Episode 24: Rosamunde Pilcher: Wie verhext, Tatort: Murot – Wer bin ich?
In Folge 24 befinden wir uns wirklich in einer kompletten „Fish out of Water“-Episode. Weder Florian noch Johannes sind große Liebhaber der deutschen Fernsehunterhaltung, egal ob es sich um eine von Kritikern und Fans geschätzte Krimireihe wie den Tatort handelt oder um eine Romantikserie für ein sehr spezifisches Publikum wie Rosamunde Pilcher. Trotzdem wollen wir versuchen uns beiden Phänomenen unvoreingenommen und sachlich zu nähern. Zumindest mit „Murot – Wer bin ich?“ haben wir auch einen eher experimentellen Vertreter der deutschen TV-Landschaft vor uns, spielt dieser doch mit Metaebenen und Selbstreferenzialität und könnte so durchaus auch Anschauungsmaterial für einen Hochschulkurs in postmoderner Kulturwissenschaft sein. Wie verhext dagegen ist ein traditioneller Pilcher-Film mit viel Herz Schmerz an der Südwestküste Englands.
Passend zu den beiden Werken reden wir über unsere liebsten deutschen Filme und unsere liebsten deutschen TV-Produktionen, sowohl was Fiction als auch Non-Fiction betrifft. Wir listen einige Meisterwerke des selbstreferenziellen Kinos auf und kommen auch auf den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die GEZ zu sprechen.
Rosamunde Pilcher: Wie verhext [Käthe Niemeyer]
(DE 2021)
Mein ursprünglicher Impuls war es diese Einführung mit folgendem Satz zu starten: Ihr Name ist [ˈɹɒzəmənd ˈpɪltʃə]! Mit Ausrufezeichen, um der Germanisierung der 2019 verstorbenen britischen Autorin entschieden entgegen zu treten. Jetzt habe ich mich aber doch für etwas anderes entschieden; und zwar die Frage: Ist ihr Name [ˈɹɒzəmənd ˈpɪltʃə]? Denn auch wenn Pilcher weltweit mit ihren romantischen Liebesromanen und Kurzgeschichten unfassbar viel Geld verdient hat, wird sie der Nachwelt doch vor allem durch ihre deutsche Rezeption in Erinnerung bleiben. Und in dieser ist der eingedeutschte Name Rosamunde Pilcher nunmal berühmt geworden für zahllose für das ZDF produzierte Verfilmungen ihrer Beststeller. Über 100 Filme kennt die entsprechende Reihe und löste einen gewaltigen teutonischen Touristenboom nach Cornwall und Devon im Südwesten Englands, für den selbst die dort beheimateten Briten sehr dankbar sind.
Wie verhext aus dem Jahr 2021 ist eine derartige deutsche TV-Verfilmung der Kurzgeschichte “Tea with a witch” … und viel mehr muss dazu auch eigentlich nicht gesagt werden. Oder viel mehr sollte ich vielleicht dazu nicht sagen. Denn seien wir mal ehrlich: Ich bin nicht im geringsten Zielpublikum dieser Art von TV-Schnulze. Natürlich wäre es bequem, sich über den Kitsch, den Pathos, die simple Geschichte, die generische Bildsprache ezetrera pepe lustig zu machen. Vielleicht zu bequem. Also fasse ich mich hier kurz und gebe erst einmal zu Protokoll, dass ich den TV-Film Kostümbildnerin, die wegen einer astrologischen Vorhersage zurück in ihr Heimatdorf reist, um dort den ihr prophezeiten Traummann zu gewinnen, wirklich schlecht fand. Dass er so ganz und gar nicht meinen Geschmack getroffen hat, weder narrativ, noch dramaturgisch, noch ästhetisch. Aber wie gesagt, ich bin nicht die Zielgruppe. Und auch wenn ich mit Sicherheit gleich nicht drumherum kommen werde, über das ein oder andere Detail dieses Neunzigminüters zu schmunzeln, zu lästern oder zu lachen (und darauf freue ich mich auch ein wenig) ist es vielleicht spannender, bevor wir in gehässige Kritik abrutschen, zu schauen, was die Faszination von Rosamunde Pilcher ausmacht, warum sie so gut im deutschen TV-Markt funktioniert und was dies über die Sehgewohnheiten des (deutschen) TV-Publikums aussagt.
Oder was denkst du Johannes?
Tatort – Murot: Wer bin ich? [Bastian Günther]
(DE 2015)
Der Tatort. Speerspitze des deutschen Fernsehens und mit mehr als 1100 Filmen und mit teils über 10 Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung, eine der beliebtesten oder gar DIE beliebteste Fernseh-Reihe in Deutschland überhaupt.
Dabei gibt es gar kein richtiges durchgezogenes Konzept. Es gibt im Idealfall einen Kriminal-Fall und einen oder mehrere Ermittler die ihn lösen. Das könnte auch die SOKO und den Polizeiruf umschreiben. Warum ist der TATORT der mit dem guten Ruf? Und wie oft wird er ihm gerecht? Zeit wenigstens mal eine Stichprobe zu nehmen. Wir haben uns willkürlich den Tatort mit dem Titel „Wer bin ich?“ ausgesucht, in dem Ullrich Tukur, der Schauspieler des Kommissar Murot, der normalerweise im Film die Morde aufklärt, selbst des Mordes verdächtigt wird. Wir steigen zwar in den eigentlichen Film ein, aber gleich wieder aus. Der Regisseur ruft “CUT” und wir verfolgen Ulli, wie er vom Mord erfährt, wie die Dreharbeiten zum Tatort unterbrochen werden, wie er verdächtigt wird, wie er versucht sich zu verteidigen und verzweifelt versucht sich zu erinnern, was verdammt nochmal letzte Nacht passiert ist.
Ein Film der für deutsche Verhältnisse sehr waghalsig auf Metaebenen hochseilaktös balanciert. Die Frage ist: Tritt er daneben? Was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 24: Rosamunde Pilcher: Wie verhext, Tatort: Murot – Wer bin ich? Publishing Date: 2021-06-16T13:36:46+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/06/16/episode-24-rosamunde-pilcher-wie-verhext-tatort-murot-wer-bin-ich/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig.
Florian Bayer: Ja, hallo, herzlich willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast.
Johannes Franke: Wo wir dem jeweils anderen einen Film... aufs Auge drücken, den wir toll finden und hoffen, dass wir den Horizont des anderen erweitern. Aber diesmal, Floor.
Florian Bayer: Diesmal ist es eine etwas andere Episode. Und zwar eine Fish-Out-of-Water-Episode für uns beide. Wir haben nämlich zwei Sachen rausgesucht. Deutsche TV-Produktion. in denen wir uns eigentlich nicht so zu Hause fühlen.
Johannes Franke: Haben wir überhaupt deutsche Produktionen in unseren Listenbesitz gehabt?
Florian Bayer: Kann sein, dass wir mal einen deutschen Film dabei hatten. Mir würde aber spontan keiner einfallen. Ich weiß, auf meinen besten Listen tauchen regelmäßig deutsche Sachen auf.
Johannes Franke: Ja. Aber so richtig besprochen, weiß ich jetzt gerade nicht, aber wir haben uns uns gedacht, meine Güte, wenn wir die ganze Zeit über Filme reden und das deutsche Fernsehen und das deutsche Kino wird ja oft Naja, Bashing ist wahrscheinlich das Wort der Wahl. Es wird viel darüber gemosert und geredet. Und dann haben wir gedacht, eigentlich müssen wir uns, wenn wir uns schon... Naja, Filmpodcast schimpfen, dann müssen wir eigentlich über deutsche Filme reden.
Florian Bayer: Ursprünglicher Anlass war ja tatsächlich, dass ich in den letzten Episoden irgendwann angefangen habe, Witze zu machen über Johannes' Filmgeschmack und dann immer mal wieder Rosamunde Pilcher erwähnt habe. Ohne diese Frau zu kennen, ohne ihr Werk zu kennen und ohne ihre Verfilmung zu kennen. Aber das einfach Synonym benutzt habe für schnulzigen Kitsch. Und dann war das letzte Mal war der Bogen offensichtlich überspannt. Dann haben wir gesagt, so, bevor wir jetzt weiter darüber lästern. müssen wir auch mal schauen, worüber wir überhaupt reden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Wir haben beide diese Woche unseren ersten Rosamund-Pilcher-Film geschaut.
Johannes Franke: Meine Güte. Sollten wir vielleicht auch dann einfach mit dem Rosamunde-Pilcher-Film anfangen, damit wir es hinter uns haben?
Florian Bayer: Fangen wir an. Wir reden über Rosamunde Pilcher und danach geht es weiter mit dem Tatort, was auch für uns Fish Out of Water ist, auch wenn Tatort mittlerweile... von vielen Zuschauern aus unserer Altersgruppe, aus unserer Social Bubble rezipiert wird. Wir sind beide keine Tatort-Fans.
Johannes Franke: Keine großen. Also, vielleicht habe ich meine Meinung über die Woche jetzt geändert. Aber darüber reden wir dann nachher. Ich habe natürlich den einen oder anderen Tatort schon gesehen. Allein aus beruflichen Gründen, weil ich als Schauspieler normal mich mit der deutschen Fernsehlandschaft ein bisschen wenigstens auskennen soll. was wichtig ist, was andere Kollegen anders sehen, die dann wirklich nur amerikanisches Zeug gucken und ich weiß, Nee, ich muss als deutscher Schauspieler durchaus wissen, womit ich es zu tun habe. Und ich habe auch nun genug Drehbücher auf dem Tisch liegen von Soko und Polizeiruf und diesen ganzen anderen Krimis, die es so gibt in Deutschland. Die ich dann bedienen muss und auch gerne will.
Florian Bayer: Du kennst wahrscheinlich Deutsches TV mehr als Lektüre, denn als tatsächliche Filmvariante.
Johannes Franke: Es ist tatsächlich so, es ist wirklich so. Das ist wirklich so. Ich lese Drehbücher deutscher Produktionen und ich bin auch schon das ein oder andere Mal in die Verlegenheit gekommen zu sagen, Möchte ich nicht machen. Ach krass. Was als deutscher Schauspieler, so Wald- und Wiesen-Schauspieler wie ich, Kein berühmter, sondern einer, der einfach ab und zu mal zu tun hat. Das tut dann ganz schön weh, weil so viel... Man nimmt ja eigentlich, was man kriegen kann.
Florian Bayer: Ja, ich wollte gerade sagen, als deutscher Schauspieler muss man, glaube ich, ziemlich schmerzbefreit sein, was Angebote betrifft aus der...
Johannes Franke: Soap und Telenovela-Ecke etc. Ja, und ich bin auch kein Snob, was das betrifft, weil A, gibt es für alles Publikum und B... Ist es ein großer Unterschied, etwas zu spielen oder etwas zu rezipieren?
Florian Bayer: Definitiv. Ein Riesenunterschied.
Johannes Franke: Also ja, aber darüber reden wir gleich. Genau, genau.
Florian Bayer: Und um ganz kurz das Intro abzuschließen, in der ersten Episode hatten wir einen deutschen Film, 100 Jahre Adolf Hitler. Von Christoph Schlingensief und Johannes hat ihn gehasst. Und das war bis jetzt unser einziger deutscher Film. Nach über 20 Episoden.
Johannes Franke: Ja, und ich schäme mich ein bisschen dafür, weil eigentlich ist das sehr einseitig. Wir haben sehr amerikanisch lastige... Obwohl wir auch in Korea, koreanische, französische Filme, dänische Filme, nee, skandinavische Filme.
Florian Bayer: Skandinavische Filme, mehrere skandinavische Filme. Wir hatten zwei Schweden dabei bisher.
Johannes Franke: Und insofern, um der Heimat ein bisschen und auch der Diversität ein bisschen Vorschub zu leisten.
Florian Bayer: Oh mein Gott, das ist so kartoffelig zu sagen, dass man der Diversität Vorschub leistet, indem man was Deutsches bespricht. Oh mein Gott.
Johannes Franke: Oh fuck, tut mir leid.
Florian Bayer: Am besten lassen wir einfach nähere Angaben und steigen gleich ein mit Rosamunde. Pilcher.
Johannes Franke: Lass uns in Rosamund. Ich wünsche euch viel Spaß. Bitte guckt euch diesen Film erstmal an. Es gibt ihn in der Mediathek und zwar bis 2022, wenn ich das richtig... Ja, es gibt ihn auf jeden Fall noch eine Zeit lang.
Florian Bayer: Aber ich habe auch das Gefühl... Tatsächlich reicht es, wenn man einen von diesen Filmen gesehen hat, um ungefähr zu wissen, worüber geredet wird. Weil es gibt ... Nun ja, Gemeinsamkeiten inhaltlich zwischen den einzelnen Filmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Okay, legen wir los.
Johannes Franke: Dann gib du doch einmal eine Anführung, Flor.
Florian Bayer: Also, mein ursprünglicher Impuls war es, diese Einführung mit folgendem Satz zu starten. Ihr Name ist Rosamund Pilcher. Mit Ausrufezeichen Rosamund Pilcher, um der Germanisierung der 2019 gestorbenen britischen Autorin entschieden entgegenzutreten. Und jetzt habe ich mich doch für was anderes entschieden. Und zwar die Frage ... Ist ihr Name Rosamund Pilcher? Denn auch wenn sie weltweit mit ihren romantischen Liebesromanen und Kurzgeschichten unfassbar viel Geld verdient hat, wird sie der Nachwelt doch vor allem durch ihre deutsche Rezeption in Erinnerung bleiben. Dieser ist der eingedeutschte Name, Rosamunde Pilcher, nun mal berühmt geworden. Für zahllose für das ZDF produzierte Verfilmungen ihrer Bestseller. Über 100 Filme kennt die entsprechende Reihe und löste einen gewaltigen teutonischen Touristenboom nach Cornwall und Devon im Südwesten Englands aus. für den selbst die dort beheimateten Briten sehr dankbar sind. Wie verhext aus dem Jahre 2021 ist eine derartige deutsche TV-Verfirmung der Kurzgeschichte Tea with a Witch, die ich übrigens nicht gefunden habe. Ich habe sehr lange danach gesucht, weil ich wissen wollte, wie der Originaltext ist. Und wenn man... Bei Google oder auch bei Bing, T. Wivovic eingibt, kommt man nur zum ZDF-Pressematerial. Das Ding existiert eigentlich nur in den Redaktionsstuben des ZDF. Wahrscheinlich in irgendeiner Zeitschrift damals veröffentlicht und verloren gegangen. Ich habe sogar tatsächlich in der Verzweiflung, habe ich nochmal in der Bibliothek recherchiert. Nochmal also digital im Verbund Berliner Brandenburger Bibliotheken und da habe ich es auch nicht gefunden. Okay, genau, es ist eine Verfilmung der Kurzgeschichte Tibor The Witch und ... viel mehr muss dazu auch eigentlich nicht gesagt werden. Oder viel mehr sollte ich vielleicht dazu nicht sagen. Denn seien wir mal ehrlich. Ich bin nicht im geringsten Zielpublikum dieser Art von TV-Schnutze. bequem, sich über den Kitsch, den Pathos, die simple Geschichte, die generische Bildsprache etc. pp. lustig zu machen. Vielleicht zu bequem. Also fasse ich mich hier kurz und gebe erst einmal zu Protokoll, dass ich den TV-Film Um eine Kostümbildnerin, die wegen einer astrologischen Vorhersage zurück in ihr Heimatdorf reist, um ihr prophezeiten Traummann für sich zu gewinnen, wirklich schlecht fand. Dass er so ganz und gar nicht meinen Geschmack getroffen hat. Weder narrativ, noch dramaturgisch, noch ästhetisch. Aber wie gesagt, ich bin nicht die Zielgruppe. Und auch wenn ich mit Sicherheit gleich nicht drum herum kommen werde, über das ein oder andere Detail dieses 90 Minuten zu schmunzeln, zu lästern oder auch zu lachen, Darauf freue ich mich auch ein wenig. Ist es vielleicht spannender, bevor wir in gehässiger Kritik abrutschen, zu schauen, was die Faszination von Rosamunde Pilcher ausmacht, warum sie so gut im deutschen TV-Markt funktioniert und was dies über die Sehgewohnheiten des deutschen TV-Publikums aussagt. Oder? Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Ich hatte genau den gleichen Gedanken, ja. Dass man nicht sofort in Bashing ausatet. Sondern, dass man sich wirklich mal überlegt, die Leistung Die dahinter steckt. Und man bedient ja nun wirklich etwas, was anscheinend ein tiefes Bedürfnis im deutschen Zuschauer hat. vorzuherrschen scheint, das zu bedienen und zu das in einer Ich möchte fast sagen, in eine Perfektion zu bringen, das ist schon spannend.
Florian Bayer: Können wir ganz kurz zum Protokoll gehen? Du hast dieser TV-Verfilmung wahrscheinlich auch nicht viel abgewinnen können.
Johannes Franke: Nein. Nein, nein, nein. Also ich gebe zu Protokoll, ich kann mit diesem Film nicht viel anfangen. Aber ich gebe auch zu Protokoll, ich bin Schauspieler in diesem System und habe wahnsinnig viel erkannt aus meiner Arbeit. Und habe allein dadurch schon ein bisschen heimatliche Gefühle bekommen.
Florian Bayer: Ach ja, das ist doch schön. Was sich tatsächlich faszinierend, also ich finde es tatsächlich faszinierend, diese Dinger laufen ja offensichtlich total gut. Und zwar spezifisch in Deutschland. Also natürlich die Autorin Rosamund Pilcher war auch in England und war auch international sehr erfolgreich, aber tatsächlich auch... Er ist so richtig bekannt geworden, sie erst so in den 80ern. 1987 war ihr großer kommerzieller Durchbruch als Romanautorin.
Johannes Franke: Als ich schon 60 war oder sowas? Ja,
Florian Bayer: Genau, und das war die Familiensaga des Shell-Siegers. Die hat vorher natürlich vor allem für Zeitschriften geschrieben, für Magazine, Kurzgeschichten, wirklich so... kurze Soaps, die dann halt in irgendwelchen Frauenzeitschriften veröffentlicht wurden und auch primär unter Pseudonym.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Seit den 40er Jahren bis 1965 größtenteils unter dem Pseudonym Jane Fraser. Und nach eigenen Angaben hat sie das alles am Küchentisch sitzend geschrieben, weil es in ihrem Haus keinen Platz für einen eigenen Schreibtisch gab. Und die Kinder haben sie auch nach eigenen Angaben niemals schreiben sehen.
Johannes Franke: Ja, weil sie das immer rausgehalten hat. Ich habe ein Zitat von ihr, darf ich das kurz einmal vorlesen? Selbstverständlich. Selbstverständlich. Ihre eigene Ansicht ihrer Dinge, die sie schreibt, ist ... Ja, in meinen Büchern ist ein gewisser Eskapismus drin, eine Flucht vor der Wirklichkeit, aber... Es ist ja auch nicht so, dass unser Leben oder unser Job immer angenehm sind. Besonders Frauen führen oft ein Schattendasein mit Kindererziehung und all dem. Da ist es doch manchmal schön an die Hand genommen und in eine andere Welt oder anderes Leben geführt zu werden. Das Leben anderer Menschen ist immer faszinierend.
Florian Bayer: Ja, das ist ein schönes Zitat und das sagt sehr viel aus über ihre Kunst und natürlich auch darüber, wie sie rezipiert wird, weil... Damit sind wir beim Zielpublikum auch dieser TV-Produktion Das Zielpublikum ist ganz eindeutig die deutsche Hausfrau. Karin hat mich, als ich das gesagt habe, gefragt, warum Hausfrau, aber ich glaube ganz eindeutig Frauen, die wirklich primär zu Hause sind. Wahrscheinlich sogar tatsächlich nicht mal Frauen, die Teilzeit arbeiten, sondern wirklich die klassische, traditionelle deutsche Hausfrau. Und diese Filme eröffnen Sehnsuchtsräume. Und zwar in einem sehr klaren Rahmen. Es gibt ja auch diese... Also in diesem speziellen Film ist es ja jetzt das große Reveal oder das große Release am Ende ist, wenn der Mann sagt, okay, jetzt ist es für mich Zeit, mal zurückzustecken. Weil unsere Protagonistin geht nach England, geht nach London, zieht aus ihrem Heimatdorf weg, weil sie Kostümbildnerin werden muss. Und natürlich ist klar, sie muss wegziehen, weil sie kann nicht da bleiben. Da kann sie ihre Träume nicht erfüllen. Und sie muss etwas aufgeben. Und es steht gar nicht zur Disposition, dass ihr Freund, den sie verlässt dafür, dass der mitkommen könnte.
Johannes Franke: Das ist
Florian Bayer: klar, er bleibt da und sie hat entweder die Wahl, sie zieht alleine los. um eben ihren beruflichen Traum nachzueifern. Oder sie muss dort bleiben. Und die große Pointe am Schluss ist, und das ist tatsächlich ein... Das ist die Form von Feminismus, die Rosamund Pilcher ... Am Schluss ist es einfach so, dass der Mann dann sagt, nee, ich kann ja auch zurückstecken. Und ich kann jetzt mit dir nach London ziehen und ich kann jetzt mit, ich kann dir helfen, deinem Traum zu folgen, weil er ist tatsächlich auch einfach nur Handwerker in diesem kleinen, beschaulichen Dorf.
Johannes Franke: Der Film endet dort, wo ich finde, dass Filme anfangen müssten. Weißt du, was ich meine? Also die macht eine Entwicklung durch, wo ich denke, das ist doch Grundvoraussetzung, dass wir jetzt irgendwie, wir sind ja nicht mehr in den 50ern. nicht mehr. Wir sollten doch langsam mal den großen Bogen geschafft haben. Dass wir neue Probleme angehen können und nicht noch die letzten 50 Jahre aufarbeiten oder 70 Jahre.
Florian Bayer: Rosamund Pilcher ist ja mit ihrem Mann, den sie geheiratet hat. Sie ist eigentlich geborenes Gott. Und sie ist in Cornwall geboren, also in dem ... In der Region, in der ihre Geschichten größtenteils spielen, wie auch diese hier im Südwesten Englands. Und sie ist mit ihrem Mann, Graham Pilcher ... der ein Textilunternehmer war, ist sie nach Schottland gezogen. Weil er Schotte war und wegen seinem Beruf in Schottland. Und das ist ganz spannend, weil diese Geschichten, also auch diese Geschichte, vermittelt ja genau diese Sehnsucht, zum einen die ländliche Sehnsucht, zurück in die Heimat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was ja eigentlich so ein klassisches Drobe ist, findet man auch ganz viele in amerikanischen Liebesfilmen und nicht nur da, oder auch in deutschen Liebesgeschichten. findet man überall diese Sehnsucht zurück nach der Heimat. Man kommt zurück in das Dorf, in dem man groß geworden ist. Und dann stellt man fest, hey, es ist doch schöner, als ich es in Erinnerung habe. Es ist gar nicht so klein beengt, sondern es ist... Es fühlt sich wohlig warm an. Und diese Sehnsucht hat sie in ihren Büchern umgesetzt. Sie war dann in Schottland mit ihrem Mann. Sie hat zwar auch Bücher und Geschichten geschrieben über Schottland, wo sie auch die schottische Landschaft aus Ufwand eskapistisch beschrieben hat. Aber es hat sie eben doch immer nach Cornwall zurückgezogen. Und man merkt irgendwie, dass sie so, na ja, ihre Sehnsucht da in die Bücher ... gepackt hat, wo die Frauen zurück nach Hause kommen und wo es diese wunderschöne Landschaft gibt, wo sich alle kennen und alle in diesem netten Dorf leben und glücklich sind. Ja, es ist so ein bisschen traurig auch, finde ich. Also, wenn man das weiß, dass sie mit ihrem Mann nach Schottland gezogen ist und dieses... diesen Landstrich, den sie offensichtlich so sehr lieb verlassen hat, dann bekommen ihre Geschichten so eine sehr melancholische Note. Weil sie ständig darüber schreibt, wie schön es da ist und wie toll und gemütlich und wie super die Menschen da sind. Und sie lebt halt in Schottland. Wegen ihres Mannes, weil es einfach so war. Und sie ist halt auch aus einer Zeit, wie gesagt, geboren 1924, wo das einfach normal war. Da war nicht die Frage... Naja, lass uns mal überlegen, wo wir wohnen, sondern da war es klar, die Frau zieht mit dem Mann mit, wo auch immer es ihn hin verschlägt.
Johannes Franke: Naja, also das eine ist, was sie schreibt und aus welchem Erfahrungshorizont sie schreibt. Das andere ist, was heute noch im ZDF umgesetzt wird. Man könnte ja auch Dinge nehmen, also die Kurzgeschichte. hat nicht diesen ganzen Film hergegeben eigentlich. Dann kommt da Sachen dazu, da wird das und das und das und Dialoge, die alle irgendwie nicht da waren. Und dann kann man... Interpretationsspielraum ausnutzen und modernisieren. Aber nein.
Florian Bayer: Man könnte das Genre dekonstruieren. Man könnte es unterlaufen. Man könnte so viel damit machen. Man könnte so viel damit spielen. Und dieser Film, wie verhext, um jetzt in den Film einzusteigen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll. Das war so generisch und so auch, also auf mich hat es wirklich, und das tut mir wirklich leid für die Macherinnen, die wahrscheinlich auch... Da ein bisschen Herzblut reingesteckt haben, das hat für mich so lieblos gewirkt, was Bildsprache betrifft, was Kameraeinstellungen betrifft, was Farbräume betrifft. Das war so... Also auch wenn, gerade wenn ich sehe, der Film will die Romantik dieser Landschaft vermitteln. Es gibt viele Kamerafahrten über das Meer und über die Küste. Und über eigentlich schöne Natur. Und dann ist das in so einer langweiligen Bildsprache, die überhaupt nichts vermittelt, die mich überhaupt nicht kriegt. wo man wirklich spielen könnte, wo man interessante Sachen machen könnte, weil die Landschaft ist schön. Und der Ort ist auch schön, wo sie das gedreht haben. Der übrigens wirklich ... Cornwall wird jährlich von Tausenden von Deutschen besucht, weil die alle wissen wollen, weil die all diese Orte sehen wollen, in denen die Geschichten spielen. Es ist ein schöner Ort, man kann da Sehnsucht rein inszenieren und es macht es überhaupt nicht.
Johannes Franke: Ja, das Problem ist, du darfst, wenn du massentauglich, massenkompatibel sein willst als ZDF, also im Auge des Produzenten, Dann darfst du nicht zu sehr von einem Mittelmaß abweichen, weil du sonst unter Umständen rechts oder links Leute verlierst. Und die meisten in diesem, also die, die das gucken, sind halt ein bisschen älter und nicht mehr so flexibel. Und wenn du denen dann ein abgefahrenes Farbkonzept vorwirfst, wird es schwierig.
Florian Bayer: Ich meine nicht mal experimentell. Es geht nicht darum, dass das in psychedelische Farben getaucht werden soll, sondern einfach ein bisschen eine eigenständige Bildsprache. Das wirkt halt tatsächlich so, wenn du dich mit deiner Kamera, ohne dir Gedanken zu machen, da auf den Hügel stellst und ein paar Schwenks machst, dann hast du diese Bilder. Also es ist einfach...
Johannes Franke: Es sind natürlich tolle große Kameras und gute Kameras und so. Und die Farben sind echt. Aber die Farben sind halt... Ja, generisch ist das richtige Wort. Es ist halt alles sehr...
Florian Bayer: Eine eigenständige Bildsprache. Irgendwas Eigenständiges, wo ich das Gefühl habe, hier werden nicht einfach nur Touri-Aufnahmen gemacht. Das ist es halt auch. Es wirkt wie ein Touristen-Werbevideo. Das ist es. Die Farben und die Bilder, das ist wie ein Werbevideo. Und Werbevideos haben das ja auch so diese... Und selbst Werbevideos sind manchmal mutiger, was das betrifft. Man könnte das zusammenschneiden, das sind Stockbilder. Das ist genau dasselbe. Das sind Stockbilder. Solche Bilder findet man auf jeder Plattform, die Stockvideos verkauft. Wenn man sagt, hey, ich brauche ein paar Videos von einer schönen Landschaft, die ich noch dazwischen schneiden kann. Willst du Stock für die Zuhörerinnen erklären, die es nicht kennen?
Johannes Franke: Stock-Videos und Stock-Fotos und es gibt auch alles mögliche. Stock, das englische Wort sagt es schon, es ist auf Vorrat. Man produziert als Kameramann meinetwegen Videos von lachenden Menschen. von Menschen, die arbeiten, von einer einsamen Straße. Alles, was man irgendwie verwenden kann, was generisch genug ist, dass man... Alle möglichen Themen reininterpretieren kann, sodass ein Mensch, der Werbung machen will für Versicherungen, sagen kann, oh, ich brauche einen lachenden Menschen. Dann gucke ich doch mal, was es für Videos gibt mit lachenden Menschen. Und das Video darf nicht zu... zugeschnitten sein auf irgendwas, sondern es muss auf alles Mögliche passen. Und deswegen sind Stockfotos oder Videos einfach Die Kretze.
Florian Bayer: Wenn ihr mal sehen wollt, was Stockmaterial ist, müsst ihr euch den... Song bzw. den entsprechenden Videoclip von Jan Bülmermann angucken. Menschen leben, tanzen, Welt. Oh, der ist großartig. Da hat er nämlich Stocktexte für den Text genommen und hat Schimpansen diese Texte auswählen lassen und hat daraus einen Song komponiert und zwar so als Parodie auf... auf diesen deutschen Pop, der halt auch so generisch ist. Und hat dann einfach Textschnipsel genommen von verschiedenen deutschen Popkünstlern. Aber auch aus Werbespots, aus Tweets von Sami Slimani. Texte von Max Giesinger und so weiter und hat das einfach durcheinander gemischt. Wie gesagt, die Schimpansen haben das per Zufallsprinzip ausgewählt und er hat daraus einen Popsong gemacht und hat dazu dann natürlich auch ein Video gedreht. Und in diesem Video gibt es auch dieses Stockmaterial und dann sieht man eigentlich schon, was damit gemeint ist. Es sind einfach generische Bilder und es ist klar, es sind Bilder, die erzeugt wurden, um... die gemacht wurden, um Emotionen zu erzeugen und die werden dann von irgendwelchen Werbefilmern lizenziert, die halt schnell für ihre entsprechende Werbung was brauchen.
Johannes Franke: Genau. Was gut aussieht. Ich habe übrigens dieses Lied lange rauf und runter gehört.
Florian Bayer: Das ist so ein Ohrwurm.
Johannes Franke: Das ist so ein Ohrwurm.
Florian Bayer: Was ist schlimm? Jan Böhmermann hat es wirklich drauf, selbst in Parodien gute Ohrwürmer zu machen.
Johannes Franke: Wahnsinn. Ja genau, also Stockmaterial ist schon genau das richtige Wort, das stimmt, wenn ich mir die Bilder von vorstelle, die in dem Film einfach so über Cornwall geflogen da das Dorf einmal abgefilmt Aber weißt du, du guckst nicht so viel deutsches Fernsehen, aber ich sehe das ja ab und zu. Das wird ganz, ganz viel gemacht. Deutsches Fernsehen lebt von diesen Stockfoto-Filmartigen Aufnahmen. Dann hast du hier eine Kamerafahrt über das Dorf, damit du nochmal sagst, okay, wir sind jetzt auf dem Marktplatz. Und dann hast du da irgendwie so ein ganz generisches Bild vom Marktplatz. Oder eben, wenn du ein Intro hast für die Soko Leipzig oder so, dann hast du einmal so einen Zusammenschnitt von verschiedenen Perspektiven auf Leipzig. Und wenn du etablieren willst, der Kommissar ist jetzt vom Büro in... in die arme Gegend, wo die ganzen Hochreiser stehen, dann hast du ein... ein Stockvideo von Hochhäusern, damit du verstehst, okay, wir sind jetzt dort. Das ist halt, so funktioniert deutsches Fernsehen.
Florian Bayer: Und es ist so durchschaubar. Also vielleicht, um gleich zum zweiten Punkt zu kommen. Ich fand ... Die Geschichte nicht nur durchschaubar, sondern auch extrem vorhersehbar. Und zwar wirklich alles, sowohl den Hauptplot als auch den vermeintlichen Subplot. Es war... Es fehlte jede Form der Überraschung. Das Einzige, was ich überraschend fand, ist ... das dann nachher rauskommt, und das war keine gute Überraschung, sondern einfach plump, es war klar, dass dieser Robert Hayford, den sie dann kennenlernt, Dass der irgendwie Dreck am Stecken hat und dass das ein Arsch ist. Der wurde auch schon von Anfang an so arrogant inszeniert. Und das einzige Überraschende ist, dass er dann ausgerechnet eine Affäre mit ihrem Exfreund hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Was aber auch so draufgedrückt war, es war klar, er hat eine andere Frau und es ist klar, wenn er sagt, sie ist die Liebe seines Lebens, dass das Bullshit ist. Aber dass sie dann diese beiden Geschichten auch noch so verbinden, das war das Einzige, was so ein bisschen überraschend war. Aber sonst ... Das war so klar, wenn sie von der toten Schauspielerin reden. Und dann sitzt diese mysteriöse Frau mit einer Sonnenbrille im Kino. Und guckt immer den Film dieser Schauspielerin, die vermeintlich tot ist. Noch bevor man erfährt, dass sie die Schwester von dieser Frau ist, ist schon klar, dass sie die Schwester von dieser Frau sein soll. dass es diese Frau ist.
Johannes Franke: Ja, also es ist natürlich auch, es ist ja nicht Unvermögen von Drehbuchautoren, sondern es ist
Florian Bayer: Absicht. Ja, das glaube ich auch.
Johannes Franke: Das ist ja genau das, was gemacht werden soll. Das hat mehrere Hintergründe. Das eine ist, was mir immer im Set gesagt wird, Oma Erna will, wenn sie beim Bügeln nur so halb zuguckt, am Ende trotzdem... wissen, was eigentlich passiert ist. Und sie will mitkommen. Und dann möchte sie möglichst auch ein paar Sachen vorher ahnen können. damit sie nicht zu überrascht ist und sich fragt, hä, wo sind die jetzt da hingekommen? Weil sie einfach beim Bügeln nicht mitkommt oder weil sie mal irgendwie ... an die Tür gegangen ist, um mit der Nachbarin ein Schwätzchen zu halten und dann kommt sie zurück und kommt ganz leicht wieder in den Film hinein.
Florian Bayer: Ich glaube, wir müssen ganz kurz was zur Geschichte sagen, weil ich gehe davon aus, dass viele von unseren Zuhörerinnen das nicht geguckt haben. Und um das auch ein bisschen zu revidieren, was Johannes vorhin gesagt hat, man muss es nicht unbedingt sehen.
Johannes Franke: Ich werde keine Sehempfehlung dafür aussprechen. Guck diesen rosamunde Pilcher-Film.
Florian Bayer: Guckt euch mal irgendwann einen Rosamund Pilcher Film an oder Rosamunde Pilcher, um... Um einfach zu wissen, worüber geredet wird, weil es wird sich so viel drüber lustig gemacht. Ich glaube, es ist wirklich borniert und versnobbt, sich über was lustig zu machen, ohne es zu kennen und davon nehme ich mich definitiv nicht aus. Ich mach das auch. Ich hab's gemacht in den letzten Episoden und ich bin froh, dass ich es jetzt machen kann, weil ich weiß, worüber ich rede. Genau, jetzt darf ich. Also im Zentrum steht Grace, das ist unsere Protagonistin. die mit ihrer Jugendliebe Sebastian zusammen ist. Und die leben eben gemeinsam in diesem Dorf in Cornwall. Und der Vater von Craze betreibt ein kleines Kino, in das Craze auch immer wieder gerne geht, weil da immer dieselben alten Schinken laufen, mit... einer gewissen Tamara Larson, die da die Hauptrolle spielt. Der Vater bewundert sie, die Tochter bewundert sie. Und die einzige andere Frau, die in diesem Dorf ins Kino geht ... Olivia Marlowe, wie wir später herausfinden, die Schwester der verschwundenen Schauspielerin, bewundert sie auch oder will die Filme gucken.
Johannes Franke: Aber ist es nicht wunderschön, mit welcher Idylle das alles vorgestellt wird ganz am Anfang?
Florian Bayer: Nein. Weißt du, was mich am Anfang total rausgebracht hat, was ich wirklich schlimm fand? Dieses auf Englisch drücken. Du hast diese deutschen Schauspieler, die sich Dad nennen und die alle englischen Namen haben und dann hast du die Ruby, die dann auch noch so ein bisschen so leicht süddeutschen Akzept... Akzent hat. Und man merkt so zum einen durch die Sprache, so diese Und so versuchen sie, diese englische Atmosphäre zu erzeugen. Und dadurch, dass sie ganz plump so kleine Spots einbauen, dann gibt es ein Frühstück. Und natürlich haben wir hier ein richtig klassisches englisches Frühstück mit Bohnen und Würstchen. Und es ist so klar, dieses Bild von dem Teller, auf dem das... Satte, deftige englische Frühstück ist es nur dazu da, um die Zuschauer zu erinnern, hey, übrigens, wir befinden uns in England.
Johannes Franke: Ja und auch um die Sehnsucht zu stillen. Das ist alles, wie du vorhin gesagt hast, du machst einen Touristenfilm.
Florian Bayer: Welcher Mensch, der klar bei Verstand ist, hat Sehnsucht nach einem englischen Frühstück?
Johannes Franke: Okay, ich auch nicht.
Florian Bayer: UK, nichts gegen euch, aber euer Frühstückssack.
Johannes Franke: Ja, vor allem als Vegetarier, aber egal.
Florian Bayer: Porridge mag ich.
Johannes Franke: Ja, okay, ja. Aber ich habe irgendwann zu viel gegessen. Naja. Willkommen bei unserem Podcast über englische Essgewohnheiten.
Florian Bayer: Ich mag tatsächlich kein englisches Essen.
Johannes Franke: England ist als einziges Land auf der Welt fast ausschließlich dafür berühmt, dass sie schlechtes Essen haben.
Florian Bayer: Ja, aber irgendwas Gutes, lass mir mal überlegen. Jetzt krame ich gerade so meine Erinnerungen an englisches Essen durch. Und mir fällt nichts wirklich Gutes ein. Das Beste ist wahrscheinlich Fisch und Chips, aber einfach auch nur, weil das sowas ist, wo man nicht viel falsch machen kann.
Johannes Franke: Also mir fallen Süßigkeiten ein. Es gibt tolle Süßigkeiten.
Florian Bayer: Ja?
Johannes Franke: Ja. Okay. Das war's schon.
Florian Bayer: Ja. Verdammt.
Johannes Franke: Okay, zurück zum eigentlichen...
Florian Bayer: Genau, Craze... Möchte Kostümbildnerin werden. Ja. Und dafür muss sie das Dorf natürlich verlassen. Und parallel dazu erfährt sie von der Wahrsagerin des Dorfes namens Ruby, dass sie ihren Traummann treffen wird und Ruby flüstert ihr auch den Namen des Traummannes ins Ohr.
Johannes Franke: Übrigens die rothaarige Ruby. Ja. Ja.
Florian Bayer: Was für einen Akzent hat sie? Der Akzent hat mich so rausgebracht, weil es so deutsch klingt.
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und sie flüstert ihr den Namen Doctor. Nee, sie sagt, glaube ich, nicht Doktor. Aber sie flüstert ihr den Namen Robert Hayford ins Ohr.
Johannes Franke: Beziehungsweise wir hören es nicht und dann später brüllt sie den Namen raus, als sie mit ihm darüber spricht. Die Motivation habe ich nicht ganz verstanden, warum sie jetzt zu ihrem Freund geht, um ihm zu sagen, dass sie... dass sie was in ihr gesagt hat, dass sie einen anderen Mann kriegen wird. What?
Florian Bayer: Aber es ist auch schon klar, dass diese beiden haben so eine gewisse Chemie zusammen, also Grace und ihr Freund, Sebastian. Dass man merkt, die Story soll natürlich darauf hinauslaufen, dass sie sich am Schluss kriegen. Es gibt dann diese dramatische Szene, wo sie ihn verlässt und er wütend in Zeitlupe.
Johannes Franke: Oh, diese Zeitlupe ist so cringe. Alter.
Florian Bayer: Oh, fuck. Das war diese Dramatik, die draufgedrückt ist. Er zerschlägt dann Holz vom Tisch. Oder was war das?
Johannes Franke: Seinen Stuhl, den er gerade gebaut hat.
Florian Bayer: Und dann wird kurz eine Zeitlupe draus gemacht und dramatische Musik. Uff, ja.
Johannes Franke: Ja, kann nur das.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Übrigens, nur um nochmal einen kleinen Schritt zurückzugehen, die Regisseurin, Käthe Niemeyer. Vielleicht ein Wort zu Regisseuren deutschen Fernsehens. Man betreibt als Regisseur, wenn man im deutschen Fernsehen arbeitet, oft... wenn man nicht gerade ambitioniert versucht, Kinofilme und ZDF-Historien schinken und so zu machen, dann hat man... Im Grunde nur die Chance, Hopping zu betreiben. Und zwar eben so Serien-Hopping, wie ich gehe ... Dieses Jahr einmal zur Soko, einmal zum Bergdoktor, einmal zur Soko Wismar und zum... Weiß ich nicht. Zum Staatsanwalt. Und dann habe ich im Grunde viermal im Jahr den gleichen Film in verschiedenen Formaten, Mit unterschiedlichen Pappaufstellern. Und die musst du alle irgendwie ... Und dann hast du irgendwann ein Rezept ... Was du einfach nutzt und was du abarbeitest. Und Käthe Niemeyer ist bestimmt am Set eine tolle Regisseurin. Ich kenne sie nicht, keine Ahnung. Ich lese mal vor, was sie so macht. Das sind genau diese Sachen. Der Staatsanwalt, blutiger Anfänger, letzte Spur Berlin. Team Alpin, Dr. Klein, Großstadtrevier, Soko Stuttgart, Lena Lorenz.
Florian Bayer: Fast nur Serien und ein paar TV-Filme.
Johannes Franke: Genau solche Sachen. Die Fallas, eine Schwarzwaldfamilie, solche Sachen. Und dann hast du irgendwann, du hast ein Rezept, du weißt, okay ... Ich gehe von A nach B durch diese Folge durch und muss bestimmte Sachen abarbeiten und habe dann so Boxes, die ich einfach abhake. Und so funktioniert das. Und so kann das fast auch nur funktionieren, weil du eine ganz bestimmte, sehr limitierte... Drehtageanzahl hast für sowas und dann alles funktionieren muss.
Florian Bayer: Das merkt man auch an den Schauspielleistungen.
Johannes Franke: Das ist ganz genau das gleiche Problem, ja.
Florian Bayer: Gab es eine Schauspielleistung, die du überdurchschnittlich fandst?
Johannes Franke: In diesem Film? Ja.
Florian Bayer: Nee, will ich nicht sagen. Ich fand tatsächlich am ehesten, da habe ich dann noch einmal den Namen gegoogelt, weil der mir am ehesten positiv aufgefallen ist. Das ist dieser Helmut Zierl. Der den Vater von Grave spielt. Ah ja, stimmt. Bei dem hatte ich das Gefühl, dass der ein bisschen mehr macht ... Und vielleicht auch, oder zumindest, dass er vielleicht ein bisschen mehr kann, aber das ist auch offensichtlich ein Urgestein in diesen Filmen, der hat schon sehr viel von diesen Filmen gemacht.
Johannes Franke: Genau, ich glaube mit dem habe ich sogar irgendwo schon mal gedreht.
Florian Bayer: Und bei dem hatte ich das Gefühl, da blitzt so ein bisschen Talent hervor, was irgendwie ein bisschen auch eingegängelt ist in dieser Rolle. ohne konkret zu sagen, woran ich das festmachen würde, da hatte ich einfach das Gefühl, der hat ein bisschen mehr Ausstrahlung, ein bisschen mehr Präsenz als die anderen... Aber sonst waren es halt tatsächlich einfach durchschnittliche, nicht mal schlecht, sondern einfach so nichtssagend und so runtergerattert. Ich habe eigentlich mehr Qualität erwartet. Ich hätte gedacht, dass das alles ein bisschen qualitativ hochwertiger wirkt.
Johannes Franke: Ich tatsächlich auch, ja.
Florian Bayer: Letzte Woche haben wir drüber geredet und da meinte ich, ich erwarte eigentlich was sehr Solides und was gut gemacht ist, wo auch viel Geld rein investiert ist. Aber die Schauspielleistungen waren dann halt doch eher Soap-Niveau. Also wie die Bilder.
Johannes Franke: Also Soap-Niveau würde ich ein bisschen, ich weiß nicht, wie viel Soap so gesehen heißt.
Florian Bayer: Ich kenne mich nicht. gut aus mit Soaps.
Johannes Franke: Und deswegen ist Soap-Niveau gefährliches, dünnes Eis, weil die Schauspieler Also, wenn wir auf die Schauspieler gehen, dann müssen wir aber auch richtig über die Schauspieler reden. Weil ich natürlich immer gerne auch die Schauspieler verteidigen möchte, Wenn du dir diesen Film anschaust, hast du keinen Moment, finde ich, wo du einem Schauspieler einen Satz nicht glaubst. Wenn er einen Satz sagt, glaube ich ihm den zumindest. Nun ist das das unterste Niveau, was man erwartet vom Schauspieler. Wenn du dir Soaps anschaust, Dann hast du ganz oft das Problem, dass du dir einen Satz anhörst und denkst, du meinst nichts davon. Ich glaube dir kein Wort. Was soll das denn? Weißt du, was ich meine? So künstliche Wutanfälle, so blödsinnige... Du hast manchmal eben auch Dialogzeilen, wo du nicht weißt als Schauspieler, wie soll ich das denn bitte sagen? Sowas wie ... Ganz am Anfang, wenn Sebastian, die Zeitlupe steht kurz bevor, Sie geht zur Tür raus und er muss den Satz sagen, steht halt so im Drehbuch, du musst den Satz sagen, geh doch allein, geh Grace, geh. Wie willst du diesen Satz sagen? Ja. Und es gibt diese Sätze ganz, ganz oft in diesem Film. Und dann tun mir die Schauspieler wahnsinnig leid.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und allen Schauspielern in diesem Film ist zugute zu halten ... dass sie immer eine Möglichkeit gefunden haben, das nicht gänzlich peinlich zu machen. Und das ist schon eine Leistung. Dazu musst du als Schauspieler wirklich was können. Und ich glaube, dass alle diese Schauspieler was können, wenn man ihnen die Zeit gibt, wenn man mit ihnen was erarbeiten kann. Und wenn man ihnen nicht alle paar Minuten sagt, nee, das können wir nicht machen, das ist zu anspruchsvoll, da kommt der Zuschauer nicht mehr mit. Oder, nee, das geht nicht, wir haben nicht genug Zeit, die Kamera müsste sich ja dann von A nach B bewegen und da müssten wir die Schienen aufbauen und das geht auch nicht. Solche Sachen. Dann kannst du ganz bestimmte Sachen einfach schon mal nicht mehr machen, wie du hast... Was ganz schlimm ist in diesen Dingen. Du machst als Schauspieler eigentlich nichts, als rumzustehen. Du stehst voreinander... wirfst dir den Text zu und im Leben würdest du normalerweise abwaschen. Oder irgendwie noch von A nach B gehen. Aber das geht alles nicht, weil die Zeit nicht dafür da ist, das inszenatorisch mit der Kamera zu proben und zu machen. Das heißt, die müssen alle voreinander stehen. Wie Peak 7 stehen die da und wissen nicht, was sie machen wollen.
Florian Bayer: Pappaufsteller gesagt.
Johannes Franke: Pappaufsteller, ganz genau das. Und müssen sich ihre Dialogzeilen zuwerfen. Und was willst du denn als Schauspieler machen? Du bist ja völlig kastrat. Und das erlebe ich als Schauspieler ganz viel. Und dadurch, dass ich das jetzt schon seit 20 Jahren mache, Fuck, habe ich gerade 20 Jahre gesagt?
Florian Bayer: Oh mein Gott.
Johannes Franke: Ähm, ähm, verlernt man darüber nachzudenken, was könnte ich denn eigentlich machen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das heißt, ich stehe dann auch schon gar nicht mehr am Set und sage, du, ich habe mir Folgendes überlegt, ich könnte eigentlich währenddessen, weil in zwei Szenen kommt es ja, dass ich dann... XY an den Kopf werfe, das und das, könnte ich ja in der Gegend rumlaufen und eigentlich geistesabwesend mit dem reden. Das funktioniert aber dann nicht, weil der Regisseur sagt... Nee, das geht nicht. Wir haben hier Restriktionen sowieso und sowieso. Über sowas kann ich nicht mehr nachdenken als Schauspieler, weil ich jetzt schon weiß, das wird überhaupt nichts. Das geht nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann kommen wir dann später, beim Tatort kommen wir dann wieder drauf zu sprechen, weil da gibt es dann den großen Unterschied ... den das deutsche Fernsehen eben ausmacht, Zeit. Es gibt Tatorte, die haben noch 22 Drehtage für einen Tatort. es waren mal 25, dann wurde es immer weniger und es gibt aber auch Folgen, von Soko oder so, die haben nur sechs Drehtage. Die sind dann nur halb so lang.
Florian Bayer: Wie lange ist Soko? Ist 45 Minuten?
Johannes Franke: Genau, Soko ist 45 Minuten, Tato ist anderthalb Stunden. Wenn du eine doppelte Soko hättest, hättest du 12 Drehtage oder vielleicht 13, 14? fehlen immer noch sechs Drehtage oder sieben oder acht. Du hast die Zeit nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist furchtbar.
Florian Bayer: Ja. Richtig... Ja, okay, der Soap-Vergleich war tatsächlich schwierig, weil ich mich mit Soaps gar nicht auskenne. Aber was du gesagt hast, diesen Moment, dass man den Schauspielern... nicht immer alles abkauft, den hatte ich schon bei diesem Ding ein paar Mal. Also auch gerade, was du jetzt sagst, dass sie so wie Pappaufsteller rumstehen, dass sie auch so ein bisschen ungelenk wirken, dass sie so ein bisschen hilflos wirken, weil sie nicht wissen, wo die Szene hinlaufen soll, weil die Szene auch nicht wirklich irgendwo hinläuft, weil es keine Dynamik gibt. Und dann einfach ... Es gab sehr viele Momente, so diese awkward silence.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Wo du das Gefühl hast, ja, dann lassen sie die Kamera noch ein bisschen laufen, um atmosphärisch... aufzusorgen, aber da ist null Atmosphäre, da ist nichts. Und da ist auch keine Chemie. Ich glaub dir sofort, man kann diesen Schauspielern, als zum Beispiel Jördis Richter, die die Grace spielt, die Die kann bestimmt was. Die hat auch am Theater gespielt. Die hat an der Schaubühne in Berlin gespielt. Die kann bestimmt was. Aber davon spürt man natürlich da gar nichts. Und die steht da halt immer so steif rum und versucht irgendwie sowas wie ... Romantik aufkommen zu lassen. Sie will irgendwie, dass wir ihr glauben, dass sie wirklich jetzt glaubt, den Mann ihrer Träume gefunden zu haben. Und es wirkt teilweise wirklich peinlich. Also Was auch natürlich ganz stark Schuld des Drehbuchs ist. Das ist so absurd, wie sie dann auf diesen Dr. Robert Hayford, wie sie ihn zum ersten Mal kennenlernt. Sie sitzt mit ihrem Produzenten. im Restaurant und verschluckt sich und der macht den berühmten Heimlichgriff und rettet ihr das Leben und sagt dann noch schnell seinen Namen. Und sie ist perplex. Und diese Szene ist so schrecklich, also wirklich so schrecklich, dass ich mich gewunden habe, während die gelaufen ist, weil mir das so unangenehm war für alle Beteiligten. Sowohl für die Schauspielerinnen, als auch für die Regisseurin, als auch für die, die Kamera machen. wirklich ein unangenehmes Erlebnis. Und ich hab mehr erwartet. Ich hab mehr Professionalität erwartet. Das ist ein 90-minütiger Streifen. Das ist ein Fernsehfilm. Ich hätte gedacht, dass man spürt, dass da mehr Zeit investiert wurde, dass da ein bisschen mehr drauf geachtet wurde, ein hochwertiges Produkt zu machen. Und meinetwegen Produkt für das Publikum. Aber trotzdem ein bisschen hochwertiger. Und ja, ich habe erwartet, dass ich es kitschig finde und dass ich es albern finde und alles geschenkt. Aber ich habe erwartet, dass darin zumindest eine gewisse... Nicht Professionalität, Professionalität hat, das ist das falsche Wort, ein bisschen mehr Liebe hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ein bisschen mehr Hinwendung zum Material.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding. Wenn du schon rosamunde Pilcher machst, dann möchte ich aber auch, dass man... Und das spüre ich ganz oft am Set. Was ich ganz traurig finde, dass man sich... dann nicht in das Material reinlehnt, sondern sich eher währenddessen noch darüber lustig macht, was man da gerade tut.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und das finde ich eben so traurig. Wenn ich schon sowas mache, und das muss ich als Schauspieler auch tun, muss ich mich, ich muss die Figuren ernst nehmen als Schauspieler? Und als Regisseur muss ich die Geschichte ernst nehmen. Und wenn ich das nicht tue, dann kommt sowas bei raus. Also vielleicht ist es auch gemein der Regisseurin gegenüber, die vielleicht ganz viele... Restriktionen hatte, die sie beachten musste. Aber auch dadurch, du kommst einfach nicht dazu, das Material ernst zu nehmen, wenn du nicht... ausschöpfen kannst, was drin ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist schon nicht viel drin, aber nicht mal das haben sie ausgeschöpft.
Florian Bayer: Das ist, glaube ich, natürlich auch das Ding, äh, Es ist jetzt nicht so, dass hier einer großen Geschichte großer Belletristik Unrecht getan wurde. Ich habe von Rosamund Pilcher nichts gelesen. Aber alles, was ich jetzt drüber gelesen habe, sind wohl diese Umsetzungen sehr nah am Original. Sie beschreibt eskapistisch Landschaften. Sie hat sehr generische Geschichten. Und ich habe mir vorgenommen, ich will mal eine von ihren Kurzgeschichten lesen. Also ich habe keine Lust davon. Das sind Romanlänge zu lesen. Aber ich will mal eine von ihren Kurzgeschichten lesen, um zu sehen, ob da ein bisschen mehr drin steckt. Ich glaube aber eher nicht. Also offensichtlich... ist auch ihr Konzept sehr generisch zu sein, sehr wenig überraschend und klassische romantische Geschichten mit Sehnsuchtsräumen zu erzählen.
Johannes Franke: Mhm. Wollen wir in der Geschichte mal weiter voranschreiten?
Florian Bayer: Ja, genau. Sie lernt diesen Robert Hayford kennen und dann erfährt sie ... dass der ausgerechnet in ihrem Heimatort ist, den sie vor ein paar Jahren verlassen hat, weil er da eine Patientin behandelt und ... Dann fährt sie ihm natürlich hinterher, weil es ist der Mann ihrer Träume. Und kommt nach langer, langer Zeit wieder in der Heimat an, trifft ihren Ex-Freund, bei dem sie dann auch unterkommt. kriegt mit, dass ihr Vater offensichtlich finanzielle Probleme hat und gleichzeitig eine krankhafte Obsession mit Tamara Larson entwickelt hat, weil er ihr ganzes Zeug sammelt. Fuck, Mann. Und dieser Robert Hayford behandelt Olivia Marlowe, also die geheimnisvolle Dame aus dem Kino, die Schwester von Tamara Larsen.
Johannes Franke: Es wird übrigens zwar darauf eingegangen, dass es irgendwie krankhaft ist, dass er so viel sammelt. Aber nicht auf der psychologischen Ebene.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Es ist nicht irgendwie weird, dass er so krankhaft wirklich an dieser Frau hängt und diese Frau so... Also wenn sie noch leben würde, also wenn er wüsste, dass sie noch lebt, würde er sie so dermaßen stalken die ganze Zeit und würde halt innerhalb von kürzester Zeit im Gefängnis sitzen, weil... Art und Weise.
Florian Bayer: Er ist einfach ein Nostalgiker, ein Romantiker. Auch so ein Kino-Romantiker. Das ist... Eigentlich von der Idee ganz putzig, dass sie halt diese Romantik des klassischen Kinos versprühen. Er hat auch noch wirklich klassische Filmrollen, die dann kaputt gehen oder der Projektor geht kaputt und irgendwas funktioniert nicht. In der Theorie ist das ja eigentlich was ganz Nettes, das Setup. Aber sie nutzen es nicht.
Johannes Franke: Sie nutzen es überhaupt nicht. Es kommt überhaupt nicht dieses Flair und diese Idee des Kinos auf, weil die Dialoge so hölzern darüber sind und er die ganze Zeit... Er ist nicht 70, aber er trotz Nachdem sagt er in einem Dialog, ich weiß nicht mehr genau, was er sagt, aber er redet darüber, über die Modernisierung, als ob das... so gerade erst passiert wäre und als ob das was völlig Neues wäre und er sich überlegt... Wie er jetzt damit umgehen soll, dass plötzlich keine Projektoren mehr, was, was, Moment, Moment und alle gucken ja nur noch auf ihren Tablets und. Und so und er redet darüber, als wäre er irgendwie gerade, weiß ich nicht, als ob er die letzten 20 Jahre auf dem Mond gewesen wäre und jetzt zurückkommt und völlig überrascht ist.
Florian Bayer: Das ist, wenn unsere Protagonistin, die jung sein soll, die irgendwie Mitte, Ende 20 sein soll, Eigentlich, er wirkt, als ob sie 40 oder 50 wäre von ihrem Gesellschaftsbild. Dann muss der Vater, der 60 ist, 50, wahrscheinlich eher Mitte 50, muss... Dann halt auch eher so wirken, als wäre er 120 von seinem Gesellschaftsbild. Früher, als wir noch nicht diese merkwürdigen Geräte hatten, da sind wir noch rausgegangen und haben mit Stöcken gespielt. Wir hatten nichts anderes als Stöcke.
Johannes Franke: Aber warum haben sie nicht einfach? Das ist so einfach. Du brauchst nur den Dialog ein kleines bisschen umarbeiten und schon ist er einfach nur der Liebhaber. der zwar die Digitalisierung und so weiter kennt und mitmacht, der aber sich irgendwann mal bewusst entschieden hat, wir machen hier mal ein Kino, was wirklich auf dem alten Projektor läuft und so.
Florian Bayer: Und zack wäre der Film schon gleich eine ganze Nummer besser. Weil von der Theorie kann man mit diesem ... Subplot, irgendwas, könnte man mit diesem Subplot wahrscheinlich irgendwas anfangen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der Subplot um den Vater, der halt dieser Tamara Larsson hinterherhängt ... Und um diese geheimnisvolle Olivia Marlow, die behandelt wird von dem Arzt. Und dann kommen die zusammen und es entwickelt sich so ein bisschen Romanz. Und dann kommt... Das große Reveal, Olivia Marlow ist ein Vampir. Das wäre übrigens eine wirklich gute Idee gewesen.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Das wäre, also wirklich dann, fantastisch, hätte er für mich gewonnen. Aber nein, sie ist einfach Tamara Larson, die sich zurückgezogen hat. Damit hätte man was machen können mit diesem Subplot. Aber ... Ja, es ist, nein, sie machen halt nichts draus.
Johannes Franke: Können wir einmal darauf eingehen, dass der Film, den sie da gucken, dass er so wahnsinnig schlecht ist?
Florian Bayer: Wir sehen ja nicht viel davon, außer diese kitschige Schlussszene immer wieder.
Johannes Franke: Und die ist so wahnsinnig schlecht und sie haben sie natürlich auch so gedreht, dass sie schlecht ist. Also es ist ihnen schon auch klar. Und jetzt gibt es zwei Gründe. Entweder haben sie das gemacht, weil sie gewusst haben, sie kriegen keinen guten hin. Also, dass man sagt, ich kriege es sowieso nicht hin, dass die Dialoge so gut sind, dass der Zuschauer mir abkauft, dass es ein wirklich guter Film ist. Also mache ich ihn absichtlich schlecht. Und rette mich dann ... Zweite Variante, in eine Persiflage. Aber das Problem ist, dass der Film damit zu ernst umgeht. Deswegen funktioniert das nicht als Persiflage.
Florian Bayer: Ich glaube auch nicht, dass das als Persiflage gedacht ist. Meine Theorie ist ja... Sie reden von diesem Film als eine olle Schnulze. Aber der Film, den wir gucken, wie verhext selbst, ist auch eine olle Schnulze. Und wenn sie das einfach so nebeneinander halten würden und den quasi auf diesem Niveau zeigen würden... hätten sie plötzlich so eine Metaebene, wir kommen später zur Metaebene mit dem Tatort, hätten sie plötzlich so eine Metaebene, wo klar ist, dass Dieses Setup, in dem wir uns befinden, ist nichts an, ist genauso wie dieser Film, den die gucken. Deswegen mussten sie alles drüber machen. Deswegen müssen sie sagen, in unserer Welt... Unsere Welt ist eine Schnulze, also muss eine Schnulze in unserer Welt eine Schnulze-Schnulze sein und deswegen haben sie alles kitschiger gemacht, alles alberner, alles noch. simplifizierter. Und das ist halt der Film, den sie dann im Kino gucken. Diese eine Szene, wo sie am Zug ist und er am Zug ist und am Bahnhof und großes romantisches Verabschieden. Das musste drüber sein, weil sonst hätten sie sich eingestanden, dass sie auch eine Schnulze sind.
Johannes Franke: Aber warum geht man damit nicht offensiv um? Ist doch in Ordnung. Du kannst doch deinem Publikum auch zutrauen, dass sie... Also jeder, wer das guckt, weiß das. Also selbst die 80-jährige Oma weiß das. Die weiß, dass sie eine Liebesschnurze sieht. Und ich glaube auch, dass sie ein bisschen Ironie verträgt. Ja.
Florian Bayer: Aber das Ding hat keine Ironie, ne? Nein, überhaupt nicht. Und das ist wirklich schade. Und ich glaube auch, das ist bestimmt auch dem Publikum geschuldet. Ich glaube, niemand, der das mag, guckt das ironisch, weil dafür gibt es zu wenig her. Dafür ist es nicht trashig genug. Zum Beispiel so was wie ... Keine Ahnung ... Fackeln im Sturm oder ein Bollywood-Musical. Das kann man ironisch gucken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dieses Teil, diesen Film kann man nicht ironisch gucken, weil er dafür einfach zu ... zu sehr Holzschnitt ist.
Johannes Franke: Der versucht zu sehr wirklich ernsthaft was zu erzählen, was zu erreichen, also den Zuschauer zu erreichen. Und irgendwie, ihm fehlt einfach der Humor.
Florian Bayer: Ja, komplett. Und auch so ein bisschen, ja, es müssen nicht mal Humor sein, einfach so ein bisschen... Selbstbewusstsein, ein bisschen sich selbst gewahr sein, was man ist. Der Film weiß nicht, was er ist. Also so wirkt er zumindest.
Johannes Franke: Also ich war ja vor vielen, vielen Jahren mal bei GZSZ und wir haben also für elf Drehtage und wir haben wirklich ganz oft dagestanden und haben gesagt, wir wissen, dass das nicht mehr wird als das, was wir... gerade machen. Also dafür ist zu wenig Zeit, die Dialoge und so weiter. Und ich fand es damals eine lässige Haltung. Aber wie ich vorhin schon gesagt habe, wenn man nicht wenigstens das ernst nimmt, was man macht... auf einem gewissen Niveau ernst nimmt, dann kommt halt auch nichts bei raus.
Florian Bayer: Das Faszinierende ist ja, dass es offensichtlich reicht. Es reicht für 100 Filme. Die extrem viele Zuschauerinnen haben, die extrem gut ankommen beim Zielpublikum, in der Presse regelmäßig verrissen werden, mit Spott überzogen, aber... die ihr Publikum kriegen. Also warum sollten Sie mehr machen? Wollen Sie einen Krimpreis gewinnen? Sie wissen genau, dass Sie den nicht kriegen.
Johannes Franke: Nee, das ist klar.
Florian Bayer: Also was sollen Sie machen? Dann machen sie halt Publikumsbefriedigung.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber Publikumsbefriedigung ist genau das Wort. Ich glaube, das ist ein Wort, was ganz oft in der Produktion in den Mund genommen wird. Dass wir sagen, nee, wir müssen ein Publikum befriedigen.
Florian Bayer: Die Frage ist halt, wie zynisch das ist. Also wie zynisch ist so eine Produktion? Du sagst, man... Bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten haben wir das immer lässig gesehen und haben uns ein bisschen drüber lustig gemacht, dass wir keine große Kunst hier machen. Also, große Frage. Alle an diesem Projekt Beteiligten lieben die ihr Publikum, verachten die ihr Publikum, ist ihnen ja Publikum egal.
Johannes Franke: Das ist eine ganz große Mischung. Wir haben am Set irgendwie ein paar hundert Leute im Laufe der Zeit. Und da hat jeder eine andere Haltung zu. Und ich glaube... Die wesentlichen Punkte sind die Regie und die Schauspieler. ob die eine Haltung dazu haben und die Produktion natürlich, weil die Entscheidungen trifft.
Florian Bayer: Ja. Weil um nochmal kurz zu dem Begriff Publikumsbefriedigung zurückzukommen, um mal eine Lanze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu brechen. Sowas wie das hier würde bei Netflix nicht stattfinden. Und würde auch bei Disney Plus nicht stattfinden. Nicht in der Form. Und man kann ja viel drüber lästern, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Seniorenfernsehen ist mit seinem Musikantenstadel und mit seinem ... mit seinen Pilcher-Verfilmungen oder mit seinem Theater startet oder sonst was. Aber ... Diese Leute hätten kein Programm, wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gäbe. Und auch unsere Senioren und auch unsere 65-jährigen Hausfrauen haben ja auch irgendwie ein Recht auf mediale Unterhaltung. Und das sind keine Zielgruppen, die von Netflix etc. mitgedacht werden.
Johannes Franke: Ist das so? Gibt es auf Netflix nicht Sachen, wo das Zielpublikum eher älter ist? Ist das wirklich so?
Florian Bayer: Ich wüsste jetzt spontan nichts, also ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich habe das Gefühl, wenn dieses Publikum seine Bedürfnisse befriedigt sehen will, dann führt kein Weg an den Öffentlich-Rechtlichen vorbei. Und zwar so krass, dass selbst schon die Privaten, die ja mittlerweile auch ... einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, dass selbst die Privaten von Anfang an das nicht in der Form befriedigt haben. Die haben auch ihr ... Fernsehen für spezielle Zielgruppen. Aber gerade die Leute, die so dieses Heimat Programm lieben, diesen Eskapismus, diesen sehr spezifisch deutschen Eskapismus, die Musikantenstadel gucken und oder Volksmusiksendungen ganz allgemein und so. Wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gäbe, hätten die kein Programm. Und ja, natürlich können wir ... so leicht drüber lässt, dann über das Zeug. Aber wir sind halt auch nicht das T-Pub bekommen und Vielleicht ist es auch ganz gut, dass die irgendwie einen Ort haben, dass sie so eine Art Safe Space haben, wo sie einfach das gucken können, was sie sehen wollen.
Johannes Franke: Dann sind sie weg von der Straße, ist auch gut. Genau.
Florian Bayer: Hey, ich hab's fast geschafft mit sehr viel Pathos und dann hast du sowas raus.
Johannes Franke: Nein, aber ich meine es wirklich ernst, weil, ähm, ja, du hast vollkommen recht, natürlich hast du recht. Ähm, Natürlich möchte ich eher die Lanze brechen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass sie einen Bildungsauftrag haben, der... mal mehr oder mal weniger ernst genommen wird, aber durchaus da ist und durchaus... in Gelder in verschiedene Richtungen gehen. Aber natürlich, ja, es muss auch sowas geben. Ist schon richtig.
Florian Bayer: Und Deutschland ist nun mal auch ein sehr altes Land, das darf man nicht vergessen. Es gibt sehr viele Menschen hier, die sehr alt sind und die wahrscheinlich... auch ein bisschen noch überfordert sind von den Möglichkeiten von Streaming-Services.
Johannes Franke: Mhm, ja.
Florian Bayer: Und die einfach ein anderes Konsumverhalten haben. Ich denke zum Beispiel an die Eltern von meiner Freundin. Die haben sich jetzt einen neuen Fernseher gekauft. Und haben dann, die hatten vorher Satellit, wahrscheinlich analog, was dann nicht mehr geht. Und ich bin jetzt ganz stolz, dass sie jetzt nur noch Fernsehen übers Internet gucken. Das ist halt ein Smart-TV mit... Funktionen, die ein Smart-TV hat. Und dann gucken sie halt die ARD-Mediathek und die ZDF-Mediathek. Das ist deren Fernsehen, die übers Internet gucken. Die gucken die klassischen Sender. Aber sie gucken kein lineares Fernsehen mehr. Aber sie gucken trotzdem dieses Programm. Und es ist gut, dass es das für die gibt auch. Weil die haben halt keinen Bock auf die amerikanischen Serien, die auf Netflix laufen. Die haben keinen Bock auf Genre-Kino. Und ... Die haben halt eine gewisse nostalgische Haltung zu ihrem Medienkonsum. Und ich finde es gut, dass es... Dass es dafür auch noch einen Raum gibt.
Johannes Franke: Ja, ist definitiv wichtig und gut. Und die ZDF und die ARD Mediathek kann ich nur empfehlen, ehrlich gesagt. Es gibt wahnsinnig viele. Ja, definitiv. Wir beschränken uns ja hier nicht auf Rosamunde, Pilcher und Co.
Florian Bayer: Kommen wir zu unseren Toplisten?
Johannes Franke: Oh, oh ja.
Florian Bayer: Das ist ein guter Punkt.
Johannes Franke: Nicht schlecht.
Florian Bayer: Johannes? Jingle?
Johannes Franke: Jingle. Unsere Liste. Wir haben Top-Listen.
Florian Bayer: Wir haben zwei Top-Listen, zwei Themen. Und zwar einmal, ich dachte zuerst deutsche Filme und dann dachte ich, ach, aber eigentlich brauchen wir auch die deutschen TV-Produktionen, weil es ist halt nur TV. Ganz kurz nochmal, das nennt man TV-Film, das ist so die Bezeichnung, weil das ist 90 Minuten, das hat Kinofilmlänge.
Johannes Franke: Das ist eine Reihe.
Florian Bayer: Eine Reihe, ja. Es ist ein abgeschlossener Film. Aber alles sträubt sich in mir, dieses Ding Film zu nennen.
Johannes Franke: Ja, es ist, aber es ist, tut mir leid, die Definition für einen Film, es ist ein Film.
Florian Bayer: Es ist irgendwie ein Film, ne? Würde ich auch sagen. Das TV kann man davor schieben, um das so ein bisschen abwertend zu sagen. Aber auf jeden Fall haben wir deswegen zwei Listen. Top 3 deutsche Filme und Top 3 deutsche TV-Produktionen. Ich würde sagen, wir fangen mit den TV-Produktionen an, weil wir gerade so viel über Fernsehen geredet haben.
Johannes Franke: Ja, gerne, gerne, gerne. Ist mir aber schwerer gefallen, sehr viel schwerer gefallen als die deutschen Filme allgemein. Weil ich eben auch Und ich entschuldige mich bei allen in meiner Branche, ich gucke sehr wenig deutsches Fernsehen, weniger als ich eigentlich sollte in meinem Beruf.
Florian Bayer: Ich befürchte, ich hätte mich konkreter fassen müssen. Ich habe nämlich die Liste zusammengestellt und dann festgestellt, dass ich nur Non-Fiction da drin stehen habe auf den Top-Rängen. Ich gehe davon aus, du hast Fiction gesucht oder hast du irgendwas Non-Fiktionales mit drin?
Johannes Franke: Ich habe auch... Nein, in der deutschen TV-Produktion. TV-Produktion habe ich nichts, sondern Fiction.
Florian Bayer: Okay, ich habe nämlich tatsächlich, ich habe Fiction einfach nicht genug gefunden. Und ja, ich habe ein paar Sachen aufgeschrieben, aber dann war es irgendwie so, nee, na. Und das war mir dann so, ist das eine Topliste?
Johannes Franke: Eine kurze Unterscheidung für den Zuhörer, wer sich da nicht auskennt. Fiction und Non-Fiction. Wie der Name eigentlich schon sagt, das eine ist fiktionalisiertes Fernsehen im Sinne von, ich denke mir eine Geschichte aus. Kann auf wahren Begebenheiten beruhen, muss aber nicht. Aber hat eben wirklich... Ein dramaturgisch durchgestyltes Ding, was sich jemand ausgedacht hat. Und Non-Fiction, da läuft alles drunter, was so Dokumentationen sind und ... Alles, was vielleicht ein bisschen fiktionalisiert ist, aber der Schwerpunkt liegt in der Realität. in der Bespiegelung wahrer Begebenheiten.
Florian Bayer: Willst du einfach mal deine Top 3 Weil ich hab das Gefühl, bei meinen Honorable Mentions, wo ich dann die Fiction-Sachen reingepackt habe, sind Top-Plätze von dir mit drin. Willst du einfach mal deine Top 3 sagen, was Fiktionales ist und dann sage ich meine Top 3, was Non-Fiktionales ist, dann haben wir noch mehr Toplisten. Ihr kriegt heute alles. Ihr kriegt Non-Fiction, ihr kriegt Fiction, ihr kriegt Filme und TV. Ihr kriegt einmal das komplette Angebot. Und wer danach immer noch denkt, dass in Deutschland nichts los ist, der sollte seinen Fernseher aus dem Fenster werfen. Johannes.
Johannes Franke: Können wir an der Stelle einen Klirr einbauen, wie ich gerade meinen Fernseher rausschmeiße? Okay, ich habe TV-Produktionen, Serien vor allem.
Florian Bayer: Okay, perfekt. Ja, genau, das ist, was ich auch hab, was ich bei meinen Fiction-Sachen hätte.
Johannes Franke: Also, ich habe wie immer keine Ziffern vergeben und entscheide jetzt spontan, was ich in die Liste packe und was ein honorable mention wird. Ähm, Audible Mansion wird auf jeden Fall Dark, ähm, Ich finde, Dark ist eine gute Serie geworden. Ist natürlich keine wirkliche Definition. Produktion, weil es auf Netflix läuft, aber es hätte auch gut und gerne eine TV-Produktion sein können. Deswegen, also aus zwei Gründen nicht in der Liste. Das eine ist eben, weil es Netflix ist und das andere ist, weil die dafür leider... die Inszenierung der Schauspieler nicht gut genug ist. Ich finde, den Überbau an sich... Das Ansinnen sehr gut. Der Stil und so weiter gefällt mir und die Idee der Geschichte. Aber die Schauspieler und so ein paar Inszenierungssachen greifen leider ein bisschen daneben.
Florian Bayer: Ich bin da nie reingekommen. Ich habe die ersten zwei, drei Folgen gesehen und Und mir war es zu sehr Stranger Things-Klon. Und dann hatte ich auch ein ähnliches Problem wie du mit der Schauspielführung. Ja. Tatsächlich habe ich, als ich das damals geguckt habe, war mein Urteil, oh, es ist mir zu deutsch, ich kann es nicht gucken. was wirklich fies ist und hart ist. Vor allem angesichts unserer Top-Listen, die wir gerade machen. Aber das war mein Urteil und es gehört zu den Serien, die wahrscheinlich jeder hat, so ein riesiger Serienstapel von abgebrochenen Serien. Bei mir ist Dark einer davon.
Johannes Franke: Okay. Dann Honorable Mention Kudam 56 war eine tatsächliche TV-Serie. Gab auch Fortsetzungen, vielleicht wird auch sogar wieder gedreht an der nächsten Fortsetzung. Einfach tolle Serie. Geht um eine Tanzschule in den 50ern. Da werden halt alle möglichen Themen der 50er mit verarbeitet, Frauenrolle und so weiter.
Florian Bayer: Nie geschaut, kenne ich, also vom Namen kommt es mir bekannt vor, haben die dann späteren, gibt es dann so QDAM 80 oder sowas, war das so?
Johannes Franke: Sowas in der Richtung, aber das eine ist Deutschland 83, wo es dann Deutschland 86 gab und so weiter.
Florian Bayer: Ah, okay, vielleicht wechsle ich das gerade auch.
Johannes Franke: Das ist was anderes.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Was ich nicht gesehen habe, weswegen es nicht in der Liste landet. Dann hätten wir noch einen Honorable Mention... Stromberg kommt nicht in die Liste, weil ich das jetzt willkürlich einfach festlegt habe.
Florian Bayer: Das wäre tatsächlich bei mir bei, also wenn ich eine Liste mit Fiktion gemacht hätte, wäre Straunberg wahrscheinlich sehr weit oben gelandet. Und allein deswegen habe ich es schon nicht gemacht, weil ich habe das Gefühl, ich habe Stromberg schon ein, zwei Mal erwähnt. Ja, genau. Und es ist eine tolle Serie, immer noch eine tolle Serie, auf jeden Fall sehenswert.
Johannes Franke: Besser als das Original. Okay. Und wir hätten noch Weil wir heute den Tatort machen, habe ich den jetzt nicht mit aufgeschrieben und auch nicht den Tatort im Schmerz geboren, über den wir schon gesprochen haben, ganz kurz mal. der auch ganz toll ist, aber den habe ich jetzt auch aus der Liste einmal rausgenommen. Bleibt also auf Platz 3 für mich Neues aus Büttenwader.
Florian Bayer: Ich habe davon noch nie gehört. Erleuchte mich.
Johannes Franke: Es ist eine typisch norddeutsche Serie, die sich gut zusammenfassen lässt mit einer folgenden Szene. Der Neue im Dorf, der, weiß ich nicht, wie lange der schon da ist, aber es ist immer noch der Neue im Dorf, wahrscheinlich, egal. Seit zehn Jahren. Er steht da. Die anderen beiden Hauptfiguren der Serie stehen nebeneinander, weiter entfernt. Und der eine sagt, ich geh jetzt mal rüber. stellt sich daneben, sagt Moin und der andere sagt nur Moin Moin oder sowas. Oder irgendwie drei, vier Worte. Dann geht der andere wieder zurück und sagt, das ist ganz nett, aber quasselt zu viel.
Florian Bayer: Okay, das ist sehr norddeutsch. Seit 1997 im NDR. Okay.
Johannes Franke: Die hat einen ganz eigenen, ganz wundervollen, liebevollen Humor. Ein Blick auf den Norddeutschen den ich einfach liebe. Und diese Serie hat mir noch mal deutlicher gemacht, dass ich eigentlich ein echt großes Herz für Norddeutschland habe. Für die norddeutschen Leute und wie sie da einfach... Sehr wortkarg, aber mit sehr herzlichem Humor. Also das ist wundervoll.
Florian Bayer: 94 Folgen, 15 Staffeln, Wahnsinn. Ja. Höre ich gerade zum ersten Mal.
Johannes Franke: Serie, wo Jan Fedder so berühmt geworden ist, glaube ich. Und Jan Fedder ja im Großstadtrevier gelandet ist und den Im Großstadtrevier das Urgestein wurde und dann gestorben ist vor zwei Jahren, einem Jahr, zwei Jahren, was sehr traurig war.
Florian Bayer: So krass. Weil wir vor kurzem die Bollywood-Folge hatten, kenne ich mich jetzt im indischen Film besser aus als im deutschen Fernsehen. Johannes schmeißt mir gerade Namen und Begriffe entgegen, die ich nicht... Nicht im geringsten kenne ich.
Johannes Franke: Jan Vetter, komm.
Florian Bayer: Ja, wenn ich jetzt auf Wikipedia das Foto sehe, dann denke ich, ja, das Gesicht kenne ich.
Johannes Franke: Also es ist wirklich eine sehr, sehr lohnenswerte Serie, weil einfach ganz liebevoll mit Menschen und Geschichten umgegangen wird und die einfach... sehr witzig und sehr liebevoll dargestellt werden. Es sind halt Dorfleute und die sind halt so ein bisschen behäbig und so ein bisschen... Es gibt eine Folge, wo eine Frau in einem Wohnwagen plötzlich am Rande des Dorfes steht und alle mutmaßen, ist das jetzt... Ist das eine Prostituierte? Was machen wir jetzt? Wie gehen wir denn damit jetzt um? Und ne, da geh ich nicht hin. Und dann einfach nur diesen Umstand einmal. Das ist einfach nur das Thema der Episode. Da steht jemand mit dem Wohnwagen am Ende des Dorfes. Eine Frau. Und dann stellt sich, glaube ich, raus, dass sie eine Ermittlerin ist oder sowas.
Florian Bayer: Friesisches Drama.
Johannes Franke: Und der eine verliebt sich halt in sie. Es ist wirklich süß. Okay. Dann hätte ich auf Platz 2, wenn ich jetzt einfach weitergehe, hätte ich auf Platz 2 Babylon Berlin. Tom Tücker, ne? Tom Tücker und... Oder nee, ach nee, nee, nicht Tom Tücker. Moment, Moment. Nein, nein, nein. Hat der damit zu tun? Verdammt, jetzt weiß ich es nicht mehr.
Florian Bayer: Doch, Tom Tickfer hat irgendwas damit zu tun. Ja, Produzent oder Idee von ihm zumindest. Und auch ihr Regie-Drehbuch hat tief involviert.
Johannes Franke: Aber auch mit anderen Leuten zusammen. Da waren noch zwei Regisseure.
Florian Bayer: Achim von Boris und Hendrik Handlöck. Genau.
Johannes Franke: Es gibt Leute in meinem Umfeld, die den nicht so geil finden, weil die irgendwie ... weil sie es nicht so original finden, weil sie die 20er Jahre anders dargestellt sehen wollen. Aber ich finde es dramaturgisch und erzählerisch und so. Wirklich richtig, richtig toll. Ganz weit oben, top notch. in der Produktion, wie es aussieht, wie es gespielt ist. Die Schauspieler sind großartig. Es ist alles toll.
Florian Bayer: liegt bei mir auf dem Serienstapel direkt über Dark. Zwei, drei Folgen gesehen, vielleicht auch vier oder fünf. Und für ... Das hat mich einfach nicht gecatcht. Schade.
Johannes Franke: Tut mir leid. Okay.
Florian Bayer: Aber Qualitäten habe ich drin gesehen und auch wirklich hochwertig produziert und tolle Bilder und so, aber einfach... Und ich bin eigentlich auch Fan von den goldenen Zwanzigern. Ich glaube, das Problem war einfach die Kriminalgeschichte und die war mir... ich bin kein Krimi-Fan und es war mir dann doch zu viel Kriminalgeschichte Ja, das ist es natürlich, ja
Johannes Franke: Okay, okay Platz 1 Der Tatortreiniger
Florian Bayer: Ja, das wäre mein Honorable Mention. Ich habe mir das schon gedacht, deswegen wollte ich es nicht nennen. Tolle Serie.
Johannes Franke: Absolut. Weswegen die beiden jetzt auf unterschiedlichen Plätzen gelandet sind, eigentlich müsste sich Babylon Berlin mit dem Tatortreiniger einen Platz teilen, also Platz 1. weil das einfach zwei völlig unterschiedliche Produktionen sind. Und man das eigentlich nicht vergleichen kann. Der Tatortreiniger auf seine Art und Weise seine ... Doch relativ deutsche Art und Weise, während Babylon Berlin versucht, so ein bisschen mehr amerikanisch oder englisch zu sein. In der Erzählweise ist der Tatortreiniger einfach nur dieser Typ, der immer... immer wieder in neue Situationen gerät und sie trauen sich so viel. Und ich bin ein so großer Fan von Mitzi Meyers, die das geschrieben hat. Unter dem Pseudonym Mitzimayas. Ich weiß gerade ihren richtigen Namen nicht. So eine tolle Drehbuchautorin. Der Hammer. Und inszeniert, glaube ich, von Arne Feldhusen?
Florian Bayer: Ja, von Stromberg.
Johannes Franke: Der den Stromberg auch gemacht hat, genau. Und eben von Bjarne Mädel gespielt. Bjarne Mädel ist so großartig.
Florian Bayer: So gut. Bei Netflix ploppt gerade ständig ein Film von ihm auf. Ein ganz neuer Film, wo er Regie geführt hat und die Hauptrolle übernimmt. Sörensen hat Angst.
Johannes Franke: Habe ich noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Habe ich mir auch auf die Watchlist gesetzt, weil ich dachte so, ach, Deutsch. Und dann habe ich halt den Trailer geguckt, den man bei Netflix immer sieht, wenn man so drüber scrollt. Moment, ist das Pianemädel? Krass, der sieht wieder komplett anders aus. Wie schafft der es, so einen Depp wie den Ernie zu spielen? Dann so eine coole ... Socke wie den Tatortreiniger. Und jetzt spielt er einen abgefuckten Polizisten mit Angststörung.
Johannes Franke: Geil, Mann.
Florian Bayer: Also, ja, Bjarne Mädels. großartig, Wahnsinn.
Johannes Franke: Ja, ich bin ganz begeistert von Bjarne Mädel. Ich erwarte noch sehr viel, nur kein Druck, Bjarne, aber ich erwarte sehr viel von dir.
Florian Bayer: Wie alt ist Pianemel? Der ist doch schon Mitte 40 oder so, oder?
Johannes Franke: Ja, aber da komm, wenn ich jetzt an unseren Christoph Walz denke, der ist ja auch sehr spät erst. hochgekommen. Und ja, der Mädel hat ja schon lange im deutschen Fernsehen zu tun, aber so hochgekocht eben...
Florian Bayer: Bei Piane Mädels ist ja krass, wenn man ihn als erstes in Stromberg gesehen hat, da bin ich zum ersten Mal mit ihm in Kontakt gekommen, dann denkt man, dieser Typ ist reserviert auf die deppischen Comedy-Rollen, weil er... Hat auch so ein lustiges, knuffiges Gesicht und er sieht so aus, ob das einfach sein Ding wäre. Und dann spielt er plötzlich wirklich so düstere Rollen, so abgefuckte Rollen, auch so starke Rollen. Und er kann das so gut. So ein unglaublich starker Schauspieler.
Johannes Franke: Und er gehört zu den Schauspielern, es wird ja oft gesagt, es gibt nichts Besseres als einen dummen Schauspieler. Ich würde sagen, so 60, 70 Prozent der Schauspieler in Deutschland... haben das irgendwann gesagt bekommen und drohen sich darauf aus und sind jetzt tatsächlich irgendwie einfach dumme Schauspieler. Weil sie einfach, du kriegst eine Szene hingeklatscht und der Regisseur sagt, das ist deine Emotion, das musst du machen und da musst du von A nach B kommen. So, mach das. Gut. Und die intelligenten Schauspieler sind anstrengender, weil die fragen dich, wo komme ich her, wo will ich hin, was ist der Sinn des Lebens und Regisseure arbeiten oft. gerne mit dummen Schauspielern. Und Bjarne Mädel gehört zu den Schauspielern, die so intelligent mit ihren Figuren umgehen und so intelligent eine Szene auseinandernehmen, Eigentlich ist Piano Mädel als Schauspieler Regisseur. Weißt du, was ich meine? Also das, was der Regisseur eigentlich leistet.
Florian Bayer: Er interpretiert die Rollen, er macht mehr draus, als eigentlich im Drehbuch vorgegeben ist.
Johannes Franke: Genau. Und hat ganz viel Hintergrund. Und das muss eigentlich jeder Schauspieler machen, aber er macht das einfach besonders gut, weil er auch einfach so viel... durchscheint, dass er wirklich ein intelligenter Typ ist.
Florian Bayer: Ich will zumindest mal meine Fictions, meine Honorable Mentions, was Fiction betrifft, nennen, weil... Es ist nichts dabei, wo ich sagen würde, daraus kann ich eine Top-Liste basteln. Ich hatte halt auch Stromberg und Tatortreiniger und hatte das Gefühl, bei Tatortreiniger haben wir schon viel geredet. und warst sicher, dass du den auch als Top 1 hast, weil es ist wirklich eine tolle Serie. Dann hab ich Familie Heinz Becker, was aber einfach nostalgische Gründe hat. Saarländisches Comedy, aber das ist kein Top-Listen-Material. Das ist einfach ... Eine süße und wirklich auch eine gelungene Gesellschaftssatire auf den deutschen Spießbürger, verkörpert durch diesen Heinz Becker, durch diesen saarländischen Spießbürger. Ich hab Hals über Kopf genannt, weil ich das als Kind echt zum Schreien fand. Das ist so eine Serie, in der ... Immer wechselnde Kinder verschwinden oder weglaufen von zu Hause und dann über skurrile Personen stolpern, die immer gleich besetzt sind. Das war einfach so ein etwas... irre, konfuse, skurrile Kinderserie. Und Dann zumindest was so High-Value betrifft, hätte ich noch 4 Blocks im Angebot. Da fand ich aber tatsächlich auch nur die erste Staffel gut. Und auch nicht bedingungslos, sondern da gab es viele Sachen, die mich auch gestört haben. Aber ... Das ist ja relativ neu. Das war für mich so, zumindest so ein Moment, wo ich gedacht habe, oha, im deutschen Fernsehen ist doch was möglich, was sehr ... sehr hohe Qualität hat, was die Produktion betrifft. Und definitiv, was für die Serie spricht ... die besten Schauspielleistungen, die ich bisher im deutschen Fernsehen gesehen habe. Also vor allem Kida Godo Ramadan, der den Ali spielt, den Gangster. Chef und ich habe einfach so einen Softspot für Frederik Lau. Ich mag es immer, wenn ich den sehe.
Johannes Franke: Ja, okay. verstehe. Ja, der ist eigentlich, das stimmt. Softspot ist aber auch das richtige Wort. weil ich immer nicht ganz sicher bin, ob ich ihn, aber man mag ihn irgendwie.
Florian Bayer: Er spielt immer so diese Straßentypen und Es ist so ein bisschen festgelegt auf eine Rolle, aber die spielt ja auch immer wirklich gut.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Das wäre auch tatsächlich jetzt, um zu den Filmen zu springen. Dann tausche ich kurz ein bisschen um. Damit ich das gleich als drei nennen kann, Top drei deutsche Filme, also auf Platz drei ... habe ich Viktoria von 2015, wo Frederik Lauer ja auch mitspielt.
Johannes Franke: Ja, den habe ich nicht gesehen, immer noch nicht. Ich bin so lange schon auf der Liste. Damals, als er rauskam, haben zu viele Leute gesagt, das ist zu bemüht mit der Kameraeinstellung, mit der einen einzigen. Also Einstellung.
Florian Bayer: Man könnte es als Gimmickfilm abtun, das ist aber nicht nur ein Gimmickfilm. Natürlich gewinnt er seine Faszination daraus, dass er einfach mal zwei Stunden... Wirklich nur eine Kamera. Und zwar ohne Tricks. Es wird zwei Stunden. Sie haben es dreimal gedreht, glaube ich. Und beim dritten Mal haben sie gesagt, jetzt haben wir es. Und es ist aber nicht nur das, es ist tatsächlich ein wilder Ritt durchs Berliner Nachtleben, auch mit vielen ruhigen Momenten und super inszeniert. fantastische Schauspielleistungen von Laia Costa und Frederik Lau in der Hauptrolle und wirklich, wirklich sehenswert Mischung aus Drama, Tragikomödie,
Johannes Franke: Berlin-Liebesgedicht und Thriller.
Florian Bayer: Wirklich, wirklich guter Film. Okay. Mein Platz 2.
Johannes Franke: Warum bist du jetzt eigentlich bei Filmproduktion? Du bist nicht bei TV-Produktion, sondern bei Filmproduktion.
Florian Bayer: Ja, ich bin in der... Wir sind bei TV-Produktion.
Johannes Franke: Eigentlich sind wir bei TV-Produktion.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Lasst den Dritten hier kurz stehen als kleinen Teaser auf die Filme. Und ich komme zu meinem TV-Podcast. Produktionen, die alle Non-Fiction sind und ich habe ein paar Honorable Mentions. Und zwar als erstes 1000 Meisterwerke. Was stolze 13 Jahre auf dem WDR lief, eine Sendung, in der 10 Minuten lang ein... Bild, ein Gemälde oder eine Fotografie präsentiert wird und dann über dieses Bild gesprochen wird und man sieht einfach nur die Details von dem Bild. Und es wird dann erzählt und da in der unteren Ecke sehen wir bei Hieronymus Bosch den Teufel und da sehen wir ein paar leidende Leute und da oben sehen wir das und das und Und man findet ein paar Sachen davon bei YouTube. Ich hatte die auch alle mal irgendwann in meiner Filmpiraterie-Zeit auf Festplatte liegen. Es sind ganz tolle Sendungen. Es sollte zuerst nur 100 Meisterwerke heißen und dann haben sie 1000 Meisterwerke draus gemacht und sind einmal quer durch die Kunstgeschichte und Bilder, die kommentiert werden.
Johannes Franke: Also im Grunde ein Podcast mit gelieferten Anschauungsmaterialien.
Florian Bayer: Ja, aber natürlich dynamisch. Die zeigen nicht zehn Minuten lang das Bild, sondern sie zoomen rein. Ja. Und es macht ja auch bei ganz vielen Gemälden Sinn, wirklich auf die Details zu gehen und zu sagen, da seht ihr das und da seht ihr das.
Johannes Franke: Ich glaube, ich habe ein, zwei Folgen davon gesehen, fällt mir gerade auf. Bestimmt.
Florian Bayer: Absolut sehenswert. Dann als Honorable Mention habe ich noch News & Stories, Primetime und 10VL von der DCTP geschrieben. Wollte ich nicht in die Top-Liste packen, weil ich damit beruflich sehr stark verbändelt bin. Aber Alexander Kluge hat ganz tolle Kulturformate gemacht.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: Allein schon wegen deren Irrengeschichte, dass die nachts im Nachtprogramm von RTL und Sat.1 liefen, wo Leute eigentlich Sexfilme gucken wollten. Und dann plötzlich über Helge Schneider gestolpert sind, der verkleidet ist als Römer und irgendwas erzählt von Hinrichtungen und warum so und so gekreuzigt werden muss. Absolut sehenswert. bunte Mischung aus diesen Rollenspielen zwischen Helge Schneider oder Peter Berling und Alexander Kluge. Einige Gespräche mit Prominenten. Und dann aber auch ganz viele wissenschaftliche Sendungen, wo über die Entstehung von schwarzen Löchern diskutiert wird oder über ... Über diverse Tierarten, über Kulturgeschichte, alles drin, bunt gemischt, Wahnsinn und total erschlagend.
Johannes Franke: Alexander Kluge ist derjenige, der eigentlich mehr redet aus dem Off.
Florian Bayer: Das ist doch interessant, das finden wir doch auch in der griechischen Mythologie wieder.
Johannes Franke: Und dann erstmal zum großen Vortrag ausholt, während er eigentlich hinter der Kamera ist und nur zu hören ist und derjenige, der vor der Kamera ist, die ganze Zeit... Ja, ja, und dann versucht reinzukommen, wieder reinzugrätschen. Ja, aber ich... Kommt nicht mehr zu Wort. Alexander, klug geredet.
Florian Bayer: Also... Und es ist so toll, was für mich so bezeichnend ist, es gibt ein Gespräch mit einem Wassersommelier. Er hat jemanden, der im Hotel arbeitet und der Wassersommelier ist und den Leuten eben das Wasser präsentiert und empfiehlt, welches Wasser sie zum Essen trinken sollen und der total leidenschaftlich davon berichtet, dass dieses Wasser sauer schmeckt, das schmeckt salzig und Und dann holt Kluge aus und sagt, das Wasser von Vichy, das war doch die französische Besetzung damals, als die Deutschen Frankreich besetzt haben. Und wie würden Sie sagen, schmeckt dieses Wasser? Und dann sagt er natürlich irgendwas wie so, ja, es schmeckt salzig ein bisschen. Ah, interessant. Und versucht dann diesen... Kontext herzustellen mit der Geschichte der deutschen Besatzung Frankreichs und mit diesem Vichy-Regime, dass das quasi unter deutschen Gnaden da regiert hat und auch ... autoritär, autokratisch war. Und es ist so eine schöne Mischung. Und das haben wir ganz oft bei ihm, weil Alexander Kluge ist natürlich ein Kulturmensch und ein Rechtsmensch. Und das sind die Themen, wo er sich auskennt. Das heißt, wenn er mit einer Mikrobiologin spricht, über Bakterien, dann muss er irgendwie versuchen, das reinzubringen, was er kennt. Und dann fängt er halt an, irgendwie von Virus XY zu Goethe zu kommen. Und ihm gelingt das auch immer. Und das macht diese Sendung so fantastisch. Etwas spröde.
Johannes Franke: Trifft nicht jeden Geschmack.
Florian Bayer: Aber auf jeden Fall erkundenswert. dctp.tv Da gibt es ganz viele Sendungen. Wir haben ein großes Archiv und ich bin unter anderem daran beteiligt, dass dieses Archiv nach und nach veröffentlicht wird. Deswegen habe ich es nur als Honorable Mention, weil das Clay macht. Ich arbeite mit der DCTP zusammen und ja. Mein Platz 3. Auch Kulturfernsehen. Deutsch-Französische Koproduktion. Karambolage. Auf Arte.
Johannes Franke: Ach geil.
Florian Bayer: Ganz tolle Sendung.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Wo deutsche und französische Macken erzählt werden, damit die Deutschen ein bisschen besser Frankreich verstehen und die Franzosen ein bisschen besser Deutschland verstehen. Und es wird über Sprache geredet, über Kultur, über Essgewohnheiten, über Alltag, immer mit einem Augenzwinkern, immer mit so ein bisschen ironischen Ton, ganz liebevoll. Und... Tolles Programm zur Völkerverständigung. Ich liebe es.
Johannes Franke: Es gab so eine Folge, wo Mathieu dabei war. Wir haben einmal einen Film mit Mathieu gemacht. Eve war das. über den wir auch schon mal gesprochen haben hier. Und Mathieu ist Franzose und... hat immer schon, außer Schauspieler zu sein, das Bedürfnis gehabt, selber eben... zu produzieren oder Sachen als Kameramann und als Redakteur irgendwie auch zu machen. Und irgendwann habe ich Mathieu dort bei Carambolage entdeckt. Und eine Folge. Ich weiß nicht, ob er das mehr macht. Ich muss ihn mal fragen. Toll. Ganz tolle Sendung.
Florian Bayer: Fantastisch, ja. Ich weiß gar nicht. Doch, es läuft immer noch. Seit 2004, seit 16 Jahren.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und ich habe mit Sicherheit nicht alle Episoden gesehen. Das sind doch kurze Episoden. Guckt einfach mal rein, guckt euch die aktuellen Episoden bei Arte an oder schaut, ob ihr auf YouTube ein bisschen Archivmaterial findet. Es ist ja immer so schwierig, von den öffentlich-rechtlich produzierten Sachen online zu finden, was echt eine Schande ist. Aber Karambolage ist einfach total toll.
Johannes Franke: Die ganze Art der Mediathek lohnt sich.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Also das ist wirklich toll.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dreiseite und Arte, die beiden Mediatheken, da kann man wirklich viel Tolles, kulturell Wertvolles finden.
Florian Bayer: Definitiv. Platz Nummer zwei. Auch nicht mehr so jung, fast zehn Jahre alt. Aus dem Jahr 2012. Roach und Böhmermann.
Johannes Franke: Ja!
Florian Bayer: Die beste Talkshow, die je im deutschen Fernsehen gelaufen ist.
Johannes Franke: Aber wirklich.
Florian Bayer: So viele irre Ideen. Wahnsinn. So ein tolles Spiel mit dem Format und ständige Prüche mit dem Format. So ein paar kleine Skandale, weil sie während der Sendung geraucht haben. Absolut sehenswert, wie sie mit ihren Gästen umspringen, wie sie miteinander umspringen. wie die Sendung mit ihnen umspringt. Zum Beispiel, dass sie während Roach eine Frage stellt und sich mit einem Gast unterhält, wird plötzlich... Das komplett ausgeblendet und wir hören den inneren Monolog von Böhmermann, der sich drüber ärgert, was in der Sendung stattfindet. Und kurz darauf wird das Ganze wiederholt, wenn Böhmermann mit dem Gast redet, dass wir den inneren Monolog von Roach hören, die dann so denkt, oh, dieser Böhmermann quascht so viel, was soll das eigentlich? Komplett abgefahren.
Johannes Franke: Toll. Ganz tolle Sendung. Ich war sehr traurig, als die aufgehört hat. Und wir wissen bis heute nicht, was das Problem war, weil Rosch und Böhmermann beide gesagt haben, lass uns darüber nicht reden.
Florian Bayer: Es waren auch... wenn ich es richtig verstanden habe, die hatten schon auch so ein bisschen Beef dann, aber es hing damit zusammen, dass die Produzenten von ihnen sich verstritten haben und Böhmermann hat sich auch auf die Seite von dem einen Produzenten geschlagen und Roach auf die Seite von dem anderen Produzenten.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann gab es, glaube ich, wirklich ein rechter Streit, wem gehört die Sendung. Deswegen hat es auch so lange gedauert, bis Böhmermann das Ganze mit Olli Dietrich nochmal aufgefahren hat.
Johannes Franke: Mhm. Olli Dietrich? Nein, mit Olli Schulz.
Florian Bayer: Entschuldigung. Dietrich, oh Gott. Ich hatte tatsächlich bei meinen Honorable Mentions noch RTL Samstagnacht stehen. Weil ich das als Kind total gerne geguckt habe. Ja, ich auch. Das war so cool. Und Ditche war natürlich auch ein tolles Format. Ditche war ein tolles Fiction-Format, was man hätte hier reinbringen können.
Johannes Franke: Ist immer noch, existiert noch. Ich hab jetzt
Florian Bayer: Oh toll, Ditchy gibt es noch. Habe ich lange nicht mehr gesehen, aber Ditchy ist auf jeden Fall auch sehenswert. Jetzt müssen wir ganz viel rausschneiden, weil ich jetzt mein Wissen hervorkrame und frei am Improvisieren bin. Also Olli Dietrich hat das gemacht. Blind Date. Mit Anke Engelke zusammen. Ganz tolles Format. Waren ein paar Folgen. Ich weiß gar nicht, wie viele. Ich finde es gleich. Immerhin sechs Episoden. Wo sie beide Rollen kriegen und sie erfahren was über ihre Rollen, wie die vom Charakter sind und dann treffen sie sich. Ich erinnere mich. Und dann improvisieren sie und dann wird daraus ein Fernsehfilm, der halt so lange dauert, wie er dauern muss.
Johannes Franke: Geil, Mann, ja.
Florian Bayer: Und es gibt kein Drehbuch, es gibt nur ihre, was sie halt vorher über ihre Rollen wissen. Sie machen so eine Mischung aus Rollenspielen und Improvisationen, aber nicht rein Comedy. Sie hatte natürlich, klar, mit Anke Engelke und Olli Dietrich musste es diesen Comedy-Aspekt haben, aber nicht nur. Es gab zum Beispiel eins im Fahrstuhl, das war dann am Schluss einfach eine schöne Liebesgeschichte. Mhm. Und wo sie in dieser Improvisation dann festgestellt haben, okay, unsere beiden Figuren verlieben sich jetzt ineinander und am Schluss küssen sie sich.
Johannes Franke: Es gibt eine legendäre, wo er Taxifahrer ist und sie in der Gegend rumfährt.
Florian Bayer: Das war das zweite von 2002.
Johannes Franke: Also man sieht, deutsches Fernsehen hat schon auch seine lichten Momente. Es gibt so tolle Sachen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Man muss ein bisschen kramen, offensichtlich.
Johannes Franke: Ja, aber es gibt wirklich tolle Sachen. Und mir ist das bei den Produktionen, TV-Produktionen, allgemeinen Produktionen aufgefallen, dass es ein kleines bisschen ein Highlight in einem bestimmten Zeitraum gibt. Aber darüber können wir gleich nochmal... Machen wir erstmal deine Liste zu Ende.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Christoph Schlingensief.
Johannes Franke: U3000.
Florian Bayer: Okay. Hatte nur acht Episoden. Christoph Schlingensy fährt Berliner U-Bahn und lädt sich Gäste ein. Und dreht dann komplett am Rad.
Johannes Franke: Also im Grunde wie seine Talkshow.
Florian Bayer: Ja, wie seine Talkshow, genau. Wie seine Talkshow auf Steroiden ein bisschen. Ja, weil er dann die Leute aus der U-Bahn zum Beispiel, also er schmeißt dann seine Gäste aus der U-Bahn raus und die bleiben am Bahnhof steht und so. Und er wechselt schnell die Bahn und die Kameraleute versuchen ihn einzufangen und ihm hinterher, weil sie nicht genau wissen, was er gerade vorhandelt. Und wie sich es halt so für einen von der Volksbühne inspirierten, von Kassdorf inspirierten Künstler gehört ... Kommt halt auch mal ein Liter Blut zum Einsatz, der rumgeworfen wird. Und es gibt wirklich... Talk-Szenen, bei denen man nicht genau weiß, was ist gestellt, was ist echt daran. Und es ist einfach ein irres Spiel mit dem Medium. Lief auf MTV, wo sonst? Und es war mein erster Kontakt mit Christoph Schlingensief im Jahr 2000.
Johannes Franke: Ach.
Florian Bayer: Als ich noch, als ich 17 Jahre alt war, bin ich zum ersten Mal mit Christoph Schlingensief in Kontakt gekommen. und es war U3000 und es war nur so, what the fuck, was ist das? Keine Ahnung, aber ich find's geil.
Johannes Franke: Okay, verstehe. Ich kann mir dich sehr gut vorstellen. Geil, kenne ich eigentlich Fotos von dir mit 17?
Florian Bayer: Damals hatte ich so eine Art Iro, blond gefärbt und an der Seite abrasiert.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Kann jemand Fotos mitbringen?
Johannes Franke: Gott sei Dank kann man den Podcast nicht zeigen. Bitte bring Fotos zum Podcast mit, Flo. Okay, dann hätten wir die Produktionen, die Filmproduktionen in Deutschland. Weil es ist ja durchaus ein Unterschied, ob man es fürs Fernsehen oder fürs Kino produziert. Sowohl in der Anzahl der Drehtage... Oft wird im Kino sehr viel mehr an Drehtagen veranschlagt. Das Budget wird auch anders zusammengesucht. Also die Sender müssen es nicht wuppen, sondern es wird viel von mehreren Fördertöpfen zusammengeworfen. Dadurch hast du eine Chance, mehr zu machen.
Florian Bayer: Wie Till Schweiger zum Beispiel.
Johannes Franke: Wie Till Schweiger zum Beispiel. Ja.
Florian Bayer: Deswegen sind auch meine Top 3 nur Til-Schweiger-Filme.
Johannes Franke: Ja, ja, bei mir auch. Also es gibt ja in Deutschland kaum was anderes, viel besseres als Til-Schweiger.
Florian Bayer: Tatsächlich mal Ironie zur Seite.
Johannes Franke: Auf Toilette gerne mich übergeben.
Florian Bayer: Ich wollte gerade sagen, es ist tatsächlich so, dass meine Abneigung gegenüber Til Schweiger so weit geht, dass ich fast Inglourious Basterds nicht geguckt hätte, als ich gelesen habe, dass Stella mitspielt.
Johannes Franke: auch.
Florian Bayer: Wirklich?
Johannes Franke: Ja. Ich saß davor und hab gedacht, scheiße, das kann ich nicht machen.
Florian Bayer: Ja. Es ist wirklich krass. Ich habe ein ungutes Gefühl bei diesem Mann.
Johannes Franke: Wirklich. Und der ist halt wirklich... Stulle. Das muss man mal, tut mir leid, tut mir ganz tolle leid. Und es gibt ganz viele Leute, die gesagt haben, sie haben mit ihm gedreht und sie fanden es ganz toll. Aber dieser Mann ist einfach Stulle.
Florian Bayer: Ich finde auch, wenn man ihn in Talksendungen sieht und so, ist es immer so ein Fremdschirm-Moment, was er redet und wie er redet. Und jetzt hat er seinen ganzen Belger überall rumgeworfen und die spielen in allen deutschen Filmen mit.
Johannes Franke: Na gut. Dann bist du jetzt aber, wenn du schon angefangen hast, mit deinem Platz 3... Zur Erinnerung, was war dein Platz 3? Victoria. Sehr gut. Dann hast du Honorable Mentions?
Florian Bayer: Ja, ganz viele. Ich hab alles, worüber wir immer mal wieder reden, als Honorable Mention gemacht. Wenn ich eine Top 3 der besten deutschen Filme zusammenstellen würde, wären das deutsche Stummfilme und der neue deutsche Film der 70er, also Caligari. Und warum läuft Herr Amok und Angst essen Seele auf und Akire, der Zaun Gottes und so weiter. Und deswegen habe ich die alle mal ausgeklammert. und hab versucht, etwas aktuellere Filme zu finden. Und hab die alle ausgeklammert. Und Papa and Deporters würde ich gerne noch einmal als Honorable Mention nennen. Eigentlich gehört er auf Platz 1, weil das eine der besten Komödien ist, die je gedreht wurden.
Johannes Franke: Ja, ich schmeiß ihn mal aus meiner Liste raus, ne?
Florian Bayer: Es tut mir so leid. Nicht schon wieder. Immer dieses Premature Listing.
Johannes Franke: Tja. Flor, ich darf dich nicht mehr anfangen lassen.
Florian Bayer: Johannes, dein Platz 3, bitte. Oder Honorable Mentions.
Johannes Franke: Honorable Mentions. Wir müssen sehr ausführlich darüber reden, aber lass uns das gleich nachher machen. Wir machen erstmal einfach die Filme. Okay. Und zwar hätte ich gerne... Ich klammer tatsächlich, ich habe genau den gleichen Gedanken gehabt wie du. Metropolis wird ausgeklammert. Ganz andere Zeit. Zeiten, in denen der Pioniergeist der Deutschen im Film noch so groß war wie nie wieder danach.
Florian Bayer: Damals war das deutsche Kino die Speerspitze der Kinolandschaft.
Johannes Franke: Überhaupt auf der ganzen Welt. Also das muss man schon sagen. Und es ist so traurig, dass uns... Gewisse politische Umstürze da, wie in vielen Bereichen hat uns das sehr weit zurückgeworfen. Aber wir haben trotzdem tolle Sachen geschafft und auf Platz drei würde ich gerne... Papa Antaportus rausschmeißen und Pina von Wim Wenders über Pina Bausch.
Florian Bayer: Den ich noch nicht gesehen habe.
Johannes Franke: Wenn... Der ist stellvertretend für Wim Wenders jetzt für mich mal, weil Wim Wenders ein ganz toller Regisseur ist auf einem ganz bestimmten Gebiet, auf bestimmte Art und Weise. Man kann Wim Wenders mögen oder nicht mögen, aber wenn man ihn mag, dann hat man viel Spaß mit ihm. Und visuell viel Spaß, gerade bei Pina jetzt sehr viel visuell Spaß. Vor allem, weil es eben um Tanz geht. Pina Bausch ist eine Tänzerin gewesen, leider, die ist gestorben vor, weiß ich nicht... 6 Jahren? Ich kann es nicht genau sagen. 10 Jahre schon her? Oh Gott. Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall... Vermisst die Tanzszene Pina Bausch sehr, weil sie eine unglaublich gute Choreografin ist. und Tänzerin war, die einen riesigen Verdienst dem deutschen und dem weltweiten Tanz hinterlassen hat. Unglaublich. Und ich finde es so toll, dass Wim Wender sich... dessen angenommen hat und versucht hat, das filmisch aufzuarbeiten, was Pina Bosz der Welt hinterlässt. Und es ist ganz großartig geworden.
Florian Bayer: Okay, schön.
Johannes Franke: Genau, das wäre jetzt mein einziger Non-Fiction-Beitrag.
Florian Bayer: Achso, das ist ein Dokumentarfilm?
Johannes Franke: Es ist eine Art Dokumentarfilm.
Florian Bayer: Ich dachte, das wäre mit einer Schauspielerin.
Johannes Franke: Ja, es wird ganz viel getanzt und so weiter, aber es ist kein typischer fiktionalisierter Film.
Florian Bayer: Ah, interessant. Ich habe auch keinen Dokumentarfilm drin. Und du hast auch keinen Dokumentarfilm drin. Nee. Dann muss ich im Hinterkopf einen Film behalten, über den ich gerne reden würde. Zwei. Es gibt wirklich gute deutsche Dokumentarfilme. Das ist eigentlich schade, da ich keinen davon in die Liste gepackt habe. Mein Platz 2 Ich musste in diese Liste einen Heimatfilm aufnehmen, weil das deutsche Filmgenre ist einfach der Heimatfilm. Es gibt ein... ganz tollen Film aus dem Jahr 2006, der dieses... die Lausbuben-Thematik und diese bayerische Heimatromantik modernisiert hat, wer früher stirbt, ist länger tot. Von Markus Rosenmüller. Hab ich nicht gesehen. Ein wirklich urig bayerischer Film. Ich muss mir Untertitel anmachen, wenn ich den gucke. Weil ich nicht so viel verstehe, weil die halt wirklich einfach mal tiefstes Bayerisch reden. Eine ganz, ganz, ganz tolle Komödie über ein kleines Kind, das eigentlich liebe Sachen machen will. Und ständig Ärger verursacht. Und dann irgendwann Angst hat, in der Hölle zu landen. Deswegen auch ganz schreckliche Albträume hat von der Hölle. Wundervolle Mischung aus Fantasie und Realität. dieser Junge versucht dann halt dieses Schicksal der Hölle zu entgehen, indem er gute Dinge tut. Aber er ist halt jemand, der Chaos stiftet. Und die guten Dinge, die er tut, sind halt meistens nicht so wirklich gut oder sorgen für sehr viel Ärger. Ganz liebevoller Film, der ganz toll, diese bayerische Volkstümlichkeit mit Rock'n'Roll. Und mit Kindergeschichte, mit Märchen und Fantasy Mix. Super fantastischer Film.
Johannes Franke: Toll. Cool. Okay. Mein Platz 2 wäre dann... Oedipus wäre auch raus. Ödipuss? Ödipussi von Ödipussi! Ja, also Loriot immer. Loriot funktioniert immer. Großartig. Ganz, ganz toll. Ich würde, oh boy, auf meinen Platz zwei packen. Oh boy, sagt dir gar nichts? Ich glaube nicht. Ein Schwarz-Weiß-Film? Über Berlin, über Figuren in Berlin, Menschen, die versuchen, dazu zu gehören oder nicht dazu zu gehören. Ich kann dir nicht genau sagen, was eigentlich dieser Film erzählt, aber... Kenn ich nicht, ne? Ähm... Ein Debütfilm sogar. Ich habe seinen Namen vergessen. Verdammt. Lohnt sich, lohnswert. Ich war ganz überrascht. Das war nämlich der Moment und deswegen kommt er überhaupt in die Liste.
Florian Bayer: Jan-Ole Gerster.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: 2012.
Johannes Franke: Ich bin ganz, ganz viele tolle Filme, die in dieser Liste landen könnten, aber diesen nehme ich, weil das mir... das erste Mal seit ganz vielen Jahren wieder gesagt hat, ach, es gibt deutsche Filme, die cool sind. Das war mein Revival für deutsche Filme quasi nochmal. Und deswegen habe ich den jetzt in die Liste gepackt.
Florian Bayer: Ich habe jetzt einmal kurz den Regisseur angeklickt. Ich kenne den Nachfolgefilm von dem Regisseur Lara mit Corinna H. Auch ein ganz toller Film. Tragikomödie mit so einem leicht bitter-zynischen Ton.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: relativ langsam und ruhig erzählt. Und mit Corinna Hafusch, die ganz großartig die Mutter eines ... Pianisten spielt, die so ein bisschen ihre Lebensentscheidungen bereut und von ihrem Sohn entfremdet ist. Der Sohn wird gespielt von Tom Schilling.
Johannes Franke: Der in O'Boyle gespielt hat auch. Und der mir auch... Tom Schilling nochmal wieder, weil ich Tom Schilling vorher immer ein bisschen seltsam fand und jetzt in diesem Film fand ich einfach gut und ich glaube, er ist einfach erwachsen geworden. Und fand ihn ganz toll.
Florian Bayer: Ich mag Tom Schilling. Ich finde, das ist ein guter Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, ist auf jeden Fall ein guter Schauspieler.
Florian Bayer: Also er spielt natürlich nicht nur in guten Sachen mit, aber ich mag seine Ausstrahlung. Ja, okay, interessant. O'Boy muss dann auf jeden Fall auf die Liste. Lara ist nicht in meiner Liste, aber Lara ist ein toller deutscher Film, den ich gesehen habe, selber regissiert wie O'Boy, vor ein Jahr oder vor zwei Jahren veröffentlicht. Mein Platz 1 ist, dann bin ich doch ein bisschen konservativ geworden und bin zu Andreas Tresen gesprungen. Und habe Halterfreie Strecke genommen aus dem Jahr 2011, eine Drama, Tragikomödie, eher realistisches Drama von Andreas Tresen. über einen Mann, der einen Hirntumor hat und ganz klar weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Und wenn man Dresen nicht mag, wird man diesen Film wahrscheinlich auch nicht mögen, weil er in sehr nüchternen Bildern ruhig erzählt, einfach darstellt, wie die Familie... Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, wie die den Alltag gestalten mit seiner Krankheit und wie er sich langsam verändert, wie er langsam dem Tod entgegen geht. Ein unglaublich sensibler und melancholischer Film, der sehr traurig ist, weil er es eben so nüchtern erzählt. aber auch immer wieder lustige Momente findet, so kein böser Humor, kein bitterer Humor, sondern einfach so leicht skurriler Humor, der zum Alltag gehört und Der halt einfach dabei ist, auch wenn man stirbt. Wunderschöner Film.
Johannes Franke: Ich habe Andreas Dresen immer als... Als heimlichen Dokumentarfilmer im Kopf.
Florian Bayer: Ist er auch.
Johannes Franke: Eigentlich ist er Dokumentarfilmer, oder?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Auch seine ganzen fiktionalen Projekte sind eigentlich Dokumentarfilme.
Florian Bayer: Er hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, so diese kleinen Alltäglichkeiten in seine Filme einzubauen und dadurch wirken die realistisch Dass Menschen halt mal stolpern, aber es keine großen Konsequenzen hat, dass Menschen im Alltag alberne Dinge machen und es keine großen Konsequenzen hat, weil das einfach dazugehört.
Johannes Franke: Ja, toll. Ich mag Andreas Dresen. Also ich mag ihn auch als Menschen. Ich habe eine Vorlesung, mehrere mit ihm. Und ich finde ihn ganz spannenden Menschen. Ja, Andreas Desen, lohnt sich. Mein Platz 1 ... Ich habe auch die Blechtrommel und so weiter nicht. Blaue Engel und Cloud Atlas passt auch nicht wirklich dazu, weil es auch eigentlich als deutsche Produktion... Aber es ist eine amerikanische, eigentlich so vom Gefühl her und so. Solche Sachen habe ich also weggelassen. Sonnenallee nicht. Hast du den Eindruck, in der Recherche habe ich nämlich herausgefunden, dass mich vor allem die Filme ansprechen, gesprochen haben, die Deutschen, die Ende der 90er, Anfang 2000er gelaufen sind. Gibt es da so eine Hochzeit von deutschen Kinoproduktionen?
Florian Bayer: Kannst du ein paar Beispiele nennen?
Johannes Franke: Genau. ähm, das sind nämlich alles solche Sachen wie Jenseits der Stille, Knockin' on Heaven's Door, Comedian Harmonists, Lola Rent war damals, Sonnenallee, Buena Vista Social Club, Amy und Jaguar... Vergiss Amerika, Crazy, Das Wunder von Bern, Schulze Gets the Blues, Goodbye Lenin, Fetten Jahre sind vorbei. Das sind diese Filme, die in diesem Zeitraum entstanden sind. Die haben alle einen bestimmten Vibe. Irgendwie ist das so eine bestimmte Zeit, in der bestimmte Filme rausgekommen sind. Und dann sind das eben solche Regisseure wie Hans-Christian Schmidt und Wim Wenders und ... Hans Weingartner und eben Tom Tickwer und Caroline Link. Die wirklich tolle Sachen gemacht haben in der Zeit und ich höre von Hans Weingartner nur noch über Facebook, was aber so ganz selten was über seine Projekte.
Florian Bayer: Also die deutsche Filmgeschichte grundsätzlich ist ein totales Auf und Ab. Und Ende der 90er kommen wir ja aus einer sehr... düsteren Zeit der deutschen Filmgeschichte und Ich weiß, dass der immer so hochgehalten wird, weil der auch wirklich wichtig war für die Entwicklung des deutschen Films. Aber ich mache partiell Bernd Eichinger verantwortlich.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Weil der Anfang der 90er sehr viele von diesen Komödien produziert hat, die so... Wow. Also in den 90ern haben wir zum einen diese Till-Schweiger-Komödien, also sowas wie Männerpension, Der bewegte Mann. Dann die ein bisschen trashigere Richtung, Manta Manta und so. Und es war so eine Zeit, in der ... Bernd Eichinger hat viel von dem Zeug produziert. Zum Beispiel auch das Supervibe. Voll normal und Ballermann 6 mit Tom Gerhardt.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Und vielleicht war das dann so Ende der 90er, Anfang 2000er so ein bisschen ein Aufbäumen, so eine Art junger deutscher Film. Für mich... Für mich ist die Zeit nicht so eine große Aufbruchzeit. Also ich sehe, was du meinst. Ich finde auch viele von den genannten Filmen, die du jetzt genannt hast, gut. Bei anderen denke ich, vielleicht ist es auch ein bisschen Nostalgie. Also zum Beispiel sowas wie Sonnenallee habe ich eher so als nette deutsche Komödienerinnerung. Oder auch so Goodbye Lenin. Das war so die Zeit der, wie heißt er?
Johannes Franke: Daniel Brühl.
Florian Bayer: Daniel Prühl und Moritz Bleibtreu waren irgendwie so damals die Schauspieler und die hatten auch so was Junges verkörpert. Dann gab es ja auch das Experiment, der wirklich sich an das Genre-Kino angelehnt hat und wirklich... so ein Versuch war, so einen deutschen Genre-Film zu machen. Aber wenn ich daran zurückdenke, kommen mir diese Filme doch alle noch mal so ein bisschen wieder vor, im Vergleich zu dem, was in den letzten zehn Jahren im Kino passiert ist. Weil ich habe das Gefühl, wir kommen jetzt gerade so in so ein bisschen ... in eine Hochzeit, in der die Deutschen sich wieder trauen, Genrefilme zu machen. Und es geht ganz oft schief. Aber es entstehen so Filme wie ... Der Nachtmahr. Oder Schneeflöckchen, der, ich weiß nicht, ob du den gesehen hast, der so ein Versuch war, ein deutscher Tarantino zu machen. Kein guter Film. Aber Mut zum Experiment und Mut dazu, so ein bisschen was anderes zu machen und zu versuchen, mal so aus der Reihe zu tanzen.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass das ein kleines bisschen im Sande verlaufen ist, jetzt diese Sachen wie Nachtmahr und so weiter. Es gab ja jetzt auch dieses, ich weiß nicht, ob dir der Begriff Mumblechor was sagt. Das sind so von, soll ich seinen Namen gerade nicht, mit denen habe ich auch ein bisschen zu tun gehabt. Die machen jedenfalls so Improfilme. Wir haben... Eine Idee grob für einen Film. Lass uns Schauspieler aufeinandertreffen. Wir klären vorher, in welche Richtung die Szene gehen könnte und dann provisieren wir das Ganze. Ich bin kein großer Fan von improvisierten Filmen, aber das ist etwas, was sich in den letzten Jahren so entwickelt hatte. Und was eine große Hochzeit bekommen hatte, die ganz viel unterstützt wurde vom Max Ofels Festival und so weiter. viele Preise aus der Richtung bekommen hat und so. Aber Aber irgendwie ist das ein bisschen verlaufen. Ich hätte vielleicht gerne noch mehr davon gesehen, auch wenn ich kein großer Fan davon bin, aber ich finde diese Idee vielleicht nicht so schlecht.
Florian Bayer: Das ist vielleicht nochmal was anderes. Vielleicht sind das auch so zwei Trends, die nebeneinander existieren. Ich denke vor allem, wenn ich an gute deutsche Filme der letzten Jahre denke, denke ich halt wirklich an so Filme, die in den klassischen Genres beheimatet sind. Thriller, Horror, Fantasy, Science-Fiction. Also zum Beispiel eben sowas wie Schneeflöckchen, was irgendwie so ein bisschen Tarantino ist. Oder so was wie Victoria, was irgendwie ein Thriller ist. Oder so was wie Rambock, was so ein deutscher Zombiefilm ist. Und ... Wie gesagt, das sind nicht alles zu 100% gelungene Filme, aber ich habe das Gefühl, da könnte was entstehen und die Deutschen könnten sich ein bisschen mehr trauen. Vielleicht, Dark fällt wahrscheinlich auch so in die Ecke. Stimmt, ja. Die Deutschen trauen sich, Filme zu machen, die eher von den Amerikanern besetzt sind.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: aber drücken dem Ganzen noch mal so eine deutsche Note drauf. Und Mumblecore ist ja auch offensichtlich eher so was Amerikanisches. Also zumindest, wenn ich jetzt hier gerade gucke, was so klassische Mumblecore-Filme sind, dann werden mir halt vor allem die ... die Filme von Richard Linklater vorgeschlagen, zum Beispiel Before Sunrise oder ... Dieser Talkfilm, ne?
Johannes Franke: Ach so. Naja, ich kenne den Begriff jetzt nur, weil da eben in der Berliner Filmemacher-Bubble rumkommt. als es darum ging, was da in diesen Improfilmen passiert.
Florian Bayer: Ich habe, glaube ich, keinen von diesen Berliner Improfilmen gesehen. Ich sehe gerade, ja, so ... dass... Also das englische Wikipedia hatte auch am Schluss einen Abschnitt von Neue Bewegung in Berlin, so Anfang der 2010er Jahre.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Mit eigenem Manifest. Sehr gutes Manifest. Super Name. Schön. Okay, interessant.
Johannes Franke: Also es ist eine spannende Bewegung, Aber nicht unbedingt meins. Aber ich finde es sehr spannend und sehr schön, dass es gemacht wird und dass es da irgendwie Bestrebungen gibt, da einen frischen Wind reinzubringen. Und deswegen ist mein Platz 1 auch jetzt tatsächlich was sehr Neues und zwar Systemsprenger.
Florian Bayer: Ah, den hatte ich bei meinen Honorable Mention. Ich bin froh, dass ich ihn nicht genannt habe. Fantastischer Film.
Johannes Franke: Ganz fantastischer Film. Und ich bin ganz, ganz... Also ich bin so glücklich darüber, dass dieser Film entstehen durfte und dass... dass Elena Zengel das irgendwie so großartig macht und dass das irgendwie... Das hat mir auch nochmal eben wie zum Beispiel Oh Boy nochmal gezeigt, dass es, dass es geht und in welche Richtung wir uns entwickeln könnten im deutschen film und das ist irgendwie wirklich eine chance gibt die einfach oft erstickt wird, aber wenn wir eine Chance uns geben und wenn uns die Produktion eine Chance gibt und wenn wir das Fördersystem in Deutschland vielleicht mal in den Griff kriegen, dann könnten wir wirklich was auf die Beine stellen.
Florian Bayer: Auch als deutscher Film, der nicht zu amerikanisch sein will. Sondern wo man merkt, es ist ein deutscher Film. Er hat eine deutsche Thematik. Er bewegt sich im deutschen Milieu.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wenn ich an die besten, an meine liebsten deutschen Filme denke, dann bin ich halt wirklich sehr konservativ und sage, es gab so zwei Hochzeiten. Das waren zum einen die Zwanziger, wo die Deutschen einfach die Speerspitze waren. Und dann zum zweiten die 60er, die späten 60er und die frühen 70er, wo der neue deutsche Film einfach nochmal für so eine Bewegungen gesorgt hat, wo viel experimentiert wurde, wo viele große Regisseure ihre Anfänge genommen haben. Du hast vorhin Wim Wenders erwähnt. Wim Wenders ist bei dir auf Platz Zwei. Platz drei.
Johannes Franke: Platz drei.
Florian Bayer: Damals hat auch Wim Wenders angefangen, damals hat Fassbinder angefangen, Alexander Kluger hat damals angefangen, Diese ganzen damals jungen Regisseure, die gesagt haben, es ist so miefig im deutschen Film, wir müssen hier was Neues probieren, wir wollen experimentieren. Wir wollen harte Geschichten erzählen, wir wollen realistische Geschichten erzählen, wir wollen experimentelle Geschichten erzählen. Das sind für mich so die beiden Hochphasen des deutschen Films, 20er, 70er und dazwischen viele dürre Perioden so. Nazi-Zeit lassen wir einfach mal komplett außen vor. Aber dann auch so die 50er, wo einfach dieses Bedürfnis nach Eskapismus befriedigt wurde, wo es halt diesen Heimat-Kitsch gab. Also Sissy und solche Heimatfilme.
Johannes Franke: Und die 80er, wo mir jetzt gar nichts einfällt,
Florian Bayer: Und die 90er halt mit diesen ganzen Eichinger Produktionen. Ich glaube, Eichinger hat ... in den 80ern und 90ern der Filmwelt sehr stark seinen Stempel aufgedrückt. Und er hat sehr viele... Mainstream-Produktionen gemacht, die so überhaupt nicht in meinem Geschmack liegen. Er hat auch gute Filme produziert, aber diese ganzen 90er-Jahre-Komödien...
Johannes Franke: Ja. Wir haben Heinz Rühmann überhaupt nicht erwähnt im Feuerzangenbulle und so. Das ist ja auch... Damals zumindest eine Speerspitze gewesen, die überlebt hat. Also Heinz Röhmann ist ja lange, lange, lange noch sehr beliebt gewesen. Ich weiß nicht, wie die neue... Generationen an Filmen machen, mit dem, wie mit ihm umgeht, aber... Mein Heinz Riemannwissen hält sich sehr in Grenzen.
Florian Bayer: Also die Feuerzangenbulle habe ich entfernt in Erinnerung. Und Heinz Rühmann war halt sowas, was mein Vater geguckt hat. Das war so alte Leute-Fernsehen. Ja.
Johannes Franke: Okay. Wollen wir unsere Liste beenden?
Florian Bayer: Wir beenden die Listen. Ich glaube, wir sind auch mit Rosamund Pilcher durch, oder?
Johannes Franke: Ich glaube, wir sind mit Rosamunde Pilcher. einigermaßen durch hast du eine zusammenfassung was du noch
Florian Bayer: Das modernste an diesem Film ist das Abschlusslied.
Johannes Franke: Was? Das Abschlusslied?
Florian Bayer: Was ist denn das Abschlusslied? Natürlich am Schluss wird alles gut. Das heißt ... Tamara Larson offenbart sich, dass sie Tamara Larson ist, kommt mit dem Vater zusammen, das Kino wird gerettet. das verschuldet war, indem Tamara Larson bei ihrer eigenen Ausstellung groß auftritt. Und Sebastian und ... Und Grace kommt natürlich auch zusammen, nachdem sich herausgestellt hat, dass Robert Hayford ein Arsch ist, der eine Affäre hat, ausgerechnet mit der Verlobten von Sebastian. Zu zweifeligen mit einer Klappe geschlagen, weil wir mussten ja zwei potenzielle Love Interests loswerden. Und am Schluss küssen sich Sebastian und Grace. Und das Modernste an diesem Film ist das Lied, was dann läuft. Und zwar ist das What's Up von Fawn on Plons. Okay. Ein Song aus dem Jahr 1992. Ja. Das ist das modernste. Ein 28 Jahre alter Song.
Johannes Franke: Oh Mann, ist das gemein. Meine Zusammenfassung wäre brachial, pseudophilosophischer und pseudopsychologischer Schund. Ja. Es tut mir sehr leid, aber es ist so.
Florian Bayer: Es war schlecht. Es war wirklich schlecht. Ich konnte diesem Film nichts Gutes abgewinnen. Und das Schlimmste ist ... Er hat auch nicht viel Material zum Lästern und Lachen geliefert. Man kann ihn nicht ironisch schauen. Wir hatten schon sehr viel Spaß bei Filmen, die wir beide nicht gut fanden oder den einer gut fand, der andere nicht so gut. Wir hatten schon sehr viel Spaß beim gemeinsamen Lästern über sowas wie Kommando mit Schwarzenegger oder über sowas wie Wir haben ja auch über den Bollywood-Film gelästert oder so. Aber dieser Film gibt das nicht her. Man kann ihn nicht ironisch schauen. er macht halt wirklich keinen Spaß, weil er dafür auch zu plass und farblos ist. Er taugt nicht zum Trash.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ja ... Ich kann es nur nochmal wiederholen, was ich im Intro gesagt habe. Ich bin nicht das Zielpublikum. Ich glaube irgendwie, es gibt ja offensichtlich ein Publikum dafür und deswegen hat sowas seine Berechtigung. Und es ist natürlich immer ein bisschen lame, dann da so drüber zu lästern, weil wir halt einfach nicht da drinstecken. Ja, deswegen kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass ich es wirklich schlecht fand.
Johannes Franke: Ja. Ja, leider typisch deutsche Unterdruckproduktionen, die... sich innerhalb ihres Rahmens bewegt und so gar nicht ausbricht. Drehbuchautoren wahrscheinlich auch schon Restriktionen haben und am Ende jeder, der bei sowas mitmacht, wahrscheinlich einen ganz engen Rahmen bedienen muss, der einfach traurig macht.
Florian Bayer: Das krasseste ist ja tatsächlich, ich bin an diesen Film gegangen mit der Erwartung, was nicht sonderlich Gutes zu sehen, aber ich habe was Besseres erwartet als das, was ich gesehen habe. Das ist das Härteste eigentlich. Ich bin davon ausgegangen, dass ich Kitsch sehe und dass ich übertriebenen Pathos sehe. Ich habe gehofft, dass es ein bisschen eigenständiger ist, ein bisschen irgendwie ein bisschen Stoff hat. In welche Richtung auch immer. Dass es irgendwie Spaß macht. Oder dass es zumindest ein paar spaßige Stellen gibt. Aber ...
Johannes Franke: Ja. Story ist vorhersehbar. Es gibt keine herausstechenden schauspielerischen Leistungen. Die Musik bedient ganz wunderbar dieses Herzschmerzding. Es gibt keine echten Probleme zu bearbeiten. Alles ist irgendwie... Naja.
Florian Bayer: Und dann auch so komisch und dann wirklich auch dazwischen immer so Sachen, du hast schon gesagt, die wirklich, wirklich schlecht und billig wirken zum Beispiel. Diese Dinner-Szene, wenn sie zum ersten Mal auf Robert Hayford trifft, die war ganz schlecht gedubbt. Der Produzent, mit dem sie sich unterhält ...
Johannes Franke: Sie haben ja auch englische Schauspieler. Also sie bedienen sich in Deutschland und in England bei den Schauspielern. Und dann wird eben der englische Schauspieler, der dreht auf Englisch und der wird dann einfach... gedappt.
Florian Bayer: Aber so schlecht.
Johannes Franke: Ja, es ist so. Und die Frau übrigens auch, die Freundin vom, die neue Freundin von Sebastian, die dann die Erfahrung hat, die ist auch Die fand ich als Schauspielerin, glaube ich, noch mit bei den Besseren.
Florian Bayer: Ja, sie war ja nicht viel zu sehen. Und das kommt halt dazu, es war halt wirklich durchschnittlich langweilig, schlecht generisch und dann gab es immer mal wieder so Momente, wo es in den Schund abgerutscht ist, weil es einfach ... billig produziert war. Oder nicht billig, aber so überhastet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Traurig. Traurig. Ja.
Johannes Franke: Und trotzdem würde ich jederzeit, wenn mich ein Produzent fragt, willst du mitspielen? Wahrscheinlich, gerade bei Rosamunde Pilcher, ich glaube, ich würde ja sagen als Schauspieler, weil das genau die andere Seite ist. Mitspielen macht Spaß.
Florian Bayer: Das glaube ich dir. Und vor allem ein Trip nach Cornwall an der englischen Küste ist ja auch irgendwie ganz nett.
Johannes Franke: Ja, ja. Also da bin ich wirklich nicht irgendwie... Dieser Snobismus, den ich am Anfang erwähnt habe, den mag ich wirklich gar nicht, weil das ist... Wie wir auch zwischendurch festgestellt haben, es muss auch solches Fernsehen geben für Leute, die genau das gerne wollen.
Florian Bayer: Und zum Thema Snobismus noch ein Satz. Es ist absolut okay, weiter Rosamunde Pilcher zu sagen, obwohl sie eigentlich Rosamund Pilcher heißt. Weil Rosamunde Pilchers synonym ist für diese Art von Fernsehfilm. Und diese Rosamunde-Pilcher-Filme sind durch und durch deutsche Filme. Und deswegen ist es absolut okay, zumindest wenn es um diese Filme geht, zu sagen, das sind rosamunde Pilcher Filme.
Johannes Franke: In diesem Sinne werden wir uns jetzt nach einer Pause der genau anderen Seite des Spektrums auf... Also jetzt nicht von der Qualität, das müssen wir noch feststellen, aber so von... wo man sagt, das sind so die Speerspitzen deutschen Fernsehens. Auf der einen Seite Rosamunde Pilcher, auf der anderen Seite der Tatort. Bis gleich. Sehr gespannt. Bis gleich.
Florian Bayer: Ich habe sogar noch Struktur aufgeschrieben. Ich sehe, was wir alles verpasst haben, worüber wir noch reden können.
Johannes Franke: Ja, es gab irgendwie nicht so viel. Es gibt einfach viel über das deutsche Fernsehen zu sagen. Und Rosamunde Pilcher selbst gibt halt so wenig her, dass man gar nicht so sehr, also ich habe es jetzt nicht vermisst, über die Story zu reden.
Florian Bayer: Ja. Ich habe tatsächlich gefunden, wo ich einmal geschrieben habe, ja, die Idee ist ganz nett von der Szene, die Gestaltung. Wenn der ... Der Vater von Grace, der Tamara Larsen anhimmelt, kriegt raus, dass Olivia Marlowe Tamara Larsen ist und erzählt ihr das dann. Und dann kommt sie nicht mehr zum Kino und dann sitzt er da und dann gibt es diese Blenden, eine Kameraeinstellung, während er auf sie wartet und dann wird übergeblendet, dass er auf der Bank sitzt, dass er auf der Straße sitzt, dass er an der Seite steht. Da habe ich geschrieben, nett.
Johannes Franke: Nette Idee. Ja. Nein, aber sonst gibt es ja einfach, also ich meine, man kann über die Story irgendwie reden, aber eigentlich gibt es einfach zu wenig Fleisch. Das ist ein bisschen schade.
Florian Bayer: Ich finde bei der Story tatsächlich nur Sachen, über die man dann noch mal lästern könnte. Zum Beispiel, wenn sie ... Wenn sie diesem Robert gesteht, dass sie das von ihrer Wahrsagerin gehört hat, dass er der Mann ihrer Träume ist ... Und dass sie deswegen zu ihm gegangen ist. Und er sagt, okay, dann ist wohl Schicksal. Na gut, dann sind wir jetzt zusammen, Baby. Also ja.
Johannes Franke: Ja, also es gibt schon ein paar solche Situationen und ich habe auch welche aufgeschrieben, aber irgendwie.
Florian Bayer: Wenn sie dann diese Museumseröffnung haben und Tamara Larson kommt natürlich ein bisschen zu spät und dann meldet sich ein Lokalreporter und sagt, was gibt es hier denn zu sehen oder haben sie uns mit Fake News hierher gelockt? Und ich kann meinen Augen rollen. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr ich gerade mit den Augen rolle. Ja.
Johannes Franke: Es tut am Ende zu sehr weh. Das ist es vielleicht. Ich glaube, ich will nicht so richtig drüber lästern, weil es zu weh tut.
Florian Bayer: Ich habe auch nach wie vor das Gefühl, es ist so merkwürdig, darüber zu lästern, weil wir einfach in einer anderen Bubble leben als das Publikum.
Johannes Franke: Und nichts gegen das Publikum. Also meine Oma guckt sowas nicht, aber wenn ich eine Oma hätte, die sowas gucken würde, ich hätte sie ja trotzdem... lebt, weißt du. Also ich meine, es ist ja nicht das, es ist ja nur einfach... Nee, es ist eher so...
Florian Bayer: Man kann es sich ja auch umgekehrt vorstellen. Ich habe das Gefühl, wenn ich darüber lästere, bin ich so wie der Typ, der überhaupt keinen Kontakt mit Kunst hat. Und dann an einem modernen Kunstwerk vorbeigeht, das irgendwie abstrakt ist und sagt, mein dreijähriger kriegt das besser hin. So fühle ich mich dann. Wie jemand, der das nicht versteht, der nicht in dieser Welt ist und deswegen drüber lästert.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist genau dasselbe.
Johannes Franke: Jetzt fühle ich mich schlecht.
Florian Bayer: Muss doch nicht.
Johannes Franke: Okay. So, jetzt aber. Wollen wir dann mal übergehen in den... anderen Teil, ich will nicht sagen besseren Teil, aber den anderen Teil ist ein anderes Zielpublikum.
Florian Bayer: Teilweise gibt es bestimmt auch Zielpublikumsüberschneidung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Deutsches Fernsehen, ebenfalls Spielfilmlänge.
Johannes Franke: Flor kämpft mit dem Stuhl. Was ist los, Flor?
Florian Bayer: Das Polster hat sich verzogen. Witzig. Wie deutsch kann man sein? Ich habe zwei Stunden lang voll gemütlich gesessen und jetzt ist nichts mehr gemütlich hier. Und jetzt, wo wir über den Tatort reden, über die Speerspitze des deutschen Fernsehens, über das Großereignis, jeden zweiten, dritten, jeden zweiten Sonntag ...
Johannes Franke: 35 neue Tatortse im Jahr.
Florian Bayer: Ja, das heißt fast jeden Sonntag, sogar mehr als jeden zweiten Sonntag. Ja. Und mittlerweile auch total in der Hipster-Kultur angekommen, eigentlich schon vor zehn Jahren in der Hipster-Kultur angekommen. Geh durch Berlin, jede zweite Straße findest du eine Kneipe, die einen Tatortabend macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und aber natürlich auch ein Urgestein des deutschen Fernsehens. Und Johannes, am besten führst du uns ein in diesen speziellen Tatort, über den wir reden, nämlich über einen Murot-Tatort, der... sehr gut angekommen ist bei Kritik und Publikum. Na, zumindest bei Kritik. Leg los.
Johannes Franke: Der Tatort. Speerspitze des deutschen Fernsehens, um es nochmal zu sagen. Und mit mehr als 1100 Filmen. Und mit teils über 10 Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung eine der beliebtesten oder gar die beliebteste Fernsehreihe in Deutschland überhaupt. Dabei gibt es gar kein so richtig durchgezogenes Konzept. Im Idealfall gibt es einen Kriminalfall und einen oder mehrere Ermittler, die ihn lösen. Das könnte auch die Soko oder den Polizeiruf umschreiben. Warum ist der Tatort der mit dem guten Ruf? Und wie oft wird er ihm gerecht? Zeit, wenigstens mal eine Stichprobe zu nehmen. Ja. selbst des Mordes verdächtigt wird. Wir steigen also in den eigentlichen Film ein, aber gleich wieder aus. Der Regisseur ruft Kat und wir verfolgen Uli, wie er vom Mord erfährt, wie die Dreharbeiten zum Tatort unterbrochen werden, wie er verdächtigt wird. Wie er versucht, sich zu verteidigen und verzweifelt versucht zu erinnern, was verdammt nochmal letzte Nacht passiert ist. während der Dreharbeiten zum eigentlichen Tatort, den wir gucken wollten. Ein Film... der für deutsche Verhältnisse sehr waghalsig auf Metaebenen hochseilaktös balanciert. Die Frage ist, tritt er daneben? Was meinst du, Flo?
Florian Bayer: Ähm, nee. Er tritt nicht daneben. Und selbst wenn er daneben treten würde, wäre es nicht so schlimm, weil er sich viel zu viele Sicherheitsnetze spart. und weil das Seil, auf dem er balanciert, viel zu dick ist. Und ja, ich fand ihn nicht schlecht, aber ... Ja, offensichtlich ist das das Experimentellste, was das deutsche Fernsehen für ein größeres Publikum in der Lage ist. Und es ist kein waghalsiger Hochseiltanz, sondern es ist ein netter Taschenspielertrick mit ein, zwei netten Meta-Ebenen. der nicht weit genug geht und viel zu brav ist.
Johannes Franke: Aber fürs Fernsehen, fürs deutsche Fernsehen ... ist das einer, wo man ganz sicher sein kann, dass ganz viele Leute drunter kommentieren, boah, so eine Scheiße, könnte mal wieder einen ordentlichen Tatort machen, was soll das denn?
Florian Bayer: Ganz viele. Offensichtlich hat dieser Tatort die Gemüter gespalten. Für große Kontroversen gesorgt. Wie auch so... Manch anderer Muro-Tatort, wenn ich das richtig verstanden habe, ist Muro ein bisschen das Tatort-Experimentierfeld, wo sie sich am meisten trauen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und im Schmerz geboren... Fand ich wirklich stark, weil der wirklich toll gespielt hat mit Theater, mit Tarantino, mit Western. Und der hier ... sollte nochmal einen draufsetzen, wenn es nach den Produzenten anscheinend, also zumindest wenn ich lese. was so die Leute, die daran beteiligt waren, dazu gesagt haben. Und ich finde, das hat er eher nicht gemacht. Ich finde, er hat eine gute Idee, er hat einen netten Taschenspielertrick. Er ging mir nicht weit genug. Es war so ... Ja, er war dann halt eine Satire aufs Filmgeschäft, aber ich habe viel mehr Metaebenen und viel mehr Selbstreferentialität erwartet. Und letzten Endes fällt diese Selbstreferenzialität zusammen auf den Anfang und auf den Schluss. Und ansonsten ist es halt ein Film, klar, ein Metafilm, der halt auf ... bei der Filmentstehung spielt. Und in dem auch ein paar Schauspieler von Tardot Kommissare auftreten dürfen. Mhm. Indem so ein paar Ticks vom Tatort parodiert werden, was auch wirklich lustig ist, was ich noch viel lustiger gefunden hätte, wenn ich die Person gekannt hätte, aber ich fand es auch so lustig.
Johannes Franke: Schön. Ulrich Thukor wurde ja damals gefragt, ob er jetzt einen Tatort machen würde, ob er einen Kommissar spielen würde. Und sein Kommentar war wirklich von Anfang an zu sagen, also wenn ich das machen soll, wenn ich das wirklich mache... dann möchte ich, dass wir nicht dieses typische Zeug machen. Und das war wohl der Anbeginn dessen, dass alle anderen Tatorte ihre... ihren normalen Felder und alle gesagt haben, so und den Experimentierkram, den müssen wir aber dorthin schieben. Da hast du sozusagen irgendwie den Experimentier-Tatort aus Wiesbaden und der Rest ist so... Wie man eben genau auf der anderen Seite sagt, der Lustige jedenfalls mit Jan-Josef Liefer.
Florian Bayer: Jan-Josef Liefers ist sehr lustig und ich glaube, das ist Münster.
Johannes Franke: Okay, genau. Und das ist so, weißt du, dann hast du so... Felder, dann weißt du, okay, Ballauf und Schenk macht das und Münster macht das, Wiesbaden macht das und dann hast du so eine Zuordnung, was auch eine typisch deutsche Sache ist. Oder? Dass du sagst, okay, ich will aber jetzt auch wissen, worauf ich mich einlasse. Ich will jetzt wissen, dass der immer experimentell ist.
Florian Bayer: Aber experimentell ist ja wirklich, also ja, ich sehe das, dass experimentell ist, aber eben wirklich für diese... deutschen TV-Verhältnisse. Ja. Weil was wir präsentiert bekommen, ist eine ironische Krimi-Komödie oder eine... Krimisatire, die auch eine Satire ist, die sich mit Tatort-Entstehung auseinandersetzt.
Johannes Franke: Aber selber doch auch ein Tatort bleibt.
Florian Bayer: Aber selbst ein Tatort bleibt. Wobei... Ist es nicht so, dass die, also Tatort folgt doch meistens stark den Ermittlern. Die Ermittler stehen im Fokus, auch ihre persönlichen Probleme und ihre Sorgen.
Johannes Franke: Nee, nicht immer. Ich würde nicht sagen, dass es ein durchgehendes Konzept ist.
Florian Bayer: Ah, okay. Ich dachte, beim Tatort wäre es wirklich so, weil es gibt ja ... Tatort in zig Städten. Und jede Stadt hat sein Ermittler-Duo meistens.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich dachte, es ist dann doch alles so deren Perspektive, klassisch deren Ermittlungsarbeit, die im Fokus steht.
Johannes Franke: Ja, also natürlich könnte man wahrscheinlich so 70 Prozent darauf reduzieren, aber ich glaube nicht, dass das ein grundsätzliches Konzept sein muss. Okay. Also, ich habe jetzt ... Ich habe natürlich jetzt die anderen Formate im Kopf wie Soko und so weiter, die oft davon abweichen, die dann wirklich die Tat an sich in den Vordergrund stellen und dann sind die Ermittler eigentlich mehr so Stichwortgeber. Die dann einfach abfragen müssen, wo waren sie dann und dann, was haben sie da gemacht, aber dass eigentlich der eigentliche Fall dann so zur Milieustudie wird. Und das ist beim Tatort eben auch, Milieustudie ist oft ein Wort, was umhergereicht wird, wenn es um Besprechungen für Tatort geht.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Ich habe echt zu wenig Tatorte gesehen. Ich weiß, dass ich in den 80ern mal einen Schimanski gesehen habe, weil der damals einfach der große war. Das war Götz George, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und diesen Im Schmerz geboren habe ich geguckt, aber auch nur, weil er total abgefeiert wurde von allen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hab ich davor, fünf Jahre vorher, das ist immer ein Tatort geguckt, der von allen abgefeiert wurde, den ich aber doof fand, der einfach nur so einen wirklich einfachen Lama-Thriller war, meiner Meinung nach. Und ja, keine Ahnung, ich kann die Tatorte, die ich gesehen habe, wahrscheinlich an der Hand abzählen. Und der Einzige, den ich wirklich stark fand, war eben im Schmerz geborenen.
Johannes Franke: Ich finde, dieser bleibt natürlich sehr deutsch, was ich aber in diesem Fall für eine Stärke halte. Eine Stärke in der Form, dass zum Beispiel Stromberg ja auch sehr deutsch ist.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Und das, was Stromberg an Stärke hat, Nicht in der Inszenierung hat der Tatort, aber ich finde dieses Deutsche, diese Kantinen-Szenen zum Beispiel ... das ist das Deutsche, was ich gerne auch sehen möchte. Was ich irgendwie cool finde. Was dem, egal wie sehr wir versuchen, amerikanisch zu denken, was der Deutsche sich behalten sollte als, nicht in jedem Film, aber zumindest als Stärke, den man immer mal wieder auch rausholen kann.
Florian Bayer: So dieser ironische Blick auf die menschliche Interaktion mit allen ihren Schwächen und vor allem... Auch mit ihrer Unvollkommenheit, wenn sie halt da sitzen und an ihrem Schnitzel kauen, während sie sich unterhalten und dann auch mit vollem Mund reden und mit der Gabel aufeinander zeigen, um irgendwas zu sagen.
Johannes Franke: Solche Sachen, ja. Und so ironisch biedere Bilder.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Weißt du, sowas finde ich irgendwie spannend, weil das den Deutschen eben einfach mal charakterisiert nochmal mit.
Florian Bayer: Ich fand die Schauspielleistung übrigens durchgängig gut. Ja. Liegt vielleicht auch daran, dass ich kurz davor Rosamund Pilcher gesehen habe. Und dann war das schon fast so ein Kulturschock, plötzlich gute Schauspielleistung zu sehen. Aber ich möchte noch mal hervorheben, dass ... Also, alles Schauspieler, die ich gar nicht ... kenne, in vielen Fällen auch gar nicht gesehen habe, aber ich fand ja, waren alle witzig. Ich fand Wolfram Koch, der sich als Kommissar parodiert, der versucht... Zu lernen, wie man eine Waffe hält, fand ich super witzig. Auch wenn ich den Kommissar nicht kenne und auch wenn ich den Tatort mit ihm nicht kenne. Ich fand eigentlich der einzige, den ich wirklich kannte ... Martin Wuttke, der ein total fantastischer Schauspieler ist. Ich mag Martin Wuttke wirklich. Und der das hier auch ganz großartig macht.
Johannes Franke: Macht er gut, ja.
Florian Bayer: Martin Wuttke und Wolfram Koch spielen sich selbst. Die sind beide auch Tatort-Kommissare. Ich kenne Martin Wuttke nicht als Tatort-Kommissar, sondern als deutscher Schauspieler, der alles macht. Okay. Und Martin Wuttke ist aber ein guter Schauspieler, ein richtig guter Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und der spielt halt sich selbst. Martin Wuttke als abgefuckten Typen, der pleite ist, weil er keinen Tatort mehr dreht. Und Wolfram Koch spielt sich auch selbst als jemand, der gerade den Frankfurter Tatort, also als Wolfram Koch, der den Frankfurter Tatort vorbereitet. Und der eigentlich meistens durchs Bild stolpert und sich fragt, wie er die Waffe richtig halten kann, was cool aussieht, ob er sie schräg halten soll, ob er sie... mit beiden Händen halten soll. Er will einfach cool aussehen und realistisch.
Johannes Franke: Und weißt du, das ist eine Frage, die tatsächlich immer wieder auftaucht. Wenn ich am Drehort bin und wenn ich meine Waffe behandeln muss oder sowas, dann gibt es immer jemanden am Set, der sich damit auskennt, der einfach Waffenmeister ist.
Florian Bayer: Und der wirklich als Berater eingestellt ist. Ah ja.
Johannes Franke: Und der wird dann halt gefragt, wie wird denn die Waffe jetzt gerade getragen, weil das ändert sich ja auch über die Jahrzehnte. Die Polizei hat immer mal wieder eine neue Erkenntnis und sagt sich, okay, wir müssen das jetzt aber doch ein bisschen mehr, weiß ich nicht. Früher wurde sie unten gehalten, inzwischen wird sie an der Brust gehalten. Zwischendurch weiß ich nicht genau. Aber solche Sachen. Und es wird alles vermittelt. Und es ist eine wichtige Frage. Und ganz, ganz viele Schauspieler, und das ist ganz toll parodiert, ganz viele Schauspieler sagen, ist mir doch egal, wie das eigentlich gemacht wird, ich will, dass es cool aussieht.
Florian Bayer: Ich dachte auch, das kann ich auch total nachvollziehen.
Johannes Franke: Absolut realistisch. Das ist super.
Florian Bayer: Das ist sogar was, was ich nachvollziehen kann. Wenn ich Schauspieler wäre, würde ich auch cool aussehen wollen. Wenn ich mal eine Waffe halten darf. Wie man richtig eine Waffe hält als Polizist, wahrscheinlich sieht das ziemlich uncool aus.
Johannes Franke: Es sieht total dämlich uncool aus. Aber man muss dazu sagen, dass die Amerikaner, die in Deutschland drehen, von denen ich das mitbekommen habe, die halten sich sehr gut daran, an das, was tatsächlich gemacht wird. Und bei denen sieht das wiederum einigermaßen cool aus. Du meinst, Deutsche können Waffen nicht cool halten? Ich weiß es nicht ganz genau. Ich glaube, es liegt an der Inszenierung des Restes. Also wenn du nicht so einen Wert, so einen Fokus darauf legst, wie die Waffe gehalten wird, sondern der Rest drumrum cool ist, dann bleibt das Waffehalten auch cool.
Florian Bayer: Tatsächlich hat dieser Tatort sehr viel Cooles.
Johannes Franke: Muss man schon sagen.
Florian Bayer: so gleich in der ersten Szene, wenn er echt so verkatert, aufwacht und zum Set geht und ein bisschen müde ist. Und sich da mit der Leiche unterhält, das ist eine coole Bildsprache. Also der hat eine coole Ästhetik.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und nicht forciert amerikanisch, sondern einfach tatsächlich, es gibt einen natürlichen Coolness-Faktor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch die Figuren, die rumlaufen, Ja, definitiv. Das ist ihnen gut gelungen.
Johannes Franke: Ja, finde ich auch. Und eben, was du sagst, dieser natürliche Coolness-Faktor, der nicht draufgedrückt ist, sondern der sich einfach... Dadurch ergibt, wenn wir jetzt gerade von Rosamunde Pilcher kommen, dass man das Genre und die Figuren ernst nimmt und die Szene ernst nimmt. Und das finde ich ganz toll und ganz wichtig. Natürlich kommen... Ich habe auch Rosamunde Pilcher vorher gesehen. Natürlich kommen wir jetzt... Wir sind dankbar über das Seil, was uns zugeworfen wird. So vom Tatort. Sodass wir aus diesem... Pilcherloch rauskommen. Deswegen kann ich ganz schlecht beurteilen, Ob das wirklich so gut ist, wie ich das in dem Moment erlebe. Aber ich finde, Ulrich Tukor hat eine unglaublich geile Qualität. Mhm. Der nimmt sich ernst, nimmt die Rolle ernst und hat ein wirkliches Interesse daran ... der Szene genau das zu geben, was sie braucht und rauszufinden, wo sind denn die Momente in der Szene? Was muss ich denn eigentlich erzählen? Und ich war so geflasht von der Verhörszene der ersten. Die beiden Kommissare, die dann, die echten Kommissare, die da kommen, sind natürlich auch so ein bisschen... So Typen, die auch nicht realistisch sind.
Florian Bayer: Typische Tatort-Kommissare, würde ich sagen. Das ist zumindest so, was ich von Tatort kenne.
Johannes Franke: Aber das Geile ist ... Das Verhör, was mit Tukor stattfindet. Tukor konnte vorher in den Tatorten ganz oft... sich angucken, wie Gastschauspieler gekommen sind und sich haben verhören lassen. Und ich habe das Gefühl, dass er sich jahrelang gedacht hat, nee, das muss man anders machen. Und jetzt die Gelegenheit hatte, selbst als Verhörter zu Verhörender dazusitzen. Und spielt das unglaublich gut und geil. Die Entwicklung von ... Hä, was ist denn hier los? Wie jetzt ... Moment ... Ich verdächtig? Was ist jetzt los? Wo sind wir denn hier gelandet? Hallo? Und dann wirklich, wirklich ganz, ganz natürlich an den Punkt kommt, wo er dann auch mal laut wird und ganz natürlich wieder zurückgeht und alles, alles aus einer Palette wie so ein Maler aus einer Palette spielt, die irgendwie sich ganz natürlich ergibt. Das vermisse ich ganz oft bei solchen Sachen.
Florian Bayer: Ja. Was natürlich auch daran liegt, dass das vom Drehbuch wirklich schön geschrieben ist, dass wir die Perspektive von Tukor haben. aber nicht alles von ihm erfahren, was in ihm vorgeht. Das heißt, wir sehen irgendwie, wie er... offensichtlich ratlos ist. Wir glauben ihm auch diese Ratlosigkeit. Aber es gibt immer Momente, wo deutlich wird, dass dieser Tukor ... offensichtlich mehr weiß, als wir geahnt haben. Zum Beispiel in der Szene, in der er das Geld aus dem ... das Geld von dem Toten aus seinem Hotel rausnimmt, sehr zielsicher aus dem ... Aus dem Luftschacht und dann vergräbt und wir wissen nicht genau, was er macht und gehen davon aus, oh, hat er doch Dreck am Stecken, weil es wird seine Perspektive gezeigt, also die Perspektive eines Unschuldigen. Aber wir als Publikum kriegen immer wieder erzählt, okay, er weiß vielleicht doch ein bisschen mehr, als wir wissen. Und er ist nie ganz entlastet, obwohl wir seine Perspektive... und seine Ratlosigkeit und auch sein Irren durch die Sets und durch das Hotel. Und das erzeugt eine schöne, paranoide ... Atmosphäre, die mir wirklich gut gefallen hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und was dann natürlich auch typisch Tatort ist, dass dann anfängt langsam so ... jeder könnte verdächtig sein. Es gibt diesen Jens Hochstedt, der Redakteur, offensichtlich eine Anspielung auf den tatsächlichen Redakteur, Jörg Himmstedt.
Johannes Franke: Der ja auch für diesen Tatort zuständig ist. Also er hat sich selbst sozusagen einmal, muss diese Pille schlucken, sich selbst dabei zuzusehen. in einer Variante seiner Person.
Florian Bayer: Ich glaube, er hatte sehr viel Spaß daran, auch diese Rolle zu schreiben. Der ist verdächtig, dann wird Martin Wood gewählt, irgendwann zum ganz großen Hauptverdächtigen, weil er Geldsorgen hat und Tukor halt ständig gefragt wird, wo das Geld ist. Und natürlich ist Tukur die ganze Zeit verdächtig. Und es ist schon am Anfang... Am Anfang so angelegt, wir merken, es gibt hier irgendwie eine Meta-Ebene und wir werden irgendwie noch ein Spiel mit Muro und Tukur erleben im Laufe der Handlung. Das ist jetzt nicht sonderlich überraschend, dass das kommt.
Johannes Franke: Ich war an der Stelle dann schon überrascht, weil der Film das zu lange hat versickern lassen.
Florian Bayer: Ja, das fand ich auch schade.
Johannes Franke: Und dann bin ich halt drauf gekommen, natürlich, natürlich muss da jetzt Muro kommen und Zuko verhören.
Florian Bayer: Ich hätte mir gewünscht, dass sie das schon ein bisschen früher machen auch. Ich fand die Szene schön, wenn er am Anfang im Hotel wach wird und dann diesen Mantel... Und wie gesagt, ich kenne Muro nicht, aber es war so klar, okay, das ist offensichtlich der Muro-Mantel und wie er den fragend anschaut und okay, da ist offensichtlich irgendwie so ein Persönlichkeitsspaltungsding am Laufen. Tragen sie es in die psychologische Richtung, tragen sie es in die mysteriöse Richtung. Erstmal egal, das ist nett, das ist cool.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber dann haben sie tatsächlich nichts mehr draus gemacht bis zum Ende. Es kommt, dieser Muro wird am Anfang kurz angeschnitten. Wir sehen auch diese eine Muro-Szene, die sie drehen. Und dann findet Moreau erstmal nicht mehr statt. Und das ist das, was ich meine, es ist ein bisschen brav, weil es gibt dann keine... Meta-Ebenen-Verwirrung. Wir wissen immer genau, wann wir im Film sind und wann wir in der Realität sind. Und auch wenn diese Filmzenen, die sie einfließen, sehr lustig sind, zum Beispiel ganz toll diese Autoszene mit... Mit Wolfram Koch und Martin Wuttke. Martin Wuttke spielt eine Gastrolle im Frankfurter Tatort. Deswegen ist er eigentlich da. Das ist so geil. Und dann haben wir diese Szene, wo er ins Auto steigt und Wolfram Koch ihm die Waffe an den Kopf hält ... Und improvisiert und sie finden es alle kacke, aber er will improvisieren, weil er will eine coole Rolle haben. Und dann treibt er noch seinen Schabernack mit Wutke, indem man das Auto zumacht und Wutke sich drüber aufregt. Das sind super Zähne.
Johannes Franke: Und das sind ganz realistische Sachen. Es ist so geil. Es passiert am Set. Und es sind immer die Leute, die irgendwie versuchen ... aus einer Machtposition, die sie plötzlich haben, wie die sie vorher nicht hatten... den entspannten Spaßmacher zu spielen, der einfach was daneben ist. Aber es gibt diese Kollegen. Oh mein Gott. Und das Geile ist, diese Szene in dem Auto kommt ja irgendwo her. Die haben ja vorher... genau das gemacht, was immer am Set passiert. Du hast das Buch, das Drehbuch, sitzt mit deinen Kollegen zusammen und fängst an zu lästern. Das hast du da schlecht geschrieben. Wie kommt denn der von A nach... Die Szene hat überhaupt keine Motivation. Dieser Typ, wie soll ich denn das machen? Guck dir mal diesen lahmen Dialog an. Nee, nee, nee, das machen wir alles anders. Es ist großartig. Es ist ganz toll geschrieben. Deswegen auch so wahnsinnig schön hergeleitet, dass er dann im Auto sitzt und ihm irgendwelche Scheiße erzählt, während er die Waffe an die Schläfer hält und man sich denkt... Völlig drüber. Der Schafspieler hat sich wieder gedacht, der könnte irgendwie alles umschreiben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil er der bessere Drehbuchanspruch ist. Großartig.
Florian Bayer: Ich hätte mir bei der Szene zum Beispiel gewünscht, so lustig sie war und so unterhaltsam, bei der hätte ich mir zum Beispiel gewünscht, dass sie es so inszenieren, dass man am Anfang nicht weiß, dass es ein Film ist. Und vielleicht auch noch mal eine Szene reinbringen, wo man denkt, es wäre ein Film und dann stellt man fest, es ist doch Realität. So diese klassischen Chancen, die man eigentlich beim Metafilm hat, das... man sich als Zuschauer unsicher fühlt. Und diese Unsicherheit hatte der Film leider nicht.
Johannes Franke: Überhaupt nicht, nee, nee.
Florian Bayer: obwohl er sie am Anfang aufgebaut hat. Ich find's toll, wenn in der ersten Szene ist Tuko dann als Moro am Tatort.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und zwar ist es so inszeniert, dass wir es wirklich wie ein Tatort-Film sehen, weil es ist ... Mit Schnitten auch. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass wir am Set sind, aber dann gibt es diesen Moment so und Schnitt und wir erfahren, wir sind am Set. Und das ist toll, diese Verwirrung mit dem Zuschauerspielen. Du weißt jetzt nicht, ist es Film, ist es Realität. Und das ist die einzige Szene, bei der er das macht. Bis auf am Schluss dann, was ich übrigens ganz toll fand. Aber da kommen wir später dazu. Und ich sehe in diesem Film so oft diese Chancen, damit zu spielen. Und er macht es aber einfach nicht, sondern die Handlung ist dann halt wirklich, Tuko wird des Mordes verdächtigt. Wir haben die beiden Polizisten, die ihn verhören. Er hat offensichtlich das Geld von dem Toten und er kriegt auch irgendwie mit, er war mit dem Toten in der Nacht unterwegs, kann sich aber nicht erinnern. Und beschließt dann zusammen mit ... Wolfram Koch, der wirklich toll ist, wie er sich selbst spielt, auch dem Ganzen hinterher zu recherchieren. Und wird selbst... Versucht selbst ein bisschen den Kommissar zu spielen, indem die sich tatsächlich sogar als Polizisten verkleiden, um an die Überwachungsbänder zu kommen und in Erfahrung zu bringen, was ist in dieser Nacht geschehen. Ja. Wer will mir einen Mord anhängen und warum?
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Es gab übrigens die Sorge dann doch bei dem einen oder anderen Schauspieler, dass die Leute glauben könnten, dass sie... Wirklich so sind, weil es Wolfram Koffer sind. Koch ist natürlich überhaupt nicht so, wie er sich selbst spielt. Und die sind alle nur eine Version ihrer selbst, die eigentlich wiederum eine Rolle ist. Das funktioniert natürlich nicht, sich selbst zu spielen. Aber es ist toll.
Florian Bayer: Wenn ich sowas sehe, gewinnt diese Person einfach nur Sympathie-Punkte, weil man muss sehr viel Selbstironie haben, um eine überzeichnete Version von sich selbst zu spielen.
Johannes Franke: Und da ist auch Martin Wuttke sehr groß in meinem Ansehen gestiegen.
Florian Bayer: Niemand, der da mitgespielt hat, darf sich zu ernst nehmen.
Johannes Franke: Absolut. Und dann möchte ich auch gerne noch diese ganzen Produktionsinterner Ich weiß nicht, wie viel man von dem Dialog versteht, aber die haben danach erst mal dieses Gespräch im Büro, bevor die Polizisten kommen und die anderen dann abhauen. Was machen wir denn jetzt? Dreharbeiten abbrechen? Wir können jetzt so nicht weiterdrehen. Können wir vielleicht... Hier im Produktionsgebäude. Der Regisseur sagt, lass uns hier in der Redaktion arbeiten oder wo die da sind.
Florian Bayer: In der Kantine.
Johannes Franke: In der Kantine drehen und wir machen und dann schaufelst du dir das Zeug rein und der kommt und du schaufelst und schaufelst und die ganzen Ideen und nein, wir machen jetzt erstmal Nachsprecher. Man weiß überhaupt nicht, was Nachsprecher sind, wenn man nicht mit Filmen zu tun hat. Nachsprecher sind, wenn der Ton etwas Bestimmtes nicht richtig erwischt hat. wenn ich zum Beispiel zu weit weg bin von der Kamera und der Ton eigentlich gar nicht... Der wäre im Bild, wenn er mich ordentlich aufnehmen wollen würde. Also hat man mich zwar verkabelt, ich habe ein Funkmikro unter der Kleidung. Aber da ist die Qualität nicht. Das hat geraschelt, weil die Kleidung drauf war und so. Also muss man das nochmal nachsprechen, was dann im Set nicht richtig aufgenommen wurde. Also geht man, wie wenn man jemanden synchronisieren würde, geht man ins Studio. Sprich diesen Satz nochmal nach, der unsauber war. Und natürlich, es ist völlig natürlich. Ja, na klar macht man dann Nachsprecher. Ja, absolut. Und das ganze Gespräch ist total realistisch. Es ist auch großartig. Es ist ein bisschen überspitzt und so, aber es ist... Es stimmt alles. Es stimmt alles. Und ich bin so froh drum.
Florian Bayer: Auch diese Eitelkeit, die Tuko dann spielt, dass er Angst hat, dass er ersetzt werden könnte. Ja! Und natürlich sieht er irgendwie, sie pläst. planen doch mich zu ersetzen. Sie wollen einen anderen Kommissar.
Johannes Franke: Der wird paranoid mehr und mehr. Das ist total großartig.
Florian Bayer: Und was ja auch irgendwie Sinn macht, wenn sie wissen, dass ihr Hauptdarsteller des Mordes verdächtig wird. Dass sie drüber nachdenken, ey, wir müssen diesen Tatort irgendwie hinkriegen. Was machen wir denn jetzt?
Johannes Franke: Wie der Detektor irgendwann sagt ... Du warst es ja nicht, oder? Und selbst wenn du es warst, wir haben ganz tolle Anwälte. Und dieser Hallo Hessen Auftritt Ja. Von den neuen Kommissaren, wo die beiden da sitzen und er wieder mit seiner Waffe anfängt, wie fällt man diese Waffe und... Und sie dann irgendwie am Ende noch, bevor sie da rausgehen aus der Situation, peng, peng, peng sagt. Böse Persiflage auf diese Morgenmagazine, wo dann irgendwelche... Schauspieler dann noch da sitzen auf dem Sofa und dann irgendwelche dämlichen Fragen beantworten.
Florian Bayer: Promotour.
Johannes Franke: Promotour. Das ist geil.
Florian Bayer: Das haben sie auch wirklich gut gemacht, dass sie sich nicht auf diesen einen Tatort beschränkt haben, sondern dass sie dann den Frankfurter Tatort drin haben. Die Hessener Konkurrenz. Dass sie Martin Wutke drin haben, der den Leipziger Kommissar gespielt hat. Und dass sie... offensichtlich auch immer mal wieder diese kleinen Verbalattacken gegen andere Tatorts machen. Zum Beispiel ganz klassisch, wenn sie sagen, nicht mit Humor, weil wir sind nicht wie Burner.
Johannes Franke: Ja genau, wir sind ja nicht hier in Dingens.
Florian Bayer: Wir können keinen Humor reinbringen. Wir sind nicht in Münster.
Johannes Franke: Wir sind nicht in Münster, sagen sie glaube ich, ja. Ganz toll. Und auch, dass dieser Streit, der angedeutet wird zwischen Tukor und dem Produktionsassistenten oder wer das ist, der gestorben ist. dass es darum ging, dass er morgens nicht den Wohnwagen die Heizung angemacht hat. Auch etwas, was ich sehr gut kenne. Aber als Zuschauer denkt man dann, boah, was für ein Arsch, dass der deswegen so ein Fass aufmacht. Aber naja.
Florian Bayer: Auch ganz toll, seine Assistentin Magda Wächter, die von Barbara Philipp gespielt wird. Barbara Und es ist voll genervt von Tukur, weil offensichtlich ist sie halt nicht so eine große Schauspielerin wie er. Er sagt, ey, ich muss jetzt hier weg. Ich muss auch andere Projekte machen. Ich muss mein Leben finanzieren. Und du verdienst vielleicht genug, aber ich nicht.
Johannes Franke: Und wie sie mit der Agentin oder mit dem Agenten telefoniert und sagt, der Tukok spielt alles rauf und runter. Ich könnte doch auch mal hier und dann bist du... So ein Arthouse-Film. Und sie wird immer kleiner mit den Ansprüchen, weil es immer offensichtlich ist, es ist alles nicht möglich. Ganz toll. Ich bin so schöne Situationen, ganz gut beobachtet, wie das alles läuft. Das Schöne ist, die Idee kam ja ursprünglich... Bei so einem Besäufnis von Ulrich Tukor und mit einer Produktion oder einem Regisseur, ich bin mir ganz sicher, Und da saßen sie zusammen und haben wirklich einfach in einem Besäufnis diese Idee einmal... gehabt und aufgeschrieben und dann gepitcht und sind auch nicht sofort auf offene Ohren geschlossen, sondern mussten da schon ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Aber ist geil, dass die einfach, dass du als Schauspieler mit einem Regisseur zusammensitzen kannst und sagen, komm, wir machen mal hier. Toll.
Florian Bayer: Das wirkt auch tatsächlich so, also so wie sie sich gegenseitig persiflieren und wie sie miteinander reden und wie sie auch offensichtlich die Leute drangekriegt haben, sich selbst zu spielen. Es scheint schon eine kleinere oder größere Familie zu sein. Also ich kann es mir auch gut vorstellen, wenn die mehrere Wiesbadentat dort im Jahr machen, das wird wahrscheinlich immer ungefähr dasselbe Team sein. Und dann kennen die sich auch und ... Offensichtlich wird es auch nicht groß infrage gestellt, dass Tukor mit dem Regieassistenten unterwegs war dann. Also offensichtlich gibt es da keine Berührungsängste. Und das fand ich, wirkte insgesamt sehr sympathisch, halt wirklich wie eine große Familie, die hier Spaß hat, indem sie sich gegenseitig veralbert. Jeder kriegt so ein bisschen sein Fett weg. Und das war eine sehr sympathische Inszenierung, dieser riesige... satirische Mittelblock ist wirklich witzig. Es schwächelt dann halt immer so ein bisschen, wenn es zur eigentlichen Kriminalhandlung kommt.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Mit diesen Typen in den Schweinemasken, die ihn entführen. Es passiert ja auch tatsächlich nicht viel. Und die wollen das Geld haben, er versteckt das Geld und er forscht dann halt hinterher, was ist passiert und ist dann mit ... mit Koch zusammen unterwegs. Und sie kriegen halt raus, dass sie in dem Casino waren, dass sie von den Kameras beobachtet wurden, dass Christoph, der gestorben ist, an dem Abend sehr viel Geld gewonnen hat. Und dass es offensichtlich irgendwie eine Bande gibt in diesem Casino ... die Leute beobachten und die sich Leute herausgreifen, die was gewonnen haben, um das Geld zu erleichtern. Und das ist irgendwie so ... Dahin läuft dann einfach die Kriminalhandlung. Und dann gibt es auch eine Erpressung von diesen Typen anscheinend.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: zur Geldübergabe nimmt ... nimmt Tukur dann noch wieder Koch und Wutke mit. Das ist auch eigentlich ein schönes Trio. Das ist schon witzig. Immer wenn die miteinander interagieren, ist es witzig. Und dann geht es aber halt auch wieder weiter mit der Krimi-Handlung und... Man denkt so, ey, ja, vielleicht wäre es auch ohne Krimi gegangen. Oder mit ein paar mehr Meta-Ebenen, weil der Krimi-Plot ist...
Johannes Franke: Ja, dünn. Und der löst sich auch am Ende so ganz seltsam auf. Also es ist keine echte... Also... Es ist kein befriedigender Krimi in der Form.
Florian Bayer: Nee, überhaupt nicht. Das macht auch irgendwie verständlich, warum die ... warum die Fans vom Tatort so drauf reagiert haben, weil die haben wahrscheinlich mehr Krimi erwartet, mehr Thriller.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich hätte das tatsächlich gelöst, indem ich den Krimi ersetzt hätte durch mehr Mysteriöses und durch mehr Metareflexion.
Johannes Franke: Ja, vielleicht, ja.
Florian Bayer: Das hätte meiner Meinung nach diesem Plot gut getan, weil das hätte besser zu dem Satirischen ergänzt, weil eine Geschichte um ... um eine Bande, die im Casino ist und Leute ausraubt, die im Casino gewonnen haben, Es ist so ein bisschen lame. Und es klingt nach so einer typischen deutschen Krimi-Handlung, die am Reißbrett entstanden ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die hätten sie einfach komplett rauslassen können und viel mehr, stattdessen, dann hätten sie auch ein bisschen mehr Zeit gehabt und hätten ein bisschen mehr mit dem Medium spielen können.
Johannes Franke: Ja. Und wenn wir schon bei Kritik sind, es ist ein Sausagefest. Es sind eigentlich fast ausschließlich Männer, die wichtige Rollen spielen. Barbara kommt fast gar nicht zum Tragen, die Schauspielerin, die Kollegin von ihm. Ja. Und das ist schade.
Florian Bayer: Sie ist auch offensichtlich bei Moreau selbst, sie ist auch nur eine Assistentin. Ja. Was ich auch komisch fand, weil ich dachte, eigentlich wäre so dieses klassische Tatort-Duo Ermittler und Ermittlerin.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Was man ja oft findet, wäre so, dass die auf einer Ebene sind. Aber das scheint ja ganz krass zu sein, dass sie ganz klar die Untergebene von Moro ist. und dass sie wirklich einfach nur Bürojob macht eigentlich. So die Moneypenny so ein bisschen.
Johannes Franke: Ja, nee, es ist oft ein Taterzoll bei Lauf und Schenk und Diese ganzen Duos, aber in dem Fall glaube ich auch, wenn ich es richtig sehe, ist Moreau so der... Einzelgänger, der aber auch dadurch, dass es einfach ein experimenteller Tatort ist, jedes Mal das anders Gelagert ist sowieso.
Florian Bayer: Von Walulis gibt es ein sehr schönes Video, der typische Tatort. Ja, stimmt. Fünf Minuten oder so. Ja. Auf jeden Fall sehenswert. Findet ihr bestimmt bei YouTube. Guckt euch das an. Ja. Da erziehe ich mein Wissen, was Tatort betrifft. So ein bisschen Milieustudie. Ja. So ein bisschen persönliches Drama. So ein bisschen ein Erstverdächtiger, der es am Schluss dann doch war.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Nachdem er komplett entlastet wurde ganz am Anfang. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sollen wir zur Meta-Ebene kommen, zum Ende?
Johannes Franke: Oder wolltest du noch was zu dem Mittelteil sagen? Moment, bevor wir zum Ende kommen ... unser Top 3 machen, damit wir so ein bisschen Meta-Ebenen. Genau, richtig. Das ist so ein retardierendes Moment.
Florian Bayer: Also, um jetzt hier eine Metaebene aufzubauen, wir müssen, wir bringen unsere Top 3 immer ganz spontan rein.
Johannes Franke: Normalerweise.
Florian Bayer: Irgendwie mittendrin schreit dann jemand, Moment jetzt. Manchmal klappt es überhaupt nicht. Manchmal müssen wir die dann am Schluss noch dran klatschen. Diesmal hat es geklappt. Wir sind bei Meta-Ebenen und Jingle.
Johannes Franke: Sehr schön. Das heißt, wir haben eine Top 3 Metafilme.
Florian Bayer: Ja. Filme über Filme, Filme in Filmen. Ich bin sehr gespannt, was du beizutragen hast. Das ist ein tolles Thema. Es gibt viel zu wenig Metafilme meiner Meinung nach. Ich liebe es immer, wenn die vierte Wand gebrochen wird, wenn Filme auf sich selbst...
Johannes Franke: Ja, und es ist ein bisschen schwierig gewesen dadurch auch, weil es gar nicht so viele Filme gibt.
Florian Bayer: Es gibt so wenige, ja. Warum? Traurig. Voll traurig, ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Vielleicht haben dann auch, ich glaube... In jeder Produktion, während der Produktion gibt es mindestens fünf Ideen, die von irgendwelchen Leuten jongliert werden, die Metafilme sind. Aber die werden nicht umgesetzt. Und ich glaube, es liegt daran, dass die Filmbranche zu viel Angst hat, zu selbstreferenziell zu werden irgendwann.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ja, und es ist ja auch immer so ein bisschen eine Angst, die ich sehr gut verstehen kann. Manchmal wird so Künstler und Künstlerinnen nachgesagt, wenn sie keine Ideen mehr haben, schreiben sie drüber, dass sie keine Ideen mehr haben. Und das ist natürlich auch immer eine Gefahr, die besteht, wenn man einen selbstreferenzierenden Film macht, dass es tatsächlich so ein Künstlergewichse ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Und der Schauspieler muss jetzt auch noch sich selbst spielen, damit er genug Aufmerksamkeit bekommt.
Florian Bayer: Hast du Honorable Mentions?
Johannes Franke: Ich habe ... Fang du mal an. Ich muss erstmal meine Reihenfolge festlegen, um dann zu wissen, was überhaupt honorable mention bleibt.
Florian Bayer: Ich habe zwei Honorable Mentions. Zum einen, den habe ich zu den Honorable Mentions gepackt, weil ich ihn zumindest in der Vergangenheit schon mal erwähnt habe. Hier im Podcast. Inland Empire von David Lynch. Dem das wirklich gut gelingt, dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegzuziehen, in dem nie ganz klar ist, was wir jetzt sehen, ist das gerade gefilmt oder ist das echt? was kulminiert in einer unfassbar bewegenden Sterbe-Szene unserer Protagonistin, die wirklich lange dauert, Und dann endet mit einem Cut. Und die Protagonistin tritt aus ihrer Rolle raus, ist aber immer noch von der Rolle vereinnert. großartiger, düsterer, surrealer Film, der mit dem Meta-Element nicht ironisch spielt, sondern das benutzt für einen wirklichen Albtraum. Eine Frau verliert sich in ihrer Filmrolle und das wird radikal umgesetzt, indem sie selbst nicht mehr weiß, was Film und was Realität ist. Und wir als Zuschauer auch nicht. Und meine Nummer 4, beziehungsweise meine zweite Honorable Mention, auch nur Honorable Mention, weil er nicht so doll spielt mit diesem Metafilmchen, sondern weil einfach nur eine tolle Liebeserklärung ans Filmemachen ist, die amerikanische Nacht von Truffaut. aus dem Jahr 1973 einen Film übers Filmemachen, der einfach einer großen Filmproduktion folgt. und wirklich schön ist und auch witzig ist und auch ironisch ist, indem er all die Macken am Set darstellt, aber der nicht wirklich so eine krasse Meta-Ebene aufmacht, sondern einfach das Filmgeschäft beleuchtet.
Johannes Franke: Okay. Na, ich habe als Honorable Mention... Blazing Saddles, den wir schon behandelt haben, der einfach einmal ganz am Ende total ausrastet, was das betrifft.
Florian Bayer: Was für ein Finale.
Johannes Franke: Mel Brooks hat es immer drauf, irgendwelche Kommentare zum Film, den er gerade macht, zu bringen. Aber in diesem Fall... Es rastet da voll aus und geht da durch die Sets, in denen gerade ganz andere Filme gedreht werden und solche Sachen. Die Cowboys reißen die Kulissen ein und prügeln sich.
Florian Bayer: sich dann durch Hollywood. Was für ein Ende, super.
Johannes Franke: Und sie gehen ins Kino, um sich den Film anzugucken, den sie gerade gedreht haben, um zu sehen, wie er denn endet. Ja. Außerdem hätten wir da Once Upon a Time in Hollywood. Was im Grunde ein Kommentar auf eine eigentlich nie existente Version eines Hollywood ist aus den 50ern.
Florian Bayer: Tolles Spiel mit dem Filmgeschäft auch. Vor allem die Szenen, in der Brad Pitt sich mit Bruce Lee streitet.
Johannes Franke: Ja. Was für eine krasse Szene. Okay. Platz 3, willst du anfangen?
Florian Bayer: Ja, mein Platz 3 ist Adaptation aus dem Jahr 2002.
Johannes Franke: Da bin ich auf Platz 2.
Florian Bayer: Ja, toller Film.
Johannes Franke: Bitte erzähl ein bisschen was darüber.
Florian Bayer: Also, Kaufmann, Charlie Kaufmann. und das ist Realität, das ist die Entstehung des Films, soll ein Drehbuch schreiben, Und zwar für eine Verfilmung des Buches Der Orchideenlieb. Was so eine Art Thriller-Drama über ... Leute, die mit Orchideen Obsessionen haben, zu tun hat. Und er weiß nicht, wie er das schreiben soll. Also jetzt kommt das Künstlergewichsen, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Also schreibt er sich selbst in die Geschichte rein. Was wir als Zuschauer sehen, ist dieser Film, der daraus entstanden ist, wo Charlie Kaufman, gespielt von Nicolas Cage, Zusammen mit seinem Zwillingsbruder, der nicht existiert, Drehbücher schreibt. Und dann halt dieses Drehbuch schreibt, wo er sich selbst in den Film reinschreibt und dann aber auch einem Komplott der Autoren dieses Films auf die Schliche kommt. Und ... Ein super witziger Mindfuck.
Johannes Franke: Du weißt am Ende nicht mehr, was, wie, wo, wer, hä, ja, was ist jetzt, was stimmt jetzt und was stimmt nicht und wer gegen wen und warum.
Florian Bayer: Toll ist toll. Wir mit Realität und Fiktion.
Johannes Franke: Dein Platz drei.
Florian Bayer: Okay, mein Platz drei wäre Spaceballs. Ah!
Johannes Franke: Auch Mel Brooks. Und Mel Brooks macht das ja immer in allen Filmen. Ich habe Spaceballs reingemacht. statt Blazing Settles zum einen, weil wir Blazing Settles besprochen haben und zum anderen, weil Spaceballs der erste Film ist, wo ich das so richtig geil erlebt habe als Kind. Ich habe diesen Film gesehen und es gibt diese Szene, wo sie vor dem Fernseher stehen Und aus der Videokassette irgendwie rauslesen wollen, wie das jetzt weitergeht im Film. In dem Film, in dem sie gerade sind. Wann? Jetzt? Jetzt? Jetzt? Nein.
Florian Bayer: Jetzt und jetzt. Und es ist wirklich für so eine alberne Parodie, es ist ein extrem intelligenter Mindfuck, der da stattfindet.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Instant-Videos. Wir sehen den Film, bevor er fertiggestellt wurde.
Johannes Franke: Ganz, ganz toll. Und später ja auch, es gibt auch verschiedene andere Szenen, wo einfach auf den Film referiert wird, in dem man gerade sieht.
Florian Bayer: Wenn sie mit dem Lichtschwert kämpfen und er zufällig den Todmann...
Johannes Franke: Genau solche Sachen. Ganz toll. Ja, Spaceballs.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist ziemlich unbekannt und ein Film, der auch keine guten Kritiken gekriegt hat, als er rauskam. der sehr schräg ist und sehr experimentell. The Last Movie von Dennis Hopper. aus dem Jahr 1971. Ich glaube, die Kritik war sich damals einig, dass das Ding einfach nur ein selbstverliebter Experimentalfilm ist. in dem Dennis Hopper, der damals gerade durch Easy Rider so zur Bekanntheit gekommen ist, einfach mal so ordentlich künstlerisch masturbieren will.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es geht darum, dass in Peru ein Western gedreht wird, in einem abgelegenen Dorf. Und im Zentrum steht der Stuntman dieses Films.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: Okay, also es passiert viel. Er lernt eine Frau kennen und er hat irgendwie keinen Bock mehr, Filme zu drehen und er weiß nicht genau, wo er hin will. Er zieht dann mit dieser Frau einfach raus. Aber das ist alles nicht so wichtig. Was ganz toll ist an diesem Film ist ... dass gezeigt wird, sie sind in diesem abgelegenen Dorf und die Leute in diesem Dorf verstehen das Konzept Film nicht so richtig und denken, das, was sie sehen, diese Schießereien von den Cowboys und die Gewalt wäre echt. Und dann fangen sie an, ihren eigenen Filmdreh zu starten, weil sie das, was Hollywood ihnen da vormacht... imitieren wollen. Und dann bauen sie sich eine Kamera einfach nur so aus Holz zusammen. und fangen an, einen Film zu inszenieren, in dem sie sich gegenseitig umbringt. Weil sie halt Film machen. Sie machen halt das, was sie vorher gesehen haben, wo die aufeinander geschossen haben, wo die sich gegenseitig umgebracht haben. Und das machen sie dann in echt. Und sie versuchen irgendwie, dann versucht dieser... Stuntman ja dein Mittelpunkt ist, versuch den irgendwie zu überzeugen, dass das falsch ist, was sie da machen, dass der Film so nicht funktioniert und Und er wird dann da aber irgendwie reingezogen. Dann gibt es noch so einen kleinen Subplot. Und es endet dann damit, dass nicht mehr so ganz klar ist ... Ob das immer noch echte Gewalt ist oder ob sie damit spielen ... Und dieser Stuntman wird dann in den Film hineingezogen und wird quasi gezwungen, da mitzumachen, obwohl das kein richtiger Film ist, sondern echte Gewalt, die stattfindet. Und es ist ein ziemlicher Mindfuck.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist ein sehr spröder Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber super interessant auch ... weil er einfach so ein ästhetisches Gefühl von dem Hollywood von damals, von diesem New Hollywood. repräsentiert, dass man wirklich mal alles ausprobieren kann. Das ist kein perfekter Film. Der ist holprig, der ist ein bisschen trashig, der ist ein bisschen drüber und drunter und irgendwie... Aber ein wirklich, wirklich, wirklich spannendes Filmexperiment.
Johannes Franke: Ich glaube, ich habe den gesehen. Ich erinnere mich gerade, und zwar aber gar nicht so lange her, hier im Filmkunst, wo ich dann gesessen habe, auch wieder mit meiner Begleitung alleine. Und wir die ganze Zeit dachten, hä? Was passiert da gerade? Wir nicht ganz sicher wussten, ob wir am Ende dann die gute Entscheidung war, da reinzugehen oder ob das eher eine schlechte Entscheidung war.
Florian Bayer: Es ist wirklich kein, es ist nicht einfach nur ein guter Experimentalfilm, er ist wirklich holprig, er ist wirklich merkwürdig, er trifft Manchmal den falschen Ton, er hat halt so dieses 70er-Jahre-Flair.
Johannes Franke: Und auch die Männer sind sehr drüber und die Frauen... Das Frauenbild ist nicht gut. Genau, genau.
Florian Bayer: Aber er ist wirklich interessantes, spannendes Experiment, wie Film wirkt und wie Film verstanden wird. und stellt sowohl die Filmschaffung als auch die Filmrezeption immer so ein bisschen in Frage und ich finde ihn total faszinierend. Krass, irgendwie ein krasser Film einfach.
Johannes Franke: Ich muss jetzt an Who Killed Don Quixote denken. der ja auch ein bisschen Meta ist.
Florian Bayer: Definitiv, ja.
Johannes Franke: Und der ja auch so dieses ... Filme machen und dann falsch verstanden und dann in der Figur verloren und so. Das ist schon So ein bisschen in die Richtung geht das.
Florian Bayer: Ja, es geht in die Richtung. Es trägt auch eine ähnliche Verzweiflung, auch so eine ähnliche apokalyptische Verzweiflung mit sich.
Johannes Franke: Genau. Den du ja nicht so geil fandst. Aber wir haben darüber gesprochen, wenn ihr eine Episode euch anhört, Don Quixote de la Mancha.
Florian Bayer: The Man Who Killed Don Quixote von Terry Gilliam. Wir reden drüber in einer sehr alten Episode.
Johannes Franke: Ja, und Plur war nicht so begeistert, aber ich fand den ganz cool.
Florian Bayer: Ja, wir hatten ihn beide vorher nicht gesehen und ich habe ihn vorgeschlagen, lustigerweise, weil ich ihn auf meinem To-See-Stapel hatte und unbedingt sehen wollte.
Johannes Franke: Platz, welcher Platz war das?
Florian Bayer: Mein Platz zwei, dein Platz zwei ist Adaptation. Du kannst gerne noch mal was dazu sagen.
Johannes Franke: dazu sagen. Nö, wir haben eigentlich, du hast jetzt viel dazu gesagt. Die Tee ist alle, glaube ich, fast. Es tut mir sehr leid. Soll ich noch welche machen, Clor?
Florian Bayer: Das reicht vollkommen. Danke dir. Okay, tut mir leid, dass ich den Platz 2 weggenommen habe. Ich glaube, den Platz 1 nehme ich dir nicht weg.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist ganz klar... wahrscheinlich einer der ersten Metafirme, die ich überhaupt gesehen habe. The Player von Robert Altman.
Johannes Franke: Sagt mir gar nichts.
Florian Bayer: Tatsächlich total, zumindest was Genre betrifft, ähnlich wie dieser Tatort, eine Mischung aus Thriller und Satire. Ein halb erfolgreicher Filmproduzent wird erpresst. und bekommt Drohbriefe von jemandem, dessen Drehbuch er offensichtlich abgelehnt hat und der ihm jetzt droht, ihn zu töten. Und er forscht danach und hat den vermeintlich Verdächtigen gefunden und trifft sich mit dem. Und im Streit bringt er ihn um. Und dann wird gegen ihn ermittelt und er versucht das halt zu verschleiern. Das ist so die Thriller-Handlung. Und gleichzeitig kriegt er mit, dass er den Falschen umgebracht hat, weil der Typ, der ihn umgebracht hat, immer noch lebt und ihm weiter diese Postkarten schickt, wo er bedroht wird. Das ist die Thriller-Handlung. Und daneben läuft eine ganz großartige Satire auf das Filmgeschäft. Und Robert Altman, der ja wirklich so ein Veteran des New Hollywood war, der in den 70ern ganz viele großartige Filme gemacht hat, hatte so einen Moment, wo er sehr lange sehr frustriert war vom Filmgeschäft und auch nicht wirklich viele Filme produziert hat, sondern Regie geführt hat, sondern eher so ... im Fernsehen tätig war und hat sich dann auch ständig abfällig über Hollywood geäußert und über die ganzen Machenschaften und so hinter den Kulissen. Und das ist so ein bisschen seine Rache daran. Ein wirklich makaberer, lustiger, düsterer Film über das Filmbusiness. Und er hat es geschafft. so viele Leute dazu zu kriegen, da mitzumachen. Das Ding ist voll mit Cameo-Auftritten von Schauspielern, die sich selbst spielen.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Also ... Harry Belafonte. Moment. Chair. James Coburn. John Cusack. Peter Falk.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Jeff Goldblum, Elliot Gould, Angelica Houston, Jack Lemmon, Andy McDowd. Malcolm McDowell, Nick Nolte, Burt Reynolds, Bruce Willis, Julia Roberts.
Johannes Franke: Okay, den muss ich sehen.
Florian Bayer: Susan Sarandon, Patrick Swayze, Rod Steiger, Robert Wagner ... Und ich habe jetzt nur gerade die gelesen, die mir als erstes am bekanntesten vorkamen.
Johannes Franke: Aber Patrick Swayze in den 70ern?
Florian Bayer: Ne, 90er. Robert Altman hat in den 70ern experimentelle Filme gedreht, so New Hollywood Filme und hatte dann auch irgendwann den Ruf, Geldverbrenner zu sein, weil er auch gesagt hat, ey, ich drehe euch jetzt einen total tollen, klassischen North Thriller. Und dann hat er einen Film gedreht, in dem der ... coole Norddetektiv eine totale Nulpe ist und nur durch die Gegend stolpert. Und so hat Robert Altman immer seine Filme gedreht. Er hat gesagt, ich drehe euch jetzt einen tollen Psychothriller und dann hat er einen Film gemacht, den kein Mensch verstanden hat.
Johannes Franke: Das ist Spike Jonze.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen, genau. Und er hatte halt dann auch nicht so viel Erfolg beim Publikum. Wahrscheinlich war er deswegen auch sauer auf Hollywood.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: The Player ist einer von seinen späteren Filmen, 1992. Ah, okay. Verstehen. Der ist so witzig. Und natürlich wird die Metaebene dann auch noch mal weitergetrieben. Weil... Tatsächlich will ich da jetzt nicht spoilern. Es gibt eine ganz tolle Szene. Sie diskutieren die ganze Zeit über ein Drama. Sie wollen ein Drama inszenieren, das gegen die Todesstrafe ist. Wo es darum geht, dass eine Frau als Unschuldige auf dem elektrischen Stuhl in einer Gaskammer landet. Und dann reden sie die ganze Zeit drüber, dass bloß nicht Hollywood sein soll, bloß nicht zu kitschig, bloß nicht zu dramatisch. Und es wird ständig drüber geredet und es werden immer wieder Ideen reingemoffen. Da sagen sie, nein, nein, nein, wir wollen keine Stars und so weiter. Und dann ganz am Schluss sieht man, wie der fertige Film aussieht. Und dann ist es mit Bruce Wills und Julia Roberts. Und Bruce Willst rettet in letzter Sekunde Julia Roberts aus dieser Gaskammer und trägt sie raus, während sie so halbbenommen sagt, wo warst du? Und Bruce Willst haut den coolen One-Liner raus, ich hab im Stau gesteckt, Baby. Das ist dann so das Ergebnis. Und der Film steckt voll von diesen Momenten, wo sich so super toll über das Filmgeschäft lustig gemacht wird. Großartiger Film. Unbedingt sehend.
Johannes Franke: The Players. The Player. Singular. Okay.
Florian Bayer: Mit Tim Robbins. Und Whoopi Goldberg als Detective, die gegen Tim Robbins ermittelt.
Johannes Franke: Okay. Mein Platz 1. Being John Markovic. Oh ja, schön. Neulich hatten wir darüber schon mal geredet und da habe ich mich daran erinnert und habe dann nochmal so ein bisschen recherchiert. und mich noch mal daran erinnern, wie krass dieser Film eigentlich ist. Diese krasse Szene, wo er wirklich in diesem Restaurant, oder was das ist, alle Figuren spielt.
Florian Bayer: Mekovic, Mekovic, Mekovic, Mekovic. Wahnsinn. Und Spike Jonze und Charlie Kaufman zum Zweiten.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Genau. Wahnsinn. Schöne Kombi, die beiden anscheinend. Aber Charlie Kaufmann ist allgemein so ein Krass.
Florian Bayer: Wahnsinn.
Johannes Franke: Was der für Sachen gemacht hat.
Florian Bayer: Der hat krasse Sachen gemacht. Und ich mag ihn auch als Regisseur. Als Regisseur wurde er ja teilweise so ein bisschen ... weniger gut wahrgenommen, weil die Leute gesagt haben, dass er als Richter zu sehr am Rad dreht und zu wenig Humor hat. Zynik Doch in New York und Anomalisa und der letzte war I'm Thinking of Ending Things. Die waren alle sehr, sehr depressiv. Offensichtlich hat Spike Jonze für den Humor gesorgt in Charlie Kaufmans Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Als er nur Drehbuchautor war und Wenn er jetzt Regime macht, sind seine Filme halt nicht mehr lustig, aber ... Immer noch unglaublich gut und sehenswert.
Johannes Franke: Okay. Krass. Okay. Ja, das waren unsere Top 3 Metafilme. Und wir springen wieder zurück in den Tatort.
Florian Bayer: Hast du gerade bei einer digitalen Aufnahme ein Spulgeräusch von einer Kassette simuliert? Du hast damit angefangen, das vorletzte Mal.
Johannes Franke: Wir sind da echt. Verdammt. wir haben nicht über Federico Fellini geredet, der 8,5 gedreht hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: wurde es ja quasi, also 8,5 werden jetzt fast alle Filme so genannt, die... Dieses Ding machen.
Florian Bayer: Ich habe das bei der Recherche auch gelesen. Ich habe nie das Wort 8,5-Film gehört vorher.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Das steht bei Wikipedia. Vielleicht hat das auch irgendein Troll eingetragen.
Johannes Franke: Weiß ich nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich nenne die Filme Metafilme oder selbstreferenzielle Filme. Ich habe noch nie 8,5-Filme dazu gesagt. Ich finde das auch... Komisch?
Johannes Franke: Keine Ahnung, aber es kann ja sein. Ich muss diesen Film nur sehen.
Florian Bayer: Ach, du hast den nicht gesehen? Nein, ich habe ihn nicht gesehen. Oh, das ist lange her, dass ich den gesehen habe. Ich habe ihn nicht aufgenommen, weil es auch schon länger her ist, dass ich ihn gesehen habe. Aber auch tatsächlich, weil ich nicht der größte Fellini-Fan bin. Also 8,5 ist ein spannender Film und ist auch ein schöner und witziger Film, aber ... Ja, ich bin nicht der größte Fellini-Fan.
Johannes Franke: Okay. Na gut.
Florian Bayer: Na gut. Fellini hat immer so ein ... Also, Fellini ist schon so ein ... dekadenter Snob, bei dem hat man immer das Gefühl, dass in seinen Filmen, seine Filme sind irgendwie so wirklich Männerfantasien, wo man das Gefühl hat, Er träumt sich eigentlich so ein Szenario, wo er in einem Bett liegt und links eine Frau, die ihn mit Trauben füttert und rechts eine Frau, die ihm die Füße massiert.
Johannes Franke: Gott.
Florian Bayer: So Vibes sprühen Fellinis Filme für mich immer aus.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist ein bisschen ungerecht, ich weiß.
Johannes Franke: Okay. Okay. Nun gut, gehen wir also zurück in den... Krimi in den Tatort, der bis jetzt wirklich cool ist, irgendwie diese Metaebene einfach durchzieht, vielleicht, wie du gesagt hast, ein bisschen zu wenig damit spielt. Und jetzt kommen wir... Die Ermittlungen, die Tukor selber angestellt hat, sind relativ weit fortgeschritten. Irgendwie ist das Casino wohl schuld, hat da irgendwie so ein paar linke Gestalten drin. Und dann kommt er in schlechtem Zustand. im Verhörraum an, weil sie ihn... Er erwischt haben, wie er selbst irgendwo schmierig steht und guckt.
Florian Bayer: Wie er den Casino-Angestellten beschattet hat, während dieser Casino-Angestellte auch von dem Kommissar beschattet wurde. Ja.
Johannes Franke: Was eine schöne Szene ist, finde ich gut. Vor allem, weil der Kommissar im Auto sitzt und erst mal guckt, hä? Haben die dann noch jemanden anders hingeschickt? Und wirklich mit denen erstmal Funke. Das finde ich eine super Idee. Toll. realistisch und sehr komedantisch irgendwie. Super. Und dann nimmt er ihn mit und dann sitzt er halt da. Und wartet.
Florian Bayer: Auf den Vorgesetzten.
Johannes Franke: Auf den Vorgesetzten. Der dann kommen soll und ihn verhören soll. Tada. Wer kommt? Natürlich kommt Muro. Seine Figur, die er spielt im Tatort. Und ich finde das Gespräch ganz toll. Das ist ein super Gespräch.
Florian Bayer: Moro berichtet von den Freuden und Leiden einer Filmfigur an. Bedankt sich sehr dafür, dass sie den Tumor, den er offensichtlich hatte, rausgeschrieben haben.
Johannes Franke: Ja, also eine Referenz auf vergangene Tatortfolgen. Mehrere Referenzen, also nicht nur den Tumor, sondern auch irgendwie noch was anderes mit dem Auto und so. Aber vor allem ... Das Drama, dass eine Figur immer nur dann lebt, wenn der Regisseur Action ruft ... Und dann nicht mehr, sobald der Cut ruft. Und dass eine Filmfigur doch eigentlich viel mehr verdient hätte und viel mehr im Leben stehen dürfte, sollte, müsste.
Florian Bayer: Das ist dann auch so ein bisschen die Konklusion. Also Moreau ist tatsächlich der Schuldige an dem Tod. Es war tatsächlich nur ein Unfall. Er war einfach mit diesem Typen... mit dem Christoph im Auto unterwegs. Und er ist gefahren, er war betrunken. Er hat den Unfall verursacht und hat ihn dann auf den Fahrersitz gesetzt. Das war eigentlich der Ursprung der Ermittlungen, Tote Christoph saß auf dem Fahrersitz, der Airbag war losgegangen, also muss er einen Schlag auf den Kopf gekriegt haben. Aber es kommt dann halt raus, er war auf dem... Beifahrersitz und hat also einfach beim Unfall was abgekriegt. Murua hat ihn auf den Fahrersitz gesetzt und ist dann abgehauen. Und er will jetzt auch mal leben. Ich möchte auch mal leben. Ich möchte mal real sein, sagt ja Zutukur.
Johannes Franke: Was sagt er genau?
Florian Bayer: Ich bin hier gar nichts. Ich bin auch nur so eine Idee. Aber ich möchte auch mal leben, mal real sein. Tut mir leid, wenn du das Zitat länger aufgeschrieben hast.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das ist natürlich der... Moment, in dem der Film ins Surreale kippt, weil es wird auch nicht erzählt, dass Tukor hier eine Geistesstörung hat oder so, sondern es ist einfach, das ist Moro. Die Figur hat sich verselbstständigt und ist jetzt in der Realität. Und er bedankt sich für Tukur, weil der tatsächlich diesen ... kriminellen Casinoleuten hinterher spioniert hat, die in der Tat das gemacht haben, das vorhatten, Geld zu klauen von ... Also er hat den Fall gelöst für Muro. Was irgendwie auch ganz praktisch war für ihn. Und er zieht dann von dann. Murot ist frei.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, Martin kommt, hält die Tür auf und spricht mit beiden. Varianten von Uli und eben mit Murot. Holt Murot ab, damit sie zusammen abhauen können.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Was vielleicht... sagen würde, dass Martin nicht mehr Martin ist, sondern eine Version von Martin. Also auch eine Rolle. Die die andere Rolle abholt.
Florian Bayer: Der andere Kommissar. Das ist tatsächlich schön, weil es so offen bleibt. Es bleibt tatsächlich ein Fragezeichen. Es wird nicht gelöst, es gibt nicht diesen klassischen Fight Club Effekt. Ich bin du, du hast dich mir eingebildet, sondern es ist wirklich einfach, diese Meta-Ebene wird aufgemacht und zum Publikum wird gesagt, was ich wirklich schön finde, so, take this.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und das hat mir auch wirklich gut gefallen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie es vorher schon ein bisschen mehr andeuten, ein bisschen mehr in die Richtung ziehen. Aber in der Szene ist das wirklich super gemacht. Noch stärker finde ich dann tatsächlich die Schlussszene, die darauf folgt.
Johannes Franke: Ich auch. Großartig.
Florian Bayer: Wenn Tukur dann ganz allein am Set ist ... Und dann, was ganz viele Zuschauer, man kann es ihnen nicht verübeln, wahrscheinlich gar nicht mitkriegen werden, dass am Schluss die Kamera wegreißt und das Mikro kurz ins Bild hängt.
Johannes Franke: Und jemand ruft Cut.
Florian Bayer: Genau. Es wird eine letzte Metaebene noch mal aufgemacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: dieser Tuku hat sich auch in einem Tatort befunden, in einem Film und wir werden einfach, und das ist wirklich ein wundervolles Metaspiel, also diesen Schluss, Liebe ich. Ich finde diesen Schluss ganz toll, wenn er da steht und wenn sie wirklich diesen klassischen Zähnenabbruch machen. Kamera zieht weg. Wir sehen noch kurzes Mikro ins Bild hängen. Schnittende. Super.
Johannes Franke: Ganz, ganz toll. Ich habe mich sehr gefreut darüber.
Florian Bayer: Ich war auch froh, dass sie das noch draufgepackt haben, weil das irgendwie noch so, das hat es irgendwie auch nochmal gebraucht. Und umso mehr habe ich gedacht, schade, dass sie es vorher nicht mehr angedeutet haben, mehr damit gespielt haben, weil am Schluss spielen sie ganz toll damit.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist eine Redaktionsproblematik. Ich glaube nämlich, dass viele diesen Gedanken hatten, also jetzt meine Unterstellung, dass es diesen Gedanken durchaus gab, das früher und mehr einzubauen, Dass aber der typische Satz vom Redakteur kommt, oder vielleicht tue ich dem Redakteur jetzt Unrecht, aber vielleicht andere Instanzen, die dann sagen, das können wir... Das ist sowieso schon schwierig. Das können wir dem Zuschauer nicht zumuten. Weil der Tatort wirklich ein bestimmtes Beziehelpublikum hat. Und... Wir haben das letzte Mal gesagt, dass der Tatort irgendwie so, das Zielpublikum ist 70. Aber es stimmt nicht ganz. Ich habe nochmal nachrecherchiert. keine echten Zahlen dafür, wie die Altersstruktur vom Tatort ist, aber der Altersdurchschnitt vom ZDF Und ARD. Und in Öffentlichen ist 62. Krass. Das ist der Durchschnitt. Da sind die Jungen schon dabei.
Florian Bayer: Ja, das ist wirklich krass.
Johannes Franke: Und ja, ich kann verstehen, dass dann ein Fernsehmacher sagt ... nicht zu abgefahren, bitte. Das ist schon schwierig, ist schon schwer zu verdauen, aber dann haben wir diese eine Szene am Ende, die ist... Weird, aber bis dahin konnte der Zuschauer folgen und dann ist es vielleicht am Ende ein bisschen schwierig. Das gebe ich euch, aber bitte nicht den ganzen Film über. Das ist meine Vorstellung davon, wie so ein Produktionsgespräch abläuft.
Florian Bayer: Kann ich mir auch gut vorstellen. Ich kann mir auch vorstellen, Und wahrscheinlich gab es viele Diskussionen über verschiedene Szenen und über verschiedene Sachen, wo gesagt wurde, können wir das machen? Vielleicht ist ... der Schere da auch einiges zum Opfer gefallen, was wirklich toll gewesen wäre, was den nochmal auf eine neue Ebene gehoben hätte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber um zu deiner Seiltanz-Analogie zurückzukommen vom Anfang, es war halt doch ein ziemlich dickes Seil, auf dem der Tatort tanzt.
Johannes Franke: Ja, es stimmt schon richtig. Aber für deutsche Verhältnisse ist es halt keine, es ist kein Gang durch Versailles, wo alles... für alles Gesorgtes, sondern es ist schon so ein bisschen, für deutsche Verhältnisse ist es eine Planke.
Florian Bayer: Wir sind ja jetzt von der Tatortanalogie zur Schlossanalogie gegangen. Das sind zu viele Symbole, da komme ich nicht mehr mit.
Johannes Franke: Ja, Flor, deswegen ist der Film auch nicht zu sehr gespickt mit solchen Sachen, wenn du da schon nicht mehr mitkommst. Wie soll der normale Zuschauer? Ja, aber ich finde es ganz toll, dass sie es gemacht haben und ich finde es ganz toll, dass es die Tukor-Sachen gibt. Und es scheint ja noch mehr in die Richtung zu gehen und die will ich tatsächlich alle sehen. Also ich will mir die einfach anschauen. Ich habe das Gefühl, es lohnt sich. Wenn man auf Amazon Prime ist und dort noch ein zusätzliches Paket für ARD. ARD Plus oder ARD. Genau. Dazu bucht, kann man ganz viele Murotatorte sehen.
Florian Bayer: Ja, was ich übrigens echt problematisch finde, ich glaube, wir hatten das letzte Mal schon angedeutet, Ich finde es immer voll schwierig, also ich kann es total gut verstehen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sagen, Wir können nicht nur von den Gebühren leben. Wir brauchen irgendwie noch andere Einnahmequellen. Wir machen Werbung, wir machen auch Co-Produktionen mit Sky oder so. Werbung finde ich total okay in den ÖRs. Ich finde es aber echt problematisch, wenn so eine Zweitverwertung stattfindet. für die zusätzlich noch mal Gebühren anfallen. Und zwar in dem Rahmen. Also zum Beispiel ... Du kannst den Film, so hab ich ihn jetzt geguckt, du kannst ihn bei Amazon kaufen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und da kostet er drei Euro. Hast du das Abo gemacht?
Johannes Franke: Ich hab das Abo gemacht.
Florian Bayer: Ah ja, okay. Und ... Ich habe es aber auch so mit so ein bisschen Magenkrumm gemacht, weil ich das Gefühl habe, wenn es schon so einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt wie in Deutschland, der wirklich viele positive Seiten hat. Ich bin, auch wenn ich kein großer TV-Konsument bin, auch kein großer ÖER-Konsument, finde ich, der öffentliche Rundfunk hat sehr viel Gutes und ihm wird oft Unrecht getan in der Kritik. Und er ist ja in den letzten Jahren gerade so von rechts wieder ganz stark in die Kritik geraten. Ich bin gerne und oft dabei, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verteidigen. Aber ich finde, wenn es um die Zweitverwertung geht ... könnte vieles besser laufen.
Johannes Franke: Die Sache ist schon die, du hast, wenn du Tatort hast, wahnsinnig viele Rechte zu vertreten. Musiker, du willst auch ... mit bestimmten Verträgen, bestimmten Regisseuren für eine Zweitverwertung nochmal Geld geben und so weiter. Das heißt, du hast Ausgaben... mit jeder neuen Verwertung. Die müssen gedeckt werden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Deswegen finde ich es schon verständlich, dass sie dafür nochmal irgendwie Geld nehmen müssen, damit sie es ausstrahlen können. Sie müssen ja Geld in die Hand nehmen, damit es geht. Aber warum dann bei Amazon Prime für nochmal das... Mit so einem Abo? Mit so einem Abo.
Florian Bayer: Wovon jeder weiß, dass Amazon... 30, 40 Prozent wahrscheinlich kassieren wird? Ja. Das will mir nicht so ganz in den Kopf, weil...
Johannes Franke: Also ich meine, Sie haben ja auch den Tatortreiniger bei Netflix untergebracht. Ja. Warum geht das nicht mit den...
Florian Bayer: Aber okay, Netflix ist natürlich auch problematisch. Wir sagen das jetzt so einfach, aber Netflix ist natürlich auch ein monatlicher Abo-Preis.
Johannes Franke: Ja, ist richtig, aber Amazon Prime ohne zusätzliche Gebühren würde ich auch okay finden.
Florian Bayer: Ich glaube, die sollten ... Um jetzt mal den öffentlichen Rundfunk zu reformieren.
Johannes Franke: Okay, reformieren wir den öffentlichen Rundfunk. Ähm,
Florian Bayer: Was ich gut fände, wäre, wenn sie das unabhängig machen von den großen amerikanischen Konzernen. wo Amazon ganz eindeutig reinfällt. Bei Netflix kann man sogar noch, nee, Netflix kann man auch nicht mehr drüber diskutieren. Wo ganz klar ist, das Geld ... Sie machen das selbst und sie refinanzieren das. Sie bauen sich eine Plattform auf, meinetwegen mit einem monatlichen Abo, das nennt man irgendwie ÖR Plus. Und da gibt es dann das Archiv und zwar wirklich alles. Das heißt, ich will auch die Möglichkeit haben, Sendungen aus den 60ern zu sehen, obskure Shows, die sie in ihren Archiven haben. Einfach, um ein vernünftiges Digitalarchiv zu haben. Und diese Abogebühren werden natürlich zum einen gegen den Service geworfen. Und ich wette mit dir, das ist refinanzierbar. Das funktioniert. Weil die treten an Amazon, treten sie echt viel ab, wenn sie da ein Abo drin haben, wenn sie da einen Abo-Kanal haben. Damit wird das refinanziert und dann könnte man tatsächlich überlegen, die gesamte Rundfunkkostenverteilung. Das wäre so meine Traumvorstellung, als eine Art Genossenschaft zu betrachten. Das heißt, die Zuschauer, die bezahlen, sind Teil dieser Genossenschaft. Und am Ende, wenn es tatsächlich Gewinne gibt, dann werden die auch ausbezahlt. Das heißt, du bezahlst Was bezahlst du Rundfunkgebühren im Moment im Monat? 8 Euro?
Johannes Franke: 8 Euro, ja, irgendwie sowas.
Florian Bayer: Du bezahlst brav deine 100 Euro im Jahr. Und dann am Ende des Jahres wird einmal geguckt, was gab es für Ausgaben, was gab es für Einnahmen, was haben wir zusätzlich eingenommen. Und dann wird ausgeschüttet. Und es muss ja nicht eine Nullrechnung sein, ein öffentlicher Rundfunk kostet Geld. Aber Einfach, dass Zuschauer das Gefühl haben, Teil davon zu sein. Weil ... Ich bin überhaupt kein Fan von diesem Palawan gegen Zwangsgebühren und gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der uns zwingt, so viel Geld zu bezahlen und wir kriegen nichts davon. Ich glaube, dem könnte man entgegentreten, indem man einfach sagt, es ist wirklich ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk und wenn da mehr Geld rausspringt, dann profitiert ihr davon. Ihr habt 100 Euro einbezahlt, ihr kriegt 70 zurück. Ende des Jahres. Vielleicht kriegt ihr sogar 100 zurück, vielleicht sogar 120 in einer idealen Welt, in der genug durch Werbeeinnahmen und Zweitverwertung über ... Plus und so eingenommen wurde. Weil dann würde es sich auch so anfühlen, wie der Geist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eigentlich sein sollte, dass er im Besitz der Zivilgesellschaft ist und nicht Und nicht sowas obskures im Hintergrund, was reguliert wird von Parteien oder von Parteipolitikern und so weiter.
Johannes Franke: Was ja tatsächlich ein echtes Problem ist.
Florian Bayer: Was ein totales Problem ist. Die Parteidurchsetzung in den Rundfunkräten ist problematisch. Aber um nochmal den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verteidigen, ich finde, es sind gute Sachen entstanden in den letzten Jahren, auch zum Beispiel, was auf YouTube gemacht wird, diese Funken.
Johannes Franke: Die ganze Funkgeschichte ist großartig.
Florian Bayer: Und auch, dass da junge Leute reingezogen werden. Das machen die wirklich gut. Und ja, natürlich, also öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat schlechte Seiten, hat positive Seiten. Ich finde es total gut, dass es bei uns so was gibt. Und wenn ich auf andere Länder gucke, Finde ich, ist das auch wirklich ein Vorteil, weil es ist ein Stück Unabhängigkeit in der medialen Landschaft und ich glaube, die ist auch bewahrenswert.
Johannes Franke: der wird halt nicht gut genug genutzt. Weil wir sind fast besser finanziert als die BBC, die für bessere Produktionen hinkriegt.
Florian Bayer: Stimmt.
Johannes Franke: Das ist schon echt krass.
Florian Bayer: Es ist auch so, dass so viel Geld für Fußballrechte, es fällt ja gerade so ein bisschen raus, aber dass für sowas so viel Geld investiert wurde. Aber ich glaube, das ist vielleicht nicht unbedingt das Programm, was in den öffentlichen und rechtlichen Rundfunk gehört, zumindest nicht zu diesem Preis, weil was könnte man mit dem Geld machen, das da rausgeschmissen wurde für... diverse internationale Wettbewerbe. Das sollte vielleicht nicht Das sollte vielleicht auf der Prioritätsliste eher ein bisschen weiter unten stehen. Ich finde es total richtig, dass sowas auch... dass so was gemacht wird wie Rosamund Pilcher-Verfilmungen, so was wie Tatort. Ich finde es richtig, dass so was gemacht wird wie Musikantenstadel und so. Weil dafür gibt es halt auch ein Publikum und das wäre wirklich aufgeschmissen. Und ich finde es total gut, dass in Jugendformate investiert wird, ganz viel. Wie Funk eben... Ich finde es gut, dass es so etwas gibt wie die Tagesschau, die einfach mal eine Instanz ist, was Nachrichten betrifft. Es wäre echt ein großer Verlust, wenn die wegfallen würde.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: ganz viele journalistische Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind wirklich gut und werden auch ihrem ihrer Verantwortung, der Unabhängigkeit wirklich gerecht, setzen sich auch sehr kritisch auseinander mit mit der Politik, mit regierenden Parteien und so weiter, wo man merkt, dass es wirklich ein Bemühen gibt, überparteilich zu sein und unabhängig zu berichten. Aber es wird halt auch viel Geld verschwendet. Man müsste natürlich gucken, was für Renten bezahlt werden und was für Gehälter bezahlt werden. eine Neiddebatte daraus zu machen. Aber trotzdem einmal schauen, okay, müssen wirklich so viel Gelder an den Vorstand ausgeschüttet werden? Könnte man das nicht besser organisieren? muss es so viele Subabteilungen geben. Das sind ja auch Monstren, die Öffentlich-Rechnen.
Johannes Franke: Ja, so viel Geld. Ich habe mal eine erschreckende Zahl gehört, die ich leider nicht mehr wieder hochkriege. Eine Prozentzahl, eine schwindelerregende Höhe von Prozentzahl geht nicht in die Kunst oder die Herstellung des Films, sondern in den Verwaltungsapparat. Und das ist wirklich bitter.
Florian Bayer: Ja. Und natürlich brauchst du den Verwaltungsapparat, aber vielleicht nicht in dieser Größe, vielleicht nicht in dieser Ausformung. Und dann gäbe es auch, glaube ich, wenn sie das schaffen würden, gäbe es auch, glaube ich, nochmal eine neue Wahrnehmung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dann wäre... den Kritikern halt auch so ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen. Und unabhängig davon fände ich es als Zuschauer halt ganz toll, ein Archiv zu haben von ... 70 Jahre deutscher Fernsehgeschichte. Wie geil wär das denn? Du darfst dir Nachrichtensendungen aus den 50ern angucken und irgendwelche Reportagen und Filme.
Johannes Franke: Ja, das wäre toll. Ich finde dieses Genossenschaftsmodell, was du ansprichst, gar nicht so schlecht. Dann hat man eine Jahreshauptversammlung, werden alle gefragt, was wollt ihr denn sehen? Dann wird geguckt, okay, sonst so viel Prozent wollen in den Musikantenstall. Dementsprechend wird dann prozentual eben verteilt, was wir... sehen wollen. Das ist toll. Und ich fühle mich auch wohler als Angestellter, als Schauspieler. einer Gesellschaft, für die ich das dann tatsächlich mache und nicht für die Redakteure. Ja.
Florian Bayer: Also, ja, ist vielleicht ein bisschen utopisch. Aber ich glaube, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist total reformbedürftig und gleichzeitig ist er total erhaltenswert. Das wäre so mein Fazit dazu.
Johannes Franke: Cool. Ja, dann dafür lasst uns streiten. Oder so.
Florian Bayer: Voll das sexy Thema. Wir kämpfen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rundfunk, auf die Straße, auf die Barrikaden. Lasst uns die Rundfunkhäuser besetzen. Ja, morgen. Ich habe auch kurz überlegt, ob ich schreien soll, sonst wollt ihr den totalen Rundfunk.
Johannes Franke: Okay. Wir haben eine ganz, ganz wundervolle Debatte über das deutsche Fernsehen hinter uns. Sind wir schlauer?
Florian Bayer: Ein bisschen. Ich weiß nicht. Gute Frage.
Johannes Franke: Ich fühle mich ein bisschen berechtigter, über das deutsche Fernsehen zu reden.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Ich habe wieder festgestellt, dass ich, als ich bei TV-Produktion mal geguckt habe, was so aktuell ist, habe ich festgestellt, dass tatsächlich mein Link zum deutschen Fernsehen, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, extrem dünn ist. Weil ich einfach kein öffentlich-rechtlich weil ich kein Fernsehen gucke und auch wenig Zeug gucke, was im Fernsehen gelaufen ist. Es passiert immer mal wieder, dass ich drüber stolpere über Sachen, die vor ein paar Tagen im Sender liefen, weil ich bin halt tatsächlich YouTube-Konsument und ARD und ZDF, Tagesschau und diverse andere Formate gehören halt irgendwie auch zu meinen Abos. Das heißt, manchmal ploppt in meinem YouTube-Algorithmus auf diese 45-Minuten-Reportage über den Nahostkonflikt solltest du dir angucken. Und dann gucke ich das auch manchmal. Aber genau, das ist so mein einziger Link zum Fernsehen. Und zwar wirklich Non-Fiction. Fiction-Formate überhaupt nicht.
Johannes Franke: Dabei gibt es tatsächlich ein paar schöne Sachen, wie wir vorhin festgestellt haben. Und Ja, ich würde gerne einmal sagen, Leute, schaut tatsächlich mehr deutsches... Fernsehen, aber eben nicht linear, wie das so, sondern eben wirklich einfach sucht euch die Sachen raus. Und macht euch die Mühe, das wirklich mal zu recherchieren, was es Tolles gibt, weil AD und ZDF tatsächlich gute Produktionen auch herangeschoben haben, wie zum Beispiel... Charité und Kudamm 56, was ich vorhin sagte, oder Deutschland 83 und diese ganzen Sachen. Also sowas... Kann man sich schon mal anschauen.
Florian Bayer: In der Zeit, als wir als junge Leute medial sozialisiert wurden, Wäre es ein total subversiver Akt gewesen zu sagen, Leute schaut mehr Fernsehen, weil alle Fernsehen geguckt haben. Und heute wirkt es fast altbacken, das zu sagen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Hängt weniger im Internet rum. Guckt mehr Klotzer. Wir haben damals kein Modem gebraucht und keinen Router. Wir haben einfach eine Fernbedienung genommen und haben es angemacht. Wir haben noch quadratische Augen gekriegt. Florreiche Zeiten, die lange vorbei sind.
Johannes Franke: Ja, wir haben kein Modem gebraucht. Stimmt nicht ganz. Das Modem war bloß zu laut, um was zu gucken. Wer war denn der Täter? Wer war denn der Täter? Ich kann ihn nicht verstehen.
Florian Bayer: Aber es ist tatsächlich so, dass... TV hatte ja in den 80ern und 90ern wirklich auch sowas, was die Familie zusammengebracht hat. Da saß man zusammen samstagsabends und hat Wetten, das geguckt. Ja. Und das ist so ein bisschen was, was verloren gegangen ist, dadurch, dass es nicht mehr dieses große Ereignis gibt, was man dann auch wirklich gucken muss, um am Montag drüber reden zu können.
Johannes Franke: Wetten, dass?
Florian Bayer: Ich habe kurz drüber nachgedacht, ob ich es als Honorable Mention zu den TV-Produktionen zähle, weil es wirklich Generationen geprägt hat und wirklich ein großes, ambitioniertes Showformat war.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Okay, lass uns nach drei Stunden... dann doch diese Folge des Podcasts einmal beenden. Wenn ihr wissen wollt, was als nächstes drankommt, wir werden gleich nochmal drüber reden. Dann kriegt ihr nochmal die Ukulele um die Ohren gehauen und dann sehen wir uns nächste Woche wieder. Plur, vielen Dank für diesen horizonterweiternden Diese Woche. Cut.
Florian Bayer: Oh Mann. Danke Johannes, aber das war echt anstrengend.
Johannes Franke: Was gibt es heute zu essen in einer Kantine? Ah, weiß nicht.
Florian Bayer: Sag mal, wir müssen da, glaube ich, noch hier... Hast du das schon umgestellt?
Johannes Franke: Nee, ich weiß nicht. Ist das schon immer so? Muss das da blinken?
Florian Bayer: Ich glaube, ja.
Johannes Franke: Oh. Oh, nein, was aus, was aus, was aus, was aus.
Florian Bayer: Awkward silence?
Johannes Franke: Habe ich also irgendeine geile Idee? Nein. Verdammt.
Florian Bayer: Ich dachte ja eigentlich, als ich gesagt habe, ich glaube hier, dass das der Moment ist, wo es so absch... ausgeht. Aber jetzt, das Einzige, wie wir das jetzt noch retten können, ist, indem wir mich mitten im Satz abschneiden. Und das war jetzt der Moment, wo du abschneiden musst dann, ne? Und das darfst du nicht mehr hintendran machen. Es sei denn, du schneidest mich jetzt raus. Aber das musst du nochmal überlegen, wann du es machen willst.
Johannes Franke: Weißt du, aber ich erzähl dir gleich... Employer, wir müssen doch noch was.
Florian Bayer: Ja, ganz wichtig. Stimmt. Aufgaben für nächste Woche. Wie sieht es aus? Ich habe gar keine Zeit, was zu gucken. Ich habe so viel zu tun. Dann nehmen wir was Kurzes. Gibt's ein filmisches Pendant zu diesem Musikstück, das, wie heißt das noch, 433, glaube ich?
Johannes Franke: 4,33? Was?
Florian Bayer: Von John Cage. Kennst du nicht?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Es gibt einen Song von John Cage, der heißt 4,33. Und der besteht aus 4 Minuten und 33 Stille. 33 Sekunden Stille.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Großes Meisterwerk. Ja, ja. Klassiker der postmodernen, experimentellen Musik. Und es gibt eine ganz tolle Aufführung auf YouTube. Ich glaube, die muss ich jetzt noch in die Showdowns halten, die wirklich super ist, weil mit Dirigent und mit Orchester der Dirigent... Stimmt an und dann ist halt Stille. Und dann wischt sich der Dirigent zwischendurch den Schweiß ab. Was auch mit Gelächter im Publikum quittiert wird. Und dann, es hat mehrere, wie sagt man, bei Kompositionen mehrere... Ähm... Tja, jetzt fehlt mir das klassische Musikverständnis.
Johannes Franke: Ach, Plur, ich bin enttäuscht.
Florian Bayer: Eine Komposition setzt sich zusammen aus verschiedenen Partituren? Du musst mir helfen, Johannes. Du hast viel mehr Ahnung von Musik als ich. Sätze? Sätze? Ja, vielleicht Sätze. Auf jeden Fall nach einem Satz, sagen wir jetzt einfach mal. Ist dann natürlich auch eine kurze Pause und dann macht das Publikum mit. Das Publikum hustet dann. Wie sich es halt gehört für so eine Aufführung. Und dann ist ganz klar jetzt Pause, dann wird gehustet und dann geht's weiter.
Johannes Franke: Ist das cool.
Florian Bayer: Großartiges Stück aus dem Jahre 1952. Okay. Drei Sätze. John Cage, Amogat, experimentelle Musik.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Gibt es dazu ein filmisches Pendant, ein Film, der nicht stattfindet? Dann können wir das nämlich nehmen. Wahrscheinlich nicht.
Johannes Franke: Wenn ich mal Ferien mache, könnten wir eine Episode rausbringen. die nicht stattfindet.
Florian Bayer: Andy Warhol könnte sowas gedreht haben, der hat ja wirklich irre Filme gemacht, wie Sleep zum Beispiel, wo er stundenlang seinen Freund beim Schlafen filmt.
Johannes Franke: Ich wollte mal Cat-Content machen. Ich wollte dich die ganze Zeit überreden. Weißt du noch? Ich hatte dich mal versucht zu überreden. Houdini, meinen Kater. Einfach nur beim Schlafen zu filmen und zwar zwei Stunden und das reißerisch mit Cat-Content zu veröffentlichen und es passiert einfach nichts.
Florian Bayer: Ich finde ja nach wie vor die Idee gut, die wir hatten, mal für so einen nihilistischen YouTube-Kanal, wo wir dann auch so was machen wie ein Video, wie schneidet man richtig eine Mango? Da gibt es tausend Videos, aber ein Video, in dem nichts passiert, in dem nur die Vorbereitungen gezeigt werden, so aus Vogelperspektive. Das kann man wirklich ausreizen.
Johannes Franke: Oh nein. Die ganze Vorbereitung. Legst du das richtig ordentlich hin? Das würde richtig gelingen.
Florian Bayer: Weil diese ganzen Anleitungsvideos sind nämlich meistens, um Zeit zu schinden, darauf aufgebaut. Weil so ein How to Cut a Mango, das ist jetzt nicht sehr abendfüllend.
Johannes Franke: Nein, nein.
Florian Bayer: Aber diese Videos gehen trotzdem 10 Minuten, weil alles nochmal gezeigt werden muss.
Johannes Franke: Und dann Zeitlupe oder was?
Florian Bayer: Nee, es ist einfach, sie lassen sich einfach extrem viel Zeit, bis sie zu diesem Schneideprozess kommen.
Johannes Franke: Okay. Willst du mir so ein Video für nächste Woche aufgeben?
Florian Bayer: Nee, ich will dir jetzt endlich mal einen Horrorfilm aufgeben.
Johannes Franke: Willst du mir einen Horrorfilm aufgeben? Und zwar...
Florian Bayer: Es ist merkwürdig, ich bin wirklich Horrorfan, ich liebe Horrorfilme.
Johannes Franke: Du weißt, dass es nicht so ganz mein Genre ist.
Florian Bayer: Ich weiß es. Aber ich habe auch einen besonderen Horrorfilm für dich, der satirische Elemente hat und gesellschaftskritische Elemente. Und der auch eher zum Genre des Post-Horror gezählt wird.
Johannes Franke: Ich wollte gerade fragen, wahrscheinlich eher Post-Horror. Ich habe ja einen Artikel von dir mal vorlesen dürfen ... Zum Posthorror. Stimmt. Und das fand ich dann spannend dann wiederum.
Florian Bayer: Ja, es ist faszinierend, was in den letzten Jahren von Regisseurinnen und Regisseur mit dem Genre gemacht wurde. Es war wirklich, dass das als Tableau diente, um gesellschaftskritisch zu sein, um satirisch zu sein oder auch einfach, um großes Drama zu erzählen. Also ich meine zum Beispiel der Leuchtturm.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Der fährt da auch rein.
Johannes Franke: Ja, auch wenn er wirklich abgefahren war, muss man mal sagen.
Florian Bayer: So abgefahren ist der Film, den ich für dich habe, nicht. Der ist relativ geerdet, auch nicht zu brutal. Aber es ist ein Horrorfilm und er hat satirische Momente. Es ist Us von Jordan Peele.
Johannes Franke: Zeigt mir gar nichts.
Florian Bayer: John Peel ist vor allem durch Get Out vor ein paar Jahren sehr durch die Presse gereicht worden, als Erneuerer des politischen Horrors. Und ich fand Ass, der Nachfolgefilm, den fand ich aber noch mal ein Stück stärker. sehr gespannt, was du dazu zu sagen hast.
Johannes Franke: Ich auch. Okay, dann gucke ich mir halt einen Horrorfilm an. Okay. Ich werde mit Houdini krallen und in den Arm nehmen und sagen, du musst mich jetzt beschützen, den ganzen Film über.
Florian Bayer: Jetzt musst du dich aber auch revanchieren, indem du mir Good Old Hollywood vorsetzt.
Johannes Franke: Es ist tatsächlich Good Old Hollywood. Yes. Du Gedankenleser, ich hatte überlegt, dir wirklich die ganz alte Ära nochmal vorzusetzen, aber... Jetzt kommt der Twist. Also sie haben 2011, vielleicht hast du es schon, sie haben einen schwarz-weiß Stummfilm gemacht. Erinnerst du dich? Ja.
Florian Bayer: Ja, den habe ich auf meiner Liste schon ewig.
Johannes Franke: Genau, und der ist so abgefeiert worden und ich habe ihn gesehen in im Kino und ich fand ihn ganz toll und ich würde ihn wahnsinnig gerne nochmal gucken, um zu gucken, ob der wirklich so toll war oder ob ich mich nur daran erinnere, weil ich eben Stumpf, wenn ich so toll finde.
Florian Bayer: Oh, super. Ich bin total gespannt, weil den habe ich schon lange auf der Liste und auch tatsächlich aus ... Einfach aus den Gründen, dass ich denke, okay, das ist so eine Wissenslücke, weil der Film wurde abgefeiert, hat zig Oscars gekriegt, soweit ich mich erinnere. Und den muss ich einfach noch, muss ich einfach sehen. Ja, das ist sehr gut. Und das ist so ein typischer Johannesfilm.
Johannes Franke: Ja, das ist ein totaler Johannesfilm.
Florian Bayer: Ich freu mich drauf.
Johannes Franke: Okay, cool, dann sehen wir uns nächste Woche. Viel Spaß beim Gucken.
Florian Bayer: Dir auch, danke.
Johannes Franke: Und euch auch viel Spaß beim Gucken und wir sehen uns in einer Woche oder hören uns in einer Woche wieder. Kommt gute Woche. Bis dann.
Florian Bayer: Und hört euch John Cage an.
Johannes Franke: 4.33. Bis dann.
Florian Bayer: Schau den Link in die Show Notes. Bis dann. Ciao.
