Episode 143: Taxi Driver – Facetten eines New Hollywood Klassikers
Wir begrüßen Johannes zurück von einer großen New York Reise. Und so nehmen 50% des Podcast-Personals die aktuelle Episode mit einem massiven Jetlag auf. Und das ausgerechnet mit Martin Scorseses New Hollywood Klassiker Taxi Driver aus dem Jahr 1976.
Wir versuchen zu ergründen, wie der von Robert De Niro verkörperte Travis Bickle zu einer Ikone der toxischen Männlichkeit werden konnte, wir sprechen über die Ambivalenz des Protagonisten, über den vom Film angeteaserten aber nicht zum Ende deklinierten Rassismus und natürlich auch über die Atmosphäre dieses Thrillerdramas, irgendwo zwischen misanthropischem Großstadtalptraum, radikalem Subjektivismus, Gesellschaftsporträt und pessimistischer Selbstermächtigungsparabel.
Passend zur berühmtesten Szene von Taxi Driver reden wir in unseren Bestenlisten über die großartigsten Spiegelszenen der Filmgeschichte und versuchen dabei, das Horrorgenre – so weit es geht – zu umschiffen.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 143: Taxi Driver – Facetten eines New Hollywood Klassikers Publishing Date: 2023-09-27T13:49:36+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/09/27/episode-143-taxi-driver-facetten-eines-new-hollywood-klassikers/
Johannes Franke: Ja, absolut. Sag nicht absolut. Achso, Moment. Flo, wie kommst du darauf? Was? Was ist das denn, Flo? Das musst du aber erklären.
Florian Bayer: Travis plant kein politisches Atem. Tat. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss-man-sehen-Podcast.
Johannes Franke: Hallo.
Florian Bayer: Herzlich willkommen zurück Johannes von einer sehr langen New York Reise.
Johannes Franke: Wir waren 14 Tage weg und die 6 Stunden Zeitunterschied haben mich im Jetlag gekillt. Und das, obwohl ich schon seit Montag wieder zurück bin und wir am Donnerstag jetzt aufnehmen.
Florian Bayer: Ja, drei Tage. Was hast du gesagt? Es gibt diese Formel für den Jetlag.
Johannes Franke: Ja, je Stunde, die du wegfliegst, also von deiner eigenen Timezone, brauchst du einen Tag, um dich einzustellen.
Florian Bayer: Ja. Und New York war sechs Stunden.
Johannes Franke: Und New York ist sechs Stunden. Das heißt, ich brauche noch, wie lange? Oh Gott, ich kann schon nicht mehr rechnen. Also am Samstag sollte ich wieder fit sein.
Florian Bayer: Ja, Samstag oder Sonntag. Mal schauen. Und wir haben für diese Woche ja auch eine virtuelle New York-Reise gemacht. Wir haben uns nämlich Taxidriver vorgeknöpft. Genau genommen hab ich Taxidriver in den Raum geworfen und gesagt, Johannes, wir hatten schon so lange keinen New Hollywood Film mehr. Eine meiner liebsten Filmehren. Komm. Lass uns mal den großen New Hollywood Klassiker machen, über den jeder redet. Also die meisten, wenn sie an New Hollywood denken, denken sie an diesen Film, Taxi Driver.
Johannes Franke: ist das so? Okay.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1976 eigentlich so die Spätzeit des New Hollywood.
Johannes Franke: Ich habe auch was mitgebracht, Plur.
Florian Bayer: Oh, ich bin sehr gespannt.
Johannes Franke: Aus New York was ganz, ganz Kleines, weil du sie Episode vorgeschlagen hast.
Florian Bayer: Ich krieg von Johannes ein New York.
Johannes Franke: Ich bin auf, dass da hinten noch ein Zettel drauf ist. Da steht noch der Preis drauf. 20 Dollar.
Florian Bayer: Ein New York Taxi Pin in Gold, hat mir Johannes mit gefragt. Total passend zu dem Film. Yeah, Travis Bigel. Wer möchte nicht Travis Bigel sein?
Johannes Franke: Ja, Bloor, herzlich willkommen in der Welt. des Travis Bickel. Du wirst ab jetzt hoffentlich dich ein bisschen besser unter Kontrolle haben als er.
Florian Bayer: Ein ähnliches Schicksal wie Tyler Durden. Viel zu viele Menschen wollten nach Fight Club Tyler Durden sein und ich Ich glaube, nach Taxi Driver wollten auch sehr viele Menschen Travis Bigel sein und in beiden Fällen haben die Regisseure drauf geguckt und gesagt, what? Warum? Habt ihr den Film verstanden, den wir hier gedreht haben?
Johannes Franke: Und es gibt ja auch durchaus ein großes berühmtes Beispiel eines Typen... Der das unbedingt sein wollte und der Jodie Foster ganz dolle gestalkt hat und ihr Brief geschrieben hat und schon in den Briefen geschrieben hat, ich werde versuchen Ronald Reagan zu erzählen. ermorden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und hat es dann auch wirklich versucht, um sie zu beeindrucken.
Florian Bayer: Um Jodie Foster zu beeindrucken.
Johannes Franke: Meine Güte. Fuck, wie tief kann man in so einen Film hineinrutschen?
Florian Bayer: Und es ist halt wirklich traurig, weil der Film halt ja tatsächlich... angelegt ist als Kritik an diesen Männlichkeitsbildern und an diesem Gefühl von Macherstatus. Damit allerdings, wie ich finde, ähnlich wie Fight Club unglaublich am ambivalent umgeht und auf eine sehr spannende Weise ambivalent. Und er gehört zu den Filmen, bei denen ich bis zum heutigen Tag ganz oft nicht so genau weiß, wie ich da drin stehe, gerade was so Schlüsselszenen betrifft. Und ich würde diese Episode gerne nutzen, um eine meiner Interpretationen vorzulegen, die dem kompletten Interpretationskanon widerspricht. Ich habe nochmal... Nochmal sehr explizit das gegoogelt, was ich denke, wie man den Film lesen kann. Und ich habe niemanden gefunden, der diese Lesart auch nur ansatzweise anbieten würde. Muss ich dazu sagen, inklusive dem Drehbuchautoren Paul Schrader und dem Regisseur Martin Scorsese, die auch ziemlich eindeutig sind, wenn sie über den Film reden, was... Diese eine Sache betrifft, wo ich, glaube ich, dem kompletten filmwissenschaftlichen Kanon zumindest einmal heute widersprechen werde.
Johannes Franke: Oh, jetzt bin ich sehr gespannt, Flor. Uh, das war eine Clickbait-Überschrift.
Florian Bayer: Voll Clickbait. Auch wenn die Leute schon geklickt haben und wahrscheinlich schon eine Pre-Roll und eine Mid-Roll gehört haben und wir die Werbung Werbeeinnahmen schon haben. Bleibt noch ein bisschen dran, wir brauchen noch mehr Werbeeinnahmen. Die Episode geht ganz lange. Die Werbeeinnahmen, du bist süß. Diese Folge wird präsentiert von New York Taxi Pins von SISO USA Inc. Oder es hat ja sogar eine Seriennummer, es ist wirklich ein Unikat. Item Pin 39, naja.
Johannes Franke: Vielleicht auch nicht. Ich glaube nicht.
Florian Bayer: Aber lass uns doch einfach mal soft starten, Johannes. Was waren denn so deine ersten Eindrücke oder deine allgemeinen Eindrücke von diesem Film?
Johannes Franke: Euiuiui. Ich habe ihn auch mit Jetlag gesehen, diesen Film. Und damit macht der Film so ein bisschen das, was Dead Man, dem wir auch... Woche besprochen haben, wo man so ein bisschen am Weckdämmern fast schon innerlich ist, obwohl ich durchaus wach war im Verhältnis zu dem, was ich dachte, wie ich sein würde, wenn ich den Film gucke, weil ich war eigentlich, der Jetlag hat mich die ganze Zeit so inner und out of conscious gebracht. Geschlafen mal eine Stunde, dann wieder nicht und dann wachgelegen und dann wieder geschlafen. Und den Film durch, Gott sei Dank, wach gewesen. Aber auf eine Art und Weise, wo ich dachte, okay, ist das der Film oder bin ich das?
Florian Bayer: Es ist ja auch ähnlich wie bei Deadman, dass er auch mit so viel Repetition arbeitet. Wir haben unglaublich viele Szenen, in denen wir einfach nur den Nero sehen im Rückspiegel, so leicht gespiegelt, wie er durch New York fährt. Und dann haben wir diese Straßenimpressionen und diese Farben. Es arbeitet mit dieser Redundanz, dass halt immer wieder derselbe Tag ist und immer wieder dieselbe Nacht und nichts passiert.
Johannes Franke: Ja, und er auch irgendwie diese Einsamkeit so sehr, sich so reinbegibt und so tief drinsteckt in diesem... schwammigen Leben, in diesem schwammigen Tag, wo man nicht mehr weiß, es ist jetzt, es gibt ja eine Szene, wo die Brausetablette da drin verschwindet. und man nicht genau weiß, wie viel Zeit vergeht jetzt. Es bleibt ein bisschen zu lang auf diesem Bild drauf und man weiß nicht, vergehen da jetzt noch 14 Tage oder drei Monate und der nächste Schnitt kommt. Was ist da? Und so fühlte ich mich auch beim Gucken so ein bisschen.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, auch ohne Jetlag kann man sich bei dem Film irgendwie so fühlen. Es ist ein Film, der extrem in dieser Verlorenheit ist und der halt auch sehr radikal subjektiv ist die meiste Zeit über. Wir haben tatsächliche POV-Shots von unserem Protagonisten, aber wir haben auch die ganze Zeit so das Gefühl, wir befinden uns irgendwie so in seiner Wahrnehmung und seine Wahrnehmung ist halt so sehr getragen von diesem Einsamkeit hast du schon gesagt, aber auch von dieser Erschöpfung, von dieser Müdigkeit von allem, vom Leben.
Johannes Franke: Ja. Ja, und dem Gefühl, immer unverstanden zu sein und dem Gefühl, dass dieser ganze Dreck auf der Straße... sich nicht nur auf den tatsächlichen Dreck auf der Straße bezieht, sondern einfach auf alle Menschen um ihn herum.
Florian Bayer: Radikale Misanthropie. Paul Schrader hat diesen Film geschrieben, als er ungefähr nicht mal 30 war und tatsächlich auch als persönliche Er hat gesagt, ich habe den geschrieben zu einer Zeit, als ich mich selbst wie Travis Bigel gefühlt habe, als ich in New York war. gemerkt habe, ich bin hier gerade unterwegs in dieser Großstadt und habe seit zwei Wochen mit keinem geredet und hat sich wahrscheinlich auch ähnlich verloren gefühlt und hat dann dieses Script geschrieben als, ja, relativ... Junger Mann, es ist sein drittes Drehbuch, das verfilmt wurde. Nach Yakuza und Obsession, die allerdings schon relativ groß waren. Und er ist durch Brian De Palma. Ja, auch zu den großen Regisseuren des New Hollywood zählt, ist er mit Martin Scorsese in Kontakt gekommen. Es gab eine Zeit lang Überlegung, wer soll das Ding überhaupt drehen, wer soll das verfilmen.
Johannes Franke: Brian De Palma war ja auch im Gespräch.
Florian Bayer: Brian De Palma selbst war auch im Gespräch und Martin Scorsese hat, als das Drehbuch am Anfang die Runde gemacht hat, der wollte das machen, der fand das geil, der das gelesen hat, gesagt, Es ist so ein bisschen, ich hasse es, wenn so KünstlerInnen so ein bisschen esoterisch werden, hat gemeint, ich habe das Drehbuch gelesen und es war als wäre es von mir und als wäre das schon in meinem Kopf gewesen. Und als das die Runde machte, war der noch überhaupt kein Name. Und als es dann aber wirklich zur Verfilmung ging, nämlich 1976, da war er ja schon ein größerer Name, weil er mit mit Hexenkesseln 1973, auch mit Robert De Niro und Harvey Keitel seinen großen Durchbruch hatte. Und
Johannes Franke: Und Robert De Niro dann ja auch, der ja auch schon einen Oscar gewonnen hatte.
Florian Bayer: Robert De Niro hat einen Oscar gewonnen und hat sich auf diese Rolle intensiv vorbereitet, indem er Taxi gefahren ist in New York. Es gibt diese sehr witzige Geschichte von einem Schauspieler, der zu ihm ins Taxi steigt und sagt, Moment, hast du nicht letztes Jahr einen Oscar gewonnen? Shit, es ist so schlecht. So schlimm um dich gerade. Es ist so schwer, als Schauspieler Jobs zu bekommen. Robert De Niro, nee, ich bereite mich auf eine Rolle vor und der Schauspieler, ja, ja, Robert, ich kenne das, ich war auch da. Genau. Been there, done that. Natürlich, Rollenvorbereitung, aha.
Johannes Franke: Sehr geil. Also super Geschichte, die ich sofort kaufe. Wollen wir wenigstens einmal ganz kurz zusammenfassen, was in dem... Film passiert für alle Leute, die den Film lange nicht gesehen haben oder noch gar nicht gesehen haben und überlegen, ob sie ihn gucken wollen. Also, wir werden ganz viel spoilern, aber ich glaube, der Film lässt sich auch mit Spoilern gut gucken danach noch.
Florian Bayer: Glaube ich auch. Im Zentrum des Films steht Travis Bigel, 26, hat Probleme zu schlafen, offensichtlich irgendein Kriegstrauma, dass er mit sich trägt, das Vietnam-Veteran und lebt in New York und weil er eben so Probleme hat zu schlafen und die Nächte im Pornokino da auch nichts bringen, bewirbt er sich als Taxifahrer und fährt dann nachts durch die Straßen und sagt selbst, er macht alles, er nimmt jeden mit, er fährt durch jedes Viertel, es ist ihm vollkommen egal, er macht keine Unterschiede. Er wird gewarnt. Er benutzt sehr viele Racial Slurs für diese Unterschiede. Der Rassismus von ihm ist sowieso, spielt eine große Rolle, werden wir auf jeden Fall noch drauf zu sprechen kommen. Und er fühlt sich einsam, er fühlt sich missverstanden, er findet irgendwie keine wirkliche Anknüpfung an die Gesellschaft und das Das Einzige, was ihm so ein Stück Hoffnung gibt, ist, als er eine Wahlkampfhelferin, nämlich Betsy, kennenlernt, die für einen Präsidentschaftskandidatenwahlkampf macht. Er spricht sie an und schafft es auch tatsächlich zu einem Date, aber er ist halt so losgelöst von der ganzen Gesellschaft, dass auch das, diese kurze, sich anbahnende Beziehung mit ihr, die wirklich Kurzhoffnung versprechen könnte, in die Hose geht. Einfach weil er sozial untragbar ist. Es scheitert dann letzten Endes daran, dass er mit ihr ins Pornokino geht, weil er denkt, Toller Ort für ein zweites Date. Und sie findet das nicht so geil.
Johannes Franke: Du bist schon viel zu detailliert.
Florian Bayer: Ja. Und nachdem das schief gegangen ist, findet so ein Nackpunkt statt. Suddenly something changes. Und zwar begegnet er einer minderjährigen Prostituierten, Iris, gespielt von der zwölfjährigen Jodie Foster.
Johannes Franke: Uiuiuiui.
Florian Bayer: Versucht sie eigentlich aus diesem Milieu rauszureden und sie will aber auch nicht so richtig. Und dann gibt es so zwei Fixpunkte und zwar zum einen der Senator Palentine. für den Betsy arbeitet. Und zum anderen der Zuhälter-Sport von dieser Iris-Sport. Wir wissen eigentlich die ganze Zeit nur, dass Travis sagt, es muss irgendwas passieren, es muss irgendwas geschehen. Anscheinend versucht er dann zuerst den Palantine zu töten mit einem politischen Attentat. Was nicht gelingt, weil er viel zu früh von Securities aufgehalten wird und er beschließt dann naja, die niedrighängeren Äpfel zu schnappen, indem er in dem Modell, in dem Iris arbeitet, aufräumt und Naja, wie die Ironie dieser Geschichte so will, wird er dadurch allerdings nicht zum Amokläufer, sondern zum großen Helden, der von der Presse gefeiert wird und der noch einen großen Dankesbrief von Iris' Eltern erhält. Und der sogar wieder leicht anknüpfen kann mit Betsy, die sich am Schluss nochmal in sein Taxi setzt. Und wir haben fast so einen Moment der Hoffnung, wäre da nicht diese letzte Reflexion irgendwie, Spiegel, die ihn vor sich selbst erschrecken lässt.
Johannes Franke: Und damit gehen wir aus dem Film raus und wissen nicht, wie wird er weiter mit seinem Leben fortfahren. Wenn man diesen kleinen Moment am Ende verpasst, dann hat man vielleicht Hoffnung und wenn man ihn nicht so interpretiert, wie ich ihn interpretiere, aber eigentlich auch Martin Scorsese hat es dann gesagt, es ist eigentlich klar, durch dieses kleine Ticken am Ende, was dann noch kommt, dieser kleine Knackpunkt, der da plötzlich einsetzt, dass das eigentlich eine tickende Zeitbombe ist, das da in der Gegend rumfährt.
Florian Bayer: Also ich habe nie das Gefühl, dass der Film uns irgendwie verkaufen will, dass Travis doch ein Held ist. vom Publikum oder vom Film selbst verkannter Held, sondern da sind Scorsese und Schrader schon ziemlich eindeutig. wie sie diese Person bewerten und wie sie auch zeigen, dass diese Person unheimlich ist und dass man vor dieser Person Angst haben muss, weil es eine tickende Zeitbombe ist. Scorsese selbst hat gesagt, Taxi Driver ist mein feministischer Film. Um gleich ranzuschließen, Hey, ein feministischer Film muss nicht über Frauen sein, weil Frauen spielen in diesem Film eine sehr kleine Rolle. Und er fängt dann an, darüber zu reden, wie der Blick auf Männlichkeit, den dieser Film wirft. ein feministischer Blick ist, und zwar eben einfach die ganz mittlerweile klassische, toxische Männlichkeit, dass ... dass Travis einen kompletten Gottkomplex hat. Glaubt, dass er der Einzige ist, der diese Welt retten kann.
Johannes Franke: Der Iris retten kann.
Florian Bayer: Dass sein Blick auf Frauen komplett gestört ist. Er sieht sie als total heilige oder als Hure. Mhm. Also es gibt nichts dazwischen. Er verehrt Betsy und nachdem sie dann ihn abweist, hasst er sie abgrundtief oder zumindest sagt er, du bist in der Hölle. Er sieht sich eigentlich als Zentrum dieser Welt und schafft es auch nicht, aus diesem Blick rauszukommen, obwohl er es hin und wieder versucht, Und wird darin ja auch ein bisschen bestärkt von den Männlichkeitsbildern, mit denen er konfrontiert ist. Weil wir treffen in diesem Film auf andere Männer, die sich genauso verhalten.
Johannes Franke: Das finde ich interessant. Da müssen wir glaube ich genauer reingehen. Dann so ein bisschen in die Figuren, die ihn unterstützen, die sein Weltbild stützen und die Figuren, die vielleicht... was hätten dagegen tun können oder eben nicht tun können und wie seine Psychologie dahinter ist. Das fand ich nämlich am interessantesten an der ganzen Geschichte. Am krassesten eigentlich zwischendurch, wenn es wirklich nur um diese Psychologie geht, nicht um den Mord oder sonst irgendwas, also Blut ist immer, aber das hat er ja entschärft, Gott sei Dank. Am krassesten psychologisch fand ich den Moment, wo er eigentlich es versucht... mit Wizard, mit diesem Taxifahrer-Kollegen und einfach nicht auf dem grünen Zweig kommt.
Florian Bayer: Es ist so traurig, diese Szene, oder?
Johannes Franke: Es ist der Wahnsinn.
Florian Bayer: Er kündigt da eigentlich schon seinen Amoklauf an. Er sagt zu ihm, ey, ich hab komische Gedanken, ich hab... verrückte Gedanken. Also ich weiß nicht, ob er sagt, dass er jemandem was antun will, aber es geht schon eindeutig in diese Richtung.
Johannes Franke: Es geht in diese Richtung, es wird ganz klar, also für den Zuschauer in dem Moment ist klar, wo der Film hingeht, in einen Gewaltausbruch, der am Ende passieren wird. Aber das ist Wizard nicht unbedingt klar. Könnte ihm, weiß ich nicht genau, aber er macht sich auch nicht unbedingt die Mühe, ihm wirklich... zuzuhören und wirklich was zu finden. Und er sagt es auch, was ich auch voll verstehen kann am Ende des Gesprächs, hey, ich bin kein... Äh, Doktor, irgendwas. Ich hab keine Ahnung. Ich bin einfach ein Taxi-Driver. Ich hab keine Ahnung, was willst du hören von mir? Ich kann dir nicht helfen.
Florian Bayer: Und er schlägt ihm ja trotzdem so ein bisschen Lösungen vor. Er sagt, ey, nimm Drogen, lass dich flachlegen, gabeln deine Frauen auf. Und Wizard ist ja auch der Typ, der ganz am Anfang diese Geschichte erzählt, von der Frau auf dem Rücksitz, die scharf auf ihn ist. Und mit der er dann Sex hat. Und er verkörpert ja eigentlich so dieses Männlichkeitsbild einfach von dem Typen, der... weil er eigentlich voll durch ist, aber das Leben genießen kann und sich holt, was er will. Travis schaut ja auch irgendwie zu ihm auf. Also Wizard ist so der einzige Anknüpfungspunkt von dieser Taxifahrerriege, mit der er ein paar Mal zusammensitzt. Und immer so als Außenseiter irgendwie so halb am Rand sitzt.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass diese ganzen anderen Taxifahrer und dass er da irgendwie sitzt immer mal... ja nur dazu da ist, dass diese Szene passieren kann. Dass er wirklich nur dazu da ist, zu Wizard gehen zu können und sagen zu können, du, ich habe da Probleme, kannst du mir helfen? Und Wizard sagen kann, du, ich habe auch keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich glaube, es passiert schon noch ein bisschen mehr in diesen Szenen, weil wir haben zum Beispiel seinen Rassismus in diesen Szenen am schwersten ausgeprägt. Wir haben den einzigen schwarzen Taxifahrer, der bei ihm sitzt, der ihn auch immer Killer nennt. Und zwar bevor er überhaupt irgendwas gemacht hat und am Schluss länder ihn nochmal killert, da macht es ja total Sinn. weil er da der Held ist, der den Zuhälter erschossen hat. Aber er nennt ihn Killer und zwischen denen ist immer so eine gewisse Spannung, so eine aggressive Spannung. Und dann haben wir diese Szenen, in denen er in dem Café sitzt mit den anderen Taxifahrern und so über die Theke guckt. Wer sitzt denn da noch? Und da haben wir die schwarzen Zuhälter sitzen. Und wir sehen diesen ängstlichen Blick von ihm. Also wirklich diese Angst vor dem schwarzen Mann. Ja. Scorsese und Schrader da ja wirklich auch so sehr zeitnah aufgreifen, weil wir befinden uns Mitte der 70er Jahre und die Bürgerrechtsbewegung ist gerade vorbei und es gibt irgendwie diesen neuen Schub, so Black Panther und jetzt kämpfen die ein bisschen mehr. Jetzt gibt's nicht mehr nur passiven Widerstand, Martin Luther King hatte seine Chance, jetzt ist es halt eher Malcolm X. Und daraus resultierend natürlich auch eine Angst der Weißen vor den Schwarzen, die plötzlich etwas vehementer ihre Rechte einfordern. Der Film war... Im Original-Screenplay als wirklich White Power-Rache-Fantasie von Travis Bigel angelegt. zieht nämlich los und tötet schwarze Leute. Die Zuhälter und die, die sich in diesem Milieu bewegen und die Kunden, die er umbringt.
Johannes Franke: Ja, das waren alles Schwarze in dem Skript. Dass der Zuhälter, dass der Pimp kein Schwarzer mehr ist, ist aber auch ein bisschen Harvey Keitel zu schulden, der diese Rolle unbedingt haben wollte.
Florian Bayer: Ja, aber auch Scorsese, der zu Schrader gesagt hat, lass uns das mal lieber nicht machen.
Johannes Franke: Da bin ich aber ein bisschen unsicher, muss ich sagen, weil das kommt schon irgendwie verdächtig zusammen. dass Pablo Kartell gesagt hat, ich möchte diese Rolle haben.
Florian Bayer: Schrader selbst hat ja gesagt, er ist dankbar, dass Scorsese das gesagt hat. Ja, ich auch. gesagt, lieber nicht. Ich glaube auch, dass es Sinn macht. Also man hätte das so erzählen können. Der Rassismus wäre dann so sehr das zentrale Thema gewesen.
Johannes Franke: Volle Kanne. Und er hätte am Ende auch noch als Sieger rausgehen müssen aus einer Sache, die voll rassistisch auch noch unterlegt ist, was zu der Zeit glaube ich, also da oh Gott, was da los gewesen wäre. Weißt du?
Florian Bayer: Ich glaube, daher hätte ich genug Vertrauen in Schrader und Scorsese gehabt, dass sie das so erzählt hätten, dass... Zumindest der Großteil der Black-Community auch versteht, was dieser Film aussagt und worüber dieser Film erzählt. Aber es ist natürlich schwierig, es ist ein Balancer. Klar, du hast auch dieses Serialismus. Wenn du nur einen schwarzen Zuhälter hast und noch einen zweiten schwarzen Zuhälter und die dann noch die jungen weißen Frauen gefangen halten. Natürlich kriegst du dann auch so Stereotype rein, die Rassismus verstärken.
Johannes Franke: Ja, und man muss dazu sagen, dass dieser Film ja nun auch, wie du eingangs gesagt hast... genug Leute gefunden hat, die da hingucken und sagen, wow, wie geil, ich möchte auch so sein oder ich bin irgendwie von diesen Männlichkeitsbildern dann doch angesprochen und finde es irgendwie cool. Und da ist die Gefahr dann groß, dass du wirklich ein großes Publikum findest, das das falsch versteht.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Das ist natürlich nicht deine Schuld als Filmemacher, das ist klar, aber das Risiko ist einfach da und das will man vielleicht nicht unbedingt eigentlich.
Florian Bayer: Je mehr doppelte Böden, je mehr Subtilitäten, Ambivalenz du in den Filmparkst, umso mehr besteht das Risiko, dass dein Film missverstanden wird. Und David Fincher, Fight Club, über den wir auch gesprochen haben und auch genau über dieses Thema haben wir da gesprochen. Der wird davon auch ein Lied singen können.
Johannes Franke: Es ist ja auch einer der ersten Filme, die dazu geführt haben, dass diese große Diskussion aufgekommen ist, gerade durch diesen Attentäter, der dann wirklich versucht hat, Wegen umzubringen. inwiefern Filme in der Lage sind, Zuschauer dazu zu verleiten, Dinge zu tun. Und Gewaltfantasien in den Filmen vielleicht schlecht für jugendliche Zuschauer sind und so weiter.
Florian Bayer: Und Travis Bigel ist halt auch wirklich zu einer Stil-Ikone geworden. Also jeder kennt diese Szene vorm Spiegel. wo er sagt, are you talking to me? Es gibt diese Poster von Taxi Driver, wo Travis Bigel im Zentrum steht und cool grinst oder sich die Waffe an den Kopf hält, diese Abschlussszene. Und er wird da auf diesen Plakaten wie in Hell stilisiert. Und das hängen sich jugendliche Typen ins Zimmer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil sie den geil finden. Erokesenschnitt und sieht auch irgendwie lässig aus, hat's voll im Griff, hat aufgeräumt.
Johannes Franke: Also Gefahr besteht immer. Und ich bin natürlich dankbar, dass... Aber Kai Tell zum einen gesagt hat, ich will den spielen und zum anderen, als Scorsese drauf eingegangen ist und gesagt hat, ja, ist vielleicht auch ganz gut, wenn wir das ein kleines bisschen entschärfen.
Florian Bayer: Ja, und auch dadurch ein bisschen ambivalenter machen, dass halt Rassismus nicht nur ein Thema ist. Der Rassismus von Travis spielt die ganze Zeit eine Rolle. Aber es ist eben nicht nur ein Film über einen Rassisten, der auf so einen Racist-Amok-Lauf startet. noch ein bisschen mehr. Es steckt deutlich mehr drin dadurch. Die zweite männliche Person, die für ihn sehr wichtig ist. Es ist nur eine kurze Begegnung und zwar mit dem Regisseur selbst, der einen verrückten Fahrgast spielt, der bei ihm ins Taxi einsteigt nachts und sagt, bleib sitzen, fahr nicht weiter, guck mal da im Fenster. Das ist meine Frau und die trifft sich gerade mit einem Schwarzen. Er benutzt einen Racial Slur dafür. Und ich habe eine 44er Magnum und ich werde die jetzt abballern und zwar nicht der Typ Irrer von der Straße, sondern der Typ Geschäftsmann im Anzug.
Johannes Franke: Das war richtig, richtig gruselig. Die Szene ist wirklich hart. Und es ist toll, dass Scorsese das selbst so gut spielt auch. Er hat gesagt, dass Robert De Niro Coach war in dem Moment und ihm versucht hat, das irgendwie hinzubiegen, dass er das hinkriegt. Hat auch ein paar Anläufe gebraucht, war auch am Anfang irritiert, warum sich De Niro nicht umdreht und ihn mit dem irgendwie... so in Interaktion tritt. Und er meinte, ich werde dieses Taxameter nicht loslassen, bis du mich wirklich dazu bringst, dieses Taxameter loszulassen. Mach was. Und das ist ein tolles Ding, weil als Regisseur du selten in diese Lage gerätst, auch mal in diese... Schuhe zu treten des Schauspielers.
Florian Bayer: De Niro spielt da auch ein bisschen selbst Scorsese. Er macht auch den König so ein bisschen einfach. Ja, voll. Durch diese Art, wie er nicht reagiert, also durch dieses starre nach vorne gucken, hin und wieder so ein vorsichtiger Blick in den Rückspiegel, Das gibt dieser Figur nochmal eine ganz eigene Stärke. Das ist ja auch ein bisschen lächerlich, was er da macht. Wir sehen, das ist wirklich so jemand, der fühlt sich eigentlich total schwach und hilflos und dreht jetzt komplett am Rad. Ja. Und gleichzeitig ist es krass beängstigend. Also es ist auch so ein Balanceakt die ganze Zeit zwischen der Komik dieser Situation und gleichzeitig, ey, Das ist ein aggressiver Mann und genau solche aggressive Männer gibt es. Und es gibt Femizide ständig, genau wegen solcher Geschichten. Und das ist echt... Das ist nicht nur komisch, das ist nicht lustig.
Johannes Franke: Ja, das ist krass. Das ist wirklich sehr echt. Und ich finde, dass der Film sehr viele solche Situationen hat, wo man denkt, ach du Scheiße, okay, das ist... Das ist nicht nur Film, das ist tatsächlich einfach, es gibt diese Menschen, es gibt diese Situationen und es gibt diese Sätze, die gesagt werden. Und die auch dazu führen, dass Dinge passieren, die einfach furchtbar sind. Ich finde die Szene natürlich sehr, sehr, sehr gut platziert, weil ich dadurch den Gedankengang von Travis nachvollziehen kann, ne? Was er erzählt, er auf der Aufstimme, ist ja gar nicht so konkret im Sinne von... Ich fühle das, ich mache jetzt das, ich werde dort hingehen und das und das machen, weil ich habe folgenden Background. Das ist es ja gar nicht.
Florian Bayer: Er ist die ganze Zeit voll vage in seinen Zellen. Also dieser Film ist die ganze Zeit begleitet vom Offerzähler Travis, der in sein Tagebuch schreibt und es ist so vage, was er da formuliert.
Johannes Franke: Total und deswegen weißt du auch nicht hundertprozentig, was in ihm eigentlich passiert und was eigentlich los ist. Aber du kriegst ein sehr sehr gutes Gefühl einfach über den Film, dadurch was ihm passiert, wie er guckt, wie er auf bestimmte Dinge guckt. was für POVs wir von ihm haben auf bestimmte Dinge. Das finde ich einfach filmemacherisch tatsächlich sehr, sehr gut. Das ist die große Stärke dieses Films.
Florian Bayer: Bleiben wir kurz bei den männlichen Figuren, die wir da drin haben. Sehr gerne. Ich würde gerne die vierte Person, die wichtig ist für Travis. Und dann kommen wir, glaube ich, schon mal vorsichtig zu einer meiner Interpretationen, die allen widerspricht. Palentine. Ja. Wofür steht Palentine?
Johannes Franke: Ja, für die Politik, die nichts macht.
Florian Bayer: Nee, nee, geschenkt. Welcher Partei gehört Palentine an? Was sind seine konkreten politischen Ziele?
Johannes Franke: Das weiß man nicht.
Florian Bayer: Man weiß es nicht. Überhaupt nicht.
Johannes Franke: Und er weiß es ja auch nicht. Also darum geht es ja auch ein bisschen.
Florian Bayer: Schrader hat gesagt, er hat sich Palentine als Demokraten vorgestellt, aber der könnte genauso gut Republikaner
Johannes Franke: Ja, voll.
Florian Bayer: Und mit seinen Slogans, die so komplett allgemein sind, es ist eigentlich radikale Entpolitisierung der Politik.
Johannes Franke: Völlig, völlig. Ich fand die Rede Die Rede, die er gehalten hat, fand ich wirklich echt auf den Punkt geschrieben, wo ich dachte, okay, cool, der schafft es wirklich nichts zu sagen, wie das jede Politiker am besten macht.
Florian Bayer: Und Betsy sagt es ja auch selbst, nicht die politischen Inhalte sind das, was rüberkommen soll, sondern die Person. Und dann sagt Tom ihr nochmal, dass sie sexy mit aufnehmen soll. Sexy ist ganz wichtig. Weil Palantine einfach nur sich als Person verkauft, als politische Person, als praktisches Bild. Du hast gesagt, er steht für die Politik, die nichts macht. Ich komme jetzt mit, ich möchte es als Fragezeichen formulieren. Ich weiß, der Film... Ich weiß, Schrader hat das nicht gedacht. Hermeneutik brauchen wir außen vor lassen. Ich glaube, es gibt eine Interpretationsebene, die man hinlegen kann, in der Travis Palentine gar nicht erschießen will.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Sag nicht absolut. Achso, Moment. Flo, wie kommst du darauf? Was?
Johannes Franke: Was ist das denn? Das musst du aber erklären.
Florian Bayer: Travis plant kein politisches Attentat. Ich möchte das mal so hinlegen. Ich hab nichts gefunden online in diese Richtung. Ich hab nur gefunden, Travis ... das Attentat geht schief und Travis hasst Palantyne, weil Palantyne sich dann doch als Schaumschläger entpuppt und so weiter. Nein! weil Palantyne der Konkurrent um Betsy ist. Whatever, er will Palantyne töten. Ich finde, es gibt mehrere Momente in diesem Film, wo man sagen kann, okay, vielleicht will er gar nicht Palentine töten, vielleicht will er für Palentine töten, vielleicht will er tatsächlich... Dieses Bild, das er noch im Kopf hat von Palantyne, das hat sich vielleicht noch gehalten. Vielleicht gibt es in ihm, obwohl das mit Betsy gebrochen ist, gibt es in ihm noch eine gewisse Begeisterung. für dieses komplette Gelaber von Palentine. Und dafür, dass Palentine ihm die Hand geschüttelt hat und nicht gesagt hat, bist du bekloppt, als er im Taxi gesagt hat, ich möchte alle ausrotten. Er geht zu dieser Veranstaltung und es ist dann tatsächlich auch so einfach verdreht in seinem Kopf, aber eigentlich will er Palantine zeigen, dass er für ihn töten kann. Er geht dahin als Soldat für Palantyne. Und um kurz zu sagen, im Drehbuch steht, er greift in seine Jacke, um nach seiner Waffe zu greifen. Im Originaldrehbuch von Paul Schrader. Also zum einen hat er so viel trainiert mit seinem schnellen Ziehen. Und die Morde, die er nachher macht, die macht er alle mit diesen schnellen Aktionen, wo er sich vorbereitet hat. Und bei Palentine greift er ganz langsam in seine Jackentasche, um die Magnum rauszuziehen. Ja. Really? Macht er das so, wenn er ihn umbringen will? So langsam, in Zeitlupe?
Johannes Franke: Ich glaube, er will unbewusst, dass das nicht funktioniert.
Florian Bayer: Auch gut. Oh ja.
Johannes Franke: Die Gründe sind schwer heranzuholen. Es könnte sein, dass es ihm wichtiger ist, dass er den Pimp tötet. Was er ja dann macht, dass er irgendwie ahnt, dass er, wenn er Palantyne jetzt umbringt, dann hat er natürlich, dann wird er eingebuchtet, dann hat er kein weiteres Leben. weiterkommen im Leben.
Florian Bayer: Er wird bestimmt ein Buch drüber schreiben können.
Johannes Franke: Aber ich glaube, es war ihm dann doch wichtiger, er brauchte den Ausbruch, er brauchte das Töten. Das war eben wichtig. Wer es am Ende ist, deswegen glaube ich auch, dass Palantine nicht unbedingt das Ziel ist als Palantine, sondern eher als... Verkörperung der Politik? Verkörperung dessen, was ihn kaputt macht. Aber am Ende war eben wichtig, dass das eben nicht klappt. Deswegen greift er auch in seine Tasche statt, die Schnellschussanlage in seinem Ärmel zu benutzen.
Florian Bayer: Schrader hat ja gesagt, dass Biggill auf einem tatsächlichen Attentäter basiert, Arthur Herman Blanchard. Prima, der 1972 versucht hat, den Governor George Wallace zu töten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der aber auch davor schon überlegt hat, Nixon zu töten. versucht hat zu töten und dann einen Republikaner versucht hat zu töten und dann zum Demokraten umgeschwungen ist. Also dieses Arbiträre ist total wichtig dabei. Es ist eigentlich egal, Der will halt einfach irgendwas machen. Und das Arbiträre haben wir ja auch in der Person Palentine, weil wir wissen nicht, wofür Palentine steht. Er könnte Republikaner sein, er könnte Demokrat sein. Er sagt halt, ich hör den Leuten zu. Und er sitzt im Taxi von Travis und hört ihm zu und gibt ihm dann die Hand. Und wir lernen nichts über seine politischen Standpunkte kennen. Es fällt mir unglaublich schwer, irgendwie ein Szenario zu sehen, indem Travis Bigel, so wie er ihn kennenlernt, Palantyne töten will, weil er hat keinen Groll gegen Palantyne. Und ich weiß, es gibt diese Interpretation, die immer wieder gesagt wird, naja, Palentine ist halt der, bei dem Betsy ist, den Betsy cooler findet. Palentine ist der Politiker, der halt nichts macht. Aber das wird alles nicht so wirklich angeboten.
Johannes Franke: Naja, was ich finde, was noch angeboten wird, ist, dass es nicht um die Person Palantine geht, sondern darum, dass er... das Umfeld von Betsy zerstören will.
Florian Bayer: Ja, ich weiß.
Johannes Franke: Also nicht mal, dass er die Konkurrenz ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sondern, dass er ihr wehtun will damit.
Florian Bayer: Das ist halt auch die Art, wie er sich zum Beispiel, wie er sich an diesen Secret Service Typen ranschmeißt, an diesen Personenschützer.
Johannes Franke: Fast eine Comedy.
Florian Bayer: Ja, und es ist ja wirklich Bewunderung, die er für den hat. Und dann merkt er, dass das doof ankommt und deswegen fängt er dann an zu lügen und falschen Namen zu sagen. Aber wenn er sich da vor ihn stellt und mit ihm versucht, ins Gespräch zu kommen, indem er sagt, da hinten waren suspekte Leute, Es wirkt nicht so, als ob er den ausfragen wollen würde, um seinen Attentat besser planen zu können, sondern es wirkt wirklich so, als würde er einfach gerne eigentlich dazugehören. Er wäre gerne so ein Typ.
Johannes Franke: Ich finde, das ist am evidentesten, wenn er sich neben ihn stellt. Nicht als er mit ihm redet, sondern noch krasser wird das, weil er sich... Ohne Gefühl für so persönlichen Space. Absolut. Viel zu nah an diesen Typen heranstellt und ihn... offensichtlich imitiert in der Haltung und in allem, was er so finden kann an ihm. Stellt sich da so hin und grinst sich eins und versucht das, wie so ein kleines Kind. Ja. Ja voll, auf jeden Fall. Diese Typen zu imitieren. Und da finde ich, sieht man so sehr raus, dass er ihn eigentlich bewundert und dass er eigentlich diese Stärke, dieses Typen... gerne hätte.
Florian Bayer: Er schreibt ja auch diese Abschiedspostkarte an seine Eltern, wo er sagt, ich kann euch nichts Konkretes sagen, aber meine Arbeit für die Regierung Er ist mysteriös. Dann ist er dieser Typ. Und ich habe übrigens eine Freundin, sie heißt Betsy. Das heißt, Betsy ist in seiner Folge. immer noch seine Freundin.
Johannes Franke: Klar.
Florian Bayer: Und das widerspricht alles so dem Gedanken, dass er jetzt Palentine töten will.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Und ich glaube, er präsentiert sich da so ein bisschen Vielleicht ist er wirklich da, weil er das Gefühl hat, er ist ein Soldat für Palantine. Und Palantine hat ihm nicht zugestimmt, aber in seiner Vorstellung hat Palantine ihm zugestimmt, als er im Auto gesagt hat, man müsste mit der Stadt aufräumen, man müsste alles wegspülen. Und ich glaube, er will einfach zu Palentine gehen und sagt, guck mal, ich habe jetzt eine Marktum, ich räume hier jetzt auf in der Stadt, ich habe schon das erste Ziel. Das will er nicht machen, das ist auf einer sehr abstrakten Ebene, aber eigentlich ist das, glaube ich, seine Motivation dahin zu gehen.
Johannes Franke: Ja, ja, okay.
Florian Bayer: Und ja, ich weiß, alle sagen, er will Palentine töten. Schrader sagt, er will Palentine töten. Scorsese sagt, er will Palentine töten. Ich glaube, man kann es auch anders lesen. Offensichtlich glaubst du das auch.
Johannes Franke: Ja, ich war eben auch nicht so überzeugt, dass er das wirklich will. Also klar, die Situation ist die, man hat das Gefühl, okay, die Situation führt dahin. Aber ich war nie überzeugt davon, dass er ihn wirklich umbringen will. Und ich habe ja die ganze Zeit, bis die Situation kam, gedacht, er will sie umbringen, er will Betsy umbringen. Das war so mein Gedanke die ganze Zeit, bis dann irgendwie die Situation konkret wurde und ich dachte, achso, okay, verstehe.
Florian Bayer: Zwei männliche Figuren haben wir noch, die ganz spannend sind. Eher Antagonisten zu Travis. Und zwar zum einen haben wir wirklich großartig Tom. Gespielt von Albert Brooks.
Johannes Franke: Der Comedian ist, ne?
Florian Bayer: Ist Albert Brooks mit Matt Brooks verwandt?
Johannes Franke: Ich hab keine Ahnung.
Florian Bayer: Nein, ist der nicht. Aber Mel Brooks ist bei Carsten in der Tonight Show.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und irgendwie reden sie halt über lustige Leute und so weiter. Und Mike Brooks wird gefragt, wer ist denn der lustigste Mensch, den du kennst? Mike Brooks sagt, Naja, da, wo ich mich da bewege, gibt es so ein zwölfjähriges Kind namens Albert Einstein. Das ist der witzigste Mensch, den ich kenne.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist Albert Brooks. Albert Brooks ist als Albert Einstein geboren, Kind einer Comedy-Familie, das sind alle Comedians. Und deswegen kennen die auch Matt Brooks und deswegen hat er auch Kontakt mit ihm als Kind. Er hat sich in Albert Brooks umbenannt, weil er gesagt hat, Albert Einstein. Albert Einstein hat sich in Einstein umbenannt, um klüger zu klingen. Also nenne ich mich in Proofs um, um lustiger zu klingen.
Johannes Franke: Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Und Albert Brooks spielt hier Tom in seiner ersten großen Filmrolle eigentlich. Hat davor schon ganz viel Saturday Night Live gemacht und ist irgendwie so, ist ein großer Comedian. Er ist so toll.
Johannes Franke: Ich find's super. Ich find's ganz toll, er hat später, es gibt dieses Making-of, das hab ich so ein zu Teilen so ein bisschen gesehen und da hat er so ein bisschen erzählt, wie er das da auch darüber nachgedacht hat. Weil er als Comedian ja reingekommen ist und er aber nicht findet, dass dieser Typ im Arbeitsumfeld ein wirklicher Comedian sein sollte. Sondern man sollte so alltägliche, jeder macht Scherze bei der Arbeit. Und gerade macht man Scherze, wenn man versucht, jemandem irgendwie zu gefallen. Und versucht da irgendwie Gemeinsamkeiten herzustellen über so komediantische Sachen. Aber er ist kein Professional Comedian, diese Figur. Und ich finde, dass er das voll gut hinkriegt, diesen leichten Abstand von dem Comedian, der er eigentlich ist, aber trotzdem sehr, sehr witzige Situationen herzustellen.
Florian Bayer: Es ist offensichtlich ziemlich viel improvisiert in den Szenen zwischen ihm und Sybil Shepard. Die, die Betsy spielt?
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil im Drehbuch eigentlich kaum Text für Sybil Shepard ist.
Florian Bayer: Was so? Und sie fand das voll zum Kotzen. Sie hat sich beschwert. und hat gesagt, ey Leute, bitte, gebt mir ein bisschen mehr Fleisch.
Johannes Franke: Sie hat es echt quer durch den Raum geworfen und hat geschrien.
Florian Bayer: Und die beiden improvisieren und sie machen das ganz toll zusammen und Paul Trader ist offensichtlich danach zu Brooks gegangen und hat zu ihm gesagt, danke, diese Person war die einzige Person aus meinem Drehbuch, zu der ich von der ich nichts wusste. Ich hatte keine Ahnung, wer das ist. Und jetzt hab ich Ahnung, wer das ist. Und jetzt hab ich ein Gefühl dafür. Und der Schauspieler sagt, what?
Johannes Franke: Du wusstest genau, wer dieser Travis ist, aber du wusstest nicht, wer Tom ist? Was ist da los? Überhaupt muss ich sagen, es ist wirklich seltsam, der Drehbuchautor. und sagen, dass es mich ein bisschen auscreept, was der so erzählt, wie er zu diesem Drehbuch gekommen ist und wir dann auch noch eine tatsächliche... Kind Prostituierte gefunden hat. Alter. Und in sein Hotelzimmer geholt hat.
Florian Bayer: Die in dem Film mitspielt.
Johannes Franke: Die in dem Film mitspielt, die die Freundin ist von Jodie Foster.
Florian Bayer: Aber die hat er gefunden, nachdem er das Drehbuch geschrieben hat.
Johannes Franke: Seitdem er das Drehbuch geschrieben hat, hat er sie noch irgendwo gefunden und ich frage mich die ganze Zeit, in welchem Szenario, das ich akzeptieren würde, kann er dieses Kind kennengelernt haben, rausgefunden haben, dass sie Prostituierte ist.
Florian Bayer: Ich will es nicht, ja. Es ist in den New Yorks 70er. Oh Gott. Das Krasse ist ja tatsächlich, er hat danach dann mit Scott Seeley telefoniert, ganz hysterisch. Ich hab Iris gefunden, ich hab Iris gefunden. Wir müssen irgendwie, Jodie, die muss mit Jodie reden. Und dann machen die was aus. dann trifft sich diese 15-jährige Prostituierte mit der 12-jährigen Schauspielerin Jodie Foster, damit die ihr so ein paar Fragen über das Business stellen kann.
Johannes Franke: Und die stehen nur noch awkward nebeneinander und wissen überhaupt nichts miteinander anzufangen. Das ist super geil. Jodie Forster erzählt das ganz toll.
Florian Bayer: Aber Jodie Foster hat auch tatsächlich, dazu kommen wir gleich noch, gute Erinnerungen an den Dreh, ne? Das war, also sie... Es gibt natürlich diese Wiedersehensszenen, diese Wiedersehensdinger, wo dann die Schauspieler nochmal alle zusammensitzen und dann erzählt sie vom Dreh. Es ist ganz witzig, wie sie erzählt, wie keiner am Set so richtig wusste, wie er mit ihr umgehen soll. Und alle waren so ein bisschen peinlich pikiert und wussten, okay, wir machen jetzt hier schon krasse Sachen irgendwie. Und da müssen die aber auch alles sehr lieb gewesen sein dann.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und vor allem Robert De Niro war wohl...
Johannes Franke: Aber auch ein bisschen awkward.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Aber Robert Nero ist, glaube ich, so grundsätzlich awkward. Einfach weil er Robert De Niro ist.
Johannes Franke: Er hat halt offenbar immer wieder angerufen bei ihr, also bei Jodie Foster und hat gesagt, komm, wir gehen einen Kaffee trinken und dann haben die da gesessen. Und haben über lange Sessions hinweg fast nichts gesagt. Also sie war auch voll gelangweilt und gesagt, was machen wir hier, was soll das, warum treffen wir uns egal. Dann hat er angefangen mit ihr irgendwann die Texte durchzugehen und das auch bis zum Erbrechen. Immer wieder diese Szene, diese Szene, diese Szene. Bis er irgendwann, und sie war auch total genervt davon irgendwann, bis er irgendwann angefangen hat, rein zu improvisieren. In diese Texte, die dann irgendwann so fest saßen, dass sie sie im Schlaf konnten einfach. Und hat angefangen zu improvisieren in seiner Figur und hat sie angefangen zu improvisieren und hat darüber... über dieses Spielerische festgestellt, aha, so kann ich also eine Figur entwickeln, so kann ich schauspielerisch was rausholen aus der ganzen Sache. Während sie vorher als Kind, bevor sie diesen Film gemacht hat, hat sie ganz viele Sachen für Disney gemacht.
Florian Bayer: Ja, die war also eine große Schauspielerin, ist zu viel gesagt, aber sie war eine große Kinderdarstellerin.
Johannes Franke: Und sie war halt, sie hat immer gesagt, sie ist eigentlich nur... gefragt wurden, sich selbst zu spielen am Set vorher. Also sie hat keine eigene Rolle entwickelt, sondern sie hat einfach Die Texte so gesagt, dass man sie glaubt und das war's. Also es gibt keine Rolle. Und mit Robert De Niro hat es das erste Mal festgestellt, aha, okay, so geht das, so kann ich mir eine andere Figur erschaffen. So kann ich rausfinden, wie würde denn die Figur reden, wie würde sie denn was machen und so. Und ich finde diese Herangehensweise von Robert Nero sehr interessant. Nervig.
Florian Bayer: Robert Nero war ja mehr Fat Actor. Er ist Taxi gefahren, um das ... Der gehört ja zu den Großen aus dem New Hollywood-Umfeld, die wirklich alles gemacht haben, um in ihre Rolle reinzukommen. Davor hat er 1900 gedreht, wo er... deutlich mehr auf den Rippen hatte. 1900, über den Film reden wir auch in irgendeiner Episode, die sehr weit in der Vergangenheit liegt, von Bernardo Bertolucci. Ja. Er hat dann für diesen Film extrem viel abgenommen, hat sich wirklich gestailert. Es gibt ja diese Szenen von ihm mit nacktem Oberkörper. Er hält wirklich seinen Arm über den Herd mit der Flamme. Und er macht echt... Genau, er ist einfach ein Maffet-Actor. Er ist Taxi gefahren. Er hat sich wirklich da rein versetzt in die Rolle. Und dann offensichtlich so ein bisschen Jodie Foster unter seine Fittiche genommen.
Johannes Franke: Ja, auf seine Art.
Florian Bayer: Auf seine Art, auf seine awkward Art lohnt der Mühen Nominierung als beste Nebendarstellerin. Total krass. Als Zwölfjährige, ne?
Johannes Franke: Wahnsinn, oder? Krass, Mann. Sowieso Jodie Foster. Ich bin ein ganz großer Fan. Ich mag sie wahnsinnig gerne. Sie ist eine
Florian Bayer: Unglaublich gute Schauspielerin und wie sich dann in den letzten 30 Jahren herausgestellt hat, auch eine saugute Regisseurin.
Johannes Franke: Und wahnsinnig intelligent.
Florian Bayer: Ja, das sowieso.
Johannes Franke: Also wirklich krass, was ihr erzählt. Ich war auf Masterclass, das ist so eine amerikanische Seite mit allen möglichen berühmten Leuten, die irgendwie von ihrer Profession erzählen. war sie dabei und ich habe es geliebt ihr zuzuhören, wie sie einfach erzählt, wie sie an Dinge rangeht und was sie macht. Ganz toll.
Florian Bayer: Ja und hier startet eigentlich ihre ernsthafte Schauspielkarriere, auch wenn sie davor schon vieles gedreht hat und sie ist wirklich gut.
Johannes Franke: Sie ist sehr, sehr gut in diesem Film.
Florian Bayer: krass, weil ich meine, sie hat ja gar nicht so viele Momente, aber die Momente, die sie hat, sind so überzeugend und man muss sich das wirklich vorstellen. Also, dass sie wirklich eine Zwölfjährige gecastet haben, um eine zwölfjährige Prostituierte zu spielen. Das ist erstmal so, wow, mutig.
Johannes Franke: Ja, sehr.
Florian Bayer: Und es zahlt sich aber auch aus, weil sie halt wirklich, weil Filme haben oft das Problem, dass SchauspielerInnen besetzt werden, die zu alt sind. Und das Das ist dann einfach so ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn du ein 19-Jähriger hast, die 12-Jährige, 13-Jährige gespülen soll, da fehlt einfach das, was halt auch dieses Kindliche. Und es ist bei ihr halt wirklich krass. Und es gibt so diese Momente, wenn sie dann mit ihm im Café sitzt und isst, Und dann hat sie halt wirklich dieses Prostituierten-Make-up und dann grinst sie, hat aber einfach die Zähne von einem kleinen Kind, so banal das ist und das sorgt Das macht ganz viel mit diesem, wie verstörend diese Rolle ist, dass du halt diese Schminke hast und dieses... Und auch dieses Verhalten, weil sie offensichtlich hatte schon sehr viele Kunden, weil sie weiß genau, wie sie sich zu verhalten hat und was zu machen ist. Und dann blitzt immer dieses Kindliche durch. Und das ist einfach mal harter Stoff dann. Das haut einfach vor einen in den Magen. Weil du siehst einfach, sie ist noch ein Kind und ja, sie hat verdammt viel erlebt und sie ist auch abgeklärt in diesem Business, aber darunter steckt halt trotzdem auch einfach ein kleines, verletzliches Kind und so. Das ist total traurig.
Johannes Franke: Es ist wirklich hart zu sehen, sehr. Sie macht das sehr gut. Sie haben sie ab und zu mal ausgetauscht gegen ihre Schwester, die schon 18 war. Ja. Die aber ihre Größe auch hatte und die man gut herrichten konnte, sodass sie als Double herhalten konnte in Szenen, die man ihr dann doch nicht zutrauen wollte. Wenn man so über ihre Schulter schaut, wie sie die Hose aufmacht bei Robert De Niro und solche Sachen, das haben sie alles gedubelt.
Florian Bayer: Und es war nicht das einzige Mal, dass Judy Foster von ihrer Schwester gedubelt wurde. Es gibt einen Film, der heißt Das Mädchen am anderen Ende der Straße ist auch in der selben Zeit entstanden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und da wird sie auch von ihrer Schwester gedubelt. Ich glaube sogar Nacktzähnen oder zumindest so. Also Nacktzähnen im Sinne von nackter Rücken. glaube ich. Ich habe es nicht mehr so wirklich in Erinnerung. Vielleicht doch auch Hüfte, vielleicht auch Po. Und da war sie halt auch 13, 14 dann, als sie das gespielt hat. Vielleicht auch erst 12. Und da wird sie auch gedubelt von ihrer Schwester.
Johannes Franke: Eieiei.
Florian Bayer: Genau, aber wir waren ja eigentlich, jetzt sind wir so zu Iris, wir waren ja noch bei den männlichen Figuren und der zweite große Antagonist neben dem fantastischen Tom ist natürlich Sport. Harvey Keitel als Pimp, der auch ganz Method-Acting-ähnlich sich einen Pimp gesucht hat, der ihn auf die Rolle vorbereiten sollte.
Johannes Franke: Und sie haben keinen weißen gefunden. Wirklich, wirklich, sie haben gesucht. Und Havik hat erzählt, er hat irgendwie rumgefragt, können wir irgendwo... Kennt ihr einen weißen Pimp, irgendwie jemand, der das länger macht schon und der ein bisschen. Und dann hieß es so, ja. Ich glaube, da habe ich mal von irgendjemandem gehört, aber so ganz vage, wie so eine Legende geht es durch die Stadt, dass es irgendwo einen weißen Pimp gibt. geben soll. Oh Gott, ist das hart.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, das ist so schrecklich.
Johannes Franke: Das ist so hart.
Florian Bayer: Ob da vielleicht auch ein bisschen der Rassismus der Filme-Upperclass mit reinspielt, dass sie gesagt haben, so jemanden finden wir nicht?
Johannes Franke: Weiß ich nicht, keine Ahnung. scheint es versucht zu haben.
Florian Bayer: Aber er hat ja tatsächlich auch einen Zuhälter gefunden, mit dem er dann ein bisschen zusammen improvisiert hat, mit dem er geredet hat, der gesagt hat, es war ein Ex-Zuhälter. Aber mit dem hat er so ein bisschen geredet und die haben ein bisschen zusammen versucht, die Rolle zu entwickeln. Und dieser Sport ist natürlich ein Unsympath. Ich meine, das ist jemand, der kleine Mädchen es braucht, um Kohle zu machen. Aber er kriegt dann doch... Eine der wenigen auktorialen Szenen im Film, wo wir nicht die Perspektive von Travis haben, wo er mit Jodie Foster redet, mit Iris und sie... natürlich total voll das Pimp-Ding durchzieht, dass er sagt, ich brauch dich und ich liebe dich. Weil sie kommt so ein bisschen ins Zweifeln, ob das richtig ist, was sie da gerade da haben. Aber trotzdem eine Szene, wo zumindest mehr Persönlichkeit durchkommt als nur das Ekelpaket, auch wenn das sehr viel gespielt ist.
Johannes Franke: Das stimmt. Was mich ein bisschen verstört ist, dass Martin Scorsese damals gesagt hat, dass das die Szene ist, die zeigen soll, dass er sie wirklich liebt. Und dass er wirklich Kass-Vorhör und so weiter.
Florian Bayer: Ja, aber das Ding. Das hat Martin Scorsese gesagt.
Johannes Franke: Das hat Martin Scorsese gesagt.
Florian Bayer: Ich glaube nicht, dass Paul Schrader das unterschreiben würde.
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau. Paul Schrader war gegen diese Szene. Die ist ja im Nachhinein dazugekommen. Eigentlich war die nicht im Originaldrehbuch.
Florian Bayer: Die ist auch... Die ist halt auch merkwürdig, weil es so eine autoriale Zähne ist. Die haben die ganze Zeit Travis Perspektive.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und wenn dann mal nur so Glimps von anderen Leuten und auch nur, wenn Travis kommt, um ihre Welt zu zerstören ... Und hier haben wir einfach mal so fünf Minuten oder zehn Minuten fast zwischen Sport und Iris, die irgendwas... die miteinander reden und dann miteinander tanzen und er tröstet sie dann.
Johannes Franke: Also ich meine, es kann natürlich auch Die Vorstellung von Travis sein, wie er sich vorstellt, wie die beiden privat sind.
Florian Bayer: Mag ich nicht die Interpretation, vor allem weil Travis sich das nicht so vorstellen würde. In Travis Vorstellung würde Sport nicht so mit dir umgehen, sondern viel rougher und viel brutaler.
Johannes Franke: Wahrscheinlich, ja. Naja, auf jeden Fall finde ich es auch eine sehr, sehr unangenehme Szene.
Florian Bayer: Ja, ist es.
Johannes Franke: Extrem unangenehm und natürlich... Weißt du, okay, das ist das, wie das funktioniert? Wie kriegt man ein Kind dazu, sich so abhängig zu machen? und damit einzusteigen und nicht einfach abzuhauen oder solche Sachen. Aber es ist so wahnsinnig... intensiv gespielt und intensiv inszeniert, das tut einem einfach echt weh.
Florian Bayer: Also es ist wirklich eine krasse Szene. Ich finde, es ist halt auch eine glaubwürdige Szene in seinem Verhalten. Ich kenne mich in dem Milieu nicht aus, aber ich glaube, das ist wirklich wie diese... Zuhälter, die halt so gleichzeitig auch, wie nennt man das, dafür gibt es auch einen Namen, ne?
Johannes Franke: Die gleichzeitig auch?
Florian Bayer: Lava sind.
Johannes Franke: Achso, oh ja, stimmt, da gibt es einen Namen, glaube ich, höher.
Florian Bayer: wie die sich verhalten. Und das Unangenehme ist, du siehst diese Szene und du kannst dir total gut vorstellen, dass er noch zehn andere Minderjährige hat, mit denen er genau dieselbe Szene am nächsten Abend hat. Sie ist in dieser komischen, romantischen, traumhaften Stimmung inszeniert Aber ich kaufe der Szene nicht ab, dass das Board das ernst meint. Das nicht. Nee, das nicht. Ich finde es auch komisch, dass Martin Scorsese das gesagt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich sehe halt ein bisschen mehr Charakter bei Sport. Ich sehe halt, davor ist er halt wirklich einfach nur dieser coole Dude, der da an der Tür steht und so ein paar lockere Sprüche raushaut.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und da hat er zumindest, dann kriegt er ein bisschen mehr Persönlichkeit. Es ist nicht einfach nur eine Karikatur. Sport ist immer so ganz kurz davor, Karikatur zu sein vom Zuhälter.
Johannes Franke: Ja, voll. Also gerade am Anfang, in den ersten Szenen.
Florian Bayer: Wenn er mit Travis redet und dann Witze über Travis macht und sagt, Nee, Officer, ich steh doch hier nur rum und so. Und er wirkt wie so eine zugetrönte Karikatur von, wie man sich einen Pimp vorstellt.
Johannes Franke: Was ich wieder witzig finde, ist die Szene, die natürlich voll reinhaut bei Robert De Niro. Bei Travis. wo er kommt, um Iris dann wirklich kennenzulernen, um dann wirklich hinzugehen und erstmal vorgibt, Kunde zu sein. Und er ihm dann irgendwie erzählt, so wie du aussiehst und irgendwie Witze über sein Aussehen macht.
Florian Bayer: Cowboy.
Johannes Franke: Und das natürlich irgendwie so versucht, so schatzhaft zu machen und dann zu sagen, na komm, ich mach doch nur Spaß hier, hab deinen Spaß mit ihr und geh hoch. Das ist so krass, weil ich inzwischen in Robert De Niros Perspektive bin und genau verstehen kann, was das mit ihm macht. Der den Spaß daran nicht sehen kann und der, man muss den Spaß daran nicht sehen. Es ist in Ordnung auch, wenn man sagt, das finde ich nicht besonders lustig und es ist nicht meins. Es ist nicht auch ich für mich ein bisschen verletzt. Aber so wie es bei ihm ankommt mit seiner psychischen, mit seinem psychischen Status, ist echt hart. Das füttert alles dieses Problem, was er hat und dieses psychische Ding, was ihn irgendwann dazu bringt, die Leute umzubringen.
Florian Bayer: In dieser Szene, so ganz beiläufig eigentlich, wenn er mit Iris fertig ist, geht er nochmal an Sport vorbei. Und Sport sagt, come back anytime, Cowboy. Und Travis antwortet, I will. Ich finde, das ist so eine ganz wesentliche Szene, die zeigt, eigentlich ist das sein Amoklaufplan.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ganz oft wird gesagt, Palantine zu töten ist der Hauptplan und dann macht er halt Plan B, weil das nicht klappt. Ich glaube, das ist der Hauptplan. Ich glaube, das ist das Töten, was er eigentlich machen will. Das passt ja auch viel mehr zu seiner Vorbereitung. Wiegel steht und sagt, redest du mit mir, hier ist sonst keiner, dann redet er ja mit einem Pimp und nicht mit einem Senator oder mit einem Präsidentschaftskandidaten.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Vom Ton ist das eher das, darüber habe ich nicht nachgedacht, aber jetzt wo du es sagst, stimmt das natürlich. Ich finde es interessant, diese Szene vorm Spiegel ist wirklich spannend. Spannend, weil das auch im Drehbuch nicht drin stand. Er steht vor dem Spiegel und redet mit sich selbst. Und was sie dann draußen machen, ist halt was anderes. Und man muss dazu sagen, er hat es zwar improvisiert, Aber wenn es heißt, dass Martin Scorsese irgendwas improvisiert oder was improvisieren hat lassen, dann bedeutet das in den Proben vorher, nicht beim Dreh. nicht so, dass sie dann irgendwie wirklich am Set stehen und sagen, oh, keine Ahnung, was machen wir denn jetzt? Das ist Das ist nicht Martin Scorsese. Der hat alles ganz genau geplant. Der ist auch einer derjenigen, der immer Storyboards bis ins kleinste genau ausarbeitet. Und genau reinzeichnet, wie das aussehen soll. Was übrigens auch eine Kunst für sich ist, über die wir noch reden können. Aber dann sozusagen den Schauspielern vorher in der Vorbereitung die Freiheit zu geben, okay, ihr habt die Texte, ihr wisst, wie es läuft, aber jetzt improvisiert noch ein bisschen dazu und wir gucken mal. ob wir was ins Drehbuch übernehmen. Und dann kommen solche Sachen zustande, die irgendwie... die so essentiell wirken dann am Ende im Endprodukt. Und dass das nicht im Drehbuch stand, ist so seltsam. Weil man denkt, aber das ist doch wichtig, das ist doch ein wichtiger Punkt, um die Figur zu verstehen, um... um seinen Plan zu verstehen, um zu veräußern, was da in ihm passiert. Ich weiß nicht, vielleicht funktioniert der Film auch ohne das, aber er ist so gut.
Florian Bayer: Den Punkt würde ich mal stark machen, dieses letzte vielleicht. Die Szene ist nicht notwendig. Die Szene ist einfach cool. Das ist eine fantastische Szene. Große Schauspielkunst von De Niro. Aber wenn es darum geht, Travis zu verstehen, finde ich, ist viel entscheidender, die Montage davor, wenn wir sehen, mit wie viel Präzision er diese Schiene vorbereitet, an die er die Waffe schnallen kann, um schnell ziehen zu können. Es ist viel wesentlicher, wie er seinen nackten Arm über den Herd hält, um sich zu stälern für den Kampf.
Johannes Franke: Was so dämlich ist.
Florian Bayer: Was ist das für eine Methode? Es ist viel wesentlicher, wie er vom Fernsehen sitzt und so nach und nach mit dem Stiefel dagegen drückt. bis der Fernseher dann umfällt. Wir sehen, hier ist der Kipppunkt.
Johannes Franke: Ach so, eine gute Szene, oder?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also das ist wirklich toll. Vor allem, weil jeder es kennt. Du kennst es als Kind. Hast du gemacht, oder? Nicht mit dem Fernseher, aber ja. Nicht mit dem Fernseher, aber so Sachen, wo man denkt, na, na, na, passiert das jetzt? Passiert das jetzt?
Florian Bayer: Total.
Johannes Franke: Wo ist der Kipppunkt?
Florian Bayer: Und das sind die wesentlicheren Szenen, wenn es um das Verständnis für den Charakter Travis Bigger geht. Ja. Auch wenn, diese Szene ist total cool. Die ist vollkommen zu Recht ikonisch geworden. Großartig De Niro, dieses Are you talking to me? Es ist einfach toll. Ja. Absolut nachvollziehbar, dass das zu den wichtigsten, größten Szenen der Filmgeschichte gehört. Aber wenn ich Travis verstehen will, könnte ich auf diese Szene verzichten und könnte dir 10 Szenen nennen, die mich mehr Travis verstehen lassen oder mir mehr von Travis geben als das da.
Johannes Franke: Aber weißt du was? Dieses Vorbereiten der Waffe ist eine sehr technische Sache. Und ich finde es wahnsinnig gut, diese Ergänzung durch die Menschlichkeit, seine oder seine sich langsam verlierende Menschlichkeit, dass er dasteht. Und diese Vorstellung davon, wie ist das dann, wenn ich vor dem stehe? und irgendwie provozieren will, dass wir jetzt und ich dann einfach easy die Waffe ziehen kann. Auch gerechtfertigt für mich selbst, weil es alles aufgeschaukelt ist und so. Und wie schaffe ich das, da hinzukommen? Und wie fühle ich mich... In der Oberhand. Über allem stehend. Are you talking to me? Was soll das?
Florian Bayer: Das Tolle ist ja, dass die Realität dieses Selbstermächtigungsfantasie ständig konterkariert. Den ersten Mord den er macht mit seiner Waffe, ist von hinten einem Ladendieb in den Kopf. Dann steht er hilflos vor der Leiche und sagt, Ich hab keine Lizenz für die Waffe und der Typ, dem der Laden gehört, das ist dann der, der die Kontrolle hat und sagt, hau ab, ich kümmere mich schon drum und dann nochmal draufhaut auf den Deal.
Johannes Franke: Verstörend, oder? Wie dieser Typ dann nochmal raufhaut und raufhaut und raufhaut. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und komplett entmenschlicht und man kann es sich halt einfach vorstellen. Ja, es ist einfach... Und es ist so, er sagt, oh, das ist schon der Zehnte diesen Monat oder so. Und es ist einfach so, wir sehen so viele Menschen, die ihre Menschlichkeit komplett verloren haben in diesem Film.
Johannes Franke: Das ist auch eine der Männerfiguren, die eben das so füttern von ihm, seine Weltsicht füttern.
Florian Bayer: Und er hätte auch gern diese Stärke, aber er hat sie nicht. Er hat sie in keinem Moment, auch wenn er dann schließlich zu seinem großen Shootout kommt, mit Sport redet. Und ihn dann erschießt, das ist ja auch so, okay, dann kann er einmal einen One-Liner da verbringen, sagt das, sagt er, glaube ich, oder sowas. Ja, genau, ja. Und das ist der einzige One-Liner, den er bringen kann. Und dann ist auch schon wieder sein Rampage ist halt doch nicht so cool, ermächtigend, wie er gedacht hat, weil er wird von vorne und von hinten angeschossen. läuft blutend da rum und stolpert da rum und es ist nicht so geil, wie er sich das vorgestellt hat. Und auch wenn er Betsy konfrontiert, wenn er ins Wahlkampfbüro geht und schreit, du lebst in der Hölle, er ist eigentlich ohnmächtig, er ist schwach.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und es ist die komplette Konterkarierung von dem, was er halt vorm Spiegel macht, wo er einmal... selbst ermächtigt sein kann. Und das ist der einzige Moment, wo er das ist.
Johannes Franke: Und deswegen finde ich die Szene ebenso wichtig, ne? Auch um zu verstehen, wie auch sein Verhältnis zur Welt und dem Verhältnis der Welt zu ihm, ne?
Florian Bayer: Was er gerne wäre, was er nicht ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Und seine Vorbereitung im Kopf auf das, was kommen soll.
Florian Bayer: Wie gesagt, großartige Szene. Aber ja, ich guck gerade durch, was für Szenen für mich ... Es gibt so viele tolle Momente. Du hast gesagt, Scorsese ist ein Meister der Inszenierung.
Johannes Franke: Hab ich das?
Florian Bayer: Nee, du hast gesagt, der Storyboard, der Vorbereitung. Es gibt so viele Szenen. die einfach Momente einfangen von Travis, die banal wirken, aber auf den zweiten Blick halt offenbaren, da steckt so viel von seinem Charakter drin. Wirklich so dieses Ding, was in dieser Szene stattfindet, mag wie eine Trivialität wirken, aber es ist total wichtig, um... Die Welt zu verstehen, in der wir uns befinden und vor allem die Welt zu verstehen, in der sich Travis befindet. Oder der Geisteszustand, in dem Travis ist. Sowas wie, wenn er... Wenn er im Café sitzt mit Betsy, das erste Date, und dann sagt sie ihm, naja, du erinnerst mich an diesen Songtext, an den Songtext von Chris Christopherson. Wo Betsy eigentlich mit ihm flirtet. Sie neckt ja ein bisschen. Und sie sagt, okay, he's a prophet, he's a prophet and a pusher. Partly truth, partly fiction, a walking contradiction. Das ist eigentlich so, sie neckt ihn ein bisschen, aber sie ist wirklich interessiert an ihm. Das ist übrigens auch ganz spannend, dass wir hier ein... Travis ist nämlich nicht nur der einsame Cowboy. Travis hat es geschafft, Betsy zum Date zu überreden und sie hat wirklich Interesse an ihm. Du guckst, als würdest du widersprechen.
Johannes Franke: Ich bin noch nicht so sicher, ob sie wirklich Interesse an ihm hat. Ich glaube, sie hat Interesse daran rauszufinden, was das für ein weirder Typ ist.
Florian Bayer: Na, auf jeden Fall, wie er dann drauf reagiert, ist so, I'm not a pusher. Er fühlt sich richtig angegriffen, man merkt, wie die Wut in ihm steigt. Das ist so eine banale Szene, eigentlich so ein kleines Missverständnis oder einfach, es ist ganz, ganz einfach inszeniert, es ist super, es ist ein Es ist großartig.
Johannes Franke: Es kommt gleich das nächste danach. Er sagt, one day I'm gonna get organized.
Florian Bayer: Dieser Blödsinn.
Johannes Franke: Dieser blöde Gag. Und sie kriegt es noch nicht so richtig auf die Kette, irgendwie zu reagieren. Und dann findet sie ein Comeback. und versucht irgendwie mit ihm zusammen so in den Rift zu kommen. Und es geht so in die Hose, weil es Dass sie sofort beleidigt ist, dass sie irgendwie ein Comeback hat. Und er muss immer in Kontrolle sein. Er muss der sein, der die Oberhand hat. Und das ist so offensichtlich in diesen Szenen. Ich find's so gut inszeniert und so gut gemacht, weil ich... Weil ich seine Awkwardness und seine Unfähigkeit mit Frauen irgendwie ordentlich zu interagieren, das so offenbar in diesen Szenen.
Florian Bayer: Die erste Frau, die er anspricht in dem Film, ist ja diese Bedienstete im Pornokino.
Johannes Franke: Die, glaube ich, seine Freundin ist, oder? Also das Schauspieler ist Freundin.
Florian Bayer: Das weiß ich nicht genau, aber sie ist auf jeden Fall die Hauptdarstellerin in einem späteren Scorsese-Film, auch mit dem Neuro King of New York. Da spielt sie seine Freundin. Und das ist ganz interessant, weil Scorsese ist ja jemand, der... immer dieselben Leute besetzt. Sein Team hat, mit denen er gerne dreht. Und genau, sie hat hier diese kleine Rolle als Dame, Bardame im Pornokino, die so routiniert damit umgeht, dass sie von nervigen Gästen vollgelabert wird. Sie hat genau ihr Programm. Lass mich in Ruhe. Soll ich den Manager rufen? Troy! Das ist groß.
Johannes Franke: Das ist super geil.
Florian Bayer: Wirklich, sie hat so eine Checkliste, die sie im Kopf schon durchgeht. Und ich finde es so awkward, Travis ist in seinen sozialen Interaktionen. Er hat in manchen Momenten einen gewissen Charme. Natürlich ist das einfach... eklig in dem Moment, weil er ist im Pornokino. Das ist einfach der falsche Ort. Aber offensichtlich funktioniert sein Scham bei Betsy. Ich meine, er geht da rein Also erstmal Kudos für diesen Mut. Er geht da rein, geht zu ihr und Er glaubt das ja tatsächlich. Jemand anderes würde das einfach nur als Spruch benutzen, um sie zum Date zu überreden. Aber es gelingt ihm, sie zum Date zu überreden. Und sie macht ein zweites Date mit ihm. Ich glaube, das ist schon ein bisschen mehr als reines Interesse.
Johannes Franke: Wie viel Recht hat er denn, wenn er sagt ... Ihr beiden Coworker hier, der Typ Tom und du, ihr habt keinerlei Chemie, das habe ich sofort gesehen, aber wir haben was.
Florian Bayer: Das ist natürlich kompletter Bullshit.
Johannes Franke: Das ist total krass.
Florian Bayer: Aber es überzeugt sie. Ihr Comeback ist in dem Moment. Ja, und er fragt sie, siehst du das auch so? Und sie sagt, ja, ich bin doch hier, oder?
Johannes Franke: Aber ich find's so ...
Florian Bayer: Natürlich, es ist total assi. Aber das ist ja auch diese Männlichkeit, das ist ja auch dieses Männlichkeitsbild, was der Film dann zeigt. Also das ist da, wo Scorsese sagt, ey, das ist mein feministischer Film.
Johannes Franke: Ja. Wie ist denn das einzuordnen, dass sie das sagt? Weil ich habe die ganze Zeit das Gefühl, es kann nicht wirklich... Ja, ernst sein. Ist das ein Coping-Mechanism als Frau, dass du dann sagst, ja, ja... Ist okay, stimmt, du hast recht. Solange ich hier wieder lebend rauskomme, dann gebe ich dir recht. Oder was ist das?
Florian Bayer: Ich glaube, sie hat genug von Typen wie Tom. Tom ist so ein bisschen der witzige Akademiker, Intellektuelle, der die ganze Zeit so eine leicht, also er ist nicht witzig, Aber er scheint die ganze Zeit so eine leichte Ironie in dem zu haben, was er sagt. Er sagt, soll ich jetzt den Männchen Party übernehmen und den Taxi verjagen? Also er thematisiert das ja auch, seine Rolle als Mann und man merkt, dass er so... Tom weiß, wie der Feminismus der 70er-Jahre aussieht und weiß, dass Betsy eine Feministin ist und weiß, dass Betsy irgendwie... eine gewisse Vorstellung hat, wie sich die Gesellschaft verändern soll und passt sich entsprechend an. Und ich glaub, von diesen Typen hat Betsy so ein bisschen die Nase voll grade. Und da ist so ein Travis, der reinkommt und wirklich mutig sagt, ey, ich glaube, Baby, ich hab das Recht, dich anzusprechen, weil bei uns ... Bei uns funktioniert eine Chemie und ich sehe deine Einsamkeit. Wir sind beide einsam. Das imponiert ihr tatsächlich, glaube ich.
Johannes Franke: Ja gut, wenigstens genug, um rauszufinden, was das für ein Typ ist und was sein Deal ist.
Florian Bayer: Sie geht zum zweiten Date mit ihm. Ja. Und abends. Also, sie geht abends zum zweiten Date. Ich finde, das ist schon mehr. Ferdis hätte Chancen bei Betsy, wenn er sie nicht ins Pornokino schleppen würde.
Johannes Franke: Ich finde... Wenn sie so tough drauf ist, hätte sie auch das Pornokino überleben können.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Dann hätte sie nicht rausrennen müssen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Du grinst. Aber ich sehe es auch so. Ihre Reaktion im Pornokino, finde ich, ist auch eher, ist nicht wie Betsy aufs Pornokino reagieren würde. Eigentlich nicht. Gehört eher zu den schwächeren Momenten. Weil Betsy ist eigentlich, Betsy ist cool, Betsy hat die Situation eigentlich meistens im Griff. Und wenn Betsy und Tom interagieren, ist sie ihm halt so haushoch überlegen. In jedem Moment.
Johannes Franke: Und ich frage mich die ganze Zeit, wie sich der Drehbuchautor das gedacht hat. Die hat ja keine einzige Line gehabt. Sie hätte nichts sagen sollen den ganzen Filmen über. Wie soll sie das erzählen?
Florian Bayer: Nee, Paul Schrader wollte das nicht erzählen. Das ist passiert. Das haben wir Sibyl Shepard zu verdanken. Weil die einfach die Betsy verdammt...
Johannes Franke: gut spielt.
Florian Bayer: Die macht es einfach total überzeugend und es ist wirklich ein Glücksgriff, dass sie dabei ist und vor allem, dass sie das Heft in die Hand genommen hat. genau ihre Rolle und gesagt hat, Leute, hier muss ein bisschen mehr passieren und sie hat Betsy als Frau gemacht, die dann ja auch der komplette Gegenentwurf zu dem ist, was Travis in ihr sehen will. Er sieht sie ja so als unschuldigen Engel. They cannot touch her. Sie ist das überhaupt nicht.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Sie ist voll abgedrückt. Und sie traut sich auch mit ihm abends wegzugehen und so weiter. Sie ist einfach nicht das, was er in ihr sieht und das macht diese Rolle so spannend. Ja. Hey, hier hast du ein Mensch, hier hast du eine echte Frau, die Gefühle hat, die Interessen hat, die stark ist.
Johannes Franke: Und ich glaube, da clasht halt das Drehbuch, das Ursprüngliche mit dem, was sie daraus machen möchte. Und sie hat natürlich Grenzen. Ja, es müssen Sachen passieren, wie zum Beispiel, dass sie eben aus dem Pornokine rausgeht dann. Und das ist halt schwach dann im Vergleich zu dem, was sie vorher draus gemacht hat. Ja. Und das Ende. Da habe ich schon ein bisschen Probleme mit.
Florian Bayer: Das finde ich aber auch nochmal stark. Das ist ja genau diese...
Johannes Franke: Warum interessiert sie sich für diesen Typen dann doch noch mal... der sie wirklich aufs Schlimmste beleidigt hat und schlecht mit ihr umgegangen ist.
Florian Bayer: Hat er sie aufs Schlimmste beleidigt? Er hat gesagt, du bist in der Hölle und du wirst daran sterben wie alle anderen hier oder so, wenn er seinen Ausbruch hat bei ihr.
Johannes Franke: Ja. Und was jetzt, was, was, was?
Florian Bayer: Das reicht nicht als schlimme Beleidigung.
Johannes Franke: Vielen Dank. Das ist so gefährlich in dem Moment. Also ich denke die ganze Zeit bei der Szene, ach du Scheiße, wenn den jetzt nicht jemand irgendwie wirklich rausbefördert, dann... Dann passiert richtig schlimme Sachen.
Florian Bayer: Sie hat keine Angst in dieser Szene, ne? Betsy ist in dieser Szene, cool. Und abgeklärt. Er kommt da rein, sie versteckt sich nicht, sie rennt nicht weg, sie sagt nicht, Tom, hilf mir! Sondern sie sitzt da einfach und hört sich das an und Tom ist dann quasi der, der... tatsächlich mal mutig ist und sich wirklich dazwischen stellt. Aber diese Szene wirkt nicht so, als ob sie das bräuchte. Da gibt es kein Bedrohungspotenzial für sie, weil sie die Situation so weit im Griff hat, dass sie das einschätzen kann und dass sie nicht als hilflose Jungfrau in Nöten wegrennen muss oder sich da irgendwie verstecken muss.
Johannes Franke: Ja, ja, ist richtig. Aber nur weil man sich nicht verstecken muss, muss man sich ja nicht... Also ich meine, ist ihr davon angetan oder was? Warum sollte man dann wirklich jemanden nochmal...
Florian Bayer: Ich glaube, sie findet Travis faszinierend. Und sie findet Travis so faszinierend, dass sie auch, selbst als er diesen Ausbruch hat, bleibt dann eine Faszination bestehen und deswegen fällt es ihr auch so leicht, am Schluss noch mal in sein Taxi zu steigen, jetzt ist er ja auch irgendwie ein Held, und noch mal irgendwie vielleicht nicht nur Frieden mit ihm schließen zu müssen, Es wirkt ja so, als würde sie eigentlich ganz gerne nochmal mit ihm ausgehen, oder?
Johannes Franke: Ja. Nein, ich weiß nicht. Ich finde es irgendwie schlüssig. Sie wird schwächer dadurch. Und das hat sie nicht verdient.
Florian Bayer: Ich finde sie... Ja, alle Personen in diesem Film sind irgendwie schwach. Es gibt in diesem Film keinen Lichtblick. Alle Personen sind irgendwie ... kaputt gezeichnet von der Welt, in der sie sich bewegen. Mal mehr, mal weniger. Und Betsy braucht auch ihre Haken. Und zu diesem Haken gehört, dass sie halt irgendwie von Travis angetan ist. Obwohl er ein Arsch ist. Du, ich bin dir so dankbar, und wir werden darüber jetzt nicht mehr reden, ich sag's nur einmal, dass du gar nicht erst anfängst zu sagen, das könnte ja eine Traumszene sein am Schluss. Es gibt nichts, was ich mehr hasse als grundsätzlich, als Interpretation von Filmen, die sagen, oh, dieser Teil ist übrigens ein Traum. Ohne, dass es irgendwie einen großen Hint darauf gibt. Und bei diesem Film finde ich es auch ganz schrecklich. Es ist kein Traum, das passiert alles. Punkt.
Johannes Franke: Ja, also ich meine, Scorsese und Schrader haben ja beide tatsächlich auch gesagt, das ist, hallo, nein, das ist kein Traum. Das passiert wirklich. Ich habe natürlich den Gedanken schon auch gehabt, muss ich sagen. Weil er da natürlich, er liegt da. blutet am Hals an einer weiten Stelle, wo du denkst, ja, okay, also der Halsschlagader, das... Das kannst du nicht überleben. Und dann ist die nächste Szene, wie ein Lobgesang auf ihn losgeht.
Florian Bayer: Das ist so großartig. Ich liebe dieses Ende.
Johannes Franke: Dieser Epilog ist so stark. Ich war wirklich schwer irritiert. Es ist so düster. Ja, natürlich, es ist total düster. Im Nachhinein ist es natürlich großartig, aber es ist währenddessen, während des Guckens, denke ich mir, was zur Hölle? What? Und natürlich ist genau das die richtige Reaktion. Das ist ja das, was man will, dass der Zuschauer denkt... Ja, was Medien dann auch aus Leuten machen. Und es gibt ja auch tatsächlich... Eine Einblendung, die Sie später beim Fernsehen und verschiedene andere Vorführungen, die später passiert sind des Films, gab es vorher eine Einblendung? Ich weiß nicht mehr genau, wie die Einblendung hieß, aber es war im Sinne von, manchmal ist es schwer für die Medien dann am Ende zu unterscheiden zwischen dem Täter und dem Opfer. Also es gibt Situationen, in denen es einfach plötzlich die Seiten wechselt. Und es war ein bisschen Seitenhiebe auch auf die Medien. die unter Umständen aus einem Täter einen Held machen. Und es war so ein bisschen die Sicherstellung, dass der Film... nicht so wahrgenommen wird als Lobgesang auf die Gewaltfantasie. Sondern dass klar ist, okay, der Film hat eine bestimmte Haltung. Dass es notwendig ist, das vorzuschalten, ist vielleicht nicht so gut, spricht nicht über den Film. Aber vielleicht fricht es auch nicht für die Zuschauer. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Das Ding ist ja dieses Ende, das wir haben, das wirklich so ein bisschen traumhaft wirkt. Weil dann auch wieder dieses... Zur Musik müssen wir gleich kommen. Dieses Saxophon einsetzt. Wir haben dieses Traumhafte in dem Film ja von Anfang an. Ich meine ja, die Eröffnungsszene, wenn wir diesen Nebel haben, durch den das Taxi fährt. Und dann diese Straßenaufnahmen, wo alles so verschwimmt in diesem Neonlicht. Ja. Der Film hat die ganze Zeit sowas Traumhaftes. Und das ist einfach auch dem Zustand geschuldet, in dem sich unser Protagonist befindet.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, wenn wir schon bei der Musik sind, Ganz am Anfang, in Zeitlupe, durch den Nebel dieses Taxi auf uns zukommt. Und erst mal bedrohliche Musik ist. Sehr bedrohliche Musik.
Florian Bayer: Bernard Herrmann. Ja, Horror, ne? Horror.
Johannes Franke: Und dann plötzlich Free Jest.
Florian Bayer: Und dann haben wir die ganze Zeit diesen entspannten Chess-Scroll.
Johannes Franke: Total krass.
Florian Bayer: Bernard Herrmann mit seinem letzten Film, kurz nach den Dreharbeiten, nachdem er die Musik gemacht hat, Wir können hier einen, muss man sehen, Podcastkreis schließen, weil Bernard Herrmanns erster Film war Citizen Kane. Citizen Kane. Wo er auch schon einen großartigen Soundtrack gemacht hat.
Johannes Franke: Das war wirklich krass, ja.
Florian Bayer: Und Teile von Taxi Driver vom Soundtrack wurden sogar noch fertig gemacht von jemand anderem, von Christopher Palmer. Der hat ... Es hat einfach noch ein bisschen was gefehlt. Und der hat das fertiggestellt. aber inspiriert auch schon von dem, was Herman gemacht hat. Und ich finde den Soundtrack in dem Film echt gut. Alter.
Johannes Franke: Ja, ja, der ist wirklich gut.
Florian Bayer: Also dieses ... Wir haben ja diese zwei Themes quasi. Zum einen das ... Das Jazzige, das fast schon Relaxte und Melancholische und dann immer diese Horrormomente. Horror ist das richtige Stichwort. Es gibt wirklich Momente, die wie Horror wirken und dann macht der Sound das auch. Wenn wir am Schluss fast diesen Gottblick haben auf das, was Travis angerichtet hat, und die Kamera fährt von oben über die ... Über die Leichten.
Johannes Franke: Wollen wir darüber mal kurz reden? In den 70ern war viel in New York einfach runtergekommen. Also so dermaßen runtergekommen, dass sie sich ein ganzes Haus leisten konnten, was sie da quasi gekauft haben oder weiß ich nicht genau, ob sie es geliest haben.
Florian Bayer: Gekauft wahrscheinlich.
Johannes Franke: Jedenfalls haben sie tatsächlich einfach mit diesem Haus machen können, was sie wollten und sie haben sehr viele Sets in dieses Haus gepackt. Also Wohnungen, was auch immer sie brauchten. Alles in diesem einen Haus, das tatsächlich einfach in New York stand, was runtergekommen war und dann haben sie für die letzte Szene. wochenlang die Decke bearbeitet, um dort ein Loch und eine Schiene reinzubauen, um vom Stockwerk drüber die Kamera von oben reinlegen zu können, damit dann diese Kamerafahrt von oben der Topshot passieren kann. Und ich wette mit dir, dass Scorsese eigentlich den ganzen Abspann in einem Continuous Shot machen wollte, aber nicht konnte, weil das irgendwie technisch noch nicht möglich Aber das ist so typisch für ihn und ich glaube, seine große Vision war eigentlich, keine Schnitte dazwischen zu haben. Er hat ja Zwischendurch dann diese Überblendungen und so weiter zum nächsten Set, wo dann irgendwelche Leute verblutend da liegen. Ähm. Er wollte das garantiert in einem einzigen Shot, aber er konnte halt nur diesen einen Raum abdecken und dann raus.
Florian Bayer: Und dann diese düstere, dröhnende Musik drüber. Sie haben ja alles so ein bisschen entsättigt. tatsächlich auch um der Filmzensur entgegen zu kommen. Weil wir befinden uns in einer Zeit, in der der Hays Code zwar nicht mehr so wirklich da ist, aber trotzdem gibt's
Johannes Franke: Es gab Schwierigkeiten. Sie hätten ein X-Rating bekommen, wenn das mit dem Blut so gewesen wäre, wie es aufgenommen wurde. Der arme Kameramann war sehr fertig mit den Nerven, als ihnen dann gesagt wurde, wir müssen das ändern, entweder rausschmeißen oder eben, was sie dann gemacht haben, entsättigen. Dass das Rot nicht mehr so durchkommt, nicht mehr so Horrorfilm rot ist.
Florian Bayer: Michael Chapman ist für die Kamera verantwortlich. Hat davor ein paar Filme gemacht, aber nicht sonderlich viel. Also gehört eigentlich zu seinen ersten großen Werken dann mit Scorsese weitergearbeitet, unter anderem bei The Last Waltz und bei Raging Bull wie ein wilder Stier.
Johannes Franke: Sehr, sehr gut gemacht, die Kamera, finde ich. Wirklich sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Es ist, was mir jetzt wieder aufgefallen ist, also ich habe den Film wirklich schon oft gesehen. Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen aus der Zeit, so New Hollywood aus der Ära. Es ist ein unglaublich dunkler Film. Gerade am Anfang, gerade diese Fahrten durch New York ist halt die zum einen entsättigte Bilder. Und zum anderen dann wirklich viel schwarz und man muss sich auch immer so ein bisschen orientieren. Aber dann gibt es so diese Momente, die heller sind, wo man dann sehr... sehr doll sieht, mit wie viel Präzision Bilder komponiert sind.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ganz banal. Diese Abschlussperspektive ist ja nicht die einzige Vogelperspektive. Wir haben öfter mal Vogelperspektiven, meistens auf Details, auf den Schreibtisch von Betsy. Auf die Waffen, bei denen sich Travis bedient und dann sagt, ich nehme sie alle. Auf Travis... Vorbereitungen auf sein Buch und so weiter und es sind wirklich gute und präzise Kameraeinstellungen, die einfach eine große Stärke mit sich bringen.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes... Ja, ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein! Shit!
Florian Bayer: ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-mussmann-sehen.de oder florian-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: 1,9 Millionen hat der Film gekostet.
Johannes Franke: 1,9 Millionen.
Florian Bayer: Es war ein Budget-Balance-Aktion ein bisschen und unter anderem, weil Robert De Niro gesagt hat, naja, mach mal nicht ganz so viel Geld, ich brauche das gerade nicht so dringend. War es überhaupt möglich, den Film zu bezahlen?
Johannes Franke: Ja, also sie hatten ja vorher schon Verträge gemacht. Also Robert De Niro hatte einen bestimmten Betrag, dann hat er den Oscar gewonnen, hätte Lock sagen können, gib mir mal bitte das Zehnfache. Hat er nicht gemacht. Hat gesagt, okay, ich bleib bei dem Betrag. Auch der... Der Drehbuchautor hat danach irgendwie ganz krasse Summen bekommen für Drehbücher und hat auch seinen Betrag für dieses Drehbuch runtergeschraubt. Sodass sie irgendwie auf das Budget kommen konnten, was ihnen eben gegeben wurde von der Produktion. Ich finde auch, dass man es dem Film volle Kanne ansieht, dass er kein hohes Budget hat, was dem Film aber hilft. Ja. Was dieses A, diese Noir-Attitüde mitbringt, was sowieso von der Aufstimme unterstützt wird und so weiter, aber eben einfach auch vom Bild her, von der Produktion her, vom Lied her. Ich habe auch ein kleines bisschen das Gefühl, aber vielleicht irre ich mich da auch, dass es im Filmstock zu sehen ist. Also der Film sieht nicht aus, als wäre das der krasseste Kodak, was auch immer. Also es ist, glaube ich, Kodak, aber es ist, glaube ich, eine alte... Ja, qualitativ weniger gute. Aber das sage ich nur von meinem Auge her, das habe ich nicht genau recherchieren können.
Florian Bayer: Es ist auch schwer zu sagen, weil ich glaube, das ist ein Film, der schon ein paar Restaurierungen erfahren hat. Das kann auch sein. Hast du ihn auf Amazon? Ich glaube, ich habe ihn auf Amazon geguckt.
Johannes Franke: Ich habe ihn auf Netflix.
Florian Bayer: Ah, Netflix, genau. Also ich habe ihn auf jeden Fall auf einem von den großen Streaming-Services geguckt. Genau, ja, ja. Eigentlich wirkt das Bild, das Bild wirkt rough. Wenn du das Bild weit siehst, es wirkt rough. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch ein bisschen restauriert ist. Genau, also wie du sagst, man sieht ihm so ein bisschen das Budget an und natürlich auch den Einstellungen, also sehr viel wurde gedreht, indem Martin Scorsese auf dem Rücksitz vom Auto kam. und Robert De Niro gefilmt hat, der vorne sitzt. Und der Kameramann war hinten im Koffer, äh, nicht der Kameramann, Der Tonmannsch war hinten im Kofferraum. Das ist großartig. Und dann sind die durch New York gefahren und haben einfach Aufnahmen gemacht.
Johannes Franke: Und es gibt auch ganz viele Menschen in diesem Film zu sehen, die nie beabsichtigt haben, in einem Film zu sein.
Florian Bayer: Wir haben sehr viele Straßenaufnahmen. Und es war im Sommer von New York, 1975 und es gab einen Streik.
Johannes Franke: Ja, der Müllabfuhr. Ja. Sodass der Film nochmal schmutziger aussieht.
Florian Bayer: Was dem Film echt zugutekommt. Du kommst aus New York. New York sieht nicht mehr so aus, wie es 1976 aussah, oder? So viel kannst du sagen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau. Also der Satz, du kommst aus New York, klingt so, als ob ich in Mirkeborn wäre. Und zwar 75. Nein.
Florian Bayer: Du kommst frisch aus einer New York-Reise.
Johannes Franke: Ich komme frisch von einer New York-Reise. Diese New York-Reise hat natürlich ein anderes New York gezeigt als... Als 1975. Aber ich muss sagen, es ist trotzdem noch sehr dreckig und sehr, sehr rough. Es ist schon noch so.
Florian Bayer: Ich dachte, New York hätte sich, was das betrifft, echt verändert, weil dann hat ja auch Giuliani hat doch ganz krass aufgeräumt Ja, ja, ja. Schmeißen wir mal alle Obdachlosen raus und verhaften alle Drogendealer.
Johannes Franke: Es gibt immer noch... Obdachlose, es gibt erstaunlich wenig Leute, die nach Geld fragen. Wir haben vielleicht so drei, vier entdeckt in 14 Tagen. Das ist weniger als in Berlin.
Florian Bayer: Ja, in Berlin. werde ich mindestens einmal am Tag gefragt, glaube ich.
Johannes Franke: Ja, aber Obdachlose durchaus und vor allem aber einfach, muss man sagen, nicht die sauberste Stadt.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und die Häuser sind einfach uralt und die Fassaden werden nicht jedes Jahr neu gestrichen. Das ist halt einfach nicht... Und dadurch, dass da einfach jeden Tag tausende von Autos durchrasen und einen Haufen Schmutz in der Gegend verteilen, Das schlägt sich alles an den Fassaden nieder. Das sieht einfach hässlich aus. Das ist halt einfach so. Obwohl die Architektur total spannend ist und total interessant und diese komischen Treppen von außen dran... die irgendwann verschwunden sind auch. Also die haben ein Gesetz irgendwann gehabt, dass dieses Fluchtding innen sein muss. Aber alte Häuser, die das außen hatten, durften es weiterhin behalten.
Florian Bayer: Es ist so schön, ich mag das total.
Johannes Franke: großartig aus. Du gewöhnst dich wahrscheinlich irgendwann dran, aber ich fand es bis zum letzten Tag großartig.
Florian Bayer: Hattet ihr bei euch sowas?
Johannes Franke: Ja, ja, überall. Es ist ja überall so. Alle Häuser, die älter sind als, ich glaube, 1960 gebaut, die haben sowas.
Florian Bayer: Und bist du einmal runtergestiegen, so komplett von oben nach unten? Nee, nee, nee. Hast du dich gar nicht drauf getraut?
Johannes Franke: Nee, von unserer Wohnung aus konnte man da nicht drauf.
Florian Bayer: Ach so, okay. Weil ich dachte, das ist ja eigentlich das Geil, dass du diese typischen Fenster hast, die du einmal hochziehst und dann machst du einen großen Schritt raus und dann bist du auf der Feuertreppe und dann kannst du im Prinzip runter bis in den Hof gehen, wenn du dich den letzten Sprung traust, beziehungsweise irgendwie komisch unwürdig runterhangeln lässt.
Johannes Franke: Nee, bei uns, bei der Wohnung gab es das so in der Form nicht. Aber ja, die Gegend ist voll von den Dingern, natürlich. Ja, aber es ist einfach schmutzig und man hat das Gefühl, dass man schon erahnen kann, wie das damals war. Es ist nicht so weit entfernt, dass man... Obwohl alle immer sagen, ja, es ist längst aufgeräumt und so weiter. Aber das sind vielleicht New Yorker, die sich drum gewöhnt haben.
Florian Bayer: Das kann gut sein. Die Eindrücke von diesem Schmutz in New York entsteht ja vor allem auch dadurch, dass die Menschen beobachtet werden von Travis. Das ist halt so ein bisschen das Ding. Wir sehen ja gar nicht so viele Gebäude, sondern meistens sehen wir so, alles verschwindet so in der Unschärfe im Hintergrund, dann sehen wir halt so zwei, drei Menschen, die er erblickt und dann ist es Auch immer gerade, wie er sich fühlt. Dann sieht er ein Paar, das miteinander flirtet, wenn er gerade verliebt ist, ein Betsy. Und dann sieht er aber lauter Prostituierte, wenn er sich Sorgen um Iris macht.
Johannes Franke: Mhm. Ja, krass.
Florian Bayer: Vielleicht noch als Funfact dazwischengeworfen, Easy Andy, bei dem Travis seine Waffen kauft.
Johannes Franke: Diese Szene ist so geil. Die Szene ist fantastisch.
Florian Bayer: Dieser Typ ist kein Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, eigentlich nicht. Also so Part-Time. Der hat schon ein bisschen auch gespielt, aber eigentlich nicht wirklich.
Florian Bayer: eigentlich war es ein Kumpel von Scorsese. Und offensichtlich wollten Schrader und Scorsese auch einen Film über ihn machen, weil der hat anscheinend schon ganz viel erlebt. Der war ex-Roady oder so und hat irgendwie auf Tour und Mitte 30. Und die haben sich ein bisschen Gedanken gemacht, ob er neben De Niro bestehen kann.
Johannes Franke: Aber er macht das wirklich großartig. Das ist wirklich, wirklich toll. Was ich großartig finde ist, dass er ihm, nachdem er dann wirklich einfach alle Waffen genommen hat, einfach dann noch vorschlägt, ja, ich könnte noch das besorgen, ich könnte noch das besorgen, wie wäre es mit dem Cadillac? Ja.
Florian Bayer: Er hat das Gefühl, er ist eine Geldquelle vor sich. Brauchst du Drogen?
Johannes Franke: Brauchst du ein Cadillac?
Florian Bayer: So random auch irgendwie.
Johannes Franke: Ganz, ganz tolle Szene. Und eine Sache, die mir noch aufgefallen ist, die... auch für diese Zeit ungewöhnlich ist, ist dieser plötzliche Sprung zurück im Monolog. Er hat einen Monolog. Listen, fuckheads. redet, redet, redet und plötzlich springt das Bild und der Monolog fängt von vorne an.
Florian Bayer: Ja, ja, ja, ich weiß, was du meinst. Es gibt mehrere tolle Nouvelle Vague-Momente in diesem Film. Ja, stimmt. Diese Wiederholungen, die so verstörend und desorientierend wirken. Wir haben ja auch ein paar Mal diese wirklich harten Jump Cuts, die einfach so... Es fühlt sich einfach teilweise sehr Nouvelle Vague inspiriert an. Das stimmt, auf eine gute Art und Weise tatsächlich. Ist ja auch ein New Hollywood Ding. Und ist in dem Fall halt sehr spannend, genau, weil es nicht nur Experiment ist, sondern weil es einfach passt zu dieser verrissenen, gespaltenen Persönlichkeit von Travis, dass die Orientierung fehlt.
Johannes Franke: Das fand ich total krass. Er meinte auch, dass das ihm alle abgeraten haben davon, diesen Schnitt zu machen. Weil der auch einfach ist völlig unüblich. Du hast doch eine Filmsprache, die irgendwie entwickelt ist, die gesetzt ist. Das ist nicht mehr wie so Novel Vague, wo man wirklich was Neues irgendwie so völlig, du hast plötzlich eine Kamera, die du in der Gegend rumtragen kannst. kannst und dann musst du eine neue Bildsprache dafür entwickeln. Es war alles klar und gesetzt, was man macht und dann macht der sowas. Also alle haben gesagt, um Gottes Willen, mach das nicht.
Florian Bayer: Das ist ja auch dieser letzte Shot, wenn noch einmal dieses Störgeräusch kommt nach dem Happy End Epilog. Das ist so verwirrend, weil es passiert so plötzlich, dass du denkst, oh, ich muss nochmal zurückspulen, was ist da passiert? Und Und dann siehst du erst, oh, er hat nur sein Gesicht im Spiegel gesehen, aber es hat offensichtlich gereicht.
Johannes Franke: Und dieser Sound, der da drüber ist, dieses Gebimmel, was rückwärts abgespielt wird, ist großartig. Sehr, sehr gut gemacht. Das ist auch der Punkt, wo dir klar wird, dieser Typ ist einfach eine tickende Zeitbombe. Der wird sich nicht bessern. Das nächste Mal wird er kein Held sein. Und auch diesmal, finde ich, ist er kein Held. Er wird jetzt irgendwie von irgendwelchen Leuten so dargestellt, aber eigentlich hat er immer noch zwei Leute umgebracht. Und ich frage mich, warum ist er nicht im Knast oder wenigstens in Untersuchungshaft?
Florian Bayer: Ist das der erste Moment der Selbstreflexion, wenn er in diesen Spiegel schaut? Weil er ist ja offensichtlich irritiert und erschrocken sogar.
Johannes Franke: Ja, man kann mehrere Sachen natürlich da rein interpretieren. Das ist ein interessanter Punkt zu überlegen, ob das ein Selbstreflektionsding ist. Kurz vorher ist er ja viel zu cool der Frau gegenüber. Also eigentlich müsste er ja in dem Moment sagen... So, jetzt kommst du also zurückgekochen. Jetzt will ich aber nicht mehr. Aber das macht er ja nicht. Er ist ja tatsächlich ziemlich cool und sehr souverän mit der Situation.
Florian Bayer: Er freut sich auch drüber.
Johannes Franke: Ja, aber nicht hämisch oder sowas.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht. Er freut sich wirklich darüber, dass sie ihm wieder Aufmerksamkeit schenken. Und wenn er dann auch sagt, dass er... dass sie nicht bezahlen muss für die Fahrt. Ich hab das nicht so long zu ihr, aber ich seh das gar nicht so als Abschluss, Wir sehen uns wieder.
Johannes Franke: Echt? So habe ich das nicht gesehen. Ich habe gedacht, dass er damit abschließt.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Vielleicht, ja.
Johannes Franke: Vielleicht ist es auch ein Fake-Out, keine Ahnung. Aber es ist auch nicht wichtig, weil wir ja in dem Moment sowieso ihn verlassen und nicht mehr wissen, wie geht es weiter. Uns ist eigentlich allen klar, dass das nicht gut ausgeht.
Florian Bayer: Ist das etwas, was er für Iris macht, gut? Ist er für sie der Held? Also für ihre Eltern ist das ja anscheinend?
Johannes Franke: Ja, nein. Vor allem nicht auf diese Art und Weise. Vor ihren Augen alles und Tod und Verderben. Ja, also sie ist völlig verstört und fürs Leben gezeichnet. Sowieso schon durch diese Prostitutionssache. Und dann auch noch das...
Florian Bayer: diesen elterlichen Brief von dem Vater geschrieben. Immer wenn ich den höre, habe ich das Gefühl, ich höre so ein bisschen den Unterton mit, warum sie abgehauen ist von zu Hause. Es muss ihr auch ein Punkt geben, warum sie auf der Straße gelebt hat. Stimmt. Und er rettet sie und sie wollte da nicht hin zurück, wo sie jetzt wieder ist. Wir wissen es nicht, der Film erzählt uns auch nichts, was uns das kurz anbieten würde. Aber wenn wir hören, wie der Vater ihm den Brief schreibt und irgendwie nochmal so die Grüße ausrichtet von... seiner Frau und von seiner Tochter und sagt, ey, wir können dich nicht besuchen, weil es ist alles so schwierig. Ich habe das Gefühl, sie ist in einem anderen Gefängnis gelandet. Ja. Und wer weiß, warum sie da auf der Straße war, was sie dazu gebracht hat, da auf der Straße zu landen. Es kann kein angenehmes Elternhaus gewesen sein.
Johannes Franke: Mhm. Das ist natürlich jetzt eine Unterstellung, die nicht genauer gezeigt wird, aber es ist tatsächlich ein interessanter Gedanke.
Florian Bayer: Sie will nicht gerettet werden. Er bietet ihr ihre Rettung mehrmals an, bevor er das dann selbst in die Hand nimmt. Und es gibt diesen einen Moment, wo sie zu ihm ins Taxi steigt, ganz am Anfang. Und sagt, jetzt fahr weg, so schnell wie möglich. Und dann wird sie ja von dem Typen rausgezerrt wieder und der wirft ihm den zerknüllten Zwanni zu. Aber danach, jedes Mal, wenn er sie fragt und versucht, sie dazu zu bringen, da loszulassen, sogar, da könnte er ja wirklich der Held sein, wenn sie sagen würde, ja, hilf mir. Und er geht mit ihr zur Polizei. Wunderbar, großartig.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber sie sagt ja, ich will da nicht weg. Krass.
Johannes Franke: Ja, und es muss natürlich einen Grund geben, warum. Wobei natürlich der Grund auch darin liegen könnte, dass sie einfach sehr abhängig in eine psychologische Abhängigkeit von Twimp gekommen ist. Dass sie einfach...
Florian Bayer: Sie ist zwölf, das ist so krass. Ich finde wirklich, wie Jodie Foster, wie diese Rolle der Iris gestaltet ist und wie sie von ihr gespielt wird, das tut wirklich im Magen weh. Weil das so krass ist, diese Mischung aus abgeklärter Prostituierter und dann ziehst du ständig dieses Kind durch. Das ist echt hart.
Johannes Franke: Ja, ganz, ganz gruselig. Ja und dann noch den Background von der echten Prostituierten, die sie dann noch aufgegriffen haben und mit reingebracht haben. von der sie auch sehr viel noch übernommen haben. Zum Beispiel dieses Toast, was sie mit Marmelade beschmiert und dann auch noch den Zucker drauf macht und so weiter. Das hat was mit der Heroinabhängigkeit zu tun gehabt von der Originalprostituierten. Die machte das, um da noch was... ihre Sucht noch irgendwie zu kontrollieren.
Florian Bayer: Ja. Zu Iris wird gar nicht viel gesagt, was Drogen betrifft, oder? Wird mal erwähnt. Also sie sieht... schon drogenabhängig aus, aber es wird nie thematisiert.
Johannes Franke: Wird nicht thematisiert, das stimmt. Das ist nicht Thema des Films.
Florian Bayer: Aber es ist überhaupt nicht schwer vorstellbar, dass sie heroinabhängig ist.
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich, klar.
Florian Bayer: Wollen wir mal einen harten Cut machen, so wie der Film auch einen harten Cut machen würde mit einem fiesen Geräusch und dann versuchen wir in unsere Top 3 zu springen.
Johannes Franke: Okay. Unsere Top 3. Wir sind in unserer Top 3. Was haben wir für eine Top 3?
Florian Bayer: Spiegelszenen.
Johannes Franke: Spiegelszenen.
Florian Bayer: Er hat gesagt, ach ja, machen wir mal so, weil ich hatte zuerst überlegt, Kält- oder Verbrecher? Aber ich habe das Gefühl, wir hatten sowas ähnliches schon mal.
Johannes Franke: Oh, das weiß ich gar nicht mehr.
Florian Bayer: Aber dann dachte ich, es gibt so viele schöne Spiegelzenen und Johannes, du freust dich bestimmt, was Kameraästhetik betrifft und so. Und dann habe ich festgestellt, es gibt so viele Spiegelzenen.
Johannes Franke: Es gibt wahnsinnig viele Spiegel-Szenen.
Florian Bayer: Und ich habe echt gekämpft, aber ich habe eine ganz tolle Szene als Platz 1.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann Platz 32. So ein bisschen random habe ich das Gefühl. Aber ja, schauen wir mal.
Johannes Franke: Also das Ding ist, Spiegelszenen sind gefundenes Fressen für Horrorfilme.
Florian Bayer: Immer. Ihr habt keinen Horrorfilm in der Top 3 und ich bin sehr gut drüber.
Johannes Franke: Vielen Dank. Ich hab einen, aber...
Florian Bayer: Und in Horrorfilmen sind sie auch meistens platt. Also es gibt natürlich auch unglaublich viele Platte-Spiegel-Szenen und das ist meistens so dieser Fake-Spiegel. Jumpscare, Badezimmer. Es sind immer die Badezimmerspiele. Dann machst du den Badezimmerschrank auf, machst die Tür wieder zu und dann steht da jemand hinter dir.
Johannes Franke: Tada.
Florian Bayer: Tausendmal gesehen. Wollen wir einfach reinspringen?
Johannes Franke: Ja, gerne, gerne. Springen wir rein. Bin ich dran als erstes?
Florian Bayer: Nein! Meine Liste, du musst anfangen.
Johannes Franke: Ich habe eine horrible Mention.
Florian Bayer: Ja, bitte.
Johannes Franke: Und zwar... Ah, welchen nehme ich jetzt als honorable mention? Ich würde gerne Mary Poppins anführen. die mit ihrer Reflexion zusammen irgendwie so gespräche.
Florian Bayer: Das denkert sie ihr zu? Die Reflexion oder so?
Johannes Franke: Ja, und sie ist dann sehr... Aufmüpfig, die Reflektion.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Toll, auf jeden Fall cool. Ich find's sehr, sehr süß. Unreal Mansion könnte ich noch reinschmeißen, weil ich keine Horrorfilme in meinen Top 3 haben wollte. Evil Dead 2. wo Esch mit seinem Spiegelbild interagiert und dann greift sein Spiegelbild ihn an.
Johannes Franke: Ach so, das Ding erst.
Florian Bayer: Ich tolle mich um das Comedy- und Horrorszene. Evil Dead 2 haben wir auch gesehen, haben wir drüber gesprochen.
Johannes Franke: Johannes fand ihn zum Kotzen.
Florian Bayer: Zu viel Splatter. Toller Slapstick-Film, finde ich.
Johannes Franke: Ich konnte nicht viel lachen. So ein bisschen, aber nicht viel. Ich hätte sonst auf Platz... Ne, eine andere Menschen noch. Und zwar... Hätte ich gerne Harry Potter angeführt, den ich im Buch, deswegen vor allem Honorable Mention, noch besser fand als im Film. Der Spiegel, vor dem man steht und seine Wünsche... Harry Potter sieht einfach seine Eltern aus.
Florian Bayer: Und es ist voll traurig, was Ron sieht.
Johannes Franke: Was Ron sieht? Was sieht Ron? Er ist Gewinner irgendwo, ne?
Florian Bayer: Er ist Harry.
Johannes Franke: Als Harry?
Florian Bayer: Nein, er ist nicht Harry, aber er sagt, ah, ich bin im Quidditch-Team mit und ich werde von Dumbledore ausgezeichnet. Das ist so deprimierend.
Johannes Franke: Fuck. Aber ich fand es beim Lesen damals einen ganz tollen Spiegel, ganz tolle Idee für einen Spiegel. Naja. Okay, Platz 3. Platz 3 ist bei mir Charlie Chaplin. Was sonst? Es gibt eine ganz tolle Spiegelkabinettszene in dem Film The Circus. Er rennt weg vor der Polizei. Das ist ja auch noch Extended-Zirkus, also mehr so Jahrmarkt-mäßig noch. Und dann rennt er da in einen Mirror Maze. Und das ist... Einfach großartig, weil er sich selbst da so ein bisschen erstmal orientieren muss. Dann kommt der Polizist dazu, versucht ihn zu greifen, greift aber in den Spiegel rein und so und dann gibt es halt irgendwie dieses Senat her. Ich liebe es.
Florian Bayer: Mein Platz 3. Memento aus dem Jahr 2000. Da wird ein Spiegel genutzt, sehr effektiv. um zu zeigen, wie er zum ersten Mal sieht, wie seine Tätowierungen aussehen. Memento ist ja der Film über diesen Mann, der Kurzzeitamnesie hat, sich immer nur so an die letzten zwei Minuten erinnern kann. Er hat seinen ganzen Körper tätowiert mit Informationen über sich und über sein Leben. Und das wird sehr effektiv relativ früh am Anfang gezeigt, wo er einfach eine Szene hat, in der er sein Hemd anziehen will. Und dreht sich um und guckt plötzlich in den Spiegel und dann sieht er erst die ganzen Tätowierungen, die er da hat, wo dann halt draufsteht, jemand hat eine Frau ermordet, du musst ihn finden, so ist der Name und so weiter. Klasse inszeniert.
Johannes Franke: Okay. Ich hätte als Platz 2 gerne Red Room.
Florian Bayer: Dein Horrorfilm. Mein Horrorfilm. Ah, Shining. Großartig.
Johannes Franke: Shining und das Kind malt auf die Tür... natürlich verkehrt rum, deswegen Red Room, Mörder. Und ich finde es super gelöst, also ein super Effekt für den Moment.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: Dass man über den Spiegel dann, dass die Frau, glaube ich, über den Spiegel das raus lesen kann.
Florian Bayer: unterlegt noch und es ist wirklich unheimlich. Und eine tolle Art im Horrorfilm Spiegel, ohne dass ein Gespenst im Hintergrund steht. Ja, genau. Und da kommt dann einfach nur diese Schrift und es reicht schon, um zu verstehen, oh fuck, Jetzt ist die Kacke am Dampfen.
Johannes Franke: Das Kind ist sowieso die ganze Zeit so gruselig.
Florian Bayer: Wir haben über die Fortsetzung von Shining geredet. Ja, stimmt. Über Doctor Sleep.
Johannes Franke: Ja. Fand ich ganz gut. Du fandst den nicht ganz so gut.
Florian Bayer: Nee, ich fand den eher so nahdurchschnittlich. Mein Platz 2, auch ein Film, über den wir geredet haben. Persona von Ingmar Bergmann. Unsere beiden Protagonistinnen sind vorm Spiegel. Und es wirkt fast so, als würden sie... zu einer Entität verschmelzen und sie eigentlich haben, es hat auch eine sehr starke sexuelle Komponente, wie sie da so... miteinander interagieren. Ich weiß nicht, schmusen ist das falsche Wort, kuscheln ist das falsche Wort. Sie reiben sich aneinander. Aber das klingt jetzt so zu pornografisch. Auf jeden Fall ist es... eine ganz merkwürdige, fast schon surreale Szene, wie sie so nebeneinander sind und in diesen Spiegel zusammen gucken und irgendwie so eins werden. Und Persona, ein sehr interessanter Film, Bergmanns Versuch einen Experimentarfilm zu machen, aber vor allem ein wunderbares Psychodrama.
Johannes Franke: Hört euch die Episode dazu an. Es war eine der ersten Episoden, wo mir Plor so einen etwas abwegigeren Film vorgeschlagen hat.
Florian Bayer: Und du warst okay damit, ne? Du bist ganz gut damit klargekommen.
Johannes Franke: Ja, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich damit so gut klarkomme. Okay. Ich habe auf Platz 1 eine eher technische Sache.
Florian Bayer: Birdman.
Johannes Franke: Und sie stehen mit der Kamera absolut parallel vor dem Spiegel und sehen, wie er sich halt im Spiegel sieht. Und die Kamera ist natürlich nicht da, sonst würde das die Immersion zerstören. Aber verdammt, fuck nochmal, wie haben sie es gemacht? Solche Sachen. Und ich finde bei Birdman, dadurch, dass es auch noch so ein One-Shot, also Fake-One-Shot, aber so ein Film ist, der darauf... basiert, ganz, ganz, ganz, ganz lange Shots zu haben, dass sie es irgendwie technisch hinkriegen, immer wieder vor diesen Spiegel zu treten und immer wieder ihn zu sehen und Und ohne, dass man selbst, dass die Kamera im Spiegel ist, ist so krass und so der Hammer. das irgendwie technisch hinzukriegen. Im Nachhinein haben sie es, glaube ich, rausgehält.
Florian Bayer: Ich denke auch, dass das viel CGI war dann am Schluss.
Johannes Franke: Aber krass. Und daran... Angehängt so ein bisschen honorable mention Black Swan. Gleiches Problem, gleiches Ding, aber eben der Horrorfilm, den ich nicht so richtig in der Liste haben wollte. Aber auch da spielt der Spiegel natürlich nochmal eine andere Rolle, weil sie selbst sich sozusagen, da gibt es einen Spiegel, Eine Szene, wo sie vorm Spiegel steht und wirklich dieser Crack im Spiegel plötzlich entsteht und man merkt, okay, jetzt spaltet sich das wirklich ab. Also ihr schwarzer Schwan.
Florian Bayer: Ich habe so ein ästhetisches Ding.
Johannes Franke: Ein ästhetisches Ding?
Florian Bayer: 20 Jahre nach Taxi Driver hat Jodie Foss seinem Film mitgespielt, der gar nicht zu meinen Lieblingsfilmen gehört, der aber eine wirklich krasse Spiegelszene hat, und zwar Contact von Robert Zemeckis. Ist so ein philosophischer, esoterischer Science-Fiction-Film. Es gibt eine Szene, in der nicht Jodie Foster selbst, sondern das Kind, das quasi Jodie Foster als Kind, Story ganz kurz angerissen, ihr Vater stirbt und braucht Medikamente. Und sie rennt die Treppen hoch zum Badezimmerschrank, wo die Medikamente drin sind. Und wir sehen eine Szene, in der das Kind von vorne gezeigt wird, wie es die Treppen hoch rennt. Also das Kind verfolgt quasi die Kamera, rennt um die Ecke, rennt um noch eine Ecke. und greift zur Kamera und dann sehen wir, dass die Kamera der Spiegel von dem Schrank ist, von dem Medikamentenschrank. Also es macht gar keinen Sinn, weil dieser Spiegel konnte ja nicht folgen. Also es ist einfach so ein Trick. Es ist einfach eine fantastische Szene. Es ist inhaltlich überhaupt nicht relevant, es hat keine tiefere Bedeutung. Ist einfach unglaublich gut gemacht. Also schaut euch die mal an, sucht nach Contact, Mirror Scene oder so. Ja. Dann findet ihr das. Es ist einfach geil gemacht, wie sie aus so einer Kamerafahrt plötzlich einen Spiegel machen. Und einfach eine nette ästhetische Spielerei ohne Sinn. Toll.
Johannes Franke: Schön. Ich habe davon auch gehört. Vielleicht habe ich es sogar gesehen. Aber auch nur diesen Ausschnitt.
Florian Bayer: Es ist auch wirklich das Beste an dem Film. Der Film ist nicht schlecht, der Film ist okay. Aber ein bisschen zu esoterisch, finde ich.
Johannes Franke: Okay. Na gut. Wir hatten eine Top 3.
Florian Bayer: Wir hatten eine wunderschöne Top 3. Eigentlich hatten wir zwei Top 3s. Wir sagen immer nur eine Top 3, aber es sind ja sechs Filme, die ihr hier empfohlen kriegt. Ich bin tatsächlich ein bisschen enttäuscht, dass du die Max Brothers nicht reingebracht hast. Ja, diese Daxi. Nicht Croucher ist...
Johannes Franke: Ich weiß nicht, welcher von den dreien.
Florian Bayer: Auf jeden Fall einer von den dreien und das ist ja so die berühmteste Spiegelzinn der Filmgeschichte. Ich habe sehr darauf gesetzt, dass du die bringst.
Johannes Franke: Ja, sowas ähnliches gibt es bei Chaplin übrigens auch. Habe ich beides nicht reingenommen, weil ich Chaplin schon drin hatte mit dieser Mirror Maze-Scene. und ich finde auch das immer ein kleines bisschen schwierig. Selbst Chaplin hat das nicht hundertprozentig hingekriegt, wie ich das sehen will als Zuschauer. Ich finde das immer ein Risiko und dieses Risiko... Mit zwei Leuten, also nur das zu erklären, zwei Leute stehen voreinander und tun so, als wären sie der Spiegel. Und dann gibt es immer Unsynchronitäten und immer so ganz kleine Dinge, die einem raushauen. Irgendwie, ah... Und dieses Risiko, weiß ich nicht, das kriege ich nicht. Nein, nein. Also es ist witzig, aber es ist leider, haut einen immer raus, dass es nicht ganz synchron ist. Das war...
Florian Bayer: Unsere... äh... Top... 3... Raus aus unserer Liste.
Johannes Franke: Raus aus der Liste, rein in den Film. Haben wir noch irgendwas zu sagen? Haben wir irgendwelche Themen noch zu beackern, die wir nicht geschafft haben, bevor wir zu unserem Fahrzeug kommen?
Florian Bayer: Sei noch einmal angemerkt, dass dieser Film wahrscheinlich der letzte große New Hollywood Film ist. eingeschlossen, also im Jahr 1976 eingeschlossen zwischen der Weiße Hai 1975, der offiziell das Block einleitet und Star Wars 1977, der dem Blockbuster-Kino zum großen Durchbruch verhilft. Und was für ein Abschluss für diese Epoche, für diese filmische Epoche.
Johannes Franke: Wie gut kommen wir damit klar, dass das wie wirklich, das haben wir schon gesagt, wie bei Fight Club ist? eine Zuschauerschaft findet, die man eher unsympathisch findet, um es mal vorsichtig zu sagen. Es gibt ja so viele Leute, die das auf eine bestimmte Art und Weise, männlich-toxische Weise feiern, diesen Film.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, das ist einfach ein Risiko. Also man kann es dem Film... Partiell vorwerfen? Das hab ich auch schon bei Fight Club gesagt. Man kann den Film nicht komplett davon freisprechen. Es gibt einfach, und das ist auch, Kriegsfilme haben das Problem am meisten, das was romantisiert wird, Antikriegsfilme. Das, was romantisiert wird, was eigentlich kritisiert werden soll, weil durch die Art der Inszenierung, durch Inszenierung entsteht immer eine Überhöhung. Du kommst da nicht raus. Inszenierung ist eine Überhöhung von Realität.
Johannes Franke: Und eine Ekonisierung unter Umständen, wenn du Pech hast. Oder eigentlich sowieso auf jeden Fall immer eine Stilisierung und damit eine Ekonisierung.
Florian Bayer: Und dadurch kommst du nicht drum herum, dass es eine ästhetische Begeisterung gibt, die entsteht, auch wenn Grausamkeiten gezeigt werden. Und dadurch entsteht natürlich auch eine Überhöhung von Gewalt und eine Romantisierung von Gewalt. Das kann sehr schnell passieren. Davon kann kein Film freigesprochen werden. Es ändert halt nichts daran, dass ein Film gut ist, wenn er gut ist.
Johannes Franke: Jaja. Ich glaube, wenn Taxi Driver heute gedreht worden wäre oder gedreht werden würde, würde der Film noch viel mehr Wert darauf legen, seine Haltung... klarzustellen.
Florian Bayer: Taxi Driver wurde heute gedreht. Joker aus dem Jahr 2000, lass mich nichts Falsches sagen, Fast sowas wie ein Remake von Taxi Driver.
Johannes Franke: Ja, naja.
Florian Bayer: Und Joaquin Phoenix als Travis Bigel. Ich finde, die sind sehr dicht aufeinander.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Wenn man den Film sieht, wenn man den Joker sieht, dann spürt man so oft die Inspiration durch das Kino des New Hollywood. 2019 von Todd Phillips.
Johannes Franke: Also ich meine, es gibt natürlich draußen viele Leute, die genau das mit sehr viel Hass verbreiten und sagen... Furchtbar, wie kannst du das doch einfach nur geklaut?
Florian Bayer: Nein, es ist nicht. Es ist eine Verbeugung. Aber es ist ziemlich einfach. eindeutig inspiriert.
Johannes Franke: Ja, es ist inspiriert, aber ich würde nicht sagen, dass es auch nur ein Ansatz von einem Remake ist.
Florian Bayer: Das ist natürlich viel zu polemisch. Aber was ich ganz spannend finde, wenn man die beiden Filme nebeneinander hält, Todd Phillips macht das Ganze tatsächlich, wie du gesagt hast, deutlicher seiner Haltung. Bei der Charakter, wenn Joaquin Phoenix spielt, Der Joker ist deutlich weniger ambulant als Travis Bigel.
Johannes Franke: Ja, also wenn, dann ist das ja eigentlich eher ein Remake von King of Comedy.
Florian Bayer: Ja, so beides ein bisschen. Gerade dieser einsame Mann mit Gott-Attitüde, das ist schon mit Gott-Komplex, das ist schon sehr Taxi-Triver. Ja, beides Robert De Niro, genau. Und was zum Beispiel der Unterschied ist beim Joker, Ist es so, dass der Protagonist nicht die Frau kriegt, also nicht mal ein Date mit der Frau kriegt, sondern sich einfach das in seiner Fantasie ausmalen muss? Was zum Beispiel seine Haltung stärker macht und einfach dadurch, dass wir wissen, dass es ein Superbösewicht ist, dessen Origin-Story hier erzählt wird. gibt es eine andere Dimension. Aber auch der Joker wurde von Leuten so rezipiert, dass sie begeistert davon waren. Und es gab ja tatsächlich diese Toxic Masculinity-Interpretation, dass die Leute gesagt haben, Hollywood will den Joker schlecht reden, deswegen gewinnt er auch keinen Oscar. weil die nicht wollen, dass ein Film gedreht wird, der in unserem Sinne ist.
Johannes Franke: Ähm, okay.
Florian Bayer: Naja, das sind dieselben Leute, die halt auch Taxi-Triber nicht verstanden haben und sagen, ey, ich bin wie Tyler Durden.
Johannes Franke: Okay, das heißt im Umkehrschluss, dass Toxic Masculinity immer mit... massiver Dummheit einhergeht? Naja, du musst schon ziemlich doof sein, um nicht zu verstehen, dass dieser Film das nicht gut heißt.
Florian Bayer: Ja, gute Frage, kann ich nicht sagen. Also ich kenne nur dumme Menschen, die toxisch maskulin sind.
Johannes Franke: die toxisch maskulin sind, aber...
Florian Bayer: Da muss ich auch drüber nachdenken.
Johannes Franke: Also persönlich, in meinem Umfeld gibt es nicht viele. Außer dich vielleicht. Ja.
Florian Bayer: Mach mir ein Sandwich. Okay, wo waren wir stehen geblieben? Genau. Wie fandst du den Film?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht ganz genau. Er hat so viele gute Sachen, aber irgendwie war er mir auch über Strecken ein bisschen egal. Ich weiß nicht warum. Vielleicht wegen meines Jetlag, aber inzwischen habe ich gedacht, Ja, ich weiß, inszenatorisch irgendwie cool und geil, es gibt viele tolle Sachen, aber irgendwie, ja, weiß ich nicht genau, ob der so andocken kann bei mir.
Florian Bayer: Das klingt fast wie so ein, der Gegenentwurf zum so bad it's good. Ja, ja, genau. Er war so good it's bad.
Johannes Franke: Naja. Weiß ich, ja, keine Ahnung.
Florian Bayer: Nee, aber kenne ich total. Ich habe das mal als Citizen Kane-Phänomen bezeichnet bei mir. Und dann habe ich Citizen Kane nochmal gesehen und festgestellt, dass der wirklich so gut ist.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Aber dieses Phänomen, dass man sieht, dass da alles gut dran ist und dass alles super inszeniert, super Musik, super Kamera, super Darstellung und dann Trotzdem macht es nicht Klick und man weiß nicht genau warum, aber das kann man sich ja einfach so stehen lassen.
Johannes Franke: Weißt du warum? Ich glaube, das ist genau das Thema, was wir gerade hatten, diese toxische Männlichkeit. Es interessiert mich nicht mehr. Ich will die nicht mehr sehen. Ich will diese Männer nicht mehr sehen, egal wie kritisiert das wird oder was auch immer. Ich will einfach gerne... Inzwischen Filme sehen, die eher ein Positivbeispiel in die Zukunft geben, als zu sagen, guck mal alter weißer Mann, der Privilegien zurückhaben will.
Florian Bayer: Du meinst, lieber anstatt Männern in ihrer Unfähigkeit sollten mehr Frauen in ihrem Empowerment-Moment gezeigt werden?
Johannes Franke: Ja, oder Männer.
Florian Bayer: Oder Männer, ja.
Johannes Franke: Also meinetwegen sehr gerne Männer, die irgendwie das besser machen. Weil wenn ich nur Frauen zeige, die es besser machen, hilft das den Männern nur schwer. Weil dann hast du wieder ganz viele Männer, die sich bedroht fühlen.
Florian Bayer: Sowas wie magische Tierwesen, um was ganz Banales zu nennen. Was? Weil du einfach einen männlichen Protagonisten hast, der so keine Arbeit leistet. ganz vielen Klischees widerspricht, die man hat von einem Helden in einem Film.
Johannes Franke: Zum Beispiel, ja. Genau und deswegen glaube ich, dass mich der Film dann nicht mehr abgeholt hat so richtig, obwohl er inszenatorisch total toll ist und es gibt wahnsinnig viele gute Ideen, wahnsinnig gute Kameras. Wahnsinnig spannend, psychologisch, aber irgendwie bin ich darüber hinweg.
Florian Bayer: Schade. Aber kann ich total nachvollziehen. Ich glaube, es ist mein Lieblingsfilm aus der New Hollywood-Ära. wenn ich so drüberfliege. Ich kann's total verstehen, wenn man heutzutage da auch nicht andocken kann. Es ist halt auch wirklich teilweise ... Schwer erträglicher Film. Nicht nur, weil die Themen sehr hart sind, sondern auch, weil die Perspektive sehr eigen ist. Einfach dadurch, dass wir halt die ganze Zeit durch diesen Blick von Travis stolz sind. und oft auch Repetitionen haben, immer wieder diese Taxifahrten durchs Nächte in New York.
Johannes Franke: Aber das fand ich wieder gut. Also ich fand tatsächlich diese Überblendungen sehr offensichtlich. Obvious choice, ne? Macht man natürlich, man hat so eine Nacht und so eine Großstadt und so und natürlich diese ganzen... Neon Science und so, das willst du alles ausschlachten. Und das haben sie auch ausgeschlachtet. Und das haben sie sehr, sehr gut ausgeschlachtet. Ich fand es tatsächlich im Schnitt... sehr, sehr gut gemacht, auch wenn es obvious war.
Florian Bayer: Es ist halt ein handwerklich echt starker Film. Vor allem auch für das Budget in der Zeit. Junge Regisseur, junger Drehbuchautor, die haben noch nicht viel gemacht. Die raufen sich irgendwie zusammen und dann kommt wirklich so was dabei heraus. Das ist schon krass. Große Legacy wird regelmäßig aufgelistet bei den besten amerikanischen Filmen oder bei den besten Filmen überhaupt.
Johannes Franke: Und wahnsinnig viel Einfluss auf andere Filmemacher einfach.
Florian Bayer: Ja. Okay, cool. Danke, Johannes, dass du den geguckt hast, trotz Jetlag.
Johannes Franke: Danke, dass du ihn vorgeschlagen hast. Wirklich eine Lücke in diesem Bereich und vielleicht füllen wir nach und nach. Ich bin ja meistens nicht so wahnsinnig dankbar, wenn du mir... Oh, jetzt hier noch der französische neue Film, was auch immer, der irgendeine geile Idee hatte, aber eigentlich langweilige Filme macht. Aber in diesem Fall.
Florian Bayer: Oh, das ist eine gute Idee für das nächste Mal. Nein! Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir das nächste Mal aufgibt, nämlich nächste Woche ist Johannes dran, dann bleibt noch kurz dran, damit ihr auch wisst, was ihr gucken solltet, bevor ihr bei uns reinhört, weil... Spoiler und so weiter. Ansonsten vielen Dank fürs Zuhören und euch eine wunderschöne Woche.
Johannes Franke: Bis dahin. Ciao. Okay, Plur, wir haben noch etwas für nächste Woche. Du hast angekündigt, dass ich was für dich habe, oder wie war das? Ich weiß es schon nicht mehr.
Florian Bayer: Ich glaube, wir haben was ganz anderes nächste Woche.
Johannes Franke: Wir haben was völlig anderes nämlich.
Florian Bayer: Wir haben einen Gast.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Und vor uns sitzt schon unser Gast und zwar Eugene.
Florian Bayer: Vom Indie-Film-Podcast, um das dazu zu sagen. Indie-Film-Talk-Podcast. Indie-Film-Talk-Podcast.
Johannes Franke: gleich den ersten Fehler gemacht. Was ist denn los? Das gibt es hier aber nicht.
Florian Bayer: Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um uns davon zu erholen. Das ist lustig, ich sitze jetzt eine Woche lang hier und warte, weil wir nehmen ja immer sehr live auf, das heißt ich bin jetzt gekommen. Nehme auf, flieg danach wieder zurück nach Honduras und dann komm ich nächste Woche wieder.
Johannes Franke: Du musst jetzt eine Woche in meiner Küche sitzen und mich jeden Tag unterhalten und mir Frühstück machen.
Florian Bayer: Und Frühstück machen, das mache ich.
Johannes Franke: Sehr schön. Was hast du denn für nächste Woche für einen Film für uns?
Florian Bayer: Gute Frage. Wir haben Ghost in the Shell. was wir uns nächste Woche angucken und doppel gucken wir uns an. Wir gucken uns die Animation an. Die von 1995 und dann zusätzlich noch den Realfilm, der von 2017, wenn ich mich recht entschulde.
Johannes Franke: Und die beiden schauen wir uns an und werden darüber reden. Großartig. Sehr schön. Vielen Dank. Dann bis nächste Woche.
Florian Bayer: Bis nächste Woche und euch noch eine schöne Woche.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao.
