Episode 25: US, The Artist

In unserer 25. Episode schließen wir eine große Klammer um die 2010er Jahre. Relativ am Anfang des Jahrzehnts steht der große Oscargewinner, die nostalgische Verbeugung vor dem Stummfilm und Good Old Hollywood aus dem Jahr 2011, The Artist. Gegen Ende des Jahrzehnts haben wir einen dreckigen, schwarzhumorigen Post-Horrorstreifen vor uns, der Terrorfilm mit Sozialsatire kreuzt, US von Jordan Peele aus dem Jahr 2019.

In unseren passenden Bestenlisten suchen wir nach den besten politischen und sozialkritischen Filmen und denken darüber nach, was eine gelungene Hommage ausmacht.

US [Jordan Peele]

(USA 2019)

Im Jahr 2017 sorgte Jordan Peele mit seinem Regiedebüt Get Out für ziemlich viel Aufsehen. In einer Zeit, in der sowieso zahllose ungewöhnliche, unabhängige Horrorfilme das Licht der Welt erblickten schien seine Mischung aus Terrorflick, Rassismuskritik und Gesellschaftssatire perfekt geeignet für das Label Posthorror. Das Feuilleton schwärmte von einer Politisierung des Horrors und Peele wurde über Nacht zum neuen Darling des Genrekinos.

Dabei wurde ganz gerne darüber hinweggesehen, dass wirklich gelungener Horror auch in der Vergangenheit schon oft politisch war: Die Konsumkritik der Romero’schen Zombiefilme, die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten Amerikas im Terrorfilm eines Wes Craven oder Tobe Hooper, die Reflexion des sozialen Konservatismus im Slashergenre. Horror ist ein äußerst politisches Genre, auch wenn das in den letzten Jahrzehnten durch die am Reißbrett entstandenen Jump Scare Eskapismen gerne vergessen wurde.

Der Nachfolgefilm von Get Out, Us aus dem Jahre 2019, kann in diesem Sinne im besten Sinne des Wortes als traditionell bezeichnet werden. Jordan Peele erzählt die Geschichte einer gut bürgerlichen Familie, die von ihren grausamen Doppelgängern heimgesucht und gnadenlos malträtiert wird. Us springt dabei munter zwischen Home Invasion Thriller, mysteriösem Horror und ätzender Parabel und gipfelt schließlich in einem beinahe apokalyptischen Szenario, das sich auf satirische Weise mit der amerikanischen Gesellschaftsordnung, der Selbstgefälligkeit, Ignoranz und den Ängsten der US Mittelschicht auseinandersetzt.

Johannes… als Horrorverächter. Konntest du in US genug soziale Tragikomik und politischen Symbolismus finden, um bei der Stange zu bleiben? Oder bleibt er dir doch vor allem als dreckiger und brutaler Terrorfilm im Gedächtnis?

The Artist [Michel Hazanavicius]

(Frankreich 2011)

Schon die Entscheidung einen Schwarz/Weiß Film zu drehen, ist in unserer Zeit sehr ungewöhnlich und bedarf sehr viel Vertrauen in deine Geschichte und in dein Zielpublikum. Dann auch noch einen Stummfilm draus zu machen, dürfte jeden Produzenten an den Rand der Verzweiflung bringen. Sicher, ein Nischenpublikum wirst du immer erreichen, aber in DIESER Nische sind von Natur aus nicht gerade viele Leute unterwegs. Du musst also echt viel Überzeugungsarbeit beim restlichen Publikum leisten. Und oh boy hat dieser Film Überzeugungsarbeit geleistet! Er gewann Best Actor in Cannes, drei Golden Globes, sieben BAFTAs und fünf (!) Fucking Oscars!

Aber worum geht es in einem schwarzweiß Stummfilm aus dem Jahre 2011? Natürlich befasst er sich selbstreferenziell mit der Stummfilmära, ihren Stars, dem Übergang zum Tonfilm und den Gewinnern und Verlierern dieser Zeit. Apropos Gewinner… Plor, wenn du in der Jury der Oscars gesessen hättest… hätte der Film auch von dir so viele Preise bekommen?