Episode 76: Dracula (1958) Und die Horrorfilme von Hammer
Es gibt nur einen wahren König der Vampire. Graf Dracula. Der berühmteste Blutsauger der Horrorgeschichte, von Bram Stoker 1897 erschaffen und seitdem in zahllosen Büchern und Filmen weitergesponnen. Und es gibt nur eine wahre Königin der Horrorfilmgeschichte: Hammer Productions Ltd. Gegründet im Jahr 1934 und spätestens seit den späten 50er Jahren Aushängeschild für mal mehr (mal weniger) gehobenen Gothic Horror mit schmalem Budget.
Ein wesentlicher Grund für die enorme Reputation von Hammer in Horrorfilmkreisen dürfte Dracula aus dem Jahr 1958 sein: Der erste Dracula-Film in Farbe, das Debüt Christopher Lees als Obervampir und das Debüt Peter Cushings als sportlicher Van Helsing. Die Hammer’sche Dracula-Version ist so etwas wie ein Kondensat des Urstoffes: Reduziert auf das Wesentliche, den Kampf des Menschen gegen die unsterbliche Bestie, ohne großen erzählerischen Schnickschnack, dafür aber mit einer Menge Action und einer ungeheuren Liebe zum Detail, die sich vor allem im wunderschönen Setting und den prunkvollen Kostümen widerspiegelt.
Aber natürlich ist der Film auch ein Kind seiner Zeit, seiner Herkunft und seines Budgets: Zwischen Naivität und düsterem Horror pendelnd, mal pathetisch, mal frivol, mal brutal, mal unfreiwillig komisch. Eine Modernisierung des Draculas für das Jahr 1958 in einem sehr speziellen Stil, der wegweisend sein sollte auch für spätere Hammer-Filme… und der mit Sicherheit nicht jedem liegt. Wie sah es denn bei dir aus, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 76: Dracula (1958) Und die Horrorfilme von Hammer Publishing Date: 2022-06-15T20:06:08+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/06/15/episode-76-dracula-1958-und-die-horrorfilme-von-hammer/
Johannes Franke: Warum tötet er nicht Dracula? Was soll das? Warum die Frau? Warum die Frau? Oh mein Gott. Er ist doch extra, er hat sich jahrelang vorbereitet, um Dracula zu töten. Und er kommt da runter, hat die Gelegenheit und was macht er? Ich gehe zur Frau. Was?
Florian Bayer: So, hast du Lust? Ja, klar, auf geht's.
Johannes Franke: Na dann, läuft schon, Flo.
Florian Bayer: Ja, herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zu einer neuen Folge vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Muss man sehen, Podcast.
Florian Bayer: Nach einer langen Pause, die ihr gar nicht wahrgenommen habt, weil wir immer brav vorproduzieren. Aber Johannes und ich haben uns tatsächlich seit zwei Wochen nicht gesehen.
Johannes Franke: Länger?
Florian Bayer: War sogar länger, ne?
Johannes Franke: Ich glaube länger, ja, drei Wochen. Also es ist... Sehr traurig gewesen ohne dich, Plur. Ich wusste nicht, was ich machen sollte mit meinem Leben ohne deine...
Florian Bayer: Das war total schrecklich. Ich habe angefangen, mich mit meinem sechsjährigen Sohn über Filme zu streiten. Einfach um diesen Streit zu haben. Ich habe ihm gesagt, dass ich Star Wars doof finde, um ihn zu provozieren. Also ungefähr die ähnliche Reaktion, die von Johannes auch kommt, wenn ich anderer Meinung bin als er.
Johannes Franke: Okay, ich sehe schon, du bist wieder auf Krawall gebürstet. Lass uns loslegen, wir haben einen Film von dir.
Florian Bayer: Ja, dabei müsstest du eigentlich auf Krawall gebürstet sein, weil ich dir mal wieder einen Horrorfilm gegeben habe.
Johannes Franke: Ja, aber vielleicht auch einer, der nicht in meine Kategorie Horrorfilme reinpasst so richtig. Das werden wir sehen, weil er ist wirklich alt.
Florian Bayer: Es ist ein alter Film. Ich wollte Johannes... Also ich habe ja immer mal wieder so ein bisschen... diese Hoffnung, hier ein wenig Filmgeschichte reinpushen zu können.
Johannes Franke: Das schaffst du auch immer wieder.
Florian Bayer: lieben ZuhörerInnen, sondern auch um Johannes ein bisschen nahe zu bringen, wie sich alles woraus irgendwie wohin entwickelt hat und einer der ganz wichtigen Stützpfeiler der Horrorfilmgeschichte sind die Hammer Studios, die in den späten 50ern populär geworden sind durch ihre viktorianischen Horrorfilme. Und dann bis in die 70er hinein zahllose Varianten von den klassischen Filmmonstern gedreht haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich habe mir tatsächlich einen Klassiker von Ihnen ausgesucht. Dracula. Der erste Dracula-Film, den Sie gemacht haben, aus dem Jahr 1958. Eigentlich der zweite Film, der für die Popularität von Christopher Lee und Peter Cushing als Monster beziehungsweise Gegner des Monsters verantwortlich ist.
Johannes Franke: Der Hammer. Und ich habe gar nicht gewusst, dass das alles irgendwie zusammenhängt. Der Hammer, natürlich pun intended. Wollen wir einfach in den Film direkt einsteigen? wir haben das Konzept nicht erklärt. Wir geben uns gegenseitig Filme auf. Egal, ob der andere sie sehen will oder nicht. Er muss.
Florian Bayer: Wir haben keine Zeit.
Johannes Franke: Okay, also erzähl uns, was wir haben.
Florian Bayer: Es gibt nur einen wahren König der Vampire. Graf Dracula, der berühmteste Blutsauger der Horrorgeschichte, von Bram Stoker 1897 erschaffen und seitdem in zahllosen Büchern und Filmen weitergeschrieben. Und es gibt nur eine wahre Königin der Horrorfilmgeschichte, Hammer Productions Limited, gegründet im Jahr 1934 Spätestens seit den späten 50er Jahren Aushängeschild für mal mehr, mal weniger gehobenen Gothic-Horror mit schmalem Budget. Ein wesentlicher Grund für die enorme Reputation von Hammer in Horrorfilmkreisen dürfte Dracula aus dem Jahr 1958 sein, der Der erste Dracula-Film in Farbe. Das Debüt Christopher Lies als Obervampir und das Debüt Peter Cushings als sportlicher Van Helsing. Die hämmersche Dracula-Version ist so etwas wie ein Kondensat des Urstoffes. Reduziert auf das Wesentliche den Kampf des Menschen gegen die unsterbliche Bestie. ohne großen erzählerischen Schnickschnack, dafür aber mit einer Menge Action und einer ungeheuren Liebe zum Detail, die sich vor allem in wunderschönen Settings und den prunkvollen Kostümen widerspiegelt. Aber natürlich ist der Film auch ein Kind seiner Zeit, seiner Herkunft und seines Budgets. Zwischen Naivität und düsterem Horror pendelnd, Mal pathetisch, mal frivol, mal brutal, mal unfreiwillig komisch. Eine Modernisierung des Dracula für das Jahr 1958 in einem sehr speziellen Stil der wegweisend sein sollte auch für spätere Hammerfilme. Und der mit Sicherheit nicht jedem liegt. Wie sah es denn bei dir aus, Johannes?
Johannes Franke: Soll ich die Katze schon aus dem Sack lassen? Ja, lass mal die Katze aus dem Sack. Wirklich? Ja. Ich dachte, ich quäl dich jetzt irgendwie so anderthalb Stunden lang und sag dir nicht, ob ich den Film eigentlich gut finde oder nicht. Also, ich glaube, wenn ich mit 15 diesen Film gesehen hätte, hätte ich eine große Liebe zu Hammerfilmen entwickelt. Ich bin mir ganz sicher. Allerdings habe ich das nicht, sodass ich nur ahnen kann, was bei rumgekommen wäre. Du ahnst, was ich meine, ne?
Florian Bayer: Das ist definitiv ein Nostalgiebrillenfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ohne jeden Zweifel.
Johannes Franke: Aber man muss dazu sagen ... Ich verstehe das 15-jährige potenzielle Ich sehr gut und deswegen kann ich den Film auch so genießen. Ich kann mir einbilden, ich hätte eine Hammerfilm-Liebe. Aber da ich sie nicht habe, muss man natürlich auch ein bisschen kritisch reinschauen. Aber ich habe ihn sehr wohlwollend geguckt, muss ich sagen.
Florian Bayer: Okay. Versuchen wir mal so zwischenwohlwollend und kritisch reinzuschauen, weil ich habe das jetzt auch wieder festgestellt und so geht es mir eigentlich immer, wenn ich Hammerfilme schaue. Ich verbinde mit Hammerfilmen sehr viel Nostalgie. weil sie wahrscheinlich so die ersten Horrorfilme waren, die ich gesehen habe. Und für mich waren das immer eigentlich ganz lange, weil ich hab die halt wirklich als... nicht als 15-Jähriger, wahrscheinlich eher so als 13-, 14-Jähriger, irgendwie mal so aufgeschnappt im Nachtprogramm. Die liefen dann irgendwo auf Privatsendern. Und für mich war das ab einem gewissen Punkt so die definitive Ästhetik des Horrorfilms. Ich kannte ja nicht viel anderes. Das war eigentlich für mich so der Inbegriff... von dem, was Horror ausmacht. Dass du halt diese Settings hast, die in alter Zeit sind. Du hast immer irgendein Monster oder mehrere Monster. Und es sieht irgendwie schön aus, aber dann gibt es auch den Moment, wo das Blut spritzt und wo vor allem die pathetische Musik einsetzt, wenn Dracula wieder auftaucht. Die Musik ist der Hammer. Musik ist großartig, oder?
Johannes Franke: Die liegt vom Anfang an irgendwie wie so ein Teppich drunter. Es gibt so Momente, wo er Gott sei Dank mal davon absieht, nur Töne drunter zu legen. Aber die ersten 20 Minuten oder 30 Minuten... Ist mir echt aufgefallen, liegt ein ganzer Teppich nur Musik drunter.
Florian Bayer: Und auch immer, es gibt diese Spitzen natürlich, es ist so dieses Trönen, die es... Und dann geht's hoch und im richtigen Moment, das ist eigentlich schon so eine Antizipation des Jumpscares. Allerdings nicht so platt, wie er heute gemacht wird, sondern es ist einfach, es ist anders getimt einfach vom Gefühl. Deswegen werden viele sagen, die Musik, das funktioniert nicht so wie bei uns heute. im modernen Horrorfilm, dass die Musik so ein bisschen vorweggezogen wird und du dann wirklich erschrickst, sondern die Musik liegt Direkt auf dem Bild. Und es gibt einfach diesen langgezogenen Schock-Moment. Vermeintlichen Schock-Moment. Also es ist nicht was, was sich dazu bringt ... ängstlich vom Sitz hochzuspringen. Oh nein, da ist er wieder.
Johannes Franke: sowieso nicht, weil wir ja aus dem Jahre 2022 in 50 Jahre, 60, 70 Jahre, 70 Jahre zurückkommen.
Florian Bayer: Und das spielt auch eine ganz wesentliche Rolle, wenn ich heute Hammer-Filme sehe, sehe ich natürlich so dieses Kitschige, dieses Naive, dieses Unkirche. unfreiwillig komische. Und Hammer-Filme, wenn ich sie heute schaue, die verschwimmen auch alle so ein bisschen. Hm. Also tatsächlich gerade, egal ob die Vampirfilme oder die Frankensteinfilme, die haben eben alle so eine sehr spezielle Hämmernote, vor allem die von Terrence Fischer gedreht sind. Ja. ja wirklich sehr viel dann gedreht hat. Die haben alle einen sehr ähnlichen Stil und es ist eigentlich, es geht eigentlich immer relativ schnell zur Sache. Es ist klar, es gibt Tote, wir sehen Monster, die Die Leute angreifen, es ist sehr schnell klar, was die Betrohung ist. Es gibt nicht so viel Platz für Mysterien, für das große Unbekannte, sondern es ist schon so Schlag auf Schlag. Das ist auch manchmal langatmig. Es gibt auch sehr langatmige Hammerfilme. Dracula ist, glaube ich, eine ganz gute Wahl als erster Hammerfilm, weil der definitiv nicht dazu gehört, weil das ein Film ist, der ... Superschnell erzählt.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Und so durchrauscht durch seine Geschichte. Sie haben ja auch krass viele Köpfe. und Änderungen vorgenommen zum Roman. Ja, genau. Mit Bram Stokers Variante von Dracula hat das nur noch sehr entfernt was zu tun.
Johannes Franke: Aber man muss dazu sagen, dass es vielleicht nicht unbedingt daran liegt, dass man versucht etwas dicht zu erzählen, sondern daran, dass das Budget etwas sehr dürftig ist. 80.000 oder 81.000 Pfund? Das ist echt wenig Geld für sowas.
Florian Bayer: Ich finde, das ist eine ganz große Sache bei Hemmerfilmen. Man lässt sich so ein bisschen von dem Look täuschen. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich sehe, wie wenig die gekostet haben. Das war ein Low-Budget-Studio. Die haben von Anfang bis Ende Low-Budget-Horrorfilme gemacht. Aber die schaffen es echt ganz gut, das zu kaschieren. Weil die Kostüme und die Settings ... Die sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail gemacht und ich finde, man merkt allen Beteiligten auch so eine Leidenschaft an. Man sieht einfach, da wurden so kleine Sachen eingebaut, die das Ganze nochmal ein bisschen... ein bisschen prunkvoller machen, da ist alles nochmal ein Stück pittoresker und da wird sich eben auch um die kleinsten Blumenarrangements gekümmert. Und dadurch wird sehr viel kaschiert, was an dem Budget klein war.
Johannes Franke: Ja, ich musste sehr an, wie heißt er, der mit ... wenn Bela Lugosi dann versucht hat, noch Filme zu machen.
Florian Bayer: Edward?
Johannes Franke: Edward. Jetzt ist mir der Name nicht eingefallen. Warum zur Hölle? Ja. Die Ikone, ich versuche es, schaffe es aber nicht. Und das Tolle ist... Die Leidenschaft, die Ed Wood hatte, das alles zu machen, trifft hier auf ein Können. Das durchaus vorhanden ist und das nur am Geld sozusagen hapert, aber man sieht das kaum und das fing... Finde ich es beeindruckend, weil sie auch genau an der richtigen Stelle gesagt haben, so jetzt müssen wir uns aber auch verabschieden von bestimmten Vorstellungen davon, wie das sein muss. um ins Budget zu passen, aber eben an der richtigen Stelle.
Florian Bayer: Es sind keine Trashfilme. Auch wenn sie immer so ein bisschen so Richtung Kitsch und Richtung Klischee wandern. Aber Hammer macht keinen puren Trash. Und obwohl sie die klassischen Ingredienzen für diesen ... Trash haben oder für die B-Movies, weil sie haben, sie benutzen Sex und Gewalt als Verkaufsargument. Und das macht auch dieser Film schon. Das machen die späteren Filme deutlich krasser. Aber auch dieser Film hat schon sehr tiefe Dekolletes. Mhm. Die klassischen Femme Fatale Klischees, die immer mal wieder aufgewärmt werden. Es ist klar, es soll hier auch was zu sehen gehen. Ja. Das ist dann im Notfall halt eine Frau, die hilfesuchend zu einem Protagonisten stürzt und sagt, rette mich, rette mich. Und dann fällt sie so tief runter, dass jeder auch wirklich tief in die Dekolleté schauen kann.
Johannes Franke: Ja, und auch die Sexualisierung dieser Dracula-Figur. Also es ist ja so, dass die Frauen alle so lüstern, danach schauen. Nachdem sie einmal gebissen wurden, sind sie jetzt... Also es ist sehr stark sexualisiert, was die im Blick haben. Und die Regieanweisung war auch entsprechend.
Florian Bayer: Definitiv. Und Dracula ist auch eine Altherrenfantasie, ne? Im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Dracula ist 500 Jahre alt und verführt haufenweise die 20-Jährigen.
Johannes Franke: Im Buch hat er irgendwie so ein Harem an Frauen, oder?
Florian Bayer: Genau. Dracula hat eigentlich... Die klassische Geschichte von Dracula ist eigentlich immer und die Variationen sind auch meistens in die Richtung, dass er ja wie ein Haarem hat, dass er die Frauen beißt und die dann teilweise auch bei sich hält. in dem Dracula-Film von Francis Ford Coppola aus Anfang der 90er Jahre gibt es eine Szene, wo das sehr gut visuell umgesetzt ist. Wo der Protagonist Jonathan dann in dem Schloss von Dracula ist und dann wird er von drei oder vier Frauen gleichzeitig verführt und landet quasi in dem Harem von Dracula. Ja. Aber tatsächlich ist dieser Film aus dem Jahr 1958 so ein bisschen auch die Wiederentdeckung des sexuellen Motives der Dracula-Filme. Das ist was, was Universal nicht gemacht hat. Weil sie sich damals das auch nicht getraut haben. Der klassische Universal Dracula ist halt auch 20 Jahre älter. Ja. Und was die Expressionisten, also Nosferatu, Fritz Murnau nicht gemacht hat, weil ... es einfach nicht ins Setting gepasst hat, weil da das Unheimliche und das Bizarre mehr betont wurde.
Johannes Franke: So zeitlich eine Einordnung, Murnau war in 1921 glaube ich.
Florian Bayer: Genau und der Dracula von Universal war 1931.
Johannes Franke: Und es gab danach auch
Florian Bayer: Dracula-Filme? Und es gibt schon Unterschiede zu diesem Dracula, zu den Dracula-Filmen davor. Es war ja tatsächlich im Vorfeld durchaus ein gewisser Aufschrei in Horrorfilmkreis. Ihr könnt Dracula nicht farbig machen. Das macht die ganze Atmosphäre kaputt. Das funktioniert nicht. Tut das bitte nicht.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie die Rezeption damals war, wie man dann ins Kino gegangen ist und das als Farbfilm gesehen hat. Natürlich haben wir. Genau die gleiche Nostalgie einem Schwarz-Weiß-Film gegenüber wie diesem Farbfilm, der sehr ausgewaschen und sehr technikolor und sehr... eine ganz bestimmte Farbpalette mit sich rumträgt und schon allein deswegen natürlich funktioniert. Absolut. Die rote Farbe natürlich sehr... herausstechend gewählt ist. Also es ist keine natürliche Blutfarbe.
Florian Bayer: Es wird auch nicht dezent eingesetzt. Also wenn Blut spritzt, dann ist es immer so sehr, also es sind nicht Massen an Blut. Überhaupt nicht. Es ist kein Film aus unserer Zeit. Aber es wird ins Zentrum der Kamera gerückt. Wenn wir Blut sehen, dann ist das komplett im Fokus der Kamera. Und es ist so dieses helle Dieses helle Hammer-Filmrot, was sich auch wirklich durch ihre Filme zieht bis in die 60er hinein. Nein, als andere Studios schon eine ganz andere Ästhetik hatten. deutlich realistischer waren in der Darstellung von Gewalt und von blutigen Szenen.
Johannes Franke: Vielleicht ist das dann so ein Ding, was man einfach... aus Tradition mit sich rumträgt, obwohl man weiß, dass es vielleicht eigentlich gar nicht so gut ist, aber man dann denkt, die Leute erwarten das jetzt auch und man muss das irgendwie mitziehen.
Florian Bayer: Und Achtung, gewagte These, vielleicht ist unter anderem diese Farbe des Bluts mitverantwortlich, dass die Hammerfilms dann in den 70ern... nach und nach ihren Einfluss verloren haben, weil das war natürlich ein Aspekt ihrer... Darstellung von Gewalt. Die Hammer-Filme haben einen sehr naiven Umgang mit Gewalt. spiegelt das sehr gut wider.
Johannes Franke: Ja, okay, aber der eigentliche Grund ist doch, die waren ja einer der Ersten, die bestimmte Grenzen überschritten haben, oder? Ja. Also mit Darstellung von solchen Dingen, von so Horrormomenten und so weiter. Und dann kamen doch immer mehr Studios... dazu und haben gesagt ja okay wir machen jetzt auch so ein horrorfilm und die sich vorher noch geziert haben solche sachen zu zeigen
Florian Bayer: Der Haze-Code ist so ein bisschen mit Schuld. Und zwar auf eine verdrehte Art und Weise. Weil die Hammer Studios, die hatten keine eigenen Studios. Die haben produzieren lassen. Aber die Hammer-Films waren in Großbritannien und haben deswegen so ein bisschen befreit von dem Haze-Code.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Während in Amerika die Studios wirklich gekämpft haben, auch nur so ein bisschen was, so ein Knöchel zu zeigen. Oder eben auch mal einen Mord anzudeuten. Da gab es ganz klare Regeln. Und der Haste-Code wurde im Laufe der 60er-Jahre immer unbedeutender. Und dadurch konnten die New Hollywood Regisseure aufsteigen. Wir haben in der früheren Folge über Bonnie und Clyde geredet, als einer der...
Johannes Franke: exemplarische New Hollywood Filme, wo Gewalt viel stärker gezeigt wird.
Florian Bayer: Und dann ist das amerikanische Publikum natürlich ein bisschen abgewandert. Wozu brauchen wir noch diese etwas cheesigen Publikum? dritten, wenn wir das, was wir sehen wollen, jetzt auch hier in unseren Filmen haben können. Wir können ja mal ganz kurz in die Geschichte von Hammer Studios springen. Oh, hier ist nämlich wirklich eine spannende Geschichte.
Johannes Franke: Ist das ein Lexikon-Eintrag?
Florian Bayer: Das sieht fast aus wie ein Lexikon-Eintrag. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: Ja, dann leg los, Floor. Hammer Films Limited?
Johannes Franke: Hammer Time.
Florian Bayer: Hammer Film Productions Limited, um genau zu sein. Warum sagst du Heimat? Warum tust du so etwas?
Johannes Franke: Ich kann es mir nicht verkneifen, es geht einfach nicht.
Florian Bayer: 1934 wurden die gegründet von William Hinz, der eigentlich ein Comedian war. Und der war unter dem Namen Will Hammer unterwegs in London. Und zwar in Hammersmith. Da ist er aufgetreten. Und deswegen hat er sich zusammen mit seinem Bühnenpartner Hammer & Smith genannt, so als Referenz daran. Jack Payne hieß sein Partner. Dieser William Hinz wollte aber mehr und hat dann irgendwann eben Ja, er wollte Filme machen und hat dann dieses Studio gegründet 1934. Und das war aber all over the place, ganz lange. Die haben angefangen, der erste ... Horrorfilm von ihnen war The Mystery of the Marriage Last, in dem niemand Geringeres als Bela Lugosi mitgespielt hat. Aber die haben alles gemacht. Es gab Thriller. es gab Musicals, es gab unglaublich viele Rom-Coms und 1937 sind sie bankrott gegangen. Und das ist tatsächlich so ein bisschen sowas, was sich durch die Geschichte von Hammerfilms zieht. Die waren immer so ein bisschen am Rande des Bankrotts. Ja. Und sind öfter mal über diesen Rand drüber gestolpert. Oder fast drüber gestolpert. Also als sie Dracula gedreht haben, war das auch sehr
Johannes Franke: knapp. Da kam doch jemand zur Rettung irgendwie daher, oder? Hat sich da nicht irgendjemand noch eingeschleust?
Florian Bayer: Es kamen immer mal wieder welche zur Rettung daher. Aber damals in den späten 30ern, wo wir jetzt sind, waren sie eigentlich schon die, die billige Filme gemacht haben. Und zwar haben die ganz lange sogenannte Quota-Quickies gedreht. Ah. Quota-Quickies sind, das ist das Pendant zum französischen Radio. Im französischen Radio gibt es ja diese Vorgabe, dass... x Prozent des Programms französischsprachig sein müssen. Und deswegen gibt es halt ganz viele, also die müssen französische Songs spielen. Und die Britzchen Kinos. Die hatten damals durch den Cinematograph Act vom Parlament 1927 vorgeschrieben bekommen, sie müssen eine gewisse Quote an britischen Filmen aufführen.
Johannes Franke: Ach wie geil.
Florian Bayer: Und diese Filme waren aber natürlich nur so als Nebenprogramm gedacht, um halt irgendwie die Quote zu füllen. Und die Hammer-Produktionscompany, die hat diese Filme produziert. Die haben billige britische Filme gemacht. Damit genug britisches Zeug läuft, damit die amerikanischen geilen Filme gezeigt werden können.
Johannes Franke: Oh Gott, wie so eine Gesetzgebung so ein Monster gebären kann. Genau.
Florian Bayer: Allein die Titel sagen eigentlich schon alles. Death in High Heels. Um nur einen Thriller aus den späten 20ern oder frühen 30ern zu nennen. Und das haben sie wirklich lange durchgezogen und dann irgendwann haben sie ihr Genre entdeckt und das war in den 50ern. 1955 kam mit The Quarter Mass Experiment. Ihr erster Horrorfilm, der etwas mehr Aufmerksamkeit erzeugt hat. Und das wurde dann auch zu einer Serie gemacht. 1957 kam schon Quartamers 2 raus. Wow. Dann haben sie irgendwie festgestellt, Horrorfilmen scheinen zu funktionieren. Dann haben sie sich halt in den Klassikern orientiert. Und der erste ... wirklich berühmte Film, auch unter der Regie von Terence Fischer mit Peter Cushing und Christopher Lee, war ein Frankenstein-Film. 1957, The Curse of Frankenstein.
Johannes Franke: Den habe ich gesehen. Das ist meine erste Auseinandersetzung mit Hammerfilms gewesen, glaube ich. Aber ich habe mich damals mit Hammerfilms nicht beschäftigt, weil ich nicht gewusst habe, dass es einfach so ein riesiges Ding ist. Also Frankenstein, wir hatten irgendwie einen Abend gemacht mit verschiedenen dieser Filme und die liefen dann alle in der Schleife. Und Volte hat geguckt und sehr typisch für mich. Ich habe die ganze Zeit vorm Fernseher gesessen und die anderen haben Party gemacht. Egal.
Florian Bayer: Und das Problem bei dem Film war tatsächlich, es gab ja schon einen richtig berühmten Frankenstein, nämlich den Frankenstein von Boris Karloff mit Boris Karloff als Frankenstein. Frankenstein aus den USA, der verantwortlich ist für diese ikonische Frankenstein-Zeichnung. Wenn man eine Comicversion von Frankenstein sieht, hat die schwarze Platte Haare und diese Schrauben links und rechts. Rechts an den Ohren und meistens so ein bisschen so eine grünliche Haut. Das ist einfach die ikonische Frankenstein-Darstellung und das durften sie nicht machen wegen der Rechte. Das war nämlich damals noch wirklich ein Problem, dass die Rechte für diese Frankenstein-Variante bei Universal lagen in den USA und deswegen haben sie einen ganz anderen Frankenstein gestaltet. sind dann quasi mehr oder weniger durch Zufall auf Christopher Lee gestoßen, weil irgendjemand hat gesagt, ey, ich kenne da einen echt großen Typ, Der sieht echt unheimlich aus. Aus dem könnt ihr einen ganz guten Frankenstein machen. Okay. Ein gutes Frankenstein-Monster, klassischer Verwechslungsfehler. Frankenstein ist der Doktor, der hier von Peter Cushing gespielt wird.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der den Doktor auch sehr spannend verkörpert, weil er ihm sehr viel Bösartigkeit gibt. In dem Film gibt es tatsächlich zwei Monster, nämlich den Frankenstein und sein Monster. Ja. Deutlich stärker als in anderen Filmen, wo der Frankenstein selbst meistens ein bisschen eher eine tragische Figur ist, zwar auch skrupellos. Aber nicht ganz so mordlöster wie der Frankenstein hier. Und das war ein riesiger Erfolg in Großbritannien. Und dann hatten sie es tatsächlich geschafft, mit Warner Brothers ein Deal zu machen, dass die den Film in den USA vertreiben. Und gleichzeitig kam es parallel zu einem Agreement mit Universal, was auch ganz wichtig war, weil Universal saß auf diesem ganzen großen Horrorfilmkatalog. Die waren in den USA die Größe für Horrorfilme. Also wenn man durch die Horrorfilmgeschichte geht, dann ist eigentlich so klassisch, sagt man, die Universal-Filme aus den 30ern. Mhm. Und dann kommen die Hammerfilme aus den 50ern. Und das ist kein Zufall, weil die haben tatsächlich mit Universal ausgehandelt. Wir drehen euren Katalog neu. Und ihr vermarktet das in den USA, als wären das Reboots von euren Filmen. Das heißt, Universal hat... ganz aktiv daran mitgewirkt, dann zu sagen, wir haben den 31er Dracula, den kennt ihr, das ist die neue Version. Da liegt unser Segen darauf. Das war wirklich wichtig. Das hat das Studio gerettet. Das war nämlich ein Moment, wo Hammer immer so ein bisschen Budget gekämpft hat. Okay. wirklich am Rande vom Bankrott war und dass sie es geschafft haben, mit Universal diesen Deal auszumachen, hat ihnen Material fürs nächste Jahrzehnt gegeben. Und dann kam eben dieser Dracula 1958 und dann ging es Schlag auf Schlag. Es kam eine Frankenstein-Fortsetzung, die Mumie haben sie sich gegriffen 1959. Dr. Jekyll und Mr. Hyde, den Wehrwolf, das Phantom der Oper.
Johannes Franke: Moment, Dr. Jekyll and Sister Hyde.
Florian Bayer: Das ist ein späterer Film. Davor gab es zwei andere Dr. Jekyll und Sisterhood-Filme, die auch nicht besonders gut rezipiert wurden. Dr. Jekyll und Sisterhood ist tatsächlich ein guter Film.
Johannes Franke: Was, wirklich?
Florian Bayer: Der ist nicht so blöd, wie sein Titel klingt. Kann man sich angucken. Gehört zu den besseren Hämmerfilmen. Auf jeden Fall haben sie sich einmal diesen gesamten Backkatalog von Universal Monstern geschnappt und daraus Filme gemacht. Und die eben alle in diesem viktorianischen Setting. Und auch meistens so kondensiert. Also sie haben die Geschichten genommen. und haben aber nicht versucht nah an den Vorlagen zu bleiben, sondern haben eben gekürzt, haben das Ganze enger gezogen, mehr auf Action gesetzt, dazu kommen wir gleich noch, wenn wir die Leute, die da rumlaufen in dem Film besprechen und hatten einen Mordserfolg damit und sie haben unzählige Filme gedreht. Nicht nur mit den klassischen Filmmonstern, sondern dann auch Filme, die die Themen behandeln, aber nichts mehr mit den Monstern zu tun haben. Die Vampirfilme.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Die haben so viele Vampirfilme gedreht, die heißen The Prides of Dracula, Dracula braucht neues Blut, Draculas junge, hübsche Frauen, ich denke mir gerade Sachen aus. Und meistens spielt Dracula keine Rolle und Christopher Lee spielt in diesen Filmen auch nicht mehr mit. Cushing ist öfter noch dabei. Und die Filme sind auch, das sind dann die Filme, die wirklich vor meinem... Auge verschwimmen, weil meistens geht es darum, es gibt eben Vampirmonster, es gibt hübsche Frauen, die hübschen Frauen werden verführt, manchmal sind die hübschen Frauen auch das eigentliche Monster. Vampirjäger taucht auf. Es wird ein bisschen, es werden Fähle in... Körper gehauen und Ende. Und dann eben in den 60ern hat aber dieser Erfolg, den sie damit hatten, sie konnten wirklich gut davon leben, der hat dann nach und nach ausgesetzt eben, wie schon erwähnt, wegen dem endenden Hays Code, wegen der New Hollywood-Filme plötzlich war ... gab es eine neue Form von Realismus, was die Darstellung von Gewalt und Sex betrifft. Und... Sie haben es irgendwie nicht mehr geschafft, in Amerika Fuß zu fassen, was ihr primärer Markt dann geworden war. Und sie haben dann noch mal ... in Europa so ein bisschen versucht, mit noch mehr Sex zu vermarkten. Also die Zeit fallen dann auf Filme. die den Sexaspekt deutlich stärker betonen. Es gab auch deutlich mehr nackte Haut zu sehen. Aber es war schon klar, dass wir hier ein Studio vor uns haben, das so langsam seinem Ende entgegen geht.
Johannes Franke: Aber du würdest nicht sagen, dass es, also jetzt die Betonung auf Sex, Schmuddelfilme geworden sind, irgendwie mit der Zeit?
Florian Bayer: Ja, es ist halt immer so die Frage, wie man Schmuddel definiert. Es hat definitiv die sexistische Komponente dabei auch natürlich. Okay. Natürlich war es auch so Objektifizierung von Frauenkörpern ganz, ganz eindeutig. Und das wurde schon genutzt. Also es ging nicht darum, Sex für alle zu zeigen, sondern das männliche, heterosexuelle Publikum stand schon sehr im Zentrum. Und dann in den 70ern ging es halt einfach langsam zu Ende und 1979 hat das Studio sich aufgelöst. Ende 2000, dann 2010, dann gab es dann immer mal wieder so Versuche, das Studio zu erneuern und tatsächlich hat das auch irgendwann geglückt und sogar Christopher Lee, der eigentlich 1973 gesagt hat, er wird nie wieder tragt spielen, der war auch teilweise echt genervt vom Hammer Studio, darauf müssen wir nachher auch noch eingehen, der hat dann tatsächlich auch mal wieder nochmal Dracula spielen dürfen und Ja, aber 1979 war eigentlich das Hammer Studio, wie wir es kennen, vorbei. Und eigentlich war es das schon in den frühen 70ern. Also die Peak-Zeit haben wir von ... 1957 von dem Frankenstein-Film bis, wenn man wohlwollend ist, in die 60er hinein und dann häufen sich auch die durchschnittlichen Filme. Schema F-Filme. Ach, schade.
Johannes Franke: Ja gut, okay, aber wenn man einen Markt für sich entdeckt, vielleicht kann man es... nicht unbedingt verübeln, auch wenn man es als Künstler dann eher sagen würde, oh, um Gottes Willen, hört auf, wenn es gut ist. Solange es noch gut ist. Aber aus der geschäftlichen Seite, ja meinetwegen, wenn du was gefunden hast, was du melken kannst, dann ja.
Florian Bayer: Das Schöne an Hammer-Filmen ist tatsächlich, auch in den schlechteren Filmen gibt es immer was zu entdecken. Sie haben halt doch so ihre Crew... Die sich um die Sets kümmert und um die Kostüme und die Maske und es gibt immer so genug fürs Auge zu sehen und auch wenn die Filme dann von der Story extrem dünn sind. Macht es trotzdem Spaß, die Variation halt nochmal zu sehen. Also es nervt dann auch ein bisschen. Aber letzten Endes, ich meine, die Filme sind dann inhaltlich flach, aber das ist dieser Film ja auch.
Johannes Franke: Wie viele hast du gesehen davon?
Florian Bayer: Keine Ahnung, kann ich dir nicht sagen. Also ich habe sehr viele Vampirfilme gesehen. Weil ich irgendwann so als junger Jugendlicher dann auch so wirklich so eine Vampirbegeisterung hatte. Ich kann es dir nicht sagen. Ich kriege es nicht zusammen. Ich habe nachträglich dann noch mal so ein paar geguckt aus historischem Interesse. Aber mein... Mein Wissen, was Hammerfilm betrifft, ist mit Sicherheit nicht vergleichbar mit dem von den richtig krassen Filmen, die wirklich alles gesehen haben, was aus den Studios da kam.
Johannes Franke: Okay, pauschal. Hast du mehr Hammer-Filme als Wes Anderson-Filme gesehen?
Florian Bayer: Ja. Es gibt viel mehr Hammer-Filme als Wes Anderson-Filme.
Johannes Franke: Ja, aber jetzt hast du schon die Schlauze von Wes Anderson, der immer das gleiche macht, aber Hammer hat auch immer das gleiche gemacht. Was ist der Unterschied?
Florian Bayer: Guter Punkt, guter Punkt. Ich glaube, der Unterschied ist, nee, es gibt eigentlich keinen Unterschied. Ich bin auch oft genervt von Hammerfilmen. Also es gibt ganz viele, ganz viele Hämmerfilme, die ich geguckt habe, wo ich ähnlich wie bei West Enders einen Spaß hatte, während des Gucken. Weil es alles irgendwie so schön ist und so ein bisschen frivol und so ein bisschen lüstern und blutig. Und wo ich danach denke, oh... Das war jetzt aber so, ja, okay, vergesse ich wieder. Das ist tatsächlich bei Hammerfilm ein ähnliches Phänomen wie bei den Marvel-Filmen von heute. Ah, ja, ja. Es vermischt sich alles so, weil die sich dann doch so ähneln, von so ein paar Highlights abgesehen. dass man vergisst, wer war in dem Film noch der Bösewicht? Ist in diesem Film Peter Cushing aufgetaucht? Ich kann es nicht mehr genau sagen. Wie war das nochmal? Okay, sie haben wieder ein Vampir gejagt, aber was macht diesen Film jetzt besonders? Ich kann es nicht mehr sagen. Und So geht es mir mit sehr vielen Hammerfilmen.
Johannes Franke: Na gut. Okay. Dann schließen wir unser Lexikon wieder und gehen in unseren Film zurück. Das war Das muss man sehen. Lexikon.
Florian Bayer: um mal irgendwo zu starten, dem Ort der Handlung. Was ist der Ort der Handlung? Das Studio. Und zwar sehr deutlich das Studio, muss man mal sagen. Was ist der Ort der Handlung in unserer fiktiven Welt? Ja, das Studio, definitiv.
Johannes Franke: Ich wollte jetzt über das Studio ablästern. Ich habe mir auch ganz fett aufgeschrieben. dass Licht nicht zu dem Licht passt, was von außen oder so käme.
Florian Bayer: Außenaufnahmen, großartig, oder? Es gibt... Es gibt dem ganzen Film aber so einen sehr surrealen Rahmen.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Und das schätze ich auch wirklich an Alten. alten Horrorfilmen, wenn sie in Studios gedreht wurden, das alles so irreal wirkt, einfach weil du merkst, das ist falsch. Das funktioniert nicht. Absolut falsch. Was ist hier die Lichtquelle?
Johannes Franke: Alles?
Florian Bayer: Warum ist der Himmel lila?
Johannes Franke: Hä? Hä? Es funktioniert überhaupt nicht. Und es setzt sich innen auch fort, muss man sagen. Innen ja viel mehr mit Practicals, nennt man das, mit Sachen, die wirklich da sind, wie eine Lampe, die in der Ecke steht oder eine Kerze, die da ist. Das wird alles ignoriert. Da ist eine Kerze okay, aber die hat keine Auswirkungen auf irgendjemanden, überhaupt nicht. Das ist halt alles einmal ausgeleuchtet und es ist halt einfach kein Geld da, um das alles umzuleuchten. Das heißt, die haben wahrscheinlich das Set aufgebaut und Das hat die Hälfte des Budgets gefressen. Und dann haben die da halt noch Lichter hingehangen, die einfach nur noch an- und ausgemacht werden. Und das war's.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Also, anders kann ich es mir nicht erklären. Also es gibt so ein, zwei in der Gruft zum Beispiel haben sie es gut versucht, da übers Fenster das Licht kommen zu lassen und so und haben sich auch nicht darin... noch irgendwelche anderen Lichter aufzustellen, um wirklich alles auszuleuchten, sondern da haben sie ein bisschen Mut gehabt. Aber in den meisten Szenen innerhalb des Schlosses
Florian Bayer: Naja. Ich bin ganz bei dir. Das hat nichts mit realistischen Lichtverhältnissen zu tun. Aber es macht natürlich auch ganz viel ... Ja, es macht ganz viel den Charme von diesem Film aus. Weil es einfach so speziell aussieht. Und ... Es ist mit Sicherheit was anderes als bei dem Nosferatu aus Deutschland zum Beispiel, wo mit Licht und Schatten sehr viel gespielt wurde. Hier merkt man, dass es teilweise auch wirklich einfach unfreiwillig ist. Was hat das? Es hat so eine gewisse merkwürdige, surreale Eleganz. Und das ist viel gesagt und ich weiß, das ist viel zu schlucken, aber es wirkt halt alles immer so ein bisschen, als würden sie sich in einer Art Traum bewegen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann teilweise auch, als würden sie sich in einer Art Albtraum bewegen. Weil, also wir können viel drüber lästern, dass dieser Film aus dem... Jahr 1958 nicht dem entspricht, was wir heute als angsteinflößend bezeichnen würden. Aber ich finde, es gibt wirklich Momente, in denen das Unheimliche Gut zur Geltung kommt.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Ich glaube tatsächlich, dass nur weil wir heute nicht die gleiche Reaktion haben. zeigen, wie wir erwarten würden für einen Film, den wir heute drehen, glaube ich nicht, dass es weniger effizient oder effektiv inszeniert werden kann. Nur weil unsere Reaktion durch unsere Gewöhnung daran nicht mehr da ist, heißt das nicht, dass es nicht genauso gut gemacht ist. Ich finde die Inszenierung tatsächlich streckenweise sehr gut gemacht. Die Schauspielführung fehlt dann manchmal so ein bisschen, aber an sich so durch die Geschichte durch kommt man gut.
Florian Bayer: Es ist halt auch, also es ist unglaublich farbenfroh. Und das ist wirklich krass, es ist nicht nur ein Dracula-Film, ein Vampirfilm, der in Farbe ist, sondern es ist auch ein Film, der das sehr ausspielt. Also es werden sehr viele Farbakzente gesetzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben sehr viele Bilder, wo auch schon bewusster damit gespielt wird, dass hier mal ein Highlight gesetzt wird, da ist mal ein farbiges Element, dann natürlich das Blut. wenn es wirklich zu Action kommt. Es ist wirklich ein bunter und farbenfroher Film. Nimmt natürlich so ein bisschen den Horror raus tatsächlich. Ich kann durchaus verstehen, dass damals gesagt wurde, so ein Vampirfilm in Farbe, der nimmt ein bisschen den Grusel-Effekt.
Johannes Franke: Also für mich hat es das nicht rausgenommen, muss ich sagen. Für mich hat eher das rausgenommen, dass streckenweise die Schauspieler nicht die Reaktion gespielt haben, die ich erwartet hätte. Oder das nicht geschafft haben vorzubereiten, was dann kommt.
Florian Bayer: Aber du willst jetzt nicht gegen... Peter Cushing und Christopher Lee lässt dann, oder?
Johannes Franke: Nicht die beiden. Die beiden sind wirklich, wirklich gut. Nein, Christopher Lee ist nicht wirklich gut. Christopher Lee ist einfach da. Und Peter Cushing ist tatsächlich gut. Die anderen Schauspieler... bin ich mir nicht ganz so sicher. Vor allem bei der ersten Figur, die da ankommt.
Florian Bayer: Ja, Jonathan Harker.
Johannes Franke: Und die die ganze Zeit... so eine seltsame Gleichgültigkeit an den Tag legt, dass ich nicht weiß, was... Was steht denn hier auf dem Spiel? Natürlich weiß ich, weil ich Dracula kenne und die Geschichte kenne, dass irgendwas auf dem Spiel steht. Aber aus der Figur heraus kann ich es nicht lesen.
Florian Bayer: Wir haben hier ja zum Beispiel eine der krassesten Änderungen zum Roman. Im Roman ist Jonathan Harker ein Berater, der zu Dracula reist. ohne zu wissen, wer dieser Dracula ist, um ihn in seinen Geschäften zu beraten. Und in diesem Film ist Jonathan Harker, wie wir erst... großer Plot-Twist nach einiger Zeit erfahren. Ein Vampirjäger, der auf der Suche nach eben diesem Dracula ist, weil er ihm ... den Garaus machen will und er ist ein Verbündeter von unserem Van Helsing.
Johannes Franke: Also natürlich frage ich mich die ganze Zeit, wieso ist der so calm? Warum interessiert es ihn nicht, dass diese Frau zu Ihnen kommt und sagt... Oh mein Gott, ich werde gefangen gehalten, bitte helfen Sie mir. Und er so, weiß ich jetzt nichts von. Was ist dein Problem? Beweise, beweise, beweise. Und ich denke, was ist das für eine idiotische Reaktion? Das gibt es doch wohl nicht.
Florian Bayer: Aber ich bin ganz bei dir. Dieser Jonathan Harker ist tatsächlich eher eine flache Figur. Also auch vom Drehbuch her, also es fehlt so ein bisschen dieser spannende Konflikt, der dadurch entsteht, dass er fest, dass er eigentlich mit guten Absichten reist und dann feststellt, dass er am Ort eines Monsters. Und trotzdem irgendwie noch lange mitmacht, weil er irgendwie seinen Auftrag machen will und gleichzeitig sich nach seiner Verlobten sehnt und so weiter. Und hier ist er, naja, ist halt einfach nur ein relativ flacher Jäger, aber er wird dann ja auch sehr schnell platt gemacht.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Und ich denke dann, oh, okay, die Hauptfigur stirbt. Wie krass. Wundervoll. Das gab es vorher nicht so oft. Dass sie einfach mal ihre Figur, Hauptfigur einführen und die dann halt nach 20 Minuten stirbt. Aber sie hätten was draus machen können. Sie hätten wirklich was draus machen können. Das wäre doch so schön gewesen, wenn sie ihn irgendwie ein kleines bisschen intelligent hätten zeigen können. Wir Wir wissen vielleicht, wir haben ein kleines bisschen Wissensvorsprung als Zuschauer gegenüber Dracula zum Beispiel, dass wir... vorher gesagt bekommen, dass er auf der Jagd ist und dass er sich aber als Librarian ausgibt oder sowas. Das wäre möglich gewesen, das hätte man geben können und dann hätte er auch viel mehr, hätte man mitfiebern können. Schafft das, kriegt das hin, kriegt das nicht hin.
Florian Bayer: Der Film hat nicht so wirklich die Zeit, oder? Weil der Film hat ja relativ viel zu erzählen in relativ krass kondensierter Zeit. Also ich meine, der geht gerade mal... Und er will dann doch eine Menge Action da unterbringen.
Johannes Franke: Ja, aber dann hätte er vielleicht den Fokus auf was anderes legen können. auch die Beziehung zwischen unserem ersten Typen, der nach 20 Minuten gekillt wird, und Van Helsing. Das wird nämlich irgendwann mal erklärt, dass die beiden sich kannten, aber ich hätte die vielleicht auch mal zusammen eine Freundschaft aufbauen sehen wollen oder sowas, ne?
Florian Bayer: Keine Zeit, keine Zeit. Wir müssen weiter raten. Es gibt noch so viel, was geschehen wird. muss. Ich meine, Dracula muss noch mindestens eine Frau verführen.
Johannes Franke: Ja, ja, das stimmt.
Florian Bayer: Es müssen noch ein paar Vampire gefällt werden. Da ist die Zeit knapp. Und dann kommt Van Helsing. Und der macht uns auch allen klar, dass die Zeit wirklich knapp ist. Ja. Weil dieser Van Helsing, Peter Cushing, Ist ein Energiebündel.
Johannes Franke: Und der hat echt viel Spaß daran, diesen sehr ernsten Typen durchzuziehen, der wirklich... großes Interesse daran hat, das irgendwie durchzuziehen. Das finde ich toll. Ich finde Peter Cushing tatsächlich den Besten des ganzen Films, der wirklich mir das Gefühl gibt, ich will wissen, was der macht, wie der das hinkriegt oder wo der hin will.
Florian Bayer: Ich bin dir so dankbar, dass du das sagst, weil ich glaube auch, es wird so viel Christopher Lee abgefeiert.
Johannes Franke: Ja, naja.
Florian Bayer: Dracula auch zu Recht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber Peter Cushing ist das Herz dieses Films. Absolut. Und der erste Van Helsing, der auch komplett wieder von der literarischen Vorlage abweicht. Der Van Helsing in der literarischen Vorlage ist ein alter Typ, der halt immer eher so irgendwo hinläuft und guckt und sagt... Ich glaube, das war Dracula. Die müssen wir jagen. Und unser Peter Cushing ist zum einen ein Detektiv auch, der ermittelt. Aber zum Zweiten ist er auch ein fucking Actionheld. Ja, ist krass. Dieser Van Helsing bewegt sich und der rennt. Und der macht sich schmutzig und der kämpft auch gegen Vampir. Und das spielt Cushing einfach total toll.
Johannes Franke: Ich finde es ganz super. Also er hat, ich weiß nicht, den hat er öfter, den Gesichtsausdruck. Diesen leicht verkniffenen... Ich muss das jetzt irgendwie hinkriegen, Gesichtsausdruck, was ich irgendwie für die Rolle geil finde. Ich weiß nicht, ob er sich damit einen Gefallen getan hat, das in so vielen Rollen durchzuziehen, aber ja...
Florian Bayer: Ich finde, es ist immer so ein sehr schöner Kontrast, weil er hat diese Kälte, genau, auch so diese aristokratische Kälte.
Johannes Franke: Ja, ja, genau, genau.
Florian Bayer: Und dann wird die aber aufgebrochen, gerade in den Action-Szenen so gegen Ende. Wenn er halt wirklich auf der Jagd nach Dracula ist, das ist eigentlich nicht das, was man als Fan... unter Van Helsing versteht. Van Helsing bleibt eigentlich immer ruhig und lässt die Drecksarbeit andere Leute machen.
Johannes Franke: Ich habe kein so deutliches Bild von Van Helsing gehabt, deswegen weiß ich das nicht ganz genau.
Florian Bayer: Und ich finde, Peter Cushing schafft es tatsächlich, dieser Figur noch mal neue Facetten abzuringen. Und das macht er toll. Also ich bin großer Cushing-Fan. Er ist das Herz des Films. Was auch daran liegt, dass wir Dracula selbst das eigentliche Herz des Films nicht sonderlich viel sehen.
Johannes Franke: Ja, und auch nicht sonderlich viel hören. Am Anfang sagt er so ein paar Sachen. Der hat 16 Lines hat er. 16 Sätze, die er irgendwie einmal an irgendjemanden richten darf, gerade am Anfang. dem ersten Typen gegenüber. Und das war's dann. Und dann guckt er nur noch in der Gegend rum.
Florian Bayer: Und Leinwandzeit von 15 Minuten? Das ist der Hammer.
Johannes Franke: Aber er hat ein Gefühl für ein Entrance. Definitiv. Wenn der Typ da kommt um diese Frau, was völlig absurd ist, unser erster Typ, der dann stirbt, der kommt ja mit dem Pfahl dann runter in den Keller. Was?
Florian Bayer: Warum tötet er nicht Dracula?
Johannes Franke: Was zur Hölle soll das? Was soll das? Warum die Frau? Warum die Frau? Oh mein Gott. Er hat sich jahrelang vorbereitet, um Dracula zu töten. Und er kommt da runter, hat die Gelegenheit. Und was macht er? Ich gehe zur Frau. Was? Das ist doch doof.
Florian Bayer: Wir brauchen einfach diese coole Szene von ihr, wie sie alt in diesem Sarg ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Und wir brauchen natürlich, wie er sich dann umdreht und Draculas' Sarg ist leer. Und dann kommt Dracula, ist rausgerannt, nur um dann wieder reinzukommen dramatisch.
Florian Bayer: Das ist super, oder? Ich find's tatsächlich total süß, auch im Vergleich zu anderen Horrorfilmen. In jedem Horrorfilm heutzutage würde er direkt hinter ihm stehen. Irgendwo aus der Ecke auftauchen. Und es würde in dem Fall ja auch wirklich mehr Sinn machen. Absolut. Sie sind in der Kruft. Dracula liegt im Sarg. Wir sehen, wie er ihn anguckt. Dracula macht die Augen auf. Wir wissen, oh, er ist wach. Und dann ist er aber offensichtlich die Treppen hochgegangen, unbemerkt zum Eingang, nur um dann diesen Eingang wieder reinzugehen, mit einem Mordsabstand zu Jonathan Harker, zu seinem Opfer. Um dann wirklich auch langsam und gediegen zu ihm runterzugehen. Es ist toll. Ich bin begeistert.
Johannes Franke: Er ist halt ein dramatischer Typ.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn Dracula kommt, steht er irgendwo an einem Eingang.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die Kamera weist direkt auf ihn... Und meistens zeigt er schon noch einmal, dass es jetzt wirklich ernst wird. Also schon sein erster Auftritt ist ja so, dass er einfach da steht und Und er ist einfach so eine Gestalt. Christopher Lee, ich meine, ich liebe Christopher Lee. Er muss aber nicht viel mehr machen, außer da zu stehen.
Johannes Franke: Ja, das ist es halt. Deswegen weiß ich auch nicht ganz genau, was ich von ihm schauspielerisch in diesem Film halten soll. Weil er muss nur dastehen und das war's. Also alle anderen spielen Dracula im Grunde.
Florian Bayer: Christopher Lee war wirklich unglücklich mit den Hammer Films, um das nochmal aufzugreifen.
Johannes Franke: Aber er hat ihn sechsmal, also siebenmal insgesamt gespielt.
Florian Bayer: Er wollte einen komplett anderen Dracula spielen. Die haben eben eigentlich seinen Dracula kaputt gemacht und man sieht es, in einigen Momenten sieht man es noch durchscheinen, aber... Es ist verloren gegangen. Das ist wirklich schade, weil Christopher Lee wollte eigentlich einen Dracula spielen, dessen Tragik besonders zur Geltung kommt.
Johannes Franke: Der einsam ist, ne?
Florian Bayer: Der einsam ist, der nach... Irgendwie nach Liebe sucht oder so. Das, was ja auch im Roman ist und was in den anderen Filmen verloren gegangen ist. Sowohl bei Universal als auch bei Murnau. Ich nenne die nochmal einfach als Beispiel, weil das sind die beiden großen Dracula-Formen, die wir davor hatten. Wo Dracula in beiden Fällen einfach... Das Monster war. Der monsterhafte Verführer. Und Christopher Lee wollte viel mehr in die Richtung gehen, das, was Bram Stoker intendiert hat, das Trailer. Dracula eigentlich eine verlorene Seele ist, die sich eigentlich nach ihrer großen Liebe zurücksehnt. Und es gibt diese Momente, wo Christopher Lee diese Traurigkeit erkennen lässt, aber ... Es war eben auch eine komplett andere Dracula-Variante als die, die Regisseur Terrence Fischer im Kopf hatte. Der wollte nämlich den Dracula als wirklich Monstruo. Figur haben, die einfach dieses Monster ist und wo sie sich zumindest so ein bisschen getroffen haben, die nicht mehr so dieses klassische, elegante Monster ist. das so ein bisschen albern angezogen ist, sondern wirklich unheimlich und wirklich eine Erscheinung. Und zumindest da haben sie sich getroffen.
Johannes Franke: Ja, er hätte so ein Phantom der Oper werden können.
Florian Bayer: Ja, genau, im Phantom der Oper. Und Christopher Lee hat halt auch das Buch gelesen, im Gegensatz zu Terrence Fischer. Christopher Lee hat Cram Stoker gelesen und hat gesagt, ich habe in dem Charakter was entdeckt. was ich nach vorne holen wollte, was Heldenhaftes, was Romantisches, eine gewisse Erotik, die in dem Charakter steckt. Und da ... kann ich auch verstehen, dass er ziemlich sauer auf Hämmer 5 war, weil die haben das da rausgenommen. Die haben es zu zugunsten von einem Horror-Action-Film, wo der Kampf gegen das Monster im Vordergrund steht, haben sie diese Komponenten alle gestrichen.
Johannes Franke: Wäre interessant geworden, wenn es wirklich drin gewesen wäre und man das so ein bisschen, naja, weniger schwarz-weiß gehabt hätte, sondern in so ein paar Graustufen erzählt hätte. Wäre schön gewesen.
Florian Bayer: Es wäre total schön gewesen. Das war vielleicht, weil die Zeit auch einfach noch nicht reif dafür war. Wir haben nämlich später haben wir Dracula-Varianten. Und um das nochmal zu nennen, tatsächlich... wahrscheinlich mein liebster Dracula-Film, der von Francis Ford Coppola, in dem Dracula in all seiner Tragik als auch liebender gezeigt wird. Dazu hat er hier nicht die Gelegenheit. Hier ist er dann letzten Endes doch wieder der Verführer. Er kriegt zwar diese erotische Komponente mit. Oder zumindest ... In den Reaction-Shots, weil die Frauen verfallen ihm.
Johannes Franke: Implizit halt nur.
Florian Bayer: Diese tragische Romantik und dieses Verzweifelte, diese Einsamkeit, die geht verloren.
Johannes Franke: Ja, es war noch nicht die Zeit für, also ich meine, es hat ja irgendwann, dieses Psychologisieren hat ja dann seinen Höhepunkt mit Christopher Nolan gefunden. Das war damals vielleicht einfach noch nicht die Zeit dafür. Noch eine kleine Schauspielleistung nach vorne zu stellen. Lucy. Ich fand die Schauspielerin, die Lucy gespielt hat, Carol Marsh. Die hat irgendwie, wenn sie auftaucht, das erste Mal denke ich sofort, oh, Dorothy von Wizard of Oz. Die hat so diese zwei Zöpfe und irgendwie dieses blaue Ding und sieht auch so ein bisschen so aus, als wie eine erwachsene gewordene Dorothy. Und ich finde, dass sie ihre Blicke, unsere Sehnsüchte Dracula gegenüber... ganz gut rüberbringt. Also sie hat nicht viel zu sagen, aber sie hat viel zu gucken. Und wie sie guckt... Wie sie das spielt, finde ich tatsächlich ziemlich gut.
Florian Bayer: Sie ist meistens so krank? Ja. Und gleichzeitig hat sie so was Sehnsüchtiges dann in ihrem Blick?
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Also Van Helsing reist dahin, weil, also er reist zu der Familie von dem Jonathan Harker, der gestorben ist. Ja. Weil er davon ausgeht, dass dessen Verlobte das nächste Ziel von Dracula ist. Ja. Hier wurde übrigens auch so ein Personenswitch stattgefunden. Im ursprünglichen Roman ist Mina die Verlobte von Jonathan. Und Lucy, deren besten Freundin. Und hier wird es einfach mal umgedreht, dass Mina die Frau von Alpha ist, der Bruder von Lucy. Aber um noch mal zu Lucy zurückzukommen, ich finde tatsächlich, ihre stärkste Szene ist, und das ist auch Wirklich eine unheimliche Szene, wenn sie dieses kleine Mädchen auf dem Friedhof zu sich locken will.
Johannes Franke: Oh ja.
Florian Bayer: Und das war damals auch eine ziemlich kontroverse Szene. Das war eine der Szenen, weswegen offensichtlich auch... nicht so 100% klar war, ob dieser Film umgeschnitten überhaupt in Amerika laufen kann, weil dieses Anlocken von einem Kind und diese Bedrohung von einem Kind, ein Kind in wird in Gefahr gebracht von einer Frau. Das war einfach ein gewisses Tabu, was es angerührt hat. Und diese Szene, also das ist eigentlich meiner Meinung nach die stärkste Szene des Films, wenn sie auf diesem Friedhof sind. Und alles so schön in diesen künstlichen Nebel gehüllt. Also die Friedhofszenen sind sowieso immer schön in den A-Filmen. Und sie machen nicht viel dafür. Und dann ist alles voll mit Nebel. Und einmal die Nebelmaschinen angeworfen. Aber es sieht großartig aus. Und dann haben wir Lucy, die dieses junge Mädchen zu sich locken will, die Tochter von ... Gerda, der Haushälterin. Und Van Helsing und AFA schaffen es dann, das zu verhindern.
Johannes Franke: Ja. Und warum zur Hölle hat Van Helsing nicht Lucy gleich gefehlt, nachdem sie ja dann für tot erklärt wurde?
Florian Bayer: Ja, das ist eine gute Frage.
Johannes Franke: Das ist so ein bisschen ein seltsamer Punkt in der Geschichte. Ich weiß nicht genau, aber na gut.
Florian Bayer: Viele Entscheidungen, die dieser Film trifft. Den sieht man an, dass es weniger um die Logik geht, als vielmehr um das Vorantreiben des Plots. Also dieser Film ist extrem dem Plot untergeordnet. Aber halt ein Plot, der sehr stark nach dem Konzept verfährt. Und dann passiert das. Und dann passiert das. Und dann passiert das. Und es ist nicht geil, wenn dann noch mal Dracula um die Ecke kommt. Also der wenig Charakterentwicklung bietet. Ja, genau. wenig aufeinander aufbauen und logisch irgendwo hinführen, sondern der viel mehr eben auf dieses Spektakel setzt, dass wir von einem Horrorereignis zum nächsten Horrorereignis geführt werden.
Johannes Franke: Ja. Ja, und dann geht es aber auch schon in die Schlussjagd hinein.
Florian Bayer: Ja, und ich stehe so auf diesen Action von Helsing. Ich finde es toll.
Johannes Franke: Aber auch noch ein guter Arzt ist. Der hat übrigens wirklich sehr gute Griffe. Also wenn ich mir Peter Cushing als Arzt so angucke... Der kriegt das irgendwie hin mit Bluttransfusionen und so weiter. Ach, die haben zufälligerweise die gleiche Blutgruppe vielleicht, keine Ahnung. Aber er macht diese Handgriffe sehr überzeugend, finde ich.
Florian Bayer: Peter Cushing ist durchaus auch ein klassischer Superheld in diesem Film.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Der, der sich dem Übernatürlichen in den Weg stellt und der sagt, ihr habt doch alle keine keine Ahnung, was hier abgeht. Ihr kennt das Böse nicht. Ich kenne das Böse. Lasst mich das mal machen. Ich regle das.
Johannes Franke: ihr habt nicht getan, was ich gesagt habe. Jetzt habt ihr was davon. Das ist jetzt eure Schuld.
Florian Bayer: Und er ist wirklich ein klassischer, guter Kämpfer für das Gute. Also Christopher Lee hat ja nach diesem Film irgendwie so, es hat fast zehn Jahre gedauert, bis er das nächste Mal in Dracula gespielt hat. tatsächlich, weil er so unzufrieden war auch damit. Und Peter Cushing hat aber sehr viel Danach auch noch in den Vampirfilmen mitgespielt. Also kurz darauf, schon Anfang der 60er gab es dann, ja und jetzt verschwimmt wieder alles, The Prides of Dracula vielleicht. Wo Christopher Lee wieder gegen einen Vampir kämpft. Und auch, was in diesem Film noch gar nicht so stark ist, die haben die Vampire immer irgendwie in so ein deutsches Szenario gesetzt. In diesem Film ist es noch nicht so ganz offensichtlich, aber in späteren Filmen wird es klarer, dass wir die uns hier eigentlich immer in so einem fiktiven deutschen kleinen Ort bewegen. Und es gibt dann auch wirklich mal so deutsche Namen, die irgendwo gezeigt werden.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: dass die Bierflaschen haben, deutsche Etiketten und solche Sachen.
Johannes Franke: Ja. Wollen wir ignorieren, dass Mondlicht im Grunde auch nur reflektiertes Sonnenlicht ist?
Florian Bayer: Also wir dürfen hier nicht über die Logik vom Vampirmythos generell diskutieren. Okay, gut. Vor allem, weil dieser Film ja tatsächlich auch für ganz viel Ikonik verantwortlich ist, was den Vampir-Mythos bedeutet. Zum Beispiel das Zeug mit dem Knoblauch. Das hat hier seinen Ursprung eigentlich oder zumindest seine Popularisierung. Und auch die Art, wie Vampire gefällt werden und wie das dargestellt wird. Nämlich meistens so, dass wir sehen, wie der Pfahl aufgesetzt wird mit dem Hammer. Und dass wir dann aber einen Schnitt haben zu den Augen des Vampirs, wenn zugehauen wird und wir einfach in der Reaktion der aufgerissenen Augen sehen... Jetzt wurde der Vampir gefehlt. Sehr viele Ikonik späterer Vampirfilme, späterer Dracula-Filme oder auch allgemeiner Vampirfilme, findet sich in diesem Film. Deswegen ist er auch schon, er ist ein Prototyp des Genres und zwar deutlich mehr als der Nosferatu aus Deutschland. Und auch deutlich mehr als der Dracula von Universal.
Johannes Franke: Es ist tatsächlich so, während ich den Film geguckt habe, habe ich immer mal wieder gedacht, ach, daher kommt das. Auch wenn der es wiederum natürlich, alles, everything is a remix, aber irgendwo her hat. Aber der scheint echt viel Einfluss gehabt zu haben. Und das sieht man auch gerade in den Parodien des Genres. Weil die natürlich das alles auf die Spitze treiben und dann in der Parodie man sieht, ah ja, okay, das ist also der eigentliche, darüber muss man sich lustig machen.
Florian Bayer: Und gerade die Parodien greifen sehr viel auf Hammer zurück wiederum. Was natürlich auch daran liegt, dass Hammer sich total anbietet, weil ... Man sieht Klischees nicht nur im Entstehen, der Film schafft es innerhalb von 80 Minuten Tropes aufzubauen und zu Klischees zu machen. Das ist auch eine Leistung, die man bringen muss. Sie werden natürlich in späteren Filmen noch mehr... mehr zu Klischees, aber dieser Film reicht eigentlich schon. Das stimmt. Dieser Film ist so ein absolut pointierter Dracula, in dem Tropes entstehen, zu Klischees gemacht werden und alles wird zusammengefasst innerhalb von 80 Minuten.
Johannes Franke: Das ist krass, ja, das stimmt. Wow. Okay.
Florian Bayer: Das Einzige, worauf sie verzichtet haben, war dann, dass Dracula sich in eine Fledermaus verwandelt.
Johannes Franke: Ja, das geht nicht. Also er kann sich ja im Original, glaube ich, in viele Sachen verwandeln. In Nebel sogar.
Florian Bayer: Ja, er ist eigentlich ein Gestaltwandler. Und Jimmy Sangster, der Drehbuchautor, hat gesagt, ihm war das zu märchenhaft. Er wollte diesen Dracula ein bisschen bodenständiger haben, ein bisschen mehr in der Welt. Realität verwurzelt, was auch tatsächlich was ist, was sich dann relativ lange durch die Dracula-Filme gehalten hat. dass diese krass märschenhaften Komponenten, die die Prime Stokers Version eben doch beinhaltet, dass die so ein bisschen runtergespielt wurden zugunsten des Monsters als Mensch, als Person. Sie haben den Film in Amerika... Horror auf Dracula umbenannt, um Verwechslungen zu vermeiden mit dem Klassiker, mit dem Dracula aus dem Jahr 1931. Und das lag unter anderem daran, dass der Bela Lugosi Dracula damals immer noch im Kino lief.
Johannes Franke: Ja, die hatten echt immer noch Vorführungen davon. Das war so beliebt.
Florian Bayer: Die Universal Horrorfilmer. Ich gehe auch davon aus, wir werden irgendwann mal im Laufe dieses Podcasts auch noch mal über einen von den Universal-Horrorfilmen sprechen. Die waren einfach so ein Staple des Horrorfilms damals. Mhm. Und deswegen, man darf das wirklich nicht unterschätzen, wie Hammer was Neues reingebracht hat in den Horrorfilmen, in das Genre. Ja. Weil Universal war halt, also heute würde man sagen, total zahm. Es gab einfach kein Blut. Diese Schwarz-Weiß-Ästhetik, es gab schon so einen gewissen Body-Horror-Aspekt, einfach in dem, wie die Monster dargestellt wurden. Aber sie waren auch sehr formalisiert. Und hier wird alles bunt, hier explodiert alles. alles, hier werden Geschichten nochmal anders erzählt, eben auch durch diese Abfolge von Horrormomenten. Und ich kann mir gut vorstellen, dass in den 50ern, dass das auch wirklich ein Publikum erschrocken hat, weil wenn man den Dracula von 1931 nimmt, den von... 58 halt, denkt man schon, oh, der von 58 ist aber deutlich mehr ein Horrorfilm.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: setzt deutlich mehr auf das Erschrecken und das, ich mach Anführungszeichen, Quälen des Publikums mit. Krassen Effekten.
Johannes Franke: Wobei der Expressionismus in Nosferatu für mich schon sehr... Sehr dramatisch ist und auch irgendwie so diesen Schrecken schon vielleicht nicht so effektherrischerisch, aber schon in seiner Inszenierung und in der... Gnadenlosigkeit der Inszenierung irgendwie.
Florian Bayer: Auf eine andere Art und Weise. Nosferatu ist natürlich auch vom Gefühl her viel mehr Hochkultur. Weil es eben diese poetische Komponente hat. Und weil es dieses Bizarre hat. Und vielleicht dadurch, zumindest beim gemeinen Publikum, nicht ganz so effektiv, weil es zu abgehoben ist von der Bildsprache. zu sehr bildverliebt ist. Und ich liebe den Nosferatu. Ja, ja. großartige Bilder und auch wirklich auch ikonische Bilder, das mit dem Schatten ist halt das Spiel mit Licht und Schatten, da kann Hammer auch nicht mithalten, was Bildsprache betrifft. Da schaffen sie es auch nicht, ein Gegenkonzept zu entwerfen, was eine ähnliche Intensität hat. Da arbeiten sie halt auch einfach mit dem, was sie haben und machen das anders. Ja, aber vielleicht ist der Horror zum, das könnte man vielleicht sagen, dass der Horror bei Hammer deutlich konkreter ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das dadurch auch immersiver für jemand, der vielleicht nicht so eine lebhafte Fantasie hat. Der nur in Schatten sehen muss und denken muss, oh shit, jetzt entsteht so ein Kopfkino bei mir.
Johannes Franke: Okay. Ja, und am Ende ist es, wenn es ums Setting geht, auch die viktorianische Einrichtung, das Haus, das Schloss, dieses ganze Dingens. Und du weißt, worauf ich hinaus will, Flo?
Florian Bayer: Ich weiß, worauf du hinaus willst. Jingle!
Johannes Franke: Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 Victorian Setting.
Florian Bayer: Ich habe ja überlegt, ob ich Johannes die Top 3 Vampirfilme aufgebe, aber das wollte ich ihm da nicht antun.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Deswegen haben wir uns einfach für Viktorianismus entschieden und ich hoffe, du kannst es mir nachsehen, dass ich die Victorian Era sehr, sehr, sehr frei interpretiert habe. in dieser Liste. Also es sind Sachen dabei, wo man sagen würde, Moment, die Zeit, in der das Ding spielt... Es ist nicht die viktorianische Ära, aber mit dem Viktorianismus verbindet man ja auch immer so einen gewissen Stil. Also zumindest ich verbinde damit einen Stil und der ragt über die Zeit der... über die Zeit der Herrschaft von Königin Viktoria von 1837 bis 1901 hinaus.
Johannes Franke: Ja, die viktorianische Zeit an sich ist ja auch nicht nur die herrschende Zeit von Königin Viktoria. Wir haben ja, das ist ein bisschen ausgeweitet. In meinem Kopf ist es 1820. Ich würde früher einsetzen.
Florian Bayer: Ja, bin ich bei dir.
Johannes Franke: Bis 1900... 14 vor Krieg.
Florian Bayer: Oh krass, also doch soweit. Okay, aber das kann man tatsächlich machen. Ich glaube, was diese Ära am ehesten charakterisiert, ist natürlich unsere verklärend romantische Wahrnehmung. Und wenn ich heute sage, wenn ich heute von viktorianischer Ästhetik spreche, meine ich auch tatsächlich immer eher das, was wir da so rein projizieren. Das heißt, es ist eine Zeit des... des Reichtums, der Eleganz, kombiniert mit sehr großen wissenschaftlichen Fortschritten und technischen Fortschritten. Fortschritten und gleichzeitig so eine neue Suche nach dem Fantastischen Deswegen greifen der Steampunk, der daraus entstanden ist, greift darauf auch zurück und bringt dieses Fantastische dann mit rein.
Johannes Franke: Wobei man sagen muss, dass es bei uns in Deutschland ja gar nicht so sehr... Also natürlich haben wir auch davon profitiert, aber... Wir waren ja eher im Biedermeier gefangen, muss man sagen.
Florian Bayer: Und deswegen ist natürlich das Großbritannien der damaligen Zeit auch so ein Sehnsuchtsort, weil da schien alles viel lebendiger. viel, viel bunter, viel, viel größer. Es gab diese klassischen höfischen Intrigen und gleichzeitig gab es aber auch Jules Verne und die Reise zum Mond und es gab die Horrorgeschichten und die Märchen und es ist einfach viel bunter und viel lebendiger als unsere Zeit. Und natürlich ist das alles komplette Verklärung, weil Viktorianismus war eine Zeit der Armut des Proletariats. Industrialisierung, Stadtrand, der voll ist mit dem Qualm von Fabriken und Familienleben eng zusammengefärscht.
Johannes Franke: Also zumindest im späteren Teil des Jahrhunderts.
Florian Bayer: Und ich glaube deswegen, wenn wir von Viktorianismus reden, reden wir nicht von einer realen Epoche, sondern auch von der Projektion, die wir auf die Zeit haben, die aber eine unglaubliche Fundgrube ist für tolle Bilder und Und auch für tolle Geschichten. Sowohl im Fantastischen wie im Realistischen.
Johannes Franke: Und bei der Recherche ist mir wieder aufgefallen, dass immer wieder die gleichen Verfilmungen auftauchen. Also ganz viele Sherlock-Comes-Verfilmungen, die ja auch so ein bisschen in der Richtung sind. Ja, Sherlock Holmes, genau. Pride and Prejudice, Sense and Sensibility, ganz viele Dracula-Sachen, ganz viele Horrorsachen, Frankenstein, Alice in Wonder. Wonderland, Scrooge. Ja. Diese ganzen Sachen, das ist halt alles diese Zeit. Und irgendwie habe ich dann gemerkt, ah ja, okay, mich... Mich fasziniert die Zeit schon sehr. Ich finde diese Kostüme und diese... Architektur und so, das ist schon echt was für mich.
Florian Bayer: Ja, das kann ich mir vorstellen. Es ist einfach spannend, weil es so vielfältig ist. Weil du hast so ein Konglomerat aus dem Wissenschaftlichen, aus dem Fantastischen. aus dem Modebewussten und es fließt alles ineinander über und kann so einen ganz eigenartigen, einzigartigen Rahmen bilden.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Eben nicht nur im Visuellen, sondern auch im Narrativen.
Johannes Franke: Okay, dann fangen wir mal an.
Florian Bayer: Ich habe eine Honorable Mention, aber ich habe Angst, dass ich dir wieder was wegnehme.
Johannes Franke: Wollen wir die am Ende machen? Wir gucken auch erstmal
Florian Bayer: die Liste machen. Lass uns die Honorable Mentions an den Schluss packen und du legst los mit Platz 3.
Johannes Franke: Ich fange mit meinem Platz 3 an und zwar mit The Abominable Bride von Sherlock Holmes, also die Sherlock-Folge Nummer, weiß ich nicht wie viel. Wo viele schon ausgestiegen sind aus Sherlock, die so die ersten drei Folgen gut fanden und dann angefangen haben, sich zu langweilen, weil sie gedacht haben, oh, das ist immer das Gleiche oder es wird irgendwie seltsam. Aber ich fand Sherlock einfach durchgängig großartig. Auch die anderen Varianten, die neuen Varianten. Und die Abominable Ride, die... Abominable Bride-Variante ist tatsächlich auch in dieser Zeit.
Florian Bayer: Du bist bei der Serie aus dem Jahr 2016 mit Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als als Dr. Watson.
Johannes Franke: Ganz genau.
Florian Bayer: Ich bin kein Sherlock Holmes-Fan und ich bin auch kein Sherlock Holmes-Kenner. Deswegen bin ich da so ein bisschen raus, was das betrifft. Ja. Und ich habe die Serie auch ehrlich gesagt nicht geguckt.
Johannes Franke: Du hast sie gar nicht gesehen. Ah, du musst wenigstens eine Folge mal gucken.
Florian Bayer: Doch, doch, doch. Nee, warte mal. Jetzt muss ich kurz überlegen. Doch. Ich habe nämlich eine Shadowcom-Serie geguckt und da habe ich, glaube ich, sogar die komplette erste Staffel geguckt. Ist das das, wo ganz am Schluss sich offenbart, dass der Gegenspieler Moriarty ist am Ende von der ersten Staffel? Ja, die habe ich gesehen. Und die fand ich so okay. Dafür, dass ich kein Sherlock-Holmes-Fan bin, fand ich die wirklich okay.
Johannes Franke: Das freut mich.
Florian Bayer: Und ich mochte das Zusammenspiel von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Die waren natürlich super zusammen. Aber nochmal, es ist einfach nicht so mein Genre. Deswegen war das okay, das konnte ich gucken eine Staffel lang und dann war es aber auch gut und ich hatte nicht so... so das Bedürfnis, das nochmal weiterzugucken.
Johannes Franke: Um das nochmal ganz zu, für die Leute, die es nicht kennen, es ist heute angesiedelt.
Florian Bayer: Ja, genau. Das hat mich jetzt auch gerade ein bisschen verwirrt mit dem Viktorianismus.
Johannes Franke: Genau. Und dann gibt es eine Folge, die in seinem Kopf spielt.
Florian Bayer: Ah.
Johannes Franke: Also in Sherlock's Kopf. Ja. Und er stellt sich halt vor, wie das damals gewesen wäre.
Florian Bayer: Das ist natürlich cool.
Johannes Franke: Das ist in seinem Mind Palace nennen sie es. Ja. Und er sucht nach Informationen. Und da wird sozusagen das sehr fantastisch alles aufgezogen. In auch Victorian Era. Und da ist es dann sehr schön mit Kostümen und allem drum und dran. Das ist großartig.
Florian Bayer: Die Serie Sherlock selbst hat auch gar nicht so große Anknüpfungen an den Viktorianismus. Nö. nicht irgendwie, dass sie versuchen, diesen Stil im 21. Jahrhundert fortzuführen. Nein, gar nicht. Die einzige Verknüpfung ist halt, dass wir hier das klassische Ermittler-Duo haben. Genau. das man aus dieser Zeit kennt.
Johannes Franke: Richtig. Und diese Deduction und dieses Rumlaufen und mal Geige spielen und diesen komischen Hut. den Watson dann immer wieder gibt und sagt, hier, setz diesen Hut auf. Und Sherlock hat eigentlich gar keine Lust auf diesen Hut. Was ich sehr schön finde. Das war mein Platz 3.
Florian Bayer: Ja, schön. Mein Platz 3 ist tatsächlich meine Liebste. Dracula-Verfilmung Bram Stokers Dracula aus dem Jahr 1992 von Francis Ford Coppola. Hm. Der Film, der meiner Meinung nach am besten den Geist der Vorlage einfängt. Okay. Sowohl ästhetisch wie narrativ, der sich auch sehr eng an das Original hält.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dem es gelingt, die Ästhetik des Gothic-Horrors mit einzubringen. all seinen Facetten, eben auch der Tragik, der Erotik und des Mysteriösen, wirklich, wirklich gut auf die Leinwand zu bringen mit Gary Oldman. Als fantastischer Dracula.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mit Keanu Reeves als eher so durchschnittlicher Jonathan Harker.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber Anthony Hopkins als Van Helsing.
Johannes Franke: Das stelle ich mir richtig gut vor.
Florian Bayer: Es ist ein wirklich starker Film. Es ist eine wirklich gute Dracula-Verfilmung. Ich glaube, du würdest sie mögen, einfach weil du bei ganz vielen Bildern sagen würdest, hui, hui.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Natürlich ist es total eklektisch. Es bedient sich aus allen alten Dracula-Filmen und allen Klischees, die man von den Gothic-Novels kennt. Bringt es aber wirklich ganz gut zusammen, auch die moderne Dracula-Interpretation inklusive, plus dann noch so ein bisschen Referenzen auf den Expressionismus. Okay. Ich finde, es ist ein unglaublich starker Film, der Dracula zu dem Epos macht, was es verdient zu sein.
Johannes Franke: Okay. Schön. Kommen wir zu meinem Platz zwei und wir haben schon mal drüber gesprochen. Blackadder. Ich liebe Blackadder und die viktorianische Staffel ist einfach der Hammer. Und in diesem Fall ist es ja Staffel 3, glaube ich. Das spielt ja ein Stückchen vor... 1800, weiß ich nicht, 11, 12, irgendwas in der Richtung.
Florian Bayer: Ja, genau, so 1810er Jahre. Und es ist eigentlich die Prinzregentenzeit ... Ja, genau. Aber die Staffel atmet natürlich diesen Geistesviktorianismus. Genau.
Johannes Franke: Mit den Intrigen, die Kostüme, dieses ganze Zeug. Es ist unglaublich. Es ist so großartig.
Florian Bayer: Ja, es ist super witzig und vor allem Hugh Laurie als komplett kaputter Prince of Wales.
Johannes Franke: Richtig dämlicher Mensch. Es ist großartig. Eine seiner Paraderollen. Und man hätte nicht gedacht, wenn man seine Karriere verfolgt hat... Hätte man nie gedacht, dass der irgendwann mal als Haus in Amerika seinen großen zweiten Durchbruch hat. Das ist unglaublich. Der hat vorher so Comedy-Zeug gemacht und es ist ja, ja, ja, ja, Blackadder.
Florian Bayer: Das ist gut, dass du das genannt hast, weil sowohl mein Platz 2 als auch mein Platz 1 sind nämlich auch ... zum einen etwas später verortet und zum anderen etwas früher. Mein Platz 2 ist etwas später verordnet und auch noch zusätzlich nur in Australien. Aber sehr geprägt vom Viktorianismus, vor allem was das gesellschaftliche Verhalten betrifft. Und ganz toll auch mit dem mysteriösen Märchenhaften der damaligen Zeit kombiniert. Picnic at Hanging Rock, beziehungsweise Picnic am Valentinstag von Peter Weir. der später als Regisseur von der Club der Toten Dichter oder Truman Show, der nicht bekannt werden sollte.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und Picnic at Hanging Rock ist ein Mystery-Film. in dem es um ein Menscheninternat geht, wo die Schülerinnen einen Ausflug machen, eben zu dem Titel gegen den Hanging Rock. Und dann ... verschwinden plötzlich drei Mädchen, nachdem sie sich wie in Trance irgendwo hinbewegt haben und Und es gibt Suchaktionen und es wird versucht herauszufinden, was passiert ist, warum die Mädchen verschwunden sind. Und das Ganze ist ein Mystery-Märchen. das weniger auf Horror setzt als vielmehr auf so eine romantische, surreale Atmosphäre, die aber auch immer ein Stück Unheimliches mit sich trägt. Mhm. Ein Film, in dem auch immer wieder das Übernatürliche thematisiert wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: komplett ausformuliert wird. Man befindet sich in so einem Schwebezustand. Man weiß nicht so genau, wie Wie weit befinden wir uns noch in der Realität? Und wie weit ist das, wo wir uns befinden, ein Traum oder eine Fantasie oder ein Märchen? Und das bleibt auch, bis zum Ende bleibt das bestehen. Und dadurch steht eine ganz eigenartige Atmosphäre.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: die ihn wirklich besonders macht. Sehr interessanter Film. Nicht für jeden, aber von mir eine absolute Sehempfehlung.
Johannes Franke: Okay. Dann kommen wir zu meinem Platz 1. Ich habe hier wieder ganz viel aufgeschrieben und muss jetzt überlegen, was ist denn... Also ich würde mal sagen, ich lasse den ganzen klassischen Kram weg. Sage zum Beispiel... Scrooge, alle Scrooge-Verfilmungen, gerade die von 1970, die lasse ich jetzt alle außen vor, wäre so eine Honorable Mention zum Beispiel. Orlando hat auch einen ganz tollen Teil, großen Teil in der Victorian Era. Und komme zu The Limehouse Golem. Das ist ein Film aus dem Jahre 2016. Wir sollten mal neuere Filme reinschreuen. Wir haben einen ganzen alten Dinger. Aber ich fand den tatsächlich ziemlich gut mit Bill Nye als jemand, der Ermittlungen von Morden anstellt im viktorianischen London. Es ist ein großartiger Film. Ich mochte ihn sehr. Er hatte genau das, was ich von so einem Film erwarte. An Stimmung aus dieser Zeit, an Kostümen aus dieser Zeit, an Themen aus dieser Zeit und trotzdem... Hat er irgendwie einen sehr aktuellen Bezug gehabt, fand ich. Ich kann dir aber den Bezug nicht mehr genau nennen. Ich bin einfach zu, es ist zu lange her, dass ich ihn gesehen habe.
Florian Bayer: Oh, du hast mich tatsächlich kalt erwischt von diesem Film. Habe ich noch nie gehört.
Johannes Franke: Das finde ich sehr gut. Das ist eine Neuigkeit hier in diesem Podcast. Ich habe endlich mal einen Film genannt, der nichts sagt. Geil.
Florian Bayer: Oh, interessant. Okay, habe ich mir auf jeden Fall schon mal notiert. Kannst du mir vielleicht demnächst mal aufgeben.
Johannes Franke: Vielleicht gebe ich dir den mal auf.
Florian Bayer: Mein Platz 1 spielt eigentlich so vor dem Viktorianismus und ist auch was ganz Frisches und was ganz Neues. Und zwar möchte ich dann doch nochmal... Eine Serie erwähnen und zwar die wirklich junge Serie Bridgerton, die gerade auf Netflix zu sehen ist, mittlerweile in Staffel zwei. Ich bin irgendwie noch in Staffel eins. Okay. Aber ich muss die jetzt einfach mal empfehlen. Nicht nur, weil ich die gerade aktuell gucke, sondern weil es wirklich ... ganz großartige Umsetzung des High-Society-Lebens Anfang des 19. Jahrhunderts ist. Natürlich mit den wunderschönen Kostümen, den tollen Settings, den ganzen Intrigen und allem, was dazugehört. Aber vom Ton her hat es so eine ganz eigenständige, interessante Dramatik.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es fühlt sich so ein bisschen an wie Game of Thrones minus Gewalt.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Also es ist auch tatsächlich von der Ästhetik, ist es da so ein bisschen drauf geputzt, allein der Vorspann, wenn man den sieht, denkt man schon, ah, das sieht aus wie Game of Thrones. Und ich glaube, das war auch so ein bisschen die Intention der MacherInnen, dass es dieses Feeling vermittelt. Aber es geht nicht um Kriege und großes Blutvergießen, sondern es geht einfach um Familien in der Londoner High Society. die gegeneinander intrigieren, die alle um ihren Stand... besorgt sind und eigentlich sollen die jungen Töchter alle verheiratet werden mit anständigen Männern. Und werben dann darum und begleitet wird das Ganze von einer Erzählerin. die so eine Art Whistleblowerin ist und immer mal wieder so ein paar Geheimnisse aus dieser Gesellschaft droppen. Tolle Serie.
Johannes Franke: Also so ein bisschen Klatschpresse.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall Klatschpresse. Es ist eigentlich Klatschpresse mit wunderschönen Bildern und spannenden Figuren. Okay. Und soll allein schon deswegen genannt werden, weil die Rechten gegen die Serie Sturm gelaufen. sind, weil die Adeligen teilweise von schwarzen Darstellern und Darstellerinnen verkörpert werden.
Johannes Franke: Was natürlich der Geschichtsschreibung nicht unbedingt entgegenkommt, aber... Ja, was einen schönen Kontrast darstellt. Es gibt auch Kritik von anderen Seiten, nicht nur von rechts, die so ein bisschen sagen, naja... Wenn wir jetzt Geschichten mit schwarzen die keine schwarzen Geschichten, sondern weiße Geschichten sind, ist es auch schwierig.
Florian Bayer: Durchaus ein angemessener Kritikpunkt. Tatsächlich hat... Es gibt ein Whitewashing der europäischen Geschichte, wo Schwarze ignoriert werden, auch wenn wir Filme sehen, die im Spätmittelalter spielen oder in der frühen Neuzeit. werden Gesellschaften als komplett weiß dargestellt. Das waren sie aber damals gar nicht so sehr. Das ist auch so ein bisschen unsere romantisch verklärte Sicht darauf. Damals war es durchaus so, dass einige, also gerade die Städte auch, Und da sind halt auch Araber rumgelaufen und da waren auch schwarze Menschen unterwegs. Das heißt, es gibt eine Art von merkwürdigen Whitewashing. Natürlich waren das Minderheiten damals, aber sie haben existiert. Und wenn die komplett rausgekürzt werden, wird natürlich auch nochmal ein anderer Blick auf die Geschichte geworfen und ein gewisser Blick auch unterschlagen. Aber ich verstehe den Punkt, der sagt, okay, hier werden quasi weiße Geschichten mit Schwarzen erzählt und die werden als Adelige dargestellt, obwohl sie damals unterdrückt waren, ausgegrenzt waren. Dafür ist die ganze Geschichte aber auch zu märschenhaft. Das ganze Ding ist nicht realistisch. Es geht hier nicht um eine realistische Darstellung des Königshauses und der High Society der damaligen Zeit. Sondern wirklich einfach um eine spannende Intrigen- und Liebeleien-Geschichte mit viel nackter Haut und toller Darstellung. Hast du noch Honorable Mentions? Du hast gerade so ein paar Sachen raus. Ja, genau.
Johannes Franke: Also ich würde noch The Prestige nennen, den habe ich auch oft in der Liste gehabt. Der war ganz wundervoll in einer Zeit, in der man mit so... technischen Errungenschaften oder Neuerungen versucht hat, Zauberei zu betreiben und versucht hat, auch mit sehr seltsam magisch angehauchten oder dann eben auch wirklich magischen Sachen. irgendwie zu experimentieren und Leute damit zu entertainen.
Florian Bayer: Ja, sehr starker Film, auf jeden Fall von Chris Nolan. Ich würde noch einen der Burton-Filme, die ich gemocht habe, der späteren Burton-Filme, die ich gemocht habe in den Raum werfen, Sweeney Todd.
Johannes Franke: Ah ja, ja, stimmt.
Florian Bayer: Der wirklich toll inszeniert ist und ja auch im Nonnon der viktorianischen Ära spielt. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street, der seine Opfer ... alle kaltblütig umbringt.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Es gibt noch eine Serie mit Daniel Brühl auf Netflix, The Alienist. Die fand ich auch nicht so schlecht. Wenn man diesen Stil mag und nicht sagt, oh, schon wieder Daniel Brühl. Kann man den gut gucken, die Serie.
Florian Bayer: In England angesiedelt?
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es ist eine britische Serie und er spielt einen Deutschen, der da irgendwie im Mittelpunkt steht. Oder ein Österreicher, ich bin mir nicht sicher. Obwohl, vielleicht ist es... Ich weiß es nicht ganz genau. Guckt es euch an und belehrt uns eines Besseren. Das war unsere Top 3. Cool. Das war unsere Liste. Wir sind durch. Schön. Schön. Wollen wir nochmal zurück in den Film gehen?
Florian Bayer: Wir springen nochmal zurück in den Film. Eine Frage, die ich gerne so zum Abschluss stellen würde.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist der Film sehenswert für ein Publikum von heute? Absolut.
Johannes Franke: Okay, das war unser Podcast. Nein, also natürlich ist der absolut sehenswert, nicht nur wegen der historischen Sachen, wo du immer sagst, ja und du musst ja auch wissen, wo was herkommt und jetzt kommen wir mal zu diesem. Genre, was dann und dann in Frankreich erfunden wurde und dann kommen wir zum New Hollywood und ach und diesen ganzen Kram. Nicht nur Bildungszwecke, sondern der Film ist einfach für sich genommen... auch wenn da nicht unseren heutigen Drehstandards entspricht, einfach ein sehenswerter Film. Man hat so ein paar Sachen, wo man sagt, naja, okay. Aber eigentlich insgesamt... Guter Film. Kann man sehen.
Florian Bayer: Er macht Spaß. Er bringt Freude und ich finde, das muss einem Horrorfilm auch mal gelingen. Er sorgt dafür, dass man ständig entzückt. ist, weil alles so schön aussieht und alles so Spaß macht und alles so temporeich ist.
Johannes Franke: Und die Liebe da drin steckt auch.
Florian Bayer: Ein bisschen Liebe und ein bisschen Kitsch und das ist alles wirklich eine schöne, bunt gemischte Wundertüte. Ja. Es ist schade, dass das eigentlich nicht gelungen ist, was Christopher Lee gerne gehabt hätte. Ja, das wäre gut gewesen. Diese Romantik. Es ist ein bisschen schade, dass Christopher Leader offensichtlich gegen das Skript anspielen muss. Es ist toll, dass der Film wirklich mal Action in den Horror bringt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: eben gerade mit den großen Verfolgungsjagden, die dann noch am Schluss stattfinden. Und es ist toll, weil es eben so ein Kondensat des Dracula- und Vampirmythos ist und weil wir alles ... finden, was dazugehört. Knoblauch, Kreuze, Sonnenlicht und tiefe Dekolletes. Och Gott.
Johannes Franke: Ja, auf die können wir auch verzichten.
Florian Bayer: Und viel zu helles, rotes Blut.
Johannes Franke: Ja. Ach, es ist schön. Ja, es ist ein bisschen eine Nostalgiebombe, die man da einmal anzündet. Und hat einen schönen Abend.
Florian Bayer: Und ich glaube, man kann Nostalgie empfinden, ohne den Film als Kind gesehen zu haben. Absolut, das meine ich ja auch. Und wirklich eine Nostalgie erzeugen, die einfach Spaß macht. Die gute alte Horrorfilmzeit, als alles noch ein bisschen naiver war und alles noch ein bisschen schlichter war. Es funktioniert.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Ja, cool. Ja, vielen Dank, Johannes, dass du den Film geguckt hast. Und toll, dass er dir gefallen hat. Damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet.
Johannes Franke: Echt nicht? Warum? Jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Naja, ich dachte, du findest den albern und nervig, weil zu viel Dramatik in der Musik, zu viel unfreiwillige Komische. Komik und zu viel Sexismus im Frauenbild.
Johannes Franke: Ja, das sind alles Punkte. Nee, mir hat der Film doch nicht gefallen.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, wie Johannes sich nächste Woche revanchiert mit seinem Film.
Johannes Franke: Dann bleibt noch ein Moment dran, wir werden das noch besprechen.
Florian Bayer: Bis dahin, euch eine schöne Woche.
Johannes Franke: Und vielen Dank fürs Zuhören.
Florian Bayer: Tschüss. Liebes Publikum, Fun Facts, die wir in dieser Episode nicht untergebracht haben. Peter Cushing und Christopher Lee haben beide in Star Wars mitgespielt.
Johannes Franke: Peter Cushing wurde später in Star Wars nochmal zum Leben erweckt.
Florian Bayer: Durch Computeranimation. Ziemlich gut gemacht übrigens. Ich war wirklich angetan davon. Christopher Lee hat die letzte öffentliche Exekution in Frankreich mit einer Guillotine als Zuschauer beobachtet. Er hat fast ins schwedische Königshaus eingeheiratet. Er ist der Stiefcousin von Ian Fleming, der wiederum ihn als Vorlage für eine berühmte Romanfigur benutzt hat, die später eine berühmte Filmfigur werden sollte. Er ist James Bond.
Johannes Franke: Wir brauchen eine neue Kategorie. Klatsch und Tratsch mit Plur.
Florian Bayer: Er hat Tolkien persönlich gekannt und Tolkien hat zu ihm gesagt, sollte mal Herr der Ringe verfilmt werden, wäre er der Richtige für Gandalf.
Johannes Franke: Geil. Der Einzige aus dem Herr der Ringe Cast.
Florian Bayer: der Tolkien persönlich gekannt hat. Leider durfte er nicht Gandalf spielen, sondern den bösen Gegenspieler. Und er hat in einer Heavy-Metal-Band gespielt. Googelt nach Christopher Lee-Meme, und ihr findet unfassbar viel Informationen, die ich jetzt alle gerade nicht verifizieren kann. darüber, was Christopher Lee in seinem Leben gemacht hat. Er war unter anderem ein Nazi-Jäger während des Zweiten Weltkriegs und war Teil einer ... einer Spionageorganisation, einer britischen.
Johannes Franke: Das verifizieren wir fürs nächste Mal, okay?
Florian Bayer: Peter Jackson hat zu ihm gesagt, kannst du, du musst dir vorstellen, wie es wäre, wenn du in den Rücken gestochen werden würdest und Christopher Limus wohl ziemlich trocken geantwortet haben. Das muss ich mir nicht vorstellen. Ich weiß, wie das ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er hat fließend Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Schwedisch, Russisch. Er spricht sehr viele Sprachen.
Johannes Franke: Wohne ich gerade der Geburt eines Fanboy bei?
Florian Bayer: Christopher Lee is the man. Und trotzdem ist Peter Cushing in diesem Film der Beste.
Johannes Franke: Der Bessere. Wirklich, leider. Na gut. Ja, ich bin tatsächlich durch diesen Film so ein bisschen Peter Cushing angestochen worden. Ich will unbedingt mehr von ihm sehen.
Florian Bayer: Dann hast du einen sehr großen Backkatalog an Hammer Horror Film, wo er den Van Helsing spielt oder in einer anderen Rolle zu sehen ist.
Johannes Franke: Schön. Okay, gut, dann wollen wir jetzt zum nächsten Mal kommen.
Florian Bayer: Ja, was sagst du denn für mich fürs nächste Mal?
Johannes Franke: Ich muss mich ja nicht wirklich rächen. Ich muss mich ja nicht irgendwie gegen Sachen wehren, die du mir entgegenwirfst, wie du das schon mal gemacht hast, sondern ich kann dir... adäquat antworten, weil dieser Film doch okay war.
Florian Bayer: Gott sei Dank.
Johannes Franke: Und ich weiß nicht, wie du dazu stehst, bitte nicht, keine Spoiler, ich möchte mich jetzt die Woche lang fragen, ob du diesen Film magst. Und zwar Asterix. Wir haben seit wir diesen Podcast haben nicht ein einziges Mal über Asterix geredet. Wie konnte das passieren?
Florian Bayer: Wie konnte das passieren? Es gibt viele Asterix-Filme.
Johannes Franke: Was hast du denn für mich? Ich hätte Asterix erobert Rom.
Florian Bayer: Asterix erobert rum, okay.
Johannes Franke: Im Original Asterix und die zwölf Aufgaben oder wie das heißt, die zwölf Aufgaben des Asterix oder sowas. wo er in der Gegend rumreist und zwölf Aufgaben erfüllen muss. Mit Obelix natürlich.
Florian Bayer: Sehr interessant. Nicht natürlich, habe ich schon gesehen, aber ich werde nichts spoilern. Wir werden einfach nächste Woche drüber reden und dann hörst du meine ungefilterte Meinung.
Johannes Franke: Oh, er guckt schon so. Oh nein.
Florian Bayer: Okay, bis dann. Bis dann, ciao.
