Episode 180: The Rocky Horror Picture Show – Zwei Jungfrauen machen den Time Warp
Brad und Janet sind das vorzeigepärchen der Amerikanischen Vorstadt. Auf einer Hochzeit von Freunden gestehen sie einander singend ihre Liebe und schmieden Hochzeitspläne… Auf dem Friedhof neben der Kirche.
Als sie ihren alten Lehrer Everett Scott besuchen wollen, bleibt der Wagen liegen und wir landen in einem guten alten Grusel-Horrorfilm der 30er oder 40er Jahre. Das alte Schloss bei dem sie sich Hilfe mit dem Wagen erhoffen, entpuppt sich als Brutstätte unzüchtigen Treibens. Eine Truppe sehr diverser Gestalten feiert, tanzt, singt und mordet. Wobei sie das morden dem Obermotz der Gruppe überlassen: Frank N. Furter stellt sich als Alien vom Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania vor. Er verführt die beiden braven Amerikaner*innen und bis sie in Netzstrumpfhosen und knapp bekleidet mit ihm tanzen und singen.
Allerdings will Riff Raff wieder nach Hause. Der Bedienstete des Herrn des Hauses zückt kurzerhand die Waffe und beschließt Frank umzubringen, bevor er das Raumschiff in Form des Schlosses wieder ins All steuert. Frank stirbt, die beiden Besucher bleiben im Schutt zurück. Kein Happy End… or is it? Was meinst du Plor, Happy End oder nicht?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 180: The Rocky Horror Picture Show – Zwei Jungfrauen machen den Time Warp Publishing Date: 2024-06-12T06:32:21+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/06/12/episode-180-the-rocky-horror-picture-show-zwei-jungfrauen-machen-den-time-warp/
Florian Bayer: Wie hab ich gesagt bei Fantasia? Aber ich hatte eine Latte.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Und das wird wieder ganz vorne hingeschnitten. Nein!
Florian Bayer: Bei diesem Film ganz ehrlich, dieser Film ist eine einzige Erektion. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: So, Plor, bist du Jungfrau?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du bist Jungfrau.
Florian Bayer: Ich bin Jungfrau. Und jetzt, nachdem ich mich sehr viel damit beschäftigt habe, habe ich wieder das Gefühl, das ist voll schade und ich würde es eigentlich gerne mal ändern.
Johannes Franke: Ja, ich bin auch Jungfrau.
Florian Bayer: Du bist auch Jungfrau.
Johannes Franke: Ich habe noch nie live, also nur um das zu erklären, Jungfrau bedeutet in dem Zusammenhang, dass wir nie live Rocky Horror Picture Show gesehen haben mit Toilettenpapier werfen, mit Reis werfen. Mit allem,
Florian Bayer: was dazugehört, ja. Und ich finde es echt schade, weil wenn man liest, was da alles passiert, also auch dieses Shadow Acting, das ist ja noch viel kleiner. Krass. Unglaublich. Also ich kenne so ein bisschen die Geschichten von dem, was oft, aber wir werden nachher noch mehr drüber reden, aber was da alles ist und wie viele. Sachen, die es mittlerweile gibt in diesen Kultvorführungen, ist unglaublich.
Johannes Franke: Willkommen zum Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir unser Cold Opening jetzt live machen und nicht mehr rausschneiden, oder? Wir werfen uns jetzt so rein, wir geben uns jede Woche einen Film auf. Flo gibt mir einen Film, den er glaubt, dass ich ihn sehen muss und ich gebe ihm nächste Woche einen Film auf, wo ich glaube, dass er ihn gesehen haben muss. Und zwar wird das Ganze nicht generös gemacht im Sinne von, ich glaube, das magst du, sondern im Sinne von, das musst du sehen. Und ich weiß, du magst das wahrscheinlich eigentlich eher nicht.
Florian Bayer: Wobei das auch, um das zu entschärfen, also oft... Oft schlagen wir uns auch Filme vor, die wir beide mögen.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise bin ich das immer. Und du gibst mir immer die ganzen japanischen Filme mit den asiatischen Untertiteln.
Florian Bayer: Die letzten Episoden waren vor allem sehr davon geprägt, dass ich dir einen Film gegeben habe, so in der Hoffnung, oh bitte,
Johannes Franke: bitte,
Florian Bayer: dass du dafür sorgst, dass dir alles dieser Film gefällt. Und ich wurde mehrmals bitter enttäuscht. Das war wirklich, also die letzten Wochen waren für mich ziemlich hart im Muss-man-sehen-Podcast.
Johannes Franke: Ja, aber auch für mich, muss man sagen, weil du mir so viel Scheiße gegeben hast. Okay, also... Also, aber heute haben wir einen Film, glaube ich, wo wir ziemlich auf einer Linie sind.
Florian Bayer: Ja, wir waren auch tatsächlich, wir haben drüber geredet und ich habe zu dir irgendwann mal gesagt, Johannes, wenn du mir den Film nicht gibst, dann gebe ich ihn dir irgendwann.
Johannes Franke: Ja, ja, aber ich bin für die Musicals zuständig.
Florian Bayer: Du bist für die Musicals zuständig und gehört irgendwie so in den essentiellen Musical-Kanon, so viel können wir schon mal sagen.
Johannes Franke: Absolut, ja.
Florian Bayer: Rocky Horror Picture Show hast du für uns mitgebracht heute.
Johannes Franke: Ja, und ich kann uns einmal kurz einführen in das, was auf der Leinwand passiert, wäre es noch nicht weit. Es tut mir sehr leid, macht diese Episode aus und guckt den Film an.
Florian Bayer: Ja, das habt ihr hier verloren.
Johannes Franke: Genau. Und wenn ihr den Film lange nicht gesehen habt, dann kommt hier jetzt nochmal eine Zusammenfassung, was eigentlich im Film passiert. Brad und Janet sind das Vorzeigepärchen der amerikanischen Vorstadt. Auf einer Hochzeit von Freunden gestehen sie einander singend ihre Liebe und schmieden Hochzeitspläne. Auf dem Friedhof neben der Kirche. Als sie ihren alten Lehrer Everett Scott besuchen wollen, bleibt der Wagen liegen und wir landen in einem guten alten Grusel-Horrorfilm der 30er, 40er Jahre. Das alte Schloss, bei dem sie sich Hilfe mit dem Wagen erhoffen, entpuppt sich als Brutstätte unzüchtigen Treibens. Eine Truppe sehr diverser Gestalten feiert, tanzt, singt und mordet. Wobei sie das Morden dem Obermotz der Gruppe überlassen. Frankenfurter stellt sich als Alien vom Planeten Transsexual. aus der Galaxie Transylvania vor. Er verführt die beiden braven AmerikanerInnen, bis sie in Netzstrumpfhosen und knapp bekleidet mit ihm tanzen und singen. Allerdings will Riff Raff wieder nach Hause. Das ist der Bedienstete des Hauses, der sich zurück zu seinem Heimatplaneten sehnt und kurzerhand die Waffe zückt und beschließt, Frank umzubringen, bevor er das Raumschiff wieder in Gang setzt und in Form des Schlosses wieder nach Hause steuert. Frank stirbt, die beiden Besucher bleiben in Schutt zurück und wir haben kein Happy End, oder? Was meinst du, Flor? Haben wir hier ein Happy End vor uns oder nicht?
Florian Bayer: Das ist wirklich die entscheidende Frage bei diesem Film.
Johannes Franke: Natürlich, die essentielle Frage. Ja,
Florian Bayer: die Frage nach einem Happy End ist natürlich die Frage, auch was macht das, was da passiert ist mit Brad und Janet und unserem Dr. Scott.
Johannes Franke: Dr. Scott, nach dem habe ich nicht gefragt, ob der ein Happy End bekommt oder nicht, ist mir egal.
Florian Bayer: Naja, in meiner Vorstellung erschlägt... Fred Dr. Scott kurz danach.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Und es gibt ja auch durchaus Weiterspinnungen, was passiert sein könnte nach dieser Geschichte. Aber bleiben wir mal ganz kurz beim Original. Genau. Und dann würde ich sagen, natürlich ist das... Kein Happy End, weil Frankenfurter stirbt. Ja,
Johannes Franke: Frankenfurter stirbt.
Florian Bayer: Ich liebe Frankenfurter. Oh Mann. Ich meine, er ist ein bestialischer Killer.
Johannes Franke: Ja, aber wir lieben ihn.
Florian Bayer: Aber man kann ihn einfach nur lieben und es ist natürlich voll traurig, dass er erschossen wird. Auch wenn er vorher seinen großen Going-Home-Auftritt kriegt, der ja auch so seinen Tod schon antizipiert. Ich freue mich tatsächlich für Riff Raff und Magenta, dass sie es schaffen, nach Hause zu fliegen.
Johannes Franke: Weiß ich nicht, ob mich das freut. Also Riff Raff, Magenta schon eher, aber Riff Raff, ich weiß nicht, der war so ein Arsch jetzt am Ende. Ja.
Florian Bayer: Ja, er hat halt seinen Job gemacht.
Johannes Franke: Toll. Der Job ist mir egal in dem Moment. Ich will Frankenfurter-Leben sehen.
Florian Bayer: Das Ding ist ja tatsächlich, also ich liebe Frankenfurter natürlich. Ich finde Riff Raff auch total geil. Und das liegt vor allem daran, weil Riff Raff... einen ausgezeichneten Job macht, uns in diese Welt hineinzuführen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und Riff Raff in dieser merkwürdigen Mischung aus Igor, aus diesem typischen Frankenstein-Butler. Mit dem Buckel. Mit Buckel, aber dann gleichzeitig auch Rockstar, der wirklich so wechseln kann zwischen diesen... zwischen diesem, was wollt ihr? Was irgendwie so gruselig und ein bisschen eklig ist, hin zu eleganten Rock'n'Roll-Bewegungen. Es ist einfach nur geil.
Johannes Franke: Und das trotz Buckel.
Florian Bayer: Und das trotz Buckel.
Johannes Franke: Elegante Rock'n'Roll-Bewegungen. Elegant und Rock'n'Roll, ich weiß nicht genau, ob das in einen Satz passt, aber egal. Ja, wir werden uns die Episode auf jeden Fall über den Fankult unterhalten müssen. Definitiv. Der darum gesponnen wird, der teilweise... wichtiger geworden ist als der Film.
Florian Bayer: Ja, es ist ja auch ein Film, der erst durch seinen Fankult groß geworden ist. Ja, Da werden wir auch darauf zu sprechen kommen, der war ja am Anfang nicht wirklich erfolgreich.
Johannes Franke: So richtig gut, ja. Aber lass uns mal von vorne anfangen. Ich finde es nämlich interessant, wie das Ganze überhaupt zustande gekommen ist. Der Film... basiert ja eigentlich auf einem Musical, das auf der Bühne stattgefunden hat.
Florian Bayer: Basiert ist gut. Ich meine, der Film hat fast alles von dem Musical übernommen. Nicht nur seinen Autoren und Regisseur, sondern auch fast die gesamte Besetzung. Richard O'Brien.
Johannes Franke: Was auch etwas anders kommen können mit der Besetzung, aber das werden wir auch gleich noch besprechen. Richard O'Brien, du sagst es,
Florian Bayer: der hat die Vorlage geschrieben, ein Schauspieler und Theatermensch aus England, der das vor allem als Zeitvertreib geschrieben hat, wenn ich das richtig verstanden habe.
Johannes Franke: Es war ja so, er war irgendwie Buddies mit Leuten von Emmy, von dem Plattenlabel und die haben irgendwann eine Party gehabt. Und da hat er irgendeinen Song beisteuern sollen für die riesige Party. Das war eine große Jubiläumsparty. Und da hat ihn jemand gefragt, ob er einen Song beisteuern kann für den Abend. Und das hat er gemacht. Und dieser Song war Double Feature. Also Science-Fiction Double Feature. Der Song, der in dem Film als erstes kommt. Und dann hat er daraufhin diesen Song irgendwie genommen und hat gedacht, da kann man doch noch mehr draus machen. Und hat dann als arbeitsloser Schauspieler, der Langeweile im Winter hat, der Winter war irgendwie wohl... nicht so geil und also auch arbeitstechnisch für ihn und dann hat er einfach das meiste von dem, was wir auf der Bühne dann sehen und dann auch im Film sehen, einfach in diesem Winter einmal runtergeschrieben. Total krass und er war halt immer Liebhaber von diesen Science-Fiction Filmen aus den 40ern. Ja,
Florian Bayer: genau. Also das ganze Ding ist natürlich als tiefe Verbeugung geschrieben vor diesem ganzen Trash-Kino, das wir aus dieser Zeit kennen. Der Eröffnungssong hat ja auch schon diese ganzen Referenzen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und er hat es dann auch Anfang der 70er, also wir haben tatsächlich so relativ eng aufeinander folgend, die Uraufführung von dem Musical, die war nämlich 1973.
Johannes Franke: Hieß damals noch They Came From Denton High.
Florian Bayer: Gott sei Dank haben sie es umbenannt.
Johannes Franke: Ein seltsamer Titel, aber okay. Und dann haben sie wirklich kurz bevor die erste Preview gelaufen ist, haben sie den Titel geändert. Das war wirklich knapp vor knapp.
Florian Bayer: Ja und Jim Charman, ja Charman wird das ausgesprochen. Wochen hoffe ich doch zumindest.
Johannes Franke: Charmen, ja.
Florian Bayer: Zudem hat er das gebracht und hat gesagt, kannst du das für mich inszenieren? Und der selbst war in dieser Musical-Szene unterwegs.
Johannes Franke: Die kannten sich von da. Der hat ja vorher bei Hair mitgespielt und so weiter.
Florian Bayer: Genau, Hair und Jesus Christ Superstar.
Johannes Franke: Oder Hairspray oder was? Nee,
Florian Bayer: Hair.
Johannes Franke: Hair, okay.
Florian Bayer: Hair mag ich auch sehr. Also ich bin ein großer Hair-Fan.
Johannes Franke: Und wenn man sich die Figur anschaut, dann ist Hair auch schon eine gemeine Referenz. Weil Riff Raff ist ja der Diener und der hat sehr schütteres Haar, sagen wir es so.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Also sie kamen aus diesem Post-Hippie-Umfeld und aus diesem psychedelischen und auch experimentellen Umfeld, weil wir bewegen uns irgendwie in der Zeit, in der Musicals mehr wurden als diese klassischen Hollywood-oder auch diese klassischen britischen Musicals, wo ja wirklich der Rock'n'Roll und auch der Punk ins Musical Einzug gehalten hat.
Johannes Franke: Ja, wobei Punk ja an sich erst ein Stückchen später passiert ist. Also 77, 78 sind sicher die großen Jahre des Punk. Ja,
Florian Bayer: kommt drauf an, wie weit man Punk fasst.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Wenn wir von Protopunk ausgehen, dann kriegen wir die ersten Punks auch Ende der 60er und Anfang der 70er. Auf jeden Fall, genau. Und da hat das natürlich voll gut reingepasst. Wir haben hier eine Verbeugung vor dem Trash-Kino, vor dem Science-Fiction-Horror-Genre-Kino der 50er Jahre. Wir haben Rock'n'Roll-Nummer.
Johannes Franke: Wir haben Glamrock.
Florian Bayer: Wir haben Glam. Und wir haben natürlich eine Menge Sex-Appeal.
Johannes Franke: Ja, Brian hat selbst gesagt, dass Glamrock ihm erst die Möglichkeit gab... Viel mehr er selbst zu sein. Was ich total schön finde, weil ich finde, dass Glamrock genau in die gleiche Schiene reinhaut wie Rocky Horror Picture Show, dass Männer in Spandex oder in irgendwelchen absurden Kostümen Rock spielen auf der Bühne und einfach da so Glitzer und Glamour mit verbinden. Ich finde das großartig.
Florian Bayer: Ja, und auch schon diese Genderfluidity. Die haben wir ja ganz krass auch im Glamrock. Also David Bowie natürlich, den größten Namen zu nennen, der halt auch immer damit gespielt hat und auch immer damit gespielt hat, aber das... dass sich halt Geschlechtskategorien aufweichen können. Und eigentlich muss man sagen, ist das nicht eine tolle Zeit, in der Rocky Horror Picture Show entstanden ist, wo das alles noch so tatsächlich, wo das passieren konnte, ohne dass... Also ich meine natürlich, Konservative finden sowas immer kacke. Aber stell dir mal vor, ein Film wie Rocky Horror Picture Show würde heute rauskommen und wie würde die rechte Amok laufen gegen diesen Vogue-Terrorismus und gegen diese... Guck mal, das machen die doch nur, um Wokes Kino zu... Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Und damals war das wunderschön natürlich möglich, als Rock'n'Roll, verdammt nochmal. Ja, ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Diese Non-Binarität oder dieses Spiel mit dem binären Geschlechtsmodell, ist halt verflucht, nochmal auch Rock'n'Roll und das ist geil und das ist Punk und das ist wild.
Johannes Franke: Und man muss sagen, das war in einer Zeit, wo schon noch in großen Teilen der Welt Homosexualität richtig illegal war. Ja. Und das noch als Krankheit von Psychologen behandelt wurde und so. Also es ist schon auch eine düstere Zeit, muss man sagen. Ja.
Florian Bayer: Und es ist dann doch krass, dass so ein Musical... Als Showmusical am Volkreich, sagen wir mal. Ja,
Johannes Franke: total krass. Die haben angefangen mit 60 Plätzen. Ja, halten wir den Ball mal flach. Die haben angefangen, dieses Ding auf die Bühne zu stellen, auch schon mit den Leuten, die wir im Film sehen eben, außer Brad und Janet, die vor 60 Leuten gespielt haben. Das war so ein Experimentalraum, den sie über einem größeren Theater hatten. Ich weiß nicht, ich hab den Namen gerade nicht parat, aber es war eben einfach... So eine Studiobühne, wie es sie auch heute noch so immer mal wieder gibt, wo nur 60 Leute reinpassen und du irgendwie so quasi Probebühne mäßig auch Experimente machen kannst.
Florian Bayer: The Royal Court Theater Upstairs.
Johannes Franke: Ja genau, das gibt es heute nicht mehr, leider. Also es gab es auch schon, gibt es auch schon recht lange nicht mehr, weil einfach das Geld dann auch irgendwann knapp geworden ist und sie sich dieses Experimentierfeld nicht mehr leisten konnten. Aber es ist ja dankenswerterweise so, dass das... Auch immer mal wieder, heute noch, auch in Berlin in Theatern so eine Probebühne gibt und so eine Studiobühne und da kann man Sachen machen. Und die haben... Diese 60 Leute halt so oft reinbekommen, das war sofort wochenlang ausverkauft, dass sie dann irgendwann umgezogen sind in einen größeren Raum und dann ist der wiederum, dann haben sie irgendwo ein Kino gefunden, das abgerissen werden sollte, da haben sie es interims genutzt und haben da irgendwie ihre Shows gemacht und dann sind sie in einem Theater gelandet, wo sie 500 Plätze hatten und es war immer noch ausverkauft.
Florian Bayer: Das ist total krass. Was?
Johannes Franke: Das lief da echt jahrelang dann das Ding.
Florian Bayer: Und man merkt diesen Film, das finde ich tatsächlich auch schon so schön am Film, um das vorwegzugreifen, man merkt eben auch an, dass er auch von dieser kleinen Bühne kommt, weil es gibt so ganz viele Andeutungen von großem. die aber mit kleinem Personal in engem Raum umgesetzt sind. Also vor allem diese ganze Party, die wir hier haben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das sind nicht so viele Gäste da. Und du siehst halt ständig, du hast diese Versprechung von was Großem und du hast auch diese Imagination von was Riesigem. Hier ist die große Transsilvanien-Party. Aber was gezeigt wird, sind eben nur so zehn Leute, die da rumtanzen.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Und damals schon bei diesen Aufführungen des Stückes Wie hattest du ja schon gesagt, Tim Curry war dabei, Frankenfurter. Richard O'Brien hat von Anfang an den Riff Raff gespielt. Und dann ja, wirklich so die Leute aus dem aus die wir auch im Film sehen dann.
Johannes Franke: Und zwar auch Meatloaf.
Florian Bayer: Meatloaf, ja.
Johannes Franke: Der tatsächlich Eddie und Scott gespielt hat. Traditionell haben immer Eddie und Scott wurden immer vom gleichen Schauspieler gespielt, das im Film aufgeweicht wurde. Leider war Meatloaf sehr enttäuscht, als er gehört hat, dass er nicht bei der Rollenspiele darf. Ich hätte ihn auch gerne gesehen als... Everett Scott, aber es kommt mir komisch vor. Der, der es jetzt spielt, macht es schon sehr gut, muss ich sagen.
Florian Bayer: Er ist halt sehr jung und was auf der Bühne dann funktioniert mit Spielen, so funktioniert wahrscheinlich im Film nicht mehr so gut.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es ist einfach geil. Ich hatte das so komplett verdrängt, dass das ja Meatloaf ist. Ja,
Johannes Franke: ich auch.
Florian Bayer: Und da kommt er rein und ich denke so, ah ja, stimmt. Ja, geil. Super geil. Und macht auch tatsächlich eine der geilsten Rock'n'Roll-Rhythms des Films. Ja, Meatloaf. Großartig.
Johannes Franke: Toll. Übrigens, Tee. Plua, möchtest du gerne Tee haben? Ich habe hier wieder mal Tee vorbereitet.
Florian Bayer: Wir sind heute ja wieder so englisch unterwegs, da müssen wir auf jeden Fall Tee dazu trinken.
Johannes Franke: So, gib mal meine Tasse rüber.
Florian Bayer: Es geht auch nicht über einen würdevollen Tee. Würdevolle Tea-Time mit einem würdevollen Film.
Johannes Franke: I'm just a sweet transwest-tide from Transylvania. Okay,
Florian Bayer: ich danke dir. Und der Film... kam dann allerdings auch tatsächlich aus der Low-Budget-Richtung. Sie haben nicht so viel Geld investiert. Also sie waren über einer Million.
Johannes Franke: Das Ding ist, sie hätten sehr viel mehr haben können. Aber dann wäre die Bedingung gewesen, Mick Jagger anzustellen als Frankenfurter.
Florian Bayer: Wer das echt gerne gemacht hätte.
Johannes Franke: Ja, der wollte.
Florian Bayer: Der ist dieser Rolle hinterhergerannt.
Johannes Franke: Es gab echt ein paar sehr berühmte Leute, die diese Vorstellungen gesehen haben und sehr geliebt haben. auf jeden Fall sofort dabei gewesen wären. David Bowie hat sich dafür eingesetzt, dass dieses Ding irgendwie erfolgreich wird.
Florian Bayer: Und das Krasse ist ja, Tim Curry ist fantastisch, aber ich könnte mir sowohl David Bowie als auch Mick Jagger direkt in der Rolle des Frackens vorstellen.
Johannes Franke: Ich glaube, David Bowie war nicht für die Rolle, irgendwie hat er sich nicht, glaube ich, eingesetzt. Aber er hatte irgendwie, das Ding ist, der Film war nicht sofort erfolgreich.
Florian Bayer: Ja, der war ein Flop.
Johannes Franke: Der war ein totaler Flop. Der war halt irgendwie fürs ganz normale Publikum in ganz normalen Zeiten geprogrammiert. Und dann sind die Leute aus den Testvorführungen schon teilweise rausgegangen. Es waren so zwei Drittel Leute sind rausgegangen und haben den Film nicht verstanden. Und dann haben die das irgendwie, es hätte sofort irgendwo in irgendwelche Schubladen landen können, wenn nicht irgendwelche Leute gesagt hätten, nee, wir wollen das aber unbedingt irgendwie hinkriegen. Und neu programmiert haben und gesagt haben, naja, wie wäre es, wenn wir es als Midnight-Vorstellung machen. Midnight-Vorstellungen waren relativ neu, ich weiß, gab es schon eine Weile, aber das war so ein Konzept einfach.
Florian Bayer: Und man weiß, wie sich das entwickelt. Ein Hoch auf die Midnight-Movies.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: So viele tolle Filme. zu Kultstatus gelangt. Midnight Movies ist das, was Quentin Tarantino sozialisiert hat. Und so Filme, die heute Kultfilme sind, wie zum Beispiel... Night of the Living Dead oder auch Eraserhead von David Lynch. Die haben in den Midnight-Movies ihr Publikum gefunden, wo sie an der normalen Kinokasse einfach nicht durchgekommen sind, weil sie zu experimentell, zu merkwürdig, zu schräg, zu bizarr, whatever waren.
Johannes Franke: Gerade bei Eraserhead kann ich es mir vorstellen, dass das dann dort sein Publikum findet. Und hier war es eben genauso. Es gab einen ganz tollen Typen bei, ich habe den Namen irgendwo aufgeschrieben, aber das geht jetzt irgendwo unter hier. Es war ein Typ beim Vertrieb, der gesagt hat, Komm, lass es uns wenigstens noch einmal probieren. Wir setzen jetzt alles irgendwie auf diese Midnight-Vorstellungen und hat das da eingebracht. Und David Bowie, wie gesagt, hatte sich auch dafür eingesetzt. Der hat nämlich auch groß gesagt, hier Leute, guckt euch den Film an, gebt ihm eine Chance, er ist großartig. Dann sind so die ersten Leute tatsächlich auch in den Midnight-Vorstellungen geblieben, haben sich das Ding angeschaut, hat sich's rumgesprochen und dann wurde das tatsächlich ein riesiges Ding nach und nach. Und nach so ungefähr sechs Monaten fingen die ersten Leute an, irgendwelche Sachen reinzurufen.
Florian Bayer: Hat so früh schon angefangen?
Johannes Franke: Das hat in diesem Jahr noch angefangen. 74? Ich glaube 74. 74. Total krass, dass Leute dann, ich glaube es war irgendein Lehrer, der in der Szene, wo Brad und Janet im Regen stehen vor dem Haus, haben die ja so eine... Zeitung, die sich für den Kopf packen. Und dann ruft der sowas rein wie kauf dir einen verdammten Schirm, Bitch.
Florian Bayer: Oh, Janet hat es oft übel abgekriegt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ach man, die rufen ja teilweise wirklich fiese Sachen rein, muss man sagen. Aber das kommt von einem anderen, also es kommt nicht aus der bösartigen Seite, sondern man sagt das irgendwie so, weil man, weil der Film sich ja auch über so Tropes lustig macht, aus den Filmen, die er parodiert. Und deswegen geht das Publikum da auch mit drauf ein.
Florian Bayer: Wenn du im Jahr 1974 dann in so eine Midnight, 1976 dann in so eine Midnight-Movie-Vorstellung gegangen bist, du hast diesen Film zum ersten Mal gesehen, dann öffnet sich der Screen und das erste, was du siehst, ist der festgebundene Kopf. Du siehst den Kopf nicht, aber er ist festgebunden. Von Patricia Quinn. und siehst halt nur diese Lippen und hörst die Stimme von dem Schöpfer des Ganzen, nämlich von Richard O'Brien, der das immer intoniert hat und dann wirst du eingeführt, einfach nur schwarz Lippen,
Johannes Franke: du hörst dieses Seinspickdoppel.
Florian Bayer: Und wie viel von den Anspielungen hast du verstanden?
Johannes Franke: Ja, so 1, 2, 3 vielleicht, aber bei weitem nicht alle. Ich find's so toll, der Song ist großartig, aber man muss schon sagen, dass man so das Gefühl hat, dass der Film sagt, so, kommt erstmal an. Ihr könnt noch ein bisschen Popcorn essen, ist in Ordnung. Unterhaltet euch auch noch ein bisschen und bereitet euch vor auf das, was jetzt kommt. Vielleicht informierst du, der schon zum zehnten Mal da bist, die Dame neben dir, die zum ersten Mal da ist.
Florian Bayer: Was sie da gerade sieht,
Johannes Franke: was jetzt kommen wird. So ein bisschen das Gefühl macht das, obwohl der Filmemacher, der wusste ja nicht, was das werden würde so unter dem Publikum. Aber man hat... Oft im Film finde ich das Gefühl, dass der antizipiert, dass die Leute mitmachen. Aber natürlich nur aus der Retrospektive betrachtet. Aber ich habe das Gefühl, dass der echt absichtlich Lücken lässt, damit die Leute reagieren können.
Florian Bayer: Du meinst, es gibt diese sehr bewusst gesetzten Pausen?
Johannes Franke: Ja, also die krasseste Pause ist natürlich Anticip. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall.
Johannes Franke: Aber es gibt noch mehr so Sachen, wo man denkt, okay, jetzt wollen sie aber auch wirklich, dass das Publikum mitmacht. Was ich wieder festgestellt habe jetzt,
Florian Bayer: und das betrifft vor allem gerade so die erste Dreiviertelstunde, dass das Pacing unglaublich gut ist.
Johannes Franke: Ja, was ist denn?
Florian Bayer: Dass du irgendwie da so langsam reingeworfen wirst und dann hast du diese Mockery von einer idyllischen Hochzeit mit Beerdigung am Rande und mit American Gothic Paar, das da noch rumsteht.
Johannes Franke: Das American Gothic Ding ist so geil. Ich hab's so flach gelegen wieder. Es ist super. Und ich feier den Film von Anfang an, weil der wirklich... der macht sich so bodenlos lustig über die Sachen, über das, was er halt behandelt an Themen. Und dieses amerikanische brave Pärchen und dieser Dammit-Janet-Song ist so großartig. Ich will ihn die ganze Zeit singen, weil er so lustig ist.
Florian Bayer: Es ist vor allem cool, weil unsere beiden Protagonisten, die hier eingeführt werden, nämlich Brad Majors und Janet Weiss, weil die von Anfang an so großartig, als erstes so, wir folgen denen jetzt, aber gleichzeitig sind die auch ein absolut krasses Abziehbild von diesen Figuren. Die wir im amerikanischen Trash-Kino haben. Das ist im Laufe der 50er Jahre der Held und grabe Hausfrau, der auch immer wieder sagt, Janet, es ist alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen, ich hab das im Griff.
Johannes Franke: Ich hab das alles im Griff, genau.
Florian Bayer: Und Janet, die alle fünf Sekunden ohnmächtig wird, wenn irgendwas passiert, was nicht in ihr Weltbild passt.
Johannes Franke: Und dann aber im Schloss, muss man sagen, erstaunlich oft, ach, applaudiert und guckt und ach, schau mal das, das ist doch nett und lass ihn doch erstmal machen, Brad, was ist denn los?
Florian Bayer: Und das wird, genau, das wird ja nachher total krass aufgebrochen. Also wenn Pratt ist, auch am Anfang schreit Pratt ja geradezu hetero. Keine Frage. Du siehst ihn und denkst hetero. Und nachher lässt er sich von Frankenfurter aber mal so richtig verführen.
Johannes Franke: Leider sehen wir nicht genug davon. Wir sehen weniger als bei Janet. Also wir sehen natürlich sowieso nicht viel, weil da diese blöde, der Stoff davor hängt, weil sie Angst hatten, dass es zu, dass es zensiert wird einfach zu sehr. Ja. Und... Ich finde es trotzdem eine gute Entscheidung auch. Auch selbst, wenn sie nicht die Zensur im Kopf gehabt hätten. Finde ich es eine nette Entscheidung, diesen Vorhang davor zu haben und dieses Schattenspiel zu sehen.
Florian Bayer: Wir sehen sie ja beide halbnackt irgendwann und ich dachte tatsächlich nochmal, wow, krass hat ein... Susan Sarandon und Barry Bostwick eine gute Figur.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Das sind ja so zwei Leute, die wir jetzt schon als ältere Schauspieler kennen, die auch jetzt nicht mehr dafür bekannt sind, oft halbnackt in ihren Filmen zu reden. Und das war krass, die sexualisierten Rolle zu sehen, weil das sind beides großartige Schauspieler. Absolut. Und die einfach unabhängig von Rocky Horror Picture Show eine Karriere hingelegt haben, die wenig verlinkt ist mit den Figuren, die sie da spielen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann zu sehen, wie krass sexualisiert sie sind, das war schon umwerfend.
Johannes Franke: Also der ganze Film ist natürlich Sex, Sex, Sex, Sex, Sex, muss man mal sagen. Und ich finde es toll und erfrischend, dass es dann eben nicht darum geht, nur sie sexualisiert darzustellen, sondern einfach jede Figur wird einmal durchsexualisiert.
Florian Bayer: Alles ist Sex in diesem Film. Jede Figur bis auf Scott, beziehungsweise von Scott, hat jede Figur... krassen Sexappeal.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Selbst der lobotomisierte Meatloaf hat irgendwie noch so ein Stück Sexappeal. Einfach durch diese Rock'n'Roll-Rebellion.
Johannes Franke: Als wir den gesehen haben, oh Gott, das muss ich jetzt sagen, damit ich das nicht vergesse. Als wir den gesehen haben, ich hab mit meiner Freundin geguckt, kam von der Seite, als Meatloaf aus dem Kühlschrank kommt, meinte sie, aha, Ist das so ein Kommentar in Richtung die 50er, weil die sind halt Altbacken und die muss man aus dem Kühlschrank holen, aus dem Tiefkühlvorrat. Das fand ich eine super süße Idee.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, zumal Eddie ja wirklich so ein typischer halbstarker Rock'n'Roller ist. Er passt eigentlich gar nicht so 100% in diese Welt rein, weil sonst sind diese Rock'n'Roller ja deutlich mehr 60er und 70er, deutlich mehr Clamrock und weniger Elvis und mehr Bowie.
Johannes Franke: Und Meatloaf ist halt mehr... Naja, dieses 50er Abziehbild.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich find's super, dieser super Gedanke, der da kam. Mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaub, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes. Ich befürchte, wir befinden uns in einer Selbstprobe.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch nutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure... eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das soll schnell durchkommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Thema Rock'n'Roll.
Johannes Franke: Thema Rock'n'Roll.
Florian Bayer: Welche Songs findest du denn besonders gut?
Johannes Franke: Ah, sind wir jetzt schon da? Nein, das müssen wir später machen. Welche Songs sind die besten? Müssen wir später machen. Wir haben bis jetzt, wenn wir so ein bisschen durchgehen, haben wir Damage Janet. Was ich schon gesagt habe, weil die großartigen Songs sind. Ja, toll. Er ist so ironisch und so großartig.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass es wirklich so ein Rock-Pop-Song ist, der sowas sehr Klattes hat. Funktioniert halt so saugut. Weil du die ganze Zeit merkst, dass hier so ein typisches männliches Verhalten beim Antrag machen auf absurdeste Weise dargestellt wird.
Johannes Franke: Und es wird immer nur noch besser, weil die da im Hintergrund stehen, diese gleichen Figuren, diese American Gothic Sachen. Es ist unglaublich, es ist so geil. Und ich erkenne die Figuren kaum, muss ich sagen, weil die ja später im Schloss vorkommen.
Florian Bayer: Ja, ich wusste es nicht. Ich wusste nicht, dass Frankenfurter als Priester da steht.
Johannes Franke: Achso, du wusstest es gar nicht.
Florian Bayer: Und ich habe es mir jetzt wieder nicht aufgefallen. Ich habe den Film schon ein paar Mal gesehen und mir ist es nie aufgefallen. Mir ist es einfach nie aufgefallen. Und dann habe ich es gelesen und ah, oh ja, da ist Frank, oh da ist ja auch Magenta.
Johannes Franke: Ja und Columbia und so, ne?
Florian Bayer: Sie sind alle da.
Johannes Franke: Alle da. Das ist so dieses Wizard of Oz mäßige, was ich total geil finde, weil das ist so unterschwellig. Also zum einen ist ja sowieso in der Szene, in der Queer-Szene Wizard of Oz so ein großes Ding, ein wichtiges Ding. Und das dann zu zitieren ist natürlich toll. Aber auch überhaupt das Konzept zu haben, zu sagen, die wollten ja eigentlich alle Szenen bis zum Schloss schwarz-weiß machen. Die wollten all-in gehen. Die wollten wirklich diesen Wizard of Oz Gedanken durchziehen.
Florian Bayer: Ich hätte jetzt gerade gesagt, es ist wie Wizard of Oz, aber mit einem ganz gewaltigen Unterschied. Und zwar, dass Dorothy aus der Realität kommt und in einer Traumwelt landet. Während Brad und Janet aus einer Traumwelt kommen und in der Realität landen.
Johannes Franke: Das ist nämlich der nächste Punkt, den ich total geil finde. Wenn ich mir Furthers Spiel anschaue und das der Partygäste und so. Vor allem aber Frankenfurter. Es ist so viel naturalistischer gespielt. als der Stock im Arsch von den beiden, die da zu Besuch kommen. Es ist so geil und wir wissen sofort, auf wessen Seite wir sind.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Weil die, die Spaß haben und die echten Menschen, die eigentlich Aliens sind, die sind die, an die man sich hängt.
Florian Bayer: Das Geile ist ja wirklich diese Entwicklung. Du hast sie durch den Regen fahren, du hast sie dann in diesem Schloss ankommen und du bist die ganze Zeit bei ihnen und denkst, oh Gott, was sind das für gruselige Gestalten. Und dann reißt Riff Raff die Tür auf, du hast die Party, du hast den Time Warp Song und du sagst, okay. Janet, Fred, es war schön mit euch, aber ich bin jetzt einer von denen.
Johannes Franke: You're on your own, viel Spaß noch, viel Glück. Ich bin dann mal Party machen.
Florian Bayer: Und jeder begreift es, sogar der spießige britische Erzähler steht dann irgendwann auf dem Tisch und bewegt seine Hüften zu diesem Song und du denkst nur, geil, was für eine Party. Und wie gesagt, es sind nur zehn Leute, aber du denkst direkt, scheiße, ich will da mitmachen, ich will da mitfeiern, das ist die beste Party aller Zeiten.
Johannes Franke: Wenn du gerade den Kriminologen, der da ja, also es soll ja ein Kriminologe sein, der dann irgendwie so sehr distigiert erzählt, was da passiert ist. Und ganz am Anfang, wenn das erste Mal auftaucht, ruft man traditionell ja im Kino dann BORING, was ich sehr süß finde. Weil er ist eigentlich, also ganz am Anfang denkt man so auch so, hm, was? Was soll das jetzt? Was hat der hier zu suchen? Geh mir aus dem Weg, ich will mehr Blick auf Frankfurter. Aber dann macht er eben, der Schnitt ist dann so schlau, den nicht nur zwischen den Szenen als Mittler einzubauen, sondern eben auch wenn der Time Warp kommt und der dann an der Schautafel zeigt, wie es funktioniert und so. Es ist so, so großartig und damit lieben wir sogar diese Figur.
Florian Bayer: Es bricht halt auch alles. Wir haben hier immer mal wieder Brüche mit der vierten Wand.
Johannes Franke: Immer wieder, die toll sind.
Florian Bayer: Es wird diese Wand zwischen Erzähler und Filmhandlung gebrochen und dann nochmal zwischen Erzähler und uns und Filmhandlung und es geht dann einfach munter und drüber und alle feiern mit. Und es ist ja auch so geil, wie diese Erzähler während dieses Songs am Anfang noch wirklich, der Kriminologe am Anfang wirklich mit seinem Schaubild erklärt, so macht ihr das und so macht ihr das. Und dann am Schluss kann er sich aber auch nicht mehr halten. Irgendwann steht er auf dem Tisch und bewegt seine Hüften. Ja, ich liebe diese Entwicklung. Ich find's halt auch geil, weil es geht dann immer noch ein Stück höher. Du hast diesen Time-Warp-Song, es ist voll alles so hoch und du bist total gehypt. Und dann kommt Frankenfurter und es geht gleich weiter mit Sweet... Sweet Transvestite. Ich weiß nicht,
Johannes Franke: wie viele Sekunden dazwischen sind. Gefühlt ist da fast kein Blatt Papier zwischen die beiden.
Florian Bayer: Die Hochzeitsgäste fallen um, Brett und Janet wollen fliehen und dann rennen sie gegen Frank and Ferda und wir sehen zum ersten Mal dieses intergalaktische Wesen, gespielt von Tim Curry auf so vielen Ebenen, intergalaktisch, übernatürlich, Wahnsinn.
Johannes Franke: Das Ding ist ja, dass Tim Curry viel bescheidener, viel kleiner, viel schüchterner ist als Mensch. Und dann zieht er diese hochhackigen Schuhe an und hat dieses Make-up auf und der rastet voll Kanne aus. Der gibt 130 Prozent. Es ist ja wirklich krass. Vor allem, weil ich, wenn ich ihn später sehe in Interviews oder vorher sehe oder während die Show gelaufen ist, gab es auch Interviews mit ihm irgendwie zu sehen. Es gibt so ein Schwarz-Weiß-Interview und man merkt, wie in sich gekehrt dieser Mensch eigentlich ist. Und was es für eine krasse Wandlung ist, wenn er diesen Frankenfurter spielt. Mein Gott. Ich finde auch, man erkennt ihn kaum später.
Florian Bayer: Die Figur sollte erst so ein bisschen deutscher sein und wirtschaftlicher. Und er hat gesagt, nee, ich will das nicht so, ich will das englisch machen.
Johannes Franke: Beziehungsweise er hat es am Anfang deutsch gespielt. Es gab ja diese Phase, wo er auch alles mögliche ausprobiert hat, auf der Bühne live während die Shows gelaufen sind. Und dann hat er irgendwann in einem Bus eine Frau gehört, die schrill neben ihm mit diesem sehr poschen britischen Akzent mit jemandem gesprochen hat. Und dann hat er das noch, hat er gemeint, kombiniert mit der Telefonstimme seiner Mutter. Was ist das? Fantastisch. Das ist eine tolle Beschreibung. Die haben dir die Telefonstimme von deiner Mutter vorstellen. Ja, hallo. Wie geht's denn so? Du weißt ja so in der Richtung.
Florian Bayer: Und das Krasse ist ja, dass diese Figur trotzdem noch so würdevoll ist.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Er ist ganz eindeutig der König dieser ganzen Veranstaltung. Oder die Königin oder irgendwas dazwischen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er steht für Party, er steht gleichzeitig aber auch für, er hat offensichtlich Probleme mit seinem Temperament, wie wir mehrmals erfahren. Aber er steht eben auch für den, der das Ding voll im Griff hat, der weiß, wie die Party zu feiern ist, der aber auch weiß, wie er jemanden abschlachten kann, wenn der ihm in die Quere kommt. Und diese Mischung aus hysterisch, erschreckend, witzig, sexy, es ist einfach krass, wie viel diese Figur in sich drin hat.
Johannes Franke: Ein wahnsinniges Timing, der weiß immer genau, in welchem Moment er was wie machen muss. und wann der Blick in die Kamera sein muss. Es ist so toll. Und ich finde, dass er alles so im Griff hat am Anfang, macht dann das Ende überhaupt erst möglich und so wie er es spielt überhaupt erst möglich. Weil man hat so ein bisschen die Ahnung im ersten Drittel oder im ersten beiden Dritteln, dass das Ende schwierig zu erreichen ist, weil du jetzt die ganze Zeit Party machst.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann davon runterzukommen. Und nochmal ein bisschen was Substanzmäßiges zu haben oder sowas ist schwierig. Mal gucken, wie wir dann, lass uns das noch ein bisschen aufsparen, aber wie sich das entwickelt. Aber Frankenfurter, wenn wir gerade bei ihm sind, großartiger Schauspieler, ganz toll gespielt und eine wahnsinnig gut geschriebene Rolle. Ja. Und die Gesangssummen sind der Hammer.
Florian Bayer: Tim Curry hat gesagt, er möchte ein bisschen mehr wie die Queen klingen. Ja. Frankenfurter auch, mehr Englisch, weniger Deutsch. Das Witzige ist, genau in dieser Zeit, als dieser Film dann auch entstanden ist, ist eine andere Band groß geworden, beziehungsweise ist eine Band groß geworden, die Queen heißt. Und das, was dieser Frank-and-Further verkörpert, eben diese verschiedenen Facetten von Sexualität, von Spaß, von Pomp und so weiter, die findet man halt auch in der Musik von Queen. Ich finde, das trifft sich zeitlich so sehr gut, weil Queen halt auch so total überladen ist. Eigentlich viel zu viel ist. Du hast den Rock'n'Roll drin, du hast das Opernhafte drin, du hast den Pathos, genauso wie den Sex.
Johannes Franke: Und das...
Florian Bayer: kulminiert halt auch in dieser Figur. Und diese Figur ist da einfach on point, dieses krasse, übertriebene Klemmding, eigentlich viel zu viel, um real zu sein.
Johannes Franke: Wir müssen mal ein bisschen persönlich werden, hab ich so das Gefühl. Frankenfurter hat damals wie heute und immer dazwischen Leute inspiriert, einfach sich selbst zu sein. Zu sagen, okay, ich, ich, das sagt er ja auch, er singt das ja später sogar. Don't dream it, be it. Und diese Botschaft von Frankenfurter ist einfach so stark und hat so viele Leute dazu gebracht, überhaupt die Kraft aufzubringen, etwas zu sein, was in ihrer Umgebung vielleicht nicht so gewünscht wirkt oder tatsächlich ist. Das finde ich so der absolute Wahnsinn und ich habe das Gefühl, ich war immer ein relativ femininer Charakter als Mensch, so wie ich aufgewachsen bin. Wie ich Jugendlicher war, bis in meine Mit-20er, End-20er, wenn ich irgendwo auf Toilette gegangen bin, öffentlich, und mir kamen Männer entgegen, um auf Toilette zu gehen, haben sie erstmal erschrocken geguckt und haben gesagt, falsche Toilette, Moment, und ich so mit der tiefsten Stimme, die mir zur Verfügung stand, nein, nein, ist schon okay, gehen Sie weiter, um irgendwie klar zu machen, dass ich irgendwie männlich so gelesen werden möchte. Ich hatte auch immer eine Art und Weise an mir, wo ganz viele Leute mit einem... Vorurteil im Kopf gesagt haben, der muss doch schwul sein. Weißt du, dieses Bild im Kopf, wo ich immer gedacht habe, was ist denn das für ein Bild, warum muss man das darauf festlegen, warum muss das in einer Sexualität münden, wenn man so ein bisschen, weiß nicht, flamboyant ist noch nicht mal das richtige Wort, das ist schon zu viel, sondern es ist einfach nur ein bisschen extrovertierter, exaltierter, vielleicht ein bisschen mehr. Show im Gang, weiß ich nicht, keine Ahnung, oder eine Art und Weise, einen Raum zu betreten oder so. Das hatte ich früher noch mehr als heute. Es hat sich vielleicht ein bisschen verspielt. Weiß ich nicht genau. Ich gucke nicht so viel in den Spiegel dabei. Und ich bin sehr hetero einfach. Und ich würde jedem da draußen empfehlen, egal wo ihr euch auf dem Spektrum der Sexualität befindet, nehmt euch ein Vorbild in Frankenfurter. und zieht euch mal so richtig flamboyant mit hochreikigen Schuhen oder sonst irgendwas an und schaut mal, was es mit euch macht. Macht das einfach.
Florian Bayer: Mit mir würde es vor allem machen, dass ich stolpern würde.
Johannes Franke: Aber dieses Gefühl, weißt du, ein Gefühl in sich hervorzurufen, was du vielleicht vorher nicht gespürt hast, weil du ein Bild davon im Kopf hattest, was Mann sein bedeutet. Und das lehrt einen dieser Film, finde ich. dass egal wo du bist, wo du stehst, sexuell oder identitätstechnisch, probier aus,
Florian Bayer: mach,
Johannes Franke: find raus, was geil ist, was cool ist, was Spaß macht.
Florian Bayer: Es geht gar nicht mal darum zu sagen, sei du selbst, sondern einfach guck mal, was es für Möglichkeiten gibt, wie vielfältig das Leben ist.
Johannes Franke: Und vielleicht merkst du dann, dass du das, was du dachtest, was du bist, gar nicht wirklich bist, sondern dass sich noch irgendwie ganz andere Sachen in dir schlummern, die eigentlich raus möchten, die aber nie eine Chance hatten. Das war jetzt so mein Plädoyer, mal kurz.
Florian Bayer: Nein, total cool. Richard O'Brien selbst hat ja auch gesagt, dass das Frankenförder ihm geholfen hat, auch ein bisschen mit seiner eigenen Identität, mit seiner eigenen Geschlechtsidentität umzugehen. Es wurde viel spekuliert über Richard O'Brien. Wie homosexuell ist dieser Mensch? Wie sehr ist er transsexuell und so weiter? Und jüngst hat er sich dann, also jüngst ist viel gesagt, das ist schon über zehn Jahre her, hat er sich doch öfter dazu geäußert. Er hat ja verheiratet und hat auch Kinder. Und er wurde dann auch nochmal gefragt, so jetzt auch in unserer Zeit, wo ein bisschen offener darüber geredet wird. Und seine Aussage war, ja, ich glaube irgendwie, es gibt irgendwie ein Spektrum, in dem wir uns bewegen. Also das, was wir auch heute sagen, wo man sich ein bisschen... lockerer mit diesen Kategorien männlich-weiblich auseinandersetzen kann. Und ja, ich kann mir das vorstellen, dass ich nicht so 100% einen Punkt da matche, dass ich nicht ganz männlich bin und nicht ganz weiblich bin. Und hat dann sogar eine Prozentanzeige gesagt. Er hat gesagt, ja, wahrscheinlich bin ich so 70% männlich oder 30% weiblich. Aber wenn du Richard O'Brien siehst, wie er in der Öffentlichkeit auftritt, merkst du einfach, das ist auch so ein Typ, der der, man könnte androgyn dazu sagen, aber der ist einfach, der entspricht halt einfach nicht diesen ganzen Klischees von einem Mann. und bewegt sich halt irgendwie so dazwischen. Und er hat gesagt, ja, die Auseinandersetzung mit dieser Rocky Horror Show hat mir total geholfen, dem auch bewusst zu werden und auch zu sehen, wie groß das Feld der Geschlechtlichkeit ist und wie groß das Feld der Sexualität ist. Und ja, Frankenfurter kriegt ja auch... im Laufe des Films was von einem Antagonisten. Ja, natürlich. Also ich meine, er ist unser Killer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er ist irgendwie auch unser Bösewicht und trotzdem unser Held. Ja,
Johannes Franke: was heißt irgendwie? Er ist von Anfang an, er stellt sich mit einem Bösewicht-Song vor.
Florian Bayer: Ist das ein Bösewicht-Song?
Johannes Franke: Ja, nein.
Florian Bayer: Okay, im Disney-Film wäre es definitiv ein Bösewicht-Song.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Aber nicht so diese Unterscheidung zwischen I am Song und I want Song?
Florian Bayer: Ja, genau. Die Bösewichte singen, was sie sind und die...
Johannes Franke: Und die Helden, was sie wollen.
Florian Bayer: Aber ich lese Frankenförder, wenn ich das sehe. Also immer eigentlich als cooler Typ, der das Ding rockt. Bis zu dem Punkt, wo er dann Eddie erschlägt, denkt man erstmal, shit, was ist jetzt gerade passiert. Okay. Wie sehr will der Film... den zum Antagonisten machen und wie sehr will der Film ihn als Bösewicht darstellen, weil das kommt wirklich unerwartet. Wir haben hier diesen Proxen, der da reinfährt ins Geschehen und er mal sagt so, ey, du hast hier, hier, ich bin auch da. Und dann Frank ist ziemlich genervt davon. Okay, ich muss den irgendwie loswerden. Und macht das auf eine echt düster und brutale Weise, auch wenn wir nichts davon sehen.
Johannes Franke: Wie er da so Shining-mäßig mit dieser Axt dann herausgekrochen kommt, nachdem er ihn erledigt hat. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Es ist schon ziemlich dark und ziemlich abgefuckt. Und das ist ja so der Moment, wo wir dann auch einfach erfahren, okay, dieser Frankenfurter hat offensichtlich eine sehr düstere und dunkle Seite. Es ist für mich der erste Moment, wo ich ihn als den... als den Bösewicht lese.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Selbst wenn er davor als der wahnsinnige Geschöpfer gezeigt wird, der Rocky erschafft.
Johannes Franke: Ja, weil eigentlich, das ist doch das klassische Ding, oder? Dass du jemanden hast, es ist Frankenförter, Frankenstein, das ist doch der Antagonist, das ist doch derjenige, der sich aufspielt, Gott zu sein und ein Wesen zu erzeugen. erschaffen. Natürlich ist das eigentlich derjenige, wo man sagt, ja jetzt komm mal ein bisschen runter, Mann.
Florian Bayer: Aber er ist so cool dabei.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und er hat, ich meine, er hat, okay, also ich finde jetzt Rocky ist nicht unbedingt, ich finde Rocky nicht wirklich sexy, aber... Nein. Was ja vor allem an seinen Haaren liegt.
Johannes Franke: Und seinem Blick.
Florian Bayer: Und seinem Blick. Aber er hat Muskeln und wie Janet sagt, I like muscles.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Sie ist nicht der Muskeltyp, aber vielleicht doch ein bisschen. Es ist so toll, vor allem weil er den Song da drumrum so einfach so spielt, weißt du, er erschafft dieses Wesen und ist so begeistert von ihm und spielt ihn so und freut sich über seine Muskeln so sehr, dass man ihm alles gönnt, dass man denkt, okay, wenn du das möchtest, mach, mach, was soll's.
Florian Bayer: Wir glauben in diesem Moment auch wirklich, er wollte sich ein schönes Spielzeug erschaffen, das ist ihm definitiv gelungen.
Johannes Franke: Ja. Gut vorhin. Aber leider musste er Mietlaufs halbes Hirn dafür benutzen.
Florian Bayer: Ja, manchmal muss man Opfer bringen.
Johannes Franke: Übrig geblieben ist der Rocker. Aber welcher Teil ist denn raus? Naja,
Florian Bayer: es war offensichtlich sowieso nicht so viel Gehirnmast. Ich glaube, er hätte vielleicht doch auf ein anderes Gehirn zurückgreifen sollen. Ich glaube, auch wenn du das, was bei Eddie noch drin ist, und das, was bei Rocky jetzt neu drin ist, zusammenmixt, kommt, glaube ich,
Johannes Franke: auch nicht viel raus. Ja, aber Janet ist zu spät aufgetaucht. Ja,
Florian Bayer: das stimmt allerdings.
Johannes Franke: Naja, auf jeden Fall haben sie dort auch einen tollen Song wieder. Es dauert immer nicht lange, bis der nächste Song anfängt. Ich habe so das Gefühl, dass die Songdichte am Anfang stärker ist und sich dann nach und nach so ein bisschen rausschleicht. Aber nicht dollemärklich, sondern so, dass man immer mal ein bisschen mehr Spielhandlung zwischen den Songs hat.
Florian Bayer: Ja, der Film versucht... ...versucht... dann halt doch irgendwie aus diesem Szenario, was er geworfen hat, was überhaupt keinen Sinn ergibt. Sie wollen eigentlich nur telefonieren, sie werden zu dieser Party genötigt. Sie müssen dann zugucken, es macht alles gar keinen Sinn, was da passiert. Und der Film versucht dann, es ist halt doch noch das Ganze zu einer runden Geschichte zu machen, indem er eben diesen Kontrahenten von Frank reinbringt. Dr. Scott. Dr. von Scott.
Johannes Franke: Er hebt ja dann sein Stockingbein, wenn er im Rollstuhl sitzt und die anderen tanzen, dann kann er ja auch nicht mehr anders als tanzen.
Florian Bayer: Und in dieser Geschichte gehört es halt auch schon dazu, dass, Moment, nee, das gehört noch zum Sinnlosen, dass Frank ein Förderer dann einmal als Janet bei Pratt und einmal als Pratt. Bei Janet vorbeikommt.
Johannes Franke: Es ist aber eine großartige Szene. Das Problem ist bloß, dass ich die ganze Zeit so ein kleines bisschen knapp daran vorbeischramme an so einer merkwürdigen Du willst es doch auch und nein heißt doch nicht nein.
Florian Bayer: Hier bei jedem Hollywood-Film darüber, in jeder Kuss-Szene ist das bei uns Thema. Ja. Bis zu dem Punkt, wo wahrscheinlich sogar die feministischste Zuschauerin sagt, Leute, kommt mal runter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ja, dieses Constant-Ding ist immer ein Thema bei uns, wenn es um Sexualität im Film geht. Weil Filme halt einfach diese verdammte Tradition haben, dass konstant ständig gebrochen wird. Und hier haben wir es auch.
Johannes Franke: Es ist einfach hier so.
Florian Bayer: Es ist die typische Verführung. Nein, du willst es doch auch. Komm schon, komm schon.
Johannes Franke: Nein,
Florian Bayer: nein, nein. Ja, ja, ja. Und es ist einfach fucking Filmgeschichte.
Johannes Franke: Aber es ist, Frankenfurter ist halt auch der Bösewicht. Ja. Insofern darf er in Anführungsstrichen das vielleicht machen. Das Problem ist, dass der Film das ja nicht so reflektiert. Dass sie dann, also dadurch, dass sie dann sagt, ja gut, okay, dann machen wir es halt. Ja. Ist das eine Wendung, die, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Das ist halt auch dieses typische Rape-Culture-Ding, das gefällt dir dann ja auch. Und bei Pratt genauso.
Johannes Franke: Und bei Pratt genauso.
Florian Bayer: Das weicht es vielleicht ein bisschen auf, weil natürlich kennt man sowas vor allem als Szene zwischen Mann und Frau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und nicht so ironisch gebrochen, wie es hier ist. Und jetzt haben wir es halt auch wirklich zwischen Mann und Mann und dass das Frankenfurter Pratt verführen kann und der sich genauso wehrt mit genau denselben Sätzen wie Janet.
Johannes Franke: Aber weißt du, was ganz kurz passiert ist, aber der Film hat sofort wieder weggespült, weil er natürlich weitergeht und man sofort wieder drin ist. Ja. Ein bisschen erschrocken war ich darüber, dass mir, wenn er dann dran ist und Frankenfurter zu ihm kommt, dass die Szene plötzlich... viel lustiger ist, weil wir mehr darüber lachen, wenn es einem Mann passiert.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Und da denkt man dann, oh, fuck, scheiße, ganz schlechte kulturelle Prägung.
Florian Bayer: Und das ist wirklich unsere kulturelle Prägung, weil der Film macht die Szenen wirklich eins zu eins nacheinander.
Johannes Franke: Genau, ja, ja, absolut, da gibt es keinen Unterschied. Aber die kulturelle Prägung macht das eindeutig.
Florian Bayer: Ja, das ist echt...
Johannes Franke: Das ist bitter, das muss irgendwie loswerden mal.
Florian Bayer: Das ist wirklich bitter.
Johannes Franke: Naja, aber der Film reißt einen sofort weiter in neue Gefilde.
Florian Bayer: In die tollen Abenteuer von Janet mit Rocky.
Johannes Franke: Oh ja, touch me. Oh man, das ist so ein krasser Song, die sollte das nackt machen, aber sie hat sich echt geweigert und ich bin froh, dass sie es geschafft hat, sich durchzusetzen. Sie wollten sie wirklich nackt haben.
Florian Bayer: Sie wollten sie nackt haben tatsächlich, aber sie machen da ja schon eine ziemliche Fleischbeschau draus. Fummelt Rocky ja auch ganz schön krass an hier rum.
Johannes Franke: Also Susan Sarandon hat positiv darüber geredet, über diese Szene, dass das okay war und so. Sie hat zwar irgendwann eine ziemlich harte Erkältung bekommen, aber das war erst später, als sie da in dem Pool waren, weil das Haus nämlich nicht besonders gut beheizt war. Aber das ist erst später. Aber diese Szene... Und ist halt wie der Rest des Films so durchsexualisiert und du hast so auf die Zwölf, kriegst du erzählt, okay, die wollen jetzt einfach Sex haben und das war's und sie gibt sich jetzt endlich hin, weil sie jetzt von Frankenfurter einmal auf den Geschmack bekommen ist, rennt sie halt zum Nächsten und sagt, oh komm, und wie wär's mit uns denn noch?
Florian Bayer: Was ich ja wirklich krass finde, der Film ist ab Zwölf freigegeben, ne? Echt,
Johannes Franke: ist der ab Zwölf?
Florian Bayer: Der ist ab Zwölf freigegeben, also der war mal ab Sechzehn wohl. Und er hat aber von 2010 hat er quasi eine neue Einstufung von der FSK. Und wo die FSK ja echt ganz gut drin war in ihrer Geschichte leider, ist homophob zu sein. Sprich, wenn du Sexualität mit zwei Männern hast oder zwei Frauen, dann ist das deutlich eher läuft das Risiko ab 16 zu werden als ab 12. Aber bei diesem Film finde ich es schon ein bisschen krass, weil der Film ist ja so viel Sex.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ja. Und auch so viel sexuelle Verführung und auch... zumindest seichte Form von sexueller Gewalt, wenn es sowas gibt. Inklusive echter Gewalt, weil dann halt auch mal jemand abgeschlachtet wird.
Johannes Franke: Ja, das ist es eigentlich auch noch.
Florian Bayer: Ich find's schon krass, dass der ab zwölf ist. Und dann auch gerade, wenn ich diese Szene habe, ja, natürlich, sie ist nicht nackt und es ist kein Porno. Aber wenn sie und Rocky rummachen, dann ist das schon, dann geht das auch einfach in diese campy Sexfilm-Gefilde. Dann haben wir auch das 60er-Jahre Exploitation, Sexmomente. Da braucht man keine... Brustwarzen zu sehen ist, auch mit BH. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Vor allem in dieser wunderschönen weißen Unterwäsche. Sie haben ja beide fantastisch weiße Unterwäsche.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Unterhose von Pratt.
Johannes Franke: Großartig. Warum wird sowas heute nicht mehr hergestellt? Obwohl, wir wissen es nicht, wir tragen es nur einfach nicht. Es gibt dann dieses Essen, was da stattfindet. Im Esstisch ist dann die Leiche von Eddie noch, was angeblich keiner von den beteiligten Schauspielern wusste, außer... Außer Tim Curry und Regisseur und natürlich Eddie, weil er... Er musste da liegen? Er musste halt da... Nee, die haben die Puppe gebaut nach ihm. Also er lag da nicht so weit.
Florian Bayer: Es ist nicht Whitloff, der da liegt. Es ist eine tolle Puppe.
Johannes Franke: Es ist halt so sehr schön billig.
Florian Bayer: Ich gucke auf die Gedärme und denke, ja, passt. Alles gut, so will ich das sehen.
Johannes Franke: Und die Stimmung ist schon ein bisschen angekratzt. Muss man sagen. Ja,
Florian Bayer: naja, ich meine, sie haben gerade Eddie zu futtern gekriegt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und der Nazi-Professor ist da, Entschuldigung, der Nazi-Doktor.
Johannes Franke: Der Nazi-Doktor ist da und Frankenfurter ist auch sehr angespannt. Ich glaube, es liegt vor allem an ihm, dass er die ganze Zeit so eine sehr angespannte Stimmung verbreitet.
Florian Bayer: Spätestens der Moment ist das ja, wo es irgendwie so einen Kipppunkt gibt, wo wir Frankenfurter sehen und wir merken, Der ist gefährlich.
Johannes Franke: Der ist gefährlich.
Florian Bayer: Der ist ein Monstrum.
Johannes Franke: Ja, ja. Naja, also der Kipppunkt ist schon früher, als er Meatloaf einmal abschlachtet. Das fasst man so schnell. Ja, das stimmt, weil die Party einfach irgendwie weitergeht. Aber jetzt kommen so die Sachen langsam. Columbia beschwert sich zwischendurch bei Frank-O-Furter, dass er so ich-bezogen ist und dass er immer alle auszutscht und denen irgendwie die Energie raubt, weil er das alles an sich reißt. Übrigens Columbia. Meine absolute Lieblingsfigur nach Frankenfurter.
Florian Bayer: Oh, ja?
Johannes Franke: Ich liebe sie, es ist unglaublich. Ich finde, dass die Schauspielerin Little Nell, die Künstlername Little Nell, die heißt nicht Little als Vornamen.
Florian Bayer: Nell Campell.
Johannes Franke: Genau, Nell Campell. Die hat das auch schon immer gespielt, auch in dem Musical auf der Bühne. Und ich finde, dass sie dieses Zirkuspferd-Dasein am meisten ausstrahlt. So dieses Gefühl von, okay, diese Schauspielerin. Also nicht nur die Figur Columbia, sondern die Schauspielerin, die lebt das wirklich. Die ist das absolute Embodiment von dem, was ich mir vorstelle, von diesem freakigen, coolen, geilen, burlesque-Showleben.
Florian Bayer: Ich wollte gerade sagen, die hat halt auch diesen Stil, den du so magst, mit diesem goldenen Zylinder.
Johannes Franke: Und dann gleichzeitig das Sequence und dieses Stepptanzding, was sie da bekommt und so. Und ihre Art und Weise. mit ihrem Gesicht umzugehen, allein, ist großartig. Es ist wirklich, wirklich toll. Und ich liebe diese Schauspielerin dafür. Sie hat gar nicht so viel mehr gemacht. So ein paar Filme noch. Ich weiß nicht, was sie auf der Bühne noch gemacht hat, aber Filme gibt es nicht so viel mit ihr noch. Aber sie ist wundervoll. Und sie ist auch die erste und einzige, die so richtig einmal geradeaus sagt, Frankenfurter, es ist scheiße. Ich hab dich geliebt, aber ich will das nicht mehr. Das ist totaler Mist, was du hier machst. Und sie scheint auch kein Alien zu sein. Sondern sie scheint ja eine der Groupies zu sein, die irgendwann mal in dieses Schloss gekommen sind.
Florian Bayer: Sie singt ja im Time Warp singt sie das, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Da hat sie doch ihren großen Auftritt, wie sie auf der Jukebox ist und dann singt sie, glaube ich. Ist es nicht von den Lyrics dann irgendwie so, dass sie da vorbeigekommen ist und dann festgestellt hat, ja da ist eine Party, da mache ich mit?
Johannes Franke: Genau, aber ich weiß es nicht mehr ganz genau, deswegen kann ich sie nicht auseinandernehmen, nicht sezieren, aber ja.
Florian Bayer: Sie ist so ein bisschen, was ich an ihr echt spannend finde, ist, dass sie so mit dem Gemüt von einem kleinen Kind erzählt wird. mit der Begeisterungsfähigkeit von einem kleinen Kind. Sie hat ja auch mit Magenta dann so ein paar Szenen zusammen, wo wir das nochmal merken.
Johannes Franke: Und sie hat eine unglaubliche Singstimme. So eine krasse, hohe, fast quietschige, aber großartige Singstimme. Ich liebe es. Und man muss dann auch sagen, dass ich glaube, dass Columbia vor allem deswegen so eine große Figur auch geworden ist, auch unter Fans, weil sie der ultimative Fan ist.
Florian Bayer: Stimmt, sie ist die Verkörperung der Fankultur dieses Films.
Johannes Franke: Absolut. Sie liebt Frankenfurter für das, was er da aufzieht, was er da macht. Das ist ihr Fankult. Und was auch passiert, wenn man dem dann verfällt. und dann so ein bisschen die dunkle Seite des Fandom hochkommt.
Florian Bayer: Es endet mit dem Tod.
Johannes Franke: Ja, es endet damit, dass sie zur Statue wird, beziehungsweise dann darf sie noch mal tanzen, aber dann wird sie auch erschossen. Ich glaube, da hängen sehr viele Fans an dieser Figur dran und ich liebe sie auch total.
Florian Bayer: Sie ist auch die Einzige in diesem Szenario, wo man meinen könnte, vom Auftritt und von der Kleidung. Ja, die ist, die schafft's, die schafft's an Frank ranzureichen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, absolut. Die ist echt schick,
Florian Bayer: die ist echt sexy, die ist selbstbewusst, die hat Spaß.
Johannes Franke: Ja. Und das mehr als Magenta, finde ich. Ja,
Florian Bayer: naja,
Johannes Franke: Magenta ist fast Blass daneben. Ah,
Florian Bayer: Blass würde ich jetzt nicht sagen, aber Magenta ist natürlich auch so ein bisschen, Magenta ist halt einfach in diesem Duo mit Riff Raff.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Die hat einfach so ein bisschen diese abgefuckte, Magenta ist für mich so ein bisschen der, der, der. der Protopunk in diesem Film. Sie und Riff Ruff zusammen sind irgendwie auch, weil ihre Haare so wild sind und so durcheinander, sie ist ja nicht gestylt, sondern sie ist einfach das...
Johannes Franke: Ja, sie ist schon sehr gestylt durcheinander. Ja,
Florian Bayer: aber sie soll nicht gestylt aussehen, sondern sie soll halt so diesen Bugwiller-Abgefuckt-Look haben, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, na klar.
Florian Bayer: Sie hat halt auch die Hausmädchen-Uniform an und sie war für mich immer irgendwie so, sie ist so der Protopunk da drin, zusammen mit Riff Ruff.
Johannes Franke: Ja, Punk ist ein gutes Stichwort. Die Leute, die Frau, die die Kostüme gemacht hat, die nimmt das ja auch ein bisschen für sich in Anspruch tatsächlich. Die sagt ja tatsächlich, Leute, also man muss schon sagen, dass meine Kostüme sehr stark den Punk beeinflusst haben und überhaupt die Kostüme oder den Stil der Punkbewegung. möglich gemacht. Ja. Und irgendwie hat sie recht. Sie hat recht. Absolut. Es ist ja auch alles aus der Not geboren. Die Fischnett-Stümpfe, die sind ja auch, weil kein Geld da war, also nicht für den Film, sondern für die Stage-Production, die hat einfach alles Mögliche zusammengeworfen, was natürlich Punk ist. Ja,
Florian Bayer: total.
Johannes Franke: Und dann hat sie aus Versehen quasi das geboren.
Florian Bayer: Wir bewegen uns ja auch ein bisschen so in dieser Übergangszeit, wo der traditionelle Rock'n'Roll so diese... oder der psychedelische Rock'n'Roll, der dann auch in den 60ern entstanden ist, sich so langsam weiterentwickelt. Dann haben wir einmal diese Glam-Bewegung und dann haben wir halt auch so dieses Schnottrige, was dazu kommt, weil es wird vieles, also gerade so im Prog-Rock, dann auch immer gelackter und immer durchkomponierter. Und dann gibt es so diesen Gegenentwurf, okay, lass uns mal wild zusammenwerfen, lass uns mal improvisieren und gucken, was wir mit ein paar Riffs hinkriegen. Und das gibt es ja, vom Mindset ist das ja auch in diesem Film drin, dieses... Es muss nicht perfekt sein. Lass uns durchimprovisieren. Du musst nicht perfekt singen können. Du musst irgendwie nur einen Ausdruck haben. Du musst ein Gefühl vermitteln. Tim Curry singt nicht perfekt, sondern Tim Curry singt einfach unfassbar geil.
Johannes Franke: Unfassbar geil, ne? Und das macht auch Lust mitzusingen, ne? Wenn du nicht so absolut perfekte Stimmen hast, sondern so ein bisschen raue Sachen auch, wo auch dein Ton nicht ganz an der richtigen Stelle ist. Du willst die ganze Zeit mitsingen, weil du ein Courage bist. Weil du denkst, ja gut, wenn die so singen, sing ich auch so.
Florian Bayer: Wo auch mal die Stimme brechen kann, wo auch mal was reingeschrien wird, was... gesungen gehört wird, wo man ein bisschen gegen den Takt gearbeitet wird. Susan Sarandon hat gesagt, sie kann doch gar nicht singen.
Johannes Franke: Genau, sie muss, sie haben sie, eigentlich haben sie mehr überredet, so halb sank sie hin. Sie war einfach nur Tim Curry besuchen und dann haben sie gesagt, ach wie wär's, willst du nicht mal vorsprechen? Komm, sing, so ein bisschen Happy Birthday kannst du doch singen, oder? Mach mal. Und dann hat sie irgendwie Happy Birthday gesungen und dann haben sie gesagt, jo, ne, mach mal so.
Florian Bayer: Fertig, du bist drin, keine Chance mehr. Und das ist ja auch wieder der Anknüpfungspunkt an die gute alte Zeit, dieser Art von Kino, dieses B-Movie-Kinos, wo halt die Sets auch nicht perfekt sind, sondern halt irgendwie zusammengebaut mit dem, was man hat. Und dann baut man sich so eine Spukvilla, die so ein bisschen aussieht wie ein Geisterschloss, aber dann halt auch diesen Partyraum hat und hat diese Räume, die überhaupt nicht zusammenpassen, weil das Labor passt nicht in dieses Haus rein. Aber es funktioniert eben gerade dadurch, dass es so ein Stückwerk ist.
Johannes Franke: Das Haus ist übrigens ein Haus, was auch... öfter in Filmen verwendet wurde. Und zwar von den Hammer Studios. Die wir gerade parodieren. Es ist so, so, so schön, dass sie dort drehen durften. Och, ist das toll. Und jetzt ist es irgendwie ein Hotel, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, die Hammers waren die großen, die großen Genre-Kino-Lieferanten. Vor allem für Horror in den 60ern in England. Dracula, die Mumie und so weiter. Die ganzen klassischen Horrorfiguren. Wir haben über Dracula geredet, über den Dracula mit Christopher Lee. Ist aber schon etwas länger her.
Johannes Franke: Oh, haben wir das? Weiß ich gar nicht.
Florian Bayer: Wir haben im Podcast über Hammer Studios geredet. Das stimmt,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Und in der Zeit, in den 70ern, waren die eigentlich schon so ein bisschen auf dem absteigenden Ast und haben eher etwas billigere und muffligere Filme gemacht. Ja,
Johannes Franke: sie hatten auch immer zwischendurch billige Filme gemacht. Das ist nicht so, dass die jetzt plötzlich kein Geld mehr hatten.
Florian Bayer: Nein, aber billig im Sinne von, wir brauchen nicht viel Geld, um einen geilen Film zu machen. Und jetzt haben sie Filme gemacht im Sinne von cheap.
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: GB-Movies.
Johannes Franke: Ja, das war dann eher die Phase, wo sie versucht haben, noch verzweifelt Geld rauszuschwetschen. Naja, nie die beste Idee, aber naja.
Florian Bayer: Ich bin tatsächlich nicht der größte Fan von dieser Szene, wenn er sie zu Statuen verwandelt und wieder zurückverwandelt und dann tanzen sie.
Johannes Franke: Ich hab so das Gefühl,
Florian Bayer: es gibt so ein Stück in diesem Film, wo der Film so ein bisschen vor sich hin meandert. Du denkst, der Anfang hatte so ein geiles Tempo, hat so viel Spaß gemacht. Und jetzt gibt es doch so ein bisschen Ermüdungserscheinungen. Das ist genau dieser Moment, wo eigentlich die große Nummer kommt, wo sie halt dieses Medley haben und alle tanzen nochmal auf der Bühne. Und es ist eigentlich, es ist total geil. Ich sehe, was sie wollen und denke, da wäre aber ein bisschen mehr Schmiss gegangen.
Johannes Franke: Sie müssen aber auch das Ende vorbereiten. Ja. Und das, finde ich, gelingt ihnen dann doch. Aber ich verstehe total, was du meinst. Das ist auch der Moment, wo ich so ein bisschen einen Dip drin habe. Aber kurz vor der Nummer, kurz vor der Gesangsnummer habe ich einen Dip. Ich glaube, die Phase, wo er tatsächlich alle nach und nach in diese Statuen schlattet. Das ist einfach so lange.
Florian Bayer: Und das Problem ist, es gibt ja diesen Wise-Up-Janet-Wise-Song. Und dann haben wir diese Verfolgungsjagd einmal durch das Schloss. Das ist ja voll geil. Aber dann sind sie auf der Bühne und du hast das Gefühl, weder O'Brien, noch unser Regisseur Jim Charman, noch Frankenfurter wissen, wie das sie weitermachen sollen. Dann sagen sie, okay, dann machen wir halt mal Statuen. Und dann machen wir die Statuen wieder weg. Und jetzt tanzen wir. Und es ist einfach so. Das ist echt eine lange und etwas ermüdende Szene.
Johannes Franke: Ich kann mir vorstellen, dass das etwas ist, was auf der Bühne wesentlich besser funktioniert. Überhaupt das ganze Ding funktioniert auf der Bühne, kann ich mir so, so geil vorstellen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ich würde es halt auch gerne mal sehen auf der Bühne. Und nicht nur live im Kino mit Publikum und Shadowplay und so. Können wir gleich noch besprechen, was da alles passiert. Sondern eben auch wirklich als Inszenierung auf der Theaterbühne. Das muss toll sein.
Florian Bayer: Weißt du, ob es... Gibt es eine deutsche Inszenierung mit deutschem Gesang?
Johannes Franke: Ich hoffe nicht.
Florian Bayer: Ich habe eine Podcast-Episode gehört, wo sie sehr lange über... Rock'n'Roll-Picture-Show reden mit Interview-Fetzen und so weiter, wo sie irgendwie alles reingeschmissen haben, was sie an Infos haben. Ja. Das waren, glaube ich, drei Stunden.
Johannes Franke: Ich glaube, den habe ich auch gehört, ja.
Florian Bayer: Und da hatten sie doch zwischendurch immer mal wieder Ausschnitte von den Songs in anderen Sprachen. Mhm. Und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass was Deutsches kommt.
Johannes Franke: Ja, kam nicht.
Florian Bayer: Ich habe es nicht zum Ende gehört. Also vielleicht kommt noch was. Aber du hast es zum Ende gehört. Zum Ende gehört. Wir haben nichts Und ich fand das ganz spannend und dachte nachher, ah ja, ich, weil. Ich habe diesen Film früher als Jugendlicher halt im Deutschen geguckt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und die Songs wurden, soweit ich mich erinnere, nicht übersetzt, sondern die Songs waren die Originalen.
Johannes Franke: Ja, sehr gut.
Florian Bayer: Also ich weiß es ziemlich sicher, ja. Und es würde mich interessieren, was sie aus den Songs wie Sweet Friends Westside und Heimbob im Deutschen machen, ohne dass es total cringe für uns klingt.
Johannes Franke: Das wird nichts, glaube ich. Das geht nur cringe.
Florian Bayer: Ich fand, das Spanische hat sehr gut geklungen. Aber auch nur, weil ich kein Spanisch kenne. Ja,
Johannes Franke: genau. Wir verstehen es halt nicht. Ich fand auch, dass es sehr cool klang. Aber das weiß man dann halt nicht, wenn man in der Sprache drin ist. Dann denkt man sich auch...
Florian Bayer: Und dann ist natürlich die spannende Frage, würde es für uns das Original mehr cringe klingen, wenn wir englische Muttersprachler wären?
Johannes Franke: Ja, das Problem haben wir ja alle. Also alle Songs im Englischen haben dieses Problem, dieses potenzielle Problem. Aber ich glaube, das existiert nicht, weil du... als englischsprachig aufgewachsener Mensch nichts anderes kennst. Das ist halt so. Und ich glaube, dass wir auch mit unserem Schlager-Cringe, den wir teilweise haben, den haben die auch nicht so. Weil der große Unterschied unter Umständen für uns schon ist, dass sie auf Deutsch singen und dann sind die Schlager-Melodien nochmal obendrauf und machen das Ganze problematischer für uns. Aber im Englischen gibt es ja wahnsinnig viele Schlager, die wir irgendwie cool finden. Und das sind die gleichen Schlagermelodien unter Umständen, aber die haben eine andere Geschichte und einen anderen Kontext durch das Englische und dadurch, dass es vielleicht dann doch Elvis war oder was.
Florian Bayer: Ja, was ich halt auch denke, weil wir ja vorhin schon drüber gesprochen haben, wie das mit Sexualität umgegangen wird. Natürlich kann man sich auch die Frage stellen, wie offensive kann das wahrgenommen, wenn du aus der queeren Community kommst, wenn du das heute hörst, was aus den 70ern sind. Weil der Film... Und ist natürlich in einer Zeit, also er benutzt einfach Begriffe, die offensive sind heute.
Johannes Franke: Absolut, absolut.
Florian Bayer: Und es ist halt auch was, worüber wir immer mal wieder reden, wenn du bestimmte F-Wörter oder sowas benutzt, dann ist das für Leute offensive, die queer sind. Und der sagt, wirft ja auch bunter durcheinander mit transvestite und transsexual und so weiter.
Johannes Franke: Absolut, absolut.
Florian Bayer: Und ich muss die Frage gleich entschärfen, warum kommt es uns nicht so vor? Weil mir kommt es tatsächlich nicht so vor. Ich habe drüber nachgedacht, während ich den Film jetzt nochmal geguckt habe. Oh ja, kann man sehen? Und dann sehe ich ihn und denke die ganze Zeit, nee, offensichtlich liegt es daran, dass dieses Empowerment-Ding zu stark ist.
Johannes Franke: Ich sag dir, warum es für mich so ist. Erinnerst du dich daran, dass der so ein rotes, rosa Dreieck auf dem Kostüm hatte? Das geht ja um diese rosa Ecken, die die Nazis den Schwulen auf die Uniform genäht haben. Und das zu nehmen und zu sagen, nee, ich drehe das jetzt um, tatsächlich, also physisch auch, das Dreieck einfach umgedreht. Und nehme das und fülle es mit neuer Bedeutung. Und ich, wie man das im Englischen sagt, I own it. Ich übernehme den Besitz und sage, nein, das gehört jetzt mir und ich benutze das und gebe meine eigene Bedeutung rein. Und damit entschärfe ich und nehme dem die Kraft, sodass die Leute, die es noch benutzen wollen, nicht mehr die Kraft haben. Ich finde, das zieht sich durch den ganzen Film durch, mit allen Worten, die wir heute als offensive sehen. damals auch als offensive gesehen wurden. Die aber einfach, wo die Leute gesagt haben, wir nehmen das jetzt einfach und wir geben dem eine neue Bedeutung oder wir geben dem eine ironische Überhöhung oder wir geben dem einen neuen Dreh.
Florian Bayer: Das Spannende ist ja, dass man den Film durchaus auch konservativ lesen könnte. Dass man sagen könnte, ja, Frankenfurter ist der, der seine Sexualität zu extrem auslebt. Deswegen wird er auch am Schluss bestraft. Er ist der, dem auch gesagt wird, das ist eigentlich sündenhaft, was du hier tust. Du denkst nur an dich. Also genau diese moderne Form der Sexualität sind egoistisch. Dieses individuelle Denken über Sexualität ohne Verantwortung ist gefährlich. Er wird zum Mörder deswegen. Die queere Figur in dem Film ist ein Killer. und ist grausam, ist egoistisch, wie gesagt, kümmert sich nicht darum, was andere wollen. Man kann das konservativ lesen. Wir haben hier einen Sündenfuhl und Gott sei Dank wird der Sünder auch am Schluss bestraft.
Johannes Franke: Das Geile ist, egal was Richard O'Brien da reinbringen wollte oder nicht, zum einen glaube ich es nicht, aber jeder Zuschauer, der da vorsaß, hat sich anders entschieden. Der hat einfach ignoriert. was da drin stecken könnte und hat einfach gesagt, nee, es ist einfach geil. Ich nehme einfach das, was offensichtlich da irgendwie das Wichtigste dran ist, nämlich, dass wir einfach uns selbst sein sollen. Und das finde ich großartig, dass selbst wenn du da so eine Botschafterin sehen könntest, einfach alle schreien lauter, yeah, geil, Party.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist das Entscheidende. Es ist einfach geil. Es ist einfach zu geil. Und ja, Frankenfurter ist ein Killer, Frankenfurter ist ein Kannibale und so weiter. Aber hey, gucken wir uns mal an, wer sein Kontrahent ist. Das ist ein fucking Nazi. Natürlich wollen wir Frankenfurter sein. Natürlich wollen wir lieber Frankenfurter sein als dieser Dr. von Scott. Und ja, genau. Es ist einfach geil. Das ist da, wo die Party stattfindet. Mein Gott, dann wird halt am Schluss gesagt, das ist ein Sündenfool und er wird bestraft dafür von seinen außerirdischen Kollegen. Was für eine bescheuerte Story.
Johannes Franke: Ja, was für eine bescheuerte... Blödsinn, weil ja Riff Raff die ganze Zeit mit Spaß hatte.
Florian Bayer: Aber wie geil, dass wir nochmal Riff Raff und Magenta in diesem außerirdischen Kostüm sehen. Das ist total schön.
Johannes Franke: Die Kostümbildnerin hat gesagt, ich habe mir nicht einen einzigen Science-Fiction-Film angeschaut. Ich habe mir auch keinen einzigen amerikanischen Film angeschaut, um Brad und Janet auszustatten. Ich habe einfach ein Bild im Kopf gehabt und das habe ich dahin projiziert.
Florian Bayer: Das ist so on point.
Johannes Franke: Das ist geil. Und sie hat auch gemeint, okay, es ist vielleicht ein bisschen generalisierend gewesen, was ich da gemacht habe mit Brad und Janet. Aber für die beiden passt das.
Florian Bayer: Nein, das trifft es absolut.
Johannes Franke: Ja, ich finde auch.
Florian Bayer: Und dann hast du ja am Schluss auch wirklich, dann wird es auch einfach nochmal wild, weil dann haben wir nochmal dieses Science-Fiction-B-Movie-Ding, dann gibt es das Original, es wird rumgeballert.
Johannes Franke: Ja, und ich muss sagen, dass auf der Handlungsebene überhaupt nicht drauf hingearbeitet wird, aber wie Tim Curry diesen letzten Song singt, es ist der Hammer. Ich verstehe emotional alles. Ich kann jetzt nicht erklären, aber... emotional verstehe ich alles, was da passiert bei ihm. Und ich habe plötzlich einen total runden, gehaltvollen Film. Was total seltsam ist, weil der Film sollte nicht gehaltvoll sein.
Florian Bayer: Ja, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Aber Tim Curry schafft es, mit dem Text, den er hat, mit dem Song, mit dem, wie er es spielt, da eine unglaubliche Kraft reinzubringen und dann einen runden Film draus zu machen. Ich finde, das ist wie ein Wunder.
Florian Bayer: Ich weiß absolut, was du meinst. Du siehst diese Szene, du hast die ganze Zeit diese Party und du hast dieses krasse Zeug. Und dann hast du Tim Curry, der sich verabschiedet. Dann hast du Frankenfurter, der sich verabschiedet aus dem Film und aus dieser Welt, weil wir wissen einfach, er wird sterben. Und es ist total touching.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Du sitzt da, musst deine Tränen zurückhalten oder machst es halt nicht und weinst, wie ich das vielleicht auch gemacht habe. Egal. Es ist wirklich total... bewegend.
Florian Bayer: Es ist wirklich bewegend. Und es ist auch jedes Mal wieder traurig, dass er umgebracht wird. Es ist genauso traurig, dass das Kolamia umgebracht wird. Das ist einfach hart.
Johannes Franke: Und ich finde, es wird ja schon vorbereitet, wie er da in dem Pool mit den irgendwie Orgie feiert. Weil das ja auch schon so melancholisch ist und man schon merkt, okay, es geht jetzt aufs Ende zu.
Florian Bayer: Frankenförder hat die ganze Zeit in diesem Film so eine gewisse Traurigkeit in sich. Wir sehen das auch, wenn wir sehen, wie er sich Rocky erschafft und wie er sich dann über Rock freut und die Spielzeug hat. Wir sehen hier ein Zutaten. tiefst einsam verzweifelten Menschen, der einfach nur jemanden für sich haben will.
Johannes Franke: Wie schafft er das, das zu spielen? Das ist ja unglaublich. Das Ding ist, die hatten ja auch nicht viel Budget, das ganze Ding zu drehen. Der große Vorteil und warum ich glaube, dass das Ding überhaupt funktioniert, ist, dass sie es eben einfach jahrelang, sechs Jahre wurde das auf der Bühne gespielt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die haben das einfach so verinnerlicht. Die wussten einfach, was passiert als nächstes. Und die wussten ganz genau, jede kleine Motivation für jedes kleine Wort, was die gesagt haben, wussten sie einfach. Und das erprobt und klar drin. Die mussten das nur einmal abrufen. Und es ist großartig.
Florian Bayer: Deswegen hast du auch einfach so, obwohl sie so wenig... Kriegen von der Handlung hast du so ausgefeilte Persönlichkeiten. Ja. Weil du siehst hier Frankenfurter und du weißt, der wurde sechs Jahre lang von Tim Curry verkörpert. Und Tim Curry hat sich Gedanken über den gemacht, ob er rollt oder nicht. Ja. Und dann ist einfach mal eine Figur entstanden, die eine riesige Geschichte hat. Und ein riesiges Feld an Emotionen, die halt einfach ein Mensch ist. Und deswegen wirkt dieser Frankenfurter auch so real im Vergleich zu Janet und Pratt,
Johannes Franke: weil er viel mehr
Florian Bayer: Paket drauf hat.
Johannes Franke: Und weißt du, das bringt mich irgendwie zu einem generellen Ding, eine Kritik, die ich sowieso schon ganz lange habe, an dem, wie gedreht wird jetzt heutzutage. Ah, die gute alte Zeit damals, war für alles besser. Nee, aber wenn ich mir so die 50er Jahre Tanzfilme und so anschaue, wenn du dir eine Choreografie von Gene Kelly oder so anschaust, das ist wochenlang geprobt worden. Wenn du heute ans Set kommst als Schauspieler, dann bist du froh, wenn du vorher zwei Minuten mal darüber reden kannst, was du jetzt machst als nächstes. Und nicht mal das kommt immer vor. sondern du wirst reingeworfen, wird Text schnell gemacht, du sagst das, du sagst das, okay, und das war's. Und das merkt man den Produktionen an. Und wenn du vorher probst, probst, probst, und in diesem Fall sechs Jahre lang quasi probst für diesen Film, dann ist da einfach automatisch mehr drin. Und dann kann die Story gerne ein bisschen dünner sein, wenn die Leute einfach so viel Backstory mitbringen, dann spürst du da einfach viel mehr.
Florian Bayer: Du weißt, dass das jetzt sein muss. Okay, Boomer.
Johannes Franke: Früher war alles besser. Okay.
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Das ist natürlich auch ein sehr radikaler Fall. Das ist einfach ein Theaterstück, was sehr lange gelaufen ist. Die waren alle extrem gut in ihren Rollen. Es war die absolut richtige Entscheidung, die Leute vom Theater aufs Filmset zu nehmen.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Und vor allem in Frankenfurter sieht man es. Aber wir haben ja schon gesagt, du stehst offensichtlich auf Columbia. Total. Ich stehe auf Riff Raff und die Magenta-Fans werden wir auch da draußen finden. Ich weiß nicht, ob es Rocky-Fans gibt.
Johannes Franke: Ja, gab es auch. Habe ich auch in Podcasts gehört. Ja, ja.
Florian Bayer: Aber was mag man denn an Rocky? Also Rocky ist ja ein paar Minuten gleich.
Johannes Franke: Was ist das eine Defining-Ding an Rocky?
Florian Bayer: Weißt du, ich bin auch, glaube ich, so ein bisschen Janet und Kriminologe-Fan, weil die es echt viel abkriegen. Und das tut mir echt leid, weil ich finde, Janet wächst in diesem Film. Janet ist auch nachher die, die eher gewachsen ist an dieser ganzen Nummer.
Johannes Franke: Ich finde auch, dass Brad wächst. Also wie Brad, auch der Schauspieler macht das einfach großartig, dann in Stockings auf dieser Bühne mittanzt. Und das wirklich auch. Und, weißt du, das finde ich wirklich, wirklich toll. Der ist auch absolut gewachsen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt, das stimmt. Und dann trotzdem. And crawling on the planet's face, some insects called the human race, lost in time, lost in space and meaning. Schluss bleibt nicht viel, ne? Die Außerirdischen sind weg und wir haben diese, fast schon apokalyptisch, die armen menschlichen Protagonisten,
Johannes Franke: die so ehrgeizig in ihrer leichten Bekleidung und uns... gerost, schwärzt, russgeschwärzt. Wie passend ist es, dass das Alien, das Riff Raff ist, diese Mistgabel quasi hat, als Waffe. Die Mistgabel ist am Anfang des Films der Inbegriff des Vorort-Amerikas. Ja,
Florian Bayer: also es ist halt wieder dieses American Gothic Ding, ne? Ja,
Johannes Franke: ich find's so geil, dass Frankenfurter dann von der, und deswegen ist es vielleicht genau deswegen kein konservatives Ende. sondern ein Ende, das sagt, ja, wir leben leider in der Welt, wo der konservative Vorstadtamerikaner trotzdem noch das Schicksal bestimmt. Also allein durch diese Symbolik dieser blöden Mistgabe, die diese Waffe dann ist.
Florian Bayer: Er ist ja auch der Konservative, ne? Ja! Die, die sagen, ey, Frank, was hast du hier getan? Was machst du hier für ein wildes Zeug? Nein! Wir haben andere Aufgaben. Schluss jetzt damit. Wir wollen wieder seriös werden.
Johannes Franke: Und da haben sie vorher was für einen Scheißhaufen. Wirklich, also die haben vorher so viel Spaß bei der Party gehabt. Und dann sowas.
Florian Bayer: Ja. Ich mag Riff Raff auch deutlich mehr als Rockstar, denn als konservativen Gesetzeshüter.
Johannes Franke: Ja, aber es ist auch ein bisschen lustig, dass der Schöpfer der ganzen Sache Riff Raff spielt, der am Ende sozusagen sagt, so, jetzt Leute hier, aufräumen, die Leute müssen raus, nach Haus.
Florian Bayer: Wir sind schon auf Spielfilmlänge, es ist jetzt echt vorbei.
Johannes Franke: Raus hier. Find ich super süß. Wollen wir ein bisschen auf die Fankult?
Florian Bayer: Ja, bitte.
Johannes Franke: Weil es ist ja wirklich der Hammer, was da alles gemacht wird, was die Leute ins Kino gehen. Wir haben es vorhin angedeutet, nach sechs Monaten schon haben die Leute angefangen, Sachen gegen den Bildschirm zu werfen und einfach zurück zu sprechen. Wenn irgendwas auf der Leinwand passiert, wird reagiert. Ja. Es gibt eine ganz tolle Liste von Sachen, die passieren.
Florian Bayer: Es gibt eine riesige Fanszene, genau. Es werden Sachen geworfen, es wird bei der Hochzeit gleich am Anfang Reis.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Reis muss geworfen werden. Es sei denn, die Vorführer sagen, bitte keine Lebensmittel werfen in dieser Woche und keine offenen Feuer. Das kommen wir auch gleich.
Johannes Franke: Kein offenes Feuer, denn sie haben Zeitungen dabei. Offenes Feuer und Zeitung ist ganz schlecht, weil Zeitung wird sich über den Kopf gehalten, wenn die...
Florian Bayer: Wenn das Feuer hochgehalten wird.
Johannes Franke: Und dann werden auch so Wasserpistolen rausgeholt, den Regen zu stimulieren. Es gibt Rubber Gloves. Gummihandschuhe. Gummihandschuhe, ja genau. Frankenfurter hat die ja an und dann werden die natürlich auch rausgeholt.
Florian Bayer: Das Geräusch wird vor allem auch gemacht.
Johannes Franke: Ja, ja genau, dieses Klack. Einmal...
Florian Bayer: Dann wird irgendwann angefangen, das halt wirklich doll zu beleidigen. Janet wird öfter mal Slut genannt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der Erzähler grundsätzlich boring.
Johannes Franke: Es gibt Toilettenpapier. Und das Tolle ist... Toilettenpapier wird geworfen, als gesagt wird, irgendwas mit Scott. Great Scott, ruft Brad. Und dann werfen sie Klopapier der Marke Scott.
Florian Bayer: Ah, ich dachte tatsächlich, es geht ja auch darum, dass Rocky so aus diesem Mumienkostüm rauskommt.
Johannes Franke: Und das ist das, was in Deutschland gemacht wird. Ah. Die Briten sind mal nach München gefahren, um dort so eine Vorstellung auch mit dabei zu sein. Und dann haben die sich gewundert, warum das Toilettenpapier an dieser Stelle erst geworfen wird. Was das soll? Warum wird das denn da gemacht? Und dann haben sie festgestellt, dass die irgendwann mal irgendwas gesehen haben, das Word of Mouth oder sowas. Irgendjemand hatte gesagt, die werfen da Klopapier, ihr müsst das auch machen. Und die Deutschen haben nicht verstanden, weil es gibt ja kein Scott-Toilettenpapier bei uns.
Florian Bayer: Das heißt,
Johannes Franke: wir haben nicht verstanden, wo das geworfen wird.
Florian Bayer: Ein tiefes kulturelles Missverständnis.
Johannes Franke: Ich finde das so großartig. Jeder macht halt einfach draus, was er machen will. Ja, natürlich,
Florian Bayer: total.
Johannes Franke: Das ist das Tolle daran. Und dann wird Toast geworfen, wenn Frank sagt, er will einen Toast.
Florian Bayer: Es sei denn, jemand sagt, bitte keine Lebensmittel werfen während dieser Veranstaltung. Irgendjemand muss den Scheiß sauber machen.
Johannes Franke: Alle haben Partyhüte dabei. Es gibt so eine Klingel, wenn die Klingel geht.
Florian Bayer: Und natürlich wird getanzt.
Johannes Franke: Und es wird natürlich getanzt. Und... Es gibt diese Shadowplays.
Florian Bayer: Das ist so geil, ich wusste davon nicht.
Johannes Franke: Absoluter Wahnsinn. Es ist Mayhem. Es ist mehr... ...Show vor der Bühne als Aufwärtleinwand. Also es ist wirklich krass. Die stellen sich da hin und machen Lipsync zu den Szenen und spielen das mit einfach. Stellen sich vor die Leinwand und sind in Full-Costume und spielen das Zeug mit.
Florian Bayer: Also vom Kino angeheuerte SchauspielerInnen, ne?
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise vielleicht nicht vom Kino, sondern von den Leuten, die das Kino fragen, können wir das bitte machen? Weil es gibt dann so Zeremonienmeister, die dann... ...kommen und das Ganze eröffnen und dann sagen, das läuft so und so ab und so. Und ja, auch ein Interview mit einem Zeremonienmeister, der auch richtig berühmt geworden ist und der auch der Chef des Fanclubs ist und so. Und der erzählte, dass er einmal... in diesen Abend eingeführt hat und irgendjemand rief von hinten, der wahrscheinlich noch nie da war, ja, come on, get on with the show, zeig den Film. Und er so, das ist die Show und wenn's nicht mehr fällt, kannst du gehen.
Florian Bayer: Vollkommen zurecht. Ja, es gibt auch die Geschichte von dieser einen Shadow Actorin, die den Film tausendmal gesehen hat und bei deren Beerdigung dann gespielt wurde, ein Freund und alle haben bebeid. Weil es ein letztes Mal diesen großen Frank-N-Furter-Auftritt gab.
Johannes Franke: Absoluter, oh Gott, das ist ein echt krasser Moment. Und dieser Zeremoniemeister hat den Film mindestens 1900 Mal gesehen.
Florian Bayer: Ach das war der, der irgendwann mal einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde hatte und ausgestrichen wurde.
Johannes Franke: Der hatte irgendwann mal 800 Mal gesehen ungefähr. Das hatten die so einfach errechnet und hatten ihn da reingepackt ins Guinness Buch der Rekorde. Und dann haben sie es wieder rausgenommen irgendwann Jahre später, weil es irgendwie nicht passte. Aus irgendwelchen komischen Gründen, ich weiß es nicht ganz genau. Ja,
Florian Bayer: ich glaube das liegt auch daran, dass das Guinness Buch der Rekorde vor allem eine Möglichkeit ist für sehr reiche Leute.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Einfach sich irgendwo verewigt zu sehen, weil du bezahlst verdammt viel. um so einen Guinness-Buch-Rekord-Typen, der das einmal aufzeichnet, dabei zu haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, aber zum Anfang unseres Podcasts nochmal zurückzukommen, um nochmal den Bogen zu schließen.
Johannes Franke: Oh,
Florian Bayer: der große Wenn man das hört, dann denkt man, verdammt, ich will keine Jungfrau mehr sein.
Johannes Franke: Und will dabei sein. Man will Reißwerfen. Das Ding ist, man bekommt vom Film nicht mehr so viel mit.
Florian Bayer: Ja, aber man kennt den Film ja auch. Niemand guckt den Film zum ersten Mal bei so einer Veranstaltung.
Johannes Franke: Das stimmt ja nicht ganz. Bevor es das Internet gab, war das gang und gäbe.
Florian Bayer: Oh mein Gott.
Johannes Franke: Und das krasse ist, es gab ja irgendwann die Einführung der VHS-Kassetten. Als das modern und viel verbreitet war, hatten die wirklich Angst, dass ihre Vorstellungen Bach runtergehen. Weil die Leute konnten sich das jetzt zu Hause anschauen. Die Sache war aber auch die, dass das in der Phase war, wo man so ein bisschen auch Angst hatte, dass es in Vergessenheit gerät. Weil das zu einer Obskurität wird, weil das so nach und nach abnimmt. Und das versickert dann im Boden irgendwo. Und die VHS-Kassette hat es möglich gemacht, dass du dich vorher vorbereiten kannst. Du guckst dir den Film an, wieder und wieder und weißt genau, das sind die Dialogfetzen, da sag ich das, da sag ich das. Und dann kannst du vorbereitet zu der Vorstellung, zur Live-Vorstellung gehen. Großartig. Aber die Ängste waren halt in alle Richtungen.
Florian Bayer: Es ist der am längsten vorgeführte Film der Filmgeschichte, also der kontinuierlich vorgeführte Film der Filmgeschichte.
Johannes Franke: In München ist es immer noch, jede Woche.
Florian Bayer: Wir sollten auch mal zu einer Verführung gehen, oder?
Johannes Franke: Ja, unbedingt, auf jeden Fall. Und dann nehmen wir noch ein kleines Postscriptum auf und hängen das hier an die Folgen. Wenn ihr kein Postscriptum seht, dann wisst ihr, wir sind es noch nicht gewesen. Wir haben es noch nicht gemacht.
Florian Bayer: Wollen wir mal kurz auf die Songs zu sprechen kommen? Wir haben uns unterhalten festgestellt, dass wir, glaube ich, unterschiedliche Lieblingssongs haben in diesem Film. Ja. Kriegst du so ganz spontane Top 3 zusammengestellt? Oder willst du gleich alle einordnen? Gibt es einen Song, den du nicht magst?
Johannes Franke: Lass uns alle einordnen. Wir haben als erstes Science-Fiction Double Feature.
Florian Bayer: Ganz groß.
Johannes Franke: Ist ein ganz großer Song, auf jeden Fall. Perfekt. Kommt vielleicht in meine Top 3.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, ist bei mir auch in der Top 3. Es gibt ja dieses Ranking-Ding, das machen jetzt Leute immer. Dieses S, A und bis runter zu E. Okay, ja. Und für mich ist es eine S. Also ganz oben. Es ist auf jeden Fall einer der besten Songs des Films.
Johannes Franke: Der nächste Song ist Dammit Janet.
Florian Bayer: Wir können nicht immer toll sagen. Ich finde aber,
Johannes Franke: wir können es einfach zu jedem sagen, toll sagen und wir können es am Ende rausschneiden, weil es keinen Mehrwert hat.
Florian Bayer: So ein großartiger Antragssong. Ja,
Johannes Franke: wirklich. Und auch gespielt. Ich kannte den Song besser einfach nur auditiv, muss ich sagen. Ich hatte den, ich habe schon fast wieder vergessen, wie die Inszenierung dazu war und ich war jetzt beim Gucken wieder so begeistert. So großartig.
Florian Bayer: Ja, total geil.
Johannes Franke: Nächster Song, Over the Frankenstein Place.
Florian Bayer: Ja, der ist so leid. und ich schmelze dahin. Tut mir leid. Ich find's schön.
Johannes Franke: Ich find den furchtbar blöd.
Florian Bayer: Oh nein,
Johannes Franke: wir finden den so langweilig.
Florian Bayer: Nein, der ist genau, das ist genau, also ich find, jetzt der Block, der jetzt beginnt, der ist perfekt. Der ist einfach, wir haben jetzt einen großen Block, der perfekt ist.
Johannes Franke: Und der kommt genau nach dem Song wieder los.
Florian Bayer: Nein, der beginnt schon mit diesem Song, weil wir langsam vorbereitet werden, diese melancholische Stimmung. Wir kommen rein, wir kommen rein und dann sind wir in diesem Horrorschloss.
Johannes Franke: Bam. Party.
Florian Bayer: Und dann haben wir, meiner Meinung nach, ja, ich weiß, es ist lame, aber es ist meiner Meinung nach... Der beste Song des Films. Was, wirklich? Ich liebe den Time Warp. Das?
Johannes Franke: Achso, der Time Warp jetzt. Ja, der Time Warp. Okay, das ist dein Lieblingssong.
Florian Bayer: Das ist mein Lieblingssong. Ich weiß, dass das lame ist, weil das ist einfach der große Hit. Das ist die Single, was bei uns in den Rockdiskos in den 90ern gespielt wird. Jeder hat versucht, sich irgendwie richtig zu bewegen. Aber wenn du zu mir sagst...
Johannes Franke: Verdammt, warum haben wir keinen Videoblog? Du hast es jetzt angedeutet, wie du versuchst, den Time Warp zu machen. Und ich will, dass die Leute das dann draußen sehen können.
Florian Bayer: It's just a jump to the left. Es ist einfach toll. Und sobald ich das höre, muss ich mittanzen. Es ist geil. Es ist wirklich ein geiler Song.
Johannes Franke: Ich mag ihn auch. Er ist ganz knapp nicht in der Top 3. Oh,
Florian Bayer: okay.
Johannes Franke: Platz 4. Dann hätten wir Sweet Transvestite.
Florian Bayer: Das ist fantastisch. Das tut mir leid.
Johannes Franke: Kannst du mal was anderes sagen?
Florian Bayer: Ich will gleich was anderes sagen, aber noch kann ich es nicht. Es ist ein toller Song. Er ist auch in der Top 3.
Johannes Franke: Er ist mein absoluter Favorit. Absolut Nummer 1. Sweet Transvestite. Ich glaube,
Florian Bayer: meine Top 3 ist schon passiert. Also ich glaube, mein Top ist Time Warp, dann kommt Sweet Transvestite, dann kommt Science Fiction. Und die beiden sind aber fast schon austauschbar.
Johannes Franke: Okay. The Sword of Damocles.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich erinnere mich nicht immer mehr.
Florian Bayer: Ja, es ist Rocky, der singt, ne? Ach so. Es ist Rocky, der gerade geboren wurde. Und es ist halt danach kommt I Can Make You A Man.
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist halt die Vorbereitung für I Can Make You A Man.
Florian Bayer: Ja, es ist halt so, ja. Aber Rocky braucht halt einen Song. Rocky wird geboren, braucht einen Song. Ja. I can make you a man.
Johannes Franke: Das ist Platz 5, würde ich sagen. Den finde ich wirklich toll, aber naja, er wird halt verdrängt durch die anderen großartigen Songs.
Florian Bayer: Ich mag in diesem Song diese sublime Verzweiflung von Frank, die mitkommt, die mitbringt. Deswegen finde ich den Song stark. Man muss den so ein bisschen mehr lesen als nur, ich verführe dich jetzt zu meinem kleinen Spielzeug. Dann ist es ein sehr trauriger Song.
Johannes Franke: Ja, ja. Hot Pertutti, Bless My Soul.
Florian Bayer: Ja, Middlow ist halt ein geiler Song.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, ich sag doch nicht mehr viel anderes. Ja, es ist ein geiler Song.
Johannes Franke: Middlow ist toll, aber ich find's tatsächlich musikalisch, kann es nicht mithalten mit dem Rest.
Florian Bayer: Bei Musicals grundsätzlich steh ich einfach auf diese Upbeat, Up-Swing, auf die schnellen Nummern, auf die Rock'n'Roll-Nummern. Er gehört zu den schnellen Nummern des Films.
Johannes Franke: Vielleicht ein böser Hot-Take, aber Middlow, find ich, hat an der Stelle nicht genug Wumms.
Florian Bayer: Das du, Mietloff hat nicht genug Wumms.
Johannes Franke: Ja, an dieser Stelle.
Florian Bayer: Das kannst du.
Johannes Franke: Ich kenne Mietloff mit viel mehr Wumms.
Florian Bayer: Ja, Mietloff gibt es mit viel mehr Wumms, das stimmt.
Johannes Franke: Und dass er in diesem Film nicht den Wumms hat, den ich von ihm kenne, finde ich ein bisschen schade.
Florian Bayer: Aber damals war Mietloff auch noch nicht dieser 80er Jahre Mietloff. Ja,
Johannes Franke: ja, ja, ja, okay. Aber weißt du, wenn man das so kennt, wenn man weiß, was der kann.
Florian Bayer: Ja, aber Meatloaf war damals noch jemand anderes. Meatloaf war damals einfach noch so ein einfacher Rockstar. Der war noch nicht der Opernsänger des Rock'n'Roll.
Johannes Franke: Und der Rockstar ist sogar noch schon zu viel gesagt. Er wurde durch den Film und kurz danach mit anderen Sachen noch nach oben geprescht. Ja.
Florian Bayer: Allein, weil Susan Sarandon ihren Song kriegt, das ist geil.
Johannes Franke: Ja, es ist natürlich, aber irgendwie, ich fand den zu sehr auf die Zwölf, muss ich sagen. Weil es geht nur um, jetzt fass mich an, ich will, dass du mich anfasst. Jetzt mach schon, ich will einen Orgasmus. Ah! Ich weiß nicht, irgendwie ein bisschen Diversität in den Song oder so. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Wie habe ich gesagt bei Fantasia? Aber ich hatte eine Latte.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Und das wird wieder ganz vorne hingeschnitten.
Florian Bayer: Nein! Bei diesem Film ganz ehrlich, dieser Film ist eine einzige Erektion. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und danach sind wir bei Once in a while in einer deleted Scene, die wir nicht kennen. Hast du dir das angeschaut? Nee, was ist das? Ich hab's mir auch nicht angeschaut. Überspringen wir das. Warum habe ich das reingedrückt, wenn ich nicht gewünscht habe?
Florian Bayer: Leute, guckt es euch selbst an. Bildet euch selbst eine Meinung. Genau.
Johannes Franke: Das sagen diejenigen, die ständig ihre Meinung nach draußen blasen und sagen, hier, guckt, das ist die Meinung, die ihr haben müsst. Und jetzt sagen wir, nur weil wir es nicht gesehen haben, bildet euch eure eigene Meinung.
Florian Bayer: Eddie wird gefuttert. Und Eddie kriegt seinen Abgesang.
Johannes Franke: Ja. von Dr. Scott und Frank. Janet, Columbia und Frank.
Florian Bayer: Alle singen ein bisschen. Alle singen ein bisschen.
Johannes Franke: Ich erinnere mich nicht mehr richtig, muss ich sagen. Bei dem Song ist es ein bisschen so, ja, okay.
Florian Bayer: Es war... Ich fand die Lyrics gut. Die Lyrics sind interessant, weil es so ein Abgesang ist und dann gleichzeitig irgendwie... Ja, also sie hauen drauf. Es hat ganz gute Lyrics, aber ansonsten so gesangtechnisch ist es mir auch nicht so doll in Erinnerung geblieben.
Johannes Franke: Ja. Ein bisschen mehr noch der nächste Song, Planet Schmanet. Janet?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was up, Janet White?
Florian Bayer: Geiler Song. Ja. Fantastisch. Also all die Frank-and-Further-Songs sind halt alle geil. Und es ist ein guter Frank-and-Further-Song. Ja, ja.
Johannes Franke: Dann Planet Hot Dog. Das weiß ich gerade.
Florian Bayer: Hä? Genau. War das auch weggeschnitten? Also ich hatte jetzt als nächstes diese Musical-Nummer.
Johannes Franke: Ross Tint My World?
Florian Bayer: Genau. Ja. Tint My World und... Das ist tatsächlich für mich die eher die schwächere Nummer. Das ist das, wo es so ein bisschen abflacht. Obwohl wir hier nochmal Frank-N-Further in seinem Element haben, dann haben wir ja auch die Pool-Szene und so. Nee, ja. Das ist halt irgendwie... Das Problem ist, ich sehe, was der Film damit will. Ja. Das ist als das große Medley gedacht jetzt. Jetzt ist der Höhepunkt. Jetzt haben wir sie auf der Bühne und jetzt trägt sogar Brad die Strümpfe. Die Netzstrümpfe.
Johannes Franke: Aber da ist die Inszenierung besser als der Song, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht ist es auch das. Es fehlt so ein bisschen der Wumms.
Johannes Franke: Ja, vielleicht ist es das.
Florian Bayer: In der Stelle hätte vielleicht auch ein Medley ganz gut gepasst aus Songs davor. Man hätte nochmal so einen Time-Cop-Reprise machen können. Nochmal ein Sweet Transvestite. So irgendwie. Das hab ich gerade ganz komisch betont. Sweet Transvestite. Das wär ganz geil gewesen. Ja.
Johannes Franke: Und danach kommt diese Fanfare, also dieses Don't Dream it, be it. Und das ist natürlich die Botschaft des Films, ne? Ja.
Florian Bayer: Es ist für mich der Moment, wo dem Film ein bisschen die Puste ausgeht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist schade, weil genau, du sagst, es ist die Botschaft des Films. Geil, wir haben noch einmal dieses Bekenntnis zum Hedonismus und zur Diversität.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es geht für mich so ein bisschen unter in dieser Show, die...
Johannes Franke: Ich finde, dass es in dem Moment den Switch vorbereitet fürs Ende. Und da kommt ja das Melancholische schon durch, so wie er das singt. oder teilweise nur sagt oder so halb, Sprechgesang, und da so rein isst und sich da auch im Pool rekelt mit den anderen zusammen. Es wird schon melancholisch. Aber die Botschaft des Films finde ich an der Stelle so wichtig und stark, dass ich da voll dran bin. Ich glaube, es ist musikalisch jetzt nicht der beste Song, aber es ist trotzdem großartig, finde ich. Der kommt schon weiter hoch für mich. Okay. Dann verschummt es ein bisschen, Wild and Untamed Thing, das weiß ich gerade nicht auseinander. Das ist cool,
Florian Bayer: oder?
Johannes Franke: Ist das cool noch? Okay. Und dann I'm Going Home.
Florian Bayer: Ja. die große Abschlussballade für Tim Curry, für
Johannes Franke: Frank. Ich habe ja auf Platz 3 Science-Fiction Double Feature, auf Platz 2 Damage Annoyed und auf Platz 1 Sweet Transvestite. Dann muss ich jetzt einen Platz 0 aufmachen für I'm Going Home. Aber der hat eine andere Qualität als die anderen, finde ich, weil der einfach von Tim Curry so wahnsinnig gut gespielt ist und so wahnsinnig gut performt ist. Dass der einfach eine andere Liste bekommt für mich. Als die Songs einfach nur.
Florian Bayer: Es ist irgendwie auch so der ernsteste Song des Films. Und es ist der emotionalste und der ehrlichste vielleicht auch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er landet bei mir trotzdem nur auf Platz 1.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ich habe keine richtige Liste jetzt gemacht. Aber wie gesagt, bei mir ist auf Platz 1, es geht einfach nichts über den Time Warp. Und Science Fiction und Sweet Transvestite, die müssen da beide rein. Und dann haben wir auf Platz 4. Wise Up Janet Wise und dann auf Platz 5 I'm Going Home Wise Up Janet Wise,
Johannes Franke: naja Ja, okay, der ist, ja Okay Das war unsere Liste, was unsere
Florian Bayer: Songs betrifft Wir schließen gleich mit unserer richtigen Liste an Wir haben nämlich auch wieder eine Top 3 Johannes, spiel bitte den Jingle
Johannes Franke: Unsere Top 3 Musik So, wir haben eine Liste, die da heißt... Unapologetic.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: natürlich.
Florian Bayer: Du wolltest zu deinem Sex stehen. Finde ich gut.
Johannes Franke: Genau. Stehe zu deinem Sex, egal was, also zu deiner Identität, zu deinem Bedürfnis, zu deiner, was auch immer du willst und entschuldige dich nicht dafür, sondern mach einfach.
Florian Bayer: Und haben wir, kann man ja in verschiedenen Arten auch lesen, geht es um Figuren, die so sind? Geht es um Filme, die so sind?
Johannes Franke: Man kann das lesen, wie man möchte.
Florian Bayer: Weil,
Johannes Franke: ne, be what you want to be. Wenn ich die jetzt begrenzen würde, würde das, gegen dieses Motto gehen.
Florian Bayer: Dann muss ich wahrscheinlich starten, weil das ist deine Liste und dein Film. Ich starte mit einem Kultfilm aus den späten 60er Jahren, nämlich Barbarella. Ein Science-Fiction-Film, der ganz großartig ist und genau in diese Zeit fällt und voll ist mit sexuellen Anspielungen. Eine Jen Fonda, die im knappen... Ich hab ein Weltraumkostüm, die die ganze Zeit rumläuft und irgendwann an einer Orgasmusmaschine gecastet wird. Aber ihre Libido ist so stark, dass die Orgasmusmaschine dadurch kaputt gemacht wird. Sie soll damit eigentlich getötet werden.
Johannes Franke: Wollten wir nicht gute Filme in so einer Liste haben?
Florian Bayer: Meisterwerk. Gebe ich dir irgendwann mal. Du wirst ihn hassen.
Johannes Franke: Okay, ja. Das kenne ich schon von dir. Ich hab auf Platz Ich bin nicht der größte Fan selber. Aber ich muss sagen... Ich kann nicht unterschätzen, was für einen krassen Einfluss Sex and the City hatte. Oh,
Florian Bayer: interessant, ja.
Johannes Franke: Das ist einfach eine Achtungsplatzierung, die ich hier habe, weil ich selber mit Sex and the City jetzt nicht die größte Geschichte habe.
Florian Bayer: Hast du es geguckt?
Johannes Franke: Ich habe ein bisschen was geguckt davon.
Florian Bayer: Ich habe es auch ein bisschen geguckt. Ich habe aufgehört, als Mr. Big reinkam, weil ich Mr. Big, den unsympathischsten Charakter... in jeder Serie ever fand.
Johannes Franke: Absolut, du hast absolut recht und ich finde, dass damit auch etwas reingebracht wurde, was das alles sehr viel schwächer gemacht hat. Weil man diese ganze feministische Botschaft immer wieder untergraben hat davon, dass sie Mr. Big irgendwie zufriedenstellen wollte. Ich fand's irgendwie echt seltsam. Aber was so eigentlich dazwischen passiert und was sie eigentlich ursprünglich mal wollten, haben sie oft genug trotzdem geschafft. Empowerment, sexualis... Und Frauen haben eine eigene sexuelle Libido, der sie nachjagen sollen und nicht abhängig sein sollen.
Florian Bayer: Gott sei Dank nicht Frauen in den Zwanzigern, sondern Frauen in den Dreißigern oder sogar in den Vierzigern. Ja,
Johannes Franke: die sind halt größer gewachsen dann sozusagen mit der Zeit. Eine Weile ist es ja gelaufen. Ja, cool. Also einfach eine Achtungsplatzierung, weil ich gedacht habe, ja, also ich glaube, das war einfach wichtig für die Zeit und das war wichtig, dass das mal in Serie in der Präsenz da ist.
Florian Bayer: Ja, mein Platz 2. Die Träumer aus dem Jahr 2003. Ein Spätwerk von Bernardo Bertolucci, die wir haben über 1900 von ihm gesprochen. Und die Träumer ist so eine Verbeugung vor dem Kino der 60er Jahre, dem französischen, vor allem der Nouvelle Vague, aber auch so generell vor dem Kino. Und vor allem von einer Verbeugung vor der Zeit der Studentenunruhen in Europa in den 60ern. Also er spielt in Frankreich, aber könnte genauso gut in Deutschland oder England spielen. Und er erzählt. Die Geschichte von einer Dreiecksbeziehung von drei Leuten, die zusammen Spaß haben, protestieren, Filme gucken und dann auch vor allem sehr viel Sex haben. Und ein sehr schöner Film und ein sehr anregender Film, in dem einfach Sexualität so als Art der Befreiung dargestellt wird.
Johannes Franke: Ja, schön. Ich habe auf Platz zwei einen Film, über den wir sehr doll gestritten haben, Florian. Wo?
Florian Bayer: Ja, bitte.
Johannes Franke: Wo ich nicht ganz sicher war, ob ich ihn reinnehmen soll. weil ich Schwierigkeiten mit dem Film habe. Aber eigentlich gehört er genau in diese Liste und genau deswegen Poor Things.
Florian Bayer: Wow, krass. Du hast Poor Things, das ist ein paar Folgen her, da haben wir sehr lange drüber diskutiert, weil wir an sehr unterschiedlichen Enden waren, der Skala, hatte ich das Gefühl.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, wir hatten viele Probleme. Ich finde viele Sachen von dem Film großartig. Es ist ein absolut sehenswerter Film, aber man muss sich halt mit Themen beschäftigen, dann auch die... die nicht immer leicht sind und die der Film vielleicht auch nicht immer ganz richtig abhandelt. Wir waren da unterschiedlicher Meinung, müssen wir jetzt nicht nochmal aufwärmen, aber dafür, dass diese Hauptfigur und dass dieser Film so absolut unapologetic mit dieser Sexualität umgeht, Hut ab dafür, absolut. Ich habe vielleicht so ein bisschen eine Liste von Achtungserfolgen. Aber ich glaube, das ist einer der wichtigen Themen unserer Zeit einfach. dass wir irgendwie so eine sexuelle Befreiung haben, die jetzt einfach schon seit den 70ern läuft. Seit den 50ern, vielleicht sogar seit den 20ern, aber wir es immer noch nicht komplett geschafft haben.
Florian Bayer: Mein Platz 1 im Reich der Sinne aus dem Jahr 1976, japanischer Film, in dem es um eine sehr wilde sexuelle Beziehung zwischen einem Besitzer eines Geisha-Hauses und einer Geisha geht, der ein großer Skandal war in den 70ern, weil er teilweise... sehr freizügige Sex-Szenen zeigt und weil da sehr viel drüber diskutiert wurde, inwieweit dieser Film Pornografie ist. Und es ist wirklich ein spannender Film, weil er radikal einfach Sexualität zeigt in filmlicher Form, ohne ein Porno zu sein, meiner Meinung nach. Und trotzdem noch eine Handlung drin hat. Und der, in dem die Sexualität oder das sexuelle Verlangen bis zum radikalen Ende durchgezogen wird. Ja, genau. Guter Film.
Johannes Franke: Okay. Auf Platz 1 habe ich ein Musical.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Beziehungsweise zwei Musicals eigentlich, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Ich habe Cabaret lange nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht mehr genau wie. In meinem Kopf geht es auch um Sex und um dieses Entdecken. Aber ich weiß es einfach nicht mehr.
Florian Bayer: Cabaret nicht.
Johannes Franke: Es ist einfach, ich habe einfach auch nicht mehr die Zeit gehabt, mich jetzt komplett hinzusetzen und nochmal genau zu gucken, wie viel das in Cabaret tatsächlich vorkommt. Aber in meinem Kopf ist es so. Deswegen habe ich noch ein zweites Musical als Unterstützung. Mama Mia!
Florian Bayer: Nein, ich dachte jetzt Kamula Rouge.
Johannes Franke: Nein, Mama Mia!
Florian Bayer: Aber Mama Mia ist doch sehr sexlos.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Nein, okay, stimmt, stimmt, stimmt. Wir haben Meryl Streep, die die ganze Zeit sagt, ja, ja, ja. Ja, du hast recht. Wir haben es vergessen können.
Johannes Franke: Mary's Cheap Seats so oft so horny, wie sie auf diesem Dach da bleibt. Es ist so geil. Es ist großartig. Und es betrifft wieder nicht die 20-Jährigen. Es sind nicht die horny 20-Jährigen, sondern es sind die horny Frauen in den besten Jahren. Ich finde es so geil.
Florian Bayer: Okay, Mama Mia. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Okay, ich nehme es wegen Meryl Streep.
Johannes Franke: Hört euch die Episode an.
Florian Bayer: Ja, dann machen wir eine Episode.
Johannes Franke: Dann wisst ihr Bescheid. Und dann schreibt mir bitte, ja, Johannes hat recht.
Florian Bayer: Okay. Wunderschöne Liste, danke.
Johannes Franke: Das war... unsere Top 3.
Florian Bayer: Und damit zurück zu Rocky Horror.
Johannes Franke: Damn it, Janet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Gibt es große Baustellen, die wir aufmachen wollen? Wir haben ein bisschen über die Fankultur geredet, wir haben über den Film geredet. Mir ist noch zwischendurch aufgefallen, dass wir vergessen haben, als es darum ging, dass wir über Punk geredet haben, über die Einflüsse auf Punk, dass wir nicht darüber geredet haben, dass auch die Regenbogenflagge vor der Regenbogenflagge da drin vorkommt. Er schafft ein Wesen, in dem er Farben in einen Tank reinbringt und das dann eine Regenbogenflagge ergibt. Und die Regenbogenflagge wurde erst zwei Jahre später, 78, ein Jahr, wann ist der Film rausgekommen? Ich weiß es gerade nicht genau. 74?
Florian Bayer: 75? Wer hat mehr?
Johannes Franke: Wer hat mehr? Der Film ist ja 75 rausgekommen. Und 78 wurde die Gay Pride Flagge für den Gay Freedom Day 1978 von Gilbert Baker entworfen.
Florian Bayer: Und gibt es irgendwie ein Quote, dass sie sich daran auch angelehnt haben an dem Film?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau. Aber die Sache ist, die Regenbogenfarben sind schon länger im Gespräch. Genau. Spätestens seit Wizard of Oz.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist so ein Grund.
Florian Bayer: Aber tatsächlich ganz spannend, weil mit Rocky Horror Picture Show haben wir neben Wizard of Oz aber einen zweiten großen queeren Kultfilm.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und verdienter als Wizard of Oz natürlich, weil er genau die Themen greift. Wizard of Oz ist so, ja, wir lesen da jetzt was rein und machen das für uns.
Johannes Franke: Are you friends of Dorothy?
Florian Bayer: Aber dieser Film sagt, ich bin euer Film.
Johannes Franke: Ja. Ich bin für euch.
Florian Bayer: Jeder, der sich irgendwie unsicher fühlt wegen seiner Sexualität, der sich als Außenseiter fühlt, der nicht genau weiß, ob seine Sexualität richtig ist oder falsch ist, findet hier sein Zuhause. Ich bin für euch.
Johannes Franke: Absolut. Ich glaube, diese Filme, diese Art von Filmen kriegt mich einfach immer. Filme, die sagen, es ist absolut in Ordnung, so wie du bist. Man hat sofort so eine emotionale Bindung dazu. Und ich sitze oft genug bei solchen Filmen in Tränen aufgelöst da, weil ich so glücklich bin, wenn Menschen einander sagen, es ist vollkommen okay, wie du bist. Sei, wie du bist. Mach's einfach.
Florian Bayer: Was ich hier nochmal besonders schön finde, ist ja, dass der Film nicht nur sagt, sei wie du bist, mach was aus deinem Leben, aus deinen Begierden und so weiter, sondern dass der Film auch einfach verdammt viel Spaß dabei hat.
Johannes Franke: Ja, der Party-Effekt ist natürlich nicht zu unterschätzen.
Florian Bayer: Der Film sagt, dieses Empowerment, dieser Feminismus, diese queere Selbstbefreiung und so weiter, das ist geil, das ist Rock'n'Roll, das ist Party. Die Konservativen da, die haben den Stock im Arsch, die sitzen da und... kommen nicht klar mit ihren Hier ist die Party, kommt zu uns. Und ich glaube, deswegen sind solche Filme oder auch Kunstwerke im Allgemeinen total viel wert, weil sie halt auch dem Durchschnittsmenschen, der vielleicht sagt, oh, sie jammern so viel, weil sie Gleichberechtigung wollen und die denken, sie wären was Besonderes und die jammern immer nur so rum und so weiter. Den Leuten zeigt er, nee Leute, guck mal, bei uns ist die Party. Du kannst jetzt entweder hier stehen in dieser grauen AfD-Wolke und in der Nase bohren oder du kommst zu uns und machst den Time Warp.
Johannes Franke: Come to the dark side of force, wir haben die Kekse. Ja, also man kann es nicht genug loben, man kann es nicht oft genug sehen. Es macht immer Spaß, auch wenn man alles auswendig kann. Nicht umsonst haben Leute es 1900 Mal gesehen.
Florian Bayer: Genau, und ich habe es erschreckend oft jetzt gesehen, dass wenn Leute über diesen Film diskutiert haben, dass immer wieder gesagt wird, naja, der Film ist eher so ein Phänomen und als Film eigentlich gar nicht so gut.
Johannes Franke: Das ist völliger Quatsch.
Florian Bayer: Und ich denke mir so, Leute, was redet ihr da?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieser Film funktioniert, natürlich ist es geil, dass es dieses Cult-Following gibt, aber dieser Film ist als Film, als Verbeugung vor diesen 50er-Jahre-Tropes. Ja. Als Verbeugung vor der queeren Kultur, als Verbeugung vor der Spaß am Leben und an Sexualität ist das einfach mal ein fucking Meisterwerk.
Johannes Franke: Und die Leute sagen, die Schauspieler sind nicht gut. Was auffälliger Quatsch ist. Die machen genau das Richtige.
Florian Bayer: Sie machen das, was sie machen sollen. Absolut.
Johannes Franke: Man sieht ja auch, was aus den Leuten geworden ist. Das waren alles große Schauspieler. Ja, auch danach. Also natürlich können die spielen. Die wissen bloß ganz genau, wie sie dem Film dienen. Das ist es.
Florian Bayer: Also für mich auf jeden Fall als Nicht-Musical-Fan. Top 5 der besten Musicals der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Sehr gut. Sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Und danke, dass du mir nochmal gegeben hast, wo wir gerade dabei sind.
Johannes Franke: Es gibt übrigens eine Fortsetzung, Shock Treatment.
Florian Bayer: Ja, hast du die gesehen?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Und ich glaube, so 80% der Leute, die den Film mögen, wissen auch nicht, dass es diesen Film gibt. Aber Shock Treatment soll wirklich ein guter Film sein. Oh.
Florian Bayer: Es geht halt, die Geschichte wird wirklich weitererzählt. Es wird erzählt, was mit Janet und Brett nach diesem ganzen Zeug passiert ist.
Johannes Franke: Genau. Ja.
Florian Bayer: Und ich hab so null Interesse dran, aber das Ding ist von Richard O'Brien geschrieben und von Jim Sharman inszeniert.
Johannes Franke: Ja, und die Leute sagen, ja, ist absolut ansehbar, ist halt ein anderer Film. Ist halt, eigentlich kann man die nur getrennt voneinander diskutieren. Eigentlich ist das nicht so wie bei einer Serie. Und das finde ich auch so krass. dass es diese harte Fanbase für einen einzigen Film gibt. Man ist ja gewohnt, dass so Serien oder sowas eine große Fanbase bilden über die Zeit, über die Jahre von Staffeln, weißt du? Und dann hat dieser Film, dieser einzelne Film, so eine riesige Fanbase.
Florian Bayer: Das ist total geil.
Johannes Franke: Das ist schon hart, krass. Danke, Floor.
Florian Bayer: Danke, Johannes.
Johannes Franke: Es war großartig.
Florian Bayer: Es war fantastisch.
Johannes Franke: Jetzt muss ich erstmal rauchen, obwohl ich nicht Raucher bin, aber ich bin gerade so, oh, I got light.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, womit ich mich nächste Woche revanchiere bei Johannes für diesen sexuellen Trip, bleibt dran. Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören. Vergesst nicht, den Time Warp zu machen, mindestens einmal am Tag. Wichtig,
Johannes Franke: wichtig, wichtig. Doctor's Order.
Florian Bayer: Und denkt immer an die ganz wesentliche Weisheit, die wir auch nie vergessen sollen. Don't dream it, be it.
Johannes Franke: Be it.
Florian Bayer: In diesem Sinne
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao. Johannes? Ja? Wir müssen eine kleine Reise unternehmen für den Film nächste Woche.
Johannes Franke: Was, eine kleine Reise? Ja,
Florian Bayer: keine kurzen Fragen. Es geht Richtung Asien. Der Film heißt Pulgasari aus dem Jahr 1985. Bitte schau nicht nach, wo ihr herkommt. Vertrau mir einfach und komm mit.
Johannes Franke: Okay, nach wohin? Nach Asien? Komm mit. Okay, ich vertraue dir jetzt.
Florian Bayer: Es wird ein großes Vergnügen.
Johannes Franke: Pulgasari?
Florian Bayer: Pulgasari.
Johannes Franke: Okay, gut, dann bis nächste Woche. Bis dann.
