Episode 28: Orlando, The Holy Mountain
Es ist immer ein Erlebnis, wenn Johannes mit einem von Florian vorgeschlagenen Film überhaupt nichts anfangen kann. Bei Alejandro Jodorowskys surrealem Psychedelicfest The Holy Mountain aus dem Jahr 1973 ist das ganz besonders der Fall. Und so diskutieren wir munter über Sinn und Unsinn dieses verworrenen Kunstfilmklassikers, darüber, ob bizarre, abwegige Filme unterhaltsam sein können und wer Johannes die verlorene Lebenszeit zurückgibt. Bei Johannes‘ Vorschlag sind wir uns dagegen ziemlich einig: Sally Potters Literaturverfilmung Orlando aus dem Jahr 1993 ist nicht nur ein faszinierender Ritt durch die Epochen sondern auch heute, fast 100 Jahre nach der literarischen Vorlage und fast 30 Jahre nach ihrer Verfilmung brandaktuell.
Es geht also zu wie immer: Wir lachen miteinander, diskutieren, streiten und versöhnen uns. Und Tee gibt es natürlich auch. Auch zwei Toplisten haben sich im Gespräch verirrt: Wir sammeln die besten Reisefilme und erfreuen uns an den spannendsten übernatürlichen Begebenheiten im Kino.
Orlando [Sally Potter]
(Großbritannien 1993)
Wir schreiben das Jahr 1603. An ihrem Sterbebett schenkt Queen Elizabeth I dem jungen Orlando Land und Schloss, mit den Worten „Do not fade. Do not wither. Do not grow old.“
Worte die der Film sehr ernst nimmt. Tilda Swinton darf sich als Orlando durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart spielen und beide Geschlechterrollen erfahrbar machen.
Eine echte Story heraus zu schälen würde dem, nach einer Vorlage des gleichnamigen Buches von Virginia Woolf entstandenen Film, vielleicht mehr schaden als helfen, deshalb sei nur gesagt: wir erleben einfach die Welt durch Orlandos Augen und durch sein/ihr wechselndes Geschlecht. Unaufgeregt aber nicht emotionslos.
Ein Film der heute wieder aktueller denn je ist, Plor, ODER??!!
The Holy Mountain [Alejandro Jodorowsky]
(Mexiko 1973)
Alejandro Jordowsky gehört zu den großen Ikonen des surrealistischen Kinos. In den frühen 1970er Jahren, als das von Louis Bunuel und den europäischen Arthaus-Filmen dominierte Genre eigentlich schon seinen Höhepunkt hinter sich hatte und nur noch ein filmhistorisches Phänomen war, schuf Jodorowsky cineastische Werke, die eng mit dem Geist Bunuels, Dalis und Eschers verknüpft waren und dem künstlerischen Genre neues Leben einhauchten. Der berühmteste davon ist Holy Mountain aus dem Jahr 1973.
Wie es sich für ein surrealistisches Werk gehört, gibt es zwar eine Handlung, diese besitzt jedoch weder Kohärenz noch durchgängige Logik. Im Mittelpunkt steht mal der Dieb, der auf einer Suche ist. Wonach wird sich dem Publikum wohl nie ganz erschließen. Dann steht im Mittelpunkt der Alchemist, der sehr genau weiß, wonach er sucht: Dem titelgebenden heiligen Berg. Warum dessen Geheimnis so wichtig ist, warum der Alchemist unbedingt dort hin will, das wird sich dem Publikum wohl nie ganz erschließen. Und im Mittelpunkt stehen die Gefährten der beiden, einer nach dem anderen vorgestellt in einem großen satirischen Kaleidoskop. Warum wir so viel über deren Leben und Wirken erfahren… auch das wird sich dem Publikum wohl nie so ganz erschließen. Und eine Rolle für den Fortlauf der Handlung scheint es auch nicht zu spielen.
Aber Holy Mountain ist auch kein Film, der eine stringente Geschichte erzählen will. Und – wichtig für sein surreales Moment – kein Film, der entschlüsselt werden will. Er ist ein emotionales und vor allem ein visuelles Erlebnis, fern von Logik und Realität: Vögel schlüpfen aus den Wunden erschossener Menschen, aus Scheiße wird im wahrsten Sinne des Wortes Gold gemacht, libidöse Maschinen wollen zum Orgasmus gebracht werden und am Ende löst sich alles in selbstreferenziellem Wohlgefallen auf.
Holy Mountain ist ein Spektakel der Bilder und Ideen: Kryptisch, verschlungen, sexuell aufreizend, gewalttätig, provokant, satirisch, bunt, elegisch, esoterisch und transzendental. Mal scheint er einer reinen LSD-Fantasie entsprungen, mal kommt er als gesellschaftskritisches Parabel daher, mal wirkt er wie das Werbevideo eines New Age Gurus.
Am Ende ist man vor allem ermattet. Vielleicht aber auch glücklich, einem derart speziellen cineastischen Ereignis beigewohnt zu haben. Warst du es, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 28: Orlando, The Holy Mountain Publishing Date: 2021-07-14T23:36:12+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/07/14/episode-28-orlando-the-holy-mountain/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Es läuft, Flor.
Florian Bayer: Wir sind so unvorbereitet. Wir kämpfen mit den Listen und wir konnten uns nicht mal entscheiden, welchen Film wir als erstes besprechen wollen. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu dieser absolut unvorbereiteten, wahrscheinlich komplett improvisierten Episode.
Johannes Franke: Und übermüdeten Episode. Es ist Freitag statt Dienstag, weil Plor, warum auch immer, er will in den Urlaub.
Florian Bayer: Moment, wir haben den Freitag genommen, weil du am Dienstag im Theater auf der Bühne standst.
Johannes Franke: Oh fuck. Okay. Nein, aber das hängt doch alles zusammen. Du willst in den Urlaub und deswegen machen wir das nächste Mal so eine Remote-Episode. Und wir machen jetzt den Freitag und zwar 10 Uhr morgens.
Florian Bayer: Yeah. 10.35 Uhr morgens. Ich hab dir extra noch 5 Minuten gegeben. Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, also keine Sorge, wir haben uns vorbereitet, wir haben zwei Filme geschaut wieder, die wir uns gegenseitig aufs Auge gedrückt haben. Es gibt also wieder mal eine ganz klassische Episode, nachdem wir die letzten Mal doch sehr oft Publikumswünsche erfüllt haben.
Johannes Franke: Ja. was euch nicht abhalten soll, uns zu schreiben und uns Publikumswünsche zu geben. Aber wir sind doch ganz froh, mal wieder dem anderen... Was aufs Auge drücken zu können, was bloß schämisches Grinsen ist. Was du mir gegeben hast. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Das hat so viel Spaß gemacht, allein zu sagen, so. Jetzt drücke ich dir den aufs Auge. Und zwar habe ich Johannes einen 70er Jahre Surrealismus-Film reingewirkt von einem chilenischen Regisseur von... Alejandro Chodorowsky, Holy Mountain, wahrscheinlich sein berühmt-berüchtigster Film.
Johannes Franke: War das nicht El Toppo? Ist das nicht so der?
Florian Bayer: El Toppo ist der Film, der ihm zum Durchbruch geholfen hat und dann hat George Harrison gesagt. Gib dem Mann Geld. Lass den großen Film drehen. Und dann hat er einen großen Film gedreht und dann ist das dabei rausgekommen. Was dabei rauskommt, wenn man einem solchen richtig sehr viel Geld in die Hand drückt.
Johannes Franke: Ich hab echt gedacht, oh mein Gott, wer hat diesen Mann, warum gibt jemand diesem Mann Geld?
Florian Bayer: Aber zu meiner Verteidigung, den Film... den du gewählt hast, der spielt ja durchaus auch mit Surrealismus und mit... Irealen Phänomenen.
Johannes Franke: Ja, und ich fand es ganz geil, dass wir irgendwie wieder unverabredet mehr oder weniger so im gleichen... Feld uns bewegen, also ein bisschen broader gefasst, aber es ist schon, irgendwie sind wir da ...
Florian Bayer: Wir haben diese Woche eine Surrealismus-Folge, kann man so sagen. Und auch eine Folge moderner Filme. inspiriert von moderner Literatur. Was hast du für mich?
Johannes Franke: Ich habe für dich Orlando aus den Jahren 92, 93? 93. Von Sally Potter. Nein, 92. Tut mir leid.
Florian Bayer: Eine Literaturverfilmung von einem der berühmtesten Romane von Virginia Woolf, Orlando. Ja, aus dem Jahr 1928.
Johannes Franke: Und relativ frei, wenn ich das richtig verstanden habe.
Florian Bayer: Ja, ich habe es leider nicht geschafft. Ich habe ja letzte Woche großspurig gesagt, naja... Ich werde da mal ein bisschen lesen und vielleicht schaffe ich ja die 150 Seiten. Ich habe es leider nicht geschafft. Also ich bin einfach nicht in die Bibliothek gekommen. Ich hatte das Buch auch nicht zu Hause stehen. Ich hatte so ein bisschen die Hoffnung. dass es vielleicht irgendwo im Bücherregal steht. Allerdings habe ich so auf Spotify quer reingehört auf eine... Auf ein Hörbuch. Das schien mir auch eins zu eins Text zu sein. Es war nämlich ziemlich lange. Aber das hat natürlich nicht gereicht, um jetzt viel zum Roman sagen zu können. Das heißt, vergleicht ... Buchvorlage, Film wird eher flachfallen.
Johannes Franke: Okay. So, die Frage ist jetzt, Plor?
Florian Bayer: Womit fangen wir an?
Johannes Franke: Womit fangen wir an?
Florian Bayer: Lassen wir das Publikum entscheiden. Ticker und ich schenke uns kurz Tee ein. Während ihr auf Twitter und Telefon 0180 666-666-5555. Klassische Filmtelefonnummer. 92 Cent pro Anruf. Aus dem deutschen Festnetz. Okay. Oh, Blor, die Ergebnisse sind da. Das Publikum hat entschieden. Und wir schauen als erstes Trommelwirbel.
Johannes Franke: Jodorowsky.
Florian Bayer: Jodorowsky. Wir reden über Holy Mountain und Wir steigen ein und ich muss einmal kurz meinen Intro-Text raussuchen.
Johannes Franke: Ach du Scheiße, und ich muss mir überhaupt noch durchlesen, was ich darüber geschrieben habe. Ich habe gedacht, wir fangen mit Orlando an.
Florian Bayer: Und ich entschuldige mich wie schon bei der Duck-You-Sucker-Episode für alles, was ich falsch ausspreche, weil Alejandro Rodorowski ist ein... chilenischer Filmemacher, der viel in Mexiko gedreht hat. Allerdings mit ukrainischen Wurzeln, das heißt... Es gibt hier gleich zwei Herausforderungen, was die Aussprache des Namens betrifft. Und ich bitte... Darüber hinweg zu sehen. Ich habe mir einmal angehört bei irgendeiner Pronunciation-Seite, wie der Name wohl ausgesprochen werden könnte. Aber ich weiß nicht, ob ich dem Internet soweit vertraue. Alejandro Rodorowski. gehört zu den großen Ikonen des surrealistischen Kinos. In den frühen 1970er Jahren als das von Louis Bonoel und den europäischen Arthouse-Filmen dominierte Genre eigentlich schon seinen Höhepunkt hinter sich hatte. und nur noch ein filmhistorisches Phänomen war, schuf Rodorowskis cineastische Werke, die eng mit dem Geiste Bonoels, Dalis und Eschers verknüpft waren, und dem künstlerischen Genre neues Leben einhauchten. Der berühmteste davon ist Holy Mountain aus dem Jahr 1973. Wie es sich für ein surreales Werk gehört, gibt es zwar eine Handlung, diese besitzt jedoch weder Kohärenz noch durchgängige Logik. Im Mittelpunkt steht mal der Dieb, der auf einer Suche ist. Wonach wird sich dem Publikum wohl nie ganz erschließen? Dann steht im Mittelpunkt der Alchemist, der sehr genau weiß, wonach er sucht, dem titelgebenden Heiligenberg. Warum dessen Geheimnis so wichtig ist, warum der Alchemist unbedingt dorthin will, Auch das wird sich dem Publikum wohl nie ganz erschließen. Und im Mittelpunkt stehen die Gefährten der beiden. Einer nach dem anderen vorgestellt in einem großen satirischen Kaleidoskop. Warum wir so viel über deren Leben und Wirken erfahren, auch das wird sich dem Publikum wohl nie so ganz erschließen. Und eine Rolle für den Fortlauf der Handlung scheint es auch nicht zu spielen. Aber Holy Mountain ist auch kein Film, der eine stringente Geschichte erzählen will. Und, wichtig für sein surreales Moment, kein Film, der entschlüsselt werden will. Er ist ein emotionales und vor allem ein visuelles Erlebnis, fern von Logik und Realität. Vögel schlüpfen aus den Wunden erschossener Menschen. Aus Scheiße wird im wahrsten Sinne des Wortes Gold gemacht. Libidöse Maschinen wollen zum Orgasmus gebracht werden und am Ende löst sich alles in selbstreferenziellem Wohlgefallen auf. Holly Mountain ist ein Spektakel der Bilder und Ideen. Kryptisch, verschlungen, sexuell aufreizend, gewalttätig, provokant, satirisch, bunt, elegisch, esoterisch und transzendental. Mal scheint er einer reinen LSD-Fantasie entsprungen, mal kommt er als gesellschaftskritische Parabel daher, mal wirkt er wie das Werbevideo eines New Age Gurus. Am Ende ist man vor allem ermattet, vielleicht aber auch glücklich, einem derart speziellen cineastischen Ereignis beigewohnt zu haben. Warst du es, Johannes?
Johannes Franke: Nein. Nein.
Florian Bayer: Das ist sehr schade.
Johannes Franke: Oh, Flo, was hast du mir da angetan? Es ist so ein Scheißfilm, Entschuldigung, aber das ist wirklich, oh Gott. Also, ganz oft komme ich an den Punkt, wo ich sage, er will mir irgendwie Kritik unterjubeln. Aber er will sie mir auch nicht unterjubeln. Er will Kritik äußern, aber nicht, dass sie ankommt. Er will nicht... dort an das Publikum ran, wo die Kritik eigentlich hingehört. Dafür ist der Film zu sperrig. Also die Leute, die diese Kritik sehen sollten, werden diese Kritik niemals sehen. Also das Problem hat Kunst sowieso immer, dass du niemals die Leute erreichst, die du erreichen müsstest, um die Kritik zu... Aber der Film gibt sich gar keine Mühe. Leute zu erreichen, die es vielleicht sehen sollten, an die die Kritik gerichtet ist.
Florian Bayer: Du beziehst dich jetzt vor allem auf die gesellschaftskritische Komponente, die im Mittelteil des Films kommt.
Johannes Franke: Im Mittelteil.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich hat der Film ja, also wenn man... Wenn man es wirklich runterbrechen will, hat der Film eine sehr strenge Struktur, die so in drei... 40 Minuten Plöcken besteht. Und zwar ist der erste Teil ist eben dieser Dieb, der unterwegs ist. Und zwar, das sind 40 Minuten, die fast eine Stumpfilm-Atmosphäre haben, weil praktisch gar nichts gesprochen wird. Und wir sehen einfach diesen Dieb durch eine, man kann es nicht anders sagen, surreale Welt laufen, in der wirklich merkwürdige Dinge geschehen. Und der zweite große Block ist dann, nachdem er in dem Roten Turm angekommen ist und bei dem Alchemisten war ... dass der Alchemist ihm seine Gefährten vorstellt. Und dann haben wir wirklich 40 Minuten jeder Einzelne von diesen sieben Menschen wird vorgestellt und jeder einzelne von diesen sieben Menschen bewegt sich in einem sehr, sehr, sehr, sehr speziellen... in einer sehr speziellen Gesellschaft und macht da eine sehr spezielle Arbeit. Und dann haben wir den letzten Block, den dritten Block, die 40 Minuten, wo sich diese neun Personen, also der Alchemist, der Dieb und die sieben Gefährten... unterwegs zum titelgebenden Heiligen Berg befinden, dabei diverse Rituale durchlaufen und eben am Schluss an den Berg ankommen. Und einmal der Film komplett aufgelöst wird.
Johannes Franke: Das Wort Ritual. Ist sowieso sowas. Irgendwie hat der, das ist ein einziger Ritualfilm, der hat nur, also reit ein Ritual nach dem anderen. aneinander und will irgendwie will das kritisieren, aber auch Nicht, er steht total drauf zu ritualisieren, aber wiederum Will er das nicht? Ich weiß nicht, er hat so eine seltsame Mischung aus Kritik und Vergnügen daran.
Florian Bayer: Ich glaube, das Rituelle will er tatsächlich gar nicht kritisieren. Ich glaube tatsächlich, dass da... Was auch schon in El Topo angeklungen ist, Chodorowskis Liebe zu... Spiritualismus, zu Esoterik, zu New Age total durchschlägt. Und ich meine, wir haben das ja 1973... Das heißt, wir haben noch diesen Hippie-Background. Die Hippie-Kultur ist noch manifest. auch in Südamerika oder Mittelamerika, wo halt viele Einflüsse reingekommen sind in Filme aus Chile und aus Mexiko. Und die spielen da natürlich total viel rein. Diese Rituale sind auch ganz oft ... sexualisiert, irgendwie rauschhaft, selbst wenn der Film zwischendurch mal sagt, so Drogen, nein, danke. Wir wollen unsere Erlösung anders erreichen. Das glaube ich ihm halt nicht. Nein. Die werden alle so voll mit Drogen gewesen sein während dieses Drehs. Ich glaube, dieser Film ist komplett unter LSD-Einfluss. Sowohl entstanden, konzipiert worden, als auch gedreht worden.
Johannes Franke: Darf ich dir kurz einen Funfact, nicht sehr fun, vor Drehbeginn verbrachte Jodorowsky eine Woche ohne Schlaf. unter Anweisung eines Zen-Meisters und einen Monat in der Gemeinschaft mit den Schauspielern. Mehr muss man über den Film nicht wissen.
Florian Bayer: Aber das Krasse ist ja tatsächlich, ich gebe dir vollkommen recht, das Rituelle steht total im Mittelpunkt. Ich würde nicht sagen, dass er das Rituelle kritisieren will. sondern er will sich dem Rituellen hingeben. Ich glaube auch, man tut dem Film Unrecht, wenn man sagt, ich suche nach einer klaren Botschaft. Ich suche nach etwas, was mir diese Bilder entschlüsselt. Es ist kein symbolistisches Werk, sondern es ist wirklich ein surreales Werk. Und ich glaube, man tut dem Film generell unrecht, wenn man zu sehr mit dem Kopf rangeht.
Johannes Franke: Aber er hat so viele Symbole. Er hat so viel und man sieht immer wieder auch im Hintergrund und dort und dort und dort noch irgendeine Anspielung auf irgendwas. Wenn er kein symbolistischer Film sein will, dann muss er das rauslassen.
Florian Bayer: Ich finde, er hat viele Bilder und viele irreale, surreale Bilder. Aber ich weiß nicht, ob diese Bilder unbedingt was bedeuten sollen oder auf einer akademischen Ebene entschlüsselt werden wollen. Also vielmehr, dass diese Bilder ein Gefühl geben, irgendwie eine Art von Leidenschaft ausdrücken, zum Beispiel ganz am Anfang, da haben wir ja wirklich erstmal, wir werden ja bombardiert mit Bildern, wenn dieser Dieb... durch diese Welt läuft und dann sehen wir Menschen, die erschossen werden und dann kommen Vögel aus den Einschusslöchern. Ich will das Bild nicht entschlüsseln. Ich finde, das ist einfach ein unglaublich großartiges, tolles Bild.
Johannes Franke: Das ist ein gutes Bild. Es ist allerdings nicht... Nicht neu, muss man mal sagen. Das ist mir schon ein paar Mal... der einen oder anderen Art und Weise begegnet. Also es ist okay, kann man zitieren, kann man benutzen. Ja, also das ist jetzt nicht das, was mich irgendwie dolle stört. Aber da gibt es viele ganz andere Sachen, die mich stören. Vor allem, dass er sein Budget nicht ausgeschöpft hat. Anscheinend haben sie viel mehr Budget angegeben am Anfang, und der hat nur so die Hälfte gebraucht. Und ich denke, ja, hättest du dir da oder dort vielleicht auch noch ein bisschen Geld gönnen können, wenn man dich das so anschaut.
Florian Bayer: Ich glaube, du übersiehst dabei ein bisschen, wie viel großartige Kunst aus so einem anarchischen, improvisatorischen Setting entstehen kann. Ich finde es vergleichbar zum Beispiel mit dem Krautrock aus Deutschland, aus derselben Zeit. Wir bewegen uns ja tatsächlich... Tatsächlich bewegen wir uns ja in Zeiten, in der so psychedelic und Kommunendenken so eine ganz große Rolle gespielt hat, zumindest in der Gegenkultur, in der linken Gegenkultur oder allgemein in der Gegenkultur. Und diese Krautrock-Sachen, die in Deutschland entstanden sind, sowas wie Ken und die Anfänge von Kraftwerk, Das war ja auch oft, dass die sich in Kommunen getroffen haben und haben gesagt, wir nehmen jetzt ein Album auf, aber dazu müssen wir erstmal zwei Wochen lang freie Liebe praktizieren und Drogen nehmen. und unser Haus schmücken und was dann gar nicht so groß in das Kunstwerk direkt mit einfließt, aber indirekt in dem Atmosphärischen drin ist. Das hat dieser Film. Auch dieses Ding, das ist natürlich so total überambitioniert und total drüber, dass der Typ... nicht geschlafen hat und dass er sich mit Zen-Meistern unterhalten hat und so. Aber dieser Film atmet das total aus, finde ich.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Also diese Bilder und es ist einfach mal so ein Überschuss an Bildern, die natürlich sich beim klassischen Surrealismus der bildenden Künste bedienen. Natürlich steckt da so ein bisschen Dali drin, natürlich steckt da so ein bisschen Escher drin. Aber die auf einer filmischen Ebene ... teilweise wirklich einen absoluten Sonderstatus haben. Der surreale Film ist auch kein, also unabhängig davon, dass er ohnehin in der Nische stattgefunden hat, es ist kein Genre, das krass viele Werke hervorgebracht hätte. Du kannst so reale Filme an deiner Hand abzählen. Das sind halt die Werke von Bonoel, das sind die Das sind die französischen Nouvelle-Va-Regisseure, wobei selbst die teilweise sagen würden, nee, wir machen kein surreales Kino, was wir machen ist was anderes. Und Das war es eigentlich auch schon fast. Es gibt so ein paar surreale Kurzfilme. Man muss natürlich auch sagen, also ... Surreales Kino, Experimentalfilm sind die Grenzen natürlich auch fließend.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Für mich ist meine Definition immer, dass Surrealismus ... Eri alle Sachen zeigt, ohne sie zu erklären. Im Gegensatz zum Fantasy-Setting, wo klar ist, es passieren auch fantastische Dinge im klassischen Fantasy-Film.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber der Surrealismus verpflanzt die meistens in einer Welt, die uns vertraut ist. Und erklärt sie nicht und entzieht sie auch der Logik. Es gibt eine klare, innerente Logik in der Herr-der-Ringe-Welt. Wir wissen, was die Elfen können. Wir wissen, was die Zwerge können und die Hobbits. Und die bleiben in dieser Logik. Und der Surrealismus bricht das halt auf. Zum Beispiel, indem wir am Anfang durch dieses ... postmittelalterliches Setting laufen und dann nachher, wenn der Dieb, wenn die Gefährten und der Dieb zum ersten Mal aus dem Turm rauskommen, befindet sich dieser Turm plötzlich mitten in einer Metropole und ist von großen Straßen, die von Autos befahren sind, umgeben. Und im Gegensatz zum Experimentalfilm erzählt der Surrealismus ein bisschen mehr. Das heißt, es werden nicht einfach nur Bilder aneinandergeworfen, wie zum Beispiel... Ich würde sagen, sowas wie Schlingensiefs 100 Jahre Adolf Hitler ist eher ein Experimentalfilm als ein Surrealismusfilm. Weil viel mehr Bilder chaotisch durcheinander geworfen werden. Und der Surrealismus... Hat zumindest noch eine Geschichte, aber diese Geschichte ergibt keinen Sinn.
Johannes Franke: Ja, vor allem hat der Surrealismus, glaube ich, eher das Bedürfnis... Bilder zu erzählen, während Schling sie 100 Jahre alt auf Hitler mehr das Chaos erzählt hat.
Florian Bayer: Und das Surrealismus ist natürlich auch immer auf der Suche nach einer Schönheit in diesem Absurden.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und gerade Holy Mountain versucht halt auch wirklich viele und schöne Bilder zu machen. Also zum Beispiel in dem Turminneren wird sehr viel mit Farben gespielt. Es gibt diesen Tarotraum. Die Inspirationen sind so vielfältig. Rückgriff auf klassische Mythen, auf klassische religiöse Bilder. eben auf diese New Age-Hippie-Ästhetik und so weiter und das wird alles bunt miteinander gewürfelt. Ich habe wieder festgestellt, ich finde, das ist einfach ein krass visuelles, berauschendes Erlebnis.
Johannes Franke: Da mal anknüpfend. Magst du den Film wirklich oder ist das einfach nur ein Beeindrucktsein von dieser Art und Weise?
Florian Bayer: Ich mag den Film, weil er mich beeindruckt. Ich habe jetzt wieder festgestellt, also ich habe ja gesagt, ich weiß nicht, ob ich dir lieber El Topo geben würde, weil das der kohärentere Film ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Von... Obwohl der auch viele surreale und merkwürdige Ebenen hat und auch in der Geschichte so ein bisschen rumspielt. Aber er ist so ein bisschen kohärenter, weil er... stringenteren Weg erzählt und in seiner Welt eher so mehr so im klassischen Fantasy-Setting bleibt. Aber Holy Mountain, ich habe ihn jetzt zum dritten Mal vielleicht gesehen. Ich bin hin und weg, während ich diesen Film sehe. Ich finde ganz ehrlich... ehrlich, ohne, ich finde auch für mich ist dieser Film nicht einfach sowas, wo ich denke, ah, der fordert mich intellektuell heraus und hoffentlich ist es gleich vorbei. Ich liebe es, drüber nachzudenken, aber hoffentlich dauert es nicht mehr so lange. Nein, nein, ich sitze da und ich genieße das richtig. Ich lasse diese Bilder auf mich wirken. Und ich mag halt auch tatsächlich surreale Kunst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist wirklich, es hat einfach ... einen berauschenden Unterhaltungswert. Und ich finde, das unterscheidet ihn zum Beispiel auch von Filmen von ... Zum Beispiel Tarkowski, die spröder sind und anstrengender sind. Bei Tarkowski fühle ich mich nicht so unterhalten. Ich liebe Tarkowski-Filme. Es gibt eine Episode, wo wir über den Spiegel reden, der übrigens Johannes gut gefallen hat. Ja. Aber Tarkowski ist halt spröde und bei Tarkowski guckst du und denkst nicht so, ich will mich jetzt unterhalten, sondern du denkst, ja, ich will mich herausgefordert, ich will drüber nachdenken. Holly Mountain ist ein Film, den ich gucke und ich finde nicht sprödig. Dieser Film unterhält mich.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Ich glaube, da kommt mir ein bisschen ins Gehege, dass ich ganz schnell... abgeschreckt bin von Bildern, die prätentiös sind, von Leuten, die irgendwie Sozusagen, ich weiß nicht, ich kann nur Maya zitieren, dass die Bilder schreien, ah, guck mich an, guck mich an, ich bedeute was. Das ist so, oh man.
Florian Bayer: Das ist das, wo ich ganz vehement widersprechen würde. Das macht dieser Film nicht. Also natürlich gibt es parabolische Elemente, vor allem eben, wenn wir in diesem Mittelteil die... Die anderen Diebe kennenlernen.
Johannes Franke: Dann haben die anderen Diebe auch noch so einen Planeten, der zu ihnen gehört. Ja, natürlich. Oh Gott, Leute.
Florian Bayer: Das ist New Age, das ist Esoterik. Aber es ist so geil. Es ist visuell so beeindruckend und es ist von den Bildern so beeindruckend. Ich kann ja mal einfach... was ich großartig fand an Bildern in dieser ersten Hälfte, in diesem ersten Drittel, wenn der Dieb durch diese Welt geht. Wenn er sein Kreuz trägt, dass das gemacht wurde aus seinem Ebenbild und er trägt das dann, dann folgen ihm diese Prostituierten und es wirkt wie eine Prozession. Das hat so eine... starke biblische Kraft. Das ist total toll. Und das in diesem absurden Setting. Wenn wir die Kröten sehen, die da überall rumspringen, die dann auch mal gesprengt werden und dann gibt es diesen riesigen Blutfluss. Was für tolle Bilder. Es ist einfach... Deswegen erschlägt mich einfach mit diesen visuellen Einfällen. Und wie gesagt, es ist mir scheißegal, was dieser Film mir damit sagen will, weil ich glaube, der Film will damit auch nichts sagen. Der Film sagt nicht... Interpretier mich, interpretier mich. Sondern dieser Film sagt, ja, genieße. Und das kann ich.
Johannes Franke: Für mich hat es so einen Anstrich von, weiß nicht, so einem Jugendlicher, der sagt, ich will jetzt aber alles deswegen. komm, dann gebe ich dir noch das und mache ich noch das und mache ich noch das und irgendwie so einen rebellischen, der aber irgendwie nicht so der mich nicht mehr erreicht.
Florian Bayer: Gerade dieser Gestus bringt, glaube ich, echt gute Kunst hervor. Wir brauchen viel mehr Jugendliche und viel mehr junge Wilde in der Kunst. Natürlich ist so ein reifes Alterswerk durchdachter und kohärenter.
Johannes Franke: Aber das ist jetzt gemein. Das finde ich auch, da hast du vollkommen recht. Natürlich brauchen wir Jugend, die voranprescht, die auch nicht unbedingt jetzt alles... und so und so und einfach macht und dann eben auch mal daneben greift oder auch nicht. das ist nicht das, was, da gibt es gute Beispiele für, aber das gehört halt nicht zu den guten Beispielen dafür. Und Jodorowsky ist ja jetzt auch nicht, wie alt war denn der, als er das gemacht hat? Ich meine, der ist auch schon ein bisschen älter gewesen.
Florian Bayer: Tatsächlich war er schon ein bisschen älter. Du hast mit dem Jugendlichen angefangen. Er war 44, als er den Film gemacht hat. Er war älter, als wir jetzt sind.
Johannes Franke: Siehste, und ein 44-Jähriger, der sich benimmt wie ein 16-Jähriger. Weiß ich nicht, will ich nicht.
Florian Bayer: Doch, natürlich. Wir brauchen viel mehr 44-Jährige, die sich wie 16-Jährige übernehmen. Und ich rede jetzt nicht von den Typen, die gerade frisch geschieden sind und mit einer Baseballkappe in der Bar sitzen und sagen, dass sie sich eine 20-jährige Freundin wünschen. Nein, das meine ich nicht. Das sehe ich da aber bei dem. Echt jetzt? Nein. Ich sehe hier jemanden, der endlich mal das Geld hat und endlich mal so ein bisschen den Fame hat, um das umzusetzen, was er sich die ganze Zeit in den Kopf gesetzt hat. der komplett aus der Außenseiter- und Gegenkultur kommt und der surreale Werke macht, die höchstens im amerikanischen Midnight-Kino laufen. Und dann durch Zufall Wirklich durch Zufall sieht das ein Beatles-Mitglied und sagt, Leute ... Das ist echt große Kunst. Ich weiß nicht, warum jemand von den Beatles einen Hamburger Dialekt haben sollte.
Johannes Franke: Die hatten doch irgendeine Verbindung zu Hamburg. Die hatten doch Hamburg im Studio aufgenommen. Was war denn das für ein Album? Ich weiß nicht genau. Am Anfang auf jeden Fall.
Florian Bayer: Ich finde, ich weiß auch nicht, also ich sehe in dem Film auch nicht nur Jugendlichen leichtsinnig, ich sehe wirklich, total viele Ideen und es sind zu viele Ideen und die werden da alle reingeworfen und reingepackt. Aber gerade diese ersten... diese ersten 40 Minuten, wenn dieser Dieb in dieser Welt unterwegs ist. Es wird nichts geredet, es wird nichts erklärt, es wird nichts zerredet. Und wir haben einfach ... Bilderwelten. Und ich finde das von Anfang bis Ende genial.
Johannes Franke: Aber weißt du, was es sein könnte, was mich wirklich... Was den Todesstoß für mich gibt, ist tatsächlich das, was du sagst, es sind zu viele Ideen. Ich glaube, mir ist es wichtiger, dass ein Film so konkret... zwei, drei Ideen nimmt und die genauer untersucht, statt dass er für jede Idee so zwei Minuten, hier guck mal, hier ist noch ein Bild und hier ist noch ein Bild und dann irgendwie daraus nichts macht, sondern irgendwie einfach nur so ein... so ein Bosch erschafft, wobei ich Hieronymus Bosch wieder großartig finde.
Florian Bayer: Bosch ist auch Jugendlicher Leichtsinn.
Johannes Franke: Die überladenden Bilder. Aber so ein, weiß ich nicht, das ist so ein Wimmelbild und ich... Wenn er mich einfach nur überfordern will, ja gut, okay, hat er geschafft. Aber eigentlich... will das ja irgendwo hin, also ich will irgendwo hin, als Zuschauer will ich irgendwo hin und das ist es halt. Ich gucke mir einen Film an, warum gucke ich mir einen Film an? Ich schaue mir einen Film an, damit ich irgendwo hinkomme, damit ich mir den Film angucke und danach Gedanken habe, die mich weiterbringen im Leben. Und ich habe bei diesem Film keinen einzigen Gedanken, der mich länger als eine Minute beschäftigen kann, weil das nächste kommt und mich wegreißt. Und ich denke am Ende, ja gut, jetzt hat er da noch irgendwie dann die Prozession und dann noch das und dann noch das. Und da gab es ein, zwei Bilder tatsächlich. Also es stimmt nicht ganz, weil es gibt wirklich ein, zwei Momente, wo ich da sitze und denke, cool, das hat er ein schönes Bild geschafft. wie zum Beispiel eben das Tarot-Zimmer zum Beispiel oder diese Topshop, dieses schöne, das sind schon ein paar schöne Bilder, aber im Allgemeinen würde ich sagen, Weiß ich nicht, hat er den Zuschauer natürlich erklärtermaßen vollkommen außen vor gelassen und sich gedacht, ich hau jetzt einfach alles rein. Und das macht mir halt als Zuschauer kaum vor Genügen.
Florian Bayer: Wir haben doch schon öfter auch über Un Chier Andalou geredet. Der ja nach dem selben Prinzip funktioniert, wo du ja wirklich eine Szene hast, die, keine Ahnung, der Film dauert insgesamt 10 Minuten oder so. Und du hast eine Szene, die vielleicht 30 Sekunden angespielt wird. Und dann kommt die nächste Idee. Also du hast irgendwie jemanden, dem plötzlich ein Bart wächst. Und dann verliert die Frau ihre Achselhaare oder so und guckt ganz erschrocken. Und dann geht er durch eine Tür und dann steht da plötzlich Frühling oder so und dann laufen sie am Strand entlang. Das ist ja dasselbe Prinzip, aber er geht nur 10 Minuten. Er geht nur 10 Minuten, das dachte ich mir, dass du das sagst.
Johannes Franke: Das ist es nämlich, weil du auch vorhin gesagt hast, es gibt ein paar surreale Kurzfilme, die irgendwie noch da werden, aber eben nicht so viele Langfilme und ich denke dann, ja zu Recht. Es gibt dann halt einen Kurzfilm, in dem ein paar Ideen angerissen werden, was ich dann auch weiter verarbeiten kann, wo ich dann davorstehen kann und sagen kann, ah ja, okay. In 10 Minuten habe ich jetzt das, das und das und das. Das kann ich im Kopf nochmal sortieren und kann vielleicht auch Zusammenhänge herstellen. Egal, ob der Filmemacher die Zusammenhänge wollte oder nicht. Aber das gibt er mir ja auch, das Werkzeug gibt ja einen Surrealist sowieso dem Zuschauer in die Hand zu sagen, stell Zusammenhänge her, wo sonst keine sind, wenn du willst oder lass es, wenn du willst. Mach damit, was du möchtest. Was ich einen lässigen Ansatz finde, ja, ist cool. Und deswegen funktionieren zum Beispiel die Nalige-Melder ja super. Weil ich kann in meinem Timing, dass mir der Film allerdings vorgibt und das Gemälde nicht, kann ich mir das anschauen und Zusammenhänge erstellen, wie ich möchte.
Florian Bayer: verstehe ich, dass du sagst zum Beispiel den Hieronymus Bosch gemeldet, ist auch total überladen. Du hast ganz viele Elemente, du hast irgendwie Hölle und Himmel auf einem Bild, du hast Teufel, verschiedene Dämonen, ein paar nackte, ein Mensch, der sich in einen Ziegenbock verwandelt. Aber natürlich gibt es zwischen der bildenden Kunst und dem Film den radikalen Unterschied, dass du die Zeit bei der bildenden Kunst selbst für dich festlegst. Und auch beim Roman. Wenn du ein Gedicht zum Beispiel liest, es gibt ja auch Gedichte, die sehr voll sind mit Bildern. Ja. Aber du kannst jederzeit zurückspringen zu einer Zeile und kannst es noch mal lesen. Im Film kannst du das nur machen, indem du ... was ganz Wesentliches für den Film, nämlich seine zeitliche Struktur zerstörst, indem du sein Tempo und dann den Film natürlich auch ein bisschen anders rezipierst, als er eigentlich gedacht ist. Da kann ich mitgehen. Ich würde gerne noch mal kurz zu deiner ... zu dem, was du von Filmen erwartest, zurückkommen. Ich glaube... Also natürlich ist das was, was ein Film mir geben kann, was ich auch nehmen würde. Ein Film bringt mich irgendwo hin und ich habe das Gefühl, ich habe meinen Horizont erweitert. Ich bin ein anderer Mensch, ich habe mich irgendwie verändert. Aber ich glaube, es ist nicht alles, was man von Filmen erwarten kann. Ich glaube, es gibt total eine Ecke für Filme die auch einfach, ästhetisch und visuell reizvoll sein dürfen.
Johannes Franke: Das bringt mich auch voran. Jedes Bild, was irgendwie schön ist und was spannend ist und was ein Spannungsfeld aufbaut zwischen links unten und rechts oben. Ist ein Bild, was mich voranbringt. Was mir... was mir einen Gedanken anstößt oder ein Gefühl und mich damit auf einen anderen...
Florian Bayer: ein Gefühl anstoßen.
Johannes Franke: Dieser Film hat keine Gefühle, weil die angestoßen oder keine ... Nur das Gefühl von ... Alter ...
Florian Bayer: Ich glaube, vom Gefühl her bin ich immer noch so im ersten Drittel. Diese ersten 40 Minuten, wenn der Dieb zum Turm kommt und dann schließlich in diesen ... zahllosen Ritualen vom Alchemisten auf seine Seite gezogen wird. Also da kommt auch diese... Szene, die ich vorhin im Intro erwähnt habe, wo wirklich der Alchemist aus Scheiße Gold macht und dann zu dem Dieb sagt ... Du bist auch Dreck, aber du kannst dich auch selbst in Gold verwandeln. Und dann gibt es diese Selbstfindungsszene.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber jetzt kommen wir natürlich, der Film ändert jetzt seine Stoßrichtung total. Ganz kurz. Im Mittelteil.
Johannes Franke: Wenn du noch im vorderen Teil warst, dann lass uns doch mal ganz kurz noch. Es gibt so ein paar verstörende Sachen wie... wo er dann wirklich auf Realismus setzt, wie die Fliegen auf dem Gesicht... Von Jesus. Und das Haareschneiden tut mir natürlich weh, weil das wirklich echt ist. Ja, okay, kann man machen. Und die ganzen nackten Kinder, die da rumrennen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Alter, nee. Was?
Florian Bayer: Aber die nackten Kinder, die rumrennen, sind ja nicht so sexualisiert. Also es gibt bei den Postulierten dieses eine Kind, was... Kinderprostituierte?
Johannes Franke: Genau, das wollte ich gerade sagen. Das ist halt dann wirklich die Rände alle mit so durchsichtigem Oberteil rum. Es wird explizit auf Brüste, Brüste, Brüste gefilmt. Und dann gibt es da dieses Kind. Das sind ganz schreckliche Zusammenhänge. Das finde ich nicht... Irgendwie nicht schön.
Florian Bayer: Tatsächlich thematisiert er das ja, weil er offensichtlich hier, also er bringt ja diesen Priester dann ins Spiel, der dem Kind sein Glasauge schenkt. In einer wirklich offensichtlich auch realistischen Szenen. Das sieht aus, ob das ein echtes Glasauge wäre von diesem Schauspieler, der den Priester verkörpert. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass hier das Thema Kinderprostitution einfach mal angerissen wird und auch in Zusammenhang gebracht wird mit der... mit der katholischen Kirche. Und das ist lange Zeit bevor Missbrauch in der katholischen Kirche groß thematisiert wurde. Der Film hat ja... einigen Ärger ausgelöst. Und viele Sittenwächter waren ja Er zürnt über diesen Film und diese eine Szene ... Die hat dabei natürlich auch eine Rolle gespielt, weil der Film einfach mal ... blasphemisch ist. Indem er überhaupt am Anfang diesen Dieb so als Jesusfigur inszeniert, der wird ja auch gekreuzigt und dann wird ein Jesusabbild von ihm geschaffen. Und dann wird er plötzlich Dieb genannt und dann kam mir ein Priester, der sich mit den Prostituierten vergnügt und sehr gezielt auf das Kind... Ich weiß, was du meinst. Aber ich glaube halt zum einen ist der Kontext der 70er Jahre und zum zweiten ist es, fand ich diese Szene nicht so krass exploitativ. Der Film hat mehr Momente, wo ich finde, dass so dieses Exploitation-Charakter das sehr durchkommt.
Johannes Franke: Also es ist schon wirklich, er hat da irgendwie... Aber mit dem Kind habe ich das nicht gesehen. Minuten lang nur auf dem... Frauen auf den Oberkörper, auf die Brüste gefilmt und das in Fokus. Also wirklich lange.
Florian Bayer: Aber er hat nicht das Kind begafft, oder?
Johannes Franke: Das Kind war voll in der Szene. Also der Zusammenhang ist einfach ganz... deutlich gewesen und du hast es nicht getrennt oder sowas.
Florian Bayer: Ich fand tatsächlich, diese Trennung war einfach dadurch, dass sie diesen Priester haben, diesen Lüstern, der dann sehr gezielt auf das Kind losgeht.
Johannes Franke: Aber das ist halt das Problem des Surrealismus, wenn du nur anreißt. Dann hast du nicht die Chance als Filmemacher, das groß zu erklären, groß zu sagen, das möchte ich damit irgendwie, dass es gibt eine Stoßrichtung oder sowas. Sondern du zeigst halt einfach ein Bild und der Zuschauer muss sich den Gedanken selber machen, was ich ja auch richtig finde. Aber du hast ja auch eine gewisse Verantwortung.
Florian Bayer: Und es gibt natürlich durchaus auch grundsätzlich die Komponente vom Surrealismus, der Surrealismus ist, eben weil er auch so sehr stark auf das Leidenschaftliche setzt und weniger auf das Verkopfte. Ist natürlich auch eine sehr sexualisierte Kunst. Und die großen Ikonen des Surrealismus waren natürlich alle Männer. Zumindest so, wie wir sie kanonisiert haben. Und dann hast du natürlich diesen Men-Gays. Das heißt, wenn etwas sexualisiert ist, dann sind es Frauenkörper.
Johannes Franke: Wobei auch ein paar nackte Männer dabei sind, aber das später. Aber der Film, Mann, oh boy, ist der Film sexualisiert und voll von Sex und da und überall. Und ich denke dann immer wieder, er wollte doch neue Themen aufmachen. Ich will doch jetzt den Planeten, was weiß ich, will er mir jetzt zeigen und dann den Planeten sowieso. Aber überall geht es um Sex. Ich dachte, er will mir verschiedene Welten zeigen.
Florian Bayer: Aber die sexuelle Revolution war damals noch sehr jung, was er hier darstellt. Es gibt ja ganz viel Promiscuitivität, die thematisiert wird in dem Film. Auch so ein Bruch von sexuellen Grenzen. Der Film haut da natürlich rein, also zum einen in diesen Zeitgeist der Gegenkultur. der Hippies, die dann einfach gesagt haben, hey, lasst uns freie Liebe machen. Make love, not war. Und gleichzeitig gegen den ... gegen den Zeitgeist der breiten Öffentlichkeit, die das als riesige Provokation aufgefasst haben. Allein das in diesem Film... weibliche Sexualität thematisiert wird, weiblicher Orgasmus thematisiert wird anhand von dieser Maschine, das waren damals auch provokante Bilder. Der Film ist auch ein Film, der voll in die Zeit der sexuellen Revolution fällt. Mit allen positiven Seiten und mit allen Schattenseiten. Weil natürlich kann man retrospektiv sagen, ja, die sexuelle Revolution hatte... sehr viele Schattenseiten, weil es natürlich auch sehr stark männlich organisiert war. Und der Feminismus hat dann erst später in den 70ern da ja auch sehr stark dagegen gearbeitet und es gab ja auch in dieser zeit gab es ja auch wirklich diese Zum Beispiel, dass sich Päderasten an die Homosexuellen rangehängt haben, an die homosexuellen Bewegungen. Es war total cool, dass die Homosexuellen endlich geschafft haben, ihre Sexualität ein bisschen freier auszuleben und gesellschaftlich akzeptabler zu machen, zumindest in diesen Kreisen. Und dann kamen halt die Pädophilen, haben gesagt, hey, jetzt sollten wir aber auch noch mal über Sex Aber man darf das, glaube ich, nicht alles über einen Kamm scheren, weil damals sind wirklich gute Dinge passiert, gerade was was Befreiung von Sexualität betrifft, von der wirklich krassen Sexualmoral der Gesellschaft davor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und du willst nicht zurück in diese bürgerliche Sexualmoral, wo halt tatsächlich die Frauen ... im Grunde genommen Prostituierte der Männer sind, weil es zur Ehe gehört, zu den ehelichen Pflichten gehört, dass sie sich hingeben müssen, ohne Lust zu empfinden. Und dieser Film thematisiert eben auch weibliche Lust und dieser Film zeigt eben eine Freiheit von diesem sehr einfachen, monogamen Schema.
Johannes Franke: Ja. Ja, Geschichte ist ja auch kein geradliniger Zeitstrahl, wie man das so gerne sieht, sondern es passiert halt... passieren mehrere Sachen parallel, zwei Schritte vor, einer zurück und so. Und natürlich ist dieser Film dann in diesem Spannungsfeld irgendwie. Das möchte ich dir gerne geben. Das stimmt schon. Aber ich glaube, ich bin einfach sehr stark auf der Seite der... weniger verzeihenden Zuschauer, die sich dann denken, naja, Ist zwar ein Film aus seiner Zeit, aber ich will dem nicht kritiklos gegenüberstehen.
Florian Bayer: Nee, sollte man auch auf jeden Fall nicht. Ich glaube, man sollte ganz klar aber sehen dabei, dass es ein Film aus seiner Zeit ist, aber dass er ein anderer Film aus seiner Zeit ist, als zum Beispiel... Das klassische, ans Bürgertum angelehnte amerikanische Unterhaltungskino. Ja. diese falsche Sexualmoral der damaligen Zeit gehabt hat, wo du einfach Homophobie hast, wo du einfach eine verquere Sexualmoral hast, wirklich krassen Sexismus. Der Film ist was anderes, weil er eben aus dieser Gegenkultur kommt. Weil Sexualität bei ihm eben weitergedacht wird und auch freier gedacht wird. Ich glaube, das ist wichtig zu betonen, weil die Filme, die den Zeitgeist widerspiegeln, hatten eben diesen konservativen Sexismus. Und er hatte diesen Sexismus, der in dem Progressiven entstanden ist, Oder der von den Progressiven aus dem Konservatismus mitgetragen wurde, ohne dass es gemerkt wurde teilweise. Also ich glaube, tatsächlich haben ganz viele vor allem männliche Verfechter der freien Liebe gar nicht gesehen, wie sehr sie sexistische Schemata des Konservatismus weitertragen in ihre Welt, indem sie sagen, hey, wir gestalten jetzt unsere Liebe frei. Und gleichzeitig sich überhaupt nicht darum gekümmert haben, wie es den Frauen geht. Und das ist mit Sicherheit was, was auch diese Linke-Kultur der damaligen Zeit noch aufarbeiten muss. Was auch teilweise schon geschieht.
Johannes Franke: Naja, gut. Jedenfalls ist mir das ein bisschen zu viel in diesem Film. Also A, zu viel Sex und B, zu viel der falsche. Also der für mich einfach sexualisierte Blick. Und irgendwie, weiß ich nicht, wir können ja mal weitergehen. Du wolltest den zweiten Teil, den Mittelteil.
Florian Bayer: Genau, wo wir jetzt wirklich einen Wechsel in Erzählhaltung haben. Davor war der Film... quasi ruhig und hat dann einfach nur Bilder gezeigt, es wurde nichts geredet. Rodorowski hat wohl beim Kürzen nochmal sehr viel rausgekürzt beim Schnitt. Weil er wollte die Dialoge so weit es geht reduzieren. Das ist ihm am Anfang gelungen. Ich mag auch tatsächlich total diese Stummfilm-Vibes.
Johannes Franke: Er hätte auch, finde ich nämlich auch, er hätte ja eigentlich fast den ganzen Film dialogfrei gestalten können, theoretisch. Also alles, was gesagt wird, ist eigentlich off. Ja, eigentlich brauchst du es nicht wirklich.
Florian Bayer: Im Mittelteil ist tatsächlich der Text total wichtig, wenn diese Gefährten vorgestellt werden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich finde, da gelingen dem Film auch wirklich tolle satirische Spitzen, wenn es dann heißt, so ... Hier kommen deine sieben Gefährten. Das sind auch alles Diebe, aber die sind von einer mächtigeren und einer höheren Ebene. Und dann kriegen wir diese Diebe, diese Verbrecherin präsentiert. Und die sind alle, das sind alles so aus dem Dunstkreis der Reichen und Mächtigen. Und jedes einzelne dieser kleinen Dioramen von einem Menschen, der jetzt der Gefährte wird ... Es hat irgendwie einen wirklich bizarreren Blick auf die Gesellschaft, auf die Wirtschaft, auf die Politik. Also zum Beispiel... Legen wir einfach mal los. Wir haben einen Fohn, den Unternehmerssohn. Diesen Schönling mit langen Haaren, der in strahlenden Farben gekleidet ist. Und der eine Fabrik hat, wo alle Arbeiterinnen Frauen sind. Der quasi so sein eigenes Fabrik-Freudenhaus gebaut hat. Und er wird als Verbrecher inszeniert, ne? Und dann machen sie die Leichen. dann kümmern sie sich um die Leichen und geben denen und sagen, wir kümmern uns darum, dass die Leichen gut aussehen. Wir machen die Masken für die Leichen. Und wir geben ihnen zusätzlich noch die Möglichkeit ... wenn die Gäste sich das wünschen auf der Trauerfeier, dass die Leichen noch mal Bewegungen machen, wie sie im realen Leben gemacht haben. Und dann haben sie einen Priester im Sargleben und geben dem elektronische Impulse. Und dieser Priester macht das Kreuzzeichen. Und dann haben sie eine Porno-Darstellerin im Sarg liegen, der sie elektronische Impulse geben und dann fängt die an zu masturbieren. Und das ist so ein ... Ein bizarres Szenario und so ein witziges, überdrehtes Bild auf den Umgang mit Tod und... Großartig.
Johannes Franke: Also das finde ich auch tatsächlich, da war ich, das war für mich eines der Highlights des Films. was ich wirklich gut fand, wo ich wirklich aufgeschrieben habe, okay, das ist mal ein geiles Bild und das ist gut ausgearbeitet. Da hast du nicht einfach nur so, wie wurde was hingeworfen oder im Hintergrund geht jemand durchs Bild und soll dir noch irgendwie diese Botschaft mitgeben, sondern... Der Blick geht darauf. Du hast es ausgearbeitet und du hast eine Botschaft drin. Das ist super. Das ist wirklich toll gelungen. Das ist ein toller Moment.
Florian Bayer: Und es geht ja weiter. Dann haben wir Isla. Sie kriegen immer einen Planeten zugesagt. Ich sag das jetzt nicht nochmal zusätzlich, weil das alles so ... Sie an dem Planet Mars passt das gut, weil sie stellt Waffen her. Sie lebt promiskuitiv mit ... ganz vielen Frauen zusammen, ist sehr elegant gekleidet und sie stellt Waffen her für den Frieden. versteht sich, wird auch so wunderschöne Nebensorte gemacht und sie erfüllen die Wünsche der Kunden und dann haben sie zum Beispiel christliche Waffen. Jüdische Waffen, dann haben sie so einen Chanukka-Leuchter als jüdische Waffe und ein Kreuz als christliche Waffe. Fantastisch, ich bin wieder froh.
Johannes Franke: Ja, okay, okay. Also tatsächlich in diesem Teil gibt es hin und wieder, ich glaube die ersten drei oder so fand ich noch sehr spannend. Später weiß ich nicht mehr ganz genau, aber ich glaube... Die ersten drei fand ich ganz gut, gerade das mit dem Sarg und das eben mit den Waffen, genau mit den Waffen für den Frieden.
Florian Bayer: Nummer drei, Glenn. Lebt in einer großen Villa, ist etwas alt, hat so eine Halbklatze mit langen Haaren, was etwas merkwürdig aussieht und hat eine Kunstfabrik, die jede gewünschte Kunstrichtung in Serie herstellt. Und wir sehen eine Produktion avantgardistischer Kunst.
Johannes Franke: Ja, okay, auch gut.
Florian Bayer: Fantastisch. Und dann hat er noch diese Liebesmaschine, wenn man einen Orgasmus geben kann, die sehr schräg ist. Sie haben eine Vulva. Ich war ja so ein bisschen enttäuscht, dass sie dann doch so sehr, dass sie ... Um jetzt mal en Detail das zu entschlüsseln. Ich fand es so ein bisschen enttäuschend, dass sie den Orgasmus der Vulva dann vor allem durch den Vaginalverkehr erreicht haben und die Da merkt man tatsächlich auch den männlichen Blick auf die weibliche Sexualität, dass die Klitoris an dieser Maschine gar keine Rolle gespielt hat. sondern der Orgasmus erreicht wurde durch klassische Penetration.
Johannes Franke: Ist das... Also ich versuche immer einen Sinn zu finden und deswegen habe ich... Habe ich halt davor gesessen und habe gedacht, ist das jetzt so eine Kritik an, dass Sex auf eine gewisse Art und Weise immer funktionieren muss, weil es ja was ist, was irgendwie... Ich weiß nicht, das ist so ein Problem, dass ich mehr und mehr für wirklich problematisch halte, dass Leute... sich hinsetzen und sagen, ja, okay, das ist Sex, der muss so und so funktionieren und da gibt es keine Abweichung, gerade durch unsere Pornoindustrie ist es ja so, dass wir vorgelegt bekommen, wie das zu sein hat. Und wenn es mal nicht funktioniert, ist das ein Problem. So, und geht das da in die Richtung? Siehst du das oder siehst du das nicht? Also gut, vielleicht freut er sich, wenn ich es sehe und sagt, er hätte aber überhaupt nicht dran gedacht.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist schon generell in diesem Kleines so eine selbstironische Auseinandersetzung mit der Avantgarde und zwar zum einen, indem diese avantgardistische Kunst industriell gefertigt wird.
Johannes Franke: Die ist geil, ne?
Florian Bayer: Und dann eben die Sexualität auch so industrialisiert wird durch diese Maschine. Und die Menschen müssen lernen, wie sie befriedigen können. Und es gibt diese komplizierte Maschine. Ich glaube schon, dass das auch so ein bisschen Schuss gegen die linke Kultur ist der damaligen Zeit oder gegen das Hippietum und die Avantgarde, die selbsterklärte Avantgarde. Wir haben als nächstes Cell ganz toll, die ihr Geschäft mit den Kindern macht, mit einer Spielzeugfabrik. Und zwar produziert sie Spielzeug für Kinder. das propagandistisch aufgeladen ist und die Kinder erziehen soll, das Feindesland zu hassen.
Johannes Franke: Ja, auch gut.
Florian Bayer: Es wird ausgerechnet, wie... welches Land wohl als nächstes Krieg gegen sie führen wird. Und dann erschaffen sie Karikaturen mit Comics, mit klarem Feindbild. Und sie ... Sie produzieren Brechmittel, das den Namen der Hauptstadt des Feindeslandes trägt. Und haben dann alles Mögliche an rassistischem Spielzeug. Toll.
Johannes Franke: Ja, ist auch gut. Du hast recht. Das stimmt, jetzt arbeiten wir uns langsam an die Highlights ran, die ich tatsächlich ganz gut fand. Die letzten 40 Minuten sind wieder scheiße. Aber im Mittelteil gibt es tatsächlich ein paar Stellen.
Florian Bayer: Das sind wirklich 40 Minuten. Wir haben dieses Panorama an Personen. Nächste Person. Berg, der sehr exzentrisch gekleidet ist, so ein bisschen so ein Hunger Games-Typ. von der Aufmachung und der in einem total schäbigen Raum lebt, Aber er ist der Finanz- und Wirtschaftsberater des Präsidenten. Dann geht er aus diesem schäbigen Raum raus und steht plötzlich in diesem riesigen Palast, geht zum Präsidenten. Wir haben unsere Berechnungen angestellt, wir müssen 4 Millionen Bürger eliminieren. Schulen, Universitäten, muss alles vergast werden. Und dann wird Politik gemacht, dann werden vier Millionen Menschen eliminiert.
Johannes Franke: Wobei ich das wieder ein bisschen billig fand, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich vor allem aus heutiger Sicht billig, weil das gerade bei der Querdenkant so beliebt ist, diese Vorstellung, dass der immer... Ja, genau. Ja, das ist sehr flach. Das stimmt. Da bin ich ganz bei dir. Es ist wirklich ein flaches Bild und es ist tatsächlich... Es gab ja damals in der Linken und in der Hippie-Bewegung der künstlerischen Avogad gab es ja auch immer auch ein bisschen so einen Hang zum Verschwörungstheoretischen. Auch wenn das von den Rechten damals schon deutlich mehr bedient wurde. Aber da schlägt er voll durch.
Johannes Franke: Ich hatte neulich irgendwas gelesen über linke Politiker von vor 60er, 70er. die jetzt in der AfD gelandet sind.
Florian Bayer: Ja, es gibt gar nicht wenige. Es gibt welche, die sogar noch weiter nach rechts gewandert sind. Der Prominenteste dürfte wohl Horst Mahler sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der Rechtsanwalt war und der die ARF verteidigt hat und sehr guter Freund von... Jetzt darf ich nichts Falsches sagen, ich glaube von Joschka Fischer nicht, von, wie heißt der andere, der berühmte Grüne?
Johannes Franke: Der andere begrümmte Gründling?
Florian Bayer: Einer von den alten Grünen.
Johannes Franke: Fällt mir gerade auch nicht ein, aber ich weiß, glaube ich, wen du meinst.
Florian Bayer: Mit dem war er gut befreundet. Und dann wurde er irgendwann ... Trittin. Ich glaube, er war Busenfreund von Trittin und ganz krass in der Linken unterwegs. Und dann hat er irgendwann beschlossen, dass er jetzt Holocaust-Leugner werden will und wurde zum Aushängeschild der NPD und hat ... angefangen krasse antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten und den Holocaust zu leugnen und Ist einfach mal so full Nazi gegangen und saß dann auch mehrmals im Gefängnis, weil er gegen Volksverletzungsparagrafen verstoßen hat. Ja.
Johannes Franke: Und mich interessiert die Psychologie dahinter. Wie kommt man von links außen zu rechts außen und wo man sieht, okay, links und rechts außen ist... manchmal, je nach Psychologie dahinter, gar nicht so weit voneinander entfernt. Das glaube ich nicht.
Florian Bayer: Da wäre ich ganz vorsichtig. Ich hasse diese Hufeisen-Theorie.
Johannes Franke: Ne, diese Hufeisen-Theorie will ich nicht. Die finde ich furchtbar. Aber ich meine, je nach Psychologie dahinter bist du entweder... Dann landest du als Mensch entweder dort oder dort, wenn du einfach nur was bestimmtes suchst, wenn dein Grundbedürfnis im Leben ist. gegen etwas zu sein zum Beispiel und dann wird etwas salonfähig und du bist nicht in der Führungsriege Dann suchst du dir einen anderen Machtpunkt, wo du dagegen sein kannst.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich glaube, es spielt ganz groß eine Rolle, wenn Leute nicht zum differenzierten Denken in der Lage sind. Dann sind sie sehr anfällig für Feindbilder. Die Linke von damals bis heute hat natürlich auch ... mag auch ihre Feindbilder, bei weitem nicht so stark wie die Rechte und auch nicht so pauschal, aber trotzdem, Feindbilder spielen eine ganz große Rolle bei politischer Ideologie. Ich glaube, das ist wichtig. Wobei man da das Bürgertum auch nicht außen her lassen soll. Und Leute ... Ich finde es total spannend, darüber nachzudenken, dass viele aus der Linken von damals jetzt krass rechts geworden sind. Aber ... wenn man es ins Verhältnis setzt, wie viele aus der Bürgerlichen krass rechts geworden sind, dann ist so dieser Gedanke, dann sieht man halt einfach... Es gibt deutlich mehr AfDler und Nazis, die früher in der CDU waren, als die früher bei den Grünen, bei den Linken oder bei den Hippies waren.
Johannes Franke: Ja gut, klar.
Florian Bayer: Aber, sorry, ich wollte das gar nicht schlecht reden, weil ich finde den Gedanken auch total spannend. Ich glaube, es ist so eine Ideologieanfälligkeit, dass man einfach ... Nach einfachen Welterklärungen sucht. Und klar, wenn die Linke damals von den bösen USA geredet hat, dann ist es nicht schwer, jetzt auch von den USA als Rechte zu reden. Oder auch, die Linke hat ja auch sehr lange bis heute, mittlerweile hat es sich ein bisschen gebessert, ihren Antisemitismus gepflegt.
Johannes Franke: Und ihren Nationalismus.
Florian Bayer: Und ihren Nationalismus, ja.
Johannes Franke: Also das ist halt schon wirklich ein wichtiger Punkt und ich glaube, da kreuzen sich halt die Wege dann.
Florian Bayer: Bei rechts und links. Ja, ich glaube, es ist wirklich ein komplexes Thema. Und es gibt ja auch dieses Querfront-Ding jetzt gerade bei den... Anti-Corona-Protesten, wo ganz viele sind, die mitlaufen, die sagen, ey, wir sind nicht rechts. Oder ganz klassisch, ganz bekannt mittlerweile Ken Jebsen, der irgendwie halt auch so sich eher als links versteht und dann sagt, er kommt aus der linken Ecke. Wo man aber merkt, wo es so viele Anknüpfungspunkte gibt. Und ich glaube, das Ideologische ist da der Anknüpfungspunkt. Einfach das Feindbilder einfache Welterklärung, wo sind die Guten, wo sind die Bösen und dann Unfähigkeit differenziert zu denken und Ambivalenzen zu akzeptieren. Es gibt so einen schönen Begriff, der heißt Ambiguitätstoleranz. Wenn du akzeptierst, dass viele Dinge, negative und positive Seiten haben.
Johannes Franke: Das ist manchmal schwierig.
Florian Bayer: Wenn dir das fehlt, dann gibt es halt die Bösen und die Guten. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auf jeden Fall, die Linke hat da auch immer viel aufzuarbeiten, auch immer gut aufzupassen.
Johannes Franke: Ja, das ist ein trauriges Thema, weil ich mich sehr links verstehe. Aber dann zieht... was da mit drinsteckt in dem Thema und das nicht ganz leicht ist, dann...
Florian Bayer: glaube, es ist auch, was auch eine Rolle spielt, ist dieses Gefühl, gerne politisch edgy zu sein, Provokateur zu sein auf Seiten der Underdogs
Johannes Franke: Ja, das meine ich mit man will dagegen sein einfach. Ich will halt einfach ein kontroverses Thema bearbeiten. auf Konfrontation und so.
Florian Bayer: Und gerade die Rechte arbeitet ja sehr stark im Moment an dem Narrativ, dass wir in einer links-grünen Gesellschaften leben, obwohl seit 16 Jahren die fucking CDU regiert.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Bei solchen Leuten fällt das Narrativ dann natürlich auf fruchtbaren Boden, weil sie sagen, oh, wenn ich jetzt gegen Kultur sein will, dann muss ich rechts sein, dann kann ich ja nicht links sein, wenn alles so linksgrün versift ist. fucking Axel Springer immer noch die meisten Zeitungen verkauft. Die größten Zeitungen in Deutschland sind die FAZ und die Bild und die Welt. Und das ist nicht linksgrün. Dieses Narrativ ärgert mich auch so. Es ist so bullshitty. Guck dir an, wir haben eine CDU-Regierung, wir haben konservative, bürgerliche Gesellschaft, im Zweifel wäre der Deutsche immer noch konservativ. Axel Springer Medien und FAZ sind die großen Zeitungen unseres Landes. Wir leben nicht in einem links-grün verseuchten Land. Die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel hatte im Sommer 2015, so einen Monat, wo die Frau gesagt hat, okay, lasst uns mal den Leuten helfen hier, das ist gut. Und den Rest der Zeit war die einfach mal rechts- und nationalistisch. Aber die rechte hat sich so an dieses Narrativ dran gehangen, dass das alles links verseucht ist, dass viel zu viele Leute das glauben. So ein Bullshit. Das ärgert mich auch. Und das ärgert mich vor allem, dass die im Wahlkampf damit wieder erfolgreich sind und am Ende werden wir doch wieder einen Kanzler Laschet haben, weil die Leute alle zu blöd sind. Oder zu faul.
Johannes Franke: Dann muss sie einmal in ihrem Lebenslauf irgendwelchen Blödsinn machen und schon sind sie alle wieder bei der CDU. Was ist denn los? Das hat ja nichts mit der Überzeugung zu tun.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich total krass.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, dass es tatsächlich... Es gibt tatsächlich so, und das hatten wir ganz oft in den letzten Jahrzehnten, diese politischen Trends, die so kurz sind. Wir hatten... Martin Schulz, die Piratenpartei, Steinbrück von der SPD auch. Das sah immer so aus in den Umfragen im Frühling, Sommer, als ob es ganz gut war. gut laufen würde, als ob die Linke oder die Progressive oder wenigstens mal die bürgerlich Linke wieder drankommen könnte, aber die Deutschen wählen einfach sehr gerne konservativ letzten Endes.
Johannes Franke: Ich verstehe es einfach nicht. Gut, okay, wie sind wir jetzt da hingekommen?
Florian Bayer: Berg, dieses billige Politikbild und Verschwörungstheorien. Wir sind komplett abgetrifftet. Nächster, Axon, fantastisch, Chef der Polizei, der Zahlungssoldaten unter sich hat und dann gibt es diese Kämpfe zwischen... Soldaten und Zivilisten und diese blutigen, absurden Massakern. Zivilisten, die alle gefakt sind und alle gespielt sind. Und sie übergießen sie mit Blut. Also sie haben so ... So Feuerlöscher, die mit Blut geladen sind und spritzen sie da mit Blut an und dann liegen die Zivilisten tot auf dem Boden vermeintlich, aber gucken auch nochmal hoch. Ist das Spiel schon vorbei? Keine Ahnung, was mir das Bild sagen will, aber es ist ein tolles Bild. Ich liebe es.
Johannes Franke: Ja, für mich ist es halt irgendwie wieder eine Wiederholung. Es gab es vorher schon mal irgendwie so... Also in dem Film auch irgendwie im ersten Teil gab es auch schon mal irgendwie so Leute, die in der Gegend rumschießen und ihre Bürger erschießen. Ich weiß nicht mehr genau. Ich fand es schön, weil es so ein Fake war.
Florian Bayer: Kampf war, weil der ganze Kampf darauf beruht hat, dass sie quasi den Konflikt spielen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das hat mich noch nicht so abgeholt. Aber die anderen Sachen davor waren besser.
Florian Bayer: Und dann als letztes haben wir Luth, den, der so leicht sokratisch aussieht, der Architekt. Der die Mickey-Maus-Kinder als Mitarbeiter hat und in einem wirklich schicken, schönen, postmodernen Haus wohnt, wo alles rund ist und der dann sagt, der Mensch braucht nur eine Unterkunft. zu Hause, damit werden wir Millionen verdienen. Und dann irgendwie diese sargähnlichen Häuser vorstellt.
Johannes Franke: Was für heutige Verhältnisse auch wieder so ein bisschen billig ist, aber ich glaube, damals war es noch ein bisschen...
Florian Bayer: Ja, ich glaube, das war noch nicht die Zeit der Wohnungsnot und der steigenden Immobilienpreise.
Johannes Franke: Also heute ist das in Japan oder China, je nachdem wo du bist, ja ziemlich Schuhkartonwohnungen, das ist ja realistisch.
Florian Bayer: Und da haben wir sie, diese sieben Gefährten. Und ich finde dieser ganze Block, der wirklich 40 Minuten einnimmt und komplett weggeht von dieser Erzählung davor. der wirklich einfach mal so sein eigenes Kaleidoskop ist. Wir präsentieren hier Menschen, die jetzt auf die Reise gehen. Ich finde... Der passt überhaupt nicht rein, so vom Pacing in den Film. Alles so großartig. Ich liebe diesen Vlog.
Johannes Franke: Also, wenn du das so erzählst, wenn wir jetzt darüber reden, dann könnte man sich vorstellen, dass es ein guter Mittelteil ist. Aber die Art und Weise, wie es erzählt wird, ist halt einfach irgendwie... komplett an mir vorbei als Zuschauer. Also ich hab Momente, wo ich aufschreibe, ja, das ist eine geile Idee. So... Aber ich schreibe dann die Idee auf und ich schreibe nicht auf geil erzählt oder so, sondern ich schreibe auf, die Idee fand ich ganz nett.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist halt irgendwie ein bisschen schade.
Florian Bayer: Ja, es ist total.
Johannes Franke: Es wird an mir vorbeierzählt, so ein bisschen.
Florian Bayer: Es ist krass, weil ich, wenn ich diesen Film gucke, ich bin, ich finde den... Mit seiner ganzen Inkoherenz und mit seinem ganzen Chaos und seinem Bilderrausch. Ich finde den super erzählt, tatsächlich. Ich genieße das. Also ich sitze da und habe wirklich Spaß. Und in diesem Mittelteil lache ich mehr als bei den meisten Hollywood-Komödien. Ich sitze da die ganze Zeit mit einem fetten Grinsen und muss dann auch immer wieder laut auflachen.
Johannes Franke: Okay. Ja, gab es vielleicht zwei oder dreimal bei mir, dass ich wirklich gedacht habe, ja cool und gelacht habe, aber eigentlich... Naja, vielleicht hat mich auch einfach der erste Teil schon so missgestimmt, dass ich irgendwie nicht mehr so reinkam. Der zweite Teil war mir dann irgendwie... schon vergelt. Naja.
Florian Bayer: Bevor wir zum dritten Teil kommen. den Johannes noch mal hassen wird, weil er komplett aus Ritualen und Reisen besteht. Können wir, glaube ich, es geht um eine Reise, weil deswegen hat er sie zusammengebracht, diese sieben Leute. weil er zum heiligen Berg will. Also der Alchemist will zum heiligen Berg und er glaubt, Er kann mit ihnen zusammen den Heiligenberg erstürmen. Eigentlich ist das ein Heist-Movie. Eigentlich bereitet er sie alle drauf vor. Es ist so wie wenn George Clooney, Brad Pitt und Und Matt Damon zusammensitzen. Er sagt, so, und jetzt gucken wir mal, wie wir in die Bank einbrechen. Er sagt, so kommen wir zum Heiligen Berg über die Lotusinsel. Da müssen wir reisen. Wir müssen vorher noch kurz unsere Individualität aufgeben und eins werden. Aber wir reisen jetzt los zum Heiligen Berg. Und dazu passt sehr gut, dass wir jetzt zu unserer Top 3 springen.
Johannes Franke: Wir haben nämlich... Oh ja.
Florian Bayer: Jingle.
Johannes Franke: Die Top 3 Reisefilme. Als du mir das genannt hast, habe ich gedacht, hä, Moment, Reisefilme? Reisefilm? Ist das ein Reisefilm? Ja, irgendwie ist es schon ein Reisefilm, aber vor allem ist es der dritte Teil. Der dritte Teil ist quasi der Reisefilm. Der ganze andere Rest ist die Vorbereitung.
Florian Bayer: Naja, im ersten Teil ist dieser Dieb, Jesus, whatever, auch ziemlich viel unterwegs, auch wenn wir keine Ahnung haben, wohin und was er eigentlich vorhat. Das ist auch total merkwürdig, wie er in diesen Turm gelangt. Er ist halt etwas runtergehangen, der hängt sich dann mal dran, da wird er hochgezogen. Und unten steht die Menge, die eigentlich nur Goldmünzen sammeln will. Es ist so, er ist einfach irgendwie unterwegs am Anfang.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Reisefilme, hast du eine gute Top 3? Hast du was gefunden? Hast du dich wohl gefühlt bei der Suche nach guten Filmen?
Johannes Franke: Also wohler als bei unserer anderen Kategorie.
Florian Bayer: Dazu kommen wir gleich noch.
Johannes Franke: Und ich würde gerne den Obvious-Film als Honorable Mention verwursten, obwohl der... gut in die Top 3 konnte.
Florian Bayer: Herr der Ringe?
Johannes Franke: Herr der Ringe. Und leider ist halt der Hobbit Gar nicht gut geworden. Das fand ich so schade, weil den Hobbit fand ich als Buch besser als Herr der Ringe, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ich habe den Hobbit nicht gelesen. Ich mag aber auch Herr der Ringe das Buch überhaupt nicht. Echt?
Johannes Franke: Den habe ich dreimal gelesen.
Florian Bayer: Wow. Okay, jetzt Achtung. Kontroverse Meinung. Ich finde den Herr-der-Ringe-Film von Peter Jackson besser als die Buchvorlage.
Johannes Franke: Okay, okay, okay, gut. Ich mach schon mal hier meinen... Ja, das weiß ich, prügeln.
Florian Bayer: Aber tatsächlich ist der Hobbit-Film eine totale Katastrophe und vielleicht, wenn ich jetzt den Herr-der-Ringe-Film sehen würde ... würde ich das auch nochmal anders bewerten, nachdem wir vor kurzem in meinem Himmel besprochen haben und dieser Film nicht sehr viel Liebe von uns gekriegt hat. Ich gesagt habe, der hat mir Peter Jackson so ein bisschen madig gemacht.
Johannes Franke: Nein, Herr der Ringe ist wirklich gut geworden. Ist ein guter Film. Aber mir fehlen natürlich die schönsten Sachen aus dem Buch, was ich sehr trauere. Ich war sehr, sehr traurig.
Florian Bayer: 300-seitigen Schlachtenbeschreibungen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Die 300-seitigen Schlachtenbeschreibungen sind tatsächlich... Schwierig. Ich glaube beim zweiten und vielleicht schon beim zweiten Mal Lesen habe ich es übersprungen.
Florian Bayer: Und jetzt sag nicht, dass dir fehlt diese ESO-Begegnung, wenn sie aufbrechen und dann ganz am Anfang, wie heißt das nochmal, wenn sie da am Anfang da unterwegs sind, da treffen sie doch auf diese Elben ganz am Anfang schon. Und dann gibt es irgendwie so einen Tanz um das heilige Feuer oder so ein Gedöns?
Johannes Franke: Nee, das fehlt mir nicht. Mir fehlte eine Figur im Wald auch relativ am Anfang. Warum fällt mir der Name nicht ein? Schade. Ja, alles ein bisschen länger her. Auf jeden Fall Honorable Mention, ganz toller Reisefilm. Finde ich super. Ja.
Florian Bayer: Also, er hat ... Er hat tatsächlich mit die schönsten Bilder der Filmgeschichte was Menschen gehen von A nach B betrifft. Einfach diese großartigen Kamerafahrten, überneuseeländische Hügel, wenn sie da unterwegs sind, an den Klippen und dann zum Wald. Und es ist wirklich auch heute noch, ich meine, das Ding ist mittlerweile auch schon fast 20 Jahre alt, ne?
Johannes Franke: Du Scheiße.
Florian Bayer: 15 Jahre wahrscheinlich so um den Dreh. Das sind wirklich krass gute Bilder und sie fangen einfach dieses Gefühl der Reise durch eine fremde und bedrohliche Welt und gleichzeitig eine wunderschöne Welt fangen sie echt gut ein.
Johannes Franke: Ja, und die Special Effects sind halt auch wirklich krass. Mit den Größenunterschieden und so, was sie da alles gemacht haben. Man guckt sich das immer wieder an, diese bei Hand des Sehens Sachen und ist immer noch beeindruckt.
Florian Bayer: Toll, weil sie auch so ganz oft auf klassische mechanische Tricks zurückgegriffen haben. Das macht auch Jurassic Park zum Beispiel, der ja noch älter ist, auch immer noch gut, dass halt nicht sich komplett auf CGI verlassen wurde, sondern dass wirklich auch viel Geld investiert wurde, um komplexe Maschinen zu machen, einfach damit die Zwerge kleiner wirkten als die Menschen.
Johannes Franke: Ja, genau. Sehr schön. Wirklich toll. Wer muss eigentlich anfangen mit seinem Platz 3?
Florian Bayer: Ich hab noch Honorable Mentions.
Johannes Franke: Erzähl mal.
Florian Bayer: Honorable Mention Nummer eins ist Lohn der Angst aus dem Jahr 1953. in dem einfach, eigentlich eher ein Actionfilm oder Actionthriller, wo ein paar Gelegenheitsarbeiter beauftragt werden in Südamerika. Nitroglycerin. in Lastwagen zu einem Punkt zu fahren, wo gesprengt werden soll. Und die fahren dann mit ihren LKWs, mit dem Nitroglycerin da rum und es ist natürlich klar, wenn irgendwie was passiert, dann explodiert alles, dann fliegt ihnen alles um die Ohren und sie riskieren ihr Leben für diesen Job Und es ist auch nicht mehr, es gibt nicht viel mehr Geschichte. Wir sehen einfach diese Leute, wie sie fahren und wie sie vorsichtig fahren durch wirklich unwegsames Gelände und versuchen halt einfach zurückzuführen. zu überleben und gleichzeitig das Geld zu kassieren, auf das sie angeriesen sind. Toller, spannender Film. der auch so eine entbehrungsreiche Reise zeigt in diesem realistischen, auch sozialkritischen Setup.
Johannes Franke: Okay. Okay.
Florian Bayer: Ich habe noch zwei weitere. Apocalypse Now aus dem Jahr 1979, der einfach mal so eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Reise ins Herz der Finsternis ist. Toller Film, wo ein Soldat beauftragt wird, ein... Ein Kommandeur, der sich zurückgezogen hat, aufzuspüren, der offensichtlich eine Gruppe von Leuten um sich geschart hat. mitten im Vietnamkrieg jetzt seinen eigenen kleinen Staat errichtet und er soll da hinfahren und den zur Vernunft bringen oder umbringen. Und er fährt dann durch das von Krieg durchzogene Vietnam und Es ist halt wirklich so eine Reise zu sich selbst, aber zu dem Inneren selbst, das man nicht kennenlernen will. Großartiger Film, einer meiner liebsten Vietnamfilme. von Francis Ford Coppola. Und letzte Honorable Mention, Zeitreisen, Time Bandits. Von Terry Gilliam. Fantastischer Film. Einer meiner liebsten Terry-Gilliam-Filme. Ganz, ganz großartig. Und du darfst jetzt deine Nummer 3 nennen. Ich hoffe, ich habe dir keinen weggenommen.
Johannes Franke: Nee, hast du nicht. Ich hätte als Nummer 3... Aber nur auf Nummer drei, weil ich mich nicht mehr genug erinnere, La Strada von 1954. Von... War das Fellini? War das Fellini? Oh, wenn ich das noch genau wüsste. Ja, das ist Fellini.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Das ist so lange her.
Florian Bayer: Oh, das ist so lange her, ja.
Johannes Franke: und in der Gegend rumreißt. Und viel mehr weiß ich gar nicht mehr über diesen Film, aber ich weiß, dass ich wahnsinnig beeindruckt war.
Florian Bayer: Ich glaube, den müssen wir auf eine Liste packen. Ich habe den einmal gesehen. Ich habe auch in Erinnerung, dass der einfach nur toll war. Von der Inszenierung und von der Erzählung. Oh ja.
Johannes Franke: Dann müssen wir den mal zusammen gucken.
Florian Bayer: Italienischer Neorealismus ist es tatsächlich Fellini. Und ich habe gesagt, ich bin kein großer Fellini-Fan vor kurzem mal. Aber La Strada ist ein fantastischer Film. Ist das der einzige Film von ihm, der mir wirklich gut gefällt? Offensichtlich. Oh, toll. Das ist ein schöner Platz 3.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist jetzt tatsächlich, ich musste den einfach reinnehmen, das ist eine amerikanische Komödie. Im Deutschen unter dem Titel Ein Ticket für zwei bekannt. In Amerika unter dem Titel Planes, Trains und Automobiles bekannt. Es geht darum, es ist wirklich eine... alberne 80er Jahre Komödie. Es geht darum, dass Steve Martin einen Geschäftsmann spielt, der der von New York nach Chicago fahren will, zu seiner Familie, um rechtzeitig zu Thanksgiving da zu sein.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und unterwegs trifft er auf einen Vertreter, gespielt von John Candy. Und es geht alles schief, was schiefgehen kann und irgendwie kommt es dann dazu, dass dieses ungleiche Paar gemeinsam loszieht, weil sie beide so schnell wie möglich nach Chicago wollen. Und Steve Martin ist so ein ruhiger, verklemmter Typ. Und John Kenny ist halt so ein wilder und lauter Typ, der ständig Witze macht und ständig soziale Normen bricht. Und es ist so, also es ist eine alberne Komödie, wo alles schief geht, Autos explodieren und Flugzeuge nicht abfliegen und Steve Martin einen cholerischen Anfall bekommt deswegen und John Candy dummes Zeug macht und sie sich gegenseitig ärgern. Es ist so ein toller Film über Männerfreundschaft. und so ein toller Film über zwei Leute, die total unterschiedlich sind und zusammenwachsen und obwohl es eine alberne Komödie ist, erlaubt sich dieser Film ein unfassbar treffsicheres, emotionales Finale, das einfach nur schön ist. Ein Feel-Good-Movie, einer meiner liebsten Komödien aus Amerika, aus dem Zeitraum von John Hughes.
Johannes Franke: Okay, cool. Mein Platz zwei. Das sind zwei Teile zwischen zwei deutschen Filmen.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Und zwar das eine wäre Ich und Kaminski mit Daniel Brühl, der auf der Suche ist und versucht aus einem alten Maler etwas rauszuholen, was er verwerten kann. Er will, ich glaube, ein Buch schreiben oder so. Kaminski ist inzwischen blind, glaube ich, kann gar nicht mehr richtig sehen und kann ihn auch nicht richtig sehen. Ich kann es dir nicht mehr ganz genau auseinandernehmen, was passiert ist, aber ich fand... Da hat mir Daniel Brühl das erste Mal, nachdem Goodbye Lenin und so weiter abgefrühstückt war und diese ganze andere Kram, Der ist nämlich noch nicht so alt, ich und Kaminski, vielleicht vier Jahre, fünf Jahre. Einen richtig erwachsenen, richtig guten Schauspieler Daniel Brühl gesehen habe.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Der so ein bisschen hinterfotzig, so ein bisschen hinterlistig sich diese des Malers aneignet, also seine Werke für sich einfach sich unter den Nagel reißt, mehr oder weniger, was diese Person betrifft, des Malers.
Florian Bayer: Okay, cool. Ganz cool.
Johannes Franke: Nie gehört. Wirklich toll. Und das andere wäre Bandits.
Florian Bayer: Oh, wow. Das ist sehr lange her.
Johannes Franke: Lange, lange, lange.
Florian Bayer: Ich führe uns ganz kurz einig, ich habe kaum noch Erinnerungen.
Johannes Franke: Ich habe auch kaum noch Erinnerungen. Es ist ein Musical, oder? Ja, ja, ein Musical, auf Obwohl Musical vielleicht fast zu viel gesagt ist, aber stimmt, Musik spielt halt eine große Rolle. Es sind halt Frauen, die aus dem Gefängnis ausbrechen und dann... auf der Flucht Musik spielen.
Florian Bayer: Bankräuberinnen und Rocks.
Johannes Franke: Und die dann irgendwie in einem großen Finale auf einem Hochhaus noch ein Konzert spielen, bevor sie dann wieder... gecashed werden oder sterben oder weiß ich nicht mehr ganz genau, wer da überlebt oder wer da entkommt oder nicht entkommt.
Florian Bayer: Ich habe diesen Film als so 90er Jahre, Kuriosität in Erinnerung, der es da besetzt war mit Katja Riemann, Jasmin Tapatabai. Nicolette Krebitz. Krass, aber ich komme noch in Erinnerung. Gespeichert ist bei mir so als 90er Jahre Kuriosität, als deutsche Filmemacherin versucht haben, ein bisschen... rum zu experimentieren.
Johannes Franke: Also ziemlich cool. Ich fand den super. Ich habe den sehr geliebt, den Film. Reisefilm einfach wegen der Flucht, die sie da irgendwie hinlegen.
Florian Bayer: Interessant. Mein Platz zwei ist, jetzt bin ich wieder zurück beim europäischen Arthouse-Kino, Das siebte Siegel von Ingmar Bergmann, der glaube ich immer noch so mein liebster Ingmar-Bergmann-Film ist. Ein Kreuzritter kehrt zurück aus dem Heiligen Land. Und ... Seine Heimat, wo er hin zurückkommt, wahrscheinlich ist es Schweden, ist von der Pest verwüstet. Und der Tod erscheint ihm und sagt, deine Zeit ist gekommen, ich werde dich jetzt umbringen. Und er kommt auf die Idee, mit dem Tod Schach zu spielen, um sein Leben. Und dann zieht er gemeinsam mit dem Tod los, trifft auch auf eine Gauklerbande. die mit ihm dann unterwegs ist. Und sie spielen halt unterwegs, spielt er immer mal wieder mit dem Tod Schach und versucht eigentlich zu seiner Familie zurückkehren. Und wunderschöner Film, irgendwie so zwischen Kunstkino- Historienepos, aber auch unterhaltsamen Film, weil durch diese Gauklerbande, die dabei ist, gibt's auch ein bisschen Humor und auch durch diese verbalen Duelle zwischen ihm und dem Tod gibt's viel Humor und ja, ganz toller Film.
Johannes Franke: Schön. Mein Platz 1. Little Miss Sunshine. Ja, und das ist so großartig. Das kleine Mädchen der Familie, die unbedingt da irgendwie zu diesem... Schönheitswettbewerb will. Und die überhaupt nicht reinpasst in dieses typische Schönheits- Mädchen-Dingens-Zeugs und was sie da hinlegt an Tanz, was ihr gezeigt wird.
Florian Bayer: Sie tanzt den Striptease-Tanz von ihrem Großvater, oder?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber total unschuldig. Es ist nichts Schlimmes dabei. Sie tanzt einfach. Ihr Großvater hat mit ihr tanzen geübt. Und dann macht sie halt auf der Bühne bei diesem ... schrecklichen Miss America-Ding macht sie diesen Striptease-Tanz.
Johannes Franke: Und es ist so gut. geil, weil da so Welten aufeinander clashen von Leuten, die irgendwie mehr oder weniger wissen, dass sie da nicht reinpasst, aber sie irgendwie trotzdem unterstützen wollen und dann irgendwie sich auf die Reise machen und alles daran setzen, dass sie da hin kann. Und dann macht ihr das halt einfach und es ist so liebevoll erzählt. Das ist ganz toll und sehr, sehr witzig.
Florian Bayer: Ganz toller Film, der hat auch einen ganz krassen emotionalen Mittelteil, wenn der Sohn, der die ganze Zeit am Kampfflieger werden will. feststellt, dass er farbenblind ist und deswegen sein Traum sich nicht erfüllen kann. Und für ihn bricht eine Welt zusammen. Und es ist so eine Außenseiterfamilie, die aber total zusammenhält, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das ist das Schöne, die sind so alle so ein bisschen ... exzentrisch und skurril und alle kauzig, aber sie halten total zusammen und sie hassen sich, aber sie lieben sich auch. Schöner Film.
Johannes Franke: Und am Ende sind sie irgendwie unsere Familie gegen den Rest der Welt, so ein bisschen vom Gefühl her.
Florian Bayer: Dann springen sie alle auf die Bühne und tanzen. Wenn sie diesen Striptease tanzen und diese ganzen Eltern, die ihre Kinder hübsch gemacht haben. für dieses sozial wichtige Event gucken, total schockiert. Dann springt die Familie auf die Bühne und tanzt mit der Kleinen.
Johannes Franke: Er ist das, oder? Nur der Großvater? Oder sind das alle, die dann irgendwie da hin?
Florian Bayer: Stirbt der Großvater unterwegs nicht?
Johannes Franke: Ach du Scheiße, war das? Oh Gott, ich weiß es gar nicht mehr.
Florian Bayer: Alan Arkin spielt den Großvater, der ein fantastischer Darsteller ist. der immer diese alten, ruppigen, aber sympathischen Männer spielt. Ich glaube, der stirbt auf dem Weg oder so. Aber ich bin mir nicht mehr sicher. Und toll besetzt. Greg Kinnear, Steve Carell als Onkel mit Selbstmordabsichten? War das nicht so, dass er sich die ganze Zeit umbringen will?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Der Film war auf jeden Fall super.
Johannes Franke: Auf jeden Fall nochmal gucken irgendwann.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, dann haben wir schon mal La Strada und Little Miss Sunshine. Müssen wir irgendwie nochmal.
Florian Bayer: Ja, stimmt.
Johannes Franke: Okay, dein Platz 1.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist Tarkovsky, Stalker aus dem Januar. 1979. Vielleicht wäre es El Topo oder Holy Mountain, wenn wir jetzt nicht über Jodorowsky reden würden, aber Stalker ist einfach ein fantastischer Film, wo sich ein sogenannter Fremdenführer mit einem Dichter und einem Wissenschaftler in die sogenannte Zone begibt. Da sind Außerirdische gelandet. Man weiß aber nicht genau, was da passiert ist. Auf jeden Fall ist diese Zone irgendwie merkwürdig. Die hat sich entkoppelt von ... von der Außenwelt. Und da funktionieren die Naturgesetze nicht mehr.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Aber Menschen gehen da hinein, um zu einem Raum zu kommen, in dem alle Wünsche erfüllt werden. Und sie brauchen aber diesen Fremdenführer, weil man kann sich in dieser Zone verlieren und dann ist man einfach verloren. Dann verschwindet man einfach. Und dann führt er sie durch dieses Land und versucht sie zu diesem Raum zu bringen und es passiert relativ wenig. Und es passieren aber ganz viele merkwürdige Dinge, weil man hört Stimmen und sie verlaufen sich in ganz obskuren Räumen plötzlich, die riesig sind, wo ... Orientierung so komplett aufgelöst ist und ... Dazwischen wird sehr viel philosophiert. Es gibt so ein bisschen transzendentale Bilder mit ... Es wird angedeutet, dass diese Zone offensichtlich Kräfte auslösen kann. Aus dem Jahr 1979 ein Procken von einem Film, wie man es von Tarkowski nicht anders erwartet. In dem wenig passiert, 160 Minuten, Menschen wandern durch eine merkwürdige Zone und wollen zu einem Ziel gelangen, von dem sie selbst nicht genau wissen, was es bedeutet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: schwieriger Film, spröder Film, fantastischer Film.
Johannes Franke: Ja, gehört zu den Filmen, wo ich denke, okay, dafür hast du den Podcast mit mir, damit du mir solche schönen Filme... aufdrückst.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, ich habe ja lange, also wir hatten ja die Tarkovsky-Episode, aber vielleicht gebe ich die auch noch mal als Stalker. Das ist tatsächlich sein berühmtester Film. Und er ist nicht ganz so kompliziert wie der Spiegel. Er ist tatsächlich ein bisschen ... anschmiegsamer, ein bisschen gefälliger.
Johannes Franke: Okay, gut.
Florian Bayer: Aber trotzdem, es ist einer von den Filmen, der im Gegensatz zu Holly Mountain nicht nur unterhaltsam ist, sondern es gibt wirklich Momente, wo man denkt, puh ... das ist jetzt aber ganz schön anstrengend. Und uff, da passiert ja gerade wirklich nichts. Und bewegt sich da überhaupt irgendwas? Steht die Zeit still?
Johannes Franke: Okay, von einem anstrengenden Film zurück zu dem ursprünglich anstrengenden Film.
Florian Bayer: Der überhaupt nicht. anstrengend ist, der einfach nur Spaß macht, der einfach eine riesige Drogen-LSD-Party ist und das ist auch der Schluss von dem Film. Dann wenn die Neuen unterwegs sind, um sich selbst zu verlieren und den heiligen Berg zu finden.
Johannes Franke: Moment, bevor wir zum Ende kommen. Nach dem Mittelteil habe ich mir aufgeschrieben, Weil der ja von der Qualität her doch ein anderes Sachen hat als der Rest. Das hat alles im surrealistischen Umfeld Terry Gilliam immer besser gemacht, finde ich. Gerade in Brasil, wo auch diese seltsamen futuristischen Aufbauten und dieses Weißt du, was ich meine? Der Mittelteil spielt ja schon so ein bisschen mit dieser Ästhetik.
Florian Bayer: Wenn du mit Terry Gilliam reden würdest, würde er wahrscheinlich sagen, dass er sehr stark inspiriert ist von Rodorowski.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ohne das mit Sicherheit sagen zu können, aber wenn ich so drüber nachdenke, was er an so realen Filmen gemacht hat ... Finde ich so von der Ästhetik und auch von der Art, wie mit Gesellschaftsbildern umgegangen wird, finde ich sehr... Hat der da einfach Inspiration, oder? Also ich meine, das war jetzt der erste Roderowski-Film, den du gesehen hast, aber du hast ja genug von Tari Graham gesehen, dass du...
Johannes Franke: Also, ich kann mir vorstellen, aber Terry Gilliam hat es halt um Welten besser gemacht, finde ich.
Florian Bayer: Terry Gilliam hat es anders gemacht. Terry Gilliam ist düsterer. Bei ihm ist definitiv mehr Dramatik drin. Bei ihm steht irgendwie ... Bei ihm ist mehr ... Mehr auf der Waagschale. Es gibt mehr Angst und mehr Gewalt. Man fiebert eher mit ...
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Aber ich weiß nicht, ob ich das als besser bezeichnen würde. Das ist einfach eine andere Herangehensweise. Terry Gilliam erzählt halt stärker Spannungskino. Also vor allem ja genau. Brasil... Aber auch so seine jüngeren Filme dann, ja... Terry Gilliam ist ein großartiger Regisseur. Ich kämpfe damit, ob ich Terry Gilliam dem Surrealismus zuschieben will. würde, weil dafür ist er mir dann doch zu geerdet im Vergleich zu Manuel oder Roderowski.
Johannes Franke: Ja, aber vielleicht kann man das, auch wenn man es ein bisschen zerpflückt, Terry Gilliam hat ja wirklich sehr viele... Surreale Momente einfach im Film. Vielleicht würde man nicht sein gesamtes Werk dann in Surrealismus stecken. Kommt aber auch auf den Film drauf an, muss man sagen. Aber bei Brasil zum Beispiel, der hat ja so viele sehr surreale Momente.
Florian Bayer: Definitiv. So der zweite Name, der natürlich immer genannt wird, was surreales Kino nach dieser Zeit betrifft, ist David Lynch.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der hat das ja auch eher, dass sein Setting düsterer ist und dass er mehr inspiriert ist von klassischen amerikanischen Erzählungen. Wenn man gehässig sein will, kann man sagen, David Lynch ist halt so Surrealismus für ein Mainstream-Publikum. Weil es bei ihm einfach doch so klassische Detektivgeschichten gibt und klassische Thriller und Horrorhandlungen.
Johannes Franke: Was diesem Film auch vielleicht gut getan hätte. Keine Ahnung. Weiß ich nicht. Also ich kann halt mit David Lynch dann doch mehr anfangen als damit.
Florian Bayer: Auch nicht mit dieser tollen Vision, wenn der Dieb sich plötzlich als Jesus sieht und der Alchemist dann sagt, du willst Jesus sein und dann sieht man, wie er dieses Brot vermehrt und dann Kinder sich um das Brot streiten.
Johannes Franke: Ja, aber was soll denn das? Was ist denn das für eine Botschaft? Alter.
Florian Bayer: Ich dachte auch so, what the fuck? Was passiert da gerade? Wir kommen jetzt zu dem Teil, wo ich auch merke, ich finde den Film super unterhaltsam, aber wo ich auch merke, dass mir irgendwann der Kopf Weil ich so bombardiert werde noch mit Bildern.
Johannes Franke: Aber das ist doch bescheuert. Also ich will ja damit sagen, bevor du jetzt hier Brot verteilst... sage ich dir, sie werden sich um das Brot kloppen, also gib ihnen lieber gar kein Brot. Was ist das für eine Botschaft?
Florian Bayer: Ich glaube, was er sagen will, es wäre dann nicht zum Götzen. Du hast dich entledigt von diesen... von deinem weltlichen Ego. Und wenn du jetzt Jesus sein willst, der das Brot verteilt, dann bist du wieder voll auf dem Ego-Trip, hör auf damit. Deswegen soll er dann ja auch sein... seinen Gefährten von vorher, der dann plötzlich wieder auftaucht auf dem Boot, dieser Arm- und Beinlose, der irgendwie am Anfang immer mal wieder bei ihm war, so als Freund, Gefährte, was auch immer. der erscheint plötzlich wieder auf dem Boot und er soll ihn dann ins Wasser werfen und er will das natürlich nicht, weil er sagt, er ertrinkt. Aber dann wird klar, es handelt sich nur um eine Illusion. Er soll sich von seiner Vergangenheit befreien. Ich glaube, wir sind hier in so einer ganz tiefen Esokiste. Und ich glaube auch, ich habe im Intro geschrieben ... Der Film könnte auch Werbevideo von einem New-Age-Sekten-Gruhe sein. Und diese letzten 40 Minuten, dieser dritte Block, ist genau das.
Johannes Franke: Dieser Zusammenschnitt dieser ganzen Rituale und der ganzen, oh fuck man, das will ich nicht, nein, oh. So ein Scheiß.
Florian Bayer: Es gibt so tolle Szenen. Auch nochmal mit Exploitation, wenn sie den Berg erklimmen dann endlich und dann Isla plötzlich Angst hat. Und dann ruft dir jemand zu, befriedige dich selbst, das hilft gegen die Angst. Und dann fängt sie an, sich an diesem Berg zu reiben. Das ist so doof. Das ist so doof. Ich weiß nicht. Es gibt einen nicht zu leugnenden Trash-Faktor in diesem Film. Ich glaube auch deswegen ... war auch Rodorowski dann im amerikanischen Midnight-Kino irgendwann so beliebt, weil er hat halt diese ... Er hat so diese Exploitation-Moves drauf, ne? Er ist ... Er hat einfach diese Bilder, die es auch im amerikanischen Exploitation-Kino in der damaligen Zeit gab. Und da ist er dann so voll reingerutscht in diese Ecke, die Tarantino inspiriert haben etc. Diese Filme von, eigentlich auch von Russ Meyer zum Beispiel oder von ... Ja, keine Ahnung.
Johannes Franke: Muss man mögen. Ja, ich weiß nicht. Und dann rennen die dann mit Tiger rum und dann gucken wir kühlen beim Sex zu.
Florian Bayer: Ja. Dann sind sie plötzlich in blauer Häftlingsmontur unterwegs und die Prostituierte mit dem Affen verfolgt sie die ganze Zeit. Und es ist so... Und sie werden verführt von falschen Verführern, die ihnen dann LSD anbieten wollen oder so. Das ist diese Nein-zu-Drogen-Szene. Die ganzen falschen Verführer. Es ist einfach nur noch ein absurder Tritt. Es ist ein Reisefilm am Schluss. Die letzten 40 Minuten sind Reise zu diesem Berg. begleitet von Ritualen und von Selbstauflösung.
Johannes Franke: Ja, und das ist so dieses, ich hatte dann inzwischen das Gefühl, das ist so dieses typische maskuline I have to go on a quest. Weißt du, was ich meine? So dieses... Ich muss auf die Reise gehen und durch Martyrium und so. Um als gestälter und weiser Mann irgendwie irgendwo rauszukommen.
Florian Bayer: Aber Sie machen sich ja nicht auf eine gestälte Reise. Nein, das nicht.
Johannes Franke: Aber es ist so dieses, ich weiß nicht, ganz komisches, überholtes Bild, finde ich, was da irgendwie drin ist.
Florian Bayer: Ich sehe tatsächlich viel eher so dieses Bild der Hippie-Kultur. Alter, ich weiß nicht, warum heute ständig meine Leute Hamburger Dialekt haben. Du musst unbedingt diesen Pilz da probieren, der wird dich auf ein ganz neues Level heben. ist es das so, dieses Experimentieren und dieses, da musst du hingelangen. Komm, lass uns mal drei Stunden meditieren, ich spiel die Blockflöte. Dann haben wir unser Bewusstsein komplett krass erweitert. Ist es nicht toll, dass sie dann von einem Tiroler begrüßt werden?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: In dieser Touristenburg. Das sind diese falschen Verführungen. Plötzlich ist da vor dem heiligen Berg Ist diese Clubanlage für Touristen, die offensichtlich sich selbst suchen und ist dann dieser Tiroler, der sie begrüßt? Das sind auch diese Typen, die einen LSD verkaufen wollen. Und Uncle Sam kommt auch noch kurz vorbei. Zumindest sieht er so ein bisschen so aus, so ein Amerikaner.
Johannes Franke: Okay, habe ich nicht so... gesehen.
Florian Bayer: Und offensichtlich gibt es diese Touristenecken, die sie auf keinen Fall wollen, aber da bleiben wohl viele Leute drin hängen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber sie schaffen es ja auch.
Johannes Franke: Aber ich finde diese Touristenfalle da eigentlich einen ganz netten Einfall. Am Fuße des Berges.
Florian Bayer: Es ist irgendwie süß. Das ist fast so ein Monty Python-Sketch. Jetzt haben wir diese harte Reise hinter uns und dann ist da das große Hotel. Ja, genau. Welcome, welcome.
Johannes Franke: Ganz toll. Ja, und dann hängt die eine da an diesem, das ist das, was du meintest, wo sie ihr sagen, sie soll sich einfach selbstzufriedigen. Ja. Sie sagt, ich kann nicht mehr klettern und dann wird ihr zugerufen, du hast nur Angst vor Success, vor Erfolg. Was ist das denn? Was ist das denn? Was? Und dann macht sie das. Oh, nee. Und dann kommt dieser ganze Zusammenschnitt mit den ganzen komischen Sachen, wo ich denke, okay, nein.
Florian Bayer: Rohverspeist, Tiger führt sie, Geldregen, Hundekampf, Q6, Frau mit Schwert auf Baum. Ich hab auch nur noch Blöder aufgeschrieben. Das ging... Es ist tatsächlich der Punkt erreicht. Ich meine, wir sind jetzt auch bei fast zwei Stunden Laufzeit. Es ist irgendwie der Punkt erreicht, wo du denkst, uff, uff, oh.
Johannes Franke: Wir sind übrigens auch schon bei anderthalb Stunden Laufzeit.
Florian Bayer: Wir kommen zum tollen Finale. Zuerst soll der Dieb den Meister köpfen, der jetzt sagt, ihr braucht mich nicht mehr. Offensichtlich ist es auch so komplett.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann köpft er ihn. Aber es war nur ein Schaf. Das ist erst mal eine fröhliche Szene.
Johannes Franke: Aber es war nur ein Schaf. Was ist das für eine Botschaft? Hallo, er hat ein Schaf umgebracht. Was ist denn das?
Florian Bayer: Bei einer seiner Sendungen hat er gesagt, wir schlachten jetzt einen Hund. Und damit referiert auf, es gab irgendwann mal diesen Film in den 70ern oder in den 60ern. wo eine Kuh geschlachtet werden sollte. Und alle haben sich aufgeregt und alle haben sich beschwert. Und bei Vietnam hat keiner was gesagt. Alle haben sich darüber aufgeregt, dass ein Tier vor der Kamera geschlachtet wird. Und Vietnam war plötzlich allen scheißegal. Da sind Menschen gestorben.
Johannes Franke: Was ist denn das für ein World of Autism?
Florian Bayer: Das ist meine Antwort darauf. Es war nur ein Schaf. Lammfleisch. Entschuldigung. Man muss dazu sagen, Johannes ist Vegetarier.
Johannes Franke: Ja, so, zu Recht.
Florian Bayer: Und ich fühle mich jetzt auch ganz schlecht, dass ich diesen blöden Witz gemacht habe. Gut. Aber dann wird es wirklich absurd, weil der Chemist dann zu dem liebt und sagt, ach du übrigens, du musst auch gar nicht auf den Berg. Da hinten ist deine Frau, nimm dir die mal, werde glücklich, finde dich selbst mit Liebe. Und der Dieb haut dann auch ab. Und er darf in den Turm. Der Alchemist sagt ihm noch, du kriegst auch mal einen Turm. Geh mal, heirate mal, mach mal ein paar Kinder, alles gut. Du willst doch gar nicht auf den Berg. Und der Dieb zieht dann auch ab mit der Prostituierten. Und die anderen gehen aber hoch und kommen zu den großen Weisen, die sie erstürmen wollen und das sind nur Puppen.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Bis auf einer. Einer ist der Alchemist, beziehungsweise... Beziehungsweise Alejandro Jodorowsky, der hat den Alchemisten gespielt. Was sonst? Und dann Freude, Gelächter, hey, wohlgefallen.
Johannes Franke: Und dieses Freude und diese Gelächter, was ist das? Was für eine Szene, die so drüber und so bekloppt und so hä?
Florian Bayer: Ich liebe es. Es ist so schön, weil sie alle Spaß haben. Ich nenne mir das so vor. Ich lenne mir das so vor, dass Roderowski gesagt hat, so, und jetzt improvisieren wir. Da oben sitzen jetzt sieben Leute. Ihr macht diese... Ihr zieht den Kapuzen ab und dann müsst ihr irgendwie gegen die kämpfen. Ihr könnt das ja, improvisiert einfach so ein bisschen Kampf. Und hier habt ihr noch ein paar Pillen. Und dann haben die all die Pillen eingesch... geworfen und dachten, jetzt kommt eine improvisierte Kampfszene und dann waren das nur die Puppen und sie waren einfach alle erleichtert, dass sie nicht improvisiert kämpfen mussten. Und dann sagt auch Rodorowski so, das ist tatsächlich die unoriginellste Seite dieses Films. Hey, übrigens, das ist alles nur ein Film. Wir sind auch nur Abbilder und jetzt machen wir die Illusion mal kaputt und auf ins richtige Leben und dann sieht man... Dass das Ganze nur ins Set ist und die Kamera zurückfährt.
Johannes Franke: Und er spricht wirklich in die Kamera und sagt, und jetzt Zoom back. und versucht das so zu inszenieren. Und das ist so lächerlich eigentlich.
Florian Bayer: Was ich an dieser Szene mag, ist, auch wenn sie nicht sonderlich originell ist, dass sie so absolut... entspannt und lässig inszeniert ist. Es gibt nicht diesen großen Plot, wo es wir sind in einem Film. Es gibt nicht diesen Schock, oh mein Gott, sie waren gar nicht echt, sondern es ist einfach, hey, lustig, wie wenn jemand einen netten Gag erzählt hat.
Johannes Franke: Aber dafür versucht er sich dann selbst zu inszenieren, sehr dolle, das muss man schon sagen.
Florian Bayer: Natürlich, dieser Film, wahrscheinlich wollte er eigentlich seine eigene Religion gründen mit diesem Film. Er spielt den fucking Alchemisten. Und er sitzt am Schluss als einziger da oben und darf noch einmal in die Kamera sagen, so, und jetzt erwartet uns das Leben. Es ist eigentlich total narzisstisch. Es ist einfach so ein... Tatsächlich so ein bisschen so ein Ego-Tritt. Ich bin der Alchemist, ich bin der, der hier die Weisheiten hat.
Johannes Franke: Genau das habe ich aufgeschrieben. Ich habe am Ende aufgeschrieben, Was für ein Scheißfilm. Viel zu viel Ego und viel zu wenig echtes Bedürfnis, dass die Kritik dort ankommt, wo sie hin muss. Also in seinen eigenen Worten, er hat ja auch selbst irgendwie darüber geredet und hat ja mehr... sich auf die Kunst des Films bezogen, als auf die Kritik des Films. Und irgendwie finde ich es aber völlig... Daneben.
Florian Bayer: Das ist kein politischer Film, das ist kein gesellschaftskritischer Film. Das ist purer Eskapismus.
Johannes Franke: Ja, aber dann hätte die ganze Kritik auch weglassen können.
Florian Bayer: Nein, die macht Spaß.
Johannes Franke: Wenn du mir Kritik um die Ohren haut, musst du damit rechnen, dass ich sie ernst nehme.
Florian Bayer: dieser Film ist kein kritisches Werk. Natürlich hat er gesellschaftskritische Momente drin, natürlich hat er parabolische und satirische Momente drin, aber Aber dieser Film ist einfach mal ein Rausch. Ich glaube tatsächlich, also für alle Zuschauerinnen, Zuhörerinnen, die jetzt Interesse daran haben, diesen Film zu gucken ...
Johannes Franke: Kifft. Wem haben wir diesen Film jetzt schmackhaft gemacht?
Florian Bayer: Ich hoffe vielen. Dieser Film ist ein... Einziger Rausch. Ein Bilderstrom. Zahllose Ideen. Wundervoll inszeniert.
Johannes Franke: Also vorher kiffen, den Film gucken.
Florian Bayer: Ja, zwischen Surrealismus, Exploitation, zwischen Kunst und Trash und bunten Farben und Spaß und dann gibt es halt noch die Orgasmusmaschine und aus Scheiße wird Gold gemacht. Dieser Film ist ein fucking Meisterwerk. Und Johannes hat ihn einfach nicht verstanden.
Johannes Franke: Der wollte ja nicht verstanden werden, der Film.
Florian Bayer: Jetzt hast du es. Jetzt bist du einen Moment näher.
Johannes Franke: Hat er nicht auch gesagt, er wollte einen Film machen, wo er mal Geld verliert, statt zu machen?
Florian Bayer: Ich glaube, der hat sich auch einfach tierisch gefreut. Wie gesagt, George Harrison war es. ist auf seinen Film El Topo aufmerksam geworden und hat dann gesagt, Leute, irgendjemand muss jetzt diesem Alejandro Geld geben. Der muss damit was machen. Und dann hat er Geld gekriegt. Dann hat er gesagt, ey, geil, jetzt hab ich Geld. Jetzt mach ich mal wirklich, worauf ich Bock habe. Und dann 1,5 Millionen Dollar.
Johannes Franke: Er hätte, hätte er ausgeben können. Er hat nur die Hälfte davon ausgegeben.
Florian Bayer: Na, der Rest ist in Drogen geflossen. in Bewusstseinserweiterungen. Und John Lennon war total begeistert von diesem Film. John Lennon war ein totaler Fan von diesem Film, weil John Lennon weiß, was gut ist.
Johannes Franke: Ich finde, der Film fasst sich ganz gut zusammen. Nur in dem Blick von Alejandro. Alejandro. Alejandro. Wie er da sitzt und einfach alle einmal anlacht als Alchemist, wo sie ihm sozusagen die Kapuze von der, und er lacht. alle an, alle sollen mitlachen oder lachen und er hat so ein spitzbühmiges Ausdruck auf dem Gesicht. Wo man denkt, ja gut, dem kann man aber auch nicht böse sein, weil der so viel Naivität da drin steckt und so viel Lust einfach irgendwelchen Scheiß zu machen. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, darum geht es auch wirklich am Schluss. Dieser Film ist auch ein großer Spaß. Dieser Film ist, es gibt Ich gebe dir total recht, es gibt viel zu viele Avantgarde-Künstler, Surrealisten, Experimentalkünstler, die sich viel zu ernst nehmen und die sagen... Wow, wenn ich jetzt dieses Herz da an die Wand nagle, verändere ich die Welt. Damit schaffe ich den Frieden im Nahen Osten. Und ich glaube, dieser Film macht das nicht und Alejandro Jodorowsky macht das nicht, sondern Alejandro Jodorowsky sagt, ey, ich hab hier Geld, ich hab hier Bilder, ich hab Ideen und die hat er ohne Zweifel. Ja, definitiv. wenn du sie nicht geil findest, lass mich damit mal was machen. Und ich glaube ... Solche Filme braucht es. Und das ist für mich die... Ja, es ist der Eskapismus. Es ist kein... politisch hochwertiger Film und erst recht kein moralisch hochwertiger Film, sondern es ist einfach ein großes, buntes, wildes Vergnügen, das komplett im Kontrast steht, was damals sonst in der Filmlandschaft als großes, bundes, wildes Vergnügen definiert wurde.
Johannes Franke: Okay. Also es ist nicht so, dass ich ihm das nicht gönne. Er soll meinetwegen ganz viel Geld bekommen, um irgendwie einfach Zeug zu machen. Ich finde, jeder soll sich da irgendwie... ausleben in seinem Zeug. Es ist halt bloß nicht meins.
Florian Bayer: Und natürlich nimmt er sich zwischendurch auch viel zu ernst. Natürlich übertreibt er es total mit seinen Bildern, mit seinen Symbolen, dass das hat das alles auch und es gibt auch einen Trash-Faktor, es gibt einen Cringe-Faktor bei ganz vielen Dingen. Aber dieser Film macht einfach so viel Spaß. Dir offensichtlich nicht.
Johannes Franke: Nur wenig. Also es gibt ein paar Sachen, aber ich glaube, das sind die Sachen, die dann wieder verkopft funktionieren. Ich glaube, ich bin einfach zu verkopft in diesem Film.
Florian Bayer: Das ist doch mal ein schönes Schlusswort. Ich bin zu verkopft, um mit Alejandro Jodorowsky Spaß zu haben.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich. Nun gut, aber danke, Flor, dass du mir diesem Film übergeholfen hast. Du hast den Grund für diesen Podcast einmal ausgeschöpft. Ja. Vielen Dank dafür. Und dann lass uns jetzt mal in die Pause gehen und uns in den zweiten Film stürzen. Welcher da ist? Orlando. Auch irgendwie ist mit surrealen Momenten, aber auf eine ganz andere Art und Weise.
Florian Bayer: Ja, bis nach der Pause.
Johannes Franke: Bis gleich.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: So, willkommen zum zweiten Teil, Plur. Willkommen zurück. Ich gieße mir noch ein bisschen Tee ein. Willst du auch noch Tee? Sehr gerne, ja. Und dann geht's weiter mit Orlando. Du hattest den Film schon mal gesehen, ne?
Florian Bayer: Ich hatte den Film schon mal gesehen, das ist lange her.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich hatte gute Erinnerungen an den Film. Ich habe ihn ... Also ich habe ihn in meine Top-Liste gepackt der besten Filme der 90er Jahre im Blog.
Johannes Franke: Also das Blog, wenn der geneigte Zuhörer noch keine Ahnung davon hat. muss man sehen.de, das ist Plors Blog über Film, gibt es ein Füllhorn an Informationen, an Meinungen, an Überlegungen und Listen.
Florian Bayer: Und das Spannende ist, ich weiß tatsächlich nicht mehr, in welche Liste ich ihn gepackt habe. Ich habe die ja so ein bisschen nach Genre sortiert und... Wie es oft der Fall ist, ist es schwierig, Filme in Genres einzusortieren, weil es gibt mehr Filme, die nicht zu 100% in ein Genre passen, als es Filme gibt, die wirklich exakt das Genre treffen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich ihn zu den Historienfilmen gepackt, beziehungsweise zu den Historical Period Dramas oder Kostümfilmen.
Johannes Franke: Es ist auch angeblich ein Period-Drama, aber es ist schwer einzusortieren.
Florian Bayer: Es ist schwer einzusortieren. Er hat viel davon, aber er hat natürlich auch Momente, die das Genre sprengen. Am besten gibst du uns einfach mal eine Einführung.
Johannes Franke: Na gut, wenn du schon so drum bittest, Plur. Wir schreiben das Jahr 1603. An ihrem Sterbebett schenkt Queen Elizabeth I. dem jungen Orlando Land und Schloss mit den Worten do not fade do not wither do not grow old die der Film sehr ernst nimmt Tilda Swinton darf sich als Orlando durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart spielen und beide Geschlechterrollen erfahrbar machen Eine echte Story herauszuschälen würde dem nach einer Vorlage des gleichnamigen Buches von Virginia Woolf entstandenen Filme Vielleicht mehr Schaden als helfen. Deshalb sei nur gesagt, wir erleben einfach die Welt durch Orlandos Augen. Und durch seinen Schrägstrich ihr wechselndes Geschlecht. unaufgeregt, aber nicht emotionslos. Ein Film, der heute wieder aktueller ist denn je. Oder Plur?
Florian Bayer: Ja, du spielst wahrscheinlich auf das Thema Transsexualität an und Transgender.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Natürlich. Also, wenn wir drüber nachdenken, dass das Buch... mittlerweile fast 100 Jahre alt ist. Es ist schon krass, wie am Anfang des 20. Jahrhunderts in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einer modernen Autorin deutlich progressiver mit dem Thema Geschlecht und Geschlechtlichkeit umgegangen wurde. als von vielen, vielen, vielen Leuten aus unserer Zeit.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig beeindruckend und ich war total geflasht davon, dass das so, wow, okay. Und ich muss das Buch noch lesen. Ich habe es eben einfach auch für du nicht geschafft. Aber ich glaube, das muss einfach mal sein.
Florian Bayer: Was ich so ein bisschen mitgenommen habe vom Buch, was ich gehört habe, ist, dass es von der Tonalität sehr ähnlich ist wie dieser Film. Und zwar vor allem in dem Punkt, dass es die ganze Zeit eine heitere Note hat. Es ist kein... düster, dramatisches Werk, der Wandel des Geschlechts, der in der Mitte des Films stattfindet. geschieht auch eher so en passant. Es wird tatsächlich nicht groß dramatisiert oder ähnliches. Und Virginia Woolf hat ja auch selbst dazu gesagt, dass ihr dieses Buch relativ leicht gefallen ist, dass sie das relativ leicht von der Hand schreiben konnte. Und Wenn ich es vergleiche mit dem, was ich sonst von Virginia Woolf kenne, was nicht so viel ist, ist es auch tatsächlich eher eine heitere, leichtere Lektüre von ihr. Weil sie war ja sonst tatsächlich eher so stark in diesem Modernen drin, das immer auch einen gewissen Pathos hatte.
Johannes Franke: Ja, und Dramatik.
Florian Bayer: Und das hat diese Geschichte nicht. Und das ist auch in dem Film wirklich gut getroffen, dass es ... Der Film ist eigentlich ein utopischer Film. Es ist die Utopie eines Individuums, das irgendwie am ... dass es schafft, Individuum zu sein und dass auch das Individuelle... schadet Orlando nicht, weder im Männerkörper noch im Frauenkörper. Und es ist dadurch ein wirklich fröhlicher und auch optimistischer Film. Und das tut total gut zu sehen, gerade wenn man bedenkt, wie sehr heutzutage dieser Diskurs auch vollkommen zu Recht emotional aufgeladen ist. Emotional aufgeladen, vor allem von der betroffenen Seite natürlich, weil Transsexuelle es immer noch so krass schwer haben in unserer Gesellschaft. tut es total gut, so einen optimistischen und utopischen Blick darauf zu
Johannes Franke: Ja und fast ein, man will ja gar nicht naiv sagen, weil ... Weil an sich ist der Blick nicht naiv. Er ist bloß einfach so erzählt, dass man es nicht... Also natürlich gibt es Probleme, die damit einhergehen, wie zum Beispiel, dass sie als Frau Land und Besitz verliert. Aber der Switch des Geschlechts, der ist einfach so, ja, en passant einfach so, der passiert. Und dann ist das jetzt so und es wird nicht weiter darüber diskutiert oder so, sondern das ist halt... Ja gut, okay.
Florian Bayer: Ich glaube es schwingt schon, also Naivität finde ich ist schon der richtige Begriff, schwingt die ganze Zeit mit in dieser Geschichte, aber die beste Form von Naivität. Die schönste Form von Abität, auch was die anderen Supplots betrifft. Dieser Allende oder dieser Allende bewegt sich ja wirklich durch die Jahrhunderte und hat ständig Kontakt mit anderen Menschen, lebt mal zurückgezogen, mal direkt in der Gesellschaft. Und nichts davon wird dramatisch krass ausgeschlachtet, sondern Dinge geschehen einfach.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Man könnte dem Film vielleicht vorwerfen, dass er dadurch ein bisschen brav wird, ein bisschen bieder ist. Aber ich glaube, das muss man nicht so sehen, weil es einfach eine totale Schönheit in dieser Naivität liegt.
Johannes Franke: Du entwickelst halt dadurch, dass es so ruhig ist alles und nicht so überdramatisiert. Entwickelst du ein Gefühl von einem Gemälde, was vor dir liegt. Was zum Beispiel jetzt unser Vorgängerfilm nicht... Schafft, meiner Meinung nach.
Florian Bayer: Es ist kein Hieronymus Bosch und es ist auch Tenderly, sondern es ist eher so ein impressionistisches Gemälde. Genau. Sehr auf die Ästhetik aus. Also es geht wirklich darum, schöne Bilder zu schaffen mit Kostümen, mit Landschaften.
Johannes Franke: Ja, total schöne Bilder. Wirklich super Kammerarbeit.
Florian Bayer: Auch alles so ein bisschen in so einen Weichzeichner gehüllt.
Johannes Franke: Manchmal ein bisschen zu dolle.
Florian Bayer: Manchmal ein bisschen zu dolle, manchmal ein bisschen zu lieb. Aber trotzdem ... spart der Film nicht an Themen, die auch angeschnitten werden. Das Thema Sexismus, Feminismus wird ... wird aufgeworfen, so nachdem tatsächlich nachdem Orlando zur Frau wurde. verkehrt sie dann in Literatenkreisen und da wird Einmal in einer wirklich tollen Szene ganz schön ausgeteilt gegen die sexistischen Dichter, die die überhaupt kein Gespür für die Frauen haben, aber sie sich quasi als ihre Musen halten und sonst eben null Interesse daran haben.
Johannes Franke: Das ist super. Ich finde den Switch so ganz toll erzählt, weil du am Anfang natürlich, du siehst es durch Orlandos männliche Augen. Du hast so ein paar Spitzen, weil Orlando ja sowieso schon so ein bisschen hadert mit diesem Männlichkeitsbild und diesem Umgang. mit Männlichkeit und Weiblichkeit. Aber deutlich wird es erst, nachdem Orlando das Geschlecht gewechselt hat und man wirklich... Im Grunde die gleichen Gespräche führt bloß eben durch ihre Augen gesehen. Und man plötzlich merkt, oh scheiße.
Florian Bayer: Was wirklich gekonnt gelingt, ist dieser ironische Bruch... also es gibt den Bruch der vierten Wand und Endo redet mehrmals direkt mit uns.
Johannes Franke: Ja, so toll. Aber
Florian Bayer: Es wird trotzdem, wir werden nicht einfach nur, wir nehmen trotzdem nicht einfach nur die Perspektive Orlando's an. Wir werden auch nicht einfach zu seinem oder zu ihrem... sondern man merkt, dass dieser Film gleichzeitig auch immer noch ... drüberliegen, einen ironischen Blick hat. Mit den Augenzwinkern, der sich auch Augenzwinkern mit... Orlando befasst. Das finde ich toll. Oft das Gefühl, dass die filmische Perspektive und die Perspektive Orlandos um das Publikum buhlen, um die Gunst des Publikums buhlen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Es hat so was Verführerisches, weil beide, sowohl der Film in seiner Inszenierung als auch Orlando mit seiner oder ihrer Art zu reden ... charmant sind und uns versuchen, mit ihrem Charme für sich zu gewinnen. Ihre Perspektive.
Johannes Franke: Die Regisseurin Sally Potter hat sich vorher schon lange, ich glaube, die haben vier Jahre daran, gebastelt mit Tilda Swinton. Tilda Swinton und Sally Potter haben zusammengesessen. Und haben vorher noch so ein Fotoshooting gemacht, um so ein bisschen den Charakter, die Figur so ein bisschen zu ergreifen. Und da ist der Blick in die Kamera entstanden. Da haben sie, ne, als sie die Bilder ausgewertet haben und dann, da gibt es immer mal so einen Blick in die Kamera und dann stellten sie fest, okay, das ist... Das ist toll, den brauche ich. Den brauche ich auch, um Sachen aus dem Buch aufzugreifen. Dieser Kontakt zum Publikum, den auch das Buch irgendwie anscheinend hat, das zu replizieren. Und ich finde, oft sind so Brüche mit der vierten Wand ein kleines bisschen aggressiv. Aber Tilda Swinton macht das mit so einer Liebe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dass ich mich jedes Mal von ihrem Blick gestreichelt fühle irgendwie. Und ich finde es ganz, ganz toll. Und was sie alles transportiert mit nur einem Blick in die Kamera und so einem Satz vielleicht.
Florian Bayer: noch. Wundervoll. Sie kommentiert ja tatsächlich. Es ist wirklich toll, dass sie zum Beispiel schaut Romeo und Julia.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Dass sie das Stück einfach einmal so für uns lobt, dass sie einmal uns Terrific Play. Genau. Dass sie einmal zu uns sagt, dass ihr das Stück gefallen hat, dass das ein tolles Theaterstück ist. Und das war es dann auch schon. Es ist überhaupt nicht notwendig. Es würde auch vollkommen reichen, das in ihrem Blick zu sehen. Aber durch diesen kurzen, charmanten Weg noch mal zu uns ist ...
Johannes Franke: Ich muss an die Serie Fleabag denken. Fleabag ist ja auch so. Das hast du wieder nicht gesehen, obwohl ich dir das immer wieder sage, dass du das gucken musst. Fleback ist halt auch so eine, wo Phoebe Waller-Bridge, die das geschrieben hat und auch die Hauptfigur spielt, immer wieder mit dem Zuschauer redet. Auch auf so eine verschwörerische Leichtkomma auf meine Seite Art und Weise.
Florian Bayer: Verschwörerisch ist ganz gut, das trifft es ziemlich gut.
Johannes Franke: Ich liebe das.
Florian Bayer: Sie will, oder er am Anfang will uns... auch sein Wertesystem verkaufen. Auch wenn er kommentiert, dass Sascha nicht kommt, so seine erste große Liebe. Ja. Und Sascha ist toll. Diese russische Gräfin, ja, die ist super, ne?
Johannes Franke: Das ist eine ganz tolle Schauspielerin, die das spielt. Die hat so einen Blick drauf. Die hat so eine Hintersinnigkeit in ihrem Blick, wo sie... wie sie auf Sachen reagiert und wie sie immer so eine leichte ironische Distanz zu allem hat und Und trotzdem drin ist.
Florian Bayer: Und eine unglaublich schöne Frau, Charlotte Valandré, eine französische Schauspielerin. Aber wenn wir schon von Schauspielerin reden, dann nochmal.
Johannes Franke: Also Tilda Swinton ist einfach unglaublich toll. Wirklich großartig.
Florian Bayer: Und es ist jedes Mal, wenn ich sie sehe und auch in so unterschiedlichen Rollen.
Johannes Franke: Only Lovers Left Alive. Ja, ich dachte... Da hat sie unglaublich gut...
Florian Bayer: Und was hatten wir vor kurzem? Dylan.
Johannes Franke: Das ist nicht Tilda Swinton.
Florian Bayer: Nein. Ich hab schon wieder Kate Blanchard und Tilters Winton verwechselt. Ja, du hast vollkommen recht. Tilters Winton und Kate Blanchard. Weil es beide großartige Schauspielerinnen sind, fliegen die so oft bei mir. Das ist total ärgerlich. Ich finde, sie haben tatsächlich auch beide eine ähnliche Art zu spielen. Aber Tilta Swinton... War in Adaptation.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und... Ja, jetzt habe ich Wikipedia auf.
Johannes Franke: Jetzt kann mir das nicht mehr passieren.
Florian Bayer: The Beach tatsächlich... Wo sie tatsächlich Leonardo DiCaprio an die Wand spielt.
Johannes Franke: Das weiß ich nicht mehr.
Florian Bayer: Und Snowpiercer, wo sie wirklich einen fiesen Fiesling spielt. Großartige Schauspielerin, die auch so unglaublich facettenreich ist. Man könnte fast sagen, okay, vielleicht ist sie in Orlando ein bisschen unterfordert manchmal. Weil sie nicht so exzentrisch spielt, wie sie sonst gerne mal besetzt wird.
Johannes Franke: Stimmt. Sie wurde, ich weiß nicht, wie viel sie vorher gemacht hat, ich habe gerade die Revita nicht im Kopf, vielleicht kannst du das nochmal gucken, aber sie wurde aus dem Theater geholt von Sally.
Florian Bayer: Sie hat 1986 ihr Debütfilm, wenn ich das richtig sehe. Mhm. Caravaggio, den ich nicht kenne, Derek Charman.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und genau, dann tendenziell vorher eher Theater und dann in den 90ern ist sie... Und in den 2000ern vor allem hat sie einfach durch die Decke gegangen. Und dann hast du eine wirklich, wirklich lange Filmliste. Und auch sehr unterschiedliche Rollen. Also so von Chroniken von Narnia, wo sie die böse Hexe spielt.
Johannes Franke: Ah, ja stimmt.
Florian Bayer: über A Bigger Splash, wo sie eine New Wave Sängerin ist. Auch ein toller Film. Ein bisschen zu, offensichtlich hat sie in Avengers Endgame mitgespielt, auch wenn mir gerade nicht einfällt, was sie da gespielt hat.
Johannes Franke: Was hat sie da gespielt? Und Tilda Swinton hat doch bei ... Wie heißt der hier? Dr. Strange.
Florian Bayer: Natürlich, dann war sie die ... Die Chefin der Magie oder so?
Johannes Franke: Ja, genau, die auch mehr oder weniger unsterblich und dann am Ende doch irgendwie... Ewigen Jagdgründe eingehend.
Florian Bayer: Ja, dann hat sie das auch in Avengers gespielt. Und dann hat sie, genau, du hast Only Lovers Left Alive erwähnt Irgendwann hatte sie offensichtlich Jim Jarmusch's Herz erobert, weil sie in sehr vielen Jim Jarmusch-Filmen mitgespielt hat, Limits of Control. Only Lovers Left Alive, The Dead Don't Die, den ich leider noch nicht gesehen habe. Das ist dieser aktuelle Zombie-Film von Jamush.
Johannes Franke: Okay. Und wenn wir aber bei Schauspielern sind, dann müssen wir auch noch Quentin Crisp erwähnen. Der Schrägstrich die, eigentlich die, sich immer vorgetan hat, schon früh durch sehr exzentrische Aktionen und Sachen.
Florian Bayer: Aber er ist kein Transsexueller, oder?
Johannes Franke: Doch. Aber das hat sie erst festgestellt, kurz bevor sie gestorben ist.
Florian Bayer: Ah, okay.
Johannes Franke: Und das sagte sozusagen am Ende das Einzige, was sie bereut in ihrem Leben ist, dass es damals... diese Möglichkeit der Operation in der Form nicht gab, auch nicht billig zu haben war und auch nicht irgendwie einfach nicht verfügbar für sie. Und dass du dann gesagt hast, heutzutage würde ich mich als Transfrau bezeichnen.
Florian Bayer: Wird tatsächlich bei Wikipedia noch als Mann geführt. Ich hab da jetzt gerade nichts gefunden. Ah, interessant.
Johannes Franke: Aber es gibt auch bei Wikipedia, wird das kurz erwähnt unten.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Ist aber, ich verstehe es nicht ganz, warum das nicht angepasst wird, aber vielleicht hat es damit zu tun, dass sie dann doch als Mann gestorben ist auch irgendwie.
Florian Bayer: Ja, weil ich dachte eigentlich mittlerweile, was das betrifft, wäre Wikipedia so weit, dass da wirklich auch kein... misgendering stattfindet.
Johannes Franke: Ja, eigentlich schon.
Florian Bayer: Weil das ist wirklich, das ist auch wirklich was Ätzend, weil sowas Leichtes ist, Leute mit dem Geschlecht anzusprechen, das sie haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Das ist so eine Banalität, dass diese Menschen sich einfach wünschen, einfach sprecht mich mit dem Geschlecht an, das ich bin. Sagt sie, wenn ich eine Frau bin, sagt er, wenn ich ein Mann bin. Das ist sowas Einfaches. Und Genau, also aktuelles Beispiel ist halt Elliot Page, das ist halt ein herumgestelltes Name, kanadischer Schauspieler und Filmproduzent.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und, ähm, Das finde ich ist so eine einfache Sache von Respekt, die schon so viel ausmacht. Gerade weil von der rechten so krass dagegen gearbeitet wird und auch so provoziert wird damit, dass halt die falsche Geschlechtlichkeit genannt wird. Und okay, schade, dass sie es dann bei ihr noch nicht gemacht haben.
Johannes Franke: Ja, Es ist aber auch jetzt zu wenig Zeit gewesen, um mich da nochmal genauer reinzuarbeiten. Wo... wo vielleicht das nochmal festgelegt da irgendwo auftaucht, weil es ist halt... In Interviews hat sie es irgendwann mal Ende der 70er, glaube ich, angedeutet, aber nicht explizit und dann irgendwann gab es diese eine Aussage von ich wäre heutzutage eigentlich trans Frau. Hat aber nie irgendwie dann wirklich Operationen durchgezogen oder sowas, auch in dem Alter nicht mehr. Das war einfach dann natürlich nicht mehr... Und nur für den Zuhörer, wir sprechen über Quentin Crisp, weil sie die Queen spielt.
Florian Bayer: Genau, Elisabeth I.
Johannes Franke: Und zwar richtig toll spielt.
Florian Bayer: Tolles Kostüm, wunderschön gespielt und wenige Szenen nur.
Johannes Franke: Ja, aber mit so viel Liebe und so viel Fragilität und irgendwie ganz toll gemacht. Hat sie super gemacht und dadurch, dass der Film damit auch anfängt, hast du sofort natürlich einen Ton. Du weißt sofort, okay, es geht um... Geschlechterfluidität oder Geschlechter wer was wie wo und dann hast du am Anfang auch diesen Countertenor, der im Falsett Das heißt, du hast sofort dieses Thema präsent, ohne dass es dir aber um die Ohren gehauen wird, sondern du hast irgendwie das Gefühl, es ist sehr organisch drin.
Florian Bayer: Es zählt sich wie ein roter Faden durch den Film, aber es dominiert den Film nicht absolut. Das ist immer klar, dieser Film... lässt keinen Zweifel an seiner Position, dass Geschlecht auf einem Spektrum stattfindet. Und dass es sehr viele Facetten davon gibt. Und er thematisiert auch immer mal wieder eben ... Was sind männliche Werte, was sind männliche Tugenden, zum Beispiel wenn Orlando mit dem Herrscher im Osmanischen Reich trinkt und er dann explizit auf die männlichen Tugenden geht. trinken will, das sind immer mal wieder so Themen, die angeschnitten werden, aber es ist nichts, was Es ist nicht das einzige Thema des Films. Und es ist vielleicht nicht einmal das wichtigste Thema des Films, sondern es ist einfach so was, was mitläuft, was... einfach eine unfassbar angenehme Sicht auf das Thema Geschlechtlichkeit ist.
Johannes Franke: Und es ist so toll, dass es so mitläuft, weil im Grunde... Da wollen wir ja hin im Grunde. Wir als Gesellschaft, meiner Meinung nach, sollten wir dahin kommen, dass so ein Thema irgendwie mitläuft, aber kein... Kein dominantes Diskussionsthema mehr ist, sondern dass du sagst, es gibt dieses Thema und das ist auch Identitätsstiftend für jeden, das heißt, es ist schon ein... ein wichtiges Thema, aber es ist kein Diskussionsthema im Sinne von, wir müssen jetzt, können irgendein Skandal hinaufbeschwören, weil irgendjemand für andere Leute nicht ins Weltbild passt, weil er irgendeine... von der Norm abweichende Genderfrage für sich klärt.
Florian Bayer: Ich glaube, wir sind noch sehr weit davon entfernt, dass man sagen kann, es sollte kein Diskurs drum stattfinden, aber das siehst du wahrscheinlich genauso. Wir sind gerade in einer Phase, wo ganz viel drüber geredet werden muss. es muss es dringend auch wenn ich das jetzt sie wenn mein kind die lieblingsfarbe meines sohnes ist rosa Ganz eindeutig. Trägt unglaublich gerne viel Rosa. Und wenn wir irgendwas aussuchen, dann will er die rosanen Sachen haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er kommt aus der Kita nach Hause und ist wirklich niedergeschlagen, weil jemand ihm gesagt hat, Rosa ist doch eine Mädchenfarbe. Fünfjährige Kinder.
Johannes Franke: Na toll.
Florian Bayer: Und wir haben einen Autositz ausgesucht. Autositze sind echt teuer, so Sicherheitssitze für Kinder.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und dann waren wir in dem Geschäft und es war alles cool und so. Und dann hat die Verkäuferin uns einen Katalog hingelegt und welchen willst du denn haben? Und er so direkt den da und hat auf den Rosanen gezeigt. Und sie guckt ihn an mit kritischem, bösem Blick. Wirklich? Nicht mit bösem Blick. Mit kritischem Blick. Wirklich? Und dann meinte sie noch so, ich will dann gar nicht, aber ich, nachher, wenn er älter ist, will er das vielleicht nicht mehr und dann ist es ein Problem und so. Und dann war klar und dann war das belamatisch gemacht und dann hat er halt gesagt... weiß nicht, vielleicht doch einen anderen. Und dann haben wir uns auf Rot geeinigt, weil er dann wollte ja den Rosa nicht mehr haben. Aber das hätte nicht stattgefunden, wenn sie nicht interveniert hätte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das sind noch leichte Themen, das ein Junge gerne rosa trägt. Wenn man sich dann vorstellt, dass jemand im falschen Körper geboren ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und von der Gesellschaft als Mann definiert wird, aber eigentlich eine Frau ist.
Johannes Franke: Das ist das.
Florian Bayer: Das ist ja noch viel härter und viel schwerer. Im Moment sind wir in der Phase, wo wir ganz viel drüber reden müssen. Und wo man eigentlich jeden Tag drüber reden müsste. Und gerade so ... heteronormativ Cis-Leute, wie wir es sind. Gerade wir müssen uns viel damit auseinandersetzen. Und wir müssen auch, also gute Allies sein, ist immer so leicht gesagt, aber genau das ist unsere Aufgabe.
Johannes Franke: Genau, das ist es, ja. Ja, deswegen, ich glaube, das gehört auch zu den... Gründen, warum mir der Film so wichtig ist. Ich bin ja immer als Kind Sobald ich lange Haare hatte oder auch früher schon, ich hatte immer sehr feminine Züge. Und ich wurde immer von hinten, aber auch mit der Front und Sicht. Für eine Frau gehalten, für ein Mädchen gehalten.
Florian Bayer: Bei unseren YouTube-Videos. Ja, stimmt. Das ist doch ein Mädchen. Der sieht doch aus. ein Mädchen oder sieht doch aus wie eine Frau.
Johannes Franke: Und das ist halt irgendwie so ein Thema... Was allein deswegen für mich sehr viel auch Emotionales aufgeladen ist, weil es eine Identitätsfrage ist. Und wenn man immer... misgendert wird, wie ich das wurde, weil es einfach verwechselt wurde, weil es irgendwie, nicht weil ich... trans wäre oder so, sondern einfach nur von meinem Aussehen her. Ist das ein... Das ist ein komisches Aufwachsen. Ich kann es nicht anders sagen. Es ist wirklich seltsam. Andererseits hat es mir natürlich meinen Blick geschärft für bestimmte Dinge und für Themen. Aber eigentlich wäre es schöner gewesen, wenn es nicht hätte sein müssen.
Florian Bayer: Ja. Und es ist tatsächlich, also gerade was diese ... Starrheit der Geschlechterrollen betrifft, haben wir ja auch wirklich Rückschritte gemacht, wenn man sich anschaut, wie die Konsumindustrie aussieht für Kinder heutzutage. Es ist halt so viel... dass jetzt so vielen Spielsachen und Süßigkeiten und sogar fucking Zahncreme wird Geschlecht aufgedrückt. Boah. Und versuch mal rosa T-Shirts für Jungs zu kriegen. Kriegst du nicht. Wenn du ein rosa T-Shirt suchst, kriegst du Mädchen-T-Shirts. Und dann ... Die kaufen wir auch, weil er mag halt Rosa. Aber dann gibt es so die ganz klaren Klischees, wie ein Mädchen, wie Mädchenkleidung auszusehen hat, mit, keine Ahnung, noch Blümchen dran. Teilweise ... für Kinder wird teilweise figurbetonte Kleidung für Mädchen gemacht. Was? Wo du dich fragst, What the fuck? Warum braucht eine 5-Jährige eine Kleidung, die irgendwie so ein bisschen Hüfte hat oder so?
Johannes Franke: Alter.
Florian Bayer: Das ist genau. Das ist... Es ist wirklich komisch, wie starr und borniert ... in unserer Gesellschaft über Geschlecht geredet wird. Und ich weiß, es ist ein riesiges Themenkomplex. Und ich glaube, es ist auch ganz wichtig zu sagen, dass natürlich... das nicht im geringsten vergleichbar ist mit das, was Transsexuelle durchmachen. Aber es gehört halt alles zu dem großen Themenkomplex dazu.
Johannes Franke: Genau. Und ich glaube, das eine geht ohne das andere natürlich nicht. Wir müssen Lösungen für das eine finden, um Lösungen für das andere zu finden und umgekehrt. Also das gehört einfach zusammen. Und deswegen glaube ich auch, dass es gibt viele Sachen, die von Politik gemacht werden müssen, wie zum Beispiel unsere Klimakrise, die kann man nicht im Einzelnen lösen. Also auf den Bürger abwälzen im Sinne von ihr müsst einfach besser sparen oder was auch immer. Aber das gehört einfach zu etwas, wo einfach jeder Einzelne für sich anfangen muss.
Florian Bayer: Das sind so kleine Sachen. Wie gesagt, hört auf mit Misgendering. Hört auf, Deadnames zu benutzen. Ganz einfache Sachen, einfache Respekthandlungen, die jeder ausführen kann. Es ist kein Problem, es bricht keinem Ast ab. Mir nimmt es nichts weg. Wenn eine Person, die er vorher als er bezeichnet hat, jetzt als sie bezeichnen muss oder umgekehrt. Das sind so ganz einfache kleine Sachen, die schon ganz viel am gesellschaftlichen Klima machen können. Und krass ist natürlich auch der Backlash, der von rechts kommt dagegen, wo das dann sehr bewusst zur Provokation eingesetzt wird und wo man sich einfach fragt, Leute, Ihr seid immer die, die so auf Werte wie Respekt und auf Werte wie Höflichkeit setzen. Und wie scheißunhöflich ist es dann, eine Frau mit R anzusprechen?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Zurück zum Film.
Johannes Franke: Puh, schweres Zimmer.
Florian Bayer: Tatsächlich, bei Holy Mountain habe ich dich auf die strenge Struktur hingewiesen. Orlando hat ja tatsächlich eine sehr strenge Struktur.
Johannes Franke: Sehr klare Struktur. Es ist sehr, sehr schön, weil es mir so ein bisschen die Möglichkeit gibt, mich dadurch zu manövrieren. Ja, ja.
Florian Bayer: Es macht es tatsächlich sehr leicht, weil man kann wirklich sagen, es gibt einfach mal diese sieben Kapitel.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Die auch wirklich benannt sind mit Zeitangabe.
Johannes Franke: Ja, das heißt, wir haben 1603 am Anfang... 1600 steht, glaube ich. Stimmt, 1600 Titel. Ähm, 1700, 1750, 1850. Du bist zu weit gesprungen. Ach, verdammt.
Florian Bayer: Tod ist das erste Kapitel 1600. Da kommt Liebe, 1610.
Johannes Franke: Poetry.
Florian Bayer: Genau, 1650. Politics. Ah, 1650. Ja, Politics 1700. Society. 1750. Sex.
Johannes Franke: 1850.
Florian Bayer: Und dann ohne Zeitangabe die Geburt.
Johannes Franke: Birth.
Florian Bayer: Birth, genau. Ja, und das ist eine klare Struktur und tatsächlich findet der Geschlechtswechsel, findet auch in... Mittelteilstadt in vierten Politik wird Orlando vom Jüngling zur Frau.
Johannes Franke: Und es ist eine tolle Szene.
Florian Bayer: Es ist einfach, also man muss auch...
Johannes Franke: Und auch dazu sagen, das, was dorthin führt zu diesem Moment des Wechsels, man kann es so oder so interpretieren. Man kann sagen, die Szenen davor sagen Orlando einfach... auf ungute Art und Weise, der Umgang des männlichen Weltbildes mit der Frau ist einfach... So scheiße, ich komme damit nicht mehr klar, ich werde jetzt zur Frau. Könnte man so rein interpretieren.
Florian Bayer: Können wir mal rein interpretieren. Tatsächlich ist Orlando am Anfang ja durchaus auch, hat diese Trademarks des lamoyanten Mannes, der sich eben beschwert über die Unterrichtung. Treue der Frauen. Er legt sich drüber auf, dass Sascha ihn sitzen lässt. Und das ist auch das erste Mal, dass er in einem sehr langen Schlaf versinkt. Sechs Tage lang schläft er und seine Bediensteten sind auch schon so, was ist denn los und wird er nochmal wach. Aber dann geht das halt auch irgendwie vorbei. Und dann, ja, er bewegt sich halt in dieser männlichen Gesellschaft. Er trifft sich mit dem ...
Johannes Franke: Ganz kurz zu dem typischen männlichen Dings. Es gibt ihm zweimal den Satz. Und das finde ich ganz toll. Am Anfang von ihm, glaube ich, Er sagt, you're mine. Und sie fragt, warum? Und er sagt, because I adore you.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist so diese Selbstverständlichkeit dieses Mannes zu sagen, so, jetzt gehörst du mir. Ja.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Aber Tilda Swinton spielt das auch so schön mit einem Fragezeichen. Irgendwie.
Florian Bayer: Vielleicht. Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, sie ist vor allem, also charmant ist sie. Definitiv. Die ganze Zeit über mit diesem, so eine lakonische Charme.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: So ein lakonischer Charme. Charme. Charme. Das Wort ist merkwürdig.
Johannes Franke: Ja. Aber ich habe das Gefühl, dass sie das immer mit einem Fragezeichen spielt, weil sie schon weiß oder Orlando schon weiß... dass das irgendwie nicht stimmt alles. Und das finde ich spannend, weil du das immer mitschwingen hast. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn es sehr dominant wäre und sehr klar wäre.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das kann ich dir nicht sagen, aber ich finde es so, wie es jetzt ist, eigentlich sehr schön. Weil das immer so ein, der dir schon mitliefert, dass es eigentlich nicht stimmt alles.
Florian Bayer: Ja, er hat das Besitzergreifende und ich finde es noch stärker ist halt diese Lamoyanz, die er hat, wenn er... wenn er von der Frau verlassen wird. Sie gehörte doch ihm. Es war doch eigentlich alles schon geklärt. Wie können Frauen nur so untreu sein? Und wie können Frauen so selbstbestimmt sein?
Johannes Franke: Und kurz vorher stellen wir fest, dass er ja eigentlich schon eine hatte.
Florian Bayer: Achso, ja, genau. Er ist der Untreue.
Johannes Franke: Er ist ja derjenige, der dann in die Kamera sagt... Naja, es hätte sowieso nicht funktioniert. Man muss halt nach seiner Liebe suchen und muss seinem Herzen folgen, glaube ich, sagte er.
Florian Bayer: Er ist schon so ein Kerl.
Johannes Franke: Kurz danach beschwert er sich über diese Frau, die so untreu ist. Jaja. Aber eben, ich glaube, die ganze Zeit spielt eben Tilda Swinton das mit, dass das einfach nicht stimmt. Also dass dieser männliche Blick da... Fehlanplatz ist.
Florian Bayer: Jetzt ist es ja auch tatsächlich so, dass die Autorin Virginia Woolf... als Schriftstellerin in der Rezeption im zweiten Frühling erlebt hat, als sie vom Feminismus neu entdeckt wurde, als eine der großen weiblichen Stimmen der Moderne. die ja wirklich viel gemacht hat für die moderne Literatur und wirklich großartige Werke geschrieben hat mit Miss Dalloway und zum Leuchtturm, die wahrscheinlich so ihre bekanntesten Werke sind. Und natürlich passt es total gut dazu, dass sie ... dass der Film, wie die Vorlage, also dass die Vorlage was betrifft. Proto-Feministisches hatte und der Film das dann nochmal ein bisschen stärker feministisch deutet, weil es ein Film aus den 90ern ist und nicht aus dem Jahr 1910. 29 oder 28. Ich weiß gar nicht, ob ich dem Film so groß diese feministische Note... Weil letzten Endes sind es natürlich auch so klassische Themen, die auch in diese Zeit passen. Also es wird so dieser Shakespeare, wird überall. allem und da gibt es natürlich auch die ganze Zeit Intrigen und Affären und er wird von ihr sitzen gelassen und sie wird von ihm sitzen gelassen. Und es ist natürlich total schön, das auch feministisch zu interpretieren, dass es hier einen Augenzwinkern gibt zu diesem männlichen Selbstverständnis.
Johannes Franke: Und auf der anderen Seite gibt es aber eine ehrliche, echte Träne eines royalen Mannes, 1610. Weißt du, einer, der dann weint über die Vergänglichkeit dieser Sachen. dass sie nicht mehr da sein wird und dass er und so weiter. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie der Dialog da ist, aber Aber es gibt eine echte Träne. Und das heißt, diese... Die Ambiguität, die da drin steckt in dieser Welt, wird sehr schön dargestellt. Hä?
Florian Bayer: Er ist emotional wirklich angegriffen. Diese Sascha war die Liebe seines Lebens. Und das wird auch tatsächlich, wird der Verlust nicht mehr groß thematisiert.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Aber er schwingt irgendwie so die ganze Zeit mit. Wir haben Orlando eigentlich durch den Rest des Films irgendwie auch so ein bisschen als... Mensch mit gebrochenem Herzen, der sich davon nie so 100% erholt und der halt dadurch auch einfach so ein bisschen die Einsamkeit auf dem gesellschaftlichen Leben vorzieht und Und der ja auch einfach tatsächlich keine große Liebesbeziehung mehr eingeht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Mit der Ausnahme vielleicht im sechsten Kapitel mit Shalmadin.
Johannes Franke: Ja. Ja, dann lass uns aber chronologisch mal noch ein bisschen fortdurchreiten.
Florian Bayer: 1650 1650 Poesie Orlando will seine Texte Will seine Texte an den Mann bringen, an den Kritiker, Mr. Green.
Johannes Franke: Das ist auch ganz toll, weil dieser... Kritiker wird eingeladen zum Essen und haut voll rein, weil er sonst nicht so viel zu essen kriegt anscheinend. Und er... Gibt Orlando wirklich so eine kleine Lektion von, guck mal, du bist privilegiert und hast den ganzen Scheiß? Und der, den du da so hochlobst, in den Himmel jobst, verhungert unter Umständen morgen. Also du hast mich in deiner Bibliothek stehen. Aber ich habe morgen nichts zu fressen.
Florian Bayer: Und es ist ja auch ganz klar, was der will. Der will sich bestechen lassen. Es geht hier um Geld. Der will von Alejandro Geld. Geld haben, damit er seine Texte veröffentlicht und macht das auf so hinterrückende Art und Weise, aber es ist schon ziemlich klar, in welche Richtung es gehen soll.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann kommt schon die Reise nach Übersee, in den Orient. Ja.
Johannes Franke: Da darfst du nicht vergessen, dass Orlando ja versucht, selber die eigenen Texte noch nach vorne zu finden und nach Kritik fragt. Und der Typ natürlich ganz... ganz schmerzfrei einfach sagt, das ist totaler Scheiß. Das finde ich schön. Da hat der Film dann eben seine Ebene über Orlando und nimmt nicht die Position ab.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich auch was, was man grundsätzlich in die Geschichte reinlesen kann. Es ist auch die Geschichte eines ... nach Anerkennung suchenden Künstlers, einer nach Anerkennung suchenden Künstlerin, ähm, Nicht zu Unrecht ist das große Finale in unserer Zeit eben die Anerkennung, die dann doch noch letzten Endes nach Jahrhunderten nicht gehört werden. doch noch reinhaut.
Johannes Franke: Das ist toll. Und der Film endet ja eben auch in unserer Gegenwart, nämlich in den 90ern. Während das Buch ja in den 20ern endet, wo halt die Veröffentlichung war. Das finde ich sehr schön, dass der Film das macht, dass er nicht in den 20ern endet. sondern eben wie das Buch das vorhatte, einfach in der Gegenwart, die eben gerade ist.
Florian Bayer: Und das ohne die Struktur zu zerstören. Also er springt dann halt einfach aus dem Jahr 1850, springt er in das Jahr 1990, 1992, was auch immer. Tatsächlich das einzige Kapitel, das keine Zeitangabe spendiert bekommt. Wahrscheinlich um auch so ein bisschen... Bin ich auch folgerichtig. zu dem Buch zu lassen, ist es halt einfach die Jetztzeit.
Johannes Franke: Genau. Sehr schön. Ja, und dann ist das schon die Verwandlung? Nee, das sind wir noch nicht, oder?
Florian Bayer: Ich bin jetzt im Orient. Also nachdem er nimmt dann noch diese Tulpenzwiebel mit, weil ich es nicht so 100% verstanden habe. Es gab ja diese Tulpen-Manie im... 16. und Anfang 17. Jahrhundert, die war aber früher. Also wir sind eigentlich zu spät für diesen Tulpenwahnsinn, wo mit den Tulpen spekuliert wurde.
Johannes Franke: Ah ja, da nimmt es der Film vielleicht nicht so genau mit der Zeit.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch. Und Und dann reist er halt in den Orient und als Diplomat ist er unterwegs und trifft sich da auch mit den osmanischen Herrschern. die von Orlando erwarten, dass er die Loyalität ... Vertreter ist der Loyalität der britischen Krone zum Osmanischen Reich.
Johannes Franke: Und da fällt ein ganz toller Satz von dem Typen, der eher skeptisch ist. Der sagt, Großbritannien ist eher dafür bekannt, Länder zu sammeln.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja. Ganz toller Satz.
Florian Bayer: Wir haben hier einfach mal einmal so kurz das kleine Kolonialismus-Thema. Wobei das Osmanische Reich natürlich kein Gebiet ist, das kolonialisiert wurde, sondern das war ein riesiger Machtblock. Und sie erwarten aber auch von Orlando, dass er kämpft.
Johannes Franke: Was Orlando nicht so klar war.
Florian Bayer: Ja, genau. So, hey, du bist hier, jetzt zeig mal deine Loyalität. Hier ist eine Waffe, auf in den Kampfen. Und dann haben wir diesen wirklich feingeistigen britischen Edelmann, der noch nie in seinem Leben ernsthaft gekämpft hat, wahrscheinlich einfach ein bisschen Fechtunterricht hatte und sonst nix. Das war. Und der plötzlich in den Krieg ziehen muss.
Johannes Franke: Und dann ist dieser andere Typ aus seinem Stab irgendwie dabei.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der dann irgendwie einen Typen erschießt, direkt hinter ihm, hinter Orlando. Und Orlando dann sich darum kümmern will und der andere sagt, aber das ist kein Mann, das ist der Feind. Ja. Und dann kommt der Blick in die Kamera, der auch wieder genau der richtige Blick ist. Das ist kein Mann, das ist der Feind, was, hallo, sind alle Tassen im Schrank?
Florian Bayer: Ja, dass tatsächlich diese Kriegserfahrung ist, also... Ist genauso traumatisch wie die Erfahrung des zerbrochenen Herzens. Und die Reaktion ist dann ja auch dieselbe. Wieder begibt sich Orlando in einen Schlaf, zieht sich komplett zurück und wieder liegt er sechs... Tagelang liegt er einfach im Bett und schläft und macht gar nichts. Und in diesem 6-Tage-Schlaf findet dann auch der Wandel statt vom Mann zur Frau. Hast du aufgeschrieben, was sie sagt, wenn sie sich zum ersten Mal im Spiegel sieht, dann nackt? Es ist so naiv, so leicht und gleichzeitig so schön.
Johannes Franke: Same person, no difference at all, just a different sex.
Florian Bayer: Großartig.
Johannes Franke: Wundervoller Satz.
Florian Bayer: Und das sagt sie dann auch zu uns. Sie guckt in den Spiegel, sie sieht sich nackt im Spiegel und dann stellt sie einmal fest, ich bin immer noch derselbe Mensch. Es gibt keinen Unterschied, aber ich habe jetzt ein anderes Geschlecht.
Johannes Franke: Und natürlich sagt uns dann der Film, leider stimmt das nicht ganz gesellschaftlich betrachtet. Ja. Weil du natürlich von außen ganz anders wahrgenommen wirst und dann hast du plötzlich keinen Besitz und kein Schloss mehr und kein Zuhause und nix mehr. Weil du damals das halt noch nicht hattest als Frau.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich so ein ganz, ganz... Eigentlich das dramatischste Kapitel, was dann kommt, eben dieses Society-Thema. Es heißt Society, 1750. Orlando kehrt als ... Lady zurück nach England und begibt sich auch in die englische Gesellschaft und wird dann mit dem Sexismus der Künstler konfrontiert. wird damit konfrontiert, dass ihr Familienbesitz plötzlich nicht mehr als ihr Familienbesitz angesehen wird, weil sie rechtlich tot ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: weil sie weiblich ist, weil sie plötzlich kein Mann mehr ist. Und sie kriegt einen Heiratsantrag, der wird dann sogar noch beleidigt, weil sie den Heiratsantrag nicht annehmen will. Also es ist wirklich einmal so, jetzt bist du in diesem gesellschaftlichen Kosmos als Frau.
Johannes Franke: Ja und ich natürlich total verstehen kann, dass sie diese Transition gesellschaftlich nur ganz schwer mitmachen kann, weil Natürlich sage ich erstmal nein, wenn mich jemand einfach so aus dem Blauen fragt, ob er mich heiraten will, aber... Ich sage natürlich nur nein, wenn ich noch nicht verstanden habe, in welchem gesellschaftlichen Gefüge ich da bin und dass ich eigentlich ziemlich lost bin, wenn ich nicht da rein... gehöre, wenn ich da nicht irgendwie einen Rahmen habe, in dem ich mich bewegen kann. Und den Rahmen versagt sie sich halt. Oder ihm auch.
Florian Bayer: Das Spannende ist ja tatsächlich, es gibt diese Dramatik in der Gesellschaft, wie sie dann wahrgenommen wird, aber es wird auch nicht groß drauf gedrückt. Also es ist ein rechtliches Problem. Dass sie die Landschaften, die sie hat, offensichtlich jetzt nicht einfach so behalten kann. Und es ist ein Problem, dass sie in den Literaten. Kreisen plötzlich nicht mehr so akzeptiert wird wie vorher als Mann. Sie ist halt irgendwie nur eine Frau und Frauen taugen bei den großen Künstlern nur als Musen, aber nicht als Künstlerin.
Johannes Franke: Das ist so absurd. Dieses Gespräch ist wirklich toll inszeniert.
Florian Bayer: Das ist super. Ich finde auch, da hat sie Tilda Swinton, die dann so zum Rant ausholt. Und wirklich über die Literaten schimpft und ihnen sagt, dass sie null Ahnung von Frauen haben und was sie sich da überhaupt ertreisten würden.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Wirklich schön.
Johannes Franke: Und super gespielt, wirklich.
Florian Bayer: Und dann eben dieser Arctube, dieser Erzherzog Harry. der ihr den Heiratsantrag macht und wenn sie ablehnt, dann auch echt ausfallend wird und einfach mal sagt, du wirst als alte Jung verstärkt. Und überleg doch mal, dein Geschlecht ist überhaupt nicht klar, du hast keine eindeutige Geschlechtlichkeit, du bist vielleicht arm und ... Du solltest mich lieber heiraten, sonst sieht es echt kacke aus mit deinem Lebenswandel.
Johannes Franke: Ja, Mann. Ich finde es aber ganz phänomenal, dass dieser Film auch das nicht überdramatisiert. Und auch diese ganzen, diese Transition. Es wird fast nicht darüber geredet. Es wird nur so... ein, zweimal über den Fakt geredet, dass sie eine Frau ist. Aber es wird nicht über die Transition geredet. Es wird nicht über... Es wird ja auch gar nicht darüber geredet, dass sie schon 300 Jahre alt ist.
Florian Bayer: Ihre Bedienstete sprechen sie auch konsequent einfach mit MyLady an. Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass sie jetzt eine Frau ist. Sie ist jetzt halt eine Frau.
Johannes Franke: So, Schluss aus.
Florian Bayer: Aber es ist scheiße, eine Frau zu sein im 18. Jahrhundert.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Diese tolle Szene, wenn sie mit diesen ganzen gesellschaftlichen Problemen konfrontiert ist, wenn sie in das Labyrinth läuft. Es ist tatsächlich rein visuell meine liebste Szene in das Labyrinth. Es ist tatsächlich ... Man sollte nicht gleichzeitig lesen und reden. Das ist tatsächlich meine liebste Szene in dem ganzen Film, dieses ins Labyrinth rennen. Und dann dieser Kostümwechsel, der in diesem Lauf stattfindet und sie ist plötzlich komplett in schwarz gekleidet.
Johannes Franke: Toll, ja.
Florian Bayer: Ohnehin, also mit den Kostümen macht der Film.
Johannes Franke: Wundervoll.
Florian Bayer: Es wird viel über Kostümfilme gelästert, dass sie halt so die Ästhetik über den Inhalt setzen. Dieser Film... Er hat wirklich die richtigen Kostüme für die richtigen Momente.
Johannes Franke: Und er ist fast minimalistisch, was das betrifft.
Florian Bayer: Ja, er ist nicht pompös.
Johannes Franke: Überhaupt nicht.
Florian Bayer: Also er hat natürlich schon so ein bisschen dieses pittoreske und alles so. edel und elegant und so.
Johannes Franke: Aber genau eingesetzt. Also wenn du jetzt als Kostümbildner und als Regisseur deinem Team sagst, ich will nicht, dass alles danach schreit, sondern ich will für alles ein Symbolding. Ich will ein bestimmtes Kleid, das das verkauft und ich will ein bestimmtes Schloss, das was verkauft. Aber ich will nicht, dass alles danach schreit und du einen riesigen zusammengewürfelten Hofstaat hast, wo jeder... das Jahrhundert mitverkauft. Sondern es ist immer festgemacht an bestimmten Einzelstücken, die wirklich... dastehen als Symbol für das ganze Ding. Das finde ich toll.
Florian Bayer: Es gibt ja auch diese gesellschaftlich-politische Opulenz gibt es eigentlich nur bei Orlandos Reise nach ins Osmanische Reich. Ansonsten hat sich schon fast was Kammerspielartiges, weil wir uns die ganze Zeit auf diesem Gut befinden. Es gibt halt dieses Herrschaftshaus und es gibt den Garten und dann gibt es dieses Labyrinth und da befinden wir uns. Das ist irgendwie so ein Mikrokosmos, in dem sie sich auch bewegt dann.
Johannes Franke: Ja, es ist wunderschön gemacht. Und dann verliert sie das aber und dann sind wir... In diese Liebesgeschichte, die da kommt.
Florian Bayer: Sie läuft ins Labyrinth und mit diesem Kostümwechsel ins Schwarze findet auch der Jahrhundertwechsel wieder statt. Und Kapitelwechsel zu dem Kapitel, das Sex heißt mit Shemardine. Mit der zweiten großen Liebe in Orlando's Leben. Und Billy Zane ist bestimmt ein ganz guter Schauspieler. Ich kann ihn nicht sehen, ohne den Bösewicht aus Titanic zu sehen. Es funktioniert einfach nicht. Immer wenn ich Billy Zane sehe, denke ich Bösewicht. Bösewicht, Bösewicht.
Johannes Franke: Nee, ist mir nicht so.
Florian Bayer: Lass Rose in Ruhe.
Johannes Franke: Nee, das ist mir nicht so passiert. Habe ich ihn überhaupt wiederkannt? Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Der hat doch so ein markantes Augenpatzstil mit diesen Augenbrauen.
Johannes Franke: Naja, aber ich habe mir zu diesem Kapitel gar nicht so viel aufgeschrieben, außer dass ich finde, dass Tilda Swinton die... Mhm. Mhm. der mich trotz Inhaltsschwere nicht runterzieht oder nicht zu sehr, weiß ich nicht. Es bleibt alles oben irgendwie.
Florian Bayer: Hast du ein Beispiel?
Johannes Franke: Nee, leider, ich habe mir den Satz nicht aufgeschrieben, aber es gab einen bestimmten Satz, den ich meine.
Florian Bayer: Ich fand es tatsächlich einen schönen Moment, wo sie dann noch mal zu uns redet und dann sagt sie, dass sie sich, ich habe es auch nicht wörtlich aufgeschrieben, dass sie sich noch nie wohler gefühlt hat, dass es ihr einfach gut geht gerade. eigentlich in dem Moment, wenn Schermadin sich schon wieder verlässt, weil er ist einfach ein freiheitsliebender Mensch. Sein Beruf ist Freiheit. Ja, genau. Wir haben hier eigentlich so eine klassische romantische Beziehung, wo die Frau vom Mann verlassen wird, weil er ... weiterreisen will. Aber in diesem Kapitel... wird ihr Geschlecht als weiblich erklärt, offiziell. Was allerdings auch damit einhergeht, dass sie alles verliert. Es sei denn, sie kriegt einen Sohn. Das sagt sie dann auch so. Ah ja, genau, stimmt. Das sagt sie zu ihren Bediensteten. Ich glaube, das sagt sie nicht direkt in die Kamera. Dass das aber das Entscheidende ist. Sie kann als Frau nicht diesen Besitz haben. Wir sind im 19. Jahrhundert. Das ist immer noch eine scheiß Zeit für Frauen. Und sie braucht diesen Sohn, der alles erben kann.
Johannes Franke: Und sie bekommt dann aber eine Tochter.
Florian Bayer: Sie bekommt dann eine Tochter, das ist auch eine Änderung zur Romanvorlage.
Johannes Franke: Buch ist es ein Sohn, aber ich weiß nicht, ob es im Buch dann dazu führt, dass sie weiterhin Besitz hat.
Florian Bayer: Kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich glaube, das Buch fadet dann auch so ein bisschen aus. Also es war veröffentlicht in dem Buch. Das wird vielleicht ein bisschen konkreter gezeigt, aber das ist jetzt auch eher spekuliert. Vielleicht ist das so ein bisschen Sally Potters Idee davon, noch ein bisschen mehr Utopie da mit reinzubringen, dass sie Dass wir uns jetzt im 20. Jahrhundert an der Grenze zum 21. Jahrhundert befinden und dass sie jetzt auch eine Tochter haben kann. Weil der Zeitsprung findet ja auch wieder so sehr im Vorbeigehen statt, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie geht und die haben Nebel und Sie ist schwanger und Wir hören das Flugzeug über ihr und wissen jetzt, ach genau, da sind wir im Kriegsgebiet. Ah, stimmt. Kriegsszenario plötzlich, das aber wirklich nur das in das Kapitel in 1850 reingepackt wird. Wir sind offensichtlich jetzt im Zweiten Weltkrieg, würde ich vermuten.
Johannes Franke: Ich hatte den ersten gesehen, aber egal.
Florian Bayer: Auf jeden Fall ist sie sehr lange schwanger. Weil da sehen wir, dass sie schwanger ist. und dass sie eher so auf der Flucht ist. Aber es ist halt auch nur so ein Gen. Wir hören das Flugzeug. Es regnet. Das ist übrigens auch toll, wie mit dem Wetter umgegangen wird. Sie wird verlassen.
Johannes Franke: Ja, es regnet.
Florian Bayer: Ja, es ist Klischee, es ist total Klischee. Aber es ist irgendwie, das gehört vielleicht zu dieser Naivität mit, die ich in dem Film sehe.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und dann in dieser Flucht, die wirklich auch en passant passiert, vor dem Krieg, ist sie schwanger und läuft in unsere Zeit hinein. Das ist in unserer Zeit und beim Verleger.
Johannes Franke: Und ich frage mich dann, wie ist das mit dem Kind? Ist das das Kind denn auch... Welche unsterbliche oder nicht Unsterblichkeit hat dieses Kind und wie entwickelt sich das?
Florian Bayer: Aber gut, es scheint mir fast so, als würde da was Übernatürliches geschehen, was nicht näher erklärt wird.
Johannes Franke: Ja, Plur. Das hast du aber sehr geschickt eingefädelt. Man hätte es fast gar nicht gemerkt. versuchst unsere Top 3 reinzubringen und zwar die Top 3, die ich einmal festgelegt habe, was ich sofort wieder bereut habe. Die Top 3 mit dem Titel Filme, die sehr lax mit Naturgesetzen umgehen und es nicht weiter erklären.
Florian Bayer: Ja. Und wir haben uns beide, glaube ich, schwergetan mit der Liste. Mein Vorschlag war epochenübergreifendes und ich bin... Fest davon überzeugt, mit der Liste hätten wir uns genauso schwer getan.
Johannes Franke: Ja, aber es wäre vielleicht noch mehr... Ich hätte noch mehr gefunden, glaube ich. Und das war jetzt wirklich schwierig. Ich fand es wirklich, wirklich schwierig. Weil die meisten Filme geben sich dann doch manchmal ein bisschen zu sehr Mühe. Aber sie geben sich Mühe, sich zu erklären, zu sagen, was ist denn hier eigentlich los? Und dieser Film, also Orlando tut das kaum. Du hast am Anfang, das ist mehr so ein... so einen Anstoß, dass die Queen sagt, du darfst aber nicht, du sollst nicht altern.
Florian Bayer: Ja, es ist keine Exerei, kein Zauber, der da stattfindet.
Johannes Franke: Genau, es ist nur so ein, ich lege mal das Thema Films fest.
Florian Bayer: Und ganz wichtig, was auch das surreale Moment dieses Films ist, es wird von allen akzeptiert. Es gibt nicht einmal jemanden, der sagt, hey, ich muss mal nachforschen, sollte diese Person nicht... Also zum Beispiel klassischer Gegenentwurf Highlander.
Johannes Franke: Ein witziger Actionfilm.
Florian Bayer: ewig, aber natürlich kommen Leute, die ihm hinterher recherchieren, die versuchen herauszufinden, was ist mit ihm los. Und wir erhalten die Erklärung irgendwie so mehr oder weniger dafür, weil er... halt einer von diesen besonders Auserwählten ist, die ums Überleben kämpfen. Das wäre übrigens einer meiner epochenübergreifenden Filme geworden.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Toller, total schiesiger Actionfilm aus den 80ern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mit Queen.
Johannes Franke: Mit Queen?
Florian Bayer: Mit Queen Soundtrack. Ah. It's a kind of magic. Oh. Und who wants to live forever?
Johannes Franke: Geil. Okay, fang du mal an.
Florian Bayer: Honorable Mentions. Ich mach jetzt Melancholia mal da weg, weil der irgendwie dann doch zu sehr versucht zu erklären. Honorable Mentions, ich hatte überlegt, ob ich nochmal auf die 1 packe und dachte, das ist dann doch ein bisschen doof. Stalker nochmal, ich muss ihn nochmal erwähnen. Mhm. Weil eben dieser Komet landet auf der Erde, diese Zone ist irgendwie merkwürdig, Menschen gehen darin verloren, die ... Orte wechseln, ohne dass man es genau mitkriegt, ohne dass man es sieht oder erkennt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und es wird alles nicht erklärt. Und am Anfang steht so dieser ... zentrale Satz dann und was das alles betrifft, wir wissen es nicht, wir wissen es nicht oder so ähnlich. Und dann noch ein Film, den ich vor kurzem gesehen habe, der vielleicht nicht in der Top 3 was verloren hat, aber der wirklich gut war. Ich war überrascht, wie gut der war. Horns. Aus dem Jahr 2020, 2013 mit Daniel Radcliffe.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der einen jungen Mann spielt, dessen fast Verlobte umgebracht wurde und alle Verdächtigen ihn. Und wir als Publikum wissen auch lange nicht, ob er der Schuldige ist. Aber er wird von allen gehasst. Die Presse ist hinter ihm her. Alle sagen, er ist ein Mörder, der auf freiem Fuß ist und er ist nur auf freiem Fuß, weil es nicht genug Beweise für seine Schuld gibt. Und dann plötzlich über Nacht wachsen ihm Teufelshörner.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann ist er so damit konfrontiert und denkt erst mal so, scheiße, jetzt seh ich ja noch schlimmer aus, jetzt hassen mich die Leute noch mehr, wenn ich jetzt schon ausseh wie der Teufel. Stellt dann aber fest, dass diese Teufelsherner zum einen nicht von allen gesehen werden und zum anderen dazu führen, dass Leute, die ihn sehen, Und die sie sehen, ihm ihre tiefsten Geheimnisse verraten, ihre dunkelsten Gedanken. Und danach vergessen haben, dass sie ihn mit Teufelshörnern gesehen haben. Und diese Gabe benutzt er dann, um herauszufinden, wer seine Frau... seine Freundin umgebracht hat.
Johannes Franke: Das ist ja geil. Das finde ich total coole Premise.
Florian Bayer: Ja, und der Film war wirklich, also der war ein bisschen verstolpert und vom Pacing nicht so 100%. Und Daniel Radcliffe ist nun mal jetzt auch nicht unbedingt der beste Schauspieler.
Johannes Franke: Findest du? Ich fand den eigentlich gar nicht so schlecht.
Florian Bayer: Ich finde, der ist besser geworden.
Johannes Franke: Ein Swiss Army Knife ist er wahrscheinlich ganz gut.
Florian Bayer: Bitte?
Johannes Franke: Ein Swiss Army Knife ist er wahrscheinlich ganz gut.
Florian Bayer: Da ist er super witzig, aber da muss er auch nicht viel machen, außer tot zu gucken. Hast du den gesehen, Swiss Army Man? nicht gesehen. Was für ein toller Film. Das ist so ein Feel-Good-Movie. Ein bizarrer Feel-Good-Movie.
Johannes Franke: Ja, der Trailer war sehr bizarr.
Florian Bayer: Könnten wir vielleicht mal auf eine Liste packen. Von Alexandre, nee, Französisch, Alexandre Ayat, der sonst eigentlich nicht sonderlich viele gute Filme gemacht hat. Aber Horns ist wirklich ein guter und wirklich unterhaltsamer Film. Irgendwo zwischen Surrealismus, Mystery und Horrorkomödie angesiedelt. Schöner Film. Das wären meine beiden Honorable Mentions.
Johannes Franke: Ich bin völlig beeindruckt, dass du überhaupt Honorable Mentions hast. Ich habe nicht mal drei Filme. Oh. Also nicht wirklich. Also ich habe so Ansätze, aber ...
Florian Bayer: Es wird noch schlimmer. Mein Platz 3 ist nämlich ein Teil zwischen zwei Filmen.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ich konnte mich nicht entscheiden, welchen Film ich von diesem Regisseur nehme.
Johannes Franke: Das ist mir alles unbekannt, was du erzählst. Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: François Auzon. Großartiger Regisseur, den... Was ist denn der bekannteste Film? Also den Namen kennt man wahrscheinlich. Und sein bekanntester Film ist, jetzt muss ich gucken, Vielleicht Swimmingpool, aber der war auch ziemlich surreal. Ähm ... Nee, der hat nicht wirklich so einen richtig Bekanntenfilm gemacht, stelle ich gerade fest. Toller französischer Regisseur. Acht Frauen. Acht Frauen kennst du. Und zwar gibt es zwei Filme, von denen die das machen. Die hat ja immer so leicht was Surreales drin. Aber zum einen Sitcom aus dem Jahr 1998, wo er eine spießbürgerliche Familie betrachtet. die komplett aus dem Ruder läuft durch eine Ratte, die sich der Sohn anschafft und die dann sich plötzlich ... animalistischen Trieben hingeben. Und das endet damit, dass der Vater sich in eine Ratte verwandelt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Sehr Kafka-esk. Toller Film.
Johannes Franke: Kafka.
Florian Bayer: Ja, es gibt aber nicht wirklich gute Kafka-Verfilmungen.
Johannes Franke: Schade. Na gut.
Florian Bayer: Und zehn Jahre später, 2009, der romantische Gegendentwurf Ricky. wo eine Frau ein Kind gebärt, dem Engelsflügel wachsen.
Johannes Franke: Ich glaube, das kenne ich. Ich glaube, das kenne ich.
Florian Bayer: Haben wir den nicht sogar vielleicht zusammen geguckt?
Johannes Franke: Vielleicht haben wir den zusammen geguckt vor gefühlten 20 Jahren. Ja. Und actual 20 Jahren Scheiße.
Florian Bayer: Nee, zehn Jahre. Er ist elf Jahre alt. Zwölf Jahre. Ähm, Toller Film, ein bisschen kitschig, ein bisschen sehr romantisch, sentimental, so Sozialromantik ist ein bisschen mit drin und auch ein bisschen Sozialkritik. Aber der bringt dieses übernatürliche, sehr schön ... rein in den Film und liefert auch keine wirklichen Erklärungen dafür, sondern dann hat sie halt ein Engelskind.
Johannes Franke: Okay. Geil. Nur dann. naja also es würden ja dann solche Filme wie plötzlich erwachsen oder wie heißen diese Dinger wo sie 14 ist eigentlich, aber plötzlich 30.
Florian Bayer: Ach so, Big war das mit Tom Hanks, wo er plötzlich erwachsen ist.
Johannes Franke: Ah, okay. Ja, solche Filme würden dann ja auch darunter fallen, aber das fand ich nicht so richtig gut.
Florian Bayer: Nee, und da wird auch zu viel erklärt. Also da ist klar, da gibt's eine magische Entität in der Welt, die das macht. Bei Big zum Beispiel ist es dieser Automat, der Wünsche erfüllt. Und auch wenn das total gaga ist, aber es ist zumindest klar, Hier gibt es eine magische Komponente und die macht das jetzt.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Ding. Aber das soll es ja nicht sein. Ich will ja einen Film, der wirklich... einfach ein Element einführt, was nicht erklärt wird. Und das finde ich halt geil. Ich finde es total schade, dass es so selten gibt. jetzt in der Recherche eben, mir einfach nicht genug aufgefallen ist, wo ich sage, dass es Das ist einfach gesetzt. Das ist so. Und da wird auch keiner im Film, wie bei Orlando halt, wo keiner im Film sagt, warum lebst denn du noch?
Florian Bayer: Das ist aber unnatürlich, was hier passiert.
Johannes Franke: Wenn es einfach durchgeht. Okay, gut, ja. Ja, auch diese ganzen, weiß ich nicht, Kinderfilme, die einfach sowas aufsetzen, das ist dann halt einfach in einem... in sich geschlossenen Systemen an Märchen. Das fällt für mich auch nicht unter diese Kategorie.
Florian Bayer: Nee, es ist auch nicht wirklich. Ich muss aber jetzt auch gerade feststellen, dass meine Top 2 auch nicht so 100% unter die Kategorie fällt, auch wenn nicht danach recherchiert wird. Nee, auch wenn es keine Erklärung wird, wird doch danach ... Zumindest wird mal gesagt, das ist aber unnatürlich, was da geschieht. Ah, okay. Das ist wirklich schwierig.
Johannes Franke: Ich finde sowas ganz toll, wenn man das hinkriegt, einfach den Leuten was vorzusetzen und die sagen, ja okay, dann ist das jetzt so.
Florian Bayer: Das ist halt das, was der Surrealismus so ein bisschen geschafft hat.
Johannes Franke: Ja, ist richtig. Aber dann muss er es mir besser verkaufen als Jodorowsky.
Florian Bayer: Was hast du denn?
Johannes Franke: Also ich hätte aus meiner Erinnerung aber auch nur Donnie Darko.
Florian Bayer: Ja, aber der erklärt auch gerne und vor.
Johannes Franke: Verdammt, okay. Dann ist mir die Erklärung einfach nicht mehr präsent genug.
Florian Bayer: Oh, jetzt habe ich noch einen gefunden.
Johannes Franke: Ich habe keinen einzigen richtigen und du hast... Oh Gott.
Florian Bayer: Also was funktionieren würde, wäre vielleicht Paddington, weil der Bär kann halt reden und das allgemein akzeptiert.
Johannes Franke: Ach ja, stimmt. Ja, gut, okay, aber ja, ja, okay.
Florian Bayer: Also was mir jetzt noch eingefallen ist, ist ein toller Film, so ein strecher Film. The Lobster von Georgios Lantimos aus dem Jahr 2015. Der spielt in einer ... dystopischen Gesellschaft, in der Singles tabu sind. Die Menschen müssen Partner finden. Und wer längere Zeit Single ist, wie unser Protagonist, gespielt von... Colin Farrell, weil er von seiner Frau verlassen wurde. Die Singles müssen dann in ein Hotel. Und wenn sie innerhalb von 48, 50, keine Ahnung, in gewissen Zeitspanne, Tagen keinen Partner gefunden haben oder keine Partnerin, Dann werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. Von einer Verwandlungsmaschine.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die leben alle in dieser Welt und das ist auch für die irgendwie okay. Also die Welt ist halt so. Und dann sind die ganzen Singles in diesem Hotel und versuchen verzweifelt ihren Seelenpartner zu finden.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und er hat sich schon ausgesucht, er würde dann in den Hummer verwandelt werden, wenn er ... Deswegen heißt der Film The Lobster. Und er hat seinen Bruder bei sich, der in den Hund verwandelt wurde. Das heißt, er hat die ganze Zeit diesen Hund bei sich.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ein sehr, sehr, sehr, sehr schräger Film.
Johannes Franke: Was fällt denn zum Beispiel Being John Malkovich darunter?
Florian Bayer: Jürgen Molkowitsch könnte man vielleicht nehmen. Aber ich glaube, du dachtest auch eher an so Natur... Ja, genau. Naturerscheinungen, Naturphänomen. Das wäre mein Platz 2... Ich würde gut da reinfallen. Magnolia, der Froschregen. Magnolia, der ja sowieso mein Lieblingsfilm ist. Oder ganz weit oben steht in meiner Top-Liste auf jeden Fall immer noch. Und da gibt es halt einfach mal diesen Froschregen, der aus dem Nichts kommt. Aber der Film hat natürlich, also alle reagieren überrascht auf diesen Froschregen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber er wird nicht erklärt und er macht ja auch keinen Sinn. Also zumindest nicht in dieser Größenordnung, dass so viele Frösche regnet.
Johannes Franke: Er macht sich bloß philosophisch daran, diesen Vorschlägen einmal zu als unerklärtes Phänomen zu bezeichnen. Ja, das würde als, nicht als Film, aber als Filmmoment durchaus passen.
Florian Bayer: Genau. Das finde ich schön. Ich mag das tatsächlich, wenn das dann so plötzlich passiert und dann aber auch wieder vorbei ist. Das ist bei Magnolia der Fall, wo es die Frösche regnet. Das ist wirklich, es hat fünf Minuten in dem Film.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und in Sitcom ist es auch cool, weil der Vater verwandelt sich dann einfach in eine Ratte. Und dann ist der Film aber auch vorbei. Also so dieses Plötzliche kommt eine... surreale, merkwürdige Sache und dann ist es zu Ende oder dann ist es wieder normal.
Johannes Franke: Ist auch nicht schlecht. Ich hätte vielleicht noch Benjamin Button, aber das war kein wirklich guter Film. Uff. Die Vorlage fand ich ganz nett. Ich habe es als Hörbuch gehört, diese Geschichte. Die ist relativ kurz. wo einfach jemand als alter Mann geboren wird und dann im Laufe des Lebens immer jünger wird.
Florian Bayer: Brad Pitt, ne? Ja, Brad Pitt, genau. Aber der war so, der war auch so sentimental und die CGI ist glaube ich, also wenn man die heute sehen würde, würde man wahrscheinlich denken, auuuh.
Johannes Franke: Nehme ich auch an, ja. Weiß ich nicht genau, aber ja. Irgendwie... war der Film nicht so richtig gut. Vor allem, weil ich die Vorlage eigentlich ganz gerne mochte und dann war das irgendwie zu, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ja, vielleicht so ein bisschen Transparenz. Wir haben vorhin schon drüber geredet, beide festgestellt, dass es uns ganz schön schwerfällt, was zu finden für diese Liste. Da hatte ich noch vorgeschlagen diesen Vampir-Film, diesen skandinavischen Let the Right One In. Und da hast du mich fragend angeguckt. Ich dachte, hätten wir zusammen geguckt, wo ein kleines Mädchen ein Vampir ist. Aber es ist halt ein Vampirismus. Das heißt ...
Johannes Franke: Ja, es ist ja auch irgendwie ein erklärtes Phänomen, also es ist sozusagen ein Phänomen, das man kennt aus der Geschichte.
Florian Bayer: Ja, es funktioniert auch nicht wirklich.
Johannes Franke: Ich hätte vielleicht noch, und das ist das Letzte, was ich hier wirklich aufgeschrieben habe, Sense8. Wo einfach Menschen miteinander verbunden sind durch irgendwie einfach Sinneswahrnehmung. Ich kann jemanden in China, ich habe irgendeine Verbindung zu jemandem in China und wir... wir haben irgendwie gedanklich teilen gedanken oder oder können uns unterhalten ja was unterhalten ist fast so viel gesagt aber So eine Verbindung, so eine geistige.
Florian Bayer: Der ist eigentlich ganz schön, so Telepathie.
Johannes Franke: Ja, es wird nicht näher erklärt, soweit ich das jetzt weiß noch, soweit ich es erinnere. Und das ist ganz cool. Ich finde solche Filme einfach wirklich toll, aber es wird halt so wenig gemacht. Vielleicht fällt euch noch irgendwas ein, schreibt uns gerne. dann könnten wir das ja auch nochmal mit verwursten. Ich würde gerne mehr Filme sehen, die eigentlich Einfach so ein übernatürliches Element haben, das nicht weiter erklärt wird, sondern das einfach gesetzt wird.
Florian Bayer: Ganz nett ist vielleicht in dem Kontext noch, den habe ich nicht auf der Liste, weil er glaube ich nicht so Top-Listen-Material ist, Der Mann ohne Gravitation aus dem Jahr 2019, Netflix-Film.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der Titel sagt alles. Ein Kind wird geboren und ist einfach von der Gravitation gelöst. Das heißt, er schwebt immer so zur Decke und wird dann ... von seiner Mutter ganz lange zu Hause gehalten, nicht in die Schule geschickt und so weiter. Und dann versucht die Mutter zusammen mit der Großmutter, ihm irgendwie ein Leben zu ermöglichen. Und dann kriegt er Schuhe, die extrem beschwert sind, damit er noch mal gehen kann. Und dann verliebt er sich natürlich. Und dann ist es schon so ein sehr klassischer Liebesfilm mit fantastischer Komponente, wie die Frau des Zeitreisenden zum Beispiel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der übrigens auch in die Richtung fallen könnte vielleicht.
Johannes Franke: Vielleicht, weiß ich nicht ganz genau. Ich habe... Habe ich den wirklich gesehen? Der geht auch in die Zukunft, ne? Irgendwie in so eine komische Öle.
Florian Bayer: Er springt mal zwischen den Zeiten.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht mehr genau.
Florian Bayer: der würde da vielleicht auch noch reinpassen. Und ich weiß nicht, wie glücklich ich mit meinem Platz 1 bin. Mein Platz 1 ist dann halt die Vögel geworden von Hitchcock, wo Vögel plötzlich Amok laufen und sich auch zusammenschließen und gemeinsam die Menschen tyrannisieren und Die Menschen finden es komisch, aber es wird nicht weiter recherchiert, was da passiert ist und es bleibt halt einfach offen. Deswegen auch ein Film, der immer ganz gerne symbolisch gedeutet wurde, dass die Vögel, die wild gewordenen Vögel die Eifersucht der Mutter widerspiegeln, weil plötzlich eine andere Frau in das Leben des Vögel. Das behüteten Sohnes tritt oder so.
Johannes Franke: Okay. Naja, ja. Aber ich finde schon, dass der in die Liste passt. Doch, doch. Auf jeden Fall. Weil das ja wirklich, auch wenn es eine psychologische Variante ist, die... Die Ausführung ist ja durchaus ein übernatürliches Phänomen quasi. Das passt schon. Also wenn euch was einfällt, schreibt uns gerne und vielleicht gehen wir zurück in unseren Filmen, den wir eigentlich haben. Orlando. Gibt es noch irgendwie, eigentlich sind wir schon am Ende, oder? Haben wir noch irgendwas, was wir sagen wollen? Wir landen ja am Ende in unserer Jetzt-Zeit. schreibt ihre Geschichte oder ihre eigene Geschichte auf.
Florian Bayer: Ja, es wird nicht so 100% erklärt, aber es... Wird schon nahegelegt, oder?
Johannes Franke: Ja, vielleicht weiß ich das jetzt auch nur, weil ich recherchiert habe nochmal wegen Virginia Woolf. Ich glaube, in dem Original ist das so. Dass sie ihre Geschichte aufschreibt und dann endet das irgendwie einfach damit, dass sie ihren Stift zur Seite legt und Schluss ist. Und in diesem Falle ist halt der ... Der Poet von damals spielt dann jetzt nochmal den Verleger. der dann im Gegensatz zum Poeten diesmal sagt, oh ja, ist ja ganz ordentlich, was du geschrieben hast. So.
Florian Bayer: Er sagt, er findet es gut, aber die Liebesgeschichte braucht doch ein Happy End, damit er es gut verkaufen lässt. Das ist irgendwie ganz witzig. Das ist natürlich so eine Andeutung dahin, dass es ihre Lebensgeschichte ist, weil die Lebensgeschichte mit dem... Schau mal, den kein Happy End hatte, weil er halt weg ist. Und ich mag die Schlussszene, dass sie dann auf dem Motorrad ist mit ihrem Kind und sie sieht wirklich zufrieden und glücklich aus und dann fährt sie zu ihrem alten Anwesen. Und dann haben wir dann nochmal Jimmy Somerville als Engel. der nochmal singen darf.
Johannes Franke: Ah, ja, ja, stimmt, genau.
Florian Bayer: Jimmy Summerwell ist als Sänger von Bronski-Beat Wahrscheinlich am ehesten bekannt, Small Town Boy. Das dürfte sein bekanntester Hit sein. Und so 80er Jahre Pop mit Falsett-Stimme. Ja. Und der, glaube ich, auch so musikalische Ikone der Queer-Community ist. Mhm.
Johannes Franke: Ja, ich finde das Ende auch ganz wundervoll, weil die Note, auf der es endet, einfach sehr... positiv ist. Und das Kapitel heißt ja nicht umsonst Birth, im Sinne von ich komme hier in meine eigentliche in mein eigentliches Leben hinein, meine eigentliche Figur, die ich sein will, die eigentliche eigentlichen Menschen, den ich jetzt sein kann.
Florian Bayer: Als Ja, es ist von vorne bis hinten hat der Film einen sehr optimistischen, ich will jetzt noch einmal einbringen, das Wort naiv optimistischen Ton.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und hat auch immer so ein bisschen was Utopisches mit, weil wir, es ist wirklich, er entlässt uns mit einem guten Gefühl.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist dadurch ... ist es einfach auch ein bisschen individuelle Utopie eines Menschen, der zu sich selbst findet und Und auch wenn es Jahrhunderte dauert, irgendwie an einem Punkt ankommt, wo der Mensch dann sagen kann, ja, das ist gut, das ist geschafft, ich bin glücklich.
Johannes Franke: Ja, ist schön. Es gehört nicht in die Kategorie Feel Good Movie im Sinne von, wir sind... Alle hyped und so. Dafür ist der Film zu toned, also zu sehr einfach auf einem Level, das nicht Höhen und Tiefen ausschöpft.
Florian Bayer: Zu gediegen auch einfach.
Johannes Franke: Ja, gediegen ist ein gutes Wort dafür.
Florian Bayer: Edelgediegen. Es darf bei den Emotionen nie zu sehr ausbrechen. Das passiert einfach nicht.
Johannes Franke: Aber ich finde dadurch einfach, der hat eine Kraft dadurch, die ich einfach sehr mag.
Florian Bayer: Er hat eine Schönheit. Ich finde ja, wie gesagt, an manchen Stellen ist er halt vielleicht zu sehr brav, als dass ich ihm Kraft zuschreiben würde, aber er hat eine Schönheit und ich finde es einfach... Wahnsinnig beeindruckend. Das Buch, das fast 100 Jahre alt ist und die Verfilmung, die mittlerweile auch fast 30 Jahre alt ist, sich so elegant mit dem Thema beschäftigen und so, dass sie, dass man sagen könnte, natürlich findet im heutigen Diskurs um das Thema Geschlecht viel mehr statt noch als da. Aber trotzdem sind sie nicht out of date, weder das Buch, zumindest das, was ich da jetzt so quer gelesen habe, noch der Film.
Johannes Franke: Das ist toll. Also wie so ein Thema, was so in einer Zeit auch Also wir haben jetzt einen ganz anderen Umgang mit dem Thema als vor 30 Jahren und trotzdem ist der Film zeitlos irgendwie und das finde ich irgendwie beeindruckend.
Florian Bayer: Es gab übrigens zehn Jahre davor eine deutsche Verfilmung von Orlando. Unter dem Titel Freak Orlando aus dem Jahre 1981. Und diesen Film findet man auch online. Ich werde aber keinen Link in die... Kein Ding in die Shownotes hauen, weil diesen Film findet man online auf Portalen. die halt nicht die die einfach legal sind es ist einfach ein also man bei Amazon oder bei Netflix oder so findet man diesen Film nicht, sondern man muss schon ein bisschen graben und dann ist eigentlich ziemlich klar, dass es kein... Das ist kein Portal, das sich um Urheberrechte schert. Und ich habe ein bisschen reingeguckt, ein bisschen quer geguckt, weil es war einfach die Zeit, jetzt nicht da den Komplett zu gucken. Und es schien mir ein komplett anderer Ansatz zu sein, mit der Geschichte umzugehen. Es ist definitiv eher Experimentalfilm, eher ähm Eher Avantgarde-Film und auch mit schrillen Bildern und mehr in unserer Zeit. Und es war... Ja, nur vielleicht so als Gedanke zum Weiterführen. Ich weiß auch gar nicht, ob der überhaupt nah dran ist an der Vorlage. Alles, was ich gesehen habe, ich habe wirklich nur ein paar Bilder gesehen. Sah alles sehr schräg und sehr anders aus. Wäre vielleicht mal interessant, das nicht noch mal ... einfach um so einen Kontrast zu haben, was aus der Vorlage noch gemacht werden kann. Es sieht offensichtlich mehr aus wie ein Versuch, den Film in unsere, in die damalige Zeit zu adaptieren, während Orlando aus dem Jahr 1992 sehr darum bemüht ist, nah an der Vorlage zu bleiben.
Johannes Franke: Okay. Spannend. Ja, muss ich mal reingucken. Mal schauen, was da so... Wartet.
Florian Bayer: Und es ist halt so eine Seite mit so einem, ja, ich meine, man kennt ja die Seiten. Es ist so eine Seite, auf der man den Film findet.
Johannes Franke: Okay, okay. Seiten, die wir eigentlich gehofft haben, abschaffen zu können mit den ganzen offiziellen Streaming-Anbietern, aber leider hat... Netflix ist nicht geschafft, die ganzen alten Sachen, die man sonst nicht findet, mit zu übernehmen.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich jetzt das Gefühl, ich gucke gerne alte Filme, ich gucke viel alte Filme. Und Oft ist es so, wenn ich nach diesen Filmen suche, bei Amazon und Netflix kannst du es vergessen. Und meistens, also zumindest so vom Gefühl her, ist Apple TV die Anlaufstelle. für altes Material. Allerdings ist es tatsächlich so, dass ich jetzt nicht Lust habe, noch zusätzlich mir ein Apple TV Abo zu holen. Aber es scheint so zu sein, dass Apple und es kann auch sein, dass es nur im englischen Raum ist, weil das ist ja auch ganz oft Bei Netflix ist das Filmangebot ja riesig und super und ganz toll, wenn du in Amerika sitzt oder ein VPN-Netzwerk hast, das ausnahmsweise funktioniert, von Netflix akzeptiert wird. Netflix ist ja wirklich gut, aber es ist ein Trauerspiel wie Netflix USA und Netflix Deutschland, wie das Angebot ist, wie groß da der Unterschied ist. Und kann natürlich sein, dass diese Apple-TV-Dinger, die ich da finde, auch nur Amerika sind und ich im deutschen Apple-TV genauso lost wäre.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber das ist wirklich schade, dass die Streaming-Anbieter gerade für so alte Filme und so kleine, vergessene Juwelen nicht wirklich den Raum bieten.
Johannes Franke: Schade. Mal gucken, wie sich die Lücken vielleicht doch noch füllen irgendwann.
Florian Bayer: Wie hast du denn online
Johannes Franke: Wie habe ich Orlando geguckt?
Florian Bayer: Ich habe auf Amazon Geld dafür bezahlt.
Johannes Franke: Ach so, ja genau, ich habe auf Amazon geguckt, aber ich habe ein VPN... benutzt. Und ich habe ihn mit Werbung zwischendurch dann geguckt, weil in Amerika anscheinend das irgendwie inklusive ist.
Florian Bayer: Nein. Du bist ohne Konto bei Amazon in Amerika und kannst Filme mit Werbung gucken?
Johannes Franke: Ging.
Florian Bayer: Krass. Okay, interessant. Amazon.com. Das war nicht so eine Seite, so das A dann als kyrillisches A geschrieben oder so. Nein, nein.
Johannes Franke: So ein richtiges, ordentliches Amazon.
Florian Bayer: Krass. Interessant. Okay.
Johannes Franke: Hat funktioniert. Ich war auch verwundert und ich war auch ein bisschen erneut von der Werbung, aber naja gut.
Florian Bayer: Und wie viele Werbebreaks gab es da dann in so einem 90-Minuten-Film?
Johannes Franke: Vier.
Florian Bayer: Und eine Werbung oder so?
Johannes Franke: So sieben Werbungen. Also es ist schon so, dass man denkt, oh fuck.
Florian Bayer: TV-Niveau.
Johannes Franke: Ja, ein bisschen. Aber es wurde weniger. Ich glaube dann, der erste war richtig, aua, der erste Werbeblock und dann wurde es weniger. Ich würde nicht sagen, es ging. Es war nicht so schlimm, sondern es war schon weiterhin, aber es war nicht mehr ganz so lang wie der erste. Okay. Na gut, ähm, ja, gibt's noch ein Fazit? Haben wir jetzt eigentlich schon gehabt, ne? Ja.
Florian Bayer: Toller
Johannes Franke: Film. Ich finde es ganz, ganz großartig. Das Thema wird auf eine ganz besondere und gute Weise behandelt. Und ja, nur empfehlenswert.
Florian Bayer: Schöner Film. Vielleicht ein bisschen brav hier und da, aber tolle Bilder, wichtiges Thema. Ich find's spannend, wenn sich jemand heute dran trauen würde, was daraus aus der Vorlage gemacht werden könnte, wenn der Film heute verfilmt wird. Aber wenn das Buch heute verfilmt wird, würde mich sehr interessieren.
Johannes Franke: Ich würde mich nicht trauen als Filmemacher, muss ich sagen. Bei diesem Film jetzt da nochmal was... nachlegen zu wollen, ich weiß nicht. Was würde ich anders machen?
Florian Bayer: Ich glaube, wenn man das heute finden würde, dürfte man sich nicht zu sehr in die Vorlage klammern, sondern müsste versuchen, das ein bisschen freier zu machen. Weil es gibt eine perfekte filmische Umsetzung der Vorlage und das ist dieser Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Und find mal einen Schauspieler oder eine Schauspielerin. Ja. Es ist, ne?
Florian Bayer: Schwierig.
Johannes Franke: Schwierig.
Florian Bayer: Ja. Till das Hunden lebt noch.
Johannes Franke: nochmal anfragen.
Florian Bayer: Aber ich weiß nicht, ob sie noch den jungen Edelmann verkörpern könnte.
Johannes Franke: Tja.
Florian Bayer: Wäre auf jeden Fall auch spannend.
Johannes Franke: Wäre spannend. Na gut. Okay, ja, ich glaube, wir nähern uns unserem Ende. Ja. Unserem Ende, du weißt schon.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was wir nächste Woche machen, bleibt dran, es lohnt sich, weil nächste Woche kommt eine besondere, a very special Episode.
Johannes Franke: Wenn wir es hinkriegen, ich bin gespannt. Das ist wirklich eine ganz andere Herangehensweise.
Florian Bayer: Aber ich danke dir auf jeden Fall dafür, dass du dich durch Holy Mountain gequält hast.
Johannes Franke: Und ich danke dir, dass du dir Tilda Swinton nochmal in Orlando angeschaut hast. Und die anderen Schauspieler, die auch toll waren.
Florian Bayer: Wir sehen uns beim nächsten Mal. Wir hören uns beim nächsten Mal.
Johannes Franke: Euch eine schöne Woche. Bis dann.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: Ciao. Vielen Dank.
Florian Bayer: Was machen wir nächste Woche?
Johannes Franke: Was machen wir nächste Woche, Flor? Du bist im Urlaub.
Florian Bayer: Ich bin bei meinen Eltern mit meiner Familie. Und das heißt, es wird auf jeden Fall eine Remote-Episode werden und wir werden mit Sicherheit nicht 100% die Audioqualität haben, die wir sonst haben.
Johannes Franke: Also ich schon.
Florian Bayer: Johannes schon. Ich werde durch mein Funkgerät mit rauschen, analog. Ich fand den Film gut. Over.
Johannes Franke: Ich verstehe dich nicht. Was meinst du? Du trägst einen Hut?
Florian Bayer: Aber viel spannender als die Audioqualität ist ja das Thema, das wir haben. Und zwar schmeißen wir uns ausnahmsweise mal nicht jeweils einen Film zu. Das waren ja hunderte Filme zu.
Johannes Franke: Und zwar alles so ganz kurze Filme, Weil wir gehen ganz, ganz, ganz weit zurück an den Anfang des Films.
Florian Bayer: Soweit wir zurück können... vor der Zeit des Kinos, ganz wichtig, bevor es überhaupt sowas wie Kurzfilme gab, gab es diese ersten kleinen Filme. Filmschnipsel... wo diverse Leute die Kameras halt auf das drauf gehalten haben, was sie dachten, das taugt als Jahrmarktsattraktion.
Johannes Franke: Und ich denke dann nur an die ... Legend an die Legende, dass sie diesen einfahrenden Zug gefilmt haben und die Leute aus dem Vorführraum rausgerannt sind, weil sie gedacht haben, sie werden gleich überrollt von einem ankommenden Zug.
Florian Bayer: Was wahrscheinlich einfach nur Marketing war, um diesen Film gut verkaufen zu können.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es gibt... unzählige Filme aus der damaligen Zeit. Also wir sind Anfang 20. Jahrhundert, teilweise sogar Ende 19. Jahrhundert. die einfach so, naja, halt was die Meta damals hergaben von der Filmrolle, so 30 Sekunden, 40 Sekunden. je nachdem, in welcher Geschwindigkeit man sie abspielt, Dinge zeigen. Menschen, die sich küssen.
Johannes Franke: Känguru-Boxen.
Florian Bayer: Ein boxendes Känguru, ein Zug, der irgendwo einfährt. Ich hab einer ... Elefanten gefunden, der mit Elektro-, mit Stromstößen hingerichtet wird.
Johannes Franke: Och du Scheiße.
Florian Bayer: Die Bandbreite ist sehr groß, manches ist lustig, manches ist albern, manches ist verstörend. Wir werden auch den ersten Tonfilm dabei haben, der nämlich tatsächlich im 19. Jahrhundert entstanden ist. Wir werden bestimmt viel über Edison reden, über die Brüder Lumière und ... über die Ersten, die sich gewagt haben, Film zu machen und die das Zeug Ja, auf Jahrmärkten meistens gezeigt haben. Das waren Gauklerbuden. Das war die große Attraktion. Hier sehen Sie bewegte Bilder.
Johannes Franke: Und mal gucken, wie weit wir das Thema ausweiten. Vielleicht muss ich doch... Irgendeinen ersten Slapstick-Humorfilm von Chaplin oder so war es irgendwas. Ja. Auskramen. Mal gucken.
Florian Bayer: Wir schmeißen uns Dinge zu und reden über die Uhrzeit des Films vor Hollywood. Vorm Kino. Und mal schauen, wie das wird. Es könnte sein, dass es eine sehr kurze Episode wird. Es könnte sein, dass es eine längere Episode wird. Auf jeden Fall wird es eine Ferien-Episode.
Johannes Franke: Monsieur Ullo.
Florian Bayer: Ja, genau. Es wird wahrscheinlich wirklich so ein kleines Kaleidoskop und im schlimmsten Fall werfen wir einfach nur mit Titeln um uns und sagen zu jedem Titel Zwei, drei Sätze.
Johannes Franke: Aber es ist auch irgendwie eine Mitmach-Episode, weil wir ja dann das, was wir finden, wahrscheinlich am meisten auf YouTube finden werden. alte Sachen, die hochgeladen wurden. Das heißt, ihr könnt mitmachen und angucken. Es gibt dann in den Shownotes einfach die Links, würde ich sagen.
Florian Bayer: Genau. Die Shownotes werden vollgeklatscht sein.
Johannes Franke: Und dann könnt ihr einfach mitgucken, während wir uns darüber unterhalten.
Florian Bayer: Und hoffentlich werden wir wie immer, was immer unser Ziel ist, unseren und euren Horizont erweitern, einfach was Filmkunst betrifft. Und wenn es um so Banalitäten geht ... Wann wurde eigentlich der erste Schnitt gesetzt? Mal schauen.
Johannes Franke: Wann, Flo, wann? Ja, sehr schön. Ich freue mich sehr drauf, Flor. Ich bin sehr gespannt, wie das wird. Und vielleicht werfen wir es auch weg und werden nie einem Zuhörer davon berichten.
Florian Bayer: Du meinst, eventuell nehmen wir dieses Outro jetzt nur für uns auf. Und dann so in zwei Wochen machen wir ein neues Outro. Und übrigens, diese Woche reden wir über Herr der Ringe und... Harry Potter. Oh Gott.
Johannes Franke: Ja, dann sind wir in Mainstream angekommen.
Florian Bayer: Ich habe übrigens vor kurzem nochmal den letzten Harry Potter Film gesehen.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und festgestellt... dass der nur aus Schwarz besteht. Ich habe durchaus einen Softspot für die Harry-Potter-Filme. Einige sind wirklich richtig gute Filme. Aber der allerletzte Film ist unerträglich einfach, weil sie es total übertrieben haben mit Schwarz in Grau und Schwarz.
Johannes Franke: Ja ...
Florian Bayer: Und es gibt überhaupt keine oder kaum Lichtakzente. Und dadurch ist dieser Film einfach ... Vielleicht liegt es auch dann auch am Alter, dass er schlecht gealtert ist. Er ist einfach nur hässlich.
Johannes Franke: Schade, schade, schade. Ich habe mir die letzten beiden Filme, glaube ich, nur ein einziges Mal angeguckt, als sie rausgekommen sind und das war's. Irgendwie fand ich auch die Bücher, die letzten beiden... Nicht ganz so.
Florian Bayer: Wir können sehr lange über J.K. Rowling mal reden. Ich glaube, J.K. Rowling ist keine gute Geschichtenerzählerin.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Ihre Stärke besteht darin, Atmosphäre zu schaffen, indem sie über Essen schreibt und über Orte. Und über Personen, das kann sie gut. Aber sobald es zu einer narrativen Struktur kommt, hat sie teilweise wirklich große... Schnitzer drin, die... die man sich eigentlich auf dem Niveau nicht erlauben darf. Also wirklich die Sachen, die ich als krasse Fehler bewerten würde in der Art, Geschichte zu erzählen.
Johannes Franke: Okay, wow.
Florian Bayer: Vielleicht nur ein Beispiel. Mad-Eye Moody.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich komme immer wieder darauf zurück. Es ist so schlecht. Mad-Eye Moody in Teil 4. Wir lernen diese Person kennen. Und sie ist eine total sympathische Figur, die auch in weiteren Büchern noch benutzt werden soll.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und wir lernen diese Figur aber nicht wirklich kennen, weil es ist ja nicht mit einem Moody, sondern es ist ein Imposter, der vorgibt, mit einem Moody zu sein. Und der ganze Charakter von diesem Matt I. Moody hängt mit seinem tollen Verhalten zusammen, was er in dem Film gemacht hat, in dem es nicht Matt I. Moody ist. Das ist einfach ... Das ist wirklich ein Fehler. Das ist einfach objektiv nicht gut. Da gibt es nichts zu rütteln. Das macht man nicht.
Johannes Franke: Es stimmt, als ich es gelesen habe, habe ich auch gedacht, ja, aber wenn er das gar nicht war, wieso ist er dann so, wie er ist und was? Hä? Ja.
Florian Bayer: Naja, damit entlassen wir euch in die Woche. Mit diesem Gedanken über Harry Potter Teil 4.
Johannes Franke: Na dann, bis zu unserer Ferien-Episode.
Florian Bayer: Bis zum nächsten Mal. Ciao.
