Episode 148: Stand by Me – Stephen King der Romantiker
Dass Stephen King Verfilmungen nicht tief ins Klo greifen ist schon selten genug und dass der Meister selbst ausgerechnet die Besten am wenigsten mag (und vice versa) ist hinreichend bekannt. Stand by me aus dem Jahre 1986 allerdings scheint hier eine Ausnahme darzustellen. Sowohl Kritiker, als auch Publikum, als auch Stephen King waren unisono begeistert.
Plor verbindet damit eine Kindheit, aber Johannes hat den Film als Kind nie gesehen und fragt sich ob der Film über seine Nostalgie hinaus etwas zu bieten hat.
Wir sprechen über die (angehenden) Kinderstars, die tragischen Geschichten dahinter, über unsere Kinderfreundschaften und Johannes nerdet über Kameratechnik ab.
Die entsprechenden Top 3 steht unter dem Motto „Wanna see a dead body?“
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 148: Stand by Me – Stephen King der Romantiker Publishing Date: 2023-11-02T14:29:08+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/11/02/episode-148-stand-by-me-stephen-king-der-romantiker/
Johannes Franke: Millimeter scheinen sie davon zu trennen. Das Geile ist, dass der Kameramann natürlich die Kinder nicht in Gefahr bringen wollte und deswegen ist der Zug ganz, ganz hinten auf der Brücke und die Kinder ganz, ganz vorne auf der Brücke. Und wer den Film gesehen hat, hat die Totale gesehen und weiß, wie weit das voneinander entfernt ist. Aber wieso sieht der Zug überhaupt so aus, dass er direkt hinter den Kindern ist?
Florian Bayer: Sollen wir wirklich loslegen, Plur? Lass uns loslegen. Herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast. Und ich habe den Ukulelen-Song nicht gespielt, wo du letzte Woche gesagt hast, ich soll den spielen. Ja, dann musst du den jetzt nochmal eintrainieren und dann am Schluss spielen. Du musst ihn während dieser Episode, musst du ihn eintrainieren. Während wir sprechen, ja.
Johannes Franke: Plang, plang, plang, plang, plang. Ich glaube ja nicht. Stand By Me, funktioniert das gut auf Ukulele? Ich habe keine Ahnung. Ich habe einfach nicht die Woche über darüber nachgedacht und jetzt...
Florian Bayer: Könnte ich mir vorstellen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, ein Song, der offensichtlich ja auch ganz gut als klassischer Hollywood-Musikuntermalung funktioniert, wie wir am Anfang von dem Film feststellen, über den wir heute reden. Findest du, dass das wirklich funktioniert? Ich finde, das funktioniert voll. Ich finde, dass das überhaupt nicht funktioniert. Alter Mann, Johannes, gleich so ein Dauner zum Beginn der Episode. Ich komme in diesen Film rein und denke, was ist denn das für eine selbstsame Variante dieses Songs? Was ist denn da los? Ich kann den Film schon nicht ernst nehmen. Ich finde, das funktioniert voll und ich finde es total schön.
Johannes Franke: Herzlich willkommen hier zum Muss-man-sehen-Podcast, wo wir uns streiten, seit ich irgendwelche Filme an den Kopf werfen und sagen, du musst ihn jetzt gucken, ob du willst oder nicht und dann reden wir darüber.
Florian Bayer: Und ich habe diese Woche, Johannes, einen meiner großen Kindheits-Klassiker vorgeschlagen, den ich wirklich als Kind total gemocht habe.
Johannes Franke: Und ich habe sehr gehofft, dass ich so eine Magnolia-Sache bekomme von dir, die aber dann wiederum, weil ich damals deinen Lieblingsfilm nicht zerstören konnte, dass ich jetzt mal die Chance bekomme, um deinen Lieblingsfilm zu zerstören. Das war meine Hoffnung. Funktioniert leider nicht. Verdammt.
Florian Bayer: Der Film ist gut. Verdammt. Ich habe aber auch damit gerechnet, dass du den Film magst. Mist. Verdammt. Wir reden heute über Stand By Me aus dem Jahr 1986, eine Verfilmung von Stephen King und ich war wirklich überrascht, dass du ihn nicht kanntest. Ich hätte gedacht, du hättest ihn irgendwann mal gesehen.
Johannes Franke: Ich habe überhaupt nicht verstanden, was das mit Stephen King zu tun haben soll. Der Film ist doch kein Monsterfilm oder sowas.
Florian Bayer: Es basiert auf einer Kurzgeschichte, beziehungsweise etwas längeren Kurzgeschichte von Stephen King namens The Body aus dem Jahr 1982, die wiederum zu einer Sammlung gehört. Different Seasons. Genau. Frühling, Sommer, Herbst und Tod im Deutschen.
Johannes Franke: Wo auch ein weiterer Film entsprungen ist, oder? Ist da nicht Shawshank Redemption? Genau.
Florian Bayer: Shawshank Redemption, die Verurteilten, der auch ein sehr guter Film ist. Aber tatsächlich ist dieser Film, glaube ich, meine Lieblings-King-Verfilmung. Was umso überraschender ist, dass Stephen King auch sehr zufrieden war mit dieser Verfilmung.
Johannes Franke: Der war total begeistert. Der kam aus dem Screening, was er privat bekommen hatte von dem fertigen Film, ist er sofort rausgegangen, hat sich für 15 Minuten verkrümelt. Alle standen da, what? Was ist jetzt los? Und kam dann wieder und hat gesagt, Leute, das ist das Beste, was ich jemals hätte wünschen
Florian Bayer: können für diese Geschichte. Und normalerweise, Stephen King-Verfilmung, es gibt wenige gute Stephen King-Verfilmungen und ein guter Indikator dafür, wie stark die Verfilmung ist, ist, wie sehr Stephen King ihn gemocht hat. Je weniger Stephen King den Film mag, umso besser ist er.
Johannes Franke: Normalerweise schon, aber bei dem Film geht's einfach. Aber ich glaube, es hat was damit zu tun, dass es einfach kein Horrorfilm in der Form ist und keine Horrorgeschichte, vielleicht auch das Original ein bisschen mehr Horror-Elemente hat, aber auch nicht so darauf ausgelegt ist, sondern eher character-driven wirklich darauf aus ist, so eine nostalgische Erinnerungsgeschichte zu sein. Die Vorlage ist düsterer.
Florian Bayer: In der Vorlage gibt es auch definitiv mehr Ballast auf allen Figuren. Es gibt mehr Horrormomente, also mehr so einem Traum-Szenen und alle sterben am Schluss. Also alle sterben in der Nachgeschichte, im Epilog. Ja, genau. Was in der Verfilmung dann auch so ein bisschen aufgeweicht wird, aber ist auch gar nicht tatsächlich notwendig, dass die Charakter... Es ist emotional, finde ich, sehr stark, dass das eine von den Hauptfiguren stirbt, wie wir erfahren dann. Genau. Und die anderen beiden, naja, die sind dann vielleicht auch... Da ist es gar nicht so wichtig. Oh nein! Es ist nicht so wichtig, dass die sterben. Was soll's? Ob die sterben oder ob die überleben, weil das Thema des Filmes ja ist, dass die Freundschaft
Johannes Franke: dann irgendwann endet. Ja, das Thema des Films ist, dass Freundschaften einen eine Weile begleiten und das gar nicht so wichtig ist und ob die jetzt ein Leben lang bestehen bleiben oder nicht, weil sie einfach für den Moment wichtig waren. Und dass es Tage oder Phasen aus dem Leben einer Kindheit gibt, die man einfach ein Leben lang erinnert. Und wie David Bowie sagen würde, we can be heroes just for one day. Oh mein Gott. Oh, jetzt hast du mich erwischt. Verdammt. Du weißt genau, wie viel mir dieser Song bedeutet. Meine Güte.
Florian Bayer: Ich habe den Film mit meinem Sohn geguckt vor kurzem. Deswegen bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, ihn dir vorzuschlagen. Ach. Und der war emotional sehr berührt davon. Oh, wie schön. Und dann war ich im Büro und habe einem Kollegen gesagt, ey, ich habe den mit meinem Sohn geguckt, hat voll gut funktioniert. Und dann hat er den mit seiner Tochter geguckt und hat am nächsten Tag gesagt, ey, für die war das echt hart. Und zwar wirklich dieses Realisieren, dass Freundschaften nicht ewig halten. Oh nein. Dass sie dadurch in Tränen ausgebrochen ist. Dass das für sie eigentlich das Schlimmste war. Am Schluss dieser Epilog, wo er sagt, naja, und dann haben wir sie irgendwann immer weniger gesehen und dann waren sie nur noch Gesichter auf dem Schulhof. Und das muss sie richtig hart getroffen haben. Oh, das kann ich mir aber auch echt vorstellen. Das stimmt. Und das ist eigentlich das größte Universum, was man in diesem Alter kennt. Total. Man glaubt, das wäre für ewig. Gerade wenn es so schöne Zeiten sind und wenn man so viel Freude zusammen hat, so viel miteinander erlebt und so viel miteinander durchmacht. Ja. Und darum geht es natürlich auch so ein bisschen in dem Film, dass es halt wirklich krasse Momente sind, die das Leben prägen. Aber das heißt nicht, dass das so, wie es ist, für ewig hält, sondern dass sich alles weiterentwickelt und dass sich auch Menschen weiterentwickeln und auch eben auseinanderentwickeln.
Johannes Franke: Magst du einmal, damit wir das hinter uns haben, damit die ZuhörerInnen, die den Film vielleicht nicht gesehen haben, ein bisschen auf dem gleichen Papier sind, wie wir die Handlung so grob zusammenfassen? Ja.
Florian Bayer: Also im Mittelpunkt von Stand by Me steht eine Gruppe von Freunden. Vier junge Freunde, die offensichtlich schon sehr viel Zeit miteinander verbracht haben, so kurz vor der Pubertät sind, zwölf Jahre ungefähr. Und die erfahren, dass offensichtlich die Leiche von einem Bekannten von ihnen, also einem Mitschüler, irgendwo auf den Schienen liegen soll. Und daher beschließen sie loszuziehen, um sich diese Leiche anzugucken. Hintergrund, sie wollen berühmt werden. Sie wollen die Leiche ans Radio melden und wollen sagen, hey, wir haben sie gefunden. Und dann sind sie die Helden. Und da sie noch zu jung sind, um Auto zu fahren, beschließen sie an den Bahnstrecken entlang zu spazieren, was so eine Reise von zwei Tagen bedeutet. Und dort unterwegs erleben sie verschiedene Dinge, die sie auch ein gutes Stück älter werden lässt und die sie mit vielem konfrontiert, wovor sie davor die Augen verschlossen haben. Es geschehen Sachen, die die Konflikte innerhalb der Gruppe offenbar werden lassen. Aber auch den Zusammenhalt. Und es ist wirklich eine klassische Coming-of-Age-Reise.
Johannes Franke: Wenn man den Film nicht gesehen hat und diese Zusammenfassung hört, könnte man auch denken, oh, es ist ein Film über Eltern, die ihre Kinder suchen, die ausgebüxt sind. Aber nein, zwei Tage lang interessiert sich keiner dafür, dass diese Kinder weg sind.
Florian Bayer: Was ja auch tatsächlich daran liegt, dass alle Kinder haben echt ein gestörtes Verhältnis zu ihren Eltern. Und Eltern sind auch bei den meisten, erfahren wir es, wirklich nicht die besten Eltern. Wir erfahren von Gewalt, von Missbrauch, von Ignoranz, von wirklich Ablehnung, die in Mark und Bein geht.
Johannes Franke: Und das Tolle ist, dass wir uns wirklich über die Erlebnisse der Kinder und die Augen der Kinder erfahren.
Florian Bayer: Kommen wir doch mal zu diesen vier Kindern und auch zu ihren Darstellern. Wir haben hier nämlich wirklich vier Leute, die alle auf die ein oder andere Weise als Kinderstars und dann später auch teilweise als Erwachsene wirkliche Schauspielstars werden sollten. Als erstes haben wir unseren Protagonisten Gordi. Will Wheaton. Auch die Geschichte erzählt. Will Wheaton. Will Wheaton, bekannt aus Big Bang Theory. Big Bang Theory. Aus Star Trek Next Generation, der den Wesley Clasher gespielt hat. Der sehr viel Hate abbekommen hat, glaube ich. Ich mochte den immer.
Johannes Franke: Ja, also ich habe keinen Bezug dazu. Ich weiß es nicht ganz genau. Ich erinnere mich, dass es ihn gab, aber ich habe keine Verbindung zu ihm jetzt groß.
Florian Bayer: Ich fand den immer toll, weil der eigentlich der war, der man gerne wäre. Er war halt so das Kid Next Door, das es geschafft hat, auf der Enterprise zu landen. Er war als Jugendlicher in Star Wars oder hat da einen Jugendlichen gespielt. Er war schon, glaube ich, ein bisschen älter, als er das gespielt hat. Ja. Und er hat davor auch die Stimme von Martin in Secret of Nim, über den wir auch reden, gesprochen. Ah, stimmt, ja. Und genau Will Wheaton ist dann vor allem später bekannt geworden als Nerd-Ikone, weil er zu denen gehört hat, die nach dem großen, nachdem TNG vorbei war, das lief ja gut fünf Jahre, auf Conventions gegangen ist und sich so ein bisschen Namen gemacht hat in der Szene. Das war einer von denen, die halt da waren, um Autogramme zu unterschreiben und Geschichten vom Set zu erzählen und hat dadurch dann auch sehr halt in Big Bang Theory gelandet, wo er sich selbst spielt und ist dadurch endgültig so zur Nerd-Ikone geworden.
Johannes Franke: Wollen wir später ein bisschen darüber reden, was bei ihm so los war in seinem Leben oder, also wollen wir erstmal die anderen abhaken oder wollen wir gleich in Will Wheatons Tragik reingehen? Bitteschön. Also, die Bühne ist deine. Will Wheaton geht jetzt vor allem von einem Podcast oder von einer Interviewsituation zur nächsten, um darüber zu berichten, wie er in dieses Kinderstar-Ding hineingedrückt wurde von seinen Eltern. Es ist die Hölle, was der erzählt. Es ist wirklich gruselig. Seine Mutter war irgendwie auch Schauspielerin, hat nicht so wahnsinnig viel gedreht und hatte ihn irgendwann mal mitgenommen zu einem Casting. Und er hat überhaupt nicht verstanden, was da eigentlich vor sich geht, hat gedacht, ja okay, Eltern sagen, komm mit, dann komm ich halt mit. Und dann haben die irgendwie einen Job zusammenbekommen. Und danach hat sie gesagt, so, und jetzt gehen wir zu einem Agenten und dann kümmerst du dich darum, dann kümmern wir uns darum und dann machen wir das, das, das und das. Und er hat ihm sozusagen diese ganze Filmszene erklärt. Und er hat die ganze Zeit gedacht, ja gut, das ist meine Mutter, die sagt mir jetzt, wo ich lang gehen soll, so ist das im Leben. Hat aber immer wieder gesagt, ich habe keine Lust darauf, ich will das nicht, warum muss ich denn da jetzt unbedingt noch mit? Und wie man das so als Kind tut, wenn man keine Lust hat, in die Kirche zu gehen oder sowas. So dieses, okay, ich muss das jetzt, weil das gehört irgendwie anscheinend dazu, aber ich erzähle auch immer wieder, dass ich keine Lust darauf habe. Und in dem Fall ist es halt nicht in die Kirche gehen, sondern ein Kind einfach dazu zu zwingen, berühmtes Schauspielerkind zu werden, um die eigene Karriere, die nicht passiert ist, zu ersetzen. Und das war, das muss unglaublich schlimm gewesen sein für ihn. Und auch der Vater war keine Hilfe, der war auch echt problematisch und schwierig und die beiden waren ganz, ganz große, wie heißt das, Gaslighter. Die Mutter hat immer wieder gesagt, du wolltest Schauspieler werden, ich habe meine Karriere für dich aufgegeben, also machen wir das jetzt. Und er hatte nie, auch im Geringsten, das Bedürfnis, wirklich sowas zu machen. Er hatte Spaß am Set, meinte er zwischendurch auch, also auch bei diesem Film, aber eigentlich alles, was drumherum passiert ist, was alles zum Schauspieler-Sahsein dazugehört, auch diese Conventions und so weiter, die du erwähnst, das hat er so gehasst und er fand es so schlimm. Auch die Vorbereitungen und die Nachbereitungen, überhaupt nicht sein Ding.
Florian Bayer: Es ist so dark und es wird darker, wenn wir zu den anderen Schauspielern aus diesem Film kommen. Ja. Gehen wir, springen wir, wir gehen mal nach der Wichtigkeit in dem Film und dann kommen wir gleich zu einem der dunkelsten Kapitel, zu Chris Chambers, gespielt von River Phoenix. Ja. Die große Nachwuchshoffnung in den 80ern und vor allem Anfang der 90er, der durch diesen Film eigentlich bekannt geworden ist. Das war seine erste große, richtige Rolle, mit der er ins Rampenlicht geraten ist.
Johannes Franke: Und das ist der Film, an dem ich tatsächlich am ehesten verstehen kann, dass er diese Hoffnung war. In diesem Film ist er, also er trägt das alles unglaublich gut.
Florian Bayer: Vor allem, weil er so eine wichtige Rolle spielt. Die Rolle des Chris ist in der Vorlage etwas größer und da wird deutlicher, dass dieser Chris eigentlich seinen drei Altersgenossen ein gutes Stück voraus ist, weil er einfach viel weiser ist, viel mehr Durchblick hat, viel genauer sieht, was Menschen antreibt, wo Menschen ihre Probleme haben und das wird im Film auch umgesetzt. Und mehr Scheiße durch hat, ne? Und viel mehr Scheiße erlebt hat. Aber zu den Figuren kommen wir gleich noch.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: River Phoenix, große Schauspielhoffnung, wirklich großer Schauspieler, dann auch in Mosquito Coast unter anderem zu sehen danach. Und Running on Empty, wo er auch Preise und Nominierungen abgesahnt hat. Mhm. Und dann schließlich ein großes Hollywood-Ding als junger Indiana Jones im letzten Kreuzzug.
Johannes Franke: Wo er ganz gut war, aber für mich gar nicht so erklärt hat, warum der so die große Hoffnungsmaschine war.
Florian Bayer: Ja. Ja, Sneakers, auch eine tolle Rolle, aber halt auch keine fordernde Rolle. Über Sneakers haben wir auch in einer anderen Episode geredet, wo er den Nachwuchs-Ganoven spielt, den Hacker. Ah, ja, ja, stimmt. Und River Phoenix ist heute vor allem bekannt als einer, der dieses Leben über den Kopf gewachsen ist, weil er gestorben ist. Wahrscheinlich aufgrund von Drogenkonsum. Ja. Außerhalb von einem Nachtclub in L.A., wo er unter anderem mit Johnny Depp und Keanu Reeves gefeiert hat. Das waren halt die jungen Schauspieler, die miteinander befreundet waren. 1993 war das. 1993. Und er war heroinabhängig und er hatte auch viel durchgemacht. Und Joaquin Phoenix, über Joaquin Phoenix haben wir auch schon ein paar Mal geredet, ist ein älterer Bruder, der auch dabei war, als er gestorben ist.
Johannes Franke: Das ist so traumatisch für alle, die dabei waren und für ihn einfach, er hätte so, was da drin gewesen wäre, was da möglich gewesen wäre. Und ich kann mir vorstellen, dass so viele Leute, die ihn kannten, ob jetzt privat oder ob als Schauspieler einfach geschätzt haben, ich war in der Zeit nicht so, hab das nicht so mitbekommen. Aber jetzt retrospektiv denkt man so, okay, der hätte diese ganzen Rollen, die dann Leonardo DiCaprio bekommen hat und so weiter. Diese Riege, das wäre alles seins gewesen eigentlich. Das ist unglaublich, wo das hätte hingehen können.
Florian Bayer: Ich glaube, darum hat sich auch so ein bisschen so ein Kurt Cobain Mythos gespannt, weil er auch ungefähr um dieselbe Zeit gestorben ist. Noch so ein bisschen so der James Dean der Generation war, so vom Aussehen und Auftreten, der junge Rebell. Und dann hat er sich sehr gut so einreihen lassen in diese Riege der Leute, die halt sehr jung sterben und bei denen so viel Hoffnung bestand. Es wird noch düsterer. Corey Feldman als Teddy. Soll ich dir wieder die Bühne überlassen? Nein, nein, erzähl. Corey Feldman ist auch total jung schon zum Geschäft gekommen, hat mit drei Jahren in Werbespots gespielt und ist in zahllosen Werbespots und Shows aufgetreten. Hatte dann auch Filmauftritte schon Ende der 70er, in wirklich jungen Jahren. Und unter anderem nach Stand by Me in Goonies und Lost Boys zu sehen, hatte auch große Drogenprobleme. Und irgendwann in den 2000ern hat er angefangen, darüber zu berichten, was passiert ist bei diesen Filmdrehs. Und er wurde sexuell missbraucht zusammen mit seinem Freund Corey Haim. Der auch damals, die waren eigentlich so ein Traumpein vielen von diesen Filmen. Ich sehe die auch sehr, also ich habe damals die Filme mit den beiden gerne geguckt, weil die irgendwie zusammen auch so cool waren. Dieser Corey Haim ist früher gestorben und Corey Feldman hat dann erzählt, naja, wir haben echt Scheiße durchgemacht. Deswegen war ich auch drogenabhängig. Und sie wurden in den 90er Jahren, in den 80er Jahren offensichtlich mehrmals missbraucht an Sets.
Johannes Franke: Er war mit Michael Jackson befreundet, was schon auch einiges vermuten lässt. Und ich glaube, er hat das auch erzählt, oder? Ich weiß nicht, was er zu Michael Jackson gesagt hat. Ah, ich bin ja gerade bei Wikipedia. 2013 Feldman spoke out in defense of Jackson in the wake of the sexual molestation accusations.
Florian Bayer: Ich glaube auch dieses Ganze, also ich will dazu nicht viel sagen, weil ich so wenig drin bin. Ich habe das Gefühl, dieses Michael Jackson-Ding ist auch wirklich komplexer, als es zu reduzieren. Corey Feldman hat unter anderem, also ich weiß nicht persönlich, aber er hat in einer Dokumentation mitgemacht, wo es genau darum ging. Die dunkle Seite in Hollywood hat sexueller Missbrauch stattgefunden. Und da ging es unter anderem gegen Charlie Jean, der beschuldigt wurde, Corey Haim vergewaltigt zu haben. Fuck, Alter. Und Corey Feldman hat das auch nie ganz verarbeitet. Er hat Gott sei Dank in den 2000ern wieder so ein bisschen Boden unter die Füße gekriegt. Auch unter anderem dadurch, dass er sich damit auseinandergesetzt hat. Seine Karriere hat in den 90ern abrupt geendet, weil er unfassbar viele Drogenprobleme hatte. Und dann auch öffentlich aufgetreten ist unter Drogeneinfluss. Also in der Howard Stern Show war er offensichtlich krass unter Drogeneinfluss. Und dann war er irgendwie, galt er so als No-Go und keiner wollte ihn mehr einstellen. Und letzten Endes hat er damit halt auch einfach verarbeitet, was ihm passiert ist.
Johannes Franke: Und das muss wirklich schlimm gewesen sein. Du wunderst dich halt nicht über so einen Absturz, wenn du dann weißt, wo das herkommt, ne? Ja. Fuck, Alter.
Florian Bayer: Wir haben eine etwas positivere Geschichte. Und zwar der vierte im Bunde, Jerry O'Connell als Vern, der einfach relativ am Rande von Hollywood eine Karriere gemacht hat. In dem Film ist er auch so die kleinste Rolle. Und der vor allem in Fernsehserien aufgetreten ist. Ich kenne ihn vor allem aus Sliders dann später. Das war so eine Mystery-Serie, die im Gefolge von Act X rausgekommen ist mit einer tollen Prämisse. So ein bisschen eine Doctor Who-Premisse. Jerry O'Connell spielt den Nachwuchswissenschaftler, der ein Device entwickelt hat, mit dem man ein Portal in andere Dimensionen öffnen kann. Und er stolpert dann mit so einer wild zusammengewürfelten Gruppe von Leuten, stolpert er durch verschiedene Dimensionen und sie suchen den Weg zurück nach Hause. Und landen dann in einem Amerika, in dem die Kommunisten eingefallen sind und komplett von den Kommunisten beherrscht wird. Die Kommunisten, die Bösen. Sie landen in einem Amerika, in dem nie die amerikanische Revolution stattgefunden hat und deswegen ist alles monarchisch. Oh. Sie landen in teilweise schrägen Welten, teilweise witzigen Welten und erleben da Abenteuer. Ist ein bisschen trashig, die Serie. Ist halt vor der Zeit, als wirklich viel Budget in die Hand genommen wurde. Warum kenne ich diese Serie nicht? Würde ein tolles Remake hergeben. Ehrlich, wenn man sie heute guckt, wirkt sie so ein bisschen unfreiwillig komisch. Einfach, weil die Special Effects echt oll sind. Man sieht, dass sie wenig Budget haben, aber Großes erzählen wollen. Aber durchaus sehenswert und vor allem mit zu den Leuten, die mit ihm durch die Dimensionen fallen, gehört unter anderem John Rhys Davis. Den man kennt aus Indiana Jones als einen von den Indiana Jones Gefährten. Den Salazar oder so heißt der in Indiana Jones. Ja, das könnte der richtige Name sein. Der unter anderem auch den Gimli in Herr der Ringe gespielt hat. Oh. Man erkennt ihn nicht. Nein, man erkennt ihn nicht. Ja, genau. Jerry O'Connell auf jeden Fall hatte einfach, war nie vorne, aber hatte so in der zweiten Reihe dann doch genug Rollen. Und unter anderem in Scream 2 hat er auch mitgespielt, 1997. Und dann außerhalb dieser Gruppe unseren Antagonisten, Kiefer Sutherland. Der damals schon 20-jährige Kiefer Sutherland, Sohn von Donald Sutherland und Shirley Douglas.
Johannes Franke: Ja, damals noch absolut im großen Schatten von seinem Vater, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja, und ich meine, Kiefer Sutherland kennt heute zumindest aus unserer Generation jeder. Der hat ja mit 24 einen riesigen Hit gelandet mit dieser Serie, die auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat jetzt. Ach du Scheiße. 24 ist ziemlich alt, glaube ich. Und dann aber auch als Partner von Julia Roberts. Ah ja, stimmt. Die waren einer von den Stars, die man halt auch von den Klatschblättern aus den 90ern kennt, wo über die Beziehungsprobleme mit Julia Roberts berichtet wurde. Und dann unter anderem auch Lost Boys, Flatliners und große Filmkarriere, viele Filme gedreht. Ja, und genau, diese vier Jungs, also Will Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman und Jerry O'Connell spielen wirklich interessante Rollen. Diese Jungsgruppe ist einfach toll.
Johannes Franke: Man muss aber dazu sagen, dass einem sofort klar ist, wer wer ist. Ja, absolut. Es ist ja schon fast schon Stereotype zusammensetzt.
Florian Bayer: Total, und es nervt mich auch wirklich, dass in diesen Filmen mit Kindern immer ein Dicker dabei sein muss, der Bud of the Joke ist. Das nervt. Absolut. Es ist absolut überflüssig und ich finde es richtig doof. Und er ist ja gar nicht mal so dick. Nee, er ist nicht mal, aber es reicht schon. Also man sieht seine Physiognomie und weiß, ah, du bist der dicke Trottel in der Gruppe. Super.
Johannes Franke: Es ist auch der, der beim Pie-Eating-Contest herangezogen wird als Vergleich.
Florian Bayer: Ja, und es ist auch der, der am wenigsten eigentlich ausgebildet ist, weil ich finde, die anderen, die haben schon ihre Facetten, die über das Klischee hinausgehen. Also wir haben, genau, wir haben den Nerd gespielt von, also Gordy ist der Nerd, der von Will Wheaton gespielt wird, der Schüchterne, der eigentlich bei dem klar ist, der ist intelligenter, der kommt auch eher aus dem bürgerlichen Haushalt und der wird auf eine bessere Schule gehen, der wird die anderen nicht so sehen, der wird einfach, der wird wahrscheinlich später aufs College gehen, der hat eine andere Zukunft vor sich als seine drei Freunde.
Johannes Franke: Wir sehen es ja auch, weil wir ja auch den Erzähler vor uns haben, ne? Und der Erzähler ist erfolgreicher Schriftsteller.
Florian Bayer: Ja, dann haben wir Chris, der aus einer Familie kommt, die einfach einen sauschlechten Ruf hat und dem die ganze Zeit der Ruf anhaftet, auch Verbrecher zu sein und der uns aber präsentiert wird als jemand, der so sehr diplomatisch ist und sehr darum bemüht ist, den... Er ist verdammt loyal.
Johannes Franke: Er ist loyal, er ist auch hilfsbereit. Ja, total. Und er ist irgendwie derjenige, der am meisten Weisheit ausstrahlt von den dreien.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und der sich wirklich auch um die Gruppe kümmert, ne? Er ist der, der auf Teddy aufpasst, auf den Verrückten. Wir hören so irgendwann im Nebensatz, dass er offensichtlich mal Teddy das Leben gerettet hat, weil der fast gefallen wäre. Und der reißt ihn auch von den Bahnschienen, als dieser Teddy ziemlich suizidal unterwegs ist. Teddy, der Verrückte von den dreien.
Johannes Franke: Ja, Teddy ist... Also ich finde, dass die vier wirklich sehr, sehr gut gecastet wurden und man muss dazu sagen, dass alle sich einig waren, dass alle Schauspieler sehr nah an ihrem Charakter im Film gecastet wurden. Und man merkt es also gerade bei, man muss es sagen, bei River Phoenix ist das sehr nah, weil er der coole und draufgängerische ist. Und gleichzeitig der sensible Rebell, ne? Ja, also es ist schon krass, wie nah das dran ist. Und bei den anderen Figuren, da kenne ich die Schauspieler nicht so gut, aber da ist anscheinend auch wirklich sehr, sehr nah dran gewesen.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich, Corey Feldman echt gut von seiner Schauspielleistung in dieser Rolle des Teddy, der halt am Anfang vor allem, als der Ehre vorkommt, der einfach nur Quatsch machen will. Und dann sehen wir halt diese Momente, wo er doch unglaublich schnell gekränkt ist, unglaublich sensibel ist auch. Also zum einen dieser Punkt, wo er von Chris von den Schienen runtergezerrt wird und einfach sich so von oben herab behandelt fühlt. Und dann natürlich diese Szene, wo sie auf dem Müllplatz sind und sich mit dem Typen vom Müllplatz anlegen, vom Schrottplatz. Und der dann seinen Vater beleidigt und er reagiert so krass darauf.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Vor allem, weil ja eigentlich klar ist, dass er mit seinen Eltern echt große Schwierigkeiten hat. Und die Eltern wirklich, also gerade der Vater eben wirklich ein Loni.
Florian Bayer: Sein Vater hat ihm das Ohr abgesenkt. Er hat das Ohr erst komplett verbrannt, weil sein Vater das irgendwann mal im Wahn an den Ofen gehalten hat.
Johannes Franke: Und er schafft es nicht, diesen Schritt zurückzumachen, sondern fühlt sich persönlich angegriffen davon, dass der Typ seinen Vater beleidigt. Was Bände spricht über die Art und Weise, wie ihn die Familie darauf einschwört, auf die Familie, obwohl da ein Haufen Scheiße passiert. Die Psychologie dahinter natürlich auch irgendwie, wenn du verzweifelt versuchst, deine Wurzeln zu schützen. Du verzweifelst, versuchst sowieso überhaupt Wurzeln zu haben. Und das bisschen, woran du dich festhalten kannst, dann auch noch irgendwie beleidigt zu sehen, kann ich irgendwie voll nachvollziehen in dem Moment.
Florian Bayer: Ich glaube, er ist noch nicht mal so sehr von der Familie eingeschworen. Ich glaube, da gibt es auch nicht viel in seiner Familie. Also wir erfahren ja, sein Vater ist offensichtlich auch in einer Heilanstalt oder so. Und ich glaube, es ist wirklich, er versucht dieses Idealbild, was er von seinem Vater hat. Er erzählt ja auch immer vom Krieg, wie sein Vater im Krieg war und dass er in der Normandie war. Wobei man fast denken könnte, dass das auch nicht so richtig wahr ist. Das stimmt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir hier auch so unter, also der Film spielt ja in den 50ern, dass hier ein Kriegstrauma auch erzählt wird von dem Vater. Dass der einfach durchgedreht ist, weil wenn du am Strand in der Normandie warst, dann hast du wirklich Scheiße erlebt. Dann hast du wirklich die Leute reinweise sterben sehen. Und genau das ist dieses Ideal, was er von seinem Vater hat. Das versucht er halt auch aufrechtzuerhalten, weil er da wirklich, das ist so ein Anknüpfungspunkt. Sein Vater war eben halt auch ein Held, ist nicht nur der Verrückte. Und das macht halt auch kindliche Identität, definiert sich halt ganz oft ganz stark auch durch die Herkunft, durch die Eltern. Und natürlich ist das was, was du verteidigst. Da haben wir die vier Jungs. Lass uns noch ganz kurz was zu Wörn sagen, weil es ist halt wirklich traurig, weil Wörn so ein bisschen, Wörn kriegt keine Tiefe. Wörn bleibt eben dann doch dieses Abziehbild des Trotteligen, Dicken.
Johannes Franke: Ich glaube, das, was wir an Tiefe sehen, können wir in den kleinen Momenten zwischendurch irgendwie feststellen. Aber dazu muss man den Film öfter gesehen haben als einmal. Und ich habe ihn nur einmal gesehen und danach ein bisschen recherchiert. Aber ich glaube, er ist derjenige, der aus der ärmsten Familie kommt. Die kommen alle aus unterprivilegierten Familien, habe ich das Gefühl. Total. Beziehungsweise vielleicht Will Wheaton, also Gordi nicht.
Florian Bayer: Nee, nee, Gordi ist ein bürgerlicher Haushalt. Das finde ich auch macht eine unglaubliche Spannung auf. Und das ist ja auch so ein bisschen so ein Trope, was man öfter findet in Filmliteratur, der Intellektuelle, der mit den Arbeiterkindern spielt. Das finden wir bei Thomas Mann oder bei, keine Ahnung, Hermann Hesse. Hermann Hesse hat ständig Bücher über bürgerliche Kinder geschrieben, die Spaß daran haben, mit Arbeiterkindern zu spielen.
Johannes Franke: Naja, ich glaube aber, dass sozusagen unser Vern in den kleinen Momenten zwischendurch, wenn sie das Geld zusammensammeln und er dann wirklich nur so ein paar kleine Münzen rausholen kann und es auch echt wehtut. Daran sieht man das vielleicht ein bisschen. Außerdem fragt er dann, was ich ganz lustig finde eigentlich, dieses Bar for Rama, fragt er, musste der denn Gebühr bezahlen, dass er in diesem Wettbewerb dabei sein darf?
Florian Bayer: Das ist für ihn unglaublich wichtig.
Johannes Franke: Aber das erzählt vielleicht eben auch, dass er nicht so viel Geld hat zu Hause. Ich glaube, das soll auch ein bisschen erzählen, dass er ein bisschen dumm ist. Ja, ja. Aber warum kommt er auf diesen Gedanken?
Florian Bayer: Ja, stimmt. Kann man auf jeden Fall so sehen, ja.
Johannes Franke: Naja, aber das ist tatsächlich, es ist nicht viel, was wir von ihm bekommen. Das ist richtig, ja.
Florian Bayer: Aber es ist halt sowieso, also wir erleben natürlich viel auch zur Dynamik in dieser Gruppe. Wie agieren die zusammen und Vern und Teddy sind offensichtlich dicke und Chris und Gordi. Also da bilden sich schon diese zwei Gruppen innerhalb der großen Gruppe. Ja. Und es gibt ja schon so ein paar nette Momente zwischen Vern und Teddy, zum Beispiel mit diesem Ich drohe dir und wenn du zuckst, dann kriegst du eins auf die Schulter. Mhm, genau. Und dann auch, keine Ahnung, so ganz albern, wenn sie zu Lollipop zusammen auf den Schienen tanzen und das Geräusch machen. Das hat einfach was Nettes, weil es diesen Zusammenhalt in der Freundschaft zeigt. Man hat einfach so seine Insider, seine Running Gags, die ja auch zusammenschweißen.
Johannes Franke: Ja. Es ist ja so, dass Reiner, der Regisseur, Rob Reiner, dass der die vier Schauspieler erst mal zusammengeholt hat und mit denen gar nicht gedreht hat, sondern erst mal wochenlang mit denen in diesem Hotel gesessen hat und mit denen irgendwelche Spiele gespielt hat. Wie so Theater, Vertrauensübungen, blind durchs Hotel sich führen lassen, man lässt sich fallen, die anderen müssen ihn auffangen. Ganz viele Vertrauensschaffensübungen. Und ich finde, dass man dem Film durchaus ansieht, dass das einfach ein wichtiger Faktor war, dass die miteinander klarkommen und dass die miteinander ein Bonding entwickeln. Ja. Dass einfach, dass du als unerfahrener Schauspieler, wie Kinder nun mal sind, dass du nicht einfach produzieren kannst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sondern das muss einfach kommen, das muss erlebt werden.
Florian Bayer: Es wirkt auch sehr authentisch während des ganzen Films, wie sie zusammen agieren, wie sie zusammenhalten. Ja. Ich hatte eigentlich nie den, es gab nie den Moment, wo ich dachte, das wirkt jetzt gekünstelt oder das wirkt falsch oder ein bisschen steif, sondern man merkt schon, dass die, dass es wirklich wichtig war für den Film, unabhängig davon, wie es entstanden ist, dass die Figuren zusammen funktionieren. Und dass da eine Chemie stimmt und dass wir glauben, dass das beste Freunde sind seit wahrscheinlich fünf Jahren oder so.
Johannes Franke: Ja. Ja, ich glaube es ihnen total. Absolut. Die sind miteinander aufgewachsen, haben alles miteinander gemacht, scheiße durchlebt und so. Und stehen füreinander ein. Und was ich bemerkenswert finde an dem Film, weswegen der Film mich, glaube ich, auch packt, weil das, was erzählt wird, habe ich nie erlebt. Ich kann mich da nicht... Ja. Ich war auch ein ziemlich lonely, ein ziemlicher Loner. Ich habe eine beste Freundin gehabt und dann so ein bisschen hier und da noch. Freunde, mit denen ich Theater gespielt habe, aber das ging über das Theaterspielen fast nicht hinaus. Aber woran ich, glaube ich, anknüpfen kann, ist, dass die miteinander so sensibel umgehen, einander ihre Schwächen zeigen. Ja. Und auf die Schwächen so gut reagieren und so empathisch sind, dass ich da voll mit reingehen kann. Die versuchen alle cool zu sein, aber trotzdem können die voreinander weinen.
Florian Bayer: Auch hier ist wieder Chris der Vorreiter. Also wir haben die erste Szene, wo eines der Kinder weint, ist Chris, als er das erzählt, dass er dieses Geld gestohlen hat. Das Milchgeld. Und hat es dann, wollte es aber zurückgeben, weil er ein schlechtes Gewissen hat und hat es einer Lehrerin zurückgegeben. Und die hat offensichtlich das Geld benutzt, um was anderes zu machen, weil sie wusste, um sich was Schönes zu kaufen, weil sie wusste, dass Chris sowieso keiner glauben würde.
Johannes Franke: Das ist so krass. Das ist eine der eindrucksvollsten Szenen des ganzen Films, muss ich sagen. Das hat in dem ersten Take nicht unbedingt geklappt, vielleicht auch nicht im zweiten, aber Rob Reiner hat dann irgendwann hier River Phoenix zur Seite genommen und hat gesagt, wir machen mal Schauspielübung, nimm dir mal vor dein geistiges Auge etwas, was du wirklich erlebt hast. Du hast jemanden aus deiner Vergangenheit, musst mir nicht erzählen, was du dir ausdenkst, aber such dir jemanden, der tatsächlich als Erwachsener einmal dich herber enttäuscht hat, der eigentlich hätte für dich da sein müssen, aber sich dieser Verantwortung entzogen hat. Und es muss wirklich geholfen haben, es muss wirklich was Schlimmes gewesen sein, weil das, was ich auf dem Bildschirm sehe, ist absolut echt. Ja, das ist krass, wie ein Tränen ausbricht. Es ist so gut. Es ist wirklich, als ob er 20 Jahre als Schauspieler dahin trainiert hätte. Er ist wirklich gut. Ja, finde ich auch. Das ist eine starke Szene. Ja, ist unglaublich. Und die Geschichte, die dahinter steckt, ist natürlich auch sehr anrührend, weil er sagt, ja, mir glaubt mit dem Ruf, den meine Familie hat, den ich habe, glaubt mir einfach keiner. Ich habe eigentlich mit meiner Herkunft keine Chancen. Das steckt drin.
Florian Bayer: Und was ja auch einfach die Realität ist. Ja, absolut. Und das ist heute immer noch die Realität, wenn wir sehen, wie unser Bildungssystem funktioniert. Und wie es möglich ist, sozial aufzusteigen, beziehungsweise wie unmöglich es ist und wie schwer es ist, dann ist es genau das. Du kommst aus der falschen Familie, du hast den falschen Namen, du hast einen Ruf.
Johannes Franke: Und es wird unterstützt von dem, was er später oder früher, ich weiß gar nicht mehr genau, die zeitlichen Abfolgen habe ich nicht mehr im Kopf. Es ist so episodisch auch ein bisschen. Er sagt irgendwann mal, egal, was du als Kind quasi mit ins Leben bekommen hast, geschenkt bekommen hast oder was dir gegeben ist, das wird dir wieder weggenommen. Wenn du nicht einen Erwachsenen hast, der auf dich aufpasst und dir hilft.
Florian Bayer: Das ist in dem Streitgespräch mit Gordi. Als Gordi sagt, dass er nicht auf die höhere Schule will, weil er keine Lust hat, mit Pussys rumzuhängen. Er ist da ziemlich eindeutig, weil er sagt, das sind halt alles Schwächlinge, die Kinder aus besseren Häusern. Und dann ist Chris der, der sagt, ey, was redest du da für einen Scheiß? Du hast hier wirklich eine Gabe, du hast wirklich ein Talent. Diese Geschichten, die du dir ausdenkst, das ist toll und du musst das nutzen. Du hast da was geschenkt gekriegt und Gordi übernimmt einfach so eine Vaterrolle, weil Chris übernimmt einfach eine Vaterrolle für Gordi, weil Gordis Eltern ja offensichtlich gar nicht präsent sind.
Johannes Franke: Und es gibt auch eine flammende Rede darüber, dass seine Eltern nicht fucking in der Lage sind, sich einen Scheiß für ihn interessieren.
Florian Bayer: Genau, das ist eigentlich die tragischste Hintergrundgeschichte, die kommt aus dem gut bürgerlichen Haus. Nämlich Gordi, der immer im Schatten seines großen Bruders stand, gespielt von John Cusack. In einer kleinen Rolle. In einer wirklich kleinen Rolle. Sehr seltsam. Und dieser große Bruder ist beim Verkehrsunfall ums Leben gekommen und die Eltern kommen einfach nicht darauf klar. Aber offensichtlich haben sie davor auch schon ganz viel auf den großen Bruder gehalten und Gordi mit seiner Lust am Geschichten erzählen nie wirklich verstanden. Und er sagt, er ist The Invisible Man für eine Anspielung auf diesen Comic. Und er läuft wie ein Unsichtbarer durch dieses Haus und wird von seinen Eltern ignoriert. Und wenn sie ihn ansprechen, geht es darum, warum er nicht so sein kann wie sein großer Bruder.
Johannes Franke: Ja, ich finde es ein bisschen platt erzählt, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Oh nein, tu mir das nicht an. In den Rückbänden. Ja.
Johannes Franke: Die Szenen, wo die Eltern tatsächlich zu sehen sind und wirklich da sind.
Florian Bayer: Ich finde es schön, dass sie erzählen, dass sein großer Bruder echt für ihn auch da war. Also es macht das natürlich nochmal viel tragischer, dass sein großer Bruder nicht so ein arroganter Sack war, der sich in der Bewunderung seiner Eltern gebadet hat, sondern der versucht hat, seinen kleinen Bruder auch hochzuheben.
Johannes Franke: Absolut, ja.
Florian Bayer: Und ja, vielleicht ein bisschen.
Johannes Franke: Weil das, was sie sagen, ist wirklich nur auf das abgestellt. Und das, so wie sie sich mit ihm umgeben, irgendwie, weiß ich nicht, das ist so puppenhaft hingestellt. Ja, vielleicht, ja. Ja, naja.
Florian Bayer: Es macht uns halt wirklich verständlich, warum der Verlust so krass ist zum einen von dem Bruder und zum anderen, warum Gordi quasi auf gleich zwei Ebenen drunter leidet. Zum einen, weil er von seinen Eltern jetzt komplett ignoriert wird, wo vorher einfach nur so eine leichte Ignoranz war und zum zweiten, weil er halt einen ganz wichtigen emotionalen Stützpfeiler in seinem Leben und einen wichtigen sozialen Stützpfeiler in dieser Familie verloren hat. Ja. Gordi, der Geschichtenerzähler.
Johannes Franke: Es ist so, also Barfarama ist einfach legendär, muss man sagen. Wie finden wir die Geschichte von Lard Ersorgen? Es ist ja so komisch reingepflanscht fast in den Filmen. Und er hat ja auch fast gedacht, dass er den wieder rausnimmt, den Teil, also unser Regisseur.
Florian Bayer: Es gibt in der Vorlage offensichtlich noch mehr Geschichten, die er erzählt, noch mehr Geschichten, die von ihm kommen, von Gordi.
Johannes Franke: Aber es ist natürlich eine tolle Geschichte und man sieht dann natürlich sofort, was damit gemeint ist, dass er derjenige ist, der sich die Geschichten immer ausdenkt und es ist vielleicht nicht alles perfekt und das Ende ist nicht zufriedenstellend für die anderen.
Florian Bayer: Es ist ein tolles Ende. Er erzählt die Geschichte wie ein professioneller Geschichtenerzähler. Jeder professionelle Geschichtenerzähler würde genau an dieser Stelle enden lassen und die anderen Jungs kommen darauf aber nicht klar. Sie sagen, da muss doch noch was passieren, da muss doch noch ein Epilog geben, da muss doch noch irgendwas mit Gewalt oder so.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Das ist so süß. Aber er macht das sehr, sehr gut und das ist toll. Die Geschichte ist super erzählt und die Geschichte ist auch so inszeniert auf der visuellen Ebene, dass ich einfach dieses Fantasieding habe und die kotzen nicht realistisch, sondern es ist halt einfach so einen riesigen Strahl und man sieht die Technik dahinter und es ist einfach nur drüber.
Florian Bayer: Das ist die Geschichte von einem Zwölfjährigen, der nicht genau weiß, was Goofy ist, das gerne wissen würde. Und das ist glaubwürdig und das ist eine gute Geschichte von einem Zwölfjährigen. Wenn ein Zwölfjähriger so eine Geschichte erfinden kann, dann ist er einfach gut. Dann kann er verdammt gut Geschichten erzählen. Und natürlich ist das so ein bisschen Stephen King, der in dieser Figur drin ist. Der ewige Geschichtenerzähler, der sich halt auch als Kind alles mögliche ausgedacht hat und verschiedene Geschichten geschrieben hat. Und ich finde es gut, dass sie das in der Mitte drin haben. Ich finde es auch gar nicht so unpassend, weil es irgendwie ein witziger Moment ist, nochmal ein witziger Moment des Beisammenseins. Und ja, wir werden in dem Moment komplett rausgerissen, aber wir werden so ein bisschen in dieses Unschuldige reingezogen, von was sie halt eben doch noch haben. Die Geschichte hat auch keinen großen emotionalen Ballast, obwohl es um Mobbing geht. Es ist einfach nur die Geschichte von einer witzigen Racheaktion, die mit viel Kotzerei zu tun hat. Alles, was Kinder mögen.
Johannes Franke: Aber es ist auch schön zu sehen, dass er sich eine Randfigur nimmt. Dass er sich jemanden nimmt, der aus einer Minorität heraus sagt, ich räche mich jetzt nicht. Und das spricht natürlich Bände für seine Erfahrungen und aus der Richtung, aus der er kommt. Das beliebte Kind in der Schule hätte sich eine andere Geschichte ausgedacht.
Florian Bayer: Und das ist ja auch so ein Trope, was Stephen King sehr gerne benutzt, die Außenseiter, die Kinder, die Außenseiter sind. Und das bekannteste ist halt aus Es, wo er in einem Horrorfilm auch diese Konstellation von Freundschaft, sehr ähnlich wie in diesem Buch oder in diesem Film erzählt, wo er auch diese Gruppe hat von Kindern, die von älteren Kindern geärgert werden und gequält werden, noch Schlimmeres. Und die sich irgendwie zusammenfinden und dann als Club der Verlierer zusammen unterwegs sind. Nur halt, dass sie da nicht losziehen, um eine Leiche zu finden, sondern gegen einen menschenfressenden Clown kämpfen.
Johannes Franke: Lass uns mal so ein kleines bisschen darüber reden, wie plausibel oder wie gut wir diese Plot-Devices finden. Die Leiche meinst du? Zum einen die Leiche, zum anderen die Gang, die die ärgert. Ich weiß nicht genau. Also es ist ein kleines bisschen drüber, finde ich, was die alles machen. Ich kann voll nachvollziehen, dass dieses Spiel spielen mit den Briefkästen, die sie weghauen und so. Das garantiert, ich kann mir super vorstellen, dass das Gangs in dieser Gegend machen. Die haben ja sonst nichts. Also es scheint ja wirklich eine Kleinstadt zu sein. Und ich finde auch, dass es wichtig ist, dass diese Gang einmal als negatives Vorbild da ist. Das wird aus diesen Jungs, wenn die sich nicht darum kümmern, aus diesem Stadt rauszukommen oder irgendwie in etwas Besseres hineinzuwachsen. Das ist die Zukunftsaussicht. Das ist gut, dass es da ist. Aber dass die so mit Morddrohungen und mit allem und das nicht nur irgendwie so dahin gedroht und so halb im Scherz, sondern richtig ernsthaft mit Messer zücken und ich bring dich um, wenn nicht jemand dazwischen geht. Ja. Das finde ich zu viel.
Florian Bayer: Aber er hätte ihn ja nicht umgebracht. Er hätte ihn extrem vermöbelt und hätte ihn wahrscheinlich auch mit dem Messer verletzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ja, in der Geschichte, in der Vorlage wird erzählt, dass sie alle vier verprügeln. Ja. So nach und nach dann irgendwann catchen und dann sich quasi rächen dafür. Das heißt, jeder von ihnen kriegt nochmal für diese Geschichte aufs Maul, dass sie sich mit denen angelegt haben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann, was ich wirklich schade finde, dass es im Buch unterschlagen wird, Ace, der Anführer der Band, der coole Gangster. Buch erzählt Gordi dann noch so im Epilog, dass er irgendwann mal Ace wiedergesehen hat. Der ist nie aus der Stadt rausgekommen und ist Alkoholiker und hat irgendeinen lausigen Job. Ja. Und genau, das ist toll, weil das natürlich auch die Zukunft ist von diesen Halbstarken. Die glauben, die Mordsrebellen zu sein, aber in Wirklichkeit halt wirklich dieses typische Halbstarken-Programm der 50er-Jahre abziehen. Und das ist klar, die werden halt alle da in dieser Stadt hängenbleiben. Ja. Und wenn sie Glück haben, eine Familie gründen können und wenn sie Pech haben, halt irgendwie so auf der Strecke bleiben da. Ja. Ja, sie sind drüber. Gebe ich dir auf jeden Fall, definitiv. Es ist ja auch, Kiefer Sutherland ist halt auch älter, ne? Der ist 20, als er das spielt, im Gegensatz zu den Kids. Er ist nicht mehr so ganz glaubwürdig als Teenager. Er ist doch ein bisschen zu bärtig und ein bisschen zu groß, finde ich.
Johannes Franke: Ja, aber wie alt soll er denn sein? Ich weiß gar nicht, wie alt er sein soll. 16, 17 maximal. Ey, verstehe. Und dann ist er wirklich ein bisschen zu alt.
Florian Bayer: Weil ich glaube nicht, dass ein 20-jähriger, so ein 20-jähriger Kleinstadt-Ganoven sich noch mit dem Zwölfjährigen abgeben würde,
Johannes Franke: um sie zu ärgern. Das ist aber auch das, was ich die ganze Zeit denke. Schon beim ersten Mal, die erste Begegnung ist schon ziemlich crazy. Mit der Zigarette? Mit der Zigarette, die er daran hält ans Gesicht. Wo ich denke, warum sollte der denn sich damit überhaupt abgeben? Was hat er denn davon? Also ich meine, natürlich fühlt man sich dann in einer Machtposition und so, aber so Zwölfjähriger, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Aber wie du gesagt hast, es ist halt, sie langweilen sich, sie haben nichts zu tun. Und offensichtlich ist die Gang ja auch durchseucht von den älteren Brüdern, von unseren Protagonisten. Also der, der in dieser, das finde ich übrigens richtig hat, der in dieser Szene dabei ist, ist ja der ältere Bruder von Chris. Ja. Und der macht nichts dagegen, ne? Der steht Chris seinem jüngeren Bruder nicht bei, sondern ist halt einfach in dieser Gang drin und lässt Ace machen, was auch immer er vorhat. Ja. Und dann kriegen wir ziemlich früh auch schon mit, dass der ältere Bruder von Vern auch Teil der Gruppe ist, weil dadurch erfahren sie überhaupt erst von der Leiche, die da liegt. Und genauso, ne? Also die werden von Ace bedroht und ihre älteren Brüder helfen ihnen kein bisschen, sagen nicht mal, ey, mach mal ein bisschen langsam oder so, sondern lassen einfach das geschehen, dieses krasse Mobbing.
Johannes Franke: Aber es gibt ja auch eine Szene, in der das so ein bisschen, die Machtverhältnisse geklärt werden, ne? Ja. Wo sie auch so, man sieht, dass sie es ein bisschen, dass ihnen das ein bisschen unangenehm ist auch, aber es wird ganz klar gesagt, du steigst jetzt in diesen Van oder es gibt richtig Ärger. Ja.
Florian Bayer: Also, und natürlich sind diese, sind diese Kleinstadtkriminellen, diese, diese Halbstarken, sind natürlich auch Vehikel, um irgendwie so einen Konflikt zu haben am Ende. Ja. Wobei ich diesen Konflikt dann halt auch wieder sehr stark finde, weil, also ich meine, ich finde, es hat sowas Befriedigendes, Gordi da mit der Waffe stehen zu sehen und zu sagen, you can suck my, äh, was sagt der? Fat one. Suck my fat one und dann irgendeine Beleidigung, die ich nachschlagen musste. Im Urban Dictionary findet man sie, Moment, ich hab's glaube ich sogar aufgeschrieben. Jetzt bin ich gespannt. Ich hab das zum ersten Mal gehört. Cheap dime store hood. Was sagt der zu ihnen? You can suck, you can suck my fat one, you cheap dime store hood. Okay. Okay, und das bedeutet jetzt was? Naja, halt so Ladendieb, kleiner Ladendieb, der, im Urban Dictionary steht Beleidigung für Leute, die denken, sie wären voll die coolen Verbrecher, aber in Wirklichkeit nur so Kleinkriminelle sind. Okay. Und dass Gordi diese Beleidigung drauf hat, ist beeindruckend. Naja, er liest ja diese ganzen Pulp Magazins, ne? Stimmt, ja. Am Anfang kauft er sich gleich mal so ein Pulp Magazin. Naja, genau. Also der ist da glaube ich voll truff, was so Comics betrifft und was irgendwelche Thriller Geschichten für ein paar Pennies betrifft. Ich finde die Szene stark, wie er da steht und es ist halt auch wirklich mutig von ihm und er ist überzeugend, wenn er ihm sagt, ich erschieße dich.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, er ist überzeugend und was ich ganz toll finde ist, dass er fragt, ja willst du jetzt uns alle erschießen oder was? Und er sagt, nein, nur dich. Nur dich. Und das ist der Moment, wo man weiß, okay, es ist im Ernst, wir sollten vielleicht lieber gehen. Ja. Das ist schon gut, das ist an der Stelle tatsächlich gut und das ist tatsächlich befriedigend, da hast du recht, aber immer noch habe ich das Gefühl, okay, es ist ein bisschen viel, es ist ein bisschen drüber, mir wird da irgendwie doch was erzählt, wo ich dann doch nicht andocken kann, wo ich doch gerne mit den Kindern irgendwie andocken kann, können will und deren Horizont anerkennen und mit denen irgendwie das Gefühl habe, okay, ich hätte auch Teil der Gruppe sein können, aber in dem Moment denke ich, das ist niemals.
Florian Bayer: Wann ist es zu viel, dass er ihn mit der Waffe bedroht, dass sie die Waffe dabei haben, finde ich es zum Beispiel nicht zu viel, also dass Chris von seinem Vater so eine Waffe klaut von irgendwo ist total.
Johannes Franke: Ja, dass sie überhaupt dazu, dass sie, ich kaufe halt bis zum Ende nicht, dass dieser 20-Jährige sich mit den 12-Jährigen da rum...
Florian Bayer: Er ist nicht 20, ich glaube, er soll 60, ich kaufe ihm auch nicht ab, dass er 16 ist, aber ich glaube, er soll 16 sein. Ich glaube, das ist der Moment, wo die Suspension auf das Belief ansetzen mussten, sagen mussten, okay, da haben sie offensichtlich für die Teenager zu alte Schauspieler besetzt und das stört mich auch oft bei Filmen, das stört mich auch bei diesem Film so ein bisschen. Ja. Sie spielen ja, es gibt ja wirklich nur diese Konfrontation am Anfang und am Ende und dazwischen sehen wir immer mal wieder so ein bisschen, was diese Jugendgang macht. Ja. Aber sie sind jetzt keine große, tragende Rolle in diesem Film.
Johannes Franke: Was ich toll finde, ist, wie sie sich gegenseitig ritzen, da irgendwelche Damen in den Armen. Das ist zwar furchtbar und ekelhaft und dämlich, aber es ist erklärt ganz schön, wie die funktionieren, die Gruppe. Ja, total.
Florian Bayer: Du hast schon gesagt, es ist so ein bisschen episodisch erzählt. Es ist total, also wir haben wirklich diese einzelnen Episoden, was sie erleben. Willst du dir einfach mal eins rauspicken? Was fandst du cool? Den Schrottplatz? Die Flucht vor dem Zug?
Johannes Franke: Die Blutegel? Oh, wir müssen über die Flucht vor dem Zug reden, auf jeden Fall. Meine Güte. Die Blutegel auch. Du kannst gerne auch den Schrottplatz nochmal erwähnen, aber ich will einmal auf diesen Zug hinaus. Dazu muss ich aber ausholen. Bitte.
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-musmann-sehen.de oder florian-at-musmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Dazu muss ich aber ausholen. Bitte. Ich glaube nicht, dass dieser Junge einfach so durch einen Unfall gestorben ist, den sie dann am Ende finden. Diese Szene, die wir da sehen, wo die vor dem Zug wegrennen, erzählt nämlich ganz deutlich, dass so ein Zug sich ankündigt. Du kannst nicht als Unfall vor einem Zug von einem... Also du wirst nicht überrollt von einem Zug, weil es irgendwie unfallmäßig passiert. Nicht auf der Strecke, die sie da zeigen. Ja. Das funktioniert nicht. Also war es entweder Selbstmord oder Mord? Ist es für dich so zentral? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich frage mich so ein bisschen, was da los ist. Also Mord glaube ich nicht. Das würde ja... Zu fragen, wer hat ihn umgebracht, wäre glaube ich so ein bisschen wie zu fragen, was macht Logan, nachdem er alle kotzen lassen hat. Das ist die Wernfrage. Selbstmord, ja. Musste er Geld dafür bezahlen? Okay. Ja, vielleicht war es Selbstmord, aber vielleicht ist er auch einfach über die Schienen gesprungen im falschen Moment. Vielleicht hat er Zugausweichen gespielt.
Johannes Franke: Ja, aber das erzählt mir dann auch die Geschichte mit, wie heißt er, Teddy, der sich da hinstellt. Und ich frage mich halt, wie kaputt ist diese Welt, in der sie da sind? Und wie eng waren die mit dem Jungen, den sie da suchen, der tot liegen soll?
Florian Bayer: Ich glaube nicht so doll, weil also die einzige Referenz auf ihn ist ja wirklich, dass sie von der Geschichte gehört haben, weil alle nach ihm suchen. Aber es wird nicht einmal erwähnt, dass er ein Freund oder so war oder dass er erst recht nicht Teil ihrer Gruppe war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie sind ja auch relativ...
Johannes Franke: Aber man kennt sich doch in der Gegend. Das ist doch wirklich... Wie viele Leute wohnen denn da? Das ist ja nicht so viel. Es ist eine Kleinstadt. Ein enger Kreis.
Florian Bayer: Es ist die Kleinstadt von Stephen King. Castle Rock. Also es gibt Wikipedia-Einträge dazu. Stephen King hat über mehrere... Hat über Castle Rock mehrere Geschichten geschrieben. Das war so seine große fiktive Stadt. Seine kleine fiktive Stadt. Seine kleine fiktive Stadt. Und lass uns mal ganz kurz schauen, was wir zu Castle Rock finden. Es gibt doch bestimmt ein Stephen King-Wiki. Also Castle Rock. Ja.
Johannes Franke: Übrigens, möchtest du Tee, Plur?
Florian Bayer: Sehr gerne.
Johannes Franke: Wir haben jetzt schon fast 50 Minuten und wir haben keinen Tee getrunken.
Florian Bayer: Also sie liegt... Castle Rock soll in Maine liegen. Und hat wie jede Stadt ein paar Sehenswürdigkeiten, Leute, die da rumtouren. Und ich gucke gerade, ob es irgendwo Angaben gibt zur Einwohnerzahl von Castle Rock. Zwischen 1000 und 1500 offensichtlich. Und in Castle Rock spielen einige Geschichten von Stephen King. Und es war für ihn immer so ein bisschen die Verkörperung der amerikanischen Kleinstadt, die in Maine ist. Und der Film ist ja übrigens auch ganz interessant. Als kurze, kleine Anekdote noch zur Entstehung von diesem Film. Um diesen Film herum, beziehungsweise kurz nach diesem Film ist Castle Rock Entertainment entstanden. Und zwar haben die, die an diesem Film beteiligt waren, unter anderem Rob Reiner, dann später, 1987, Castle Rock Entertainment gegründet als Produktionsgesellschaft. Was wiederum daraus entstanden ist, dass, jetzt um noch ein bisschen weiter auszuholen, das Studio, das diesen Film eigentlich drehen sollte, war Embassy Studio. Ah, die Geschichte. Und die wurden 1985, kurz nachdem der Dreh gestartet hat zu dem Film, wurde Embassy an Columbia Pictures verkauft. An Coca-Cola. Columbia Pictures? An Coca-Cola. Ah, genau, ja, genau. Columbia Pictures war Teil von Coca-Cola oder irgendwie Coca-Cola stand dahinter. Okay. Und 1987, als die dann das Castle Rock Entertainment gegründet haben, haben Columbia und Coca-Cola auch als Bäcker dahinter gestanden und haben denen Geld dafür gegeben. Und Castle Rock Entertainment wurde natürlich von ihnen gegründet, um Stephen King Tribut zu zollen. Und die haben dann auch sehr viele, vor allem fürs Fernsehen, sehr viele Stephen King Verfilmungen produziert. Okay. Und das Ganze war aber unter anderem durch den Erfolg von Stand By Me, war das überhaupt erst möglich, dass da Leute gesagt haben, okay, wir eröffnen da Geld dagegen. Offensichtlich lässt sich mit Stephen King Verfilmungen auch ganz gut Kohle machen.
Johannes Franke: Das Ding ist, Stand By Me wäre ja dann kaum entstanden, wenn nicht noch jemand eingesprungen wäre, weil die haben ja, also Embassy wurde ja verkauft. Ja. An Coca-Cola. Und dann fehlte das Geld plötzlich.
Florian Bayer: Genau, Norman Lear war unser Mann, der wie viel? 7,5 Millionen von seinem eigenen Geld für diesen Film investiert hat.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn? Der hat wahnsinnig viel gemacht. Norman Milton Lear, geboren 1922, war zu der Zeit schon, ne, der hat, der ist 101 Jahre alt geworden, der ist ein krasser Typ. Und der hat ganz viele Sitcoms gemacht und hat damit wahnsinnig viel Geld verdient. All in the Family war, glaube ich, seine berühmteste Sitcom. Das kann sein, ja. Also es stehen hier einfach wahnsinnig viele Namen, die mir alle nichts sagen, aber er war einfach wahnsinnig reich. Und dann einfach im Alleingang dieses Ding zu retten, ist einfach unglaublich. Der wollte es einfach sehen, der wollte einfach sehen, wie der Film ist. Ja, das ist total cool.
Florian Bayer: Ja, und dann hat der Film eben doch noch das Licht der Welt erblickt. Aber als Stand By Me umbenannt, was unter anderem von Columbia kam, die gesagt haben, ey Leute, ihr könnt den Film nicht The Body nennen, das klingt viel zu sehr nach Horror. Und das ist sowieso schon eine Stephen King Vorlage und das ist überhaupt nicht unser Zielpublikum, die Horror-Steven-King-Fans. Und wie genau, es klingt wie ein Horrorfilm oder ein Sexfilm oder ein Bodybuilding-Film, auf jeden Fall nicht das, was wir wollen. Und Rob Reiner ist dann mit Stand By Me gekommen, das zuerst offensichtlich gar nicht so gut angekommen ist bei allen. Und dann wurde das aber verwoben mit diesem Song-Klassiker von King. Von einem anderen King. Von einem anderen King. Sehr süß. Ein Song, der übrigens zwei Jahre jünger ist als die Handlung des Films. Der Film spielt 1959, das Lied von Benny King ist von 1961. Ups.
Johannes Franke: Aber es ist ja auch nicht zu hören in dem Film. Also die Jungs hören es nicht. Ja, genau. Das Interessante ist aber, dass dann auch wieder Embassy, die ja verkauft wurden, eigentlich den Distributor stellen sollten. Aber das ging ja dann nicht mehr, weil Embassy verkauft wurde. Und das Geld für die Produktion war zwar da, aber dann gab es keinen Distributor. Und dann haben sie sich eben auf die Suche gemacht. Und dann gab es ein Guy McElvain. Guy McElvain? Der hat das zu Hause gefilmt, zu Hause geguckt. Ah, du überspringst den Michael Owitz. Oh, Entschuldigung. Michael Owitz hat sich nämlich gekümmert und hat gesagt, okay, ich finde euch jemanden, der macht das. Und Guy McElvain? Oh Gott, wie sprecht sich dieser Typ? Guy McElvain. Der war krank, sollte das aber gucken. Hat es bei sich zu Hause geguckt. Und dann waren seine beiden Kinder dabei. Und er fand den Film gar nicht so richtig geil. Aber die beiden Kinder, das waren zwei Mädchen, waren sehr verliebt in River Phoenix. Wie kann man auch nicht in River Phoenix verliebt sein? Und dann kam es über diesen Link der Kinder tatsächlich dazu, dass sie den Distributor gestellt haben.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Und der Film hat das Licht der Welt erblickt. Wir waren eigentlich wo ganz anders. Wir waren bei Castle Rock und Castle Rock Entertainment und wie viele Einwohner Castle Rock hat. Und das ist eine Kleinstadt.
Johannes Franke: Und es ging eigentlich darum, dass ich auf die Szene eingehen wollte, wie sie vor diesem Zug fliehen. Genau, da waren wir. Einer der großen Szenen dieses Films. Und was ich bemerkenswert fand und was ich einer der besten Bilder des ganzen Films finde, der Film hat gute Bilder, aber eines der besten Bilder ist, wie sie vor diesem Zug wegrennen, der direkt hinter ihnen zu sein scheint. Und Millimeter scheinen sie davon zu trennen. Das Geile ist, dass der Kameramann natürlich die Kinder nicht in Gefahr bringen wollte. Und deswegen ist der Zug ganz, ganz hinten auf der Brücke und die Kinder ganz, ganz vorne auf der Brücke. Und wer den Film gesehen hat, hat die Totale gesehen und weiß, wie weit das voneinander entfernt ist. Aber wieso sieht der Zug überhaupt so aus, dass er direkt hinter den Kindern ist? Und das Geheimnis liegt einfach nur in einer optischen Täuschung. Und ich finde es so großartig und deswegen bin ich auch Kameramann geworden, weil ich es so großartig finde. Es ist toll. Man muss eine Linse finden, die das Bild so sehr zusammenbringt, also rein optisch. Wenn man, sagen wir, ein Weitwinkelobjektiv hat, das so sagen wir 20 Millimeter hat, dann hast du einen sehr weiten Ausschnitt. Wenn du die Kamera vor dem Auge hast, dann siehst du eigentlich alles, was dein normales Auge auch sehen würde. Links und rechts, vielleicht sogar noch mehr, weil die Optik einfach so funktioniert, dass die Linsen, die da drin sind, sehr viel aufnehmen können vom ganzen Geschehen. Dafür sehen allerdings auch alle Sachen, die im Bild sind, das, was vorne ist, sieht viel größer aus, als das, was weiter hinten ist. Und man hat das Gefühl, dass der Gegenstand vorne im Bild sehr viel weiter weg ist von dem nächsten Gegenstand, als in der Realität das wirklich ist. Es sieht so aus, rein optisch. Wenn man das Gegenteil tut, eine 600 Millimeter Linse, von der ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, wie groß die sein muss. Aber die hat der Kameramann genommen, 600 Millimeter und hat sich gefühlte 200.000 Kilometer weit entfernt hingestellt und auf diese Kinder gezielt, die da auf dieser Brücke sind. Und das macht eben den gegenteiligen Effekt. Du hast das Gefühl, dass alles auf einer Ebene ist. Und deswegen sieht der Zug so aus, als wäre er direkt hinter den Kindern. Und deswegen siehst du auch nichts von dem Rest des Bildes. Du siehst nicht, wie noch die Bäume im Hintergrund sind und wie noch die Brücke irgendwie, du siehst ja gar nichts von der Brücke und auch gar nichts von dem See, über den die Brücke geht oder über den Fluss. Sondern du siehst nur die Kinder und diese fucking Lok, die direkt dahinter zu sein scheint. Und ich finde das Bild großartig.
Florian Bayer: Es ist ein tolles Bild. Alte Dampflokomotive wurde eingesetzt, sie haben sie natürlich auch extra langsam fahren lassen. Und diese Brücke, die ist echt und die Brücke ist auch wirklich hoch, 25 Meter. Und sie haben viel Szenen, haben sie von Stuntfrauen, als Dubels, drehen lassen. Wenn wir in der Totalen sehen, wie sie über diese Brücke gehen, die ja wirklich beeindruckend ist. Aber für die paar Szenen mussten sie die Kids dann halt doch auf diese Brücke stellen. Wenn auch nur ans Ende, aber trotzdem. Und ich fühle sehr mit Wern in diesem Moment, wo er über diese Brücke geht. Ja, voll. Du guckst da runter und du hast halt diese Lücken zwischen den einzelnen Holzplanken. Ja.
Johannes Franke: Und natürlich kriegst du da scheiß Höhenangst. Und ich finde es toll, dass die Kinder nicht einfach nur doof waren, sondern dass einfach Teddy, der Draufgänger sagt, ne ich gehe da rüber. Und die anderen sich natürlich so ein bisschen so, okay, wir kommen mit. Aber sie wissen ganz genau, dass das gefährlich ist und schwierig. Gotti macht ja sogar noch was, was clever ist unter anderem halt einfach mal so. Ja, mal hören oder mal fühlen an den Schienen, ob da ein Zug kommt. Dafür allerdings sind die recht langsam in der Überquerung, muss ich sagen. Am Anfang der Szene ist ja der Zug noch nicht da. Und ich würde ja denken, wenn die schon die Ahnung davon haben, dass das vielleicht schief gehen könnte. Sollten sie rennen? Sollten sie schneller sein.
Florian Bayer: Das Problem ist, dass Teddy in dem Moment zum Anführer wird. Und normalerweise ist es ja eher Chris, der sagt, wo es lang geht. Ja. Aber in dem Moment ist es Teddy und ich glaube, Teddy ist einfach ruthless. Ja. Der hat einfach, der hat keine Angst. Der hat auch keine Rücksicht auf sich selbst. Dem ist es scheißegal. Der könnte auch am nächsten Tag sterben. Wir sehen das mehrmals, dass Teddy bereit ist, sein Leben zu riskieren. Einfach, weil es ihm scheißegal ist. Ja.
Johannes Franke: Ja, und es führt halt zu dieser Situation, dass der Zug dann doch kommt tatsächlich. Und ich denke, ja, Überraschung. Und der Film auch vielleicht ein kleines bisschen zu oft gesagt hat, dass das passieren kann, um das dann einzulösen. Und ich dann denke, okay, ja. Aber es ist relativ früh, die Szene.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Es ist gar nicht so weit. Und es ist eine tolle, actionreiche Szene.
Johannes Franke: Ja, absolut. Auch wie sie wirklich in letzter Sekunde dann runterspringen und der Zug vorbei fährt. Die Sache ist die, beim Dreh sahen die Jungs erstmal nicht sehr ängstlich aus. Rob Reiner hat sie tatsächlich arg zur Sau gemacht, weil sie nicht gespielt haben, wie sie spielen sollten. Und erst durch das zur Sau machen waren die wirklich nervlich am Ende und haben tatsächlich das geliefert, was ihr da im Film seht. Aber das ist einfach, das ist kein feiner Schachzug, um das mal vorsichtig zu formulieren. 80er Jahre Hollywood mit Kinderdarstellern, toxische Atmosphäre. Yay! Also der hat wirklich den toxischen Filmemacher rausgeholt und hat die angeschrien und hat gesagt, hier warten ein Haufen Leute auf euch, die sind alle Profis und ihr macht hier irgendwelchen Scheiß und ich bring euch um, wenn der nächste Take nicht wird.
Florian Bayer: Es dürfte wahrscheinlich auch zur teuersten Szene des Films gehört haben. Allein das Set ab, die Lokomotive, die ziemlich teuer ist. Also mit 7 bis 8 Millionen Dollar Budget war der Film halt so ein typischer Mittier, was heutzutage ja anscheinend immer weniger produziert wird. Aber ich kann mir vorstellen, dass diese Szene mit zum Teuersten gehört hat für die ganze Filmproduktion. Weil sonst ist ja tatsächlich, haben wir eigentlich nicht so Momente, wo du das Gefühl hast, oh da ist eine Menge Budget reingeflossen.
Johannes Franke: Aber es ist toll, die Bilder sind toll, was wir auch schon gerade gesagt haben. Der Kameramann hat einen guten Job gemacht und so. Und ich mag ja auch dieses Film-Grain aus der Zeit, wenn ich mir 80er Jahre Filme anschaue, 80er, 90er Jahre. Es ist toller Filmstock, es ist noch nicht digital. Es fühlt sich sehr gut an. Organisch fühlt es sich an, greifbar. Naja, sehr lebendig.
Florian Bayer: Es ist toll. Ja. Die Atmosphäre, sie haben es auch echt gut getroffen. Sie haben eine Kleinstadt gefunden, die so ein bisschen aus der Zeit gefallen ist. Du fühlst dich wirklich in die 50er Jahre reinversetzt, wo der Film spielt. Wenn du die Stadt siehst, wenn du die Autos siehst, wenn du das ganze Setup siehst.
Johannes Franke: Ja, also sie haben sich da auch sehr reinbegeben, muss man sagen, in den Szenen, wo es wesentlich wird. Aber das Tolle an dem Film ist ja, dass er die meiste Zeit sehr weit ab von irgendeiner Zivilisation spielt und damit eigentlich es in jeder Zeit spielen könnte. Was für mich eine totale Zeitlosigkeit ausmacht. Also zum einen, dass sie in den 80ern, in die 50er zurückgehen und dadurch so ein bisschen eine Vermischung schon haben. Du hast den Zeitgeist der 50er erzeugt, aber trotzdem noch den Zeitgeist der 80er irgendwie mit drin eingebacken. Man merkt das natürlich toll, total toll, dass es ein 80er Jahre Film ist. Und dann kommt da sowieso diese Zeitlosigkeit schon dadurch rein. Aber dann auch noch dadurch, dass es einfach die ganze Zeit auf diesen Schienen spielt und im Wald, hat man einfach so das Gefühl, es könnte überall und so jederzeit sein.
Florian Bayer: Also ich kann diesen Jungs tatsächlich ewig folgen. Ich finde es total schön, wie sie auch, es gibt diese großen Ereignisse, wie das Wegrennen vor dem Zug, wie das auf dem Schrottplatz, aber es ist auch einfach schön, wenn sie zusammen auf den Gleisen unterwegs sind. Sie ein bisschen unterhalten, ein bisschen singen, ein bisschen Spaß miteinander haben. Einander verarschen ein bisschen. Sie verarschen sich gegenseitig, sie streiten auch mal. Man fühlt sich da wirklich drin in dieser Gruppe und geht mit ihnen mit.
Johannes Franke: Hast du denn, welchen Bezug hast du denn? Hast du irgendwie sowas erlebt? Hattest du Freunde mit zwölf, wo du sagst, es hat eine Qualität, die ich nie wieder erlebt habe? Und jetzt darfst du nicht die falsche Antwort geben, weil ich sehe so, du wurdest ja als dein bester Freund, Flo. Ich vergiss eine Trainer.
Florian Bayer: Nein, ich war nicht der Popular-Kid, aber ich hatte immer relativ viele Freunde und war immer so in Freundeskreisen unterwegs. Was ich hatte, genau in dem Alter auch, ich hatte Freunde, die eher so aus der Arbeiterklasse kamen. Ich komme aus einem bildungsbürgerlichen Haushalt. Ja, du bist ein mandeliges Klischee. Ich bin ein voll das Klischee. Ich war tatsächlich mit Kids unterwegs, die halt eher so von der Straße waren. Und haben mit denen auch auf der Straße rumgehangen, fand das irgendwie witzig, irgendwie cool, teilweise auch manchmal ein bisschen blöd. Und da wurde auch Scheiße gebaut. Ja. Und das war aber auch irgendwie cool. Und das waren auch gute Freundschaften. Das waren wirklich gute Freundschaften. Und das hat sich auch in der Pubertät dann so ein bisschen verloren. Ja. Hat nichts daran geändert, dass ich tatsächlich dann Ende meiner Pubertät nochmal Freunde hatte, die auch wieder aus einem ganz anderen Kreis, aber die da auch eher so aus solchen Kreisen kamen. Offensichtlich hatte ich dazu eine Affinität. Willst du damit sagen, dass ich aus der Arbeiterklasse komme? Nein. Obwohl? Nee. Was? Ich habe kurz über deine Familiengeschichte nachgedacht und dann nochmal, nee. Zu viel Kunst in der Familie. Ja, zu viel Kunst in der Familie, ja. Und insofern, das kann ich total nachvollziehen. Also natürlich identifiziere ich mich mit Gordi. Wie wahrscheinlich alle, die diesen Film gucken, man will sich mit Gordi identifizieren, weil jeder hat so ein bisschen Nerd in sich und so ein bisschen Außenseiter. Und er ist auch die Hauptfigur des Films geworden.
Johannes Franke: Er ist die Hauptfigur. Was im Buch ja nicht so eine Festgelegung gab.
Florian Bayer: Aber ich kann mich damit sehr identifizieren, mit diesem Gefühl, mit Freunden unterwegs zu sein, das auch irgendwie zu verlieren. Hast du mal eine Leiche gesehen?
Johannes Franke: Habe ich mal eine Leiche gesehen? Ich glaube nicht. Nein. Nein. Ich glaube nicht, ist schon ein völlig falscher Ansatz. Ich würde es wohl wissen, wenn ich das hätte.
Florian Bayer: Ich nämlich auch nicht. Aber das habe ich halt auch überlegt. Also ich hatte mit diesen Freunden auch oder so im Alter von, keine Ahnung, neun bis zwölf schon Sachen, die so einschneidende Erlebnisse waren. Und ich habe überlegt, war da auch so was Einschneidendes dabei, wie eine Leiche zu sehen? Und die ehrliche Antwort wäre wahrscheinlich, nee, so krass, so was Krasses hatten wir irgendwie nicht zusammen.
Johannes Franke: Ich meine, tote Tiere, Haustiere oder sowas. Ich meine, ist auch einschneidend, muss man sagen, als Kind ein Haustier zu verlieren, ist auch nicht ohne.
Florian Bayer: Ich habe noch sehr lebendige Erinnerungen daran, wie ich genau mit einem von diesen Freunden unterwegs war und wir haben eine tote Katze gefunden und haben dann mit dem Stock dran rumgestochert. Und dann haben wir die umgedreht und dann ist die umgefallen und da war alles voll mit Maden und überall gekrabbelt. Und das war echt ein ekliges Bild, das ich, wenn ich das erzähle, habe ich es wieder vor Augen. Das war wirklich ziemlich krass.
Johannes Franke: Fuck. Ja, aber das sind solche Momente als Kind, wenn man solche unbarmherzigen Momente des Lebens irgendwie kennenlernt und die Brutalität, die da drin steckt, die auch irgendwie neugierig macht. Warum gehen die auch sonst dahin? Ich glaube nämlich nicht, dass die nur berühmt werden wollen. Das ist eigentlich so ein zusätzlicher Motivator, aber eigentlich ist es dieses morbide Interesse.
Florian Bayer: Definitiv. Und morbide trifft es ziemlich gut. Das ist diese Neugier einfach und das ist auch wirklich diese unschuldige Neugier. Ja, voll.
Johannes Franke: Und das kann uns ja nichts. Und dann haben die zwischendurch Angst auch davor, das dann wirklich zu sehen, wie das dann ist, wenn sie wirklich davor stehen. Und da wird ihnen erstmal klar, was sie da machen und das finde ich auch einen total starken Moment des Films.
Florian Bayer: Ja, Wern ist ja relativ früh dabei schon und sagt so, oh, ich weiß nicht, das könnte ziemlich gruselig sein. Und Gordi ist auch relativ schnell, dass er sagt, ich weiß nicht, ob das so ein Moment ist, den man bejubeln sollte, dass man eine Leiche suchen kann. Ja, genau, genau. Und dann ist, glaube ich, als sie dann wirklich vor der Leiche stehen, ist ja wirklich dieser Moment, diese radikale Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens. Sie stehen ja wirklich alle erstmal sprachlos davor, wenn sie die Leiche sehen.
Johannes Franke: Und es ist so plötzlich, ne? Ich habe so das Gefühl, dass der Film gerade aus einer Episode rauskommt und liegen die links ab und stehen vor der Leiche.
Florian Bayer: Aber genau so ist es, so plötzlich und spektakulär. Sie liegt halt da, es ist nichts Großes, sondern sie sehen einfach die Leiche da liegen.
Johannes Franke: Ja, und dann versuchen sie herauszufinden, was das decent thing ist, was man machen sollte in dem Moment. Dann haben die erstmal nochmal mit den Bullys zu tun und dann wollen sie doch nicht berühmt werden, sondern sagen, nein, es ist besser, das anonym zu machen. Ja. Was ich eine super Entscheidung finde.
Florian Bayer: Ja, total. Und es ist auch wirklich einfach ein starker Moment. Das ist ja auch der Moment, wo Gordi dann bricht und sagt und nochmal weint, dass sein Bruder gestorben ist.
Johannes Franke: Was super zusammengebracht ist. Also die Regie hat das wirklich sehr gut zusammengebracht, auch die Drehbuchvariante sozusagen, den Emphasis dann darauf zu setzen und das hinzukriegen. Und Gordi ist ja in diesem Film dann auch derjenige, da mit der Knarre da steht, während im Buch es eigentlich Chris ist. Und Stephen King hat gesagt, ach, verdammt, warum bin ich darauf nicht gekommen? Natürlich, es ist viel besser, dass Gordi das ist.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Es ist süß. Und es ist sehr konsequent, dass Gordi und Chris, die beiden sind, die stehen vor den Bullys und die sich nicht vertreiben lassen. Also Vern rennt ja komplett weg und Teddy ist eher so im Hintergrund ein bisschen und gibt Rückendeckung mit Betonung auf Rücken.
Johannes Franke: Ja, auch vollkommen in Ordnung. Jeder reagiert absolut folgerichtig und man kann dem nichts vorwerfen. Und ja, ich finde interessant, dass sie dann am Ende tatsächlich damit so nüchtern umgehen und dann diesen Ruhm einfach nicht haben wollen, sondern sagen, ja, das ist a decent thing to do.
Florian Bayer: Und dann kommen sie nach Hause und es ist so, als wäre eine Ewigkeit vergangen. Und die Stadt wirkt doch ein bisschen kleiner als vorher.
Johannes Franke: Kleiner geworden. Das ist krass. Also es ist Klischee, aber es ist echt schön. Ja, ist gut gemacht. Ein toller Satz. Am Ende funktioniert. Und es ist natürlich dann tragisch, den Typen da aus diesem Ding rauskommen zu lassen. Also in der Nacherzählung, er wird Anwalt, also Chris wird Anwalt und schafft das irgendwie und dann wird er doch erstochen. Ja, bitte. Was sagt uns das eigentlich? Was will Steve King an der Stelle sagen? Will er sagen, ist es egal, ob ihr da rauskommt oder nicht? Gebt euch gar keine Mühe? Was soll das? Ja, das ist irgendwie mies, ne? Es ist wirklich mies. Ich finde, es ist eigentlich ein Zynismus, der da drin steckt, den ich gar nicht so geil finde.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Im Buch ist ja wirklich so, dass Gordi, der die Geschichte erzählt, erzählt, dass alle drei gestorben sind an unterschiedlichen Ereignissen. Sowohl Wörn als auch Teddy. Und auch bevor sie irgendwie richtig alt geworden sind. Genau, die sind in jungen Jahren gestorben. Aber der Film spielt ja auch, also Gordi, der Erzähler Gordi ist, keine Ahnung, so alt wie wir. Ja, ja, genau. Der hat ein acht-, neunjähriges, zehnjähriges Kind. Und im Buch wird, im Film wird dann erzählt, was ich viel besser finde. Dass Wörn eine Familie findet, was echt schön ist. Wir gönnen das Wörn, dass er heiratet und dann auf dem Schrottplatz arbeitet, glaube ich, oder so. Ich weiß nicht mehr genau. Weiß ich nicht, aber zwei Kinder, glaube ich. Ja, irgendwie so ein Arbeiterleben. Und Teddy, auch total folgerichtig, hat Probleme mit dem Gesetz, nimmt offensichtlich Drogen. Und ich finde es schade, dass sie weggelassen haben, was aus Ace wird. Das ist nämlich so eine bittere Ironie, dass dieser Ace, dieser Bulli-Rebell halt so ein einfacher Säufer wird, der nie aus der Stadt rauskommt. Ja, das wäre ganz gut gewesen auch für den Film. Ja, und es hat was Zynisches, dass Chris stirbt. Es ist auch vielleicht so ein bisschen für den emotionalen Trigger. Also das ist noch zynischer eigentlich, dass es uns mitleiden lassen soll. Aber vielleicht, also grundsätzlich, was hältst du denn von diesem Rahmen? Wir haben ja diesen Rahmen, dass Gordi als Erwachsener, Richard Dreyfuss, das Ganze erzählt. Ist es cool? Ist es überflüssig? Macht es zu viel? Macht es zu wenig?
Johannes Franke: Ich kann es insofern verstehen, als dass ich am Ende denke, ah, okay, die wollen den Circle of Life, wollen die einmal aufmachen. Weißt du, so, dass man sagt, okay, er denkt an seine Kindheit, dann kommen die Kinder rein und er geht mit seinen Kindern spielen, die dran sind mit zwölf sein. Das ist so ein, ne, wiederholendes Muster dann im Leben. Und damit kann ich gut mitgehen, glaube ich. Damit komme ich klar.
Florian Bayer: Ich mag das Erwachsene reflektieren in dem Offerzähler. Ich bin oft genervt von Offerzählern, Stimmen, auch weil sie dazu neigen, dann einen Film Overexplain. Ich finde es in dem Fall ganz spannend, weil es auch immer so ein bisschen Kontrast aufwirft zwischen dem Erlebnis der Kids und wer das als Erwachsener reflektiert. Und das macht er mehrmals. Wir haben mehrmals dieses so, ich wusste damals nicht, was das bedeutet. Oder das war für mich dieses einschneidende Erlebnis. An diesem Moment habe ich erkannt, wie sich Realität und Gerüchte unterscheiden und so weiter. Wir haben ganz oft diese Momente, wo der Erwachsene nochmal reflektiert, was das Kind noch nicht so ganz reflektieren kann. Und deswegen finde ich dieses, man müsste das nicht mit Bildern am Anfang und Ende machen, aber dieser Offerzähler gibt dem Film mehr. Und ich finde es gut, dass der drin ist. Ja, okay.
Johannes Franke: Es ist halt immer so bei einer Literaturvorlage, dass ganz viel mit Offerzählern gemacht wird, um das Ganze, die literarische Elemente des Buches rüber zu retten irgendwie. Und manchmal ist es halt sehr lame. In dem Fall funktioniert es halt schon doch ganz gut.
Florian Bayer: Vielleicht auch, weil diese Vergängliche so ein sehr wesentliches Element ist von der Geschichte. Und die kann ohne den 40-Jährigen, der das Ganze nochmal rückblickend betrachtet, nicht reingebracht werden. Nicht so gut, nicht so elegant reingebracht werden. Ja, das stimmt. Freundschaft endet, Leben enden.
Johannes Franke: Ist es ein hoffnungsvoller Film? Ja. Weil du ja immer, bei solchen Sachen bist du immer derjenige, der das sagt. Ja, aber es ist ja nicht hoffnungslos. Man hat ja irgendwie so, es ist, man geht mit einem guten Gefühl raus, weil und so weiter. Und manchmal stimme ich überein und manchmal nicht. Jetzt stelle ich die Frage mal.
Florian Bayer: Ja, natürlich ist das ein optimistischer Film. Ich meine, er hat am Schluss die Kinder und er erinnert sich an seine Kindheit zurück. Es gibt prägende Erlebnisse in der Kindheit. Und meine Kinder haben jetzt auch prägende Erlebnisse. Und das ist, Circle of Life hast du gesagt, ich finde, der Film lässt mich nicht mit einem bitteren Nachgeschmack zurück. Ich finde, das fühlt sich gut an.
Johannes Franke: Bei mir ist es halt nur Chris, dass ich denke, ja, wie zynisch.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Ich habe das noch nie so betrachtet. Ich finde es überflüssig. Man hätte ihn auch leben lassen können. Ja. Und es ist halt so ein bisschen für den emotionalen Effekt am Schluss, habe ich das Gefühl. Und das macht es natürlich auch so ein bisschen zynisch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Na gut. Aber gut für Chris, dass er rausgekommen ist, dass er es geschafft hat, seine Herkunft hinter sich zu lassen. Und wirklich das, was in ihm gesteckt hat, rauszuholen. Ja, voll.
Johannes Franke: Schön. Es gibt tatsächlich, muss ich sagen, auf meiner Liste noch sehr, sehr viele Sachen, die ich jetzt einfach fallen lassen muss. Weil ich das Gefühl habe, dass wir unsere Episode doch ein bisschen arg strapazieren. Wir sind schon ziemlich lang im Gespräch. Dann ein harter Cut zu unserer Top 3. Harter Cut zu unserer Top 3. Unsere Top 3. Was haben wir denn für eine Top 3? Wanna see a dead body. Wanna see a dead body. Na, wie wäre es? Ich bin mir nicht sicher, ob alles in dieses Gefühl von Wanna see a dead body, Zwinker, Zwinker oder Grusel, Grusel geht. Ja. Aber ich habe ein bisschen was gefunden.
Florian Bayer: Auch eine Frage an das Publikum gerichtet, zumindest in meiner Top 3 so ein bisschen. Wir beschäftigen uns mit toten Körpern und ob sie gesehen werden wollen oder nicht. Und Johannes, du musst loslegen. Was? Ob sie gesehen werden wollen oder nicht? Nein, das war falsch.
Johannes Franke: Leg los, sag schon deinen Platz 3. Mein Platz 3 ist Acht Frauen. Acht Frauen. François Hausson? Das kann sein, das kann sein. Es ist ein französischer Film. Der Director, den du sagtest, der hat einen französischen Namen. Also sag ich mal, es ist François Hausson. Von dem muss ich dir mal einen Film geben. Okay. Dieser hat ein Theaterstück verfilmt, in dem es einfach, das ist sehr auf ein Haus fixiert. Die sind alle da gefangen in diesem Haus, weil draußen ein Schneesturm herrscht. Und der Herr des Hauses scheint gestorben zu sein. Und jetzt geben sich alle gegenseitig die Schuld, sagen, du hast ihn dein Leben lang maltratiert mit deinem was auch immer. Und jeder versucht irgendwie dem anderen zu erzählen, dass er den Hausherrn umgebracht hat. Klassische Mörder-Mystery. Und Wanna See a Dead Body ist im Grunde, weil dieser Raum, in dem dieser Verstorbene ist, abgeschlossen ist. Keiner sieht diesen toten Körper. Bloß kein Plotwist verraten, der die ganze Zeit so mitschwebt. Ta-da! Oh, ist sie? Also ich sage mal so, am Ende ist er wirklich tot. Und wir haben noch neulich, habe ich eine weitere Verfilmung aus Spanien, glaube ich, gesehen, die ganz schrecklich war. Die leider wirklich sehr schlecht war. Aber ich fand die französische wirklich, wirklich gut, muss ich sagen. Ja.
Florian Bayer: Cool. Ich würde gerne eine Honorable Mention reinschmeißen, weil es nicht wirklich ein guter Film ist. Ich den aber sehr mochte als junger Jugendlicher. Als junger Jugendlicher. Oder als Kind. Weekend at Bernie's. Wochenende bei Bernie. Warte mal, wie heißt der auf Deutsch? Immer Ärger mit Bernie. Okay. Wo zwei Slacker-Loser-Typen zum Haus ihres Bosses fahren müssen, offensichtlich. Und da dann feststellen, dass er tot ist. Aber sie haben Angst, dass sie verdächtig werden, ihn umgebracht zu haben. Und deswegen benutzen sie die Leiche, um so zu machen, als würde er noch leben. Das heißt so als Puppenspieler mit Fäden und so. Es ist schrecklicher Trash. Aber ich habe den als sehr witzig in Erinnerung. Dummer Film. Ich muss den einfach erwähnen. Ist nur meine Honorable Mention, vielleicht auch das Honorable Mention. Mein Platz 3. Terry Gilliam. Tideland. Einer der weniger bekannten Filme von Terry Gilliam aus dem Jahr 2005. Wo ein kleines Mädchen mit seinem drogensüchtigen Vater, gespielt von Jeff Bridge, zusammenlebt. Und der stirbt dann. Und sie lebt dann aber weiter im Haus mit dieser verwesenden Leiche. Und flüchtet sich auch so ein bisschen in eine Fantasiewelt. Ein sehr düsterer Terry Gilliam Film. Auch für Terry Gilliam Verhältnisse. Und sehr bizarr auch für Terry Gilliam Verhältnisse. Kölnst du meinen Lieblingsfilm von ihm? Oh.
Johannes Franke: Dann gucken wir den mal. Oh ja. Ich muss die ganze Zeit an Little Miss Sunshine denken. Das ist keine Platzierung von mir. Aber die haben doch, da stirbt doch der Großvater irgendwann. Stirbt der? Stirbt er nicht irgendwann? Doch, der stirbt doch auf der Reise. Und dann haben die den die ganze Zeit dabei und müssen ihn irgendwie in der Gegend rumtragen. Aber er tanzt. Ah ja doch, stimmt genau. Und sie tanzt seinen Tanz. Aber er ist nicht mehr dabei, um es zu sehen. Ja, irgendwie sowas in der Richtung war es doch. Naja. Egal. Ist nicht in der Liste. Spontane Honorable Mention. Ich hätte auf Platz zwei Wanna See Your Dead Body. Nein, aber ich muss, weil ich sehe mit meinem sechsten Sinn ganz viele Tote. Oh ja. Nicht Spoiler!
Florian Bayer: Nicht Spoiler! Der Spoiler! Gefährlichste Film überhaupt. Und jeder weiß den Spoiler schon. Ja. Großartig, ja. The Sixth Sense. Shyamalan. Ja, Shyamalan ist, den ich immer wieder verteidigen möchte. Mein Platz zwei frisch jung mit einem nicht so frischen Daniel Radcliffe Swiss Army Man. Ja. Aus dem Jahr 2016. Toll ist, ich habe den Film noch nicht gesehen. Ganz großartiger Film von den Daniels, von denen wir Everything, Everywhere, All at Once gesehen haben. Ja. In dem Film spielt Daniel Radcliffe eine Leiche, die angespült wird auf einer einzelnen Insel, wo Paul Dano als Gestrandeter ist. Und er stellt fest, dass man diese Leiche durch ihre Flatulenzen hervorragend als Fluchtvehikel benutzen kann. Und süß damit ihr über das Meer. Und das ist erst der Anfang des Films. Das klingt echt so bekloppt. Toller, ein toller Buddy-Movie über die...
Johannes Franke: Buddy-Movie.
Florian Bayer: Ein Buddy-Movie, auf jeden Fall. Und was die Quants wirklich drauf haben, was die Daniels wirklich drauf haben, dieses komplett bizarre Szenario. Und das ist dasselbe bei Everything, Everywhere, All at Once. Und sie haben dieses komplett bizarre Szenario, das sich rund um eine Leiche mit die Pups dreht. Und dann machen die daraus einen wunderschönen romantischen Film. Du sitzt am Schluss da und vergisst die Tränen und denkst, oh ist das schön.
Johannes Franke: Viel Good-Movie, der bizarrsten Art. Es ist toll. Ich finde, dass die Daniels einfach drauf haben, Genres zusammenzubringen, wo du denkst, what? Das zusammen funktioniert überhaupt nicht. Keine Chance. Und dann machen die so einen U-Turn und du denkst dir, wow, aber ich glaube es irgendwie auch. Seltsam. Ich hätte auf Platz 1 ein bisschen gecheatet und es passt nicht ganz, aber ich liebe diesen Film On The Lovers Left Alive. Ah ja, sie sind sehr tot. Sie sind sehr tot, ja. Es sind einfach zwei Vampire, um die es geht, die dann einfach, ja, die schönste Romanze dieser Weltgeschichte. Und ja.
Florian Bayer: Jim Jarmusch mit seinem wahrscheinlich sexiesten Film. Wir reden auch mal drüber im Podcast. Es ist schon etwas länger her, wir haben eine Episode, in der wir über diesen Film reden. Großartig, guckt ihn euch an. Ja, auf jeden Fall. Und unfassbar sexy und cool. Mein Platz 1, weniger sexy, aber ziemlich cool. So ein bisschen der Tarantino der 70er Jahre. Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia, von Sam Peckinpah, ein Thriller, vielleicht auch Action-Thriller, aus den 70ern, wo es darum geht, dass ein Gangsterboss den Kopf von einem Typen haben will, der mit seiner Tochter was hatte. Und dann machen sich mehrere Gangster auf die Jagd nach diesem Kopf. Und irgendwann erfahren wir, dieser Typ, der ist schon längst tot und dann müssen sie die Leiche ausbuddeln. Und dann hat unser Protagonist den Kopf auf seinem Beifahrersitz, um ihn halt zu diesem Gangster zu fahren und die Prämie abzuholen. Und der Kopf fängt irgendwann an zu reden, also er stellt sich das nur vor. Aber wir haben auf jeden Fall, dieser Kopf steht dann im Zentrum des Films und mehrere Leute sind hinter dem Kopf her, weil da verdammt viel Geld dahinter steckt. Großartiger Film. Wer Tarantino mag und glaubt, dass sowas Tarantinoeskes erst seit den 90ern existiert, sollte diesen Film sehen. Das gibt es schon länger. Okay.
Johannes Franke: Es gibt immer wieder Filme, bei denen ich froh bin, dass sie in der Top 3 gelandet sind und nicht in unserer Liste, dass ich ihn gucken muss. Aber oft bin ich auch hin und her geworfen, ob ich den unbedingt sehen möchte, vielleicht mit dir. Aber viele Filme klingen so, als ob die nicht wirklich in diese Muss-man-sehen-Liste passen.
Florian Bayer: Ich glaub, bring mir den Kopf von Alfredo Garcia, fändest du nicht so cool. Okay. Aber so ist Army Man, wärst du voll begeistert. Ja.
Johannes Franke: Aber es gibt ja auch noch einen Unterschied, ne? Also muss man sehen, im Sinne von Trash hatten wir ja auch schon, aber da hab ich ja öfter widersprochen, muss ich sagen. Du hast ja Sachen aufgebracht, wo ich gedacht habe, ja okay, kann man sich angucken, wenn man Spaß haben will, aber muss man sehen? Nein, da brauchen wir einen anderen Podcast für. Da brauchen wir einen, ja, ist jetzt egal, ob du ihn sehst oder nicht, Podcast.
Florian Bayer: Ich hab Johannes zur Verzweiflung gebracht, indem ich Bruce Mayer ganz weit nach oben gehoben habe und gesagt habe, den muss man sehen. Er ist schlecht, aber man muss ihn sehen. So, ähm. Wollen wir zurück in unseren Film? Ja, zurück zu unserem Film und ich glaube, wir können auch deinen Jingle spielen, auf den du so stolz bist. Bitte. Das Urteil. Ich liebe diesen Film. Es ist meiner Meinung nach die beste Stephen-King-Verfilmung. Wir haben noch gar nicht viel zu Rob Reiner gesagt, der hat auch gar nicht unbedingt, der hat Spinal Tap gemacht, über den wir geredet haben. Ja, ein sehr guter Film. Und die Princess Bride-Verfilmung, die Brautprinzessin. Die vielleicht nicht ganz so gut war.
Johannes Franke: Aber okay. Aber okay genug, um den Film zu lieben oder um den Stoff zu lieben, sagen wir es so.
Florian Bayer: Und der aber auch sowas gemacht hat wie Norf, der einer der schlechtesten Filme der 90er Jahre ist. Ja, auf jeden Fall toller Film, toll inszeniert, wirklich gutes Drehbuch, viel rausgeholt und ja, vielleicht die beste Stephen-King-Verfilmung. Wirklich einfach ein emotional bewegendes Drama, das ich sehr gerne schaue. Und ich bin froh, dass ich ihn meinem Sohn zeigen konnte und der auch begeistert davon war.
Johannes Franke: Ja, für mich ist es tatsächlich ein Film, wo ich danach da sitze und denke, warum bin ich eigentlich so investet? Was ist denn eigentlich? Ich habe doch gar keinen Bezug dazu. Ich habe ja solche Sachen nie mit meinen Freunden erlebt, aber es stimmt ja nicht. Das, was auf der Handlungsebene passiert mit Waffen und mit irgendwelchen Gangs, die irgendwelchen Scheiß machen mit Zwölfjährigen. Sowas habe ich nie erlebt, aber es ist eine Handlungsebene, die ja nur ein Vehikel dafür ist, um emotionalen Austausch zwischen den vier Jungs zu bringen. Und das habe ich sehr wohl erlebt. Und das ist das, was einen dann doch in den Film hinein holt. Und was den Film unglaublich toll macht und einen natürlich melancholisch stimmt. Ja, das ist der absolute Nostalgiefilm. Absolut, absolut, wirklich beeindruckend, wie er das voll trifft, obwohl viele Sachen eben, wie gesagt, überhaupt nichts mit meinem Erleben zu tun haben. Aber ja, wie die miteinander umgehen, ist total sweet. Und dieser Versuch und dass die alle rauchen und cool sein wollen und das ist alles so ein bisschen verstörend, aber die gehen so gut miteinander um. Und ich will die ganze Zeit den Kindern zurufen, doch, behaltet euch bitte, behaltet Kontakt.
Florian Bayer: Aber echt mal, das war noch eine Zeit in Hollywood, als man Kinderdarsteller noch rauchen lassen durfte.
Johannes Franke: Also die haben natürlich das irgendwie, was war das? Ich weiß nicht mehr genau, aber sie hatten irgendwelche Pflanzen dafür benutzt, die sie zusammengerollt haben als Zigaretten, die nicht so schädlich waren. Aber sie rauchen. Sie rauchen, ja. Es ist ein toller Film. Vielen, vielen Dank, Bloor, dass du mir den gezeigt hast.
Florian Bayer: Danke, dass du ihn geguckt hast und es freut mich total, dass er dir gefallen hat. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche aufgibt, dann bleibt noch kurz dran. Und ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören. Eine schöne Woche und wir hören uns. Bis dann.
Johannes Franke: So, es geht in die nächste Runde, nächste Runde. Steigt wieder ein, steigt wieder ein. Echt jetzt? Was für einen Rummelfilm müssten wir denn geben? Flora, du weißt, dass ich einfach irgendwann alles abgrasen muss, was so typischer Johannes-Film ist. Und dreimal darfst du raten, was ist denn noch nicht bei mir auf der Liste gewesen, was aber dringend sein muss. Chaplin hatten wir gerade erst. Ja, was, da kieten wir dann zu nah an Chaplin dran. Ja, absolut, das stimmt, ja. Wir sind wieder in Good Old Hollywood unterwegs? Wir sind in Good Old Hollywood. Wir haben Breakfast at Tiffany's. Raus.
Florian Bayer: Oh, den hab ich auch. Moon River. Das ist es, danke. Den hab ich auch echt schon lange nicht mehr gesehen. Ja. Und wahrscheinlich auch, es könnte sogar sein, dass es ein Film ist, den ich eher ein- oder zweimal gesehen habe. Und ich hab gerade, ich weiß, ja genau, ganz vage Erinnerungen gerade.
Johannes Franke: Es gibt in diesem Film nur eine Sequenz, die man vielleicht vergessen möchte. Und du kannst dir auch gerne vorspulen, der rassistische Take auf den Nachbarn.
Florian Bayer: Fuck, war das der? Oh ja, Mickey Rooney als Asiate? Das ist bei Breakfast at Tiffany's, stimmt, du hast recht. Oh shit, darüber müssen wir nächste Woche reden. Oh ja. Johannes schlägt uns mal wieder einen rassistischen Film aus den USA der 50er Jahre vor.
Johannes Franke: Es tut mir leid, die Zeit war so. Es ist schrecklich und man hat Probleme damit. Aber, aber der Rest des Films, lasst ihr den nicht vermiesen davon. Es ist großartig. Audrey Hepburn ist ganz toll. Ja. Okay.
Florian Bayer: Gut, wir werden... Nächste Woche wird toll, es gibt viele Sprechsthema.
Johannes Franke: Sehr schön. Und wir können vielleicht über Truman Capote vielleicht nochmal reden. Stimmt, das haben wir auch lange nicht gemacht. Oh, großartig, ja. Ja, na ja. Okay, gut. Dann viel Spaß beim Gucken und bis nächste Woche. Bis dann. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: Geil, wie tatsächlich bei der Ankündigung die ganzen Erinnerungen wiederkommen.
