Episode 23: Wo die wilden Kerle wohnen, The General
Episode 23, mit etwas älterem und etwas neuerem Material. Wir sprechen über den Fantasyfilm Where the Wild Things Are von Spike Jonze aus dem Jahr 2009 und loten aus, ob dieser als Verfilmung eines Kinderbuchklassikers überhaupt für Kinder geeignet ist. Und wir reden über The General von Buster Keaton aus dem Jahr 1927 und ob dieser seinen Platz im National Film Registry zurecht verdient hat.
In unseren dazugehörigen Toplisten geht es um die besten Kinderfilme überhaupt und das Beste, was die Stummfilmzeit zu bieten hat.
Wo die wilden Kerle wohnen [Spike Jonze]
(USA 2009)
Max ist laut, wild und unberechenbar. Er liebt Abenteuer und Geschichten, er liebt seine Mutter und seine ältere Schwester. Max versteht andere Menschen manchmal nicht, ignoriert sogar ihre Bedürfnisse. Er hat Angst nicht gesehen und gehört zu werden, er ist egoistisch, eifersüchtig, ängstlich und oft wütend. Max ist eben einfach ein typisches Kind. Nachdem er mit seiner Mutter über tiefgefrorenen Mais zum Abendessen in einen heftigen Streit gerät, läuft er von zu Hause weg und fährt mit einem Segelboot zur Insel wo die wild things wohnen. Dort freundet er sich mit den übergroßen Monstern an und wird zu ihrem König. Im folgenden wird getobt, gewütet, geschrien, ein Fort gebaut und eine große Schlacht mit Dreckklumpen veranstaltet. Aber auch die wilden Kerle haben ihre Launen, ihre Ängste und ihre Unsicherheiten… und Max muss fetststellen, dass es alles andere als einfach ist, Herrscher über eine ganze Monstergruppe zu sein.
Gerade einmal 338 Wörter umfasst der Kinderbuchklassiker “Where the wild things are” von Maurice Sendak aus dem Jahr 1963. 2009 verfilmte Spike Jonze die minimalistische Geschichte für die Kleinsten und machte etwas ganz erstaunliches daraus: Einen Kinderfilm, der nicht unbedingt für Kinder gedacht ist, sondern viel mehr die Gefühlswelt eines Kindes in fantastische Bilder taucht: Er nimmt sich all die Freude, die Abenteuerlust, aber auch die Unsicherheit, die Wut und die Traurigkeit, die die Kindheit mit sich bringt und packt sie in eine Grupper neurotischer und exzentrischer Monster. Er ist düstere Fantasygeschichte, Parabel und Psychogramm und damit der wahrscheinlich mutigste Kinderfilm überhaupt… allein schon, weil er die Emotionen von Kindern im Gegensatz zu seinen Genregeschwistern wirklich ernst nimmt. Er vermittelt Freude, aber auch Traurigkeit, Wut und Angst und ist damit ein emotional extrem wuchtiges Erlebnis.
Oder was denkst du, Johannes?
The General [Buster Keaton]
(USA 1926)
1926 war Buster Keaton schon ein gefeierter Star mit allen Freiheiten, die man sich als Schauspieler-Regisseur damals so erarbeiten konnte. Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und seines Einflusses geriet auch er, wie so viele seiner Zunft, in einen Größenwahn, für den die damaligen Produzenten eines finanziellen Flops sehr viel weniger dankbar waren, als WIR, die wir mit Abstand sagen können: Dieser Film, The General, ist Buster Keatons absolutes Meisterwerk.
Buster Keaton war bis dato vor allem für leichte Slapstick Comedy bekannt und nimmt sich hier einen Stoff, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Eine Eisenbahnjagd im amerikanischen Bürgerkrieg. Keaton spielt einen Lokführer dem die geliebte Lokomotive vom feindlichen Lager geklaut wird. Und dieser fährt er ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben hinterher. Natürlich will er auch eine Frau beeindrucken und natürlich geht sehr sehr viel bei dieser Verfolgungsjagd schief.
Das National Film Registry nahm den Film in die Liste der erstklassigen Filme, die für die Nachwelt gesichert werden, auf. Dort wird er als “Kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsam” beschrieben.
Plor, würdest du dem zustimmen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 23: Wo die wilden Kerle wohnen, The General Publishing Date: 2021-06-09T13:19:11+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/06/09/episode-23-wo-die-wilden-kerle-wohnen-the-general/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Diesmal ohne irgendein komisches Jukuleen-Intro oder sowas.
Florian Bayer: Ja, aber ich hab dir doch gesagt Dixie.
Johannes Franke: Ja, aber ich kann das nicht.
Florian Bayer: I wish I was in Dixie. Hooray, hooray. Wir haben nämlich heute konfederierten Propaganda von Johannes. Was er mir letzte Woche nicht gesagt hat. Hihihi.
Johannes Franke: Wir haben doch mit dem ganzen Kram nichts zu tun. Wir sind in Deutschland. Ich habe das nie so richtig... Verstanden und habe mich nie richtig auseinandergesetzt. Das können wir nachher mal nochmal genauer besprechen. Was das Problem mit den Konfederierten und den anderen da, mit der Union oder was, wer ist dagegen wen? Ich weiß es nicht. Bei den Amis ist es ein ganz großes Thema.
Florian Bayer: Das heißt, wir machen nachher große Geschichtsstunden.
Johannes Franke: Ja, bitte.
Florian Bayer: Oh Gott.
Johannes Franke: Und ich würde aber sagen, wir fangen mit dem anderen Film an, von dir.
Florian Bayer: Ja, genau, wo die wilden Kerle wohnen. zurückgespult. Das war ein gutes Zurückspülgeräusch, oder? Herzlich willkommen beim Muss-man-sehen-Podcast. Diese Woche mit einem Film aus den 20er Jahren 1926 mit The General von und mit Basta Keaton.
Johannes Franke: Und mit Wo die wilden Kerle wohnen von Spike Jonze.
Florian Bayer: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das sollten wir noch einmal Google kurz befragen, bevor wir reingehen in die Filme. Ich sag, glaube ich, ich sag meistens Jonesy, weil ich irgendwie so das Bedürfnis habe, das eh hinterherzuziehen, aber ich glaube, es ist falsch.
Johannes Franke: Ja, es ist falsch, glaube ich. Google? Spike Jones.
Florian Bayer: Spike Chauncey.
Johannes Franke: Spike Jones.
Florian Bayer: Spike Chauncey.
Johannes Franke: Spike Jones.
Florian Bayer: Google ist so paternalistisch. Wenn Google mir sagt, ich was aussprechen soll. Na gut, Spike Jonze, wo die wilden Kerle wohnen. Und das ist auch der Film, mit dem wir loslegen.
Johannes Franke: Sehr schön. Vielen Dank, Blur, für diesen Film. Ich bin gespannt, was du, wie du ihn... Einführst, weil es würde mir schwerfallen.
Florian Bayer: Zurecht. Okay. Max ist laut, wild und unberechenbar. Er liebt Abenteuer und Geschichten. Er liebt seine Mutter und seine ältere Schwester. Max versteht andere Menschen manchmal nicht, ignoriert sogar ihre Bedürfnisse. Er hat Angst, nicht gesehen und gehört zu werden. Er ist traurig, egoistisch, eifersüchtig, ängstlich und oft wütend. Max ist eben einfach ein typisches Kind. Nachdem er mit seiner Mutter über tiefgefrorenen Mais zum Abendessen in einen heftigen Streit gerät, läuft er von zu Hause weg und fährt mit einem Segelboot zur Insel. wo die Wild Things, die wilden Kerle, wohnen. Dort freundet er sich mit den übergroßen Monstern an und wird zu ihrem König. Im Folgenden wird getobt, gewütet, geschrien, ein Vorgebaut und eine große Schlacht mit Dreckklumpen veranstaltet. Aber auch die wilden Kerle haben ihre Launen, ihre Ängste und ihre Unsicherheiten. Und Max muss feststellen, dass es alles andere als einfach ist, Herrscher über eine ganze Monstergruppe zu sein. Gerade einmal 338 Wörter umfasst der Kinderbuchklassiker Where the Wild Things Are von Maurice Sendak aus dem Jahr 1963. 2009 verfilmte Spike Jonze die minimalistische Geschichte für die Kleinsten und machte etwas ganz Erstaunliches daraus. Ein Kinderfilm, der nicht unbedingt für Kinder gedacht ist, sondern vielmehr die Gefühlswelt eines Kindes in fantastische Bilder taucht. Er nimmt sich all die Freude, die Abenteuerlust, aber auch die Unsicherheit, die Wut und die Traurigkeit, die die Kindheit mit sich bringt. und packt sie in eine Gruppe neurotischer und exzentrischer Monster. Er ist düstere Fantasygeschichte, Parabel und Psychogramm und damit der wahrscheinlich mutigste Kinderfilm überhaupt. Allein schon, weil er die Emotionen von Kindern im Gegensatz zu seinen Genre-Geschwistern wirklich ernst nimmt. Er vermittelt Freude, aber auch Traurigkeit, Wut und Angst. Und ist damit ein emotional extrem wuchtiges Erlebnis. Oder? Was denkst du, Johannes?
Johannes Franke: Absolut. Das ist kein Kinderfilm. Das ist ein Film über Kind sein.
Florian Bayer: Über Kindheit. Über Kindergefühle, über Kinderemotionen.
Johannes Franke: Ich habe halt ein Kind auf einmal erwartet. Und es hat sich das bestätigt, was auf dem Plakat irgendwie schon zu sehen war, dieses riesige, große, runde... eher gräulich-braune Monster, das irgendwie eine tiefe Traurigkeit mit sich bringt. Und das bringen diese ganzen Figuren so mit. Und das zieht mich persönlich echt ein ganzes Stück runter.
Florian Bayer: Oh Mann, tut mir leid.
Johannes Franke: Ja, es ist, ich habe tatsächlich, mir kommt ein bisschen die fröhliche Kindheit zu kurz, muss ich schon sagen.
Florian Bayer: Ja. Ich habe mit meiner Freundin immer die Diskussion, was wir unserem Kind zeigen an Filmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und jetzt haben wir uns halt, wo die wilden Keller wohnen, angeguckt nochmal für diese Episode. Und dann meinte sie nochmal, ach nee, ich glaube, Den würde ich B-Lan auch nicht zeigen. Ich glaube, das ist wirklich zu hart und das ist echt krass. Und das sind so viele negative Gefühle, die thematisiert werden. Ich glaube halt, es sind Dinge, die zur Kindheit gehören. Und ich finde es auch... gut, die zu thematisieren. Und ja, ich gebe dir vollkommen recht und ich gebe auch ihr recht. Wahrscheinlich ist das nicht unbedingt was, was man einem Fünfjährigen schon zeigt.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Aber ich glaube, das ist ein Film, den man 7-Jährigen, 8-Jährigen, 9-Jährigen zeigen kann. Weil es auch einfach, also ich finde es wichtig, auch sowas zu gucken, um sich mit dieser Gefühlswelt, dieser überbordernden, teilweise heftigen, teilweise negativen Gefühlswelt auch auseinanderzusetzen.
Johannes Franke: Der kommt im gleichen Moment in einen Kinder... In einem Alter zum Tragen wie der Disney-Film Alles steht Kopf. Es geht darum, sich damit auseinanderzusetzen, dass es positive Erinnerungen gibt, dass es aber auch... negative Aspekte gibt und die Mischung davon ist diese Melancholie. Und diese Traurigkeit, die trotzdem irgendwie positiv sein kann. Und da grätscht dieser Film auch rein, finde ich. Ja. Und das ist aber erst ab einem bestimmten Alter so. Und ich glaube, mit fünf ist dann einfach wirklich zu früh. Und ich weiß nicht, vielleicht ab ... Sieben, neun?
Florian Bayer: Neun ist der Protagonist im Film, ne? Also auch der Schauspieler Max Records, der den Max spielt, ist neun.
Johannes Franke: Dann heißt der auch noch Max.
Florian Bayer: Ja, er ist tatsächlich... Ja, ich glaube aber auch... Das gibt es auch schon früher. Also wenn ich mein Kind betrachte, das jetzt 5 ist, Dann sehe ich ganz viel, was in diesem Film durch die Monster, durch die Wildfinks, ich finde übrigens wilde Kerle eine schreckliche Übersetzung. Ja. Weil es die Männlichkeit betont. Und Wild Things im Original finde ich viel besser. Und es sind ja auch weibliche Monster dabei.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: was die verkörpern, sehe ich in ganz vielen Dingen bei meinem Sohn. Zum Beispiel, wir haben den... Alexander, das ist so eine Art Ziegenbock. Und der wird nicht gesehen und wird nicht gehört. Und der... thematisiert es auch, der kriegt es mit, dass er nicht gehört wird und sagt immer mal, mir wird nicht zugehört und hat dann auch ein Gespräch von Max und redet mit Max drüber und Max sagt, hey, dir hört niemand zu, ne? Und die anderen Monster sagen teilweise, ja, der macht immer eine Show, ignorieren ihn einfach. Das ist so ein Gefühl, was ich von meinem Sohn, der fünf ist eins zu eins, kenne. Und zwar auch ein Gefühl, was mit Traurigkeit verbunden ist und was mit Wut verbunden ist. Dann haben wir den... quasi Hauptakteur der wilden Monster, Carey, der extrem wütend ist, weil seine beste Freundin K.W. neue Freunde gewonnen hat, diese Eifersucht. Das ist eins zu eins das, was ich auch bei meinem Kind sehe. Und all diese negativen Gefühle, die diese Monster verkörpern, Die finden sich, glaube ich, schon in ganz jungen und ganz kleinen Kindern wieder. Natürlich auch die positiven Gefühle, aber auch die negativen. Kinder sind... Egoistisch. Kinder sind extrem wütend. Kinder sind extrem ängstlich und traurig. Ja, das sind negative Gefühle, aber die gehören zur Kindheit dazu. Und ich finde es wichtig, Also zum einen mutig, dass das überhaupt mal im Film so stark, so radikal thematisiert wird. Aber ich finde es auch wichtig, das zu thematisieren. Weil ich glaube, wir wollen unsere Kinder oft schützen. Und klammern dann solche Dinge vielleicht zu sehr aus.
Johannes Franke: Ja, du hast vollkommen recht, natürlich. Die Frage ist bloß, ab welchem Alter kann man das auch verarbeiten als Kind? Ab welchem Alter kann man das auch in dieser Darreichungsform verarbeiten?
Florian Bayer: Ich finde es bis heute schwer zu verarbeiten. Ich sehe diesen Film und er macht mich sehr traurig. Ich sehe diese Gefühle in diesem Film auf mich niederprasseln und Das ist total krass. Also der Film ist emotional extrem stark. Der hat extrem starke Wirkung auf mich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich liebe ihn dafür auch. Das ist natürlich das, was für mich auch Kunst ausmacht. Dass es so dieses kathartische Moment gibt, dass du überrumpelt wirst von ... düsteren, traurigen, krassen Sachen und dass du darin aber auch irgendwie so ein Stück Hoffnung findest und Auch wenn der Film im Gegensatz zu Alles steht Kopf nicht diese krasse positive Stoßrichtung hat, gelingt ihm das trotzdem. Er lässt mich mit einem sehr positiven Gefühl zurück. Weil er es schafft, zu zeigen, wie dieses ... Dieses Übe an Gefühlen, wie das irgendwie akzeptiert werden kann, wie das... als Teil des Lebens, als Teil des Menschseins akzeptiert wird.
Johannes Franke: So richtig positiv lässt er mich nicht zurück. Er tut ja auch nichts dafür. Er sagte nur so, ich fahr jetzt wieder zurück und... Vielleicht gibt es den Moment der positiven Entwicklung, weil er sich entscheidet, wieder zurückzufahren. Also sonst... Es braucht ja einen positiven Impact, um ihm das zu klären, dass er sagt, okay, jetzt bin ich bereit. Und auch seine Mutter irgendwie dann, wenn sie, sie schläft am Ende ein, oder?
Florian Bayer: Ja, sie sitzt bei ihm am Tisch und beobachtet ihn, wie er ist. Das Essen war noch warm.
Johannes Franke: Ja, ja. Und irgendwie ist es schon, wenn ich jetzt zurückdenke, ja positiv, aber mein Grundgefühl bleibt nicht... Nicht wirklich positiv. Irgendwie zieht er mich einfach runter und dann bleibe ich da.
Florian Bayer: Für mich sind es zwei ganz wesentliche Momente für das Positive. Und zwar zum einen, wenn das große, düstere Monster quasi keinen Namen hat, der war immer dabei. ist und der Max am meisten Angst macht die ganze Zeit so im schwarzen, dunklen Fell und... guckt einfach nur böse. Wenn der am Schluss zu ihm geht und den einzigen Satz sagt, der dieses Monster im Film hat, when you go home, will you say good things about us? Max sagt einfach, ja, mache ich, weil Das positive Gefühl, was da für mich mitschwingt, ist dieser Gedanke, Das sind diese ganzen Neurosen, das sind diese ganzen Tics und diese Wut und Ängste und alles Schräge und Laute und Unkontrollierbare, aber es ist gut. Sag was Gutes darüber, das ist Kindheit.
Johannes Franke: Ja, das stimmt schon.
Florian Bayer: schlimm, wütend zu sein. Es ist nicht schlimm, laut zu sein und unkontrollierbar zu sein. Du musst dich hier nicht anpassen, sondern das bist du. Das ist nicht schlecht. Es ist so schrecklich, dass Kindern so oft gesagt wird, sei ruhig, setz dich hin. Dreh nicht am Rad, sei nicht verrückt. Ach, du willst dich doch nur wichtig machen. Sei mal nicht so eine Drama-Queen. Das ist total schrecklich, weil das ... Das sind die ganzen Sachen, die Kinder ständig zu hören bekommen. Aber für Kinder sind das ernsthafte Gefühle. Und wenn ein Kind total frustriert ist, weil sein Lieblingslöffel nicht da ist, Dann ist das wichtig. Dann muss das ernst genommen werden. Dann ist das für das Kind genauso schlimm wie für uns. Keine Ahnung, wenn wir unseren Job verlieren oder wenn jemand stirbt. Und es ist eine Schande, dass das so oft dann runtergetan wird. Ach, die kleinen...
Johannes Franke: Ja, du hast absolut recht.
Florian Bayer: Das ist eine ganz wichtige Botschaft davon. Und das zweite, wenn KW, die ja irgendwie so die positivste von diesen Monstern ist, am Schluss zu ihm sagt, I'll eat you up, I love you so. Weil dieses Fressenthema die ganze Zeit das Bedrohliche war. Und er beißt seine Mutter, das ist ja der Ursprung des Streits. Und dann wird das einmal umgedeutet, diese Wut auf andere.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Wenn du jemanden wirklich liebst, dann bist du halt wütend auf ihn. Wenn du auf jemanden wirklich wütend bist, ist das ein Zeichen dafür, dass du ihn auch liebst. Und das finde ich eine total schöne Umkehrung. Und dann natürlich klar die Schlussszene, wenn er nach Hause kommt, seine Mutter ist total aufgelöst, nimmt ihn in den Arm, er war wahrscheinlich, keine Ahnung, eine Stunde, zwei Stunden weg.
Johannes Franke: Ja, also wird gar nicht gesagt.
Florian Bayer: Das ist halt irgendwie am Abend noch. Und sie nimmt dann ihm den Arm und dann macht sie ihm das Essen warm und dann sitzt sie neben ihnen am Tisch und beobachtet ihn, wer ist, mir kommen jetzt schon wieder die Tränen, wenn ich drüber rede, das ist so schön. Weil das einfach so diese Akzeptanz von dem Monster Kindheit ist. Und das Kindheit ist ... Und nicht nur die Kindheit, sondern das Menschsein ist ein verfluchtes Monster. Das alles gehört halt irgendwie dazu und das schafft dieser Film zu sagen, ja, es gehört dazu. Ja.
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau, ob ich so ein Kind war, das... das so viel mit Aggressionen zu tun hatte. Ich habe mich viel mit meiner Schwester geprügelt. Das stimmt schon. Aber meine Erinnerung ist nicht so, dass ich so viel mit Aggressionen zu kämpfen hatte.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob es um Aggressionen geht. Ich glaube, es geht einfach um Wut.
Johannes Franke: Und Wut ist, glaube ich, was sehr natürlich... Naja, also Carol hat schon sehr große Aggressionsbewältigungsprobleme. Allein wenn Max das erste Mal sieht, was da passiert, Carol zerstört alle Behausungen, rennt da durch, macht alles... gewütet. Also, schon krass. Deswegen war ich auch ganz lange im Film eben auf dieser Aggressionsbewältigungsschiene, dass ich darüber nachgedacht habe. hat mich in meiner Erinnerung für mich als Kind nicht unbedingt so sehr betroffen. Für mich war eher sehr krass, dass alle Figuren, ausnahmslos alle Figuren, so animiert und so designt sind, dass sie tief traurig aussehen. Hm. Und das zieht einen auf die Dauer des Films so weit runter. Also mich... Also ich fand den Film gut, so ist es nicht, aber es ist schon wirklich hart.
Florian Bayer: K.W. ist irgendwie so ein bisschen die fröhliche von ihnen, finde ich.
Johannes Franke: Ja, schon, aber auch sie hat diese tiefe Traurigkeit, diese Melancholie.
Florian Bayer: Wir sind hier wirklich bei den Designs von den Gesichtern.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Was ich übrigens ganz toll gemacht finde. Ich finde es ganz, ganz wahnsinnig beeindruckend, wie sie Live-Action und dann darüber animiert, die... also er spielt ja wirklich mit diesen Felldingern da am Set, oder?
Florian Bayer: Es war geplant, dass es Animatronics sind, ne? Die Gesichter sollten eigentlich komplett animiert sein. Und dann haben sie die Kostüme gekriegt und dann haben sie die Kostüme angezogen und dann konnten die Schauspieler sich nicht bewegen, die da drunter waren. Weil die Apparatur für die Bewegung von den Augen und von den Mündern so komplex war, dass diese Masken, diese Helme einfach unfassbar schwer waren. Und dann haben sie sie halt auseinandergenommen und gesagt, okay ... Machen wir im Studio. Spike Jonze wollte eigentlich alles Animatronic machen. dem war das auch wichtig. Ich glaube, es war auch ein ziemlicher Downer am Set, dass sie dann gesagt haben, wir kriegen es nicht anders hin, wir müssen CGI machen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und das Studio wollte auch tatsächlich komplett CGI haben. Also Spike Jonze hat sich da auch eher durchgesetzt, dass er gesagt hat, nee ... Es gibt doch diesen Jim Henson.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und lasst uns hier mal da was nehmen und das passt besser und Das finde ich, das sieht man auch im Film. Ich finde die Kostüme toll.
Johannes Franke: Ganz toll. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und ich finde die CGI auch tatsächlich nicht störend. Es fügt sich sehr angenehm harmonisch ein.
Johannes Franke: Absolut, absolut, wirklich toll. Ich habe gelesen, dass sie dann wirklich im Nachgang wahnsinnig viel noch gemacht haben, dass das zwischendurch fast schon auf der Kippe stand, dass Black Jones irgendwie... Und nochmal und noch eine Runde und da nochmal. Im Schnitt haben sie gemerkt, sie müssen da nochmal was und dann haben sie was nachgedreht. irgendwie nochmal um ein Jahr verschoben. Was war denn da los?
Florian Bayer: Das Studio war ziemlich unzufrieden damit. Die haben gesagt, das können wir so nicht vermarkten. Die haben eigentlich damit gerechnet, dass er einen Kinderfilm macht. Nun ist die Vorlage ja wirklich ein Buch für die ganz Kleinen. Kennst du die Vorlage?
Johannes Franke: Nein, wenn das nur 300 Wörter sind, können wir die nicht vorlesen irgendwie? Oder ist das...
Florian Bayer: radikale Urheberrechtsverletzung. Es ist tatsächlich, also die Vorlage. Die Vorlage hat nur das Thema Wut. Es geht darum, dass Max laut ist, und dass er durchs Haus stürmt. Und dass er übertreibt und dann sagt seiner Mutter so, du gehst jetzt ohne Abendessen ins Bett. Max geht ins Bett und träumt sich den Wald.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und träumt sich dann das Boot und fährt mit dem Boot zur Insel, wo die Wildfings leben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die kriegen keine Namen und keine Persönlichkeiten, sondern die sind alle wild und laut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Sie knurren ihn an, er knurrt zurück. Und weil sein Knurren lauter ist, ernennen sie ihn zum König. Weil er es schafft, ihnen damit Angst zu machen. Und dann toben sie. Dann gibt es so drei, vier Seiten, das ist ein Bilderbuch. Und die Umsetzung ist übrigens sehr nah an den Bildern vom Original. Dann toben sie ganz viel und sind wild. Und dann wird Max aber, dann schlafen sie und dann wird Max aber einsam und stellt fest, dass er eigentlich zu Hause sein will. Und dann fährt er los und die wilden Monster heulen. Und er kommt nach Hause. wieder mit dem Boot übers Wasser, durch den Wald und kommt wieder in sein Zimmer und da stand das Abendessen und der letzte Satz ist und es war noch warm. Ende. Und das Ganze ist halt ein sehr bildlastiges Buch und ich würde behaupten Zielpublikum zwei bis fünf Jahre? Ich glaube, Bela wäre es ein bisschen zu wenig Fleisch, wenn ich es ihm jetzt abends vorlesen würde. Und das gilt als Kinderbuchklassiker. Aber es ist ganz eindeutig ein Bilderbuch, was Eltern ihren... Kindergarten- und Kita-Kindern vorm Schlafengehen vorlesen, was nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Und Spike Jonze hat offensichtlich da draufgekommen und hat einmal gesagt, okay, Wut ist ein bisschen zu wenig als Thema. Packen wir noch Traurigkeit rein? Packen wir noch... Packen wir noch Feindseligkeit und Sarkasmus rein? Packen wir noch Phlegma rein? Diese Monstergruppe sind insgesamt ... Sieben Monster sind es insgesamt. Ja, sieben Monster sind es insgesamt. Und die verkörpern alle so ein bisschen ... Bestimmte emotionale Zustände, aber nie zu flach. Es ist nicht so, dass du sagen kannst, da ist die Wut, da ist die Fröhlichkeit, da ist die Traurigkeit.
Johannes Franke: Das kann man schon zuordnen, oder? Ich habe es jetzt nicht geschafft, aber ... Es gibt doch bestimmt irgendwo eine Auflistung.
Florian Bayer: Ich habe noch mal gesucht, aber nee, ich habe keine direkte Auflistung gefunden. Und ich finde es Mir fällt das auch schwer, weil die dann auch teilweise andere Sachen verkörpern, zum Beispiel K.W. finde ich, ist auch ganz stark seine Schwester. Am Anfang ist ja eine Szene als noch in der realen Welt, wo er eigentlich mit seiner Schwester was machen will und die ist eher so genervt und sagt, hau ab. Und dann ist sie mit ihren Freunden unterwegs und er versucht da kurz so reinzukommen, indem er sie mit Schneebellen bewirft und ist dann total verzweifelt, weil sie seinen Iglo kaputt machen. K.W. ist so ein bisschen auch diese Schwester irgendwie.
Johannes Franke: Und es gibt eine Streitszene zwischen KW und Carol.
Florian Bayer: die Max aus diesem Fohr, was sie gebaut haben, beobachtet.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es sieht fast aus wie so ein kleines Kind, das durch einen Türspalt beobachtet, wie seine Eltern streiten. Und ich hab die Szene so interpretiert, dass in dem Moment, zumindest in dieser Szene, KW und, äh, Carol seine Eltern verkörpern, die sich ja offensichtlich getrennt haben, weil seine Mutter hat ein Date. Sie ist ziemlich sicher alleinerziehend und sein Vater kommt nicht vor. Das heißt, da war vielleicht eine Scheidung davor. Es könnte sein, dass das so ein Bild ist. Also der Film gibt nicht... eins zu eins in eine Figur diese Emotion oder diesen Archetyp oder dieses Spiegelbild aus der realen Welt, sondern er mischt das alles so ein bisschen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich kann mal vorlesen, was ich mir zusammengestellt habe. Also Carol ist die Wut. Und ich glaube auch am nächsten an der Vorlage damit. Dann haben wir das Paar Ira und Judith. Ira ist der mit der großen Nase und Judith ist die mit den hässlichen Zähnen. Und Ira ist so ein bisschen das Phlegma. Der ist immer sehr ruhig. Und der hat auch so was leicht Depressives. Und der macht halt die Löcher in die Bäume. Und Judith ist komplett anders. Sie ist so sehr sarkastisch und sehr feindselig. Sie ist so das Feindselige irgendwie, die ständig magst. Smacks infrage stellt und ihn ständig provoziert. Dann haben wir Alexander, den ich irgendwie die traurigste Figur finde, dass der total liebesbedürftig ist, der immer gesehen werden will und ständig ignoriert wird und der dann sagt, hey, guck mal, was ich da mache. Okay, das sieht ja keiner. Der ist so ein Ziegenbock.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann haben wir Douglas, das ist ein Vogel. Und der steht irgendwie so für Freundschaft. Der ist so ein bisschen streng. Und das ist der beste Freund von Carol. Also der scheint irgendwie so eine Verkörperung von Freundschaft zu sein.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Dann haben wir KW, die für mich am ehesten so die Positivität verkabert, weil sie ist verspielt, sie ist lustig, sie ist total nett, sie ist auch total offen für Max und hilft ihm ganz oft. Und dann haben wir The Bull, der einfach dunkle, der gar nichts sagt und Und der könnte so ein bisschen die missverstandene Seite von Max verkörpern, weil vor dem hat Max die ganze Zeit Angst und Respekt und kann ihn nicht so richtig einschätzen. Außenwelt verkörpern? Weil Max ja ganz viele Dinge in der Außenwelt Angst machen und er sie nicht versteht. Ja, wie gesagt, also ich finde, so eine klare Zuordnung hat einem der Film nicht vor die Füße gelegt und das rechne ich ihm... sehr hoch an, weil ich finde dieses 1 zu 1 Spiegeln Wenn du so eine Fabel hast, wo du ganz klar eine X-Achse und eine Y-Achse hast, dann hast du deine Kurve und kannst sagen ... Ach ja, Rot steht für Wut und Grün für Hoffnung. Geil. Hab alles entschlüsselt. Gute Arbeit. So ein Film soll ja kein Rätselraten sein, sondern so ein Film... soll irgendwie Facetten haben.
Johannes Franke: Ja, was dieser Film allerdings dadurch eben... Also mit dadurch, und er zieht es halt auf anderen Ebenen auch durch, macht es, dass er... einem nicht besonders viel Material mitgibt, Werkzeug mitgibt, den Film zu entschlüsseln. Also er verzichtet sehr weitreichend darauf, Erklärungen zu liefern, einem zu sagen, was er will, der Film, was... Max soll, was er wollen soll, wo er hinwollen soll, also er hat keine Ziele und die klassischen Ziele. Sachen von, ich erzähle in einem Superheldenfilm am Anfang, das ist der Plan und das wird jetzt durchgezogen und tada, der Film ist ein Erfolg, wenn... Folgende Sachen passieren. Das gibt es in dem Film überhaupt nicht.
Florian Bayer: Er hat überhaupt keine lineare Hand. Gar nicht. Er ist eine Seelenschau. Er zeigt uns, also was der Film will, er zeigt uns das Innere von Max.
Johannes Franke: Mhm. Weswegen aber der Film auch unter Umständen eben schwer zugänglich ist, dass man irgendwie sich die ganze Zeit fragt, was will der Film denn jetzt eigentlich? Also ich kann verstehen sozusagen, wenn man nicht die breite Masse damit erwischt. Ich weiß nicht, wie erfolgreich war der Film. Kannst du das sagen? Nein.
Florian Bayer: wahrscheinlich nicht so erfolgreich. Also ich müsste einmal nachschauen. Ich würde behaupten, dass der Film wahrscheinlich nicht so viel Erfolg hat. Es gab, wie gesagt, ziemlich viel Streit mit Warner Bros., die gesagt haben, nee, das ist so ein Film, der ist too much. Wir wollen... Das ist kein Film für Kinder. Naja, okay. Budget 100 Millionen, Box Office 100 Millionen.
Johannes Franke: Null-Null-Rechnung.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich eher Verlust dann. Budget musste immer noch ein bisschen was draufrechnen. Und kein Erfolg. Was ja für Spike Jonze jetzt auch nicht ungewöhnlich ist.
Johannes Franke: Dass er keinen Erfolg hat?
Florian Bayer: Seine Filme sind alles andere als Mainstream-tauglich. Und ich glaube, der hat das oft so, dass er was pitcht und dann sagt, Warner Bros. oder welches Studio auch immer, mit dem er gerade... gerade arbeitet. Geile Idee. Mann verliebt sich in KI. Klingt super. tolle romantische Komödie. Und dann sagt Spike Jonze, nimm das. Und dann hast du den Film wie Hörder liegen. Und dann sitzen alle da, die verantwortlich sind, kratzen sich am Kopf und sagen... Wie soll das funktionieren?
Johannes Franke: Aber Hör war so großartig.
Florian Bayer: War das großartig. Spike Johnson, stellt euch vor. Wir machen einfach einen Film um ein Cameo von einem großen Darsteller. Wir lassen Leute in seinen Kopf reisen. Und dann denken alle, wow, was für eine irre witzige Fantasy-Geschichte. Und dann sagt Spike Jonze, guck mal, nimmt das. Und dann liegt da Being John Malkovich und du hast so einen total depressiven... So ein total depressives Antimerschen und dann sitzen sie wieder da und kratzen sich am Kopf. Sie lernen es ja offensichtlich, weil er kriegt immer wieder Geld für seine Projekte. Und ja, natürlich, es war ihm zu wenig Kinderfilm, es war ihm zu wenig positiv, es war ihm zu wenig fröhlich und bunt. Aber genau diese Ehrlichkeit, die bewundere ich an diesem Film so sehr.
Johannes Franke: Ja, das stimmt schon.
Florian Bayer: Und diesen Mut auch zur Ehrlichkeit.
Johannes Franke: Ja. weil er eben nichts erklärt und nicht sagen will, hier, das ist das, was ich erzählen will, sondern er sagt einfach, Guckt einfach mal, ob er irgendwann mal rausfindet, was es soll.
Florian Bayer: Gleiches Motivfilm ist der richtige Begriff in dem Fall. Es ist halt ein Film über Kindheit. Spike Jonze hat auch gesagt, er wollte keinen Kinderfilm machen, sondern einen Film über Kindheit. Es ist auch geworden. Und das ist das Thema und es geht nicht um eine lineare Geschichte und es geht auch nicht um einfache Lösungen. Weil in dem Film bei den Wild Fings tauchen die ganze Zeit Probleme auf. Und kein einziges dieser Probleme wird einfach gelöst. Und manchmal gibt es den Versuch, Probleme zu lösen, Konflikte zu entschärfen. Und es funktioniert aber nie so 100%. Also zum Beispiel gibt es ja dieses ... eigentlich eine sehr krasse Szene, als sie ihre Schlacht machen. Als Max sagt, okay, und jetzt machen wir die.
Johannes Franke: Ihr seid die Guten und wir sind die Bösen.
Florian Bayer: Und er will ja eigentlich die schlechte Stimmung damit wegmachen, weil davor ist diese Eifersuchtszene, wo Carol wirklich wütend ist, dass Bob und Terry plötzlich da sind, diese heulen Freunde, die KW hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann sagt Max, okay, was machen wir? Wir machen eine Schlacht. Und erst mal, okay, jetzt könnte der Konflikt gelöst werden. Und dann kommt aber das, was halt Kinder machen. Ihr seid die Bösen. Mhm. Und so ganz klar, zu den Bösen machen wir Bull, der nichts redet. Und wir packen... Alexander, den niemand hört. Und da, okay, Ira hat sich freiwillig gemeldet. Und zu den Guten gehören natürlich Carol, KW ... Und Douglas, die du total cool findest. Und dann ... Und dann führen die diese epische Schlacht, die auch zuerst Spaß macht ... Aber das Ganze ist natürlich so voll, bis einer heult.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und so funktioniert Kindheit.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Man hat eine coole Idee, man spielt zusammen, das macht mords viel Spaß, aber irgendwann wird jemand heulen und dann kommt es halt zu diesem Streit zwischen Carol und KW und KW haut ab, weil es einfach ... Weil es einfach zu viel ist. Es ist so on point, finde ich. Es ist so gut. So viele Sachen in diesem Film treffen einfach, wie Kinder funktionieren. wie Kinderspiele funktionieren, wie Kinderkonflikte und Konfliktlösungen funktionieren.
Johannes Franke: Ja, und wie Kinder das dann langsam... Also jetzt dieser Streit zum Beispiel zwischen Carol und K.W. dann und K.W. sich auf den Boden legt und sagt, tritt mir auf den Kopf, ich bin dir auf den Topf getreten. Er dann danach, alle sind weg und er kommt und setzt das so an und will das, dann reden sie so ein bisschen und dann. Vielen Dank. Ja, also das sein Mitgefühl mit ihr und mit der Situation und zu lernen, okay, es gibt so Perspektiven. Was Kinder ja wirklich schmerzhaft lernen müssen. Es gibt Perspektiven. Es gibt nicht nur mich, sondern es gibt auch den und da muss ich mich reinversetzen und gucken, wie fühlt sich denn der andere. Damit ich meine Aktion entsprechend anpassen kann. Es ist ein schwieriger, schmerzhafter Prozess.
Florian Bayer: Das ist, glaube ich, eine der krassesten Lernerfahrungen der Kindheit, dass man seinen Egoismus überwissen kann. und zur Empathie kommt. Kinder sind nämlich eigentlich nicht zur Empathie in der Lage und Empathie Zu lernen dauert wirklich lange. Und wie gesagt, mein Kind ist fünf und Da merkt man schon, dass es Empathie gibt auch, aber es ist trotzdem noch immer im Kampf mit den eigenen Bedürfnissen und zwar wirklich auch krass bis zu dem Punkt, dass die eigenen Bedürfnisse über alles gestellt werden, was ständig passiert. Und das ist natürlich auch so toll, dass diese Konflikte mit der Erwachsenenwelt, dieses Nicht-Verstehen der Erwachsenenwelt und der Erwachsenenbedürfnisse, dass es auch immer wieder vorkommt. Auch so dieses ... Er glaubt dann ja, dass alle ihn als böse ansehen von seinen Erwachsenen. Und dann projiziert er natürlich diese Wahrnehmung auf Carol. Und dann gibt es diese tolle Szene, wo Carol wirklich zur Bedrohung wird, wo er wirklich Angst hat vor Carol. Und wo Carrick total außer Kontrolle ist und dann sogar Douglas den Arm abreißt.
Johannes Franke: Wo nur so Sand rauskommt. Ja.
Florian Bayer: Nee, super. Und dann rennt Max weg und versteckt sich in KWs Bauch. Und dann kommt Carol und unterhält sich mit KW und fragt sie ... Bin ich wirklich so böse, wie er es sagt? Am I as bad as he says? Und das ist auch so ein trauriger Moment, weil das natürlich auch das ist, was Max ganz oft empfindet. Bin ich wirklich so schlimm, wie die sagen? Die sagen ständig, ich bin außer Rand und Band, ich bin außer Kontrolle.
Johannes Franke: Und das sagt er ja dann auch irgendwann zu Carol, glaube ich, ne? You're out of control.
Florian Bayer: Ja, genau. Das ist so, glaube ich, Originalzitat. Und dann sagt Max, aber dann kommt Max raus und sagt, zu ihr, zu KW, als Carol weg ist. Er meint es nicht so. He's just scared.
Johannes Franke: Das ist ein ganz toller, wichtiger Satz. Aber wenn wir vorhin schon bei Alles steht Kopf gewesen sind, wollen wir unsere Liste mal machen? Unsere Top. Was wollten wir machen? Moment, Moment. Erst Jingle.
Florian Bayer: Jingle. Unsere Liste.
Johannes Franke: Und welche Liste haben wir denn, Floor?
Florian Bayer: Kinderfilme.
Johannes Franke: Ja, viel generischer könnte es gar nicht sein, Floor. Warum Kinderfilme?
Florian Bayer: Du wolltest Top-Schauspielleistung vor kurzem haben. Ja. Dafür ist Kinderfilme noch ziemlich konkret. Aber tatsächlich auch mit dem Doppelgedanken Filme über Kinder, Filme für Kinder, Filme mit Kindern.
Johannes Franke: Ach so, okay, hättest du mal sagen, kann ja sagen sollen. Na toll.
Florian Bayer: lasse es doch so allgemein, damit es Interpretationsraum gibt, damit du sagen kannst, hey, ich mache was komplett anderes draus, als du gedacht hast und ich nehme jetzt drei Horrorfilme, in denen Kinder aufgefressen werden. Kassen zu Where the Wild Things Are.
Johannes Franke: Okay. Was hast du denn? Also, ich habe ... Ja. Es sind so, ich weiß nicht, welche ich auf die Honorable Mention schieben soll und welche in die rein sollen. Ich versuche so divers wie möglich die Plätze zu verteilen. Und alles andere ist im ... Fantastic Mr. Fox wäre in der Honorable Mention, weil er nicht wirklich ein Kinderfilm in der Form ist, aber eigentlich ja aus diesem Genre kommt. Ja, aber ganz, ganz toller Film. Dann wäre auch, den ich jetzt reinhauen möchte, Soul, den wir auch gesehen haben. den wir schon besprochen haben, sehr ausführlich, den ich wirklich ganz, ganz großartig fand, auch als Kinder- und Erwachsenenfilm. Was dieser Film ja auch nicht nur Kinderfilm ist, sondern eben eher Erwachsenenfilm. Dann den Rest muss ich nachher festlegen. Hast du honorable mentions?
Florian Bayer: Ja, ich habe ganz viele honorable mentions. Es ist tatsächlich eine lange Liste geworden bei mir und ich weiß, es ist auch eine bunte Mischung aus Filmen für Kinder und Filme, die eher Kindheit behandeln. Ja. Also meine honorable mentions. Ein Film, der beides schafft. Ronja Räubertochter. Tolle Literaturverfilmung. Astrid Lindgren. Ganz fantastisch.
Johannes Franke: Ganz toll, ja.
Florian Bayer: Und ein zweiter Film, der das auch gut schafft. Der so ein bisschen unterschätzt ist, hab ich das Gefühl, weil der wird selten genannt. Amy und die Wildgänse, Anfang der 90er Jahre. Kleines Mädchen verliert seine Mutter bei Autounfall.
Johannes Franke: Zeichentrick?
Florian Bayer: Nee. Oh. Wächst beim Vater auf ... Also nicht wächst beim Vater auf, kommt zum Vater, nachdem es die Mutter verloren hat, den es jahrelang nicht gesehen hat. Und bei ihm in der Nähe sind Wildgänse. die da halt ihr Sommerquartier haben. Und da bleiben Eier übrig, weil ich glaube, irgendwas wird abgeholzt und die fliehen dann und lassen ihre Eier zurück und Amy zieht diese kleinen Wildgänse auf. Mhm. Und dann wird's halt Winter und es wird Zeit, dass sie in ihr Winterquartier ziehen und ihr Vater ist Ingenieur und baut ihr dann ein Fluggerät und Amy fliegt mit diesen Richtung Süden, weil sie ihre Mama ist, weil sie als erster Kontaktperson da war. Total toller, liebenswerter, auch sehr trauriger Film, der auch keine Angst hat, Traurigkeit zu behandeln. Bela fand ihn langweilig.
Johannes Franke: Oh, schade.
Florian Bayer: Dann habe ich noch als Honorable Mention Chihiros Reise ins Zauberland, stellvertretend für ganz viele Ghibli-Filme, die toll für Kinder sind. Valhalla, auch ein deutscher Zeichentrickfilm. Und Stand By Me als Film über Kindheit.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Den man aber auch Kindern zeigen kann, den ich total liebe.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und meine letzte Honorable Mention, um endlich zur Liste zu kommen, wäre E.T., der einfach ein wunderschönes Science-Fiction-Märschen ist.
Johannes Franke: Warum kommt er nicht in die Liste?
Florian Bayer: Weil es so viele andere Filme, weil es so zu viele gute Kinderfilme gibt.
Johannes Franke: Ich habe die ganzen Astrid-Lincoln-Sachen zum Beispiel überhaupt nicht mitbedacht. Die hätten eigentlich rein müssen, wenn du jetzt so Ronja Räubertochter sagst, Kinder von Bullerbü oder diese ganzen Bibi Langstrumpf.
Florian Bayer: Aber bei Astrid Lindgren sind die Bücher auch, glaube ich, oft besser als die Filme. Ich weiß nicht, ob ich unbedingt Pippi Langstrumpf... Also Pippi Langstrumpf ist toll, sowohl in Buch- als auch Serienformat. Ja. Ich wüsste nicht, ob ich unbedingt den Pipi-Langstrom-Film drin haben müsste. Vertragen wir diese Frage. Nummer 3, Johannes, dein Platz 3.
Johannes Franke: Mein Platz 3 wäre dann ... Who framed Roger Rabbit?
Florian Bayer: Okay. Du beschwerst dich über einen Film mit Schietraurigkeit, nimmst dann aber diesen... Nimmst dann aber als Kinderfilm diesen Film mit der obszönen, wie heißt die, Jessica Rabbit. Der Volle ist mit Film nur Anspielung und der garantiert eine Altersfreigabe ab 12 hat. Lass mich mal gucken.
Johannes Franke: Ja, okay, okay.
Florian Bayer: Who Framed Roger Rabbit. Family Comedy. Ist er ab 12? Ach, wer interessiert sich für US-Freigaben? FSK 12. Sag ich doch.
Johannes Franke: Toller Film.
Florian Bayer: Toller Film, ich liebe ihn. Ganz großartig.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den mal gucken. Solche Sachen haben wir noch gar nicht, Bloor.
Florian Bayer: So diese Blockbuster Ende 80er, Anfang 90er, was?
Johannes Franke: Ja, mit so völlig kaputten, weiß ich nicht. Aber das ist ein ziemlich einzigartiger Film, muss man mal sagen. Ja, absolut. Das ist wirklich krass. Ihr habt neulich wieder so einen Zusammenschnitt zwischen den Originalaufnahmen, die sie vor Greenscreen und Bluescreen gemacht haben. und der entsprechenden Bearbeitung dann mit Comic gesehen. Und es ist ganz großartig, weil die Schauspieler wirklich mit nichts spielen und das dann eingebaut wird.
Florian Bayer: Er war seinerzeit so meilenweit voraus. Wahnsinn. Wenn man sich heute anguckt. Filme, die vor zehn Jahren gemacht wurden, mit CGI und Realfilm gemixt, die sehen schlechter aus. Der Film hat es wirklich geschafft, so mit krassen Special Effects zeitlos zu wirken. Das muss man erstmal hinkriegen.
Johannes Franke: Mhm. Liegt aber auch darin, dass sie Zeichentrick benutzt haben und dass das gar nicht erst versucht, real zusammenzuhauen. Wenn man CGI versucht, dann versuchst du ja zu erzählen, dass das wirklich da ist. Und bei Zeichenträgen ist es halt einfach so offensichtlich, dass du nichts verstecken musst.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Meine Nummer 3, CGI-Realfilm. Ich glaube, wir haben ihn schon öfter auf Listen genannt, aber ich finde, das ist einfach so eine perfekte Mischung. für die ganze Familie, wirklich für die ganze Familie. Der einzige Film in der Liste, der für die ganze Familie ist, von 3 bis 99, Paddington. Fantastischer Film.
Johannes Franke: Scheiße, ich hab ihn auch genannt. Genau jetzt. Irgend die gleiche.
Florian Bayer: Das ist so schwer, einen Film zu machen. der sowohl einem Dreijährigen gefallen kann, als auch einem 16-Jährigen, als auch einem 60-Jährigen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieser Film schafft es. Absolut. Absolut.
Johannes Franke: Ja, war auch mein Platz zwei. Ganz, ganz, ganz großartig.
Florian Bayer: Da muss ich jetzt meinen Platz 2 nennen.
Johannes Franke: Nee, Platz 1 müsstest du dann nicht nennen.
Florian Bayer: Nee, das war mein Platz 3.
Johannes Franke: Das war mein Platz 3?
Florian Bayer: Ja, IT war meine 4 und Du hattest drei genannt. Ich glaube, wir sind jetzt zueinander gekommen, weil mein Platz drei, dein Platz zwei war. Verdammt. Willst du noch was zu Paddington sagen?
Johannes Franke: Ein ganz toller Bär mit ganz viel Liebe gemacht und ganz tolle Figuren und ganz viele... Schöne Ideen drin.
Florian Bayer: So eine tolle Mischung aus Abenteuerfilmen, Komödie, Actionfilmen. Es ist so viel drin.
Johannes Franke: Und es funktioniert alles so gut. Der Bär ist so gut eingebaut. So gut eingebaut. Ich war wahnsinnig beeindruckend, vor allem, weil ich ja nichts erwartet habe, als ich den gesehen habe. Ich habe damals wirklich nicht erwartet, dass das so... so viel Liebe drin steckt.
Florian Bayer: Mir wurde er als Kinderfilm empfohlen und ich habe ihn zum ersten Mal gesehen dieses Jahr an Silvester, glaube ich tatsächlich.
Johannes Franke: Das ist spät.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, hab ich.
Florian Bayer: Und ich wusste nicht, was auf mich zukommt und Das war so toll, weil ich habe ihn mit meinem Kind gesehen und diese Begeisterung In seinem Gesicht habe ich nur selten bei einem Film gesehen. Es gibt so eine Top-Liste Filme, die Mein Kind komplett strahlen lassen. Und der ist drin. Ich habe ein Video davon. Ich kann mal ganz kurz gucken, ob man das, wenn ich das vor das Mikro halte...
Johannes Franke: Oh Gott, Flor.
Florian Bayer: Das ist so toll.
Johannes Franke: Ach, das ist süß.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob wir das jetzt in voller Länge drin lassen oder ob wir es zusammengeschnitten haben.
Florian Bayer: Dieses Ja ist, glaube ich, das ist vor allem der schöne Moment. In der finalen Szene, wenn Paddington es gerade so noch schafft ... von ihnen aus dem Schacht gerettet zu werden, während der Abstützen einer Hand greift nach ihm. In diesem Moment ruft Bila ganz laut, ja! wirklich ganz angespannt dasteht.
Johannes Franke: Ja. Es ist wirklich ein toller Film.
Florian Bayer: Paddington, meine Nummer 3, deine Nummer 2. Meine Nummer 2 ist auch ein Film, bei dem Bela viel strahlt. Ich hoffe, es ist nicht deine Nummer 1.
Johannes Franke: Was denn?
Florian Bayer: Alles steht Kopf. Es tut mir so leid. Das ist deine Eins.
Johannes Franke: Ich habe noch genug andere Sachen. Aber es ist meine Nummer Eins.
Florian Bayer: Ja, es ist auch ein unglaublich schöner Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der mich zum Weinen bringt.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich. Und das ist eine unglaubliche Leistung. Also ich weiß nicht, ob wir das schon mal ordentlich hier gesagt haben. Ich glaube, wir haben ja über den Film ja schon mal gesprochen. Aber ich finde, es ist eine unglaubliche Leistung. über Vorgänge im Kopf eines Kindes. So dezidiert, so korrekt und so unterhaltsam gleichzeitig eine Geschichte zu erzählen. Ich hätte es nicht für Möglichkeiten. Wenn du mir das gepitcht hättest als Produzent, Ich wäre wahrscheinlich der Idiot gewesen, der gesagt hätte, die gibt's kein Geld für, das kriegst du nicht hin.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Also wirklich Wahnsinn.
Florian Bayer: Und er schafft es. Er schafft es vor allem, zwei Geschichten parallel zu erzählen. Das, was in ihrem Inneren stattfindet und das, was bei ihr in ihrem Äußeren stattfindet. Und man fiebert bei beiden Geschichten mit. Man fiebert sowohl mit ihr mit, als auch mit ihren Emotionen, auch unabhängig voneinander. Mhm. Und dann wirken die natürlich auch noch zusammen und dann gibt es diesen fantastischen Schlussmoment, wenn... Glück erkennt, dass Trauer total wichtig ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil Glück hat die ganze Zeit Trauer irgendwie niedergemacht, weil Glück wollte halt keine Trauer. Und dann erkennt sie, dass Trauer aber total wichtig ist und dann versöhnen sie sich quasi in diesem Moment, wo dann eine Erinnerung geschaffen wird, die wohl... ich muss schon wieder heulen, die sowohl glücklich als auch traurig ist, die beide Färbungen hat, so grün-blau und in diesem Moment wird dann halt parallel geschnitten, wie sie bei ihren Eltern weint und sie sie in den Armen nehmen. Das ist einfach total toll. Wunderschöne Szene, wunderschöner Film.
Johannes Franke: Ja. Oh Mann. Also wenn ihr diesen Film noch nicht gesehen habt, unbedingt. Also wenn es eine Empfehlung in 22 Folgen Podcast gibt, dann alles steht Kopf.
Florian Bayer: Wahrscheinlich der beste Pixar-Film.
Johannes Franke: Wahrscheinlich, ja. Neben Soul. Ich fand Soul jetzt wirklich auch sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Es gibt so viele gute Pixar-Filme. Okay, mein Platz 1. Und dann darfst du noch, oder willst du vorher noch mal, weil ich hab dir jetzt gerade die ganzen Plätze weggenommen, indem ich immer zu früh gekommen bin. Ja, das ist Plot, das ist typisch für dich.
Johannes Franke: Freude zunichte gemacht.
Florian Bayer: Pre-Major Top-Listing. Das ist ein ernsthaftes Problem.
Johannes Franke: Fünf von sechs Männern haben dieses Problem, Flor. Du bist nicht der Einzige.
Florian Bayer: Hast du noch eine Honorable Mention, die du drauf handelst?
Johannes Franke: Ich hab noch, auf jeden Fall darf nicht Mary Poppins fehlen.
Florian Bayer: Ah.
Johannes Franke: Weil Mary Poppins auch mit dieser Kindheit und wie Kindheit funktioniert so ein bisschen spielt. Aber eben eher aus der anderen Perspektive, eher über Mary Poppins, aber über die... Also ist noch nicht so psychologisch, wie White Things Are oder sowas. Das ist halt... Ganz andere Angehensweise, aber toll. Wirklich sehr schön. Toller Film.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Wir haben ja über die Fortsetzung gesprochen, lange. die leider nicht so geil wurde. Aber das Original war immer sehenswert.
Florian Bayer: Klassiker.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Meine Nummer 1. Momo aus dem Jahr 1986. Wie gut. Michael Ende-Verfilmung.
Johannes Franke: Voll vergessen. Oh, ist die so gut. Das ist so toll.
Florian Bayer: Der schafft es nämlich auch zu zeigen, was Kindern wichtig ist, was Kindern was bedeutet. Es geht darum, dass die Kinder ... Vor allem ein Kind, eben ein besonderes Kind, diese Momo, gegen die Zeit, die bekämpft, die den Erwachsenen die Zeit klauen, indem sie ihnen sagen, ihr habt keine Zeit für andere Sachen, ihr könnt hier eure Zeit sparen. keiner hat plötzlich mehr Zeit zu spielen und Spaß zu haben und die Kinder sind die einzigen, die das durchschauen und sie kämpfen dann dagegen und Momo... lernt den Meister der Zeit kennen und kämpft mit diesem zusammen gegen die Zeitdiebe und ganz tolles Märchen und In Romanform toll, aber auch eine fantastische Verfilmung, die auch sehr nah an dem Buch ist. Und im Gegensatz zur unendlichen Geschichte, die sehr weit von der Vorlage wegweicht, abweicht ... mit der auch Michael Ender alles andere als zufrieden war. Mit Momo war er zufrieden. Er war beteiligt und hat sogar mitgespielt. Als der Erzähler ganz am Anfang, der die Geschichte erzählt. Und es ist einfach ein wunderschöner Film, irgendwie so zwischen ... Zwischen Italien und Deutschland, so vom Gefühl her. Weil er spielt in Italien. Und er ist einfach fantastisch. Und es gibt so viele Momente, die zeigen, warum Kinder ... Manchmal auch einfach wissen, worauf es im Leben ankommt. Und ich bin nicht der Kinder-an-die-Macht-Typ, weil Kinder sind, wie wir bei, wo die wilden Kerle wohnen, erfahren, verdammt egoistisch, verdammt wütend, verdammt unberechenbar. Und dumm. Aber manchmal haben Kinder auch einfach recht und manchmal sollte man einfach ein bisschen mehr Kind sein.
Johannes Franke: Ja, definitiv. Neulich irgendwo wieder gelesen, dass rein psychologisch Männer erst mit 40 erwachsen werden.
Florian Bayer: Dann haben wir noch ein paar Jahre.
Johannes Franke: Also, nicht viel, aber ein bisschen.
Florian Bayer: Zwei, nicht mehr ganz zwei.
Johannes Franke: Plor, nutzen wir das. Wo ist das Bällebad?
Florian Bayer: Der geneigte Hörer, die geneigte Zuhörerin kann sich jetzt ungefähr denken, in welchem Alter wir sind. Aber ich glaube, wir haben auch schon mal unsere Geburtsjahrgänge genannt.
Johannes Franke: Ja, wir haben das schon mal.
Florian Bayer: Können leider kein Mysterium mehr drumherum machen. Ja, Kinder an die Macht manchmal vielleicht auch nicht, weil Kinder tragen eben viel Wut, viel Schmerz. viel Angst in sich.
Johannes Franke: Moment, eine Honorable Mention noch? A Series of Unfortunate Events.
Florian Bayer: Den mit Jim Carrey?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Okay, weil die Serie habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Ah ja, okay. Die Serie ist ein Versuch, an den Film irgendwie ebenbürtig zu werden. Man hat große Schwierigkeiten reinzukommen eine ganze Weile, aber dann, wenn man einmal drin ist in der Serie, dann ist die auch cool.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Aber die Vorlage ist einfach großartig.
Florian Bayer: Nie gelesen?
Johannes Franke: Gehört, ich hab's hier nur gehört. Ah, okay, aber das zählt. Spiel, Buch, Buch, Spiel. Und ganz großartig gelesen, Rätselhafte Ereignisse, glaube ich, heißt es im Deutschen... Und die Verfilmung Jim Carrey ist einfach großartig.
Florian Bayer: Jim Carrey ist cool. Aber der Film war irgendwie so, dass er so ... Er ist nicht abgeschlossen, oder? Weil ...
Johannes Franke: Doch, der Film an sich ist abgeschlossen. Das ist ein Film für sich, in sich.
Florian Bayer: Okay. Ich habe nicht mehr so viele Erinnerungen dran, aber ich weiß, dass ich ihn unterhaltsam fand. Und ich weiß auch, dass er ziemlich düster war für einen Kinderfilm und ziemlich fiese Sachen passieren. Was der Erzähler ja auch schon am Anfang klar macht, wenn er sagt, dieser Film ist nicht über ein nettes Einhorn oder über eine nette Fähne. Sondern in diesem Film passieren echt schlimme Dinge.
Johannes Franke: Und er sagt, noch kannst du in Kino 3 gehen, wo die Geschichte über den kleinen Elfen erzählt wird. Genau. fröhlich in der Gegend rumläuft. Aber hier...
Florian Bayer: Vielleicht eine Warnung, die bei Why the Wild Things are auch angebracht gewesen wäre.
Johannes Franke: Ja, und zwar in Ernst gemeint. Ich weiß nicht, wer jetzt darauf reingefallen ist und als Kind das gesehen hat und jetzt verstört da rausgegangen ist, aber ich glaube ja eher nicht, weil... weiß ich nicht, dafür ist sozusagen in der Besprechung schon genug passiert, dass man nicht glaubt, dass man einen Sechsjährigen da reinschießt oder wirft, ohne dass man es selbst gesehen hat vorher.
Florian Bayer: Das Studio hatte offensichtlich ziemlich Angst davor, dass genau das passiert. Und wie gesagt, Warner Bros. hat ... sehr viel mit Spike Jonze gekämpft, dass der Film anders aussieht. Und Spike Jonze musste auch ein bisschen umschreiben. Und vielleicht wäre der Film ... Es kann durchaus sein, dass der Film noch ein bisschen düsterer hätte werden können. Maurice Sendak, Autor des Original, was übrigens auch ein sehr nettes Kinderbuch ist, gehört nicht zu meinen liebsten Kinderbüchern. Ich bin auch nicht wirklich damit groß geworden, aber es ist schön, allein von den Bildern, der wurde gefragt, wie er ... wie er den Film fände und vor allem, was er dazu sagen würde, dass manche Eltern ... sich beschweren würden, dass der Film zu disturbing sein könnte für Kinder. Und er hat dazu gesagt ... Go to hell. That's a question I will not tolerate. I saw the most horrendous movie that were unfit for child's eyes. So what? I managed to survive. Also offensichtlich auf seine Kindheit bezogen.
Johannes Franke: Ja, er hat selber Sachen schon gesehen, die einfach nicht geeignet gewesen wären und hat überlebt. Aber das ist ein ganz schlechtes Argument, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Ist ein Scheißargument, stimmt. Aber, um seinen Punkt nochmal stark zu machen, ich glaube, gerade was Medienkonsum betrifft, werden Kinder notorisch unterschätzt. Was Filme betrifft, was Bücher betrifft, was schwere Themen betrifft. Kinder haben ein Recht darauf. Und Kinder machen sich sowieso Gedanken über die Themen. Und wenn du mitkriegst, worüber Kinder reden, wenn Erwachsene nicht dabei sind, auch schon in jungen Jahren, auch schon im Alter von vier, fünf, sechs Jahren, worüber sie reden, was sie spielen, dann ist das deutlich krasser als das, was... es an Themen gibt, was ihnen Eltern vorenthalten wollen. Kinder machen sich Gedanken über den Tod, Kinder machen sich Gedanken über Angst, über Wut und so weiter. Ich glaube, es ist auch nicht gut, wenn man dann sagt, wir klammern das komplett aus, weil Kinder sollen sich damit auseinandersetzen und... Medien, egal ob Bücher oder Filme oder Hörspiele, helfen dabei, sich damit auseinanderzusetzen, weil sie Perspektiven eröffnen darauf.
Johannes Franke: Ja. Ja. hat dieser Film das nur wirklich sehr stark drin. Für mich, für ein Kind... Zum Davor setzen hat er die Balance nicht.
Florian Bayer: Zu wenig Fröhlichkeit?
Johannes Franke: Ja. Also ich finde, dass es in Ordnung und legitim und wichtig ist, dass man Kindern eben auch die Kehrseite zeigt, aber eben nicht nur die Kehrseite. Und ich weiß nicht, wo du vielleicht eine positivere, du hast es zwischen den Zeilen oder wenn es am Ende... sagen, wirst du gut über uns reden? Und er sagt ja. Aber das zählt für mich nicht als... fröhliche Kehrseite. Nee.
Florian Bayer: Es ist kein fröhlicher Film, aber es gibt, also ich als Erwachsener mag auch traurige Filme gucken. Und ich glaube, ein Kind hat auch ein Recht drauf, traurige Filme zu gucken. Ein Kind hat ein Recht drauf. von Filmwerken zu rezipieren, die es traurig machen, die ihm Angst machen.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Wollen wir doch auch teilweise. Wir wollen doch von Filmen nicht nur gekitzelt werden oder gestreichelt.
Johannes Franke: Ist richtig, aber... Dieser Film handelt nun ausgerechnet genau von der Erlebniswelt eines Kindes. Und wenn ich dem Kind sage, deine Erlebniswelt ist nur traurig.
Florian Bayer: Es handelt von der Erlebniswelt von diesem Kind in diesem Moment.
Johannes Franke: Aber es kann auch kein Kind auseinanderhalten.
Florian Bayer: Doch, ich glaube, das schaffen Kinder.
Johannes Franke: Ja, aber das ist der Perspektivwechsel, von dem ich rede. Den brauchst du... Dazu musst du den erstmal erlernt haben.
Florian Bayer: Das Kind bezieht das sowieso nicht auf sich. Das Kind sieht nicht diesen Film und sagt, ach, Genau so sieht es in meinem Inneren aus. Ich wusste gar nicht, dass da so viel Trauer und Wut ist. Ich dachte, da wäre viel mehr Fröhlichkeit.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Übrigens, aber, also, ich meine, das ist das, was ich meine. Das macht nämlich Max auch. Diese Vampirgeschichte, die er seiner Mutter erzählt. Das ist der beste Beweis für meine Theorie. Kinder sind das so viel krasser als wir Erwachsene, als das, was wir ihnen zumuten. Kinder denken sich Geschichten aus, wo Vampiren die Zähne ausfallen und sie dann feststellen, dass sie nie wieder Vampir sein können und Ende. Das ist das, was Kinder auch in ihrer Fantasie erzählen. Und wenn ich überlege, was Bela teilweise an gruseligen Geschichten erzählt. Das ist einfach Teil des Kindseins. Und warum sollten wir ihnen das dann vorenthalten, wenn sie das sowieso in sich tragen? Ja, ist richtig. Dann geben wir ihnen die Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Ich hasse es, wenn unser Erzieher aus dem Kindergarten sagt, ich weiß nicht, ob das schon was ist für Bela, ob ihr das mit ihm vorlesen solltet. Doch, natürlich. Aber es muss auch nicht begleitet werden. Natürlich, es muss ordentlich begleitet werden. Total wichtig. Ich glaube, das ist auch ein Fehler. Die meisten Eltern begleiten das nämlich nicht ordentlich, weil die wirklich dann... so medialen Konsum einfach nur als Zerstreuung sehen, wo sie eine halbe Stunde Ruhe haben und das Kind macht das. Ich bin dafür, dass... Wenn du Kindern beibringen willst, wie man Kunst und Kultur wahrnimmt und wie man da was rausziehen kann, Dann gibt es zwei Sachen, die man machen muss. Zum einen ihnen nicht belanglosen Shit zeigen. Und der läuft ständig im Kinderfernsehen. Oder zumindest nicht nur belanglosen Shit. Belangloser Shit ist manchmal auch ganz gut. Und zum Zweiten das auch begleiten. Dann kann man auch sowas zeigen. Aber natürlich, dass Kinder müssen lernen, dass Kunst mehr ist als nur berieseln lassen. Kunst ist Auseinandersetzung mit sich, mit der Welt. Weil ich meine, sonst könnten wir den ganzen Tag irgendwelche, was du halt so gerne magst, Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen gucken.
Johannes Franke: Was hast du nur mit Rosamunde-Pilcher und mir? Ich habe nie einen einzigen Rosamunde-Pilcher-Film gesehen.
Florian Bayer: Ich kann, dass du das jederzeit dazu stehst. Das ist total okay.
Johannes Franke: Denunzrationen. Voll gemein. Du James-Bond-Fan, du.
Florian Bayer: Ich glaube, ich schlage mal für eine der nächsten Episoden den berühmtesten Rosamunder-Filcher-Film vor. Weil wir die ganze Zeit Rosamonte-Pilcher so als abschreckendes Beispiel nehmen. Und wir kennen das gar nicht, ne Leute? Also falls jetzt ein erboster Rosamonte-Pilcher-Fan hier zuhört. Tut mir leid, das ist einfach nur ein Platzhalter. Ich kenne nichts von ihr. Vielleicht ist sie eine ganz großartige Autorin. Ich glaube, das müssen wir demnächst mal machen. Wir gucken Rosamunde Pilcher.
Johannes Franke: das gemacht.
Florian Bayer: Dann werfen wir uns gleichzeitig ins kalte Wasser und schauen mal, was dabei rumkommt.
Johannes Franke: Okay, ich glaube, das sollten wir wirklich machen.
Florian Bayer: Ja, ich auch.
Johannes Franke: Okay, aber da sind wir an einem Punkt, den ich ganz toll finde, dass das Kind wirklich von Anfang an als sehr fantasievoll erzählt wird. Die Mutter fragt extra, erzähl mir mal wieder eine Geschichte und schreib das auf. Weil das offensichtlich eine feste Größe ist zwischen den beiden. Das ist toll. Und dass das Kind dann auch zwischen den Monstern steht und eine Geschichte erfindet, warum er jetzt... der Gruseligste und der Machtvollste von allen ist und der König sein sollte. Ja, das ist wirklich toll und das Kind zieht da Sachen aus dem Ärmel, wo man davor sitzt und sagt, oh yeah, geil, clever, nicht schlecht. Und das ist, glaube ich, auch einigermaßen realistisch, wenn man, also nicht für jedes Kind, aber zumindest doch das eine oder andere wirklich sehr clevere.
Florian Bayer: Glaube ich auch. Er hat ja ein Sadness-Shield. Ja. Was die Sadness draußen hält.
Johannes Franke: Ja. Aber das tut es ja nicht. Der Film ist so traurig.
Florian Bayer: Ja, der Film ist wirklich traurig. Der Film hat sehr viele traurige Momente und dafür liebe ich ihn. Es ist Ja, also ich glaub, wir kommen schon so zum Endfazit, ne?
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja. Hast du was, was sag du erstmal?
Florian Bayer: Ich kann nur nochmal sagen, es ist der Film über Kindheit, der mich am meisten bewegt hat und mich am meisten... wirklich emotional bewegt hat. Und ich hab immer Tränen in den Augen. Es ist ein ganz tolles Erlebnis dieser Film und ich weiß, er hat viel Traurigkeit, er hat viel Wut. Und er hat viel Angst in sich und dafür schätze ich ihn, weil er diese Gefühle so ernst nimmt und das machen ... Kinderfilm und Kindergeschichte haben oft einen easy exit und das hat dieser Film nicht. Und das finde ich mutig und wichtig. Und er ist ein Unikat dadurch.
Johannes Franke: Ja. Ich kann ihm gar nicht so viel noch hinzufügen. Ich kann nur sagen, dass du mir... kleines bisschen zu eingleisig gefahren ist auf dieser Sadness- und Wutschiene. Und zu düster, ohne Licht kein Schatten. Also für mich war zu viel Schatten und zu wenig Licht. Ähm, ähm. Und mich hat er ein bisschen erschlagen damit, sodass ich auch gar nicht wirklich dazu kam, echte Tränen in den Augen zu haben, was ich gerne gehabt hätte, um das Kathartische zu haben am Ende. Weil er mich einfach einmal platt gewalzt hat. Aber trotzdem wirklich ein guter Film. Also auf jeden Fall empfehlenswert, guckenswert. Plus vielleicht nicht für einen Fünfjährigen.
Florian Bayer: Danke Johannes, dass du ihn gesehen hast. Danke, dass du ihn durchgestanden hast.
Johannes Franke: Danke, dass du ihn vorgeschlagen hast. Das hat wirklich genau das gemacht, was wir hier wollen. Mein Horizont erweitert.
Florian Bayer: Wir gehen kurz in die Pause und danach wird es ein bisschen beschwingter und ein bisschen leichter. Wir kümmern uns nämlich um einen Slapstick-Klassiker aus dem Jahr 1926. Von Buster Keaton. Nach der Pause The General.
Johannes Franke: Sehr schön. Bis gleich. Bis gleich. Guck den Film. Gucken. Vorher gucken. Nein, nicht Pause machen, gucken. Gut. So, wir sind wieder da, weil du mal Pipi gemacht hast. Ich möchte am Anfang kurz nochmal Danke sagen. Mir ist das jetzt nochmal aufgefallen. Ich wusste, nachdem ich den Film gesehen habe, den wir gerade besprochen haben, nicht, wie ich den Film finde. Jetzt weiß ich, wie ich den Film finde. durch die Gespräche mit dir kriege ich dann nochmal überhaupt einen ganz anderen... ich kann das nochmal anders reflektieren und das nochmal überlegen und deswegen finde ich, Film ist so ein wahnsinnig, so ein Medium Wo es so wahnsinnig wichtig ist, dass mindestens zwei Leute nebeneinander sitzen und sich den anschauen.
Florian Bayer: Das hast du schön gesagt. Und da stimme ich dir vollkommen zu. Filme gewinnen enorm, wenn man sich darüber unterhalten kann.
Johannes Franke: Und das...
Florian Bayer: Mag ich auch total am klassischen Kinoerlebnis, dass man mit Freundinnen und Freunden im Kino ist. und zusammen guckt und am besten Fall danach noch zusammen zum Bier sitzt oder was auch immer und sich über den Film austauscht und unterhält und streitet.
Johannes Franke: Ich weiß nicht mehr genau, wer das war, aber irgendjemand sagte, Theater passiert genau dann, wenn einer durch den Raum geht und ein anderer guckt zu. Und ein Freund von mir hat es erweitert und meinte, eigentlich wird es erst dann Theater, wenn neben dem, der zuschaut, noch jemand sitzt. mit dem man sich dann darüber unterhalten kann, was man da gerade gesehen hat. Und das Theater erst dann entsteht. Durch den Austausch über die Rezeption. Und das finde ich einen sehr spannenden Gedanken.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das ist das, was ich so toll finde an dem, was wir hier tun.
Florian Bayer: Kulturkritik hat ja oft einen schlechten Ruf und den Kritikern wird ja manchmal vorgeworfen, dass sie selbst keine Werke machen und deswegen über andere Werke... sich unterhalten müssen oder über andere Werke lästern müssen. Ich finde, das ist unglaublich wichtig. Tatsächlich lese ich auch gerne Rezensionen zu Filmen, die ich schon gesehen habe, auch wenn sie meiner Meinung widersprechen. Ich finde, das ist einfach auch eine... nicht einfach nur eine Ergänzung, sondern auch wirklich ein wichtiger Teil der menschlichen Kultur, sich über sie auszutauschen.
Johannes Franke: Ja, genau. Ja, auch erst in der Rezeption entstehen ja auch neue Dinge. Also, um mal mit Kleist zu reden. Ja. Ja, selbst wenn dein Gegenüber von dem, was du sagst, keine Ahnung hast, Hauptsache du wirfst das mal rein und nur durch den Prozess des Aussprechens kann überhaupt irgendwas passieren. Jetzt noch einen philosophischen Diskurs einmal.
Florian Bayer: Stürzen wir uns ins Abenteuer und ins 19. Jahrhundert, beziehungsweise Anfang 20. Jahrhundert.
Johannes Franke: Ja. Anfang 20., ja, ganz am Anfang sind wir schon gar nicht mehr. Wir sind, ja ... 1926. The General von Buster Keaton. Bevor wir es loslegen, wie viel kennst du von Buster Keaton? Vor diesem Film hast du jemals einen langen Buster... Buster Keaton-Film gesehen?
Florian Bayer: Ich habe keinen Buster Keaton-Langfilm gesehen. Ich kenne Buster Keaton von Bildern und von einzelnen Szenen, wenn... Keine Ahnung, wenn ich auf YouTube ein Film-Essay gucke, wo über Filmgeschichte geredet wird oder über Slapstick. Ja. Und dann Szenen von Basta Keaton gezeigt werden. Und natürlich ist die berühmteste, wir haben das schon 2-3 Mal erwähnt, das, wo das Haus auf ihn fällt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er das übersteht, weil er genau richtig im Rahmen steht und nicht erschlagen wird. Und ansonsten ... Ja, tatsächlich kenne ich mich mit Buster Keaton nicht gut aus. Ich kenne mich mit Slapstick im Allgemeinen nicht gut aus, weil es nie so groß mein Genre war, was Filme betrifft.
Johannes Franke: Schade, schade. Hast du einiges verpasst, wie du vielleicht jetzt bemerkt hast.
Florian Bayer: Was voll gut ist. Dafür machen wir das ja auch.
Johannes Franke: Um dir endlich mal nahe zu bringen, Slapstick-Humor ist nicht nur seelenloser Blödsinn, sondern hochintellektuell. Okay, okay, okay.
Florian Bayer: Dann gibst du uns eine kleine Einführung und dann diskutieren wir darüber, wie intellektuell Buster Keatons Humor ist. Okay.
Johannes Franke: 1926 war Buster Keaton schon ein gefeierter Star. Mit allen Freiheiten ... ... ... ... ... ... und seines Einflusses geriet auch er wie so viele seiner Zunft in einen Größenwahn, für den die damaligen Produzenten des finanziellen Flops dann sehr wenig dankbar waren. Weniger dankbar jedenfalls als wir, die wir mit Abstand sagen können, dieser Film ist Buster Keatons absolutes Meisterwerk. Buster Keaton ist bis dato vor allem für leichte Slapstick-Comedy bekannt und nimmt sich hier einen Stoff. Zum ersten Mal, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Eine Eisenbahnjagd im amerikanischen Bürgerkrieg. Buster Keaton spielt einen Lokführer, dem die Lok geklaut wird, vom feindlichen Lager. der er ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben oder irgendwelche anderen Verluste hinterherfährt. Mit einer anderen Lok. Natürlich will er eine Frau beeindrucken und natürlich geht es sehr viel schief. Das National Film Registry nahm den Film in die Liste der erstklassigen Filme, die für die Nachwelt gesichert werden müssen, auf. Dort wird er als kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsam beschrieben. Ist diese Agglomeration von Worten für dich bestätigenswert? Kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsam.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, ich könnte bei allem ein Ja erstmal hinsetzen. Sehr schön. Ich kenne keine anderen Vasta-Kieten-Filme.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich war tatsächlich überrascht davon, dass der Film keine Aneinanderreihung von Slapstick-Humor ist. Weil ich eigentlich eher sowas erwartet habe. Wir haben ja ... Laurel & Hardy geguckt, vor einiger Zeit auf deinen Vorschlag hin und das war genau das, eine Aneinanderreihung von Slapstick ohne große Handlung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber The General ist einfach mal natürlich auch Komödie. Aber vor allem auch einfach ein Action-Abenteuerfilm.
Johannes Franke: Ein epischer Abenteuerfilm. Ja, episch ist das vielleicht ein bisschen schwierig. Aber für das, was es damals war und was sie für Mittel und Möglichkeiten hatten, ist es, finde ich, ein epischer Film.
Florian Bayer: Er wirkt nie episodisch, was... mich wirklich überrascht hat. Ich hab einen Film erwartet, der eine Aneinanderreihung ist, der episodisch wirkt, weil ... auch bei Chaplin kann das auch, Chaplin kann auch abendfüllende Filme erzählen, aber selbst bei Chaplin hat man oft das Gefühl so, ah, diese Slapstick-Szene musste jetzt noch hier drin sein. Da hast du irgendwas genommen, was du kanntest, was du konntest und hast die jetzt noch da reingebaut. Die hat nichts mit der Geschichte zu tun. In The General gibt es keinen einzigen Slapstick-Moment, der reingedrückt wird, sondern jeder Anflug von Physical Comedy steht ganz klar in der Geschichte und ist Teil der Geschichte. sorgt im besten Fall sogar für Spannung und für Tension. Und das ist alles im Fluss. Der Film ist permanent in Bewegung. Es ist total anmaßend, einem Film, einem Klassiker von 1926 zu sagen, wie er besser sein könnte, aber wenn sie es geschafft hätten, die wenigen Texttafeln, die sie haben, auch noch loszuwerden und komplett gar keinen Text hinzu haben, dann wäre er perfekt.
Johannes Franke: Oh ja, da hast du vollkommen recht. Und
Florian Bayer: Es hätte, glaube ich, sogar funktionieren können, weil es gibt ja wirklich wenig Story. Die Story ist ganz klar und wirklich... Es ist einfach nicht viel Geschichte, es ist einfach mal hauptsächlich eine Jagd nach einer Lok und eine Flucht mit einer Lok. Du hast gesagt, natürlich will er eine Frau beeindrucken. Die Frau ist ihm eigentlich ziemlich egal. Er will seine geliebte Lok retten. Durch Zufall sitzt dann auch noch seine geliebte Frau da drin, aber der Film macht ja schon in der ersten Einstellung klar, dass die Lok eigentlich die große Liebe ist. Und die muss er vor den Feinden retten. Und dafür nimmt er sehr viel in Kauf. Und was wir dann erleben, ist halt einfach mal ... pures Action-Abenteuer. Ein Mann fährt den Dieben hinterher, ein Mann ist kurz im feindlichen Lager, ein Mann flieht vor den Dieben. Und tatsächlich auch ... Relativ streng von seiner Erzählweise, weil er wirklich ... Die Vorgeschichte nimmt 15 Minuten ein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dann nimmt die erste Verfolgungsjagd 15 Minuten ein. Dann haben wir 15 Minuten hinter feindlichen Linien. Und dann haben wir nochmal 15 Minuten Verfolgungsjagd, großes Finale und der Film ist vorbei. Also es gibt eine sehr klare Struktur, die den Film... Portionen packt, aber wie gesagt, die Portionen sind nicht wahrnehmbar, weil sich spätestens nach dem Intro, nachdem wir unseren Protagonisten kennengelernt haben, alles in permanenter Bewegung findet. Es hat wirklich Spaß gemacht.
Johannes Franke: Ja, schön. Ach, das freut mich. Es ist ja so, dass dieser Film wirklich eine Ausnahme darstellt und der Film war leider auch ein Flop.
Florian Bayer: Ein großer Flop, ne?
Johannes Franke: Ein ruinöser Flop. Ja, viel Geld gekostet und wenig eingespielt und er wurde damals ganz schlecht besprochen und erst... Naja, so richtig in den 70ern ist er wieder raus... also in die große Rezeption wieder reingekommen, die heute sagt, er ist das absolute Meisterwerk von Buster Keaton.
Florian Bayer: Keaton seine Unabhängigkeit gekostet? Keaton konnte danach nicht mehr selbst Filme produzieren, sondern musste dann erstmal wieder Tagesgeld verdienen als Schauspieler und musste in dem Scheiß mitspielen, der ihm halt vorgesetzt wurde.
Johannes Franke: Ja, es war wirklich ein bisschen traurig. Und er hat dann danach noch einen Film gemacht, Der, noch nicht mit MGM, aber er ist dann in die Fesseln von MGM gegangen und konnte dann nicht mehr selbst entscheiden, was er denn noch eigentlich...
Florian Bayer: Was für eine traurige Geschichte für einen solchen Film.
Johannes Franke: Und es hat ihn lange beschäftigt und es hat ihn eigentlich so weit ruiniert, dass er... auch lange Pause hatte. Und dann später, wo er dann älter war und auch die Tonfilmsachen und so weiter waren ... Dann ist er irgendwie wieder aufgetaucht und sie haben ihn von einer Sache in die nächste weitergereicht, weil sie ihn... So typisch amerikanisch, so quasi der Veteran der Stummfilmzeit. Und dann wurde er nochmal hochgefeiert und hat nochmal ganz viel... Aufmerksamkeit bekommen. Aber die Zeit, der Stummfilmzeit, die war einfach vorbei.
Florian Bayer: Und das ist krass, dieser Kontrast. Eine der teuersten Komödien der Stummfilme-Ära?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann dieser Misserfolg, nicht nur was Publikum betrifft, was Einspielergebnis betrifft, sondern auch die Kritik, ist offensichtlich damals ganz schön hart mit ihm ins Gericht gegangen.
Johannes Franke: nicht zufrieden damit. Überhaupt nicht.
Florian Bayer: Wahrscheinlich haben die alle eine Slapstick-Komödie erwartet.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, klar. Was du auch erwartet hast.
Florian Bayer: Was ich auch erwartet habe und ich war sehr dankbar, dass es keine war. Mit so einer episodischen Slapstick-Komödie, da hätte die Physical Comedy noch so gut sein können. Dann hätte ich am gewissen Punkt gedacht, okay, ja ... Das ist halt eine Nummern-Revue. Man kann verstehen, dass man das lustig findet, aber muss auch nicht sein.
Johannes Franke: Also, wenn ich mich richtig erinnere, war er vorher auch nicht wirklich dafür bekannt, so Nummernrevues zu machen. Also, Überhaupt nicht wie Oliver Hardy und Stan Laurel, die wirklich... So wort will nur man aneinander gereiht haben und eine Story drumrum gefadenscheinig drumrum gebaut haben. Bei ihm war es schon immer so, dass er sich interessiert hat, wie komme ich von A nach B. Der Gag muss immer in der Geschichte stehen. Also so 100% kann ich es nicht bestätigen, weil ich nicht genau weiß, ab wann er tatsächlich... so viel Verantwortung selbst übernehmen durfte, dass er das alles umsetzen konnte, was er wollte, aber soweit ich das von ihm kenne... stehen seine Gags immer irgendwie mehr in der Geschichte als bei anderen.
Florian Bayer: Man sieht diesem Film halt auf jeden Fall die Ambitionen an.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also was ich gelesen habe, sie haben drei, teilweise vier Kameras benutzt. Ja. Eine Kamera nur für die ist negativ für Deutschland und für Europa.
Johannes Franke: Und die sind davon, glaube ich, kaputt gegangen sogar.
Florian Bayer: Und man sieht diesem Film an, dass er Großes will, einfach weil er dieses ... Weil er wirklich krasse Sachen macht, wie ein Mensch mit Maschine kämpft. Wenn Keaton so auf dem Zug vorne drauf liegt, auf der Lokomotive. Wahnsinn.
Johannes Franke: Es gibt drei große Szenen, in denen er wirklich mit auch nur der kleinsten Ungenauigkeit hätte sterben können.
Florian Bayer: Und die eine ist so ganz unspektakulär. Es gab diese Szene, wo er da sitzt und das sich in Bewegung setzt und wäre das zu schnell gegangen, wäre runtergefallen.
Johannes Franke: Genau, genau. Und es gibt diese, ich weiß nicht, ob du ob das ist die, worauf du jetzt hinaus willst. Die Log- Die er verfolgt. Er kriegt natürlich mit, dass er verfolgt wird. Und die Leute, die auf dieser Lok sind, werfen dann Holz auf die Schienen, um ihn aufzuhalten. Das eine Holz wird von einem Waggon entschärft, die vor ihm fährt, in dem Moment, wo er nicht hinguckt. Er entgleist dieser Waggon und nimmt das Holz mit sich. Das heißt, er bekommt gar nicht mit, in welcher Gefahr er ist. Dann haben sie wieder Holz draufgeworfen. Dieses Holz entdeckt er dann wiederum, rennt der eigenen Lok voraus Holt dieses Holzscheit aus diesem, also Holzscheit ist gemeingesagt, ist ein riesiges, schweres Holzding, aus den Schienen raus. Dann kommt aber die Lok von hinten und er setzt sich vorne auf die Lok rauf, um dann mit diesem Holz... das nächste kommende Holz, was auf dem Ding liegt, einmal zu bewerfen, damit es das eine wegkickt. Und es ist eine unglaublich halsbrecherische Sache und es sieht gar nicht so spektakulär aus, aber man weiß, wenn man es guckt, oh my fucking God.
Florian Bayer: Verdammt gefährlich.
Johannes Franke: Das ist krass und dafür ist Buster Keaton absolut bekannt.
Florian Bayer: Er hat das selbst gemacht alles.
Johannes Franke: Er hat das alles selbst gemacht.
Florian Bayer: Der hat sich in diesem Film wahrscheinlich mehrmals in Lebensgefahr verbracht.
Johannes Franke: Ja, und das nicht nur in diesem Film. Es gibt wahnsinnig viele Filme, wo das mit dem Haus, was du gesagt hattest, am Eingang... Da fällt die Front des Hauses, des Holzgerüstes da einmal um und er steht genau dort, wo das Fenster ist. Und wird deswegen nicht erschlagen. Und sie mussten ihn am Boden fest tackern, damit er nicht auch nur einen Millimeter an der falschen Stelle steht.
Florian Bayer: Und du musst so viel Vertrauen in einen Mathematiker haben, der das vorher berechnet hat, welcher Winkel.
Johannes Franke: Es ist der Hammer, es ist der Wahnsinn. Und Buster Keaton hat das halt von Kindesbeinen an gehabt, um mal einmal auszuholen, wenn es okay ist.
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Buster Keaton ist Kind einer Woodville-Familie. Die Eltern waren schon irgendwie im Showbusiness und die haben das alles... schon ganz früh gemacht, sind rumgefahren mit Harry Houdini übrigens. Und die haben nebenher noch ... Medizin verkauft. Das ist so typische Jahrmarktsquacksalber, weißt du was? Als Side-Business neben der Show, die sie hatten, haben sie noch Zeug verkauft. Ja, das hilft gegen Warten oder weißt du, keine Ahnung.
Florian Bayer: Was für eine glorreiche Zeit. Fahrendes Volk, toll.
Johannes Franke: Und das heißt, der ist da sowieso schon reingeboren und dann haben sie ihn... auf der Bühne von einer Ecke in die andere geworfen, als Kind schon, als kleines Kind. ist er da irgendwie artistisch in der Gegend rumgeworfen worden. Und der ist natürlich auch... die wurden immer wieder verklagt von irgendwelchen Zuschauern, die gesagt haben, das könnt ihr mit dem Kind nicht machen.
Florian Bayer: Ja, genau. Und es ging wirklich so, wird hier Missbrauch betrieben?
Johannes Franke: Und er konnte immer irgendwie beweisen, er hat keine gebrochenen Knochen, es war keine Bruises, es war alles in Ordnung. Und dann sind sie immer wieder irgendwie rausgekommen aus der Sache. Aber es muss von außen wirklich... krass ausgesehen haben.
Florian Bayer: Sie haben teilweise sein Alter falsch angegeben, nachdem sie so viel Ärger hatten. Da haben sie gesagt, naja, das ist ein Kleinwüchsiger, der schon über
Johannes Franke: Und sein Make-up war auch so. Auf manchen Fotos sieht er wirklich sehr, sehr... weird aus, wie so ein Erwachsener, der irgendwie, obwohl es war ein Kind.
Florian Bayer: Sie haben ihn extra erwachsen geschminkt, also sie haben ihn geschminkt wie ein Erwachsener, der wie ein Kind aussehen soll. Genau, genau. Oh, krass.
Johannes Franke: Und der hatte so viel Spaß dabei, in der Gegend rumzufliegen. Am Anfang hat er irgendwie gelacht dabei und dann hat er irgendwann festgestellt, das Publikum hat aber weniger gelacht, wenn er gelacht hat. Und dann hat er sich dieses Stoneface quasi angewöhnt.
Florian Bayer: Das ist die Geburt dieses Kennzeichens, dieser Marke.
Johannes Franke: Quasi. Als er zum Film kam, hat er das aber nicht sofort benutzt, sondern hat schon auch noch rum experimentiert. Es gab... Es gibt ganz viele Filme von ihm, wo er tatsächlich auch lacht und so weiter, wo er nur als Schauspieler in einer Truppe einfach in einem Film ist. Und als er dann angefangen hat, wo es mehr in die Richtung ging, dass er selber entscheiden konnte, was er machen will und wie, hat er halt überlegt, welche Comedy-Figur funktioniert denn am besten für mich. Und dann kam irgendwann das Stoneface auf. Also dieses unbewegliche Deadpan, dieses ich reagiere nicht mit großer Mimik auf das, was passiert, sondern es ist halt irgendwie... Berührt mich das jetzt? Bin ich einfach nur irritiert? Sag deinem Gesicht Bescheid. Was für Emotionen hast du denn da?
Florian Bayer: Und hat der, im Vergleich zu Chaplin, hat der auch so eine konkret ausgestattete Figur wie den Tramp? Oder war das wirklich dieses Stoneface- War so sein Hauptmerkmal, das hat er in verschiedene Figuren reingebracht. Weil Chaplin ist ja, also der Trump ist ja schon irgendwie so eine ... Wiederkehrende Kunstfigur, die auch mehr und mehr Charakter kriegt, je mehr man von ihr sieht.
Johannes Franke: Der Tramp ist immer der arme Schlucker. Aber auch der Trump hat, wenn man genau hinguckt, in jedem Film... nochmal eine andere Konnotation, um den Film zu unterstützen. Und das ist bei Buster Keaton natürlich ein bisschen freier. Der hat vor allem eben dieses Stoneface gehabt, das war sein Markenzeichen. Und die Figuren... Waren aber trotzdem irgendwie immer gleich. Die hatten vielleicht unterschiedliche Berufe oder sowas, aber im Grunde...
Florian Bayer: Seine Figur in diesem Film jetzt hat ja auch tatsächlich nicht viel Charakter, ne? Nein. Wir wissen, er liebt die Lok.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und er liebt seine Frau, also er liebt seine Freundin, die er auch heiraten will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und nur wegen dieser Liebe versucht er sich ja auch als Soldat einberufen zu lassen für den Bürgerkrieg und wird dann abgelehnt, was ganz traurig ist, aber dann ist er halt wieder bei seiner Lok. Seine Nock liebt er dann aber wirklich so sehr, dass er ihr auch hinterher rennt, wenn sie entführt wird von den... Unionssoldaten. Und das ist eigentlich sein Charakter. Also er will was erreichen und aber eigentlich... Eigentlich ist seine Motivation ziemlich simpel und es gibt auch keinen... Das Glück fliegt ihm dann ja am Schluss auch irgendwie zu. Also er hat nicht dafür gekämpft, dann am Schluss doch noch zum General ernannt zu werden. Aber es passiert halt, weil er für seine Locke gekämpft hat.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und damit ist der Charakter ja eigentlich erzählt. Und der Rest ist halt einfach, wie dieser Charakter in diesem Abenteuer unterwegs ist und wie er versucht ... seine Lok zurückzuerobern und das Abenteuer steckt.
Johannes Franke: Und schon noch die Frau rettet, muss man schon noch.
Florian Bayer: Ja, aber das ist eher so ein Zufall.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen. Ein bisschen Zufall. Oh, die ist auch hier. Na, dann nehme ich sie mal mit. Ja, ich finde die Aufhängung natürlich ein kleines bisschen schwach dann und auch schade, dass er am Ende dann doch auch noch wieder in die Armee kommt, weil am Anfang habe ich es so gelesen, als Kritik Armee-Kritik so ein bisschen, alle müssen sich einberufen lassen und sie guckt ihn an, willst du nicht auch? Du musst. Du musst. Ich kann es mir nur an die Nase kommen, wenn du eine Uniform anhast. Aber Ich habe zwar den ganzen Film über das Gefühl, dass es eine Kritik ist, aber am Ende wird er dann halt doch in die Armee gelassen und freut sich. Und dann denke ich, ach scheiße, schade.
Florian Bayer: Naja, zumindest diese Zähne ganz am Ende, wenn er dann mit seiner Freundin da sitzt und sie sich einfach nur küssen wollen, aber er muss die ganze Zeit salutieren, weil die Soldaten vorbeiziehen. Das war schon so ein bisschen, ist so ein kleiner böser Stich, also auch gerade für sie, weil sie dann voll genervt davon ist. Sie hat sich die ganze Zeit einen Soldaten gewünscht und jetzt hat sie ihn. Und er hat gar keine Zeit, sich ihr zu widmen, weil er die ganze Zeit salutieren muss.
Johannes Franke: Und das ist auch so schön gemacht. Jetzt haben wir den Schluss am Anfang, aber egal. Weil am Anfang kommt so einer aus dem Zelt raus, geht an ihm vorbei und der denkt, oh, grüßen Sie. So, und jetzt widme ich mich meiner Freundin. Da kommen so zwei aus dem Zelt. Ah ja, okay, gut, okay, da kommen noch zwei. Dann kommen so drei aus dem Zelt. Nächsten Moment. Alle aus allen Zelten, Hunderte von Leuten.
Florian Bayer: Es gibt immer so eine Eskalation. Das ist ja auch mit dieser Szene, die du schon erwähnt hast, wo dieser Waggon plötzlich vor ihm fährt. Und er ist genervt davon und leitet die dann auf dem Nebengleis. Und ist da mit irgendwelchem Zeug beschäftigt. Und dieser Nebenkleis führt wieder auf das Hauptkleis. Und er kriegt das nicht mit. Und plötzlich ist der Waggon wieder da. Und er kann es sich überhaupt nicht erklären. Und dann ... verhängt der Vakon Feuer und entgleist. Auch das kriegt er nicht mit. Er kann sich das auch nicht erklären.
Johannes Franke: Plötzlich ist er da und plötzlich ist er wieder weg.
Florian Bayer: Genau. Schön, also gerade diese Eskalation Insbesondere was seinen Kampf mit der Technik betrifft. Fand ich immer fantastisch. Mein liebster Gag aus dem Film ist wahrscheinlich diese Kanone. Mit dem Minischuss, die er lädt. Und dann gibt es diese Kanonenkugel und dann macht es... Und die Kugel landet in seiner Lok. Er will eigentlich auf die Feinde stießen. Und die Kugel landet halt wirklich einen Meter, einen halben Meter fliegt sie nach vorne. in seine Lok wieder rein, ohne dass groß was passiert. Das ist einfach so ein großer Moment. Alle erwarten, jetzt gibt es die riesige Explosion, die fliegt weit. Und dann macht die halt einmal plopp und dann liegt sie da wieder auf dem Boden.
Johannes Franke: Super Szene. Und das mussten sie übrigens ... Ich meine, die Technik war anders damals. Die haben wirklich eine Kanone gehabt und die hat wirklich geschossen. Und die mussten genau überlegen, wie viel Körner Schießpulver tu ich da jetzt rein. Das heißt, es ist auch schiefgegangen am Anfang. Und ich finde es auch sehr süß, weil er tatsächlich so einmal, er wirft erstmal einmal rein und dann Wenn er Zeug reingeworfen hat, fällt ihm auf, oh, ich sollte mir vielleicht überlegen, wie viel. Macht er noch so zwei Körner oder sowas hinterher? Und als die Konunde dann halt nur so kurz schießt, wirft er dann halt alles, was er hat, einfach rein. Aber auch in diesem Kanister, was völlig... Was ja eigentlich nicht geht, ne? Er wirft einfach diesen Metallkanister da rein und wie soll der dann das auslösen alles? Aber egal.
Florian Bayer: Ich glaube, nach Realismus darf man da nicht fragen.
Johannes Franke: Nee, aber der Gag ist gut.
Florian Bayer: Der Gag ist super. Ich mochte total den Gag mit den konföderierten Soldaten. Er fährt dann ja ganz am Anfang, fährt er ja tatsächlich ... Dann kommt er bei den konfederierten Soldaten vorbei, als er noch zu Fuß unterwegs ist. Er verfolgt seine Lok ja zuerst mit dem Fahrrad kurz und dann kommt er bei diesen konfederierten Soldaten. vorbei und sagt ihnen, los, los, Leute, los, alle schnell auf den Zug, wir müssen jetzt losfahren, wir müssen den Zug hinterher und springt in die Lok, die da ist, fährt los. Und es ist nichts angehängt und er kriegt das natürlich auch nicht mit, weil er zu sehr halt damit beschäftigt ist, nach vorne zu schauen und zu jagen. Und die Konföderierten laufen alle wütend hinterher nach dem Motto, ey, du hast uns vergessen, was machst du da?
Johannes Franke: Aber das ist schön, weil das ist dann wiederum eine Charakterisierung, die durchaus stattfindet, die aber nicht so auserzählt wird, sondern es ist halt einfach eher... Er hat so Scheuklappen auf, er muss einfach da hinterher. Es gibt nichts anderes mehr. Und auch wenn er das Holz hackt, um das zu befeuern, es gibt nichts anderes mehr. Er fährt da an Haufen Soldaten, an Riesenhundertschaften, an Leuten, an Pferden vorbei. bekommt das alles nicht mit.
Florian Bayer: Das ist auch so toll, inszeniert er wirklich in diesem Führerhaus. Dann immer wieder der Blick nach vorne, hektischer Blick nach vorne, hektischer Blick nach unten. Aber genau, das ist so sein... seinen Horizont, auf dem er sich gerade bewegt. Es gibt das vor ihm, die Schienen und die Lokomotive, die er antreiben muss und das war's.
Johannes Franke: Und das musst du dir mal vorstellen, diese Dreharbeiten mit den Kameras, die es damals gab, riesige, krasse Kameras, Apparaturen, auf einer... Die hatten irgendwie drei Loks, die sie da verwendet haben. Die eine haben sie dann gesprengt, da müssen wir auch gleich nochmal drüber reden. Und dann haben sie diese Schmalbutspurbahn gefunden, da irgendwo im Nirgendwo und dort gedreht. Was das für ein Aufwand gewesen ist. Der absolute Wahnsinn und diese Gefahr, der sich Buster Keaton, aber auch alle anderen, diese Frau zum Beispiel auch. die er da rettet und dann mitholt. Was für eine Gefahr, die sich ausgesetzt haben im fahrenden Zug. Heute wird das alles am Computer gemacht. Du hast bis heute irgendwo in einem grünen Studio, rennst und siehst aus, als ob du in vollen Gefahr wärst. Und dann wird das alles drum herum gebaut und es sieht halsbrecherisch aus. Aber es ist es nicht. Und der hat alles gemacht. Es ist alles original.
Florian Bayer: Und es sieht nicht so als frecherlich aus wie bei Filmen heute. Ja, genau.
Johannes Franke: Also diese Kamerafahrten und so sind ja alle nicht möglich damals gewesen, deswegen ist es einfach nur, die Kamera steht da. wahrscheinlich auch noch auf dem Track, der daneben ist, um wenigstens eine bewegte Kamera zu haben, um mit dem Zug mitfahren zu können. Das war's aber. Er geht nicht. Und es ist einfach alles fucking realistisch gemacht. Ja, Wahnsinn.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich Momente, wo, also es ist natürlich nicht so spektakulär wie Actionfilme heutzutage. Aber es gibt viele Momente, wo man wirklich das Gefühl hat, so Blut, Schweiß und Tränen, die bei der Produktion entstanden sind, zu spüren. Also gerade in diesen Momenten, wo Mensch sehr nah an Maschine und sehr nah in Gefahr ist, insbesondere... Wirklich einfach dieses Bild von Buster Keaton, der vorne auf der Lok drauf ist, während sie fährt. Man spürt den Boden unter ihm, man merkt, das ist irgendwie eine gefährliche Szene und... Uh, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee war. Okay.
Johannes Franke: Aber er schafft es, verdammt noch mal, er schafft das ... Wie kann er nicht 50 Takes brauchen dafür, diesen Holzbalken auf diesen anderen Holzbacken raufzuwerfen, damit der weggeht? Der macht das in einem Take und das war's. Ja, krass. Absolute Wahnsinn. Und es sind ganz viele andere Sachen noch so. Es gibt diesen Wasser... äh, Wasservorratsdinger, diese Wasserspeicher ... hat er übrigens auf dem Rückweg, als sie die Lockdown haben. Und sie ist dabei. Dann holen sie noch mal Wasser. Und es funktioniert ja erst nicht. Und dann ziehen sie den Wasserdingens da aus Versehen raus aus dieser Öffnung und dann macht er das an in der Hoffnung, dass es eben aus diesem Rohr rauskommt, was sie da für die Lok haben. Und es kommt halt aus diesem entstandenen Loch und trifft sie volle Kanne und wirft sie da voll um. äh, lustige Situationsproblems. Die Schauspielerin wusste nichts davon. Ehrliche Reaction. Ehrliche Reaction, wie sie da einfach von dem Wasser erwischt wird und da in den Zug reinfällt.
Florian Bayer: Marion Mack heißt die Schauspielerin übrigens. Gestorben 1989.
Johannes Franke: Und sie haben ihr echt viel zugetraut, muss ich mal sagen. Echt krass, was die alles mitgemacht hat.
Florian Bayer: Wow. Ja.
Johannes Franke: Und dann haben sie eben dieses andere, diese andere Lok, die von den von der Union kommt. Und die sollen ja über diese bestimmte Brücke rüber. Und die muss dann halt ... um das aufzuhalten, gesprengt werden. Die haben das Original, die haben kein Modell benutzt oder sonst irgendwas. Die stellen auf eine fucking Brücke, die sie selbst gebaut haben dafür, Diese Lok und sprengen das Ding.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn bitte? Ja, krass. Das Dorf, wo die es gedreht haben, die haben einen National oder nicht National, aber jedenfalls einen Feiertag draus gemacht. Die haben extra einen Feiertag ausgerufen, damit sie dabei sein können alle. Und war ein Teil der Statisten einfach.
Florian Bayer: Und die Lok wurde da liegen gelassen, ne? Ja, genau. Die wurde dann ganz lange noch besucht. Als Touristenattraktion lag die Lok da unten, wo sie halt abgestürzt war. Ja, genau. Unter der Brücke in diesem kleinen Tal.
Johannes Franke: Krass. Du lässt halt deinen Zetter liegen. Ich hab euch mal Müll mitgebracht.
Florian Bayer: Was sollst du sonst machen? Und dann wurde es abgetragen für den zweiten Weltkrieg. Ja, genau. Stahl für den Krieg brauchten.
Johannes Franke: Da wurde das dann erst alles geplündert.
Florian Bayer: Da...
Johannes Franke: Total krass. Der Shot hat 42.000 Dollar gekostet. Damals 42.000 Dollar.
Florian Bayer: Kannst du Inflation rechnen? Ich kann das nicht für die Zeit rechnen, aber es muss Wahnsinn gewesen sein. Richtig teuer, ne?
Johannes Franke: Richtig teuer. Ein Hut, der Basta-Kieten-Hut hat einen Dollar gekostet.
Florian Bayer: Damals? Ja, 20.000 Buster Kistenhüter.
Johannes Franke: Also richtig, genau. Und der wäre in heutiger Dingens wäre der 30 Dollar.
Florian Bayer: Kann man ja rechnen. 42.000 mal 30. So, 42.000.
Johannes Franke: Aber das kann ja schon gar nicht mehr sein.
Florian Bayer: 1.260.000 hat die Szene gekostet.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Nach heutigen Maßstäben.
Johannes Franke: Das wäre schon krass.
Florian Bayer: Ja, das wäre teuer.
Johannes Franke: Egal.
Florian Bayer: Ja, wir haben genau, Krieg. Für den Krieg mussten sie das abtragen. Krieg, was hältst du denn von der Kriegsthematik? Ah. Wir haben hier ja, also Basta Keaton entscheidet sich in diesem Film, der eine Vorlage hat, wo die Union, die Unionler die Guten sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was auch unserer heutigen historischen Perspektive entspricht, entscheidet er sich dafür, den Konföderierten zum Guten zu machen.
Johannes Franke: Und aber auch... Er hat gesagt, er hat es gemacht, weil er gedacht hat, dass die Sympathie eher dort liegen wird.
Florian Bayer: Weil die sowieso schon die Verlierer sind. Er hat nicht gesagt, dass er glaubt, dass die Sympathie bei denen liegt, weil die Konföderierten die Sklavenhändler waren. Nee.
Johannes Franke: Aber das ist schon eine seltsame Entscheidung.
Florian Bayer: Ja. Ist das problematisch? Also ich meine, ich will jetzt nicht ein großes Fass aufmachen, aber zumindest einmal kurz erwähnen sollten wir es, weil es gibt ja, also wir leben ja in einer Zeit... Und das war damals auch so. Damals war es noch viel krasser. Wir leben in einer Zeit, in der die Rechte manchmal in Amerika diesen... Naja, diese konföderierten Nostalgie sehr erhegt und pflegt. Und in den 20ern des 20. Jahrhunderts war das... deutlich stärker. Ich muss jetzt einmal kurz gucken, wann der Ku Klux Klan auch seine Hochphase hat und ich glaube die 20er War denn auch so eine Phase, wo der nochmal?
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber der Kuckucksklan gibt es den erst seit den 20ern, oder?
Florian Bayer: Nein, nein, den gibt es schon seit Ende des Bürgerkriegs. Also die sind tatsächlich seit 1865 aktiv. Aber die hatten natürlich immer mal wieder so Hochs und Tiefs und wo sie weniger populär waren und wo sie mehr populär waren. Und ja, auf jeden Fall war das auch eine Zeit, in der die aktiv waren und es gab einfach diese Romantik, diese Sehnsucht nach dem... nach dem konföderierten Staat, nach der Unabhängigkeit vor dem Bürgerkrieg. Und mit allem, was dazugehört natürlich. Wir wollen wieder Sklaven halten. Wir wollen die Schwarzen wieder da haben, wo sie hingehören.
Johannes Franke: Boah, fuck, Mann. Kennst du dieses Video? Oh Gott, da gab es so ein ganz krasses Video. Wo sich ein Typ mit so einer blöden konfigurierten Fahne in Amerika, sehr modern, also irgendwie vor zwei Jahren oder sowas, steht ja da auf einer Demo. Und fängt an zu diskutieren mit jemandem, der einfach mit dem Filmteam kommt und fragt, was... Und der dann, dem dann gesagt wird, weißt du, was für Sachen die durchgemacht haben, was, was, was, was. was Sklaven für Scheiße erlebt haben. Und sein Argument, weißt du, wie teuer Sklaven damals waren? dieses Argument raushaut. Und ich weiß überhaupt nicht, was ich fühlen soll in dem Moment. Ich will ihn gleichzeitig erwürgen und ich muss irgendwie irre lachen wie der Joker, weil ich nicht weiß, wie ich damit umgehe.
Florian Bayer: Das ist so absurd. Wahnsinn. Kommen wir zu den Filmen kurz und zu seiner Haltung zu den Konföderierten.
Johannes Franke: Aber er hat keine Haltung.
Florian Bayer: Er ist absolut unpolitisch.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Was wir sehen, sind halt die konföderierten Soldaten. Also es gibt halt die Soldaten, die die braunen Universität. tragen und die blauen Uniformen. Und die, die braun tragen, sind als die... aber auch nicht besonders groß, weil wir haben halt unseren Protagonisten, der seine Lok zurückhaben will.
Johannes Franke: Aber es ist schon eine seltsame Entscheidung.
Florian Bayer: Es ist eine seltsame Entscheidung. Ich habe das Gefühl, Buster Keaton hat sie tatsächlich, das war eine rein dramaturgische Entscheidung. Hm. Und wahrscheinlich, weil er diesen einsamen Helden haben wollte. Es gab ja tatsächlich Proteste dagegen. Und zwar sollte er eigentlich ursprünglich sollten die Original-General-Lokomotiven verwendet werden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann haben sich ... Und als dann bekannt wurde, dass Kieten diesen historischen Vorfall zu einer Komödie aus der Sicht der Südstaatler machen wollten, haben sich Nachkommen der damaligen Lokentführer beschwert und haben gesagt, das geht nicht. Revisionismus ist Geschichte komplett... falsch dargestellt. Und daraufhin hat die Bahngesellschaft dann die Zusammenarbeit beendet und sagt, okay, dann ja. Ja, ich tatsächlich... Es ist keine Sache, wo ich sage, man muss tatsächlich kein großes Fass deswegen aufmachen, weil ... Die Politik wird nicht thematisiert. Es findet kein Revisionismus statt. Es wird nicht gesagt, hey, und der kämpft für ... Das Gute der Südstaaten. Da sind andere Filme wie Vom Winde Verweht oder keine Ahnung. deutlich krasser dabei, oder Fackeln im Sturm auch, den ich bei meinen Guilty Pleasures vor kurzem genannt habe, sind deutlich krasser dabei, was... Romantisierung des Lebens, des Südstaatenlebens und auch der Sklavenhaltung betrifft.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Also insofern eben, ich habe mich das nur gefragt ab und zu während des Guckens, weil ich dann plötzlich durcheinander war, wie jetzt, Moment, die haben welche Fahne? Ach so, auf der Seite? Oh mein Gott. Auf der Seite ist er, ja. Damit habe ich nicht gerechnet, weißt du? Dann war ich irgendwie erstmal ein bisschen durcheinander und dann habe ich mich darüber kurz... Aber dann irgendwann geht es auch wieder weg, weil es kein... Was keine Relevanz hat.
Florian Bayer: Es hat keine Relevanz. Es könnte auch jedes andere Szenario sein im 19. Jahrhundert. Er könnte auch... Die Lokomotive könnte auch von Banditen geklaut sein.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Obwohl dann natürlich diese wirklich schöne Episode im feindlichen Gebiet fehlen würde. Die auch einige tolle Momente hatte. Also zum einen, wenn er sich unterm Tisch versteckt.
Johannes Franke: Ja, das ist toll.
Florian Bayer: Ein wirklich spannender Moment mit diesem Zigarrenloch dann. Das finde ich filmisch so
Johannes Franke: schön gemacht. Filmisch wirklich ganz hervorragend. Ganz tolles Bild. Wie er da irgendwie, also er sitzt unterm Tisch, nur um das mal zu erklären. Er ist im feindlichen Lager und er entdeckt dieses Haus und dann will er, er hat Hunger. geht da durchs Fenster ein, holt sich schnell Essen und dann kommen die da aber und er muss sich verstecken und er versteckt sich unterm Tisch. Und dann setzen die sich aber an diesen Tisch und der eine raucht und brennt da aus Versehen ein Loch in die Tischdecke. Und hebt dann die Tischdecke so hoch, dass wir sehen, wie Buster Keaton völlig verängstigt unter diesem Tisch sitzt. Und wir Angst haben, dass sie ihn jetzt entdecken, aber sie entdecken ihn nicht. Sie reden bloß über dieses Loch, was so da reinge... und tun es wieder runter. Und dann sieht er durch dieses Loch in einer ganz tollen Einstellung... sehen wir sein Auge und einen Gegenschuss, wie dann seine Freundin reingeführt wird. Und das finde ich rein ästhetisch und von der Technik und von der Idee her wirklich sehr schön gemacht.
Florian Bayer: Ich fand, es war auch tatsächlich eine spannende Szene. Und das muss ein Film aus dem Jahr 1926, der 100 Jahre alt ist, erstmal schaffen, eine spannende Szene zu entwickeln. Weil es ist halt immer noch ein Stummfilm. Es ist immer noch ein Film... Mit Humor, Humor basiert und halt einfach aus der Zeit. Aber er hat es in diesem Moment wirklich geschafft, die Szene spannend zu gestalten. Auch für meine heutigen Sehgewohnheiten.
Johannes Franke: Ist schön, ne? Ist toll.
Florian Bayer: Und dann daran anschließend die ganz wirklich witzige Szene der Rettungsaktion, wenn er seine Freundin dann weckt. Und dann versuchen die ja zu fliehen und dann mit dem Fenster kämpft. Zuerst kurz überlegt, wie er sie wecken soll, was auch total süß ist.
Johannes Franke: Das ist so süß. Er kommt ins Fenster rein und will sich draufstürzen, hält sich dann noch ab und überlegt, Moment, Moment, wie mache ich das jetzt? überlegt, ob er pusten soll oder ob er irgendwie was... Und dann entscheidet er sich halt wahrscheinlich für das Richtige, sie einmal den Mund zuzuhalten, damit sie nicht leicht losschreit, wenn sie aufwacht.
Florian Bayer: Und dann wollen sie aus dem Fenster raus und dann hält das Fenster eigentlich auf für sie, aber für sich ist es nicht so ganz klar, wie er es machen soll. Er ist halt einfach ein bisschen tölpelhaft. Eine schöne Szene, wie dieses Fenster immer wieder runter geht. So ein klassisches Schiebefenster, was man halt nach oben schiebt und es fällt dann immer wieder runter. Auch einfach, weil er sich nicht unsicher ist, lässt er sie jetzt vor, geht er zuerst, guckt er, machen sie es. Tolle Slapstick-Szene.
Johannes Franke: Und dann übrigens auch, worüber ich ganz kurz reden möchte, weil das eine interessante Sache ist für die Technik von damals. Es gibt dort die Stelle, wo einer einmal das Licht ausmacht. Und einmal der Wechsel passiert zwischen gelbem Schwarz-Weiß, also Sepia-Ton. Ich weiß nicht, welche Version du den gesehen hast. Und einer blauen Version von Schwarz-Weiß. Also einfach Tint. Also es ist eingefärbt einmal. Und das war eine Technik, die sie damals ganz viel benutzt haben. Sie haben, um Nacht darzustellen, das Ganze blau gefärbt und um Tag darzustellen, war es eben so, Ja, was wir heute als Sepia bezeichnen würden. Und ich habe nochmal recherchiert, weil ich gedacht habe, vielleicht ist es auch etwas, was wir jetzt... heute gemacht haben, also oder in den 50er oder in den 70er, als die Sachen wieder rausgeholt wurden, um dem irgendwie noch Farbe zu geben. Aber nein ... Es wurde damals schon mit den Anfängen des Films wurde das gemacht.
Florian Bayer: Die Stummfilmzeit war durchaus teilweise eine bunte Zeit.
Johannes Franke: Ja, das fand ich sehr spannend.
Florian Bayer: viele Experimente mit Farbe, auch mit verschiedenfarbigen Folien. Und ja, es gibt einfach Stummfilme, die obwohl sie genau dieses Alter haben, sehr bunt wirken. Also man kann es nicht anders sagen. Die wirklich einfach so ein... So ein Look und Feel haben von Farben.
Johannes Franke: Und das ist natürlich sehr aufwendig. Das heißt, das haben nicht so wahnsinnig viele gemacht, weil das irgendwie einfach dann sehr teuer wurde. Da hast du irgendwie... Die haben die Produktion tatsächlich nach Europa ausgelagert. Die haben einen fertigen Film gehabt, dann haben sie die Kolorierung von bestimmten Sequenzen und so nach Frankreich verlegt. Weil es billiger war in Frankreich. Also Europa war das Billiglohnland von Amerika für... Für Kolorierung von Filmsequenzen. Total krass. Natürlich, du hast 24 Bilder die Sekunde.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Die müssen alle irgendwie, also wenn du mehrere Minuten koloriert haben willst oder im besten Fall einen ganzen Film von anderthalb Stunden, Das ist wahnsinnig aufwendig, per Hand zu kolorieren alles. Und dann ist es noch nicht immer so, dass du wirklich jedem Gegenstand eine Farbe gibst und so, das wirklich so nachkoloriert ist, dass du das Gefühl von einem Farbfilm hast, sondern es geht wirklich nur darum... dass sie bestimmte Farben für bestimmte Szenen haben wollten. Und das ist der Aufwand.
Florian Bayer: Was aber auch tatsächlich total viel ausmacht bei diesen Filmen.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Wir sind gerade so im historischen Exkurs. Wollen wir unsere Besten?
Johannes Franke: Oh, das ist eine gute Idee.
Florian Bayer: Reinhauen. Ja. Jingle.
Johannes Franke: Jingle. Unsere Liste.
Florian Bayer: Du hast mir vorhin vorgeworfen, meine Bestenlisten-Idee wäre zu generisch. Und jetzt hast du die besten Stummfilme. Rechtfertige dich.
Johannes Franke: Du hast es vorgeschlagen.
Florian Bayer: Fuck. Hey, die besten Stummfilme, kann man viel rausholen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, vor allem wenn man auch noch, es gibt ja auch noch moderne Stummfilme, ne?
Florian Bayer: Oh ja, habe ich auch überlegt. Ist keiner drin bei mir.
Johannes Franke: Bei mir auch nicht.
Florian Bayer: Aber wenn es um moderne Sturmfilme geht, Silent Movie von Mel Brooks, tolle Komödie.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Also modern ist sehr viel gesagt, weil der Film mittlerweile auch schon 50 Jahre auf dem Buch bleibt oder so.
Johannes Franke: Genau, 70er ist der. glaube ich, oder?
Florian Bayer: Ja, ich glaube auch 70er. Toller Film, großartig. Tolle Hommage an die Stummfilmzeit. Ich habe leider die Artist immer noch nicht gesehen.
Johannes Franke: Hast du nicht gesehen, aber den musst du sehen.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, das sagst du mir jedes Mal, wenn wir drüber reden. Ich muss ihn unbedingt gucken.
Johannes Franke: Der ist wirklich sehr lohnenswert.
Florian Bayer: Und der ist wirklich jung. Der ist von 2016 oder so, ne?
Johannes Franke: Äh, fuck, hab ich nicht mit aufgeschrieben. Ja, weiß nicht. Aber ich habe ihn an meine Honorable Mention einfach reingepackt. Weil wirklich ganz toll, diese Chuzpa muss man erstmal haben, das wirklich durchzuziehen. In der heutigen Zeit... Ein Stummfilm, schwarz-weiß und wirklich gut erzählt. Also es ist nicht der allerbeste Film aller Zeiten, aber es ist wirklich toll, dass sie es gemacht haben. Ja.
Florian Bayer: Ich finde die Idee auch, ich finde das total, ich mag das, wenn sowas gemacht wird.
Johannes Franke: Ja. Okay. Habe ich noch weitere Honorable Mentions? Ich würde The Great Train Robbery nennen. Hast du den in deiner Liste?
Florian Bayer: Nee, hab ich gesagt.
Johannes Franke: Aber The Great Train Robbery ist halt wirklich einer der ersten Filme, die wirklich lang im Format versucht haben, eine Story zu erzählen. Wie lange hast du denn?
Florian Bayer: Der dauert aber nicht, der ist eine halbe Stunde oder so lang.
Johannes Franke: Aber er fühlt sich ja.
Florian Bayer: Entschuldigung. Wir reden von dem Film, wo am Schluss in die Kamera geschossen wird.
Johannes Franke: Ist es am Schluss tatsächlich erst?
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Wir sind im Jahr 1903 und der Film dauert zwölf Minuten.
Johannes Franke: Wirklich? Ich habe ihn so lang in Erinnerung. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und die finale Szene ist Close-Up von einem der Outlaws.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wie er direkt in die Kamera schießt. Ah. Zwölf Minuten, ich hätte jetzt auch gedacht, der wäre länger, aber totaler Klassiker natürlich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Meine Honorable Mention wäre, und zwar einfach aus dem Grund, weil wir ausführlich in einer anderen Episode drüber reden, Hexan, eine der ersten ... Mockumentary ist zu viel gesagt, aber einer der ersten Filme, die Fiktion und Dokumentation miteinander kombiniert haben über die Zeit der Hexenverfolgung. Ein toller Film. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, hört euch die Episode an. Schwedischer Film, 20er Jahre, Sturmfilm-Klassiker.
Johannes Franke: Ich hatte ihn bis gerade noch in der Liste, aber du hast recht, vielleicht sollten wir nicht...
Florian Bayer: Ich muss mit meiner Nummer 3 anfangen. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich dir schon wieder was wegnehme.
Johannes Franke: Bestimmt, ich bin mir ganz sicher.
Florian Bayer: Also meine Nummer 3 ist tatsächlich The Kid aus dem Jahr 1921. Charlie Chaplin. Mein liebster Chaplin-Film. Ja, es tut mir leid.
Johannes Franke: Warum ist er nur auf Platz 3?
Florian Bayer: Ach so. Ja, ja. Warum ist er nur auf Platz 3? Weil ich, im Gegensatz zu dir, Johannes... nicht der größte Komödien-Fan bin und bei mir einfach Filme weiter vorne landen, die eher ein bisschen ernster sind. Ich mag Komödien, aber ...
Johannes Franke: Aber The Kid ist ja wirklich eine sehr tragische Komödie. Also wirklich die Definition von Tragikomödie eigentlich. Und
Florian Bayer: Toller Film einfach. Die Beziehung von dem Tramp mit einem kleinen Waisenkind. Mit einer ganz zentralen, krassen Traumszene, die ich jetzt nicht mehr so wirklich zusammenkriege, die aber einfach auch heute noch einen total umhaut und mit einem wirklich... wunderschönen Pathos gegen Ende mit einem guten Gefühl aber entlässt. Es ist ein trauriger Film, aber es ist auch ein optimistischer Film und es gibt... Ja, es gibt einfach ein Happy End. Toller Film. Entschuldigung, war das dein Platz 1?
Johannes Franke: Ja, das ist mein Platz 1.
Florian Bayer: Ja, absolut nachvollziehbar. Ist auch mein liebster Film von Charlie Chaplin.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nicht nur mein liebster Stummfilm von ihm, sondern auch tatsächlich mein liebster Film von ihm.
Johannes Franke: Okay. Ja, ich liebe diesen Film, es ist unglaublich. Und der Schauspieler des Kindes, Cogan, wer hieß der, glaube ich?
Florian Bayer: Jackie Cogan? Jackie Cogan oder Cogan.
Johannes Franke: Ähm, Der hat das so gut gemacht. Und ich glaube, das habe ich schon mal erzählt, es gibt eine Szene, wo er weinen muss, weil er abgeholt wird von den Behörden. Und der konnte einfach nicht weinen. Das Kind konnte nicht weinen. Es hat es nicht geschafft. Und es hat erst geweint, als man ihm gesagt hat, wenn du nicht weinst, kannst du nicht mehr hier weiterdrehen. Brutal. Wird schön in der Biografie von Chaplin, also in seiner Autobiografie, die er geschrieben hat, erzählt er das. so emotional.
Florian Bayer: Was ist dein Platz 3?
Johannes Franke: Mein Platz 3 wäre... Entschuldigung. Metropolis. Metropolis, ja. Ich habe auch in der Liste keine außergewöhnlichen Sachen. Hexan wäre drin gewesen. Was wäre drin gewesen?
Florian Bayer: Hexan.
Johannes Franke: Hexan wäre drin gewesen, genau. Aber ich sage, Metropolis ist einfach ... Also ikonischer geht es nicht mehr. Also so bombastisch und so riesige Aufbauten und riesige epische Ideen und einfach toll gemacht.
Florian Bayer: Wahnsinnfilm.
Johannes Franke: Immer lohnenswert und auch immer wieder lohnenswert in den unterschiedlichen Scores. Live am besten.
Florian Bayer: Das ist nochmal so ein Thema für sich. Es gibt so viele Möglichkeiten.
Johannes Franke: Total krass.
Florian Bayer: Wir reden in unserer Podcast-Episode, in der wir über Hexern reden, reden wir relativ ausführlich über Stummfilm-Scores und auch ... Was es für ein Stummfilm bedeutet, noch mal komplett andere und neue Musik zu kriegen, hört da auf jeden Fall rein. Da gehen wir, glaube ich, beide ziemlich ab. Stumpf im Musik und was möglich ist und wie toll es ist. heute Stummfilme zu sehen mit Live-Musikuntermalungen, egal ob Orchester oder... so diese klassischen, wie heißen die nochmal, diese Pianos, die dann teilweise auch nur da waren, die gibt es ja auch.
Johannes Franke: Einfach nur Pianomusik, genau. Es gab manchmal eben diese Sheet-Musik, die sie mitgegeben haben und manchmal musste jemand improvisieren. Und dann gab es eben auch so Leute, die Geräusche gemacht haben dafür.
Florian Bayer: Fantastisch.
Johannes Franke: Live vor Ort. So geil.
Florian Bayer: Mein Platz 2. Mehr als ein Propagandafilm. Panzerkreuzer Potemkin. Ein wirklich spannender und mitreißender Film, der wegweisende Aufnahmen hat. die auch heute noch funktionieren. Montage und Kamera in diesem Film ist so unglaublich gut. Obwohl er ein ganz einfaches Thema hat und tatsächlich auch nicht viel Story. Er ist auch nicht sonderlich lang. Aber die Art, wie das umgesetzt ist und Es ist krass, man muss sich diesen Film angucken, auch immer mit dem Hintergedanken, was sehen wir in heutigen Actionfilmen, in Kriegsfilmen? in großen historischen Dramen für Einstellungen. Man entdeckt das alles schon in diesem Film wieder. Er hat einfach ganz stark das Fundament gesetzt für heutige historische Filme, für Ebenen, für Dramen und so weiter. Und ein ganz gewaltiger Film, sowjetischer Film, wo es halt um den Matrosenaufstand geht und natürlich mit dieser Revolutionsattitüde und natürlich auch ein politischer Film. Und natürlich auch irgendwie ein Propagandafilm, aber... Absolut sehenswert. Fantastisch.
Johannes Franke: Ich glaube, ich hatte damals, als ich ihn gesehen habe mit 16, 15, nicht genug Geduld. Ich habe den Film zu sehr daran erinnert. Ich erinnere mich zu sehr daran, dass ich gedacht habe, jetzt reicht es auch langsam wieder. Ich weiß nicht, wie lang der ist. In meiner Erinnerung ist er ewig.
Florian Bayer: Eine Stunde.
Johannes Franke: Naja, immerhin eine Stunde dann doch, ja.
Florian Bayer: Es ist halt so, ich meine, es ist für unsere Sehgewohnheiten heute, es ist immer eine Herausforderung, Stumpf zu sehen. Da kommt man nicht drum herum und es ist auch immer, du befindest dich immer so ein bisschen in dem Zwischbald, du hast zum einen natürlich die historische Bedeutung vom Film. Zum Zweiten aber natürlich auch die Frage, wie viel kann er heute noch vermitteln? Natürlich hat sich die Kultur weiterentwickelt und wie wir Filme heute wie Filme heute gemacht werden. Das ist natürlich in Anführungszeichen besser. Farbe, Ton, Bild, einfach wie Geschichten erzählt werden im Kino. Da gab es eine Evolution, ganz klar. Und da kommst du nicht ganz raus. Es ist einfach ein Stummfilm heute zu sehen. Vielen Dank. ist immer, dass man sich auch daran erinnern muss, dass das eine historische Bedeutung hat. Weil es natürlich technisch nicht mit modernen Produktionen mithalten kann.
Johannes Franke: Das stimmt. Wo sind wir jetzt eigentlich? Platz 2.
Florian Bayer: Weil ich ja die 1 geklaut habe, ich habe ein schlechtes gewissen. Du musst gleich improvisieren. Du musst gleich irgendwas zum anderen Chaplin-Film sagen oder so. Was ist dein Platz zwei?
Johannes Franke: Ähm, A Trip to the Moon.
Florian Bayer: Ja. Du hast die kurzen Filme genannt. Trip to the Moon ist, glaube ich, auch nicht länger als 15 Minuten.
Johannes Franke: Nö, nicht viel länger als 15 Minuten. Das ist ein toller Film. Ganz, ganz toller Film.
Florian Bayer: Und wo wir bei Farben waren, wie der mit den Farben arbeitet, ist unfucking fassbar.
Johannes Franke: Voll gut und ich bin jedes Mal euphorisch, wenn ich einen Film sehe, weil ich denke, wow, die haben sich wirklich, die haben sich hingesetzt und haben gesagt, okay, komm, wir machen das. Und so viel
Florian Bayer: Liebe mit den Kulissen und den Special Effects. Und ich würde eigentlich gerne heute mal einen epischen Fantasy-Film sehen, der versucht, das so ein bisschen aufzugreifen, aber halt moderner zu machen, aber trotzdem so diese ... Freude an diesen Kulissen, die auch teilweise wie Bühnen wirken.
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Aus welchem Jahr war der eigentlich? Irgendwie zwischen 10 und 20 wahrscheinlich. Oder noch früher?
Florian Bayer: 1902. 1902? Wahnsinn. Und? Der geht 18 Minuten.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Wenn man ihn mit 12 Frames abspielt. Das war ja damals auch noch so eine Sache. Spielt man den Film mit 12 Frames die Sekunde ab oder mit 24 Frames die Sekunde, dann dauert er nur noch 9 Minuten.
Johannes Franke: Und weißt du, was sie gemacht haben? Es gab so Programmierungsschwierigkeiten. Dann kommt der Film, dann kommt der Film. Wie können wir den noch dazwischen schneiden? Und dann haben die echt... im Projektor einfach eingestellt, wir spielen den schneller ab.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann haben sie irgendwie ... Filme hintereinander gehauen, weil es war nicht genug Zeit, also musste der schneller abgespielt werden. Das würde heute jeder Filmemacher, das würde ein riesen Skandal werden. werden.
Florian Bayer: Und das ist wahrscheinlich wirklich der Film, der das am besten macht mit den Farben. Also wirklich so toll, wie er mit Farben spielt. Ein wirklich ein bunter Film. Den müssten wir auch mal wieder gucken.
Johannes Franke: Dringend, dringend, ganz, ganz, ganz toll. Einfach, weil ich die Aufbruchsstimmung und den Pioniergeist in diesem Film spüre.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was Film betrifft und was dieses Medium und die Begeisterung für dieses Medium und diese Möglichkeiten.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ähm, und wer's nicht weiß, unser Logo von, ne, vom muss man sehen... Podcast und auch von deinem Blog, ist einfach dieser Mond, zu dem sie hingehen.
Florian Bayer: Und das ist die Rakete im Mond, im Auge des Mondes landet die Rakete und der Mond hat entsprechend Schwierigkeiten zu gucken. Ganz verbeultes Auge.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ach, schöner Film.
Johannes Franke: Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Mein Platz 1, ich hoffe, dir fällt gleich noch was ein. No pressure. Mein Platz 1 stellvertretend für alle expressionistischen Horrorfilme der damaligen Zeit Und trotzdem fiel die Auswahl nicht schwer. Das Kabinett des Dr. Caligari. Mein absolut liebster Stummfilm. Einer meiner absolut liebsten deutschen Filme. Großartig zwischen Kunst und Palp. Hat wirklich diese expressionistischen Momente alleine in den Kulissen, die total krass sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dann auch diese wirklich... tollen Horrormomente. Einfach auch mal mit dem Monster, das die Frau entführt. So wirklich klassisch, palpiger Horror. Er hat einen Mordsplot-Twist. Er hat wirklich einen geilen Plottwist. Er hat sogar zwei Plottwists. Soll ich jetzt einen Film von 1920 spoilern?
Johannes Franke: Die Leute hatten genug Zeit, den Film zu gucken.
Florian Bayer: Stimmt. 100 Jahre hatte die Zeit. Jetzt spoiler ich das Ende. Er ist tot. Im Mittelpunkt steht ja dieser ... Der Film ist ja gerahmt von einer Erzählung, wo ein Typ ... einem vermeintlichen Bekannten erzählt, was damals Schreckliches passiert ist. Und dann erzählt er von dem Dr. Caligari. der mit seinem Kabinett als fahrender Typ zur Stadt kommt. die auch ganz abstrakt einfach die Stadt heißt und wirklich diese komischen Gebäude hat. Und er präsentiert da den Schlafwandler. Und dieses schlafwandelnde Monster bringt dann Leute um und dann führt eine Frau. Und es kommt aber raus, dass das alles, das dahinter Kaligari steckt, der wirklich ein böser Wissenschaftler ist, der irgendwann wahnsinnig geworden ist und unbedingt dieser Caligari werden wollte. Aber der große Plottwist ist dann, dass diese ganze Geschichte ... einfach nur im Kopf des Menschen stattfindet, der die Geschichte erzählt. Und sie befinden sich in einem ... In einem Sanitarium. Und sie sind alle psychisch krank. Und alle Figuren, die in dem Film vorkommen, laufen auch in diesem Sanitarium rum. Und Dr. Caligari ist einfach einer von den betreuenden Psychologen. Der dann feststellt, ah, jetzt weiß ich, wovor dieser Mann Angst hat. Und er glaubt, ich wäre ein verrückter Wissenschaftler. Und jetzt kann ich ihm helfen und ihn heilen und Ende. Und vielleicht noch so ein bisschen mit dem Wagen. Ist das so? Was ist da? Könnte es auch sein? Eigentlich Shutter Island.
Johannes Franke: Ich wollte gerade sagen, es wurde so oft aufgegriffen, diese Methode. Ganz toll.
Florian Bayer: Und damals war es halt wirklich noch originell und es ist wirklich ein harter Plot-Twist. Es wurde viel über den Film geredet. Es gibt ... Es gibt ... Interpretationen, die sagen, dass dieser Film dadurch, dass er diese Auflösung hat, was Proto-Faschistisches hat, weil sich der Tyrann, der dieser Caligari ist, am Ende ist der eigentlich Unschuldige und der Retter... entpuppt. Und dass das wohl gar nicht so unbedingt intendiert war. Siegfried Krakauer hat ein Buch geschrieben, das heißt von Galligari zu Hitler. Und in diesem Buch setzt sich Krakauer, das ist aus dem Jahre 1947, Und in diesem Buch setzt sich Krakauer damit auseinander, wie der Film der damaligen Zeit... das Aufkommen der Nationalsozialisten spiegelt oder vielleicht sogar begünstigt hat, das bleibt gewünscht. so sehr klassisch poststrukturalistisch vage. Es geht nicht um eine politische Anklage, aber es geht darum, wie man Motive des aufkommenden der aufkommenden Tyrannei in diesen Filmen schon findet. Der große Gegensatz, den manche moderne Kritiker aufmachen, ist, dass sie sagen, Faschismus und Nationalsozialismus haben die Politik zu Kunst gemacht. Oder haben die Politik künstlerisch gemacht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das heißt, mit diesen... Gebäuden, die sie gebaut haben, mit diesen Inszenierungen, die sie gemacht haben, dass sie so viel auf diese Ästhetik gesetzt haben, sie haben eine ästhetische Politik gemacht.
Johannes Franke: Mhm, mhm.
Florian Bayer: Und unser Gegenentwurf sollte eigentlich sein, dass die Ästhetik, die Kunst politisch werden muss. Und das ist total simplifiziert, aber sehr viele linke Kulturtheoretikerinnen der damaligen Zeit sind diesem Gedanken gefolgt. dass wir diesen krassen Gegensatz haben. Künstlerische Politik und einmal politische Kunst. Und wir, die Linken, stehen auf der Seite der politischen Kunst. Deswegen war auch im Sozialismus... der Realismus so beliebt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Weil die gesagt haben, alles andere ist halt problematisch, weil das weil das Leben irgendwie, weil das nicht darstellt, wie das Leben ist und weil das nicht zeigt, wie ... wie der Mensch in der Gesellschaft funktioniert, sondern weil das Leben romantisiert wird, verzerrt wird und so weiter. Und deswegen haben die auch die Expressionisten gehasst und so. Und deswegen hat auch zum Beispiel, also man kann da total viel draufpacken, deswegen hat Precht gesagt, mein Theater bricht die ganze Zeit mit der vierten Wand und sagt die ganze Zeit, ich bin Kunst, ich bin Kunst, ich bin Kunst, um gar nicht erst den Versuch, um gar nicht erst diese Illusion aufkommen zu lassen und ja. Großes Thema und natürlich vereinfacht, aber spannend, sich da rein zu begeben. von Caligari zu Hitler zu lesen, ist auch heute noch lohnenswert. Auch wenn es ... überholt ist, zu viel gesagt. Aber auch wenn es ein bisschen aus der Zeit gefallen ist, einfach weil es ein Buch seiner Zeit ist, Es ist trotzdem ein spannender Blick auf frühe Filmrezeption und Kunstrezeption.
Johannes Franke: Geil. Okay. Spannend. Gerade dieser Gedanke, der mich gerade so unvorbereitet trifft, dieses ... künstlerische Politik oder Kunst, die politisch ist. Dieser Gegensatz finde ich gerade sehr spannend und sehr nachvollziehbar und ich glaube, ich muss mich da wirklich mit beschäftigen. Ups. Danke. Okay, cool. Dann würde ich jetzt meinen Platz 1 von The Kid... einmal umschwenken und ich ärgere dich, weil das stimmt nicht ganz. Es ist kein Stummfilm, sondern es ist ein... Stummfilm trotz Tonfilm. Äh, Lichter der Großstadt von Chaplin. Natürlich wieder ein Chaplin-Film, weil es muss ja der gleiche so. Lichter der Großstadt hat eine Tonspur, aber er ist ein Stummfilm eigentlich.
Florian Bayer: Den habe ich nicht gesehen, glaube ich. What? Ich überlege gerade ganz kurz, aber Fabrik und Zahnräder und so ist moderne Zeiten, wo es ja auch viel mit Ton gemacht wurde.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Lichter der Großstadt ist 1981. 31 und, nein, den habe ich nicht gesehen. Verliebt sich in ein blühendes Blumenmatch.
Johannes Franke: Genau, also die Story ist die, dass er sich in einen, also er ist der Trump, er hat kein Geld. Er hat ganz lange an dieser einen Szene rumgedoktert und überlegt, wie kann das passieren, dass er dieses Mädchen kennenlernt und dass sie sich in ihn verliebt. Sie ist blind. Sie verkauft Blumen. Wie kann es sein, dass der Trump so ... Und es ist so, ein Auto, ein reiches Auto, es schon vom Klang her reich ist. Weißt du? Kommt, bleibt da stehen, die Tür geht auf, ein reicher Typ kommt raus und irgendwie... muss der Trump durch dieses Auto auf die andere Straßenseite, damit er da hinkommt. Das heißt, er steigt auch aus diesem Auto aus und wirft die Tür hinter sich zu und zieht. hat das Gefühl vom Klang her, da kann ich jemandem eine Blume andrehen. Und so lernen sie sich kennen. Und er hat aber kein Geld. Aber er verliebt sich sofort Schock in sie und kauft ihr irgendwie die Blume ab und ... Gibt ja viel zu viel Geld, glaube ich sogar. Ich weiß es nicht ganz genau, das Letzte, was er hat. Und will sich einfach dann irgendwie kümmern und nimmt Jobs an und versucht ihr eine Operation zu finanzieren für die Augen.
Florian Bayer: Okay, das klingt cool. Und was heißt Tonspur?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht genau. Im Wikipedia steht, dass es eine Tonspur gibt, die er dafür produziert hat. Aber ich weiß nicht mehr genau, inwiefern die zum Einsatz kommt.
Florian Bayer: Ah, okay. Oh, okay, das klingt tatsächlich ... Ich hab den nicht gesehen, ich muss den sehen.
Johannes Franke: Ist ganz toll. Und er versucht sich als Boxkämpfer, was eine ganz, ganz tolle Szene gibt ... Wie so ein Ballett mit dem Boxer, mit seinem Gegner und dann hinter dem... Schitzrichter steht und hinter dem, damit er nicht geboxt wird und dann... Ganz, ganz, ganz tolle Szene. Eine der besten Slapstick-Szenen überhaupt.
Florian Bayer: Okay, krass. Und es war tatsächlich vor moderne Zeiten? Der ja irgendwie so sein letzter Stummfilm war.
Johannes Franke: Ja, das muss vor moderne Zeiten gewesen sein.
Florian Bayer: Ja, interessant. Es war genau, es war direkt der Film von Moderne Zeiten. 1931, 1936 war Moderne Zeiten, was sein letzter Stummfilm war.
Johannes Franke: Ja, und der wäre schon kein Stummfilm mehr gewesen, weil die Zeiten waren vorbei. Also mit Lichter der Großstadt, da hätte er auch schon einen Weil der Jazz-Sänger, glaub ich, war auch Anfang der 30er, 31 oder vielleicht sogar schon 29, weiß ich nicht genau. Das war der große Erfolg für einen Tonfilm. Und dann wollten alle nur noch Tonfilme. Und dann hat er halt mit ... moderne Zeiten irgendwie gedacht, ich will aber den Trump nicht reden lassen. Es geht nicht, es funktioniert nicht und hat dann irgendwie so eine halbseitene Tonspur drunter gelegt mit Mit so ein paar Gesprächen vom Chef und von der Sekretärin und so ein paar kleine andere Sachen. Aber eigentlich ist es ein Stummfilmer auch.
Florian Bayer: Und der Tramp konnte reden. Also der große Diktator hat das Reden des Tramps wunderbar funktioniert.
Johannes Franke: Ja, aber das war für ihn wirklich so ein... Das ging gerade so. Das war schon... Schmerzhaft für ihn. Und er hat auch gesagt, es ist nur so halb der Trump. Es ist der Barbier, der da irgendwie, aber der hat die Trademarks vom Trump. Aber es ist nicht wirklich der Trump.
Florian Bayer: Und es war der letzte Trump-Auftritt dann auch, oder? Ja.
Johannes Franke: Krass. Ja, und das Tragische an diesem Film ist, dass er ihr die Operation auch irgendwann bezahlt und dann sehen sie sich aber nicht mehr wieder. Unter welchen Umständen, weiß ich nicht ganz genau. Und dann geht er eines Tages an dem Blumenladen vorbei, ohne es zu wissen. Und sie sieht ihn, erkennt ihn aber nicht.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Und er ist Schock. Oh Gott, was mache ich jetzt? Scheiße. sagt nichts und sie nimmt dann seine Hand und gibt ihm die Blume in die Hand, weil sie irgendwie das Gefühl hat, sie muss ihm das geben, ich weiß nicht mehr, an welchen Umständen. Und dann stellt sie fest, wer es ist. Durch diese taktile Hand nehmen und ganz emotionale Szene.
Florian Bayer: Oh mein Gott. zu finden sich am Schluss.
Johannes Franke: Naja, ob es ein Happy End ist, weiß ich nicht mehr. Ich glaube nicht. Also, Trump ist ja eigentlich ... Eigentlich ist die Maßgabe, dass der Trump immer alleine in den Horizont reitet am Ende.
Florian Bayer: Aber bei The Kid nimmt er auch das Kind in den Arm am Schluss, ne?
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber die alten, frühere Filme sind alle irgendwie so, das Schlussbild ist...
Florian Bayer: Der einsame...
Johannes Franke: Er geht mit seinem Stock und seinem Watschelgang in den Sonnenuntergang. Ja, genau. Das war mein Prats 1. Wieder zurück in den Subastakiten.
Florian Bayer: Tatsächlich bin ich jetzt froh, dass ich als Platz drei The Kid genommen habe, weil so wurde mir gerade ein neuer... einen Chaplin-Film heiß gemacht, den ich noch nicht gesehen habe.
Johannes Franke: Ja, eigentlich musst du die ganze... Videografie einmal durchgehen. Also zumindest bei den langen Filmen, die Kurzfilme muss man nicht alle gesehen haben, aber die sind alle trotzdem sehenswert. Das sind über 80 Filme.
Florian Bayer: Ja, das mache ich am Wochenende. Gut.
Johannes Franke: Wir sind wieder bei Buster Keat.
Florian Bayer: Und natürlich mit diesem Höhepunkt der einstürzenden Brücke, was einfach krass ist und wo man auch, man sieht das Budget. Wahnsinn.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es ist einfach, ja, es ist einfach ein Zug, der eine Brücke, auf einer einstürzenden Brücke steht und mit ihr in den Abgrund fällt.
Johannes Franke: Unglaublich. Und die Massen an Statisten, die da sind zu Pferde und so, die in dem Wasser rumstarksen und dann wieder raus und es ist...
Florian Bayer: Buster Keaton schafft es ja tatsächlich am Schluss, was ich echt ganz cool fand. Oh, ganz kurz zu den Statisten. Er hat gesagt, er hat den Leuten... Die konfederierten Uniformen angezogen und sie in die eine Richtung geschickt und dann hat er ihnen die Unionsuniformen angezogen und sie in die andere Richtung geschickt. In einem Taker. Sie mussten durchs Bild schnell umziehen und wieder zurück. Es ist großartig, dass er es schafft, am Schluss eine Schlacht noch zu zeigen dann. Weil die Konföderierten kämpfen dann gegen auch die Unionsleute. Und er kämpft auch mit und er schafft es, ihn erfolgreich kämpfen zu lassen, ohne dass er seine Unschuld verliert. Ganz schön, wie er mit diesem Degen, er kämpft mit dem Degen und versucht, ihn aus der Scheide zu ziehen. Und dann schafft er es und dann fliegt der Degen durch die Luft.
Johannes Franke: Er hat nur noch den Griff in der Hand. Und das ein paar Mal und immer in der richtigen. Und ich finde das ganz toll, weil der Kampf mit der Kanone, die da ist, Die ist super. Natürlich ist es sehr makaber, weil sie sind im Krieg. Und da hat sich gerade einer von den Feinden irgendwie rangerobbt und kann ganz gut schießen und er steht da. Mit drei anderen Soldaten. An dieser Kanone. Der Feind erschießt einen von denen. Der fällt plötzlich um. Und alle wundern sich. Hä? Wieso fällt der um? Was ist denn los? Und dann ist er wieder irgendwo dran und der nächste fällt um. Und da steht er hilflos, alleine, da. Was jetzt? Und dann kommt das mit dem Säbel wieder einfach wegfliegt und aus Versehen halt den Feind dann tötet. Ja, es ist makaber und es ist tatsächlich das, was auch damals gesagt wurde, Buster Keaton war anscheinend der einzige, der gesehen hat, dass in Krieg Komik liegt. Mhm. Und es ist auch ein bisschen weird, aber es funktioniert.
Florian Bayer: Und er gibt ja auch tatsächlich dann ... was ich auch ganz nett finde, dem Anführer von der Unionsarmee, der noch in dieser Lokomotive ist, gibt er dann ja auch einen heldenhaften Abgang. Ja. Wenn er dann so endlich auf seine geliebte Lokomotive kommt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dann liegt da der Unionsgeneral und dann nimmt er ihn in Gewahrsam. Und führt ihn quasi ab. Und er wird gefangen genommen.
Johannes Franke: Was auch sehr schön ist, weil die sind auf der Lok vorne. Und Buster Keaton hat keine Erfahrung darin, wie man jemanden gefangen nimmt. Die gucken sich ein bisschen ... Seltsam an. Der Soldat versteht sofort, okay, ich bin irgendwie in der Klemme. Es lohnt sich jetzt nicht, jetzt einen Krieg anzufangen. Ich bin, glaube ich, geschlagen. Und Buster Keaton macht halt den einen auf, ich hab einen gefangen und will dann als erstes rausgehen, stellt dann aber fest, keine gute Idee. Ich lasse dir den Vortritt. Also wie er das einfach spielt und welche Gedankengänge er mit seinem Spiel... transportiert, ist einfach wunderschön.
Florian Bayer: Basta Kittens Humor funktioniert wirklich so gut, wenn er nicht genau weiß, was er machen soll. Dann einfach so ein bisschen Töpeler fällt. Das ist genau wie in der Szene, wenn er seine Freundin rettet. Wo es ja auch offensichtlich, es gibt so ein Schema, wonach die Helden vorgehen sollen. Und er will das erfüllen. Und er versucht es, aber er schafft es nicht so ganz. Weil er diese Unsicherheit hat. Und diese Szene ist natürlich auch toll, weil er führt ihn dann tatsächlich ab und es ist wirklich eine heldenhafte Szene. Der feindliche General salutiert noch einmal vor den anderen, wird dann in Gewahrsang genommen und dann geht die Pistole los. der die ganze Zeit in der Hand hat. Und er wird dann auch von dem feindlichen General einmal böse angeguckt.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich schön. Ich finde Basta Keatons Humor ganz, ganz, ganz wundervoll. Natürlich in der Tradition von ganz vielen Slapstick-Komikern. Wie eben Chaplin oder wie Lauren Hardy, das ist später dann, aber wie so viele andere Woodville-Leute, Harold Lloyd und so weiter.
Florian Bayer: Weißt du, ob es eine Beziehung gab zwischen Keaton und Chaplin?
Johannes Franke: Ja. Die haben ja in einem Film tatsächlich auch ein Limelight später. Hat Buster Keaton dann mit ihm zusammen eine Szene... In Limelime geht es um einen alternden Clown, der nicht mehr... der einfach abgemeldet ist. Und die Frau, die er kennenlernt, der das Leben rettet, die will ihm noch mal So einen großen, der will ihm nochmal zu Rumpfe helfen. Und einen organisierten Abend, wo alle nochmal den großen Clown feiern, der früher erfolgreich war. Und dann hat er eben Buster Keaton als Kianisten, der ihn bei einer Szene begleitet. Und es ist eine ganz tolle Szene. Es ist wirklich sehr schön, die beiden zusammen. Das gab es vorher nicht so, aber die waren miteinander... irgendwie, ich glaube, befreundet tatsächlich.
Florian Bayer: Also keine Konkurrenz oder kein... Nö. Das war nicht so ein Beatles-Rolling-Stones-System. Weil ich auch nicht glaube, dass die Beatles und die Rolling Stones miteinander verfeindet waren.
Johannes Franke: Nein, nein. Kann ich mir nicht vorstellen. Ja, zwei meiner absoluten Lieblings... Komiker aus der Zeit, Chaplin und Buster Keaton. Buster Keaton einfach auf eine ganz andere Art und Weise, mit ganz anderen Qualitäten. Ich glaube, Wenn man das so auseinandernehmen möchte, Chaplin ist derjenige, der einen zu Tränen rührt. Und Pastor Keaton ist derjenige, der mit einer... unglaublichen Courage für allen möglichen Kram. Ein einfach beeindruckt, massiv beeindruckt.
Florian Bayer: Basta Kietner hat auf jeden Fall die Spannung mehr drauf als Chaplin. Diese Tension in den Slapstick-Szenen. Wenn man das Gefühl hat ... Ich kann nur diesen Film beurteilen. flüchtet jederzeit ein bisschen mehr auf dem Spiel. Bei Japlin sind es auch oft die Momente, wo es wirklich einfach nur nett ist und das stimmt und Spaß macht. Und bei Keaton war es halt, ja, die Slapstick in dem Film ist zu großen Teilen, passt zur Geschichte. Weil es steht wirklich was auf dem Spiel und die Slapstick entsteht ziemlich natürlich einfach in der Action.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Schön. Ja, danke Johannes, dass du ihn mir gezeigt hast und danke für diese Bastakiten-Einführung. Ich habe heute wirklich sehr viel... über einen der wohl wichtigsten Slapstick-Comedians, der überhaupt geht. kennengelernt und das ist total gut.
Johannes Franke: Orson Welles übrigens war ein ganz großer Freund. Orson Welles hat nur Gutes über, also wenn jemand, also wie Orson Welles was Positives sagt, dann, das ist die Adelung schlichtweg. Ja, Osenwells war wirklich begeistert.
Florian Bayer: Also ich glaube, wenn man jetzt anfangen würde, aufzuzählen, Wie oft The General bei diversen Publikationen und Würdigungen genannt wird, das ist einer der wichtigsten Filme überhaupt, wird man nicht fertig. Der ist einfach... Der hat mittlerweile, obwohl seine Rezeption damals so schwach war, hat er mittlerweile einen ganz festen Stand in der Filmgeschichte und Gilt als einer der wichtigsten Stummfilme überhaupt.
Johannes Franke: Ja. Also gucken. Gucken und dann. noch andere Sachen von Buster Keaton gucken, weil nicht alles ist so, das ist der einzige Film, der wirklich mit einer wahren Begebenheit spielt und so und und so straightforward wirklich eine Geschichte erzählt. Die anderen Sachen sind also auch für diese Verhältnisse relativ nah an der Geschichte dran, aber nicht so massiv wie bei diesen.
Florian Bayer: The General findet man in diversen Versionen auf YouTube. Wenn man das bei YouTube eingibt, findet man... zig verschiedene Anbieter, die den drauf haben. Und es gibt einige in wirklich guter Qualität. Ich habe tatsächlich, glaube ich, drei- oder viermal geklickt und daneben genommen, die am besten aussah.
Johannes Franke: Genau, es gibt eine wirklich gute HD-Version und in Farbe, also in Farbe im Sinne von Sepia oder eben Blau und Und die ist wirklich die beste und auch wirklich sehr sehenswert. Vielleicht kannst du den Link in die Shownotes packen.
Florian Bayer: Werd ich machen, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: Ich kann mich nur noch mal wiederholen. Vielen Dank, Johannes.
Johannes Franke: Vielen Dank dir, Plur, dass du das geguckt hast und für deine Empfehlung des anderen Films. Welchen Film hatten wir jetzt davor? Where the Wild Things Are. War wirklich toll. Vielen, vielen Dank.
Florian Bayer: Und ich habe schon eine Idee, was wir beim nächsten Mal machen.
Johannes Franke: Rosamunde Pilcher.
Florian Bayer: Rosamunde Pilcher.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Plur.
Florian Bayer: Die haben gerade auf Record haben wir ja kurz drüber geredet und da hat Johannes gemeint, wir haben kurz geguckt, was es an Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen gibt und da ist die Antwort einfach vom englischen Wikipedia ZDF. Und dann meintest du ja, lass uns doch einfach mal gucken, was es gibt und die ZDF-Mediathek ist voll mit Rosamunde-Pilcher-Filmen und die dauern alle so 89, 90 Minuten. Und ich glaube, ich würde einfach den nehmen, der vom Titel am spannendsten klingt. Und das ist nicht Lizenz zum Seitensprung und auch nicht Anwälte küssen wir nicht. Und plötzlich war es Liebe und aus Liebe und Leidenschaft. Und Erdbeeren im Frühling klingt jetzt auch nicht so interessant, aber der aktuellste heißt wie verhältlich. Und das kann ja nur ein Meisterwerk sein. Also wir gucken eventuell das nächste Mal Rosamonte Pilcher, aber es ist noch nicht ausgemachte Sache. Wenn ihr wissen wollt, was wir das nächste Mal gucken, Zwei Vorschläge, einer von mir, einer von Johannes.
Johannes Franke: Wir müssen noch mal reden, Flor.
Florian Bayer: Nach dem Outro. Ansonsten sehen wir uns nächste Woche wieder, hören uns nächste Woche wieder.
Johannes Franke: Sehr schön. Gut, dann schöne Woche euch. Bis zum nächsten Mal.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Ciao. Sag mal, Plor, warum haben wir jetzt eigentlich eine Pause gemacht? Wenn wir doch schon wissen, was wir als nächstes machen.
Florian Bayer: Das ist eine voll gute Frage, aber wir wissen ja nur eine Sache.
Johannes Franke: Ja, du willst dieses Konzept durchziehen, dass wir am Ende nochmal... Hause machen, der Jingle kommt nochmal und dann kommen wir nochmal, um zu erzählen, was nächste Woche passiert.
Florian Bayer: War das nicht das Konzept, auf das wir uns allgemein geeinigt hatten? War das nicht dein Vorschlag? Okay, rudern wir ganz kurz zurück. Also wir haben jetzt tatsächlich, um ehrlich zu sein, off-record ganz lange überlegt, was wir machen. Und es war aber schon ziemlich schnell klar, dass wir Rosamonte Pilcher machen wollen, was wir beide nicht kennen. Ja. Und weil wir uns wirklich nicht auskennen, habe ich das gerade, als das Mikro noch an war, vorgelesen, die verschiedenen Titel? Ja, ne?
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau. Hast du? Hast du?
Florian Bayer: Ich glaube ja. Also ich habe gesagt, ich denke, es wird ein Rosamunde-Pilcher-Film und dann bin ich die Liste durchgegangen und habe vorgelesen und Johannes... Hat gejammert. Ich hoffe, es ist eine Aufnahme. Es könnte auch sein, dass es off-record passiert ist. Auf jeden Fall sind die Titel sowas wie Anwälte küsst man nicht und Liebe in Ferien und so. Und ich habe mich für das entschieden, was am jüngsten ist und den verheißungsvollsten Titel hat. Wie verhext.
Johannes Franke: Das ist ein verheißungsvoller Titel. Wie hoch sind deine Standards gerade?
Florian Bayer: Das ist das Aktuellste, was es gibt von Rosamunde Pilcher. Der neueste Scheiß. Vom 2.5.2021 und wird bis 2022 auch in der ZDF-Mediathek verfügbar sein. Das heißt, ihr könnt das auch alle gucken. Wir gucken das zum ersten Mal. Es ist unser erster Rosamunde-Pilcher-Film.
Johannes Franke: Wir wollen aber nicht in die Falle tappen, einfach nur billig Bashing zu betreiben, oder? Auf keinen Fall. Es geht schon so darum, dass wir sagen, okay, wir haben ein Bild davon im Kopf, das ist ziemlich schlecht. Aber eigentlich wollen wir mal wissen, worüber wir da reden. Weil eigentlich, ich kenne keinen Rosamundepilcher. Ich habe ihn nie gesehen. Ich auch nicht. Ich weiß nicht, ob er vielleicht... Qualitäten hat, von denen ich nichts weiß.
Florian Bayer: Und wir sind tatsächlich, spielt es ja auch eine ganz große Rolle, dass wir, Rosamunde Pilcher ist so ein Platz halt dafür, schlechter, kitschiger Liebesfilm. Das ist das, was ich weiß. Genau. Mehr weiß ich nicht dafür. Und das ist natürlich total ungerecht, weil, keine Ahnung, vielleicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Vielleicht hat sie Rosamunde voll drauf. Wir wissen das nicht. Wir werden es herausfinden.
Johannes Franke: Mal gucken, wie sie so rumpilchert.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Also, aber... Aber es ist ja auch irgendwie eine Speerspitze des deutschen Fernsehens für eine bestimmte Zielgruppe, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Definitiv. Und diese Zielgruppe braucht auch ihre Filme. Man kann sich viel drüber lustig machen, was das deutsche Fernsehen zeigt, aber natürlich ... Ey, nicht jeder hat unseren Filmgeschmack.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut. Und ich würde sagen, wenn wir schon dabei sind, wenn wir schon sagen ... Wir gucken uns die Speerspitze, diese Speerspitze des deutschen Fernsehens an. Müssen wir uns noch eine andere Speerspitze des deutschen Fernsehens angucken? die auf anderer Seite immer hochgehalten wird. Und ich würde sagen, dass wir dann wirklich den Tatort nehmen, den wir gerade besprochen haben.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Interessant tatsächlich, weil Tatort ja wirklich als Speerspitze hochgehalten wird. Tatort hat einen interessanten Ruf und es gibt immer wieder Tatort... Folgen, die als total hochwertig bezeichnet werden. Ich kenne Tatort fast gar nicht. Ich habe ein paar Folgen gesehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und es gibt nur einen Tatort, den ich geil fand und das war im Schmerz geboren, also den ich wirklich geil fand. Und wir haben uns auch jetzt für einen hessischen Tatort entschieden. Wir wollten eigentlich das Murmeltier nehmen, von dem Johannes erzählt hat.
Johannes Franke: Ganz tolle Folge, wo er immer wieder und immer wieder zum Tatort geht. weil er morgens wieder aufwacht und genau der gleiche Tag wieder losgeht. Also, ne, Mummeltätag. Nur der Täter im ... Gebäude, wo er dann immer wieder reingeht, weiß auch davon, dass es immer wieder der gleiche Tag ist und sie nähern sich halt irgendwie an die Lösung des Falls.
Florian Bayer: Es klingt so großartig und ich hätte so Bock auf diesen Tatort, aber dieses verfluchte Ding findet man nicht. Wir haben jetzt einmal geguckt, wir haben beide einmal recherchiert und Und wenn wir uns nicht auf illegale Tauschbörsen begeben wollen, wo wir dann Radateien einzeln runterladen, dann finden wir diesen Film online nicht. Und da unsere... Unser Konzept ja auch ist, dass ihr euch das Zeug auch angucken könnt, egal ob vor der Sendung, um ... euch mit uns Gedanken zu machen oder nach der Sendung, weil es spannend klang, fällt der einfach raus.
Johannes Franke: Leider.
Florian Bayer: Deswegen nehmen wir einen anderen Tukor.
Johannes Franke: Ich bin übrigens voll dafür und wer irgendwie Kontakt hat, bitte klärt, warum die Tatorte nicht, verdammt nochmal, nicht auf Netflix gelandet sind. Weil der Tatortreiniger ist auf Netflix. Es gibt ein paar andere Speerspitzenproduktionen deutschen Fernsehens. Die auf Netflix gelandet sind, wo auch Geld mitverdient wird, wo das deutsche Fernsehen, wo die Fernsehanstalten auch nochmal Geld einsammeln mit. Warum nicht der Tatort? Ich verstehe es nicht.
Florian Bayer: Ja, ich verstehe es auch nicht. Ich habe das Gefühl, es ist ein rechter Albtraum, was mit dem Tatort geschieht, weil das in der natürlich sauteure Produktionen und da sind viele Interessen dran beteiligt und es ist einfach ein Albtraum. Es gab doch sogar ... War das nicht auch so ein Riesending, so ein Riesenskandal? Diese Tatort-Coproduktion von, mit Sky zusammen und dann war das Ding im Kino und nur exklusiv bei Sky. War das nicht ein Schweigertatort oder werfe ich da was durcheinander?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich glaube es gab so eine Koproduktion und mit groß Big-Budget-Action mit Til Schweiger. Und dann durfte das aber nicht im Öffentlich-Rechtlichen laufen, weil ... Wie doof. Die Absprache war, dass du erst Sky das Ding zeigen darf oder so, aber ich kriege es nicht zusammen. Ich will jetzt nichts Falsches erzählen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es gibt auch andere gute Two-Core-Tatorte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und bei unserer Recherche sind wir auf einen eingestoßen aus dem Jahr 2015, der voll vielversprechend klang.
Johannes Franke: Ja, also ich habe ihn noch nicht gesehen, aber ich würde sagen, wenn wir schon Pilcher haben und wir kennen es beide nicht, dann sollten wir einen Tatort nehmen, den wir beide nicht kennen. Der einfach, wo man... der vielleicht gut klingt, aber der einfach random, wo wir sagen, okay, wir gucken mal, da rein, wie wir auch in Pilcher einfach mal so reinschauen. Mal gucken, was passiert.
Florian Bayer: Genau, und dieser Tatort ist Wer bin ich? In der Tukur, nicht nur den Ermittler, jetzt habe ich den Namen vergessen, wie heißt der? Mono spielt, sondern auch sich selbst, den Schauspieler Tukor, der ... dass Mordes verdächtigt wird. Mehr weiß ich auch nicht. Das war die Beschreibung vom ZDF. Oder von der ARD. Klingt unglaublich. Ich habe so wenig Ahnung von deutschen Fernsehen. ARD. ARD.
Johannes Franke: Das klingt total spannend und total abgefahren und ich würde mir wünschen, dass es viel mehr solche Tatorte gibt, aber ... Es ist vielleicht nicht allen, dem Zielpublikum, das über 60 ist oder über 70. Ist es vielleicht nicht zuzutrauen, das ständig zu machen.
Florian Bayer: Wie alt ist das Zielpublikum vom Tatort? Das ist eine spannende Frage.
Johannes Franke: Der Durchschnitt lag tatsächlich irgendwo bei 70. Wirklich ein echter Durchschnitt. Da sind die Jüngeren schon mit dabei.
Florian Bayer: Ich hätte gedacht, der ist viel, viel, viel jünger, der Tatort, weil es ja mittlerweile wirklich, es gibt ja einfach Hipster, die Tatort lieben und das richtig zelebrieren. Kannst du das kurz googeln?
Johannes Franke: Weil das ist eine Zahl, die ich irgendwann mal am Set, wenn man sich unterhält mit dem und dem und mit dem und dem, dann sagt einer mal diese Zahl. Die wurde sehr ernsthaft reingeworfen, aber ich weiß nicht, vielleicht sind das auch falsche Informationen.
Florian Bayer: Äh, Altersstruktur der Zuschauer 2010. Da finde ich keinen Schnitt, aber da sind tatsächlich nur... 25% 60 Jahre und älter.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: Und 25% 45 bis... 59.
Johannes Franke: Das kann ich mir fast nicht vorstellen, aber für den Tatort, ja? Nicht für das ZDF oder für das ARD allgemein, sondern der Tatort. Warte mal an.
Florian Bayer: der befragten insgesamt nach alles kommt wie häufig die krimiöserie tatort schauen das macht keinen sinn was hier ist das ist merkwürdig warte ich meine das ist eine schlechte statistik ich gucke mal kurz wie weiter. Welche Altersgruppen schaut Tatort... Statista... Tatortzuschauer alterbild.de Also, ich befürchte, ich finde es jetzt nicht auf die Schnelle. Aber das ist ja was, was wir für nächste Woche recherchieren können. Stimmt. Ich bin auch sehr neugierig und das interessiert mich natürlich auch, weil ich hätte gedacht, dass tatsächlich das... mittlerweile das Durchschnittsalter vom durchschnittlichen Tatortzuschauer deutlich niedriger liegt als noch vor 20 Jahren. Einfach weil es diese... diesen Kult drum herum gibt. Und ja, also ich meine, hier in Berlin, wenn du durch die Straßen gehst, findest du ohne Probleme innerhalb kürzester Zeit eine Kneipe, die einen Tatortabend macht. Und ich glaube, das Publikum da dürfte eher nicht... jenseits der 60 sein, sondern das dürften eher jüngere Zuschauer sein.
Johannes Franke: Ja. Hm. Also die Zahlen, die ich damals gehört habe im Set, wenn man sich unterhält, die waren erschreckend.
Florian Bayer: Wie gesagt, das klang total krass.
Johannes Franke: Ja, man ahnt es, aber das dann wirklich zu hören ist, uff, ouch.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und die Beschwerden, also wenn ich am Set bin und wir etwas drehen, von dem ich weiß, das sind die älteren Zuschauer, dann muss ich ... bestimmte Sachen einhalten. Es gibt eine freiwillige Selbstkontrolle, was die Sachen, was mit... Fluchen betrifft. Ich darf bestimmte Sachen nicht sagen. Also Scheiße ist okay, aber so... Moderneres Fluchen, heftigeres Fluchen geht nicht. Ich weiß, ich muss eigentlich relativ deutlich reden. Krass. Obwohl Film nun eigentlich, wenn man es realistisch machen will, dann musst du viel mehr, also jetzt nicht... Nicht wie Til Schweiger vor sich hin nuscheln und man versteht nur so ein Drittel. Aber dass man mal etwas wegspricht oder dass man nicht die Endungen betont ... Und wie Theater rüberkommt. Das sind die häufigsten Beschwerden, soweit ich das weiß, von Zuschauern von Tatort und Co. dass die Schauspieler schwer zu verstehen sind. Krass. Weil einfach... Naja, natürlich, die Altersstruktur. Du hast eben Zuhörer, die ein schlechtes Gehör haben dann und dann... wenn du nur noch Fernsehen dafür machen möchtest, dann musst du natürlich auf bestimmte Sachen achten.
Florian Bayer: Krass, krass, krass. Und das ist dann tatsächlich einfach die Ansage, die du kriegst. Die sagen dir, hey, denk dran.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Du musst jetzt deutlich reden. Wir machen hier einen Tatort.
Johannes Franke: Und die Ironie, die dabei verwindelt wird, das ist ja dann der Satz an Tante Erna. Oma Erna muss es ja auch noch beim Bügeln verstehen. Wenn sie mal fünf Minuten nicht hingeguckt hat, muss sie wieder reinkommen.
Florian Bayer: Das ist die Ehre des deutschen Fernsehens in a nutshell.
Johannes Franke: Das heißt, alle fünf Minuten muss nochmal erklärt werden, was bis jetzt geschah.
Florian Bayer: Oh, ist das traurig. Oh Mann, mit dieser Vorfreude gehen wir ans deutsche Fernsehen heran.
Johannes Franke: Ich möchte trotzdem gerne verteidigen, wie schön es ist, als Schauspieler in dieser Fernsehlandschaft zu arbeiten. Es macht wahnsinnig viel Spaß. Ist trotzdem schön. Ich habe trotzdem sehr viel Spaß dabei, das zu machen und ich liebe diesen Beruf. Ähm, aber es gibt einfach Aspekte, die ein bisschen traurig stimmen. Irgendwie sowas. Mhm.
Florian Bayer: Shit. Naja. Große Vorfreude. Wir widmen uns nächste Woche, nachdem wir jetzt wirklich... viel und ausgiebig in internationalen Gewässern gefischt haben. widmen wir uns dem deutschen Fernsehen. Einmal ZDF, einmal ARD, einmal Rosamunde Pilcher, einmal Tatort.
Johannes Franke: Es wird auch Zeitplor. Wir haben jetzt irgendwie 20 Episoden ohne verbracht.
Florian Bayer: Be prepared.
Johannes Franke: Bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao.
