Episode 25: US, The Artist
In unserer 25. Episode schließen wir eine große Klammer um die 2010er Jahre. Relativ am Anfang des Jahrzehnts steht der große Oscargewinner, die nostalgische Verbeugung vor dem Stummfilm und Good Old Hollywood aus dem Jahr 2011, The Artist. Gegen Ende des Jahrzehnts haben wir einen dreckigen, schwarzhumorigen Post-Horrorstreifen vor uns, der Terrorfilm mit Sozialsatire kreuzt, US von Jordan Peele aus dem Jahr 2019.
In unseren passenden Bestenlisten suchen wir nach den besten politischen und sozialkritischen Filmen und denken darüber nach, was eine gelungene Hommage ausmacht.
US [Jordan Peele]
(USA 2019)
Im Jahr 2017 sorgte Jordan Peele mit seinem Regiedebüt Get Out für ziemlich viel Aufsehen. In einer Zeit, in der sowieso zahllose ungewöhnliche, unabhängige Horrorfilme das Licht der Welt erblickten schien seine Mischung aus Terrorflick, Rassismuskritik und Gesellschaftssatire perfekt geeignet für das Label Posthorror. Das Feuilleton schwärmte von einer Politisierung des Horrors und Peele wurde über Nacht zum neuen Darling des Genrekinos.
Dabei wurde ganz gerne darüber hinweggesehen, dass wirklich gelungener Horror auch in der Vergangenheit schon oft politisch war: Die Konsumkritik der Romero’schen Zombiefilme, die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten Amerikas im Terrorfilm eines Wes Craven oder Tobe Hooper, die Reflexion des sozialen Konservatismus im Slashergenre. Horror ist ein äußerst politisches Genre, auch wenn das in den letzten Jahrzehnten durch die am Reißbrett entstandenen Jump Scare Eskapismen gerne vergessen wurde.
Der Nachfolgefilm von Get Out, Us aus dem Jahre 2019, kann in diesem Sinne im besten Sinne des Wortes als traditionell bezeichnet werden. Jordan Peele erzählt die Geschichte einer gut bürgerlichen Familie, die von ihren grausamen Doppelgängern heimgesucht und gnadenlos malträtiert wird. Us springt dabei munter zwischen Home Invasion Thriller, mysteriösem Horror und ätzender Parabel und gipfelt schließlich in einem beinahe apokalyptischen Szenario, das sich auf satirische Weise mit der amerikanischen Gesellschaftsordnung, der Selbstgefälligkeit, Ignoranz und den Ängsten der US Mittelschicht auseinandersetzt.
Johannes… als Horrorverächter. Konntest du in US genug soziale Tragikomik und politischen Symbolismus finden, um bei der Stange zu bleiben? Oder bleibt er dir doch vor allem als dreckiger und brutaler Terrorfilm im Gedächtnis?
The Artist [Michel Hazanavicius]
(Frankreich 2011)
Schon die Entscheidung einen Schwarz/Weiß Film zu drehen, ist in unserer Zeit sehr ungewöhnlich und bedarf sehr viel Vertrauen in deine Geschichte und in dein Zielpublikum. Dann auch noch einen Stummfilm draus zu machen, dürfte jeden Produzenten an den Rand der Verzweiflung bringen. Sicher, ein Nischenpublikum wirst du immer erreichen, aber in DIESER Nische sind von Natur aus nicht gerade viele Leute unterwegs. Du musst also echt viel Überzeugungsarbeit beim restlichen Publikum leisten. Und oh boy hat dieser Film Überzeugungsarbeit geleistet! Er gewann Best Actor in Cannes, drei Golden Globes, sieben BAFTAs und fünf (!) Fucking Oscars!
Aber worum geht es in einem schwarzweiß Stummfilm aus dem Jahre 2011? Natürlich befasst er sich selbstreferenziell mit der Stummfilmära, ihren Stars, dem Übergang zum Tonfilm und den Gewinnern und Verlierern dieser Zeit. Apropos Gewinner… Plor, wenn du in der Jury der Oscars gesessen hättest… hätte der Film auch von dir so viele Preise bekommen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 25: US, The Artist Publishing Date: 2021-06-23T10:23:30+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/06/23/episode-25-us-the-artist/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Hallo, hallo, hallo. Hallo. Herzlich willkommen. Wieder eine Woche rum. Plur. Wieder muss man sehen, Podcast. Der Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme aufs Auge drücken und hoffen, dass er den Horizont des anderen erweitert. Ach, Plur, dein Film hat meinen Horizont erweitert. Hat mein Film das auch bei dir gemacht?
Florian Bayer: Wir werden es sehen.
Johannes Franke: Wir werden es sehen. Wir haben schon beschlossen, wir fangen mit deinem Film an.
Florian Bayer: Genau, ohne große Vorrede. Zwei Filme haben wir. Ass von Jordan Peele, das ist mein Film. Und die Artist von ... Na? französischer Regisseur.
Johannes Franke: Sätze ein. Meine Notizen haben gerade aufgegeben, das heißt, ich kann nicht nachschauen. Na toll.
Florian Bayer: Gott, jetzt haben wir keine zwei Minuten und müssen schon schneiden. So, wir haben aus dem Jahr 2011 die Artist von Michel... Wirklich? Das ist so ein Name, den ich nicht mal aussprechen kann. Michel Hassan... Wie ist das?
Johannes Franke: Ich habe kein Französisch gehabt. Du hattest Französisch.
Florian Bayer: Google, du musst helfen. Ich... So. Wir wollten eigentlich ein kurzes Intro machen diesmal.
Johannes Franke: Du wolltest ein kurzes Intro machen. Ich wollte uns nochmal komplett vorstellen. Wo kommst du her? Wo gehst du hin?
Florian Bayer: Ja, also, Michel. Johannes?
Johannes Franke: Er war ne Süß.
Florian Bayer: Michel. Michel. Ein französischer Regisseur. Die Artist. 2011. Stummfilm. Modern. Oscar prämiert. Und von mir gibt es Ass aus dem Jahr 2019 von Jordan Peele. Horror mit Gesellschaftskrefik Satire.
Johannes Franke: Los geht's. Für mich gibt's jetzt erstmal Tee, Plur. Du hast schon genommen, hab ich gesehen.
Florian Bayer: Das haben wir jetzt so vermasselt, dass wir einfach noch einmal das Intro einspielen müssen und ich lege dann einfach direkt mit dem Einführungstext los. Achtung, Johannes, bitte Intro.
Johannes Franke: Dann los, boah, jetzt muss man auch.
Florian Bayer: Im Jahr 2017 sorgte Jordan Peele mit seinem Regiedebüt Get Out für ziemlich viel Aufsehen. In einer Zeit, in der sowieso zahllose, ungewöhnliche, unabhängige Horrorfilme das Licht der Welt erblickten, schien seine Mischung aus Terrorflick, Rassismuskritik und Gesellschaftssatire Perfekt geeignet für das Label Post-Horror. Das Feuilleton schwärmte von einer Politisierung des Horrors und Piel wurde über Nacht zum neuen Darling des Genrekinos. Dabei wurde ganz gerne darüber hinweggesehen, dass wirklich gelungener Horror auch in der Vergangenheit schon oft politisch war. die Konsumkritik der romeroschen Zombiefilme, die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten Amerikas im Terrorfilm eines Wes Craven oder Toby Hooper, Die Reflexion des sozialen Konservatismus im Slasher-Genre. Horror ist ein äußerst politisches Genre. Auch wenn das in den letzten Jahrzehnten durch die am Reißbrett entstandenen Jumpscare-Eskapismen gerne vergessen wurde. Der Nachfolgefilm von Get Out, Us, aus dem Jahre 2019, kann in diesem Sinne... im besten Sinne des Wortes als traditionell bezeichnet werden. Jordan Peele erzählt die Geschichte einer gutbürgerlichen Familie, die von ihren grausamen Doppelgängern heimgesucht wurde. und gnadenlos terrorisiert wird. Ass springt dabei munter zwischen Home-Invasion-Thriller, mysteriösem Horror und ätzender Parabel und gipfelt schließlich in einem beinahe apokalyptischen Szenario, das sich auf satirische Weise mit der amerikanischen Gesellschaftsordnung der Selbstgefälligkeit, der Ignoranz und den Ängsten der US-Mittelschicht auseinandersetzt. Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Als Horrorverächter konntest du in Ass genug soziale Tragikomik und politischen Symbolismus finden, um bei der Stange zu bleiben? Ja. Oder bleibt ihr dir doch vor allem als dreckiger und brutaler Terrorfilm im Gedächtnis?
Johannes Franke: Weder noch. Das war's. Ich kann mir nicht helfen, aber vielleicht hilfst du mir. Ja, sehr gerne. Ist diese Gesellschaftskritik oder die politische Haltung, die so ein Film hat, im Horrorbereich nicht immer doch ein bisschen platt?
Florian Bayer: Sehr oft, definitiv. Fandst du sie bei diesem Film platt?
Johannes Franke: Ich fand sie in diesem Film ... Subtil, was ich gut finde. Aber das, was subtil war, war halt auch eindimensional. Da ist nicht viel. Das ist eine grundsätzliche Haltung, ja okay und so, aber irgendwie... Ich weiß nicht, man kann natürlich in einem Horrorfilm nicht so viele Felder aufmachen oder man will nicht so viele Felder aufmachen, weil man eigentlich einen Horrorfilm machen will, aber... Vielleicht bin ich auch zu verwöhnt von Themen, von Filmen, die irgendwie so ein Thema wirklich ausschlachten von vorne bis hinten und dann wirklich ein... mehrere Fässer aufmachen und sagen okay, das hängt mit dem zusammen und das ist ein Problem. Aber das macht der Film ja nicht wirklich.
Florian Bayer: Tatsächlich? Ich wäre ganz anderer Meinung. Ich würde tatsächlich sagen, dieser Film macht so viele Themen auf, dass es schwer ist zu sagen, hier liegt der Fokus. Und zwar sehr viele politische und gesellschaftskritische Themen.
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: Also um es vielleicht mal tatsächlich aufzuzählen, was ich sehe in diesem Film, was Gesellschaftskritik betrifft. Und natürlich ist so das Hauptthema oder das, was man als Hauptthema ausmachen kann, sind soziale Gegensätze. Bürgertum versus Prekariat und wie das Prekariat so ein bisschen Spiegelbild des Bürgertums ist, mit dem es wenig zu tun haben will. Und wenn es damit konfrontiert ist, verursacht das einfach Angst. und Terror. Es geht aber auch zum Beispiel um die Willkürlichkeit von sozialen Rangordnungen. Es geht um die Frage, wie sehr ist die Sozialisation entscheidend für das, was aus einem Menschen wird. eben vor allem durch den Plottwist am Ende nochmal ganz groß gemacht. Es geht aber auch darum, was zum Beispiel an Abgründen im Bürgertum selbst stecken. Neid, Missgunst, Hass. Es geht auch, und dann geht es ein bisschen weg auch von der Gesellschaftskritik hin zur politischen Ebene, es geht darum... wie ein Staat ein Gesellschaftssystem erbaut und wie ein Staat ein Gesellschaftssystem pflegt. und wie er über dieses Gesellschaftssystem, das in ihm entsteht, irgendwann die Kontrolle verliert. Also es geht auch um Kontrollverlust des Staates, wie sich die, die eigentlich gut eingezäunt wirken, selbst behaupten und dann auch fast einen subversiven Charakter entwickeln. Es geht um Privilegien, es geht um Abgründe, es gibt diese psychologische Ebene. Mit den Doppelgängern. Also ich habe da tatsächlich sehr viel Material gefunden, was man... weiter spinnen kann, was Gesellschaftskritik, was Psychologie und was Politik betrifft.
Johannes Franke: Ja, aber der Film macht das nicht. Der Film macht da überall einen Haken hinter und sagt, das habe ich jetzt angesprochen, das ist jetzt Thema, das kam jetzt im Film vor. Aber es geht ja nicht wirklich darum, das heißt, es wird nicht ausgeschöpft, es wird nicht wirklich behandelt, sondern es wird behandelt. So einmal als Konstrukt eingebaut, so. Und dann kann man ganz viel reininterpretieren. Ja, ja, okay, klar, natürlich. Und du kannst ganz viele Themen danach aufmachen. Aber der Film gibt keine Antworten oder keine wirklichen, weiß ich nicht, mehr... Mir fehlt der Entdeckergeist im Film. Ich will da ja ins Thema rein und nicht einfach nur sagen, guck mal, das gibt es übrigens und das gibt es übrigens und das gibt es auch noch. Das ist, ich weiß nicht, irgendwie, es ordnet sich alles natürlich dem Horror unter.
Florian Bayer: Ja, aber ich finde, das ist auch... Das sehe ich tatsächlich eher als Stärke von dem Film. Es geht natürlich auch um ein subtiles Anspielen und auch Anteasern und ein Aufwerfen von Fragen. Und es geht nicht darum, eine... ein politisches Pamphlet zu sein. Das machen ja auch viele Firmen, die in politischen Fahrwassern dass sie halt so sehr direkt sind, so in your face. Und das ist meine Aussage, das ist meine Utopie. Und das macht der Film definitiv nicht. Der Film entwirft keine Utopie. Der Film sagt nicht, wie sich die Welt verbessern kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das finde ich aber viel stärker, weil er natürlich dadurch eine gewisse Offenheit hat.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Am Ende ist es vielleicht auch nur, dass ich kein großer Fan von Horrorfilm bin.
Florian Bayer: Das kann sein, ja.
Johannes Franke: Dass ich am Ende sozusagen dann jedes Mal gedacht habe, Ach, jetzt komm, jetzt lass den ganzen Horrorfilm weg und erzähl mir ein bisschen was, was noch irgendwie Relevanz für mich hat. diese ganze eigentliche Handlung hat keine Relevanz für mich, weil ich auch als Horrorfilmverächter da nicht so Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, das Relevant hat stattgefunden und um das jetzt mal böse zu sagen, ich glaube, es ist dir nicht aufgefallen.
Johannes Franke: Naja, also mir sind die Sachen an sich schon aufgefallen, aber es wurde immer wieder überrollt von der... von der Geschichte irgendwie. Es hat mich nicht gecashed an der Stelle. Ich hatte wirklich zwischendurch Ich fand viele Sachen ganz toll tatsächlich. Und ich bin auch im Film gut mitgekommen. Es gab aber wirklich den Moment, wo ich gedacht habe ... Ja, jetzt wird es halt einfach nur Monster-Verteidigung. Wir müssen weg und die müssen hinterher und wir müssen uns irgendwie blutig verteidigen. Filmen und das ist halt wirklich echt nicht meins.
Florian Bayer: Steigen wir mal ein.
Johannes Franke: Mit der Familie.
Florian Bayer: Wo wir schon zum ersten wundervollen gesellschaftskritischen, vor allem satirischen Ton kommen. Was ist das für eine Familie, die im Mittelpunkt steht? Wer sind unsere Protagonisten? Das ist die Familie Wilson? Und das ist eine sehr gehobene Mittelstandsfamilie, die gleichzeitig ... Naja, halt so die klassischen Floss und Ticks auch mitbringt, die so eine gehobene Mittelstandsfamilie hat. Wir haben unsere Protagonistin, Eddie, die Mutter.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: gespielt von Lupita Nyong'o.
Johannes Franke: Die ist ganz toll. Das habe ich mir schon gedacht, dass du von der Schauspielleistung begeistert bist. Lupita Nyong'o ist sowieso eine ganz, ganz, ganz tolle Schauspielerin.
Florian Bayer: Wir haben den Mann Gabe, der so die erste wirklich satirisch witzige Figur ist, weil er ist so ein typischer Dead-Manager. So ein typischer, bürgerlicher Dad. Mit Dad-Jokes, mit Dad-Wünschen. Er mietet sich ein Motorboot und geht voll drauf ab, ab, dass sie dieses geile Motorboot hat. Er macht Witze über die Internetnutzung von seiner Tochter und will, dass die Kinder draußen spielen. Er ist halt so das Klischee Aber natürlich auch das total satirisch überspitzte Bild von einem ... Mann aus der gehobenen Mittelschicht, der ein bisschen was erreicht hat und gleichzeitig aber immer so ein bisschen unzufrieden ist. und sich drüber ärgert, dass sein Freund irgendwas Cooles gekauft hat, was er nicht hat, weil er damit halt irgendwie schlechter dasteht.
Johannes Franke: Ja. Also die Charakterzeichnung finde ich auch ganz gut tatsächlich von allen einigermaßen, muss ich mal sagen. Also insgesamt... Ich glaube tatsächlich, also wir gehen jetzt gleich weiter, aber nur mal als Zwischenbemerkung. Ich glaube, dass ich tatsächlich filmemacherisch an sich... fast gar nichts auszusetzen habe, weil ich es wirklich gut erzählt finde und die Charakterzeichnungen super sind und die Geschichte gut entwickelt sich und so weiter. Es ist nur das Genre, was mir das plattwalzt, was ich eigentlich in dem Film gerne hätte.
Florian Bayer: Dann haben wir die zwei Kinder. Wir haben Zora und wir haben Jason. Piel selbst hat tatsächlich gesagt, er wollte diese Familie gestalten als so eine... archetypische Vierergruppe. Und er sagt dann, Adelaide ist die Leader, die Führerin. Zora ist Warrior, die Kriegerin. Gabe ist Chester Fool, was total gut trifft. Also Gabe, der Ehemann, ist Chester Fool, der Dad. Und Jason ist der Wizard, der Magician. Ja.
Johannes Franke: Was auch sehr schön ist. Also man kann es auch gut verfolgen und dadurch kann man auch den Figuren gut folgen, weil das schön dargestellt ist.
Florian Bayer: Und Peele erzählt anhand dieser archetypischen Figuren natürlich, wie ist so eine Familienkonstellation in den USA in der Mittelschicht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ich finde den Anfang immer noch super witzig. Man weiß zwar schon, der Schrecken wartet am Horizont. Und das Tolle daran ist, dass gerade das amerikanische Horrorkino gerne damit arbeitet, dass es so eine Familienidylle zeigt. Und ebenfalls der Schrecken ist am Horizont. Man weiß genau, die Familienidylle wird irgendwann zerstört werden. Und das Schlimme am klassischen Horrorfilm, am klassischen Terrorfilm ist halt ... dass man anfängt, diese Personen lieb zu gewinnen und dass man ihnen Sympathien entgegenbringt und denkt, oh Gott, hoffentlich kommt ihr da lebend wieder raus.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das macht der Film ja eher weniger. Also er macht die Figur nicht unsympathisch, aber er zeigt uns ihre witzigen Seiten und zeigt uns ihre absurden Seiten. Das sind alles so ein bisschen ... Das sind alles so ein bisschen abstruse Charaktere, auch da sie dann darüber reden, ob Jason vielleicht ADHS hat. Das wird nicht so direkt... Aber sie sagen irgendwann zwischendurch mal, ja, der hat Konzentrationsprobleme und er verhält sich auch manchmal ein bisschen merkwürdig. Und das sind alles so klassische First-World-Problems, die da verhandelt werden.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Super. Ich finde, das ist ein toller Einstieg. Einfach ... Ja, davor haben wir diesen Horror-Einstieg, diese kurze klassische ... kurze klassische Horrorprolog.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber eigentlich ist erst mal das Fleisch und Blut diese Familie. Wir dürfen wirklich viel Zeit mit dieser Familie verbringen. Es ist so eine halbe Stunde, bis der Horror einsetzt. Und wir haben auch sehr viel Spaß mit dieser Familie. Also ich hatte sehr viel Spaß mit dieser Familie hier.
Johannes Franke: Ja, und es ist nicht, es rutscht nicht, was oft bei Familiendarstellungen der Fall ist, in so eine Art... Sitcom, Tür auf, Tür zu Dingen. Weißt du, was ich meine? Es gibt so viele Filme, Was habe ich da neulich gesehen auf Netflix? Vergessen, wie es hieß. Aber da wurde die Familie auch so Sitcom-mäßig. Dann ist es das Haus und da ist irgendwie das das... Wohnzimmer und da ist das, weißt du, so wie bei einer schrecklich nette Familie oder wie bei, weißt du, Tür auf, Tür zu und der kommt rein und der wird noch eingeführt und so. Das macht der Film nicht und das macht er sehr gut. Ich finde auch, dass gleich das erste Bild, wo wir auf den Fernseher gehen, In den 80ern, 86. Finde ich sehr, sehr gut. Der macht sofort eine Stimmung auf und das macht dieses... Du hast irgendwie das Gefühl, ein Horrorfilm wird dich erwarten, auch wenn du schon weißt, dass es ein Horrorfilm ist, weil dir das erklärt wurde oder so. Aber auch da würde das sofort... irgendwie klar, weil die Stimmung da ist, obwohl es nur ein Fernseher ist, der eigentlich nur einen Werbespot zeigt, auf den später referiert wird, was ich auch ziemlich cool finde. Und du weißt sofort bis in den 80ern, nicht nur an den Requisiten, sondern weil auch im Werbespot das einfach erwähnt wird, dann weiß ich nicht genau, warum sie es nochmal unten drunter schreiben. Weil die schreiben ja dann nochmal in die Untertitel 1986 dort und dort. Und das hätte eigentlich dann nicht mehr, hätte es dann nicht mehr gebraucht. War eher überflüssig, ja. War wirklich überflüssig. Weil ich viel schöner fand, dass sie es tatsächlich geschafft haben, ohne diese Untertitel einem sofort klarzumachen, wo man ist und wann man ist. Und das hat mir das ein kleines bisschen, da habe ich gedacht, ah, nee, nimm mal die Uhr.
Florian Bayer: Sie haben ja am Strand von Santa Cruz gedreht in diesem Vergnügungspark. Und es war wohl offensichtlich gar nicht so schwer, diese 80er-Jahre-Atmosphäre herzustellen. Weil diese Schaubuden und diese Achterbahnen und so, die stehen da einfach schon seit 50 Jahren, wenn nicht sogar länger.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Das heißt, du kommst da rein und du hast direkt diese nostalgische Atmosphäre.
Johannes Franke: Schön, toll. Ist auch gut hergeleitet. Und mit dem Kind, das da auf dem Jahrmarkt rumläuft und so, ist gut hergeleitet. Ich weiß nicht ganz genau, wie realistisch ist das, musst du als Kind... Kindbesitzer... Einmal sagen, einschätzen, geht man als Kind vom Jahrmarkt einfach so, der Vater macht da irgendwie an einem Stand irgendwas und gehst du denn wirklich... bis zum Wasser runter, irgendwo ganz anders hin, wo wirklich gar nichts mehr los ist und dann noch in so ein Haus rein, wo es eigentlich dunkel ist.
Florian Bayer: Kommen natürlich auf das Kind an.
Johannes Franke: Aber weil die ist auch nicht lebendig oder sowas. Die läuft stumm überall hinterher. Und macht nichts groß und dann sowas. Also als lebendiges Kind, okay, ja, Übermut. Aber das ist das Kind nicht.
Florian Bayer: Ja, es wird am Anfang natürlich schon so ein bisschen dieses Thema aufgemacht mit der Verbindung, mit dieser ominösen... man denkt lange metaphysischen Verbindungen, die sie hat mit ihrem Schatten.
Johannes Franke: Ich muss mal sagen, das war das Vorhersagbarste überhaupt. Mal sofort klar, ah ja, okay, und jetzt haben sie getauscht. Okay, also das, also ich, hm. Aber der Film stützt sich dann nicht ausgerechnet nur darauf. Also es kommt dann am Ende, dass der Plot Twist noch mal drin ist. Ist okay, weil der Rest des Films auch anguckbar ist, ohne dass man den Plot-Quist vorher nicht wissen darf oder sowas. Ist schon okay.
Florian Bayer: Nee, der Plot ist nicht so wichtig. Das ist einfach nochmal so eine kleine gehässige Pointe. Und ich habe es tatsächlich damals nicht vorher gesehen, als ich es gesehen habe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber ... Ja, ich hab nicht das Gefühl, dass es schlimm ist, dass es dem Film abträglich ist, wenn man es vorher schon weiß. Nicht unbedingt. Weil dafür halt ... einfach zu viele andere Themen auch angerissen werden und reflektiert werden. Und das ist unser Intro, das ist in den 80ern und das ist auch die Protagonistin, die dann später die Mutter ist, Eddie. die in diesem Spiegel zum ersten Mal ihr gegenüber sieht. Wir sehen das Gegenüber nur mit dem Rücken. Und was da natürlich ganz stark angeteasert wird in diesem Intro 1986, ist dieses Hands Across America-Ding. Mhm. Da würde ich gerne noch mal kurz näher drauf eingehen, weil das wirklich durch den Film zieht und weil das ein Ganz wesentliches Element ist, nämlich diese Schatten, diese bösen Doppelgänger machen am Schluss eine Performance, die eben genau das wieder macht, was Hands Across Amerika war. Und zwar Hands Across America war ein Fundraising-Event. der im Mai 1986 stattgefunden hat. 25. Mai. 25. Mai 1986. Neun Monate Planung gebraucht hat und ein Star von 400 Leuten. Und das Ziel war eine Awareness zu erzeugen und natürlich auch um... um Charity. Es ging um Charity, es ging um Geld dafür. Eigentlich war es gegen den Hunger in Amerika und es wurden aber ganz viele verschiedene Organisationen, lokale Organisationen mit den Einnahmen dann ausgestattet ist.
Johannes Franke: 15 Millionen haben sie, glaube ich.
Florian Bayer: 15 Millionen haben sie gemacht. Und zwar... Das Geld wurde dadurch eingenommen, dass sich die Menschen für 10 Dollar einen Platz in dieser Menschenkette reservieren konnten. die einmal von Ostküste bis nach Westküste gehen sollte. Also es war wirklich New York, Philadelphia, Washington, D.C., Memphis, Alperkirche, Phoenix und das Ganze hat dann in Santa Monica am Strand geendet. Und zwar haben sie das Geld eingenommen, indem sich die Leute, die teilnehmen wollten... einen Platz in der Kette sichern konnten, indem sie 10 Dollar bezahlt haben. Und das war das eingenommene Geld, was dann an die Wohltätigkeitsorganisation ausgegeben wurde. Und zwar haben zwischen 5 und 6,5 Millionen Leute mitgemacht. Das heißt, man weiß gar nicht so genau, wie viele es waren. Und es war aber, es war wirklich ein großes Ding. Ken Cragen hat das organisiert. Das war der Mann, der hinter USA for Africa stand, die... einige Zeit davor dieses Lied We Are The World gemacht haben mit Michael Jackson und Lionel Richie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also dieser große Charity-Pathos, den man in den USA ja immer mal wieder findet. Do they know it's Christmastime und so weiter.
Johannes Franke: In diesem Video steht doch einer dieser Musiker, Bob Dylan. Ich bin doch dazwischen den Leuten total gelangweilt. Oh Gott, wo bin ich hier gelandet?
Florian Bayer: Charity-Musik ist die Pest. Egal wie gut die Hintergründe sind, egal wie gut die Gedanken sind, wie nobel das Ganze ist, es sind schreckliche Lieder. Es gibt keine guten Charity-Songs. Und noch schlimmer als die amerikanischen sind nur die deutschen Charity-Songs.
Johannes Franke: Hast du ein Beispiel? Ich kenne überhaupt gar keine deutschen Charity-Songs.
Florian Bayer: Es gab einen, der ist noch gar nicht so lange her mit... Keine Ahnung, diversen Schlagertypen, Campino war eventuell dabei von den Toten Hosen, ich weiß es nicht mehr. Es ist wirklich schrecklich. Man hört das und es ist einfach nur so cringeworthy und es tut alles weh. Während bei dem große Namen dabei waren, mit Michael Jackson und Lionel Richie, war der Song zu Hands Across America. Dazu gab es natürlich auch einen Titelsong. Mhm. Nicht so prominent besetzt. Es war jemand oder sogar zwei von Toto dabei. die in den 80ern durch Afrika vor allem bekannt wurden. Aber ansonsten war es nicht so ein prominent besetzter Song. Und insgesamt gilt dieses Hands-Across-America-Ding auch eher so als Noble Failure. Failure. Als ... Nett gemeint, aber nicht so wirklich durchdacht.
Johannes Franke: Aber sie haben doch so viel Geld eingenommen. Als Failure kann man es nicht bezeichnen.
Florian Bayer: Sie haben 17 Millionen eingenommen. Nee, sie haben, was hast du gesagt? 15 Millionen haben sie ungefähr eingenommen. Das Problem ist, dass das ganze 15 Millionen, das waren ein Drittel von dem, was sie an Einnahmen hatten, 50 Millionen, zwischen 50 und 60 Millionen haben die insgesamt verdient.
Johannes Franke: What?
Florian Bayer: unfassbar viel Geld ausgegeben für die Organisation, für den Staff, für den Song ... Und für das ganze Ding, das hat so viel, wie gesagt, es waren 400 Leute, neun Monate Planung. Und sie haben dann über 50 Millionen Dollar haben sie eingenommen und davon haben sie es halt geschafft, ein Drittel rauszuwerfen an tatsächlich Charity-Organisationen. Okay. Und es ist natürlich so dieses klassische Klischee von einem großen Charity-Event, wo ganz viele Stars mitmachen und alle schön kostümiert. Es gibt gutes Essen, gute Musik. Und dann muss man sich natürlich die Frage gefallen lassen, wäre es auch eine Nummer kleiner gegangen, um für den guten Zweck ein bisschen mehr Geld einzunehmen?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Gilt aber nicht nur deswegen als so ein kleiner Fail. Es war tatsächlich so, dass sie keine geschlossene Kette hingekriegt haben. Es wurde teilweise Band benutzt zwischen den Menschen, vor allem auf dem Land und an Highways, um irgendwie die Lücken zu schließen. während sie teilweise in den Städten gestapelt wurden. Sie haben dann wirklich so Serpentinen gemacht in der Menschenkette, weil so viele Leute sich in den Städten gemeldet haben.
Johannes Franke: Okay, krass.
Florian Bayer: Sie konnten einfach keine gerade Linie damit bilden, weil es waren zu viele Leute. Das heißt, es gab dann Serpentinen durch die Straßen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: die diese Kette, um jedem einen Platz in der Kette zu ermöglichen, während auf dem Land eben dieses Band benutzt wurde. Es gab richtige Löcher da drin, teilweise haben Ranger... ihre Kühe benutzt und dazwischen gestellt. Was? Um irgendwie Lücken zu füllen. Also es hat definitiv so eine absurde Komponente, so gut es gemeint war. Die ABC schrieb 2006 so, zum 20-jährigen Jubiläum von dem ganzen Teil, One of the noblest failures in the history of American popular culture.
Johannes Franke: Aber irgendjemand hatte geschrieben, dass man, wenn man die Städte und die Länder, also wenn man das ordentlich verteilt hätte... Hätte die Kette funktioniert?
Florian Bayer: Sie hätte funktioniert. Das Problem ist halt einfach, ich meine ... Man weiß, wie die USA aussehen. Die USA sind sehr groß. Es gibt große Landstriche, wo keine Menschen sind. Und du hast natürlich gerade so im Mitte Süden der USA hast du viel Wüste. viel Savanne, Berge. Und es ist schwierig, da Menschen irgendwie so entlang zu manövrieren, dass die eine Kette bilden. Ja, das ist diese Geschichte. Es war wirklich ein... großes klassisch amerikanisches Charity-Event und es gibt viele Dinge, über die man sich lustig machen kann und es gibt viele Dinge davon, die man kritisch sehen kann.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dieses Charity-Event steht natürlich in all seinen Schwächen auch ein bisschen ... dafür, wie in den USA die Oberschicht mit der Unterschicht umgeht. Und das ist halt so eine Mischung aus Ignoranz, Und kombiniert mit Spendenfreundlichkeit. Und das liegt natürlich am Wirtschaftssystem der USA. Im allgemeinen USA sind ein ... sind ein System, in dem es wenig staatliche soziale Absicherung gibt. Und es gibt traditionell von diesem wirtschaftsliberalen Gedanken halt ... diesen Zusatzgedanken, dass Privatleute und Privatorganisationen sich um Charity und um soziale Absicherung kümmern. Deswegen wird in den USA deutlich mehr gespendet als in Deutschland für soziale Zwecke. es nötig ist. Weil in Deutschland einfach der Staat sehr viel Wohlfahrt übernimmt und sehr viel, weil es einfach eine Solidargemeinschaft gibt, an der alle beteiligt sind.
Johannes Franke: Also im Vergleich zumindest. Im Vergleich, ja. Aber heißt das, dass dieses Hands Across America als Rezipient in der heutigen Zeit dieses Films Hast du das? Weißt du das als Rezipient zumindest in den USA, was da dran hing oder was da... Welches Geschmäckle vielleicht dabei ist? Ist dir das klar als Zuschauer?
Florian Bayer: Also wenn du in unserem Alter bist oder ein bisschen älter, dann definitiv ja. Es ist ganz witzig, wenn du dir anschaust, die Diskussionsforen unter den Texten dazu, aus unserer Zeit. Findest du zahllose Kommentierende, die sagen, ja, ich kann mich noch erinnern, ich war damals dabei, ich stand damals in der Kette. Das ist vielleicht so ein bisschen vergleichbar mit Deutschland, die Lichterketten Anfang der 90er Jahre. Also viele, viele Leute unserer Generation haben dann auch Erinnerungen dran, wie sie in dieser Lichterkette standen und eine Kerze hochgehalten haben gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen die... pogromartigen Übergriffe, die es damals gab in diversen Bundesländern. Und ich glaube, in Amerika ist es ähnlich, weil fünf bis sechs Millionen, das waren Viele. Also ich meine, klar, Amerika ist ein großes Land, aber trotzdem waren das ziemlich viele Leute, die da mitgemacht haben, prozentual betrachtet. Und ja, vor dem Film hatte ich nie davon gehört. Aber ich glaube, wenn ich in meinem Alter in Amerika groß geworden wäre, hätte ich das wahrscheinlich mitgekriegt. Und eventuell zu meinen Eltern würde es passen, dass ich einen Platz in der Kette gehabt hätte.
Johannes Franke: Okay. Verstehe. Naja, aber um den Bogen zu dem, was der Film erzählen will, zu spannen. Du sagst, dass diese Kette auch so ein bisschen Symbol für das ist, was Mittelschicht, Oberschicht herabschauend zur Unterschicht macht und dann diese... der Gegensatz zur Spendenfreundlichkeit, die irgendwie, weiß nicht, so dieses, ach, der adorable Arme, weißt du, was ich meine? Ja. Ist das so konnotiert? Kann man das in dem Film dann finden tatsächlich oder ist es eigentlich eher ein Gimmick?
Florian Bayer: Naja, ich denke schon, es geht in dem Film ja ganz stark darum, wie funktioniert die Mittelschicht, wie funktioniert dieses Bürgertum, das... einen gewissen Wohlstand hat und auch eine gewisse Sattheit hat. Und auch, wie reagiert es, wenn es dann mit einer Art Gegenbild... konfrontiert wird und vor allem damit, dass dieses Gegenbild ihnen halt doch ähnlicher ist, als sie vielleicht vermuten. Und das haben wir natürlich dann, wenn es zu dem Horror kommt. Wir haben die Familie kennengelernt. Und haben sie lieben gelernt, vielleicht auch ein bisschen hassen. Und dann stehen plötzlich diese fremden Leute in der Einfahrt. mit roten Overalls Und mit Scheren bewaffnet.
Johannes Franke: Was einem auch sofort klar ist, dass die das sind. Man muss nicht mal erst abwarten, dass die näher kommen und dass man sieht, sondern man weiß sofort, ah ja, okay.
Florian Bayer: Jason sagt es als erstes, it's us. Und es ist keine sonderliche krasse Erkenntnis, es wird ja auch am Anfang schon angeteasert. Das ist irgendwie klar. Als sie da stehen, wissen wir, okay, das passiert jetzt. Und sie... werden wie Schatten präsentiert, quasi wie eine dunkle Kehrseite von unserer Familie. Und dann haben wir erstmal diesen ganz klassischen Home-Invasion-Terror-Plot. Das heißt, das böse Fremde tritt in das Haus der Familie ein. Der Rückzugsort, der Schutzort, der sichere Ort für die Familie wird eingenommen von den Bösen und Das endet dann in dieser Szene erst einmal, wo die ... wo die bösen Spiegelbilder unserer Protagonisten mit den Protagonisten zusammen im Wohnzimmer sitzen und die Mutter... fängt an zu reden. Sie ist übrigens die einzige von den roten Bösewichtern, die tatsächlich redet.
Johannes Franke: aber sehr beeindruckende Stimme, die sie da herholt. Die hat da wirklich viel für gearbeitet anscheinend. Und sich mit Ärzten und mit Leuten zusammengesetzt und überlegt, wie sie, auch ohne, dass sie ihre Stimme kaputt macht dabei, weil sie ja immer hin und her springen muss in den Figuren dann beim Dreh, das irgendwie hinkriegt, diese Stimme. Ich fand die Stimme sehr beeindruckend. Und ich muss sagen, ich bin auch noch Noch nicht genervt von dem Film, was den Horroranteil betrifft, weil der irgendwo hin will. An dem Moment ... wo die Leute so Home-Invasion-mäßig reinkommen und sich erst mal darum kümmern, die zu fangen. Man weiß schon, dass es irgendwo hingeht. Das heißt, man ist nicht sofort so, jetzt kommt Horrorflick, okay. Jetzt müssen sie sich verteidigen. Sondern es geht irgendwo hin. Es geht dahin, dass die sich dann zusammensetzen. Und dann erst mal so, wie so einen Spiegel zwischen sich haben und sehen, okay, gut, krass, das sind wir und wir unterhalten uns jetzt. Unterhalten in Anführungsstrichen. Was ich einen sehr schönen Moment finde.
Florian Bayer: Und Gabe, ganz witzig, der in dieser Rolle des gutbürgerlichen Mannes bleibt, der hier konfrontiert wird mit seinen bösen Zerrbildern und immer noch sagt, Entschuldigung, was wollt ihr von uns Ihr könnt meinen Geldbeutel haben, ich hab ganz viel Geld hier, ihr könnt das alles haben. Der offensichtlich überhaupt nicht realisiert, was da gerade passiert, was das für eine Bedrohung ist. Ja. die auf sie zukommen, das vielleicht auch nicht realisieren will und das nicht sehen will und nach wie vor in diesen klassischen Szenarien denkt, okay, das ist ein Einbruch, wenn ich ihnen jetzt Geld gebe, dann verschwinden sie schon wieder und alles ist wieder gut. Und die Einzige, die es wirklich versteht, ist offensichtlich Eddie, die eine Geschichte damit hat. Und die auch direkt angesprochen wird von der roten Mutter. die tatsächlich in den Credits Red genannt wird. Und Eddie sagt manchmal Shadow, wenn sie auf sie referiert, aber sie ist die Einzige, die keinen Namen bekommt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ansonsten ist es aber tatsächlich so, dass unsere Figuren jetzt unsere bösen Zerrbilder bekommen haben. Und zwar indem die Shadow oder Red ausholt und anfängt zu erzählen. Es gab Einmal dieses junge Mädchen, das hatte ein glückliches Leben, aber es gab ihr dunkles Ich, das unter der Erde gezwungen war zu leben. Und sie musste dann diesen April heiraten. Das ist das böse Zerbild des Vaters.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: während Eddie diesen netten Gabe heiraten konnte. Und auch sie hat Kinder zur Welt gebracht. Aber diese Kinder waren auch nur die bösen Zerrbilder von den Oben. Sie hat Umbray zur Welt gebracht, die lachend geboren wurde. Finde ich auch ein krasses Bild, dass sie sagt, sie war ein Monstrum, sie wurde lachend geboren, was irgendwie so ein krasses Bild ist, wirklich ein unheimliches Bild. Und dann das zweite Kind Pluto, der es liebt, mit Feuer zu spielen. der übrigens nur die Maske trägt. Der hat die ganze Zeit diese Maske an. Und es gibt eine Szene, wo er die Maske kurz abnimmt. Und wir sehen auch, warum er sie anhat. Er hat nämlich überall Verbrennungen im ganzen Gesicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Gabe will nach wie vor von ihnen wissen, wer seid ihr. Und dann kommt ein ganz zentraler Satz. Ich kann die Stimme leider nicht nachmachen, die Peter Nyong'o. Wie macht sie das? Sie atmet ein beim Reden.
Johannes Franke: Ich kann es nicht sagen. We are Americans. Das ist nicht schlecht gewesen, Flo. Danke. Okay. Ja, ähm, ähm, zentraler Satz, ja, we are, ja, ja. Aber der Film bügelt ja dann, der geht ja dann gleich wieder weiter. Man kann es gar nicht so auskosten.
Florian Bayer: Es ist ein Genrefilm. Es ist immer noch ein Horrorfilm. Bei aller Politik und bei aller Satire und Gesellschaftskritik ist es ein Horrorfilm.
Johannes Franke: Ich wünschte, der Film wäre kein Horrorfilm. Aber sonst wäre nämlich sehr gut.
Florian Bayer: Ja, aber was würde dann passieren? Ich meine, es gibt ja den Moment, wo du...
Johannes Franke: Nein, also der Film, was den Unterschied zwischen einem Horror und einem Thriller macht, ist ja klar, du hast als Horrorfilm dann so Exploitation. Und dann ergehst du dich in Bildern, die du als Thriller eigentlich nicht brauchst.
Florian Bayer: Angst. Also Horrorfilm erzeugt natürlich Angst. Ein ganz großes Moment von Horrorkino ist, dass es Angst erzeugen wird.
Johannes Franke: Und der Gore.
Florian Bayer: Und Unsicherheit.
Johannes Franke: Obwohl so viel Gore ist nicht dabei, muss man sagen. Aber es ist schon so, dass man ... Also, jeder Horrorfilm-Fan wäre enttäuscht gewesen, wenn da kein Blut vorgekommen wäre oder wenn nicht immer mal jemand mit einem Kamineisenteil auf jemanden einschlagen würde. Und das braucht es aber eigentlich nicht wirklich. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Okay, gut. Ja, natürlich. Es ist ganz klar. Also Gewalt und Angst gehören zum Horror dazu. Es gibt auch Horror der... fast gar nicht mit Gewalt arbeitet. Also so der klassische Gespenster-Geister-Kruse. Hat sehr wenig Gewalt, aber es geht natürlich immer um die... um eine physische oder psychische Bedrohung. Und zwar, die so weit geht, dass eine Unsicherheit nicht nur bei den Protagonisten erzeugt wird, sondern auch beim Publikum. Hast du dich gegruselt? Hattest du ein Unsicherheitsgefühl oder ein Angstgefühl? Gab es Momente, die das ausgelöst haben?
Johannes Franke: Das ist eine verdammt gute Frage. Ich weiß nicht, ich habe mich natürlich die ganze Zeit, wie man das bei Horrorfilmen so hat, sehr unwohl gefühlt. Die Musik ist sehr gut, die macht das super. Die Geräuschkulisse und so, das Sounddesign ist super. Und das ist, glaube ich, das, was größtenteils dafür verantwortlich ist, was ja bei guten Horrorfilmen oft der Fall ist, dass du einen Score hast. Ja. Wenn du da jetzt Slapstick-Musik drunterlegen würdest, wäre es wahrscheinlich, würde wahrscheinlich gehen.
Florian Bayer: Es gibt diesen einen Film aus den Anfang 2000er, glaube ich, Revenous heißt der.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und da geht's um Kannibalen. Das ist so eine Mischung aus Western, Kannibalenhorror. Und da gibt's eine wunderbare Szene, wo einer von den Protagonisten von Kannibalen gejagt wird. Und im Hintergrund läuft tatsächlich Slapstick-Musik. Und es ist natürlich nicht beängstigend, aber es ist interessant.
Johannes Franke: Ja, es gibt auch, wenn es eingebettet ist, in einem Horrorfilm, wo sonst der Score sehr klassisch ist und du dann eine Situation hast, wo plötzlich, wie bei auch diesem Film, es gibt es eine, wo ... Wo Alexa, die heißt hier Ophelia, glaube ich. Ophelia, ja. Sie sagt, ruf die Polizei.
Florian Bayer: Fuck the police.
Johannes Franke: Und dann fängt dieser Song an zu spielen.
Florian Bayer: Call the police. Oh, playing fuck the police. Was ein guter Moment.
Johannes Franke: ist. Und weswegen das mit dem Horror dann auch wieder funktioniert. Ich glaube, das machen ziemlich viele. Ich glaube, Clockwork Orange hat es auch drauf, so Musik gegenzusetzen gegen die Gewalt, die da passiert. Da funktioniert das wieder. Und das finde ich auch ziemlich gut.
Florian Bayer: Doctor Who Orange ist natürlich kein Horrorfilm, ne?
Johannes Franke: Nein, ist kein Horrorfilm. Aber er spielt sehr viel mit Gewalt, wie auch eben ... In diesem Film dann teilweise, ja.
Florian Bayer: Ja, dann haben wir natürlich die Gewalt erstmal. Und das ist tatsächlich, das nimmt jetzt einen großen Teil des Films ein. Wir haben die Familie, die sich gegen ihre bösen Spiegelbilder wehren muss. Jeder auf seiner... eigene Art und Weise. Also, Abraham, das Besitzerbild von Gabe, ist halt unglaublich aggressiv und jagt ihn und will ihn eigentlich nur prügeln. Und will ihn natürlich töten, aber einfach mit roher Gewalt. Dann haben wir Umprey, das Spiegelbild der Tochter. Zora und sie will offensichtlich jagen und spielen. Das ist tatsächlich so was, was Spannung betrifft, ist das irgendwie der ... klassischste Horrors-Subplot. Die Tochter Zora kriegt einen Vorsprung, rennt raus und dann wird sie verfolgt von Umbre. Die mit einem gewissen Sadismus, einer gewissen Leichtigkeit und Verspieltheit.
Johannes Franke: Und einem Lächeln auf den Lippen.
Florian Bayer: Übrigens auch großartig gespielt von dieser Schauspielerin. Und wie das böse Zerrbild vom Sohn Jason tickt. Habe ich nie so ganz verstanden. Er ist ja der Feuermacher, aber es gibt Und dann diesen ganz krassen Moment, wo Jason mit Pluto zusammen in seiner Kammer sitzt. Jason hat so eine kleine Kammer, in die er sich auch einmal zufällig eingesperrt hat. Und dann spielen sie quasi miteinander. Ähm, Eddie sagt noch zu ihm, zeig ihm mal deine Tricks, weil sie weiß, sie, also sie, ähm, Es ist klar, dass Jason sterben wird, wenn sie nicht irgendwie irgendwas macht, wenn irgendwas passiert. Und dann geht er zusammen mit Pluto in diese Kammer und er hat diesen ... den er macht dann, während Pluto die ganze Zeit mit dem Feuerzeug spielt.
Johannes Franke: Was ein gutes Pendant ist. Ich finde dieses ganze Feuerthema bei ihm auch sehr gut ausgelotet. Also es ist nicht zu viel und es ist auch irgendwie so dieses...
Florian Bayer: Und das spannendste Motiv ist natürlich, liegt bei Shadow bzw. Red, also bei dem dunklen Zerrbild von Eddie. Und die sagt einmal ... sie redet sehr lange sehr kryptisch der film präsentiert uns am schluss nochmal irgendwie eine vermeintliche Erklärung, über die wir nachher noch mal diskutieren können, inwiefern die Sinn macht. Und sie will eigentlich Untethering. Also sie werden auch als The Tethered bezeichnet, als die verbunden sind mit der Familie. Und sie will diese Verbindung lösen. Sie will eigentlich Freiheit haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist auch das, was wir relativ schnell erfahren. Offensichtlich gibt es eine Verbindung zwischen ... jedem Einzelnen mit seinem rot gekleideten Zerrbild. Und diese Zerrbilder müssen offensichtlich irgendwie Handlungen ausführen. Also ... Die Shadow war gezwungen, diesen Abram zu heiraten. Sie hatte gar keine andere Wahl, weil eben ... Eddie gelb geheiratet hat. Und sie musste diese Kinder kriegen, weil Eddie eben die Kinder gekriegt hat. Das heißt, es Sie ist da irgendwie gefangen als Doppelgänger. In dieser Doppelgängerrolle ist sie gefangen. Und sie will Freiheit erlangen. Und deswegen natürlich die Scheren auch als Mordwaffe für sinnbildliche Trennen der siamesischen Zwillinge. Das ist ihre Art sich zu befreien. Sie wollen Blut sehen. Und Blut kriegen wir in der nächsten halben Stunde sehr viel zu sehen.
Johannes Franke: Ja, genau. Also, ich weiß nicht, auch hier setzt sich der Film natürlich auch gerne auf die typischen... die man als Horrorfilm-Fan auch gerne dann sieht, vor allem als Fan von intelligentem Horror, weil man dann so ein bisschen... Möchte, dass die weißen reichen Idioten sterben in ihrem Haus da?
Florian Bayer: Die weißen reichen Idioten, die in diesem Film übrigens alle schwarz sind.
Johannes Franke: Naja, nee, aber die anderen... Achso, ah, ja, ja, ja. Schon die wirklich Weißen.
Florian Bayer: Die Tylers.
Johannes Franke: Die Tylers. Die sterben dann ja in ihrem Haus von ihren Zwillingen jeweils getötet.
Florian Bayer: Die Wilsons, also unsere Protagonistenfamilie, die kommen tatsächlich komplett davon erst mal.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Jeder auf seine eigene Weise, aber sie schaffen es tatsächlich erstmal zu fliehen. Dann Gott sei Dank hat der Papa das Motorboot, auf das sie dann können. Und dann fahren sie zum nächsten Ort, der ihnen einfällt. Und das ist das Haus von den Teilers, ihre weißen Freunde, ihre Oberschichtfreunde. auf die der Vater auch immer ein bisschen neidisch ist. Und genau, und die Tylers werden allerdings währenddessen von ihren Doppelgängern heimgesucht. Also es scheint ein landesweites Phänomen zu sein, dass überall diese Doppelgänger aus dem Boden schießen.
Johannes Franke: Ja. Das ist auch eine gute Idee, das über den Fernseher zu machen und zu erzählen, das ist überall so. Das ist ein landesweites Phänomen, weswegen sie ja auf die Idee kommen, nach Mexiko abzuhauen dann, ne?
Florian Bayer: Ja, das sagt Eddie ziemlich früh schon. Wir müssen raus aus Amerika. Übrigens nette Referenz, auf die man kurz verweisen kann. Eventuell überinterpretiert, aber ... Us ist natürlich auch US.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Um es zumindest einmal kurz in den Raum geworfen zu haben. Das ist ein sehr amerikanischer Film und es geht auch sehr stark um die amerikanische Gesellschaft und wie die amerikanische Gesellschaft funktioniert.
Johannes Franke: Als du mir nochmal geschrieben hast, welchen Film ich gucken soll, hast du einen Großbuchstaben geschrieben. Und ich habe als erstes US gelesen. Mhm. Deswegen lag es für mich dann auch relativ nahe sofort, weil ich das erst festgestellt habe, ach nee, falsch, das ist ja ass und dann das aber im Hinterkopf hatte und dann sehr.
Florian Bayer: Das war aber die Schuld von meiner G-Board-Tastatur, die das Autokorrektur gemacht hat. Ich hatte keine Lust, nochmal Backspace klein S bitte zu drücken.
Johannes Franke: Ja, Foreshadering von deiner Tastatur, toll. Ich finde es sehr schön, dass sie das erste Mal die Gnadenlosigkeit der Shadows zeigen, indem sie ... Die Tochter wird ja von ihrem Zwilling gejagt und dann kommt so ein Typ aus dem Haus und sagt, ey, was machst du auf meinem Auto, runter da. Und sie bringt ihn halt gnadenlos um. Und das ist das erste Mal, dass wir denken, okay, die spielen nicht, die wollen wirklich Blut sehen.
Florian Bayer: Und das findet nur im Hintergrund statt. Wir sind Tochter und wir sind nur so im Hintergrund in der Unschärfe.
Johannes Franke: Deswegen mochte ich es glaube ich auch. Weil ich es viel lieber mag, wenn man es nicht sieht. Ich finde es viel besser, wenn man irgendwie so seine Fantasie noch dazu hat. Und der Film macht das gut, hat viele Sachen, wo man wirklich seinen eigenen Kopf anstrengen muss, aber eben auch so ein paar Sachen, wo ich denke... Ja, jetzt artet es aus in Monster jagen ihre Doppelgänger und ich muss mich zur Wehr setzen. Es gibt auch
Florian Bayer: kaum Jumpscares, was tatsächlich relativ ungewöhnlich ist für das aktuelle amerikanische Horrorkino. Und ich glaube, deswegen unterscheiden die Kritikerinnen gerne zwischen Horror und Post-Horror. Einfach um zu sagen, unser Post-Horror, da packen wir mal alles rein, was ein bisschen intelligenter ist. Weil es gibt so eine riesige Reihe an aktuellen Horrorfilmen, die vor allem so in dieser ... als Erbe von Insidious entstanden sind. die alle ganz krass dieses Jumpscare-Prinzip haben. Und auch mit Fake-Jumpscares. Das heißt, die Leute gehen durch den dunklen Gang und dann ... Uhuh, Geräusch! Und dann ist nur eine Katze. Und dann noch mal Uhuh, Geräusch. Und dann ist nur ihr Freund. Und dann zieht sich das noch ewig. Und dann kommt der eigentliche Schock. Oh, jetzt ist es doch das Monster. Ja. Und es ist so abgedroschen und so langweilig. Und ich bin dankbar für jeden Horrorfilm, der so weit es geht auf Jumpscares verzichtet, weil die sind schon zu einer Selbstkarikatur geworden, dieses ... Dieses, wir machen Horror, indem wir dem Zuschauer einmal laut Buh entgegenrufen. Das ist so wie bei Pfadfinderlagen Horrorgeschichten am ... am Feuer erzählt wurden. Irgendjemand erzählt was flüstern und macht dann irgendwann laut und alle erschrecken und lachen ein bisschen. Das ist die billigste Form des Horrors.
Johannes Franke: Macht dieser Film zwei, dreimal, aber eben wirklich nicht viel.
Florian Bayer: Ja, das ist in Ordnung.
Johannes Franke: Ich würde gerne auf eine meiner Lieblingsstellen hinauskommen, weil es gibt tatsächlich Lieblingsstellen in diesem Film, weil ich den Film an sich gut fand, bis auf den Horror. Um es nochmal zu sagen. Wie eine dieser Doppelgänger sich den Lippenstift schnappt. Oh ja.
Florian Bayer: Die Doppelgängerin von der Tyler-Frau, ne?
Johannes Franke: Ja, die ist wirklich... Da macht es nochmal klar, die wollen einfach nur frei und ihre eigene Welt und nicht... versklavt da irgendwo unten im Untergrund sitzen, sondern ihr eigenes ruhmreiches Leben führen. Fand ich sehr schön, eine ganz tolle Szene.
Florian Bayer: Die Tylers werden tatsächlich ziemlich schnell gemäuchelt und die Wilsons haben plötzlich einen neuen Feind. Sie müssen sich gegen die Doppelgänger von den Tylers, während Kitty heißt, hieß die Freundin, deren Doppelgänger dann vorm Spiegel sitzt und sich schminkt. dann schließlich mit der Schere das Gesicht aufschneidet. Ich fand das tatsächlich auch eine unheimliche Szene, weil es ist natürlich so diese, wir sehen die Sehnsucht in diesem Charakter. Aber wir sehen halt auch so total dieses atavistische, diese animalische Seite. Wir wissen, dass es ... Ein Mensch, der über Leichen geht, um seine Sehnsucht zu befriedigen. Und es auch getan hat. Kurz davor wurden die Tylers alle umgebracht.
Johannes Franke: Tada.
Florian Bayer: Aber auch gegen diese Doppelgänger setzen sich die Wilsons erstaunlich gut zur Wehr. Sie gehen dann so auf ihren eigenen Rampage und tauen die kurz und klein mit ... mit Baseballschlägern und mit dem Eisen vom Kamin.
Johannes Franke: Genau. Was vielleicht ein bisschen unrealistisch ist, was aber unterhaltsam ist. Damit komme ich klar. Das ist okay.
Florian Bayer: Passt aber auch zum Thema des Films, weil es natürlich erzählt, dass diese... ordentliche Mittelstandsfamilie das Böse auch in sich hat. Und wenn sie sich wehren müssen, dann können sie sich auf genauso brutaler Art wehren wie ihre Doppelgänger. Es gibt diese Szenen, in denen sie, was Gewalttätigkeit betrifft, ihren ... ihren Verfolgenden in nichts nachstehen. Und gerade Eddie ... Wird mehr und mehr mit rotem Blut eingetaucht. Bis sie eigentlich genauso rot gekleidet ist wie ihre Doppelgängerin. Ja, nicht überinterpretieren, bitte nicht.
Johannes Franke: Nein, es passt zum Thema, du hast recht, aber sie ist tatsächlich nicht so blutbeschmiert. Aber sie ist es schon, und ich finde auch die Stelle interessant, wo der Junge dann kommt, um sie zu holen und sie gerade noch der eine Doppelgängerin umbringt, Und zwar sehr animalisch und auch so Geräusche von sich gibt, wo man denkt, oh, okay, dir will ich auch nicht begegnen im Dunkeln.
Florian Bayer: Übrigens, um da nochmal einen guten Witz einzustreuen, dann diskutieren sie, wie sie sich gegen die Doppelgänger wehren können. Und Gabe schlägt vor, dass sie es doch so wie wir Home Alone machen könnten bei Kevin allein zu Hause. Hey, wir bauen Fallen auf. Wir sind im Haus, wir können das machen. Und die Mutter sagt, ey, die... Wir können jetzt nicht mit Micro Machines so eine Home Alone Story machen und die Kinder können nur reagieren mit What are Micro Machines? What is Home Alone?
Johannes Franke: Sie sagt vor allem, did you just reference Home Alone? Ja.
Florian Bayer: sehr schön finde. Ich fand's sauwitzig, wie die Kinder drauf reagieren, weil das natürlich zu dieser Generationenkonflikt ist. Die Eltern haben ihren ganzen Nerd-Referenzen. Und dann die Kinder haben keine Ahnung, was Micro Machines sind und was Home Alone ist.
Johannes Franke: Ja, sehr gut.
Florian Bayer: Das war definitiv ein Erziehungsfoupa des Vaters. Definitiv. Dass seine, keine Ahnung, wie alt soll sie sein? Zwölf? Elf?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Seine zwölfjährige Tochter Home Alone nicht kennt. Also... Verzeihlich. Überhaupt nicht gut. Sie haben den Tod absolut verdient.
Johannes Franke: Was ist das mit den Kaninchen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich muss natürlich an Alice in Wonderland denken. Definitiv. Down the Rabbit Hole und dann die Spiegel und so. Alice in Wonderland steht da viel drin.
Florian Bayer: Viele Referenten. Spaß daran.
Johannes Franke: Aber gibt es noch irgendwas anderes, was ich übersehen habe? Weil eigentlich sind es so wahnsinnig viele Kaninchen und sind So viel Wert darauf, dass ich denke, ja, als kleine Referenz funktioniert es, wenn ich mal ein Kaninchen sehe, aber muss ich das ganze Ding vollpflastern damit?
Florian Bayer: Wir kommen damit natürlich zu der Erklärung des Films. Das ist das, was Jordan Peele auch bei Get Out gemacht hat, was ich bei Get Out auch ein bisschen lame fand. dass er dem Ganzen eine sehr rationale Erklärung gibt, die dann aber nicht so wirklich funktioniert, weil man anfängt, bei der rationalen Erklärung sich die Fragen zu stellen. Hä, was ist das? Wie soll das funktioniert haben? Die rationale Erklärung dieses Films ist es, die USA hatten eigentlich, um die Menschen oberhalb zu können, haben sie diese Klone geschaffen. Diese Doppelgänger. Und das Ziel war es eigentlich, die zu benutzen, um wie so Puppenspieler die Menschen hin und her bewegen zu können. das ist offensichtlich schiefgegangen. Und dann haben sie gesagt, okay, jetzt haben wir diese ganzen monströsen Wesen erschaffen, wir überlassen die jetzt einfach ihrem Schicksal. Und seitdem lesen die Menschen in diesen Tunneln. Ja, definitiv.
Johannes Franke: Hättest du doch einfach weglassen können. Bin ich ganz klar. nur sagen können, die sind da und gut ist es.
Florian Bayer: Ja, es hätte keine Rationalisierung gebraucht. Es ist natürlich nochmal so ein bisschen so ein Schussrichtung, wie will der Staat seine Bürger kontrollieren?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was macht der Staat alles, um Kontrolle zu wahren? Wie weit handelt er amoralig, um Kontrolle über seine Bürger zu haben? Und ich glaube, die Kaninchen sind, wenn wir jetzt nicht auf einer Bildebene sind, das ist natürlich alles in Wonderland, sind das einfach die Versuchskaninchen, mit denen das gemacht wurde. Das heißt, wir haben hier zahllose Kaninchen, die geklont wurden, die mit Doppelgängern ausgestattet wurden, um zu schauen. Was können wir machen? Wie können wir Lebewesen kontrollieren, wenn wir einen Doppelgänger von diesem Lebewesen haben? Das wäre meine Erklärung. Ja. Und es wird nicht konkret gesagt. Aber diese Kaninchen sind halt da unten. Und diese Kaninchen sind offensichtlich irgendwie ... gehören zu diesem großen Plan.
Johannes Franke: Ich würde die Kaninchen auch tatsächlich... als nur als visuellen Interest tatsächlich auch akzeptieren. Das fände ich auch in Ordnung, weil ich vieles anderes... da unten, was da unten passiert, auch Visual wirklich sehr spannend finde und auch die Schnitttechnik und sowas. Was da unten dann passiert mit der Erklärung, was passiert ist und so weiter, der hat es wahnsinnig gut geschnitten. Und gut zusammengebracht, finde ich. Und diese Tanzsequenzen und die ganzen ... ich weiß nicht, wirklich gut übereinandergelegt.
Florian Bayer: Wenn Shadow erzählt, wie ihr Leben da unten war und wir sehen dann, dass die Doppelgänger quasi so eine Mimikrie von dem oben machen und dann sehen wir oben Leute auf der Achterbahn sitzen und dann sehen wir unten, wie diese Personen in wirklich absurden, verzerrten Haltungen da hängen, weil sie eben genau dasselbe gerade erleben. Ja, das fand ich auch total krass. Also auch wirklich wieder ein unheimliches Bild, wie diese Welt da unten funktioniert hat. Es gibt diesen Tunnel. Und da laufen überall diese Doppelgänger rum von amerikanischen Bürgern und Bürgerinnen. Und es gibt tausende von ihnen und die machen dieselben Bewegungen wie die oben und sind irgendwie dazu verdammt, quasi das Leben der anderen zu reproduzieren unterhalb der Erde.
Johannes Franke: Finde ich sehr, sehr cool gemacht. Also das würde ich auch als Film sehen wollen. Also da bin ich wieder drin sofort. Ich glaube, es gab nur so ein Fenster von vielleicht 20 Minuten, wo ich gedacht habe, okay, jetzt ist es mir zu viel Monsterjagd.
Florian Bayer: Okay. Ja, es ist halt so der Mittelteil. Also wir haben eigentlich von der Struktur ist es ja wirklich so, wir haben... ungefähr eine halbe Stunde, um die Familie kennenzulernen. Dann haben wir eine halbe Stunde, wo die Familie von ihren Doppelgängern gejagt wird. Nochmal eine halbe Stunde, wo die Familie ... konfrontiert wird mit den Doppelgängern von den Teilers und im Haus der Teilers sich wehren muss. Also es ist schon so eine Stunde, ein Block in der Mitte, der vor allem Home-Invasion, Slasher, Horror, sehr viele klassische Genre-Tropes ist. Aber der Film dauert zwei Stunden. Daneben haben wir als Rahmen eben diese Stunde, in der erklärt wird, was passiert. Und in der ... viel Satire betrieben wird, in der gezeigt wird, was das für eine Gesellschaft ist und wie dieses Zerrbild der Gesellschaft aussieht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Das mit dem Mimikrie wird ja auch nochmal aufgegriffen, wenn der Doppelgänger von Jason Pluto umgebracht wird. Jason bringt ihn nämlich um, indem er ihn quasi dazu zwingt, seine Bewegung zu wiederholen. und läuft dann rückwärts und lässt seinen Doppelgänger rückwärts in die Flammen eines brennenden Autos laufen.
Johannes Franke: Was auch clever und gut gemacht ist. Wenn dann nicht Red wäre, um ihn zu entführen.
Florian Bayer: Ja, aber was auch ein krasses Bild war einfach. Also auf der visuellen Ebene war es irgendwie total beeindruckend, wie er dann da steht und anfängt... diese Bewegung zu machen und zu sehen, wie sein Doppelgänger die nachmacht und sich dann einfach rückwärts bewegt. Und es ist ja ein kaltblütiger Mord in diesem Moment. Auch was von Shadow da noch mal aufgegriffen wird, wenn sie Jason entführt hat nach unten. Und Eddie läuft hinterher, um ihn zu befreien. Und Shadow redet dann noch mal mit ihr und sagt zu ihr, we are human too, exactly like you. Und Human Build Displays, also sie referiert dann auf das da unten, auf diese untere Welt und sagt, dafür seid ihr verantwortlich. Und wir sind Kopien von euch und wir sind auch Menschen. Und die Erklärung, die gebracht wird, finde ich auf einer... auf einer narrativen Ebene unglaublich krass und unglaublich beängstigend, einfach so, dass ich fast schon, ja, dass ich meinen Magen rumdrehe, wenn sie sagt, die Menschen wurden kopiert, aber nicht ihre Seele. Die Körper wurden kopiert, aber nicht die Seele, um zu erklären, was sie sind. Und das ist so ein krasses Bild, was natürlich so total transzendental und mystisch ist. Aber was so ein krasses Bild ist, dieses Gefühl, sie haben es geschafft, einen Menschen zu klonen oder einen Menschen zu kopieren, aber die Seele konnten sie da nicht reinbringen und es sind seelenlose Menschen, die rumlaufen.
Johannes Franke: Was vielleicht auch dann wieder, wenn man darüber länger diskutieren möchte, eine Kritik an der... also fast schon eine Wissenschaftskritik ist. Und das Bemühen des Menschen... kreationistisch zu sein, Gott zu spielen und dann aber eben das Wesentliche, das schafft der Mensch nicht. Ja, aber es sind auch so ein bisschen 80er-Themen, oder? Also dieses ... Wann war Dolly?
Florian Bayer: Das war ja so der große Punkt.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich glaube, das war 90er. 90er.
Florian Bayer: Lass mich mal gucken, wann Dolly das Schaf war. Das erste Klonschaf. Ja, das war 1996. Ach, okay. Und hat sieben Jahre gelebt, 2003 gestorben. Das erste geklonte Säugetier war damals eine große Geschichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, aber selbst wenn, dann wären es 90er-Themen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Ja, ich weiß gar nicht, ob man geht, also man könnte Gentechnik mit Sicherheit da auch irgendwie nochmal auf den Polk an Themen draufpacken. Das ist halt... Die Themen werden angeschnitten und die Themen werden so aufgeworfen und die Themen werden so aufgeworfen, dass es einen Interpretationsraum gibt. will sich nicht komplett erklären, was er zeigt. Und er bleibt auch bei der Erklärung dann in seiner Geschichte, weil dann ... Erzählt eben Shadow, ja, und ich wollte ein Statement machen. Jetzt ist unsere Zeit. It's our time now up there. Wir wollen jetzt nach oben. Und deswegen habe ich die anderen Leute dazu gebracht, Und darum geht es natürlich auch. Dann gibt es das große Statement von unseren rot gekleideten Freunden. Sie machen Hands Across America, sie bilden eine riesige Menschenkette und stehen da und irgendein Polizist oder ein Reporter kommentiert noch, soll das eine Art von künstlerischer Performance sein? sein. Was machen die da? Ich finde es ein tolles Bild. Ich mag es total.
Johannes Franke: Man fragt sich halt dann, was passiert dann danach? Worauf will das vielleicht hinaus? Was denkst du? Filmemacher wird sich wohl schon was überlegt haben.
Florian Bayer: Dafür ist es für mich zu sehr im Parabolischen. Und eine Parabel muss nicht danach fragen, was passiert in der Geschichte danach. Eine Parabel darf für sich stehen. Es gibt
Johannes Franke: keinen danach.
Florian Bayer: Weil das wäre zu sehr logisches Storytelling und selbst dann finde ich es problematisch, sich zu fragen, wie geht es weiter. Ich finde... Das ist einfach abgeschlossen damit. Sie haben ihre Botschaft verkündet. Eddie tötet Shadow in einem wirklich ... Krassen Kampf nochmal, wo sie mit diesen so kombiniert dieser Balletthans ihrer Jugend. Was?
Johannes Franke: es so gut zusammengeschnitten. Es ist so toll. Also das ist wirklich eine Sequenz, wo ich auch mit den Menschen, die da unten das spiegeln, was die oben auf dem Jahrmarkt erleben und so. das muss ich dem Film wirklich geben, ganz toll zusammengeschnitten mit dem Tanz und mit der Version, die unten getanzt wird, mit der Version, die oben getanzt wird und mit diesem, weiß ich nicht, Wenn man was von dem Film sehen muss, dann auf jeden Fall diesen Teil.
Florian Bayer: Jordan Peele hat natürlich total viel Spaß an den Bildern und an den Symbolen. Er macht das ganz viel in dem Film. I got five on it von Loones ist so... Aus dem Jahr 1995 ist es so ein Song, der immer mal wieder vorkommt. Er wird am Anfang im Radio gespielt und Gabe singt es und freut sich über das Lied. Dann fragen die Kinder, was bedeutet es? Und es geht um Drogen, und er sagt, nein, nein, Drogen sind schlecht. Und I got five on it ist natürlich das Bild eigentlich eine Metapher auf Drogenkauf, dass man für 10 Dollar halt Marihuana kauft und das dann durch zwei teilt und jeder kriegt fünf davon. Das ist natürlich wieder dieses Bild des Zusammengehörigen, was getrennt wird.
Johannes Franke: Oh Gott, ja, na klar. Das ist mir natürlich sofort aufgefallen.
Florian Bayer: Und dann gibt es dieses Jeremy 1111 Referenz. FF wird sowieso ständig im Film mal gezeigt. Das ist einfach ein Bibelfers.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Darum siehe, spricht der Herr, ich will ein Unglück über sie gehen lassen, dem sie nicht sollen entgehen können. Und wenn sie zu mir schreien, will ich sie nicht hören. Ganz am Anfang, als Eddie als Kind über den Rummel geht, sieht sie diesen ... Prediger mit dem Jeremiah 1111-Schild da stehen.
Johannes Franke: Ah, das jetzt, okay. Ja, nein, das ist
Florian Bayer: Der ist der Erste, der ermordet wird von seinem Gegenüber. Und dann ist es einmal 11.11 Uhr im Film, also ... Jordan Peele hat sehr viel Spaß mit diesen kleinen Symbolen, diesen kleinen Anspielungen. Alice in Wonderland und I Got Five On It und ... Doppelgänger und Schatten und noch ein bisschen C.G. Jung und so. Und das ist vollgepackt mit Bildern. Also das ist natürlich auch sehr viel Spielerei. Er hat da sehr viel Spaß darin zu sagen, hey, ich hab hier Zähnen und ich kann diesen Zähnen nochmal Anspielungen unterbringen. Ich kann hier nochmal ein paar Metaphern einbauen und so. Ich mag das total. Ich finde, er macht das auch wirklich gut und es wirkt auch nie zu prätentiös für mich. Weil dafür ist die Unterhaltung und der Horror sind halt doch präsent genug, dass du nie das Gefühl hast, hier ist jemand, der sich einen drauf runterholt, wie viele. Referenzen erkennt und unterbringen kann.
Johannes Franke: Jaja, also ich meine, du kannst alles Mögliche noch mit unterbringen, wenn der Rest solide ist, wird das auf jeden Fall... Mindestens verziehen oder du wirst sogar dafür gefeiert, aber du... Du musst halt die grundsätzlich Story hinkriegen, was eben so viele Trashfilmer nicht hinkriegen.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt Momente, also gerade was so die Freude an Trash betrifft, ich kann oft auch über so ganz viele... Mängel hinwegsehen, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand, der den Film gemacht hat, mit Liebe an so Details rangegangen ist. Vielleicht ist es das auch, was so meine Freude an Trash ausmacht. Also der Film ist kein Trash, ne? Absolut. Aber wie du sagst, es gibt ganz viele so kleine dreckige Horrorfilme, die billig sind, die keine große Schauspielkunst haben, die eine schlechte Story haben. Aber ich kann über vieles hinwegsehen, wenn ich das Gefühl habe, hier ist jemand wirklich mit Enthusiasmus bei der Sache und wollte ... Spaß haben und wollte was Besonderes machen mit diesen Mitteln, die er hat. Und viele Exploitation-Filme, vor allem aus den 60ern und 70ern und auch aus den 80ern, haben das. Und dann sage ich, ja, okay, ich weiß, es ist kein perfekter Film. Aber der Film hat trotzdem viel mehr Fleisch und viel mehr Spaß und Freude, als irgendein substanzloses Studioprodukt, das halt gemacht wurde, um viel Geld zu verdienen. Um es mal hart auszudrücken.
Johannes Franke: Wenn wir jetzt Trashfilme als Thema hätten, könnten wir jetzt super auf die Top 3 gehen, Flor. Das wäre eine super Überleitung. Aber jetzt...
Florian Bayer: Wir haben keine Trash-Filme als Thema, aber wir haben ein anderes Thema.
Johannes Franke: Politik. Oh mein Gott. Nein. Jingle. Unsere Liste. Und ich habe erst mal gedacht, Politik, okay, ist der Film so politisch? Ja, aber irgendwie ist er das schon, ja, hm. Ach, naja, okay. Politische Filme.
Florian Bayer: Politische Filme. Oh ja, die Liste ist mir wieder schwer gefallen.
Johannes Franke: Man möchte ja denken, dass derjenige, der die Liste vorschlägt, wenigstens eine Idee davon hat, was es sein könnte.
Florian Bayer: Das Problem ist tatsächlich, politische Filme haben dasselbe Problem für mich wie grundsätzlich politische Kunst. Sie ist meistens schlecht. Ich finde sie meistens schlecht, selbst wenn ich das Gefühl habe, da wird politisch wirklich was Wichtiges gesagt. Und es hat auch seine Berechtigung als politische Botschaft, geht dabei einfach das Künstliche zu sehr verloren. Also ich finde politische Kunst ist total schwierig.
Johannes Franke: Banksy, ein guter politischer Künstler.
Florian Bayer: Ja, weil er sich halt nicht so sehr auf die Politik draufsetzt, weil bei ihm die Kunst im Vordergrund steht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist halt einfach eine Gratwanderung, die man machen muss, wenn man ein politisches Kunstwerk macht, dass man es irgendwie hinkriegt zwischen ... Zwischen der Botschaft, die man hat und zwischen dem ... Und zwischen dem künstlerischen Anspruch, den man hat, so auszubalancieren.
Johannes Franke: Ja, aber hast du welche gefunden, die du tatsächlich gut für gut befindest?
Florian Bayer: Ja, ich habe genug gefunden. Ich hab genug gefunden, um ein paar Honorable Mentions rauszuhauen.
Johannes Franke: Oh, ich bin mal gespannt. Los, hören wir raus.
Florian Bayer: Also, als erstes Dein Lieblingsrichter? Christoph Schlingensief. Terror 2000. Großartiger Film. Deutschland Anfang der 90er. Es geht um deutsche Politik, es geht um Helmut Kohl, es geht um Neonazis, es geht um Gewalt gegen Ausländer. Und Christoph Schlingensief macht daraus sein ganz eigenes... exploitatives Trash-Kunstwerk und lässt einen Motorradfahrer über eine Rampe springen und mit dem Kopf gegen ein Helmut-Kohl-Plakat klatschen und das Blut spritzt drüber und irgendeine Frau schreit noch, oh nein, nicht der Kanzler. Toller Film, aber wenn man Christoph Schlingensiefs Filme nicht mag, was, glaube ich, bei dir der Fall ist, dann würde man auch an diesem Film keine Freude haben.
Johannes Franke: Ich glaube, ich würde es mir schon nochmal antun, weil ich ... Immer wenn du von Schlingensief redest, habe ich den Eindruck, ich muss es nochmal probieren, weil ich irgendwas vielleicht nicht verstanden habe. Nein, aber ich fand ja auch die Talkshow von Schlingensief irgendwie echt beeindruckend und so. Also vielleicht ist es das. Ich finde Schlingensief nicht... Ich will es mir eigentlich nicht angucken, aber ich bin zu beeindruckt davon, dass um es nichts zu tun. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich glaube, ich weiß, was du meinst.
Johannes Franke: Okay. Wenn ihr irgendwas zu schlingsiv zu sagen habt, was meinen Punkt unterstützt. Bitte schreibt, hilft mir gegenüber Plur.
Florian Bayer: Schlingensief, glaube ich, ist wirklich so ein, man liebt ihn oder man hasst ihn.
Johannes Franke: Ach, ich weiß nicht. Hassen kann ich nicht sagen.
Florian Bayer: Aber Durchschnitt ist auf jeden Fall bei ihm nicht drin.
Johannes Franke: Nein, Durchschnitt ist nicht drin, das stimmt. Ja, okay. Das war nur die honorable Menschen, ja?
Florian Bayer: Ich hab noch zwei weitere. Drei weitere. zumindest reingeschoben, er ist eigentlich nicht politisch, ich glaube, man kann ihn sehr gut politisch interpretieren, ist Fight Club.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Der gerne so als Anascho und... so ein maskulinistisches Werk gesehen wird, was er ja auch ist, wo Typen einfach sagen, ey, wir sind so gelangweilt von unserem Leben in der amerikanischen Gesellschaft. Wir machen jetzt Gewalt, yeah. Aber Fight Club besitzt in seinem Kern eine wunderschöne Parabel auf die Mechanismen von Faschismus. Und ganz viele Leute sehen das nicht, weil das drumherum so verführerisch ist. Und gerade, dass es so verführerisch ist, gehört mit zu dieser Parabel, dass dieser Teilet Tyler Durden so ein faszinierender Charakter ist und irgendwann in den 90ern plötzlich alle Tyler Durden sein wollten und das total geil fanden. Aber eigentlich geht es darum, wie dieser Tyler Durden als knallharter Faschist Leute auf seine Seite zieht, die eigentlich anarchistisch sind.
Johannes Franke: Dann muss ich den Film noch mal darauf hingucken.
Florian Bayer: Black Landsman wollte ich kurz erwähnt haben von Spike Lee als aktueller politischer Film, der wirklich gut gelungen war. Und den ersten Borat-Film.
Johannes Franke: An den ersten Borat-Filmen habe ich auch gedacht, habe ihn aber auch nicht in die Liste gepackt. Warum weiß ich nicht. Es gibt so viele andere gute.
Florian Bayer: Oh, dann bin ich total auf deiner Liste gespannt.
Johannes Franke: Also zumindest bei den Top 3. Wenn ich jetzt Top 5 hätte machen müssen, dann wäre wahrscheinlich Borat mit reingerutscht.
Florian Bayer: Meine Nummer 3.
Johannes Franke: Deine Nummer 3.
Florian Bayer: Ich glaube, hatten wir Liebesfilme? Ich habe ihn, glaube ich, schon mal in der Liste genannt. Angst, Essen, Seele auf.
Johannes Franke: Ja, das hast du schon ein paar Mal genannt.
Florian Bayer: Von Fassbinder. Großartiger Film, der sich mit Rassismus und Vorurteilen im die Deutschland der 60er Jahre auseinandersetzt auf eine ganz großartige Weise. Mhm. Indem er die Liebesgeschichte erzählt von einer älteren Frau mit einem jüngeren Flüchtling.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und die beide auf ihre Weise dann von ihrer Social Bubble ... für diese Beziehung ausgegrenzt werden. Großartiger Film, wirklich bewegend. Ich liebe ihn, einer der besten deutschen Filme, die je gemacht wurden.
Johannes Franke: Okay. Ich habe ihn nämlich immer noch nicht gesehen. Immer noch nicht.
Florian Bayer: Den müsste ich dir vielleicht mal vorsetzen irgendwann.
Johannes Franke: Ich warte ja drauf, wir hatten das ja schon mal. Okay, dann würde ich jetzt in meine politische Filme... Und ich glaube, ich bin wie bei vielen Filmen eher in der Vergangenheit behaftet als in der Gegenwart. Ich nehme mal gleich als Nummer 3 einen aus der Gegenwart, damit ich dann abdriften darf. Ähm... Nein, der ist nicht aus der Gegend. Scheiße. Der ist gemacht von Django Unchained. Und da geht es natürlich nicht um die Gegenwart. Nein. Aber er ist ein aktuellerer Film.
Florian Bayer: Du hast echt oft Tarantino in deinen Listen.
Johannes Franke: Ja, ich habe oft Tarantino in meinen Listen, weil er ein paar... Ich weiß nicht, er hat Themen, die ich habe. Tarantino hat nicht immer die Umsetzung, die ich nehmen würde. Aber er hat Themen, die ich habe und die ich spannend ausgelotet finde. Ich würde wahrscheinlich keinen Tarantino-Filme machen als Filmemacher. weil ich einfach mit der Gewalt nicht so richtig gut klarkomme. Aber ... Dadurch, dass Tarantino jetzt nicht jedes Jahr fünf Filme rausbringt, kann ich es mir alle anschauen. Das ist in Ordnung. Ich komme damit klar.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend, dass Tarantino mal so eine politische Phase hatte, die ja wieder eigentlich komplett weg ist. Es war nur so ein kurzes Interludium, aber da hat er mit Inglourious Bastards und mit Django Unchained Zwei wirklich großartige Filme gemacht. Und ich glaube, ein Film, den wir besprochen haben in einem vergangenen Podcast ... den du vorgeschlagen hast, Hateful Eight, kann man auch zu dieser politischen Phase rechnen. Der hatte nämlich auch ... gewissen Blick auf Rassismus in Amerika. Der Politiker.
Johannes Franke: Ja. Mein Platz 2. Dein Platz 2.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist ein, ich gucke so viele 70er Jahre Filme in letzter Zeit, deswegen bin ich jetzt total in den 70ern. Ähm, einer Art Agentenfilm? Nee, eigentlich ein Polit-Thriller. Icomicare von Henri Vernul ...
Johannes Franke: Das klingt nach einem Film, von dem ich hart erwartet habe, dass der sofort kommt, wenn wir... Dieses Format anfangen.
Florian Bayer: Ich habe ihn tatsächlich auch zum ersten Mal im Zuge meiner 70er-Retrospektive gesehen. Und er hat mich umgehauen. Ganz großartiger Film, der sich auseinandersetzt mit ... politischen Attentaten, und zwar der in einer Fabelform vom Attentat auf John F. Kennedy erzählt, Und von der Aufklärungsarbeit, die damit zusammenhängt. Und es gab ja einen John F. Kennedy-Film von Oliver Stone, der so sehr ... flach geradlinig war.
Johannes Franke: JFK?
Florian Bayer: JFK, der in diese Richtung Verschwörungs-Thriller ging. E-Comical macht das teilweise auch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es geht eigentlich um eine Verschwörung, die hinter einem Mord an einem Präsidenten in einem fiktiven Staat steht. Aber er packt in diese Ermittlungsarbeiten ganz viel großartige politische Anspielungen. Und hat eine sehr zentrale Szene, in der das Milgram-Experiment zitiert wird. Und zwar, wo es darum ging, dass ... einer der Probanden an ein Gerät angeschlossen wurde, das ihm elektrische Stromstöße gab. Und der andere Proband musste ihm Fragen stellen. über Sachen, die sich der Proband merken musste. Und wenn er falsch geantwortet hat, hat er einen Stromschlag gekriegt.
Johannes Franke: Von dem Typen.
Florian Bayer: Der Plot Twist ist natürlich, dass der Typ, der an den Strom angeschlossen ist, ein Schauspieler ist, der das nur spielt.
Johannes Franke: Ich erinnere mich.
Florian Bayer: Um zu schauen, zu wie viel Gewalt sind Menschen in der Lage, wenn das von einer Autorität, die Wissenschaftler vorgegeben wird. Weil die Wissenschaftler sagen, hey, zu dem Experiment gehört es, dass du jetzt diesem Typen Stromschläge gibst.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Also macht das. Und sie stellen auch den Strom höher. Und dann gucken sie, wie hoch sie den Strom stellen müssen, bis der Proband sagt, ich mache das jetzt nicht mehr mit. Und es ist so toll, weil also die Szene wird eingebettet, in denen der ermittelnde Kommissar forscht diesem Experiment hinterher, weil der vermeintliche Mörder des Präsidenten hat an dem Experiment.
Johannes Franke: teilgenommen.
Florian Bayer: Und dann ist er in dem Raum beobachtet das Experiment, ohne zu wissen, dass der am Strom ein Schauspieler ist. Und dann geht das Experiment halt durch und dann gibt es den Punkt, wo der Polizist sich aufregt und sagt, ey, warum machen sie das weiter? Und dann sagt der Versuchsleiter zu ihm, keine Sorge, das ist nur ein Schauspieler. Und dann geht das Experiment noch ein bisschen weiter. Und dann am Ende sagt der Polizist, krass, wie lange es gedauert hat, bis der Proband, der ihm die Stromschläge versetzt hat, aufgehört hat. Und dann sagt der Versuchsleiter zu ihm, ja, aber überlegen Sie mal, wie lange es gedauert hat, bis Sie Widerspruch gemacht haben. Sie haben da auch... eine halbe Stunde zugeguckt und haben auch Stromschläge gesehen und haben auch nicht eingegriffen. Es ist super gemacht, super in die Story eingebettet. Toll. Nicht nur deswegen ist der Film absolut sehenswert.
Johannes Franke: Okay, wow. Wow. Okay, was du also immer alles ausgräbst. Wahnsinn. Das heißt, du machst gerade eine 70er-Retrospektive für einen Blog, oder was? Wie war das?
Florian Bayer: Ja, ich habe, genau, auf muss man sehen, schreibe ich gerade über 70er-Jahre-Filme. Die besten Filme der 70er-Jahre. Ich habe sehr viele 70er-Filme gesehen in letzter Zeit.
Johannes Franke: Dann muss ich mal zu meinem Platz zwei kommen, wa? Ich kann mich nicht entscheiden. Ich würde sagen ... To be or not to be? Der Original. Ja. Einfach... Ich glaube, ich komme um dieses Rassismus-Thema nicht drum rum und dieses... politische, politisierte Unterdrückung von Minderheiten und so. Ich weiß nicht, ist bei mir ganz groß und deswegen ist Django Unchained drin, deswegen ist jetzt To Be and Not To Be drin und also wo die Nazis... Da müssen die Schauspieler Nazis spielen, um Spionage zu betreiben. Was sie eigentlich nicht wollen, wo sie aber reingezwängt werden, um überhaupt überleben zu können. Ganz toller Film und sehr beeindruckend und aber eigentlich eine Komödie, aber total ernstes Thema und gut gemacht.
Florian Bayer: Ich glaube, ich muss meinen Platz 1 ändern. Nicht um den Film, aber als du das gesagt hast mit dem Theater, ist mir noch ein Film eingefallen, den ich jetzt einfach nach vorne packe, weil ich ihn fast vergessen hätte. aus dem Jahr 1981, der sich auch ganz stark damit auseinandersetzt mit Künstlertum im Nationalsozialismus und zwar Mephisto. Von Ichwan Jabo, ich weiß nicht, wie der Name ausgesprochen wird, ein ungarischer Regisseur mit Klaus-Maria Brandauer als Hendrik Höfgen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der aber eigentlich eine ... Er ist eigentlich Gustav Grundgens, der berühmte Mephisto-Darsteller, der in der Zeit des Nationalsozialismus als Kollaborateur für die Nazis im Faust den Mephisto gespielt hat. Und eine Verfilmung des Romans von Klaus Mann, der sich damit auseinandergesetzt hat. Im Exil hat er den Roman geschrieben in den 30ern.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und Gustav Grünkens hat sich furchtbar drüber aufgeregt, dass er so dargestellt wurde. Und es geht halt darum, wie ein Schauspieler mit den Nazis kollaboriert.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ein ganz großartiger Film, weil er wirklich zeigt, wie so diese subtilen Mechanismen sind und wie schnell ein einfacher Bürger zum Faschisten werden kann. Oder halt zum Wegsehenden. Und wie leicht es ist, verführt zu werden von den faschistischen Strukturen oder halt einfach stillzuhalten und nichts dagegen zu machen. Und gerade deswegen besonders sehenswert, weil er halt zeigt, dass dieses ... dass das Potenzial in jedem schlummert und dass wir wirklich wachsam sein müssen. Weil auch wenn der Faschismus besiegt ist, im großen politischen Kontext, ist ja immer noch da und es kann sehr schnell kippen.
Johannes Franke: Sehr schnell, wie man so bei manchen Wahlen auch in Deutschland sieht. Ach Gott. Ja, wichtiges großes Thema für mich auch immer und wahrscheinlich werde ich mir diesen Film mal angucken müssen. Mein Platz 1? Ist wiederum thematisch anders gelagert. Ich hätte erst überlegt, Dr. Strangelove reinzunehmen.
Florian Bayer: Oh, das ist auch super. An den habe ich noch gar nicht gedacht. Stimmt.
Johannes Franke: Ja, das ist auch toll. Ganz toller Film. Aber der ist jetzt auf Honorable Mention runtergerutscht.
Florian Bayer: Ist vielleicht auch ein bisschen so out of date, weil es halt vor allem um den Ost-West-Konflikt geht und die Eskalationsspirale und ... Die Angst vorm nuklearen Holocaust. Und das ist ja so ein bisschen eher wirklich so ein 70er, 80er Ding.
Johannes Franke: Aber der Film, den ich auf die Platz eins setze, ist auch ein älterer Film. Brasil.
Florian Bayer: Oh, fantastisch, ja.
Johannes Franke: Und ganz, ganz großartig auf eine ganz eigener Art und Weise politisch ist und Bürokratiekritik und diese ganze Apparat, den der Staat einmal installiert und der immer absurder wird und immer stacher und immer schlimmer. Also ganz, ganz toller Film. Habe ich bestimmt schon ein paar Mal gesagt im Podcast. Brasil ist ein ganz großartiger Film.
Florian Bayer: Was für eine großartige Neuinterpretation von 1984. Mit ganz viel Fantasy, ganz viel Science-Fiction, ganz viel Humor. Aber auch mit dieser absolut düsteren Seite. Gehirnwäsche, Folter, alles mit drin, Überwachung.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Toll, ja. Ich mag deinen Platz 1. Ich mag ihn lieber als alle Filme auf meiner Liste. Toller Platz 1.
Johannes Franke: Schön, danke. Vielen Dank. Ich hab gewonnen, ich hab gewonnen.
Florian Bayer: So, lass mich das mal kurz in die Tabelle eintragen. Das sind nochmal drei Punkte für Johannes. Damit liege ich mit 124 zu 62 vorne.
Johannes Franke: Aber ich hole auf, Flo. Langsam. Okay. Wollen wir zurück in unseren eigentlichen Filmen?
Florian Bayer: Ja, und ich glaube, wir können schon zum Schluss kommen.
Johannes Franke: Ich glaube auch. Ich glaube auch. Bevor du dein Fazit zeigst, weil du wirst es nochmal hochreißen. Nein, eigentlich möchte ich ihn gar nicht runterreißen. Eigentlich muss ich sagen, habe ich den Film wirklich bis... Zu dem Moment, wo sie angefangen haben, einfach nur noch zu jagen und gejagt zu werden, habe ich den Film sehr gemocht. Fand die Themen cool, die sie angesprochen haben, fand die Entwicklung gut, fand die Musik gut, fand Dramaturgisches hervorragend. Irgendwann wurde es mir zu sehr, irgendein Monster muss irgendeinen Menschen jagen und andersrum. Und dann hat er sich irgendwann wieder gefangen. Und da fand ich ihn auch wieder cool.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also gute Themen, gut gemacht. Und wir haben das Ende, wir haben noch gar nicht so richtig erzählt,
Florian Bayer: Du fandst die Schlusspointe vorhersehbar?
Johannes Franke: Ich fand die Schlusspointe total vorhersehbar. Also ich hab sie in der ersten, also sobald die da aus ihrem Spiegelkabinett wieder rauskommt, war mir klar, ah ja, okay. Das ist also jetzt einmal ausgetauscht und darauf habe ich dann sozusagen am Ende gewartet. Und war am Ende auch ein bisschen zu viel damit beschäftigt, im Kopf immer wieder zu sagen, was passiert denn, wenn das jetzt nicht so ist, wie ich das die ganze Zeit denke? Finde ich den Film dann gut? Finde ich ihn gut, wenn es so ist, weil ich es die ganze Zeit vorhergesehen habe? Nee, aber sie müssen es schon so machen, weil sonst ist es irgendwie blöd. Irgendwie, ich weiß nicht. Und das heißt, ich habe, glaube ich, in den letzten fünf Minuten nicht mehr so viel mitbekommen. kommt, weil ich die ganze Zeit darüber nachgedacht habe, wie der Film ist, wenn es nicht so ist. Und dann haben sie es natürlich nochmal aufgelöst und dann war es natürlich nochmal klar und Die Frage wirft sich natürlich auch nochmal in den Raum, gönnen wir ihr das jetzt oder nicht? Ist sie jetzt die Böse, ist sie die Gute? Das Themenfeld finde ich wieder interessant.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich dann dieses Schlussbild, dass sie als Kind ausgetauscht wurde. fand ich vor allem als symbolisches Bild total stark. Und deswegen finde ich auch, dass es ganz wichtig ist für den Film, weil es noch einmal einen Punkt setzt auf das politische Bild, das er entwirft. Mit der klaren These, die Menschen sind das, was die Sozialisation aus ihnen macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sie war eine von den vermeintlich seelenlosen Monstern da unten, kam als Kind nach oben, wurde gefördert, durfte tanzen, durfte in die Schule gehen. und wurde zum ganz normalen Mittelstand, während ihre Doppelgängerin, Die zehn Jahre eine glückliche Kindheit hatte, da unten innerhalb kürzester Zeit komplett verwahrlost ist und kaum noch reden konnte und brutal war und düster.
Johannes Franke: Beziehungsweise, dass sie nicht reden kann, ist ja, weil sie gewirkt wurde. Das ist ja so ein...
Florian Bayer: Aber ich glaube nicht nur, ich glaube halt tatsächlich, also sie ist auch zu so, auf jeden Fall ist sie auch zu so einem animalischen Wesen geworden, wie die anderen da unten. Und das finde ich ist natürlich ein ganz starkes Bild, weil es zu dieser sozialen Frage, die der Film aufwirft, nochmal sagt, hey, ja. Die Gesellschaft hat einen ganz erheblichen Einfluss darauf, wie der Mensch ist. Und wenn wir uns anschauen ... vermeintlich kriminelle, böse Menschen, die amoralische Dinge tun, machen wir das immer aus einem sehr bequemen, behüteten Standpunkt aus. Und diese Umkehrung ist einfach total spannend, weil das finde ich auch wichtig, wenn über solche gesellschaftlichen Fragen geredet wird, dass man sich das immer bewusst macht. Dass wir sehr in Watte groß geworden sind und sehr in Watte leben.
Johannes Franke: Ja, ja, die privilegieren, die man so hat. Aber der Film, muss man schon sagen, der Film gibt dafür nicht viel Raum. Das wird am Ende einmal aufgelöst. Und dann sollst du dir wirklich jeden Gedanken, den wir gerade ausgesprochen haben, selber machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also ich glaube, dass so mancher Zuschauer das vielleicht auch verpasst.
Florian Bayer: macht mehr Filme, bei denen sich die Leute eigene Gedanken machen müssen.
Johannes Franke: Ja, aber man kann sie wenigstens ein bisschen anstoßen. Ein bisschen mehr anstoßen könnte man sie schon.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich finde, der Film kitzelt halt natürlich auch sehr viel. Am Schluss fand ich auch die Mischung einfach toll, durch die einen der Film schickt. So dieses Wechselbad der Gefühle, weil es ist zum einen dieser große Pathos. wenn da wirklich die Tethered dann alle da stehen und sich an den Händen halten. Gleichzeitig weißt du, dass das ein wirklich gehässiger, sarkastischer Kommentar auf dieses Hands Across America ist. Gleichzeitig weißt du, dass die Mutter die ganze Zeit in Wirklichkeit auch einer von denen war und nur durch Gewalt da rausgekommen ist und Und es ist irgendwie zum Lachen, zum Schreien, zum Heulen und ich mag diese Mischung, dieses Wechselbad der Gefühle, das dadurch erzeugt wird, ähm, macht nochmal klar, wie verspielt der Film ist und vielleicht auch, wie verspielt man ihn selbst wahrnehmen kann und wie verspielt man auch mit den Gedanken umgehen kann, die der Film erzeugt, mit Und ja, der Rest ist dann halt, man nimmt es mit im besten Fall und macht sich Gedanken darüber. Wie sind die Unterschiede zwischen ... Bürgertum und Präkariat, wie willkürlich sind soziale Rangordnungen, wie viel Böses steckt auch in uns etc. PP. Toller Film. Ich liebe ihn. Einer meiner liebsten Horrorfilme der letzten Jahre.
Johannes Franke: Macht euch eure eigenen Gedanken.
Florian Bayer: Generisches Schlusswort und wir sehen uns nach der Pause wieder.
Johannes Franke: Und zwar mit The Artists. The Artists. Was völlig anders ist.
Florian Bayer: Big Old Hollywood. Ich freue mich drauf. Bis gleich. Bis gleich. Wir hatten gerade auf Mick, wie wir es immer haben, das beste Gespräch. Es ging darum, was Johannes gruselig findet, weil er hat gemeint, der Film hat ihm nicht so viel Angst gemacht.
Johannes Franke: Es ist auch schwer. Deswegen finde ich das Genre aber trotzdem auch schon sehr, sehr spannend. Vielleicht habe ich da irgendwie so eine mixed feelings zu, weil wenn ich zu Hause auf meinem sicheren Sofa sitze, Ähm, was sollte mir Angst machen? Und wenn ein Film das schafft, mir Angst zu machen, während ich in einem warmbeheizten Zuhause auf einem Sofa sitze und einen geliebten Menschen neben mir habe, mir dann einzureden, dass der geliebte Mensch neben mir jederzeit ausrasten könnte. Das wäre zum Beispiel was.
Florian Bayer: Ich meine, also Filme... Wenn du ziemlich glücklich bist im Leben und einen sehr tragischen Film siehst, wirst du ja auch traurig. Richtig, ja. Für mich auch so ein bisschen die Aufgabe von einem guten Horrorfilm, dass er Angst erzeugt. Das heißt, dass er auch eine Emotion erzeugt. Also ... Ich freue mich, wenn mir ein Horrorfilm Angst macht. Ich will das tatsächlich. Ich finde das gut.
Johannes Franke: Aber macht er dir, wie bei diesem Film, dann in den Sequenzen, die ich stinkenlandweich finde... Angst, wenn irgendwelche Zwillinge kommen und die alle umbringen? Macht es dir Angst, wenn es Blut in der Gegend rum, wenn jemand Gewalt aussübt? Das ist doch alles keine Angst.
Florian Bayer: Bei dem Film ist es eher so das Overall-Ding. Der Film erzeugt eine ungute Atmosphäre. Und es spricht auch Ängste von mir an.
Johannes Franke: Welche Ängste spricht es denn an?
Florian Bayer: Das ist so schwierig. Was ich tatsächlich beängstigend finde, ist diese Konfrontation mit sich selbst. Das klassische Doppelgängermotiv. Das finde ich ist wirklich... Was bei mir Angst auslöst. Einer der gruseligsten Romane, die ich kenne, ist tatsächlich ein wirklich altes Buch. Und zwar ... Die Elixiere des Teufels von Hoffmann, wo es diesen Plot gibt, dass jemand mit einem Doppelgänger konfrontiert wird, der brutal ist und gewaltbereit. Das finde ich wirklich gruselig, diese Vorstellung. Es ist ja keine reale Vorstellung, es ist ja eine irrationale Angst, aber dass es wirklich so ein zweites Ich gibt, das irgendwie böse ist. Deswegen finde ich natürlich eine Sache, das ist nicht das, was meine Hauptangst ist, aber das ist das, was bei dem Film Angst gemacht hat. Wenn ich zu Hause auf meinem warmen Sofa sitze und diesen Film gucke und ich denke, der neben mir könnte gleich ausrasten, sondern ich könnte gleich ausrasten. Das soll jetzt keine Therapiesitzung sein. Das ist kein Gefühl, dass ich mit mir ... rumtrage, dass ich zu Gewalt in der Lage bin. Ich bin wirklich, ich bin absolut, Gewalt macht mir, verängstigt mich eher. Ich bin eher so das Häschen, das sich dann zurückzieht oder totstellt.
Johannes Franke: Ja, ich auch.
Florian Bayer: Aber dieses Gefühl, dass es in jedem Menschen eine dunkle Seite geben könnte, das ist das Gefühl, was in diesem Film bei mir eine Angst erzeugt. Und zwar auch auf mich bezogen. Oder auch, dass ich in meinem Leben, dass mein Leben halt auch sehr stark davon bestimmt ist, wie ich groß geworden bin und dass es unzählige Weggablungen gibt, wo es hätte komplett anders laufen können. wo ich jetzt ein komplett anderer Mensch sein könnte. Und zwar kleine Gabelungen.
Johannes Franke: Aber, also der Film, rein physisch macht der Film Folgendes. Du hast eine Person in einem Haus, eine andere Person kommt, die sieht genauso aus wie die. Doppelgänger. Du musst eine Transferleistung leisten, bevor du Angst bekommst. Du musst erst darüber nachdenken, Ist das jetzt die dunkle Seite von der Person, der ich folge im Film? Was für dunkle Dinge herausfinden? hängen in dieser Person vielleicht, was für dunkle Dinge hängen also bei mir vielleicht, vielleicht bei der Person neben mir. Also ich muss einen großen... Gedankenapparat anwerfen, bevor ich zu diesem Grusel kommen kann.
Florian Bayer: Das muss ich nicht. Die Transferleistung mache ich danach. Warum macht mir das Angst? Aber wenn ich zum Beispiel ... Horror, klassische Horrorvorstellung. Ich gucke in den Spiegel und mein Spiegelbild macht irgendwas anders als ich. Das macht mir Angst. Und wenn ich dann darüber nachdenke, warum macht mir das Angst, dann kann ich zu Erklärungen kommen, weil es vielleicht das ist, weil ich vielleicht... Angst vor einer dunklen Seite von mir habe oder von einer unkontrollierbaren Seite. Aber wenn es mir Angst macht, löst es erstmal diesen Impuls einfach aus.
Johannes Franke: Okay, weil bei mir macht es gar nichts. Wenn ich im Film eine Gruppe von Menschen sehe und da gegenüber steht eine andere Gruppe von Menschen, von denen ich weiß, ah, die sehen ganz genauso aus wie die, Das macht erstmal nichts bei mir.
Florian Bayer: Okay. Das erzeugt tatsächlich eine impulsive Angst und ohne... ohne irgendwelchen akademischen Hintergrund, ohne eine Überlegung, ohne eine Intellektualisierung ist da erstmal ein Angstgefühl.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich glaube, das ist ganz oft beim Horror so, dass es Sachen gibt, die dir Angst machen. Und dann kannst du dir die Frage stellen, warum macht mir das Angst? Was für Urängste werden da angesprochen? Paper House hatten wir in einer alten Episode besprochen. Das war ja einer der Filme, der mir in der Kindheit am meisten Angst gemacht hat. Und da war es natürlich so. Aber es ist halt auch schon eine Transferleistung, zu sagen, okay, es macht mir Angst. dass möglicherweise Realität und Traum so verschwimmen könnten, dass ich nicht mehr genau sagen kann, was ist real, was ist Traum. und das Gefühl habe, in der Traumwelt gefangen zu sein und nicht mehr rauskommen zu können. Deswegen hat mir auch zum Beispiel die unendliche Geschichte an entscheidenden Punkten sehr viel Angst gemacht. Also das Buch, nicht der Film. Der zweite Teil des Buches, die unendliche Geschichte. wenn Bastian in Phantasien ist und dann zu dieser Stadt kommt, wo die Verrückten sind. Und dann wird erzählt, das sind Leute, die vorher auch... in Fantasiewelten waren und das genossen haben und die sind aber darüber verrückt geworden und jetzt irren sie herum und haben keinen Bezug mehr zu ihrem Leben und laufen irgendwie wie so Zombies darum. Das ist auch was, was mir Angst macht. Und das auch. Als Kind habe ich das gelesen, da habe ich mir nicht so Gedanken darüber gemacht. Aber das hat mir impulsiv erst mal Angst gemacht.
Johannes Franke: Okay, das kann ich sogar verstehen, weil ich dann mit der Figur mitfiebere, ob Bastian dann vielleicht auch zu einer solchen zombieartigen Figur wird. Okay, ja. Aber ich glaube, ich habe nicht genug... Urängste, die mich so dolle treffen. Also bei dem Film jetzt. Ich wüsste gar nicht so genau ... Babadoc fand ich sehr gut, aber ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich gegruselt habe oder ob ich wirklich Angst hatte. Es gibt, ich erinnere mich, dass ich ein, zwei Filme gesehen habe, bei denen ich Angst hatte. Ich weiß es aber nicht mehr. Verdammt.
Florian Bayer: Es muss glaube ich nicht mal Urängste ansprechen. Es reicht auch, wenn es eine gute, effektive Inszenierung ist. Das ist auch bei emotionalen Filmen so. Es gibt Filme, die mich emotional bewegen. Und die weit weg sind von meiner Lebenswirklichkeit, aber die mich trotzdem einfach dadurch, dass sie mit dem Einsatz von Musik... und von Kamera, Schauspiel irgendwie einfach mit mich reinziehen, immersiv sind. Und das kann beim guten Horrorfilm auch schon reichen. Also zum Beispiel ein Film, der mir ... sehr viel Angst gemacht hat, bei dem das, glaube ich, zutrifft, war Ed Follows. Der ist so fünf, sechs Jahre alt. Da geht es darum, dass eine junge Frau verfolgt wird von einem nicht näher benannten Wesen, das aber irgendwie die ganze Zeit hinter ihr her ist, aber langsam schlurfend und verschiedene Gestalten annehmen kann.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und deswegen gibt es so eine gewisse Unsicherheit. Man sieht Figuren im Hintergrund und man weiß nie genau, ist das jetzt ein normaler Mensch, der da gerade über die Straße geht oder ist das das Wesen, das schon wieder ihre Spur aufgenommen hat.
Johannes Franke: Okay. Gibt es denn nicht diese Verarschung mit dem Löffel, wo jemand langsam jemandem mit einem Löffel hinterher geht und ihm einfach... Immer wieder auf den Kopf haut. Krass.
Florian Bayer: Das ist altes Internet-Meme-Programm. Ja, genau. Diesen Trailer, ich weiß. The Killer with a Spoon.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Oh, super, das Ding ist bestimmt zehn Jahre alt. Das müssen wir unbedingt in die Shownotes hauen, weil das kennen wahrscheinlich ganz viele Leute gar nicht mehr. Das ist wirklich, wirklich alt. Die Anfangszeit von YouTube wahrscheinlich, als dieses Video aufkam.
Johannes Franke: Vielleicht machst du es jetzt älter als es ist. Ich bin mir nicht sicher.
Florian Bayer: Moment.
Johannes Franke: Aber es ist wirklich eine verdammt gute Frage. Was macht einem Angst? Und ich glaube, jeder hat andere Urängste. Und ich glaube, bei mir ist es eher, dass jemand... von Delusions so beeinflusst sein könnte, dass er anfängt, Dinge zu machen, wie Leute umzubringen oder sowas, weil irgendeine Die Luschen ihm das sagt. Aber...
Florian Bayer: The horribly slow murderer with the extremely inefficient... Der schrecklich langsame Mörder mit der extrem ineffizienten Waffe. 2008.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Das ist über 10 Jahre alt, das Ding.
Johannes Franke: Sind wir alt? Ich sende alt. Okay. Was macht euch Angst? Mich interessiert das wirklich. Was macht euch Angst? Was kann euch in einem... sicheren Hafen wie dem eigenen Wohnzimmer Angst machen, wenn man einen Film guckt.
Florian Bayer: Und auch eine spannende Frage, genießt ihr das? Weil ganz viele Leute, die ich kenne, sagen, sie mögen keine Horrorfilme, weil sie... Angst nicht mögen, weil ihnen das, weil sie nicht, sie finden das doof, wenn ihnen ein Film Angst macht.
Johannes Franke: Also ich bin schon beeindruckt, wenn ein Film das kann. Und deswegen gucke ich mir auch trotzdem mal wieder einen Horrorfilm an, wenn ich weiß, dass er wirklich gut ist. Weil wenn er das schafft bei mir ... Angst auszulösen, dann bin ich fast schon dankbar dafür, weil es ist ein Gefühl, was man nicht so oft hat sonst.
Florian Bayer: Wir haben beim Gespräch über Post-Horror-The-Lighthouse-Event, der hat zum Beispiel auch in bestimmten Szenen bei mir Ängste ausgelöst, obwohl der komplett fern von meiner Lebensrealität. ist.
Johannes Franke: Der ist so drüber eigentlich, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Aber wenn er mit dieser Wassernixe zum Beispiel Sex hat, Das war eine verdammt gruselige Szene, wenn er das so träumt und dann dieser Sexualakt so pervertiert gezeigt wird.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich Angst hatte, aber... Es ist tatsächlich so, dass dieses Gewebe, was da irgendwie dieses, ich weiß nicht, es war so ein sehr... biologisch-physischer Vorgang, der so echt ein bisschen ekelhaft war und dann so umschwenken kann in tatsächlich so eine Eine Angst vielleicht. Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Body Horror kann bei mir auch krass Angst auslösen. Also David Cronenberg war darin ja Meister, so zu zeigen, wie Körper irgendwie deformiert werden. Mhm. Die Flieger als das klassische Beispiel. Pervertieren. Kafka-Variante, wo die Verwandlung wirklich in allen Einzelschritten gezeigt wird. Zähne ausfallen und ... Haut abziehen und Fingernägel werden abgezogen und so.
Johannes Franke: Aber wenn es nur Ekel ist, ist es auch nicht gut.
Florian Bayer: Nee, nur Ekel ist es nicht. Es ist eher so... Genau, bei Cronenberg ist es meiner Meinung nach nicht nur Ekel. Es gibt andere Filme, wo es nur Ekel ist. Das macht mir auch keine Angst. Das ist halt einfach nur eklig. Und das will ich auch teilweise nicht sehen. Also gerade so Splatterfilme, die Spaß daran haben, Gekotze zu zeigen und so gibt es ja auch. Nee, das ist es nicht.
Johannes Franke: Na gut, was macht einen guten Horrorfilm aus? Schreibt es uns, schreibt es uns. Florian at ...
Florian Bayer: Florianett muss man sehen, Johannesett muss man sehen, was macht euch Angst? Was mögt ihr an Horrorfilmen oder was findet ihr total doof an Horrorfilmen? Wir sehen uns gleich.
Johannes Franke: Oder vielleicht wollt ihr uns was antun. Und schreibt uns, ihr müsst diesen Film gucken und dann müssen wir den gucken und dann besprechen wir ihn hier.
Florian Bayer: Wenn ihr einen Film habt, der uns wirklich Angst machen könnte, oder einen Film, der euch wirklich Angst gemacht hat, bitte. Ich hab das aus rein kathartischen Gründen. Ich mag es, wenn mir Filme Angst machen.
Johannes Franke: Okay, gut. Ich mache dir einen Termin bei meinem Therapeuten, okay?
Florian Bayer: Und jetzt weg von der Angst und hin zur emotionalen Bewegung.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Gut, bis gleich. Jo, Pipi gemacht. Flo, hast du auch Pipi gemacht?
Florian Bayer: Ich hab auch Pipi gemacht. Ich bin bereit für die nächsten 90 Minuten.
Johannes Franke: wir haben ein völlig anderes Thema bei dem zweiten Film und ich ahne, dass wir sehr viel zu reden hätten, wenn wir uns wirklich auf alles stürzen würden, was dieser Film zu bieten hat.
Florian Bayer: Ach so, ich dachte, wir machen das jetzt wie im Stummfilm. Wir lassen einfach Musik laufen und Gestik und Mimik muss ausreichen.
Johannes Franke: Ja, nein. Im Sinne des Zuhörers sollten wir vielleicht wenigstens ein paar Sachen artikulieren. Ich habe jetzt nichts vorbereitet, aber gut.
Florian Bayer: Bring uns doch eine kleine Einführung zu dem Film.
Johannes Franke: Okay, gut. Wenn du schon so fragst, Plur. The Artist. Schon die Entscheidung, einen Schwarz-Weiß-Film zu drehen, ist in unserer Zeit sehr ungewöhnlich und bedarfs. sehr viel Vertrauen in die eigene Geschichte und in das eigene Publikum. Dann auch noch einen Stummfilm draus zu machen, dürfte jeden Produzenten an den Rand der Verzweiflung bringen. Sicher, ein Nischenpublikum wirst du immer erreichen, aber... In dieser Nische sind von Natur aus nicht gerade viele Leute heutzutage. Du musst also echt viel Überzeugungsarbeit beim restlichen Publikum leisten. Oh boy, hat dieser Film Überzeugungsarbeit geleistet. Er gewann Best Actor in Cannes, drei Golden Globes, sieben BAFTAs und fünf... fucking Oscars. Aber worum geht es eigentlich in einem Schwarz-Weiß-Stummfilm aus dem Jahre 2011? Natürlich befasst er sich selbst referenziell mit der Stummfilmzeit, seinen Stars, dem Übergang zum Tonfilm und den Gewinnern und Verlierern dieser Zeit. Apropos Gewinner. Plor. Wenn du in der Jury der Oscars gesessen hättest. Hätte der Film von dir auch so viele Preise bekommen?
Florian Bayer: Ich bin ja froh, dass du direkt die Oscars ansprichst. Wir hatten nämlich schon in letzter Zeit öfter mal den Begriff Oscar-Welt benutzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Für eine spezifische Kategorie von Filmen?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wow, ist das ein Oscar-Weltfilm.
Johannes Franke: Aber schon auf sehr ungewöhnliche Art und Weise.
Florian Bayer: Ja, und wow ... benutzt dieser Film seine Emotionen und das Spiel mit den Emotionen, um nach einem Oscar zu schreien und ... Bis zu dem Punkt, dass man sich als Publikum fast schon manipuliert fühlt teilweise.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Aber wow, ist der effektiv dabei. Ist krass, oder? Also es war, das mit dem manipuliert, war auch eher was, was so im Nachhinein noch mal so gekommen ist. So, ja, der macht das sehr viel. Aber während der Film gelaufen ist, ist das nicht hochgekommen, weil der Film ist... unfassbar stark emotional.
Johannes Franke: Ist auch sehr immersiv, oder?
Florian Bayer: Und der hat mich komplett mitgerissen.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und zwar wirklich, ich hab danach nochmal drüber Gedanken gemacht und gedacht, oh ja, das war echt schon Oscar-Baid und wow. Und dieses Spiel mit den Emotionen, vor allem in dieser Schlussszene, fand ich das ganz krass. Da hat's auch einmal kurz gekitzelt, wo ich dachte, uff ... Das war jetzt ein bisschen zu viel Manipulation. Du weißt wahrscheinlich, welche 10 ich meine.
Johannes Franke: Weiß nicht ganz genau. Es gibt ein paar Kandidaten. Bang.
Florian Bayer: Das war so ein Moment, wo ich wirklich gedacht habe, okay, jetzt fühle ich mich so ein bisschen manipuliert. Aber es war nicht schlimm, weil ... Der hat mich reingezogen. Während ich ihn geguckt habe, ich war hin und weg. Wirklich. Unglaublich emotional berührend. Unglaublich effektiv darin, Emotionen zu vermitteln. Und ich kann nichts anderes sagen, als dass ich die ganze Zeit wirklich wie gebannt davor saß. Und der Film, ja, es ist wirklich überwältigend. Und ich hab wirklich das Gefühl, dass der Film fast so eine Brutalität da drin hat. Aber das hat er halt auch gemacht. Er hat es wirklich geschafft, mich so komplett in seinen Bann zu ziehen und mich diese, wie lange dauert der? 100 Minuten?
Johannes Franke: Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Round about 100 Minuten. mich komplett so in den Bann zu ziehen, dass ich einfach nur ... Ja, ich war hin und weg, ich kann es nicht anders sagen. Es war ... Ich bin froh, dass ich ihn endlich gesehen habe. Und es war einfach mal ein ... emotional krasses Erlebnis.
Johannes Franke: Er ist auch einfach wirklich sehr konsequent mit dem, was er tut. Er ist konsequent Schwarz-Weiß-Stumm-Film bis auf eben das Ende und die Traumsequenz, was ich eine sehr schöne Entscheidung fand. Was ich auch eine ganz tolle Entscheidung fand, war, dass die Traumsequenz nicht einleitet im letzten Drittel des Films, dass der letzte Drittel komplett Tonfilm ist. was ganz easy hätte passieren können, sondern dass er dann wirklich konsequent gesagt hat, nee, aber es ist jetzt nur die Traumsequenz gewesen. Wir gehen mal wieder zurück in den Stummfilm.
Florian Bayer: Kudos, dass er es schafft in einem Genre, das mit unseren Sehgewohnheiten einfach bricht, weil die wenigsten, die den Film sehen werden, mit Stummfilmen groß geworden sein, dass er es schafft, tatsächlich diese emotionale Spannung aufrechtzuerhalten und wirklich so emotional mitzureißen, weil Jeder, der gerne historische Filme guckt, also historisch im Sinne von aus historischer Zeit. aus den Jahren 1920ern oder aus den 30er Jahren oder aus den 10er Jahren, weiß, dass es, obwohl man begeistert sein kann von diesen Filmen, dass es trotzdem immer so diesen ... Ja, so dieses kleine Gap gibt, weil es sind halt andere Sehgewohnheiten und man ist damit ständig konzentriert. konfrontiert. Selbst wenn man von einem Film von damals begeistert ist, ist man damit konfrontiert, dass andere Sehgewohnheiten sind und dass sie heute emotional nicht mehr so
Johannes Franke: Und da musst du erst mal irgendwie die ersten zehn Minuten damit zubringen, in das Konzept reinzukommen. Da musst du erst mal, denkst du die ganze Zeit darüber nach, Ach ja, okay, jetzt soll ich das denken, jetzt soll ich das denken, obwohl mir nichts sagen kann und so. Und ach, jetzt sagt er bestimmt das oder weißt du, solche Sachen... Die dann Gedanken, die man hat, weil man aus der eigenen Heimat der Sehgewohnheiten kommt und erstmal richtig, es muss diesen breiten Fluss erstmal überqueren. So ist das halt einfach. Aber der macht das so gut.
Florian Bayer: Dieser Film schafft es halt dramaturgische Konzepte von unserer Zeit, die man heute gewohnt ist in ... Ja, sehr gerne, danke. in Stummfilm zu übersetzen. Und deswegen wirkt er auch, obwohl er sehr viel macht, um eben diese Nostalgie zu erzeugen und dann den klassischen Stummfilm anzuknüpfen, trotzdem So rein ohne Reflexion wirkt er eher wie ein Film aus der heutigen Zeit, weil er ... weil er halt die Emotionalität der heutigen Zeit mitbringt, weil er bestimmte Inszenierungsmechanismen der heutigen Zeit in sein Stummfilm-Setup einbaut.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ohne das zu verraten. Ich bin wirklich beeindruckt davon, dass er es geschafft hat. das mit wenigen Texttafeln zu inszenieren. Weil eine Sache von heutigen Filmen ist ja, dass sie sehr geschwätzig sind. sehr viel erklären und sehr viel Story über die Erzählung mitgeben. Deswegen wäre mein erster Gedanke, wenn man heute einen Stummfilm produziert, ist das total schwierig, weil die müssen unglaublich viele Texttafeln haben, weil das einfach unsere Sehgewohnheiten sind. Und das hatte er nicht. Er hat es tatsächlich geschafft, weniger Texttafeln als klassische Stummfilme zu haben, wirklich mit wenig Text auszukommen.
Johannes Franke: Es gibt ... Ähm ... zwei, drei Phasen im Film, wo die Texttafeln mehr werden, wo auch Kritik geäußert wurde, dass er sich da so ein bisschen dann ... dass es eben doch nicht geschafft hat, gänzlich darauf zu verzichten. Aber ich glaube ... Dass ganz im Gegenteil der Regisseur gesagt hat, ich muss mehr Texttafeln drin haben. Weil die Sturmfilme damals hatten einfach viele Texttafeln. Das gab es immer wieder. Und ich sehe immer wieder Texttafeln in diesem Film, wo ich denke, die könnten aber auch... ohne Auskommen. Komm noch dazu, ich habe französische Texttafeln erwischt. Das heißt, ich habe eigentlich gar nicht verstanden, was da drin steht. Ich habe mir so ein bisschen zusammengeklaubt. Und dann habe ich durch dieses Experiment, was sich dann automatisch ergeben hat... Ob ich auch mitkomme ohne Texttafeln, total bestätigt. Nix davon brauche ich. Ich brauche keine einzige Texttafel wirklich.
Florian Bayer: Das ist so krass, dass du französische Texttafeln erwähnt hast, weil ich hab die Blu-ray geguckt und ich hatte nur die Auswahl zwischen englischen und deutschen Texttafeln.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Ich bin davon ausgegangen, dass Englisch das Original ist tatsächlich.
Johannes Franke: Sie haben es in Hollywood gedreht, aber das sind französische Filmemacher gewesen.
Florian Bayer: Er ist ein französischer Filmmacher. Ich bin trotzdem davon ausgegangen, dass er einfach als englischer Film produziert wurde und das so natürlich, was ja auch ziemlich leicht ist, dann englische Texthafen zu machen, um den Film einfach international zu machen. Interessant, dass du französische Texttafeln hattest.
Johannes Franke: Am Anfang, weil ich den Film ja schon kannte, habe ich die erste französische Texttafel gesehen und habe gedacht ... Oh, muss ich irgendwo umstellen? Hier, da. Und dann habe ich gedacht, nö, ich lasse mal laufen. Mal gucken, was passiert. Und das war einfach nicht nötig.
Florian Bayer: Ich hatte nie das Gefühl, dass es zu viele Texttafeln sind. Also wenn die Kritik geäußert wurde, ich kann sie nicht nachvollziehen, weil ich kenne Stummfilme aus den 20ern und 30ern, die deutlich geschwächt sind. Und deutlich nerviger mit Unterbrechungen, was Texttafeln betrifft und viel mehr Roman da reinpacken wollen. Ja, zum Beispiel.
Johannes Franke: Hexan hat wirklich extrem viele Texttafeln.
Florian Bayer: Hexan hat sehr viele Texttafeln. Und ich halte es ihm sehr zugute, dass er es geschafft hat. Er hat sie genau auf das richtige Maß reduziert, um das stumpfen Feeling von damals zu reproduzieren. Und nicht nur mit den Texttafeln. Natürlich, klar, 4 zu 3. Natürlich schwarz-weiß. Aber es ist nicht nur das. Es ist auch ... Die Bewegung, die Kameraführung. Er hat wirklich eine herausragende Arbeit damit gemacht. das Gefühl hochzuholen, was man von Stummfilmen kennt und gleichzeitig trotzdem emotional näher am 2011er Publikum zu sein.
Johannes Franke: Das ist beeindruckend. Ich kann dir gar nicht sagen, an welcher Stelle, also natürlich dramaturgisch und so weiter, Kniffe, die man damals nicht so sehr benutzt hätte wie heute, Vielleicht auch eine Erzähldichte, die damals nicht so existierte, ne? Aber ansonsten, er hat sich ja wirklich kameratechnisch an das von damals gehalten. Er hat keine Zooms drin, die damals nicht möglich waren. Er hat bestimmte Sachen einfach nicht gemacht, die einfach damals nicht in Frage standen. So was wie eine handgeführte Kamera. Keine Chance. Kannst du nicht machen. Deswegen haben sie es auch nicht gemacht. Und sie haben ganz viele andere technische Sachen. Einfach sich wirklich dran gehalten zu sagen, nee, wir gucken, was damals möglich war und darauf beschränken wir.
Florian Bayer: Sie haben es nicht in 24 Frames per Second aufgenommen, sondern mit 22.
Johannes Franke: Was ich fast ein bisschen weird finde, weil 22, sie wollten es nicht übertreiben, aber eigentlich die Filme damals. waren so zwischen 14 Frames und 24 Frames, je nachdem, was für ein Film es war. Und dann ...
Florian Bayer: Und jede Vorführung war anders, weil es immer drauf ankam, wie schnell das abgespielt wurde.
Johannes Franke: Projektoren haben halt alle 24 Frames oder 25 Frames abgespielt, weswegen die Filme von damals eben... so schnell wirken. Also die Bewegung wirkt ja immer beschleunigt. Weil es damals einfach keine... Normierung der ganzen Sache gab. Es gab dann irgendwie diese Range zwischen 14 und 24 Frames, je nachdem wie schnell auch der Typ an der Kurbel gedreht hat. Und dann hast du das irgendwie so und es gab keine Normierung dafür, weil es auch keinen interessiert hat dann so richtig. Und nur mit dem Tonfilm. Als der Tonfilm kam, musste man da eine Normierung haben, damit der Ton, die Tonspur auf den Film passt. Weil sonst, wenn du schneller abspielst oder langsamer gedreht wurde als die Tonvariante, dann kommt das Singing in Rain Problem zustande. Das wird sich der... Die Stimme des Typen erschallt, wenn die Frau redet.
Florian Bayer: Also technisch ganz herausragend. Wirklich toll. Wirklich gut den Bogen gespannt von damals zu heute. Ich glaube, das Schauspiel ist übrigens auch was, was eher ... das viel gemacht hat, was er in unserer Zeit angelehnt war. Es war weniger stumpf im Schauspiel zu sehen.
Johannes Franke: Wobei man auch ... oft unterschätzt, wie viel damals schon so ein bisschen naturalistischer gedacht wurde. Also natürlich gab es viele Filmemacher, die das auch eingefordert haben, dass es ein bisschen mehr Bühne ist. Aber es gab auch damals schon Bestrebungen zu sagen, wir machen das Ganze ein bisschen natürlicher. Film ist ein anderes Medium als Theater. Das hat sich halt nicht überall durchgesetzt, weswegen das Bild von uns auf damals schon so ist, dass alle immer Grimassen ziehen. Film ja auch thematisiert wird.
Florian Bayer: Die Maske vielleicht auch ein bisschen, die war auch damals immer ein bisschen mehr drüber, die ist ein bisschen reduzierter als damals. Also ich weiß es nicht, aber es sind so kleine Dinge, wo man das Gefühl hat, das ist doch eher 2011-Haseen-Gewohnheiten und die sind an der richtigen Stelle gesetzt. hätte er wahrscheinlich auch so als Oscar-Film oder als Publikumsmagnet nicht funktioniert.
Johannes Franke: Vielleicht, ja.
Florian Bayer: Weil er schafft es halt wirklich ... Man hat nicht das Gefühl, was man hat, wenn man einen Stummfilm aus den 20ern sieht, dass man sich damit beschäftigt, ach ja, damals waren die Sehgewohnheiten anders. Sondern man ist drin und man macht sich nicht so viel Gedanken über seine Sehgewohnheiten, sondern man akzeptiert das sehr schnell, dass das ein Stummfilm ist. Und lässt dich dann sehr schnell von der Story mitziehen.
Johannes Franke: Wobei die Story streckenweise ja doch auch ein bisschen ... sagen wir mal, am naiven Stummfilm von damals orientiert ist. Man kommt teilweise von einem Plot zum nächsten Plot-Twist eher ... Naiv.
Florian Bayer: Ja, naiv ist der Film auf jeden Fall. Definitiv. Das ist ein großes Märchen. Und es ist eine große Ruldigung des guten alten Hollywoods und dabei natürlich enorm romantisierend.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Wollen wir mal in die Geschichte reingehen, so ein kleines bisschen. Wir haben am Anfang, was ich... ganz, ganz tolle Idee finde, wie der Star der ganzen Geschichte... hinter der Leinwand steht, wo gerade das Publikum tobt und sich den Film anschaut, die Premiere eines großen Films, eines Stummfilmstars. Und wir lernen gleich den Chef Goodman kennen. Wie heißt er?
Florian Bayer: Al Zimmer.
Johannes Franke: Zimmer, genau. Und dann, wie der Star sich feiern lässt. Was auch eine ganz, ganz tolle, auch eine Reminiszenz an Singing in the Rain übrigens ist. mit dem weiblichen Co-Star, die nicht zum Zuge kommt ganz viel.
Florian Bayer: Weil er mit seinem Hund auf der Bühne rumspielen muss. Ja. Das gehört übrigens auch zu dem emotionalen Manipulativen. Er muss natürlich so einen kleinen Hund haben. den er über alles liebt und der kleine Hund rettet ihm nachher das fucking Leben. Das ist so manipulativ, weißt du? Allein dieses Tier zu erzeugen von Emotionen, auch damit wir den Protagonisten sympathisch finden. Weil, Spoiler, der Protagonist hat sehr, sehr viele unsympathische Seiten.
Johannes Franke: Sehr viele, ja.
Florian Bayer: Der ist nämlich eigentlich ein Egomane. Und ein wirklich konservativer Egomane, der auch selbst schuld ist an seinem Schicksal.
Johannes Franke: Ja, ich finde, war ganz beeindruckt. Ich habe mich daran gar nicht so erinnert, Dass der so tief in Abgründe hineingeht von dieser Figur, die total hassenswert ist teilweise, wo man denkt, um Gottes Willen. Alter, mach was, kümmer dich drum.
Florian Bayer: ist ja noch nicht der Fall. Da ist er einfach nur der leuchtende Star, der das auch sehr auskostet, indem er auf die Bühne geht nochmal mit seinem Hund und dann ein paar Sachen vorführt.
Johannes Franke: Und nochmal und nochmal auf die Bühne geht, bevor er endlich die Frau, die an seiner Seite eigentlich der Co-Star ist. nach draußen holt, die dann so ein bisschen beleidigt ist. Und ich erinnere mich halt an die wundervolle Szene Singing in the Rain, wie Lina Lamont, die eine ganz schreckliche Stimme hat. die überhaupt nicht geht für den Tonfilm, die ist irgendwie, steckt die in diesem weiblichen Co-Star. von diesem Film. Was ja auch später gezeigt wird, wenn sie den Tonfilm das erstmal ausprobieren, Ist sie diejenige, die vor dem Mikro steht, um zu demonstrieren, wie Tonfilm funktioniert? Und wir hören ihre Stimme nicht, aber seine Reaktion ist nicht einfach nur, das ist ein komisches Gimmick, das mag ich nicht, sondern er lacht sich echt schlapp. Und ich glaube, es liegt daran, dass die Stimme einfach mal nicht geht.
Florian Bayer: Das ist ein guter Punkt. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass er sich vor allem auch einfach schlapp lacht, weil er dem Tonfilm nichts abgewinnen kann. Und wenn man sich in der Filmgeschichte umschaut, dann sieht man halt auch, wie auf den Tonfilm reagiert wurde. Vor allem von den großen Stummfilmstars. Der Tonfilm war ja bei vielen verhasst.
Johannes Franke: Aber richtig.
Florian Bayer: Bei den Schauspielern und Schauspielerinnen, die Angst hatten mit ihrer Stimme. blöd dazustehen. Bei den Produzenten, die vor allem viele Kosten gesehen haben. Und es gab riesige Kampagnen gegen den Tonfilm. Es gibt ganz tolle Plakate aus der damaligen Zeit. Rettet den Stumpf. Tonfilm ist Mord am Film. Tonfilm ist Schund. Schafft den Tonfilm. der hat hier nichts zu suchen. Wir machen hier große Stummfilmkunst. Und unser Protagonist, George Valentin, ist durch und durch eine Verkörperung von dieser Ablehnung des Tonfilms.
Johannes Franke: Ja, er ist so ein bisschen des Pendant zu Douglas Fairbanks.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Das ist ein Stummfilmstar gewesen damals, der war Best Friends mit Charlie Chaplin, deswegen kenne ich Douglas Fairbanks überhaupt, weil... Chaplin ganz viel über ihn redet in seiner Autobiografie. Er war Nachbarn in Hollywood und hat sehr viel miteinander zu tun gehabt. Ich weiß gar nicht, ob sie so viel gedreht haben, aber sie hatten sehr viel zu tun miteinander und haben auch, glaube ich, ich glaube, er war auch Teil von United Artists, was... Chaplin mit einem Haufen Künstlern zusammen gegründet hat, was ja heute noch eine große Produktionsfirma ist. Und Douglas Fairbanks scheint da irgendwie so ein bisschen Pater gestanden zu haben, der... gut aussehende Stummfilmstar, den sie alle anhimmeln, der jeden Erfolg dieser Welt hat. Ja, der anscheinend auch so ein, naja, auch ein bisschen Lebemann.
Florian Bayer: Ja. Wir befinden uns übrigens im Jahr 1927 und wir befinden uns an der Schwelle zum Tonfilmzeitalter.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieses Tonfilm-Zeitalter wird ja schon so ein bisschen verkörpert durch gleichzeitig die Love Interest von George Valentin, die in das Spiel kommt. Eine ... Frau mit Ambitionen in Hollywood, die aber noch ziemlich unbekannt ist und am roten Teppich steht, wenn er nach dieser Premiere nach draußen geht und sie stolpert aus dem aus dem Journalistenpulk heraus und landet in seinen Armen.
Johannes Franke: Sie hat im Grunde nur ihr ihren Notizblock verloren und bückt sich, um den zu kriegen, stolpert dann da rein und wird dann von der Presse fotografiert mit ihm zusammen und alle fragen sich, wer ist die Neue an seiner Seite?
Florian Bayer: Und es gibt tatsächlich diesen kurzen Moment, wo er wirklich kurz erbost sein könnte. Also so einen kurzen Schockmoment, wenn sie dann auf ihn fällt. Aber dann reagiert er... in seiner charmanten Rolle und nimmt sie in den Arm und es gibt den Kuss so auf die Wange, ganz, ganz unschuldig, aber es ist so der Moment, wo sie plötzlich im Rampenlicht steht und für sie auch ein ganz großer Moment und sowohl Valentins Frau als auch der Produzent Zimmer finden das ziemlich doof, die Frau einfach, weil sie eifersüchtig ist. Und immer, weil er natürlich einen Film verkaufen will und keine Zeit hat für solche Spirenzchen mit dem ... Star und neuen Sternchen und so weiter. Aber für Pepe Miller, so heißt sie, ist das ein großer Moment, weil jetzt erhofft sie sich ... mehr zu schaffen. Sie geht zum Casting.
Johannes Franke: Und ich find's ganz, ganz toll, schon allein die ersten Sequenzen sind, schreien so sehr diese Diese Hollywood-Zeit, diese Art und Weise, sich zu geben, diese Art und Weise... Dinge auszureizen und Charme spielen zu lassen und seinerseits, ich finde, er spielt das wahnsinnig. Wahnsinnig gut. Er verkörpert das so unglaublich gut. Das ist das, was ich ganz oft in Filmen von damals sehe.
Florian Bayer: Tatsächlich war die Schauspielleistung, die Schauspielleistung gehört nicht zu dem, was mich groß mitgerissen hat. Ich könnte jetzt auch nicht sagen, dass ich einen Schauspieler besonders hervorheben würde.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Sie haben sich einfach eingebettet in die Geschichte und ich sehe die Trümpfe bei der Inszenierung und bei der Dramatik. Ich sehe teilweise natürlich, dass sie es schaffen, irgendwie so zwischen ... klassischem Stummfilm und heutige Hollywood-Emotionen zu balancieren.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber es war jetzt nichts, was mich umgehauen hat. Also weder sein Charakter ... Jedes Mal, wenn es mich begeistert hat, war es eher so, dass ich das Gefühl hatte, die Schminke ... Und die Kostüme begeistern mich. Weniger das Spiel.
Johannes Franke: Aber weißt du, ich glaube, das liegt daran, dass man eben dass sie sich entschieden haben, so zu spielen, wie das eben damals üblich war. Und dass sie eben nach unseren heutigen Maßstäben auch nicht zeigen konnten, was sie an Fähigkeiten groß haben, was wir zumindest sehen können. Ich finde, die Leistung, die sie gebracht haben, liegt eher darin, dass sie in dieser Art und Weise und in diesen Charakteren verspunden sind, die eben... damals Schauspieler waren. So dieses... immer ein Stückchen über den Dingen schweben, immer so ein Stückchen drüber zu sein, immer so ein Stückchen... Distanz zu haben von der eigentlichen Emotion der ganzen Geschichte.
Florian Bayer: Es gibt ja so die ein, zwei Szenen, wo sie das wirklich aufbrechen. Also vor allem die Spiegel-Szene. Wenn wir das erste Mal ein Gefühl von Tonfilm haben, wenn er vorm Spiegel sitzt und dann alles Geräusche macht, nur seine Stimme nicht. Und da sehen wir ja, wie er quasi verzweifelt mit seinem Spiegelbild spricht, weil er seine Stimme nicht hört. Und übrigens super inszeniert keine Musik und wir sehen halt Dinge, die auf den Boden fallen oder so und hören alle umgehenden Geräusche, aber er hört seine Stimme nicht. Das ist ja so eine Szene, in der das aufgebrochen ist. Aber ich will das auch gar nicht schlechtreden. Es ist jetzt nicht so, dass ich irgendwie das Gefühl habe, schwaches Schauspiel oder so, sondern es war einfach, es gehört nicht zu den Dingen, die mich bei dem Film groß mitgerissen hatten.
Johannes Franke: Ich habe auch das Gefühl, dass sie so ein kleines bisschen im Fortlauf der Zeit auch verschiedene Filmemacher angeteasert haben. Zum Beispiel Hitchcock. auch teilweise, wenn du schon diese Traumsequenz ansprichst. Ich habe das Gefühl, dass es so ein bisschen Hitchcock- Anleihe drin ist und auch diese Art und Weise und auch sein Spiel passt dann mehr in Richtung Hitchcock, finde ich an der Stelle. Vielleicht ist es aber überinterpretiert.
Florian Bayer: Es gab ja diesen großen Vertikomusik-Skandal. Ah ja, stimmt. Ja. die die Musik aus Vertigo benutzt haben und dann richtig Ärger an der Backe hatten.
Johannes Franke: Aber nein, das ist völliger Blödsinn eigentlich, weil... Diese Musik wird in so vielen Filmen benutzt. Du hast so oft... Filme, die irgendwelche Musiken von anderen Filmen zweitverwerten oder drittverwerten. Das macht Tarantino ständig und das machen ganz viele andere Filme ständig.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich merkwürdig, dass es da so eine Aufregung drumherum gab. Also der Komponist... von der Vertigo-Musik. Der hat sich drüber aufgeregt und der hat gesagt, das ist geklaut. Was wirklich absurd ist, weil es ist schon ... einfach, es ist, der Film spielt natürlich mit Referenzen, der Film hat ganz oft diese Hommage-Momente und dann ist es natürlich klar, dass er auch
Johannes Franke: Zitate bringen.
Florian Bayer: Zitiert, genau, er zitiert.
Johannes Franke: Das ist halt wichtig, finde ich auch. Also fand ich wirklich ein sehr seltsames... Seltsame Aufregung, aber vielleicht passiert es auch einfach automatisch, wenn du eine gewisse Größe erreichst. Dass es auf jeden Fall Leute geben muss, die sich dann darüber aufregen, dass der Film das und das auf die und die Art und Weise macht.
Florian Bayer: Wenn Kunstwerk zitiert, muss es im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Arbeit nicht existieren. die Quellen nennen. Kunstwerk darf mischen, darf spielen, darf remixen.
Johannes Franke: Und das ist unser, also ich finde sowieso, da haben wir so ein bisschen ein Problem heutzutage, weil wir das so alles so... streng limitieren wollen und reglementieren wollen, obwohl ich wichtig finde, dass Künstler für ihre Arbeit entlohnt werden und auch Geld davon haben, aber Wir müssen es irgendwie schaffen, mit Lizenzen nochmal einen anderen Spin zu kriegen, dass wir... Weil Kunst lebt davon, dass wir weiterentwickeln, was andere vor uns gemacht haben.
Florian Bayer: Es ist echt ein schwieriger Themenkomplex. In den USA, habe ich das Gefühl, ein bisschen besser geregelt mit diesem Fair-Use-Ding. Grundsätzlich was Urheberrecht betrifft, in Deutschland versuchen sie es jetzt auch in Europa, was wieder für riesige Aufregung gesorgt hat mit diesen, wie war das, 15 Sekunden darfst du zitieren jetzt oder so. Und es ist so, die Gesetzeslage ist, sie versuchen es konkret zu machen und gleichzeitig ist es so unklar. Immer die Frage, was ist Zitat und was ist Plagiat und wie viel darfst du von einem anderen Kunstwerk bringen? Auch was das Genre des Video-Assays betrifft, wo aus Filmen zitiert wird. Wir sehen es ganz konkret bei ... Unsere Sachen, die wir auf YouTube gemacht haben, wir haben für den muss man sehen Podcast, das sind die Anfänge des muss man sehen Podcast, haben wir auf YouTube meine Texte gestellt, die von Johannes gelesen werden und da Dann im Hintergrund Trailer laufen zu den Filmen, über die geredet wird. Und das wird von YouTube, zumindest im deutschsprachigen Raum, gnadenlos gefleckt als das ... du hast keine Hoheit über diesen Content. Der wird jetzt monetarisiert von Universal Pictures oder von Fox.
Johannes Franke: Aber immerhin bleibt er online und wird nicht runtergenommen, weil sie irgendwie ein Agreement haben. Das ist schon mal ein Fortschritt, aber irgendwie... Ich weiß nicht, irgendwas muss da noch passieren, dass wir das hinkriegen, dass wir nicht ständig Angst haben müssen, uns... in Teufelsküche zu bringen, weil wir was weiterentwickeln oder was aufgreifen oder zitieren und ja...
Florian Bayer: Glücklich ist die Situation gerade nicht. Weder für die Kunstschaffenden, die ihr geistiges Eigentum geschützt sehen wollen, noch für die, die es ... die Neues schaffen wollen damit und remixen wollen, neu interpretieren wollen.
Johannes Franke: ist der Film voll von, also so proppevoll von Zitaten und von Anleihen und Eine Liebeserklärung an Fritz Lang, Hitchcock, Lubitsch, Murnau und Billy Wilder und diese ganzen... Leute, die einfach in dieser Zeit und darüber hinaus großartige Filme gemacht haben und die sieht man alle irgendwie da drin und ich glaube, ich habe... nicht einmal die Hälfte davon erkannt. Ich wahrscheinlich nicht mal ein Drittel. Es ist wirklich krass.
Florian Bayer: Ja. Man braucht tatsächlich, das Gute ist, dass es im Gegensatz zum Beispiel zu einem Film wie ganz anderes Genre, Ready Player One von Steven Spielberg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist nicht so ein Nerdfest. Man muss die Referenzen nicht verstehen, um Spaß zu haben. Bei Ready Player One ist es so ... Das ist ein Film für die Nerds, die sagen können, ah, und ich erkenne die Star Wars Referenz, ich erkenne die Indiana Jones Referenz, ich erkenne Back to the Future. Und so funktioniert dieser Film nicht. Also, wie gesagt, ich habe vielleicht ein Drittel erkannt, wenn überhaupt, von den Referenzen an. Aber es ist auch nicht so wichtig, weil der Film auch eben nicht nur als Referenz- und Zitatschleuder wirkt, sondern auch als emotionale Geschichte. Und zwar ... Die Geschichte, die wir dann im Folgenden sehen, dass der Stern von George langsam untergeht, weil der Tonfilm kommt. Mhm. Und gleichzeitig der Stern von Peppy langsam aufgeht. Also Star is Born quasi im Film. Ja, genau. mit einer Liebesgeschichte gekreuzt. Und der Tonfilm wird groß. Wir kommen ins Jahr 1929. Und George glaubt nicht, dass das die Zukunft ist, wie du sagst. Er macht sich drüber lustig. Und währenddessen entwickelt sich Peppy, auch ursprünglich mit der Hilfe von George, weil sie... Der erste Film, in dem sie gecastet wurde, ist ausgerechnet einer, wo er mitspielt.
Johannes Franke: Ja. Beziehungsweise er hat es ja befördert, ne? Ja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ja der eigentliche, den ich auch ganz schön finde, der eigentliche Twist, dass er ja derjenige ist, der sie überhaupt dorthin hieft, wo sie hinkommt. Ja, es gibt dieses Dance-Off. wo die Leinenwand bis über dem Boden, knapp über dem Boden hängt und man sieht ihre Füße, wie sie gerade tanzen übt. Und er steht auf der anderen Seite, das ist so ein typisches 50er-Jahre- und noch früher-Trope-Ding. Und er steht auf der anderen Seite und tanzt nach, Sie hört es, tanzt wieder was anderes, er tanzt nach und so weiter. Und dann gibt es so ein Dance-Off. Und keiner weiß, wer da jeweils andere ist. Weil diese Leinwand dazwischen ist. Und dann ist er halt wie bei, ich muss immer wieder Singing in the Rain zitieren. Er ist so ein Don Lockwood. Er ist jemand, der dann groß dasteht und die Fäden in der Hand hat und alle anweist. Ja, jetzt macht man die Leinwand zur Seite, dann kann ich sehen, wer es ist. Und dann stehen die halt voreinander, wie Don Lockwood und Love Interest dort. Ah, ich hab den Namen vergessen. Und ich bin großer Singing in the Rain-Fan. Nein, wirklich? Und dann stehen sie halt voneinander. Sie hatten sich vorher schon mal kennengelernt bei einer anderen Gelegenheit. Und irgendwie Freude. Ja, ach du, na Mensch, sowas, cool. Und dann gibt's später, ich glaube, es ist in der Sequenz, dass sie später dann in seiner ... Garderobe ist.
Florian Bayer: Mit dem Mantel tanzt.
Johannes Franke: Das ist so süß. Das ist halt auch so ein ganz... Ganz typisches Ding. Also es wurde so oft auf der Bühne gemacht, es wurde so oft in Filmen zitiert, Aber es ist einfach schön, es da nochmal zu sehen und diese Liebeserklärung nochmal zu haben an diese Zeit. in der einfach visuelle Gags und visuelles... Schwelgen so in war und so ausgenutzt.
Florian Bayer: Das ist gutes Spiel von ihr auch. Ich bin immer beeindruckt, wenn das jemand hinkriegt, mit einem Mantel zu spielen und die fremde Hand zu spielen.
Johannes Franke: Und die ist super.
Florian Bayer: Ganz toll gemacht. Ich frag mich immer, Mann, wie gut muss man Kontrolle über den eigenen Körper haben? dass das Publikum, obwohl es genau weiß, was da stattfindet, trotzdem die fremde Hand zieht. Ich kann es nicht mal vernünftig erklären. Du ziehst den Mantel... Du hältst den Mantel so vor dich und führst deinen Arm hindurch, dass deine Hand aus dem Mantel rauskommt. Dass das dann die Hand deines Tanzpartners oder deiner Tanzpartnerin ist und du bewegst die Hand so, als ob es nicht deine eigene Hand wäre, sondern als ob eine fremde Hand über deinen Körper streicheln würde oder dich festhalten würde. Und das ist so plump eigentlich. Das machen so viele Künstler, gerade Kleinkunst, machen das so viele.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich bin immer wieder beeindruckt, wenn es gut gemacht wird, weil es ist so eine Körperkontrolle notwendig. die zwei Hände so unterschiedlich agieren zu lassen, dass du das Gefühl hast, ja, hinter diesem Mandel steckt eine andere Person, die jetzt gerade deinen Körper streichelt oder deinen Körper umfasst.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und in dieser Szene funktioniert es auch, macht sie das auch ganz toll.
Johannes Franke: Ganz hervorragend. Und dann platzt er rein, sieht, dass sie das mit seinem Mantel macht und dann, ich weiß nicht, ob es da ist, aber irgendwann gibt sie, gibt er ihr noch ihren der damals einfach sein musste irgendwie sein großer
Florian Bayer: Tipp für sie, du musst etwas Besonderes haben, um dich abzuheben. Das ist auch wirklich ein intimer Moment zwischen den beiden, wenn ihr diesen Schönheitsfleck dann aufdrückt und Dieser Schönheitsfleck wird ihre Karriere begleiten, während sie dann langsam aufsteigt, während er ... Weil er sich weigert, in Tonfilmen zu spielen. Zimmer, der Produzent, der ist übrigens gut gespielt, aber das ist auch John Goodman. John Goodman ist immer gut. Der will ihn dazu bringen, halt mit den Tonfilmen zu spielen, weil Tonfilme sind die Zukunft. Er glaubt das nicht. Und dadurch verliert er einfach seinen Status.
Johannes Franke: Aber man muss genau, das ist ein gutes Beispiel für, dass der Film wirklich teilweise sehr naiv und sehr... weiß ich nicht, so diese Stummfilm Art und Weise an den Tag legt, dass sie Dass sie das nicht erzählen darüber, dass ihm jemand sagt, wir stellen jetzt unsere Arbeit ein, sondern er kommt einfach eines Morgens. Auf Arbeit ans Set und niemand ist da. Das hat ihm natürlich keiner Bescheid gesagt. Es ist einfach vorbei. Es ist einfach vorbei. Er kriegt noch den Zeitungsartikel einmal geliefert, den er auch natürlich nicht vorher... irgendwann mal, wo er nicht gestolpert ist, sondern immer, dass er der Hausmeister sagen muss, hier, guck mal, hier steht es in der Zeitung.
Florian Bayer: Du bist nichts mehr.
Johannes Franke: Du bist nichts mehr.
Florian Bayer: Was tatsächlich halt großartig ist dagegen, ist, wie sie dann in diesen einzelnen Momenten seine Verzweiflung zeigen. Also es ist ja ein total egomanischer Move, dass er sagt ... Tonfilm ist nichts für mich, es wird nachher noch mal ein bisschen aufgelöst. Das kommen wir nachher noch dazu. Aber erst mal ist er so der Egomane, der glaubt, seine Stummfilme sind nach wie vor die große Kunst, der heißeste Scheiß und alles andere funktioniert nicht. Und es gibt ein paar wirklich schöne Szenen, in denen ... Er mit der Realität konfrontiert wird, dass Ton plötzlich das Neue ist und er nicht mehr angesagt ist. Das ist eben zum einen diese Schminktischszene, dieser Albtraum, wo er seine Stimme nicht hört und alles andere hört. Es ist wirklich schön, diese Treppenszene, wenn er ihr begegnet. Sie geht die Treppe rauf, er geht die Treppe runter.
Johannes Franke: Ganz toll, ganz toll. Wirklich ein großartiges Set mit den ganzen Treppen und so. So ein bisschen, wie heißt er? Der Künstler mit den Treppen. Ja, genau.
Florian Bayer: Der Künstler mit den Treppen. Das ist dein Erbe, lieber MC.
Johannes Franke: Genau. Und irgendwie diese Totale da drauf, wie es überall wuselt und diese Treppen und wie er im Zentrum dann auf sie trifft. wirklich schön, visuell wirklich ganz toll.
Florian Bayer: Was ich noch stärker fand, eigentlich meine Lieblingsszene, was seine Verzweiflung betrifft, ist tatsächlich, wenn ... Doris immer mal wieder mit ihm streitet, seine Frau, seine Ehefrau. Und irgendwann sagt sie, why do you refuse to talk? Und das steht so als ... wirklich als harte Texttafel dann da, während sie streiten. Und natürlich ist es eigentlich eine... ziemlich simple Doppeldeutigkeit. Weil ihr geht es darum, dass er nicht über seine Probleme mit ihr redet. Ja. Und da steckt natürlich auch das drin, dass er nicht bereit ist, für den Tonfilm zu reden. Aber, und das ist es eben, was ich auch meine mit diesem Manipulativen, was der Film hat, es funktioniert einfach. Es ist ein ganz plumpes Bild, ein ganz plumpes Symbol, aber der Film setzt es genau an der richtigen Stelle ein und er schlägt es dir ein. ins Gesicht und du wirst davon getroffen und denkst so, ja, shit, ja.
Johannes Franke: Aber gut, ich glaube, es hat was damit zu tun, dass der Build-Up so gut funktioniert, dass er bis dorthin das wirklich gut aufgebaut hat, um sich das dann leisten zu können, das Das dort einfach mit voller Kraft einmal hinzustellen und dass es als Monolith dasteht, dieser Satz.
Florian Bayer: Und das kommt direkt darauf, wenn Pepe Miller, mittlerweile ist sie ein Star, als einziger Zuschauer oder unter ganz wenigen Zuschauern seinen letzten Film sieht, seinen letzten großen Abenteuerfilm, den großen Misserfolg. Und dann halt diese Szene, in der er im Treibsand versinkt, dieses traurige Ende. Und das ist natürlich auch so ein plumpes Symbol, dass wir hier im Film wiedergespiegelt sehen, was hier in der Realität passiert. Aber es funktioniert. Und es ist fast so ein bisschen ärgerlich, dass dieser Film die ganze Zeit diese kleinen manipulativen Kniffe anwendet, um emotional zu bewegen. Und er ist ich kann es nur wiederholen, er ist unglaublich effektiv darin. Jeder einzelne dieser simplen Momente, dieser simplen Symbole haut emotional richtig rein.
Johannes Franke: Und das finde ich beeindruckend, weil das sind natürlich die Methoden, die damals viel benutzt wurden. Du hast ziemlich viel plumpe Metaphorik in Filmen, die es damals versucht haben. Das ist alles psychologisch noch nicht so wahnsinnig wertvoll. Aber er schafft es irgendwie, das gut zusammenzuhalten. Und es gut herzuleiten und dass du das auch alles nehmen kannst, ohne zu sagen, boah, jetzt ist es aber platt. Sondern du magst es einfach.
Florian Bayer: Und es ist platt. Es ist total platt. Wenn du dir darüber Gedanken machst, ist es total platt. Aber es funktioniert.
Johannes Franke: Ja, und toll, ne?
Florian Bayer: Ja, wer sind wir, um das drunter zu machen, dann, wenn es einfach mal so effektiv ist. Wenn er dich emotional so die ganze Zeit in den Band zieht.
Johannes Franke: Wir müssen ganz kurz, wir haben das übersprungen, diese Hundeszene ganz am Anfang, wie er da sitzt, das erste Mal mit seiner Frau am Frühstückstisch und der Hund macht Bewegungen. und er macht die Synchronen mit. Und ich habe die ganze Zeit erwartet, dass da gleich ein Grammophon kommt, wo dieser Hund... Weil dieses Symbol von dem Grammophon mit dem Hund, das kennt man ja. Und dann... Und dann ist das auch noch so ein Hund, der genau so aussieht, wie auf diesem Bild von dem Gramm.
Florian Bayer: Sie haben einfach diesen blöden Welpen die ganze Zeit. Ich kann es mal wiederholen. Der ihm das Leben rettet.
Johannes Franke: Die haben drei Hunde, glaube ich, gehabt, die das gespielt haben. Und sie haben sie vorher... eingefärbt. Für den Dreh eingefärbt, damit sie gleich aussehen.
Florian Bayer: Siehst du, da zeigt sich der Zynismus hinterher. Hinter dieser Maschinerie dieses Films. Wir sehen diesen niedlichen Hund und denken, ach ja, George ist ein Tierfreund, er hat unser Herz gewonnen. Weil ihm der Hund auch viel wichtiger ist als seine doofe Frau, die die ganze Zeit rummeckert. George, wir lieben dich. Und im Hintergrund waren da irgendwelche Leute, die die Hunde eingefärbt haben und gesagt haben, so Waldi, jetzt ist dein Auftritt.
Johannes Franke: Also ich habe das sehr geliebt und deswegen finde ich auch die Schauspielleistung seinerseits... Tatsächlich ziemlich cool, was du leider nicht sehen kannst. Und dann hat er auch noch ein übergroßes Überlebens großes Gemälde von sich selbst. Das finde ich auch großartig.
Florian Bayer: Sie spielen ja tatsächlich ... Es ist ja so, dass er ... sehr bewusst so inszeniert ist, wie er inszeniert ist. Sie spielen total mit seinem Narzissmus, mit seinem gekränkten Narzissmus dann auch. Die wird vor allem wieder gespiegelt in der Interaktion mit seinem Butler. Eine ganz tolle Rolle, Clifton. Der unglaublich treue Seele und der ihm auch später dann noch mal ins Gewissen redet und sagt, er soll doch mal bitte drauf achten auf seinen Stolz. Vielleicht sich auch ein bisschen in Acht nehmen vor seinem Stolz. Beware of your pride, sagt er zu ihm. Und in der Interaktion mit dem wird das doch des Öfteren widergespiegelt, dass wir hier natürlich einen sehr eitlen Menschen vor uns haben, einen Narzissten. Einen, der sich sehr lange auf seinen Norbeeren ausgeruht hat und dafür auch die Quittung kriegt, indem er eben nach und nach in Vergessenheit gerät.
Johannes Franke: Ja. umso schöner, dass sie versucht, ihn doch immer mal wieder hochzuholen. Ich finde es schön, dass sie dass sie trotz allem ihre eigene Geschichte hat. Also, dass sie nicht sozusagen ... Also, das ist die moderne Variante wahrscheinlich einfach. Der moderne Teil des Films ... dass sie wirklich eine eigene Karriere hat und nicht die ganze Zeit an seinem Rockzipfel hängt, sondern sie versucht es einmal, Er lehnt ab und dann sagt sie, schade, aber ich muss dir jetzt nicht hinterherrennen. Und dann gibt es wieder eine Möglichkeit, die nächste Möglichkeit gibt es, aber die ist mehr zufällig und nicht, dass sie ihm hinterher rennt und sagt, ich kann nur mit einem Mann an meiner Seite. was erreichen.
Florian Bayer: Aber ihre Rolle ist schon so sehr stark auf ihn ausgerichtet. Sie ist auch so ein bisschen die... Sie ist die, die von ihm nach oben gebracht wird. Aber wenn sie dann oben ist, wird ihre Rolle sehr schnell zu der Wohltäterin die ihm wieder Kraft gibt. Ja, ja, sie ist schon so ein bisschen nicht das Manic Pixie Dream Girl, Aber sie ist schon so die, die sich um ihn kümmert, deren Rolle dadurch definiert ist, dass sie ihm am Schluss wieder Lebensmut gibt. Dass sie für ihn kämpft.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber ich finde es nicht zu platt inszeniert und nicht zu sehr, also sie hat genug eigene Sachen, finde ich. So, also ich weiß nicht, man kann diesen Test wahrscheinlich nicht anwenden, weil sie nicht reden wollen.
Florian Bayer: Oh, ich glaube, beim Bestelltest würde der Film durchfallen. Ziemlich sicher. Sie interagiert nicht mit einer Frau. Es gibt keine anderen Frauen außer ihr.
Johannes Franke: Echt?
Florian Bayer: Also es gibt andere Frauen außer ihr, aber die stehen nur hübsch im Hintergrund. Ich glaube, bei diesem Test würde der Film ziemlich durchfallen.
Johannes Franke: Kann sein.
Florian Bayer: Tut mir leid.
Johannes Franke: Schade, schade.
Florian Bayer: Und ich glaube auch nicht ... Ich sehe da nicht viel modernes Frauenbild drin.
Johannes Franke: Nee, aber es ist jetzt nicht so draufgedrückt wie damals.
Florian Bayer: Nee, es ist klar. Bisschen besser ist es schon. Es ist kein offener Sexismus, der verbreitet wird, kein offener Chauvinismus. Ja. Aber es ist schon klar, alles auf ihn ausgerichtet. Wenn der Film die Artist heißt, dann ist ganz klar, dass er gemeint ist. Sie ist nicht die Artist. Sie kriegt eine kleine Montage im Mittelteil, wo gezeigt wird, wie sie nach oben kommt. Was übrigens
Johannes Franke: Sie sitzt im Kino, hat ihren ersten kleinen Auftritt als Maid. bringt irgendwas, wird voll gemeckert und sitzt dann im Kino, guckt sich um. Guck mal, das bin ich, das bin ich. Okay, es hat mich keiner erkannt, aber das bin ich, das bin ich.
Florian Bayer: Es ist total süß gemacht.
Johannes Franke: Es ist wirklich sehr süß.
Florian Bayer: Aber das ist das, was von ihr erzählt wird. Ihre Lebensgeschichte ist... Sie lernt ihn kennen. Dank ihm kommt sie rein ins Business, hat den Aufstieg und dann hilft sie ihm.
Johannes Franke: Ja. Ja, ja.
Florian Bayer: Also ich bin jetzt 1929, war jetzt eigentlich schon 1931 und 1932, wo das wirklich, wirklich Traurige kommt, wo er den Butler feuert dann. Nachdem er von seiner Frau verlassen wurde.
Johannes Franke: Er versteigert sein ganzes Zeug.
Florian Bayer: Er versteigert sein ganzes Zeug. Und dann feuert er seinen Butler, der noch eine Zeit lang draußen wartet.
Johannes Franke: Der hat ja den Butler schon eine ganze Weile nicht mehr richtig bezahlt.
Florian Bayer: Genau, er fragt ihn, wann habe ich dich das letzte Mal bezahlt oder wie lange habe ich dich nicht bezahlt? Und der Butler sagt, so 14 Monate oder so. Und er ist immer noch da.
Johannes Franke: Und er hat sich nicht beschwert. Diese treue Seele.
Florian Bayer: so eine sympathische Figur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch, dass er am Schluss dann, also ich meine, das war schon so ein bisschen vorhersehbar, dass er am Schluss dann für Peppy arbeitet und dann wieder vorkommt. Ja. Aber es ist so eine schöne Rolle, weil er ... tatsächlich irgendwie immer für den George da war und ihm immer irgendwie hilft und ihm zur Seite steht. Und dann hat George seine Frau verloren. Er hat seine Karriere verloren. Er lebt in diesem kleinen Apartment. Aber sein Butler steht treu an seiner Seite. Und er sieht das dann irgendwie und sagt dann, okay, du bist gefeuert. Was ja auch irgendwie ein edler Move von ihm ist tatsächlich. Er feuert ihn, weil ihm klar ist, dass... Mit ihm hat der Mann keine Zukunft ... Und Clifton wehrt sich so sehr dagegen, was auch total schön ist, dieser Kampf zwischen den beiden. Er will ihn feuern, weil er will, dass es ihm gut geht. Er will bei ihm bleiben, weil er will, dass es ihm gut geht. zweimal so komplett altruistische Motive knallen aufeinander und es endet damit, dass er ihn rauswirft. Und er noch eine Zeit lang an der Straße steht und dann irgendwann halt doch abhaut, weil er sieht, dass es vorbei ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann geht es weiter abwärts mit ihm.
Johannes Franke: Dann wird es richtig abwärts, ja. Also es wird richtig düster teilweise. Alkoholismus. Alkoholismus und dann sieht er so Mini-Me, wie er kommt und ihn als Figur aus seinem Film, aus seinem letzten und ihn einmal beschießt.
Florian Bayer: Schau, was aus dir rauskommt. geworden ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Und ja, solche Sachen. Und dann geht er nach Hause und steckt sein Zeug in Brand.
Florian Bayer: Genau. Davor eine wirklich, wirklich traurige Szene, wenn er bei der Vorführung war von Peppys neuem Film. Ja. Und dann sieht er diese alte Frau, die zu ihm kommt und so ... Und er denkt, sie würde ihn erkennen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Sagt sie aber nur ha-ha zu ihm, freut sich nur über ihn, weil sie den Hund so süß findet. Und er dachte kurz, sie würde ihn erkennen, weil sie so, Entschuldigung, Sir, haben Sie kurz einen Moment? Und dann will sie einfach nur den Hund streichen und dann sagt ihr über den Hund, if only he could talk. Was so total traurig ist, dieses Bild. Er wurde schon nicht erkannt und dann referiert er natürlich nochmal auf sich selbst. Wir sind bei Platten-Symbolen, die total gut funktionieren. Tolle Szene. Genau, und dann schaut er betrunken seine alten Filme und er ist wirklich nur noch ein Schatten seiner selbst.
Johannes Franke: Ja, und der Schatten verschwindet dann von der Leinwand und lässt ihn auch alleine. Was ich auch total schön finde. Und dann steckt da alles in Brand, hat einen einzigen Film, den er noch festkrallt, was auch sehr platt ist am Ende. Irgendwie ist der Film voll Plattitüden, aber irgendwie... Warum? So krass.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich dieser Mittelteil... Wenn er so betrunken ist und dann die Visionen hat von sich als Abenteurer und auf ihn wird geschossen, er sieht seinen Schatten, der ihn zur Sau macht und genau sagt, look what have become of you.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Es kriegt so eine wirklich düstere Note. Nur kurz, weil wir müssen zurück zum Pathos. Aber es ist tatsächlich ... Es ist wirklich düster in dem Teil. Und die Düsternis wird dann einfach dadurch zerstört, indem der Hund ihn rettet. Der Hund rettet sein Leben.
Johannes Franke: Ist auch sehr süß. Und im Stummfilm, im Tatsächlichen, also bei Chaplin, wäre der Hund auch losgerannt. Und hätte dann den Polizisten einfach am Bein gekrallt und hätte ihn mitgezogen. Jetzt steht da aber die alte Frau und sagt, willst du nicht was machen? Der Hund bellt die ganze Zeit los hinterher. Was so ein bisschen erzählerisch der modernere Ansatz ist.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Ich glaube, das sind die Stellen, die uns entgegenkommen als moderner Zuschauer.
Florian Bayer: Unser Realismus, also unser filmisch sozialisierter Realismus, was wir als Realismus begreifen. Realistisch ist beides nicht, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, aber ja, genau. Finde ich eine schöne Erfindung, sie einfach da dann noch mit einzubauen.
Florian Bayer: Und ich finde es toll, dass er die Tanzszene mit ihr gerettet hat. Das ist es, die Tanzszene aus German Affair. Übrigens, er hat sehr viele Affair-Filme gemacht, anscheinend. Das finde ich sehr lustig. Die Premiere von dem ersten Film ist ... Russian Affair? Ich weiß nicht ganz genau. Ich glaube, es war die Russian Affair und dann der Film, in dem sie zum ersten Mal mit ihm spielt, ist die German Affair.
Johannes Franke: Und sie hat nur eine Statistenrolle. Sie macht ja gar nichts. Aber dann müssen sie das fünfmal... Ich finde es eine ganz tolle Szene. Es ist wirklich ganz toll gemacht. Vor allem fängt es damit an, dass er so ganz dämlich und richtig geil in diese Rolle reinschlüpft. Also er steht privat da, kurz bevor es losgeht mit dem Dreharbeiten. Überlegt, überlegt, überlegt. Wie mache ich das? Okay, okay. Und dann heißt es Action und er geht in diesen düsteren Blick hinein. Okay, ich bin ein Spion und ich gehe hier durch und guck mal. Und das ist so geil. Ich find's so wahnsinnig witzig.
Florian Bayer: Method acting your ass.
Johannes Franke: Wie er da reingeht. Oh, ganz toll. Und das jedes Mal und jedes Mal ein kleines bisschen anders und irgendwie ist die Entwicklung so toll, weil sie es wieder und wieder und wieder drehen müssen. Und nur weil er halt mit diesem Statistenmädchen, was sie noch ist am Anfang. einfach nur tanzen muss und dann fangen sie an, sich zu unterhalten und oh, wir wollten ja einen Film drehen. Nochmal. Es ist wirklich schön. Wirklich tolle Entwicklung.
Florian Bayer: Hat mir sehr gefallen. So plump teilweise ihre Liebesgeschichte ist, die ja wirklich so übers Knie gebrochen wird. Diese Szenen, die sie zusammen haben, die intimen Momente. Zum Beispiel bei dem Dreh oder danach in der Garderobe, wenn ihr den Leberfleck aufdrückt, sind wirklich starke und schöne Momente. Auch wenn sie zu ihm geht und sich entschuldigt, weil es gibt diese eine Restaurantszene, wo sie über Stummfilm lästert und über alte Leute und sagt, das ist... alles Vergangenheit und das kriegt er halt mit und ist dann sehr erbost und dann kommt sie nochmal zu ihm und entschuldigt sich. Ihre Liebesgeschichte als Ganzes ist nicht sonderlich glaubhaft, weil sie nicht so viele Momente zusammen haben. Aber ihre Einzelmomente zusammen, die sind glaubhaft, da stimmt die Chemie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und deswegen ist es auch total zu verzeihen, dass die Liebesgeschichte als solche sehr übers Knie gebrochen wirkt, weil die Einzelmomente... Ja, sehr schön sind.
Johannes Franke: Man könnte aber, haben wir die beiden wirklich einander küssen sehen?
Florian Bayer: Nee.
Johannes Franke: Es könnte nämlich auch einfach nur so interpretiert sein, dass sie einfach nur dankbar ist und ihm hilft. Es muss keine Liebesgeschichte sein. Das finde ich sehr spannend, was mir erst irgendwann später aufgefallen ist, wo ich gedacht habe, hä? habe ich die beiden mal küssen sehen am Ende dann irgendwie? Ja. Wenn sie kommt in seine Wohnung, wo er sich dann umbringen will mit dem Revolver, ähm, Auch da, die umarmen sich dann und so, aber sie küssen einander nicht.
Florian Bayer: Aber es wird schon so als Liebesgeschichte inszeniert, weil es hat diese ganzen klassischen Tropes bzw. Klischees.
Johannes Franke: Richtig, schon.
Florian Bayer: Wenn sie in die Arme stolpert am Anfang.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Das ist so das klassische Ding, das kleine Mädchen vom Land stolpert in die Arme des großen Stars. kriegt einen Blick in seine Welt. Und wenn sie in der Katerobe zusammensitzen, wenn er ihr den ... den Schönheitsfleck draufdrückt, das ist ja ein sehr intimer und sehr naher Moment.
Johannes Franke: Ja, ja, ist schon richtig. Die springen auch auseinander, wenn da jemand in die Tür reinkommt und sagt, Ich wollte gerade gehen.
Florian Bayer: Wenn es zwischen den beiden keine Liebesgeschichte gibt, dann ist sie ein psychopathischer Stalker. Sie kauft die ganzen Sachen, sie ersteigert die ganzen Sachen von ihm. Sie sitzt als einzige im Kino in seinen Filmen. Also wenn es keine Liebesgeschichte ist, dann macht sie mir Angst.
Johannes Franke: Okay, okay. Aber das ist mir halt aufgefallen. Die küssen tatsächlich einander nie und das ist so ... Naja, ein Kuss ist auch problematisch für die Zeit. Könnte auch ein MadSan sein. Die haben sich auch geküsst.
Florian Bayer: Ja, aber ohne Zunge.
Johannes Franke: Und dieser typische 50er-Jahre aufeinandergepresste Kuss. Kuss im Film ist sowieso ein Thema für sich.
Florian Bayer: Total spannend, auf jeden Fall. Die haben sich Küsse entwickelt, auch wie lange es gedauert hat, bis es okay war, dass sich Schwarze und Weiße küssten.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Skandale gesorgt hat, wenn William Shatner in einer Star Trek Episode eine schwarze Frau geküsst hat.
Johannes Franke: Was? Wie absurd ist das denn, dass das irgendwie mal ein Problem war?
Florian Bayer: Ja, das ist total krass.
Johannes Franke: In Chaplin-Zeiten waren es halt wirklich so ganz unschuldige Küsse mal hier, mal dahin, auch auf den Mund, glaube ich.
Florian Bayer: Aber auch wirklich sehr unschuldig.
Johannes Franke: So ein Flüchtiger.
Florian Bayer: So wie du deine Eltern auf den Mund küssen würdest, fast schon eher so seitlich und nicht so ganz trennen.
Johannes Franke: Ja, ja. Ich würde meine Eltern nicht küssen. Egal. Ich auch nicht.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich irritierend, wenn Leute das machen, aber ich kenne einige Leute, die ihre Eltern auf den Mund küssen.
Johannes Franke: In unserem Alter?
Florian Bayer: Ja. Beziehungsweise die sagen, dass sie das in der Kindheit gemacht haben und jetzt nicht mehr machen. Doch, doch.
Johannes Franke: Ach so, ja gut, als Kind habe ich das bestimmt. Ich habe das als Kind nie gemacht.
Florian Bayer: Nee, also in unserem Alter Eltern auf den Mund küssen, macht, glaube ich, keiner. Zumindest niemanden, den ich kenne. Aber Kinder, Eltern auf den Mund küssen, das sieht man.
Johannes Franke: Ja, gut, okay, ja.
Florian Bayer: Und das finde ich auch irritierend. So bin ich nicht groß geworden. Mit Bela könnte ich mir das nicht vorstellen. Ja.
Johannes Franke: Es ist schon, naja, vielleicht ein bisschen weird.
Florian Bayer: Nee, ich finde es total gut.
Johannes Franke: Gut, weil du austauschst, so Immunität, Zeug austauscht.
Florian Bayer: Ich find's auch überhaupt nicht weird. Ich find's, es ist einfach für mich, ich bin's, ich kenn's nicht.
Johannes Franke: Hm, ja.
Florian Bayer: Gut. Sie geht ins Krankenhaus zu ihm, nachdem er gerettet wurde von seinem Hund. und sieht, dass er das Band von German Affair gerettet hat und sie nimmt ihn dann zu sich nach Hause und versucht auch Zimmer zu überzeugen, dass er ihm eine Rolle im Film gibt. Also, sie erpresst ihn. Sie erpresst ihn, ja. Ich musste übrigens...
Johannes Franke: an Cher denken. Cher, die irgendwann mal sagte, als die Mama, als Shares Mama ihr sagte, möchtest du dich nicht irgendwann mal zur Ruhe setzen und einfach einen reichen Mann heiraten? Und Cher sagte, Mama, ich bin der reiche Mann.
Florian Bayer: Das ist Peppy definitiv auch.
Johannes Franke: Ja, ganz genau das.
Florian Bayer: Wohnt in einem großen Haus. Sie hat einen Butler. Tada, es ist Clifton. Und sie hat so viel Geld, dass sie genug Geld hatte, um alles von George zu kaufen. Die ganzen Sachen, die er versteigert hat mit ... schweren Herzens, mit Tränen in den Augen. Sie hat das alles ersteigert.
Johannes Franke: Das ist schon ein bisschen creepy. Und auch, er stellt das ja irgendwann fest, er geht ja da rein und zieht die Laken von den Möbeln und stellt fest, oh mein Gott, mein ganzes Leben ist hier drin. da könnte der Film auch eine andere Wendung bekommen, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Aber er findet es nicht creepy. Es ist einfach sein männlicher Stolz verletzt. Es ist einfach dieser männliche Stolz, der komplett verletzt ist in diesem Moment. Und er wird wirklich wütend deswegen, weil das kann doch nicht sein. Ich bin doch der hier, der die Brötchen ran schafft.
Johannes Franke: Und dann geht er nach Hause, um die Waffe rauszuholen. Ja. Warum müssen Waffen in solchen Filmen immer weichgebettet in einer Box liegen? Ich verstehe es nicht.
Florian Bayer: Das ist dramatisch besonders. Tatsächlich, bevor er sich die Waffe nimmt, gibt es noch eigentlich diese wirklich coole Szene, wo er sich im Schaufenster spiegelt mit dem Anzug.
Johannes Franke: Ah ja, was auch so ein ganz typisches Trope ist.
Florian Bayer: Und dann redet der Polizist mit ihm und man... Und er hört nicht, was der Polizist sagt. Der Polizist ist ein Stumpf für einen Polizist, was einfach dadurch symbolisiert wird, dass wir keine Texttafel sehen und nur die Lippenbewegung des Polizisten sehen. Und es ist nochmal so ein verzweifelter Angstmoment.
Johannes Franke: Ja, das fand ich tatsächlich das erste Mal ein bisschen platt.
Florian Bayer: Es ist alles platt.
Johannes Franke: Aber das erste Mal, dass ich wirklich darüber nachgedacht habe im Film.
Florian Bayer: Ich habe hier nur notiert, vor allem George stolz nervt. Das war der Punkt, wo ich komplett genervt war von seinem Charakter, dass er sich dann nochmal darüber aufregt und ich das Gefühl hatte, okay ... Wenn sie ein bisschen weniger davon gegeben hätten, hätte die Story ein bisschen flüssiger laufen können und ich hätte ihn ein bisschen sympathischer gefunden, hätte ein bisschen mehr mitfiebern können.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und genau, er will sich umbringen und dann kommt die manipulativste Szene des Films und die am besten inszenierte Szene des Films. wenn sie zu ihm eilt mit ihrem Auto, weil sie das ahnt, dass er sich was antun will. Und er hat den Revolver im Mund und es ist ein Meisterwerk der Schnittkunst und es ist so eine fiese Zuschauer verarsche, dass wir dann dieses Bang als Texttafel sehen und das Bang ist aber nicht sein Schuss, der gefallen ist, sondern sie ist mit dem Auto gegen den Baum gefahren. und rennt dann weiter zu ihm und hält ihn natürlich auch auf. Und zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ich finde es wirklich ... Ich finde, es ist eine Szene, wo der Film den Bogen eigentlich überspannt.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein, nein. Ich liebe diese Szene. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich beim ersten Mal drauf reingefallen bin. Ich weiß es nicht mehr. Aber bei dem jetzt nach langem Gucken, nach langem Nichtgucken, habe ich... habe ich es irgendwie einfach gewusst, dass das nicht, dass sie das ist.
Florian Bayer: Die Zähne ist perfekt. Die ist so gut geschnitten. Die ist so gut montiert. Bild, Ton, Schnitt, Montage ... Punkt.
Johannes Franke: Aber. Nein, kein Aber. Punkt.
Florian Bayer: Es ist einfach mal fucking manipulativ.
Johannes Franke: Ja, dafür ist doch Film auch da.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Film darf manipulieren und Film muss auch manchmal manipulieren. Ich würde jetzt gerne sagen, in dem Moment hat es den Bogen überspannt, aber eher in der Retrospektive. In dem Moment hat es natürlich auch funktioniert. Es hat funktioniert. Alles, was dieser Film macht, was Manipulatives funktioniert, aber es ist im Nachhinein hinterlässt so ein bisschen einen salzigen Geschmack auf der Zunge.
Johannes Franke: Ein guter Whisky muss salzig sein.
Florian Bayer: Und ich weiß nicht. Ich liebe den Film dafür, dass er das macht, weil es ist ... wirklich große Filmkunst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Von Anfang bis Ende. Aber es ist echt krass und uff.
Johannes Franke: Ja, er spannt wirklich den Bogen sehr hart. Das ist schon richtig. Auch in vielen Bereichen, nicht nur in diesem dramatischen Moment, sondern eben auch in anderen Bereichen. Bereichen, dass man denkt, oh, jetzt übertreibt er vielleicht ein bisschen in die eine oder andere Richtung. Aber nein, er macht das wirklich ganz hervorragend. Und ich finde ganz toll, dass die Wiedervereinigungsszene am Ende von den beiden nach diesem Schuss, dass die vollkommen soundfrei ist.
Florian Bayer: Ja, das ist ja das Schlimme. Genau deswegen. Das sage ich. Perfekte Montage. Und das ist so schlimm, dass er dich so manipuliert. Ja. Aber er macht halt gleich weiter damit und du kommst einfach nicht raus, weil du bist emotional mitgerissen. Es ist unfassbar schön, dass sie dann die Musik weglassen. Es ist... On point.
Johannes Franke: Die beste Entscheidung überhaupt.
Florian Bayer: Es ist so gut. Und dann auch, wie sie sagen, wie sie sich versöhnen und wie sie sagen, okay, jetzt finden wir irgendwie eine Lösung. Und wieder on point. Du hast gar keine Zeit, darüber nachzudenken, dass dieses Bang dich manipuliert hat und dass der ein totales Arschloch ist. Weil die Tanzszene danach und das Happy End so verflucht gut sind. auch wieder bis zum letzten Punkt, bis er sein einziges Wort des Films sagen darf. With pleasure.
Johannes Franke: With pleasure.
Florian Bayer: wo nochmal so ein bisschen angeschnitten wird, dass er vielleicht wegen seinem französischen Akzent Angst vor dem Tonfilm hatte, weil seine Stimme einfach nicht jedes amerikanischen Helden entspricht.
Johannes Franke: Tja.
Florian Bayer: Ich habe am Schluss geschrieben, super, Ende, Ausrufezeichen, Meisterwerk, Ausrufezeichen, verflucht effektiv, arg. Es ist einfach, es ist zu gut. Es ist einfach zu gut, es ist ... Filmkunst in Perfektion, was das betrifft. Was die Montage betrifft und was den Schnitt betrifft und das Bild, es ist einfach ... Es funktioniert. Und dann am Schluss denkt man nochmal, teilweise fühle ich mich jetzt doch im Nachhinein ein bisschen manipuliert bei vielen Momenten. Aber während dieser Film läuft, ist es purer Eskapismus und pure Begeisterung.
Johannes Franke: Ist das, was du fühlst, wenn du sagst, dass du dich doch ein bisschen manipuliert fühlst, ist es vielleicht eigentlich nur... Selbsthass, weil du drauf reingefallen bist.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Selbsthass, weil ich drauf reingefallen bin. Selbsthass, weil ich als Kritiker diesen Film so mochte. Und weil ich einfach so komplett mitgerissen wurde, ohne auch nur während des Films auch nur ein einziges kritisches Wort zu denken ... Das ist das Problem. Der Film schafft es einfach 100 Minuten lang, jeglichen kritischen Dämon in mir komplett auszuschalten und zu erschlagen mit Emotionen. Und dann im Nachhinein kommt der Dämon hochgeklappt und sagt, lass dir das nicht gefallen. Lass dir das nicht gefallen. Schön.
Johannes Franke: Ich bin sehr glücklich darüber, Plur, dass du diesen Film auch so liebst wie ich. Dass du ihn wirklich toll findest. Und dass ich nicht... Und nicht einfach nur wegen meiner Liebe zum Sturmfilmen das Ganze toll finde, sondern dass es eben tatsächlich ein... einen filmemacherischen Hintergrund hat und ich nicht einfach nur verführt bin wegen meiner eigenen Geschichte damit.
Florian Bayer: Das ist ja tatsächlich das Krasse, dass es die Begeisterung, die der Film auslöst, ist nicht die Begeisterung dafür, dass er eine großartige Hommage an den Stummfilm ist. sondern die Begeisterung löst er mit mir aus, weil er wirklich emotional einfach effektiv ist.
Johannes Franke: Schön. Toll. Oh, das freut mich sehr. Wenn wir gerade bei Hommage an Film sind, wollen wir vielleicht unsere Top 3 anhängen?
Florian Bayer: Wir müssen unsere Top 3 anhängen.
Johannes Franke: Okay, Jingle. Unsere Liste.
Florian Bayer: Top 3 Hommage. Du hast schön das Haar lautlos ausgesprochen.
Johannes Franke: Ich habe etwas lautlos ausgesprochen. Moment.
Florian Bayer: Dafür gibt es einen Begriff.
Johannes Franke: Ich würde gerne dieses H noch einmal lautlos aussprechen. Achtung. Und? Wirst gut?
Florian Bayer: Es funktioniert ja nur, wenn du danach noch was sagst. Aber ein eingedeutsches Wort, Hommage.
Johannes Franke: Hommage.
Florian Bayer: Unsere Top 3. Hommage an irgendwas. Und wenn es nur Szenen sind.
Johannes Franke: sind oder wenn es ein ganzer Film ist, wie auch immer. Eine filmische Hommage an irgendwelche anderen Dinge. Und wenn es Hitler ist. Oh mein Gott, nein.
Florian Bayer: Gibt es eine filmische Hommage an Hitler? Bestimmt. Ich habe tatsächlich, ich dachte, ach, was für ein schönes Thema. Und habe dann gegrübelt und habe festgestellt, Am Schluss ist eine Top 3 rausgekommen, die nur Hommage an andere Filme ist. Was ich total schade finde.
Johannes Franke: Ja, was ich auch schade finde. Ich hatte das gleiche Problem wie du. Ich hab echt gedacht, Ich will eigentlich Hommage an, weiß ich nicht. Ans Leben. Ja, ans Leben. Oh, Soul ist eine Hommage ans Leben. Habe ich völlig vergessen.
Florian Bayer: I'm Not There, den wir in einer anderen Episode besprechen, ist eine Hommage an Bob Dylans Musik.
Johannes Franke: Ja. Solche Sachen.
Florian Bayer: Wie im Himmel ist eine Hommage an die Musik.
Johannes Franke: Ja. Habe ich alles nicht drin. Verdammt.
Florian Bayer: Kacke. Also I'm Not Dead hätte ich glaube ich nochmal aufgenommen, wenn wir den nicht mittlerweile echt tot geritten hätten. Es ist wirklich ein fantastischer Film und der hätte hier super reingepasst als die Hommage an Bob Dylan.
Johannes Franke: Ja. Okay, ich habe ein paar Honorable Mentions, aber erst, wenn ich herausgefunden habe, welche denn überhaupt in die Liste kommen.
Florian Bayer: Denk doch mal über Hommage ans Leben nach.
Johannes Franke: Das Problem bei Hommage ist, dass es auch ganz schnell einfach eine Parodie sein kann. Parodie und Hommage hängen ja sehr eng aneinander. Stimmt. Wobei es Parodien gibt, die keine Hommage sind. Wie zum Beispiel die Hommage an Hitler bei Charlie Chaplin. Das ist keine Hommage. Nein, nein. Das ist eine Parodie von Hitler. Das war's. Also das ist nichts Liebevolles. Während eine liebevolle Parodie wahrscheinlich eine Hommage sein dürfte.
Florian Bayer: war kurz davor jetzt zu sagen, ah, aber die Schlussszene aus der großen Diktator mit Chaplin ist eine Hommage an die Demokratie. Und jetzt muss ich aber erstmal gucken, kann man eine Hommage an etwas machen, was sehr jung ist? Huldigung. Hommage bedeutet eigentlich nur Huldigung. Das heißt, es muss gar nicht ein Rückgriff auf was Vergangenes sein.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Das heißt, die Rede aus der großen Diktatur, eine große Hommage an die Demokratie.
Johannes Franke: Vor allem an die Menschlichkeit.
Florian Bayer: An die Menschlichkeit, an den Humanismus.
Johannes Franke: Und ganz viele Kinderfilme machen das. Es gibt ganz, ganz, ganz viele Beispiele von Hommagen in Kinderfilmen. Toy Story steckt voll davon. An verschiedene Szenen aus verschiedenen anderen Filmen. Also einfach nur so Einstellungen, berühmte Einstellungen. Du hast in ganz vielen Filmen wahrscheinlich dieses Shining-Bild von einem Gang in einem Hotelzimmer das auf einer Höhe eines Kindes einmal durchfahren wird. Das gibt es ganz viel. Das gibt es bei American Horror Story, bei Simpsons haben das gemacht. Weißt du, diese ganzen, das passiert einfach ständig. Und auch in Toy Story übrigens.
Florian Bayer: Das steckt übrigens auch voller Shining-Referenzen. Mit den Zwillingen, die dann auch so zusammen reden, übereinander reden und dann die Autofahrt, wenn sie zu dem Ferienort fahren, ist auch Die klassische Helikopter-Szene.
Johannes Franke: Ah, stimmt.
Florian Bayer: Und über diese Straßen, die so an den Hügeln vorbeiführen.
Johannes Franke: Ah, jetzt muss ich erst noch mal ganz anders gucken. Okay.
Florian Bayer: Wegen diesem einen Bild.
Johannes Franke: Also jeder Film, der dieses eine Bild, die Fahrt, ins Hotel macht, Hat sofort gewonnen bei mir.
Florian Bayer: Muss man den Helikopterschatten sehen? Ganz wichtige Frage?
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Weil der Schatten ist natürlich kein Helikopterschatten. Da hat Kubrick nicht vergessen, das rauszuschleiden. Nein, nein. Das ist Foreshadowing, das ist die Dunkelheit, die aufzieht über dem Auto.
Johannes Franke: Genau. Deswegen habe ich die Kinderfilme größtenteils nicht mit reingenommen, weil es einfach zu viele davon gibt. Es gibt einfach zu viele kleine Szenen in Kinderfilmen, die eine gewisse Hommage an irgendwas sind. Ähm... Wenn wir aber bei Kinder bleiben, würde ich einmal, weiß ich nicht, ob das vielleicht sogar Guilty Pleasure, nee, das ist es nicht. Enchanted. Wo eine Disney-Prinzessin aus der Disney-Welt in unsere Welt kommt und dann anfängt im Park zu singen, während der Typ, der neben ihr läuft, sagt, wirst du wohl... Ruhig sein, bitte sei ruhig. Nein, oh Gott, ist das peinlich. Kannst bitte auch für uns zu singen? Hab ich nicht gesehen. Und dann kommen die ganzen Tiere des Parks, in dem sie da rumlaufen und machen mit. Also in real wäre ich sozusagen.
Florian Bayer: Ja, habe ich nicht gesehen, aber ja, okay.
Johannes Franke: Es ist ein Disney- Parodie, Hommage, Film.
Florian Bayer: Also es ist tatsächlich... Manchmal kippt es dann auch, wenn es zu sehr ... Die Parodie kann kippen und dann ist sie keine Hommage mehr, sondern einfach nur noch eine Lästerei.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und die Hommage selbst kann auch kippen und dann ist sie einfach nur noch Referenz um der Referenz selbst. Ich weiß nicht, ob du den in deiner Top-Liste hast, deswegen traue ich mich jetzt nicht zu sagen, was für mich so ein Fall wäre. Stranger Things wäre für mich so ein Fall. Ich mag Stranger Things, aber ... Die Referenzen sind für mich keine funktionierende Hommage, weil es einfach zu sehr um seiner selbst willen Nerd-Referenztum ist.
Johannes Franke: Ah, okay. Ich hätte es schon als Hommage, weil ich habe es in meiner Liste aber nicht unbedingt, ich habe ja die Nummern nicht vergeben, dann nämlich was anderes, kein Problem, aber ich hätte Stranger Things da reingehauen, weil... Du hast also allein welche Überschneidungen mit E.T. da sind und welche, weißt du, diese ganzen 80er- Jahre Filme, die in diese Richtung dieses Mystery, aber auch Kinderfilme und
Florian Bayer: Stranger Things ist für mich zu viel Zitat in your face. Das ist... Es ist nicht eine Huldigung, als vielmehr eine Reproduktion. Ich mag Stranger Things, wirklich. Aber ich würde es nicht als gelungen vom Arsch bezeichnen. Stranger Things mag ich wegen anderer Dinge. Und natürlich wird das Kind in mir geweckt. Natürlich finde ich es geil. Oh, ein 80er, yeah, und zurück in die Zukunft. Und sie haben die Ghostbusters-Kostüme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber das reicht für mich nicht für eine gute Hommage.
Johannes Franke: Also du meinst, die haben einfach die Tropes genommen, einmal reingepackt und gut ist.
Florian Bayer: Genau. Das, was ich Ready Player One vorhin vorgeworfen habe, dass es einfach zitiert wird, damit die Nerds einmal alle jubelnd öffnen. Yeah, kenn ich, hab ich gesehen, geil, gotcha. Reicht mir nicht.
Johannes Franke: Okay. Okay, verstehe, was du meinst. Nein, ich liebe Stranger Things auch dafür. Es ist okay.
Florian Bayer: Bist du schon bei den Honorable Mentions?
Johannes Franke: Ja genau, das sind meine Honorable Mentions gewesen. Ach ne, Enchanted habe ich als Platz 3.
Florian Bayer: Oh, okay.
Johannes Franke: Ja, ja, Platz drei. Okay, das heißt, du bist dran.
Florian Bayer: Kenn ich nicht, sollte ich gucken, Enchanted?
Johannes Franke: Äh, solltest, ja, äh, weiß nicht, ob das was für dich ist. Ich fand ihn einfach witzig und sehr unterhaltsam und irgendwie cool als Hommage ans... an die alten Disney-Prinzessinnen. Ich weiß nicht. Hm. Muss ich mir noch überlegen, ob ich dir den wirklich empfehlen würde.
Florian Bayer: Am Ende dieser Liste möchte ich eine ultimative Empfehlung oder Nicht-Empfehlung. Mein Honorable Mention ist Indiana Jones als Hommage an die ganzen klassischen Pulp-Abenteuerfilme der 50er Jahre.
Johannes Franke: Stimmt, ja, ganz toll.
Florian Bayer: Wunderbar in ganz vielen Szenen, in ganz vielen Momenten, in der grundsätzlichen Story. Nimmt sich nicht zu ernst, augenzwinkernd, aber mit viel Liebe für das Genre. Ganz toll.
Johannes Franke: Aber es ist ein typischer Film für das, dass er ein Eigenleben entwickelt hat, dass eine Hommage ein Eigenleben entwickelt, die wiederum eine Hommage hervorbringt. vorruft.
Florian Bayer: Definitiv. Und ich glaube bei Indiana Jones ist zum Beispiel, finde ich die Hommage auch so toll, weil sie damals ins Mainstream eine ein Genre gebracht hat, das nicht Mainstream war, sondern eher so Nische war. Das ist das, was auch Star Wars gemacht hat. Star Wars ist sehr ähnlich wie Indiana Jones, ähnlich wie Indiana Jones, was das betrifft. So Sachen zitiert, die wenige Leute kannten. Und auch deswegen nicht so, wie es heutige Filme machen, so referenzgeil. Aber mit Liebe dafür. Und ohne es so offensichtlich zu machen. Es sind einfach keine offensichtlichen Referenzen. Sondern es ist halt drin und ich weiß auch nur, dass es Referenzen sind, weil ich ... halt drüber gelesen oder was drüber gesehen habe, was da alles zitiert wird, weil es nichts ist, womit ich groß geworden bin. Mein Platz 3. Scream, eine Hommage an das Slasher-Genre und an den Horrorfilmen. Ganz toll, ganz liebenswert. Wes Craven. So gut, weil er es schafft eben, das Ganze nicht als Parodie zu inszenieren, sondern als funktionierenden Horrorfilm. Hab ich sehr gemocht. Fand ich ganz toll.
Johannes Franke: Und Scream 2, 3, 4, 20.000?
Florian Bayer: Das sind insgesamt vier Teile plus eine richtig schlechte Serie. Die ersten beiden Filme sind gut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Hast du gesehen?
Johannes Franke: Ja, und ich fand es nicht geil.
Florian Bayer: Du fandst es nicht geil?
Johannes Franke: Vielleicht habe ich auch nur Scream 2 und 3 und 4 gesehen.
Florian Bayer: Also Scream 1 ist wirklich ein toller Horrorfilm und absolut zu Recht mittlerweile ein Klassiker des Genres.
Johannes Franke: Okay, na gut.
Florian Bayer: Begeisterung sieht anders aus.
Johannes Franke: Okay. Und das ist wirklich eine Hommage und keine Parodie oder was?
Florian Bayer: Definitiv Hommage, keine Parodie. Scream nimmt sich ernst genug und man fiebert auch mit und es gibt auch die unheimlichen Momente. Im Gegensatz zu diesem, keine Ahnung, wie heißt der? Scary Movie. Der war eine Parodie, die komplett kippt und einfach nur ätzend albern ist.
Johannes Franke: Dann hätte ich auf Platz 2 ... La La Land. Jetzt hat Flor diesen enttäuschten Blick, so dieses, ich bin nicht wütend, ich bin enttäuscht, Johannes.
Florian Bayer: Weißt du, was das Ding ist? Lala Land macht genau dasselbe wie die Artist und scheitert dabei. Er versucht genau dasselbe zu machen.
Johannes Franke: Deswegen habe ich ihn in der Liste, weil er genau das gleiche macht. Aber ich finde nicht, dass er scheitert.
Florian Bayer: Bei La La Land erkenne ich die ganze Zeit die Manipulation, während ich ihn gucke. Und fühle mich auch die ganze Zeit manipuliert. Und für mich ist der großartigste Moment der Oscar Verlärmung aus dem Jahr das 7 La La Land dann genauso, dass sie das, was La La Land mit dem Publikum macht. Macht bei der Oscar-Verleihung. Es ist da Late Night. Es ist ...
Johannes Franke: Weiß ich nicht, wer das war. Du meinst ja den Preis, den er falsch angekündigt hat.
Florian Bayer: Genau, der macht das mit. Achso, stimmt, der hat das hier nur moderiert. Der, der den Preis angekündigt hat, macht das mit La La Land, was La La Land mit dem Publikum macht. Und deswegen hat La La Land das verdient. Und Moonlight war der bessere Film in diesem Jahr und für diese Oscar-Verleihung.
Johannes Franke: GERECHTICHKEIT! Ja, es tat mir aber schon auch leid. Aber ich glaube, dass alle einigermaßen mit Humor damit umgehen können, dass sowas passiert. Ja. Ich weiß nicht, wer ernsthaft beleidigt davon war.
Florian Bayer: Nein, da war niemand ernsthaft beleidigt davon. La La Land ist tatsächlich... Filme, die fast alle mögen, die ich nicht mag. La La Land aus den letzten Jahren fällt da in diese Kategorie. Und ich sehe, was er macht und ich sehe auch, dass einige Sachen gut sind an dem Film. Also natürlich, der ist handwerklich extrem gut gemacht. Ja.
Johannes Franke: Allein diese Eröffnungssequenz, diese lange, krass choreografierte Eröffnungssequenz.
Florian Bayer: Die Eröffnungssequenz ist fantastisch und von da an geht es steil bergab.
Johannes Franke: Oh nein. Okay.
Florian Bayer: So. Ja. Da ich diese Top-Liste gewinnen muss, da ich die letzte verloren habe ...
Johannes Franke: Du bist haushoch am Gewinnen sowieso. Du führst. Mit wie viel hast du es vorhin gesagt? Ich habe es vergessen. 162 zu, nee, 100 irgendwas zu 62.
Florian Bayer: auf jeden Fall dreistellig und du zweistellig. Ich wollte den Abstand groß genug dastehen lassen. Vierstellig schien mir zu übertrieben.
Johannes Franke: Ja, aber nur, weil ich Rosamunde Pilcher mag.
Florian Bayer: Rosamund Pilcher.
Johannes Franke: Okay, los, hau raus.
Florian Bayer: Meta-Ebene, eine Hommage an die Hommage.
Johannes Franke: Was? Oh nein.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist Everything is a Remix, eine Webserie, in der ... gezeigt wird, wie Filme andere Filme zitieren. Es sind mehrere Teile, vier oder fünf, glaube ich. Es gibt wahrscheinlich sogar ein paar mehr mittlerweile. Die von ... Kirby Ferguson, im Jahr 2010 hat er damit angefangen. Und er schneidet einfach Zeben nebeneinander, um zu zeigen ... wie Filme sich aufeinander beziehen. Und zeigt dann zum Beispiel eine Szene aus Dschungelbuch und sagt, hey, und diese Szene kommt in König der Löwen wieder vor. Und er zeigt dann Szene aus 30er Jahre Filmen und sagt, das kommt in Indiana Jones wieder vor. Indiana Jones ist eigentlich nur auf meinem Platz 3, wegen Everything is a Remix.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und es ist... Nicht boshaft, nicht krass wertend. Es zeigt einfach, dass Kunst ständig auf sich selbst Bezug nimmt und dass Kunst immer wieder ... Inspiration findet und das manchmal auch in die Richtung Plagiat geht und dass es nie ganz klar ist, was ist Hommage, was ist kopiert. Und macht das in kurzen Dingern. Die gehen zehn Minuten, die Teile. Und sind allesamt total sehenswert, weil sie... Ein Feuer sind an Szenen, die nebeneinander gestellt werden und wo man sieht, hey, und das bezieht sich darauf und das darauf und das darauf.
Johannes Franke: Aber wenn es darum geht, dass Leute beleidigt sind, dass jemand anderes sich bedient hat bei einem anderen Film, Dann soll man das mal mit klassischen Kunstwerken machen. Nebeneinander stellen, der Rembrandt hat sich dort bedient und dort bedient. Was ist das für eine Kategorie? Ja.
Florian Bayer: Dafür gibt es einen ganzen Studiengang. In der Kulturwissenschaft machst du nichts anderes, als zu sagen ... Und der bezieht sich auf den und auf den und am Schluss kommst du dann immer irgendwo bei Platon raus.
Johannes Franke: Ja, aber genau das ist es eben und deswegen finde ich die Diskussion so wahnsinnig schwierig, die wir so führen mit Plagiaten und so weiter. Wie gesagt, ich finde, dass wir alle Geld verdienen müssen als Künstler, aber ich finde auch, dass wir... immer offen halten sollten, dass die nächste Generation oder auch im Gleichen ein Zeitgenosse oder sowas sich bei dir... bedient, es klingt ein bisschen gemein, aber einfach schaut, dass man sich gegenseitig befruchtet. Das nimmt mir nicht wirklich was weg. Wenn jemand meine Idee weiterentwickelt, was soll denn das? Heißt das, dass ich keine anderen, ist das die einzige gute Idee in meinem Leben gewesen oder was?
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass dieser ganze Künstlergedanke ist extrem jung. Vor 300, 400 Jahren hat sich kein Mensch darüber Gedanken gemacht. Und erst so im 19., 18. Jahrhundert haben wir angefangen, diesen Geniekult zu entwickeln und zu sagen ... Das ist der Künstler und das hat sich dann auch in der Ökonomie fortgesetzt, der Ökonomie des Kunstwerks. Und eigentlich ist das was sehr Junges, dass wir sagen, das ist das Genie, das das gemacht hat.
Johannes Franke: echten Bärendienst erwiesen. Dieses Genie-Ding ist so dämlich eigentlich. Egal. Einmal gerantet über das aufs Treppchen stellen von Kunst. Egal. Oder Künstlern. Künstler vor allem. Künstlern, nicht Kunst.
Florian Bayer: Kunst muss man auf Treppchen stellen.
Johannes Franke: Kunst, ja. Künstler nicht.
Florian Bayer: Künstler gehören in den Dreck treten. Meine Uhr.
Johannes Franke: Okay, welches Platz hattest du jetzt?
Florian Bayer: Mein Platz zwei.
Johannes Franke: Das heißt, ich muss jetzt Platz eins? Ja. Kung Fury.
Florian Bayer: Hommage an ein Genre, was du eigentlich gar nicht magst, oder? Du hast das Original gesehen, Kommando, und du fandst es doof. Kung Fury ist super. Kung Fury ist klasse.
Johannes Franke: Geil. Und die Entstehungsgeschichte macht halt alles nochmal sympathischer. Das ist so toll. jemand zu Hause hat, sich notdürftig der Screenscreen, den er da zu Hause hatte, war wirklich scheiße eigentlich. Der war einfach nur ein grünes Laken hingehängt und es ein bisschen elaboriert. Und er nimmt einzelne Figuren auf, die er alle nach und nach... Und zusammen montiert in einen ganz furchtbar krassen Trailer, bevor er dann irgendwie Geld dafür bekommt, um dann wirklich den Originalfilm zu drehen. Ich weiß nicht, wie viel mehr Technik er dafür hatte.
Florian Bayer: Der war crowd-gefounded, oder?
Johannes Franke: Der war Crowdfunding, genau. Genau, der hat das einmal gemacht, so eine Beispielsequenz erstellt mit Freunden zu Hause in seinem wirklich crappy Greenscreen. Wo ich besser Greenscreen aufnehme. Und hat das zusammengebaut. Und war einfach ein Crack darin, am Computer alles Mögliche entstehen zu lassen. Natürlich sieht es trashig aus, aber es ist großartig. Fantastisch. So viel Humor. so viel Liebe für das Genre und so viel Liebe fürs Filme machen und Und dann hat er David Hasselhoff dazu bekommen, mitzumachen. Wie krass ist das denn bitte?
Florian Bayer: Jungfury kann man, glaube ich, kostenlos gucken. Auf YouTube findet man den, oder?
Johannes Franke: Ich glaube, ja.
Florian Bayer: Also, wenn er ihn nicht runtergenommen hat. Weil der ist auch irgendwann mal bei Netflix, glaube ich, nochmal dann aufgeploppt oder so. Oh, okay. Total sehenswerter Film.
Johannes Franke: 30 Minuten?
Florian Bayer: 31. 31 Minuten. Geil, voller Reminiscenzen, alles 80er Jahre Trash-Action-Kino.
Johannes Franke: Das ist so geil.
Florian Bayer: Es gibt Dinosaurier und Maschinengewehre und Laserdinosaurier, die Laser aus den Augen schießen oder so. Und natürlich Hitler als Kung-Fu-Kämpfer, als Bösewicht.
Johannes Franke: Der bessere Iron Sky, oder wie der hieß.
Florian Bayer: Iron Sky war echt schlecht.
Johannes Franke: Der war echt schlecht und der wollte eigentlich auch sowas ähnliches sein. Und das war einfach nicht gut.
Florian Bayer: von Iron Sky die ganze Entstehungsgeschichte und auch alles. Und die Beteiligten, das war alles so sympathisch, das Projekt. Und dann war der Film leider rotz, der dabei rauskam.
Johannes Franke: Voll schade. Und Cook Fury schafft es halt volle Kanne. Ich liebe diesen Titelsong, den sie dann noch haben, den David Hasselhoff wirklich sehr selbstironisch. da irgendwie hin performt. Ich finde es super geil.
Florian Bayer: Ja, ach, toll. Ja, den muss ich wieder mal gucken.
Johannes Franke: Also ich habe natürlich jetzt ganz viele Sachen wie Ed Wood und Kill Bill und diese ganzen anderen Sachen alles weggelassen. Ja, Ed Wood ist auch toll, stimmt. auch toll, ja.
Florian Bayer: Oh, was in diese Kategorie noch fällt, auch aus den 90ern, glaube ich, Shadow of the Vampire.
Johannes Franke: Ja, habe ich, glaube ich, sogar auch gesehen. Moment.
Florian Bayer: Horrorfilm, der die Dreharbeiten von dem Original Nosferatu erzählt, von Fritz Murnau. Ja, genau. Und dann erzählt er aber, dass der Schauspieler Max Schreck, der den Nosferatu spielt, tatsächlich ein Vampir ist. Genau. Und tatsächlich ... Leute am Set tötet.
Johannes Franke: Aber ein richtiger Horrorfilm ist das auch nicht, oder? Nee, sonst hätte ich ihn nicht gesehen.
Florian Bayer: Er hatte auf jeden Fall auch die Horrormomente, aber er ist vor allem nur, um mal an den klassischen Horrorstumpfilmen.
Johannes Franke: Ich glaube, den mochte ich tatsächlich sehr gerne.
Florian Bayer: Den, ja, denke ich auch. Auch einfach, weil die Zeiten, die er spielt und die Sets und so.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Mein Nummer 1. Ja, erzähl. Eine Hommage an das Kino an und für sich. Und an die psychologisch düsteren Seiten des Kinos The Pervert's Guide to Cinema von Sophie Feins mit Shisek. der durch Filmsets läuft und von Filmen erzählt. Und zwar das macht, was aus dem Jahr 2006, was heutzutage sehr viele Essayfilmer machen, so auf YouTube, über Filme redet. Aber ganz toll inszeniert, weil er sitzt dann tatsächlich im Boot und fährt zu der Küste, wo die Vögel gedreht wurden und erzählt dann aus die Vögel und er läuft durch das Hotel von Psycho und erzählt davon. Und er redet über ganz viele Filme, angefangen von 1931 bis 2005. um nur mal ein paar Titel zu nennen. Viel Hitchcock ist dabei, aber auch Wizard of Oz, das Testament des Dr. Mabuse, Alice im Wunderland ... Die Vögel, Psycho, Dr. Strangelove, Persona, Solaris, Dune, Blue Velvet, Lost Highway, Alien, Matrix, Fight Club, Ice White Shutt.
Johannes Franke: So, der Zuhörer möge bitte vorspulen zu Stunde 4, Minute 5.
Florian Bayer: Und der läuft halt die ganze Zeit durch die Filmsätze und redet dann über die psychoanalytischen Seiten dieser Filme. Welche Ängste werden da gezeigt? Welche Bedürfnisse? Und es ist natürlich so ein bisschen selbstverliebt und so ein bisschen prätentiös und Philosophiefilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es macht so viel Spaß, weil es ist halt toll, diese filmische Kunst gemixt mit der Analyse und ganz toll ineinander
Johannes Franke: Okay, den muss ich mir aber auch aufschreiben, weil das ist natürlich, wenn du Filmeliebhaber bist, dann ist das ja wirklich eigentlich fast ein Standardwerk. Ja. Wie heißt der?
Florian Bayer: Perverts Guide to Cinema. Das Kino für die Perversen. Mal sehen, was der deutsche Titel ist wahrscheinlich, ja, Perverts Guide to Cinema. Und es ist relativ schwer zu finden. Also ich glaube, auf Amazon kannst du ihn kaufen oder ausleihen. Und es gibt auch eine Fortsetzung, die ich leider noch nicht gesehen habe. Ich frage mich, warum. Es ist irgendwie mir vorbeigegangen. Vielleicht war dann auch meine Zizek-Zeit vorbei. Pervert's Guide to Ideology ist die Fortsetzung. Okay.
Johannes Franke: Also eigentlich so ein ... David Attenborough für Filme.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen. Und Shisek, also man muss kein Shisek-Fan sein, um das zu mögen, weil Shisek ist ja wirklich so ein kontroverser Denker und so einer von den großen kommunistischen Denkern des 21. Jahrhunderts. mit teilweise ziemlich radikalen Ansichten. Aber auf jeden Fall ein spannender Denker. Ich mag ihn als Kunstkritiker mehr als... Politik und Gesellschaftskritiker. Aber es ist trotzdem spannend, selbst wenn man Shisek nicht mag, selbst wenn man Shisek doof findet, weil er irgendwie so auf die Kacke haut, ist der Film trotzdem sehenswert. Okay, cool.
Johannes Franke: Hey, dann haben wir unsere Liste wieder abgearbeitet.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wow, wieder schöne Filme dabei.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Du musst mir noch sagen, ob ich den Disney-Film gucken muss.
Johannes Franke: Ach, übrigens möchte ich einmal ganz kurz was ganz anderes ansprechen. Du hast schon eine geile, unbewusste Ablenkung. Wenn ihr zu unseren Top 3en, unseren Themen Filme habt, die eure Top 3 sind. Wir sind immer dankbar, auch darüber, wenn ihr uns was schickt dazu, weil das ist wirklich spannend. in bestimmten Themenfeldern, wie jetzt zum Beispiel Hommagen oder eben politische Filme, da was noch von außen von euch vielleicht noch ein paar Anstöße zu bekommen. Definitiv. Schickt uns eure Top 3 zum jeweiligen Thema.
Florian Bayer: Und gerne mit Ausrufezeichen hinter dem Film, den wir gucken sollen, weil wenn ihr ... ein paar Episoden zurückspult, kriegt ihr mit, dass wir auch durchaus Publikumswünsche erfüllen und gerne Filme schauen, die uns vorgeschlagen werden und uns auch teilweise durchquellen.
Johannes Franke: Mir wurde übrigens gesagt, wir sollten ihr mal dringend erklären, was an Nightmare Before Christmas so toll ist.
Florian Bayer: Spannend.
Johannes Franke: Das ist ein Auftrag, den ich bekommen habe.
Florian Bayer: Habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Nightmare Before Christmas macht bei mir immer nur Bling mit dem Funfact, dass der Film nicht von Tim Burton ist und immer als Tim Burton-Film gesehen wird.
Johannes Franke: Der ist nicht von Tim Burton?
Florian Bayer: Der ist nicht von Tim Burton.
Johannes Franke: Wie, Moment mal. Das ist doch ein... Hä?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ja, ne? Moment, ich komme gleich mit... Henrik Selig ist der Regisseur von diesem Film. Tim Burton hat nur produziert. Henry Selig mit seinem ... Regiedebüt.
Johannes Franke: Ach du Scheiße, wie krass ist das denn?
Florian Bayer: Genau. Und der Film wird immer Tim Burton zugerechnet.
Johannes Franke: Ja, weil er die Ästhetik volle Kanne hat und so und die Geschichte und alles.
Florian Bayer: Ja, Salick ist auch ganz stark von Tim Burton beeinflusst. Und Tim Burton hat den Film auch produziert. Und es hat natürlich die Burton-Ästhetik. Aber der Regisseur ist Henry Selig. Krass.
Johannes Franke: Der arme Mensch, dem wird das nicht zugerechnet.
Florian Bayer: Deutsche Wikipedia, zweiter Satz. Obwohl Burton als Produzent an der Entwicklung des Films beteiligt war, führte er entgegen einem weit verbreiteten Irrtum nicht selbst Regie.
Johannes Franke: Wow. Okay. Ja, jedenfalls sollten wir mal erklären, was dann daran jetzt so toll sein soll. Wenn wir ihn toll finden.
Florian Bayer: Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn toll finde. Ich meine, ich fand ihn toll, aber das ist auch lange her.
Johannes Franke: Hm, vielleicht werde ich das mal weiterleiten an uns. An uns, wir sind hier.
Florian Bayer: Notiz für später. Johannes will dir gleich noch einen Film empfehlen, und zwar Nightmare Before Christmas.
Johannes Franke: Ich meine, dass wir das vielleicht tatsächlich machen. Dann gebe ich das uns als Aufgabe. Ja. Und es gibt auch noch einen anderen, da weiß ich jetzt gerade nicht ganz genau. Ich rede ab und zu mal mit Leuten darüber und es gibt doch... hin und wieder mal jemanden, der sagt, oh, aber dann musst du uns doch das ja mal erklären. Ja, also wartet nicht darauf, dass ihr mich persönlich darauf aufmerksam machen könnt, sondern schreibt einfach. Wollen wir in unseren Film zurückkehren, der uns eigentlich schon verlassen hat fast? Wir sind ja durch.
Florian Bayer: Wir sind eigentlich durch damit.
Johannes Franke: Möchtest du ein Fazit formulieren?
Florian Bayer: Ich würde ein kleines Fazit formulieren, dann kannst du ihn hochziehen. Ich will in dem Fazit einfach deine Frage vom Anfang beantworten. Ich habe nämlich während unseres... noch mal schnell geschaut, wie die Oscar-Nominierungen für den besten Film 2012 aussahen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und kann, nachdem ich diese Liste angeschaut habe, sagen, dass die Artist definitiv der Film ist, der in dieser Liste den Oscar verdient hat. Weil es einfach der beste Film in dieser Liste ist.
Johannes Franke: Alle vier Oscars oder fünf, glaube ich?
Florian Bayer: Bester Film hat er auf jeden Fall verdient. Da ist die Konkurrenz in dem Jahr aber auch relativ schwach. Okay. Ja, Hugo Capri von Martin Scorsese ist so.
Johannes Franke: Der auch so eine Liebeserklärung an die
Florian Bayer: Die 20er ist? Ganz frühe Stummfilmzeit an Millier.
Johannes Franke: Stimmt, stimmt, genau.
Florian Bayer: Beste Regie... Würde ich wahrscheinlich eher Terrence Malick geben für Tree of Life. Auch wenn der Film nicht so gut war wie der Artist, war die Regie sehr stark.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wenn man das unterscheiden kann, das ist ja immer sauschwer. Eigentlich ist der Regie-Oscar immer der fortgeführte Film-Oscar.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Bester Hauptdarsteller. Da ist die Konkurrenz auch zu schwach. Beziehungsweise ich kenne die Filme nicht wirklich. Dazu kann ich nicht viel sagen. Und Tja, das war's, oder? Ah, bestes Kostüm. Okay, Kostümdesign ist ein No-Brainer. Natürlich hat er den verdient. Ja, ja. Kostüm, Kulissen, Make-up. Für Make-up hat er ihn tatsächlich nicht gekriegt, sondern die eiserne Lady. Ah, für die Musik hat er ihn noch gekriegt. Und das sieht mir auch relativ plausibel aus, ja. Aber um von den Oscars noch mal wegzugehen, es war ein wirklich fantastischer Film. der 90, 100 Minuten lang absolut stark war, emotional, bewegend, mitreißend, nicht als Hommage, sondern generell als Film, als Film, den man sieht und während man diesen Film sieht, wenn man mal drüber nachdenkt, denkt man, ja, dafür wurde Kino gemacht. Danach gibt es ein bisschen salzigen Geschmack. Ach, der Film hat schon so seine manipulativen Seiten, aber es ist egal, weil es einfach ein Wunderwerk ist und Wenn ich so überlege, 2010er ... Was die Inszenierungskunst betrifft, wirklich so alles zusammengefasst, Regie, Kamera, Schnitt. muss ich lange überlegen, bis ich einen Film finde, der derart ausgefeilt ist. Was derart ... perfektionistisch in diesem Hollywood-Rahmen arbeitet.
Johannes Franke: Flo, das macht mich gerade sehr glücklich. Ja, auch, dass es ein Film ist, den ich reingebracht habe, ja, Floor? Ich weiß nicht, wie der Count ist. ob wer von uns beiden dem anderen jeweils einen Film empfohlen hat, den er tatsächlich dann auch gut fand. Vielleicht sollten wir da mal die Punkte verteilen, Flo. Vielleicht schneide ich da besser ab.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, da schneidest du ganz gut ab. Ziemlich gut sogar.
Johannes Franke: Ja, weil ich die gefälligeren Filme...
Florian Bayer: Autsch.
Johannes Franke: Okay. Nein, ich fand The Artist wieder, wieder, wieder großartig. Ganz, ganz toll gemacht. Ich liebe ihn für alles, was er an Hommage an die Stummfilme und Tonfilme, Übergang zum Tonfilmzeit bringt. Ich finde, dass er so viele tolle Referenzen hat und Dinge zu entdecken gibt. gibt und dass das Schauspiel schon nach vorne zu stellen ist, auch wenn du das Plur nicht machst... Und rundum ein absolut großartiges Erlebnis. Also gucken, absoluter Guckbefehl, dieser Film, The Artist, schaut in euch. an.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du ihn mir vorgeschlagen hast.
Johannes Franke: Danke, Flur, dass ich dein, was haben wir noch geguckt? Was war das? Ach ja, dieser Horrorfilm.
Florian Bayer: Der zynische, sarkastische Gegenentwurf zu deinem gefälligen Film.
Johannes Franke: Ja, nein, danke für Ass, weil tatsächlich Ass ... zu den zwei Dritteln tatsächlich... einen sehenswerten Film darstellt für mich, während das andere Titel halt einfach nur Horrorfilm ist, was mich nicht groß interessiert. Aber für Genre-Liebhaber dürfte es wirklich ein ganz tolles Erlebnis sein.
Florian Bayer: Okay, vielen Dank für diese Episode und vielen Dank, Flohr. Liebe Zuschauer, liebe Zuschauerinnen. Vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche machen, bleibt kurz dran. Nach dem Outro gibt es noch... Unsere Filmhausaufgaben fürs nächste Mal.
Johannes Franke: Euch eine schöne Woche. Bis dann.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Ciao. Ja, was haben wir denn, Plur? Diesmal sind wir ja wieder ein bisschen außerhalb unserer eigentlichen Idee, dass wir uns gegenseitig Filme zu empfehlen. weil, wie wir gerade besprochen haben, wir haben Wünsche bekommen wieder mal von Zuhörern.
Florian Bayer: Ja, Zuhörerin, um genau zu sagen.
Johannes Franke: ZuhörerInnen, also sowohl männlich als auch weiblich. Und zwar wurde... wurden mir gebeten, einmal zu erklären, was denn jetzt eigentlich an Nightmare Before Christmas so toll sein soll. Und zwar explizit mit dem Hinweis, dass... Tim Burton ja irgendwie cool ist, aber irgendwie... Sie wissen nicht, was das eigentlich wirklich... soll.
Florian Bayer: Das Witzige ist, dass der Funfact jetzt gerade rausgekommen ist, dass Nightmare Before Christmas, nicht von Tim Burton ist.
Johannes Franke: Und ich war völlig, hä, what? Moment, nicht von Tim Burton? Von wem ist er denn? Henry Selig. Und Henry Selig hat zwar Regie geführt, aber Tim Burton hat schon noch...
Florian Bayer: Produziert. Es wird spannend sein zu sehen bei der Recherche, wie viel er seine Hand im Spiel hatte, weil wir haben den beide gesehen und So wie du habe ich den auch als Burton-Film in Erinnerung. Sowohl von der Ästhetik als auch von der Geschichte und Dramaturgie ist das ein sehr Burton-esker Film. Deswegen wird es bestimmt spannend sein, so zu sehen. wie viel Henry Selleck steckt in diesem Film. Henry Selleck ist übrigens auch der Regisseur von Coraline.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Der auch sehr Burton-esk ist.
Johannes Franke: Stimmt, total. Okay, ach, ja genau, also wir werden rausfinden, also ... Wir können natürlich nur, wenn uns der Film wirklich gefällt. Ich kann nämlich gar nicht so richtig sagen, ob ich den Retrospektiv, damals fand ich ihn, glaube ich, ganz cool. Ich weiß aber gar nicht, ob ich den heute auch noch so cool finde. Ich bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Ich bin auch gespannt. Mir geht es ganz genauso. Ich weiß nur, dass ich schon sehr lange eine gewisse Übersättigung habe, was die Burton-Ästhetik betrifft. Auch wenn sie nicht von Tim Burton kommt.
Johannes Franke: Ja, okay. Was dem Film aber nicht vorzuwerfen ist, weil damals war die Übersetzung ja noch nicht da.
Florian Bayer: Stimmt.
Johannes Franke: Er hat nur dazu beigetragen, dass diese Übersättigung so nach und nach eingesetzt hat.
Florian Bayer: Aber ich werde sie nicht ausschalten können, wenn ich den Film sehe. Das weiß ich jetzt schon.
Johannes Franke: Na gut. Und der zweite, auch ein Wunsch eines Zuhörers, duck you sucker.
Florian Bayer: Also known as A Fistful of Dynamite.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich bin gerade schon verzweifelt am gucken, wo man den Film sehen kann. Und wie es aussieht, habe ich jetzt einen Daily-Motion-Film gefunden. Daily Motion Link gefunden. Tatsächlich ist es so bei alten Filmen aus den 60ern, 70ern hat man oft Glück bei Dailymotion, dass die Filme drin sind. Ist natürlich alles höchst illegal wahrscheinlich, aber ...
Johannes Franke: Aber auf welchem Bereich bewegt sich denn Dailymotion? Dass die noch nicht vom Netz genommen wurden oder was oder wie? Die sind doch... die geben sich den Anstrich einer offiziellen YouTube-Alternative.
Florian Bayer: Dailymotion ist eigentlich so ein bisschen die Plattform für das, was bei YouTube gesperrt wird. Dailymotion ist eine französische Seite tatsächlich ursprünglich.
Johannes Franke: Also Dailymotion.
Florian Bayer: Dailymotion. Und die sind... Die sind tatsächlich der größte Streaming-Anbieter, was ... User-Generated-Content betrifft, neben YouTube. Nur, dass Dailymotion, glaube ich, nichts User-Generated hat, sondern wirklich nur aus Raubkopien besteht. Krass, Mann. Ich habe auf Dailymotion ... habe ich schon einige Filme gefunden, gerade so obskure Perlen aus den 60ern, 70ern, die man nicht zu kaufen kriegt. Also es gibt eine ganze Reihe Filme, an die kommt man illegal ... An die kommt man legal nicht ran, was wirklich eine Schande ist. Gerade so Perlen des Horrorkinos, des Independent-Kinos aus... Älter als 40, 50 Jahre.
Johannes Franke: Aber wenn man sie nicht kriegt, sind es dann Perlen.
Florian Bayer: Ganz oft ja. Okay. Wir werden sehen, ob dieser Film eine Perle ist. Man kann ihn auch bei Amazon bestellen. Allerdings würde ich das nicht mehr schaffen. Ich habe gerade geguckt, die Blu-Ray... Braucht doch einige Wochen, weil das ein UK-Import ist. Und sie kostet auch, glaube ich, 30, 40 Euro.
Johannes Franke: Ui, okay. Der Film hat auch eine Länge von 170 Minuten, 160? Ja, zweieinhalb Stunden ungefähr.
Florian Bayer: 160 Minuten. Und es ist der zweite Teil aus Sergio Leones Amerika-Trilogie. Und zwar ist der erste Teil ... Heißt das Once Upon a Time in the West? Ich hab keine Ahnung. Spiel mir das Lied vom Tod, das ist der erste Teil. Und Once Upon a Time in America ist der dritte Teil. Und die beiden kenne ich. Das eine ist Western-Klassiker. Das andere Mafia-Film-Klassiker.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ich glaube, das Lied von Tod ist, glaube ich, 60er-Jahre. Und es war einmal in Amerika als 90er oder Ende 80er.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wir haben unsere Recherche noch nicht gemacht, deswegen versuche ich gerade hier so ein bisschen zu improvisieren. was mein Wissen betrifft. Ich bin total gespannt drauf. Also ich wusste gar nicht, dass es da noch dass das eine Trilogie war und dass es da einen Mittelteil gibt, offensichtlich. Und der spielt wohl Anfang des 20. Jahrhunderts irgendwie mexikanischer Unabhängigkeitskampf. Ich bin sehr gespannt darauf. Du hast gesagt, hoffentlich wird das nicht so 1900. Ja.
Johannes Franke: Aber es scheint schon so ein Epos zu werden. Ich bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Wahrscheinlich. Irgendwas zwischen Epos und Spaghetti-Western erwarte ich.
Johannes Franke: Ja. Ich bin gespannt, ob ich denjenigen, der es vorgeschlagen hat, einmal verprügeln muss oder...
Florian Bayer: Ich bin ja weder großer Spaghetti-Western-Fan noch großer Sergio Leone-Fan, auch wenn er tolle Filme gemacht hat. Deswegen ist es so... Okay. Keine Ahnung, ich weiß nicht, was mich erwartet.
Johannes Franke: Es wird spannend. Vielen Dank für die Empfehlungen. Wir werden jetzt nicht jedes Mal große Briefe vorlesen, die wir bekommen. Das haben wir beim ersten Mal gemacht. aber das legen wir mal ad acta. Wir freuen uns über jede Empfehlung.
Florian Bayer: Liebe Grüße nochmal an Melli und vielen Dank für den Adam Sandler Film, den wir wirklich genossen haben.
Johannes Franke: Total genossen.
Florian Bayer: Ich habe vor allem Johannes Reaktion darauf genossen. Das hat den Film auch noch mal enorm aufgewertet, wie du gelitten hast während dieser Episode. Aber, das ich gesagt habe, nach einer Kritik an dem Film. Das hat sehr viel Spaß gemacht.
Johannes Franke: Okay. Schaut in diese Episode nochmal rein und freut euch auf nächste Woche. Bis dann. Bin mal gespannt. Bis dann. Tschüss. Ciao.

Auch Jahre zu spät muß ich (zur Top-3-Liste) meinen Senf dazu geben :
3.) Last Action Hero (mit Arnold Schwarzenegger)
2..) Mach’s noch mal, Sam (von Woody Allen )
1.) Cinema Paradiso
Honorable mention: Wenn George Lazenby in „I’m Geheimdienst ihrer Majestät“ leicht resigniert sagt“… das wäre dem Anderen nicht passiert „.
Großartige Liste! Danke dir!:)