Episode 24: Rosamunde Pilcher: Wie verhext, Tatort: Murot – Wer bin ich?
In Folge 24 befinden wir uns wirklich in einer kompletten „Fish out of Water“-Episode. Weder Florian noch Johannes sind große Liebhaber der deutschen Fernsehunterhaltung, egal ob es sich um eine von Kritikern und Fans geschätzte Krimireihe wie den Tatort handelt oder um eine Romantikserie für ein sehr spezifisches Publikum wie Rosamunde Pilcher. Trotzdem wollen wir versuchen uns beiden Phänomenen unvoreingenommen und sachlich zu nähern. Zumindest mit „Murot – Wer bin ich?“ haben wir auch einen eher experimentellen Vertreter der deutschen TV-Landschaft vor uns, spielt dieser doch mit Metaebenen und Selbstreferenzialität und könnte so durchaus auch Anschauungsmaterial für einen Hochschulkurs in postmoderner Kulturwissenschaft sein. Wie verhext dagegen ist ein traditioneller Pilcher-Film mit viel Herz Schmerz an der Südwestküste Englands.
Passend zu den beiden Werken reden wir über unsere liebsten deutschen Filme und unsere liebsten deutschen TV-Produktionen, sowohl was Fiction als auch Non-Fiction betrifft. Wir listen einige Meisterwerke des selbstreferenziellen Kinos auf und kommen auch auf den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die GEZ zu sprechen.
Rosamunde Pilcher: Wie verhext [Käthe Niemeyer]
(DE 2021)
Mein ursprünglicher Impuls war es diese Einführung mit folgendem Satz zu starten: Ihr Name ist [ˈɹɒzəmənd ˈpɪltʃə]! Mit Ausrufezeichen, um der Germanisierung der 2019 verstorbenen britischen Autorin entschieden entgegen zu treten. Jetzt habe ich mich aber doch für etwas anderes entschieden; und zwar die Frage: Ist ihr Name [ˈɹɒzəmənd ˈpɪltʃə]? Denn auch wenn Pilcher weltweit mit ihren romantischen Liebesromanen und Kurzgeschichten unfassbar viel Geld verdient hat, wird sie der Nachwelt doch vor allem durch ihre deutsche Rezeption in Erinnerung bleiben. Und in dieser ist der eingedeutschte Name Rosamunde Pilcher nunmal berühmt geworden für zahllose für das ZDF produzierte Verfilmungen ihrer Beststeller. Über 100 Filme kennt die entsprechende Reihe und löste einen gewaltigen teutonischen Touristenboom nach Cornwall und Devon im Südwesten Englands, für den selbst die dort beheimateten Briten sehr dankbar sind.
Wie verhext aus dem Jahr 2021 ist eine derartige deutsche TV-Verfilmung der Kurzgeschichte “Tea with a witch” … und viel mehr muss dazu auch eigentlich nicht gesagt werden. Oder viel mehr sollte ich vielleicht dazu nicht sagen. Denn seien wir mal ehrlich: Ich bin nicht im geringsten Zielpublikum dieser Art von TV-Schnulze. Natürlich wäre es bequem, sich über den Kitsch, den Pathos, die simple Geschichte, die generische Bildsprache ezetrera pepe lustig zu machen. Vielleicht zu bequem. Also fasse ich mich hier kurz und gebe erst einmal zu Protokoll, dass ich den TV-Film Kostümbildnerin, die wegen einer astrologischen Vorhersage zurück in ihr Heimatdorf reist, um dort den ihr prophezeiten Traummann zu gewinnen, wirklich schlecht fand. Dass er so ganz und gar nicht meinen Geschmack getroffen hat, weder narrativ, noch dramaturgisch, noch ästhetisch. Aber wie gesagt, ich bin nicht die Zielgruppe. Und auch wenn ich mit Sicherheit gleich nicht drumherum kommen werde, über das ein oder andere Detail dieses Neunzigminüters zu schmunzeln, zu lästern oder zu lachen (und darauf freue ich mich auch ein wenig) ist es vielleicht spannender, bevor wir in gehässige Kritik abrutschen, zu schauen, was die Faszination von Rosamunde Pilcher ausmacht, warum sie so gut im deutschen TV-Markt funktioniert und was dies über die Sehgewohnheiten des (deutschen) TV-Publikums aussagt.
Oder was denkst du Johannes?
Tatort – Murot: Wer bin ich? [Bastian Günther]
(DE 2015)
Der Tatort. Speerspitze des deutschen Fernsehens und mit mehr als 1100 Filmen und mit teils über 10 Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung, eine der beliebtesten oder gar DIE beliebteste Fernseh-Reihe in Deutschland überhaupt.
Dabei gibt es gar kein richtiges durchgezogenes Konzept. Es gibt im Idealfall einen Kriminal-Fall und einen oder mehrere Ermittler die ihn lösen. Das könnte auch die SOKO und den Polizeiruf umschreiben. Warum ist der TATORT der mit dem guten Ruf? Und wie oft wird er ihm gerecht? Zeit wenigstens mal eine Stichprobe zu nehmen. Wir haben uns willkürlich den Tatort mit dem Titel „Wer bin ich?“ ausgesucht, in dem Ullrich Tukur, der Schauspieler des Kommissar Murot, der normalerweise im Film die Morde aufklärt, selbst des Mordes verdächtigt wird. Wir steigen zwar in den eigentlichen Film ein, aber gleich wieder aus. Der Regisseur ruft “CUT” und wir verfolgen Ulli, wie er vom Mord erfährt, wie die Dreharbeiten zum Tatort unterbrochen werden, wie er verdächtigt wird, wie er versucht sich zu verteidigen und verzweifelt versucht sich zu erinnern, was verdammt nochmal letzte Nacht passiert ist.
Ein Film der für deutsche Verhältnisse sehr waghalsig auf Metaebenen hochseilaktös balanciert. Die Frage ist: Tritt er daneben? Was meinst du Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 24: Rosamunde Pilcher: Wie verhext, Tatort: Murot – Wer bin ich? Publishing Date: 2021-06-16T13:36:46+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/06/16/episode-24-rosamunde-pilcher-wie-verhext-tatort-murot-wer-bin-ich/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv, das wird lustig. Diesmal ist es eine etwas andere Episode. Und zwar eine Fish-out-of-Water-Episode für uns beide. Wir haben nämlich zwei Sachen rausgesucht. Deutsche TV-Produktion, in denen wir uns eigentlich nicht so zu Hause fühlen. Haben wir überhaupt deutsche Produktionen in unseren Listen bis jetzt gehabt? Kann sein, dass wir mal einen deutschen Film dabei hatten. Mir würde aber spontan keiner einfallen. Ich weiß, auf meinen besten Listen tauchen regelmäßig deutsche Sachen auf. Ja, ursprünglicher Anlass war ja tatsächlich, dass ich in den letzten Episoden irgendwann angefangen habe, Witze zu machen über Johannes' Filmgeschmack und dann immer mal wieder Rosamunde Pilcher erwähnt habe, ohne diese Frau zu kennen, ohne ihr Werk zu kennen und ohne ihre Verfilmung zu kennen. Aber das einfach Synonym benutzt habe für schnulzigen Kitsch. Und dann war, das letzte Mal war der Bogen offensichtlich überspannt. Dann haben wir gesagt, so, bevor wir jetzt weiter darüber lästern, müssen wir auch mal schauen, worüber wir überhaupt reden. Ja, genau. Wir haben beide diese Woche unseren ersten Rosamunde Pilcher Film geschaut. Meine Güte. Fangen wir an. Wir reden über Rosamunde Pilcher und danach geht es weiter mit dem Tatort, was auch für uns Fish Out of Water ist. Auch wenn Tatort mittlerweile von vielen Zuschauern aus unserer Altersgruppe, aus unserer Social Bubble rezipiert wird. Wir sind beide keine Tatort-Fans. Du kennst wahrscheinlich deutsches TV mehr als Lektüre, denn als tatsächliche Filmvariante. Ja, ich wollte gerade sagen, als deutscher Schauspieler muss man, glaube ich, ziemlich schmerzbefreit sein, was Angebote betrifft aus der Soap- und Telenovela-Ecke etc. Genau, genau. Und um ganz kurz das Intro abzuschließen, in der ersten Episode hatten wir einen deutschen Film, 100 Jahre Adolf Hitler. Ach, stimmt. Von Christoph Schlingensief und Johannes hat ihn gehasst. Ja. Und das war bis jetzt unser einziger deutscher Film nach über 20 Episoden. Skandinavische Filme, mehrere skandinavische Filme. Wir hatten zwei Schweden dabei bis jetzt. Oh mein Gott. Das ist so kartoffelig zu sagen, dass man der Diversität Vorschub leistet, indem man was Deutsches bespricht. Oh mein Gott. Oh fuck. Tut mir leid. Am besten lassen wir einfach nähere, nähere Angaben und steigen gleich ein. Ja. Mit Rosamunde Pilcher. Ja, es gibt ihn auf jeden Fall noch eine Zeit lang verhext, aber ich habe auch das Gefühl, tatsächlich reicht es, wenn man einen von diesen Filmen gesehen hat, um ungefähr zu wissen, worüber geredet wird, weil es gibt, nun ja, Gemeinsamkeiten inhaltlich zwischen den einzelnen Filmen. Ja. Okay. Legen wir los. Dann gib du doch einmal eine Einführung, Plur. Also, mein ursprünglicher Impuls war es, diese Einführung mit folgendem Satz zu starten. Ihr Name ist Rosamund Pilcher. Mit Ausrufezeichen. Rosamund Pilcher. Um der Germanisierung der 2019 gestorbenen britischen Autorin entschieden entgegenzutreten. Und jetzt habe ich mich doch für was anderes entschieden, und zwar die Frage, ist ihr Name Rosamund Pilcher? Ja, denn auch wenn sie weltweit mit ihren romantischen Liebesromanen und Kurzgeschichten unfassbar viel Geld verdient hat, wird sie der Nachwelt doch vor allem durch ihre deutsche Rezeption in Erinnerung bleiben. Und in dieser ist der eingedeutschte Name, Rosamunde Pilcher, nun mal berühmt geworden, für zahllose, für das ZDF produzierte Verfilmungen ihrer Bestseller. Über 100 Filme kennt die entsprechende Reihe und löste einen gewaltigen teutonischen Touristenboom nach Cornwall und Devon im Südwesten Englands aus, für den selbst die dort beheimateten Briten sehr dankbar sind. Wie verhext aus dem Jahre 2021 ist eine derartige deutsche TV-Verfirmung der Kurzgeschichte Tea with a Witch, die ich übrigens nicht gefunden habe. Ich habe sehr lange danach gesucht, weil ich wissen wollte, wie der Originaltext ist. Und wenn man bei Google oder auch bei Bing T. Wivowitsch eingibt, kommt man nur zum ZDF-Pressematerial. Fuck. Das Ding existiert eigentlich nur in den Redaktionsstuben des ZDF. Wahrscheinlich in irgendeiner Zeitschrift damals veröffentlicht und verloren gegangen. Ich habe sogar tatsächlich in der Verzweiflung, habe ich nochmal in der Bibliothek recherchiert, nochmal also digital im Verbund Berliner Brandenburger Bibliotheken und da habe ich es auch nicht gefunden. Okay, genau, es ist eine Verfilmung der Kurzgeschichte Tea with a Witch und viel mehr muss dazu auch eigentlich nicht gesagt werden. Oder viel mehr sollte ich vielleicht dazu nicht sagen. Denn seien wir mal ehrlich, ich bin nicht im geringsten Zielpublikum dieser Art von TV-Schnutze. Natürlich wäre es jetzt bequem, sich über den Kitsch, den Pathos, die simple Geschichte, die generische Bildsprache etc. pp. lustig zu machen. Vielleicht zu bequem. Also fasse ich mich hier kurz und gebe erst einmal zu Protokoll, dass ich den TV-Film um eine Kostümbildnerin, die wegen einer astrologischen Vorhersage zurück in ihr Heimatdorf reist, um den ihr prophezeiten Traummann für sich zu gewinnen, wirklich schlecht fand. Dass er so ganz und gar nicht meinen Geschmack getroffen hat. Weder narrativ, noch dramaturgisch, noch ästhetisch. Aber wie gesagt, ich bin nicht die Zielgruppe. Und auch wenn ich mit Sicherheit gleich nicht drumherum kommen werde, über das ein oder andere Detail dieses 90-Minüters zu schmunzeln, zu lästern oder auch zu lachen, und darauf freue ich mich auch ein wenig, ist es vielleicht spannender, bevor wir in gehässige Kritik abrutschen, zu schauen, was die Faszination von Rosamund Pilcher oder Rosamunde Pilcher ausmacht, warum sie so gut im deutschen TV-Markt funktioniert und was dies über die Sehgewohnheiten des deutschen TV-Publikums aussagt. Können wir ganz kurz zum Protokoll gehen? Nein, du hast dem Film, du hast dieser TV-Verfilmung wahrscheinlich auch nicht viel abgewinnen können. Was ich tatsächlich faszinierend, also ich finde es tatsächlich faszinierend, diese Dinger laufen ja offensichtlich total gut. Und zwar spezifisch in Deutschland. Also natürlich die Autorin Rosamund Pilcher war auch in England und war auch international sehr erfolgreich. Aber tatsächlich auch erst so richtig bekannt geworden ist sie erst so in den 80ern. So 1987 war ihr großer kommerzieller Durchbruch als Romanautorin. Als sie schon 60 war oder sowas, ne? Ja, genau. Und das war die Familiensaga des Schelsikers. Die hat vorher natürlich vor allem für Zeitschriften geschrieben, für Magazine, Kurzgeschichten. Wirklich so kurze Soaps, die dann halt in irgendwelchen Frauenzeitschriften veröffentlicht wurden und auch primär unter Pseudonym. Ja. Seit den 40er Jahren bis 1965 größtenteils unter dem Pseudonym Jane Fraser. Und nach eigenen Angaben hat sie das alles am Küchentisch sitzend geschrieben, weil es in ihrem Haus keinen Platz für einen eigenen Schreibtisch gab. Und die Kinder haben sie auch nach eigenen Angaben niemals schreiben sehen. Ja, das ist ein schönes Zitat. Und das sagt sehr viel aus über ihre Kunst und natürlich auch darüber, wie sie rezipiert wird. Weil damit sind wir beim Zielpublikum, auch dieser TV-Produktion. Zielpublikum ist ganz eindeutig die deutsche Hausfrau. Karin hat mich, als ich das gesagt habe, gefragt, warum Hausfrau. Aber ich glaube, ganz eindeutig Frauen, die wirklich primär zu Hause sind. Wahrscheinlich sogar tatsächlich nicht mal Frauen, die Teilzeit arbeiten, sondern wirklich die klassische, traditionelle deutsche Hausfrau. Und diese Filme eröffnen Sehnsuchtsräume. Und zwar in einem sehr klaren Rahmen. Es gibt ja auch diese, also in diesem speziellen Film ist es ja jetzt das große Reveal oder das große Release am Ende ist, wenn der Mann sagt, okay, jetzt ist es für mich Zeit, mal zurückzustecken. Weil unsere Protagonistin geht nach England, geht nach London, zieht aus ihrem Heimatdorf weg, weil sie Kostümbildnerin werden muss. Und natürlich ist klar, sie muss wegziehen, weil sie kann nicht da bleiben. Da kann sie ihre Träume nicht erfüllen und sie muss etwas aufgeben. Und es steht gar nicht zur Disposition, dass ihr Freund, den sie verlässt dafür, dass der mitkommen könnte. Also das ist klar, er bleibt da und sie hat entweder die Wahl, sie zieht alleine los, um eben ihren beruflichen Traum nachzueifern. Oder sie muss dort bleiben. Und die große Pointe am Schluss ist, und das ist tatsächlich ein, das ist die Form von Feminismus, die Rosamund Pilcher trägt. Am Schluss ist es einfach so, dass der Mann dann sagt, nee, ich kann ja auch zurückstecken und ich kann jetzt mit dir nach London ziehen und ich kann dir helfen, deinem Traum zu folgen. Weil er ist tatsächlich auch einfach nur Handwerker in diesem kleinen, beschaulichen Dorf. Rosamund Pilcher ist ja mit ihrem Mann, den sie geheiratet hat, sie ist eigentlich geborenes Gott und sie ist in Cornwall geboren, also in der Region, in der ihre Geschichten größtenteils spielen, wie auch diese hier im Südwesten Englands. Und sie ist mit ihrem Mann, Graham Pilcher, der ein Textilunternehmer war, ist sie nach Schottland gezogen, weil er Schotte war und wegen seinem Beruf in Schottland. Und das ist ganz spannend, weil diese Geschichten, also auch diese Geschichte, vermittelt ja genau diese Sehnsucht, zum einen die ländliche Sehnsucht zurück in die Heimat. Ja. Was ja eigentlich so ein klassisches Trope ist, findet man auch ganz viele in amerikanischen Liebesfilmen und nicht nur da oder auch in deutschen Liebesgeschichten, findet man überall diese Sehnsucht zurück nach der Heimat. Man kommt zurück in das Dorf, in dem man groß geworden ist und dann stellt man fest, hey, es ist doch schöner, als ich es in Erinnerung habe. Es ist gar nicht so klein beengt, sondern es ist Heimat, es fühlt sich wohlig, war man. Und diese Sehnsucht hat sie in ihren Büchern umgesetzt. Sie war dann in Schottland mit ihrem Mann, sie hat zwar auch Bücher und Geschichten geschrieben über Schottland, wo sie auch die schottische Landschaft ausufernd, eskapistisch beschrieben hat. Aber es hat sie eben doch immer nach Cornwall zurückgezogen und man merkt irgendwie, dass sie so, naja, ihre Sehnsucht da in die Bücher gepackt hat, wo die Frauen zurück nach Hause kommen und wo es diese wunderschöne Landschaft gibt, wo sich alle kennen und alle in diesem netten Dorf leben und glücklich sind. Ja, es ist so ein bisschen traurig auch, finde ich, weil es, also wenn man das weiß, dass sie mit ihrem Mann nach Schottland gezogen ist und dieses, diesen Landstrich, den sie offensichtlich so sehr lieb verlassen hat, dann bekommen ihre Geschichten so eine sehr melancholische Note, weil sie ständig darüber schreibt, wie schön es da ist und wie toll und gemütlich und wie super die Menschen da sind. Und sie lebt halt in Schottland wegen ihres Mannes, weil es einfach so war und sie ist halt auch aus einer Zeit, wie gesagt, geboren 1924, wo das einfach normal war. Da gab es, da war nicht die Frage, naja, lass uns mal überlegen, wo wir wohnen, sondern da war es klar, die Frau zieht mit dem Mann mit, wo auch immer es ihn hin verschlägt. Man könnte das Genre dekonstruieren, man könnte es unterlaufen, man könnte so viel damit machen, man könnte so viel damit spielen. Und dieser Film, wie verhext, um jetzt in den Film einzusteigen, also ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll, das war so generisch und so auch, also auf mich hat es wirklich, und das tut mir wirklich leid für die Macherinnen, die wahrscheinlich auch da ein bisschen Herzblut reingesteckt haben. Das hat für mich so lieblos gewirkt, was Bildsprache betrifft, was Kameraeinstellungen betrifft, was Farbräume betrifft. Das war so, also auch wenn, gerade wenn ich sehe, der Film will die Romantik dieser Landschaft vermitteln, der will ja irgendwie, es gibt viele Kamerafahrten über das Meer und über die Küste und über eigentlich schöne Natur. Ja. Und dann ist das in so einer langweiligen Bildsprache, die überhaupt nichts vermittelt, die mich überhaupt nicht kriegt, wo man wirklich spielen könnte, wo man interessante Sachen machen könnte, weil die Landschaft ist schön. Und der Ort ist auch schön, wo sie das gedreht haben, der übrigens wirklich, also Cornwall wird jährlich von Tausenden von Deutschen besucht, weil die alle wissen wollen, weil die alle diese Orte sehen wollen, in denen die Geschichten spielen. Es ist eigentlich, es ist ein schöner Ort, man kann da Sehnsucht rein inszenieren und es macht es überhaupt nicht. Ich meine nicht mal experimentell. Es geht nicht darum, dass das in psychedelische Farben getaucht werden soll, sondern einfach ein bisschen eine eigenständige Bildsprache. Das wirkt halt tatsächlich so, wenn du dich mit deiner Kamera, ohne dir Gedanken zu machen, da auf den Hügel stellst und ein paar Schwenks machst, dann hast du diese Bilder. Eine eigenständige Bildsprache. Irgendwas Eigenständiges, wo ich das Gefühl habe, hier werden nicht einfach nur Touri-Aufnahmen gemacht. Das ist es halt auch. Es wirkt wie ein Touristen-Werbevideo. Das ist es. Die Farben und die Bilder, das ist wie ein Werbevideo. Und Werbevideos haben das ja auch so diese, wenn sie nicht mal, und selbst Werbevideos sind manchmal mutiger, was das betrifft. Das ist wirklich, man könnte das zusammenschneiden, das sind Stockbilder. Das ist genau dasselbe. Das sind Stockbilder. Solche Bilder findet man auf jeder Plattform, die Stockvideos verkauft. Wenn man sagt, hey, ich brauche ein paar Videos von einer schönen Landschaft, die ich noch dazwischen schneiden kann. Willst du Stock für die Zuhörerinnen erklären, die es nicht kennen? Wenn ihr mal sehen wollt, was Stockmaterial ist, müsst ihr euch den Song beziehungsweise den entsprechenden Videoclip von Jan Böhmermann angucken. Menschen leben, tanzen, Welt. Oh, der ist großartig. Da hat er nämlich Stocktexte für den Text genommen und hat Schimpansen diese Texte auswählen lassen und hat daraus einen Song komponiert. Und zwar so als Parodie auf diesen deutschen Pop, der halt auch so generisch ist. Und hat dann einfach Textschnipsel genommen von verschiedenen deutschen Popkünstlern, aber auch aus Werbespots, aus Tweets von Sammy Slimani, Texte von Max Giesinger und so weiter. Und hat das einfach durcheinander gemischt. Wie gesagt, die Schimpansen haben das per Zufallsprinzip ausgewählt und er hat daraus einen Popsong gemacht. Und hat dazu dann natürlich auch ein Video gedreht. Und in diesem Video gibt es auch dieses Stockmaterial. Und dann sieht man eigentlich schon was damit gemeint. Das sind einfach generische Bilder und es ist klar, es sind Bilder, die erzeugt wurden, die gemacht wurden, um Emotionen zu erzeugen. Und die werden dann von irgendwelchen Werbefilmern lizenziert, die halt schnell für ihre entsprechende Werbung was brauchen. Genau. Was gut aussieht. Ich habe übrigens dieses Lied lange rauf und runter gehört. Oh, das ist so ein Ohrwurm, ne? Das ist so ein Ohrwurm. Was ist schlimm? Jan Böhmermann hat es wirklich drauf, selbst in Parodien gute Ohrwürmer zu machen. Wahnsinn. Das ist halt, so funktioniert deutsches Fernsehen. Und es ist so durchschaubar. Also vielleicht, um gleich zum zweiten Punkt zu kommen. Ich fand die Geschichte nicht nur durchschaubar, sondern auch extrem vorhersehbar. Und zwar wirklich alles, sowohl den Hauptplot als auch den vermeintlichen Subplot. Und es war, es fehlte jede Form der Überraschung. Das Einzige, was ich überraschend fand, ist, dass dann nachher rauskommt, und das war keine gute Überraschung, sondern einfach plump, dass das, es war klar, dass dieser Robert Hayford, den sie dann kennenlernt, dass der irgendwie Dreck am Stecken hat und dass das ein Arsch ist. Der wurde auch schon von Anfang an so arrogant inszeniert. Und das Einzige überraschend ist, dass er dann ausgerechnet eine Affäre mit ihrem Exfreund hat, was aber auch so draufgedrückt war. Es war klar, er hat eine andere Frau und es ist klar, wenn er sagt, sie ist die Liebe seines Lebens, dass das Bullshit ist. Aber dass sie dann diese beiden Geschichten auch noch so verbinden, das war das Einzige, was so ein bisschen überraschend war. Aber sonst, es war so klar, wenn sie von der toten Schauspielerin reden und dann sitzt diese Frau, diese mysteriöse Frau mit einer Sonnenbrille im Kino und guckt immer den Film dieser Schauspielerin, die vermeintlich tot ist, noch bevor man erfährt, dass sie die Schwester von dieser Frau ist, es ist schon klar, dass sie die Schwester von dieser Frau sein soll, dass es diese Frau ist. Ja, das glaube ich auch. Ich glaube, wir müssen ganz kurz was zur Geschichte sagen, weil ich gehe davon aus, dass viele von unseren Zuhörerinnen das nicht geguckt haben und um das auch ein bisschen zu revidieren, was Johannes vorhin gesagt hat, man muss es nicht unbedingt sehen. Ich werde keine Sehempfehlung dafür aussprechen. Guckt diesen Rosamunde-Pilcher-Film. Guckt euch mal irgendwann einen Rosamunde-Pilcher-Film an oder Rosamunde-Pilcher, um einfach zu wissen, worüber geredet wird, weil es wird sich so viel drüber lustig gemacht. Ich glaube, es ist wirklich borniert und versnobbt, sich über was lustig zu machen, ohne es zu kennen. Und davon nehme ich mich definitiv nicht aus. Ich mache das auch. Ich habe es gemacht in den letzten Episoden und ich bin froh, dass ich es jetzt machen kann, weil ich weiß, worüber ich rede. Jetzt darfst du. Genau, jetzt darf ich. Also, im Zentrum steht Grace, das ist unsere Protagonistin, die mit ihrer Jugendliebe Sebastian zusammen ist und die leben eben gemeinsam in diesem Dorf in Cornwall. Und der Vater von Grace betreibt ein kleines Kino, in das Grace auch immer wieder gerne geht, weil da immer dieselben alten Schinken laufen mit einer gewissen Tamara Larson, die da die Hauptrolle spielt. Der Vater bewundert sie, die Tochter bewundert sie und die einzige andere Frau, die in diesem Dorf ins Kino geht, Olivia Marlowe, die, wie wir später herausfinden, die Schwester der verschwundenen Schauspielerin, bewundert sie auch oder will die Filme gucken. Weißt du, was mich am Anfang total rausgebracht hat, was ich wirklich schlimm fand? Ja. Dieses auf Englisch drücken. Du hast diese deutschen Schauspieler, die sich Dad nennen und die alle englischen Namen haben. Und dann hast du die Ruby, die dann auch noch so ein bisschen so einen leicht süddeutschen Akzent hat. Und man merkt so, zum einen durch die Sprache, so dieses Dad. Und so versuchen sie, diese englische Atmosphäre zu erzeugen. Und dann dadurch, dass sie ganz plump so kleine Spots einbauen, dann gibt es ein Frühstück. Und natürlich haben wir hier ein richtig klassisches englisches Frühstück mit Bohnen und Würstchen. Und es ist so klar, dieses Bild von dem Teller, auf dem das satte, deftige englische Frühstück ist, ist nur dazu da, um die Zuschauer zu erinnern, hey, übrigens, wir befinden uns in England. Welcher Mensch, der klar bei Verstand ist, hat Sehnsucht nach einem englischen Frühstück? Ja, okay, ich auch nicht. UK, nichts gegen euch, aber euer Frühstück sagt. Ja, aber irgendwas Gutes, lass ich mir überlegen. Jetzt krame ich gerade so meine Erinnerungen an englisches Essen durch und mir fällt nichts wirklich Gutes ein. Das Beste ist wahrscheinlich Fisch und Chips, aber einfach auch nur, weil das sowas ist, wo man nicht viel falsch machen kann. Okay. Ja. Genau, Grace möchte Kostümbildnerin werden. Ja. Und dafür muss sie das Dorf natürlich verlassen. Und parallel dazu erfährt sie von einer, von der Wahrsagerin des Dorfes namens Ruby, dass sie ihren Traummann treffen wird und Ruby flüstert ihr auch den Namen des Traummannes ins Ohr. Übrigens die rothaarige Ruby. Ja. Was für einen Akzent hat sie? Der Akzent hat mich so rausgebracht, weil es so deutsch klingt. Keine Ahnung. Und sie flüstert ihr den Namen Doktor. Ne, sie sagt glaube ich nicht Doktor, aber sie flüstert ihr den Namen Robert Hayford ins Ohr. Aber es ist auch schon klar, dass diese beiden haben so eine gewisse Chemie zusammen, also Grace und ihr Freund, Sebastian, dass man merkt, die Story soll natürlich darauf hinauslaufen, dass sie sich am Schluss kriegen. Das ist, es gibt dann diese dramatische Szene, wo sie ihn verlässt und er wütend in Zeitlupe. Das war diese Dramatik, die drauf gedrückt ist. Er zerschlägt dann, er schlägt Holz vom Tisch oder was war das? Seinen Stuhl, den er gerade gebaut hat. Und dann wird kurz eine Zeitlupe draus gemacht und dramatische Musik. Uff, ja. Ja. Das ist ganz genau das gleiche Problem, ja. Gab es eine Schauspielleistung, die du überdurchschnittlich fandst in diesem Film? Ich fand tatsächlich am ehesten, da habe ich dann noch einmal den Namen gegoogelt, weil der mir am ehesten positiv aufgefallen ist, das ist dieser Helmut Zierl, der den Vater von Crazy spielt. Ah ja, stimmt. Der hat, bei dem hatte ich das Gefühl, dass der ein bisschen mehr macht und vielleicht auch, oder zumindest, dass er vielleicht ein bisschen mehr kann, aber das ist auch offensichtlich ein Urgestein in diesem Film. Der hat schon sehr viel von diesen Filmen gemacht. Und bei dem hatte ich das Gefühl, da blitzt so ein bisschen Talent hervor, was irgendwie ein bisschen auch eingegängelt ist in dieser Rolle. Ohne konkret zu sagen, woran ich das festmachen würde, da hatte ich einfach das Gefühl, der hat ein bisschen mehr Ausstrahlung, ein bisschen mehr Präsenz als die anderen. Aber sonst waren es halt tatsächlich, ja, einfach durchschnittliche, nicht mal schlecht, sondern einfach so nichtssagend und so runtergerattert. Ich war tatsächlich, ich habe tatsächlich, ich habe eigentlich mehr Qualität erwartet. Ich hätte gedacht, dass das alles ein bisschen qualitativ hochwertiger wirkt. Weil wir haben, letzte Woche haben wir drüber geredet und da meinte ich, ich erwarte eigentlich was sehr Solides und was gut gemacht ist, wo auch viel Geld rein investiert ist. Aber die Schauspielleistungen waren dann halt doch eher Soap-Niveau. Also wie die Bilder, ne? Ich kenne mich nicht gut aus mit Soaps. Ja. Ja, okay, der Soap-Vergleich war tatsächlich schwierig, weil ich mich mit Soaps gar nicht auskenne. Aber was du gesagt hast, diesen Moment, dass man den Schauspielern nicht immer alles abkauft, den hatte ich schon bei diesem Ding ein paar Mal. Also auch gerade, was du jetzt sagst, dass sie so wie Pappaufsteller rumstehen, dass sie auch so ein bisschen ungelenk wirken, dass sie so ein bisschen hilflos wirken, weil sie nicht wissen, wo die Szene hinlaufen soll, weil die Szene auch nicht wirklich irgendwo hinläuft, weil es keine Dynamik gibt. Und dann einfach, es gab sehr viele Momente, so diese awkward silence. Ja, stimmt. Wo du das Gefühl hast, ja, und dann lassen sie die Kamera noch ein bisschen laufen, um Atmosphäre aufzusorgen. Aber da ist null Atmosphäre, da ist nichts. Ja. Und da ist auch keine, halt auch, da ist halt auch keine Chemie. Und ich glaub dir sofort, man kann diesen Schauspielern, als zum Beispiel Jördis Richter, die die Grace spielt, die kann bestimmt was. Die hat auch am Theater gespielt, die hat an der Schaubühne in Berlin gespielt, die kann bestimmt was. Aber davon spürt man natürlich da gar nichts. Und die steht da halt immer so steif rum und versucht irgendwie sowas wie Romantik aufkommen zu lassen. Sie will irgendwie, dass wir ihr glauben, dass sie wirklich jetzt glaubt, den Mann ihrer Träume gefunden zu haben. Und es wirkt teilweise wirklich peinlich. Also, was auch ganz, natürlich ganz stark Schuld des Drehbuchs ist. Das ist so absurd, wie sie dann auf diesen Dr. Robert Hayford, wie sie den zum ersten Mal kennenlernt. Und sie sitzt mit ihrem Produzenten im Restaurant und verschluckt sich. Und er macht den berühmten Heimlichgriff und rettet ihr das Leben. Und sagt dann noch schnell seinen Namen. Und sie ist perplex. Und diese Szene ist so schrecklich, also wirklich so schrecklich, dass ich mich gewunden habe, während die gelaufen ist, weil mir das so unangenehm war für alle Beteiligten. Sowohl für die Schauspielerinnen, als auch für die Regisseurin, als auch für die, die Kamera machen. Das war wirklich ein unangenehmes Erlebnis. Und ich habe mehr erwartet. Ich habe mehr Professionalität erwartet. Das ist ein 90-minütiger Streifen. Das ist ein Fernsehfilm. Ich hätte gedacht, dass man spürt, dass da mehr Zeit investiert wurde. Dass da ein bisschen mehr drauf geachtet wurde, ein hochwertiges Produkt zu machen. Und meinetwegen Produkt für das Publikum. Aber trotzdem ein bisschen hochwertiger. Und ja, ich habe erwartet, dass ich es kitschig finde und dass ich es albern finde und alles geschenkt. Aber ich habe erwartet, dass es darin zumindest eine gewisse, nicht Professionalität, Professionalität hat, das ist das falsche Wort, ein bisschen mehr Liebe hat. Ja. Ein bisschen mehr Hinwendung zum Material. Ja. Das ist, glaube ich, natürlich auch das Ding. Es ist jetzt nicht so, dass hier einer großen Geschichte, großer Belletristik, Unrecht getan wurde. Ich habe von Rosamund Pilcher nichts gelesen. Aber alles, was ich jetzt drüber gelesen habe, sind wohl diese Umsetzungen sehr nah am Original. Sie beschreibt eskapistisch Landschaften, sie hat sehr generische Geschichten. Und ich habe mir vorgenommen, ich will mal eine von ihren Kurzgeschichten lesen. Also ich habe keine Lust, das in Romanlänge zu lesen. Aber ich will mal eine von ihren Kurzgeschichten lesen, um zu sehen, ob da ein bisschen mehr drin steckt. Ja. Ich glaube aber eher nicht. Also offensichtlich ist auch ihr Konzept sehr generisch zu sein, sehr wenig überraschend und klassische romantische Geschichten mit Sehnsuchtsräumen zu erzählen. Wollen wir in der Geschichte mal weiter voranschreiten? Ja, genau. Sie lernt diesen Robert Hayford kennen und dann erfährt sie, dass der ausgerechnet in ihrem Heimatort ist, den sie vor ein paar Jahren verlassen hat, weil er da eine Patientin behandelt. Und dann fährt sie ihm natürlich hinterher, weil es ist der Mann ihrer Träume und kommt nach langer, langer Zeit wieder in der Heimat an, trifft ihren Ex-Freund, bei dem sie dann auch unterkommt, kriegt mit, dass ihr Vater offensichtlich finanzielle Probleme hat und gleichzeitig eine krankhafte Obsession mit Tamara Larson entwickelt hat, weil er ihr ganzes Zeug sammelt. Fuck, Mann. Und dieser Robert Hayford behandelt Olivia Marlowe, also die geheimnisvolle Dame aus dem Kino, die Schwester von Tamara Larson. Er ist einfach ein Nostalgiker, ein Romantiker. Oh ja. Auch so ein Kino-Romantiker, das ist eigentlich von der Idee ganz putzig, dass sie halt diese Romantik des klassischen Kinos versprühen. Er hat auch noch wirklich klassische Filmrollen, die dann kaputt gehen oder der Projektor geht kaputt und irgendwas funktioniert nicht. In der Theorie ist das ja eigentlich was ganz Nettes, das Setup. Das ist, wenn unsere Protagonistin, die jung sein soll, die irgendwie Mitte, Ende 20 sein soll, eigentlich eher wirkt, als ob sie 40 oder 50 wäre von ihrem Gesellschaftsbild. Dann muss der Vater, der 60 ist, 50, wahrscheinlich eher Mitte 50. Mitte 50, ja. Muss dann halt auch eher so wirken, als wäre er 120 von seinem Gesellschaftsbild. Und zack, wäre der Film schon gleich eine ganze Nummer besser. Weil von der Theorie kann man mit diesem Subplot irgendwas, könnte man mit diesem Subplot wahrscheinlich irgendwas anfangen. Ja. Der Subplot um den Vater, der halt dieser Tamara Larsson hinterherhängt und um diese geheimnisvolle Olivia Marlow, die behandelt wird von dem Arzt und dann kommen die zusammen und es entwickelt sich so ein bisschen Romanz so und dann kommt das große Reveal, Olivia Marlow ist ein Vampir. Das wäre übrigens eine wirklich gute Idee gewesen. Das wäre, also wirklich dann, fantastisch, hätte der Film nicht gewonnen. Aber nein, sie ist einfach Tamara Larsson, die sich zurückgezogen hat. Damit hätte man was machen können mit diesem Subplot. Ja. Aber, ja, es ist, nein, sie machen halt nichts draus. Ich glaube auch nicht, dass das als Persiflage gedacht ist. Meine Theorie ist ja, sie reden von diesem Film als eine olle Schnulze. Und aber ihr Film, der Film, den wir gucken, wie verhext selbst, ist auch eine olle Schnulze. Und wenn sie das einfach so nebeneinander halten würden und den quasi auf diesem Niveau drehen zeigen würden, hätten sie plötzlich so eine Meta-Ebene. Wir kommen später zur Meta-Ebene mit dem Tatort. Hätten sie plötzlich so eine Meta-Ebene, wo klar ist, dass dieses Setup, in dem wir uns befinden, ist genauso wie dieser Film, den die gucken. Deswegen mussten sie alles drüber machen. Deswegen müssen sie sagen, in unserer Welt, unsere Welt ist eine Schnulze, also muss eine Schnulze in unserer Welt eine Schnulze-Schnulze sein. Und deswegen haben sie alles kitschiger gemacht, alles alberner, alles noch simplifizierter. Und das ist halt der Film, den sie dann im Kino gucken. Diese eine Szene, wo sie am Zug ist und er am Zug ist und am Bahnhof und großes Romantisches verabschieden. Das musste drüber sein, weil sonst hätten sie sich eingestanden, dass sie auch eine Schnulze sind. Ja, aber das Ding hat keine Ironie, ne? Nein, überhaupt nicht. Und das ist wirklich schade. Es gibt, und ich glaube auch, das ist bestimmt auch dem Publikum geschuldet. Ich glaube, niemand, der das mag, guckt das ironisch, weil dafür gibt es zu wenig her. Dafür ist es nicht trashig genug. Genau. Zum Beispiel sowas wie, keine Ahnung, Fackeln im Sturm oder ein Bollywood-Musical. Das kann man ironisch gucken. Ja. Dieses Teil, diesen Film kann man nicht ironisch gucken, weil er dafür einfach zu, zu sehr Holzschnitt ist. Ja, komplett. Und auch so ein bisschen, ja, es müssen nicht mal Humor sein, einfach so ein bisschen Selbstbewusstsein. Ein bisschen sich selbst gewahr sein, was man ist. Ja, genau. Der Film weiß nicht, was er ist. Also so wirkt er zumindest. Das Faszinierende ist ja, dass es offensichtlich reicht. Es reicht für 100 Filme, die extrem viele Zuschauerinnen haben, die extrem gut ankommen beim Zielpublikum, in der Presse regelmäßig verrissen werden. Ja. Mit Spott überzogen, aber die ihr Publikum kriegen. Also, warum sollten sie mehr machen? Es gibt, wollen sie einen Krimpreis gewinnen? Sie wissen genau, dass sie den nicht kriegen. Nee, das ist klar. Also, was sollen sie machen? Dann machen sie halt Publikumsbefriedigung. Die Frage ist halt, wie zynisch das ist. Also, wie zynisch ist so eine Produktion? Du sagst, bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten haben wir das immer lässig gesehen und haben uns ein bisschen drüber lustig gemacht, dass wir keine große Kunst hier machen. Also, große Frage. Alle an diesem Projekt Beteiligten lieben die ihr Publikum? Verachten die ihr Publikum? Ist ihnen ja Publikum egal? Weil, um nochmal kurz zu dem Begriff Publikumsbefriedigung zurückzukommen, um mal eine Lanze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu brechen. So was wie das hier würde bei Netflix nicht stattfinden. Und würde auch bei Disney Plus nicht stattfinden. Nicht in der Form. Und man kann ja viel drüber lästern, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Seniorenfernsehen ist mit seinem Musikantenstadel und mit seinen Pilcher-Verfilmungen oder mit seinem Theaterstadel oder sonst was. Aber diese Leute hätten kein Programm, wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gäbe. Und auch unsere Senioren und auch unsere 65-jährigen Hausfrauen haben ja auch irgendwie ein Recht auf mediale Unterhaltung. Und das sind keine Zielgruppen, die von Netflix etc. mitgedacht werden. Ich wüsste jetzt spontan nichts. Also ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich habe das Gefühl, wenn dieses Publikum seine Bedürfnisse befriedigt sehen will, dann führt kein Weg an den öffentlich-rechtlichen vorbei. Und zwar so krass, dass selbst schon die Privaten, die ja mittlerweile auch einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, dass selbst die Privaten von Anfang an das nicht in der Form befriedigt haben. Die haben auch ihr Fernsehen für spezielle Zielgruppen, aber gerade die Leute, die so dieses Heimatprogramm lieben, diesen Eskapismus, diesen sehr spezifisch deutschen Eskapismus, die Musikantenstadel gucken oder halt Volksmusiksendungen ganz allgemein und so. Also wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gäbe, hätten die kein Programm. Und ja, natürlich können wir so leicht drüber lästern über das Zeug, aber wir sind halt auch nicht das Zielpublikum. Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass die irgendwie einen Ort haben, dass sie so eine Art Safe Space haben, wo sie einfach das gucken können, was sie sehen wollen. Dann sind sie weg von der Straße, ist auch gut. Hey, ich habe es fast geschafft mit sehr viel Pathos und dann hast du sowas raus. Und Deutschland ist nun mal auch ein sehr altes Land, das darf man nicht vergessen. Es gibt sehr viele Menschen hier, die sehr alt sind und die wahrscheinlich auch ein bisschen noch überfordert sind von den Möglichkeiten von Streaming-Services. Und die einfach ein anderes Konsumverhalten haben. Ich denke zum Beispiel an die Eltern von meiner Freundin, die haben sich jetzt einen neuen Fernseher gekauft und haben dann, die hatten vorher irgendein Satellit, wahrscheinlich analog, was dann nicht mehr geht. Und ich bin jetzt ganz stolz, dass sie jetzt nur noch Fernsehen übers Internet gucken. Das ist halt ein Smart-TV mit Funktionen, die ein Smart-TV hat. Und dann gucken sie halt die IRD-Mediathek und die ZDF-Mediathek. Das ist deren Fernsehen übers Internet gucken. Die gucken die klassischen Sender. Aber sie gucken kein lineares Fernsehen mehr. Aber sie gucken trotzdem dieses Programm. Und es ist gut, dass es das für die gibt auch, weil die haben halt keinen Bock auf die amerikanischen Serien, die auf Netflix laufen. Die haben keinen Bock auf Genre-Kino und die haben halt eine gewisse nostalgische Haltung zu ihrem Medienkonsum. Und ich finde es gut, dass es dafür auch noch einen Raum gibt. Kommen wir zu unseren Top-Listen? Oh, oh ja. Das ist ein guter Punkt. Nicht schlecht. Johannes? Jingle? Jingle.
Johannes Franke: Liste.
Florian Bayer: Wir haben Top-Listen. Wir haben zwei Top-Listen. Zwei Themen. Und zwar einmal, ich dachte zuerst deutsche Filme und dann dachte ich, ach, aber eigentlich brauchen wir auch die deutschen TV-Produktionen, weil es ist halt eine TV-Produktion. Ganz kurz nochmal, das nennt man ein TV-Film, das ist so die Bezeichnung. Warte, das ist 90 Minuten, das ist eine Kinofilmlänge. Das ist eine Reihe. Eine Reihe, ja. Es ist kein, also es ist ein abgeschlossener Film. Aber alles sträubt sich in mir, dieses Ding Film zu nennen. Es ist irgendwie ein Film, ne? Würde ich auch sagen. Das TV kann man davor schieben, um das so ein bisschen abwertend zu sagen. Aber auf jeden Fall haben wir deswegen zwei Listen. Top-3 deutsche Filme und Top-3 deutsche TV-Produktionen. Ich würde sagen, wir fangen mit den TV-Produktionen an, weil wir gerade so viel über Fernsehen geredet haben. Ja, gerne, gerne, gerne. Ich befürchte, ich hätte mich konkreter fassen müssen. Ich habe nämlich die Liste zusammengestellt und dann festgestellt, dass ich nur Non-Fiction da drin stehen habe auf den Top-Rängen. Echt, ja. Und ich gehe davon aus, du hast Fiction gesucht oder hast du auch, hast du irgendwas Non-Fiktionales mit drin? Okay, ich habe nämlich tatsächlich, ich habe Fiction einfach nicht genug gefunden. Und ja, ich habe ein paar Sachen aufgeschrieben, aber dann war es irgendwie so, nee, na. Und das war mir dann so, ist das eine Top-Liste? Willst du einfach mal deine Top 3, weil ich habe das Gefühl, bei meinen Honorable Mentions, wo ich dann die Fiction-Sachen reingepackt habe, sind Top-Plätze von dir mit drin. Willst du einfach mal deine Top 3 sagen, was Fiktionales ist und dann sage ich meine Top 3, was Non-Fiktionales ist. Dann haben wir noch mehr Top-Listen. Ihr kriegt heute alles. Ihr kriegt Non-Fiction, ihr kriegt Fiction, ihr kriegt Filme und TV. Ihr kriegt einmal das komplette Angebot. Und wer danach immer noch denkt, dass in Deutschland nichts los ist, der sollte seinen Fernseher aus dem Fenster werfen. Johannes. Okay, perfekt. Ja, genau, das ist, was ich auch habe, was ich bei meinen Fiction-Sachen hätte. Ich bin da nie reingekommen. Mir war, also ich habe die ersten zwei, drei Folgen gesehen. Und mir war es zu sehr Stranger Things-Klon. Und dann hatte ich auch ein ähnliches Problem wie du mit der Schauspielführung. Tatsächlich habe ich, als ich das damals geguckt habe, war mein Urteil, oh, es ist mir zu deutsch. Ich kann es nicht gucken. Was wirklich fies ist und hart ist. Vor allem angesichts unserer Top-Listen, die wir gerade machen. Aber das war mein Urteil. Und es gehört zu den Serien, die wahrscheinlich jeder hat. So ein riesiger Serienstapel von abgebrochenen Serien. Bei mir ist Dark einer davon. Okay. Nie geschaut. Also vom Namen kommt es mir bekannt vor. Haben die dann späteren, gibt es dann so Kudam 80 oder sowas? Ah, okay. Das wäre tatsächlich bei mir. Also wenn ich eine Liste mit Fiktchen gemacht hätte, wäre Stromberg wahrscheinlich sehr weit oben gelandet. Ja. Und allein deswegen habe ich es schon nicht gemacht, weil ich habe das Gefühl, ich habe Stromberg schon ein, zwei Mal erwähnt. Ja, genau. Und es ist eine tolle Serie. Immer noch eine tolle Serie. Auf jeden Fall sehenswert. Besser als das Original. Ja, okay. Okay, das ist sehr norddeutsch. Seit 1997 im NDR. Ja. Höre ich gerade zum ersten Mal. So krass. Weil wir vor kurzem die Bollywood-Folge hatten, kenne ich mich jetzt im indischen Film besser aus als im deutschen Fernsehen. Johannes schmeißt mir gerade Namen und Begriffe entgegen, die ich nicht im geringsten kenne. Jan Fedder, komm. Ja, wenn ich jetzt auf Wikipedia das Foto sehe, dann denke ich, ja, das Gesicht kenne ich. Doch, Tom Tücker hat irgendwas damit zu tun. Ja, Produzent oder Idee von ihm zumindest. Er hat auch ein Regie-Drehbuch tief involviert. Aber auch mit anderen Leuten zusammen. Da waren noch zwei Regisseure. Liegt bei mir auf dem Serienstapel direkt über Dark. Zwei, drei Folgen gesehen, vielleicht auch vier oder fünf. Und für, das hat mich einfach nicht gecatcht. Schade. Tut mir leid. Aber Qualitäten habe ich drin gesehen und auch wirklich hochwertig produziert und tolle Bilder und so. Aber einfach, und ich bin eigentlich auch Fan von den goldenen Zwanzigern. Und ich glaube, das Problem war einfach die Kriminalgeschichte und die war mir, ich bin kein Krimi-Fan und es war mir dann doch zu viel Kriminalgeschichte. Ja, das ist es natürlich, ja. Ja, das wäre mein Honorable Mention. Ich habe mir das schon gedacht, deswegen wollte ich es nicht nennen. Bei Netflix ploppt gerade ständig ein Film von ihm auf, ein ganz neuer Film, wo er Regie geführt hat. Und die Hauptrolle übernimmt, Sörensen hat Angst. Habe ich noch nicht gesehen, muss ich noch gucken. Habe ich mir auch auf die Watchlist gesetzt, weil ich dachte so, ach, Deutsch. Und dann habe ich halt den Trailer geguckt, den man bei Netflix immer sieht, wenn man so drüber scrollt. Ja. Und dann, Moment, ist das Bjarne Mädel? Krass, der sieht wieder komplett anders aus. Wie schafft der es, so einen Depp wie den Ernie zu spielen? Dann so eine coole Socke wie den Tatortreiniger. Und jetzt spielt er einen abgefuckten Polizisten mit Angststörung. Geil, Mann. Also, ja, Bjarne Mädel ist großartig. Bei Bjarne Mädel ist ja krass, wenn man ihn als erstes in Stromberg gesehen hat, da bin ich zum ersten Mal mit ihm in Kontakt gekommen. Ja. Dann denkt man, dieser Typ ist reserviert auf die deppischen Comedy-Rollen, weil er hat auch so ein lustiges, knuffiges Gesicht und so. Und er sieht so aus, ob das einfach sein Ding wäre. Und dann spielt er plötzlich wirklich so düstere Rollen, so abgefuckte Rollen, auch so starke Rollen und er kann das. Er kann das so gut. So ein unglaublich starker Schauspieler. Ah. Also das, was der Regisseur eigentlich leistet. Er interpretiert die Rollen, er macht irgendwie, er macht mehr draus, als eigentlich im Drehbuch vorgegeben ist. Genau. Typ ist. Ich will zumindest mal meine Fictions, meine Honorable Mentions, was Fiction betrifft, nennen, weil es ist nichts dabei, wo ich sagen würde, daraus kann ich eine Top-Liste basteln. Ich hatte halt auch Stromberg und Tatortreiniger und hatte das Gefühl, über Tatortreiniger haben wir schon viel geredet. Ja. Und war sicher, dass du den auch als Top-1 hast, weil es ist wirklich eine tolle Serie. Dann habe ich Familie Heinz Becker, was aber einfach nostalgische Gründe hat, saarländisches Comedy, aber das ist kein Top-Listen-Material, das ist einfach eine süße und wirklich auch eine gelungene Gesellschaftssatire auf den deutschen Spießbürger, verkörpert durch diesen Heinz Becker, durch diesen saarländischen Spießbürger. Ich habe Hals über Kopf genannt, weil ich das als Kind echt zum Schreien fand. Das ist so eine Serie, in der immer wechselnde Kinder verschwinden oder weglaufen von zu Hause und dann über skurrile Personen stolpern, die immer gleich besetzt sind. Das war einfach so eine etwas irre, konfuse, skurrile Kinderserie. Und dann zumindest was so High-Value betrifft, hätte ich noch 4 Blocks im Angebot, da fand ich aber tatsächlich auch nur die erste Staffel gut und auch nicht bedingungslos, sondern da gab es viele Sachen, die mich auch gestört haben. Aber das ist ja relativ neu. Das war für mich so, zumindest so ein Moment, wo ich gedacht habe, oha, im deutschen Fernsehen ist doch was möglich, was sehr, sehr hohe Qualität hat, was die Produktion betrifft. Und definitiv, was für die Serie spricht, die besten Schauspielleistungen, die ich bisher im deutschen Fernsehen gesehen habe. Also vor allem Kida Godor Ramadan, der den Ali spielt, den Gangster-Chef. Und ich habe einfach so einen Softspot für Frederik Lau. Ich mag es immer, wenn ich den sehe. Rolle, aber die spielt er ja auch immer wirklich gut. Das stimmt, ja. Das wäre auch tatsächlich jetzt, um zu den Filmen zu springen, dann tauche ich kurz ein bisschen um, damit ich das gleich als drei nennen kann. Top drei deutsche Filme. Also auf Platz drei habe ich Viktoria von 2015, wo Frederik Lau ja auch mitspielt. Ja, man könnte es als Gimmickfilm abtun, es ist aber nicht nur ein Gimmickfilm. Natürlich gewinnt er seine Faszination daraus, dass er einfach mal zwei Stunden wirklich nur eine Kamera hat, und zwar ohne Tricks. Es wird zwei Stunden, sie haben es dreimal gedreht, glaube ich, und beim dritten Mal haben sie gesagt, jetzt haben wir es. Und es ist aber nicht nur das, es ist tatsächlich ein wilder Ritt durchs Berliner Nachtleben, auch mit vielen ruhigen Momenten und super inszeniert, fantastische Schauspielleistungen von Laia Costa und Frederik Lau in der Hauptrolle und wirklich, wirklich sehenswert. Mischung aus Drama, Tragikomödie, Berlin-Liebesgedicht und Thriller. Wirklich, wirklich guter Film. Fuck, ja, ich bin voll, ich bin in der, wir sind bei TV-Produktionen. Eigentlich sind wir bei TV-Produktionen. Ja, stimmt, dann lass den dritten hier kurz stehen als kleinen Teaser auf die Filme und ich komme zu meinen TV-Produktionen, die alle Non-Fiction sind und ich habe ein paar Honorable Mansions und zwar als erstes 1000 Meisterwerke, was stolze 13 Jahre auf dem WDR lief, eine Sendung, in der zehn Minuten lang ein Bild, ein Gemälde oder eine Fotografie präsentiert wird und dann über dieses Bild gesprochen wird und man sieht einfach nur die Details von dem Bild und es wird dann erzählt und da in der unteren Ecke sehen wir bei Hieronymus Bosch den Teufel und da sehen wir ein paar leidende Leute und da oben sehen wir das und das und man findet ein paar Sachen davon bei YouTube, ich hatte die auch alle mal irgendwann in meiner Filmpiraterie-Zeit auf Festplatte liegen. Es sind ganz tolle Sendungen, sie haben tatsächlich, es sollte zuerst nur 100 Meisterwerke heißen und dann haben sie 1000 Meisterwerke draus gemacht und sind einmal quer durch die Kunstgeschichte und Bilder, die kommentiert werden. Ja, aber natürlich also dynamisch, die zeigen nicht zehn Minuten lang das Bild, sondern sie zoomen rein und das macht ja auch bei ganz vielen Gemälden Sinn, wirklich auf die Details zu gehen und zu sagen, da seht ihr das und da seht ihr das. Ich glaube, ich habe ein, zwei Folgen davon gesehen, fällt mir gerade auf. Bestimmt. Dann als Honorable Mention habe ich noch News & Stories, Primetime und 10VL von der DCTP. Wollte ich nicht in die Top-Liste packen, weil ich damit beruflich sehr stark verwendet bin, aber Alexander Kluge hat ganz tolle Kulturformate gemacht und allein schon wegen deren Irrengeschichte, dass die nachts im Nachtprogramm von RTL und Sat.1 liefen, wo Leute eigentlich Sexfilme gucken wollten und dann plötzlich über Helge Schneider gestolpert sind, der verkleidet ist als Römer und irgendwas erzählt von Hinrichtungen und warum so und so gekreuzigt werden muss. Absolut sehenswert und bunte Mischung aus diesen Rollenspielen zwischen Helge Schneider oder Peter Berling und Alexander Kluge, einige Gespräche mit Prominenten und dann aber auch ganz viele wissenschaftliche Sendungen, wo über die Entstehung von schwarzen Löchern diskutiert wird oder über diverse Tierarten, über Kulturgeschichte, alles drin, bunt gemischt, Das ist doch interessant, das finden wir doch auch in der griechischen Mythologie wieder. Und es ist so toll, weil, also was für mich so bezeichnend ist, es gibt ein Gespräch mit einem Wassersommelier, er hat einen, jemanden, der im Hotel arbeitet und der Wassersommelier ist und den Leuten eben das Wasser präsentiert und empfiehlt, welches Wasser sie zum Essen trinken sollen und der total leidenschaftlich davon berichtet, dass dieses Wasser sauer schmeckt, das schmeckt salzig und dann holt Kluge aus und sagt, das Wasser von Vichy, das war doch die französische Besetzung damals, als die Deutschen Frankreich besetzt haben und wie würden sie sagen, schmeckt dieses Wasser und dann sagt er natürlich irgendwas wie so, ja, es schmeckt salzig ein bisschen und dann sagt er, ah, interessant und versucht dann diesen Kontext herzustellen mit der Geschichte der deutschen Besatzung Frankreichs und mit diesem Vichy-Regime, das quasi unter deutschen Gnaden da regiert hat und auch autoritär, autokratisch war und es ist so eine schöne Mischung und das haben wir ganz oft bei ihm, weil Alexander Kluge ist natürlich ein Kulturmensch und ein Rechtsmensch und das sind die Themen, wo er sich auskennt, das heißt, wenn er mit einer Mikrobiologin spricht über Bakterien, dann muss er irgendwie versuchen, das reinzubringen, was er kennt und dann fängt er halt an irgendwie von Virus XY zu Goethe zu kommen und ihm gelingt das auch immer und das macht diese Sendung so fantastisch. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nicht jeden Geschmack, aber auf jeden Fall erkundenswert, dctp.tv, da gibt es ganz viele Sendungen, wir haben ein großes Archiv und ich bin unter anderem daran beteiligt, dass dieses Archiv nach und nach veröffentlicht wird, deswegen habe ich es nur als Honorable Mention, weil, ja, Disclaimer, ich arbeite mit der dctp zusammen und, ja. Mein Platz 3, auch Kulturfernsehen, deutsch-französische Koproduktion, Karambolage auf Arte. Ach, geil. Ganz tolle Sendung. Stimmt. Wo deutsche und französische Macken erzählt werden, damit die Deutschen ein bisschen besser Frankreich verstehen und die Franzosen ein bisschen besser Deutschland verstehen und es wird über Sprache geredet, über Kultur, über Essgewohnheiten, über Alltag, immer mit einem Augen zwingen kann, immer mit so ein bisschen ironischem Ton, ganz liebevoll, tolles Programm zur Völkerverständigung, ich liebe es. Fantastisch, ja. Ich weiß gar nicht, doch, es läuft immer noch, seit 2004, seit 16 Jahren. Geil. Und ich habe mit Sicherheit nicht alle Episoden gesehen, das sind auch kurze Episoden, guckt einfach mal rein, guckt euch die aktuellen Episoden bei Arte an oder schaut, ob ihr auf YouTube ein bisschen Archivmaterial findet, es ist ja immer so schwierig, von den öffentlich-rechtlich produzierten Sachen online zu finden, was echt eine Schande ist, aber Karambolage ist einfach, einfach total toll. Platz Nummer zwei, auch nicht mehr so jung, fast zehn Jahre alt, aus dem Jahr 2012, Roach und Böhmermann. Die beste Talkshow, die je im deutschen Fernsehen gelaufen ist. Aber wirklich. So viele irre Ideen. Wahnsinn. So ein tolles Spiel mit dem Format. Ja. Und ständige Brüche mit dem Format, so ein paar kleine Skandale, weil sie während der Sendung geraucht haben. Ja. Absolut, absolut sehenswert, wie sie mit ihren Gästen umspringen, wie sie miteinander umspringen, wie die Sendung mit ihnen umspringt, zum Beispiel, dass sie während Roach eine Frage stellt und sich mit dem Gast unterhält, wird plötzlich das komplett ausgeblendet und wir hören den inneren Monolog von Böhmermann, der sich drüber ärgert, was in der Sendung stattfindet und kurz darauf wird das Ganze wiederholt, wenn Böhmermann mit dem Gast redet, dass wir den inneren Monolog von Roach hören, die dann so denken, oh, dieser Böhmermann quascht so viel, was soll das eigentlich? Komplett abgefahren. Es waren auch, also wenn ich es richtig verstanden habe, die hatten schon auch so ein bisschen Beef dann, aber es hing damit zusammen, dass die Produzenten von ihnen sich verstritten haben und Böhmermann hat sich auf die Seite von dem einen Produzenten geschlagen, und Roach auf die Seite von dem anderen Produzenten. Und dann gab es, glaube ich, wirklich ein rechter Streit, wem gehört die Sendung. Deswegen hat es auch so lange gedauert, bis Böhmermann das Ganze mit Olli Dietrich nochmal aufgefahren hat. Olli Dietrich? Nein, mit Olli Schulz. Olli Schulz. Entschuldigung. Dietrich. Ich hatte tatsächlich bei meinen Honorable Mentions noch RTL Samstagnacht stehen, weil ich das als Kind total gerne geguckt habe. Ja, ich auch. Das war so cool. Und Ditsche war natürlich auch ein tolles Format. Ditsche war ein tolles Fiction-Format, was man hätte hier reinbringen können. Ist immer noch, existiert noch. Ich habe jetzt neulich eine Folge gesehen. Oh, toll. Ditsche gibt es noch. Habe ich lange nicht mehr gesehen, aber Ditsche ist auf jeden Fall auch sehenswert. So. Jetzt müssen wir ganz viel rausschneiden, weil ich jetzt mein Wissen hervorkrame und am freiem Improvisieren bin. Also Olli Dietrich hat das gemacht. Blind Date. Mit Anke Engelke zusammen. Ganz tolles Format. Waren ein paar Folgen. Ich weiß gar nicht, wie viele. Ich finde es gleich. Immerhin sechs Episoden, wo sie beide Rollen kriegen. Ja. Und sie erfahren was über ihre Rollen, wie die vom Charakter sind. Und dann treffen sie sich. Ich erinnere mich. Und dann improvisieren sie. Und dann wird daraus ein Fernsehfilm, der halt so lange dauert, wie er dauern muss. Geil, Mann, ja. Und es gibt kein Drehbuch. Es gibt nur ihre, was sie halt vorher über ihre Rollen wissen. Sie machen so eine Mischung aus Rollenspielen und Improvisationen, aber nicht rein Comedy. Sie hatte natürlich, klar, mit Anke Engelke und Olli Dietrich musste es diesen Comedy-Aspekt haben. Aber nicht nur. Es gab zum Beispiel eins im Fahrstuhl, das war dann am Schluss einfach eine schöne Liebesgeschichte. Und wo sie in dieser Improvisation dann festgestellt haben, okay, unsere beiden Figuren verlieben sich jetzt ineinander. Und am Schluss küssen sie sich. Christoph Schlingensief. U3000. Okay. Hatte nur acht Episoden. Christoph Schlingensief fährt Berliner U-Bahn. Okay. Und lädt sich Gäste ein. und dreht dann komplett am Rad. Also im Grunde wie seine Talkshow. Ja, wie seine Talkshow, genau. Wie seine Talkshow auf Steroiden ein bisschen. Ja, aber was? Das doch auf Steroiden? Ja, weil er dann die Leute aus der U-Bahn zum Beispiel, also er schmeißt dann seine Gäste aus der U-Bahn raus und die bleiben am Bahnhof steht und so. Und er wechselt schnell die Bahn und die Kameraleute versuchen ihn einzufangen und ihm hinterher, weil sie nicht genau wissen, was er gerade vorhat. Nein. Und wie sich es halt so für einen von der Volksbühne inspirierten, von Kastorf inspirierten Künstler gehört, kommt halt auch mal ein Litter Blut zum Einsatz, der rumgeworfen wird. Und es gibt wirklich Talkszenen, bei denen man nicht genau weiß, was ist gestellt, was ist echt daran. Und es ist einfach ein irres Spiel mit dem Medium. Lief auf MTV, wo sonst. Und es war mein erster Kontakt mit Christoph Schlingensief im Jahr 2000. Ach. Als ich noch, als ich 17 Jahre alt war, bin ich zum ersten Mal mit Christoph Schlingensief in Kontakt gekommen, und es war U3000. Und es war nur so, what the fuck, was ist das? Keine Ahnung, aber ich find's geil. Ja, okay, verstehe. Geil. Kenn ich eigentlich Fotos von dir mit 17? Damals hatte ich so eine Art Iro, blond gefärbt und an der Seite abrasiert. Oh mein Gott. Ich kann mir mal Fotos mitbringen. Gott sei Dank kann man den Podcast nicht zeigen. Ich wollte gerade sagen, es ist tatsächlich so, dass meine Abneigung gegenüber Til Schweiger so weit geht, dass ich fast in Glorious Bastards nicht geguckt hätte, als ich gelesen habe, dass der da mitspielt. Ich auch. Wirklich. Ja. Ich finde auch, wenn man ihn in Talksendungen sieht und so, ist es immer so ein Fremdschirm-Moment, was er redet und wie er redet. Und jetzt hat er seinen ganzen Belger überall rumgeworfen und die spielen in allen deutschen Filmen mit. Ja, ganz viele. Ich habe alles, worüber wir immer mal wieder reden, als Honorable Mention gemacht. Natürlich, wenn ich eine Top 3 der besten deutschen Filme zusammenstellen würde, wären das deutsche Stummfilme und der neue deutsche Film der 70er, also Caligari. Und warum läuft Herr Amok und Angst essen Seele auf und Akire, der Zorn Gottes und so weiter. Und deswegen habe ich die alle mal ausgeklammert und habe versucht, etwas aktuellere Filme zu finden. Und genau. Und habe die alle ausgeklammert. Und Papa and Deporters würde ich gerne noch einmal als Honorable Mention, denn eigentlich gehört er auf Platz 1, weil das eine der besten Komödien ist, die je gedreht wurden. Ja, ich schmeiße ihn mal aus meiner Liste raus, ne? Nein! Es tut mir so leid. Nicht schon wieder. Immer dieses Preimature Listing. Tja, Flor, ich darf dich nicht mehr anfangen lassen. Achso, das ist ein Dokumentarfilm? Ich dachte, das wäre mit einer Schauspielerin. Ah, interessant. Ich habe auch keinen Dokumentarfilm drin. Und du hast auch keinen Dokumentarfilm drin? Nee. Dann muss ich im Hinterkopf einen Film behalten, über den ich gerne reden würde. Zwei. Es gibt wirklich gute deutsche Dokumentarfilme. Es ist eigentlich schade, da ich keinen davon in die Liste gepackt habe. Mein Platz zwei. Ich musste in diese Liste einen Heimatfilm aufnehmen, weil das deutsche Filmgenre ist einfach der Heimatfilm. Es gibt einen ganz tollen Film aus dem Jahr 2006, der die Lausbuben-Thematik und diese bayerische Heimatromantik modernisiert hat. Wer früher stirbt, ist länger tot. Ja. Von Markus Rosenmüller. Habe ich nicht gesehen. Ein wirklich urig bayerischer Film. Ich muss mir Untertitel anmachen, wenn ich den gucke, weil ich nicht so viel verstehe, weil die halt wirklich einfach mal tiefstes bayerisch reden. Eine ganz, ganz, ganz tolle Komödie über ein kleines Kind, das eigentlich liebe Sachen machen will und ständig Ärger verursacht und dann irgendwann Angst hat, in der Hölle zu landen. Deswegen auch ganz schreckliche Albträume hat von der Hölle. Wundervolle Mischung aus Fantasie und Realität. Und dieser Junge versucht dann halt dieses Schicksal der Hölle zu entgehen, indem er gute Dinge tut. Aber er ist halt jemand, der Chaos stiftet und die guten Dinge, die er tut, sind halt meistens nicht so wirklich gut oder sorgen für sehr viel Ärger. Ganz liebevoller Film, der ganz toll, diese bayerische Volkstümlichkeit mit Rock'n'Roll und mit Kindergeschichte, mit Märchen und Fantasy-Mix. Super fantastischer Film. Toll. Cool. Ich kenne tatsächlich, also ich habe jetzt einmal kurz den Regisseur angeklickt. Ich kenne den Nachfolgefilm von dem Regisseur Lara mit Corinna Harfusch, der ist auch ein ganz toller Film, war so eine Tragikomödie mit so einem leicht bitter-zynischen Ton, relativ langsam und ruhig erzählt. Und mit Corinna Harfusch, die ganz großartig die Mutter eines Pianisten spielt, die so ein bisschen ihre Lebensentscheidungen bereut und von ihrem Sohn entfremdet ist. Der Sohn wird gespielt von Tom Schilling, der den auch ganz toll spielgespielt hat. Ja, er ist auf jeden Fall ein guter Schauspieler. Also er spielt natürlich nicht nur in guten Sachen mit, aber ich finde, der hat, also ich mag seine Ausstrahlung. Ja, okay, interessant. O Boy muss dann auf jeden Fall auf die Liste. Lara ist nicht in meiner Liste, aber Lara ist ein toller deutscher Film, den ich gesehen habe, aber selber richtig sehr wie O Boy. Ja. Von ein Jahr oder vor zwei Jahren veröffentlicht. Mein Platz eins ist, dann bin ich doch ein bisschen konservativ geworden und bin zu Andreas Tresen gesprungen und habe Halterfreie Strecke genommen aus dem Jahr 2011. Okay. Eine Drama, Tragikomödie, eher realistisches Drama von Andreas Tresen über einen Mann, der einen Gehirntumor hat und ganz klar weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Mhm. Und das würde ich auch nicht mögen, weil er in sehr nüchternen Bildern ruhig erzählt, einfach darstellt, wie die Familie, er ist verheiratet und hat zwei Kinder, wie die den Alltag gestalten mit seiner Krankheit und wie er sich langsam verändert, wie er langsam dem Tod entgegen geht. Und das ist ein unglaublich sensibler und melancholischer Film, der sehr traurig ist, weil er es eben so nüchtern erzählt, aber auch immer wieder lustige Momente findet. Kein böser Humor, kein bitterer Humor, sondern einfach so leicht skurriler Humor, der zum Alltag gehört und der halt einfach dabei ist, auch wenn man stirbt. Wunderschöner Film. Er hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, so diese kleinen Alltäglichkeiten in seine Filme einzubauen und dadurch wirken die realistisch, dass Menschen halt mal stolpern, aber es keine großen Konsequenzen hat. Dass Menschen im Alltag alberne Dinge machen und es keine großen Konsequenzen hat, weil das einfach dazugehört. Also die deutsche Filmgeschichte grundsätzlich ist ein totales Auf und Ab. Und Ende der 90er kommen wir ja aus einer sehr düsteren Zeit der deutschen Filmgeschichte. Und ich weiß, dass der immer so hochgehalten wird, weil der auch wirklich wichtig war für die Entwicklung des deutschen Films. Aber ich mache partiell Bernd Eichinger verantwortlich. Oh, okay. Weil der Anfang der 90er sehr viele von diesen Komödien produziert hat, die so ... In den 90ern haben wir zum einen diese Till Schweiger-Komödien, also sowas wie Männerpension, Der bewegte Mann, dann die ein bisschen trashigere Richtung, Manta Manta und so. Und es war so eine Zeit, in der Bernd Eichinger hat viel von dem Zeug produziert. Zum Beispiel auch das Supervibe, voll normal und Ballermann 6 mit Tom Gerhardt. Und vielleicht war das dann so Ende der 90er, Anfang 2000er, so ein bisschen ein Aufbäumen, so eine Art junger deutscher Film. Für mich ist die Zeit nicht so eine große Aufbruchzeit. Also ich sehe, was du meinst. Ich finde auch viele von den genannten Filmen, die du jetzt genannt hast, gut. Bei anderen denke ich, vielleicht ist es auch ein bisschen Nostalgie. Also zum Beispiel sowas wie Sonnenallee habe ich eher so als nette deutsche Komödienerinnerung. Oder auch so Goodbye Lenin. Das war so die Zeit der, wie heißt er? Daniel Prühl. Der Daniel Prühl-Filme. Daniel Prühl und Moritz Bleibtreu waren irgendwie so damals die Schauspieler. Und die hatten auch so was junges verkörpert. Dann gab es ja auch das Experiment, der wirklich sich an das Genre-Kino angelehnt hat. Und wirklich so ein Versuch war, so einen deutschen Genre-Film zu machen. Aber wenn ich daran zurückdenke, kommen mir diese Filme doch alle nochmal so ein bisschen wieder vor. Im Vergleich zu dem, was in den letzten zehn Jahren im Kino passiert ist. Weil ich habe das Gefühl, wir kommen jetzt gerade so ein bisschen in eine Hochzeit, in der die Deutschen sich wieder trauen, Genre-Filme zu machen. Und es geht ganz oft schief. Aber es entstehen so Filme wie Der Nachtmahr oder Schneeflöckchen, der, ich weiß nicht, ob du den gesehen hast, der so einen Versuch war, ein deutscher Termin-Film zu machen. Ja. Kein guter Film. Aber Mut zum Experiment und Mut dazu, so ein bisschen was anderes zu machen und zu versuchen, mal so aus der Reihe zu tanzen. Das ist vielleicht nochmal was anderes. Also vielleicht sind das auch so zwei Trends, die nebeneinander existieren. Also ich denke vor allem, wenn ich an gute deutsche Filme der letzten Jahre denke, denke ich halt wirklich an so Filme, die in den klassischen Genres beheimatet sind. Thriller, Horror, Fantasy, Science-Fiction. Also zum Beispiel eben sowas wie Schneeflöckchen, was irgendwie so ein bisschen Tarantino ist. Oder sowas wie Victoria, was irgendwie ein Thriller ist. Oder sowas wie Rambock, was so ein deutscher Zombie-Film ist. Und wie gesagt, das sind nicht alles zu 100% gelungene Filme, aber ich habe das Gefühl, da könnte was entstehen und die Deutschen könnten sich ein bisschen mehr trauen. Vielleicht Dark fällt wahrscheinlich auch so in die Ecke. Stimmt, ja. Die Deutschen trauen sich, Filme zu machen, die eher von den Amerikanern besetzt sind. Aber drücken dem Ganzen nochmal so eine deutsche Note drauf. Und Mumblecore ist ja auch offensichtlich eher sowas Amerikanisches. Also zumindest, wenn ich jetzt hier gerade gucke, was so klassische Mumblecore-Filme sind. Okay. Dann werden mir halt vor allem die Filme von Richard Linklater vorgeschlagen. Zum Beispiel Before Sunrise oder dieser Talkfilm, ne? Ich habe, glaube ich, keinen von diesen Berliner Improfilmen gesehen. Ich sehe gerade, ja, so, dass... Also das englische Wikipedia hatte auch am Schluss einen Abschnitt von Neue Bewegung in Berlin, so Anfang der 2010er Jahre. Genau. Mit eigenem Manifest. Sehr gutes Manifest, da hieß es. Das ist ein super Name. Schön. Auch als deutscher Film, der nicht zu amerikanisch sein will. Ja, genau. Sondern wo man merkt, es ist ein deutscher Film, er hat eine deutsche Thematik, er bewegt sich im deutschen Milieu. Ja. Ich bin halt, wenn ich an die besten, an meine liebsten deutschen Filme denke, dann bin ich halt wirklich sehr konservativ und sage, es gab so zwei Hochzeiten. Das waren zum einen die Zwanziger, was wir schon eben gesagt haben, wo die Deutschen einfach die Speerspitze waren. Und dann zum zweiten die 60er, die späten 60er und die frühen 70er, wo der neue deutsche Film einfach nochmal für so eine Bewegung gesorgt hat, wo viel experimentiert wurde, wo viele große Regisseure ihre Anfänge genommen haben. Du hast vorhin Wim Wenders erwähnt. Wim Wenders ist bei dir auf Platz zwei? Platz drei. Platz drei. Und damals hat auch Wim Wenders angefangen. Damals hat Fassbinder angefangen, Alexander Kluger hat damals angefangen. Diese ganzen damals jungen Regisseure, die gesagt haben, es ist so miefig im deutschen Film, wir müssen hier was Neues probieren. Wir wollen experimentieren. Wir wollen harte Geschichten erzählen. Wir wollen realistische Geschichten erzählen. Wir wollen experimentelle Geschichten erzählen. Das sind für mich so die beiden Hochphasen des deutschen Films. 20er, 70er und dazwischen viele dürre Perioden so. Nazi-Zeit lassen wir einfach mal komplett außen vor. Aber dann auch so die 50er, wo einfach dieses Bedürfnis nach Eskapismus befriedigt wurde, wo es halt diesen Heimat-Kitsch gab. Also Sissy und solche Heimatfilme. Und die 80er, wo mir jetzt gar nichts einfällt. Und die 90er halt mit diesen ganzen Eichinger-Produktionen. Ich glaube, Eichinger hat in den 80er und 90ern der Filmwelt sehr stark seinen Stempel aufgedrückt. Und er hat sehr viele Mainstream-Produktionen gemacht, die so überhaupt nicht in meinem Geschmack liegen. Er hat auch gute Filme produziert. Aber diese ganzen 90er-Jahre-Komünien? Aber mein Heinz Rühmann-Wissen hält sich sehr in Grenzen. Also die Feuerzangenbulle habe ich entfernt in Erinnerung. Ja. Und Heinz Rühmann war halt sowas, was mein Vater geguckt hat. Das war so alte Leute-Fernsehen. Das Modernste an diesem Film ist das Abschlusslied. Was? Das Abschlusslied? Was ist denn das Abschlusslied? Ich weiß gar nicht mehr. Natürlich, am Schluss wird alles gut. Das heißt, Tamara Larson offenbart sich, dass sie Tamara Larson ist, kommt mit dem Vater zusammen. Das Kino wird gerettet, was verschuldet war, indem Tamara Larson bei ihrer eigenen Ausstellung groß auftritt. Und Sebastian und Grace kommen natürlich auch zusammen. Nachdem sich herausgestellt hat, dass Robert Rayford ein Arsch ist, der eine Affäre hat, ausgerechnet mit der Verlobten von Sebastian. Zu zweifeligen mit einer Klappe geschlagen, weil wir mussten ja zwei potenzielle Love-Interests loswerden. Und am Schluss küssen sich Sebastian und Grace. Und das Modernste an diesem Film ist das Lied, was dann läuft. Und zwar ist das What's Up von Fawn on Blondes. And I say, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey, hey Zusammenfassung wäre brachial, pseudophilosophischer und pseudopsychologischer Schund. Ja, es ist einfach, es war, es tut mir sehr leid, aber es ist so. Es war schlecht, es war wirklich schlecht, ich konnte, ich konnte diesem Film nichts Gutes abgewinnen und das Schlimmste ist, er hat auch nicht viel Material zum Lästern und Lachen geliefert, man kann ihn nicht ironisch schauen. Wir hatten schon sehr viel Spaß bei Filmen, die wir beide nicht gut fanden oder wo einer, den einer gut fand, der andere nicht so gut, wir hatten schon sehr viel Spaß beim gemeinsamen Lästern über sowas wie Kommando mit Schwarzenegger oder über sowas wie, ja, wir haben ja auch über den Bollywood-Film gelästert oder so, aber dieser Film gibt das nicht her, man kann ihn nicht ironisch schauen, er macht halt wirklich keinen Spaß, weil er dafür auch zu plass und farblos ist. Er taugt nicht zum Trash. Ja. Und ja, das ist, ich kann es nur nochmal wiederholen, was ich im Intro gesagt habe, ich bin nicht das Zielpublikum, ich glaube irgendwie, es gibt ja offensichtlich ein Publikum dafür und deswegen hat sowas seine Berechtigung und es ist natürlich immer ein bisschen lame, dann da so drüber zu lästern, weil wir halt einfach, einfach nicht da drin stecken. Ja, deswegen kann ich nicht viel mehr sagen, außer, dass ich es wirklich schlecht fand. Das Krasseste ist ja tatsächlich, ich bin an diesen Film gegangen mit der Erwartung, was nicht sonderlich Gutes zu sehen, aber ich habe etwas Besseres erwartet als das, was ich gesehen habe. Das ist das Härteste eigentlich. Ich bin davon ausgegangen, dass ich Kitsch sehe und dass ich übertriebenen Pathos sehe. Ich habe gehofft, dass es ein bisschen eigenständiger ist, ein bisschen, irgendwie ein bisschen Stoff hat, in welche Richtung auch immer, dass es irgendwie Spaß macht, oder dass es zumindest ein paar spaßige Stellen gibt, aber... Und dann auch so komisch, und dann wirklich auch dazwischen immer so Sachen, du hast schon gesagt, die wirklich schlecht und billig wirken, zum Beispiel diese Dinner-Szene, wenn sie zum ersten Mal auf Robert Hayford trifft, die war ganz schlecht gedubbt, der Produzent, mit dem sie sich unterhält. Ja. Ja. Und das kommt halt dazu, es war halt wirklich durchschnittlich langweilig, schlecht generisch und dann gab es immer mal wieder so Momente, wo es in den Schund abgerutscht ist, weil es einfach billig produziert war. Oder nicht billig, aber so überhastet. Ja. Das glaube ich dir. Und vor allem, hey, ein Trip nach Cornwall an der englischen Küste ist ja auch irgendwie ganz nett. Und zum Thema Snobismus noch ein Satz. Es ist absolut okay, weiter Rosamunde Pilcher zu sagen, obwohl sie eigentlich Rosamunde Pilcher heißt, weil Rosamunde Pilcher synonym ist für diese Art von Fernsehfilm. Ja. Und diese Rosamunde Pilcher Filme sind durch und durch deutsche Filme. Und deswegen ist es absolut okay, zumindest wenn es um diese Filme geht, zu sagen, das sind Rosamunde Pilcher Filme. Ich habe sogar noch, ich habe Struktur aufgeschrieben, also ich meine, ich sehe, was wir alles verpasst haben, worüber wir hätten noch reden können. Ich habe tatsächlich gefunden, wo ich einmal geschrieben habe, ja, die Idee ist ganz nett von der Szene, die Gestaltung. Wenn der Vater von Grace, der Tamara Larsen anhimmelt, kriegt raus, dass Olivia Marlo Tamara Larsen ist und erzählt ihr das dann. Und dann kommt sie nicht mehr zum Kino und dann sitzt er da und dann gibt es eine, diese Blenden, wo er, wo, wo, eine Kameraeinstellung, während er auf sie wartet und dann wird übergeblendet, dass er auf der Bank sitzt, dass er auf der Straße sitzt, dass er an der Seite steht. Da habe ich geschrieben, nett. Nette Idee. Das ist ein bisschen schade. Ich finde bei der Story tatsächlich nur Sachen, die man dann nochmal lästern könnte. Und zum Beispiel, wenn sie diesem Robert endlich, was heißt eigentlich, wenn sie diesem Robert gesteht, dass sie das von ihrer Wahrsagerin gehört hat, dass er der Mann ihrer Träume ist und dass sie ihm, dass sie deswegen zu ihm gegangen ist und er sagt, okay, dann ist wohl Schicksal. Na gut, dann sind wir jetzt zusammen, Baby. Wenn sie dann diese Museumseröffnung haben und Tamara Larson kommt natürlich ein bisschen zu spät und dann meldet sich ein Lokalreporter und sagt, was gibt es hier denn zu sehen oder haben sie uns mit Fake News hierher gelockt? Und ich kann meinen Augen rollen. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr ich gerade mit den Augen rolle. Ja, ich habe auch nach wie vor das Gefühl, es ist so merkwürdig, so darüber zu lästern, weil wir einfach in einer anderen Bubble leben als das Publikum. Ich meine, ich habe das Gefühl, wenn ich darüber lästere, bin ich so wie der Typ, der überhaupt keinen Kontakt mit Kunst hat und dann an einem modernen Kunstwerk vorbeigeht, das irgendwie abstrakt ist und sagt, mein dreijähriger kriegt das besser hin. Nein, so fühle ich mich dann wie jemand, der halt, der das nicht versteht, der nicht in dieser Welt ist und deswegen drüber lästert. Anderes Zielpublikum, teilweise gibt es bestimmt auch Zielpublikumsüberschneidung. Ja. Deutsches Fernsehen, ebenfalls Spielfilmlänge. Flor kämpft mit dem Stuhl. Was ist los, Flor? Das Polster hat sich verzogen. Wie deutsch kann man sein? Nein, ich habe zwei Stunden lang voll gemütlich gesessen und jetzt ist nichts mehr gemütlich hier. Und jetzt, wo wir über den Tatort reden, über die Speerspitze des deutschen Fernsehens, über das Großereignis, jeden zweiten, dritten, jeden zweiten Sonntag... 35 neue Tatorte im Jahr. Ja, das heißt fast jeden Sonntag, sogar mehr als jeden zweiten Sonntag, ne? Ja. Und mittlerweile auch total in der Hipsterkultur angekommen, eigentlich schon vor zehn Jahren in der Hipsterkultur angekommen. Geh durch Berlin, jede zweite Straße findest du eine Kneipe, die einen Tatortabend macht. Ja. Und aber natürlich auch ein Urgestein des deutschen Fernsehens. Und Johannes, am besten führst du uns ein in diesen speziellen Tatort, über den wir reden, nämlich über einen Murot-Tatort, der sehr gut angekommen ist bei Kritik und Publikum. Na, zumindest bei Kritik. Leg los. Ähm, nee, er tritt nicht daneben und selbst wenn er daneben treten würde, wäre es nicht so schlimm, weil er sich viel zu viele Sicherheitsnetze spannt und weil das Seil, auf dem er balanciert, viel zu dick ist. Und ja, also ich fand ihn nicht schlecht, aber ja, offensichtlich ist das das Experimentellste, was das deutsche Fernsehen für ein größeres Publikum wozu in der Lage ist. Und es ist kein, es ist kein waghalsiger Hochseiltanz, sondern es ist ein netter Taschenspielertrick mit ein, zwei netten Meta-Ebenen, der nicht weit genug geht und viel zu brav ist. Ganz viele. Es ist, offensichtlich hat dieser Tatort die Gemüter gespalten, für große Kontroversen gesorgt, wie auch so manch anderer Muro-Tatort. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Muro ein bisschen das Tatort-Experimentierfeld, wo sie sich am meisten trauen. Genau. Und im Schmerz geboren fand ich wirklich stark, weil der wirklich toll gespielt hat mit Theater, mit Tarantino, mit Western. Und der hier sollte nochmal einen draufsetzen, wenn es nach den Produzenten ging anscheinend. Also zumindest, wenn ich lese, was so die Leute, die daran beteiligt waren, dazu gesagt haben. Okay. Und ich finde, das hat er eher nicht gemacht. Ich finde, er hat eine gute Idee, er hat einen netten Taschenspielertrick. Er ging mir nicht weit genug. Es war so, ja, er war dann halt eine Satire aufs Filmgeschäft, aber ich habe viel mehr Meta-Ebenen und viel mehr Selbstreferentialität erwartet. Und letzten Endes fällt diese Selbstreferentialität zusammen auf den Anfang und auf den Schluss. Und ansonsten ist es halt ein Film, klar, ein Metafilm, der halt bei der Filmentstehung spielt und in dem auch ein paar Schauspieler von Tatort-Kommissare auftreten dürfen. Und in dem so ein paar Ticks vom Tatort parodiert werden, was auch wirklich lustig ist, was ich noch viel lustiger gefunden hätte, wenn ich die Person gekannt hätte. Aber ich fand es auch so lustig. Ja, mit Jan-Josef Liefers. Aber experimentell ist ja wirklich, also ja, ich sehe das, dass experimentell ist, aber eben wirklich für diese deutschen TV-Verhältnisse. Ja. Weil was wir präsentiert bekommen, ist eine ironische Krimi-Komödie oder eine Krimi-Satire, die auch eine Satire ist, die sich mit Tatort-Entstehung auseinandersetzt. Aber selber doch auch ein Tatort bleibt. Aber selbst ein Tatort bleibt. Wobei, ist es nicht so, dass die, also Tatort folgt doch meistens stark den Ermittlern. Die Ermittler stehen im Fokus, auch ihre persönlichen Probleme und ihre Sorgen. Ah, okay. Weil ich dachte, beim Tatort wäre es wirklich so, weil es gibt ja Tatort in zig Städten und jede Stadt hat sein Ermittler-Duo meistens. Ja. Und ich dachte, es dreht sich, es ist dann doch alles so deren Perspektive, klassisch deren Ermittlungsarbeit, die im Fokus steht. Ich habe echt zu wenig Tatorte gesehen. Ich weiß, dass ich in den 80ern mal einen Schimanski gesehen habe, weil der damals einfach der Große war. Das war Götz George, ne? Ja, genau. Und diesen vom Im Schmerz geboren habe ich geguckt, aber auch nur, weil er total abgefeiert wurde von allen. Und dann habe ich davor, fünf Jahre vorher, da ist immer ein Tatort geguckt, der von allen abgefeiert wurde, den ich aber doof fand, der einfach nur so eine, wirklich einfach ein Lama-Thriller war, meiner Meinung nach. Und ja, keine Ahnung, ich kann die Tatorte, die ich gesehen habe, wahrscheinlich an der Hand abzählen. Und der Einzige, den ich wirklich stark fand, war eben Im Schmerz geboren. So dieser ironische Blick auf die menschliche Interaktion mit allen ihren Schwächen und vor allem auch mit ihrer Unvollkommenheit, wenn sie halt da sitzen und an ihrem Schnitzel kauen, während sie sich unterhalten und dann auch mit vollem Mund reden und mit der Gabel aufeinander zeigen, um irgendwas zu sagen. Ja. Liegt vielleicht auch daran, dass ich kurz davor Rosamund Pilcher gesehen habe und dann war das schon fast so ein Kulturschock, plötzlich gute Schauspielleistungen zu sehen. Aber ich möchte nochmal hervorheben, dass, also, alles Schauspieler, die ich gar nicht, die ich nicht wirklich viel kenne, in vielen Fällen auch gar nicht gesehen habe, aber ich fand ja, waren alle witzig. Ich fand Wolfram Koch, der sich als Kommissar parodiert, der versucht zu lernen, wie man eine Waffe hält, fand ich super witzig. Ja. Auch wenn ich den Kommissar nicht kenne und auch wenn ich den Tatort mit ihm nicht kenne, ich fand eigentlich der einzige, den ich wirklich kannte, Martin Wuttke, der ein total fantastischer Schauspieler ist. Ich mag Martin Wuttke wirklich und der das hier auch ganz großartig macht. Macht er gut, ja. Martin Wuttke und Wolfram Koch spielen sich selbst. Die sind beide auch Tatort-Kommissare. Ich kenne Martin Wuttke nicht als Tatort-Kommissar, sondern als deutscher Schauspieler, der alles macht. Okay. Und Martin Wuttke ist aber ein guter Schauspieler, ein richtig guter Schauspieler. Ja, ja. Und der spielt halt sich selbst. Martin Wuttke als abgefuckten Typen, der pleite ist, weil er keinen Tatort mehr dreht. Und Wolfram Koch spielt sich auch selbst als jemand, der gerade den Frankfurter Tatort, also als Wolfram Koch, der den Frankfurter Tatort vorbereitet und der eigentlich meistens durchs Bild stolpert und sich fragt, wie er die Waffe richtig halten kann, was cool aussieht. Ob er sie schräg halten soll, ob er sie mit beiden Händen halten soll. Er will einfach cool aussehen und realistisch. Ich dachte auch, dass, also das kann ich auch total nachvollziehen. Absolut realistisch. Das ist super. Also das ist sogar was, was ich nachvollziehen kann. Wenn ich Schauspieler wäre, würde ich auch cool aussehen wollen. Wenn ich mal eine Waffe halten darf. Wie man richtig eine Waffe hält als Polizist, wahrscheinlich sieht das ziemlich uncool aus. Tatsächlich hat dieser Tatort sehr viel Cooles. Muss man schon sagen. Tukur so gleich in der ersten Szene, wenn er echt so verkatert, aufwacht und zum Set geht und ein bisschen müde ist und sich da mit der Leiche unterhält. Das ist eine coole Bildsprache. Also der hat eine coole Ästhetik. Ja. Und nicht forciert amerikanisch, sondern einfach tatsächlich, es gibt einen natürlichen Coolness-Faktor. Ja. Auch die Figuren, die rumlaufen. Ja, definitiv. Das ist zumindest so, was ich von Tatort kenne. Ja. Was natürlich auch daran liegt, dass das vom Drehbuch wirklich schön geschrieben ist, dass wir die Perspektive von Tukor haben, aber nicht alles von ihm erfahren, was in ihm vorgeht. Das heißt, wir sehen irgendwie, wie er offensichtlich ratlos ist. Wir glauben ihm auch diese Ratlosigkeit. Aber es gibt immer Momente, wo deutlich wird, dass dieser Tukor, ja Tukor, ich muss so offensichtlich nicht Moro sagen, offensichtlich mehr weiß, als wir geahnt haben. Zum Beispiel in der Szene, in der er das Geld aus dem, das Geld von dem Toten aus seinem Hotel rausnimmt, sehr zielsicher aus dem, aus dem Luftschacht und dann vergräbt. Und wir wissen nicht genau, was er macht und gehen davon aus, oh, hat er doch Dreck am Stecken. Weil es wird seine Perspektive gezeigt, also die Perspektive eines Unschuldigen. Aber wir als Publikum kriegen immer wieder erzählt, okay, er weiß vielleicht doch ein bisschen mehr, als wir wissen. Ja. Und er ist nie ganz entlastet, obwohl wir seine Perspektive wahrnehmen und seine Ratlosigkeit und auch sein Irren durch die Sets und durch das Hotel. Und das erzeugt eine schöne, paranoide Atmosphäre, die ihm wirklich gut gefallen hat. Ja. Und was dann natürlich auch typisch Tatort ist, dass dann anfängt langsam so, jeder könnte verdächtig sein. Es gibt diesen Jens Hochstedt, der Redakteur, offensichtlich eine Anspielung auf den tatsächlichen Redakteur, Und dann, der ist verdächtig, dann wird Martin Wood gewählt, irgendwann zum ganz großen Hauptverdächtigen, weil er Geldsorgen hat. Ja. Und Tukor halt ständig gefragt wird, wo das Geld ist. Und natürlich ist Tukor die ganze Zeit verdächtig. Ja. Und es ist schon am Anfang so angelegt, wir merken, es gibt hier irgendwie eine Meta-Ebene und wir werden irgendwie noch ein Spiel mit Muro und Tukor erleben im Laufe der Handlung. Das ist jetzt nicht sonderlich überraschend, dass das kommt. Ja, ich hätte mir gewünscht, dass sie das schon ein bisschen früher machen auch. Ich fand die Szene schön, wenn er am Anfang im Hotel wach wird und dann diesen Mantel hat. Und wie gesagt, ich kenne Muro nicht, aber es war so klar, okay, das ist offensichtlich der Muro-Mantel und wie er den fragend anschaut. Und okay, da ist offensichtlich irgendwie so ein Persönlichkeitsspaltungsding am Laufen. Tragen sie es in die psychologische Richtung, tragen sie es in die mysteriöse Richtung. Erstmal egal, das ist nett, das ist cool. Aber dann haben sie tatsächlich nichts mehr draus gemacht bis zum Ende. Es kommt, dieser Muro wird am Anfang kurz angeschnitten. Wir sehen auch diese eine Muro-Szene, die sie drehen. Und dann findet Muro erst mal nicht mehr statt. Und es ist halt wirklich, und das ist das, was ich meine mit, es ist ein bisschen brav, weil es gibt dann keine Meta-Ebenen-Verwirrung. Wir wissen immer genau, wann wir im Film sind. Ja, das stimmt. Und wann wir in der Realität sind. Ja. Und auch wenn diese Film-Szenen, die sie einfließen, sehr lustig sind, zum Beispiel ganz toll diese Auto-Szene mit Wolfram Koch und Martin Wuttke, wo sie drehen. Martin Wuttke spielt eine Gastrolle im Frankfurter Tatort, deswegen ist er eigentlich da. Das ist so geil. Und dann haben wir diese Szene, wo er ins Auto steigt und Wolfram Koch ihm die Waffe an den Kopf hält und improvisiert. Und sie finden es alle kacke, aber er will improvisieren, weil er will eine coole Rolle haben. Und dann treibt er noch seinen Schabernack mit Wuttke, indem er das Auto zumacht und Wuttke sich drüber aufregt. Das ist eine super Szene. Und das sind ganz realistische Sachen. Großartig. Ich hätte mir bei der Szene zum Beispiel gewünscht, so lustig sie war und so unterhaltsam. Bei der hätte ich mir zum Beispiel gewünscht, dass sie es so inszenieren, dass man am Anfang nicht weiß, dass es ein Film ist. Und vielleicht dann auch nochmal eine Szene reinbringen, wo man denkt, es wäre ein Film. Und dann stellt man fest, es ist doch Realität. So diese klassischen Chancen, die man eigentlich beim Metafilm hat, dass man sich als Zuschauer unsicher fühlt. Und diese Unsicherheit hatte der Film leider nicht. Obwohl er sie am Anfang aufgebaut hat. Ich finde es toll, wenn in der ersten Szene ist Tuko dann als Moro am Tatort. Und zwar ist es so inszeniert, dass wir es wirklich wie ein Tatort-Film sehen, weil es ist mit Schnitten auch. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass wir am Set sind, aber dann gibt es diesen Moment, so und Schnitt und wir erfahren, wir sind am Set. Und das ist toll, diese Verwirrung mit dem Zuschauerspielen. Du weißt jetzt nicht, ist es Film, ist es Realität. Und das ist die einzige Szene, bei der er das macht. Bis auf am Schluss dann, was ich übrigens ganz toll fand, aber da kommen wir später dazu. Da kommen wir später dazu, ja. Und ich sehe in diesem Film so oft diese Chancen, damit zu spielen. Und er macht es aber einfach nicht, sondern die Handlung ist dann halt wirklich, Tuko wird des Mordes verdächtigt. Wir haben die beiden Polizisten, die ihn verhören. Er hat offensichtlich das Geld von dem Toten und er kriegt auch irgendwie mit, er war mit dem Toten in der Nacht unterwegs, kann sich aber nicht erinnern. Und beschließt dann zusammen mit Wolfram Koch, der wirklich toll ist, wie er sich selbst spielt, auch dem Ganzen hinterher zu recherchieren. Und versucht selbst ein bisschen den Kommissar zu spielen, indem sie tatsächlich dann sich sogar als Polizisten verkleiden, um an die Überwachungsbänder zu kommen und in Erfahrung zu bringen, was ist in dieser Nacht geschehen. Wer will mir einen Mord anhängen und warum? Aber es ist toll. Wenn ich sowas sehe, gewinnt diese Person einfach nur Sympathiepunkte, weil man muss sehr viel Selbstironie haben, um eine überzeichnete Version von sich selbst zu spielen. Auch diese Eitelkeit, die Tuko dann spielt, dass er Angst hat, dass er ersetzt werden könnte. Ja. Und natürlich sieht er irgendwie, sie planen doch mich zu ersetzen. Sie wollen einen anderen Kommissar. Natürlich, ich. Der wird paranoid mehr und mehr. Das ist total großartig. Und was ja auch irgendwie Sinn macht, wenn sie wissen, dass ihr Hauptdarsteller des Mordes verdächtig wird. Ja. Dass sie drüber nachdenken, ey, wir müssen diesen Tatort irgendwie hinkriegen. Was machen wir denn jetzt? Das ist geil. Das haben sie auch wirklich gut gemacht, dass sie sich nicht auf diesen einen Tatort beschränkt haben, sondern dass sie dann den Frankfurter Tatort drin haben, die hessener Konkurrenz. Dass sie Martin Wutke drin haben, der den Leipziger Kommissar gespielt hat. Und dass sie offensichtlich auch immer mal wieder diese kleinen Verbalattacken gegen andere Tatorts machen. Zum Beispiel ganz klassisch, wenn sie sagen, nicht mit Humor, weil wir sind nicht wie Burner. Ja genau, wir sind ja nicht hier in Dingens. Aber naja. Auch ganz toll, seine Assistentin, Magda Wächter, die von Barbara Philipp gespielt wird. Barbara Philipp spielt sich natürlich auch selbst. Ja. Und ist voll genervt von Tukor, weil offensichtlich ist sie halt nicht so eine große Schauspielerin wie er. Und sie sagt, ey, ich muss jetzt hier weg. Ich muss auch andere Projekte machen. Ich habe hier, ich muss mein Leben finanzieren. Und du verdienst vielleicht genug, aber ich nicht. Es wirkt auch tatsächlich so, also so wie sie sich gegenseitig persiflieren und wie sie miteinander reden und wie sie auch offensichtlich die Leute drangekriegt haben, sich selbst zu spielen. Es scheint schon eine kleinere oder größere Familie zu sein. Also ich kann es mir auch gut vorstellen, wenn die mehrere Wiesbaden-Tar dort im Jahr machen, das wird wahrscheinlich immer ungefähr dasselbe Team sein. Ja, ja, ja. Und dann kennen die sich auch und offensichtlich wird es auch nicht groß in Frage gestellt, dass Tukor mit dem Regieassistenten unterwegs war dann. Also offensichtlich gibt es da keine Berührungsängste. Und das fand ich wirkte insgesamt sehr sympathisch, halt wirklich wie eine große Familie, die hier Spaß hat, indem sie sich gegenseitig veralbert. Und jeder kriegt so ein bisschen sein Fett weg. Und das war eine sehr sympathische Inszenierung, diese ganze, dieser riesige satirische Mittelblock. Ja. Ist wirklich witzig. Es schwächelt dann halt immer so ein bisschen, wenn es zur eigentlichen Kriminalhandlung kommt. Ja, das stimmt. Mit diesen Typen in den Schweinemasken, die ihn entführen. Es passiert ja auch tatsächlich nicht viel. Und die wollen das Geld haben. Er versteckt das Geld und er forscht dann halt hinterher, was ist passiert. Und ist dann mit Koch zusammen unterwegs. Und sie kriegen halt raus, dass sie in dem Casino waren, dass sie von den Kameras beobachtet wurden, dass Christoph, der gestorben ist, an dem Abend sehr viel Geld gewonnen hat. Und dass es offensichtlich irgendwie eine Bande gibt in diesem Casino, die Leute beobachten und die sich Leute herausgreifen, die was gewonnen haben, um das Geld zu erleichtern. Und das ist irgendwie so, dahin läuft dann einfach die Kriminalhandlung. Und dann gibt es auch eine Erpressung von diesen Typen anscheinend, in denen zur Geldübergabe nimmt Tukur dann noch wieder Koch und Wutke mit. Das ist auch eigentlich ein schönes Trio. Das ist schon witzig. Immer wenn die miteinander interagieren, ist es witzig. Und dann geht es aber halt auch wieder weiter mit der Krimi-Handlung. Und man denkt so, ey, ja, vielleicht wäre es auch ohne Krimi gegangen. Oder mit ein paar mehr Meta-Ebenen, weil der Krimi-Plot ist dünn. Das macht auch irgendwie verständlich, warum die Fans vom Tatort so drauf reagiert haben. Weil die haben wahrscheinlich mehr Krimi erwartet, mehr Thriller. Aber ich hätte das tatsächlich gelöst, indem ich den Krimi ersetzt hätte durch mehr Mysteriöses und durch mehr Meta-Reflexion. Ja, vielleicht, ja. Das hätte meiner Meinung nach diesem Plot gut getan, weil das hätte besser zu dem Satirischen ergänzt, weil eine Geschichte um eine Bande, die im Casino ist und Leute ausraubt, die im Casino gewonnen haben, es ist so ein bisschen lame. Und es klingt nach so einer typischen deutschen Krimi-Handlung, die am Reißbrett entstanden ist. Ja, genau. Die hätten sie einfach komplett rauslassen können und viel mehr, stattdessen, dann hätten sie auch ein bisschen mehr Zeit gehabt und hätten ein bisschen mehr mit dem Medium spielen können. Sie ist auch offensichtlich bei Muro selbst, ist sie auch nur eine Assistentin. Ja. Was ich auch komisch fand, weil ich dachte, eigentlich wäre so dieses klassische Tatort-Duo Ermittler und Ermittlerin, was man ja oft findet, wäre so, dass die auf einer Ebene sind. Aber das scheint ja ganz krass zu sein, dass sie ganz klar die Untergebene von Muro ist und dass sie wirklich einfach nur Bürojob macht eigentlich. Ja. So die Moneypenny so ein bisschen. Von Valulis gibt es ein sehr schönes Video, der typische Tatort. Ja, stimmt. Fünf Minuten oder so. Auf jeden Fall sehenswert. Findet ihr bestimmt bei YouTube, guckt euch das an. Ja. Das ist, daher ziehe ich mein Wissen, was Tatort betrifft. So ein bisschen Milieustudie. Ja. So ein bisschen persönliches Drama. Ja. So ein bisschen ein Erstverdächtiger, der es am Schluss dann doch war. Genau. Nachdem er komplett entlastet wurde ganz am Anfang. Ja. Ja. Sollen wir zur Metaebene kommen zum Ende oder wolltest du noch was für den Mitte Teil sagen? Also, um jetzt hier eine Metaebene aufzubauen, wir müssen, wir bringen unsere Top 3 immer ganz spontan rein. Normalerweise. Irgendwie mittendrin schreit dann jemand, Moment, jetzt. Manchmal klappt es überhaupt nicht, manchmal müssen wir die dann am Schluss noch dranklatschen. Diesmal hat es geklappt. Wir sind bei Metaebenen und Jingle.
Johannes Franke: Liste.
Florian Bayer: Filme über Filme, Filme in Filmen. Ich bin sehr gespannt, was du beizutragen hast. Das ist ein tolles Thema. Es gibt viel zu wenig Metafilme meiner Meinung nach. Ich liebe es immer, wenn die vierte Wand gebrochen wird, wenn Filme auf sich selbst referieren. Ja. Oder es ist ja, es ist auch immer so ein bisschen eine Angst, die ich sehr gut verstehen kann. Manchmal wird so Künstler und Künstlerinnen nachgesagt, wenn sie keine Ideen mehr haben, schreiben sie drüber, dass sie keine Ideen mehr haben. Ja. Und das ist natürlich auch immer eine Gefahr, die besteht, wenn man selbst referenziell einen Film macht, dass es tatsächlich so ein Künstlergewichse ist. Ich habe zwei Honorable Mentions. Zum einen, den habe ich zu den Honorable Mentions gepackt, weil ich schon sehr oft... Oder weil ich ihn zumindest in Vergangenheit schon mal erwähnt habe. Ja. Hier im Podcast, Inland Empire von David Lynch. Ah ja. Dem das wirklich gut gelingt, dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegzuziehen, in dem nie ganz klar ist, was wir jetzt sehen, ist das gerade gefilmt? Oder ist das echt? Was kulminiert in einer unfassbar bewegenden Sterbe-Szene unserer Protagonistin, die wirklich lange dauert und dann endet mit einem Cut. Und die Protagonistin tritt aus ihrer Rolle raus, ist aber immer noch von der Rolle vereinnert. Großartiger, düsterer, surrealer Film, der mit dem Meta-Element nicht ironisch spielt, sondern das benutzt für einen wirklichen Albtraum. Eine Frau verliert sich in ihrer Filmrolle und das wird radikal umgesetzt, indem sie selbst nicht mehr weiß, was Film und was Realität ist. Und wir als Zuschauer auch nicht. Und meine Nummer vier, beziehungsweise meine zweite Honorable Mention, auch nur Honorable Mention, weil er nicht so doll spielt mit diesem Meta-Filmchen, sondern weil einfach nur eine tolle Liebeserklärung ans Filmemachen ist. Die amerikanische Nacht von Truffaut aus dem Jahr 1973. Ein Film übers Filmemachen, der einfach einer großen Filmproduktion folgt und wirklich schön ist und auch witzig ist und auch ironisch ist, indem er all die Macken am Set darstellt. Aber der nicht wirklich so eine krasse Meta-Ebene aufmacht, sondern einfach das Filmgeschäft beleuchtet. Okay. Ja. Also tolles Spiel mit dem Filmgeschäft auch. Ja, ja, ja. Vor allem die Szene, in der Brad Pitt sich mit Bruce Lee streitet. Okay. Platz drei, willst du anfangen? Ja, mein Platz drei ist Adaptation aus dem Jahr 2002. Da bin ich auf Platz zwei. Ja. Toller Film. Bitte erzähl ein bisschen was darüber. Also, Kaufman, Charlie Kaufman soll, und das ist Realität, das ist die Entstehung des Films, soll ein Drehbuch schreiben und zwar für eine Verfilmung des Buches der Orchideen-Dieb, was so eine Art Thriller-Drama über Leute, die mit Orchideen-Obsessionen haben, zu tun hat. Und er weiß nicht, wie er das schreiben soll. Also jetzt kommt das Künstlergewichsen, ne? Ja, ja, genau. Also schreibt er sich selbst in die Geschichte rein. Was wir als Zuschauer sehen, ist dieser Film, der daraus entstanden ist, wo Charlie Kaufman, gespielt von Nicolas Cage, zusammen mit seinem Zwillingsbruder, der nicht existiert, Drehbücher schreibt und dann halt dieses Drehbuch schreibt, wo er sich selbst in den Film reinschreibt und dann aber auch einem Komplott der Autoren dieses Films auf die Schliche kommt. Und ein super witziger Mindfuck. Jetzt? Nein. Jetzt sind wir jetzt. Und es ist wirklich für so eine alberne Parodie, es ist ein extrem intelligenter Mindfuck, der da stattfindet. Ja, toll. Ganz toll. Instant Videos. Wir sehen den Film, bevor er fertiggestellt wurde. Ja. Spaceballs. Mein Platz 2 ist ziemlich unbekannt und ein Film, der auch keine guten Kritiken gekriegt hat, als er rauskam, der sehr schräg ist und sehr experimentell. The Last Movie von Dennis Hopper aus dem Jahr 1971. Ich glaube, die Kritik war sich damals einig, dass das Ding einfach nur ein selbstverliebter Experimentalfilm ist, in dem Dennis Hopper, der damals gerade durch Easy Rider so zur Bekanntheit gekommen ist, einfach mal so ordentlich künstlerisch masturbieren will. Es geht darum, dass in Peru ein Western gedreht wird, in einem abgelegenen Dorf und im Zentrum steht der Stuntman dieses Films. Und, okay, also das passiert viel, er lernt eine Frau kennen und er hat irgendwie keinen Bock mehr, Filme zu drehen und er weiß nicht genau, wo er hin will und er zieht dann mit dieser Frau einfach raus. Aber das ist alles nicht so wichtig. Was ganz toll ist an diesem Film ist, dass gezeigt wird, sie sind in diesem abgelegenen Dorf und die Leute in diesem Dorf verstehen das Konzept Film nicht so richtig und denken, das was sie sehen, diese Schießereien von den Cowboys und die Gewalt wäre echt. Und dann fangen sie an, ihren eigenen Filmdreh zu starten, weil sie das, was Hollywood ihnen davor macht, imitieren wollen. Und dann bauen sie sich eine Kamera, einfach nur so aus Holz zusammen und fangen an, einen Film zu inszenieren, in dem sie sich gegenseitig umbringt. Weil sie halt Film machen, sie machen halt das, was sie vorher gesehen haben, wo die aufeinander geschossen haben, wo die sich gegenseitig umgebracht haben und das machen sie dann in echt. Und sie versuchen irgendwie, dann versucht dieser Stuntman, der da im Mittelpunkt ist, versucht den irgendwie zu überzeugen, dass das falsch ist, was sie da machen, dass der Film so nicht funktioniert. Und er wird dann dabei irgendwie reingezogen, dann gibt es noch so einen kleinen Subplot und es endet dann damit, dass nicht mehr so ganz klar ist, ob das immer noch echte Gewalt ist oder ob sie damit spielen. Und dieser Stuntman wird dann in den Film hineingezogen und wird quasi gezwungen, da mitzumachen, obwohl das kein richtiger Film ist, sondern echte Gewalt, die stattfindet. Und es ist ein ziemlicher Mindfuck. Es ist ein sehr spröder Film, aber super interessant, auch weil er einfach so ein ästhetisches Gefühl von dem Hollywood von damals, von diesem New Hollywood repräsentiert, dass man wirklich mal alles ausprobieren kann. Das ist kein perfekter Film, der ist holprig, der ist ein bisschen trashig, der ist ein bisschen drüber und drunter und irgendwie. Aber ein wirklich, wirklich, wirklich spannendes Filmexperiment. Es ist wirklich kein, es ist nicht einfach nur ein guter Experimentalfilm. Er ist wirklich holprig, er ist wirklich merkwürdig, er trifft manchmal den falschen Ton, er hat halt so dieses 70er Jahre Flair. Aber er ist ein wirklich interessantes, spannendes Experiment, wie Film wirkt und wie Film verstanden wird. Und stellt sowohl die Filmschaffung als auch die Filmrezeption immer so ein bisschen in Frage. Und ich finde ihn total faszinierend. Irgendwie ein krasser Film einfach. Ja, es geht in die Richtung. Es hat auch eine ähnliche, es trägt auch eine ähnliche Verzweiflung, auch so eine ähnliche akkulöbliche Verzweiflung mit sich. Genau. Ja, und, und Plur war nicht so begeistert, aber ich fand ihn ganz cool. Ja. Ja. Wir hatten ihn beide vorher nicht gesehen und ich hab ihn vorgeschlagen, lustigerweise. Ja. Weil ich ihn auf meinem, auf meinem To-See-Stapel hatte und unbedingt sehen wollte. Ähm, äh, Platz, welcher Platz war das? Okay. Okay, tut mir leid, dass ich dir den Platz zwei weggenommen habe. Ich glaube, den Platz eins nehme ich dir nicht weg. Jetzt bin ich gespannt. Mein Platz eins ist ganz klar, äh, wahrscheinlich einer der ersten Metafilme, die ich überhaupt gesehen habe. The Player von Robert Altman. Eine, ähm... Sagt mir gar nichts. Tatsächlich total, ähm, zumindest was Genre betrifft, ähnlich wie dieser Tatort, eine Mischung aus Thriller und Satire. Ein, ähm, ziemlich, naja, so halberfolgreicher Filmproduzent wird erpresst und, äh, bekommt Drohbriefe von, äh, äh, jemandem, dessen Drehbuch er offensichtlich abgelehnt hat und der ihm jetzt droht, ihn zu töten. Mhm. Und er, ähm, forscht danach und hat den vermeintlich Verdächtigen gefunden und trifft sich mit dem und im Streit bringt er ihn um. Oh. Und dann wird gegen ihn ermittelt und er versucht, das halt zu verschleiern. Das ist so die Thriller-Handlung. Und gleichzeitig kriegt er mit, dass er den Falschen umgebracht hat, weil der Typ, der ihn umgebracht hat, immer noch lebt und ihm weiter diese, diese, diese Postkarten schickt, wo er bedroht wird. Ja. Das ist die Thriller-Handlung. Und daneben läuft eine ganz großartige Satire auf das Filmgeschäft. Und Robert Altman, der ja wirklich so ein Veteran des New Hollywood war, der in den 70ern ganz viele großartige Filme gemacht hat, hatte so einen Moment, wo er sehr lange sehr frustriert war vom Filmgeschäft. Und auch nicht wirklich viele Filme produziert hat, sondern, äh, Regie geführt hat, sondern eher so im Fernsehen tätig war. Und hat sich dann auch ständig abfällig über, über Hollywood geäußert und über die ganzen Machenschaften und so hinter den Kulissen. Und das ist so ein bisschen seine Rache daran. Ein wirklich makaberer, lustiger, düsterer Film über, über, über das Filmbusiness. Und er hat es geschafft, so viele Leute dazu zu kriegen, da mitzumachen. Das Ding ist voll mit Cameo-Auftritten von Schauspielern, die sich selbst spielen. Wow. Also, Harry Belafonte, ähm, Moment, Cher, James Coburn, John Cusack, ähm, Peter Fogg. Krass. Jeff Goldblum, Elliot Gould, ähm, Angelica Houston, äh, Jack Lemmon, Andy McDowell, Malcolm McDowell, Nick Nolte, Burt Reynolds, Bruce Willis, Julia Roberts. Okay, den muss ich sehen. Susan Sarandon, Patrick Swayze, Rod Steiger, Robert Wagner und ich habe jetzt nur gerade die gelesen, die mir als erstes am bekanntesten vorkamen. Aber Patrick Swayze in den 70ern? Ne, äh, 90er, 90er. Ach so. Robert Altman hat in den 70ern experimentelle Filme gedreht, so New Hollywood Filme und hatte dann auch irgendwann den Ruf, Geldverbrenner zu sein, weil er, weil er auch gesagt hat, ey, ich drehe euch jetzt einen total tollen, klassischen North Thriller. Und dann hat er einen Film gedreht, in dem der coole Norddetektiv eine totale Nulpe ist und nur durch die Gegend stolpert. Okay. Und so hat Robert Altman immer seine Filme gedreht. Er hat gesagt, ich drehe euch jetzt einen tollen Psycho-Thriller und dann hat er einen Film gemacht, den kein Mensch verstanden hat. Also Spike Jonze. Ja, so ein bisschen, genau. Und er hatte halt dann auch nicht so viel Erfolg beim Publikum, wahrscheinlich war er deswegen auch sauer auf Hollywood. The Player ist einer von seinen späteren Filmen, 1992. Ah, okay. Und das ist, der ist so witzig und natürlich wird die Meta-Ebene dann auch nochmal weitergetrieben, weil, ähm, tatsächlich will ich da jetzt nicht spoilern. Okay. Es gibt, es gibt eine ganz tolle Szene, weil sie diskutieren die ganze Zeit über ein Drama. Sie wollen ein Drama inszenieren, das gegen die Todesstrafe ist, wo es darum geht, dass eine Frau als Unschuldige auf dem, äh, nicht auf dem elektrischen Stuhl in einer Gaskammer landet. Und dann reden sie die ganze Zeit drüber, dass sie das bloß nicht Hollywood sein soll, bloß nicht zu kitschig, bloß nicht zu dramatisch. Und es wird ständig drüber geredet und es werden immer wieder Ideen reingeworfen, da sagen sie, nein, nein, nein, wir wollen keine Stars und so weiter. Und dann ganz am Schluss sieht man, wie der fertige Film aussieht. Und dann ist es ein, ein, ähm, mit Bruce Willis und Julia Roberts. Und Bruce Willis rettet in letzter Sekunde Julia Roberts aus dieser Gaskammer und trägt sie raus, während sie so halbbenommen sagt, wo warst du? Und Bruce Willis haut den coolen One-Liner raus, ich hab im Stau gesteckt, Baby. Das ist dann so das Ergebnis. Und der Film steckt voll von diesen Momenten, wo sich so super toll über das Filmgeschäft lustig gemacht wird. Geil. Großartiger Film. Oh mein Gott. Unbedingt sehen. The Players. The Player. Oder Singular. Okay. Gut. Mit Tim Robbins. Und Wuppi Goldberg als, äh, Detektiv, die gegen Tim Robbins ermittelt. Okay. Ähm, mein Platz 1. Wahnsinn. Ja. Der hat krasse Sachen gemacht und ich mag ihn auch als Regisseur. Als Regisseur wurde er ja teilweise so ein bisschen weniger gut wahrgenommen, weil die Leute gesagt haben, dass er als Regisseur zu sehr am Rad dreht und zu wenig Humor hat. Zynek Dochi, New York und Anomalisa und der letzte war I'm Thinking of Ending Things. Die waren alle sehr, sehr depressiv. Offensichtlich hat Spike Jonze für den Humor gesorgt in Charlie Kaufmans Filmen. Okay. Als er nur Drehbuchautor war und, als er jetzt, wenn er jetzt Regime macht, sind seine Filme halt nicht mehr lustig, aber immer noch unglaublich gut und sehenswert. Okay. Krass. Hast du gerade bei einer digitalen Aufnahme ein Spulgeräusch von einer Kassette simuliert? Ich hab das bei der Recherche auch gelesen, ich hab noch nie das Wort 8,5-Film gehört vorher. Ich auch nicht. Shit bei Wikipedia, vielleicht hat das auch irgendein Troll eingetragen. Weiß ich nicht, keine Ahnung. Weil ich nenn die Filme Metafilme oder selbstreferenzielle Filme. Ich hab noch nie 8,5-Filme dazu gesagt. Ich find das auch komisch. Keine Ahnung, aber es kann ja sein, ich muss diesen Film nur sehen. Ach, du hast ihn nicht gesehen? Nein, ich hab ihn nicht gesehen. Oh, das ist lange her, dass ich den gesehen habe. Ich hab ihn nicht aufgenommen, weil es auch schon länger her ist, dass ich ihn gesehen habe. Aber auch tatsächlich, weil ich nicht der größte Fellini-Fan bin. Also, 8,5 ist ein spannender Film und ist auch ein schöner und witziger Film. Aber, ja, ich bin nicht der größte Fellini-Fan. Okay. Hm, na gut. Na gut. Fellini hat immer so ein, also Fellini ist schon so ein, ähm, dekadenter Snob. Bei dem hat man immer das Gefühl, dass in seinen Filmen, seine Filme sind irgendwie so wirklich Männerfantasien, wo man das Gefühl hat, er träumt sich eigentlich so ein Szenario, wo er in einem Bett liegt und links eine Frau, die ihn mit Trauben füttert und rechts eine Frau, die ihm die Füße massiert. Gott. So, so, so, so Vibes sprühen Fellinis Filme für mich immer aus. Okay. Es ist ein bisschen ungerecht, ich weiß. Okay. Wie er den, wie er den Casino-Angestellten beschattet hat, während dieser Casino-Angestellte auch von dem Kommissar beschattet wurde. Ja. Muro berichtet von den Freuden und Leiden einer Film, einer Filmfigur, bedankt sich sehr dafür, dass sie den, dass sie den Tumor, den er offensichtlich hatte, rausgeschrieben haben. Ja. Das ist dann auch so ein bisschen die Konklusion. Also, Muro ist tatsächlich der Schuldige an dem Tod. Es war tatsächlich nur ein Unfall. Er war einfach mit diesem Typen, mit dem Christoph, im Auto unterwegs und er ist gefahren, er war betrunken. Er hat den Unfall verursacht und hat ihn dann auf den Fahrersitz gesetzt, weil das war eigentlich der Ursprung der Ermittlungen. Der tote Christoph saß auf dem Fahrersitz, der Airbag war losgegangen, also muss er einen Schlag auf den Kopf gekriegt haben. Aber es kommt dann halt raus, er war auf dem Beifahrersitz und hat also einfach beim Unfall was abgekriegt und Muro hat ihn auf den Fahrersitz gesetzt und ist dann abgehauen. Ja. Und er will jetzt auch mal leben. Ich möchte auch mal leben. Ich möchte mal real sein, sagt er zu Dukur. Ja. Was sagt er genau? Ähm. Ich hab das auch. Ich bin hier gar nichts. Ich bin doch nur so eine Idee. Aber ich möchte auch mal leben. Mal real sein. Tut mir leid, wenn du das Zitat länger aufgeschrieben hast. Genau. Und das ist natürlich der Moment, in dem der Film ins Surreale kippt, weil es wird auch nicht erzählt, dass Dukur hier eine Geistesstörung hat oder so, sondern es ist einfach, das ist Muro. Die Figur hat sich verselbstständigt und ist jetzt in der Realität und er bedankt sich für Dukur, weil der tatsächlich diesen kriminellen Casino-Leuten hinterher spioniert hat, die in der Tat das gemacht haben, das vorhatten, Geld zu klauen. Also er hat den Fall gelöst für Muro, was irgendwie auch ganz praktisch war für ihn und er zieht dann von dann. Muro ist frei. Ja, der andere Kommissar. Es ist tatsächlich schön, weil es so offen bleibt. Es bleibt tatsächlich ein Fragezeichen, Hernsey. Es wird nicht gelöst, es gibt nicht diesen klassischen Fight Club-Effekt. Ja, ja, genau. Ich bin du, du hast dich mir eingebildet, blablub, sondern es ist wirklich einfach, es ist diese Meta-Ebene wird aufgemacht und zum Publikum wird gesagt, was ich wirklich schön finde, so, take this. Ja, schön. Und das hat mir auch wirklich gut gefallen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie es vorher schon ein bisschen mehr andeuten, ein bisschen mehr in die Richtung ziehen. Ja. Aber in der Szene ist das wirklich super gemacht. Noch stärker finde ich dann tatsächlich die Schlussszene, die dir auch folgt. Großartig. Wenn Tukur dann ganz allein am Set ist und dann, was ganz viele Zuschauer, man kann es ihnen nicht verübeln, wahrscheinlich gar nicht mitkriegen werden, dass am Schluss die Kamera wegreißt und das Mikro kurz ins Bild hängt. Und jemand ruft Cut. Genau, es wird eine letzte Meta-Ebene nochmal aufgemacht. Ja. Dieser Tukur hat sich auch in einem Tatort befunden, in einem Film und wir werden einfach, und das ist wirklich ein wundervolles Meta-Spiel. Also diesen Schluss liebe ich. Ich finde diesen Schluss ganz toll, wenn er da steht und wenn sie wirklich diesen klassischen Szenenabbruch machen. Kamera zieht weg, wir sehen noch kurzes Mikro ins Bild hängen. Ja. Schnitt, Ende, super. Ganz, ganz toll. Ich habe mich sehr gefreut darüber. Ich war auch froh, dass sie das noch draufgepackt haben, weil das irgendwie noch so, das hat es irgendwie auch nochmal gebraucht. Ja. Und umso mehr habe ich gedacht, schade, dass sie es vorher nicht mehr angedeutet haben, mehr damit gespielt haben, weil am Schluss spielen sie ganz toll damit. Ja. Ich kann mir auch vorstellen, dass es wirklich Kämpfe gab und wahrscheinlich gab es viele Diskussionen über verschiedene Szenen und über verschiedene Sachen, wo gesagt wurde, können wir das machen? Vielleicht ist der Schere da auch einiges zum Opfer gefallen, was wirklich toll gewesen wäre, was den nochmal auf eine neue Ebene gehoben hätte. Aber um zu deiner Seiltanz-Analogie zurückzukommen vom Anfang, es war halt doch ein ziemlich dickes Seil, auf dem der Tatort tanzt. Symbole. Da komme ich nicht mehr mit. Ja, was ich übrigens echt problematisch finde. Und ich glaube, wir hatten das letzte Mal schon angedeutet, ich finde es immer voll schwierig, also ich kann es total gut verstehen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sagen, hey, wir können nicht nur von den Gebühren leben, wir brauchen irgendwie noch andere Einnahmequellen, wir machen Werbung, wir machen auch Co-Produktionen mit Sky oder so. Werbung finde ich total okay in den ART, ich finde es aber echt problematisch, wenn so eine Zweitverwertung stattfindet, für die zusätzlich nochmal Gebühren anfallen. Und zwar in dem Rahmen, also zum Beispiel, du kannst den Film, so habe ich ihn jetzt geguckt, du kannst ihn bei Amazon kaufen und da kostet er drei Euro. Hast du das Abo gemacht? Ich habe das Abo gemacht. Ah ja, okay. Und ich habe es aber auch so mit so ein bisschen Magenkrummeln gemacht, weil ich das Gefühl habe, wenn es schon so einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt wie in Deutschland, der wirklich viele positive Seiten hat, ich bin, auch wenn ich kein großer TV-Konsument bin, auch kein großer ÖER-Konsument, finde ich, der öffentliche Rundfunk hat sehr viel Gutes und ihm wird oft Unrecht getan in der Kritik. Und er ist ja in den letzten Jahren gerade so von rechts wieder ganz stark in die Kritik geraten. Ich bin gerne und oft dabei, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verteidigen, aber ich finde, wenn es um die Zweitverwertung geht, könnte vieles besser laufen. Wovon jeder weiß, dass Amazon 30, 40 Prozent wahrscheinlich kassieren wird. Ja. Das will mir nicht so ganz in den Kopf, weil ... Aber okay, aber selbst Netflix ist natürlich auch problematisch. Wir sagen das jetzt so einfach, aber Netflix ist natürlich auch ein monatlicher Abo-Preis. Ich glaube, die sollten ... Also, um jetzt mal den öffentlichen Rundfunk zu reformieren. Okay, reformieren wir den öffentlichen Rundfunk. Was ich gut fände, wäre, wenn sie das unabhängig machen von den großen amerikanischen Konzernen, wo Amazon ganz eindeutig reinfällt. Bei Netflix kann man sogar noch ... Nee, Netflix kann man auch nicht mehr drüber diskutieren. Wo ganz klar ist, das Geld ... Sie machen das selbst und sie refinanzieren das. Sie bauen sich eine Plattform auf, meinetwegen mit einem monatlichen Abo. Das nennt man irgendwie ÖR Plus. Und da gibt es dann das Archiv und zwar wirklich alles. Das heißt, ich will auch die Möglichkeit haben, Sendungen aus den 60ern zu sehen, obskure Shows, die sie halt in ihren Archiven haben. Einfach, um ein vernünftiges Digitalarchiv zu haben. Und diese Abo-Gebühren werden natürlich zum einen gegen den Service geworfen. Und ich wette mit dir, das ist refinanzierbar, das funktioniert. Weil die treten an Amazon, treten sie echt viel ab, wenn sie da ein Abo drin haben, wenn sie da einen Abo-Kanal haben. Damit wird das refinanziert. Und dann könnte man tatsächlich überlegen, die gesamte Rundfunkkostenverteilung ... Das wäre so meine Traumvorstellung, als eine Art Genossenschaft zu betrachten. Das heißt, die Zuschauer, die bezahlen, sind Teil dieser Genossenschaft. Und am Ende, wenn es tatsächlich Gewinne gibt, dann werden die auch ausbezahlt. Das heißt, du bezahlst brav deine ... Was bezahlst du Rundfunkgebühren im Moment im Monat? Acht Euro? Acht Euro, ja. Du bezahlst brav deine 100 Euro im Jahr. Und dann am Ende des Jahres wird einmal geguckt, was gab es für Ausgaben, was gab es für Einnahmen, was haben wir zusätzlich eingenommen. Und dann wird ausgeschüttet. Und es muss ja nicht eine Nullrechnung sein. Ein öffentlicher Rundfunk kostet Geld. Aber einfach, dass Zuschauer das Gefühl haben, Teil davon zu sein. Weil ich bin überhaupt kein Fan von diesem Palabern gegen Zwangsgebühren und gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der uns zwingt, nicht so viel Geld zu bezahlen und wir kriegen nichts davon. Ich glaube, dem könnte man entgegentreten, indem man einfach sagt, es ist wirklich ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Und wenn da mehr Geld rausspringt, dann profitiert ihr davon. Ihr habt 100 Euro einbezahlt, ihr kriegt 70 zurück. Ende des Jahres. Vielleicht kriegt ihr sogar 100 zurück. Vielleicht sogar 120 in einer idealen Welt, in der genug durch Werbeeinnahmen und Zweitverwertung über Plus und so eingenommen wurde. Weil dann würde es sich auch so anfühlen, wie der Geist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eigentlich sein sollte, dass er im Besitz der Zivilgesellschaft ist und nicht sowas obskures im Hintergrund, was reguliert wird von Parteien oder von Parteipolitikern und so weiter. Was ein totales Problem ist. Die Parteidurchsetzung in den Rundfunkräten ist problematisch. Aber um nochmal den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verteidigen. Ich finde, es sind gute Sachen entstanden in den letzten Jahren. Auch zum Beispiel, was auf YouTube gemacht wird. Diese ganze Funkgeschichte. Die ganze Funkgeschichte ist großartig. Und auch, dass da junge Leute reingezogen werden. Und das machen die wirklich gut. Und ja, natürlich, also öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat schlechte Seiten, hat positive Seiten. Ich finde es total gut, dass es bei uns sowas gibt. Und wenn ich auf andere Länder gucke, finde ich, ist das auch wirklich ein Vorteil. Weil es ist ein Stück Unabhängigkeit in der medialen Landschaft. Und ich glaube, die ist auch bewahrenswert. Der wird halt nicht gut genug genutzt. Es ist auch so, zum Beispiel, dass so viel Geld für Fußballrechte, es fällt ja gerade so ein bisschen raus, aber dass für sowas so viel Geld investiert wurde. Ich glaube, das ist vielleicht nicht unbedingt das Programm, was in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört. Zumindest nicht zu diesem Preis. Weil was könnte man mit dem Geld machen, das da rausgeschmissen wurde für diverse internationale Wettbewerbe? Das sollte vielleicht nicht, das sollte vielleicht auf der Prioritätsliste eher ein bisschen weiter unten stehen. Ich finde es total richtig, dass sowas auch, dass sowas gemacht wird wie Rosamund-Pilcher-Verfilmungen, sowas wie Tatort. Ich finde es richtig, dass sowas gemacht wird wie Musikantenstadel und so. Weil dafür gibt es halt auch ein Publikum. Und das wäre wirklich aufgeschmissen. Und ich finde es total gut, dass in Jugendformate investiert wird ganz viel. Wie Funk eben, ich finde es gut, dass es sowas gibt wie die Tagesschau, die einfach mal eine Instanz ist, was Nachrichten betrifft. Es wäre echt ein großer Verlust, wenn die wegfallen würde. Ganz viele journalistische Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind wirklich gut und werden auch ihrer Verantwortung der Unabhängigkeit wirklich gerecht, setzen sich auch sehr kritisch auseinander mit der Politik, mit regierenden Parteien und so weiter. Wo man merkt, dass es wirklich ein Bemühen gibt, überparteilich zu sein und unabhängig zu berichten. Aber es wird halt auch viel Geld verschwendet. Also es ist auch, man müsste natürlich gucken, was auch für Renten bezahlt werden und was für Gelder bezahlt werden, ohne eine Neiddebatte daraus zu machen. Aber trotzdem einmal schauen, okay, müssen wirklich so viel Gelder an den Vorstand ausgeschüttet werden? Könnte man das nicht besser organisieren? Muss es so viele Subabteilungen geben? Das sind ja auch Monstren, die öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ja. Und natürlich brauchst du den Verwaltungsapparat, aber vielleicht nicht in dieser Größe, vielleicht nicht in dieser Ausformung. Und dann gäbe es auch, glaube ich, wenn sie das schaffen würden, gäbe es auch, glaube ich, nochmal eine neue Wahrnehmung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und dann wäre den Kritikern halt auch so ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen. Und unabhängig davon fände ich es als Zuschauer halt ganz toll, ein Archiv zu haben von 70 Jahre deutscher Fernsehgeschichte. Wie geil wäre das denn? Ja, total geil. Du darfst dir Nachrichtensendungen aus den 50ern angucken und irgendwelche Reportagen und Filme. Ja. Ist vielleicht ein bisschen utopisch. Aber ich glaube, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist total reformbedürftig. Gleichzeitig ist er total erhaltenswert. Das wäre so mein Fazit dazu. Wir kämpfen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auf die Straße, auf die Barrikaden. Lasst uns die Rundfunkhäuser besetzen. Jawohl. Oh Gott. Ich habe auch kurz überlegt, ob ich schreien soll. Wollt ihr den totalen Rundfunk? Ich weiß nicht. Gute Frage. Ich habe wieder festgestellt, dass ich, als ich bei TV-Produktionen mal geguckt habe, was so aktuell ist, habe ich festgestellt, dass tatsächlich mein Link zum deutschen Fernsehen, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, extrem dünn ist. Weil ich einfach, weil ich einfach kein öffentlich, weil ich kein Fernsehen gucke. Und auch wenig, wenig Zeug gucke, was im Fernsehen gelaufen ist. Passiert immer mal wieder, dass ich drüber stolpere, über Sachen, die vor ein paar Tagen auf, im Sender liefen, weil ich bin halt tatsächlich YouTube-Konsument und ARD und ZDF, Tagesschau und diverse andere Formate gehören halt irgendwie auch zu meinen Abos. Das heißt, manchmal ploppt in meinem YouTube-Algorithmus auf, diese 45-Minuten-Reportage über den Nahost-Konflikt solltest du dir angucken. Und dann gucke ich das auch manchmal. Aber genau, das ist so mein einziger Link zum Fernsehen. Und zwar wirklich Non-Fiction. Fiction-Formate überhaupt nicht. In der Zeit, als wir als junge Leute medial sozialisiert wurden, wäre es ein total subversiver Akt gewesen, zu sagen, Leute, schaut mehr Fernsehen, weil alle Fernsehen geguckt haben. Und heute wirkt es fast altbacken, das zu sagen. Ja, genau. Hängt weniger im Internet rum. Guckt mehr Klotze. Wir haben damals kein Modem gebraucht und keinen Router. Wir haben einfach eine Fernbedienung genommen und haben es angemacht. Wir haben noch quadratische Augen gekriegt. Florreiche Zeiten, die lange vorbei sind. Aber es ist tatsächlich so, dass TV hatte ja, also in den 80ern und 90ern wirklich auch sowas, was die Familie zusammengebracht hat. Da saß man zusammen samstagsabends und hat Wetten, dass? geguckt. Ja. Und das ist so ein bisschen was, was verloren gegangen ist, dadurch, dass es nicht mehr dieses große Ereignis gibt, was man dann auch wirklich gucken muss, um am Montag drüber reden zu können. Wetten, dass? Wetten, dass? Oh, wow. Ich habe kurz drüber nachgedacht, ob ich es als Honorable Mention zu den TV-Produktionen zähle, weil es wirklich Generationen geprägt hat und wirklich ein großes, ambitioniertes Showformat war. Ja, das stimmt. Oh, Mann. Danke, Johannes, aber das war echt anstrengend. Ah, weiß nicht. noch hier. Hast du das schon umgestellt? Genau. Awkward silence. Habe ich also irgendeine geile Idee? Nein. Ich dachte ja eigentlich, als ich gesagt habe, ich glaube hier, dass das der Moment ist, wo es so ausgeht. Aber jetzt, das Einzige, wie wir das jetzt noch retten können, ist, indem wir mich mitten im Satz abschneiden. Und das war jetzt der Moment, wo du abschneiden musst dann, ne? Und das darfst du nicht mehr hintendran machen. Es sei denn, du schneidest mich jetzt raus. Aber das musst du nochmal überlegen, wann du es machen willst. Weißt du, aber ich erzähle dir gleich. Ja, ganz wichtig. Stimmt. Aufgaben für nächste Woche. Wie sieht es aus? Ich habe gar keine Zeit, was zu gucken. Ich habe so viel zu tun. Dann nehmen wir was Kurzes. Es gibt ein filmisches Pendant zu diesem Musikstück. das, wie heißt das noch? 433, glaube ich. 433? Was? Von John Cage. Kennst du nicht? Nein. Es gibt einen Song von John Cage, der heißt 433. Und der besteht aus 4 Minuten und 33 Stille. 33 Sekunden Stille. Oh mein Gott. Okay. Großes Meisterwerk. Ja, ja. Als Klassiker der postmodernen, experimentellen Musik. Und es gibt eine ganz tolle Aufführung auf YouTube. Ich glaube, die muss ich jetzt noch in die Showdowns halten, die wirklich super ist, weil mit Dirigent und mit Orchester der Dirigent stimmt an und dann ist halt Stille. Und dann wischt sich der Dirigent zwischendurch den Schweiß ab, was auch mit Gelächter im Pipi konkurriert wird. Geil. Und dann, es hat mehrere, wie sagt man, bei Kompositionen mehrere, ja, jetzt fehlt mir das klassische Musikverständnis. Es gibt noch. Ach, Plur, ich bin enttäuscht. Eine Komposition setzt sich zusammen aus verschiedenen Partituren? Du musst mir helfen, Johannes, du hast viel mehr Ahnung von Musik als ich. Sätze? Sätze? Ja, vielleicht Sätze. Auf jeden Fall nach einem Satz, sagen wir jetzt einfach mal. Ja. Ist dann natürlich auch eine kurze Pause und dann macht das Publikum mit. Das Publikum hustet dann. Ach, wie geil. Wie sich es halt gehört für so eine Aufführung und dann ist ganz klar es jetzt Pause, dann wird gehustet und dann geht's weiter. Ist das cool. Großartiges Stück aus dem Jahre 1952. Okay. Drei Sätze. Wow. John Cage, Amogat, experimentelle Musik. Wow. Gibt's dazu ein filmisches Pendant, ein Film, der nicht stattfindet, dann können wir das nämlich nehmen. Wahrscheinlich nicht. Wenn ich mal Ferien mache, könnten wir eine Episode rausbringen, die nicht stattfindet. Andy Warhol könnte sowas gedreht haben, der hat ja wirklich irre Filme gemacht, wie Sleep zum Beispiel, wo er stundenlang seinen Freund beim Schlafen filmt. Ich wollte mal und es passiert einfach nichts. Ich finde ja nach wie vor die Idee gut, die wir hatten, mal für so einen nihilistischen YouTube-Kanal, wo wir dann auch so was machen wie ein Video, wie schneidet man richtig eine Mango. Gibt's tausend Videos, aber dann ein Video, in dem nichts passiert, in dem nur die Vorbereitungen gezeigt werden, so aus Vogelperspektive. Das kann man wirklich ausreizen. Oh nein. Die ganze Vorbereitung, legst du das richtig ordentlich hin? Genau. Das wird dich richtig gelegt, okay. Weil diese ganzen Anleitungsvideos sind nämlich meistens um Zeit zu schinden darauf aufgebaut, weil so ein How-To-Cutte-Mango, das ist jetzt nicht sehr abendfüllend. Nein. Aber diese Videos gehen trotzdem zehn Minuten, weil alles nochmal gezeigt werden muss. Und dann Zeitlupe oder was? Nee, es ist einfach, sie lassen sich einfach extrem viel Zeit, bis sie zu diesem Schneideprozess kommen. Okay. Und zwar, ja, es ist merkwürdig, ich bin wirklich Horrorfan, ich liebe Horrorfilme. Du weißt, dass es nicht so ganz mein Genre ist. Ich weiß. Aber ich habe auch einen besonderen Horrorfilm für dich, der satirische Elemente hat und gesellschaftskritische Elemente und der auch eher zum Genre des Post-Horror gezählt wird. Ja, es ist faszinierend, was in den letzten Jahren von Regisseurinnen und Regisseurinnen mit dem Genre gemacht wurde und zwar wirklich, dass das als Tableau diente, um gesellschaftskritisch zu sein, um satirisch zu sein oder auch einfach, um großes Drama zu erzählen. Also ich meine, zum Beispiel der Leuchtturm. Ja, das stimmt. Mochtest du? Der fällt da auch rein. Ja, auch wenn er wirklich abgefahren war, muss man mal sagen. So abgefahren ist der Film, den ich für dich habe, nicht. Der ist relativ geerdet, auch nicht zu brutal, aber es ist ein Horrorfilm und er hat satirische Momente. Es ist Ass von John Peel. Zeigt mir gar nichts. John Peel ist vor allem durch Get Out vor ein paar Jahren sehr durch die Presse gereicht worden als Erneuerer des politischen Horrors. Und ich fand Ass, der Nachfolgefilm, den fand ich aber noch mal ein Stück stärker. Ich bin sehr gespannt, was du dazu zu sagen hast. und sagen, du musst mich jetzt beschützen den ganzen Film über. Jetzt musst du dich aber auch revanchieren, indem du mir Good Old Hollywood vorsetzt. Es ist tatsächlich Stummfilme so toll finde. Oh, super. Ich bin total gespannt, weil den habe ich schon lange auf der Liste und auch tatsächlich aus, einfach aus den Gründen, dass ich denke, okay, das ist so eine Wissenslücke, weil der Film wurde abgefeiert, hat zig Oscars gekriegt, soweit ich mich erinnere. Ja. Und den muss ich einfach noch, muss ich einfach sehen und ja, das ist sehr gut und das ist so ein typischer Johannesfilm. Ja, das ist ein totaler Johannesfilm. Ich freue mich drauf. Schau den Link in die Show Notes. Bis dann. Ciao. Ciao.
