Episode 267: Titanic
Praktisch jeder kennt die Geschichte: Das größte Passagierschiff der Welt bricht 1912 zu seiner Jungfernfahrt auf, kollidiert auf dem Atlantik mit einem Eisberg und geht unter. Über 1500 Menschen sterben, weil es zu wenig Rettungsboote auf dem vermeintlich unsinkbaren Schiff gibt.
James Camerons Titanic aus dem Jahr 1997 erzählt die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Schiffsunglücks aus der Perspektive von Rose DeWitt Bukateer, einer jungen Frau aus besseren Kreisen, die 1912 mit ihrem Verlobten Cal auf dem Luxusliner von Southampton nach Amerika übersetzt. Rose empfindet ihre nahende Ehe mit dem arroganten, herrischen Cal als lebenslange Gefangenschaft und will sich in ihrer Verzweiflung während der Überfahrt von Bord stürzen. Zur Rettung eilt der Herumtreiber Jack, der als Passagier der dritten Klasse sein Schiffsticket einer glücklichen Hand beim Poker verdankt. Rose und Jack verlieben sich, und aller Widerstände zum Trotz beschließen sie ihr Leben in Zukunft miteinander zu verbringen… und dann geschieht das Unglück.
“Romeo und Julia an Bord der Titanic” waren Idee und Pitch von James Cameron bevor er alles eskalierte: Mit unglaublicher Akribie, geradezu größenwahnsinnigen Set Pieces und damaliger State of the Art Computertechnik inszeniert er ein gewaltiges Epos, das sich zwischen Monumentalfilm, Liebesfilm und Disaster Movie bewegt: Groß und unerhört. Der damals teuerste Film aller Zeiten… und allen Erwartungen zum trotz auch der erfolgreichste. Ein Riesenhit bei vor allem weiblichen Teenagern, die Geburt Leonardo DiCaprios als großer Leinwandstar und ein Beweis dafür, dass desaströse Budget-Eskalationen von wahnsinnigen Filmemachern nicht immer floppen müssen.
Johannes, wir waren damals Teenager… na dann, leg mal los mit deiner persönlichen Anekdote.
– In Nacht und Eis – Der erste Titanic-Film (192): https://www.youtube.com/watch?v=Zb99GTTKzKM
– A Night to Remember – Der Titanic-Film aus den 50ern: https://www.youtube.com/watch?v=gDh5CjsEbiE
– Titanic 2 – Jack is back (Mock-Trailer): https://www.youtube.com/watch?v=vetaFnJ2TpQ
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 267: Titanic Publishing Date: 2026-02-11T08:10:05+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/02/11/episode-267-titanic/
Johannes Franke: Lass uns über die Tür reden. Das ist doch gut. Also ich bin volle Kanne bei James Cameron, der sagt, Alter, es geht nicht um Physik, sondern es geht um Kunst. Ja. Jack muss sterben, also stirbt er fucking.
Florian Bayer: Ja. Avatar, Aufbruch nach... Pandora 2009. Avengers Endgame 2019. Avatar The Way of the Water 2022. Titanic 1997. Nisa 2025. Star Wars Das Erwachen der Macht 2015. Avengers Infinity War 2018. Spider-Man 2021. Alles steht Kopf 2. 2024 Jurassic World 2015. Was sticht heraus? Alles steht Kopf. Titanic. Der einzige Film in der Top 10. Ich glaube sogar in der Top... 20 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, wenn wir nicht auf die Inflationsbereinigung gucken, der nicht aus den 2000ern, 2010ern oder 2020ern ist. Ein einsamer 90er-Jahre-Film in dieser Reihe von neuen erfolgreichen Filmen. Und über den reden wir heute.
Johannes Franke: Yay, was für ein Einstieg. Willst du auch noch die Finanzen vergleichen?
Florian Bayer: Ja, müssen wir auf jeden Fall machen. Wir müssen über Erfolg von Filmen reden, sowohl inflationsbereinigt als auch nicht inflationsbereinigt. Wir müssen über Produktionskosten reden. Und wir müssen über Oscars reden, weil Titanic ist ein Film, der auf allen Gebieten Rekorde aufgestellt hat. Ich bestehe darauf,
Johannes Franke: dass wir über diesen Film reden, Flo. Und nicht nur über Zahlen.
Florian Bayer: Wir müssen auch über diesen Film reden und über die historische Titanic. Titanic aus dem Jahr 1997 ist der Film, den wir vor uns haben. Ich habe einen riesigen Batzen an Notizen. Und im Vorgespräch hat sich herausgestellt, Johannes auch, es gibt einfach so viel zu erzählen. Und wir werden einfach versuchen, uns da durchzuwurschteln.
Johannes Franke: Wir werden vor allem Spaß haben. Leute, ihr seid da, damit ihr Spaß habt. Deswegen werden wir jetzt für euch Spaß haben mit diesem Film. Und wahrscheinlich werden wir... 20% dessen besprechen, was zu sagen wäre.
Florian Bayer: To make every word count oder so. Ja, genau. Also legen wir einfach mal los, kurz mit dem Film, worum es geht und dann steigen wir ein. Praktisch jeder kennt die Geschichte. Das größte Passagierschiff der Welt bricht 1912 zu seiner Jungfernfahrt auf, kollidiert auf dem Atlantik mit einem Eisberg und geht unter. Über 1500 Menschen sterben, weil es zu wenig Rettungsboote auf dem vermeintlich unsinkbaren Schiff gab. James Camerons Titanic aus dem Jahr 1997 erzählt die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Schiffunglücks aus der Perspektive von Rose de Witt-Bugiatier, einer jungen Frau aus besseren Kreisen, die 1912 mit ihrem Verlobten Cal auf dem Luxusliner von Southampton nach Amerika übersetzt. Rose empfindet ihre nahende Ehe mit dem arroganten, herrlichen Cal als lebenslange Gefangenschaft und will sich in ihrer Verzweiflung während der Überfahrt von Bord stürzen. Zur Rettung eilt der Herumtreiber Jack, der als Passagier der dritten Rettung 3. Klasse sein Schiffsticket einer glücklichen Hand beim Poker verdankt. Rose und Jack verlieben sich und allen Widerständen zum Trotz beschließen sie, ihr Leben in Zukunft zusammen zu verbringen. Und dann geschieht das Unglück. Romeo und Julia an Bord der Titanic waren Idee und Pitch von James Cameron, bevor er alles eskalierte. Mit unglaublicher Akribie, geradezu größenwahnsinnigen Set-Pieces und damaliger State-of-the-Art-Computer-Technik inszenierte er ein gewaltiges Epos, das sich zwischen Monumentalfilm, Liebesfilm und 90s-Desaster-Movie bewegt. Groß und unerhört. Der damals teuerste Film aller Zeiten und allen Erwartungen zum Trotz auch der erfolgreichste. Ein Riesenhit vor allem bei weiblichen Teenagern, die Geburt Leonardo DiCaprios als großer Leinwandstar und ein Beweis dafür, dass desaströse Budgeteskalationen von wahnsinnigen Filmmachern nicht immer floppen müssen. Johannes, auch wir waren damals Teenager. Na dann. Leg mal los mit deiner persönlichen Anekdote.
Johannes Franke: Ich hätte es nie erzählen sollen. Ich habe das gleiche Problem gehabt, habe ich in der Recherche jetzt festgestellt, wie ganz viele Kritiker damals, die festgestellt haben, ganz viele 16-jährige Mädchen rennen da rein und lieben diesen Film. Also darf ich ihn gar nicht gut finden.
Florian Bayer: Titanic galt unter coolen Jungs, wie wir sie damals waren, als Schickflick. Aber du warst im Kino, du hast diesen Film im Kino gesehen.
Johannes Franke: Und zwar mit einem Mädchen zusammen und genau deswegen, weil man so sagte, okay, Titanic und so, das ist doch für dich jetzt irgendwie so und dann... himmelte die ganze Zeit Leonardo DiCaprio an und ich denke dir, du bist mit mir hier, was soll das? Also es war schon ein bisschen hart für mich, dann so daneben zu sitzen und wirklich einen Manic Pixie Dreamboy auf der Leinwand zu sehen. Hart. Das war hart.
Florian Bayer: Ich habe den Film auch zweimal gesehen. Ich habe den Film zweimal gesehen. Ich habe den Film auch zweimal im Kino gesehen.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und ich habe nicht so eine rührende Geschichte von einem Mädchen, in das ich verliebt war oder so, aber ich war auf jeden Fall in Gruppen in diesem Film und da waren halt auch Mädchen dabei. Und wenn du halt in einer Gruppe mit Teenagern unterwegs bist und dann zwei oder drei Mädchen sagen, ey, lass uns nochmal Titanic gucken, dann willst du nicht der Partypooper sein. Nee. Also Leute, die nicht wie wir im Teenageralter waren damals, man kann es sich kaum vorstellen, was für ein krasser Hype das war. Ja,
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Es war wirklich, es war in aller Munde. Es lief sehr lange im Kino. Es war sehr lange auf Platz 1 im Kino. Celine Dion, My Heart Will Go On. Der Song, der am Schluss gelandet ist, obwohl Cameron eher nicht so dafür war, lief rauf und runter im Radio, in Kaufhäusern. Leonardo DiCaprio hat einen von der Bravo monatelang, wenn nicht sogar jahrelang angestrahlt. Also er hat die Backstreet Boys...
Johannes Franke: Und nicht nur von der Bravo. Das krasse Bild war ja eigentlich, dass du in einen Zeitschriftenladen gegangen bist und jede der Zeitschriften hatten Leonardo DiCaprio auf dem Cover und im Centerfold. Das war der absolute Hammer. Unglaublich. Und der war ja vorher schon so... bekannt. So mit Romeo und Julia hat er ja vorher auch gemacht. Romeo und Julia,
Florian Bayer: genau. Und er war davor bei er so ein Charakterdarsteller. So kommen wir noch, wenn es darum geht, ums Casting geht, weil er wollte den Film eigentlich nicht unbedingt drehen. Aber kommen wir noch dazu. Ihr müsst euch vorstellen, es war wirklich, es war ein riesiger Pop-Hype. Es war Titanic-Mania. Es war einfach Leo, der Traumjunge eines jeden Mädchens. Der Film ein riesiger Kassenhit und zahllose Jungs, die sagen Ihhh, Chick Flick. Ihhh. romantischer Film, Kitsch, wollen wir nicht sehen.
Johannes Franke: Und ganz viele intellektuelle Kritiker genauso, die auch gesagt haben, das ist ja alles oberflächlicher Scheiß und diese arme Tragödie, die du hier missbrauchst, um dieses Liebesding zu drehen. Da gibt es einfach viele, viel, viel Backlash gab es einfach für diesen Film.
Florian Bayer: Was vor allem auch daran liegt, niemand hat damit gerechnet, dass das so ein großer Erfolg wird. Warum haben sie ihn dann überhaupt gemacht? Das frage ich mich die ganze Zeit.
Johannes Franke: Weil natürlich James Cameron hat am Anfang gesagt, okay, gib mir 80 Millionen, ich schaff das. Dann hat er gesagt, okay, ich nehm euch 110 Millionen ab. Und am Ende sind es 200 Millionen geworden.
Florian Bayer: James Cameron hat das Studio verarscht. Ich glaub, die haben diesen Film nur gemacht, weil Cameron hat das immer ein bisschen runtergespielt bei seinen Pitches, dass das ein Liebesfilm ist. Weil Titanic kam etwas zugute, und zwar der 90s-Desaster-Movie. Wir befinden uns in einer Zeit in den 90ern, in der Katastrophenfilme die Sommerblockbuster waren. Und ich sage es euch. wenn ihr über Blockbuster von heute schimpft. Das war eine wirklich schlimme Blockbuster-Zeit. Wirklich, wirklich schlimm. Es war die Zeit von Filmen wie Twister, der ein Jahr vorher kam, hat noch zu den besseren gehört.
Johannes Franke: Und ihr kennt ihn wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ihr überhaupt von Twister je gehört habt, aber das waren die riesigen Dinger in der Zeit.
Florian Bayer: Es war die Zeit, in der sich wirklich viele, viele Filmmacher Gedanken darüber gemacht haben, wie können wir großwumms... irgendwie was Kleines untergehen lassen oder was Großes untergehen lassen. Das war die Zeit von Filmen wie Speed, wo ein Bus die halbe Stadt niederfährt, weil er schnell fahren muss. Von Outbreak, wo ein Killer-Virus die ganze Welt dahin ziechen lässt. Von Waterworld, wo die Welt im Wasser untergeht. Von Daylight, wo Leute in einem Tunnel eingesperrt sind und von Sylvester Stallone gerettet werden. Von Independence Day, wo Aliens einmal New York in die Luft sprengen. Und ich sag euch genau warum. Heute, wo die Welt wirklich untergeht, will das keiner sehen. In den 90ern haben alle gedacht, Friedenszeiten,
Johannes Franke: alle schick, alles super. Jetzt können wir uns Weltuntergangsfilme angucken.
Florian Bayer: Wir waren so eine verwöhnte Generation. Absolut. Aber wir waren nicht von guten Filmen verwöhnt. Die Blockbuster in den 90er Jahren, dieses große Sommerblockbuster, der auch Titanic werden sollte. Das Studio wollte Sommer. Cameron, der gesagt hat, es ist ein Liebesfilm, wollte eher Winter. Die Sommerblockbuster in dieser Zeit waren größtenteils keine guten Filme. Das waren Action-Flicks mit viel Budget, die auch ganz erfolgreich performt haben. Aber die meistens von den Kritikern gehasst wurden und oft auch zu Recht.
Johannes Franke: Ja. Und zurück zu der Frage, warum haben sie es überhaupt gemacht? Ich glaube... Jeder hat gewusst, dass James Cameron untertreibt. Das war denen klar, weil James Cameron bei allen Filmen vorher auch schon untertrieben hat und gesagt hat, ach, kein Problem und dann maßlos überzogen hat das Budget.
Florian Bayer: James Cameron war berühmt dafür, dass er ein, sagen wir es mal so, dass er ein problematisches Temperament hatte.
Johannes Franke: Ja, am Set.
Florian Bayer: Und James Cameron war berühmt dafür, dass er Produktionen, Leute aus den Produktionsstudios, die sich eingemischt haben in seine Arbeit, gequält hat. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt Geschichten von Dreharbeiten von Terminator 2, den er Anfang der 90er gemacht hat oder von The Abyss, den er in den 80ern gemacht hat, der schon so ein bisschen ein Unterwasserfilm war, wo er Leute, die ans Set kamen und das werden wir auch hier haben und die gesagt haben, okay, wir müssen hier einmal drauf gucken. Das sind Supervisor. Wenn das Studio sieht, oh Gott, das Gerät außer Kontrolle, dann schicken sie bei so einem großen Film jemanden hin, der einmal drauf guckt und sagt, okay, wir müssen hier mal ein bisschen aufräumen. Brauchen wir das überhaupt? James Cameron hat diese Leute... so eine Schnecke gemacht, auf brutalste Weise. Und zwar sowohl verbal als auch körperlich. Ja,
Johannes Franke: der ist handkräftig geworden. Es gibt harte Geschichten darüber. Und auch vom Dreh mit den Crewleuten und auch vom Dreh mit den Schauspielern. Es gibt keine schönen Geschichten.
Florian Bayer: Und die werden wir alle auspacken, wenn wir zur Produktion kommen. Cameron war aber auch vor allem fasziniert von der Titanic. Und das war damals schon so, das war eigentlich seit 1912 so, die Titanic war ein Riesending. Wir übertreiben nicht dabei und jeder kennt die Titanic. Es war einfach mal das berühmteste Schiffsunglück in der Geschichte der Menschheit und es wird wahrscheinlich sehr lange dauern, bis irgendwas Vergleichbares auf dem Meer passieren wird. Die ersten Titanic-Filme kamen fucking 1912 raus.
Johannes Franke: Zwei Stück Direkt danach, und zwar mit einer Schauspielerin, die da überlebt hat gerade so. Die hat ihre eigenen Klamotten mitgebracht, die sie selber auf dem Schiff getragen hat. Und musste das irgendwie reenacten. Und die hat tatsächlich nie wieder danach gedreht. Die war auch echt fertig mit den Nerven anscheinend danach.
Florian Bayer: Am 17. August 1912, das heißt ungefähr vier Monate nach dem Unglück, kam der erste... Film ins Kino, der versucht hat zu zeigen, was passiert. Man kann diesen Film übrigens auch gucken, in Nacht und Eis. Ihr findet diesen Film auf YouTube. Ist natürlich ein Stummfilm aus der damaligen Zeit. Die Titanic war ein riesiges Ereignis, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Titanic schon vor ihrem Unglück als riesiges Ereignis inszeniert wurde, nämlich von der White Star Line, die dieses Schiff gebaut hat. Es war ein Schiff der absoluten Rekorde.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: 269 Meter lang.
Johannes Franke: Ach Gott, jetzt fängt es mit den Zahlen an.
Florian Bayer: 28 Meter breit, also 269 Meter lang. Wenn man das Ding aufgestellt hätte, wäre es fast so hoch wie der Eiffelturm gewesen.
Johannes Franke: Möchtest du Tee, Flor? Oh ja, bitte. Ich gieße uns derweil Tee ein.
Florian Bayer: 53 Meter hoch. Das ist so hoch wie ein 15-stöckiges Haus. Ihr müsst euch das mal vorstellen, das ist ein Schiff. Und Höchstgeschwindigkeit 24 Knoten, was, ich weiß es nicht, 45 Stundenkilometer sind, muss ich nachschauen, muss ich mir einmal ausrechnen lassen, da ich keine Ahnung von Seefahrt habe. Und natürlich ist die Schiffsfahrt in unserer Zeit nochmal ein ganzes Stück gewaltiger geworden. Das größte Kreuzfahrtschiff heute ist die Icon of the Sea. Die hat eine Länge von 364 Metern. Das sind 100 Meter mehr, aber das ist gar nicht so viel, wenn man drüber nachdenkt. Dass die damals schon so ein Ding gebaut haben. Und zwar von der Silver Star Line, die sowieso so eine Schiffsbauschmiede der Rekorde war. Also das Schwesterschiff der Titanic, die Olympic. Die war halt auch riesig und die Titanic hat einfach zu einer Schiffsklasse gehört, die große Schiffe hervorgebracht hat.
Johannes Franke: Man hat den Eindruck, dass die nicht wegen der Seefahrt das Ding gebaut haben, sondern wegen der Rekorde. Eben das war Marketing. Wir bringen uns nach vorne, weil wir die größten, tollsten, schnellsten sind. Und das führt auch ein bisschen dazu, dass im Film das ein kleines bisschen aufgedreht wird, dass der eine Typ sagt, komm wir müssen schneller sein, damit wir möglichst auch noch früher ankommen, als eigentlich angeboten wird.
Florian Bayer: Der Mythos der Titanic hat mit dem Bau angefangen. Einfach das größte Schiff Besatzung. 900 Besatzungsmitglieder, ausgelegt für eine Passagieranzahl von 2400. Sie war nicht voll besetzt, als sie losgefahren ist. Es war die Hälfte ungefähr besetzt. 1300 Passagiere waren an Bord. Das war knapp die Hälfte von dem, was möglich gewesen wäre.
Johannes Franke: Insofern hatten sie noch Glück, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja, und dann natürlich noch 900 Besatzungen. Das macht die 2200 Passagiere aus. Das Ding, also es gibt Es gibt zumindest zwei Namen, die man sich merken muss. Die kommen ja auch in diesem Film vor. Und das eine ist Bruce Ismay, der damals der Geschäftsführer der White Star Line war, der sehr stark involviert war in dieses Projekt. Das war einfach sein Baby. Und der zweite war Thomas Andrews, der... Ja, der irgendwann mit die Gestaltung übernommen hat, der hat auch schon seit 1907 bei denen gearbeitet, die für den Bau des Schiffs verantwortlich waren. Und die haben, wie gesagt, die haben von Anfang an geprotzt, haben gesagt, das ist ein Riesenschiff, das ist das größte Schiff der Welt. Und dass sie unsinkbar ist, die Unsinkable, das war auch von Anfang an Teil des Slogans.
Johannes Franke: Wobei man sagen muss, so viel wie dieser Film das ausschlachtet, haben die das damals gar nicht ausgeschlachtet. Dieses Prädikat unsinkable war erwähnt. wurde erwähnt, wurde mit verkauft. Aber die Presse hat das nicht so hoch stilisiert, wie wir das jetzt im Nachhinein haben, weil es natürlich die Ironie ist, die wir jetzt im Nachhinein groß haben.
Florian Bayer: Es gibt ja so verschiedene Ansätze, warum die Titanic so berühmt ist und einer davon ist, dass sie so ein Sinnbild des Größenwahns von damals ist und vor allem, dass sie auch so ein Bild des Klassensystems von damals ist, weil es gab drei Klassen am Schiff. Erste, zweite und dritte Klasse und dann natürlich die berühmte Geschichte,
Johannes Franke: die in der ersten haben überlebt Welcher Klasse wärst du gefahren, Flor? Also nicht danach, was du dir leisten kannst, sondern danach, was du dir leisten willst Was hättest du gemacht?
Florian Bayer: Naja,
Johannes Franke: natürlich erste Klasse, wenn ich die Wahl hätte Nein, ich meine natürlich nicht über das Budget, was du wirklich hast Ich könnte mir vielleicht zweite Klasse leisten, aber hätte ich das gemacht Oder hätte ich lieber die dritte Klasse genommen und gespart Und... Das ist halt so das Ding.
Florian Bayer: Naja, die zweite Klasse, die dritte Klasse war teuer. Das vergisst man immer, wenn man sagt, ja, die armen Leute in der dritten Klasse, die untergegangen sind natürlich. Und das ist krass, dass wir diesen Unterschied haben, dass so viele in der ersten überlebt haben. Aber die dritte Klasse, dafür brauchtest du Geld.
Johannes Franke: Trotzdem, das sind 1000 Euro heute. Über 1000 Euro.
Florian Bayer: 36 Dollar war das damals. Das war richtig, richtig viel.
Johannes Franke: Oder 7 Pfund, wie man in Großbritannien, wo sie losgefahren sind, gezahlt hat. Wie schön, ja.
Florian Bayer: 60 Dollar wäre die zweite Klasse gewesen, das wären 2000 Euro.
Johannes Franke: Ja, so 1800 bis 2200 hätte man gezahlt.
Florian Bayer: 150 Dollar, so ab 150 Dollar konntest du in der ersten Klasse fahren, aber es ging hoch bis zu 5000 und dann sind wir im sechsstelligen Bereich. Ja, wenn wir es mit heute vergleichen.
Johannes Franke: Einen kleinen Wagen von kaufen können von dieser Fahrkarte.
Florian Bayer: Die Titanic war ein richtig, richtig teures Schiff, auch für die Passagiere.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dementsprechend waren die dritten Klassen auch... deutlich besser als bei anderen Passagierschiffen zur damaligen Zeit.
Johannes Franke: Das muss man auch dazu sagen. Tatsächlich, die dritte Klasse, die war richtig sauber und die hatte eine Form von Luxus, in Anführungsstrichen, im Vergleich zu den richtig luxuriösen Sachen natürlich nicht. Aber im Vergleich zur dritten Klasse sonst war das schon echt gut. Und 1000 Euro, wie viel ist das heute? Also für die damals wären das ungefähr zwei Monatshälter gewesen, die sie gezahlt haben. Man muss sozusagen, dass damals die Leute, wer hat sich diese dritte Klasse gekauft? Das waren vor allem Familien, die das als Chance gesehen haben, auszuwandern. Die wollten nach Amerika. Die sind als Familie, als Großfamilie losgezogen, haben gespart, um nach Amerika zu kommen.
Florian Bayer: Ja, das ist ganz wichtig. Die Titanic war kein Kreuzfahrtschiff. Das war ein Transportmittel. Es war einfach, wir sind vor der Zeit der großen Passagierflüge. Und wenn du von Europa nach Amerika wolltest, dann musstest du mit einem großen Schiff überfahren. Das heißt, die Leute, die an Bord waren, natürlich die in der ersten Klasse waren, die haben das auch genossen. Es gab auch so einige wirklich angenehme Sachen auf dem Schiff. Es gab einen Pool, es gab einen Fitnessraum, es gab Squash-Hallen und so weiter. Aber es war vor allem der Gedanke nicht, dass du hier eine nette Fahrt hast, dass du einmal schön über den Atlantik und Spaß hast, sondern du musst einfach von England nach Amerika und das dauert einfach sieben Tage. Klar, luxuriös, aber es geht vor allem darum, von A nach B zu reisen. Und es waren sehr viele Einwanderer, die in die USA gefahren sind, auch aus verschiedensten Nationen. Natürlich die Iren ganz stark, aber auch andere Nationen.
Johannes Franke: Und das sieht man ein kleines bisschen im Film. Es gibt eine ganz kleine Sequenz. wie Leute dastehen und in der Panik noch versuchen rauszufinden, was da an den Anweisungen steht. Weil die einfach Englisch nicht als erste Sprache haben, sondern die sitzen auf dem Schiff, versuchen von Europa nach Amerika zu kommen, aber aus einem Land, die wissen nicht, wie sie den Ausgang finden.
Florian Bayer: Und das ist ganz schön bitter. Ja, das ist richtig hart. Das ist auch ein Ding, es wird ja sehr stark im Film erzählt, wie die eingesperrt wurden. Die mussten gar nicht eingesperrt werden. Nein, überhaupt nicht. Die waren in der dritten Klasse. und sind durch sehr viele Gänge geeilt und haben verzweifelt nach Auswegen gesucht. Weil es war ein riesiges Schiff, es gab sehr viele Gänge und du musst dann erstmal eine Treppe oder eine Leiter finden, wo du hochkommst.
Johannes Franke: Den direkten Zugang zu den Decks, wo die Boote waren, den hatten nur die erste Klasse. Und da ging es gar nicht darum, irgendjemanden einzusperren, wie im Film Hust Hust, sondern es ging halt darum, dass man Zeit brauchte, da hinzukommen.
Florian Bayer: Ein Grund für die Trennung in Klassen war, dass Amerika bei der Anwanderung Leute untersucht hat.
Johannes Franke: Ging um solchen Kontrollen.
Florian Bayer: Man sieht es auch im Film dann, wenn das Boarding vom Schiff ist, dass die nach Läusen untersucht wurden, dass Gesundheitstests gemacht wurden. Und um das sauber machen zu können, weil es war klar, die in der ersten Klasse brauchen das nicht, um das sauber machen zu können, haben sie halt einfach diese Klassenunterteilung gemacht, damit sie sagen können, okay, wir wissen, die aus der dritten Klasse sind separiert. Da müssen wir nochmal drauf gucken, ob die irgendwelche Läuse oder anderes Zeug einschleppen. Die Titanic. Dieses gewaltige Schiff ist am 10. April 1912 zur Jungfernfahrt in Southampton aufgebrochen, war dann nochmal kurz in Frankreich, war dann nochmal kurz in Queenstown in Irland und ist dann endgültig auf See. Und wie gesagt, die Reise sollte sieben Tage dauern, am 17. April sollte das Ding in New York ankommen. Am 14. April, das heißt vier Tage nach dem Aufbruch, kam es zu dem Unglück. Und zwar um... 23.40 Uhr ist die Titanic gegen den Eisberg gestoßen. Der erste Offizier Murdoch, den wir auch im Film sehen, der hat das eine Zeit lang beobachtet und hat dann, nachdem er sich überlegt hat, was zu tun ist, gesagt, das Schiff soll hart nach links steuern. Und der Zusammenprall war dann so, dass das Schiff seitlich gegen den Eisberg geprallt ist. Und dann ist so Physik, offensichtlich so eine Drucksituation entstanden, dass das Schiff immer wieder gegen den Eisberg geschlagen ist. Das hat auch ein bisschen gewackelt. Aber das wurde an Bord von diesem riesigen Teil nicht so krass wahrgenommen. Das heißt, es gab eine Erschütterung, aber es gab nicht dieses Gefühl von, oh shit, jetzt geht alles vor die Hunde und wir werden sinken.
Johannes Franke: Das hat auch kaum, ganz, ganz, ganz lange kaum jemand ernst genommen.
Florian Bayer: Die von der Crew, die wussten es relativ schnell. Um zwölf, also 20 Minuten nach dem Zusammenprall wusste der Kapitän Edward Smith, der ein sehr erfahrener Seemann war, dass das wirklich eine fiese... Beschädigung war und hat gesagt, okay, jetzt decken wir die Rettungsboote ab und 15 Minuten später, 0 Uhr 15, wurden die ersten Notrufe von der Titanic ausgesendet.
Johannes Franke: Ich möchte einmal an dieser Stelle, damit wir möglichst lange die große Tragik der ganzen Sache im Kopf haben, einbringen, dass wenn die Titanic nicht ausgewichen wäre, sondern geradezu draufgefahren wäre, wahrscheinlich alle überleben. Weil das Ding zwar einen Schaden gehabt hätte und zwei Tage später nach New York gekommen wäre, aber sie hätten es geschafft wahrscheinlich.
Florian Bayer: Ein großes Thema ist dieses, das ist natürlich auch so dieses schöne Bild, die Natur, die so als große Bedrohung dasteht und man fährt durch das leere Wasser und dann taucht plötzlich so ein Eisberg auf. Das war normal. Wenn du über den Atlantik gefahren bist, bist du an Eisbergen vorbeigefahren. Natürlich,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Und die Titanic war auch nicht das erste Schiff, das mit einem Eisberg kollidiert ist. Wir haben in den 50, 60 Jahren vor der Titanic große Schiffsfahrt über den Atlantik, haben wir über 500 dokumentierte Fälle von Schiffen, die auf Eisberge auflaufen mit unterschiedlichem Ergebnis. Je nachdem, wie sie zusammengestoßen sind, je nachdem, wie hart der Zusammenprall war. Aber wir haben dieses Navigieren durch Eisbergfelder und auch dieses Zusammenstoßen mit Eisbergen. Das war irgendwie ein eingepreistes Risiko in der Atlantik-Schiffsfahrt.
Johannes Franke: und muss dazu sagen, dass das ja auch Erfahrungswerte mitgebracht hat. Weswegen auch niemand geglaubt hat, dass die Titanic so schnell sinken könnte. Weil es tatsächlich eingepreist ist, okay, was passiert denn? Wie viele Boote brauchen wir? Wie komme ich mit den Booten vom Schiff runter zum Rettungsschiff wieder zurück, um die nächsten zu holen und so weiter hin und her und hin und her. Deswegen hatte die nämlich nur so wenig in Anführungsstrichen Boote.
Florian Bayer: Ja, so wenig Boote wie Absolut okay war.
Johannes Franke: Völlig okay war. Sogar mehr als eigentlich vorgeschrieben waren. Und dann auch noch Faltboote, ABC oder ich weiß nicht, wie viele sie da hatten. Auf jeden Fall ist das gar nicht so, dass die irgendwie größere Chancen gehabt hätten, wenn sie mehr Boote gehabt haben. Weil James Cameron, wie er nun mal ist, dann auch nochmal ein Special gemacht hat und nochmal experimentell rausgefunden hat, wie lange die brauchen, um diese Boote überhaupt zu finden. überhaupt loszumachen, fertigzumachen und so weiter und runterzulassen. Und dass sie gar nicht mehr Boote hätten bedienen können in der Zeit. Also es wäre gar nicht möglich gewesen.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich, ich finde es erstaunlich, wenn man drauf guckt auf die Uhrzeiten, was wann passiert ist, wie schnell das letzten Endes alles ging. Wir hatten 23.40 Uhr den Zusammenprall mit dem Berg. 0.15 Uhr wurden die Funker instruiert, die Notrufe auszusenden. und um 0.25 Uhr Das heißt, wir sind immer noch keine Stunde nach dem Zusammenprall, wurde gesagt und jetzt sollen Leute in Rettungsboote gebracht werden. 45 Minuten nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg wurden die Rettungsboote fertig gemacht, damit die Leute drauf können. Und 0.40 Uhr, ziemlich genau eine Stunde nach dem Zusammenprall, wurde das erste Rettungsboot runtergelassen. Eine Stunde später, eine Stunde, zehn Minuten später, das letzte. Das Runterlassen der Boote hat eine Stunde gedauert. Und der Weg vom Zusammenprall bis zum Runterlassen der Boote hat auch eine Stunde gedauert. Das ging alles echt relativ schnell und relativ zackig.
Johannes Franke: Also verzeih mir meine Naivität, aber ich habe immer gedacht... Zwei Stunden, das klingt doch total gut. Das klingt ja total viel. Natürlich ist das nicht viel Zeit, aber wenn ich mir vorstelle, da geht ein Schiff unter, dann geht das bei mir in meiner Fantasie nicht fünf Stunden lang unter, sondern vielleicht 20 Minuten.
Florian Bayer: Ich hätte gedacht, es geht zehn Stunden unter. Echt jetzt? Ja, das war meine Vorstellung. Ich war überrascht, wie lange es dauert. Ich hatte den Film natürlich gesehen und meine Vorstellung war aber, dass dieser Untergang sich viel länger zieht. bei so einem großen Schiff, das in der Art beschädigt ist wie die Titanic. Die war ja so gebaut, das war ja wirklich ein Wunder. Also wie die gebaut war, mit diesen Schotten, die abschließen.
Johannes Franke: Ja, haben sie ja ordentlich gemacht.
Florian Bayer: Das war eine Vorsichtsmaßnahme, die das Schiff extrem seetüchtig gemacht hat und extrem sicher gemacht hat. Sie hatten wirklich Pech, dass ein paar ein paar Meter zu viel eingerissen wurde von diesem Eisberg. Wäre es ein bisschen weniger gewesen, hätte das Schiff das gestanden. Oder zumindest lange genug gestanden, dass die Passagiere hätten evakuiert werden können.
Johannes Franke: Sie hätten ja noch mehr Pech, wenn du schon von den Notrufen sprichst. Da war ja was in der Nähe. Wie hieß die, Caledonia oder sowas? Nee, California.
Florian Bayer: Es waren mehrere Schiffe in der Nähe.
Johannes Franke: Aber die eine, die schon Schluss gemacht hatte, wo der Typ, der da drauf war, keine 24-Stunden-Schicht schieben wollte, aber er war der Einzige. der da irgendwie Nussrufe entgegengenommen hat, der Funke halt. Und der hat zehn Minuten vorher gesagt, so, Feierabend, ich gehe jetzt ins Bett.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: fucking zehn Minuten vorher. Ist das bitter.
Florian Bayer: Das war wirklich unglücklich. Was wohl auch ein großes Problem war, es gab zwei Funkstandards damals.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es war so ein England-Amerika-Ding, dem erkennten wir auch nachher nochmal wieder. Es gab so einen kleinen Beef zwischen England und Amerika über Schiffsnormen und Schiffsstandards.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die haben halt das englische Signal verwendet, weswegen amerikanische Schiffe nicht darauf reagiert haben, weil es einfach kein internationales SOS benutzt wurde.
Johannes Franke: Das SOS ist halt schon Jahre vorher benutzt worden von Schiffen, aber es war noch nicht der riesige Standard. Das hat die Titanic quasi geändert. Seit der Titanic sind Gesetze in Kraft getreten, wie zum Beispiel, dass 24 Stunden lang der Funker besetzt sein muss und so. Und dass eben SOS so drin war. Das Signal hieß CQD, ausgesprochen Come Quick. Danger und das haben sie ausgesendet, aber eben als Signal, das schnell verwechselt werden konnte mit einem anderen Signal, das einfach nur irgendwie ein telefonisches Signal war. Während das SOS, was übrigens nicht für Safe Households steht, es ist einfach nur ein Signal, SOS und den Rhythmus, dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz, den verwechselt man schlechter. Also der ist sozusagen eindeutiger und klarer zu sehen, ah fuck, da passiert was. Und im Film sehen wir es ja auch, die schießen ja auch in die Luft mit irgendwelchen Signalen, Lichtsignalen. Das hat das Schiff auch gesehen. Aber der Käpt'n hat gesagt,
Florian Bayer: ja,
Johannes Franke: ach, die haben da Feuerwerk, was soll das sein? Der hat das echt nicht ernst genommen und die haben nicht mal den Funker aufgeweckt, damit der rüberfunkt und nachfragt, ob alles okay ist. Das wäre die nächste Rettung gewesen, auch nicht passiert.
Florian Bayer: Ja, krass. 2.20 Uhr. Zwei Stunden, 40 Minuten nach dem Aufprall ist das Schiff dann untergegangen. Es gab sehr viele Augenzeugenberichte. Es gibt sehr viele Erzählungen aus der Zeit. Titanic, das Unglück ist wirklich gut dokumentiert. Und doch waren sich die meisten Augenzeugen sicher, dass das Schiff als Ganzes gesunken ist. Was daran lag, das macht der Film auch ein bisschen falsch. Also der Film macht sehr viel richtig, was die Neigung der Titanic betrifft. Sie hat sich geneigt nach oben und dann ist sie irgendwann in der Mitte gebrochen. Aber wenn man das im Film sieht, hat man das Gefühl, es steht in einem sehr steilen Winkel nach oben. Und das war es nicht. Der Winkel war so flach, dass das sehr leicht nicht bemerkt werden konnte, dass dazwischen dieser Bruch stattgefunden hat.
Johannes Franke: Beziehungsweise muss man das alles natürlich mit Grain of Salt sehen, weil das alles 100% nachzuvollziehen ist schwierig. Und warum haben die das dann falsch berichtet? Es ist stockduster gewesen. Der Film will natürlich nicht stockduster sein an der Stelle, weil sonst hätten wir nichts davon. Aber eigentlich in der Zeit, die Leute konnten es auch nicht beurteilen. Es hat einfach keiner gesehen. Und wenn du da runter springst, dann siehst du nicht, dass da der Propeller ist. Dann hast du einfach Pech gehabt, dass der im Weg ist.
Florian Bayer: Genau, die Leute haben gedacht, sie wäre als ganz gesunken. Als das FRAG 1985 entdeckt wurde, haben sie festgestellt, ah ok, das ist zerbrochen. Und dann gab es sehr viele nochmal neue Computersimulationen, die versucht haben, das Unglück nachzustellen. Deswegen haben wir schon so ungefähr einen ziemlich guten Blick auf die... Auf die Physik, die hinter dem Sinken der Titanic stand.
Johannes Franke: Es ist wohl auch zweimal zerbrochen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es gab zwei Stellen. Also das eine große Ding, was im Film gezeigt wurde. Und es gab, glaube ich, noch eine andere Bruchstelle, die da irgendwie drin hängt.
Florian Bayer: Was viel, viel Raum für Legenden ist, ist, wir wissen, es sind sehr viele Menschen gestorben, ist, dass Frauen und Kinder zuerst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass bei der Verladung der Rettungsboote ausgegeben wurde vom Kapitän auf, nach Hinweis von einem seiner Berater, dass man das doch so machen sollte. Und offensichtlich wurde es unterschiedlich gedeutet.
Johannes Franke: Ja, der eine hat gesagt, also ich glaube Murdoch nicht, aber der andere hat gesagt, Frauen und Kinder zuerst bedeutet nur Frauen und Kinder.
Florian Bayer: Mit dem Ergebnis, dass die Boote nicht voll waren.
Johannes Franke: Die ersten Boote waren, das waren 27, 28 Leute drin. Unter anderem tatsächlich die Frau, die da auch im Film vorkommt, Molly, die dann gesagt hat, Leute, wir müssen zurück, um die Leute reinzuholen. Wir sind viel zu wenige in diesem Boot, was dann unterbunden wurde von dem... Typen, der da von der Crew drin war. Aber der andere Mörder hat gesagt, ja, Frauen und Kinder zuerst, aber dann halt auch Männer. Nun denkt man sich, ja, da sind ja genug Frauen und Kinder an Bord, sodass man alle die ganzen Boote füllen kann. Problem ist nur, am Anfang hat das kaum jemand so ernst genommen. Stell dir vor, du bist in so einem Rettungsboot, beziehungsweise du siehst Leute in so einem Rettungsboot, wie die gerade runtergelassen werden an einem Seil. das die ganze Zeit ächzt und quietscht und schlingert und du das Gefühl hast, in dieser Nussschale bin ich mehr in Gefahr als auf diesem festen Schiff, auf dem ich hier stehe. Also diese Einschätzung nach Auge ist halt eine völlig andere als die Physik dahinter, die dann allen das Leben gekostet hat, die nicht gesagt haben, ja okay, ich bin vielleicht doch besser im kleinen Boot.
Florian Bayer: Es gab eine Angst vor den Rettungsbooten, es gab diese Boote, die nur mit Frauen und Kindern bestückt wurden. Weil er einfach gesagt hat, ich nehme das jetzt wörtlich mit den Frauen und Kindern zuerst. Was übrigens alles andere als ein Standard war. Das wurde gemacht. Es gibt historische Beispiele, wo das so als Order ausgegeben wurde. Das war aber nicht unbedingt der Standard, dass das gemacht wurde.
Johannes Franke: Aber es ist doch eine sinnvolle Order. Also wenn man sich die ganzen Unglücke so anschaut und die Statistiken anschaut. Du hast als Mann höhere Überlebenschancen, wenn du eben nicht auf dem Boot gelandet bist oder so. Als Frauen A, du bist größer, B, du bist stärker, du hast mehr Chancen, irgendwo dich rauszuhangeln und hochzustemmen, um da nicht zu ersaufen in so einem Raum.
Florian Bayer: Auf der Titanic wärst du lieber kein Mann gewesen. Vor allem kein Mann, der zur Besatzung gehört. Ja, richtig. Und vor allem kein Mann, der in die zweite Klasse gehört. Erstaunlicherweise. Wir wissen, in der dritten Klasse sind mehr Menschen gestorben als in der zweiten Klasse prozentual. Ja, aber Männer. Es sind mehr Männer aus der zweiten als aus der dritten Klasse gestorben. 92% Männer in der zweiten Klasse sind gestorben, 84% Männer in der dritten Klasse. Und es gab Spekulationen, woran das liegt. Und die naheliegende Antwort ist, dass dieses Gefühl von einem männlichen Heroismus, sich aufzuopfern für die Familie, dass das vor allem ein Ding ist, was im mittelständischen Bürgertum... zu verorten ist. Und das waren die Leute, die die zweite Klasse gebildet haben. Das waren die Leute, die Texte gelesen haben von Männern, die sich aufopferungsvoll in den Tod stürzen, um ihre Familie, ihre Frauen und ihre Kinder zu retten. Und die deswegen damit so eine gewisse Romantik verbunden haben und deswegen gesagt haben, ich sorge wirklich erstmal dafür, dass Frauen und Kinder an Bord der Boote kommen, bevor ich selbst mich versuche zu retten.
Johannes Franke: Es gibt noch eine zweite Theorie dazu, die sehr stark an sich anlehnt, aber die vor allem besagt, dass Die zweite Klasse, dass diese Leute sehr daran gewohnt waren, sich an Regeln zu halten. Und die haben sich zu großen Haufen in bestimmte Räumlichkeiten zurückgezogen, die ihnen von der Crew gesagt wurden. Nämlich hier warten, wir sagen euch Bescheid, wenn es für euch losgeht. Und dann haben die Männer sich da brav hingesetzt und haben gewartet. Und die Crew hat sie einfach vergessen, weil es tatsächlich einfach so chaotisch war da oben. dass keiner mehr so richtig in der Lage war, dann runter zu gehen und zu sagen, okay und jetzt ihr oder kommt raus, es wird zu gefährlich oder irgendwelche Anweisungen zu geben. Und sich die Leute tatsächlich einfach brav dahingesetzt haben und ersoffen sind.
Florian Bayer: Die anständigen Bürger. 80% Männer sind gestorben und 50% Kinder und 26% Frauen. Also 85% der Männer, 49% der Kinder, 26% der Frauen. Und wenn wir uns Frauen und Kinder anschauen, gibt es in der ersten und zweiten Klasse kaum Opfer und dafür aber sehr viele in der dritten Klasse. Und wenn wir uns die Männer anschauen, dritte Klasse viel, zweite Klasse extrem viel und Besatzung viel. Genau 78 Prozent der männlichen Besatzung sind gestorben, 84 Prozent der Männer der dritten Klasse sind gestorben, 92 Prozent der Männer. der zweiten Klasse und das sind damit die meisten, die gestorben sind. Von den 2.224 Passagieren, die an Bord waren, sind 1.514 gestorben, 710 haben überlebt. Unter anderem Bruce Ismay, der, wie wir schon gesagt haben, der das Schiff als sein Baby betrachtet hat und der der Geschäftsführer der White Star Line war, auf diesem Schiff als Passagier unterwegs. Und Bruce Ismay hat etwas ganz Schlimmes getan. Er hat sich einen Feind in Amerika gemacht.
Johannes Franke: He, hörs.
Florian Bayer: Randall First, unseren Lieblingsbösewicht Anfang des 20. Jahrhunderts, dargestellt in Citizen Kane. Der Randall First, der dafür gesorgt hat, dass Orson Welles keinen Oscar gekriegt hat und sein Film nicht beachtet wurde. Der Randall First, der gesagt hat, Charlie Chaplin ist ein unamerikanischer Kriegstreiber, der hat hier nichts verloren. Der Randall First, der damals sehr viele Medien in den USA kontrolliert hat. Und Randall First hatte einen Narren an Bruce Ismay gefressen. und hat von Anfang an in seinen großen amerikanischen Blättern nahezu eine Schmierkampagne gegen diesen armen Mann gemacht.
Johannes Franke: Wenn ihr vom Charakter jemanden sucht, der so ein bisschen Hearst ähnlich sein könnte. Es gibt in Amerika da so ein Vorbild, das man ruhig nehmen könnte. So sad. Wirklich, was der für Scheiße erzählt, Leute. Und was der auch für plumpe Sachen an den Kopf wirft. So richtig schlimme, miese Schlagzeilen-Ästhetik.
Florian Bayer: Es gibt eine ganz berühmte Karikatur in einem von Randall Firsts Blätter, wo ein Buch aufgeschlagen ist und da wird eingetragen, die Gestorbenen. Und da werden dann Namen eingetragen von berühmten Passagieren, die gestorben sind, wie Guckenheim und zum Beispiel der Kapitän. Und daneben ist eine Seite mit The Saved. Und da steht also die Überlebenden, die Geretteten. Und da steht dann nur... Bruce Ismay. Bruce Ismay war einer von denen, die zum Bösewicht erklärt wurden in dieser Geschichte. Der zweite, das hat andere Gründe, war der Kapitän, unser Herr Smith. Aber warum?
Johannes Franke: Beim Kapitän verstehe ich es nicht.
Florian Bayer: Weil die White Star einen Schuldigen gebraucht hat. Wenn die gesagt hat, es war der Kapitän, der so komplett reckless auf das Meer, in das Eisbergfeld gesteuert hat, das Schiff viel zu schnell gesteuert hat, dann ist es menschliches Versagen von einer Person, und es ist kein strukturelles Problem. Die White Star Line hat von Anfang an versucht, Captain Smith als den Schuldigen zu framen, einfach um sich zu schützen vor Entschädigungsforderungen, die es natürlich gab. Es gab Prozesse dazu, es gab Anhörungen und so weiter. Und die White Star Line, der war es halt wichtig, okay, wir brauchen Schuldigen. Sehr von Vorteil, dass Captain Smith mit dem Schiff untergegangen ist und dementsprechend wurde der zum Bösewicht erklärt. Das sind unsere zwei Bösewichte, die sich irgendwie im Laufe der Geschichte entwickelt haben und deren Status als Bösewicht hat sich auch durch die Verarbeitung der Titanic bis zu unserem jetzigen Film getragen, also vor allem was Bruce Ismay betrifft. Wenn wir uns andere Titanic-Filme anschauen, also zum Beispiel aus dem Jahr 1943, der auch Titanic hieß, das war der Nazi-Film, da... werden ganz klar diese gierigen Typen, die immer mehr wollen, als die Bösewichte dargestellt. Und ich denke immer so ein bisschen, ihr habt einen Bösewicht, ihr habt einen Eisberg. Ihr braucht keinen menschlichen Bösewicht. Oder meinetwegen, ihr habt eine Struktur, ihr habt eine Gesellschaft, ihr habt einen Größenwahn in einem System. Ihr braucht keine einzelne Person. Das Ding wird nicht weniger tragisch, wenn es sehr viele Rädchen sind, die in diesem Getriebe an diesem Unglück teilhaben. Ja,
Johannes Franke: also überhaupt. Und ich glaube, dass es tatsächlich in dieser ganzen Geschichte nicht einen einzigen Bösewicht braucht, außer diesem blöden Eisberg, der ist halt da. Weil, was sollst du machen? Du hast alles richtig gemacht. Eigentlich hat die Titanic, was die Bauweise und so betrifft, alles richtig gemacht. Und was der Film da sagt, ja hier, fahr schneller, ist ja auch völliger Quatsch. Das stimmt ja alles nicht. Also wir können es nicht 100% nachvollziehen.
Florian Bayer: Die ist schnell gefahren, aber sie hat auch damals zum Standard schnell durch Eisbergfelder zu fahren.
Johannes Franke: Ja, also insofern, es war nicht so dieses, wir müssen aber zwei Tage früher ankommen, damit wir irgendwie, das ist halt diese Kapitalismuskritik, die er da noch einbringen wollte,
Florian Bayer: die ich sehr zu schätzen weiß,
Johannes Franke: aber die einfach diesen Menschen nicht gerecht wird.
Florian Bayer: Es gab eine Zeugin, die gesagt hat, sie hat ein Gespräch zwischen Bruce Ismay und dem Kapitän überhört.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da hat Bruce Ismay zu ihm gesagt, wäre das nicht geil? Wenn wir zwei Tage vorher da wären. Und dann gibt es unterschiedliche Interpretationen für dieses Gespräch. Und eine Interpretation, die Ismay entlastet, ist, dass es einfach nur darum ging, dass er zum Kapitän gesagt hat, ey, wir sind wirklich schnell. Und das waren sie damals. Super. Sieht doch alles toll aus. Dass da Druck ausgeübt wurde, fällt eher in den Bereich der Legenden. Und wir wissen es nicht zu 100 Prozent an. Und plus Ismay in Schutz zu nehmen, sehr viel von dem, wie wir ihn heute wahrnehmen, liegt an Titanic von Cameron. Aber auch an dieser Schmutzkampagne, die von Randolph Hearst gemacht wurde. Das war ein mächtiger Mensch und der hat einfach die öffentliche Meinung gesteuert.
Johannes Franke: Cameron ist halt auf Hearst entweder reingefallen oder hat sich einfach gedacht, ja ist doch super, ich brauche die Figur für dramatischen Effekt.
Florian Bayer: Ja, Cameron ist vor allem auf diesen Mythos reingefallen, der sich wie gesagt durch alle Titanic-Filme und alle Titanic-Mythen und Geschichten und Erzählungen gezogen hat.
Johannes Franke: Was ich noch ein bisschen schäbig finde, ist, dass er ihn dann auch noch frühzeitig in ein Boot hinein, sich hinein stehlen lässt. Und das Ganze so framed wie der Feigling haut, verlässt das sinkende Schiff und so. Wo ich sofort beim Gucken gesagt habe, nee, Alter, da sinkt ein Schiff. Natürlich willst du dich retten und ich will niemanden verurteilen, weil er aus Angst vielleicht ein bisschen voreiliger handelt oder ein bisschen schneller ist oder sowas. Er hat ja niemanden weggeboxt dafür oder so. Und es stimmt ja nicht mal.
Florian Bayer: Es gibt ein paar Aussagen, die ziemlich eindeutig in die Richtung gehen. Bruce Ismay war da. Board obendrauf und hat extrem viel geholfen, die Boote zu verladen. Und er ist in das Boot gestiegen, wo noch Platz war, weil keiner mehr da war, um reinzugehen.
Johannes Franke: Das war das Boot C, das Faltboot, das was extra nochmal aufgefaltet wurde, um dann die restlichen Leute reinzugehen.
Florian Bayer: Er hat ganz vielen Leuten geholfen. Er stand einfach auf einem leeren Schiff in dem Moment. Weil die Boote waren an verschiedenen Orten. Je nachdem an welchem Ort du warst, umso mehr Glück hattest du. Wie gesagt, warst du als Mann auf der falschen Seite, bist du nicht in ein Boot reingekommen. Da war keiner mehr. Er ist eingestiegen. Ich finde, man kann diesem Mann keinen Vorwurf machen.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht. Nein. Genauso wie Captain Iglo. Also das ist ja... Sorry, aber im Film sieht er aus wie Captain Iglo, oder?
Florian Bayer: Ja, voll. Aber er sah wirklich so aus. Es gibt Fotos von diesem... Nein Es gibt Fotos von Edward Smith. Und Edward Smith sah aus wie Captain Iglo. Er kann nichts dafür, der Mann. Er sieht aus wie ein Seebär mit weißem Rauschebart. Geil. Es wird ja... Ich glaube, Al Pacino hätte das da... spielen sollen zwischendurch. Oh ja, das wäre völlig anders geworden. Wer was hätte spielen sollen, dazu müssen wir auf jeden Fall noch kommen. Die Titanic wurde zum Mythos, es wurden Filme gedreht, es wurden Bücher geschrieben. Die Titanic wurde nicht entdeckt.
Johannes Franke: Ganz, ganz lange nicht.
Florian Bayer: 1985 Das ist krass,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: So lange hat es gedauert, bis eine U-Boot-Expedition, sie haben eigentlich was anderes gemacht. Sie waren gar nicht auf der Suche nach der Titanic.
Johannes Franke: Genau, sie hatten irgendeine Aufgabe, die sie sehr schnell erledigt haben. Und dann hatten sie noch zwölf Tage Zeit, glaube ich. Also es war extrem lang noch Zeit und dachten sich, ja gut, wenn wir schon hier sind, wir wissen hier irgendwo muss die Titanic sein und haben sie danach gesucht.
Florian Bayer: Und dann sind sie da rumgefahren und dann haben sie sie entdeckt und dann haben sie das Frag entdeckt und dann gab es Fahrten zum Frag der Titanic. Und jetzt kommen wir zu unserem großen Protagonisten für diesen Film, nämlich James Cameron, der von Anfang an, als diese Entdeckung gemacht wurde und durch die Presse ging, total fasziniert war von diesem Film. Thema von dieser Geschichte und der sich irgendwann gedacht hat, ich will auch darunter.
Johannes Franke: Ja, der will vor allem, ich weiß nicht, was der für ein Ding mit Wasser hat, aber er scheint echt eine romantische Beziehung zum Meer zu haben.
Florian Bayer: Hast du die Abyss gesehen?
Johannes Franke: Nee, hab ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Das ist ein wirklich guter Film auch. Das ist halt so ein 80er, End-80er, Anfang-90er Actionfilm. Wenn dir Terminator 2 Spaß gemacht hat, ich meine mich zu erinnern, dass der dir recht viel Spaß gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, der war schon ganz gut.
Florian Bayer: Dann wirst du den auch zu schätzen wissen. Cameron hatte eine Faszination fürs Wasser und Cameron hatte total Tschüss. Bock, zu diesem Schiff runterzufahren.
Johannes Franke: Man muss dazu sagen, eigentlich, wenn man das wirklich runterbricht, James Cameron Hat Titanic nur gedreht, damit er da runter kann?
Florian Bayer: Wahrscheinlich ja. Cameron hat Anfang der 90er Jahre, es wurde so ein IMAX-Film gedreht, Titanic 1992, hat er angefangen beim Studio rumzubuhlen, um Gelder, um da runterzutauchen.
Johannes Franke: Genau. Und dann hat sich das aber auch ausgewachsen. Ich meine, er macht jetzt den Film Titanic und so weiter. Aber wahnsinnig viel Sea Exploration, so Leute, die wirklich fit sind in der Richtung, Crediten James Cameron für ganz, ganz viel Aufmerksamkeit und viele Entdeckungen, die gemacht wurden, weil er so viel da reingesteckt hat, so viel Energie da reingesteckt hat, so viel Aufmerksamkeit darauf gelenkt hat, dass vieles nur möglich wurde, weil James Cameron gesagt hat, mach das, das ist wichtig und ich will dabei sein und ich will das machen und ihr sollt das machen, damit ich das weiß.
Florian Bayer: Er war in dem Moment wirklich ein Forscher. Er war im U-Boot unterwegs, er hat Bilder aufgenommen von der Titanic, die er dann später auch im Film benutzt hat. Und der hat das Ding gepitcht für 20th Century Fox als Romeo und Julia auf der Titanic. Und 20th Century Fox hat gesagt, ja, okay, der Cameron kann Actionfilme. Der hat wirklich große Actionblockbuster gemacht. Liebesfilm? Naja, okay, aber wir wollen den Cameron halten. Der macht erfolgreiche Filme, der macht gute Actionfilme. Und diese ganzen Desasterflix laufen gerade. Ja, wir machen das.
Johannes Franke: Betonung liegt auf, wir wollen den behalten. Weil sonst macht er nicht mehr mit uns die Filme. Und dann hat...
Florian Bayer: hat Cameron zu Fox gesagt, ey Leute, also zwei Möglichkeiten. Entweder wir geben jetzt Millionen an Dollarn aus, um diese Computersimulation zu machen, oder ihr lasst mich da mal runterfahren.
Johannes Franke: Haben sie natürlich runterfahren lassen. Aber jeder Tauchgang war arschteuer. 25.000 Euro oder Dollar oder sowas, ich weiß ja nicht ganz genau.
Florian Bayer: Er ist zwölfmal runtergefahren, 1995 war das. Und das ist wirklich, wirklich, wirklich tief. Und das ist riskant. Und Cameron ist halt... kein ausgebildeter, er ist ein Laie. Und das ist riskant, da ist Druck, da sind wirklich Schwierigkeiten, damit muss der menschliche Körper umgehen, das muss man irgendwie, das muss man hinkriegen. Also Kudos auf jeden Fall schon.
Johannes Franke: Und dann hat er Kameras bauen lassen. Sein Bruder hat, glaube ich, ingenieursmäßig so Cages für Kameras gebaut, damit das da unten überhaupt möglich ist, das so in der Form zu drehen. Das war ja damals gar nicht, also dann hat man irgendwie so mit Billigkameras irgendwie Kameraaufnahmen gemacht, aber der wollte ja für Kino Bilder sammeln und das irgendwie hinzukriegen, so weit unten. Das ist Wahnsinn, ein absoluter Wahnsinn, das zu tun überhaupt. Ich glaube, sein Bruder hat das gemacht, der war Ingenieur.
Florian Bayer: Auf jeden Fall sind sie runtergefahren und Cameron hat dann, nachdem sie diese Unterwasseraufnahmen gemacht waren, hat er angefangen, das Drehbuch zu schreiben und er hat unglaublich viel recherchiert für diesen Film. Und wir werden zu Ungenauigkeiten kommen. Er hat gerne bei diesem Film über Ungenauigkeiten gelästert. Das liegt aber auch, glaube ich, daran, dass dieser Film sich selbst auferlegt hat, so akribisch zu sein. Und Cameron war wirklich akribisch. Cameron hat auch Sachen über die Titanic herausgefunden während der Vorbereitung, während des Drehs, die so noch nicht bekannt waren. Er hat Wissen, das es gab und in der Wissenschaft populär gemacht, das es vorher nicht so gab bei Menschen. Weil viele hatten halt so eine romantisierte, falsche Vorstellung von dem Unglück. Und er hat wirklich, er hat versucht, die Ereignisse so detailliert wie möglich aufzuschreiben. Er hat geguckt, wer ist da alles mitgefahren, was waren das für Leute, wie waren diese Leute angezogen.
Johannes Franke: So viele Interviews mit Leuten, die überlebt haben, mit Leuten, die nachkommen sind von Leuten, die überlebt haben. So viele Requisiten angeschaut, also Requisiten vom Schiff-Original und so.
Florian Bayer: Er hat sich Pläne geben lassen von denen, die das Schiff gebaut haben. Und dann haben sie ja... Die haben dann ja wirklich das Schiff nachgebaut. Jetzt sind wir in der Vorproduktion und jetzt beginnt alles zu eskalieren. Sie haben das Schiff nachgebaut anhand von diesen Plänen und haben dann nochmal drauf geguckt und festgestellt, ah, da gab es Probleme, ah, so, deswegen funktioniert das nicht so gut.
Johannes Franke: Das Ding ist 10% kleiner als die Original-Titanic. Nur 10%. Und das ist so ein Mittelstück, glaube ich, das irgendwo fehlt. So ein Verbindungsstück, was ich nicht gebraucht habe.
Florian Bayer: Der größte Outdoor-Tank in der Filmgeschichte. Und den größten Indoor-Tank haben sie nachher auch noch gebaut für die Insets. Sie haben diesen Tank gebaut in Mexiko und haben da das Schiff komplett reingestellt, aber nur die eine Seite des Schiffes. Und die anderen, weil ich meine, sie haben wie gesagt 10% kleiner, aber natürlich nur die eine Seite, weil die Kosten sowieso schon viel zu absurd wurden. Und dann hatten sie natürlich Bug und Heck platziert, so dass sie Richtung Ozean filmen können. Das Ding ist, es gab Szenen, wo das andersrum stehen musste. Und zwar famously die Eröffnungssequenz. Wenn das Ding im Hafen steht, da stand das andersrum als das, was sie gebaut hatten.
Johannes Franke: Und das ist doch so egal. Leute, warum ist das nicht? Es ist so wurscht. Aber natürlich, Cameron musste dann irgendwie sich was überlegen und hat das komplette Set, alle Requisiten, spiegelverkehrt eingerichtet, damit er das am Ende... drehen kann das Bild, damit es wieder stimmt.
Florian Bayer: Wie bescheuert, meine Fresse. Also, stellt euch das vor. Hafenszene, große Panoramaaufnahme, das Schiff steht da und Cameron... Sieht, wir müssen das nachher spiegeln, weil das falsch da steht. Was müssen wir alles machen? Das ist ein Sausfemden in Irland, England. Autos. Sie haben amerikanische Autos dahingestellt. Ist natürlich klar, weil der Fahrer muss ja links sitzen, damit es im gespiegelten englische Autos sind. Sie haben die Schriften auf den Gebäuden und auf den Autos alle spiegelverkehrt draufgeschrieben. Sie haben Schönheitsflecken von Schauspielern auf die andere Seite gemalt. Sie hatten Westen mit Knöpfen, wo die Knöpfe auf den anderen Seiten sitzen. Was für eine fucking Geldverbrennen-Maschine. Ich bin so großartig. Das ist total wahnsinnig. Dieser Typ ist irre. Absolut irre. Kate Winslet hat gesagt, das war so nervig. Es war immer so die Frage, wie muss ich jetzt den Schirm halten? Wie muss ich jetzt im Arm? Die hatten extra Berater, die drauf geguckt haben. In welche Richtung muss ich gucken? Welche Hand ist jetzt meine rechte Hand? Welche Hand muss ich nehmen, um das zu tun, damit meine rechte Hand, das tut nun nicht meine linke, Tut... Total wahnsinnig für diese Szene am Anfang, wo wir halt das große Schiff sehen. Nicht nur der größte Outdoor-Tank, auch der größte Indoor-Tank. Sie haben die Innenausstattung von verschiedenen Räumen in einen Tank gestellt, und zwar natürlich der Tank mit Hydraulik darunter, damit sie diese Neigungen machen können. Und haben das dann ausgestattet mit den Teppichen, mit dem Original-Teppichmuster von damals.
Johannes Franke: Also sie haben die Firma. die das für die Titanic gemacht hat damals und haben die wieder beauftragt und haben gesagt, habt ihr noch Infos darüber? Wir haben folgende Infos. Macht das so originalgetreu wie möglich. Das heißt, das ganze Projekt ist sowieso teurer gewesen als die Titanic selbst. Muss man sagen. Die Titanic, ich weiß nicht genau, 100 Millionen oder sowas hat die gekostet. Ich weiß es nicht ganz genau. Aber jedenfalls, der Film war viel, viel teurer als die Titanic selbst. Und das liegt auch daran, dass sie einfach... mal alles originalgetreu gemacht haben, bis hin zum Kaviar, der serviert wird bei der Szene, wo sie Kaviar essen. Und man, der eine Schauspieler, als er den Kaviar gesehen hat und probiert hat, hat er gesagt, übrigens, meine Figur isst sehr viel. Und hat dann die Szene so gespielt, dass er möglichst viel davon essen kann. Hat einfach gesagt, das gehört jetzt zu meiner, es ist Method Acting, das gehört jetzt dazu. Weil die echt original diesen Kaviar gegessen haben, der arschteuer ist.
Florian Bayer: Ja, das ganze Porzellan, das sie da hatten, die ganzen Gläser und Teller. Und dann hatten sie das natürlich, um das irgendwann zu tirten und unter Wasser zu setzen. Das heißt, das ist alles für Schrott gewesen. Das ist nicht so,
Johannes Franke: dass da irgendwie dann ein Museum draus geworden ist. Naja, es ist ein Museum draus geworden. Aber aus großen Teilen davon, wo konnte kein Museum mehr werden, weil das alles zu Schrott geworden ist.
Florian Bayer: Es gibt zehn von den Dreharbeiten. wo sie das Ding wieder gerade machen und dann haben wir die Leute, die da durchgehen mit ihren Schruppern, um das Wasser wegzuschruppern, damit sie die nächste Szene aufnehmen können. Weil natürlich jedes Mal, wenn du das Ding unter Wasser setzt und Teller runterfallen lässt und so weiter, muss das dafür wieder aufgeräumt werden, wenn die Szene wiederholt wird. Sprich, irgendjemand läuft da rum, macht sauber, stellt die Teller wieder auf die Tische, macht alles vernünftig, damit es wieder so aussieht, als ob es noch nicht so geknickt wäre.
Johannes Franke: Bei Kosten, die mehrere Millionen Euro für Kostüme. Unter anderem dieses sauteure Kostüm, das Kate Winslet trägt, das wahnsinnig viel Geld gekostet hat. Das haben sie siebenmal da gehabt, weil jedes Mal, wenn die im Wasser gelegen hat, im Salzwasser, weil sie haben tatsächlich den Ozean angezapft, um diesen großen Tank füllen zu können. Es war aschkalt. Natürlich. Gerade so warm genug, dass man nicht sofort tot war. Also wie zum Beispiel die Leute, die aus der Titanic gekommen sind, die haben ja irgendwie so 20 Minuten Lebenserwartung gehabt. habt im kalten Wasser. Und die haben es gerade so geschafft, das warm genug zu haben, dass Kate Winslet nicht erfroren ist. Aber ihr Kleid ist sofort angegriffen worden von dem Salzwasser. Das heißt, die konnten das nicht lang genug verwenden, um die Szene im Kasten zu haben. Das heißt, sie hat immer wieder ein neues Kleid angezogen. Total krass. Und es ist, ich sage dir, Geld verbrennen auf hohem Niveau. Wahnsinn.
Florian Bayer: Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube, oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung,
Johannes Franke: glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr?
Florian Bayer: Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes
Florian Bayer: Und wir sind hier immer noch, wie gesagt, wir sind in der Vorproduktion. Kostüme, Tank bauen und so weiter. Und während dieser Vorproduktion wurden dann die beiden Hauptdarsteller gecastet, nämlich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet.
Johannes Franke: Ja, was ja nicht selbstverständlich war, dass die das werden.
Florian Bayer: Cameron hat sich einen Typen vorgestellt, der so ein bisschen so wie James Stewart oder Gregory Peck ist. Einen eleganten, jungen Mann, der charmant ist. Und Leo hat gesagt, ich bin Charakterdarsteller. So einen Scheiß spiele ich nicht. Ja, ich glaube,
Johannes Franke: er hat ihn damit rumgekriegt zu sagen, Alter, du hast sonst immer irgendeine Behinderung oder sonst irgendwas, eine Besonderheit in der Figur, an der du dich festhalten kannst. Hier hast du mal einfach nichts. Und das ist die größte Herausforderung, die du je haben wirst.
Florian Bayer: DiCaprio hat offensichtlich gesagt, oh, ja, du hast da einen Punkt. Es gibt eine berühmte Erzählung vom Casting noch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und DiCaprio, wie gesagt, war damals schon ein großer anerkannter Schauspieler, kommt zum Casting und Cameron sagt, Kate Winslet ist auch da, Cameron sagt, wir lesen jetzt. Und DiCaprio sagt, arschoffen, ich lese doch nicht, ich kann das. Und Cameron sagt zu ihm, na dann, tschüss. Und DiCaprio ist so ziemlich opposed und sagt, ich hab keinen Bock, fängt an Quatsch zu machen, wie ein kleines Kind. der war damals auch Anfang 20, macht Albernheiten, kümmert sich um nichts und Cameron denkt schon, oh Gott, was für ein Scheiß, was hab ich mir da aufgehalst? Und macht die ganze Zeit diesen Quatsch, nimmt das Buch zum Lesen und legt los und komplett umgestellt. Und er ist drin in dieser Rolle und ist absolut Jack. Und das hat Cameron offensichtlich so nachhaltig beeindruckt. Daneben, dass Kate Winslet ihm ins Ohr geflüstert hat. Wenn du mich nicht nimmst, ihn nimmst du aber. Dass er gesagt hat, okay, Leonardo ist mein Jack. Bei Kate Winslet war er noch weniger überzeugt am Anfang.
Johannes Franke: Ja, also Kate Winslet war ja das Problem, dass die vorher als Corset Kate bekannt war. Also diejenige, die standardmäßig im Corset ist, wenn sie in Filmen auftritt. Sie hat historische Filme gedreht. Sie hat historische Filme gedreht. Und James Cameron hatte Angst, dass man ihm sagt, ja, das ist das lahmste Casting, was du je machen kannst. Weil du machst was Historisches, also nimmst du Kate Winslet. Was soll das?
Florian Bayer: Er hat sich einen Typ, Audrey Hep... Hepburn vorgestellt für diese Rolle. Und Kate Winslet ist eine wunderschöne Frau, aber sie ist keine Audrey Hepburn vom Aussehen.
Johannes Franke: Gregory Peck und Audrey Hepburn. Was hat sich dieser Typ vorgestellt? Was er macht?
Florian Bayer: Er hat diesen 50er Jahre Titanic-Film gesehen. Das ist alles. Er war voll in diese 50er Jahre Ästhetik verliebt und hat deswegen unter anderem an Gwyneth Paltrow oder Winona Ryder gedacht oder Claire Danes. Und klar, wenn du einen Hepburn-Typ haben willst, dann sind die es. Und Kate Winslet war aber so, ich will diese scheiß Rolle. Und Kate Winslet hat angefangen, Cameron zu bedrängen. Sie hat ihm eine Rose geschickt und hat gesagt, von deiner Rose. Sie hat ihn wirklich hart gestalkt. Sie wollte diese Rolle. Ja,
Johannes Franke: sie wollte die unbedingt. Gwyneth Paltrow und Madonna und Claire Danes waren ja wirklich auch auf der Liste. Also Madonna sogar.
Florian Bayer: Also Claire Danes könnte ich mir gut vorstellen, aber es wäre natürlich sehr lame gewesen, Claire Danes mit Leonardo DiCaprio wieder zusammenzubringen nach Romeo und Julia. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Kate Winslet und Leonardo DiCaprio sollten bei diesem Dreh richtig gute Freunde werden, die noch jahrelang danach immer noch bis zum heutigen Tag extrem gut miteinander befreundet sind und sich regelmäßig treffen. Kate Winslet und James Cameron nicht. Kate Winslet hat nach diesem Film gesagt, nie wieder, es sei denn extrem viel Geld. Oh Mann, Und offensichtlich hat Cameron vor ein, zwei Jahren genug Geld in die Hand genommen. Sie hat nämlich in einem seiner Avatar-Filme mitgespielt.
Johannes Franke: Das krasse ist aber, dass viele Crew-Mitglieder Vielen Dank. nach dem Film gesagt haben oder nach jedem Film von ihm gesagt haben, nie wieder. Und dann so ein paar Jahre haben verschreichen lassen und dann tatsächlich wieder dabei waren auch. Also weil er einfach auch tatsächlich gute Filme macht. Irgendwie will man da ja doch dabei sein. Man ist halt bloß danach so extrem exhausted und so am Ende mit den Nerven und auch so erniedrigt von James Cameron. Das musst du erstmal verarbeiten ein paar Jahre und dann kannst du wieder loslegen.
Florian Bayer: Ich glaube, es gibt so verschiedene Sachen. anstrengend sind an Cameron. Das eine ist, er ist ein extremer Control-Free. Das heißt, er will alles irgendwie in der Hand haben und er ist bekanntermaßen öfter mit Kameramännern auch in diesem Film aneinandergerasselt, weil Cameron war jemand, der dann die Kamera einfach genommen hat. Cameron war jemand, der das Licht gepackt hat und gesagt hat, nee, das muss so stehen. Cameron hat offensichtlich irgendwann mal den Eisberg kaputt gehauen, weil das niemand sonst gemacht hat und hat wild mit der Axt rumgeschwungen. Und das ist natürlich voll anstrengend, wenn du Wollt ihr? Techniker bist, der seine eigene Vision davon hat, wie das Bild aufgebaut sein muss.
Johannes Franke: Es geht nicht nur um Licht und Kamera. Der hat den Make-up-Leuten das Make-up aus der Hand gerissen und hat es selbst gemacht, weil er nicht zufrieden war. Und hat die Leute dabei angebrüllt. Der hat das in jedem Department gemacht. Kostüm, Props, Make-up, alles. Wenn er in der Lage gewesen wäre, dann hätte er es auch selbst gespielt, glaube ich. Ja. Es ist wirklich krass. Und das Problem ist, leider kann er das auch noch. Ja, weil es sieht ja tatsächlich gut aus, wenn er das Make-up in der Hand hatte. Und das ist das Problematische daran. Er hat jede Berechtigung, die Leute zur Sau zu machen, weil er es eben selber hinkriegt. Und das ist eigentlich scheiße, weil ich will nicht, dass der jeden zur Sau macht. Die Leute haben keine gute Zeit an seinem Set. Nee,
Florian Bayer: absolut. Cameron ist halt bekannt für seine Detailverliebtheit. Und Cameron kann extrem... erbost reagieren, wenn er das Gefühl hat, dass jemand anderes nicht diesen Perfektionismus mitbringt. Und Cameron ist so einer, der sagt, dann mache ich den Scheiß eben selbst und dann seiner Meinung nach unfähigen Kameramann oder die unfähige Beleuchterin zur Seite schubst, um das Ding selbst in die Hand zu nehmen. Und das ist einfach mal extrem einschüchternd. Und das ist extrem unangenehm, weil Cameron war ein mächtiger Mann. Cameron war der, der war halt der Regisseur und das war ein anerkannter Regisseur. Und Und dann ist es extrem schwer, damit umzugehen, wenn du weißt, der hat dieses Temperament. Du weißt, der kann jeden Moment ausrasten und er sagt dir, wie du es machen sollst und macht es komplett anders, als du es dir vorgestellt hast.
Johannes Franke: Und dann traust du dich auch nicht als Schauspieler, wenn du in einem riesigen Becken bist, über mehrere Stunden zu sagen, Leute, ich muss mal auf Toilette. Der hat tatsächlich gesagt, hat er später gesagt, nein, habe ich nie gesagt, aber Kate Winslet schwört darauf, dass er gesagt hat, wer... aus dem Wasser geht und auf Toilette geht, ist gefeuert. Und das betrifft natürlich am ehesten Crew, aber die Schauspieler haben das auch zu Herzen genommen, weil die Schauspieler mal auszutauschen, das geht natürlich auch nicht, das hätte er sich nicht leisten können. Aber die sind abwechselnd ein Stückchen weiter geschwommen, haben dort ins Wasser gemacht und sind wieder zurückgekommen. Jeder in der Crew, der im Wasser war, hat dort Pipi gemacht. Weil sie alle Angst vor diesem Regisseur hatten. Und natürlich auch, muss man auch dazu sagen, weil es einfach fucking lange dauert, um das wieder herzustellen. Du bist dann da, das ist alles eingerichtet und wenn du aus diesen Neoprenanzügen raus musst, wenn diese ganzen Aufwände dir betrieben werden, um dich an diese Stelle, richtige Stelle zu bringen, herausforderst du dich, das nochmal zu machen. Das dauert einfach und es nimmt Zeit weg. Und verstehe ich auch. Aber trotzdem, das kannst du nicht so. So ein Regime ist echt hart.
Florian Bayer: Die berühmte Szene, wenn Leonardo DiCaprio und Kate Winslet auf dem Deck stehen. Stimmt. Auch ein großer Beweis für diese Detailverliebtheit von Cameron. Es gab so eine Konstruktion dafür, wo sie draufgehen. Und dann haben sie draußen gedreht und dann hat Cameron gesagt, jetzt ist der perfekte Himmel. Und jetzt muss alles ganz schnell gehen. Er hat Kate Winslet und Leonardo DiCaprio dahin geschubst. Hat ihnen gesagt, so hat die Kamera noch schnell positioniert. Hat gesagt, du musst jetzt draufhalten. Und es war natürlich eine Katastrophe im ersten Shot. Und er hat gesagt, Leute, wir haben dieses Licht vielleicht für drei Minuten. Die Szene muss jetzt klappen. Und die erste Aufnahme komplett Katastrophe, weil es unscharf war. Weil es einfach zu schnell ging.
Johannes Franke: Das, was im Film ist, ist auch ein bisschen unscharf.
Florian Bayer: Das ist die zweite. Und die zweite ist am Anfang kurz unscharf. Und dann wird es scharf. Dann hat es der Kameramann hingekriegt, die Schärfe richtig einzustellen. Und dann haben sie diese Szene geschafft. Aber ein guter Beweis dafür, wie perfektionistisch Cameron war. Weil es war genau dieser eine Moment. Und den zu verpassen. wäre ein Albtraum gewesen und den mussten sie jetzt treffen. Wäre für ihn ein Albtraum gewesen.
Johannes Franke: Das muss man dazu sagen. Der Film hätte vielleicht nicht unbedingt so stark verloren, wenn der Sonnenuntergang nicht ganz so perfekt gewesen wäre. Es ist schon, also das wage ich zu bezweifeln, dass das alles... Natürlich in der Summe gibt es so ein i-Tüpfelchen, aber eigentlich...
Florian Bayer: Nee, ich glaube, man merkt es nicht im Einzelnen, aber ich glaube, man merkt Kunst, ganz generell merkt man Perfektionismus an.
Johannes Franke: Wenn man das Gefühl hat,
Florian Bayer: dass ein Autor 200 Mal über die Seite gelesen hat. Wenn man das Gefühl hat, dass eine Malerin... noch zum 100. Tag nochmal drangegangen ist, um nur ein paar Punkte zu setzen. Man sieht diese drei Punkte, die sie da gesetzt hat, aber man spürt, dass da ein Perfektionismus dahinter ist, der das Endergebnis abhebt.
Johannes Franke: Und ich möchte es auch jedes Mal verteidigen, wenn es darum geht, dass jemand sich selbst ausbeutet oder selbst eben diesen massiven Perfektionismus nach vorne treibt. Aber sobald du andere Menschen damit so hart reinziehst, dass die die schlechteste Zeit ihres Lebens haben, dann sage ich, ach komm.
Florian Bayer: Wir reden so viel über die Ethik von Hollywood-Produktionen und da gibt es natürlich auch viel zu reden. Ich versuche es immer ein bisschen zu trennen. Aber ja, natürlich, du bist, sei kein Arschloch. Cameron hat versagt auf einer grundmenschlichen Ebene, das einfache Gesetz sei kein Arschloch. Da hat Cameron komplett versagt. Und natürlich, da ist einiges schief gegangen und so weiter. Ändert aber halt nichts daran, was dann als Kunstwerk am Schluss darstellt, wo ich sage. Das ist schon krass, diesen Perfektionismus zu sehen und auch diesen Perfektionismus in einer Hollywood-Produktion zu sehen. In so einer Hollywood-Produktion zu sehen, das kommt sehr selten vor.
Johannes Franke: Ja, wenn wir im Perfektionismus ringen, dann müssen wir uns vielleicht auch mit dem CGI kurz auseinandersetzen. Weil, also für die Zeit war das bestimmt ganz toll und perfekt. Aber wenn du dir die Sims anschaust, die übers Deck laufen.
Florian Bayer: Ja, das ist tatsächlich... Aber das ist, ganz ehrlich, das ist der einzige Moment, wo ich wirklich Probleme mit dem CGI habe. Wenn sie diese computeranimierten Leute übers Deck laufen haben. Und selbst da denke ich, du hast mal was sehr Weises gesagt. Wenn mir der Film als Ganzes... Moment,
Johannes Franke: ich habe einmal was Weises gesagt. Einmal in deinem Leben hast du was Weises gesagt.
Florian Bayer: Das möchte ich jetzt zitieren. Und du darfst mich nicht unterbrechen, wenn ich deine eine große Weisheit zitiere. Du hast mal gesagt, wenn der Film als Ganzes mir schafft, das Szenario zu verkaufen, dann kann ich auch über etwas schlechtere... Tricks hinwegsehen. Ja, genau. Zum älteren Film hast du das gesagt, aber das gilt für mich bei diesem Film auch. Ja. Die Personen, die wirklich State-of-the-Art Computertechnik damals, sie haben Leute, sie haben Motion Capturing gemacht. Sie haben die Bewegungen von Leuten genommen, um die dann auf ein Modell drauf zu flanschen. Als Computeranimation. Und dann haben wir halt dieses Panorama, diese Fahrt, diese Helikopterfahrt quasi über Modellschiff und dann haben wir Menschen, die sich auf dem Schiff bewegen. Man sieht, dass das animiert ist. Man hat einen Ancani-Wally-Moment. Bei anderen Tricks, denke ich, und zwar bei den meisten Computerspecial Effects, Cameron hat viel CGI auch benutzt in diesem Film, denke ich, nachdem ich in verschiedenen Dokus gesehen habe, wie er es gemacht hat, ist es mir nicht aufgefallen.
Johannes Franke: Nein, wirklich nicht.
Florian Bayer: 90er Jahre CGI?
Johannes Franke: Aber das liegt daran, dass er eben so schlau war, sich bei Menschen auf eine Totale zu beschränken. Und eben tatsächlich, wenn es um Nahaufnahmen geht und so, versucht hat, so viel wie möglich practical zu sein. Und dann gibt es so ein paar Fahrten und so ein paar Sachen, wo man sagt, okay, das muss jetzt aber am Computer sein, aber das ist Metall, das sind mechanische Sachen, das sind so Sachen, wo man sagt, ja, okay. Vielleicht fehlt da ein bisschen Rost oder sowas im Detail, aber das war es auch.
Florian Bayer: Einer von den Set-Designern, glaube ich, oder von den Special Effects meinte, er hat mit Cameron geredet und ihn gefragt, warum er so viele verschiedene Sachen macht. Weil Cameron hat CGI gemacht, Cameron hat mit Mechatronics gearbeitet, Cameron hat mit wirklich ganz klassischen Practical Effects gearbeitet. Und seine Antwort war wohl, du machst den gleichen Trick nicht zweimal. Dann fällt er nämlich auf, dann merkt das Publikum den.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Das ist auch für jeden Zauberer genau das richtige Stichwort.
Florian Bayer: Und es ist ja auch wirklich so ein bisschen Zauberei, was hier gemacht wird. Also er hat verschiedenste Dinge ausprobiert. Sie haben auch zum Beispiel diesen, das finde ich total geil, wie sie diesen Maschinenraum gemacht haben.
Johannes Franke: Großartig.
Florian Bayer: Sie haben eine ganz kleine Maschine gehabt und sind da mit der Kamera rein, um dann nachher auch mit CGI, mit Computereffekten die Leute da reinzusetzen auf Brücken, die sie davor gefilmt hatten. Und es funktioniert. Du siehst diese großen Maschinen. stellst dir nicht vor, dass das ein kleines Uhrwerk ist, sondern du siehst da wirklich so große Dampfhammer.
Johannes Franke: Ja, genau. Ist auch sehr gut gemacht. Also natürlich beim Film, wenn man das so ein bisschen kennt, wenn man die Geschichte von CGI im Kopf hat, weil man das miterlebt hat und die Entwicklung so ein bisschen und dann so quasi ein Auge dafür bekommt, dann sieht man das vielleicht an der Stelle auch so ein bisschen, weil man denkt, wo kann diese Person denn da überhaupt stehen? Das stimmt ja nicht ganz. Aber das... Da musst du wirklich genau hingucken und darüber nachdenken und dann folgst du dem Film schon nicht mehr. Dann hast du den Film nicht wirklich gesehen.
Florian Bayer: Also wir befinden uns hier im Größenwahn. In kompletten Größen waren. Und das Studio Fox wurde auch irgendwann nervös. Bevor sie nervös wurden, möchte ich noch eine Sache sagen. Es ist nicht nur Cameron, der schuld daran ist, dass das Ding komplett eskaliert ist teilweise. Es gab eine sehr interessante Geschichte und zwar ziemlich am Anfang der Dreharbeiten, als sie diese Szenen gedreht haben, die in unserer Zeit bzw. in der damaligen Zeit spielen, mit dem U-Boot, das runterfährt und mit Bill Paxton und so weiter. Und zwar haben die gegessen vom Caterer am Set.
Johannes Franke: Ach Gott, ach Gott.
Florian Bayer: Und dann ist denen allen übel geworden. Und Cameron sieht, wie allen übel wird und denkt so, oh shit, irgendwas ist nicht gut mit dem Essen. Irgendwie Lebensmittelvergiftung oder sonst was. Rennt aufs Klo, versucht sich zu übergeben. Klamm, kriegt es so halb hin, aber nicht so richtig. Kommt zurück und die sind alle ohnmächtig.
Johannes Franke: Lunatics. Das waren ja nicht nur alle ohnmächtig, sondern die haben ja teilweise schlimme Sachen gemacht. Der eine hat versucht, ihn mit dem Stift ins Gesicht zu stechen. PCP. Das war ein... 80 Leute waren, das war eine Party, die haben quasi Zwischenrap, also von einer Location auf die andere wechseln und dann haben sie gesagt, hier sind wir fertig, Waren 80 Leute da, die haben Muschelsuppe gegessen und da gab es einfach irgendjemanden, irgendeinen Sausack, hat die Droge PCP reingehauen, was Angel Dust ist. Ich habe keine Ahnung von Drogen, ich weiß nicht, was das genau ist, aber es macht Halluzinationen und ganz schön viel. Schlechtes mit dem Körper offenbar.
Florian Bayer: Es wurde spekuliert, dass es jemand von der Crew war, der sauer war auf Cameron.
Johannes Franke: Jemand vom Catering unter Umständen, der vorher entlassen wurde.
Florian Bayer: Genau, der Caterer wurde entlassen. Wahrscheinlich war es jemand, der dem Caterer was auswischen wollte. Die sind alle durchgedreht. Die waren einfach mal voll unter Drogen und waren dann auch im Krankenhaus und waren einfach mal komplett am Austicken.
Johannes Franke: Ich finde, es passt zu James Cameron, dass er derjenige ist, der sagt, Dann... Ich habe da so eine Kontrolle. Moment, lass mich kurz den Finger reinstecken. Und dann auch tatsächlich einfach davon kommt, während alle anderen ins Krankenhaus müssen. Er natürlich auch so ein bisschen, aber er hat echt das alles so rausgehauen, erbrochen und hat es geschafft, da irgendwie so mit einem kleinen Schwindel davon zu kommen, während alle anderen echt Schwierigkeiten hatten.
Florian Bayer: Ja, irre Geschichte. Cameron konnte dafür nichts, aber das Studio hat gesehen nach und nach, shit, das eskaliert. das kostet plötzlich keine 100 Millionen Dollar mehr. Das geht Richtung 200 Millionen. Und dann haben die das gemacht, was sie halt machen. Sie haben Panik gekriegt und haben Leute dahin geschickt und haben gesagt, das Ding muss vielleicht nicht drei Stunden lang sein. Können wir nicht irgendwas machen? Cameron, James, du musst diesen Film schneiden. Cameron hat sich auf nichts eingelassen am Anfang. You want to cut my movie? You are... Wie krass ist das denn?
Johannes Franke: Von einer Minute auf die andere kommt der von ich mach hier gar nichts zu, ihr müsst mich töten, wenn ihr wollt, dass ich was ändere. Wie krass ist das denn? Drama Queen eigentlich, ne? Voll,
Florian Bayer: absolut. Und Cameron hat selbst bemerkt, dass das so vielleicht nicht hinhaut und hat dann gesagt, okay, passt auf. ich verzichte auf mein Gehalt und ich will einfach nur noch die Erlöse haben. Und das wurde zuerst für einen Witz gehalten, weil keiner hat damit gerechnet, dass dieser Film irgendwie großen Gewinn macht. Vielleicht so, wenn wir Glück haben, kommen wir gerade so in die schwarzen Zahlen. Das war das Ziel. Wir wollen nur keine roten Zahlen schreiben. Dann ist alles gut, dann sind wir glücklich. Und sie haben das deswegen auch gar nicht vertraglich festgehalten. Aber Cameron hat auf seinen Gehalt verzichtet. Acht Millionen hätte er gekriegt für die Regie. hat darauf verzichtet, dafür, dass er an den Erlösen beteiligt wird, ohne dass das vertraglich festgehalten wurde. Wir wissen, wie die Geschichte ausgeht. Der Film macht unfassbar viel Geld.
Johannes Franke: Das war der erste Film, aber da kommen wir nachher dazu, der erste Film, der über eine Milliarde, das Geile ist, im Englischen heißt es ja Billion und im Deutschen heißt es halt Milliarde und deswegen gibt es da so viele Missverständnisse. Aber eine Milliarde, es sind ja nicht nur bei einer Milliarde geblieben, die haben am Anfang, bevor der Re-Release im 3D kam, ungefähr 1,8 Milliarden gehabt und mit Re-Release waren es dann 2,2 Milliarden.
Florian Bayer: Das ist so hart. Das ist so viel Geld,
Johannes Franke: was sie damit gemacht haben. Der hätte wahrscheinlich damit drei Produktionsfirmen sanieren können.
Florian Bayer: Sie haben sich Paramount dazu geholt. Irgendwann haben sie gesagt, okay Leute, wir müssen irgendwie noch mal mehr, wir können nicht unser Studio ruinieren, wie sie es damals in den 40ern gemacht haben mit solchen Filmen. Und dann haben sie Paramount mit ans Boot geholt und das wurde dann halt so eine Kollaboration.
Johannes Franke: Haben sie aus Cleopatra gelernt oder was? Ja.
Florian Bayer: Naja, es hat alles in diesem Film während der Produktion nach Cleopatra gespielt.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Wenn ihr nicht wisst, was bei Cleopatra los war, ihr könnt einfach rübergehen in die Folge über Cleopatra, beziehungsweise die zwei Folgen über Cleopatra, die wir gemacht haben, machen wir zu Titanic etwa auch zwei Folgen, wenn ich so auf die Zeit schaue.
Florian Bayer: Wir schaffen das, wir schaffen das unter drei Stunden.
Johannes Franke: Okay, okay. Aber... Ich glaube, Patra war wirklich eine Wahnsinnsproduktion. Der Film ist noch nicht mal so gut geworden. Der
Florian Bayer: Film war schlecht.
Johannes Franke: Der war wirklich schlecht. Ich fand ihn auch teilweise sehr unterhaltsam, muss man sagen. Aber er war schon auch ziemlich schlecht. Aber die haben eine riesige Party da gemacht beim Dreh und haben wahnsinnig viel Geld rausgeworfen. Naja, auf eine andere Art und Weise als hier.
Florian Bayer: Aber hier sieht das total danach aus, als wenn das ein riesiges, riesiges schwarzes Loch einfach nur ist. Die Produktionsgeschichte von Cleopatra ist witziger und unterhaltsamer als der gesamte Film. Wenn ihr was zur Produktionsgeschichte hören wollt, hört euch unsere Episode an, wo wir sehr viel darüber reden, dass Hollywood einfach komplett bescheuert ist. Aber wie gesagt, vielleicht wird es kein Cleopatra. Und jetzt nach über einer Stunde schauen wir doch mal rein, ob aus Titanic ein Cleopatra geworden ist.
Johannes Franke: Wollen wir uns wirklich über den Film unterhalten, Floor?
Florian Bayer: Bist du dir sicher?
Johannes Franke: Dass wir über den Film reden?
Florian Bayer: Ich glaube, dafür sind wir da. Und du musst mir eine Frage beantworten. Die Rahmenhandlung. Der Film startet im Hier und Jetzt, beziehungsweise damals im Jahr 1997, mit dieser Suche nach dem Schiff, um dann die Erzählung von Rose einzuleiten. Was hältst du grundsätzlich davon, diese Rahmenhandlung zu haben? Was hältst du grundsätzlich von solchen Rahmenhandlungen um historische Geschichten und wie ist es in diesem Fall?
Johannes Franke: Ich muss einmal sagen, dass du in der nächsten Stunde oder zwei... Vielen Dank. keine konsistente Meinung von mir bekommen wirst. Ich werde in einer Minute sagen, Gott, wie schrecklich und über genau das Gleiche in der nächsten Minute sagen, ach, wie schön, großartig, hat mich voll erwischt, ich bin den Tränen nah. Und in einer Minute später sage ich wieder, was für ein scheiß emotionaler Erpresser James Cameron ist. Und bei dieser Rahmenhandlung fängt es schon an. Ich weiß es nicht. Ich finde die im ersten Moment geil und im zweiten Moment wieder nicht. Und dann denke ich wieder darüber nach und denke, ja, aber es macht auch Sinn. Aber ich finde es so... Das ist so weird und so seltsam. Und da ist auch so vieles falsch dran, wie dass sie die Rose da irgendwie nicht etwa am Telefon kurz befragen, wie das denn bei ihr ist, sondern sie gleich einfliegen und ihre Goldfische mitbringen und alles mögliche.
Florian Bayer: Sie hat gesagt, ich mache das nur. Ich mache das nur, wenn ihr mich drauf lasst, weil sie wollte die Zeichnung sehen. Ja,
Johannes Franke: aber wer zur Hölle gibt ihr das Vertrauen zu sagen, ja gut, okay, wenn du jetzt sagst, dass sich das lohnt, dann holen wir dich für viel Geld mit einem Privatflugzeug.
Florian Bayer: Proc heißt unser Chef von dieser großen Aktion, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Gespielt von Bill Paxton. Das ist ein Stand-In für James Cameron. Natürlich. Und James Cameron hätte das gemacht. James Cameron. Während James Cameron Titanic dreht und es ruft jemand an und sagt... Du erzählst wirklich eine Liebesgeschichte, also eine alte Frauenstimme sagt, du erzählst wirklich eine Liebesgeschichte auf der Titanic. Ja, ich bin der Protagonistin von einer Liebesgeschichte auf der Titanic. Die wäre innerhalb von zwei Minuten im Hubschrauber gewesen und am Set gelandet. Und die hätten die gesamte Produktion nochmal um zwei Wochen verlängert, nur damit sie erzählen kann. Ich kaufe das ab.
Johannes Franke: Ach Gott, oh Gott, oh Gott. Aber Bill Paxton ist nicht, die Rolle ist nicht so. Ja, er ist ein Stand-In tatsächlich für Cameron, würde ich auch sagen, tatsächlich, weil James Cameron so ein bisschen das durchmacht. Er geht aus sehr technischem Interesse dahin, um sich das anzuschauen und fängt dann an, er erzählt ja auch davon, wie er dann in Tränen ausbricht, weil er irgendwie versteht, was für eine riesige Sache das eigentlich ist und wie tragisch das eigentlich ist. Und dementsprechend gibt er dieser Figur natürlich genau diese Arc, dass er am Anfang sehr technisch und sehr... Ich muss hier als Schatzsucher Geld verdienen und dann am Ende feststellt, ach wie krass, was für eine tragische Geschichte und so weiter. Tränen drüßig. Und dann nehme ich das als James Cameron, der da sitzt und sich vielleicht auch dramaturgisch denkt. Wenn ich da rein technisch erzähle, was da alles passiert ist, dann weiß keiner, was das eigentlich war. Die Zahlen sprechen nicht für sich bei der Titanic. Auch wenn wir so viele Zahlen rausholen können, das kann sich keiner vorstellen. Wir müssen es also emotional verpacken. Klar. Und? Und ich verstehe auch, was Cameron macht mit der Rahmenhandlung, nämlich zu sagen, ich hole euch alle an der gleichen Stelle ab, indem ihr einmal das Ganze auf eine technische Ebene runterzieht, um dann darauf aufzubauen. Und allen nochmal zu sagen, übrigens, das Ding ist untergegangen.
Florian Bayer: Das finde ich tatsächlich ganz entscheidend dabei und deswegen finde ich die Rahmenhandlung auch wirklich gut. Er sagt, liebes Publikum, wir haben hier jetzt einen Deal. Ich zeige euch noch einmal, wie das Schiff untergeht. Ich spoilere technischen Fakt. dieses Films komplett. Und zwar auch das Zerbrechen. Sie machen ja wirklich diese Szene, wo wir das Modell sehen, das kaputt geht. Und dadurch, dass ich euch das jetzt zeige und euch komplett gespoilert habe, ignoriert ihr das für die nächsten zwei Stunden und lasst euch auf die Geschichte ein, die ich wirklich erzählen will. Und dafür finde ich die Rahmenhandlung extrem gut. Und der Rahmenhandlung kommt auch extrem zugute, dass sie so subtil ist. Es findet wirklich wenig Rahmen innerhalb des Films statt. Es gibt einiges an Rahmenhandlung, was weggeschnitten wurde. Gott sei Dank.
Johannes Franke: Gott sei Dank.
Florian Bayer: Es gibt nur zwei, drei... blenden während der Geschichte zurück zur Rahmenhandlung. Ja,
Johannes Franke: und die sind vernachlässigbar. Was ich problematisch finde, ist halt dann im zweiten Teil der Rahmenhandlung am Ende. Da finde ich es am schwierigsten, damit klar zu kommen. Weil ich muss sagen, ich bin so emotionalisiert die ganze Zeit und dann wird mir nochmal Rose gezeigt, die dieses Teil behalten hat und den Ozean wirft und dann auch noch stirbt und dann in ihrem Traum da irgendwie... Und warum fucking hat die so viele... Fotos von sich selbst dabei, dass sie dann das noch aufbaren können, wenn sie da stirbt. Und warum muss ich auf diesem Schiff sterben? Wie bescheuert ist das denn?
Florian Bayer: Das Ding ist... Ja, das ist ein technischer Kniff, aber es braucht irgendeine Möglichkeit von Cameron, also, nee, nicht Cameron, dieser Film braucht irgendeine Möglichkeit, ohne viel Gelaber mir zu erzählen, dass sie es geschafft hat, dass sie dieses schöne Leben hatte und dass sie geritten ist wie ein Mann, dass sie Achterbahn gefahren ist und so weiter und das ist die beste Möglichkeit, das zu machen. Ja, ich weiß, es ist ein Tool, aber es funktioniert für mich in dem Moment, weil ich brauche das.
Johannes Franke: Ja. Aber da gibt es doch andere Möglichkeiten, als jetzt noch ausgerechnet, ah, jetzt kann ich in Ruhe sterben. Nein, nein, es geht um die Fotos.
Florian Bayer: Es geht um die Fotos. Das andere nervt mich auch ein bisschen. Aber die Fotos, die finden, dass über diese Fotos die Kamerafahrt ist und ich sehe, sie hat ein geiles Leben.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Finde ich, erzähle ich die wirklich beste Entscheidung.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Aber dass das bei der Beerdigung quasi sein muss, finde ich ein bisschen seltsam.
Florian Bayer: So, nachdem wir jetzt über das Ende von Titanic geredet haben, kommen wir zu unserem Fazit. Nein, wir sind bei der Rahmenhandlung, die meiner Meinung nach wirklich passend subtil ist.
Johannes Franke: Eigentlich wäre ja in der Rahmenhandlung noch gewesen, dass Bill Paxton dann noch sieht, dass sie dieses Teil in der Hand hat, diesen wertvollen Diamanten.
Florian Bayer: Wir kommen nochmal zum Ende.
Johannes Franke: Du willst später nochmal dahin, ja?
Florian Bayer: Ja, natürlich. Wir müssen doch irgendwie eine Climax finden.
Johannes Franke: Okay, okay. Dramaturgisches Mittel. Geduldet euch, das ist der Clickbait fürs Ende.
Florian Bayer: Ja, eigentlich müssten wir es ja auch wie Cameron machen. Cameron erzählt uns, was mit dem Schiff passiert und so weiter. Und dann das Romantische, das wird am Schluss aufgelöst. Scheiße, jetzt habe ich schon wieder einen Gedanken verloren. Ah ja, ich finde es tatsächlich beeindruckend. Sie haben ja bei dieser Rahmenhandlung, haben Sie ja diese Originalaufnahmen, die Cameron gemacht hat, gemischt mit Fahrten, die Sie nachher nochmal aufgenommen haben. Sie haben das Wrack nachgebaut. Sie haben einen Nachbau vom Wrack gemacht, damit Sie diese Roboter da durchfahren lassen können, um das auch nochmal zu filmen. Und der, der dafür verantwortlich war, war wohl sehr stolz drauf, dass Cameron ein paar Mal auf seine Bilder reingefallen ist und gedacht hat, ah, das sind doch die Bilder, die ich aufgenommen habe. Geil,
Johannes Franke: sehr schön. Die haben tatsächlich das in dem Modell, das haben sie nicht unter Wasser gesetzt. Da haben sie Nebel reingeworfen und das sah sehr gut nach Wasser aus. Sie haben später dann Schwebeteilchen und so weiter noch mit reingebaut, digital, sodass das dann wirklich nach unter Wasser aussah. Aber sie hatten viel mehr Kontrolle dadurch und natürlich das hat das alles gerechtfertigt. Und man sieht das überhaupt nicht. Ich finde auch, man sieht überhaupt nicht den Unterschied. Und das sieht sehr, sehr, sehr, sehr gut aus.
Florian Bayer: Und umso beeindruckender finde ich dann auch. wirklich diese Transition. Ich meine, es ist eine simple Transition und man könnte so leicht schreien lame und vielleicht auch mit diesem Hin und Her gerissen, dass du hast. Vielleicht habe ich es auch manchmal, weil es gibt so viele Momente, wo ich denke, ah, da könnte man schreien lame und ich finde es trotzdem toll, wenn wir das Frag nochmal sehen und dann wird in diese historische Aufnahme geschaltet, also nicht in diese historische Aufnahme, sondern wirklich in diese Bild Titanic im Hafen und wir haben dieses Panorama und wir haben darüber geredet, wie das gespiegelt wurde und so und wir haben wirklich einen krassen Einstieg und wir werden geradezu hineingesogen in das Jahr 1912. Und es ist vollkommen egal, was davor war. Wir sind voll drin von Anfang an.
Johannes Franke: Wir haben ja vorhin über D'Esperson geredet, wo sie also diesen riesigen Wassertank geredet, wo sie die Titanic eingebaut haben. Und da haben sie von den Bauarbeiten, wie sie das aufgebaut haben, noch so einen Kran übrig gehabt. Und da haben sie einfach die Kamera dran gehängt, sodass sie von ganz vorne vom Schiff nach ganz hinten vom Schiff die Kamera schweben lassen konnten. Und das haben die echt exzessiv genutzt dann. Das kommt in dieser Szene wirklich so wahnsinnig gut rüber, finde ich.
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Von dem Wrack rüber in die Titanic, wie sie dasteht, diese Überblendung ist einfach gigantisch. Das ist in dem Moment so wahnsinnig gut für dich als Zuschauer auch zu verstehen und da reinzukommen und Excitement zu erlangen und zu sagen, wow, wie krass, was das gewesen ist.
Florian Bayer: Und das ist ja auch nicht nur das Schiff, sondern du hast dann auch einfach mal so ein frühes 20. Jahrhundert. Panorama mit den Autos, mit den Kutschen, mit den Menschen und den Kostümen und es ist einfach nur groß und episch und das ist, finde ich, so eine Konstante in diesem Film. Es passiert so viel. Sie haben so viele Menschen, so viele Statisten da platziert und es geschehen die ganze Zeit Kleinigkeiten, so Banalitäten aus dem... Was 1912 war, dass wir kurz sehen, wie die Leute untersucht werden, ob sie Läuse haben, ob sie andere Krankheiten haben. Dass wir sehen, wie die Reichen ankommen mit ihren schicken Autos, mit ihren Extra-Autos, wo ganz viele Taschen drin sind. Ich werde einfach voll reingesogen, auch einfach, weil es so überwältigend ist, weil es so ein großes, gigantisches Panorama ist. Ich bin tatsächlich angetan von Rose, wenn ich sie das erste Mal sehe.
Johannes Franke: Auch mit dem Hut und so. Natürlich hast du die Kamerafahrt, wie sie dann ganz ikonisch nach oben schaut. Also da hat er riesige, sehr 50er Jahre Vibes von der Inszenierung.
Florian Bayer: Absolut. Und dann diese Dynamik zwischen Rose und Cal. Wir müssen gleich zu den einzelnen Personen kommen. Vielleicht machen wir das jetzt. Die Figuren. Zu den Figuren. Also Rose finde ich großartig. Rose finde ich toll als Frau, die ihren Kampfgeist noch nicht ganz aufgegeben hat.
Johannes Franke: Rose ist wahrscheinlich die einzige dreidimensionale Figur in dem Film.
Florian Bayer: Oh, interessant. Darüber muss ich nochmal ein bisschen nachdenken. Weil ich jetzt eigentlich anschließen wollte mit Kel ist voll der Cartoon-Villain.
Johannes Franke: Ja, genau. Absolut. Total der Cartoon-Villain. Nur zwei Dimensionen. Vielleicht nur eine Dimension.
Florian Bayer: Diese arrogante, selbstgefällige Art, die die ganze Zeit schreit, ich bin ein Bösewicht, der sich seine Hände nicht schmutzig macht. Ich bin ein dreckiger, heuchlerischer, arroganter, selbstverliebter Bastard.
Johannes Franke: Ich kann alles mit Geld lösen. Sogar... das Herz dieser Frau erlangen. Er sagt es richtig. Ich habe dir das hier gekauft, um dein Herz zu erobern. Und ich denke mir, what the fuck.
Florian Bayer: Ich schaue auf alle herab, die nicht zu meiner Klasse gehören. Ich bin quasi die vermenschlichte Form. Ich bin die Verkörperung des Kapitalismus in diesem Film. Ich finde alles hilarious an ihm.
Johannes Franke: Es ist hilarious, ja. Die Sache ist nur die, ich nehme den Film ja trotzdem ... Ernst. Ich will den Film ernst nehmen. Vor allem, weil er mir auf allen anderen Ebenen, nämlich der ganzen technischen Ebene und auch so Klassenaufbau, der will mir das ja irgendwie alles erzählen und der hat ja einen ernsthaften Hintergrund. Es ist kein Cartoon. Und dann fängt er an, die Figuren so cartoonhaft mir hinzulegen, dass ich denke, nee, in anderen Filmen, in anderen Zusammenhängen kann ich das vielleicht wahrnehmen, kann ich das vielleicht auch annehmen, weil ich Spaß daran habe, bei König der Löwen zum Beispiel. Ich hätte fast erwartet, dass Cal anfängt, den Song von Scar zu singen. Ja,
Florian Bayer: be prepared.
Johannes Franke: Weil er so ein Bösewicht ist, dass ich denke, ja, aber du bist kein Disney-Film. Du darfst dir das eigentlich nicht leisten.
Florian Bayer: Du hast gelogen. Ruth, die Mutter von Rose. Sehr dreidimensionaler Charakter. Ich finde die super interessant, super spannend. Und vor allem, also dreidimensional wird sie vor allem durch diese eine Szene.
Johannes Franke: Und das ist das Ding. Die darf nichts. Die hat... einmal eine Szene, wo sie zwei Sätze sagt, die gegeneinander gegenläufig sind, die sozusagen eine Ambiguitätstoleranz von mir verlangen, die der Rest des Films überhaupt nicht macht und die Figur sonst in anderen Szenen auch nicht macht.
Florian Bayer: Finde ich nicht. Ich finde, also es gibt natürlich diese eine sehr zentrale Szene,
Johannes Franke: wenn sie Rose das Korsett zusammenbindet und natürlich,
Florian Bayer: oh, das ist so dieses Klischee, das Zubinden des Korsetts als Zeichen der elterlichen Fuchtel. Aber dann sagt sie sehr wahre Worte zu Rose. Sie sagt, Wir können uns das nicht aussuchen. Wir sind Frauen. Wir haben es wirklich schwer. Wir haben keine leichten Entscheidungen.
Johannes Franke: Aber warum zur Hölle muss das alles? Also ja, ein, zwei Stellen geht das. Aber der ganze Film basiert darauf, dass das alles ausgesprochen wird. Dass das alles auf eine plate Art und Weise ausgesprochen wird. Ich finde, hier ist es noch am besten, weil ich denke, ja, okay, das kann man einmal sagen tatsächlich. Aber die meisten Dialogfetzen... Die das so knallhart einfach aussprechen und ich denke, naja, aber ich sehe es doch auch. Ich bügel ja nicht nebenher, sondern ich kann mir den Film ja angucken und da muss ich nicht jedes Mal veräußert haben, was du gerade denkst.
Florian Bayer: Bleiben wir kurz bei Roses Mutter. Es gibt so viele Momente, wo wir in flüchtigen Blicken von ihr sehen, was für eine Traurigkeit da auch dahinter steckt. Und natürlich, sie ist gekennzeichnet durch dieses antagonistische Verhalten Jack gegenüber. Es ist ganz klar, dass sie ihn als eine Gefahr betrachtet. Aber wir sehen auch ihre Verzweiflung dahinter. ist und dann Rose wegrennt und nicht ins Rettungsboot geht. Ihre Verzweiflung, dass sie gerade ihre Tochter verliert. Ich finde, das ist ein unglaublich starker emotionaler Moment, den sie kriegt. Wenn sie bei diesem Dinner ist und Jack wie so ein Fremdkörper dabei ist und sie merkt, dass er die Tischgesellschaft für sie gewinnt. Dieses Hin- und Hergerissensein von ihrer Arroganz zu einer Wut ihm gegenüber und gleichzeitig aber auch zu dem Versuch, die gesellschaftlichen Konventionen zu halten. Ich finde, sie ist eine wirklich starke Person. Ich finde sie wirklich überzeugend.
Johannes Franke: Ja, also da hat sie natürlich mehr zu verhandeln auch und das ist natürlich interessant irgendwie, weil man merkt, dass bei ihr irgendwie der Verzweifelte versucht, da festzuhalten und eben nicht den Kontakt zur höheren Gesellschaft zu verlieren. Aber irgendwie weiß ich auch nicht, ob ich die Motivation dann am Ende so sympathisch finde, weil ich denke, ja, ach, hm.
Florian Bayer: Sie ist ja nicht gemacht, um Sympathieträgerin zu sein. Nein, nein, nein. Aber sie ist eine dreidimensionale Figur. Sie hat sehr komplexe Emotionen und auch komplexe Gedanken. Wie über das hinausgehen, dass sie ihre Tochter unter der Fuchtel halten will.
Johannes Franke: Insofern ist sie auch dreidimensionaler, wenigstens als Molly, die ich total toll finde als Figur, aber die halt tatsächlich auch nur diese eine Dimension hat. Dieses Tolle und dieses Ich-bin-die-Neureiche-die-noch-weiß-wie. wie es war auf der Straße oder so. So dieses Gefühl von, komm, ich pack mit an und ich bin diejenige, die am Ende noch alle retten will und so. Ja, das ist sehr eindimensional, aber tatsächlich eine tolle Figur irgendwie. Ja,
Florian Bayer: eine sehr unterhaltsame Figur. Ich glaube, ich würde tatsächlich diesen Film unterteilen in zwei, drei Figuren, die mich nerven. Dann die eindimensionalen Figuren, die ich sau witzig finde, wie zum Beispiel Cal. Und dann aber, ich habe noch mehr dreidimensionale Figuren. Also die witzige eindimensionale ist Molly auf jeden Fall. Lovejoy. Der Watchdog, der Wachhund von Cal, der quasi irgendwie so eine Mischung aus Butler und Ex-Bulle ist.
Johannes Franke: Das ist doch keine Dreidimensionalität.
Florian Bayer: Wir haben sehr viele Momente, wo er quasi der Handlanger des Bösewichtes ist, wie in so einem James-Bond-Film. Wir haben zwei, drei Momente, wo wir merken, dieser Mann hat auch seine eigene Agenda und dieser Mann hat auch seine eigenen Ziele. Wir können nachher nochmal über eine Szene sprechen, die rausgeschnitten wurde, wo er einen sehr großen Bösewicht-Auftritt hat, wo er nämlich Rose und Jack durch das Schiff jagt. Ich finde, ganz oft dazwischen haben wir dieses, einfach durch das subtile Spiel, dieses Gefühl von, der ist teilweise genervt von dem, was ihm gesagt wird. Der will dann ab einem gewissen Moment auch einfach sich selbst retten. Es gibt diese wirklich schöne Szene zwischen Cal und ihm, wo Cal sagt, ich bin meines eigenen Glückesschmied und zeige, dass er Geld hat. Und Lovejoy sagt, ich auch und zeige, dass er eine Waffe hat. Und dann sehen wir, okay, jetzt hat sich irgendwie dieser Klassengegensatz zwischen diesen beiden. aufgelöst auch so ein bisschen und jetzt ist es so.
Johannes Franke: Aber das ist keine Dreidimensionalität der Figur, nur weil da die Klassenaufteilung aufgehoben wird.
Florian Bayer: Doch, weil wir da erkennen, dass diese Figur und das sehen wir vorher auch schon, weil wir da sehen, dass diese Figur mehr ist als nur ein Handlanger. Das ist halt auch ein Mensch und das ist ein Mensch, der auch Ziele verfolgt. Und das sehen wir auch in anderen Momenten.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Du sagst subtil, wahrscheinlich so subtil, dass ich es nicht mitbekommen habe. Da muss schon mehr kommen.
Florian Bayer: Also wenn du über eindimensionale Figuren reden willst, ich weiß nicht genau, ob sie mich nerven oder ob ich sie hilarious finde. Fabrizio Wie viele Klischees kann man in eine Figur packen? Ja, also es ist auch wirklich...
Johannes Franke: Ich habe einen Podcast gehört, wo der Schauspieler tatsächlich zu Gast war. Interessant, ja. Das war ganz gut, weil der auch so ein bisschen angedeutet hat, dass James Cameron eben so anstrengend war und wirklich... viel rumgebrüllt hat am Set und so.
Florian Bayer: Und dieser Schauspieler musste seinen Akzent wahrscheinlich komplett spielen, oder?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau. Das hat er nicht erzählt. Na, wie klang er denn im Podcast? Er klang nicht so wie im Film.
Florian Bayer: Ich finde, alles von ihm schreit danach. Ich bin drüber, um dieses Fabrizio-Ding. Was soll er eigentlich sein? Spanier? Italiener? Wahrscheinlich Italiener, würde ich sagen. Es ist einfach... Es ist einfach so viel.
Johannes Franke: Es wurde viel rausgeschnitten von ihm. Und er hatte ja auch eigentlich einen anderen Tod am Ende.
Florian Bayer: Ja, er kriegt eine Liebesgeschichte.
Johannes Franke: Ja, er hat eigentlich eine Freundin, eine dänische Freundin, die von einer Schwedin, glaube ich, gespielt wurde. Und hat da viele Szenen mit ihr. Und es wurde komplett eingekürzt. Und er wird normalerweise, also ganz am Ende, eigentlich von Cal umgebracht. Weil er schwimmt dann am Ende auf einen... Rettungsboot zu, in dem Carl ist. Ach, wirklich? Ja, und will da rein. Aber das Boot ist schon voll.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und weil er gesagt hat, es ist mein Schicksal, nach Amerika zu kommen. Und dann haut er ihn mit dem Ruder auf die Rübe und sagt, da lang.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er geht halt unter. Und jetzt im Film, im fertigen Film, in einem Nachdreh, den sie gemacht haben, wird er dann halt über diesen Schornstein umgebracht, der da umfällt.
Florian Bayer: Ich muss sagen, wenn ich jetzt auf die anderen Figuren gucke, Dann sehe ich vor allem die Dreidimensionalität weniger in den einzelnen Figuren, weil das ist ein Gesellschaftspanorama. Ich sehe die Dreidimensionalität eher entstehen dadurch, dass wir hier wirklich eine große Bandbreite an Personen haben, die alle nicht viel tun in dem Film, die aber irgendwie präsent sind und die man sich auch irgendwie merkt. Also so Leute wie Thomas Andrews, der Schiffsbauer oder auch Bruce Ismay, der Präsident der White Star Line oder Edward Smith, der Kapitän, die irgendwie da sind und einfach durch den Wiedererkennungswert so ein... Stück gesellschaftliches Porträt zeichnen. Und die sind dann teilweise ein bisschen Stereotyp, da stimme ich dir zu. Und auch ein bisschen eindimensional. Aber es gibt so eine menschliche Größe dadurch, dass es so vieles sind.
Johannes Franke: Ja, aber das schlechte Methode irgendwie eine Dreidimensionalität herzustellen, über die Einzelelemente. Er hat ja gesagt, Romeo und Julia auf dem Dampfer.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich gebe ihm vollkommen recht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und Romeo und Julia ist nun mal das schlechteste Stück von Shakespeare. Neben The Merchant.
Florian Bayer: Dass ich denke, ja, okay, klar, natürlich, aber es gibt bessere Stücke von Shakespeare, aber du sagst jetzt nicht wirklich, dass Romeo und Julia das schlechteste Stück von jemandem ist, der Stücke mit Fartjokes geschrieben hat.
Johannes Franke: Was? Die Fartjokes sind großartig.
Florian Bayer: Nein, Romeo und Julia ist einfach eine zeitlose Liebesgeschichte.
Johannes Franke: Das ist auch so. Ein Plattgeschicht. Nein,
Florian Bayer: aber die Figuren sind auch nicht so. Ja, ja, genau. War eine gute Geschichte, das vielleicht nicht unbedingt grundsätzlich braucht. Ich habe diesen Film nochmal, als ich ihn jetzt gesehen habe, gedacht, da ist so viel Shakespeare drin.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Und die Leute,
Florian Bayer: die darüber lästern, dass das kitschig wäre und dass das so übertrieben schmalzig wäre in dieser Tragik und so. Das sind die Leute, die auch, wenn Hamlet nicht vor 500 Jahren geschrieben worden wäre, die auch über diese... 400 Jahre?
Johannes Franke: Nicht Hamlet, komm. Doch Nicht Hamlet.
Florian Bayer: Das ist von der Tonalität dasselbe. Und Hamlet hat auch einen Bösewicht, der einfach nur Bösewicht ist. Ja, das ist richtig. Und Hamlet hat Frauenfiguren, die auch eindimensionale Frauenfiguren sind.
Johannes Franke: Shakespeare hat in fast allen Stücken viele, viele eindimensionale Figuren. Ja,
Florian Bayer: und Shakespeare ist großartig.
Johannes Franke: Sind wir uns einig? Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und Shakespeare's Tragödien sind fantastisch und das könnte eine fucking Shakespeare-Tragödie sein. Du Snob.
Johannes Franke: Und damit kommen wir im... Ach Gott, oh Gott, so weit würde ich nicht gehen. Das ist keine Shakespeare-Tramödie. Nein,
Florian Bayer: nicht Tramödie, Tragödie. Jack stirbt am Schluss. Rose stirbt am Schluss.
Johannes Franke: Nein, Rose darf über 100 werden.
Florian Bayer: Ich habe es nicht genau analysiert in der Richtung, aber das Ding hält sich garantiert an die aristotelischen Einheiten. Das ist große Dramatik. Ich gebe dir fünf Minuten Zeit, wenn du es abklopfen möchtest. Versteckt in einem Hollywood-Film, ja. Und einem Hollywood-Film mit einem größenwahnsinnigen Budget. Aber das Ding hat... alles, was ein großes Drama, der Klassik oder das Barock auch haben könnte. Goethe und Schiller hätten es nicht besser machen können.
Johannes Franke: Weißt du, was das Problem ist? Ich gebe dir irgendwie auch recht, weil das ist ja das Spannungsfeld. Ich denke die ganze Zeit, das kommt über einen Groschenroman nicht hinaus. Was soll das? Und im nächsten Moment denke ich, oh, check, check. Und weißt du, ich bin voll drin und ich bin voll am Mitfiebern. Und mir ist ständig schlecht, weil der Typ ja ab Hälfte des Films das Ding untergehen lässt und mir so viel Leid zeigt, das ist echt hart. Aber auch in der Liebesgeschichte und so weiter. Ich bin halt schon auch voll drin. Natürlich. Aber ich fühle mich schmutzig danach dafür. Weil das so...
Florian Bayer: Ich glaube, wir Kritiker, also wirklich wir Kritiker, haben ein bisschen verlernt, diese einfachen Geschichten zu schätzen, die auch Kanon sind. Aber bei Shakespeare schätze ich sie ja. Genau, deswegen. Ich glaube wirklich, wir bewerten so einfache Geschichten heute anders, als wir sie damals bewerten hätten. Wir müssen nicht nur Shakespeare heranziehen, wir können auch Schiller heranziehen. Wenn du dir Kabal und Liebe durchspielst, da hast du auch eindimensionale Bösewichte, da hast du auch eine einfache Liebesgeschichte. Wenn du zu Goethe dran gehst, hast du das auch. Aber wir bewerten es anders, weil es Kanon und weil es Klassik ist.
Johannes Franke: Weißt du, vielleicht ist doch der Unterschied, dass James Cameron doch sehr platte Dialoge schreibt. Und das macht Shakespeare nicht. Also Shakespeare schafft es, viele eindimensionale Charaktere zu haben, okay, aber die in ihrer Funktion trotzdem sehr, sehr gute Dialoge bekommen und sehr, sehr guten dramaturgischen Unterbau haben. Auch wenn sie an sich eindimensional einfach Bösewicht sind oder so.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt diese Platten-Dialoge in dem Film. Es gibt aber auch wirklich clever geschriebene Dialoge und Konflikte. Es gibt auch Teile, ja. Konflikte, die in wenigen Zeilen Dialog hervorragend umsetzen. Zum Beispiel dieses Dinner, wenn Jack bei dem Dinner ist. Und dann mit wenigen Worten wird die Dynanik am Tisch klar. Wie diese passiv-aggressive Frage, wie finden Sie es in der dritten Klasse, kommt einfach um nochmal seinen Standglatt zu machen. Das ist ein Satz, der ist perfekt auf den Punkt gebracht, das Verhältnis zwischen den beiden. Ich finde auch,
Johannes Franke: dass der Film eben genau in solchen Momenten am besten ist. Er schafft es in den Szenen, wo er gar nichts sagt. oder eben nur Minimaldialog einsetzt,
Florian Bayer: ist er am besten. Wahrscheinlich. Vielleicht, aber ich finde, die Dialoge sind nicht schlecht. Ich finde, es gibt ganz viele Momente, wo einfach in wenigen Worten deutlich wird, wie sich die Figuren zueinander verhalten. Es gibt, so egal wie Cartoon-Willen Cal ist, wenn sie beim Kaffee sitzen und Rose sich eine Zigarette anzündet und ihre Mutter zu ihr sagt, Rose, du weißt, dass ich das hasse. Und Cal nimmt ihr die Zigarette weg und sagt, sie weiß es. Das ist ein toller Moment. Das ist so simpel. Aber es ist sehr pointiert, das Verhältnis. Du hast sehr viel über das Verhältnis von diesen drei Figuren zu Ende gesagt. Und zwar nicht nur von Rose zu Kel, sondern auch von Kel zu ihrer Mutter. Und umgekehrt. Okay. Wirklich. Das Ding ist ja eineinhalb Stunden und du gibst schon auf.
Johannes Franke: Nee, also... Wir können noch mehr über verschiedene Sachen reden, aber du wolltest vorhin mir den größten Kritikpunkt am Schluss einmal noch wegnehmen, wie die das Ding ins Wasser wirft, aber darüber reden wir später.
Florian Bayer: Wir sind noch bei diesem Gesellschaftspanorama und ich finde, das Gesellschaftspanorama funktioniert in den Dialogen. Wenn du die Titanic als Parabel nimmst auf die Menschheit und vor allem auf die Menschheit Anfang des 20. Jahrhunderts, dann ist das eine sehr simple Parabel.
Johannes Franke: Wollte ich gerade sagen. Genau das ist es nämlich. Das, was jetzt als nächstes... Ich habe jetzt endlich zu der Stelle in meinen Notizen gefolgt. Deswegen habe ich hier endlich die Sachen...
Florian Bayer: Deswegen kannst du endlich vernünftige Widerworte geben, die auch tatsächlich unterlegt sind und nicht einfach nur ramble, ramble, ramble, dumm, eindimensional.
Johannes Franke: Ja, als erstes Groschenroman. Ach, habe ich schon gesagt. Verdammt. Cartoonbösewicht Karl. Ach, verdammt, habe ich auch schon gesagt. Herz des Ozeans. Ah, das willst du mir noch nicht sagen lassen. Nein, also ich finde, dass diese Gegenüberstellung zwischen Reichtum und Armut doch auch teilweise unfair und teilweise sehr platt gemacht ist. Bei der Party möchte ich da oben sein.
Florian Bayer: Natürlich, jeder möchte da oben sein. Jack möchte auch da oben sein.
Johannes Franke: Aber das macht der Film nicht. Der Film inszeniert das so, schneidet das so gegeneinander. Diese Party, die da unten stattfindet, dann gegen diese freudlosen Menschen, die da oben anstoßen mit teurem Alkohol und keinen Spaß mehr empfinden. Das ist doch völliger Quatsch. Das stimmt doch alles nicht.
Florian Bayer: Naja, aber was?
Johannes Franke: Das ist billig gemacht, damit du das Gefühl von, ja, das ist schon eine Romantisierung von Armut da unten, die da stattfindet.
Florian Bayer: Aber was stimmt ist, dass das... dass Bürgertum damals sehr vielen Konventionen gehorchen musste und dass es sehr genaue Regelungen gab und sehr genaue gesellschaftliche Etikette, an die sich die Menschen gehalten haben und dass die den Alltag auch sehr stark bestimmt hat.
Johannes Franke: Aber heißt das, dass man dann nicht glücklich sein kann? Nein, natürlich kann man glücklich sein.
Florian Bayer: Aber es wird auch gezeigt, dass man glücklich sein kann. Du magst Magritte nicht, du magst Molly nicht. Aber Molly zeigt, dass man glücklich sein kann, wenn man den Reichtum hat.
Johannes Franke: Ich mag Molly total.
Florian Bayer: Du findest sie eindimensional. Ich hab's gesagt, sie ist eine dumme Figur und dass Cameron das Scheiße ist.
Johannes Franke: Nein, nein, Flo.
Florian Bayer: Du hast gesagt, der Film ist ein Groschenroman. Alter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die werden nicht unglücklich gezeigt. Die Party wird... Natürlich stimme ich dir vollkommen zu, dass die Party unten als lebendiges Fest gezeigt wird, was gegen diese Spießbürgerlichkeit da oben ist. Genau. Aber darauf... Dazu wollte ich noch gar nicht kommen. Ich wollte erstmal ganz grundsätzlich sagen, diese Gegensätze der Titanic, diese Parabel darauf, dass du die dritte Klasse unten hast und dann noch tiefer unten die Leute im Maschinenraum, die sich einfach nur abarbeiten. Und dann hast du die zweite Klasse, die einfachen Bürger und dann hast du die Oberschichten und so weiter. Das ist ein sehr simples Bild auf die Gesellschaft. Aber es ist ein Bild, was der Gesellschaft sehr viel entspricht in der Zeit. Wir sind im Jahr 1912. Wir sind immer noch irgendwie in der Nachwiege der Industrialisierung und Kinderarbeit ist immer noch ein Ding. Und Menschen, die sich einen Arsch abarbeiten, um kaum Geld zu haben, das ist immer noch ein Ding. Und dass die als erstes ersaufen, ist auch ein Ding. Das heißt, es ist zum einen eine Parabel, die auf die Zeit funktioniert, aber es ist auch eine allgemeingültige Parabel, weil es ist auch wie unsere Welt funktioniert. Nur, dass es halt eher ein Nord-Süd-Gefälle ist mittlerweile und nicht mehr innerhalb von Deutschland oder England oder Amerika so krass stattfindet.
Johannes Franke: Aber der Film versucht das natürlich ganz hart zu verstärken, indem er die dritte Klasse einsperrt, was natürlich so nicht stattgefunden hat. und so. Also der Film... nutzt das und dreht das auf elf Anstellen, wo ich denke, ein bisschen unfair ist es dann am Ende doch.
Florian Bayer: Ja, er macht das, er übertreibt das, um diese Parabel nochmal stärker zu erzählen. Und das ist Cameron. Cameron ist kein Mensch der subtilen Töne.
Johannes Franke: Nein, natürlich nicht.
Florian Bayer: Aber nochmal, um den Vergleich zu wählen, Shakespeare war auch nie subtil. Goethe und Schiller waren auch nie subtil.
Johannes Franke: Shakespeare hatte genug Zwischentöne, die subtil waren. Der hat so viele Layer in seinen Stücken gehabt. dass er eine wahnsinnig einfache Parabel hatte, die jeder verstanden hat. Und dann hast du so viele Abstufungen. Allein in zwei, drei Sätzen, in denen du 20 verschiedene Bedeutungen hast. Bei Shakespeare, da hast du eine andere Nummer als das hier.
Florian Bayer: Ich sage, es ist eine andere Nummer, aber es ist nicht so weit entfernt. Titanic hat auch diese Layer. Du siehst die, glaube ich, nicht. Aber die sind auch... da. Der Film hat seine subtilen Momente.
Johannes Franke: Wenn ich sie nicht sehen würde, dann würde ich sagen, es ist ein Scheißfilm. Das Problem ist, ich sehe sie ja auch. Ich bin bloß beleidigt davon, dass er mir das versucht alles unterzuschieben. Ich sehe die Absicht zu stark und auch die Einfachheit wird mir zu sehr hingesetzt und deswegen gibt es bei mir einen Widerspruch. Aber ich bin ganz drin im Film. Ich liebe diese Momente in dem Moment, aber ich fühle mich halt schmutzig danach.
Florian Bayer: Ich meine, in diesem Film wird über Kubismus geredet. Es gibt eine Diskussion über Kubismus. Es gibt einen Gag mit Freud auf die Titanic. Ich weiß nicht, ob vorher schon mal jemand einen Freud-Witz in Bezug auf die Titanic gemacht hat, aber es ist gut. Das ist clever. Das ist mehr als nur platte Parade.
Johannes Franke: Das ist natürlich historisch nicht besonders sinnvoll. Freud existierte, ja, okay, aber das hat damals die 17-Jährige aus diesem Zusammenhang. Nein,
Florian Bayer: eigentlich nicht.
Johannes Franke: Sie ist belesen und sie hat Gemälde dabei, die dann nicht sein können, weil die ja existieren und nicht untergegangen sind.
Florian Bayer: Aber sie haben extra Picasso-Gemälde gewählt, wovon es mehrere Variationen gab. Also wir wissen, es ist theoretisch denkbar, dass Picasso an Bord war. Und es ist theoretisch denkbar, dass Variationen von Monet an Bord waren. Es ist nicht ausgeschlossen.
Johannes Franke: Ja, Variationen davon, aber eben genau das jetzt in den Originalen sicherlich nicht.
Florian Bayer: Aber sie sagen ja auch nicht, dass sie die Originalen haben. Ich glaube auch nicht, dass sie das Geld gehabt hätte für die Originale. Oh, echt nicht? Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Die sind doch... Es gibt in der Titanic zwei Decks. die so richtig teuer waren. Und das eine davon bezieht Rose.
Florian Bayer: Ja, weil Kel dafür bezahlt. Aber Kel hätte bestimmt nicht für dieses Bild von ihr bezahlt. Ihr hättet ihr bestimmt nicht dieses Bild bezahlt.
Johannes Franke: Meinst du nicht?
Florian Bayer: Nein. Kel lästert so viel über Picasso. Vielleicht doch. Dann wäre es möglich. Aber klar, sie haben die teuerste Kabine. Übrigens auch, es war eine von denen, die nicht besetzt war. Also Cameron hat...
Johannes Franke: Sie waren... Dann doch besetzt, glaube ich. Das hatte jemand, also nicht offiziell besetzt, im Sinne von, es hat jemand ein Ticket dafür gekauft, sondern ich glaube, es hatte dann sich rausgestellt, dass jemand von der höheren Crew das dann für sich genommen hat, weil es eben nicht verkauft war.
Florian Bayer: Ja, sowas wie wenn Jack seine Zeichnungen zeigt und dann erzählt von den Leuten, die er da gemalt hat. Dann haben wir die einbeinige Prostituierte, dann haben wir die Madame Bijoux, von der er erzählt. Alter, du kannst mir doch nicht erzählen, dass da... Das ist... Hat keine Relevanz für die Handlung. Du kannst mir nicht erzählen, dass da Layer, dass da Subtilitäten drin stecken.
Johannes Franke: Natürlich nicht. Das Problem ist, dass ich das so platt finde, wie Rose darauf reagiert und die typischsten Sätze der Welt sagt. Du hast ein Auge für die Menschen. Check.
Florian Bayer: Scheiße ganze Sachen. Das ist der Schmuh für, sagen wir es mal so, für die... Teenager Girls. Aber davor passiert ja auch noch was anderes. Davor passiert ja auch noch mehr. Weil er hat dieses Auge. Sie hat ja einfach recht. Ja,
Johannes Franke: natürlich.
Florian Bayer: Das ist eine gute Zeichnung von James Cameron. James Cameron kann wirklich gut malen.
Johannes Franke: Er kann ganz gut zeichnen, aber bei manchen dachte ich so, ja, okay, vielleicht hättest du doch jemanden holen können, der es macht. Er ist gut, er kann das gut, aber ich glaube für Jack ein bisschen besser könnte er schon sein.
Florian Bayer: Aber du willst ihn ja auch nicht zum Riesenkünstler machen. Das stimmt vielleicht auch,
Johannes Franke: ja. Aber so viel, wie sie in ihm sieht, ach ich weiß nicht, vielleicht stimmt das auch, vielleicht ist es auch vollkommen in Ordnung. Ich dachte zwischendurch, aber es ist anscheinend nicht so, dass ich ein bisschen creepy Gefühle dabei hatte, dass James Cameron die Schauspielerin nackt malt. Übrigens auch gespiegelt, ne?
Florian Bayer: Ja, ja, auch gespiegelt. Linkshänder, Rechtshänder. Er ist Linkshänder. Und deswegen das ganze Bild gespiegelt. Cameron ist so ein Psycho. Er hat geguckt und hat gesagt, okay, ich mal das, weil Leonardo DiCaprio kann das nicht malen. Man sieht es auch an der Hand. Man sieht diese Hand und denkt, das ist nicht die Hand von einem 20-Jährigen. Aber dann hatten die halt wirklich das Bild gespiegelt und Cameron musste das gespiegelt malen, damit es nicht auffällt.
Johannes Franke: Ja, meine Fresse. Aber er hat es tatsächlich auch nicht original von ihr gemalt, sondern er hatte irgendein Bild von ihr in so einem Suit und dann hat er das davon abstrahiert.
Florian Bayer: Die Geschichte von der Original-Szene dagegen ist sehr interessant. Das ist die erste Szene, die Leonardo DiCaprio und Kate Winslet zusammen gedreht haben. Und Kate Winslet war halt so, okay, erste Szene, er sieht mich nackt. Ich glaube, wir müssen das schnell hinter mich bringen. Saß in ihrer Garderobe und Leo war halt irgendwie so am Set und sie war nackt gerade. Und Leonardo DiCaprio klopft und sie sagt, komm rein, hier sind meine Brüste.
Johannes Franke: Und er war echt ein bisschen überfordert und sie hat gesagt, ja komm, ach. Wir müssen es doch sowieso machen, also lass uns das gleich hinter uns bringen. Und dann gab es ja auch die Szene, wie sie im Film zu sehen ist, wie er sich verspricht, sagt hier komm aufs Bett, hier das Sofa. Und das ist so süß, weil er sich ja wirklich versprochen hat und es nicht im Text stand, sondern er hätte es ganz selbstbewusst sagen sollen, aber dann war das so sweet, weil er einfach nervös war.
Florian Bayer: Das ist wirklich niedlich.
Johannes Franke: Überhaupt, wollen wir mal über ihn sprechen als Schauspieler. Ist er denn das, was es braucht? James Cameron, wenn er da irgendwie Gregory Peck oder sowas im Kopf hatte. Was halten wir von der Besetzung? Wie ist Leonardo DiCaprio in der Rolle? Mal abseits von meinem Trauma mit den Mädchen, die Leonardo DiCaprio toller finden als mich?
Florian Bayer: Also ich finde ja, Leonardo DiCaprio ist einer der besten amerikanischen Schauspieler unserer Zeit.
Johannes Franke: War er das damals auch schon?
Florian Bayer: Ja, der hatte die Oscar-Nominierung für Gilbert Grape war einige Jahre zuvor. Ich finde, er war das damals auch schon. Und ich finde, es ist eine Rolle für ihn, wo er das wenig, wenig, wenig zeigen kann. Weil es ist wirklich eine Rolle, die sehr auf diesen strahlenden Helden getrimmt ist. Man sieht diese Rolle und man sieht diese Figuren, weiß direkt, warum Teenager-Mädchen auf diesen Film abgefahren sind. Deswegen kann er wenig von diesem Talent zeigen, aber ich finde, es kommt trotzdem mit durch.
Johannes Franke: Ich finde, man sieht volle Kanne, das Talent da drin. Der schafft es aus so einer Manic-Pixie-Dream-Boy-Rolle. die eigentlich nicht viel hat. Ich finde auch, dass diese Figur sehr eindimensional ist.
Florian Bayer: Diese Figur ist eindimensional.
Johannes Franke: Und was er da rausholt, ist wirklich der Hammer. Ich will ihm von Anfang bis Ende zugucken. Ich finde es richtig gut. Aber ich finde sie auch richtig gut, also muss ich auch dazu sagen.
Florian Bayer: Kate Winslet ist richtig stark. Die ist absolut das Herz des Films und ich finde es eine sehr gute Entscheidung, das hauptsächlich aus ihrer Perspektive zu erzählen.
Johannes Franke: Ich finde es... Es ist erstaunlich, wie es Leonardo DiCaprio schafft, die dümmsten Sätze so gut zu sagen und da so viel rauszuholen und so viel Dreidimensionalität in sich selbst zu spielen, obwohl es nicht angelegt ist und so viel Freude zu machen, mit ihm da durchzugehen und das anzuschauen. Ich finde es phänomenal.
Florian Bayer: Aber sind seine Sätze so dumm?
Johannes Franke: Nicht alle, aber es gibt teilweise Sätze, wo ich sage, wow, okay, das musst du jetzt mal hinkriegen, den Satz so gerade auszusagen.
Florian Bayer: To make every day count. Das ist simpel. Aber ist das so dumm? Ich meine, wir haben den Club der Toten Dichter abgefeiert. Wir feiern Filme ab, die diese simplen Botschaften haben. Dieser Film hat eine simple Botschaft, aber er hat doch recht in diesem Moment. Es ist doch eine schöne Botschaft.
Johannes Franke: Aber wie oft die da an diesem Bug... I'm the king of the world und dann nochmal und hier das und das. Ja,
Florian Bayer: das sind dumme Szenen. Aber vor allem Fabrizio. Ich kann die Freiheitsstatue sehen. Ganz klein, ja.
Johannes Franke: Also es gibt doch wirklich ein paar Sätze. Das sind vielleicht nicht die großen Sätze, wo man sich dann ganz groß drüber aufregt. Aber es gibt genug Sätze in diesem Film, wo man denkt, wow, okay, dass ich dem das jetzt glaube, obwohl das Drehbuch an der Stelle schon ein bisschen hart schlecht ist.
Florian Bayer: Ich finde das Drehbuch nicht schlecht. Nicht insgesamt, aber es gibt Stellen, wo ich denke, nee, nee, so nicht. Wirklich, ich bin da reingezogen. Ja, das ist, ich stimme dir zu, dass Tribor ist simpel. Und es ist kitschig. Und es ist auch manchmal kitschig. Aber simpel und kitschig muss nicht schlecht bedeuten. Simpel und kitschig kann ganz oft schlecht bedeuten. Und es ist, und es ist.
Johannes Franke: Ich darf dir jetzt nicht recht hier im Flur, aber natürlich hast du recht.
Florian Bayer: Und es hat, ich finde, dieser ganze Film hat in seiner Simplizität, was die Geschichte betrifft und was das Gesellschaftspanorama betrifft, hat er etwas sehr Klassisches. Und ich glaube, er hat etwas, was wir, wenn es ein Drama des 19. Jahrhunderts wäre oder des 17. Jahrhunderts, wenn es Shakespeare wäre oder wenn es Lessing wäre oder whatever, was wir abfeiern würden und wir rümpfen die Nase drüber, weil es Hollywood ist. Ich finde, es ist in seiner Art, wie es erzählt, wie es die Personen aufbaut und wie es die Personen miteinander interagieren lässt, es ist sehr klassisch. Ich könnte mir das Ding total gut als Drama vorstellen auf der Bühne. Ohne die ganze Action, das würde funktionieren.
Johannes Franke: Das weiß ich nicht ganz genau, aber vielleicht hast du da auch recht. Es hängt davon ab, wie gut das inszeniert wird und ob sie wenigstens drei oder viermal weniger sagen, The Unsinkable, weil sie sich da wirklich hart draufsetzen. Und vielleicht müssen sie auch nicht 50 mal Jack und 50 mal Rose sagen, weil, also, da gibt ja genug Leute, die das gezählt haben. unglaublich, wie oft diese Zusammenschnitte sind geil.
Florian Bayer: Ich möchte noch mal ganz kurz zu etwas zurückspringen, was du als flach bezeichnet hast. Und ja, diese Gegenüberstellung ist flach. Aber ist das nicht eine geile Party da unten? Ist die nicht toll inszeniert?
Johannes Franke: Und die ist auch erstaunlich akkurat, weil tatsächlich auch Instrumente und so auch gerade solche Sachen in der zweiten und in der dritten Klasse und so einfach das Vorgang und Gebe. Das wurde so gemacht.
Florian Bayer: Und sie trinken dieses Bier. Ich liebe es ja, wenn im Film irisches Bier getrunken wird. Ich kriege direkt Lust auf ein Guinness. Wenn ich jetzt drüber rede, kriege ich schon wieder Lust auf ein Guinness. Dann tanzen sie. Es ist wirklich eine geile Party. Ich habe da so viel Spaß in dieser Szene. Ich kann da nicht drüber nachdenken, dass das billig ist, dass sie das Gegenüberstellen gegenüber der Freudlosigkeit, die in der ersten Klasse herrscht, weil ich einfach zu viel Freude daran habe.
Johannes Franke: Ich finde auch den Schnitt wahnsinnig lustig. Sie schneiden das wirklich sehr, sehr gut gegen. Also es macht Freude, dem zuzuschauen. Allerdings bin ich halt leider dann dabei, dass ich denke, ja, aber die Party da oben, wenn sie realistisch wäre, dann würde ich da oben sein wollen auch. Und ich würde irgendwie beides wahrscheinlich mitnehmen wollen, keine Ahnung. Aber es ist so eine Romantisierung, die da mitschwingt, der Armut, die ich ein bisschen seltsam finde. Wo auch, wo ich überlege, ob der Film das absichtlich oder unabsichtlich oder ob das ein Kommentar ist oder nicht, dass Rose auch so eine kleine... seltsame Romantisierung davon hat. Weil sie will aus ihrer Situation raus. Sie ist Touristin. Sie ist Armutstouristin in dem Moment und nutzt das, um aus ihrem eigentlichen rauszukommen, weil sie sich ja nicht umsonst versucht umzubringen.
Florian Bayer: Warte mal ganz kurz. Da ist dein Herz, Johannes. Du hast das gerade verloren. Steck's nochmal ein. Sorry. So groß ist es leider nicht. Du hast da einmal drauf rumgetrampelt vorhin. Ja, natürlich ist das da alles ein bisschen mit drin. Und natürlich kann man das kritisch sehen. Es ist letzten Endes auch eine wirklich einfache Liebesgeschichte. Es ist die traurige, in ihrer Welt eingeengte junge Frau aus reichem Haus, die ihr Glück irgendwie findet, indem sie sich in einen Menschen niedrigerer Klasse verliebt. Und das ist ihre Rettung. Das ist total einfach.
Johannes Franke: Naja, es gibt so ein, zwei Szenen, die rausgeschnitten wurden, zum Beispiel am Tisch, wo sie dann die Gabel sich ins Bein rammt, um überhaupt was zu fühlen und um abzulenken von dem anderen Schmerz, nämlich dem, dass die da alle richtig scheiße sind und ich weiß nicht genau, was sie erlebt haben soll oder muss, um wirklich so schlimm es zu haben, aber es scheint ihr wirklich sehr, sehr... mies zu gehen und dieser Selbstmordversuch ist ja nicht zu unterschätzen.
Florian Bayer: Wir sehen doch, dass Cal, also so egal wie Comic-Valender ist, wir sehen, dass er einfach mal ein Abuse of Asshole ist. Er schreckt sie, er schreit sie an.
Johannes Franke: Wobei ich am Anfang gar nicht so richtig verstanden habe, dass die tatsächlich schon so fest zusammen sind. Ich dachte, das wäre so, er macht ihr den Hof gerade oder sowas.
Florian Bayer: Nein, nein, sie wird als Vermutter.
Johannes Franke: Das habe ich irgendwie einfach falsch verstanden am Anfang und deswegen war ich so ein bisschen auf dem falschen Fahrwasser und habe gedacht, hä? Dann sagt er halt einfach nein, aber es scheint ja schon sehr fest zu sein.
Florian Bayer: Wir erfahren dann ja auch durch ihre Mutter, dass es wirklich notwendig ist für sie als Familie, weil sie wirklich verarmt sind. Und das ist der einzige Ausweg aus der Armut heraus. Kommen wir zu der berühmten, wir sind ja jetzt fast schon in der Halbzeit, kommen wir zu dieser berühmten Flug- und Kussszene, die ja kurz nach der Party auch ist. Wenn dieser Moment, wo einfach Rose sich entscheidet, ja Jack ist der Mann, mit dem ich mein Leben verbringen will. Die ist natürlich voll kitschig. In den Sonnenuntergang.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich kann fliegen.
Johannes Franke: Ja, also natürlich, sie wollen den Sonnenuntergang und sie haben auch extra dafür, was wir vorhin besprochen hatten, gewartet und den perfekten Moment dann genutzt und versucht, das irgendwie hinzukriegen. Und ich bin auch irgendwie drin in der Situation, aber ich fühle mich emotional erpresst.
Florian Bayer: Ein bisschen. Das ist schon so, oder? Ich finde, es ist nah. absolut krass kitschige Hollywood-Szene. Absolut Klischee. Und die Szene wird ein bisschen gerettet dadurch, dass wir dann diese Transition zum Frack haben. Und Rose und Jack, die immer noch zu sehen sind in dieser Transition, fast wie zu so Gallionsfiguren werden, die sich dann langsam unter Wasser im Frack auflösen. Und dadurch wird die so gehärtet, enthärtet. Auf jeden Fall verändert sich ein bisschen der Ton.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Davor finde ich es auch so, Hollywood-Romanze-Preisbrett. ohne dass ich, ich empfinde in dieser Szene tatsächlich nicht viel und es gibt durchaus Momente, wo ich die Romanze von Jack und Rose, wo ich da was empfinde, in dieser Szene nicht, endet aber auch nichts dran, dass es trotzdem eine schön inszenierte Szene ist und dass ich die, also ich kann das, das sehe ich, jetzt ist mein Herz runtergefallen, so sehr kalt kann ich sagen, ich sehe die Meisterhaftigkeit in der Inszenierung dieser Szene, ohne dass sie mich irgendwie groß emotional bewegen würde, ich finde aber das Ende, den Übergang zum Frag wirklich gut. Und vor allem dann der alten Rose, die sagt, das war das letzte Mal, dass sie Titanic das Tageslicht gesehen hat.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Guter Übergang, finde ich.
Johannes Franke: Ja, es ist vor allem auch immer wieder rückversichern, wo stehen wir in der Geschichte, was kommt als nächstes. Da legt ja Cameron sehr viel Wert drauf. Auch wenn man seine anderen Filme sieht, hat man so das Gefühl, er ist jemand, der gerne diesen Check-In macht. Wo sind wir gerade in der Geschichte, woher geht es hin und was wollen wir?
Florian Bayer: Wir haben ja auch viel über Chris Nolan geredet. Ja, Chris Nolan macht es komplett anders als Cameron.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und obwohl ich tendenziell sogar sagen würde, ich mag Nolan eher als Cameron als Regisseur, als Blockbuster-Regisseur, finde ich das bei Cameron deutlich organischer, wie er Erklärungen und Verortungen und so weiter in seinen Filmen vornimmt. Bei Nolan hast du immer das Gefühl, ah, jetzt kommt eine Erklär-Bad-Szene und die dauert dann 10 Minuten. Ja, das stimmt,
Johannes Franke: das stimmt, ja.
Florian Bayer: Und bei Cameron ist es mehr angenehm eingewoben in das Geschehen.
Johannes Franke: Das stimmt vielleicht, ja.
Florian Bayer: Das ist vielleicht so ein Ding auch so, ich meine, wir haben jetzt gerade einen 90-Minuten-Film besprochen. Das ist so dynamisch, dass sich das unglaublich kurzweilig anfühlt.
Johannes Franke: Das stimmt, absolut.
Florian Bayer: Dieses Ding ist dreieinhalb Stunden lang und es dauert wirklich lange, bis wir zum Desaster-Movie davon kommen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, aber der geht dann ja auch nochmal, der geht auch nochmal eineinhalb Stunden. Wie ein ganzer langer Film. Total krass. Ja, das Desaster, ne? Es schleicht sich ja so an und wir sind da noch teilweise drin in der Euphorie dieser Liebesgeschichte. Wir haben die Autosex-Szene vor dem Desaster. Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass das, was manche als Kritik äußern, nämlich dass so eine Liebesgeschichte genutzt wird und auf dem Buckel der Toten, dieses Unglücks, dann so ein Groschenroman erzählt wird. Und ich verstehe aber das total gut, zu sagen, okay, um die Tragik. aller zu verstehen, brauche ich eine Tragik von Personen, Einzelpersonen. Und ich kann nicht alle 2000 Einzelschicksale erzählen, also nutze ich diese beiden, um daran das Ganze zu erzählen. Das finde ich vollkommen okay beziehungsweise wahrscheinlich die beste Entscheidung dafür.
Florian Bayer: Ich finde Cameron macht das relativ raffiniert, dass er unsere Protagonistinnen ständig über Nebenfiguren stolpern lässt. Und wir kriegen bei fast allen Nebenfiguren erzählt, was mit ihnen passiert.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und auch so kleinere Geschichten, so den Mann, der Leuten hilft, wenn die Titanic schon untergeht und dann nochmal einen letzten Schluck aus seiner Whiskyflasche nimmt, von Rose beobachtet. Der echt existierte,
Johannes Franke: ich glaube es war ein Bäcker und der hat einfach einen nach dem anderen gesoffen, ist bis zum Ende tatsächlich auf diesem untergehenden Schiff geblieben und hat es geschafft, sich irgendwie festzuhalten bis zum letzten Moment, bis es ins Wasser ging und der hat Stunden. im Wasser ausgehalten. Andere sind nach 20 Minuten erfroren und tot gewesen. Und er hat Stunden in kaltem Wasser, beziehungsweise so halb an einem anderen Boot hängend, weil er nicht mehr reinkam, einen Wasserkontakt gehabt. Eiskaltes Wasser. Und er hat durchgehalten. Und er hat es auf den Alkohol geschoben. Er hat gesagt, er hat es immer wieder getrunken und das alte Alkohol hat ihn von innen gewärmt. Und ein Haufen Ärzte sagen, So funktioniert Alkohol nicht.
Florian Bayer: Alkohol ist die größte Gefahr, wenn du im Winter unterwegs bist, ist Alkohol wirklich riskant, dass du erfrierst, weil du fühlst dich gewärmt und bist es aber nicht. Wir haben diese, ganz nebenbei erzählt, diese Geschichte von Guggenheim, die auch wirklich passiert ist. Ja, krass. Guggenheim, der sagt, er will wie ein Gentleman sterben und sich in seiner schönsten Abendgarderobe nochmal einen Brandy gönnt.
Johannes Franke: Ja, macht der Film sehr, sehr gut, weil er im letzten Moment diesen Gag zündet. Indem er sagt, ich stelle mich dem wie echte Männer und so. Wir setzen uns da hin und ziehen einen schönsten Frack an. Und dann im letzten Moment, kurz bevor er den Film wegschneidet, sagt, aber ich hätte noch einen Brandy. Und dann aber, was ich wirklich sehr gut finde vom Film und dem Film sehr anrechnen möchte hoch, er zeigt das Gesicht von Guggenheim später nochmal.
Florian Bayer: Das ängstliche Gesicht, ne?
Johannes Franke: Vor allem nicht nur ängstlich, sondern das entsetzte Gesicht. Weil mit dieser Wucht und dieser Macht und diesem... entsetzlichen Grauen hat er natürlich nicht gerechnet. Niemand rechnet mit sowas. Niemand weiß, wie sich sowas anfühlt und wie sowas aussieht. Und das fand ich total wichtig. Sonst wäre es nur ein Gag gewesen und das ist blöde.
Florian Bayer: Und es sind ja auch nicht nur die Personen der ersten Klasse, die gezeigt werden, sondern wir lernen ja auch Personen in der dritten Klasse kennen und ich meine gar nicht so sehr das Offensichtliche wie Fabizio und Tommy, der irgendwie so als noch als zweiter Sidekick reingebaut wird. Sondern auch zum Beispiel dieses kleine Mädchen, mit dem Leonardo DiCaprio tanzt irgendwann. Das hatten sie leider rausgeschnitten, wie die gestorben sind. Wahrscheinlich war das Cameron-Nummer zu krass. Es gibt eine herausgeschnittene Szene, wo dieses kleine Mädchen mit ihren beiden Eltern hochrennt und dann aber vom Wasser ergriffen wird in der dritten Klasse und weggespült wird. Wir haben Leute auch aus der zweiten Klasse, die so am Rand gezeigt werden. Die sagen, ja, jetzt kommen zuerst die in der ersten Klasse ins Boot und dann sind wir dran. Dann sind wir die nachher am Schluss im Boot. auch mit untergehen. Es gibt wirklich viele Charaktere, die immer mal wieder so im Bild sind, die auch ein ganz klein bisschen was machen, kleine Rollen, die aber dieses gesellschaftliche Panorama lebendig machen. Und nochmal, das ist einer meiner wesentlichen Takes auf den Film, dass das wirklich dicht erzählt ist, dass da so viele Menschen rumwuseln.
Johannes Franke: Mir ist richtig.
Florian Bayer: Und man baut jetzt keine tiefen Beziehungen zu diesen auf, aber man versteht diese Menschen und man sieht, wie diese Menschen agieren in ihrer Zeit. Vielleicht hast du recht,
Johannes Franke: dass sich die Dreidimensionalität des Films dadurch ergibt, zumal James Cameron auch die Statisten, der hat für, glaube ich, 150 Statisten komplette Lebensgeschichten gehabt. Der ist hingegangen zu jedem Einzelnen und hat gesagt, du bist der und der, der tatsächlich existierte. Also er hat sich nicht irgendwas ausgedacht, sondern er hat tatsächlich die Passagierliste genommen, hat gesagt, du bist der, Du bist deswegen unterwegs und du hast das Ziel und du hast das Ziel. Und dann auch so kleine Sachen wie, wenn Leute in der Gegend rumrennen im Hintergrund, weil die Titanic gerade untergeht. Und kommt James Cameron und sagt zu diesen einen Statisten, du musst jetzt nochmal in deine Kajüte, weil deine Tochter 10 Minuten länger braucht, als sie gesagt hat. Und ihnen damit eine Motivation gibt für einen Hintergrundcharakter. Was so viel Dreidimensionalität innerhalb dieses Gefüges, innerhalb dieser Kleinstadt von Titanic ausmacht, das ist beeindruckend. Das ist schon wirklich gut.
Florian Bayer: Und ich finde, dann kommt auch dieser Größenwahn im Technischen dem Film extrem entgegen, weil es fühlt sich sehr dicht an, auch was da passiert. Wie sich das Schiff sinkt, wie alles so nach und nach vor die Hunde geht, Wasser eindringt. Wir sehen, wie Sachen kaputt gehen, wie Menschen in Panik geraten. Du fühlst dich da unglaublich reingerissen. Vor allem in dieses Gefühl von Isolation. Total. Der Film trifft das so gut, dass du allein bist auf diesem großen Meer und du weißt, wenn das Ding jetzt untergeht, dann ist da nichts mehr, dann werde ich sterben.
Johannes Franke: Ja, ja. Es gibt genug Totalen. Vom Schiff, Update übrigens, jetzt ist es so, so viel Grad nach links gedreht oder solche Sachen. Oder das Ding hebt sich langsam da hinten, die Schwanzflosse. Ich finde es total krass, weil du eben diese Dunkelheit drumherum hast. Und es gibt... nicht mal einen Mond oder so. Es gibt dann diese Sternenkonstellationen, die ja in der
Florian Bayer: Version... James Cameron, du Psycho Entschuldigung.
Johannes Franke: Nur um das kurz zu erzählen, es gibt eine 3D-Version, die veröffentlicht wurde. Diese 3D-Version, diese neue Veröffentlichung hat James Cameron genutzt, um den Sternenhimmel nochmal abzudaten. Weil Neil deGrasse Tyson zwischendurch gesagt hat, Toller Film, aber guck mal nochmal in die Astronomie rein, ob das jetzt stimmt. Das Sternenbild, was da zu sehen ist in der Szene, das war an diesem Datum um diese Zeit nicht da. Das sah anders aus, der Sternenhimmel. Fuck, Alter, wen interessiert, wann welche Sterne irgendwo waren?
Florian Bayer: Meine Fresse. Total schräg. Also das Neil deGrasse Tyson, das macht absolut geschreckt. Natürlich macht er das. Das ist sein Job. Aber dass James Cameron darauf hört und sagt, oh, naja, Moment, da müssen wir ganz schnell nochmal in den Schnitt und das updaten. What the fuck? Also er macht das nie wie bei Star Wars, dass er einen Haufen Figuren noch hinzufügt mit CGI am Ende.
Johannes Franke: Aber dass er da wirklich nochmal rangeht und die Sterne ändert.
Florian Bayer: Meine Fresse.
Johannes Franke: Na gut, okay.
Florian Bayer: Absolut schräg. Auch an dieser Stelle das Sounddesign. Wir haben ja öfter Momente im Schiffsbauch. was für ein krasses Sounddesign da teilweise herrscht. Das Knarzen, das Krachen, das Klirren, das Klimpern. Es reißt dich so rein. Und ich bin so dankbar, dass ich diesen Film im Kino sehen durfte, weil das natürlich noch mal eine ganze Nummer mehr reinhaut, wenn du das im Kino hörst, von allen Seiten und allen Ecken.
Johannes Franke: Man muss ja sagen, es gibt dieses Klischee von die Titanic ist ein eigener Charakter. Dass man auch so Spielorte als eigenen Charakter wahrnimmt. Das ist bei Gruselspukfilmen oft so. Dass der Ort selbst zu einem eigenen handelnden Charakter wird quasi. Und ich finde, dass die Titanic das tatsächlich erfüllt, allein durch die Geräuschkulisse, die sie macht. Und dieses Auseinanderbrechen. Wie fucking realistisch kann man so ein Schiff auseinanderbrechen lassen? Ich war wirklich, wirklich beeindruckt.
Florian Bayer: Ja. Zum eigenen Charakter. Wir haben letzte Woche über The Shining geredet. Wir haben hier auch diese, wir haben Momente, wo der Film fast in so Horrorfilm-Tropes abgleitet, wenn sie durch diese Flure gehen. Und wir haben schon drüber geredet. Das war ja wirklich so. Das war ein großer Schiffsbaum. Wenn du da unten in der dritten Klasse warst, hast du dich verlaufen. Und wenn Rose dann Jack retten muss, übrigens Rose rette Jack, und dann durch diese Fluriert auf der Suche nach Hilfe oder nach irgendeinem Werkzeug, um ihn zu befreien, dann haben wir hier wirklich so... Ganz klassisches Horror-Setup. Und es knarzt und knarrt. Lange Gänge und sie ist komplett verloren. Was für eine krass geile Kamera. Was für ein krass geiles Sounddesign.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: absolut. Und jetzt, wo du sagst,
Johannes Franke: Rose darf Jack retten. Unglaublich. Also Kate Winslet hatte auch nicht viel Spaß am Set. Auch bei solchen Szenen nicht. Sich da durchzukämpfen, mit der Axt das dann zu machen und so. Aber ich finde, der Film macht das wahnsinnig gut, dass sie dann auch einmal so... Weil Jack einmal sagt, hau da mal da drüben dagegen und dann hau mal bitte auf die gleiche Stelle nochmal und sie haut ganz, ganz anders gegen. Genug geübt. Und das ist so geil, weil das wirklich die Gefahr der Situation so effizient einmal illustriert und du keine Frage mehr hast, dass du sagst, okay, scheiße, wir sind alle fucked. Also großes Glück, wenn sie das schafft. Jeder andere Film hätte einfach gesagt, ja, hau mal drauf und sie hätte draufgehauen und weg wäre es gewesen und keiner hätte verstanden, dass das gerade die gefährlichste Situation überhaupt ist.
Florian Bayer: Also ich finde diese Szenen, wo sie da unten dann im Schiffsbauch sind, ich finde die sind wirklich, diese Anspannung, wenn sie durchs Wasser warten, wir merken, das Wasser wird mehr, es besteht ständig Gefahr, dass sie ertrinken, dass sie überflutet werden, das ist wirklich gut und danach hast du das Blitzen vom Strom, der langsam versagt, es zieht mich schon extrem rein.
Johannes Franke: Ja, ich habe ein bisschen die ganze Zeit gewartet, dass der Strom... durchs Wasser sozusagen Leute elektrifiziert. Aber das hat der ja nicht gemacht, der Film. Warum eigentlich? Ich habe keine Ahnung. Also die echte Titanic hat das nicht gemacht, weil der Strom relativ früh ausgefallen ist. Also es war einfach stockduster.
Florian Bayer: War das Licht nicht tatsächlich bis zu dem Bruch da? Echt? Ist das so? Ich dachte, das gehört zu den Sachen, die relativ akkurat sind, dass das Licht dann ausfällt, wenn es ausfällt.
Johannes Franke: Da habe ich tatsächlich nichts gefunden.
Florian Bayer: Ah ja. Aber wenn du da was recherchiert hast? Ich finde es gerade nicht mehr genau. Ich habe zu viele Notizen und ich habe zu viele Sachen, die ich nicht notiert habe. Lassen wir es einfach mal offen stehen.
Johannes Franke: Aber wir gehen vielleicht in diesen Feminismus von der Rolle kurz rein, weil sie darf ihn retten und sie darf auch, was wir vorhin mit dem Zeichnen hatten, paint me like one of your French girls.
Florian Bayer: Das wäre ein schöner Satz.
Johannes Franke: Und das sagt sie ja aus einer eigenen Agenda raus und das ist auch nicht selbstverständlich. Auch Ende der 90er noch. gab es zu viele Frauenrollen, die nicht selber gesagt haben, ich möchte übrigens Sex, sondern gesagt bekommen haben, du musst jetzt Sex wollen. Sie zieht ihn auf den Rücksitz. Sie macht das, genau. Put your hands on me, Jack. So was, ne?
Florian Bayer: Und ich finde es total grandios, dass sie die handelnde Figur die ganze Zeit ist. Rose ist eine tolle Rolle und wir können so dankbar sein, dass sie... Weil dieser Film auch einfach so erfolgreich war, auch so ein Stück Role Model ist. Sie ist ein richtiges Role Model. Sie ist ein gutes Role Model. Auch so, wie sich die Geschichte dann nachher entwickelt. Es ist auch ein Stück Empowerment-Film.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Es ist einfacher Empowerment-Film, aber es ist Empowerment. Sie reißt sich los von den Fesseln von ihrer Herkunft, von den Fesseln von dieser unglücklichen Verlobung und vor allem auch von den Fesseln ihres bisherigen Lebens. Und es wird einfach... sehr natürlich erzählt, wie sie Freiheit erlangt und was für kleine und was für große Dinge Freiheit bedeuten. Und dann ist es halt vielleicht auch mal nur Spucken wie ein Mann. Ich fand das so zufriedenstellend. Das stand ja gar nicht im Drehbuch. Dass sie den Kerl anspuckt?
Johannes Franke: Dass sie ihn am Ende dann anspuckt. Das war irgendwie was ganz anderes. Hat sie ihn schlagen sollen oder sowas? Ich weiß es gar nicht mehr genau. Da war was anderes im Drehbuch. Und dann haben sie beschlossen, dass sie ihn anspucken darf. Und es ist so zufriedenstellend, dass das wiederkehrt.
Florian Bayer: Das ist so ein ordentlicher Batzen, den er abkriegt. Sie spuckt wirklich wie ein Kerl in diesem Moment. Ich glaube, es ist Eigelb oder sowas gewesen. Großartige Szene. Und es ist halt wirklich auch, natürlich sind das einfache Botschaften. Diese Freiheit im Kleinen und im Großen. Und dass es darum geht im Leben. Und dieses nochmal to make everyday count. I buy it.
Johannes Franke: Ja, ich verstehe schon. Ich finde es auch ganz gut hergeleitet, wie sie so suizidal ist am Anfang. Und dann tatsächlich auch in dem Boot, in dem Rettungsboot ja kurz sitzt und dann wieder losrennt. Weil ihr offensichtlich sowieso nicht genug am Leben liegt. Also sie ist in dem Moment noch parasozial. Was glaubst du? Ja, ich glaube ja.
Florian Bayer: Dass sie aus dem Rettungsboot? Nein.
Johannes Franke: Nicht bewusst. Das ist eine völlig andere Nummer. Sie sitzt nicht dort und denkt, ach, mir ist mein Leben egal, ich gehe jetzt da hinterher und wenn mir mein Leben nicht genug egal wäre, würde ich jetzt hier sitzen bleiben. Sondern ich glaube, Parasozialität ist ja auch eine psychologische Sache, die man nicht dem nicht bewusst abläuft, sondern dass man sich in gefährliche Situationen eher reinbegibt, weil einem das eigene Leben so wie es ist,
Florian Bayer: sowieso nicht zusagt. Ich weiß nicht, darüber müsste ich nochmal nachdenken, weil ich finde, es gibt einfach diesen Shift von ihr, dass sie vorher diese Verzweiflung über die Gesellschaften, in der sie lebt und über ihr Leben, dass das halt zu dieser Suizidalität führt und dass das aber dann irgendwann in der Mitte des Films umschlägt in so einen krassen Optimismus und Tat Und zwar ein... Aber der bezieht sich ja komplett auf Jack, ne? Also,
Johannes Franke: sie sitzt ja mit ihrer Familie im Boot. Ja,
Florian Bayer: ja, aber...
Johannes Franke: Und das ist ja nicht die Zukunft, die sie will.
Florian Bayer: Nee, genau, sie will die Zukunft, sie will das Leben.
Johannes Franke: Ja, aber nicht dieses Leben, in dem sie gerade sitzt, im Rettungsboot mit Mutter und so weiter. Nein, nein, genau,
Florian Bayer: aber sie will nicht sterben, sie will das Leben.
Johannes Franke: Ja, aber sie nimmt das alles in Kauf und das nennt man Parasit... Okay. Suizidalität.
Florian Bayer: Das ist nicht zu viel Psychologie dafür. Also, ich finde ein Zeichen für ihren Optimismus ist, Es gibt... diesen wirklich geilen Moment. Das ist ein Moment, wo ich ihre Beziehung extrem ergreifend finde. Wenn das Schiff untergeht und sie oben drauf sitzen und das Schiff geht unter und alle haben Angst und Menschen stürzen und sterben und sie guckt ihn an und sagt, das ist, wo wir uns das erste Mal getroffen haben. Da kriegt mich die Liebesgeschichte voll, weil sie hat dieses krasse Optimistische in diesem Wahnsinn. Ich weiß nicht. An der Stelle habe ich gedacht, ja, habe ich gesehen. Musst du jetzt nicht nochmal sagen. Genau deswegen muss ich es sagen. Moment, ich muss dein Herz nochmal aufrufen. Weil jemand wie du sagt, nee, nee, nee, die ist parasuizidal, die will ja sowieso nur sterben. Ich weiß, dass du das nicht gesagt hast. Ich muss drüber nachdenken, ob da was dran ist. Ich sehe es als heroische Tat an. Sie hat diesen männlichen Heroismus in diesem Moment.
Johannes Franke: Also wenn es wirklich nur um den Heroismus geht, dann ist es eigentlich dumm.
Florian Bayer: Natürlich, Heroismus ist immer dumm. Darum geht's. Heroismus ist meistens dumm. Wir können auch gerne, wie das viele gemacht haben, darüber diskutieren, dass sie daran schuld ist, dass Jack stirbt, weil die scheiß Tür wäre für ihn da gewesen, wenn sie nicht da gewesen wäre. Aber dann werde ich dein Herz nicht mehr aufheben können, weil es irgendwo ganz weit dahinten gelandet ist. Lass uns über die Tür reden. Das ist doch gut. Also ich bin volle Kanne bei James Cameron,
Johannes Franke: der sagt, Alter, es geht nicht um Physik, sondern es geht um Kunst. Ja, Jack muss sterben. Also stirbt er fucking. Er hätte die Tür vielleicht ein bisschen kleiner machen können und es ist keine Tür, es ist ein Panel, das quasi zu einer Tür gehört, aber er hätte sie vielleicht kleiner machen können, damit man nicht sofort darauf springt und sagt, ja, da passt er doch nochmal drauf. Ich glaube, dass diese Diskussion volle Kanne zeigt, wie effizient dieser Film ist, wie gut dieser Film das schafft, weil die Leute so viel Mitgefühl haben. Dass sie nicht akzeptieren können, dass Jack stirbt. Der Schmerz ist so groß, dass sie diesen Schmerz irgendwie wegingenieren wollen. Das finde ich total spannend und total beeindruckend,
Florian Bayer: dass der Film das schafft. Ich habe das Gefühl, eine zweite Theorie einzulassen. Dieser Film, durch den Perfektionismus, den er hat, lädt er geradezu danach ein, nach kleinen Sachen zu suchen, nach Unstimmigkeiten zu suchen. Ja, natürlich. Und wenn man sich anschaut, mit wie viel... mit wie viel Akribie Menschen nach Unstimmigkeiten in diesem Film gucken und sagen, da ist ein kleiner Fehler und da ist ein kleiner Fehler. Ich glaube, in dem Fall ist es wirklich ein Zeichen dafür, dass der Film halt extrem viel richtig macht. Weil er bietet so wenig Angriffsfläche, dass auch sowas geguckt werden muss, ob die Beleuchtung der Freiheitsstatue 1912 so funktioniert hätte, wie sie in dem Film dargestellt wird. Oder die Taschenlampen,
Johannes Franke: die sie dabei haben, die existierten in der Zeit noch nicht so in der Form.
Florian Bayer: Wenn man auf sowas guckt. Um Fehler zu finden, dann macht ein Film verflucht viel richtig. Ja, es macht natürlich Sinn, dass er stirbt. Also er muss, es ist einfach klar, es ist durch diese Geschichte vorgegeben. Und da haben wir auch den klassischen heroischen Moment des Mannes, dass er sich für sie opfert.
Johannes Franke: Und deswegen ist er halt auch bis zum Ende Manic Pixie Dream Boy. Ist er. Was vielleicht eigentlich nie für einen Film wirklich gut ist, so eine Manic Pixie Dream Figur zu haben. Aber dadurch, dass es ein Manic Pixie Dream Boy ist und wir jetzt eine 100 Jahre Filmgeschichte lang Manic Pixie Dream Girls gesehen haben, ist es eine nette Abwechslung. Also es ist ein bisschen zufriedenstellend. Aber eigentlich muss man sagen, hätte man schon auch ein bisschen mehr von ihm erwarten können. Also ein Dreidimensionalität. Aber ja, jetzt wo du es sagst, ist es natürlich auch, wo wir die ganzen Vergleiche mit Shakespeare und so weiter haben. bin ich geneigt, dem ein bisschen nachzugeben, was du sagst, dass die Dreidimensionalität auch durch das Gefüge überhaupt erst entsteht. Das stimmt schon auch.
Florian Bayer: Ich finde, die Liebesgeschichte ist extrem simpel. Auf jeden Fall ist es eine ganz einfache Liebesgeschichte. Wirklich auf den Kern reduziert, was eine Liebesgeschichte sein kann. Und da bin ich auch gar nicht der größte Fan davon. Ich finde, drumherum passiert so viel anderes Emotionales. Für mich sind die stärksten emotionalen Momente in diesem Film nicht die Liebesgeschichte zwischen ihnen, sondern einer der stärksten emotionalen Momente ist, wenn wir diese Leichen im Wasser sehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Dann sehen wir diesen Menschen im verzweifelten Todesblick und dann sagt sie, es wird ruhiger. Wir sehen einfach unglaublich viele Menschen in dieser Ruhe sterben.
Johannes Franke: Ich finde Molly hat die Szene, die das Ganze so auf den Punkt bringt und mich in eine Stimmung bringt, dass ich dann so viel trauern kann über diese sterbenden Menschen, weil sie so viel kämpft dafür, dass sie zurückfahren. Und die echte Molly, die hat ja tatsächlich dann auch das Kommando mehr oder weniger übernommen von diesem Boot. Aber sie sind tatsächlich nicht zurückgefahren.
Florian Bayer: Es gab zwei Boote, die zurückgefahren sind. Vier und 14. Und die haben es tatsächlich auch noch geschafft, Menschen aus dem Wasser rauszuziehen. Und zwar einmal das Boot Nummer vier hat es geschafft, sechs oder sieben mehr rauszuholen. Und das Boot Nummer vier. Moment, jetzt muss ich kurz gucken. 4 und 14 sind zurückgefahren, aber 4 war das einzige, was Leute rausgeholt hat und zwar 6 oder 7, wovon 3 überlebt haben. Die waren einfach runterkühlt.
Johannes Franke: Ja, in 20 Minuten bist du da einfach durch, wenn du da in diesem Wasser bist die ganze Zeit. Ich finde es wahnsinnig interessant und gut.
