Episode 158: Man on the Moon – Jim Carrey als Andy Kaufman
Nachdem Plor das Jahr mit Wrestling gestartet hat, kontert Johannes mit einem Biopic über einen Entertainer… in dem überraschenderweise auch Wrestling eine Rolle spielt: Man on the Moon aus dem Jahr 1999 mit Jim Carrey.
Wir reden lange und breit über den urkomischen wie bizarren Andy Kaufman, seine Auftritte als Foreign Man, Elvis-Imitator, Frauenbekämpfer und Talkshow-Sprenger. Und wir versuchen zu ergründen ob Miloš Forman und Jim Carrey diesem Comedy-Freigeist ein würdiges Denkmal gesetzt haben.
In unseren Top 3 untersuchen wir die Balance zwischen Genie und Arschloch, gerade aber nicht nur in der Entertainmentbranche.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 158: Man on the Moon – Jim Carrey als Andy Kaufman Publishing Date: 2024-01-10T08:50:17+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/01/10/episode-158-man-on-the-moon-jim-carrey-als-andy-kaufman/
Florian Bayer: Besser als das Original. Tut mir sehr leid. Alter, wie kannst du? Tut mir sehr leid. Mann, wir waren so schön im Ramp und wir waren uns einig, dass Jim Carrey ein Arsch ist und ich es kann. Bis zum nächsten Mal.
Johannes Franke: Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald Als ich noch jünger und verwundbarer war, gab mein Vater mir einmal einen Rat, der mir bis heute im Kopf herumgeht. Wann immer du jemanden kritisieren willst, sagte er, denk daran, dass nicht alle Menschen auf der Welt es so gut hatten wie du. Mehr sagte er nicht. Doch da wir uns auf eine diskrete Weise stets hervorragend verstanden haben, wusste ich, dass er wesentlich mehr damit meinte. Völlig nahe ich das, um mich in ein Uhr einzuzeigen, ein Uhrzeit, dass ich mir über die Jahre viel mehr für die Gestalt anvertraut habe und ich immer nur schon lang war, ins Bett gegangen bin. Und eines schönen Tages, so kämpfen wir weiter wie Boote gegen den Strom. unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit. Ich hoffe, du hast nicht vorgespult. Ich hoffe, du hast die ganze Zeit aufgepasst.
Florian Bayer: Nein, ich habe aufgepasst, natürlich.
Johannes Franke: 71 Seiten. Ich hoffe, du bist dabei gewesen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall voll. Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Episode vom Muss man sehen Podcast. Ihr werdet es geahnt haben, wir reden heute über den großen Gatsby.
Johannes Franke: Nein, wir reden natürlich über Man on the Moon. Ein Film über den großartigen... genialen Fragezeichen, Andy Kaufmann, der mir gar nicht so viel sagte wie dir immer, Plur. Du hast nämlich viel, viel mehr mit... Kaufmann zu tun gehabt als ich in meinem Leben, habe ich immer das Gefühl gehabt.
Florian Bayer: Wohlgemerkt kenne ich Andy Kaufmann auch erst, seitdem ich den Film gesehen habe, Man on the Moon. Ich habe den nur offensichtlich durchgeführt. vor dir gesehen und habe mir dann, wie man das in der frühen, wilden Internetzeit so gemacht hat, schnipselweise Andy Kaufmann angeguckt. Ich bin aber kein Andy Kaufmann Experte. Ich glaube, da schätzt du mich falsch ein. War ich auch nie. Ich kenne ihn auch nur durch den Film. Ich bin halt auch nur so ein deutscher Ignorant, der sich nicht wirklich in der amerikanischen Comedy-Szene auskennt.
Johannes Franke: Nun ist natürlich Andy Kaufman wahrscheinlich beleidigt, wenn man sagt, man muss sich in der Comedy-Szene auskennen, wenn man ihn kennen will. weil er natürlich auf der Bühne gestanden hat und nicht gesagt hat, ich mache Comedy, sondern ich mache eine neue Form von Unterhaltung.
Florian Bayer: Ja, ich mache Unterhaltung grundsätzlich. Ich bin ein Entertainer und ich will als Entertainer den Leuten Freude bringen und ich will sie aber auch provozieren und ich will... sie bewegen oder wie auch immer. Und wir sprechen heute über den Film, der versucht hat, das Leben von Andy Kaufman und auch sein Genie, seine Besonderheit auf die Leinwand zu bringen in Form von Jim Carrey, der Andy Kaufman verkörpert. Und was ja wirklich ganz toll ist an diesem Film ...
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Es ist immer so, dass wir ja oft gerne so ein Lexikon aufmachen und sagen, okay, Auch wenn es zum Beispiel ein Biopic ist, worum geht es überhaupt, um welche Person geht es, muss man bei diesem Film gar nicht so sehr machen, weil dieser Film eigentlich auch so ein bisschen das Lexikon ist. Genau. Weil er von einigen Sachen, die er ein bisschen verändert, aus dramatischen Gründen und von einigen weglassen und von einigen übertreiben und so weiter abgesehen. sehr akkurat die wichtigsten Spots in Andy Kaufmans Comedy-Karriere oder Entertainment-Karriere rüberbringt.
Johannes Franke: Ja, und da gibt es auch das richtige Stichwort, nämlich die Entertainment-Karriere, während ich das Gefühl habe, dass das private Leben von Andy Kaufman nicht so richtig viel abbekommt, wie ich mir das gewünscht hätte. Aber das werden wir alles besprechen. Wir werden reinschauen, wer Andy Kaufman war, was Jim Carrey draus gemacht hat. Und ob es da eine Diskrepanz gibt in der Wahrnehmung oder ob der das uneingeschränkt empfehlenswert gut gemacht hat. Ihr seht schon eine Tendenz in meiner Stimme vielleicht.
Florian Bayer: Kommen wir erstmal zu den harten Fakten. Man on the Moon aus dem Jahre 1999 von Milos Forman, der auch durchaus eine Historie hat, was Biopics betrifft. Er hat unter anderem den Amadeus gedreht 1984. Oscar prämiert.
Johannes Franke: Großartiger Film, muss ich dazu sagen.
Florian Bayer: Und auch ein Larry-Flynn-Biopic hat er vor Man on the Moon gemacht. Es geht um Andy Kaufmann, der seit den 70ern, eigentlich auch schon ein bisschen früher als... Entertainer oder Comedian unterwegs war, zuerst auf kleinen Bühnen im Protheater und der dann schließlich, was ziemlich außergewöhnlich ist, weil er sehr außergewöhnliche Nummern hatte, im Fernsehen gelandet ist. Zuerst bei Saturday Night Live und dann in einer Sitcom, die ziemlich lange lief, Taxi. Und dort hat er auch seine berühmteste Rolle gespielt. The Foreign Man. Der dann auch einen Namen gekriegt hat. Und das Besondere an Andy Kaufman war, dass er immer sein Publikum herausgefordert hat und dass er Comedy oder... Entertainment auch immer als Möglichkeit verstanden hat, neue ungewöhnliche Dinge auszuprobieren und vor allem mit der Erwartungshaltung des Publikums zu spielen. Es gibt viele berühmte Geschichten, zum Beispiel die, dass er auf der Bühne den großen Gatsby ewig lange gelesen hat und sein Publikum bewusst gelangweilt und genervt hat. Viele Geschichten von seiner zweiten großen Rolle, dem Tony Clifton, den er ganz radikal Method-Acting-technisch auch dann im privaten Gespräch hat, wenn dieser Tony Clifton in einer Serie aufgetreten ist oder in einer Talkshow. Es gibt Geschichte von seinen Wrestling-Auftritten. Er hat eine Zeit lang, ziemlich lange sogar, gegen Frauen gerestalt, um dann schließlich sogar mit einem großen Wrestler, nämlich Jerry Lawler, zusammenzuarbeiten. Und es gibt viele Geschichten von diversen Sprengungen von Shows, von Talkshows, wo er sich absurd verhalten hat. von Sketchen, wo er nicht nach Schema F gespielt hat, sondern wo es quasi inszenierte Streitereien gab, die die vierte Wand gebrochen haben.
Johannes Franke: Die wohlgemerkt immer darauf abgezielt haben, dass die Leute das nehmen sollen als jetzt rastet er wirklich aus und hier ist nicht inszeniert, sondern er holt sie alle in seine Hölle.
Florian Bayer: Und so war Andy Kaufmann irgendwann auf diesem Status, dass man nie genau wusste, was er da macht. wie viel davon ist echt, wie viel davon ist inszeniert und vor allem auch, wer von denen, die gerade um ihn herumschwirren, wissen, dass es inszeniert ist, wer ist Wer ist in on the joke? Und wer wird hier gerade reingelegt? Und werde ich hier gerade doppelt und dreifach reingelegt? Und das hat ihn einfach irgendwann sehr berühmt gemacht. So berühmt, dass dann, nachdem er gestorben ist, leider viel zu früh an Krebs. unter anderem Ari Em einen Song über ihn gemacht haben, nämlich Man on the Moon.
Johannes Franke: Der Titel dieses Films dann auch, der sich daran bedient und der auch Ari Em einfach in einem Film rauf und runter spielt.
Florian Bayer: Ja, und dass es halt auch sehr viele Nachrufe auf ihn gab, gerade in den 90ern. Also wenn man ein bisschen zu Andy Kaufman recherchiert, findet man sehr schnell zig TV-Specials. wo er von verschiedenen Comedians der 90er-Jahre abgefeiert wird und alle sagen, dieser Mann hat die Entertainment- Branche verändert mit seiner Art Humor zu machen, mit seiner Art Witze zu erzählen, mit seiner Art zu spielen.
Johannes Franke: Und im Grunde ist das auch das, was der Film zeigt. Er zeigt einfach seine ersten Auftritte, seine Highlights in seinem Karriereleben. Und dann auch eben bis zum Tod, der mit 35 irgendwann an Krebs stirbt. Und am Anfang halten es alle... für einen PR-Gag, für einen Prank, weil er ja für seine Pranks so wahnsinnig bekannt war. Also mehr hat der Film auch nicht zu bieten, habe ich so das Gefühl, außer so Highlights zu bringen. Wie hast du den Film wahrgenommen, Plur?
Florian Bayer: Es hat schon sehr viel von einem Highlight-Reel. Das Problem ist ja so ein bisschen, wenn du sagst, der Film zeigt mir zu wenig von Andy Kaufmann, wie er privat war. Es ist unglaublich schwer zu fassen, wie Andy Kaufmann privat war, weil nicht nur er selbst, sondern auch Leute... Aus seinem Umfeld allen voran Bobs Mutter, sein bester Freund und Autor, den man glaube ich auch dessen Rolle man gar nicht unterschätzen darf für die Arbeit von Kaufmann, der sehr viele Ideen da geliefert hat. Vielleicht wird es in dem Film sogar zu wenig dargestellt, dass er auch sehr viel treibende Kraft hinter Konzepten war, die Kaufmann gespielt hat. Auf jeden Fall, Bob Smuda hat Legenden über Kaufmann auch lange nach dessen Tod hinaus noch weitergetragen. Und hat sehr daran gearbeitet, ein Bild von Kaufmann zu zeichnen, das auch in diesem Film wiedergegeben wird, das nicht unbedingt der Realität entspricht, wenn man mit anderen Leuten redet. wenn man anderen Leuten zuhört, die mit Kaufmann gearbeitet haben. Und allerdings auch da wiederum Es gibt sehr viele unterschiedliche Aussagen zu Kaufmann, wie er privat war. Gerade so der Taxicast. Man findet so ziemlich alles. Es gibt Leute, die sagen, ja, der war der totale Schwester. und es war wirklich schwierig, mit dem zu arbeiten. Der war nicht leicht. Es gibt aber auch Leute, die sagen, ey, das war der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Der hat immer versucht, darauf zu achten, dass er nicht Grenzen überschreitet, sondern hat immer versucht, den richtigen Leuten Bescheid zu sagen. um zu sagen, hey, pass auf, ich habe hier einen Plan, das ist das Skript, da wird was gesprengt. Also Letterman zum Beispiel. Er hat viele Auftritte bei Letterman. Und Letterman hat irgendwann mal gesagt, Andy Kaufman war super. Der ist gekommen und hat gesagt, pass auf, in dieser Show wird einiges passieren. Jerry Lawler wird mich hauen. Ich werde rumschreien und so weiter. Nicht erschrecken, das ist alles Plan. Und diese Mischung aus Legendenbildung, und es gibt so viele unterschiedliche Stimmen, kommt dem Film natürlich zugute, insofern, dass er sagen kann, okay, ich nehme jetzt einfach mal die Legendenbildung und setze mich da besonders drauf. Andy Kaufmann ist für mich der radikale Anarchist, mit dem alle Probleme haben. So be it. Aber dass das natürlich dann nicht so 100% der Realität entspricht, das merkt man, kann man sich schon denken, während man den Film schaut.
Johannes Franke: Also ich habe total Respekt vor Smuda, der sagt, ich will dieses Bild, was wir aufgebaut haben, mühsam. nicht kaputt machen, indem ich danach sage, der war der umgänglichste Typ der Welt. Das würde dem Bild widersprechen, was wir aufgebaut haben, wo wir uns wirklich Mühe gegeben haben, dass die Leute... ganz bestimmte Dinge über ihn glauben und die Legendenbildung, die wir betrieben haben, will ich nicht einreißen mit dem Arsch. Absolut, das finde ich total in Ordnung. Aber ich hätte dem Film, ich weiß nicht, ob der Film damit einfach nur den einfachen Weg geht.
Florian Bayer: Er geht den einfachen Weg.
Johannes Franke: Und das ist ein bisschen schade.
Florian Bayer: Ja, ist es total, auf jeden Fall. Ich finde auch der Film, es ist sehr auffällig, an welchen Stellen der Film ausspart und das betrifft vor allem Andy Kaufmans Jugend. und junges Erwachsenendasein. Weil wir lernen Andy Kaufman als den... Wir lernen kurz was über seine Kindheit und dann sehen wir ihn als den sehr arbeitstüchtigen jungen Mann, der über die Impro... Bühnen zieht. Und es gibt aber eine Phase in Andy Kaufmans Leben, da war ja eben nicht der Alkoholverweigerer und nicht der Nicht der, der komplett nüchtern war und alles in seinen Showbiz gesetzt hat, sondern der hatte ein ziemlich wildes Leben, wo er ordentlich Drogen konsumiert hat, ordentlich gesoffen hat, ordentlich gequalmt hat. Und vor allem mit 18 Jahren ein Kind gezeugt hat, das in diesem Film überhaupt gar nicht erwähnt wird. Und auch so ziemlich im Arsch war und halt auch so ein bisschen versucht hat, als Rebell gegen den... gegen seine großbürgerliche Familie, aus der er kommt, zu opponieren. Und das spart der Film komplett auf. Und es wäre ganz spannend auch so zu verstehen, wie Andy Kaufman später getickt hat, weil Andy Kaufman hatte auf jeden Fall dieses Schüchterne, das kommt in dem Film schon durch, dieses sehr, sehr zurückhaltende. Und dieses auch so ein bisschen awkward zurückhaltend und auch vor allem dieses Asketische, also dass er keine Drogen genommen hat und kein Alkohol, das kam aber halt auch Weil er diese Erfahrung damit gemacht hat. Und da spart der Film vielleicht an der falschen Stelle aus. Weil das würde vielleicht auch helfen, ihn als Menschen ein bisschen besser zu verstehen.
Johannes Franke: Was ich finde, was der Film nicht gut macht. Sorry, ich bin schon in der Kritik drin, obwohl ich den Film vorgeschlagen habe. Um das Konzept nochmal ganz kurz zu erzählen. Ich gebe Plur einen Film auf und er muss ihn gucken, egal ob er will oder nicht und Plur gibt mir nächste Woche einen Film auf. Den ich gucken muss, egal ob ich will oder nicht. Plur nutzt das sehr böse aus, indem er mir Horrorfilme gibt immer mal, die ich nicht sehen will. Weihnachtskitsch oder so, das hatten wir letztes Jahr.
Florian Bayer: Und du gibst mir Filme, bei denen du nicht so ganz sicher bist, ob du sie magst oder dich nicht mehr so dran erinnern kannst und hoffst dann, Also gar nicht, dass du meine Meinung übernehmen willst, aber du willst deine Meinung stellern in der Diskussion mit mir zusammen. Und ich habe das Gefühl, dieser Film ist auch so ein bisschen aus dieser Ecke.
Johannes Franke: Dieser Film kommt voll aus der Ecke, in der ich denke, ja, der hat mich damals total weggehauen. Muss ja ein sehr guter Film gewesen sein. Und ich dann beim zweiten Gucken denke... Hm, vielleicht denke ich nochmal drüber nach. Irgendwas macht der Film nicht ganz so richtig. Aber ich finde es auch interessant. Ich finde es total spannend, wie die Wahrnehmungen für Filme sich vollkommen verändern. über die Jahre. Ich meine, ich habe den Film vor 20 Jahren gesehen und das ist, oder von wann ist der Film? 1999. Naja, dann habe ich ihn wahrscheinlich irgendwie so Anfang 2000er gesehen. Und er hat mich natürlich weggehauen. Und das ist vielleicht auch eine Frage der Zeit und meiner Jugend und meiner Phase damals. Ja. Aber jetzt, wenn ich anfange, so ein bisschen kritisch drauf zu schauen, merke ich, was für Probleme dieser Film hat. Und dann ein bisschen befeuert auch davon, dass ich mir dann die Doku angeschaut habe, Jim und Andy. Hast du die gesehen?
Florian Bayer: Nee, hab ich nicht. Erzähl mal kurz was zu der Doku.
Johannes Franke: Der Film wird in seiner Entstehung gezeigt. Aber eben nur durch die Linse, die Jim Carrey hat. Jim Carrey sitzt da und erzählt ein bisschen was. Aus der Entfernung von 20 Jahren oder sowas. Also jetzt, erst 2017 oder sowas ist das Ding rausgekommen. Also sehr viel später. Und hat so einen grauen Bart, sitzt sehr selbstzufrieden da, gibt sich sehr nachdenklich, aber eigentlich sieht man die ganze Zeit, dass er die ganze Zeit am Set ein riesen Arschloch war. Und das ist krass. Und damals hat die Produktionsfirma gesagt, das ganze... Backstage-Material, was wir hier gesammelt haben, mit irgendwelchen Leuten, die mit Kameras rumgelaufen sind und aufgenommen haben, wie Jim Carrey sich verhalten hat. Das werden wir in einen Safe sperren und nie wieder rauslassen, damit die Leute nicht wissen, was für ein Arschloch Jim Carrey ist. Und das haben sie ihm auch so gesagt. Sie haben Jim Carrey gesagt, das werden wir niemals zeigen, sonst denken die Leute, du wärst ein Arschloch. Und Jim Carrey sitzt da in seiner verblendeten Fernsehberühmtheits-Bubble und sagt, genau das erzählt, dass die Produktionsfirma das gedacht hat. Und macht sich darüber lustig, weil er denkt, dass die Leute natürlich nicht glauben, dass er ein Arschloch ist, sondern denken, dass er ein Genie ist. Aber die Leute denken alle, okay, was für ein Arschloch.
Florian Bayer: Der Jim Carrey der 90er Jahre. Gerade der Jim Carrey der ausgehenden 90er Jahre hatte ja auch so einen gewissen... Hatte allen Grund, ein selbstgefälliges Arschloch zu sein und auch eine riesige Primadonna zu sein. Der war nämlich in diesem Zeitraum, als Man on the Moon produziert wurde... Er kam aus einer Ecke, wo er der heißeste Scheiß war, was Comedy betrifft.
Johannes Franke: Ja. Absolut.
Florian Bayer: Er war der Typ für Slapstick. Er war der neue... Wie heißt der? Er war der neue Jerry Lewis. Er war der große neue Slapstick-Style. Er hat Ace Ventura gedreht, er hat Dumm und Dümmer gedreht. Die Maske glaube ich auch schon, oder? Und er kam aus dieser Ecke und hatte aber 1998 mit der Truman Show... seinen ersten veritablen Hit in dem Sinne, dass gesagt wurde, oh, der Mann kann ja gut Schauspielern. Und ich habe damals Man on the Moon 1999 genau aus dem Grund gesehen, weil ich Jim Carrey als Schauspieler richtig gut fand. schon vorher dachte, der ist eigentlich unterschätzt und der kann wirklich viel und ich freue mich jedes Mal, wenn er das beweisen kann und ich habe Truman Show geliebt und ich... Würde den auch gerne nochmal sehen, um nochmal so retrospektiv drauf zu schauen.
Johannes Franke: Absolut, wir müssen den unbedingt sehen.
Florian Bayer: Und das sehe ich auch in diesem Film. Ich bin erstmal, Jim Carrey ist ein guter Schauspieler. Aber er hat auf jeden Fall dieses krass Selbstgefällige. Und das sieht man halt auch an diesem Film. Und das... Das sieht man bestimmt jetzt auch nochmal in der Truman Show. Jim Carrey hat die Tendenz, Filme zu einer Jim Carrey Show zu machen. Und das ist ganz problematisch, weil er macht aus der Andy Kaufmann Show. Andy Kaufmann ist die Person, die da im Mittelpunkt stehen soll in diesem Film. macht er teilweise eine Jim Carrey Show. Er spielt nicht Andy Kaufman, sondern er spielt sein Bild von Andy Kaufman, das natürlich sein eigenes Bild ist, weil wir wissen, Jim Carrey war großer Andy Kaufmann-Fan. Es gibt einen Fernseh-Special aus den 90ern aus dem Jahr 1995. A Comedy Salute To Andy Kaufman mit Bob Saget und Lily Tomlin als Moderatoren, wo es eben um die ganzen Legenden rund um Andy Kaufman geht. Und da ist Jim Carrey auch zu sehen. Und Jim Carrey gibt da ein paar Urtöne und redet von Andy Kaufman und vor allem von Tony Clifton. Ich will sagen, Jim Carrey hat sich sehr gut darin gefallen, zu sagen, jetzt bin ich Andy Kaufmann. Jetzt bin ich der Star. Und er nutzt diesen Film auch, um das zu zeigen und zeigt sich dabei teilweise leider zu sehr selbst und zu wenig Kaufmann.
Johannes Franke: Das muss ich... Absolut unterschreiben. Das werden wir in kleinen Dingen sehen, die wir vielleicht im Laufe des Gesprächs ansprechen. Ich würde gerne einmal noch ein bisschen weiter ausführen, wie er sich am Set... gezeigt hat, weil das wirklich eine schwierige Sache ist Der hat im Grunde eine riesige Seance veranstaltet. Er ist Method Acting pur gegangen. Und die große Frage ist immer, warum geht man Method, wenn man Arschlöcher spielt? Das sind die großen Beispiele. Wenn man ein Arschloch spielen will, dann geht man Method und kann sich dann so richtig schön als Arschloch verhalten am Set und man hat eine recht dafür. Was zur Hölle soll das? Und das hat Jim Carrey volle Kanne durchgezogen. Er hat immer wieder Er hat die ganze Zeit darauf bestanden, nur als Andy Kaufmann angesprochen zu werden. Niemand durfte sagen, auch nur andeuten, dass Jim Carrey irgendwo am Set ist. Tony Clifton, es gab einmal einen Vorfall, wo er mit blutender Nase rausgekommen ist, als Andy Kaufman und dann gesagt hat, Tony Clifton hätte ihn eins auf die Fresse gegeben. Was das alte Ego von dieser Figur ist. Also er spielt beide Figuren und dann musste sogar ein Krankenwagen kommen. Er hat seinen Feud, den er mit dem Wrestler gesehen hat, den Andy Kaufman mit dem Wrestler ja gar nicht wirklich hatte. Ja, das waren Freunde. Das Problem ist bloß... Offensichtlich hat Jim Carrey sich so vorbereitet, dass er das nicht angenommen hat als Wahrheit. Er hatte ein riesiges Problem mit dem Wrestler.
Florian Bayer: Wir haben letzte Woche über Wrestling und über Kayfabe gesprochen. Das passt so wunderbar.
Johannes Franke: Unglaublich, wirklich, das ist so krass.
Florian Bayer: Hat Jim Carrey sich selbst so ein bisschen gemarkt? er quasi einen Mark, der sich da so reingesteigert hat, dass er das nicht verstanden hat?
Johannes Franke: Ja, er hat das anscheinend irgendwie nicht richtig verstanden und hat das als Feud volle Kanne angenommen, hat gesagt, ich kann diesen Typen nicht leiden, weil Andy Kaufman den nicht leiden konnte. Angeblich. Und hat den sogar verletzt und hat ihn ständig angeschaut. und darauf bestanden, dass dieser Schauspieler entlassen wird und jemand anders dafür reingeht. Hat Sachen veranstaltet, das glaubst du gar nicht. Die sitzen alle in der Maske, die Schauspieler, die Maskenbildner und so. Und er macht da seine Party draus. unglaublich laut Musik an, macht sein Ding und alle sind nur genervt.
Florian Bayer: Das ist nicht nur traurig, sondern auch wirklich dumm. Was wir von Andy Kaufman wissen, gerade was dieses Hinter der Legende Wenn wir uns anhören, was Tony Danza, was Danny DeVito und wie sie alle heißen, die bei Taxi dabei waren, so erzählen von ihm. Wenn er Toni Clifton war, wenn er Toni Clifton gespielt hat, war er wirklich ein Arsch. Geschenkt. Andy Kaufman, als Andy Kaufman unterwegs war, war er eben nicht so. Andy Kaufman war ein schüchterner Mensch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er hat das natürlich auch ausgenutzt, diese Schüchternheit auch so ein bisschen zu seinem Trademark gemacht. sehen wir vor allem in seinen Auftritten bei Letterman, dass er oft dieses Awkward überspielt, um es halt irgendwie zu Entertainment zu machen. Aber er war schüchtern und er war auch rücksichtsvoll. Er hat darauf geachtet, dass die Leute in den Witzen drin sind. Und das ist natürlich immer so schwer zu sagen. Es gibt ja dieses berühmte Fridays-Ding, was wir in dem Film auch sehen. Wo sie diesen Sketch machen, dieses Stück, wo sie alle spielen sollen, dass sie gekifft haben. Und dann Andy Kaufmann irgendwann sagt, ich kann das nicht spielen. Ich fühle mich dumm und so weiter. Und dann gibt es einen Konflikt mit dem Schauspieler. Und der Film erzählt uns nicht, wer in es will. Erzählt uns nicht, wer drin ist in dem Witz. Und es gibt verschiedene Aussagen von Leuten, die dabei waren. Und wir wissen, dass mehrere Leute drin waren. Und wir wissen aber, bei einigen fühlt es sich so ein bisschen an, als ob sie es nicht so 100% gewusst hätten. Und das bleibt auch so Legende. Aber dieser... Der Film erzählt es so und auch die anschließende Entschuldigung, als ob die meisten nicht wussten, was da abgeht. Und als ob alle versucht hätten, irgendwie mit diesem Anascho Kaufmann sich zu arrangieren und zu gucken, den so halbwegs in Bahnen zu lenken, während er die TV-Studios in die Luft springt. Das war er nicht.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Das war nicht Andy Kaufman.
Johannes Franke: Und das ist so krass daran. Das finde ich so blöde daran auch, dass nicht nur die Jim Carrey Show da irgendwie läuft, sondern dass auch die Show des Regisseurs quasi läuft, der sein eigenes Bild davon vermitteln will, was das... was er war.
Florian Bayer: Und das ist aber natürlich auch so ein Milosz-Vormann-Ding. Du hast gesagt, Amadeus ist ein fantastischer Film. Amadeus ist ein fantastischer Film. Aber Amadeus ist ja ein Film, der es nicht besonders genau nimmt mit der Wahrheit.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Salieri in Amadeus dargestellt wird, einfach nur um einen Antagonisten zu haben für unser Genie. Wolfgang, ist ziemlich gemein. Weil Salieri und Mozart haben sich durchaus gut verstanden. Salieri war ein sehr angesehener Komponist. Absolut. Und Aber Milos Vormann erzählt eine Geschichte von einem von Eifersucht zerfressenen Mörder.
Johannes Franke: Es ist wirklich krass, ja.
Florian Bayer: Und dann kann man natürlich sich fragen, und das macht der Film hier natürlich ganz im Sinne von Andy Kaufmann auch sehr, sehr offensiv.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wie viel dramaturgische Veränderung darf sich ein Film erlauben, um die Quintessenz von einer Person rüberzubringen?
Johannes Franke: Da kommt das zweite Problem, das ich mit dem Film habe rein. Es geht ja am Ende um die Quintessenz und ich glaube schon, dass man dramaturgisch Dinge verändern darf. Das Schöne ist, dass er sich ja gleich am Anfang dafür entschuldigen, dass gleich Jim Carrey am Anfang sagen darf, all the baloney, haben wir alles rausgeschnitten und jetzt ist der Film fertig. Und sagt damit, der ganze Film ist baloney. Das stimmt nicht. Wir haben dramaturgisch da was geändert, dort was geändert und so weiter. Ist auch in Ordnung.
Florian Bayer: Andy Kaufmann hätte, glaube ich, diesen Anfang gemocht.
Johannes Franke: Das glaube ich auch. Aber die Quintessenz der Figur Andy Kaufman ... Steckt ja in seinen Auftritten und in seiner Rechtfertigung für die Auftritte, die ja zwischen dich auch ein bisschen gezeigt wird. Und ich glaube, da liegt Jim Carrey vor allem falsch, weil sie ... viel zu sehr unterschätzen, wie viel Kaufmann intellektuell daran geknabbert hat, bevor er das wirklich durchgezogen hat und sich wirklich genau überlebt hat, Wie mache ich das mit meinem Publikum? Und wenn man sich Originalaufnahmen von Kaufmann in seinen Bühnenshows anschaut... Dann ist man viel, viel stärker als Zuschauer in On The Joke. Man versteht viel mehr, dass dieser Typ, der da gerade vorne steht, etwas spielt. Ja. Während der Film das so inszeniert, dass Kaufmann am Anfang mit seinen Kindersongs und so überhaupt nicht versteht, wie Comedy geht.
Florian Bayer: Ja, genau. Was völliger Kraft.
Johannes Franke: Quatsch ist.
Florian Bayer: Was totaler Quatsch ist. Das waren seine großen Nummern. Die hat er sehr gut gespielt. Die hat er sehr gut gespielt. Das habe ich sehr genau ausgearbeitet und auch zum Beispiel, um darauf auch nochmal zurückzukommen, dieses Reading von The Great Gatsby. Kaufmann setzt das. sehr gezielt Pausen, arbeitet sehr gezielt mit Stille und sucht sehr genau nach den Punkten, wo er dem Publikum kurz die Erwartungshaltung gibt und jetzt kommt was ein. ist, um es dann wieder zu unterlaufen und wieder zu unterlaufen. Und ja, ich bin absolut bei dir. Gerade diese Sachen, dass er in der in der Kneipe ist und diesen Tiersong spielt, der übrigens großartig ist. Diesen Song hat er ja wirklich gespielt, auch auf großen Bühnen.
Johannes Franke: Und er hatte das Publikum voll in der Hand.
Florian Bayer: Die haben alle mitgemacht. Der hat gesagt, das war nicht so, wie sie es da zeigen. Er sitzt in der Kneipe und spielt und sagt dann und die Kuh macht und einer macht so hinten muh. Nein, das ganze Publikum hat für Andy Kaufmann Gemut. Das ganze Publikum hat für Andy Kaufmann Kikerikiet und okay gesagt. Der hatte das voll im Griff.
Johannes Franke: Man muss natürlich dazu sagen, dass jeder selbst Andy Kaufmann am Anfang nicht jeden Gig abräumt. Und immer das Publikum mit dabei hat. Aber den Anfang eines Comedians zu erzählen, das musst du anders machen. Das kannst du nicht mit den Nummern machen, die den großen Erfolg gebracht haben. Da musst du dir andere Nummern nehmen, die noch nicht so funktioniert haben. Von denen du weißt, okay, da holpert es noch und da ist es dramaturgisch nicht ganz richtig. Und dass man auch sieht, wie er vielleicht hinter der Bühne intellektuell daran knabbert. Und überlegt, wie mache ich es denn am besten? Und wirklich, man sieht, dass er versteht, was er da tut. Während hier im Film... Jim Carrey so aussieht, als wenn er einfach irgendwas in Luft, in den Raum wirft und hofft, dass irgendwas funktioniert.
Florian Bayer: Und das tut wirklich diesem Andy Kaufmann Unrecht. Der Foreignman, mit dem er gearbeitet hat, das war eine wirklich sehr genau ausgearbeitete Nummer und die hat auch, das war eine totale Nummer für Improbühnen. Der ist auf sehr viele Open Stages gegangen und hat tatsächlich, er war irgendwann, er war wirklich ein bunter Hund, wirklich bekannt in der New Yorker Comedy-Szene. War auf den verschiedensten Bühnen unterwegs und hat ihn gespielt. Und das hat natürlich so gut funktioniert, weil es einfach diesen überraschenden Moment gibt. Er zieht das wirklich knallhart durch und in diesem witzigen Akzent und macht dann seine Impersonations, die nichts sind, außer einfach... einfach den Namen von den Personen zu sagen. Und dann gibt es aber natürlich diesen Moment, wo er Elvis spielt. Und wo alle sehen, oh shit, der hat das drauf. Und wohlgemerkt, wir sind ja in den 70er Jahren, damals waren Elvis Impersonations noch nicht so drüber, wie sie es heute sind. Ja, ja, ja. Also irgendwann hat das ja jeder gemacht und es war furchtbar und keiner konnte es mehr sehen. Damals war das noch wirklich was Besonderes.
Johannes Franke: Und Elvis selbst hat das, glaube ich. Elvis selbst hat es gemocht. Gemocht.
Florian Bayer: Und Andy Kaufman war auch selbst großer Elvis-Fan. Und er ist nach Las Vegas gefahren, um Presley zu treffen. Und Presley hat wohl gesagt, das ist die beste... von ihm, die er je gesehen hat. Es ist schwer, sich da rein zu versetzen, aber Weil wenn man sich vorstellt, wie man ist so als Comedy-Publikum und sieht diesen Typen und weiß nicht so genau, was man davon halten soll. Und dann switcht er von diesem Foreignman in diese wirklich perfekte Elvis-Umsetzung. Ja, ja, ja. und rockt das Haus und du denkst, shit, der hat verdammt viel drauf. Ja.
Johannes Franke: findest du Jim Carreys Variante davon?
Florian Bayer: Gut.
Johannes Franke: Ich find sie großartig.
Florian Bayer: Ich find grundsätzlich, ein paar Sachen trifft der nicht, aber ich finde, die meisten Sachen macht Jim Carrey extrem gut, aber natürlich macht er sie extrem gut, weil es einfach nur Adaptionen sind von dem, was Kaufmann macht.
Johannes Franke: Ich glaube, da bin ich ein bisschen anders.
Florian Bayer: Also zum Beispiel der Mighty Mouse Auftritt. Ich finde, die Mighty Mouse Nummer ist fantastisch.
Johannes Franke: Die Mighty Mouse Nummer ist besser als das Original.
Florian Bayer: Oh, nein. Ich finde die Mighty Mouse Nummer ist einfach nur eine 1 zu 1 Umsetzung des Originals. Besser als das Original. Nein. Tut mir sehr leid.
Johannes Franke: Alter.
Florian Bayer: Wie kannst du? Man, wir waren so schön im Rampen. Wir waren uns einig, dass Jim Carrey ein Arsch ist und ich es kann.
Johannes Franke: Wie machst du das jetzt kaputt?
Florian Bayer: Ich finde, er macht das richtig gut, aber ich finde, er macht das einfach richtig gut, weil er die Vorlage hat und er nimmt sich einmal Andy Kaufman und guckt... Wo hat Andy Kaufman komisch geguckt? Wo war Andy Kaufman awkward? Wo hat er sich entsprechend bewegt? Und er setzt das einfach eins zu eins um.
Johannes Franke: Ich finde, dass Andy Kaufman in dieser Nummer nicht das ausgespielt hat, was Jim Carrey erkannt hat, was da drin steckt. Nämlich noch mehr Energie in den Impuls, jetzt was zu machen. Andy Kaufman hat wirklich so awkward dagestanden. Das war super. Aber dieser plötzliche Ausraster in Ich singe jetzt mit. Und mache meinen Lipstick. Und dann werde ich wieder ganz, ganz still. Dieses Extrem macht Jim Carrey so gut, dass das wirklich eine Spur besser geworden ist.
Florian Bayer: Nein, ich finde Andy Kaufmann hat noch, was bei Andy Kaufmann wirklich stärker und besser ist als Pitching and Kerry, ist, dass er dieses... Unschuldige, dieses unschuldige Naive viel besser noch in seinem Blick hat.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Bei Jim Carrey ist es so, dass Jim Carrey das als wahrhaftigen Charakter von Andy Kaufman spielt. Das nimmt er nämlich ganz oft in die Live-Action-Szenen, also in sein privates Leben mit hinein.
Florian Bayer: Was ja auch so...
Johannes Franke: Furchtbar. Das geht nicht. Das kannst du nicht machen. Das ist eine Bühnenfigur von Andy Kaufmann. Und wenn du privat Andy Kaufmann spielst, dann kannst du nicht die Bühnenfigur spielen. Das funktioniert nicht. Das macht die Figur kaputt. Also beziehungsweise den wahren Andy Kaufmann kaputt.
Florian Bayer: Ja. Okay, jetzt haben wir uns ein bisschen verrannt in diesem Mal. Aber ich finde, Jim Carrey macht das grundsätzlich gut. Viele Auftritte macht er wirklich fantastisch. Aber es ist halt wirklich auch gut, weil er sich einfach sehr streng an das Material hält. Und das ist gut, das ist okay.
Johannes Franke: Wie awkward ist das? Wenn man nicht Jim Carrey und total selbstverliebt und seltsam ist, wie awkward, wie seltsam ist das als Comedian Nummern von anderen Comedians zu spielen. Das ist doch wirklich seltsam, oder?
Florian Bayer: Ich weiß.
Johannes Franke: Das ist mir wirklich komisch vor, weil es ist nicht dein Urstil, das ist nicht deine eigentliche Sache. Dafür ist es natürlich Schauspieler, das anzunehmen und umzusetzen, aber ich stelle mir das wirklich seltsam vor. Vielen Dank.
Florian Bayer: Keine Ahnung, schwer zu sagen. Ich glaube, es ist schon okay. Es gibt ja auch durchaus Comedians, die da rumlaufen und die Witze von anderen erzählen. Ich glaube, so ... Plagiarismus ist in der Comedy um ein Kabarett relativ weit verbreitet, so wie ich das mitkriege, auch auf kleinen Bühnen, auf offenen Bühnen.
Johannes Franke: Aber Andy Kaufman zu plagiieren ist schon eine Nummer.
Florian Bayer: Naja, aber hier ist was anderes. Hier ist ja gerechtfertigt, weil es klar ist, er spielt in Andy Kaufmann.
Johannes Franke: Ja, ja, aber ich stelle mir das sehr awkward vor. Kann ich mir vorstellen. Aber es ist ja so, dass Jim Carrey sowieso seine Seance veranstaltet und wirklich immer auch in der Dokumentation, wie ich gesehen habe, immer channelt, als ob er wirklich jetzt den Geist von Andy Kaufman in sich hätte, der ihn führt.
Florian Bayer: Oh je.
Johannes Franke: Echt vom Gefühl her ist das genau das.
Florian Bayer: Aber Jim Carrey ist auch ein bisschen ein Spinner. Der ist auch so als Vaxinengegner auftreten. in den letzten Jahrzehnten. Der ist auch jemand, der nicht vor so Verschwörungstheorien zurückscheut. Aber was natürlich auch wiederum so ein bisschen zu Andy Kaufmann passt, weil Andy Kaufmann hatte auch diese Seiten. Also wir wollen jetzt nicht Andy Kaufmann komplett frei reden. Ich finde es also grundsätzlich schwer, was zu Andy Kaufmann privat zu sagen. so viel Legende und Wahrheit durcheinander geht. Aber was man halt weiß ist, dass er tatsächlich diesen Hang zu alternativen Heilmethoden hatte und seiner Krebserkrankung dann nach alternativen Therapien gesucht hat und auch bei diesen Wunderheilern war. Was ich übrigens wirklich schön finde, dass das, wie dieser Aspekt seines Lebens im Film eingebunden ist, weil es diese tolle Ironie halt darstellt, dass er Der, der die ganze Zeit mit dem Publikum spielt, ist der, mit dem jetzt gespielt wird und dieser Moment der Erkenntnis, Wenn er sieht, dass dieser Wunderheiler auch eine Riesenshow abzieht. Und er freut sich drüber und ist gleichzeitig verzweifelt. Und es ist so ein Wechselbad, der Gefühl... Es ist eine sehr schöne Szene, ich mag die.
Johannes Franke: Es spielt auch Jim Carrey an der Stelle wirklich gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es ist wirklich, ich finde es inszenatorisch total gut gemacht an der Stelle. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder iTunes.
Florian Bayer: beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-et-mussmann-sehen.de oder florianet-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Versuchen wir mal ein bisschen auseinander zu ziehen. Welche von Kaufmanns Nummern gefallen dir denn besonders gut? Und welche findest du im Film besonders gut umgesetzt und welche findest du weniger gut? Weil der Film ist halt wirklich vor allem auch eine Aneinanderreihung von Kaufmans größten Auftritten.
Johannes Franke: Ich finde die beste Nummer wird im Film gar nicht verwurstelt.
Florian Bayer: findest du am besten?
Johannes Franke: Das ist natürlich schwer zu sagen, weil die, manche sind so ridiculous, die muss man dafür schon ehren, aber ich find eine Nummer, ne ganz kleine süße Sache. Wirklich geil. Es gibt eine Nummer, wo er nur Fantasiesprache spricht. Ja. mit dem Publikum redet und dann noch den Typen in der dritten Reihe kurz mit einbezieht, aber alles in Fantasiesprache und keiner versteht, was er meint. Aber er hat so ein krasses, geiles Timing da drin. Es ist unglaublich.
Florian Bayer: War das in seinem TV-Special?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: In seinem TV-Special war so viel. Es kann sein, dass da... Leute, grundsätzlich bei YouTube findet man sehr viel von Andy Kaufman. Man findet... eigentlich natürlich alles aus dem Film wieder. Man findet sein TV-Special, das kann man sich auch mal ganz angucken. Also es ist teilweise auch ein bisschen anstrengend. Ich finde, Andy Kaufmann ist vielleicht niemand, der unbedingt auf 60 Minuten Länge funktioniert, sondern eher so auf 5 Minuten Länge.
Johannes Franke: Naja, vielleicht auch auf 20.
Florian Bayer: Vielleicht auch auf 20. Was ich von Andy Kaufman tatsächlich sehr gerne mag... Und das ist auch was, was in dem Film ein bisschen kurz kommt, sind seine Talkshow-Auftritte. Andy Kaufmann hatte ein sehr enges Verhältnis zu Talkshow, zu dem Konzept. Er war ja oft bei Letterman und bei Carson. Und er hat damit auch gespielt. Es gibt ja auch diese Show von ihm, wo er dann das parodiert, dass die berühmte TV-Legende, die Late-Night-Hosts, sitzen immer ein bisschen erhöht auf ihrem... an ihrem Schreibtisch, um so eine Dominanz gegenüber den Gästen zu haben, die dann so auf der Couch oder auf dem Sessel sitzen, etwas niedriger sind. Und Andy Kaufmann hat das parodiert in seinem TV-Special, in dem er sich einen riesigen Schreibtisch, ein riesiges Podest gebaut hat mit Schreibtisch, wo er dann dran saß, wie so ein Late-Night-Host und dann halt seine Gäste hatte. Und er hat eine Ex-Freundin dann auch zu Gast. Oh mein Gott. Ein sehr, sehr, sehr awkward Moment, wo er mit seiner Ex-Freundin über ihre Beziehungen, über alphasische Laien redet. Oh Gott. Und dann ist die Szene vorbei und dann diskutieren sie aber weiter und sie sagt, das war total schrecklich, was da gerade passiert ist. Ich wollte das nicht machen. Und dann diskutieren sie so darüber. Das ist sehr witzig, sollte man sich auf jeden Fall anschauen. Was ich aber eigentlich sagen wollte, Andy Kaufman bei Letterman ist immer ein Erlebnis. Nicht nur diese Lawler-Sachen, die jeder kennt, sondern auch Andy Kaufman, einfach der sehr schüchtern da sitzt und der das sehr überspielt und Letterman versucht so ein bisschen was aus ihm rauszukriegen und es gibt so Es ist wirklich dieses Anti-Comedy und dieses Fremdschämen sehr viel dabei. Und es ist aber toll, weil Letterman und Kaufmann einfach eine fantastische Dynamik haben.
Johannes Franke: Und ich glaube eben, dass diese Dynamik nur zustande kommt, wenn man sich vorher abspricht. Das ist irgendwie wichtig. Die besten Momente kommen zustande, wenn zwei Profis einfach wissen, was sie wollen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und gerade bei Letterman einfach.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Mit Letterman hat er sich sehr viel abgesprochen. Es hat ja auch seine guten Gründe, dass fast alle, mit denen Kaufmann zusammengearbeitet hat, früher in diesem Film auftreten und quasi sich selbst spielen. Ja. Wenn man eine Geschichte erzählt, die nur 20 Jahre alt ist oder 15 Jahre, dann kann man die Leute sich selbst spielen lassen. Und Jerry Lola tritt auf als er selbst und Letterman tritt auf als er selbst.
Johannes Franke: Die ganze Taxi-Crew.
Florian Bayer: Außer Danny DeVito, der spielt nämlich den George Shapiro. Ja. Und... Da sieht man auch, wie sehr die Leute es geschätzt haben, mit Kaufmann zu arbeiten und wie gerne sie sich auch teilweise daran erinnern. Und gerade Letterman, es gibt wirklich... herzerwärmende Kommentare von Letterman zu Andy Kaufmann, wie das hinter der Bühne war und wie sie Wie sie sich unterhalten haben vor und nach den Auftritten in der Late Show. Das ist super.
Johannes Franke: Man muss sagen, dass das alles in einem wahnsinnig jungen Alter passiert ist. Ja. Der hat sehr, sehr früh angefangen, hat dann, das ist das größte Teil, der größte Teil ist glaube ich mit... Ende 20 bis dann eben Mitte 30. Und das ist nicht alt. Für eine Comedy-Karriere ist das unglaublich krass, weil man dann... Viele verstehen ja erst mit Ende 20 wirklich, wie das wirklich verlässlich funktioniert mit dem auf der Bühne stehen und lustig sein. Also natürlich kann man viel Erfahrung sammeln und so, aber gewisse Sachen stellen sich erst mit dem Alter ein, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Krasse ist ja wirklich, dass Andy Kaufmann das mit seinem Humor geschafft hat. Und ich finde, es ist immer noch Wahnsinn, dass er das geschafft hat. so berühmt zu werden und tatsächlich diese Möglichkeit hatte, dieses Bizarre, was absolut Anti-Mainstream ist, komplett in den Mainstream reinzutragen. Er war nicht der Erste und er war auch nicht der Einzige, der so bizarren Anti-Humor gemacht hat. Aber er hat das geschafft für ein Millionenpublikum zu machen. Und er hat wirklich hart dafür gearbeitet. Er war auf ganz vielen Bühnen. Und er hatte es schwer als Comedian, weil damals, gerade so in den 70ern war es so, dass die Comedians noch, oder die Entertainer, halt oft auch gebucht wurden, um vor musikalischen Acts zu sein. Und Andy Kaufman und Andy Kaufmans Humor hat aber nicht funktioniert. Weil er halt wirklich schräge Sachen gemacht hat, die teilweise auch wirklich awkward waren. Nach dem Motto, meine Freundin hat mich verlassen, ich werde sterben, möchte jemand meine Zyste anfassen. Ja.
Johannes Franke: Wo man denkt, what the fuck is going on?
Florian Bayer: Er hatte dann unglaubliches Glück, dass er bei Saturday Night Live... gelandet ist, die ja damals auch sehr jung waren, das erste Staffel. Er hat nicht zum festen Ensemble gehört, aber er war dann halt da doch öfter zu sehen. Und dann natürlich Taxi. Eigentlich war es vor allem Taxi. Und dadurch, dass er ein Taxi so lange gespielt hat und diese Rolle hatte, die so bekannt war, konnte er seine anderen Sachen machen und Dann hat er wirklich schräge Sachen gemacht. Wenn man sich diese TV-Specials von ihm anschaut, wir wissen, dass das Wie es im Film dargestellt wird, wie die CBS-Leute auf ihn reagieren, so krass war das nicht. Die waren dankbar für ihn auch. Aber es ist trotzdem, wenn man sich das anguckt, denkt man auch, ja, das ist wirklich mutig, sowas im Fernsehen zu machen. Er macht eine 60-Minuten-Sendung. in der wirklich bizarre Sachen passieren und in der dann auch diese Störgeräusche sind, wo man das Gefühl hat, der Fernseher geht jetzt kaputt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und wo man, wo einfach Nummern sind, die nur aus awkward silence bestehen und so weiter und das Publikum ist voll dabei und er hat einfach diesen 60 Minuten Spot und kann da seinen Scheiß machen.
Johannes Franke: Es war aber auch ein bisschen die Zeit, das Fernsehen war ein bisschen in der Krise, habe ich das Gefühl. Wir haben... Zu Weihnachten doch über das Star Wars Special geredet. Das ist ja ungefähr die gleiche Zeit.
Florian Bayer: Ja, das ist die Zeit, in der wir uns bewegen. So, wir sind in den späten 70ern.
Johannes Franke: Und das war ja auch so, es gab diese Variety Shows Da schloss sich dann irgendwann diese große Late-Night-Zeit nochmal an. Ich glaube, die Leute hatten einfach... Keine Lust mehr auf das, was im Fernsehen kam. Also diese alten Konzepte.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich glaube, da hat er einfach voll reingehauen.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass er das genommen hat, diese alten Konzepte, und dann so sehr durch den Fleisch verflüchtet hat. Dieses Carnegie Hall Ding ist ja so seine begrünteste Show. 1979, das ist ja eigentlich eine richtig klassische Variety-Show. Wir haben Gesangsauftritte, wir haben Tanzauftritte und am Schluss gibt's Kekse und Milch.
Johannes Franke: Tatsächlich. Das Cupcakes und Milch. Das war übrigens, im Film ist das sehr stark verbunden mit seiner Diagnose, aber das war gar nicht so. Das Sein Tod war noch fünf Jahre weg und seine Diagnose auch noch eine ganze Weile hin. Also er wusste noch gar nichts davon.
Florian Bayer: Nee, es war genau, es war viel früher. Sie haben es aus dramaturgischen Gründen ganz offensichtlich als Highlight seiner Karriere an den Schluss gesetzt, was dramaturgisch auch irgendwie Sinn macht.
Johannes Franke: Natürlich, ja.
Florian Bayer: Aber dieses Ding findet man auch online. Die Carnegie Hall auftritt in schlechter Bildqualität. Vieles findet man in schlechter Bildqualität. Aber man findet diese ganze Show und da sind auch viele Nummern drin, die im Film an anderer Stelle gezeigt werden. Zum Beispiel dieser Tearsong mit dem und so weiter. Und naja, es sind halt wirklich, es sind wirklich Variety Sachen. Er zeigt dann ne Tanznummer und dann hat er diese alte Dame, die als Kind getanzt ist. Aber dann lässt er sich auf der Bühne einen fucking Herzinfarkt haben.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Fuck, Alter. Das war schon ein bisschen, wo ich dachte, oh mein Gott, nein. Das war ein bisschen dolle.
Florian Bayer: Aber ich glaube, das war auch schon so ein Punkt seiner Karriere, wo das nicht mehr geschockt hat. Ich glaube, darauf ist keiner reingefallen. Also es ist natürlich so schwer zu sagen im Nachhinein. Und es hat, ich denke schon, dass das, Also es hat oft geklappt, was er gemacht hat und er hat es wirklich weit gedehnt und zum Beispiel seine ganze Wrestling-Geschichte, so der wir auf jeden Fall gleich auch noch sprechen müssen. Er hat das wirklich geschafft, gut zu dehnen und die Leute waren damals auch ein bisschen naiver, was so Medienkonsum betrifft und waren noch eher für sowas empfänglich. Ja. Aber ich glaube, das war schon so ein Punkt, wo die Leute schon geahnt haben, okay, Andy Kaufmann, da können schräge Sachen passieren und es ist Teil der Show.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Welche Beziehung hast du denn zu Andy Kaufmann jetzt, wo du nochmal recherchiert hast? Findest du das toll oder hast du da irgendwie das Gefühl, das geht zu weit oder was ist so dein Vibe damit?
Florian Bayer: Ich find's cool, ich find's unglaublich wichtig für die Geschichte der Comedy, ich sag ganz oft Comedy, aber für die Geschichte des Entertainment. Ich find's großartig, was er macht. Ich find, er hat einige Nummern, die sind so perfekt. Die sind so gut, was Timing betrifft und was dieses Spiel mit Awkwardness betrifft. Und ich finde es eigentlich schade, dass das halt immer auch... bis heute immer noch so ein bisschen Nischenprodukt ist, diese Anti-Comedy. Und es gibt auch heutzutage gute im Mainstream, die das machen und es gibt auch gut, fantastischer außerhalb des Mainstreams. Erinnerst du dich an Lutz? Offene Bühne.
Johannes Franke: Offene Bühne, Lutz, ich weiß nicht, keine Ahnung. Erinnert ihr euch da draußen an Lutz?
Florian Bayer: Johannes und ich. Johannes hat eine ganze Zeit lang eine offene Bühne moderiert in Berlin, auf Theater. Und da war ich dann auch teilweise auftretend und teilweise als Zuschauer, aber auch auf der Bühne. Und das waren immer sehr illustre Runden und sehr unterschiedlich von der Qualität. Da waren auch so ein, zwei Anti-Comedy-Leute dabei und Hieß der Lutz? Burkhard Bering? Burkhard, nein, ich meine Burkhard. Burkhard Bering, genau.
Johannes Franke: Der hat sehr awkward Sachen gemacht. Ich weiß nicht ganz genau, wie viel in seinem Kopf abging, was er so...
Florian Bayer: Aber es hatte kaufmannsche Qualitäten.
Johannes Franke: Es hatte teilweise kaufmännische Qualitäten, das stimmt schon, ja.
Florian Bayer: Und es gab noch so ein oder zwei andere, wo ich dachte, ah, die sind schrecklich. Die sind komisch und ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich mag das. Ich gucke das total gerne, weil... Comedy und Kabarett finde ich grundsätzlich, ich bin kein großer Comedy und Kabarett Fan, weil es so oft vorhersehbar ist. Und sowas, wenn so der Rahmen gesprengt wird, dann ist es geil. Und ich freue mich jedes Mal, wenn es so Happen auch im Mainstream gibt.
Johannes Franke: Ja. Ich muss jetzt an Schlingensief denken.
Florian Bayer: Ja, aber Schlingensief ist schon wieder zu viel Nische. Wenn ich von Mainstream rede, meine ich zum Beispiel, und jetzt sind wir wirklich bei total Mainstream, Der American God Talent Gewinner aus dem Jahr 2020. aus dem Jahr 2023 ist ein Norweger namens Viko Venn. Und der ist bei seiner ersten Nummer aufgetreten. mit einer gelben Warnweste, die er sich runtergerissen hat. Und dann lief »One More Time« Und dann hat er sich seine Jacke ausgezogen und darunter war wieder eine gelbe Warnweste.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann ist wieder One More Time gelaufen und er ist die ganze Zeit nur rumgetanzt und hat sich immer wieder die Westen ausgezogen. Wäre fast an der ersten Runde gescheitert, aber hat es irgendwie durchgeschafft und ist dann tatsächlich der Sieger geworden und hat die ganze Zeit eigentlich nur so Anti-Nummern gemacht. Total schräg, total komisch. Ich hab mich so drüber gefreut, weil es so ein Stück dieses Bizarre, dieses Anti im Mainstream war. Und es gab noch so einen anderen, der auch bei Got Talent relativ ... Gartis Kandis ist ein Comedian angeblich aus Lettland, Litauen. Ich glaube, er ist tatsächlich kein Brite, sondern er kommt tatsächlich aus dem Ausland, aber sein Akzent ist garantiert überspielt. der auf die Bühne tritt und dann mit diesem schrecklichen Akzent Witze erzählt, die überhaupt nicht witzig sind. Und sich die ganze Zeit so awkward bewegt und Pausen macht. Schaut euch das mal an. Gartis Kandis, der war zweimal, glaube ich, bei Gartalent und ist ganz toll und hat das auch so dieses schräge in den Mainstream gebracht und man sieht es und Und wenn man halt viel Comedy guckt, dann sieht man glaube ich auch, dass es wirklich durchdacht ist und dass es sehr ... sehr pointiert ist und dass da sehr viel Arbeit dahinter steckt, wie du schon gesagt hast. Worauf wollte ich hinaus? Ich liebe es. Ich liebe Andy Kaufmann. Andy Kaufmann ist toll und ich hatte... Viel mehr Freude, die ganzen Andy Kaufman Sachen zu gucken, als an dem Film jetzt.
Johannes Franke: Naja, ich muss mal ein Beispiel nennen. Andy Kaufmann hat eine Nummer, wo er auf der Bühne plötzlich so unsicher wird und, also das wird er oft, Aber wo er wirklich dann sagt, das funktioniert alles nicht, es geht nicht. Irgendwie, ich gebe auf, ich höre auf. Nein, es geht nicht. Und dann das eine Weile erzählt und immer emotionaler wird und dann auch davon stürmt. Und dann kommt er wieder auf die Bühne gestürmt. Und fängt an zu weinen. Und fängt dann seine Schluchzer an ... rhythmischer zu verteilen und dann an der Kongo weiter den Rhythmus zu machen und heult dann zum Kongo. Und man denkt die ganze Zeit, Alter, ich habe gerade fast mit dir mitgelitten. Ich hätte beinahe gedacht, oh mein Gott, der Arme tut mir richtig leid. Und dann fängst du diese Nummer an. Das ist schon wirklich, das ist so viel Awkwardness, das muss man als Zuschauer auch erstmal durchstellen. Das ist schon anstrengend. Also ich finde es bewundernswert, dass er das für sich auch durchzieht. Weil es muss ihn ja auch irgendwie betreffen. Also ich kann mir nicht vorstellen, auf der Bühne zu stehen und das so... So immer wieder durchzuziehen und die Leute, die einen mit einem Fragezeichen im Kopf angucken und das alles so, so sehr awkward, das alles durchzuziehen. Aber, aber. Aber als Zuschauer ist es auch echt anstrengend.
Florian Bayer: Aber ich hab's richtig verstanden, du findest es großartig.
Johannes Franke: Naja. Auf einer Meta-Ebene, ja.
Florian Bayer: Auf einer Ebene, wo ich danach... Ist doch scheißegal, auf welcher Ebene ich das großartig finde.
Johannes Franke: Nein, es ist nicht egal. Es ist wirklich nicht egal, weil Kaufmann verhungert wäre, wenn alle so wären wie ich. Weil ich wäre nicht in die Show gegangen. Ich hätte mir das alles in der Zeitung durchgelesen, hätte gedacht, wie großartig, toll, dass er das macht. Aber ich hätte mir die Show nicht angeschaut. Weißt du, was ich meine? Ich glaube, ich weiß, was du meinst.
Florian Bayer: Wie gesagt, deswegen sage ich auch Andy Kaufmann in 60 Minuten zu gucken. Ich habe mir das TV-Special komplett angeguckt und ich habe mir die Carnegie Hall komplett angeguckt und ich fand es teilweise anstrengend. Weil es einfach so einen Moment gibt, wo das bizarre Ja, auch eine gewisse Trägheit hat. Aber ich mag ja auch Filme, die langsam erzählen. Das ist genau dasselbe. Da gehören diese Längen auch irgendwie dazu. Und Andy Kaufman hat definitiv Längen, wenn er... länger unterwegs ist. Aber wenn Andy Kaufman so peak ist, dann ist das unglaublich gut. Und dann kann ich auch verstehen, dass er zu so einer Comedy-Legende geworden ist.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Das findet man nicht oft so ein verflucht gutes Timing. Vor allem diese Fähigkeit mit diesem Material so großartig das Publikum für sich zu gewinnen. Egal ob als Star oder wie beim Wrestling als Bösewicht.
Johannes Franke: Dann gehen wir doch mal zum Wrestling über. Du sagst das jetzt schon. Er hat irgendwann mal beschlossen, okay, ich werde jetzt einfach... mich mit Frauen prügeln und das Konzept ist, dass ich immer gewinne und allen den Stinkefinger zeige und verbal klar mache, dass ich hier das Alpha-Männchen bin und Frauen gehören an den Herd.
Florian Bayer: Auch hier ist der Film voll daneben, wenn er diese Kämpfe mit den Frauen so inszeniert, als ob das alles... spontan wäre. Er lernt dann ja sogar die Liebe seines Lebens kennen während eines Kampfes.
Johannes Franke: Und plötzlich ist er mit ihr zusammen und ich denke, Moment, wann ist das bitte passiert? Wie kannst du Filmen einfach so über alles drüber hinweggehen und in der nächsten Szene zeigen, nachdem die sich gerade gewrestelt haben, wie die zusammenkommen? Das ist wirklich seltsam.
Florian Bayer: Und vor allem wird es so inszeniert, als ob er die Frauen einfach aus dem Publikum genommen hätte und sie hätten wirklich gekämpft gegeneinander. Und es war einfach, es war Wrestling. Das war einfach fucking Wrestling. Er hatte Profi-Wrestlerinnen, hat sich mit denen abgesprochen, der Kampf war ein Work und so weiter.
Johannes Franke: Also ich musste die ganze Zeit an dich denken, Florian. Weil wir ja über Wrestling geredet hatten.
Florian Bayer: Wir haben sehr lange über Wrestling geredet. Hört euch die letzte Episode ab.
Johannes Franke: Genau, dann könnt ihr die ganzen Begriffe, die Ploy jetzt noch reinbringen wird.
Florian Bayer: Babe, Leute. Das macht der Film viel zu viel.
Johannes Franke: Mark, Work. Okay, alles, ja.
Florian Bayer: Das waren auf jeden Fall alles Works und der Film, der schafft es nicht. Also mit dem Jerry Lawler-Ding macht er das ganz geschickt. Das finde ich auch witzig, dass er das so macht. Dass er das sehr lange in dem Kayfabe lässt. Aber er uns dann am Schluss ganz eindeutig klar macht, es war alles Work. Wenn dann Terry Lawler und Andy Kaufman zusammensitzen. Wir müssen das klären.
Johannes Franke: Die Leute haben diese Episode nicht mehr.
Florian Bayer: Leute, informiert euch über Wrestling. Kayfabe ist das Suspension of Disbelief, dass die Wrestler alle so machen, als ob ihre Kämpfe echt wären. Als ob ihre Storylines, ihre Geschichten echt wären, als ob sie sich wirklich hassen würden, während in Wahrheit alles abgesprochen ist. Und das war natürlich hier auch der Fall. Jerry Lawler, der wirklich berühmte Wrestler, gegen den er kämpft, hat zusammen mit ihm vorher... vor jedem Kampf die Story des Kampfes entwickelt. Wer wird wann hochgehoben, wer wird wann wie zu Boden geworfen, Und so weiter. Wie verletzt du dich? Wie sieht deine Verletzung dann aus? War alles abgesprochen? War alles Teil der Show? Und allerdings in der Zeit, Ende der 70er, als die Menschen auch noch ein bisschen naiver waren, was das denn betrifft. Deswegen hat das auch so gut funktioniert, weil da kommt so ein Comedian von außerhalb und sagt, dieser Scheiß, den ihr hier macht, das kann doch jeder, also zumindest gegen Frauen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und macht sich dann über Wrestling lustig und zieht das voll ins Lächerliche.
Johannes Franke: Ich finde es großartig, weil das ja voll auf der Linie von Wrestling ist.
Florian Bayer: Total, deswegen war Lola ja auch so begeistert dabei.
Johannes Franke: Ja, es ist ein bisschen schwer, weil er diesen misogynen Typen gespielt hat.
Florian Bayer: Er war Anil. Ein Bösewicht, wie wir beim Wrestling sagen, hört euch die letzte Episode an.
Johannes Franke: Ich hatte so gehofft, dass wir das einmal eine Episode durchziehen müssen.
Florian Bayer: Du hast diesen Wrestling-Film vorgeschlagen.
Johannes Franke: Es ist kein Wrestling-Film.
Florian Bayer: Was aber tatsächlich, der Film, in dem Fall untertreibt der Film, diese Wrestling-Karriere von Andy Kaufman ging nämlich richtig lange.
Johannes Franke: Das ist mal Jahrzehnt gewesen.
Florian Bayer: Die hatten so viele Kämpfe gegeneinander und dann auch inklusive Andy Kaufmann hat ein Feud gegen jemand anderen und arbeitet sogar mit Jerry Lawler zusammen. In einem Kampf, aber dann kommt heraus, dass er das nur gemacht hat, um ihn reinzulegen und der geht ihn dann. Er war voll drin im Wrestling-Business.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, dass man das ja nur irgendwie so drei, vier Jahre durchziehen kann, bevor allen klar ist, okay, das ist alles... Abgesprochen, das ist ein Work. Was soll das? Und selbst wenn man am Anfang noch glaubt, oh mein Gott, was macht dieser Typ da? Das ist ja voll der mysogyne Scheiß, was tut er da? Und spätestens nach dem dritten, vierten Kampf weiß man das doch.
Florian Bayer: Und Respekt davor, dass Andy Coffin, Andy Coffin war nicht der sportlichste Typ, dass er das durchgezogen hat. Im Film sieht man übrigens, dass Jim Carrey, dass das Stuntduples sind. Jim Carrey, so weit geht sein Method Acting nämlich nicht. Jim Carrey macht nicht diese Wrestling-Moves mit.
Johannes Franke: Er wollte! Er ist da durch die Gegend gelaufen und hat alle beschimpft. Er wollte das durchziehen selber und der durfte aber nicht.
Florian Bayer: Ja, verstehe. Und Andy Kaufmann hat es durchgezogen und großen Respekt davor, weil auch wenn das abgesprochen ist. Das ist gefährlich. Genau, wenn du so wie hochgehoben wirst und dann nach hinten geworfen und das ist verdammt gefährlich und Mann, also Respekt, dass er den Shit durchgezogen hat.
Johannes Franke: Absolut. Und wahrscheinlich hat er sich wirklich ein bisschen verletzt.
Florian Bayer: Er hat sich verletzt.
Johannes Franke: Also ... Er trägt ja dann diese Halskrause, die er wirklich sehr lange durchzieht. Und in diesem Gespräch mit Letterman, der sich ja auch wieder selbst spielt und der übrigens sich geweigert hat, eine Perücke zu tragen, um in diese... Zeit wieder zurückzukommen, der einfach älter aussieht, als er damals war. Das Gespräch ist ja irgendwie ein halbes Jahr, neun Monate später oder sowas, nachdem diese Verletzung. passiert ist und der Wrestler macht sich natürlich lustig darüber und sagt, Alter, das ist längst abgeheilt, wenn da mal was war. Selbst wenn, dann ist das längst vorbei. Und du trägst immer noch lächerlich diese Krause. Weil das ja eine Storyline ist, die sie beide festgelegt haben. In der Kaufmann sich dem vollkommen egal ist, was er am Ende für ein Bild aussieht. Ja. Das Wichtige ist die Story.
Florian Bayer: Er leidet für sein Publikum und er macht sich wichtig. wirklich zum Deppen für sein Publikum, weil er hat den krassen misogynen Wichser gespielt und er das Knall hat durchgezogen. Also aus dieser Zeit kommt, also von Kaufmann kommt unfassbar krasse sexistische Sprüche. Was total witzig ist, weil er das ja natürlich in so einem Umfeld, das total sexistisch ist, gemacht hat. Und er hat es geschafft, dass dieses sexistische, maturistische Umfeld vom Wrestling auf einmal voll auf Seite des Feminismus war und gesagt hat, Du misogynes Arschloch, das lassen wir nicht zu, dass so mit Frauen geredet wird. Großartig, was für ein toller Work. Was für eine tolle Metaebene, die er da reingebracht hat. Absolut. Das Problem ist natürlich, dass er die ganze Nation zugeschaut hat.
Johannes Franke: Und die meisten von Wrestling nicht so viel Ahnung hatten und nicht in diesem Crowd-Ding waren.
Florian Bayer: Es gibt eine ganz tolle Doku, I'm from Hollywood, aus dem Jahre, keine Ahnung, 90er? Wo es genau um diesen Feud geht. Und diese Doku ist voll kayfabe. Deswegen macht sie super Spaß. Sie macht die ganze Zeit, als ob dieser Konflikt echt gewesen wäre. Es geht um seine Wrestling-Karriere und es wird so gemacht, weil damals war das noch sehr heilig. Da hat man da keine Witze drüber gemacht, sondern das ernst genommen. Und die schaffen es, eine 45-minütige Doku zu inszenieren. wo es um Kaufmans Wrestling-Karriere geht und sie bleiben die ganze Zeit kayfabe. Sie machen die ganze Zeit, als ob das ein echter Twist gewesen wäre. Oh, ist das cool. Und der Film inszeniert wirklich schön die Auflösung, wenn dann Lawler und Kaufmann zusammensitzen bei Shapiro und der zu ihnen sagt, ich glaube, ihr solltet nicht mehr zusammenarbeiten. sich mittlerweile echt so erledigt und die beiden sind so super freundlich zueinander und Kaufmann sagt, oh Mann, Jerry, es war so schön mit dir und Jerry sagt, ja, Andy, ich glaube, das war das Beste, was ich je gemacht habe im Wrestling. Es ist einfach eine tolle Szene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mag ich sehr.
Johannes Franke: Und Jim Carrey hat es irgendwie überhaupt nicht verstanden. Es ist so traurig.
Florian Bayer: Spätestens dann sollte er es doch verstehen. Ja, natürlich.
Johannes Franke: Es steht ja auch im Drehbuch. Und Jim Carrey hat danach... Nach den Dreharbeiten, nachdem er sich wie ein Arschloch verhalten hat gegenüber diesem Wrestler, gegenüber Jerry, hat er... nur positiv berichtet. Er hat gesagt, das war so ein toller Typ und so, war voll nett mit ihm und so, hat sich aber während der Dreharbeiten so viel Arschloch verhalten. Das ist einfach, das ist so ein... Sack! Es ist unglaublich. Und Jerry Lawler hat dann nach den Dreharbeiten mit Jim Carrey auch gesagt, es ist Unglaublich anstrengend gewesen. Furchtbar. Ich konnte nicht ordentlich mit ihm reden. Ging einfach nicht. Krass.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hat sich auch geprügelt tatsächlich am Set.
Florian Bayer: Oh Gott. Jetzt haben wir so viel über Jim Carreys Schauspiel geredet. Ich würde gerne einmal ganz kurz Paul Ciamatti erwähnen als Bobs Mutter. Der einen tollen Job macht und Paul Cimetti ist einfach ein fantastischer
Johannes Franke: Ja, den mag ich sehr.
Florian Bayer: Und er spielt den Smooder. Es gibt natürlich auch viele Aufnahmen von dem echten Smooder. Er hat ihn echt gut getroffen. Er hätte vielleicht noch ein bisschen mehr Arroganz. Also Smuda ist schon so eine Type. Ja. auch wenn man den jetzt noch sieht, wenn man das Gefühl hat, er merkt immer noch so ein bisschen dieses Kaufmann-Ding und macht immer noch so die Anspielung, Könnte ja wieder kommen.
Johannes Franke: Er hat ja nochmal eine Dokumentation. Also er hat ja zwei Bücher geschrieben. Immer nach seinem Tod und jetzt irgendwie vor weiß ich nicht wie viele Jahren. die endgültige Wahrheit über Andy Kaufmann, indem er schreibt, dass das wirklich nur ein ein Work war und dass sein Tod gar nicht, dass er vorgetäuscht ist und dass er jetzt wiederkommen wird demnächst. Und ist halt nicht wiedergekommen.
Florian Bayer: Bobs Muda ist ein toller Autor. Ein toller Comedy-Autor. Und das ist natürlich... war er so, er ist durch Andy Kaufman groß geworden. Andy Kaufman war einfach sein Leben, sein Ding. Deswegen kann man es ihm vielleicht auch ein bisschen verdenken, Dass er da auch nach dem Tod von Kaufmann noch mit als Tony Clifton wirklich eigentlich immer noch mit Kaufmann Geld verdient hat. Ich glaube, man darf nicht in das Narrativ verfallen, dass er von Andy Kaufmann gelebt hat, weil er hat wirklich auch viel dazu beigetragen, kreativ, was Kaufmann gemacht hat. Und er wird in dem Film echt toll dargestellt. Also ich finde, Giamatti spielt den toll. Es ist eine wichtige Rolle. Es ist super, dass er auch im Rampenlicht steht und dass der Film auch... ihn öfter im Fokus hat. Meiner Meinung nach hätte es noch ein bisschen mehr sein können.
Johannes Franke: Ja, vielleicht.
Florian Bayer: Dasselbe trifft auch für Danny DeVito zu, der George Shapiro, den Manager von Kaufmann spielt. der das auch super macht und der vielleicht auch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit nochmal verdient hätte. Weil die waren halt auch so ein Dreiergespann. Also George Shapiro... Das wird im Film auch ein bisschen falsch dargestellt. George Shapiro hat es sehr viel Freude daran, Kaufmann zu managen.
Johannes Franke: Das sieht man ihm aber auch An ab und zu in vielen, vielen kleinen Blicken, die Danny DeVito da spielt. Der mochte ihn tatsächlich. Es war auch zu merken, glaube ich, dass Danny DeVito einfach Kaufmann sehr mochte.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Aber auf jeden Fall war das schon so ein Dreiergespann und die haben auch wirklich... zu dritt an Kaufmans Karriere gearbeitet und an diesem Bild nach außen von Kaufmann und haben das bis über seinen Tod hinaus weitergetragen.
Johannes Franke: Ja, lass uns mal über Tony Clifton reden.
Florian Bayer: Tony! Tony Clifton ist ein sehr düsteres Kapitel in Kaufmans Leben. Das wird in dem Film auch relativ akkurat dargestellt, weil als Tony Clifton war Kaufman auch ein ziemliches Arschloch.
Johannes Franke: Der hat halt auch durchgezogen. Wie er alles andere durchgezogen hat, hat er das volle Kanne durchgezogen. Kannst du dir vorstellen, dass man als Comedian... eine Idee hat, die sich nach und nach so sehr verselbstständigt, dass man da nicht mehr rauskommt. Obwohl man das eigentlich weiß, dass man da wieder raus müsste.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Ich finde, als Profi muss man das anders lösen können. Und ich weiß auch nicht, ob da vielleicht doch irgendwelche tiefergehenden psychischen Probleme dahinter standen. Also, Bobs Mude ist nicht die vertrauenswürdigste Quelle, was all das betrifft. Bob Smude hat zum Thema Tony Clifton gesagt, Andy Kaufman hatte eine Erektile-Dysfunktion. Andy Kaufman war sehr schüchtern. Andy Kaufman hatte Probleme und hatte wenig Sex. Aber... Toni Clifton hat instant funktioniert und hat sich jederzeit einen Plotjob verpassen lassen und stand wie eine Eins. Und Bobs Mutter nicht unbedingt die vertrauenswürdigste Quelle, aber es sind ja auch andere. Und wenn wir hören, wie das beim Taxi-Set war... wenn Tony Clifton aufgetaucht ist, da war Tony Clifton einfach wirklich der Arsch, der auch wirklich, wirklich alle unglücklich gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Sie haben ihn ja nicht umsonst dann entlassen. Ja. Was ich bewundernswert finde, ist, dass er tatsächlich gesagt hat, Tony Clifton kriegt einen eigenen Vertrag, kriegt weniger Geld als ich.
Florian Bayer: Hat er auch gekriegt, ne?
Johannes Franke: Das ist wirklich krass, wo man denkt, du bist aber der Schauspieler, der nicht spielt. Warum willst du dafür weniger Geld haben? Was ist denn da los? Und er wirklich das Geld... einfach untergeordnet hat und gesagt hat, nee, das ist wichtiger, dass diese Figur funktioniert oder dass diese Idee dahinter funktioniert. Das ist bewundernswert. Aber natürlich ist die Figur Toni Clifton das tolle Arschloch und damit schwierig.
Florian Bayer: Ich glaube es war tatsächlich, also ich kann mir gut vorstellen und das ist jetzt sehr spekuliert, dass die Idee, die ursprüngliche Idee dann auch im Laufe der Verselbstständigung auch war, dass Andy Kaufmann Ideen schafft, die so ein bisschen unabhängig von ihm existieren können. Bobs Mude hat dann ja sehr viel in Tony Clifton gespielt. Und ich glaube, es ging darum, auch einen Charakter zu erschaffen, der nicht unbedingt Andy Kaufman braucht, der so drüber ist und so sehr in diesem Kostüm ist. dass er halt auch zum Beispiel von Bob gespielt werden kann und dass man damit dann entsprechend weiterspielen kann und dass es einfach eine Einnahmequelle gibt, die über Kaufmanns Ding hinausgeht. Das ist total witzig. Andy Kaufman hat geschworen, dass er einen in Las Vegas oder wo auch immer einen Sänger gesehen hat, der Tony Clifton hieß, Und es gab viel, viel, viel Mühe von Leuten, die versucht haben, diesen Original-Tony Clifton zu finden. auf dem Andy Kaufman's Tony Clifton passiert. Niemand hat ihn gefunden. Wahrscheinlich naheliegend, dass dass es irgendein anderer Name war und Andy Kaufman sich falsch erinnert hat. Auf jeden Fall gab es sehr viel Bemühen darum, die Vorlage für diesen Tony Clifton zu finden, aber erfolglos.
Johannes Franke: Naja, ich meine, man kann sich sowas zusammenbauen aus allen möglichen Entertainern, die man sieht. ist nicht so weit weg, dass man das nicht irgendwie zusammenbringt.
Florian Bayer: Ich finde Tony Clifton tatsächlich, also ich verstehe das Konzept, was da passiert, was er da macht. Ich finde, es gehört eher zu den weniger unterhaltsamen Sachen von Kaufmann, weil es mir zu viel... zu viel dieses Arsch, einfach nur Arschige, Übertriebene ist. Ich weiß nicht, in der Aggressivität finde ich die Rolle unangenehm.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ich finde, da hat Jim Carrey wieder den besseren Move, weil er mehr Spaß daran hat, das zu übertreiben auf eine Art und Weise, die comically ist, die so slapsticky ist. Während Bob, wenn er den gespielt hat, der ist gar nicht so... Comic und nicht so viel Slapstick oder so.
Florian Bayer: Erkennst du, wenn du Tony Clifton siehst, in alten Aufnahmen, ob es Bob oder Andyke ist?
Johannes Franke: nicht? Nein, das lässt sich kaum erkennen.
Florian Bayer: Also wir sehen halt auch so verpixelt.
Johannes Franke: Das ist halt das Problem, ja. Aber der sieht schon immer mal wieder anders aus in den Aufnahmen. Ich weiß bloß nicht, woher es rührt, ob es jetzt von der einen oder der anderen Seite rührt. Aber er sieht immer unterschiedlich aus. Aber ich hab halt irgendwie ein Video gehabt, wo wirklich eindeutig drunter steht, okay, das ist Bob. Ja, vielleicht ist das auch nicht verlässlich.
Florian Bayer: Genau, das ist nämlich auch so das Problem. Bob Smuda hat gesagt, er war sehr oft bei Letterman als Tony Cliff. Ja, genau. Und Letterman hätte das nicht erkannt.
Johannes Franke: Das ist abgesprochen alles. Aber naja, ich fand ihn eben nicht so comic, wie Jim Carrey den gespielt hat.
Florian Bayer: Ich glaube, ich finde das Konzept Toni Clifton schon einfach nicht cool. Also ich finde einfach so einen wilden Rüpel nicht witzig. Ich mag, wie sie Clifton am Ende des Films wiederum in den Film einbauen. Natürlich. als Clifton, also schon krank und er weiß, dass er bald sterben wird, als Clifton auftritt und sagt, ich bin nicht Kaufmann, ich bin Clifton, Clifton ist stark, Kaufmann ist schwach. Und es ist so eine sehr tragikomische Szene im besten Sinne des Wortes. Da macht der Film das richtig. Wie er die Figur einsetzt, um eine Schwere zu erzeugen.
Johannes Franke: Und natürlich ganz am Ende, wenn er dann gestorben ist, dass er dann nochmal auftritt.
Florian Bayer: Das ist Bobs Mutter. Natürlich ist das Bobs Mutter. Ich meine, das ist Bobs Mutters Idee, dass am Schluss sehen wir Toni Clifton und Bobs Mutter sitzt im Publikum. Und das ist so, also die Originalidee von Bobs Muda garantiert, der hat ja mitgearbeitet und hat gesagt, ich mach das nur, wenn es am Schluss eine Szene gibt, wo die Legende bestehen bleibt. dass vielleicht der Typ, der im offenen Sarg beerdigt wurde. Es gab einen fucking Obduktionsbericht. Andy Kaufmann ist... Tut mir leid, Bob, du kannst mich nicht überzeugen. Auf jeden Fall hat er, glaube ich, diese Szene eingeführt, um noch einmal zu sagen, ich will das ein bisschen offen lassen.
Johannes Franke: gar nicht gesehen.
Florian Bayer: Ach echt?
Johannes Franke: Nein. Man sieht den auf der Bühne und denkt sich, ja okay, das ist Bob. Dann kommt der Schwenk rüber und Bob steht im Publikum und guckt sich den an. Das ist eine transzendentale Geschichte. Das hat nichts mit echtem, echtem, ich versuche, dass das wirklich nicht Bob ist, sondern das ist einfach nur Bob. der aus sich selbst quasi heraustritt und sich von außen anschaut und sich einfach freut über die Geschichte, die er weiterträgt.
Florian Bayer: Ich hätte ja gedacht, die Szene, ich würde sagen, die Szene ist ganz eindeutig. Am Schluss, here's that. See? Das ist so ein großer Teil dieser Legendenbildung, dass Andy Kaufman seinen Tod nur gefakt hat. Ja, ja. dass sie das in den Film auch nochmal einbauen wollten.
Johannes Franke: Ja, aber das Lächeln des Schauspielers ist einfach so, so... so melancholisch und so nostalgisch auf die Zeit zurückblickend, Das ist für mich einfach nur ein filmemacherischer Kniff, um das Gefühl zu transportieren.
Florian Bayer: Schön für dich. Wie findest du denn die aufgefropfte Liebesgeschichte? Braucht Andy Kaufman wirklich diese Partnerin in dem Film? Die übrigens von Courtney Love gespielt hat.
Johannes Franke: Und ich finde, Cotney Love macht das so schön, dass ich das auf jeden Fall haben will im Film.
Florian Bayer: Ich finde Cotney Love cool, aber... Es ist so Hollywood. Es ist so schmerzhaft Hollywood.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil die Inszenierung nicht gut ist. Das ist es eigentlich. Weil die Figur an sich, sie macht das total schön und die Figur ist auch eine Figur, die man durchaus gebrauchen kann. Um auch die Welt zu öffnen ein Stückchen, um auch eine andere Sicht auf die ganze Sache nochmal zu haben. Ich finde es total schön, wie sie im Bett liegen und Andy Kaufman sagt, du weißt gar nicht, wie ich wirklich bin und sie sagt, das There is no real you. Was es total gut zusammenfasst, dieses Bild von ihr, von außen, von uns als Zuschauer... Man hat das Gefühl, es gibt keinen richtigen Andy Kaufmann, kein wahres Ich. Ich finde es total schön. Ja. Aber so wie es inszeniert ist, wie sie plötzlich in seinem Leben ist und plötzlich die Freundin, ich finde es nicht gut gelöst.
Florian Bayer: eine weibliche Hauptrolle, schnell.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Schieb sie rein, lass sie gegen ihn wrestlen. Der Rest ergibt sich von selbst.
Johannes Franke: Ja, das ist tatsächlich, das Gefühl ergibt sich tatsächlich. So dieses, oh, wird sich schon ergeben. Das stimmt natürlich nicht und das ist natürlich... schlecht gemacht, aber die Figur, glaube ich, braucht das schon durchaus. Naja, versucht Andy Kaufman, sich mehr selbst zu entertainen als das Publikum?
Florian Bayer: Das ist ja die sehr zentrale Frage.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die ihm Shapiro stellt. Du musst dir irgendwann mal Gedanken darüber machen, wen du mehr unterhalten willst, dich oder das Publikum.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nein, er will das Publikum unterhalten. Andy Kaufmann liebt das Publikum und Andy Kaufmann will das Publikum glücklich machen.
Johannes Franke: Das Problem ist, dass der Film das so inszeniert, als ob er vielleicht am Ende tendenziös doch eher sich selbst mehr entertainen wollte. Und wenn ich mir die Auftritte von Kaufmann anschaue, bin ich auch eher auf deiner Linie. Aber ich bin mir nicht ganz sicher.
Florian Bayer: Also allein schon mit der Carnegie Hall. Also pass auf, das ist der entscheidende Punkt. Die Leute wurden von diesen Bussen abgeholt. Ja. Und am Ende seines Kannigerholz-Auftritts sagt Kaufmann, es ist genug Platz für alle da in den Bussen, aber eventuell müssen die zweimal fahren, wartet, seid geduldig, drängelt nicht, seid nett. Steigt in den Bus, der nächste kommt. Und dann wurden die da rumgefahren durch die Stadt in die Bussen und irgendwo rausgelassen. Und ein paar Leute dachten schon, ah, das ist doch garantiert ein Prank. Hier gibt es nichts. Und hier entscheidet es sich, wäre es ein Prank gewesen, dann hätte sich Andy Kaufman lieber unterhalten als sein Publikum. Aber es war kein Prank. Es gab wirklich Milch und es gab wirklich Kekse. Jeder hat was gekriegt, der da geblieben ist. Und deswegen glaube ich, Andy Kaufmann liebt sein Publikum. Das ist der entscheidende Moment.
Johannes Franke: Ja, das glaube ich auch. Heißt nur nicht, dass das Entertainment manchmal bei ihm wichtiger war, dass er irgendwie am Ende mit seinem Kumpel zusammen da sitzen und kichern kann. dass das vielleicht trotzdem manchmal wichtiger war.
Florian Bayer: Ja, aber letzten Endes, er hat ja sein Publikum begeistert. Also viele hatten Fragezeichen in meinem Kopf, aber die Leute waren ja begeistert. Bei allem. Die Leute waren auch begeistert, wenn Andy Kaufmann auf der Bühne stand und gesagt hat, ich kann nicht Hilfe, ich weiß nicht, was ich tun soll. Die Leute haben sich kaputt gelacht. Wenn er dann gesagt hat, das ist kein Witz, hört auf zu lachen. Die Leute haben sich weiter kaputt gelacht. Andy Kaufmann hat es sich ja auch nie leicht gemacht. Er ist ja wirklich für sein Publikum, hat er sich wirklich in eine unangenehme Situation gebracht, Und er hat viel riskiert, also vor allem am Anfang seiner Karriere mit seinen Auftritten, die so gegen den Strich sind. Das traust du dich nur, wenn du unterhalten willst. Das Weil wenn du dich selbst unterhalten willst, dann machst du nicht sowas, wo du wirklich böse auf die Fresse kriegen kannst und ausgebucht wirst und so weiter.
Johannes Franke: Ja, das kann natürlich sein. Das stimmt voll.
Florian Bayer: Tony Clifton. Bei Tony Clifton würde ich sagen, das ist was anderes. Die Tony-Clifton-Rolle ist eine Rolle, um sich selbst zu unterhalten.
Johannes Franke: Das würde ich wiederum nicht sagen. Ich glaube, die Rolle ist einfach eben entglitten und er konnte nicht wieder raus.
Florian Bayer: Vielleicht. Vielleicht das auch.
Johannes Franke: Ja. Was macht denn der Film, wenn wir so viele Kritikpunkte haben, eigentlich richtig? Ich finde, dass der Film am Anfang eine Stelle hat, wo er sehr viel richtig macht, nämlich versteht, wo die Comedy liegt bei Andy Kaufmann. Nicht immer und nicht die Quintessenz, aber einen ganz großen, wichtigen Teil von Kaufmann, wenn er fragt, is there a secret to comedy? Yes. Silence. Und ich finde die Antwort perfekt. Als Konzept für eine Bühnenshow ist der Hammer in dem Moment. Und natürlich wird die Silence mit nonverbal gefüllt, mit der Awkwardness, mit dem, was Andy Kaufman dann dasteht und mit den Augen hin und her guckt und... nervös mit den Fingern und so, diese ganzen Sachen. Aber das auszuhalten,
Florian Bayer: Ich finde, was der Film total richtig macht, und damit wären wir fast schon bei so einer Art Fazit, ist, dass er einen perfekten Einstiegspunkt bietet in Andy Coffmans Humor. Also wenn man diesen Film, der Film ist halt ein Hollywood-Film. Er ist unterhaltsam, er hat so Tragik und Komik. Eine reingefroffte Liebesgeschichte und so. Aber dazwischen findet man halt wirklich so ein Best-of von Kaufmann. Und das ist auch ziemlich gut getroffen. und gut gespielt von Jim Carrey. Und es macht unglaublich Lust, mehr von Kaufmann zu sehen und sich damit auseinanderzusetzen. Und dieser Film ist so ein bisschen wirklich einfach so ein Einstiegspunkt. Das ist Andy Kaufman-Light, aber als das funktioniert es total und Jeder, der wissen will, wie war die Bühnenperson Andy Kaufman? wenn man diesen Film geguckt hat, hat man ein sehr gutes Verständnis dafür, weil das ist schon alles mit drin, was Andy Kaufman besonders gemacht hat, warum er heute als so wichtig für die Comedy angesehen wird. Und klar, es ist nur ein Einstiegsfilm, aber das funktioniert ja total.
Johannes Franke: Jetzt hast du ja fast schon ein Fazit genannt.
Florian Bayer: Ja, du wolltest das Fazit wissen. Dann lass uns ganz schnell in die Top 3 springen. Jingle!
Johannes Franke: Unsere Top 3. Okay, okay, wir sind in unserer Top 3. Wie sind wir denn hierher gekommen? Das ging schnell. Welche Top 3 haben wir denn? Genius or Asshole? Genau, die Top 3 ist Genius or Asshole?
Florian Bayer: Asshole, wie wir Briten sagen.
Johannes Franke: Hast du das Gefühl, dass man Andy Kaufmann auch als Arschloch wahrnehmen kann, auch wenn man live mit ihm zu tun hat, sowohl wenn man ihn im Film sieht? In diesem Film, als auch wenn man sieht, was er auf der Bühne so gemacht hat, der Original.
Florian Bayer: Ich glaube allein schon wegen der Tony-Clifton-Geschichte, natürlich. Und weil er halt auch Grenzen überschritten hat. Und klar, dass das auch für Leute unangenehm ist. sein kann, was er gemacht hat an Nummern. Er war halt einfach ein enfant terrible, wie man so schön sagt.
Johannes Franke: Ich finde, wenn man ihn anguckt, hat man einen viel zu gutmütigen Mensch vor sich irgendwie. Aus irgendwelchen komischen Gründen guckt er sehr viel... Menschenliebe aus den Augen. Und da fällt es mir so wahnsinnig schwer, einen Arschloch zu sehen. Aber man kann sich auch irren. Das ist ja alles, naja, in die Vergangenheit geschaut.
Florian Bayer: Ich finde, beim privaten Andy kauft man das einfach zu viel. zu viel durcheinander, was Legende und Wirklichkeit betrifft und man kann sich überhaupt kein Bild mehr davon machen. Aber natürlich die Personen, also zumindest in meiner Top 3 sind auch Personen, die ich natürlich nur durch ihre Öffentlichkeit interpretieren kann. Ich weiß nicht, wie diese Menschen privat sind und habe deswegen immer nur eine Ahnung davon und ja.
Johannes Franke: Okay, hast du real existierende Personen vor allem?
Florian Bayer: Ich habe drei real existierende Personen.
Johannes Franke: Oh, okay, das habe ich nicht.
Florian Bayer: Ah, interessant.
Johannes Franke: Gar nicht.
Florian Bayer: Oh, cool. Okay, dann total spannend, weil ich bin vor allem in Deutschland unterwegs, erst mal.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und ich habe auf Platz 3 und wir befinden uns bei meinem Platz 3 und bei meinem Platz 2 in den 90er Jahren. Der Stefan Raab, der Mitte der 90er Jahre. Der unglaublich viel Erfolg hat, der so den Sprung macht vom trashigen Viva-Moderator hin zum großen ProSieben-Moderator. der plötzlich Chart-Hits schreibt, der als Musikproduzent in Erscheinung tritt, der zwei Millionen verschiedene Showformate entwirft, von denen manche funktionieren, manche nicht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der trotzdem teilweise noch Witze auf Kosten von Schwächeren macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: immer irgendwie so dazwischen ist, der hat das Fernsehen der späten 90er unglaublich geprägt und hat so viel Wichtiges und Richtiges gemacht. ohne Stefan Rapp hätten wir heute keinen Joko und kein Klaas, wahrscheinlich auch keinen Böhmermann. Und Aber natürlich hatte er immer noch dieses Trashige mit an Bord und natürlich hatte er fiese Sachen, die einfach Witze auf Kosten von Leuten gemacht haben. die im Fernsehen vorgeführt wurden. Er hat Leute weiter vorgeführt. Also das Maschendrahtzaun ist halt so die berühmteste Geschichte. Aber auch andere Leute, die Und ja, ich weiß es nicht. Deswegen habe ich ihn da stehen, weil es wirklich mit einem Fragezeichen verbunden ist. Aber ich glaube, er war wirklich wichtig für das deutsche Fernsehen.
Johannes Franke: Okay. Dann gehe ich mal in die fiktionale Variante davon. Ich hätte eine honorable mention, Batman. Ist das jetzt genial oder einfach ein Arschloch?
Florian Bayer: Naja, ist halt ein Spoilt-Rich-Kill.
Johannes Franke: Ja, ich scheiß euch alle zu mit meinem Geld. Und dann kaufe ich mir auch noch Sachen, die mich zum Superhelden machen. Und vielleicht mache ich auch ein paar Sachen, die eher... weit aus dem Fenster gelehnt sind, was Superheldensachen betrifft.
Florian Bayer: Er ist nicht der Held, den Goffen braucht. auch nicht der Held, den zu Koffen verdient. Er ist überhaupt kein Held. Was macht dieser 40-jährige Mann, dieser 40-jährige Millionär in dem fucking Fledermaus-Kostüm?
Johannes Franke: Bevor du jetzt einen großen Rant rauspackst, bringe ich mal meine Platz 3. Charles Foster Kane.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Der eigentlich beides irgendwie anscheinend ist.
Florian Bayer: Aber vor allem Asshole, oder?
Johannes Franke: Vor allem Asshole natürlich, aber er fängt ja als Genie an.
Florian Bayer: Johannes ist bei Citizen Kane, den wir in unserer 100. Episode besprechen.
Johannes Franke: Was eine geniale Episode ist, um mal im Terminus zu bleiben, wo zwei Arschlöcher über diesen Film... Nein, Moment. Wir haben wirklich sehr lange und sehr ausführlich und sehr intensiv über diesen Film gesprochen. Ich glaube, es ist einer der Episoden, auf die ich am meisten stolz bin.
Florian Bayer: Schaut euch den Film an, hört euch unsere Episode an. Folge bitte.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Citizen Kane. Und natürlich ist der Typ... Und er wird auch als krasse Figur erzählt und auch als jemand, der etwas revolutioniert im journalistischen Bereich. Aber eben in eine Richtung, die dann in die Arschlochrichtung geht. Und naja, insofern ist das... Gar kein großes Fragezeichen, ob da ein Haarschloch bei Holz kommt. Das ist ein Asshole. Vielleicht bleibt es aber ein Fragezeichen, ob er wirklich ein Genie ist.
Florian Bayer: Das stimmt. Oh, da hab ich nachher auch was Gutes. Platz zwei. Christoph Schlingensief. Aber auch ganz bewusst der Christoph Schlingensief der frühen bis mittleren 90er Jahre, der unter anderem so auch Trash-Formate gemacht hat, dieses Talk 2000, das er in der Volksbühne gedreht hat. Und wo er auch sehr viel sein Publikum angepöbelt hat, von seinem Publikum angepöbelt wurde, sich ein unfassbar witziges Sprachduell mit Harald Schmidt geliefert hat und dann nachher, weil er verloren hat, Wutentbrannt von der Bühne gegangen ist. Und der ganz ähnlich wie Andy Kaufmann auch immer so an dem Punkt war, wo man nicht genau weiß, wie viel wissen die Leute. mit denen er zusammenarbeitet, wie viel sind die on the joke. Und bei Schlingensief kann ich mir sogar vorstellen, dass es teilweise eben nicht waren. Dass Schlingensief da Grenzen eingerissen hat und Leute bloßgestellt hat, einfach indem er wirklich seine Performance durchgezogen hat. und Leute im Unklaren darüber gelassen hat, dass das Teil der Performance ist. Aber ich weiß es nicht genau. Gleichzeitig halt genial, wie er mit Fernsehformaten gespielt hat, wie er die vierte Wand ständig eingerissen hat, Metaebenen eingeführt hat und die Fernseharbeiten des 90er Christoph Schlingensiv, ja.
Johannes Franke: Dabei muss man sagen, dass Schlingensief nicht so bekannt geworden ist wie Kaufmann.
Florian Bayer: Nee, der war nie mehr ins Stream, das war immer Nische.
Johannes Franke: Ja, und woran liegt das? Ich frage mich, ob das... Vielleicht wirklich eine Frage des Mutes ist, den die Amis damals hatten.
Florian Bayer: Vielleicht.
Johannes Franke: Den wir in den 90ern nicht hatten.
Florian Bayer: Ja, Schlingensief war auch einfach, also Schlingensief war ja auch Hochkultur, der ist ja nur in so einem, okay, er hatte eine MTV-Sendung, er hatte das U3000 auf MTV, aber Es war halt doch zu, Schlingensief war zu sehr dieses Theaterumfeld und zu sehr dieses postmoderne Ding und so. Der war einfach nicht Entertainer. Der hat sich mehr mit Leuten wie Frank Kassdorff umgeben. Und nicht mit Leuten wie Bill Murray. Und das ist halt schon ein Unterschied.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und hätte er eher den Kontakt gesucht zu, keine Ahnung, was war im frühen 90er deutschen Fernsehen das, was... Was Saturday Night Live in Amerika war, sowas wie Atel Samstag Nacht, hätte er da irgendwie die Nähe gesucht, wäre es was anderes gewesen. Aber er hat ja nie die Nähe zu dem Milieu gesucht, sondern er war immer in diesem...
Johannes Franke: Ja, vielleicht ein bisschen arg elitär sozusagen.
Florian Bayer: Ja, nicht mal so elitär. Also was er gemacht hat, war ja jetzt nicht elitäre Kunst, sondern eher das Gegenteil dafür.
Johannes Franke: Naja, aber er hat ja innerhalb seines Trash auf elitäre Leute gezielt und sich natürlich auch in dieses Milieu hineinbegeben dafür. Wie Kaufmann.
Florian Bayer: Ja, das stimmt, das stimmt.
Johannes Franke: Kleiner Detour. Ich habe auf meinem Platz zwei Amadeus, wie er dargestellt wird in dem Film. Zeit, ja. Also es ist natürlich krass, wie er als Arschloch inszeniert wird, aber auch eben als Genie.
Florian Bayer: Und ich würde sagen Genius, more genius than asshole, auch in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, also zumindest ist es ein bisschen die Wunschvorstellung. Ich kann mir vorstellen, dass das... die Absicht des Regisseurs stärker war, als der Film tatsächlich es am Ende geschafft hat.
Florian Bayer: Vielleicht, ja. Das stimmt. Er ist auch teilweise echt nervig, ne?
Johannes Franke: Ja, sehr. Ich meine, man hat die ganze Zeit Spaß mit ihm. Es ist schon so. Aber wenn man ein bisschen in die Verlegenheit kommt, nachzudenken während des Films, dann merkt man, dass da echt so ein bisschen, oh, hart, sehr hart. Vor allem in den Szenen, wo wir mehr bei Salieri sind, wo wir das mitbekommen, wie er dann leidet.
Florian Bayer: Oh ja, wenn Mozart rumläuft und so laut lacht und alle feiern ihn, obwohl er wie so ein verrückter Punk auftritt.
Johannes Franke: Manischer, ja, ja.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist ein Thai. Und ich glaube, ich habe aber die Frage schon beantwortet, nämlich, eigentlich betrifft bei beiden, nee, ich glaube, Erstens, links steht ein S-Hole, rechts steht ein Genius. Elon Musk und Mark Zuckerberg. Was?
Johannes Franke: Moment, Moment, Moment. Also, Elon Musk eindeutig asshole.
Florian Bayer: Ja, eindeutig es soll. Aber die Frage ist auch Genius. Und ich glaube eher nicht. Aber ich meine, hey, du kannst... Du musst auf jeden Fall drüber nachdenken, weil du hast hier einfach den Tesla ... den Tesla-Gottfader und du hast den Facebook-Gottfader und die haben extrem viel Einfluss auf unsere technische Welt, wie sie heute ist.
Johannes Franke: Die Sache ist, die Frage ist, In welchem Bereich? Genius. Technisch? Null.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Kannst du vergessen.
Florian Bayer: Na, zumindest bei Elon Musk. Bei Mark Zuckerberg würde ich sagen, technisch...
Johannes Franke: Ja, ja, Max Hackerberg müssen wir gleich noch. Aber Elon Musk auf gar keinen Fall. Der hat einfach... Ein gutes Händchen dafür, Leute zusammenzubringen, zu netzwerken und zu sagen, du machst jetzt das, du machst jetzt das. Und ihr kriegt das irgendwie hin.
Florian Bayer: CEO-Genius, aber selbst da muss man es in Frage stellen natürlich, weil ich meine, Ex ist jetzt nicht um die große Erfolgsgeschichte.
Johannes Franke: Aber vielleicht kommt dem Genius dann das Ego in den Weg und das Genius ist vielleicht da, aber das Ego macht alles kaputt. Ja, das ist ja bei Genies oft das Problem dann, wenn die so groß werden und dann man sich fragt, ob das mehr Arschloch ist als Genies. Arschloch kommt ja wegen des Egos, vor allem. Und Mark Zuckerberg... Eindeutig beides, natürlich, klar. Das, was er da programmiert hat am Anfang, was er irgendwann, glaube ich, auch aus den Händen gegeben hat, aber das, was er am Anfang gemacht hat, war schon ziemlich genial.
Florian Bayer: Ich glaube, Max Zuckerberg ist Mädchen jetzt. Also es gibt auf jeden Fall eine Asshole-Phase von Max Zuckerberg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: vor allem eben aus so die College-Zeit, aber ich finde, mittlerweile kann man darüber hinwegsehen. Eigentlich finde ich Mark Zuckerberg Wirkt auf mich sympathischer, als er in der Öffentlichkeit oft dargestellt wird und als er oft gesehen wird. Es ist natürlich auch jemand, der sich selbst inszeniert und so weiter.
Johannes Franke: Darin ist er allerdings gar nicht so gut.
Florian Bayer: Vielleicht macht ihn das so ein bisschen sympathisch für mich. Also ich finde ihn nicht unsympathisch. Ich mag ihn irgendwie. Also in dieser ganzen Awkwardness auch, die er hat, weil er so ein bisschen irgendwie...
Johannes Franke: Aber da fällst du auf die Underdog-Sache rein. Man hat ja immer mit Außenseitern irgendwie so ein bisschen Mitgefühl quasi. Und das ist das, was bei ihm dann greift, weil man denkt, oh, man will ihn in den Arm nehmen, weil er kein ordentliches Wort geradeaus rauskommt.
Florian Bayer: Der muss nicht in den Arm genommen werden. Der kann sich von seinem Geld kuscheln lassen. Darum geht es nicht. Nein, ich finde, es ist natürlich schwer zu sagen, weil wir reden hier von öffentlichen Bildern von Menschen. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich Elon Musk auf der anderen Seite stehe. Und den Elon Musk wirkten alle sympathisch gerade.
Johannes Franke: Das stimmt wohl.
Florian Bayer: Platz 1, bitte.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist der Film Jim and Andy und damit ist Jim Carrey natürlich derjenige, bei dem ich nicht das auch nicht frage, bei dem ich einfach weiß, das ist einfach nur ein Arschloch, der Method nach vorne geholt hat, der vielleicht ein decent Schauspieler ist, Aber das macht ihm nichts zum Genie. Und die Arschloch-Attitüde zeigt, dass er sich gerne als Genie sehen würde. dass es aber nichts damit zu tun hat, weil Andy Kaufmann zum Beispiel meiner Meinung nach nicht verstanden. Und er verkauft es aber die ganze Zeit bei den Dreharbeiten und danach so, als wäre er derjenige, der die große Instanz, die jetzt Andy Kaufmann gechannelt hat und genau weiß, wie der... abgelaufen ist.
Florian Bayer: Das hat er ja schon in den 90ern in diesen Dokus gemacht. Was zu Andy Kaufman produziert wurde, war meistens Jim Carrey auch irgendwann am Mikro und hat meistens gesagt, wie großartig Andy Kaufman war und damit auch immer so ein bisschen hatte man das Gefühl, wie großartig er selbst ist.
Johannes Franke: Ja. Das war. Unsere Top 3. Zurück zu Man on the Moon. Haben wir noch was Großartiges zu sagen dazu oder wollen wir uns in ein Fazit flüchten?
Florian Bayer: Wir flüchten uns in ein Fazit, würde ich behaupten.
Johannes Franke: Okay. Das Urteil. Tja, Plur, muss man diesen Film gesehen haben?
Florian Bayer: Silence. Ich Es ist halt auch so ein bisschen mit meiner persönlichen Geschichte verbunden. Ich kann mir keinen besseren Einstieg in das Werk von Andy Kaufmann vorstellen. Das ist total komisch, weil Wir haben jetzt sehr viel an dem Film rumgekritisiert. Aber wenn man... Ich glaube, es ist total gut, dass es diesen Film gibt, weil es wirklich eine gute Möglichkeit bietet, auf Andy Kaufman neugierig zu werden. Und das ist vielleicht so ein bisschen die Frage, wie muss man den Wikipedia-Eintrag zu Andy Coffman gelesen haben, dann lieber den Film geguckt haben. Weil dann hat man eine audiovisuelle Erfahrung. Aber er ist eigentlich nichts anderes als ein Wikipedia-Eintrag zu Andy Kaufman.
Johannes Franke: Ja. Ja, ist natürlich zugänglicher als der Wikipedia-Eintrag.
Florian Bayer: Genau, er ist zugänglicher und auch ein bisschen unterhaltsamer. Aber es ist auch wie beim Wikipedia-Eintrag, ist so ein bisschen... Quatsch dazwischen geschrieben, weil sehr viele Leute daran mitgearbeitet haben, die gewisse Legenden aufrechterhalten wollen. Aber doch, es ist sehenswert einfach, weil Andy Kaufmann fand fantastischer Komiker war und fantastischer Entertainer und wir sollten ihn nicht vergessen und der Film hilft dabei.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Ich wüsste nichts von Andy Kaufmann ohne diesen Film.
Johannes Franke: Ich bin einfach so wahnsinnig sauer auf Jim Carrey. Nach dieser Doku, die ich gesehen habe, die ich euch allen empfehlen kann, weil es wirklich... crazy ist, diesem Typen dabei zuzuschauen, wie er delusional da sitzt und sich eins grinst für den Scheiß, den er da am Set veranstaltet hat. Der ist zwischendurch als Andy Kaufmann in der Rolle von Andy Kaufmann zu Steven Spielberg ins Büro. Der war gerade Gott sei Dank nicht da. Und wollte ihm erzählen, dass er es doch nicht nötig hat, so mainstreamige Sachen zu drehen. Was für ein Arschloch muss man sein?
Florian Bayer: Method Actors, die sich zu ernst nehmen in ihren Method Act.
Johannes Franke: Und alles am Set musste nach seiner Pfeife laufen. Weißt du, es ist wirklich hart. Und das trübt natürlich meinen Blick auf den Film, aber wenn ich einen Schritt zurück mache und das alles versuche aus meinem Hirn wieder rauszulöschen, dann ist der Film natürlich toll. Weil er so viele lustige Momente hat, die alle von Kaufmanns Ideen leben und so viele schöne Ideen und man... Man versteht so sehr das Bedürfnis zu trollen. Flor, wenn du dich erinnerst, was haben wir gemacht? Vor zehn Jahren oder sowas mit der literarischen Auslese haben die Facebook-AGB vorgelesen. Im ganzen Ding. Wie viele Stunden waren das? Ich weiß es nicht mehr. Wir haben uns hingesetzt und einfach das Ding durchgelesen fürs Publikum und wir haben damit irgendwie 21.000 Leute erreicht am Anfang.
Florian Bayer: Das war ein miniviraler Hit, ne? Miniviraler Hit.
Johannes Franke: Es ist inzwischen wesentlich mehr, glaube ich. Aber wir haben das noch ein bisschen anders durchgezogen mit anderen Texten, die einfach niemand liest, die einfach völlig egal sind, wo man einfach sagt, das ist ist jetzt wirklich Anti-Unterhaltung. Und es hat aber so Spaß gemacht und wir hatten so Lust am Weißt du, so an diesem Konzept YouTube und dem Konzept irgendwie. Damals hieß es ja noch, man soll keine Videos machen, die länger sind als fünf Minuten. Inzwischen darf man keine Videos mehr machen, die kürzer sind als zwei Stunden Essays über welche Filmemacher. Aber wir haben das so getrollt und wir haben uns so gefreut darüber. Und das ist auch ein Ding der Jugend, glaube ich, das zu machen, einfach Spaß daran zu haben, das einzureißen.
Florian Bayer: Wir waren nicht jugendlich, als wir das gemacht haben.
Johannes Franke: Wir waren jünger, ja, das stimmt. Wir waren jünger und wir waren so Kaufmann alt.
Florian Bayer: Ja, das stimmt auch.
Johannes Franke: Ungefähr.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist eine Energiefrage, das ist eine Sturm und Drangfrage, zu sagen, ich will das einreißen, was existiert. Und dafür kann ich es total lieben.
Florian Bayer: Aber der Film spült natürlich das ganze Ding total weich. Also der Film macht das ja nicht. Der Film sagt, das ist cool, dieses Einreißen. Und deswegen erzähle ich euch jetzt als Hollywood-Film davon. Stimmt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber trotzdem, also offensichtlich kann man sehen. Also es ist auch ein unterhaltsamer Film. Der Film fließt halt an einem vorbei, aber es hinterlässt so ein bisschen eine saure Note, weil man öfter das Gefühl hat, dass Kaufmann nicht verstanden wurde. Nicht nur vom Darsteller, sondern auch vom Film selbst. Und dass ihm teilweise nicht gerecht wird. Aber ein Wikipedia-Artikel wird Kaufmann auch nicht gerecht. Insofern.
Johannes Franke: Das stimmt. Schaut euch einfach Sachen von Kaufmann an, es ist wirklich unterhaltsam und nehmt euch ein paar Sessions Zeit und versucht es nicht alles in einer Session zu machen, weil es wirklich krass ist.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank, dass du mir den gegeben hast, den Film.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank dir, dass du ihn nochmal geschaut hast und dass wir irgendwie darüber nochmal philosophieren konnten, was da eigentlich dahinter steckt. Ich habe das Gefühl, endlich Kaufmann ein bisschen besser verstanden zu haben und Jim Carrey auch ein bisschen besser verstanden.
Florian Bayer: zu haben im negativen Sinne. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche als Revanche für diesen Film gebe, dann bleibt kurz dran. Ich bin nämlich nächste Woche dran mit einer Aufgabe für Johannes und auch für euch und in einer Woche werden wir darüber reden. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören. Habt eine wunderschöne Woche und bleibt gesund. Bis dann, ciao.
Johannes Franke: Bis dann, ciao.
Florian Bayer: So, dann hätte ich noch was für dich.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Nachdem wir jetzt so doch irgendwie viele in den 90ern unterwegs waren, will ich mal wieder in der Zeit ein bisschen zurückspringen. Ich will dir einen Klassiker geben. Den zweiten Ingmar Bergmann.
Johannes Franke: Ich habe jetzt das erste Mal gedacht, ich warte mal, was kommt. Ich werde nicht gleich wieder loszetern, dass du mir irgendwelche Kunstkacke gibst oder irgendwelchen... Und dann fängst du an.
Florian Bayer: Es ist keine Kunstkacke von ihm. Es ist keine Kunstkacke von ihm. Also es ist natürlich schon irgendwie, also Ingmar Bergkamen ist mal so ein bisschen ein europäisches Arthouse, aber ich glaube, es ist ein zugänglicher Film und es ist einfach ein Fantastischer Film. Das siebte Siegel aus dem Jahr 1957. Okay, ich hab dir mit gerechnet. Das junde Inseklet im Originaltitel auf Schwedisch. Ich habe ihn auch schon... Einige Zeit nicht mehr gesehen, aber es ist eigentlich mein liebster Bergmann-Film.
Johannes Franke: Ich weiß von dem Film nicht viel. Ich weiß nur das, was du in diesem Podcast ab und zu mal zitierst, nämlich, dass der Tod Schach spielt. spielend am Strand mit ihm sitzt.
Florian Bayer: Genau. Dann lass dich einfach überraschen. Ich glaube, es gibt einiges, was dir gefallen wird an dem Film. Es gibt bestimmt auch einiges, was dir nicht gefallen wird. Ich bin sehr gespannt.
Johannes Franke: Okay, na gut, dann werden wir wieder einen Klassiker gucken und ihr da draußen schaut euch den Klassiker auch an. Wir wissen, dass ihr wirklich jeden Film guckt. und euch dann unser Urteil dazu anhört.
Florian Bayer: In diesem Fall lohnt es sich auf jeden Fall.
Johannes Franke: Okay. Na dann, bis nächste Woche. Viel Spaß.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
