist das der Kameramann?
Florian Bayer: Nein, das ist nicht nur der Kameramann. Das sind nämlich Sachen, die auch einen narrativen Sinn verfolgen. Der trifft nicht immer, aber du merkst, da will jemand experimentieren, da will jemand irgendwie, ich glaube, es ist ganz viel Roger Ebert. Weil Roger Ebert war ein 27-jähriger Filmwissenschaftler, Filmkritiker. Und was ein 27-jähriger Filmkritiker macht, wenn er einen Film drehen will, ist zu sagen, ich habe hier meine Liste von 30 Filmen. die alle interessante Sachen gemacht haben. Lass uns 100 interessante Sachen machen. Und lass uns 30. davon aus diesem Film nehmen, aber lass uns auch ein paar nehmen, die nicht in diesem Film sind, damit wir auch was Neues gemacht haben. Es ist natürlich ein totaler Overkill an Ideen, aber die Ideen sind da. Weißt du, du hast die ganze Zeit das Gefühl, da ist so ein Backbone von einem wirklich guten, experimentellen Film drin.
Johannes Franke: Ja... Mich stört vor allem der Schnitt, muss ich sagen. Ich finde, über die Musik müssen wir noch reden, die finde ich richtig gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die finde ich tatsächlich richtig gut. Rettet leider den Film nicht. Obwohl, manchmal schon. Der Schnitt ist das, was mich so oft raushaut. Da hat jemand gerade das letzte Wort angefangen von seinem Satz. Und ich spüre schon, dass der Finger juckt von demjenigen, der das schneiden will und sofort rausschneidet, sobald die letzte Silbe auch nur... halb ausgesprochen ist, geht's in die nächste Szene rein und ich erschrecke jedes Mal zu Tode, weil irgendwas völlig anderes passiert und ich denke, gib mir wenigstens einen kurzen Moment.
Florian Bayer: Aber da kaufe ich Ihnen voll ab, dass es Absicht ist. Ja, natürlich ist es Absicht nicht bloß schlecht. Ich finde es tatsächlich, und das ist auch so ein Widerspruch, zu dem ich gleich komme, das gibt dem Film teilweise eine krasse Dynamik. Und ich mag diese Dynamik. Du hast manchmal das Gefühl, es macht so von Szene zu Szene, von Geschichte zu Geschichte und auch von Stimmung zu Stimmung. Du bist so total aufgetragen. geht und aufgekratzt, weil da einfach so viel gleichzeitig passiert.
Johannes Franke: Aber das ist das kleine Kind in ihm. Er will einfach weiter, weiter, weiter und das nächste und das nächste. ihm wird schnell langweilig anscheinend.
Florian Bayer: Und dann gibt es aber die Momente, die voll langweilig sind, ne? Der Film geht fast zwei Stunden. Und dem hätte es echt gut getan, gekürzt zu werden.
Johannes Franke: Aber das sind immer diese Stellen, die so ein bisschen diesen Moralischen haben, oder? Ja.
Florian Bayer: viel, aber auch so, ja, die sind dann vom Pacing sind die eigentlich auch okay, aber es ist dann so merkwürdig, abgebremst und dann passiert auch wirklich gar nichts. Und du denkst so, oh, komm, komm zur Sache. Vielleicht gerade, weil du so gehypt bist von dem, was vorher passiert ist. Aber ich finde den Schnitt zum Beispiel bei diesen Partys. Natürlich, das hat alles sowas von so einem schlechten Drogen drin. Du wirst zwischen den Personen hin und her geworfen, dann ist es auch unfassbar bunt. Die Farben sind großartig. Der Film hat echt eine starke Starke Farbbildsprache. Es geht gar nicht so sehr, nicht mal aus Inhaltlicher Sicht sieht es einfach gut aus. bunt.
Johannes Franke: Ja, es ist bunt.
Florian Bayer: Und du wirst so hin und her geschleudert zwischen den Leuten und es hat ganz oft was von so einem Drogentrip mal so ein schönerer Drogentrip Mal ein schlechterer Drogentrip, mal wirklich so ein Badtrip. Aber das hat eine... Das erzeugt schon so eine Atmosphäre, die was hat. Und wie gesagt, ich beurteile es erstmal nur aus dem technischen Standpunkt. Ich würde sagen, dieser Film ist technisch high-nudge. Der ist besser als vieles, was wir auch, nicht nur aus dem Exploitation, vieles, was wir im New Hollywood sehen, wenn wir uns Wenn wir uns die New Hollywood Low Budget oder Mid Budget Filme angucken, kommen die sehr rough rüber teilweise. Alles so ein bisschen so ungeschliffene Diamanten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Weil die einfach nicht diese technische Finesse haben. Und dann haben wir hier Russ Meyer, der wirklich einen Schmuddelfilm macht, der inhaltlich bei weitem nicht mit sowas wie Taxidriver mithalten kann. der aber technisch auf höherem Niveau ist.
Johannes Franke: Ist der Typ, also jetzt so der Kameramann und so, die ganzen Crew... Sind die von Fox gewesen? Ich habe darüber nichts gefunden. Jetzt habe ich aber auch nicht mich wirklich richtig schlimm reingeworfen, weil mein Hirn, wie gesagt, immer gesagt hat. Tu's nicht, tu's nicht.
Florian Bayer: Also für die Kamera war Fred J. Köhnkamp verantwortlich.
Johannes Franke: Ja, von dem habe ich nämlich gelesen, dass er noch ganz krasse andere Sachen später gemacht hat.
Florian Bayer: Der war für einen Oscar nominiert. Und der kommt, glaube ich, eher so aus dem Studiosystem. Also er hat für RKO Pictures gearbeitet und hat an verschiedenen drei Film gearbeitet, also er hat technisch da auf jeden Fall einiges gemacht.
Johannes Franke: Aber er scheint mir wirklich ganz gut zu sein. Und nur weil ein Bild eine Narrative unterstützt, heißt das nicht, dass die Idee nicht vom Kameramann kommen kann. Ich kenne nun wirklich die Filme, die anderen Filme nicht von Russ Meyer, aber... Aber hier erscheint mir das wirklich sehr auf diesem Kameramann. Die Last... Das Ganze irgendwie gut wirken zu lassen liegt auf den Schultern des Kameramanns, habe ich so den Eindruck, aber ich könnte natürlich falsch liegen.
Florian Bayer: Also wenn es bei Faster Pussycat Kill, es gibt tatsächlich ein zweites Kill in diesem Titel, der Titel ist so geil. Ross-Meyer-Filmtitel sind sowieso immer besonders. Wenn es da drin etwas gab, was gut war, dann war es auch die Kamera. Ich glaube, es ist mehr Russ Meyer. Und ich glaube, in dem Fall ist es nicht nur mehr Russ Meyer, sondern auch Roger Ebert, was Kamera und Schnittmöglichkeit ist.
Johannes Franke: Was ich auch gelesen habe, was das vielleicht unterstützen würde, was ich nicht so ernst genommen habe, aber vielleicht stimmt das tatsächlich so sehr, dass er auch… ein bisschen sehr nervös war am Set, Russ Meyer, und vielleicht ein bisschen zu viel den Druck ernst genommen hat, den er vom Studio bekommen hat. Und dass er wirklich am Set sehr, sehr hart auf bestimmte Sachen Wert gelegt hat. Zum Beispiel die Hauptdarstellerin, die halt keine Erfahrung hatte. Die musste viel arbeiten, um das irgendwie, um seinem Anspruch zu genügen. Ich weiß jetzt nicht, was für ein Anspruch das gewesen sein soll. Für den fertigen Film sehe ich nicht viel davon, aber auch der Kameramann hat das tatsächlich gesagt. Der Kameramann meinte auch... Er musste viel arbeiten, um das wirklich so exakt hinzukriegen, wie er das gerne wollte. Vielleicht kommt das wirklich mehr von Meier.
Florian Bayer: Wenn ich zehn von anderen Ross-Meyer-Filmen sehe, dann sehe ich das eher nicht. Dann sehe ich da auf jeden Fall ein Talent. Aber so ein... Es schwingen immer so Vibes mit, da will jemand schnell seinen Film fertig kriegen. Naja. Wie es halt ist im Low-Budget-Bereich.
Johannes Franke: Ja, genau. Du hast keine Zeit und kein Geld. Und das hab ich
Florian Bayer: Und das ist so merkwürdig, wenn man sich auch die Produktionsgeschichte vorliest, der hatte ja wirklich Druck auch dahinter, weil Grace Kelly, die zum Board of Directors bei Fox gehört hat, die war... Ach, so wütend, dass Russ Meyer diesen Zuschlag gekriegt hat.
Johannes Franke: Ich bin voll bei ihr.
Florian Bayer: Und die hat gesagt, schmeiß diesen Typen raus, der hat hier nichts verloren. Nicht in meinem Fox.
Johannes Franke: Und ich kann sie so gut verstehen. Und er hat ja auch, wie viel hat er gehabt? 900.000? Effektiv 700.000, weil die... Weil viel Geld für die Rechte rausgegangen ist.
Florian Bayer: Und dann manche sagen, also offensichtlich schwankt das. Manche sagen auch so zwei Millionen hat es gekostet insgesamt dann am Schluss. Keiner weiß, wie viel das Ding gekostet hat.
Johannes Franke: Also die Schätzung, die ich jetzt sozusagen so ein bisschen, der ich ein bisschen vertraue, lag halt bei 1.300.000 Euro. Und effektiv aber nur 700.000, weil der große Teil, der dazwischen liegt, eben einfach ausgegeben wurde für Rechte und für irgendwelche Leute, die noch... an der Seite Geld bekommen mussten, damit das gedreht werden durfte. Das heißt, er hat mit 700.000 ungefähr... sagen wir, gearbeitet. Ich finde, mit 700.000 in schon existierenden Sets... Weiß ich nicht, vielleicht hätte man noch mehr machen können.
Florian Bayer: Also ich finde, alles technischer schreit so High Value an diesem Film. Das verstört mich total. Weil es wirklich, also ja natürlich so die Schauspielregie ist teilweise, ist nicht besonders gut, was aber auch daran liegt, dass es so teilweise Amateurschauspieler sind. Die Schauspielqualität schwankt sehr in diesem Film. Es gibt welche, die machen das wirklich gut. Es gibt welche, die sind...
Johannes Franke: Nennen wir Leute, die es wirklich gut machen.
Florian Bayer: Petronella. Die Darstellerin von Petronella. Die tatsächlich nur ein Fotomodel ist. Ich finde die wirklich überzeugend. Ich fand, Moment, dann lass mich wenigstens die Namen sagen. Okay, okay. Marcia McProom. Die wenigste Schauspielerfahrung hat wahrscheinlich von allem. Als Petronella macht das total gut. Die hat Energie und die wirkt glaubwürdig. Was wirklich Schwieriges bei diesen ganzen Sob-Geschichten, die da rumlaufen. Ich fand Michael Blodgett, den Darsteller von Lance Rocks, Fand ich auch überzeugend. Also ich meine, er hat halt nicht viel gemacht, außer wirklich schmierig und irgendwie suspekt und gleichzeitig so ein bisschen sexy zu wirken. Lance Rocks ist der, der Kelly verführt. Und ihr sagt, ey, du musst das ganze Geld von deiner Tante holen und der am Schluss von Siemen gefesselt und erschossen wird. Ja, das alles passiert in diesem Film.
Johannes Franke: Hat er nicht auch noch irgendwie viele andere Sachen später gemacht? Das war doch auch so, dass der ein bisschen mehr dann Filmkarriere hatte. hatten ja nicht so viel Karriere danach, muss man sagen.
Florian Bayer: Und lass mich nichts Falsches sagen, ich fand diesen ganzen Plot... In diesem ganzen Plot um Petronella, Emerson und Randy fand ich, also Randy jetzt nicht, aber Harrison Page, Emerson. Mhm. Fand ich auch überzeugend. Fand ich okay. Also war kein großartiges Spiel, aber war so solide, hat das gespielt, was er spielen sollte.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Jetzt habe ich schon drei genannt. Reicht dir das?
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Also mir reicht es sowieso schon seit einer halben Stunde. Aber ich fand am interessantesten, nicht am besten, aber am interessantesten ja nun tatsächlich Siemen. Ja, auf jeden Fall. Der irgendwie so quasi Tim Curry vorweggenommen hat. So ein bisschen.
Florian Bayer: Rodney Seaman Buster.
Johannes Franke: Aber nur weil er eine interessante Entscheidung getroffen hat, die Figur zu spielen. Vielleicht war es gar keine Entscheidung, sondern einfach Intuition. Aber er hat eine bestimmte Entscheidung getroffen, diese Figur zu spielen. Und ich schaue ihr, Kelly, schaue ich gerne zu.
Florian Bayer: Ja, aus obvious reasons.
Johannes Franke: Ja, du meinst die beiden.
Florian Bayer: Also Kelly, unsere Bandleader. Und auch tatsächlich Protagonistin der Geschichte am ehesten nicht. Stimmt eigentlich auch nicht. Diese Geschichte hat keine wirklichen Protagonisten. Dolly Reed.
Johannes Franke: Aber schon sie. Sie ist diejenige, der euch am meisten folgen will.
Florian Bayer: Sie sieht halt gut aus, aber ihr Verhalten macht ja überhaupt keinen Sinn.
Johannes Franke: Nein, es macht überhaupt keinen Sinn, gar nicht. Aber ich sehe ihr als Schauspielerin einfach gerne oder als Model einfach sehr gerne.
Florian Bayer: Also grundsätzlich haben wir in diesem Film, und das betrifft sowohl Männer als auch Frauen, haben wir sehr viel gutaussehende Menschen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und was auch ist, was will ich erstmal zu Ross Mayer auf der HA- Seite verorten würde. Russ Meyer ergötzt sich nicht nur an den Frauenkörpern, sondern auch sehr viel an den Männerkörpern. Ich finde, er macht da keinen großen Unterschied.
Johannes Franke: Wie viel, also wenn wir jetzt mal full frontal gegen full frontal gehen.
Florian Bayer: Es gibt keine Penisse, aber ein Penis ist auch nicht schön.
Johannes Franke: Ja, aber gut, das ist jetzt persönlicher Geschmack.
Florian Bayer: Wir sehen nackte Oberkörper von Männern. Und wir sehen sexy Männer, die schick angezogen sind. Und wir sehen Männer, die sich an Männer ranschmeißen. Ist vielleicht ein bisschen viel gesagt. Ja, doch, ja, sehen wir auch. Wir haben auf jeden Fall in diesen Orgienbildern vor allem, haben wir auch einen Blick auf den Menschenkörper. Ich relativiere das nochmal ein bisschen. Nicht so viel wie auf den weiblichen. Russ Meyer hat einen ganz eindeutigen Brustfetig. Das kann man nicht anders sagen. Russ Meyer steht auf dicke Titten. gesagt zu haben. Und die sieht man sehr viel in diesem Film. Die sieht man auch sehr überflüssig in diesem Film.
Johannes Franke: Und das finde ich so krass. Und was mir einfach so viel... Mein Hirn sagt dann immer, la la la la, ich will gar nicht erst wissen, was er zu sagen hat, weil er scheint ja echt... nur Titten im Kopf zu haben. Warum sollte ich ihm zuhören?
Florian Bayer: Was auch total nachvollziehbar ist. Es ist auch ablenkend. Ja. Schon wieder eine Oben ohne 10.
Johannes Franke: Ja, also ich meine, wenn ich das sehen will, gucke ich mir andere Filme an. Weißt du, was ich meine? Es gibt doch Filme für bestimmte Situationen.
Florian Bayer: Das ist ein Film für eine bestimmte Situation. Nein, es ist nicht. Es ist ein Film aus dem Jahr 1969. Die Leute hatten damals nicht viel. Dann kam Blue Movie, über den wir auch gekriegt haben, von Andy Warhol. Und dann kam plötzlich so das Golden Age of Porn. Aber der Film... schreit noch so ein bisschen nach dieser Zeit, in der das Ding war, um Brüste zu sehen, um Nacktheit zu sehen.
Johannes Franke: Wenn das ein Film für solche Situationen wäre, dann würde er am Ende nicht mit einem dreifachen Mord enden und mit einer dreifachen Hochzeit oder so. die Hochzeit, ja okay, geschenkt.
Florian Bayer: Das ist, weil Russ Meyer ein verdeckter Spießer ist.
Johannes Franke: Ja, so verdeckt ja auch nicht.
Florian Bayer: Nee, so verdeckt auch nicht. Okay, wir müssen das irgendwie sortieren. Das Problem ist wirklich, dieser Film hat so mehrere Geschichten, die... erzählt werden und die auch so durcheinander erzählt werden und die sich alle sehr um Soap-Themen drehen. Und das fand ich tatsächlich schockierend. Dass wir irgendwie so diese Verheißung haben des wilden Hollywoods, dieses dekadenten Sumpfes. Und dann kommen wir da rein. Und dann haben wir eigentlich nur Geschichten, wo Frauen Sex mit Männern haben und ihre Freunde deswegen eifersüchtig sind. Und die Frauen dann ein schlechtes Gewissen haben und die Freunde zu den Frauen zurückkehren.
Johannes Franke: Und die Lesben werden getötet am Ende.
Florian Bayer: Und da haben wir natürlich drei. Wir haben unsere Band Kelly Affair. Wir haben Kelly, Casey und Petronella. Kelly, die mit Harris zusammen ist ...
Johannes Franke: Ja, oder auch nicht. Keine Ahnung. Es wird ja am Anfang nicht gesagt, aber dann wird es irgendwie suggestiv runtergebracht.
Florian Bayer: Aber sie scheint ja so voll auf diesem casual Sextrip zu sein. Also einfach so, hey, wir sind in Hollywood und da hat einfach mal jeder mit jedem Sex, womit sie auch irgendwie recht hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fandst du Harris auch nervig?
Johannes Franke: Alter, ich wollte allein wegen ihm den Film ausschalten.
Florian Bayer: Harris ist so nervig.
Johannes Franke: Alter, der hat nur ein Gesicht drauf und das ist der leidende Junge von nebenan, den man einfach... den man schütteln will und sagen will, wenn du ein Problem hast, dann kümmere dich drum.
Florian Bayer: Er ist von Anfang an gegen Hollywood, was wir in einer, ich wette mit dir, dass du sie scheiße findest, Was wir in einer wilden Montage, in einer Diskussion zwischen ihm und Kelly sehen, die sich fast wie so ein Gedicht oder ein Battle Rap vorträgt, wenn sie nach und nach, wenn sie sagen, hey, lass uns nach Hollywood gehen. Oh ja, oh nein, die dreckige Stadt, aber die Partys, aber das, aber das. Und dann haben wir so eine Karte. Und sie fahren mit dem Auto und sie diskutieren darüber, was an Hollywood gut ist und was an Hollywood schlecht ist. Sie sagt die guten Sachen, er sagt die schlechten Sachen und so im Staccato aufeinander folgen. Ich find's toll.
Johannes Franke: Ich finde es auch gar nicht so schlecht. Aber vor allem glaube ich, weil das direkt auf das folgt, glaube ich, wo sie ganz viel Stock im Zeug irgendwie, ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: das kommt gleichzeitig. Das ist eigentlich die Stockbilder von Hollywood.
Johannes Franke: Ja, die Stockbilder-Sequenz finde ich furchtbar. Aber dann das, was im Auto später dann kommt, wo wir dann da drin sind... Sollen die die ganze Zeit in dem Auto sein und die Stockbilder darüber montiert sein? Ja, man fragt sich ja auch nicht, weil ich nicht weiß, wo ich bin in dem Moment.
Florian Bayer: Man fragt sich in diesem Film ganz oft, Alter, wie viele Blenden kann man in einer Szene übereinander legen? Ja, genau. Es gibt diese krassen Montagen, wo gezeigt wird, wo die Kelly Affair Erfolg hat. Ja, aber er hat da die Band... Auf dieser Band jeweils eingeblendet, weißt du, so halbtransparent. Die Sängerin, groß. Dann ein Schallplattenspieler, der sich dreht. Dann charts die Ablaufung. Wir haben zehn Blenden auf einem Bild. Das ist das, wie Pink Floyd Musik gemacht haben. So, hey, wir legen mal zehn Spuren übereinander. Es wird schon geil klingen. Und du guckst da drauf und du siehst einfach nur so Datenmüll.
Johannes Franke: Aber es ist geil, ich muss gerade daran denken, wie wir unseren ersten Film zusammen gemacht haben. Und ich hatte meinen ersten Schnitt fertig und du hast danach ein bisschen gedruckst und gesagt... Muss vielleicht nicht jedes Mal eine Blende sein. Vielleicht wäre es mit einem harten Schnitt einfach nur.
Florian Bayer: Ich bin ja nicht generell gegen Blenden, aber Blenden haben oft was Kitschiges und Blenden wirkten oft so, als ob die Person, die im Schnitt säße, sich nicht traut. die Zähne zu wechseln.
Johannes Franke: Ja, genau. Oh, nein. Und dann macht dieser Film aber auf der anderen Seite harte Katzen. aus einem nicht mal ausgesprochenen Wort heraus in die nächste Szene, die völlig anders und woanders und völlig anderes Thema und Stimmung und alles.
Florian Bayer: Also Kelly und Harris streiten sich, wollen nicht nach L.A. Und es ist klar, warum, weil Harris hat Angst, Kelly zu verlieren, weil in L.A. wartet der Erfolg auf sie, dann ist er nicht mehr notwendig, weil er ist offensichtlich. Ansichtlich Manager, auch wenn er nichts managt.
Johannes Franke: Er managt schon nichts, außer seine Feelings und die ist schlecht.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Und er hat ja auch vollkommen recht. Ich meine, sie kommen nach L.A., sie trifft ihre Tante Susan und die sagt gleich, hey, ich habe hier Geld geerbt, du kriegst die Hälfte.
Johannes Franke: So, what the fuck? Was ist das für ein Eingang für einen Film?
Florian Bayer: Susan ist großartig allein deswegen. Die ist nämlich die netteste Person überhaupt. Und der Film fragt am Schluss, vielleicht ist das gar nicht so gut, dass sie so nett ist. In der Moralpredigt. Aber sie ist einfach cool die ganze Zeit. Ja. Sie ist so, hey, ich kenn dich nicht und ich hatte Streit mit deiner Mutter. Aber ich habe hier gerade eine Million geerbt und du solltest auch 300.000 haben. Welcher Mensch macht das? Nicht mal fucking Gandhi macht das.
Johannes Franke: Ja, deswegen ist die Figur vielleicht ein kleines bisschen aus der Luft gegriffen und sinnlos. Konfliktpotenzial ist ja genau deswegen, weil wenn sie eben zu nett ist.
Florian Bayer: Weil sie allen glaubt. Vor allem ihrem Anwalt, dem Porter, der eine Wunder... Also das ist so ein Moment, wo du das Gefühl hast, ja, der Film nimmt sich nicht ernst. Der spielt nämlich wunderbar diesen... schmierigen Typen, der auch, was ich großartig finde, wie so ganz viele andere Figuren, gar keinen Hill daraus macht, was er vorhat.
Johannes Franke: Ja, ja, klar.
Florian Bayer: Der redet mit Kelly und sagt, ey, und übrigens, die Schlampe will ich loswerden. Du hast hier nichts verloren. Und so einfach so.
Johannes Franke: So straightforward. Ich finde es ganz gut als Entscheidung für eine Figur.
Florian Bayer: Es ist halt komisch, wenn man die jemanden als Intriganten inszeniert. Und er dann sagt, übrigens, ich bin ein Intrigant und ich werde dich fertig machen. Ich weiß nicht, ob Intriganten so arbeiten.
Johannes Franke: Aber der... Ihren Namen, Faden verloren. Porter? Nee, ich wollte woanders hin.
Florian Bayer: Kelly? Casey, Petronella, Ashley, Harris, Emerson, Randy, Lance. Fuck, dieser Film, viele Personen... Kelly? Ich lese da den Namen Kelly und frage mich kurz, wer ist noch mal Kelly? Ah ja, stimmt.
Johannes Franke: Du hast vorhin auch schon ein paar Namen genannt, wo ich elegant darauf verzichtet habe zu sagen, wer war das noch?
Florian Bayer: Ich hab einmal deinen leeren Gesichtsausdruck gesehen. Und dachte so, okay, ich mach jetzt nicht weiter.
Johannes Franke: Oh fuck. Okay. Ich weiß nicht, welche Story dieser Film tatsächlich folgen will. Also es gibt ja so ein paar Ansätze dann im Film und ich weiß aber nicht, wo er eigentlich mit mir hin will. Insofern bin ich ein kleines bisschen darauf angewiesen... einfach da zu sitzen und zu warten und zu hoffen, dass irgendwas stattfindet, wo ich mich festhalten kann.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Leider sind es nicht die Dialoge, weil man muss auch sagen, dass die Abmischung zwischen Musik, Hintergrund... Geräuschen und Dialog einfach sehr schlecht ist. Ich habe viele Dialogfetzen einfach nicht verstanden. Akustisch nicht.
Florian Bayer: Ich fand es bei den Partys geil, weil es da irgendwie zur Atmosphäre gepasst hat. Eigentlich dreht sich dieser Film nur um die Partys. Wir haben drei große Partys. Und die sind immer irgendwie relativ lange und da passieren eigentlich alle Sachen. Und bei den Partys haben wir, gerade am Anfang, das sind immer die Partys, die dieser Seaman schmeißt, der große Plattenproduzent. auf den sie treffen. Und dann haben wir immer so Schnitte zu einzelnen Leuten, die auch meistens gar nicht groß eine Rolle spielen in dem Film, die sich einfach unterhalten und Und die sich gegenseitig so Dialogfetzen an den Kopf werfen, wo es meistens um Drogen und um Alkohol geht. Oder um Lästereien über andere Leute. Und es ist total schwer am Anfang auszumachen, welche von diesen Figuren ist gerade wichtig für die Handlung des Films. Und welche wird einfach nur in so einem Panorama kurz gezeigt, damit wir einen Eindruck für dieses Partyleben haben.
Johannes Franke: Ja. Man muss dazu sagen, dass Meier irgendwann mal sagte, dass das größte Pfund, was... Roger Ebert mit reingebracht hat, war, dass der den Slang der Zeit drauf hatte, was sich eben gerade in den Partyszenen bemerkbar macht. Womit ich natürlich als Zuschauer 2023 nicht viel anfangen kann. Als jemand, der auch noch Englisch als Fremdsprache und dann irgendwie nicht weiß, was ist jetzt ein Ernst zu nehmen? nehmender Satz oder was ist einfach nur dahingeschmissen und ich verstehe es nicht, weil es irgendwie einen Slang hat.
Florian Bayer: Ja, ich fand es teilweise auch schwer. Ich habe dann auch nochmal im Skript nachgelesen, was sagen sie gerade und dann war es meistens Eier. was Triviales. Roger Ebert hat gesagt, der Film sollte eigentlich allen gefallen, die unter 30 sind. Das heißt, coole Sprüche, das heißt viel Sex, das heißt irgendwie so Teenager und Jugendliche abholen. Deswegen hat Ross Mayer die Nacktheit so ein bisschen zurückgedreht. Sie wollten ja eigentlich ... Ein bisschen besseres Rating haben, als sie später gekriegt haben.
Johannes Franke: Ja, und dann wollte Mayers gleich wieder an den Schnitttisch und alles wieder reinschneiden, was er extra rausgeschnitten hat, damit er dieses Rating bekommt, all die ganzen Nacktheiten. Die ganzen komischen Jokes noch.
Florian Bayer: Aber ja, wir haben viele triviale Dialoge dann auf diesen Partys. Und die Geschichte von Kelly ist dann halt so zum einen, dass sie mit Seaman Erfolg hat in ihrer Band. Und der sie einfach mal umbenennt. Ihr seid jetzt nicht mehr die Kelly Affair, ihr seid jetzt die Carrie Nation. Okay. Aber du hast gesagt, die Musik ist geil.
Johannes Franke: Ja, ich fand tatsächlich die Musik ganz gut.
Florian Bayer: Und das ist so voll Tarantino, oder? Das stimmt. Jedes Mal, wenn man eine Band sieht von Tarantino, muss man, also ich werde jetzt jedes Mal an diesen Film denken müssen. Wie er das inszeniert, wie sie da auf der Bühne stehen und singen. Sie singen natürlich nicht die Schauspielerin, sondern das wurde mal...
Johannes Franke: Ja, das hört man auch stark. Weil Kelly hat total eine piepsige Stimme als Schauspielerin und dann so eine... Bassiges Soul.
Florian Bayer: Eine geile Stimme.
Johannes Franke: Ja, eine wirklich geile Stimme.
Florian Bayer: So ein bisschen, ja genau, soll ich, welchen Namen wollte ich jetzt sagen? Jetzt fällt mir der Name nicht ein. Janis Joplin. Sie klingt sehr nach Janis Joplin.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Also daran musste ich auf jeden Fall denken. Und ich dachte so ... Wow, das ist echt gut. Das ist gute, fast schon so Proto-Punkrock, was die da spielen.
Johannes Franke: Total gut.
Florian Bayer: Und man sieht direkt, dass die das nicht sind. Patronella finde ich noch an den Drums irgendwie ganz okay. Das stimmt. Also das wirkt irgendwie echt. Keine Ahnung, ob die Drums spielen kann. Ja.
Johannes Franke: Ich hatte gehofft, dass sie wenigstens noch irgendwie eine Karriere danach hatte, aber da habe ich jetzt nicht viel gefunden.
Florian Bayer: Sie war auch, sie war eigentlich nur Fotomodel. Ich glaube, sie wurde auch vor allem wegen ihrem Aussehen gewählt, weil sie auch tatsächlich einfach die beste Aussehendste von den drei war. Also es ist halt eine Geschmackssache, aber fand ich jetzt... ja genau, die Musik ist echt geil und man kann, also das ist zumindest glaubwürdig, dass sie mit dem, was sie da machen an Musik, dass sie damit dann Erfolg haben, Und Harris kommt darauf gar nicht klar, auch weil Kelly dann eben mit diesem Lance Rock zusammenkommt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Der übrigens auch genauso wie Porter von Anfang an sagt, was er macht. Der ist so bei Kelly und sagt so, ey, übrigens mein Job ist es, Frauen auszunehmen, die viel Geld haben. Und du solltest übrigens deine Tante ausnehmen, damit ich danach dich ausnehmen kann. Das ist so diese Ehrlichkeit. Er sagt so von Anfang an, ich bin hinter deinem Geld her übrigens. Und besorg aber jetzt erstmal. Was stimmt nicht mit den Leuten?
Johannes Franke: Aber es ist auch erfrischend, muss man sagen. Eine erfrischende Ehrlichkeit. Und das Schöne ist, dass jeder dann irgendwann sagt, warum mache ich eigentlich immer alles, was du sagst? Ohne eine vernünftige Antwort dann zu finden, sondern irgendwie einfach sagt, ja irgendwas hast du also an dir. Es ist, what the fuck, der Film stellt genau die Frage, also es scheint irgendwie reflektiert zu sein. sein damit, aber irgendwie auch nicht.
Florian Bayer: Und sie hat nicht nur mit ihm Sex, sondern sie verführt dann auch Porter, was überhaupt keinen Sinn ergibt. Warum? Er ist ihr Feind. Ja, sie will ihn irgendwie dazu bringen, dass er irgendwas... Ja, genau.
Johannes Franke: Die hält ihn ja auf.
Florian Bayer: Ja, aber Sex dauert jetzt nicht so lange.
Johannes Franke: Ich fand auch, also irgendwie, der Film setzt viel an und löst halt nicht ein dann. halt das Ding.
Florian Bayer: Und Harris, Rasenvereifersucht, hat zuerst Sex mit Ashley, einer Pornodarstellerin, die, also, sie macht sich zuerst mal an ihn ran und man fragt sich an so einem gewissen Punkt, Ey, wie schwer ist es, ein Nein zu verstehen?
Johannes Franke: Also wirklich, es geht ja fast in Richtung sexuelle Nötigung, muss man mal sagen. Es ist schon sehr hart. Da kommt so ein bisschen ein Gefühl für Maya durch. Irgendwas hat er sexuell mit Frauen, die einen mehr oder weniger dazu nötigen, bestimmte...
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Er mag definitiv diese dominanten Frauen. Und in diesem Film haben wir eigentlich so zwei, die Ashley und die Roxanne, die Casey verführt später. Die hat auch sowas so sehr Starkes und sehr Dominantes.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder...
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren. und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer. euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-mussmann-sehen.de oder florianett-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Harris hat Sex mit Ashley. Ashley macht sich über ihn lustig, weil er da nicht kann am Strand. Harris ist total fertig mit den Nerven und hat dann noch mal Sex mit Casey. Harris vergewaltigt Casey, oder? Was passiert da? Also, es ist die einzige Sexszene, die nicht gezeigt wird in diesem Film, aber sie sagt am nächsten Morgen... Was hast du getan? Und es klingt so ein bisschen wie, als ob sie unter Drogen wäre und eingeschlafen ist und er hat sich an ihr vergangen?
Johannes Franke: Also ich habe eigentlich während dieser Szene, während sie sagt, was hast du getan, gedacht, dass er jeden Moment sagt, ich habe überhaupt nichts getan. von nebeneinander eingeschlafen und gut ist.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Aber das ist offensichtlich nicht passiert, weil sie irgendwann später schwanger ist. Und ich dachte dann retrospektiv, what the fuck, was war das für eine Szene? Ich habe gedacht, da ist eigentlich nichts passiert, das ist nur ein Missverständnis, aber nein, weil ich habe ihm das auch nicht zugetraut. Ich habe Harris nicht so betraut, dass er irgendwas in der Richtung startet.
Florian Bayer: Es passt halt so schön zu dem Harris-Berg. Du baust so langsam so ein Bild von Harris auf und es kommt immer mehr Scheiße drauf. Und dann irgendwann denkst du, oh man, yes, spring! Entschuldigung. Harris ist dann wirklich total fertig mit den Nerven und dann beschließt er sich umzubringen bei einem Live-Auftritt der Band.
Johannes Franke: Du fragst dich auch, wie kommt der da eigentlich hin? Keine Ahnung. Und woher weiß er überhaupt, wo die genau sind? weil er ist ja nicht mehr der Manager der Band. Die haben ihn auch eine ganze Weile nicht gesehen. Und dann beschließen sie auch noch ein Tribute zu ihm zu machen, indem sie einen Song spiegeln.
Florian Bayer: Da sagt er, hey, wir sollten das Lied von ihm spielen, was voll niedlich ist.
Johannes Franke: Ja, was total schön ist. Und dann bringt er sich da vor deren Augen um. What the fuck?
Florian Bayer: Aber ein Selbstmord, der schiefläuft, wie vieles in Harris' Leben.
Johannes Franke: Wie viel ist in diesem Film?
Florian Bayer: Und der sitzt dann im Rollstuhl.
Johannes Franke: Und hat später eine sehr wunderhafte Heilung.
Florian Bayer: Und darf Kelly am Ende heiraten. Und man sitzt da... So ein bisschen fassungslos davor. Das ist der letzte Typ, dem ich ein Happy End gegeben hätte.
Johannes Franke: Keiner von denen, also wem hättest du ein Happy End gegeben? Susan. Susan, ja okay, Susan hätte ein Happy End.
Florian Bayer: Aber Casey wird umgebracht. Weil sie eine Lesbe ist.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und Petronella habe ich das Happy End auch gegönnt.
Johannes Franke: Ich habe niemandem ein schlechtes Ende gegönnt. Aber nur, weil ich einfach kein schlechter Mensch bin, das war's.
Florian Bayer: Ja, ich bin auch kein schlechter Mensch, aber Harris hat ein schlechtes Ende.
Johannes Franke: Du bist ein schlechter Mensch.
Florian Bayer: Das ist die Geschichte von Kelly und Harris in a nutshell. Wir haben sehr viel Sex, wir haben sehr viel Eifersucht, wir haben sehr viel Drama. Und um das vielleicht so abzukürzen, das ist die Geschichte von Petronella. Wir haben sehr viel Sex, wir haben sehr viel Eifersucht, wir haben sehr viel Dramatisch. Petronella lernt diesen Studenten Emerson kennen und es gibt wirklich eine wunderschöne, unschuldige Romanze zwischen den beiden. inklusive Sex auf dem Heuboden, im Weichzeichner-Look. Und wir denken so, ey, hier wird gerade eine richtige Liebesgeschichte erzählt. Und dann hat Petronella, die auch irgendwie die ganze Zeit kiffen will. Also Petronellas Dialoge sind so 80% offensichtlich. oh, Gras, ja, kann ich haben. Wer hat Gras gesagt? Es gibt mehrmals in diesem Film so Dialoge, wo irgendwo in der Ecke Weed gesagt wird. Und da steht Petronella auf und sagt, oh ja, Weed. Let's go. Petronella schmeißt sich dann an den Boxer ran. Muhammad Ali? Nee, Entschuldigung, wie heißt der?
Johannes Franke: Aber man weiß sofort, dass er Muhammad Ali sein wird. Sofort, in der ersten Sekunde, die er da ist, denkt man, oh, okay.
Florian Bayer: Na, hallo. Und dann hat sie auch, also er redet ein bisschen mit ihr und sagt so, hey Baby, jetzt ist der Moment, um Spaß zu haben. Du solltest dein Leben genießen. Und dann sagt sie, okay, lass uns Sex haben.
Johannes Franke: Und du denkst dir, what the fuck is going on? Was soll das denn jetzt? Vor allem, weil es so out of character ist. Ich hab sie nicht so wahrgenommen als so eine.
Florian Bayer: richtig schöne Romanze. Das war eigentlich so, man hatte so das Gefühl, hier soll im Film der Gegenentwurf gezeichnet werden zu diesen dekadenten, promiskuitiven Hollywood-Leuten. Hier haben wir eine echte Romanze, einen Student und eine Sängerin, die einfach nur sich ineinander verlieben. Naja, sie hat dann Sex mit Randy, natürlich erwischt sie Emerson, es gibt einen großen Streit, große Action-Szene wie Emerson. sich auf das Auto von Randy und dann verprügelt wird. Und aber am Schluss versöhnen sie sich wieder. Ich weiß gar nicht mehr warum.
Johannes Franke: Aber es gibt keine Versöhnungsserie.
Florian Bayer: Nee, aber sie versöhnen sich wieder.
Johannes Franke: Die sind dann irgendwann wieder zufrieden miteinander.
Florian Bayer: Und dann die dritte im Bunde, Casey. die irgendwie eine merkwürdige Geschichte noch kriegt, ne?
Johannes Franke: Ja, oh Gott, was war das noch? Das weiß ich auch schon nicht mehr.
Florian Bayer: Na, Casey kommt in Hollywood offensichtlich überhaupt nicht klar. Die wird von Porter angemacht, findet das total widerlich. Sie rennt eigentlich die ganze Zeit von Männern weg, von denen sie angemacht wird. Und dann landet sie zum einen nicht nur von Männern, sondern auch ... die rennt auch vor Roxanne weg, die Interesse an ihr hat. Dann wird sie von Harris vergewaltigt und ist schwanger und geht zu Roxanne und Rexanne sagt, hey Baby, lass uns abtreiben. Und Casey sagt, ach nee, vielleicht wird es ja doch irgendwie was mit Harris.
Johannes Franke: Ja, und wait, what? Ja, genau, wait, what? Was hat sie da gerade gesagt? Und ich finde es natürlich gut, dass sie den Gegenwind bekommt, aber auf die Art und Weise, wie sie den Gegenwind bekommt, ist auch ein bisschen seltsam. Vor allem, weil sie ja schon Gegenwind bekommt, bevor sie sagt, ich will das Kind behalten. Wie heißt sie, Roxette? Roxanne. Sofort sagt, du musst es sofort abschreiben.
Florian Bayer: Sie will das Kind behalten, weil sie sagt, dann hat sie noch was von Harris, weil das war gerade unmittelbar, nachdem er sie schon... Und Roxansson sagt, nee, Abtreibung. Dann haben wir diese Horror-Szene von der Abtreibung. Ja, so sieht eine Abtreibung aus, genau. Und die ist auch schnell vorbei und dann wird Pfannkuchen gemacht.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: So, what?
Johannes Franke: Es ist die komische Moral von diesem Typen drin, oder? Also die lesbischen Frauen werden umgebracht. Genau.
Florian Bayer: Roxanne und Casey fangen dann tatsächlich eine romantische Affäre an. Wir haben hier auch wieder so plötzlich so kurz den Moment, wo wir denken, hey, nach dem ganzen Zeug, den er da über Casey erzählt hat ... Plötzlich scheint sie so Liebe zu finden. Wirkliche Liebe. Und das ist cool. Das ist wirklich, dass neben der Szene von Petronella und Emerson die einzige... Sexszene, die romantisch inszeniert ist, wo man das Gefühl hat, hier wird Liebe gezeigt. Das Problem ist halt, dass in der nächsten Szene dann der wahnsinnig gewordene Z-Man mit einer Pistole zu nicht Ashley, nicht Casey, sondern zu Roxanne geht, ihr die Pistole in den Mund steckt und wir als Publikum dem genussvoll zugucken sollen, wie er mit dem Lauf der Pistole in ihrem Mund rumfummelt.
Johannes Franke: Es ist so ekelhaft.
Florian Bayer: Um sie dann zu erschießen und kurz darauf dann auch noch Casey mit dem Kopfschuss zu töten, inklusive Gore-Effekt.
Johannes Franke: Ich habe nicht damit gerechnet, ehrlich gesagt, weil der Film das ja eigentlich gar nicht andeutet. Man wendet sich plötzlich in so einem Gore-Film wieder, wo man denkt, hä? Wann hast du dich denn umgedreht um 180 Grad? Was ist da passiert?
Florian Bayer: Das ist wahrscheinlich neben den drei Frauen. Nicht die interessanteste, aber einfach die Person, über die man reden muss. ist dieser Ronnie Seaman, der ja am Schluss für den Slasher-Horror-Teil verantwortlich ist des Films.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Da auch wieder. Ich glaube, Roger Ebert hat sich total von den Giallo-Filmen aus Italien inspirieren lassen. Was Lächer gab es damals noch nicht. Und wenn man sich das jetzt anschaut, ist es schon so, das ist verdammt dicht dran an dem, was der Slasher-Film erst zehn Jahre später macht. Das macht der schon da und das ist halt vielleicht so ein bisschen Cialo, aber auch ein bisschen mehr als Cialo. Ich rede nicht über die Sinnhaftigkeit dieser Szene. Okay, gut. er macht am Schluss, gibt's einfach diesen 180-Grad-Turn des Films, der nochmal zum Horrorfilm wird. Und zwar, weil Seaman ... Der versucht, den Lance Rock, unseren Betrüger, zu verführen. Und Lance... Ist eher so, nee, lass mal, ich stehe jetzt nicht so auf dich. Auch relativ zivil das Ganze.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Also es gibt diese absolut krasse Drogenparty bei Siemen, wo wir zuerst auch so eine Montage haben, wo alle auf Drogen sind und Sex haben. Und Siemen versucht die ganze Zeit Lenz zu verführen und Lenz sagt so, nee, will nicht. Und dann ist Seaman offensichtlich irgendwann genervt davon, dass Lance nicht will und schlägt ihn K.O. Mhm. Und wir haben Lance dann gefesselt und Siemens steht vor ihm und fuchtelt so ein bisschen mit dem Schwert rum und bedroht ihn. Und sagt dann so, ach ja, und was ich dir noch zeigen wollte und macht sein Hemd auf und Big Reveal, I don't know, hat Brüste. Und Lance macht sich über ihn lustig. Ah, du warst eine Frau und eine hässliche Frau bist du. Brot, ugly Brot. Und dann rastet Seaman aus und köpft ihn. Sein Diener, der als Nazi verkleidet ist, sieht das.
Johannes Franke: Was zur Hölle? Wer ist das?
Florian Bayer: Es gibt eine Anspielung in dem Film. Er sagt irgendwann ganz am Anfang, sagt Seaman über diesen Typen hier erinnert, der dich nicht an einen Bohrmann. Und es soll, glaube ich, so eine Anspielung drauf sein, das soll ein Nazi sein, der nach Amerika geflohen ist. Und deswegen findet Siemens das lustig, ihn bei der Party als Nazi zu verkleiden. Siemens selbst als Wonder Woman. Und dann, warte mal, die Casey als Robin und die andere, Roxanne, als... Und sonst ist keiner zu der Party eingeladen von unseren Protagonistinnen, was auch so merkwürdig ist. Aber die dürfen dann nachher in diesem tollen Scooby-Doo-Moment hinein zur Party. Zum Scooby-Doo-Mobil. Stimmt. Auf jeden Fall ersticht er dann noch den Nazi-Diener am Strand. Und er schießt Casey und Roxanne, bevor er gestellt werden kann. Was ist los? Was ist das? Also, bitte, sag du's mir. Ich hab jetzt ganz viel geredet, du musst das sagen.
Johannes Franke: Was ist genau die Frage?
Florian Bayer: Was erzählt uns der Film über Seaman?
Johannes Franke: Der Film erzählt uns über Seaman eigentlich nicht viel. Er erzählt uns sehr viel... viel darüber, wie dieser Film entstanden ist, nämlich Stück für Stück während der Dreharbeiten. Warum zur Hölle passiert das jetzt? Es gibt keine Andeutung darauf und es gibt keine Sinnhaftigkeit dahinter.
Florian Bayer: Ist Seaman ein Transmann? Ist Seaman intersexuell?
Johannes Franke: Ich glaube, die ursprüngliche Intention war, dass Seaman einfach wirklich... Ganz klassisch, eine Frau ist in Drag.
Florian Bayer: Aber er liebt das ja. Also dann wäre es eher ein Transmann, oder? Weil er... Es ist einfach sein Leben.
Johannes Franke: Über seine Identität wird nichts gesagt.
Florian Bayer: Genau, aber was denkst du?
Johannes Franke: Was denke ich?
Florian Bayer: Komm, jetzt einmal Kopf einschalten.
Johannes Franke: Also, mein Kopf sagt, du willst keinerlei Fragen darinter... versuchen, ernsthaft zu beantworten. Hinter diesem Film steckt keine Frage, die mir irgendwie mein Leben bereichert in der Antwort. Also wenn ich da jetzt anfange, dann wird mich mein Hirn irgendwann strafen. oder einfach sagen, okay, gut, dann gehe ich jetzt halt auf Standby.
Florian Bayer: Ich finde ja tatsächlich, diese Abschlussszene, auch wenn sie ganz merkwürdig reingepfropft ist am Schluss, Ich finde, die ist schon irgendwie ganz geil gemacht. Also alles. Und zwar nicht die Morde.
Johannes Franke: Moment, Moment, was?
Florian Bayer: Dieser Drogenrausch, diese Party, diese Sexparty, die wir dann haben, wo das Ganze wie so ein mittelalterliches Hexenritual inszeniert wird. Und Sie-Man wirkt dann auch wie so ein Merlin, wie so ein Zauberer?
Johannes Franke: Ja, okay. Das als eigenständiger Kurzfilm.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das wäre vielleicht interessant gewesen.
Florian Bayer: Ja. Ja, da bin ich ein ständiger Kurzfirma. Und dann ist er so, und dann ist alles so drüber. Dann haben wir sie da liegen und wir haben diese Montagen von ihnen wieder so. so mehrere Blenden übereinander, wie sie Sex haben und Drogen nehmen. Und es wirkt aber nicht wie so ein 70er-Drogenfilm. Sondern eher wie so ein mittelalterlicher, wie so ein Sorten-Sorcery-Film fast schon, auch weil sie so verkleidet sind.
Johannes Franke: Weil das Setting ja so ist.
Florian Bayer: Ja, und Siemen redet ja auch so komisch dann. Der redet ja sowieso die ganze Zeit so komisch. Und dann...
Johannes Franke: So ein bisschen Shakespearean.
Florian Bayer: Total, ja, im Reimen irgendwie. Also du hast immer das Gefühl, alles, was er sagt, ist Poesie. Und dann sagt er, you will drink the black spirit. Sperm of my vengeance und das ist so großer Pathos. Und das ist irgendwie krass, diese Eskalation. Und es ist irgendwie so, wir nehmen teil an diesem schlechten Drogentrip von Siemen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sind Opfer und Täter zugleich? Ich finde, das hat was total Faszinierendes. Also ich meine, es ist auch meine Faszination an Horrorfilmen und natürlich dieser Exploitation-Moment mit der Waffe im Mund, das ist echt eklig, das ist auch so, nee, das muss echt nicht sein. Aber dass es dann so komplett eskaliert und der Lance köpft und seinen Diener erschießt, der noch als Nazi verkleidet ist, das ist so drüber, dass ich denke, okay, das ist irgendwie geil.
Johannes Franke: Aber das ist ein Anfang für einen Film, oder?
Florian Bayer: Das ist ja auch ein Anfang vom Film.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Also man sieht nichts davon, weil die Credits verkehrt herum drüber laufen die ganze Zeit.
Johannes Franke: Aber interessant wäre doch, was passiert danach mit Siemens? Also, wenn jetzt nicht wäre, dass sie ihn überwältigen, umbringen und so weiter... Was wäre mit einer Figur, die so einen schlechten Trip hat und eine Party, zu der er eingeladen hat, dann seine ganzen Gäste am Ende umgebracht hat und am nächsten Morgen aufwacht und denkt, ach du Scheiße.
Florian Bayer: Ja, vielleicht, weiß nicht. Also ich finde, das ist ein tolles Finale. ich verstehe nicht so ganz, warum sie das an den Anfang noch gepackt haben. Also was soll ich sagen?
Johannes Franke: Natürlich, du willst, dass die Leute denken, ah, da endet also der ganze, ja, die ganzen Drogentriffs. Ja, ja, das endet nicht gut. Ich hab's schon gesehen.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass dieses ganze Hollywood verruchtet. Der Film erzählt uns ja, dass dieses Hollywood-Verruchte, dass es alles gut endet. Also wäre nicht der Verrückte da, der auf einem schlechten Drogentrip Leute umbringt. Würde das ja alles gut enden, ne?
Johannes Franke: Naja, aber ich meine, er ist ja auch nur ein Stand-in für Hollywood.
Florian Bayer: Oh, jetzt denkst du nach.
Johannes Franke: Oh nein, warum habe ich das getan?
Florian Bayer: Alter, Johannes hat gerade den Film gerettet. Mit einer Menge Symbolismus. Seaman ist nicht einfach nur ein wahnsinniger Musikproduzent. sondern er ist ein Symbol für das verruchte Hollywoodschild, das dich einerseits feiert, dich einerseits verführt, dich andererseits hypnotisiert und dann am Ende umbringt.
Johannes Franke: Gnadenlos.
Florian Bayer: Geil. Ich steh voll drauf, Johannes. Das macht den Film für mich gut.
Johannes Franke: Nein, Floor. Also wenn ich jetzt so drüber nachdenke. Nein, Floor, ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass du diesen Film gut schaffst.
Florian Bayer: Ich glaube, ja, Beyond the Valley of the Doors ist wirklich ein Tier. Nein. Eine tiefgehende Parabel auf Hollywood als Täter und Opfer. Und Hollywood auf einem schlechten Drogentrip könnte natürlich auch ein Kommentar dazu sein.
Johannes Franke: Ich meine, es geht doch sowieso darum, dass sie nach Hollywood gehen und was Hollywood alles mit denen macht oder nicht.
Florian Bayer: Ja, aber das Witzige ist ja, was Hollywood macht, ist alles nicht so schlimm, weil am Schluss heiraten sie. Harris kann wieder gehen. Sie haben die wahre Liebe gefunden. Sie haben Erfolg als Musikerin. Und wäre diese Seaman-Geschichte am Ende nicht, wäre das alles gut. Oder? Also jetzt mal ganz ehrlich. Und Petronella und Emerson kommen auch wieder zusammen. Ja, es gibt Verwirrungen und es gibt... Gott, es ist so eine Soap.
Johannes Franke: Aber, aber, aber... Du kannst ja nicht ein wesentliches Element des Films einfach ausklammern und sagen, ansonsten wäre alles gut. Dann würdest du auch sagen, bei Bonnie und Clyde wären die blöden Polizisten nicht wären.
Florian Bayer: Du hast gesagt, dass das ein für sich stehender Kurzfilm ist. Kann ich zurückspulen. Protokollantin, lesen Sie bitte die... Ich schneide das raus. Es wirkt aber halt auch... Es wirkt ja so drangepropft, als... Man hat so das Gefühl, Russ, Maya und Roger Ebert dachten am Schluss, oh, dem Film fehlt noch so ein bisschen Gewalt.
Johannes Franke: Ja, natürlich haben sie das. Genau das haben sie gedacht. Es ist langweilig geworden und ich weiß gar nicht, vielleicht ist der Film doch richtig, richtig schlecht. die irgendeine Überhöhung finden.
Florian Bayer: Es passt auch total, weil vor dieser Party haben wir Kelly und Harris, wie sie Schach spielen und er im Rollstuhl sitzt. Und sie sich wieder versöhnen. Und dann denkt man so, okay. Und dann schnitzt so Simon, der sagt, hey, lass uns eine Party schmeißen, jetzt geht's ab. Und dann geht's auch wirklich ab. Dann haben wir einfach die letzten 20 Minuten nur noch Sex, Drogen und Gewalt.
Johannes Franke: What the fuck? Die Freunde, die dann zur Rettung kommen. Wir bringen dann den Typen, der im Rollstuhl sitzt.
Florian Bayer: Aber er ist ja auch so proaktiv. Er sagt, wir müssen sie retten. Und dann müssen sie erst mal den Rollstuhl zusammenbauen.
Johannes Franke: Also es ist eine sehr inklusive Gruppe, muss man sagen. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Es ist auch cool, dass der Film uns das alles zeigt, wie der Rollstuhl reingepackt wird ins Auto, wie er reingesetzt wird und so. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: Und das ist so Scooby-Doo, oder? Die sind voll die Teenager-Trumpe, die sagt, rettet den Tag. Sieben ist verrückt geworden. Ja. Kein Mensch braucht die Polizei.
Johannes Franke: Warum hat Simon nicht noch eine Maske aufgehabt, die man hätte runterziehen können am Ende? Du bist also... Oh! Ja gut, er hat... Vorne die Brüste gewählt. Nein, also wirklich ein schlimmes, schlimmes Ende. Ich finde das wirklich nicht... Nein, nein, nein, nein, nein.
Florian Bayer: Also ein schlimmes Ende im Sinne von... Ja, ein schlimmes Ende.
Johannes Franke: Nicht im Sinne von, die sterben alle, oh nein, wie schlimm, sondern im Sinne von... Was zur Hölle hast du als Filmemacher da jetzt noch verbrochen?
Florian Bayer: Aber es ist besser, als wenn es nicht passiert wäre, oder?
Johannes Franke: Stell dir mal vor, die Hochzeit... Dann wäre der Film wenigstens noch egaler gewesen.
Florian Bayer: Aber hätte weniger Spaß gemacht. Ich meine, es ist ja auch nicht das Finale, danach haben wir ja nochmal die Hochzeit und da ist alles schön.
Johannes Franke: Die Hochzeit sind zwei Sekunden, das ist ja nicht viel.
Florian Bayer: Sie rennen über das Feld? Harris kann wieder gehen. Er kann wieder gehen. Und dann haben wir noch so ein komplett ... Out-of-Place-Comedy-Moment, wenn Porter durchs Fenster guckt noch einmal, der komische Anwalt, der intrigante Typ, und reinguckt und sie sagen, nee, du darfst nicht mehr rein, dann machen sie den Rollladen zu.
Johannes Franke: Der will unbedingt Teil der ganzen Sachen sein.
Florian Bayer: Susan, übrigens, Susan heiratet auch noch. Das ist noch eine Geschichte, die einfach so zwischendurch passiert. Susan trifft ihre alte liebe Baxter, der mit seiner Verlobten da ist auf der Party. Susan sagt, ich hab dich vermisst. Bexter sagt, ich bin zwar verlobt, aber ich hab dich auch vermisst.
Johannes Franke: Und ich lass jetzt meine Verlobte einfach stehen auf der Party, ohne Kommentar oder sonst irgendwas.
Florian Bayer: Das ist so schön romantisch, oder?
Johannes Franke: Du hier? Mensch, lass uns dort wieder anfangen, wo wir aufgehören.
Florian Bayer: Sie haben sich seit Jahren nicht gesehen. Sie treffen sich auf dieser Party und dann lässt seine Verlobte sitzen. One Asshole.
Johannes Franke: Und von der Verlobten sehen wir auch nichts mehr.
Florian Bayer: Nee, die ist vollkommen egal.
Johannes Franke: dass irgendjemand sich um sie kümmert oder sie mal traurig ist oder sonst irgendwas, sondern sie ist einfach wirklich vollkommen wurscht geworden. Was ist das für ein Umgang mit Figuren und mit weiblichen Figuren? Oh Gott. Und solche Situationen gibt es ganz, ganz viele.
Florian Bayer: Kommen wir zum Sexismus und zum Feminismus zu reden. Wie sexistisch und wie feministisch ist dieser Film?
Johannes Franke: Also erstmal, wie sexistisch ist dieser Film? Also auf einer Skala von 1 bis 100 ist sie ungefähr bei 200? Allein bei der Use of Nudity und ich muss an diese... furchtbare Szene denken, die vielleicht sich als Parodie verstehen kann, wo sie ans Telefon geht, Kelly. Weil sie den Anruf bekommen haben hier, der bringt alle um. Sie bekommen den Anruf, sie geht ran und sagt, was? Wie jetzt? Und er nimmt ihr das Telefon weg, reißt ihr das aus der Hand und sagt, komm, ich bin der Mann, ich mach das. Ich klär das mal. Und der macht auch nichts anderes als was? Okay, gut, lass uns losgehen.
Florian Bayer: Harris ist so...
Johannes Franke: Was ist das? Was zur Hölle soll das? Und das macht dieser Film. Und das ist für mich... So ein bisschen, wenn man jetzt nicht acknowledgt, dass das vielleicht eine Satire sein soll auf diese Szenen, die es ja immer wieder in Filmen auch in dieser Zeit gibt. sondern dass es symptomatisch für das ist, was der Film mit seinen Frauenfiguren macht, dann ist dieser Film 100% sexistisch.
Florian Bayer: Was auf jeden Fall sexistisch ist, ist definitiv die Fleischbeschau. Darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Es gibt auch einfach komplett überflüssige Garderoben-Szenen, wo nochmal BHs an- und ausgezogen werden, wo du einfach siehst, okay, Russ Meyer hat auf die Uhr geguckt und gesagt, ah ja, zwei Minuten ohne Brüste.
Johannes Franke: Bitte. Hugo.
Florian Bayer: Er hat definitiv auch ganz viele von diesen Klischees, auch die ganzen Romanzen haben diese Klischees von den Frauen, die dann nebenstehen, gesagt, ah, Während die Männer sich prügeln. Wir haben aber auch ein paar starke Frauen. Also ich meine, wir haben Susan, die offensichtlich... Also du gehst jetzt schon zum Feminismus-Übersicht. Achso, nee, um das zu relativieren einmal. Also nicht alle Frauenrollen sind so schwach, oder? Wir haben schon.
Johannes Franke: starke Frauenrollen. Ja, wir haben auch starke Frauenrollen. Natürlich, also das scheint ja Meier sehr wichtig zu sein, das starke Frauen sind, damit sie in seine Sexfantasie passen.
Florian Bayer: Okay, lass uns kurz noch beim Sexismus bleiben. Du hast recht. Wir haben dieses Exploitation-Shots. Also ich habe vor allem einen ausgemacht, den ich wirklich unangenehm fand. Und das habe ich schon erwähnt. Das ist am Anfang diese Szene.
Johannes Franke: Und das ist gleich mit der Pistole.
Florian Bayer: Das ist wirklich schrecklich, weil es auch wirklich so eine klassische Rape-Culture-Fantasy ist. Die Waffe, die macht und Sex. Einfach die Macht über die Frau sexuell interpretiert. Das ist einfach voll unangenehm. Es ist noch unangenehmer, dass es mit einer homosexuellen Frau gemacht wird.
Johannes Franke: Ja, auch das noch, genau. Dass das gleich am Anfang passiert, macht mir halt schon gleich am Anfang es schwierig in den Film reinzukommen.
Florian Bayer: Ja, es gibt sehr auf diese Momente, was der Film als Flirt interpretiert, was einfach übergriffig ist.
Johannes Franke: Ja, 100%.
Florian Bayer: Also bei Porter, ich meine, Porter ist eine unsympathische Figur, das ist okay. Da ist es einfach, da kann man auch sagen, das wird gezeigt. um ihn noch unsympathischer wirken zu lassen, wenn er sich an Casey ranmacht auf so komische Art und Weise und sie dann irgendwann wegrennt. Aber zum Beispiel Harris, der ja offensichtlich ein Rapist ist. Mhm. Aber das Rape-Ding ist nicht so schlimm in Augen des Films, weil es wird irgendwie, es wird nicht mehr groß...
Johannes Franke: Genau, es wird nicht thematisiert. Sie will sogar das Kind behalten, weil sie irgendwas von ihm behalten will.
Florian Bayer: Und dann wird sie getötet, um das Problem aus der Welt zu schaffen? Weil wenn sie als die schwangere Anklägerin nicht mehr da ist, dann ist das Problem erstmal gelöst und Harris kann Kelly heiraten. Also so das Gefühl habe ich irgendwie, dass der Deswegen muss Casey eigentlich über die Klippe springen. Nicht wegen dem Sex mit einer Frau, sondern weil sie ein Problem ist für die Romanze zwischen Kelly und Harris.
Johannes Franke: Oh, verdammt.
Florian Bayer: Aber das waren für mich, also vielleicht findest du noch mehr, das waren für mich so die großen unangenehmen Sexploitation Momente.
Johannes Franke: Es gibt noch mehr, Flor. Bitte, ja. Nein, nein, nein, ich werde die jetzt nicht noch aufzählen, weil ich einfach...
Florian Bayer: Okay, die Abtreibungsszene, ja?
Johannes Franke: Genau, die Abtreibungsszene. Es gibt so viele Momente, wo du denkst, ja, eigentlich... Gibt es wohl Figuren, die Maya da einführt, wo die Frauen ihre eigene Lust und ihre eigene Agenda haben und so weiter, aber sie werden am Ende einfach festgelegt. dafür gnadenlos bestraft trotzdem und also nicht alle Figuren, aber es gibt welche und auf eine Art und Weise, die ich einfach, what the fuck.
Florian Bayer: Um vielleicht noch eine Sache einzuwerfen. Glaubst du, dass Harrison sympathisch sein soll? Das befürchte ich nämlich auch.
Johannes Franke: Und das ist noch so ein Problem.
Florian Bayer: Weil Harris ist nicht nur ein fucking Rapist, wir haben auch so mehrmals thematisiert und zwar... soll das offensichtlich Empathie mit ihm erzeugen, dass er homophob ist. Weil diese Pornodarstellerin Ashley macht sich über ihn lustig, weil er nicht kann. Und es ist so ganz klar, er kann nicht, weil er halt trauert um Kelly. Aber in diesem drüber lustig machen geht es dann darum, dass sie sagt, hey, bist du schwul? Soll ich dir einen Jungen besorgen? Und das macht ihn so fertig, dass er zu Casey geht, um sich auszuheulen. Wir wissen, wie dieser Abend endet. Der endet mit der Vergewaltigung. Und dann redet er über seine Sexualität. Aber eigentlich der ganze Inhalt dieses Dialoges ist nicht, dass er homosexuell sein könnte, sondern wir sehen eigentlich die ganze Zeit, dass er homophob Und wir sollen offensichtlich mit ihm mitfühlen können, dass er von der bösen Frauenwelt so weit getrieben wurde, dass er seine Sexualität, seine Heterosexualität infrage. Der arme Kerl.
Johannes Franke: Der arme.
Florian Bayer: Das ist wirklich schräg, bizarr, unangenehm. Ja.
Johannes Franke: Viele Sachen aufgeschrieben, aber ich glaube, es ist müßig, das alles aufzuzählen. Guckt euch den Film ein oder lasst es vielleicht lieber. Es gibt einfach viel Scheiße.
Florian Bayer: Feminismus. Findest du Feminismus in diesem Film?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Gar nicht.
Johannes Franke: Nein, auf der Oberfläche ja, weil natürlich viele Frauen eigene Agenda haben, viele starke Frauenfiguren sind, aber das, was... alles sofort wieder kaputt macht, ist, dass man sofort durchspürt, dass der Feminismus den man da sehen könnte, diese starken Frauen, eigentlich alle nur die Sexfantasie von Maya unterstützen. Man spürt das durch. Es ist keine einzige Figur, die in sich kohärent für sich agiert, ohne dass sie nicht, also keine weibliche, Die irgendwie nicht am Ende doch nur seine Fantasie bestätigt.
Florian Bayer: Ja, ich muss nachdenken. Ich weiß nicht, aber ich glaube, ich gebe dir recht. Ich will dir nicht recht geben.
Johannes Franke: Ja, also ich habe viele Kommentare gesehen online. Feminismus nach oben halten und sagen, ja, das sind alles starke Frauen. Also nicht alles, aber es sind so viele starke Frauenfiguren. Proaktive Frauen.
Florian Bayer: Die dürfen irgendwie luschen.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber das ist alles nur Sexfantasie. Das ist alles, das geht alles auf diese eine Sache zu. Und ich glaube, dass er einigermaßen recht haben könnte. in dem er gesagt hat, er hätte ein guter Filmemacher werden können, wenn er nicht so auf Titten gestanden hätte.
Florian Bayer: Ich befürchte, ich gebe dir recht, das Ding ist, ich glaube, alles, was da in feministischen Subtexten drin ist, was man reinlesen kann, ist so durch Zufall passiert. Das ist nichts Schlimmes. Wir reden ganz oft über Rezeptionsästhetik und darüber, was man in den Filmen liest, dass das auch eine Bedeutung hat, dass der Film sich auch verselbstständigt hat.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es gab zu Recht eine Zeit, in der das vielleicht als Pharma-Universität gelesen würde.
Florian Bayer: Oh, das ist auch interessant, ja.
Johannes Franke: Wo man sagt, okay, man kommt von der Hölle. zu heute, also nur noch der Vorhölle und dann da Dazwischen ist ein bisschen was passiert und dazwischen könnte man vielleicht in den 90ern zum Beispiel lesen und sagen, okay, das ist ein feministisches... Es gibt ein Gefühl von Feminismus mit, aber der überholt sich dann gleich wieder, wenn man nochmal ein bisschen, noch eine weitere Denkschleife irgendwie ranhängt.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, für mich ist das große Problem, ich kriege den Feminismus da nicht reingelegt. Und das ist eigentlich das, was du auch gerade gesagt hast, weil der Male Gaze einfach permanent da ist. Bei dem Blick auf die starken Frauen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist halt immer ein Blick in den Ausschnitt. Und auch wenn Frauen Dominanzgebahrene haben, was mehrmals vorkommt, zum Beispiel diese Ängste. Ashley ist ja unglaublich dominant, diese Pornodarstellerin und wie sie Harris verführt, in Anführungszeichen. Ist von krasser Dominanz geprägt, aber es fühlt sich eben halt immer an wie eine Sexfantasie oder zumindest wie irgendwie eine Art von männlicher Fantasie, nicht wie eine Art von weiblicher Fantasie. Und das ist so, Feminismus auf Frauen bezogen braucht einfach die weibliche Perspektive, da kommst du nicht drum herum. Und ich glaube, die weibliche Perspektive kann auch von einem Mann erzeugt werden, aber es muss halt eine weibliche Perspektive sein. Und wir haben diesen... Dieser Film hat eigentlich die ganze Zeit eine männliche Perspektive. Was total krass ist, weil wenn du... auf das Vordergrünige guckst, dann haben wir drei Protagonisten, also die Frauen. Ja. Wir sind hier ganz klar im Mittelpunkt. Dieser Film würde ein Bestell-Test bestehen. Die reden nämlich nicht nur über Männer, sondern auch über Drogen und über Musik. Der Film würde eher ein Bestelltest bestehen als 99% der anderen Filme, die wir gemacht haben.
Johannes Franke: Ist das traurig.
Florian Bayer: Und es gibt auch Momente zwischen den Frauen, die einfach, die Dialoge sind zu schlecht dafür. Also das heißt, sie sind nicht interessant oder stark. Aber die zumindest ihnen so ein bisschen Raum geben als Figuren. Und das sind komplett inhaltslose Dialoge. Und das sind komplett triviale Dialoge. Aber zumindest haben sie... Zwischendurch immer ein bisschen Raum zu atmen, um mal was zu sagen, was man dem Film vielleicht zugutehalten kann.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Mein liebster Moment, es gibt einen liebsten Moment, den ich habe. Kelly sagt einmal zu dem Typen, up yours, Ratso.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und wenn man den außerhalb des Kontextes nimmt, der ganz so drum rum ist, finde ich es eigentlich ganz geil und ich hätte es fast ans Klingel tun wollen. Das ist die feministische Stelle des Films. Sie kommt bei Minute 53 vor. Dauert 10 Sekunden. Ja. Aber das war's. Das war's. Das ist das Einzige, wo ich wirklich mal sage, oh ja, go Kelly.
Florian Bayer: Ich glaube, vielleicht bringen wir mal, bevor wir zum Urteil kommen, bringen wir mal ganz kurz noch in unsere Top 3 und danach reden wir über die Rezeption des Filmes und geben nochmal unser persönliches Urteil ab.
Johannes Franke: Wir haben schon eine ziemlich lange Episode, muss man dazu sagen. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Okay. Schund! Was machst du erbost aus und bezeichnest es als Schund?
Johannes Franke: Ja. Wer muss anfangen?
Florian Bayer: Du musst anfangen.
Johannes Franke: Ich würde gerne dazu sagen, up yours, Ratso. Du hast dich selbst in die Scheiße reingeritten. Es sind nur Filme dabei, die wir hier besprochen haben. Das tut weh. Und ich habe absichtlich nur diese Filme genommen, obwohl ich noch mehr auf der Liste hätte. Ich hätte noch, aber das kommt nicht in die Liste rein, Freddy Got Fingered, was wir nicht zusammen geguckt haben, was ich einmal gesehen habe und richtig schlimm fand. Ganz viele Sex-Jokes, unterste Schublade, schlimm, furchtbar. Hätte ich auch erbost ausmachen wollen, aber es war jemand dabei, der unbedingt wollte, dass ich diesen Film sehe. Ja, ansonsten hätten wir, hast du irgendwelche andere Menschen?
Florian Bayer: Nee, ich habe einfach nur drei Stück. Drei Filme.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Platz drei, bitte. Gib's mir.
Johannes Franke: Ich muss jetzt gerade noch Inland Empire.
Florian Bayer: Ja, alles.
Johannes Franke: Ja, ich weiß, du bist enttäuscht. Das ist so schrecklich, wirklich. Inland Empire wollte ich dringend ausmachen. Ich wollte ihn dringend ausmachen und zwar schon... den ersten fünf Minuten, weil ich einfach mit dieser Kamera nicht klargekommen bin.
Florian Bayer: Und machst du ab Ost, außen sagst du es schon? Bei einem Experimentalfilm, der mit wenigem Budget und schrägen Bildern und...
Johannes Franke: Es gibt viele Filme, die wenig Budget haben, aber es gibt auch Filme mit wenig Budget, die was erzählen wollen und was Gutes erzählen.
Florian Bayer: komplett unterschiedliche Ansichten, was Schund betrifft. Ich habe nämlich Filme genannt, die mich nicht wegen ihrem Handwerk, sondern wegen ihrem Inhalt und so ärgern.
Johannes Franke: Es ist ja nicht so, dass... Nee, Schund ist, du weißt es besser und machst es trotzdem scheiße.
Florian Bayer: Nein, Schund ist, du...
Johannes Franke: Roger Ebert wusste es besser. Er hat jahrelang danach... bewiesen, dass er es besser weiß.
Florian Bayer: Schund ist, du hast eigentlich was anderes vor und drehst einen Film, aber das, was du eigentlich vor hast, ist die ganze Zeit zu sehen. Deswegen ist es natürlich das Exploitation. Zeug ganz oft schon, weil du dir eigentlich einen runterholen willst. Aber du hast vielleicht gerade keine Zeit und deswegen Dresden 5. Hätte Russ mal ja fünf Minuten gewichst.
Johannes Franke: Ich nehme an, er hat stundenlang gewitzt. Und zwar jeden Tag.
Florian Bayer: Also, ich werde inhaltlich bleiben. Platz drei. Ein französischer Film aus der Zeit der französischen New French Extremity. Als sehr viele Horrorfilme gedreht wurden, die halt sehr brutal waren und sehr düster... Und ich muss dir auch irgendwann mal einen von diesen Filmen zeigen, aber den hier nicht. Inside, Al Interieur, aus dem Jahr 2007. ist eigentlich ein traditioneller Slasher, der erzählt wird. Und zwar von einer schwangeren Frau, die nachts in ihrem Haus von irgendjemandem bedroht wird, der sie jagt. Dieser Film ist unfassbar geschmacklos, weil es ist nicht nur so, dass es die ganze Zeit gegen die Schwangere geht.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Wir haben... Röntgenaufnahmen quasi, wo das Kind im Mutterleib gezeigt wird und wenn sie stürzt, sehen wir, wie das Kind hin und her geschleudert wird. Also sie ist hochschwanger, sie ist im 8. oder 9. Monat.
Johannes Franke: Ihr habt davon gehört, ja.
Florian Bayer: Und wirklich unangenehm so dieser Moment, dass du das Gefühl hast, die wollen... so spektakuläre Gewalt und es ist wirklich unangenehm und so, wie weit können wir gehen und du guckst es und denkst, was für ein Scheiß, ey, hört auf damit. Das ist echt nicht schön. Und der Film hat auch ein ziemlich brutales Ende. Und ... Ich habe viele von diesen New French Extremity Filmen gesehen und ich habe ganz, also ich glaube, ich bin da ziemlich hart gesorgt, aber bei diesem Film habe ich mich echt drüber geärgert, wie da die... welche Art der Gewalt darstellt. Und das war bevor ich ein Kind hatte oder bevor meine Freundin schwanger war. Okay.
Johannes Franke: Ich meine, solche Filme hätte ich jetzt auch in der Liste, wenn ich sie gesehen hätte. Zu deinem Unglück habe ich solche Filme gar nicht gesehen und bin nur durch dich an Filme geraten, die mir nicht gefallen. Wirklich? Ich bin der Einzige, der... Ja, du bist der Einzige, der mir das schon zeigt, Flur.
Florian Bayer: Aber du... du nimmst Inland Empire als Schunde, als nächstes kommt wahrscheinlich.
Johannes Franke: Inland Empire ist nur auf Platz 3.
Florian Bayer: Lass dich raten, Ingmar Bergmann.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Hast du nicht drin.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Jean-Luc Godard.
Johannes Franke: Ich habe Cats auf Platz 2.
Florian Bayer: Okay, Cats hast du vorgeschlagen, oder? Das wäre vielleicht nicht mehr genau.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Aber Cats, nein, Cats kannst du mir nicht anlasten. Cats war ein Gemeinschaftswerk. Das haben wir beide beschlossen. Wir gucken das und wir wussten, worauf wir uns einlassen.
Johannes Franke: Okay, gut. Also Cats, war... wirklich schund, oder?
Florian Bayer: Ja, Cats war schund. Auch Cats ist einfach nicht mean-spirited genug, um
Johannes Franke: Du hast vorhin gesagt, dass man es versucht hat, irgendwas anderes zu machen, aber dann irgendwie durchkommt.
Florian Bayer: Du meinst, es wollte jemand Sex mit Katzen haben?
Johannes Franke: Nein, das ist noch schlimmer. Auf der Oberfläche sollte es ein toller Film über tolle Katzen werden und durchgeschimmert hat die Geldgier des Produzenten. Oder?
Florian Bayer: Ja, vielleicht.
Johannes Franke: Was noch schlimmer ist, als durchschimmern zu lassen, dass man einfach nur Sex will.
Florian Bayer: Ich glaube, Cats ist einfach so ein Unfall, der einfach irgendwie passiert ist und man kann keinem wirklich die Schuld dafür geben, weil so Unfälle passieren.
Johannes Franke: Nein, wir haben lange darüber geredet. Hört ihr nochmal unsere Episode an oder hört euch mal die Episode an. Wir haben darüber geredet, weil da echt viele Entscheidungen, also das Studio, das das machen musste. Hat sich so gefickt gefühlt von der Produktion.
Florian Bayer: Die waren so... Shit, ich erinnere mich, ja. Die hatten nicht genug Zeit und so da.
Johannes Franke: Die hatten keine Zeit und die haben irgendwie bis fünf Minuten vor der Premiere, haben die noch dran gearbeitet, um noch wenigstens ein klitzekleines bisschen was besser zu machen.
Florian Bayer: Oh Mann.
Johannes Franke: Es war echt hart. Ja, deswegen ist Cats leider schund geworden und das arme Animation Studio kann nichts dafür.
Florian Bayer: Ja, das stimmt auf jeden Fall. Da bin ich bei dir. Das arme Studio kann nichts dafür. Und es ist kein Schund. Nein, ich glaube, Schund ist eher sowas wie, was mein Platz 2 ist. Jeder fucking Uwe Boll-Film Aber ich wollte einen hervorheben. Ich konnte mich nicht ganz entscheiden, ob ich für Rampage oder Heart of America nehme, aber ich habe mich für Heart of America entschieden aus dem Jahr 2003.
Johannes Franke: Und du hast beide gesehen... Was ist deine Entschuldigung dafür, dass du den ersten gesehen hast und den zweiten dann doch noch?
Florian Bayer: Als ich Hard of America gesehen habe, kannte ich Uwe Boll noch nicht. Und den Film hat tatsächlich ein Freund damals mitgebracht und hat gesagt, Da geht es auch um diesen Highschool-Amok-Lauf. Wir haben noch Elephant gesehen, der war doch ganz gut. Lass uns mal den gucken. aus dem Jahr 2003, als dieses Littleton-Massaker gewesen war und da hat ja Gus van Sand, der wirklich ein spannender Regisseur ist, diesen Elephant gedreht, der ganz ruhig Und langsam so diese Eskalation hin zum Armutlauf erzählt. Und dann Uwe Boll gesagt, das kann ich auch. Das kann ich viel besser als Gus Van Sand. Der hat sogar später dazu gesagt, das Gus Van Sand ist viel zu akademisch. Wir müssen das irgendwie realistisch zeigen und wir müssen einfach zeigen, wie schlimm das alles ist. Und er zeigt dann zum einen, wie zwei Schüler gemobbt werden in der Schule und dann wie sie Amok laufen und Leute erschießen. Und baut da auch noch sogar einen komischen Plottwist ein. Und es ist einfach nur ein derber, hässlicher und zynischer und menschenverachtender Film. Du guckst diesen Film und sagst, dieser Film ist menschenverachtender. Weil Uwe Boll es einfach nicht gebacken kriegt, sowas wie Empathie oder Sympathie zu wecken oder so. Gefühle zu vermitteln. Stattdessen findet er es einfach nur geil zu zeigen, wie Leute in den Dreck gehauen werden und im wahrsten Sinne des Wortes mit Scheiße eingerieben werden. Und dann Amok laufen und sich an ihren Peinigern rächen und wie Blut verspritzt wird. Und es ist einfach nur so eine Hammocklauf-Fantasie von einem kleinen Kind im Körper eines 40-jährigen schlechten Regisseurs.
Johannes Franke: Okay. Gut. Ja, auf meinem Platz eins. Sei froh, dass Holy Mountain nicht dabei ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Den möchte ich wenigstens kurz erwähnt haben.
Florian Bayer: Das ist kein Schund. Guckt euch Holy Mountain an.
Johannes Franke: Großartiger Film. Und Mana's The Hands of Fate hat es auch geschafft, diese Liste gerade so zu vermeiden.
Florian Bayer: Auch kein Schund. Viel zu unterhaltsam. Und auch nicht so mean-spirited. Ich glaube, zum Schund gehört auch dazu, dass du das Gefühl hast, dass es bösartig ist, was da gemacht wurde.
Johannes Franke: Ja, aber bei diesem jetzt, du hast ja die Liste passend zum Film gewählt. Dieser ist ja auch nicht so mean-spirited. Er ist halt einfach... Er will halt einfach Sex haben die ganze Zeit.
Florian Bayer: Er offenbart so ein bisschen den Mean Spirit von Russ Meyer, der sich hinter dem verspielten Kindlichen befindet.
Johannes Franke: Wizard of Gore.
Florian Bayer: Ja, es ist ein Exploitation-Film auf jeden Fall.
Johannes Franke: Es ist ein Exploitation-Film, den ich wirklich... Den fand ich so ekelhaft. Du hattest immer gesagt, man kann diesen Gore-Effekt, leider ist der T alles klar, es tut mir sehr leid. Aber du hast ja mal gesagt, dass man den Gore-Effekt nicht ernst nehmen kann und deswegen auch nicht so angehegelt davon sein kann, weil das alles ja... so übertrieben ist, dass einen das ja nicht berühren kann, aber... Einfach auf einer technischen Ebene. Man guckt sich diesen Scheiß an und denkt sich ... Äh, ich geh mal kurz auf Toilette, ich komm zwei Stunden wieder und guck mir weitere fünf Minuten an und dann geh ich wieder auf Toilette und kotze wieder zwei Stunden.
Florian Bayer: Ach, du bist einfach zu zart beseitig.
Johannes Franke: Für diese Filmwelt.
Florian Bayer: Wizard of God ist halt auch wieder so, wo ich sagen will, ja, das ist technisch ganz viel albern und so. Aber der hat auch Stärken und... Das ist für mich einfach nicht die Definition von Schund, wenn ein Film rough inszeniert ist oder wenn ein Film Ecken und Kanten hat, wenn ein Film so... aus dem, was man halt so vielleicht als seichtes Popcorn-Kinoinszenierung bezeichnen würde.
Johannes Franke: Der hat eine beschissene Story. Der erzählt seine Story nicht ordentlich. Der hat eine großartige Story. Das ist komplett konfus. Es ist alles furchtbar. Fantastisch. Das ist die Definition von Schund. Schund ist was. Das ist Schund, Flo. Ich nehm dir dein Mikrofon. So, jetzt habe ich hier beide Mikros. Das ist keine Chance. Was macht das eigentlich mit der Tonspur? Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Das ist bestimmt nicht gut, was du gerade mit der Tonspur gemacht hast. Nein. Schund ist, wenn dir ein Film seine Botschaft ins Gesicht drücken will und diese Botschaft kacke ist. Mein Platz 1 ist God's Not Dead aus dem Jahr 2014. Eine Blue Flicks. Produktion, das christliche Netflix, Pure Flix, das christliche Netflix
Johannes Franke: Es gibt ein christliches Netflix.
Florian Bayer: Es gibt ein christliches Netflix. Das sind lauter Filme und ich habe nicht viel davon gesehen, aber God's Not Dead habe ich gesehen, weil es mich interessiert hat, was sie da machen. Es geht um einen bösen, natürlich atheistischen Professor, der seine Schüler, seine Studenten am Anfang des Jahres einen Zettel schreiben lässt, auf dem steht, Gott ist tot. Er möchte das einfach von ihnen, weil er sagt, ich will nicht mit euch über Religion reden. Wir sind hier bei Philosophie, wir machen hier ernsthafte Wissenschaft, Religion spielt keine Rolle. Da sitzt aber ein junger, gläubiger Student, unser Protagonist. Wir sind auch permanent auf dessen Seite. Der sagt, ich kann das nicht machen. Woraufhin der Professor sagt, okay, dann tragen wir das jetzt aus. Ein Duell zwischen uns beiden. Jeder bringt seine Argumente vor. um endgültig zu beweisen, dass Gott tot ist. Beziehungsweise du musst halt beweisen, dass Gott nicht tot ist. Und dann haben wir einfach mal... fast zwei Stunden lang, shit, ist der Film lang, ein einziges evangelikales Pamphlet wurde gemerkt. In dem alle schlecht sind, die nicht protestantische Christen sind. Das heißt, es wird nicht nur gegen Atheisten gekämpft, sondern auch gegen Moslems.
Johannes Franke: Äh.
Florian Bayer: Es gibt einen bösen Moslem-Vater, der seine Tochter zwingt, einen Hijab zu tragen. Als er herausfindet, dass sie die Bibel hört. Unser atheistischer Professor wird am Schluss vom Auto überfahren, liegt blutend und sterbend auf der Straße und ein Priester kommt zu ihm und sagt, jetzt hast du die Gelegenheit nochmal zu Gott zu schwören. Und zu sagen, dass du an Gott glaubst, der sagt, ich glaube an Gott. Und dann stirbt er. Dann sagt der Priester, das war ein Wunder. Und dann am Schluss feiern sie alle zu einer christlichen Rockband.
Johannes Franke: Okay, das ist Schund.
Florian Bayer: Und du guckst diesen Film und du bist... fassungslos, mit wie viel Hass und Abscheu fundamentalistische Christen auf... auf Atheisten und auf Agnostiker blicken können. Das ist wirklich ein gruseliger, unangenehmer Film.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Was tust du dir alles an, Plur? Ich meine, natürlich besteht meine Liste genau deswegen aus Sachen. Aber warum tust du dir das an?
Florian Bayer: Für die Filmwissenschaft.
Johannes Franke: Alles für die Erkenntnis. Für die Erkenntnisse. Deswegen, liebe ZuhörerInnen, hört ihr auch diesen Podcast wegen der Erkenntnisse und ein bisschen auch wegen des Schund, den wir hier betreiben. Sollten wir vielleicht wieder zurück in den Film?
Florian Bayer: Wir sollten wieder zurück in den Film, ja. Und die Liste beenden. Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Gut, dann, tja, Chlor, gibt es ein Urteil, dass wir fällen können, wollen, sollen, dürfen?
Florian Bayer: Ich bin ehrlich gesagt immer noch ratlos. Was? Ich finde, dieser Film, und ich wiederhole mich vom Anfang, ist technisch und visuell und auditiv und Und ideentechnisch auf so vielen Ebenen viel stärker als ganz viel, was uns das Mainstream-Hollywood zur damaligen Zeit geboten hat und uns bis heute bietet. Dieser Film hat so viele starke Momente, so kleine starke Momente. Also ich sehe ganz viele von diesen 10-Sekunden-Schnipsel, die du eben erwähnt hast. Und zwar nicht und weniger in den Dialogen, sondern einfach in den Bildern, in dem Spiel mit der Kamera und mit dem Schnitt und so weiter. Ändert aber nichts daran, dass um diese wirklich starken Momente ein wirklich kaputtes Gerüst ist. Und das Ding wackelt und das Ding ist unangenehm und riecht auch die ganze Zeit so ein bisschen nicht so gut. Ich bin immer noch ratlos. Ich bin froh, dass ich den Film gesehen habe. Das ist das Problem. Was? Ich bin froh, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich bereue es nicht.
Johannes Franke: Ich wollte genau das machen, was du in der Top 3 angegeben hast. Und ich wollte den Film am Anfang wirklich gucken, weil ich gedacht habe, okay... Okay, du hast ihn nicht unbedingt als Schund angekündigt und er hat nicht irgendwie so ein... Bei Wizard of Gore hat es so ein bisschen mehr Disclaimer gegeben, was es ist und so.
Florian Bayer: Ich wusste ja nicht, was das ist. da ist.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Und ich wusste es halt auch nicht und ich war wirklich, ich hab gedacht, okay, na gut, wir schauen mal. Und die Musik war gut.
Florian Bayer: Die Musik war stark zum Beispiel. Genau, das sind die starken Momente. Jedes Mal, wenn die Band singt, ist es geil.
Johannes Franke: Ja, dann lass uns ein Musikvideo draus machen. Also ihr da draußen, Aufgabe, Hausaufgabe für euch. Schneidet ein Musikvideo aus diesem Film und damit hätten wir die Best-of schon.
Florian Bayer: Dann hast du 20 oder sogar 30 Minuten wahrscheinlich.
Johannes Franke: Stimmt, ja, wahrscheinlich. Gute Musik.
Florian Bayer: Naja, das ist fast ein Drittel.
Johannes Franke: Warum nicht schlecht?
Florian Bayer: Also dann findest du, wenn du ein Drittel von dem Film gut findest, das heißt, du gibst mindestens schon mal drei von zehn.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Machen wir weiter. Am Ende dieses Abends wird Johannes dem Film 10 Punkte geben.
Johannes Franke: Okay, also wir finden die Musik gut. Das ist schon mal was.
Florian Bayer: Du magst nackte Haut, oder? Also du hast gerne Sex, oder?
Johannes Franke: Ja, ich habe tatsächlich sehr gerne Sex.
Florian Bayer: Das heißt, wir nehmen alle Szenen, in denen Sex vorkommt. Dann haben wir roundabout nochmal 25 Minuten, dann sind wir bei 55 Minuten. Noch nicht ganz die Hälfte.
Johannes Franke: Aber dann nimmst du schon die Szenen mit rein, wo Casual nebenan, während sich zwei Leute unterhalten, zwei Leute Sex haben.
Florian Bayer: Nee, die hab ich vergessen. Dann sind wir bei einer Stunde 15 Minuten. Und du fühlst dich von nackten Frauen sexuell angesprochen, oder?
Johannes Franke: Nicht per se.
Florian Bayer: Das kann man so nicht sagen. Aber es gibt nackte Frauen, von denen du dich angesprochen fühlst.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und auch von Körperteilen von nackten Frauen, oder? Ja.
Florian Bayer: Zum Beispiel Brüste?
Johannes Franke: Oh ja, zum Beispiel.
Florian Bayer: Dann sind wir bei einer Stunde 30 Minuten. Das wären jetzt ungefähr, jetzt wären wir ungefähr bei zwei Drittel, das wären 7,5 von 10.
Johannes Franke: Okay, okay, jetzt bin ich gespannt. Jetzt musst du, eine Sache musst du noch finden.
Florian Bayer: Ja. Und du magst es mit mir über Filme zu streiten und dich über Filme zu ärgern, die ich dir vorgeschlagen habe, oder?
Johannes Franke: Zu sehr. Mehr, als ich zugeben möchte.
Florian Bayer: Das Urteil.
Johannes Franke: Das Urteil.
Florian Bayer: Johannes gibt diesem Film 10 von 10. Also ich würde nicht so weit gehen. Ich finde, er hatte schon so ein paar problematische Momente. Ich glaube... Ich bleibe so bei irgendwas zwischen 4 und 5 von 10 vielleicht. froh, dass ich den Film gesehen habe.
Johannes Franke: Ich kann es nicht ernannt. Volle Sehempfehlung von mir. Es gibt Brüste. Das war das, was du zusammenfassend sagen wolltest, oder?
Florian Bayer: Naja, das war dein Urteil. Wir sind da jetzt ganz wissenschaftlich rangegangen. Wir haben die Einzelzeiten Teil des Films seziert und haben festgestellt, du magst diesen Film.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Gut, dann würde ich sagen, geht raus. Verkündet die Botschaft.
Florian Bayer: Den Film müsst du sehen. Johannes Franke von Mussmannsehen hat diesen Film empfohlen.
Johannes Franke: Bemalt Schilder mit dieser Botschaft und stellt euch in die Innenstadt.
Florian Bayer: Nein, dieser Film ist echt schund. Der Film ist totaler Schund. Ich weiß nicht, warum ich, es ist noch nicht mal so das Schundes, den ich genossen hätte, weil es gab ganz viele Szenen, wo ich mich gelangweilt habe, ganz viele Szenen, wo ich mich drüber geärgert habe. Und trotzdem bin ich froh, diesen Film gesehen zu haben. Ich bin ratlos. Ich weiß nicht, warum.
Johannes Franke: Dass man mit Menschen befreundet sein kann, deren politische Richtung man vielleicht nicht unbedingt teilt. Dazu muss man aber auch... geflissentlich vermeiden, mit ihnen über Politik zu reden. Irgendwas haben wir gerade falsch gemacht. Ich bin mir nicht ganz... Ich weiß nicht, kann ich mit dir befreundet sein, wenn du diesen Film magst? Kann das am Ende dieser Episode stehen, dass du sagst, du magst diesen Film?
Florian Bayer: Aber ich glaube, es ist dann eher, dass du mit jemandem befreundet bist, der mit jemandem befreundet ist, der... der politisch irgendwie anders steht als du. Und der, der mit dem befreundet ist, der politisch anders steht als du, sagt, naja, ich mag den, weil ich mit ihm nicht über Politik rede. Verstehst du?
Johannes Franke: Also folgendes. Mein Urteil ist Scheißfilm. Das war's.
Florian Bayer: Okay, wenn ihr wissen wollt, womit sich Johannes nächste Woche bei mir revanchiert, bleibt noch kurz dran. Ansonsten danke Johannes für diese Episode.
Johannes Franke: Danke bloß. für diesen Vorschlag.
Florian Bayer: Vielleicht bin ich auch einfach froh, dass ich diesen Film jetzt abhaken konnte und sagen konnte jetzt, Ross Mayer?
Johannes Franke: Das ist es vielleicht.
Florian Bayer: Ich habe mich mit dir beschäftigt und das ist jetzt vorbei und ich werde kein Russ Meyer-Fan mehr und ich habe, glaube ich, die zwei wichtigsten Werke von ihm gesehen und kenne auch ein paar Ausschnitte. Und ja, es ist erledigt das Thema einfach. Frostmeier, mit dir bin ich durch.
Johannes Franke: Wie viel Obsession liegt da bei dir zu Hause rum und du musst unbedingt arbeiten? Du hast ja gesagt, du hast auch mal eine Weile wirklich kanonisch geguckt, dass du wirklich gesagt hast, okay, Das sind die Giallo-Filme, die muss ich sehen, das sind die, ne? Wie viel Obsession liegt da einfach drin, dass du auch diesen Film gesehen haben musst und deswegen dieser Drang so groß war?
Florian Bayer: Na, zu viel wahrscheinlich, weil genau das natürlich dazu führt, dass ich mir solche Filme angucke und auch Filme angucke, die deutlich schlimmer sind, wo ich denke, warum muss das jetzt echt sein? Aber ja, auf jeden Fall. Also es gibt, Completion ist es falsch gesagt, weil sonst würde ich jetzt sagen, okay, ich muss alle Russ-Meyer-Filme sehen. Ich bin jetzt zufrieden, ne? Ich muss keinen Russ-Meyer-Film mehr sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es irgendwie nochmal einen Moment gibt, wo ich sage, ey, lass uns nochmal einen Rasmeier gucken. Glaube ich nicht nach diesem Film.
Johannes Franke: Aber du hast im Grunde jetzt auch diese Pokémon-Karte.
Florian Bayer: Genau, gotta catch them all, auf jeden Fall und das ist tatsächlich, das ist mir schon ein bisschen wichtig, weil, naja, ich glaube dann, das macht mein Urteil leichter. Also es fällt mir leichter, wenn ich jetzt, keine Ahnung, nochmal einen Sexploitation-Film sehe, zu sagen, ah, okay, der war kacke. Aber, und Russ Meyer, ich weiß, wenn ihr auf Sexploitation steht, dann müsst ihr den gucken.
Johannes Franke: Achso, du bist vorbereitet auf die soziale Situation, dass jemand auf dich zukommt und fragt, ich möchte einen Sexploitation-Film gucken, welchen muss ich sehen?
Florian Bayer: erst mir letzten Donnerstag passiert und es war wirklich peinlich, nicht antworten zu können. Kennst es doch. Stehst an der Bushaltestelle, kommt jemand an, erst mal einen Filmtipp aus dem Bereich Science-Fic, Es gibt dieses Buch Alles, was man missen muss von Schwanitz. Ja, Schwanitz.
Johannes Franke: Und es gibt ein Kapitel darin, Dinge, die man nicht wissen darf.
Florian Bayer: Ich mag Schwanitz nicht.
Johannes Franke: Ich ahne auch warum. Aber ich fand damals, als ich dieses Buch gelesen habe, dieses Kapitel wahnsinnig witzig. Weil er halt sagt, diese ganzen Nachmittagssendungen, du darfst am nächsten Tag im Büro nicht wissen, wer bei Barbara Salisch verloren hat.
Florian Bayer: Ich finde es gut, dass du das witzig fandst. Ich glaube, Schwanens nimmt sich viel zu ernst mit seinem kanonischen Wissen. Schwanitz sagt ja auch nicht alles, was man wissen muss, sondern alles, was man als weißer, männlicher Mitteleuropäer wissen muss.
Johannes Franke: Ohne, dass er das sagt. durch war, wirklich so, wo man dachte, ui, hu, das ist sehr eurozentristisch.
Florian Bayer: So, aber jetzt, wir müssen raus aus dieser Episode. Wir müssen Russ Meyer hinter uns lassen. Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt, dann bleibt kurz dran. Ansonsten vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank, dass ihr euch mit uns zusammen durch diesen Film gearbeitet habt. Schreibt uns, wie euch der Film gefallen hat. Ich frage mich, ob es wirklich da draußen einen großen Verteidiger oder eine große Verteidigerin des Films gibt. bist, schreib uns. Ich bin sehr neugierig, was Leute, die diesen Film wirklich mögen, dazu zu sagen haben.
Johannes Franke: Die Adressen sind johannes.at muss man sehen oder florian.at muss man sehen.
Florian Bayer: De.
Johannes Franke: Genau, schickt uns auch andere Vorschläge und so, aber wir sehen uns einfach nächste Woche wieder, hören uns nächste Woche wieder und nach dem Jingle wisst ihr womit.
Florian Bayer: Bis dahin.
Johannes Franke: Bis dahin. Ciao.
Florian Bayer: Das war eine anstrengende Episode. Sehr auffühlend, das Ganze.
Johannes Franke: Und wieder komme ich nicht dazu, mich zu rächen, weil ich das Gefühl habe... Dann tue ich mir auch wieder nichts Gutes. Ich hoffe, ich bin bei dir erstmal eine Weile wieder vom Radar, was so... Schund betrifft und würde gerne einen Film mit dir besprechen, den du vielleicht auch schon gesehen hast, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass du ihn gesehen hast. Aber ich fand ihn damals so krass. I'm Still Here mit Joaquin Phoenix, der... Also eine Mockumentary, wo Joaquin Phoenix immer wieder in irgendwelchen Talkshows gesessen hat und gesagt hat, ich mache jetzt Musik, ich höre auf mit der Schauspielerei. Und einen unglaublichen Bart hat sich wachsen lassen und furchtbar vernachlässigt aussah.
Florian Bayer: Der war echt so ein schöner Mensch eigentlich.
Johannes Franke: Ein krasser Schauspieler, wer den aus anderen Filmen kennt, erkennt ihn hier nicht wieder. Kannst du voll vergessen. Und ja, der war ziemlich krass und wenn ihr da mal reinschaut und euch gleich ein kleines bisschen damit beschäftigt, beziehungsweise wir beschäftigen uns dann. damit ihr das nicht machen müsst und werden euch dann erzählen, wie kam es dazu, warum kam es dazu. Ist dieser Film wirklich auf der Liste, muss man sehen oder eher nicht?
Florian Bayer: Ja, ich freue mich drauf. Ich kenne den Film und wir haben letzte Woche kurz drüber geredet. Ja, genau. Das ist der, glaube ich, aufgetaucht. Und wird auf jeden Fall ein spannendes Gespräch. Guckt ihn euch an und schaltet nächste Woche wieder ein.
Johannes Franke: Bis dahin.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
